LG Koblenz, Urteil vom 05.08.2013 - 2010 Js 49274/11 - 3 KLs
Fundstelle
openJur 2015, 12833
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Tenor

I.

Die Angeklagte wird wegen Mordes in zwei Fällen zu einer

lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe

verurteilt.

II.

Die Schuld der Angeklagten wiegt besonders schwer.

III.

Die Kosten des Verfahrens fallen der Angeklagten zur Last.

Angewendete Strafvorschriften:

§§ 211 Abs. 1, Abs. 2, 53, 57a, 57b StGB

Gründe

I.

[Anmerkung von openJur: Die Angaben zu den persönlichen Verhältnissen wurden entfernt.]

Der Bundeszentralregisterauszug der Angeklagten weist keine Eintragungen auf.

Die Angeklagte wurde am 22.05.2012 festgenommen und befindet sich seither aufgrund Haftbefehls des AG Koblenz - 30 Gs 3430/12 - vom gleichen Tage ununterbrochen in Untersuchungshaft.

II.

Die später getöteten Eheleute ... und ... hatten sich nach erfolgreicher selbständiger Erwerbstätigkeit als Einzelhandelskaufleute mit mehreren Lebensmittelgeschäften zur Ruhe gesetzt und genossen ihren Wohl- und Ruhestand, indem sie unter anderem viele Reisen unternahmen. Im Übrigen widmeten sie sich im Wesentlichen der Pflege ihres Hausanwesens, das über eine vermietete Einliegerwohnung und einen Garten verfügte. ... verwaltete darüber hinaus das Vermögen beider Eheleute, das neben Guthabenkonten und Wertpapieren im Wesentlichen aus Grundeigentum bestand.

Das Anwesen der Eheleute ... – ... Weg .. - liegt in einem Wohngebiet im Ortsteil ... der Stadt ..., an dem östlich in Nord-Südrichtung die vierspurig ausgebaute Bundesstraße ... vorbeiführt. Über eine etwa in Höhe des Anwesens der Eheleute ... und ... ... gelegene Anschlußstelle (.../...) ist dieses Anwesen von der B ... aus nach einer Fahrtstrecke von längstens 500 m - bei Anfahrt aus südlicher Richtung - erreichbar. Diese Fahrtstrecke führt nach Abfahrt von der Bundesstraße zunächst an der Einfahrt zum Betriebsgelände eines Kfz-Handels vorbei, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft noch ein öffentlicher Parkplatz liegt, von dem aus das Anwesen der Eheleute ... und ... ... nur noch ca. 300 m entfernt ist . Auch in unmittelbarer Umgebung des Anwesens ... Weg ... ist das Abstellen von Fahrzeugen auf der Straße möglich.

Der gemeinsame Sohn der Eheleute, ..., lebte mit seiner Ehefrau, der Angeklagten, und den gemeinsamen drei Töchtern in ... an der ... in einem Eigenheim, ... in ... ... erzielte zuletzt in angestellter Tätigkeit bei der ... AG monatliche Einkünfte zwischen 2.000 und 3.000 EUR. Die Angeklagte ging einer Aushilfstätigkeit in einer Buchhandlung in ... nach; sie verdiente ca. 250 EUR im Monat. Außerdem war sie zeitweise für den Anbieter von Diätnahrungsmitteln ... tätig, erzielte dabei aber keine wesentlichen Einkünfte.

Die Angeklagte hegte bereits seit längerer Zeit den Plan, ihre Schwiegereltern zu töten, um den Erbfall zugunsten ihres Ehemannes herbeizuführen, der als einziger Sohn alleiniger Erbe war. Dies wußte die Angeklagte. Sie wollte die Zeit der Einschränkungen durch ihre finanzielle Beengtheit beenden. Ihr Plan sah vor, nach Konstruktion eines Alibis nach ... zu fahren, die Schwiegereltern zu töten und schnellstmöglich wieder nach ... zurückzukehren. Weiterhin sollte der Ehemann für die Zeit der Tat ein Alibi vorweisen können. Der Angeklagten war bekannt, dass ihr Ehemann Anfang Juli an einer Fortbildungsveranstaltung in ... teilnehmen soll. Er reiste am Sonntag, den 03.07.2011 mit der Bahn von ... nach ..., wo er von einem Freund, dem Zeugen ..., abgeholt wurde. Nach einer Übernachtung in ... beim Zeugen ... brachte dieser ... am Montag zum Flughafen ... von wo ... nach ... flog. Dort besuchte er bis zum 06.07.2011 die Fortbildungsveranstaltung. Am 07.07.2011 kehrte er per Flugzeug von ... nach ... zurück, wurde wieder von dem Zeugen ... abgeholt und hielt sich danach bis zum 09.07.2011 ununterbrochen in der Gesellschaft des Zeugen ... in ... auf.

Die Angeklagte beschloss, diese berufsbedingte Abwesenheit ihres Ehemannes zur Umsetzung ihres Planes zu nutzen. Da sie nicht mit einem der beiden Familienfahrzeuge nach ... fahren wollte, versuchte sie bereits Anfang Juni 2011 über die Zeugen ... und ... ... an ein Fahrzeug zu gelangen, mit der Behauptung, sie wolle ohne Wissen ihres Mannes eine Freundin besuchen. Die Zeugen ... waren nicht bereit, ihren eigenen PKW zur Verfügung zu stellen. Auch die Anmietung eines Fahrzeuges bei verschiedenen Mietwagenfirmen auf den Namen der Zeugin ... scheiterte. Hier hatte sie gegenüber der Zeugin ... behauptet, sie könne den Wagen nicht in eigenem Namen anmieten, da ihr Ehemann bei Durchsicht der Kontounterlagen auf die Transaktion stoßen würde. Die Angeklagte sah sich daher gezwungen, mit dem ansonsten vom Ehemann genutzten BWM zur Ausführung der Tat nach ... zu fahren.

Bereits in den Tagen vor dem 07.07.2011 unternahm die Angeklagte zumindest eine längere Ausfahrt mit dem BMW 316, amtliches Kennzeichen: ...

Das Alibi wollte sich die Angeklagte in erster Linie über ihre Nachbarin, die Zeugin ... beschaffen. Am 07.07.2011 traf sie sich am Nachmittag mit der Zeugin ... in deren Haus zum Kaffee. Sie berichtete davon, dass es ihr schon den ganzen Tag nicht gut gehe. Kurz vor 21:00 Uhr verließ die Angeklagte die Zeugin ... und gab vor, noch in dem nahe gelegenen ...-Markt Zigaretten kaufen zu wollen, bevor sie sich zur Nachtruhe begeben werde.

Tatsächlich verließ die Angeklagte ihr Anwesen mit dem BMW jedoch nicht, um damit zu dem ...-Markt zu fahren. Vielmehr trat sie die Fahrt von ... nach ... an, wobei sie eine Fahrtstrecke über das Autobahndreieck ... wählte, von dem aus es entweder über die BAB ... und danach rechtsrheinisch über die von Norden nach Süden führende B ... – alternativ auch linksrheinisch u.a. über die B ..., die B ... und die von Süden nach Norden führenden Fahrspuren der B ... möglich ist, die dem Anwesen der Eheleute ... und ... ... benachbarte Anschlußstelle der B ... zu erreichen, oder aber über die Weiterfahrt auf der BAB ... , die bei ... kreuzende B ... und die von Süden nach Norden führenden Fahrspuren der B ... Bei allen genannten Fahrtstrecken beträgt die einfache Entfernung nur ca. 350 km.

In einem nicht näher einzugrenzenden Zeitraum um Mitternacht am 07.07.2011 wurde der von der Angeklagten geführte BMW ... auf der B ... aus südlicher Richtung kommend von dem Zeugen ... gesehen, der das Fahrzeug etwa in Höhe der Anschlußstelle .../... wieder aus den Augen verlor.

Nachdem die Angeklagte ihr Fahrzeug in der Nähe des Anwesens ihrer Schwiegereltern abgestellt hatte, begab sie sich zu Fuß zu dem Anwesen und öffnete die Hauseingangstüre mit einem dafür vorgesehenen Schlüssel, der ihrem Ehemann von seinen Eltern zum Verbleib in ... überlassen worden war und den sie auf ihrer Fahrt bei sich geführt hatte. Von den Eheleuten ... und ... ... unbemerkt gelang es der Angeklagten das Haus zu betreten und bis in deren im Erdgeschoß gelegenes Schlafzimmer vorzudringen. Die Angeklagte wollte die Schwiegereltern im Schlaf überraschen, um so die arg- und daher auch wehrlosen Schwiegereltern zu töten. Sie fand ... ... schlafend im Bett. Das Bett von ... ... war benutzt aber leer. Dieser hatte das Bett kurz zuvor verlassen, um in dem über das Schlafzimmer erreichbaren Badezimmer zu urinieren. Die Angeklagte erkannte die Situation und wollte ... ... nun bei Rückkehr ins Schlafzimmer überraschen, so dessen Arglosigkeit und die daraus resultierende Wehrlosigkeit ausnutzen und ihn mittels Messerangriffs töten. Sie stand im Bereich der Tür, die vom Schlafzimmer ins Bad/WC führt, als ... ... in das Schlafzimmer zurückkehren wollte und bereits seine Sehbrille wieder abgesetzt hatte und in der rechten Hand hielt. Wie von der Angeklagten beabsichtigt, wurde ... ... von dem Zusammentreffen mit der Angeklagten völlig überrascht und hatte daher keine Möglichkeit sich gegen den nun folgenden Angriff zu schützen, den die Angeklagte nunmehr sofort – um das Überraschungsmoment auszunutzen – mit einem von ihr mitgeführten Messer begann. Die Angeklagte führte damit, um ihn zu töten, in rascher Folge mehrere Stiche oder Hiebe gegen ... ... aus, die zu folgenden Verletzungen führten: Eine ca. 9 cm hoch zur rechten Schulterhöhe sondierbare, 4,5 cm breite Stichverletzung an der Oberarmaußenseite rechts; ein 16 cm langer, tief am linksseitigen Übergang des Halses zur Schulter ansetzender und oberhalb des Schlüsselbeines nach vorne bis zur Mittellinie ziehender, bis zu 4 cm breit klaffender Halsschnitt mit Durchtrennung der linken, inneren Drosselvene sowie des linken Kopfwenders, des linken Brustbein-Zungenbeinmuskels und des linken Schildknorpel-Zungenbeinmuskels mit ca. 3 cm langer Schnittverletzung der linken Schildknorpelplatte (korrespondierend hierzu eine fetzigrandige Textilbeschädigung des linksseitigen Nachthemdkragens); eine oberflächliche, nicht erkennbar eingeblutete, ins Unterhautfettgewebe reichende, 3,5 cm lange Schnittverletzung der rechten Brustwand in schräger Verlängerung des Halsschnittes; eine 8,4 cm lange, längs gestellte, auf Nabelhöhe gering versetzte Bauchwanddurchtrennung rechts der Mittellinie mit Vorfall von verletzten Dickdarmschlingen, vier schlitzförmigen Dickdarmwanddurchtrennungen im quer verlaufenden Dickdarm; eine Beinahedurchtrennung sowie zwei kurzstreckige Darmwanddurchtrennungen sowie eine am Beginn des aufsteigenden Dickdarms; fleckige Einblutungen in das zerfetzte große Netz und Einblutungen hinter das rückwärtige Bauchfell.

Als die Angeklagte erkannte, dass ... ... schwer verletzt zu Boden fiel, wandte sich die Angeklagte zu ... ... um, die durch die Geräusche des Angriffs auf ... ... erwacht war und sich im Bett aufgesetzt hatte. Die Angeklagte führte wieder in Tötungsabsicht und in rascher Folge mehrere Stiche und Schnitte gegen ihre Schwiegermutter, wodurch diese folgende Verletzungen und Verletzungsfolgen erlitt: Ein Stich von der linken Schulterrückseite bis in das Weichgewebe der Halsvorderseite über mindestens 5 cm Tiefe; an der rechten Halsvorderseite zwei Stichverletzungen, von denen die obere schräg in den rechten Kopfwender ging, die untere die rechte Halsschlagadervorderseite im unteren Viertel 2 mm lang eröffnete und auf dieser Höhe die Zwischenwirbelscheibe zwischen dem 6. und 7. Halswirbelkörper vorderseitig anschnitt; eine Stichverletzung rechts in den oberen Brustkorb an der Schlüsselbeinunterseite; ein Stich in den seitlichen Brustkorb rechts mit 6 mm langem, knöchernen Einschnitt des Oberrandes der 5. Rippe am hinteren Wundwinkel, keilförmigem Durchstich des Unterrandes des rechten Lungenoberlappens und bis zu 9 cm tiefem Einstich in den Lungenunterlappen; ein Stich in den unteren rechten Brustkorb vorderseitig nahe des Rippenwinkels mit Eröffnung der Brusthöhle und Eröffnung des Herzbeutels mit einer 3,5 cm großen Eröffnung der rechten Herzkammer, 50 ml Blut im Herzbeutel, 500 ml Blut in der rechten Brusthöhle; zwei tief reichende, bis zu 20 cm lange Schnitte am linken Ober- und Unterarm bis tief in die Muskulatur reichend; zwei oberflächliche Schnittverletzungen der rechten Schulter; drei schnittförmige Abwehrverletzungen der rechten Hand; eine kurzstreckige Schnittverletzung im Sinne einer Abwehrverletzung des linken Mittelfingers beugeseitig; zwei tiefgreifende Halsschnitte: links im oberen Drittel, rechts im mittleren Drittel, dabei Durchtrennung beider Halsschlagadern, rechts auf Kehlkopfhöhe, links in mittlerer Höhe; eine fetzige Durchtrennung beider innerer Drosselvenen; die Kappung des rechten Schilddrüsenoberpoles; eine tiefgreifende, V-förmige Schnittverletzung der linken Seite des Kehlkopfes mit Einschnitt in den Kehldeckel und Beinaheabschnitt des Kehldeckels vom Kehlkopf sowie die Kappung des Oberrandes des linken Schildknorpels und des linken Kehlkopfoberhornes; eine knöcherne Kerbenbildung an der Unterseite des linken Querfortsatzes des 5. Halswirbelkörpers; eine ausgedehnte Bluteinatmung bis ins Lungengewebe mit akuter Überblähung beider Lungen.

Infolge dieser Verletzungen trat alsbald der Tod durch ein Verbluten nach innen und außen ein, wobei aber auch der Herzstich für sich genommen schon tödlich gewesen wäre.

Die Angeklagte bedeckte den im Bett liegenden Leichnam von ... ... mit der Bettdecke und begab sich daraufhin wieder in das angrenzende Badezimmer, wo sie erkannte, dass ... ... infolge der von ihr verursachten Verletzungen inzwischen verstorben war oder zumindest so schwer verletzt war, dass er ohne baldige ärztliche Hilfe nicht überleben konnte. Die Angeklagte begann daraufhin, die von ihr benutzte Tatwaffe im Waschbecken des Badezimmers abzuwaschen und verließ anschließend das Haus, wobei sie noch einen dort vorhandenen Hausschlüssel an sich nahm, den sie außerhalb des Hauses neben der Haustüre ablegte, um so das spurenlose Eindringen des Täters in das Haus erklärbar zu machen und von dem in ihrem eigenen Haushalt vorhandenen Schlüssel abzulenken.

... ... verstarb spätestens in einem Zeitraum von mehreren Minuten bis zu unter einer Stunde nach dem Angriff durch ein Verbluten nach außen, wobei die bedeutendste Verletzung die der linken Drosselvene war, Halsschlagader und Kehlkopf waren jedoch nicht betroffen.

Die Angeklagte begab sich nach dem Verlassen des Hauses unbemerkt zu ihrem Fahrzeug, dem BMW, und trat die Heimfahrt an. Entweder unterwegs oder in der Umgebung von ... entsorgte die Angeklagte die Tatwaffe und eventuell auch bei der Tatausführung verschmutzte Bekleidungsgegenstände. Frühestens um 06:00 Uhr erreichte die Angeklagte ... und verbrachte den BMW auf den Hof des Zeugen ..., der in ... u.a. eine Kfz-Reparatur betreibt und mit der Angeklagten und ihrem Ehemann durch die Wartung und Reparatur von deren Fahrzeugen bekannt war. Den Fahrzeugschlüssel warf die Angeklagte – wie schon früher praktiziert - in den Briefkasten des Zeugen ... Sie wollte hierdurch ihr Alibi vervollständigen mit der Unterstellung, das Fahrzeug sei defekt und daher nicht in der Lage, die Strecke ...-...-... zu bewältigen.

Beim Hantieren mit der Tatwaffe im Hause der Schwiegereltern oder sogar bei der Tatausführung hatte sich die Angeklagte eine geringfügige Verletzung am rechten Handballen zugezogen. Noch am Morgen des 08.07.2011 Uhr führte sie in der Absicht, vorsorglich eine Erklärung für ihre Handverletzung zu konstruieren, eine Begegnung mit dem Zeugen ... ... vor den benachbarten Häusern herbei, der gerade zur Arbeit aufbrechen wollte. Die Angeklagte wies ihn auf ihre Handverletzung hin, zu der sie angab, sie habe sich bei Gartenarbeit verletzt und ihr sei „Gammelfleisch“ an die Wunde gekommen, nunmehr sei eine blaue Verfärbung zu sehen. Sie drängte den Zeugen, von dessen medizinischer Ausbildung sie wußte, sich die Wunde anzusehen und fragte, ob sie damit nicht bei einem Arzt vorstellig werden sollte. Der Zeuge konnte außer der oberflächlichen Hautverletzung keine auffälligen Symptome, insbesondere keine blaue Verfärbung erkennen, stellte der Angeklagten aber gleichwohl anheim, einen Arzt aufzusuchen.

In den frühen Morgenstunden des 08.07.2011 telefonierte die Angeklagte mit ihrem Ehemann, der sich in ... in der Wohnung seines Freundes ... aufhielt und teilte ihm mit, sie habe mit seinem Vater telefonisch einen Überraschungsbesuch bei den Schwiegereltern anläßlich des Geburtstages seiner Mutter am Sonntag dem 10.07.2011 vereinbart, und zwar sollten er, sie und ihre Kinder bereits am Abend des Samstags, dem 09.07.2011 – nach einer Arbeitsschicht der Angeklagten in der Buchhandlung – nach ... fahren. Die Angeklagte wollte durch das baldige Aufsuchen des Tatorts erreichen, dass etwaige von ihr hinterlassene Spuren durch einen berechtigten Aufenthalt am Tatort erklärbar wären.

Ihr Ehemann ging auf den angeblich vereinbarten Besuch bei seinen Eltern ein und sagte seinem Freund ..., mit dem er auch den Sonntag hatte verbringen wollen, kurzerhand ab. Im Verlaufe des 08.07.2011 versuchte der Ehemann der Angeklagten mehrfach, seine Eltern telefonisch oder per Fax zu erreichen. Am Abend des 09.07.2011 ließ er sich von der Angeklagten und seinen Töchtern ... und ... in ... abholen, die mit dem von der Angeklagten meistens benutzten Pkw der Marke Dacia angereist waren.

Die älteste Tochter ... blieb zusammen mit einem der beiden Hunde der Familie in ...

In ... angekommen führten die Töchter der Angeklagten den zweiten, mitgebrachten Hund der Familie aus, noch bevor sie das Anwesen der Großeltern aufgesucht hatten. Die Angeklagte benutzte zum Öffnen der Haustüre den aus ... mitgebrachten Hausschlüssel. Im Hausinnern wurde der Ehemann der Angeklagten auf einen ungewöhnlichen Geruch aufmerksam und suchte schließlich auf der Suche nach seinen Eltern auch deren Schlafzimmer auf, in dem er das Deckenlicht einschaltete, da wegen heruntergelassener Rollläden kein Licht mehr von außen in das Zimmer drang. Der Ehemann der Angeklagten erfaßte sofort die Situation, weil von seinem Standort an der Türe zum Schlafzimmer Blutspuren am Bett und durch die offene Türe zum angrenzenden Badezimmer auch die Leiche seines Vaters in einer Blutlache zu sehen waren. Der Ehemann der Angeklagten blieb an seinem Standort nahe der Tür, während die Angeklagte an ihm vorbei in das Badezimmer lief, den Leichnam von ... ... anfaßte, versuchte, ihm einen Gegenstand aus der steifen und geschlossenen rechten Hand zu winden, sich anschließend zum Leichnam von ... ... begab und dort ansetzte, den Leichnam mitsamt der Bettdecke zu umfassen, bevor ihr Ehemann sie aufforderte, dies zu unterlassen.

Die Angeklagte verließ nachfolgend das Schlafzimmer ebenso wie ihr Ehemann, der telefonisch die Polizei von dem Leichenfund informierte.

Die Angeklagte nutzte diese Zeit, um auch noch das Obergeschoß und die dort gelegenen Zimmer aufzusuchen, um dort, ebenso wie bei dem vorherigen Anfassen der beiden Leichname und bei ihren Bewegungen am unmittelbaren Tatort, Spuren, die sie bei der Tatausführung in dem Haus hinterlassen haben könnte, erklärbar erscheinen zulassen und so einen gegen sie entstehenden Verdacht zu zerstreuen.

Anschließend begaben sich die Angeklagte und ihr Ehemann vor das Haus, wo die Angeklagte das Eintreffen der Polizei erwartete, während ihr Ehemann den beiden Töchtern entgegen ging.

Die Angeklagte hielt sich dabei im Bereich vor der offenstehenden Haustüre auf, so dass sie nach Eintreffen der Polizeikräfte noch durch die offene Türe sehen konnte, dass die Polizei einen im Hausflur gefundenen Blutfleck markierte.

III.

A.

Die Angeklagte hat sich in der Hauptverhandlung zur Person nicht und zur Sache nur in ihrem letzten Wort eingelassen: „Ich habe die Tat nicht begangen“.

Nach anfänglicher Weigerung hat sie am 18. Hauptverhandlungstag über ihre Verteidigung die Bereitschaft erklärt, an einer Exploration durch den Sachverständigen Dr. ..., ..., Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse, Psychiatrie und Neurologie, Forensische Psychiatrie mitzuwirken und anschließend außerhalb der Hautverhandlung gegenüber dem Sachverständigen Angaben zur Person und zu ihrem Aufenthalt und ihren Handlungen in der Tatnacht gemacht, die dieser in der Hauptverhandlung im Rahmen seiner Gutachtenerstattung wiedergegeben hat und die an anderer Stelle (unter C.) noch dargestellt werden.

Da zudem die als Zeugen geladenen Angehörigen der Angeklagten ihr Ehemann ... ..., ihre Töchter ..., ... und ..., ihre Mutter ... ... und ihre Schwester ... ... jeweils das Zeugnis verweigert haben, beruhen die Feststellungen zur Person der Angeklagten ausschließlich auf den Ausführungen des Sachverständigen Dr. ...

B. Feststellungen zur Tatausführung

1. Feststellungen zur Todesursache und zum Tatwerkzeug

Die Feststellungen der Kammer zur jeweiligen Todesursache und den Eigenschaften des Tatwerkzeuges beruhen auf den Ausführungen des rechtsmedizinischen Sachverständigen Dr. ... ..., Privatdozent und Facharzt für Rechtsmedizin, zur Zeit am Institut für Rechtsmedizin ..., der die Obduktionen beider Geschädigten selbst durchgeführt und dabei die Feststellungen zu den unter II. dargestellten Verletzungsbildern und jeweiligen Todesursachen getroffen und diese überzeugend auf scharfe Gewaltanwendung zurückgeführt hat. Der Sachverständige hat auch ausgeführt, dass die festgestellten Verletzungen keinen Hinweis auf die Verwendung unterschiedlicher Tatwerkzeuge geben, vielmehr seien alle Verletzungen mit der Verwendung eines einzigen Messers mit einer Klingenlänge von mindestens 11 cm erklärbar. Abgesehen davon, dass es sich wegen der Kontakte mit der Wirbelsäule von ... ..., einhergehend mit Einkerbungen an den harten Wirbelkörpern um eine stabile und schnittfeste Klinge gehandelt haben müsse, sei eine engere Eingrenzung nicht möglich. Insbesondere sei eine Festlegung auf eine einseitig oder zweiseitig geschliffene Klinge nicht möglich, da es bei einigen Stichverletzungen zur Ausbildung lediglich einseitiger Wundzipfel, sogenannter Schwalbenschwänze, gekommen sei, die schon von einem Messerrücken herrühren könnten und nicht zwingend durch eine Messerklinge bei einem Verdrehen des Messers von Ein- zu Ausstich entstanden sein mußten.

Anhaltspunkte für die Verwendung eines nur einem begrenzten Personenkreis zugänglichen Werkzeugs hat der Sachverständige nicht gefunden.

2. Feststellungen zum Tathergang

Hinsichtlich des Tathergangs hat der Sachverständige Dr. ... nur einzelne Hinweise geben können.

Bei ... ... lagen mit der Verletzung des Herzens einerseits und der beiderseitigen Schnittverletzung des Halses mit der Durchtrennung der Halsschlagader mit der daraus folgenden ausgedehnten Bluteinatmung und der Überblähung der Lunge andererseits jeweils für sich tödlich wirkende Verletzungen vor. Der Sachverständige Dr. ... hat hierzu ausgeführt, dass Einblutungen im umliegenden Gewebe beider Verletzungen auf einen funktionierenden Kreislauf und damit eine Beibringung der Verletzungen zu Lebzeiten hindeuten, woraus sich ergebe, dass diese Verletzungen in sehr kurzer zeitlicher Folge verursacht worden sein müssen. Die Durchtrennung der Halsschlagader müsse auch zu einer sofortigen Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff und damit zum Verlust der Handlungsfähigkeit geführt haben. Folglich müssen die drei schnittförmigen Verletzungen der rechten Hand; und die kurzstreckige Schnittverletzung des linken Mittelfingers beugeseitig, die der Sachverständige Dr. ... überzeugend als Abwehrverletzungen erkannt hat, noch vor den letztlich tödlichen Verletzungen beigebracht worden sein. Insbesondere diese Abwehrverletzungen sprechen auch eindeutig und zweifelsfrei gegen eine Selbstbeibringung der Verletzungen.

Die von dem Sachverständigen Dr. ... vorgefunden Blutabrinnspuren am rechten Unterschenkel innenseitig nach vorderseitig bis an den Innenrist des rechten Fußes und an der Innenseite des linken Knies beginnend und leicht wellenförmig nach fußwärts verlaufend, lassen darauf schließen, dass ... ... sich in sitzender Position befand, als sie von den ersten Stichen getroffen wurde, weil nur so der Verlauf entlang der Unterschenkel erklärt werden kann.

Bei ... ... spricht insbesondere gegen eine Selbstbeibringung der Verletzung aus Sicht des Sachverständigen Dr. ..., dass korrespondierend zu dem linksseitigen Halsschnitt, der u.a. die Drosselvene durchtrennte, eine Beschädigung des linksseitigen Nachthemdkragens vorlag. Der Sachverständige hat unter Berufung auf seine mehrjährige Erfahrung als Rechtsmediziner überzeugend ausgeführt, dass bei selbst beigebrachten Schnittverletzungen eine Beschädigung der getragenen Kleidung in der Rechtsmedizin praktisch unbekannt ist.

Die winklige Eröffnung der Bauchdecke spricht nach den Ausführungen des Sachverständigen für eine während des Eindringens stattgefundene Bewegung relativ zwischen dem Tatwerkzeug und dem Opfer. Im übrigen sei eine Aussage zur konkreten Tatsituation anhand des Verletzungsbildes nicht möglich. Die Beibringung sowohl des Bauchstiches, als auch des Halsstiches sei am stehenden aber auch am liegenden oder zusammengesunkenen Opfer denkbar, wobei ein sofortiges Zusammensinken aufgrund des Bauchstiches nicht zwingend anzunehmen sei.

Die Stichverletzung an der Oberarmaußenseite rechts sei nicht charakteristisch, könne aber auch als Abwehrverletzung entstanden sein.

Hinweise auf die Gestalt des Täters ergeben sich nach dem Sachverständigen aus den Verletzungsbildern nicht, weder sei besondere Kraft erforderlich, um die festgestellten Verletzungen beifügen zu können, noch eine besondere Körpergröße; der Halsschnitt bei ... ... sei- falls er dem stehenden Opfer beigebracht wurde - mit 152 cm die höchste Verletzung. Auch eine Unterscheidung, ob der Täter Links- oder Rechtshänder sei, sei nicht möglich.

Die Kammer hat ihre Überzeugung von dem festgestellten Tathergang auch auf der Grundlage der am Tatort gesicherten Spuren gewonnen, die der Zeuge KHK ..., der die Spurensicherung in dem Anwesen der Getöteten vorgenommen hat, in der Hauptverhandlung mittels Lichtbildern in drei Power-Point-Präsentationen dargestellt hat, welche auf einem als Anlage 1 zum Hauptverhandlungsprotokoll vom 16.01.2013 genommenen USB-Stift gespeichert sind und in der Hauptverhandlung in Augenschein genommen wurden.

Ein als Tatwerkzeug in Betracht kommendes Messer oder ein ähnlicher Gegenstand konnte weder am Tatort, d.h. im Badezimmer oder im Schlafzimmer, noch im übrigen Haus aufgefunden werden, wie der Zeuge ... bekundete.

Da jeder Anhalt für die Annahme fehlt, das Tatwerkzeug sei erst am Samstag, dem 09.07.2011 von der Angeklagten, ihrem Ehemann oder Polizei- und Rettungskräften entfernt worden, scheidet zur Überzeugung der Kammer eine Tatbegehung durch ... ... im Sinne einer Selbsttötung nach Tötung von ... ... schon deshalb zweifelsfrei aus.

Der Zeuge ... hat weiter anhand von Lichtbildern bekundet, dass das Bett von ... ... bereits benutzt worden war, dass sich in der Toilettenschüssel des Badezimmers Urin befand, ... ... – mit einem Schlafanzug bekleidet - mit den Füßen in der Tür zum Schlafzimmer und mit dem Körper im Badezimmer zu liegen gekommen war, und dass er in seiner linken Hand seine zusammengefaltete Brille hielt.

Aus diesen Umständen zieht die Kammer den Schluss, dass ... ... nach einem nächtlichen Toilettenbesuch auf dem Weg zurück ins Schlafzimmer war, als er vom Täter angegriffen wurde. Da er dabei seine Sehbrille zusammengefaltet in der Hand hielt, ist belegt, dass er nicht auf das Zusammentreffen mit dem Täter gefasst und auch nicht etwa durch Geräusche vorgewarnt war, sondern erwartete, das Schlafzimmer zu betreten, wo er die Sehbrille zum Aufsuchen seines Bettes nicht brauchte. Dem steht auch nicht der Umstand entgegen, dass die Toilettenspülung nicht betätigt worden war. Im Zusammenhang mit der in der Hand gehaltenen Brille deutet dieser Umstand nicht auf eine Unterbrechung des Toilettenganges und damit auf eine Ablenkung ... ..., beispielsweise durch auffällige Geräusche aus dem Schlafzimmer hin. Wäre ... ... bei dem Toilettengang, zu dem er seine Sehbrille mitgenommen hatte, gestört worden, hätte er die Brille weiterhin aufgesetzt gehabt und nicht in der Hand gehalten. Dass die Toilettenspülung nicht betätigt war, deutet daher allenfalls darauf hin, dass ... ... seine bereits schlafende Ehefrau nicht wecken wollte.

Hinsichtlich ... ... hat der Zeuge ..., wiederum mit in Augenschein genommenen Lichtbildern belegt, bekundet, dass ihr Leichnam im Schlafzimmer auf der vom Fußende des Bettes gesehen rechten Betthälfte in Rückenlage vorgefunden wurde und von einer Bettdecke teilweise bedeckt war, wobei Unterschenkel, Kopf und beide Unterarme unbedeckt waren. Im Bereich von der Mitte des Bettes bis zum Fußende konnte der Zeuge ... auf dem Bettrahmen und dem vor dem Bett verlegten Teppich und teilweise auch auf dem Rand eines dort liegenden Vorlegers Blutspuren sichern, deren Form auf ein senkrechtes Abtropfen hindeuteten. Am Kopfende des Bettes und der dahinterliegenden Wand konnten dagegen keine Blutspuren gesichert werden, lediglich an dem parallel zum Bett an der Zimmerwand stehenden Schrank konnte der Zeuge vier kleinste Blutspritzer sichern. Die beschriebenen Blutspuren an Bettkante, Teppich und Schrank, bei denen die sachverständige Biologin Dr. ... ..., LKA ..., nach ihren Bekundungen in der Hauptverhandlung mittels eines Vortestes Humanblut und mittels einer DNA-Untersuchung in drei Merkmalsystemen jeweils eine Übereinstimmung mit dem Profil der ... ... festgestellt hat, belegen, dass der Angriff auf ... ... erfolgte, als sie sich in sitzender Stellung auf der Bettkante befand. Nur so sind die senkrechten Abtropfspuren an und vor dem Bett, welche mit den Abrinnspuren an den Unterschenkeln von ... ... korrespondieren, und gleichzeitig das Fehlen von Blutspritzern an Kopfende und Wand zu erklären. Wären ihr insbesondere die Halsschnitte mit der Durchtrennung beider Halsschlagadern beigebracht worden, als sie sich bereits in der Lage befand, in der sie aufgefunden wurde, wären auch nach Einschätzung des Sachverständigen Dr. ... am Kopfende des Bettes und der Wand zwingend Blutspritzer zu erwarten gewesen.

Im Badezimmer wurden, wie der Zeuge ... bekundete, an den Hausschuhen von ... ..., an den Türzargen und an der Unterseite des linken, der Badezimmertüre nächstgelegenen von zwei Waschbecken, offensichtliche Blutspuren gesichert, hinsichtlich der die Sachverständige Dr. ... aufgrund von Vortesten und einer DNA-Untersuchung in drei Merkmalsystemen bestätigte, dass es sich um das Blut von ... ... handelte. Außerdem konnten in dem bereits beschriebenen linken Waschbecken in Wasserflecken Spuren gesichert werden, bei denen die von der Sachverständigen Dr. ... durchgeführten Vortesten das Vorhandensein von Humanblut bestätigten. Ihre Untersuchung der DNA-Merkmale (zwei bis drei) in diesen Spuren ergaben, soweit die Spuren verwertbar waren, Hinweise lediglich auf die Übereinstimmung mit dem Profil von ... ... Die einzig naheliegende Erklärung für das Vorhandensein dieser Blutspuren sieht die Kammer darin, dass der Täter das Tatwerkzeug oder seine Hände nach der Tat in diesem Waschbecken mit Wasser säuberte. Dass diese Blutspuren infolge von Spritzern während des Angriffes auf ... ... dorthin gelangten, ist auszuschließen, weil sich die Wand zwischen Bade- und Schlafzimmer zwischen dem Bett und dem Waschbecken befand und zwischen beiden Punkten auch durch die offene Badezimmertüre keine gerade Flugbahn gegeben gewesen war. Für eine Verbringung von Blut vom Bett zu diesem Waschbecken durch Polizei- oder Rettungskräfte bzw. die Angeklagte und ihren Ehemann am Samstag dem 09.07.2011 hat die Beweisaufnahme keinen Anhaltspunkt ergeben.

Die Kammer zieht aus diesen Blutspuren und dem Fehlen von Hinweisen auf Blut des ... ... in diesem Waschbecken weiter den Schluß, dass ... ... zuletzt angegriffen wurde. Andernfalls hätte das Blut von ... ..., das dann zuletzt an der Tatwaffe gehaftet hätte, in dem Waschbecken zu finden sein müssen.

Die Bekundungen der Zeugin ... ..., Mieterin der im Obergeschoß gelegenen Einliegerwohnung des Anwesens der Getöteten, in der Hauptverhandlung stehen der Überzeugung der Kammer von der Reihenfolge der Angriffe auf ... ... und ... ... nicht entgegen.

Die Zeugin hat geschildert, am 07.07.2011 zwischen 21:30 und 22:00 Uhr ins Bett gegangen zu sein. In der Nacht – zur Uhrzeit könne sie nichts sagen – sei sie wegen eines Geräusches aufgewacht, das sie habe nicht einordnen können. Ihre erste Assoziation sei gewesen, dass es ich um eine Frauenstimme handele, es habe wie ein Schreckensruf gewirkt. In der Folge habe sie Bewegungsgeräusche, auch feste Schritte gehört. Eines der Geräusche habe wie der Anstoß gegen ein Möbelstück geklungen. Die Geräusche seien nach ihrem Eindruck aus dem von den Eheleuten ... bewohnten Erdgeschoß gekommen. Geräusche von außerhalb des Hauses habe sie praktisch nie wahrgenommen, allenfalls bei nächtlichem Wachliegen habe sie gelegentlich vorbeifahrende Autos hören können. Dagegen habe sie aus den Räumen der Eheleute ... wiederholt Geräusche vernommen, jedoch nie zuvor sei sie von solchen Geräuschen aus dem Schlaf gerissen worden. Daher sei sie aufgestanden und in den Wohnungsflur gegangen, um sich besser orientieren zu können. Sie habe weitere Bewegungsgeräusche gehört und den Eindruck gehabt, dass eine Frau weine. Dann habe sie – vermutlich - eine andere Stimme gehört, d.h. eher eine tiefere Stimme, die aus ihrem Rücken zu kommen schien, weshalb sie wieder in ihr Schlafzimmer gegangen sei, wo sie aber nur noch ein Verklingen dieser Stimme gehört habe. Sie habe daher vermutet, dass die männliche Person die weibliche Person beruhigt hatte. Danach habe sie noch ein Geräusch gehört, das wie der Anstoß an ein Treppengeländer gewirkt habe, und das Schließen einer Tür, ein leises Zuziehen. Insgesamt hätten die Geräusche aus dem Erdgeschoß nur über Sekunden, jedenfalls nicht mehrere Minuten, angedauert.

Soweit die von der Zeugin geschilderten Geräusche bei der Tatbegehung entstanden – wovon die Kammer aufgrund der Zeitangaben ausgeht – legen sie nahe, dass ... ..., sollte es sich bei der von der Zeugin beschriebenen tieferen Stimme um seine gehandelt haben, noch während des Angriffs auf ... ... lebte und sich noch nach ihrem Verstummen ruhig artikulierte.

Nach den Ausführungen des Sachverständigen Dr. ... hatte die Halsverletzung von ... ... keine Auswirkung auf die Stimmbildung und seine Fähigkeit, Sätze zu bilden, auch wenn seine schweren Verletzungen schon nach kurzer Zeit zur Handlungsunfähigkeit im übrigen geführt haben müssen. Zum Todeseintritt durch Ausbluten sei es sicher in einem Zeitraum von unter einer Stunde gekommen, wobei ein Zeitraum von nur wenigen Minuten eher als zu kurz angesehen werden müsse. Daher sei es aus sachverständiger Sicht möglich, dass ... ... sich noch äußern konnte, nachdem ... ... bereits verstummt war. Diese habe durch die Abtrennung des Kehldeckels infolge des Halsschnitts keine Laute mehr artikulieren können.

Vor dem Hintergrund dieser überzeugenden Ausführungen widerspricht die Wahrnehmung der Zeugin ... von einer zuletzt zu vernehmenden, ruhig wirkenden, tieferen Stimme nicht den Feststellungen der Kammer zur Reihenfolge der Angriffe. Die Annahme, ... ... habe sich bei erhaltener Artikulationsfähigkeit trotz seiner Verletzungen ruhig wirkend geäußert, ist nicht fernliegend. Die Zeugin ... hat den Inhalt der Äußerungen von tiefer Stimme nicht verstanden, sondern sie aus den Zusammenhängen als „beruhigend“ gedeutet, wie sie angab. Das schließt nicht aus, dass sie die letzten Laute des durch seine Verletzungen geschwächten ... ... missdeutet hat.

3. Feststellungen zur Tatzeit bzw. zum Todeszeitpunkt

Zu den Feststellungen der Kammer hinsichtlich der Tatzeit und den Todeszeitpunkten der Getöteten stehen lediglich die Bekundungen der Zeugen ... ..., ... ... ... und ... ... in Widerspruch. Diese Zeugen haben in der Hauptverhandlung – und nur insoweit übereinstimmend – angegeben, sich am Freitag dem 08.07.2011 gegen 10:00 Uhr in der Innenstadt von ... aufgehalten zu haben.

Die Zeugin ... hat bekundet, sie habe sich am 08.07.2011 vor 10:00 Uhr mit der Zeugin ... in der Bäckerei „... Backstüffje“, An der ... ..., zum Kaffee getroffen und an der Fensterfront zur Straße hin sitzend ... ... von der ... her kommend in Richtung ... vorbeigehen sehen, möglicherweise habe auch die Zeugin ... zu ihr gesagt: „Da geht der ...“, genau wisse sie es nicht mehr. Die Zeugin ... habe auch die ... ... in der Bäckerei gesehen, sie selbst habe aber kein Gespräch mit dieser führen wollen, weil sie um 10:15 Uhr aufbrechen musste, um ihre wöchentliche Gymnastikstunde aufzusuchen. Sie selbst habe ... ... nicht gesehen, aber den Zeugen ... ... habe sie noch vor dem Portal der ... getroffen. Den Pkw des Herrn ... habe sie nicht gesehen. Sie sei sich zu 100% sicher, dass sich dies am 08.07.2011 zugetragen habe. Zwar sei sie jede Woche mehrmals in der Bäckerei zum Kaffeetrinken, aber sie habe noch am Sonntagabend, nachdem die Ermordung der Eheleute ... publik geworden sei, zum Zeugen ... gesagt, am Freitag die Eheleute ... noch gesehen zu haben. Jeden Tag hätten sie und die Zeugen ... daraufhin darüber gesprochen und am Sonntagabend habe sie noch unter diesem Tag in ihrem Kalender vermerkt: „... ermordet“.

Hiervon weichen die Angaben der Zeugin ... ... in der Hauptverhandlung schon in einzelnen Punkten ab, diese hat nämlich bekundet, ... ... auf der Straße an der Bäckerei in Richtung ... nicht vorbeigehen gesehen zu haben. Sie gab vielmehr an, von ihrem Sitzplatz an der Fensterfront gesehen zu haben, wie ... ... die Bäckerei betrat und zur Theke gegangen sei. Sie habe zur Zeugin ... gesagt: „Die ... kommt“ und beide hätten ... ... dann zugerufen: „Wie geht´s?“. ... ... sei von einer kleinen Verkäuferin bedient worden, die schon länger dort arbeite und habe nur eine kleine Tüte bekommen.

Als sie und die Zeugin ... kurze Zeit später die Bäckerei verlassen hätten, habe sie selbst auch noch mit ... ... gesprochen, die Zeugin ... habe sich aber an dem Gespräch nicht beteiligt. Nachdem sie selbst die Bäckerei verlassen habe, sei sie die Straße „An der ...“ weiter in Richtung ... gegangen, wo auch von links die ...straße einmünde, aus dieser Straße kommend sei ihr ... ... dann entgegen gekommen, wohin er gegangen sei, habe sie nicht gesehen. Dass sie dies am 08.07.2011 wahrgenommen habe, könne sie sicher sagen, weil sie zwar auch jeden Montag und Dienstag in „... Backstüffje“ um 10:00 Uhr Kaffee trinke, dann aber zusammen mit noch weiteren Personen an einem anderen Tisch sitze.

Der Zeuge ... ... hat schließlich in der Hauptverhandlung bekundet, er sei am 08.07.2011 kurz nach 10:00 Uhr in Höhe der ... der Zeugin ... begegnet und habe noch zwei bis drei Worte mit ihr gewechselt, danach habe er ... ... in einer Entfernung von ca. 100 m gesehen, der gerade aus der ...straße um die Ecke in die Straße „An der ...“ gebogen sei. Das ihm bekannte Auto von ... , einen Audi A6 mit dem Kennzeichen ..., habe er vor seinem eigenen Haus, An der ... ..., abgestellt gesehen. Er sei sich sicher, dass er seine Beobachtungen am Freitag dem 08.07.2011 gemacht habe, denn es sei nach einer Operation an seiner Hand gewesen, die am Donnerstag dem 07.07.2011 durchgeführt worden sei.

Die Glaubhaftigkeit der Angaben der Zeugen steht schon wegen der Bekundungen der Zeuginnen ... und ... im Zweifel, die trotz zeitgleicher Anwesenheit am selben Ort sehr unterschiedliche Wahrnehmungen gemacht haben wollen. Zweifel weckt auch, dass die Angaben der Zeugen ... und ... ... untereinander nicht gänzlich nachvollziehbar sind. Der Zeuge ... will aus einer größeren Entfernung ... ... erkannt haben, als dieser gerade von der ...straße in die Straße „An der ...“ einbog, hat seine Ehefrau jedoch nicht wahrgenommen, die allerdings selbst angab, ... ... sei ihr gerade aus der ...straße entgegen gekommen, als sie sich dem ... genähert habe, weshalb sie sich noch in geringerer Entfernung zu ihrem Ehemann befunden haben muss.

Hinzu kommt das Verhalten der Zeuginnen ... und ... ... auf Vorhalte aus früheren polizeilichen Vernehmungen in der Hauptverhandlung. Auf Vorhalt, sie habe nach einer laut diktierten und von ihr genehmigten Niederschrift ihrer polizeilichen Zeugenvernehmung vom 11.07.2011 angegeben, die Zeugin ... habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass ... ... an der Bäckerei vorbeigehe, diese habe gesagt: „Da gehen ja die ...“, erklärte die Zeugin ... ohne weitere Überlegung: „Nein das habe ich nicht gesagt; das kann die nicht gesagt haben“.

Auf Vorhalt an die Zeugin ..., sie habe nach einer ebenfalls laut diktierten und genehmigten Niederschrift ihrer polizeilichen Zeugenvernehmung vom 11.07.2011 angeben, sie habe das Auto der Eheleute ..., einen Audi, gesehen, der fast genau vor „... Backstüffje“ in Fahrtrichtung ... geparkt gewesen sei, sie habe auch gesehen, wie ... ... zu diesem Fahrzeug gegangen und er und ... ... in das Fahrzeug eingestiegen seien, erklärte diese Zeugin: „Ich kann mir nicht vorstellen, das gesagt zu haben“. Da keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich sind, warum es am 11.07.2011 in den polizeilichen Vernehmungen zweier Zeuginnen jeweils zu einer unzutreffenden Protokollierung von deren Angaben gekommen sein sollte, liegt hier der Schluss nahe, dass es bei beiden zu Veränderungen ihrer Erinnerung gekommen sein könnte. Dass die Zeugin ... ... eine solche Möglichkeit mit den Worten ausschloss, ihre Erinnerung bei der polizeilichen Vernehmung am 11.07.2011 - und damit nur zwei Tage nach der Entdeckung der Tat – sei damals nicht besser gewesen, als am Tage ihrer Vernehmung in der Hauptverhandlung, dem 08.01.2013, belegt, dass zumindest diese Zeugin zu einer selbstkritischen Überprüfung ihrer Erinnerung nicht in der Lage oder nicht willens ist. Das gleiche gilt auch für den Zeugen ... ... Dieser entgegnete auf Vorhalt in der Hauptverhandlung, das Ergebnis einer Untersuchung des Bordcomputers des Audi der Eheleute ... spreche dagegen, dass der Wagen am 08.07.2011 in die Innenstadt gefahren worden sein könne, das habe ihm auch schon die Polizei vorgehalten, aber die könnten ihm nicht glaubhaft machen, dass er sich geirrt hätte. Er habe auf diesen Vorhalt der Polizei hin selbst eine Audi-Vertragswerkstätte aufgesucht und dort nämlich die Auskunft erhalten, Daten im Fahrzeugspeicher könnten bei Ausfall der Batterie gelöscht werden.

Da sich alle drei Zeugen laut eigenem Bekunden nach Entdeckung der Tat zunächst gegenseitig versicherten, der in der Presse entsprechend der akustischen Wahrnehmungen der Zeugin ... ... angegebene Tatzeitpunkt in der Nacht vom 07.07.2011 auf den 08.07.2011 könne nicht zutreffend sein, bevor sie sich selbst an die Polizei wandten, liegt für die Kammer der Schluss nahe, dass die drei Zeugen schon in ihren polizeilichen Vernehmungen weniger aus tatsächlicher Erinnerung denn aufgrund des Ergebnisses ihrer gemeinsamen Unterredungen bekundeten. Dafür, dass sich dies auch in ihren Aussagen vor der Kammer fortsetzte, spricht zudem die wörtliche Bekundung der Zeugin ... in der Hauptverhandlung „Wir haben die ja zu dritt gesehen“ die völlig im Widerspruch zu allen Bekundungen der drei Zeugen steht und von der Zeugin ... sogleich selbst widerlegt wurde: „Ich habe immer nur gesagt, dass ich den ... gesehen habe“.

Dafür, dass die Bekundungen der Zeuginnen ... und ... zum Aufenthalt der ... ... in der Bäckerei „... Backstüffje“ – der für den 08.07.2011 allerdings von keiner der dazu in der Hauptverhandlung vernommenen Beschäftigten ... ..., ... ..., ... ..., ... ..., und ... ..., bestätigt werden konnte – und auch die weiteren Bekundungen der Zeugen ... und ... zum Aufenthalt von ... und ... ... in der Innenstadt und zum dortigen Standort ihres Pkw nicht gänzlich ohne realen Anlass sind, spricht immerhin die Aussage der Zeugin ... ... in der Hauptverhandlung, die in der Straße „An der ...“ ein Ladengeschäft unterhält und angegeben hat, sie habe in der Woche, bevor sie in der Zeitung von der Tat gelesen habe, Stimmen auf der Straße vor ihrem Geschäft gehört und daraufhin die Zeugin ..., ... ... und die Eheleute ... im Gespräch miteinander gesehen. Das könne am Montag, am Dienstag oder am Freitag dieser Woche gewesen sein. Nachdem sie von der Tat gelesen habe, habe sie sich mit dem Zeugen ... darüber unterhalten, der gesagt habe, ... ... habe in dem Gespräch über den kürzlich beendeten Urlaub gesprochen. Der Zeuge ... sei sich sicher gewesen, dass das Gespräch am Freitag stattgefunden habe, weshalb sie diese Auffassung zunächst übernommen und auch gegenüber der Polizei geäußert habe. Wenn er einen anderen Wochentag genannt hätte, hätte sie aber auch diesen selbst angenommen, sie habe keine sichere Erinnerung an den Wochentag gehabt.

Anhaltspunkte für Zweifel an den Angaben der Zeugin ... ..., die ihr eigenes Erinnerungsvermögen kritisch geprüft hat, gibt es nicht. Die Kammer ist daher davon überzeugt, dass es das von ihr geschilderte Gespräch zwischen ... ... und den Zeugen ... und ... tatsächlich gegeben hat. Da nur die Zeuginnen ... und ... ... eine Begegnung mit ... ... in der Woche vom 07.07. bis 10.07.2011 überhaupt noch – wenn auch gänzlich anders als die Zeugin ... – in Erinnerung haben, kann die Kammer den Angaben der Zeugen ... und ... hinsichtlich des Zeitpunkts des letzten Erscheinens von ... und ... ... in der ... Innenstadt allerdings nicht folgen.

Die Angaben der Zeugen ... und ... zu dem angeblichen Auftreten von ... und ... ... am Vormittag des 08.07.2011 in der Innenstadt von ... sind zudem von der Benutzung ihres Pkw an diesem Tag nicht zu trennen, auch wenn in der Hauptverhandlung lediglich noch der Zeuge ... angab, das Fahrzeug an diesem Tag gesehen zu haben. Anhaltspunkte dafür, dass ... und ... ... den mehr als 4,5 Kilometer ... Weg von ihrem Wohnanwesen bis zur ... zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt haben könnten, hat die Beweisaufnahme nicht ergeben.

Dass aber der Pkw der Getöteten am 08.07.2011 nicht in der ... Innenstadt gewesen sein kann, ergibt sich zur vollen Überzeugung der Kammer aus den Ausführungen der Sachverständigen ... ... in der Hauptverhandlung. Die Sachverständige hat an dem in der Garage des Anwesens ... Weg ... vorgefundenen Audi A6, ..., das ab Werk eingebaute elektronische Steuergerät, das sogenannte „Energiemanagement“ und drei Fahrzeugschlüssel untersucht.

Die Sachverständige ist nach eigenen Angaben seit 12 Jahren als Diplom-Physikerin im Kriminaltechnischen Institut des BKA in ... mit der Untersuchung von elektronischen Kfz-Systemen befasst und wird jährlich von Fahrzeugherstellern zu Neuerungen geschult. Das vorliegend von ihr untersuchte Steuergerät war ein älteres Modell, zu dem sie bereits vor der Untersuchung eine Schulung erfahren hatte. Danach waren von Herstellerseite keine Fehlerquellen nachgemeldet worden, so dass die Sachverständige generell und auch hinsichtlich des konkret betroffenen Geräts hinreichend sachkundig ist.

Die Diagnoseanalyse des Steuergerätes, welches Fahr- und Standzyklen speichert - hat am 19.07.2010 um 15:00 Uhr eine Standzeit von 288,0 Stunden ergeben, dies ist die Zeit nach dem letzten Ausschalten des Motors. Da eine Aktualisierung bauartbedingt nur in Schritten von 0,5 Stunden erfolgt, wurden weitere Messungen nach einer halben Stunde und einer weiteren Viertelstunde durchgeführt. Um 15:30 Uhr wurde eine Standzeit von 288,5 und um 15:45 Uhr von 289,0 Stunden ausgegeben. Die letzte Betriebszeit des Fahrzeugs vor Beginn der Standzeit ist jeweils mit 0,0 Stunden angegeben worden und muss folglich unter dem Aktualisierungsintervall und damit unter einer halben Stunde gelegen haben.

Die Sachverständige hat hierzu ausgeführt, dass weitere Messungen im Halbstundentakt durchgeführt worden seien, daher könne ausgeschlossen werden, dass Speicherbausteine des Steuergeräts falsche Werte lieferten. Nach dem Auslöten der Speicherbausteine hätten zudem alle Messwertblöcke wieder überschrieben und auch auf Null gesetzt werden können. Alle Speicherzellen seien daher verifizierbar veränderlich und somit intakt gewesen.

Auf Nachfrage führte die Sachverständige überzeugend aus, dass im Falle eines Abklemmens der Fahrzeugbatterie ein Fehlercode in dem Steuergerät gespeichert würde, der aber nicht vorhanden gewesen sei. Selbst wenn aber ein solcher Fehlercode nachträglich gelöscht worden wäre, tangiere das den im Zeitpunkt der Untersuchung gespeicherten Standzeitraum von 288,0 Stunden seit dem letzten Fahrzeugbetrieb nicht. Anzeichen für Manipulationen an dem Steuergerät haben sich nicht gezeigt.

Eine Rückrechnung, ausgehend von den von der Sachverständigen ... mitgeteilten Messzeitpunkten und den jeweils ausgegebenen Standzeiten ergibt folgende Werte:

Messzeitpunkt Standzeit letzte Motorabschaltung

19.07.2011 15:00 Uhr 288 Std 07.07.2011 15:00 Uhr

19.07.2011 15:30 Uhr 288,5 Std 07.07.2011 15:00 Uhr

19.07.2011 15:45 Uhr 289 Std 07.07.2011 14:45 Uhr

Folglich kann der Pkw der Getöteten nach dem 07.07.2011, 15:00 Uhr, nicht mehr aus eigener Kraft bewegt worden sein. Anhaltspunkte für die fernliegende Annahme, das Fahrzeug sei am 08.07.2011 nicht aus eigener Kraft in den Innenstadtbereich von ... und im Anschluss zum Wohnanwesen der Getöteten verbracht worden, gibt es nicht. Die Angaben des Zeugen ... ... zur angeblichen Wahrnehmung des Fahrzeuges am 08.07.2011 sind damit widerlegt.

In der Gesamtschau der Bekundungen der hierzu vernommenen Zeugen und des Gutachtens der Sachverständigen ... scheidet daher auch ein Aufenthalt von ... und ... ... am 08.07.2011 in der Innenstadt von ... aus.

Die Feststellung der Kammer zum Tatzeitraum beruht auch wesentlich auf den Ausführungen des Sachverständigen Dr. ..., der anhand des Fäulniszustandes der Getöteten bei den Obduktionen, des jeweiligen Mageninhaltes und unter Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen bis zur Obduktion zu dem Ergebnis gekommen ist, dass ein Todeseintritt in der Nacht vom 06.07. auf den 07.07.11 nicht auszuschließen, der Tod in der Nacht vom 07.07. auf den 08.07.2011 und damit korrespondierend mit den ungewöhnlichen Geräuschwahrnehmungen der Zeugin ... ... am wahrscheinlichsten, ein Tod erst in der Nacht vom 08.07. auf den 09.07.2011 dagegen nicht in Übereinstimmung mit den Befunden zu bringen ist.

Zunächst hat der Sachverständige überzeugend dargelegt, dass bei der Untersuchung der Leichen am Tatort jeweils kein Unterschied mehr zwischen den Körpertemperaturen und der Raumtemperatur von ca. 24° C festzustellen war, weshalb eine Rückrechnung auf den Todeszeitpunkt nicht möglich gewesen sei. Die Auffindesituation beider Leichen in Schlafkleidung im Schlafzimmer bzw. angrenzenden Bad bei herunter gelassenen Rollläden – wie sie auch der Zeuge ... mit den in der Hauptverhandlung in Augenschein genommenen Lichtbildern dokumentiert hat – spreche aber für eine nächtliche Schlafsituation. Bei beiden Getöteten entsprach zudem nach den Ausführungen des Sachverständigen der jeweilige Mageninhalt einem Zustand in den frühen Morgenstunden, während bei ... ... bereits alles verdaut gewesen sei, habe nur bei ... ... noch ein ganz geringer Rest von Mageninhalt gefunden werden können.

Der bei dem gesamten Leichnam von ... ... äußerlich und innerlich erreichte starke Fäulniszustand – insbesondere gekennzeichnet durch eine schaumige Umwandlung der Leber – sei unter Berücksichtigung der äußeren Umstände typisch für eine Liegezeit von zwei bis drei Tagen. Bei ... ... habe zwar insgesamt eine bessere Erhaltung vorgelegen, neben zahlreichen inneren und äußeren Fäulnisanzeichen habe aber auch bei ihr die bräunlich-rötliche Verfärbung der Gefäßinnenseiten bereits für eine Liegezeit von zwei bis Tagen oder mehr gesprochen.

Ein späterer Todeseintritt wäre nach Erfahrung des Sachverständigen nur dann erklärlich, wenn die Raumtemperatur 30° C erreicht hätte, wie beispielsweise unter den damaligen Wetterbedingungen in einem Dachzimmer mit Lichteinstrahlung denkbar. Tatsächlich seien die Räume jedoch im Erdgeschoß gelegen und seien abgedunkelt gewesen. Auch hätten bei beiden keine Krankheiten vorgelegen, die eine explosive Fäulnis erklären könnten, wie eine Sepsis oder Diabetes. Schließlich hätten sich beide Leichname durch Blutarmut ausgezeichnet, weshalb es nicht zu Stauungen in den inneren Organen gekommen sei, die den Fäulnisprozess begünstigen würden. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall.

Die Kammer folgt diesen überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen Dr. ...; soweit er seine Einschätzung von einer gekühlten Lagerung der Leichname zwischen Bergung am Tatort und Verbringung in die Rechtsmedizin ... abhängig machte, ist eine solche durch die Angaben der Zeugen ... und ... in der Hauptverhandlung bestätigt worden, die die Leichname in den Nachtstunden des 10.07.2011 am Tatort übernommen und sodann auf dem ... Hauptfriedhof in Kühlkammern gelagert haben, bevor sie die Leichen am Morgen des 11.07.2011 in die Rechtsmedizin in ... verbrachten.

Der von dem Sachverständigen Dr. ... aus fachlicher Sicht favorisierte Todeszeitpunkt in der Nacht vom 07.07. auf den 08.07.2011, bzw. in den frühen Morgenstunden des 08.07.2011 steht auch im Einklang mit den Bekundungen weiterer Zeugen. So hat die Zeugin ..., die eine Garage von den Getöteten gemietete hatte, in der Hauptverhandlung bekundet, am 07.07.2011 gegen 19:00 Uhr von ... ... persönlich eine Quittung über die von ihr bereits gezahlte Garagenmiete erhalten zu haben. Diese Zeugin hat den Zeitpunkt dieser Begegnung glaubhaft in Zusammenhang mit dem Einkauf stellen können, von dessen Erledigung sie zurückkehrte, als sie ... ... vor deren Haus antraf. Den Zeitpunkt des Einkaufs konnte die Zeugin mittels der Kassenquittung des Einkaufsmarktes eingrenzen, die sie bei ihrer polizeilichen Befragung am 12.07.2011 noch in Besitz hatte. Aufgrund ihrer Aussage scheidet bereits ein Todeszeitpunkt vor dem 07.7.2011, 19:00 Uhr aus.

Die Zeuginnen ... und ... ..., Nachbarn der Getöteten, haben in der Hauptverhandlung übereinstimmend bekundet, dass die Rollläden der zur Straße ... Weg liegenden Fenster von Schlaf- und Badezimmer im Erdgeschoß des Anwesens der Getöteten am 08.07.2011 und auch am 09.07.2011 nicht geöffnet wurden, was außergewöhnlich gewesen sei und deshalb ihre Aufmerksamkeit erregt habe. Abgesehen von Zeiten der Urlaubsabwesenheit seien die Rollläden von ... oder ... ... stets morgens zwischen 06.00 und 08:00 Uhr geöffnet worden. Bereits am Morgen des 08.07.11 hätten sich beide Zeuginnen darüber unterhalten, ob die Eheleute ... bereits wieder etwas unternähmen. Als die Rollläden am Samstag dem 09.07.2011 noch immer geschlossen blieben, hätten sich die Zeugen erneut unterhalten und die Zeugin ... habe der Zeugin ... ihre gerade gemachte Beobachtung mitgeteilt, dass ein Mann erfolglos „an der Haustüre der ...s“ geklingelt habe. Auch der Zeuge ... ..., ebenfalls Nachbar der Getöteten, hat in der Hauptverhandlung bekundet, ihm sei am Freitagmorgen, als er gegen 08:00 Uhr zum Broteinkauf aufgebrochen sei, aufgefallen, dass die Rollläden an der Straßenseite des Anwesens der Getöteten noch geschlossen waren, was sehr ungewöhnlich gewesen sei. Er habe sich das damit erklärt, dass die Eheleute ... wohl zu einem Besuch der damals in ... stattfindenden Bundesgartenschau aufgebrochen seien. Am Vorabend habe er sich nämlich nach einem zufälligen Zusammentreffen vor dem Haus mit ihnen unterhalten, wobei sie diese Unternehmung für den nächsten Tag angekündigt hatten. Außerdem hat der Zeuge ... ... in der Hauptverhandlung bekundet, er sei als Makler für die Eheleute ... tätig gewesen und habe am Freitag, dem 09.07.2011 versucht, bei den Eheleuten ... anzurufen, um einen am Mittwoch telefonisch mit ... ... für den Montag vereinbarten Besichtigungstermin bezüglich einer Wohnung in der Innenstadt zu verschieben. Er habe jedoch weder über den Festnetzanschluss, noch das Mobiltelefon ... oder ... ... erreichen können.

Die glaubhaften Beobachtungen dieser Zeugen werden ergänzt durch die Ausführungen des Zeugen KHK ... über den Inhalt des Briefkastens neben der Haustüre der Getöteten, den er am 10.07.2011 entleert hatte. Danach befanden sich neben Ansichtskarten, einem Brief und Werbesendungen auch jeweils die Ausgaben vom 08.07. und 09.07.2011 der Tageszeitungen „...-Zeitung“ und „Die ...“ in augenscheinlich unangetastetem Zustand in dem Briefkasten, die Ausgaben beider Zeitungen vom selben Tag waren jeweils noch ineinander gelegt und gefaltet. Der Zeuge ... hat weiter, mit Lichtbildern unterlegt, geschildert, dass auf dem Esszimmertisch der Wohnung der Getöteten bereits der Frühstückstisch mit Kaffeegeschirr, Obst und Marmelade eingedeckt gewesen sei, und dass in der Küche auf einem Tisch zwei Tagesrucksäcke, Schirme, Getränkeflaschen und Obst bereitgelegt war.

Hinzu kommt schließlich noch, dass die Zeugin ... in der Hauptverhandlung auch über eine Unterhaltung mit dem Ehemann der Angeklagten, ... ..., bekundete. In dieser Unterhaltung hat ... ..., der in der Hauptverhandlung sein Zeugnisverweigerungsrecht ausübte, nach den glaubhaften Bekundungen der Zeugin ihr darüber berichtet, dass er am Freitag, dem 09.07.2011 mehrfach vergeblich versucht habe, seine Eltern über Festnetztelefon und Mobiltelefon zu erreichen, weil er und seine Familie die Mutter ... zu ihrem Geburtstag am 10.07.2011 mit einem Besuch hätten überraschen wollen. Diese Anwahlversuche sind auch von dem Zeugen ... bestätigt worden, in dessen Wohnung in ... sich ... ... am Morgen des 08.07.2011 aufhielt.

In der Gesamtschau der Ausführungen des Sachverständigen Dr. ... und der Bekundungen der Zeugen ... ..., ..., ... ..., ..., ..., ... und ... gewinnt die Kammer die Überzeugung, dass sich die Tat in der Nacht vom 07.07. auf den 08.07.2011 und zwar in den frühen Stunden des 08.07.2011 ereignete.

4. Fehlen von Spuren für gewaltsames Eindringen

Der Zeuge ... hat – auch anhand der von ihm vorgeführten Lichtbilder – überzeugend bekundet, dass er keine Spuren eines gewaltsamen Eindringens in das Haus der getöteten Eheleute ... finden konnte; weder an Hauseingangs- und Terrassentüren nach an den Fenstern seien entsprechende Spuren zu finden gewesen. Die zur Straße ... Weg und zur Garageneinfahrt hin gelegenen Erdgeschoßfenster von Bad, Schlafzimmer und Gästetoilette seien zudem fest vergittert. Eine Untersuchung des Haustürschlosses durch Sachverständige des LKA Rheinland-Pfalz hat keine Spuren eines Aufsperrversuchs ergeben.

Da es auch keinen Anhalt für die fernliegende Möglichkeit gibt, der Täter habe sich tagsüber durch eine offenstehende Tür oder ein offenes Fenster in das Haus eingeschlichen und sich dort bis zur Nacht verborgen gehalten, kann zur Überzeugung der Kammer davon ausgegangen werden, dass der Täter sich in der Nacht mittels eines Schlüssels Zugang zum Haus verschaffte.

Soweit die Zeugen POK ... und KOK übereinstimmend - bekundeten, noch am 09.07.2011 links neben der Hauseingangstür in einem Blumenbeet liegend – aber völlig offen - einen Schlüssel an einem Ring gesehen zu haben, ergibt sich daraus kein Hinweis auf einen Täter oder auch nur auf einen Zusammenhang mit dem Eindringen des Täters in das Haus. Nach den Bekundungen des Zeugen ..., der den Schlüssel sichergestellt hat, handelte es sich um einen zu dem Schloss der Hauseingangstür passenden Sicherheitsschlüssel der auf der Schlüsselreide einerseits Angaben zum Hersteller von Schloss und Schlüssel (... Sicherheitstechnik GmbH & Co. KG) und auf der anderen Seite die Nummer „51984“ und die Angaben „... ... Tel. ...“ trägt. Den Bekundungen des Zeugen ... ... zufolge, der in ... am ... das Unternehmen ... Sicherheitstechnik GmbH führt, war das Haustürschloss im Anwesen der Getöteten von seinem Unternehmen geliefert worden und bei dem vorbeschriebenen Schlüssel handelt es sich erkennbar um einen von seinem Unternehmen angefertigten zusätzlichen Schlüssel.

Der Zeuge ... gab weiter an, dass in dem Anwesen der Getöteten drei augenscheinliche Originalschlüssel zum Haustürschloss, jeweils mit der Nummer 51984 und eine weitere Schlüsselkopie, entsprechend dem vor dem Haus aufgefundenen Schlüssel, gefunden werden konnte; wiederum eine weitere solche Schlüsselkopie sei von dem Sohn der Getöteten, ... ..., ausgehändigt worden.

Damit steht zur Überzeugung der Kammer fest, dass der vor dem Haus gefundene Schlüssel entweder zu einem Zeitpunkt, als das Schlosssystem noch durch eine als Ausweis fungierende Sicherheitskarte geschützt war, oder nach dem Auslaufen dieses Schutzes – laut dem Zeugen ... trat dies etwa vor acht Jahren ein - von einem berechtigten Schlüsselinhaber aus dem Haushalt der Getöteten in Auftrag gegeben wurde. Der Zeuge ... bekundete nämlich, dass ... ... die Sicherheitskarte seinerzeit mitgenommen und nicht bei ihm hinterlassen habe. Sollte die außen vorgefundene Schlüsselkopie erst nach dem Auslaufen des Systemschutzes hergestellt worden sein, belegen zur Überzeugung der Kammer zumindest die Herstellung durch das Unternehmen ... und die Einprägung der Schlossnummer die Veranlassung durch einen Berechtigten. Eine heimliche Anfertigung der Schlüsselkopie auf Veranlassung des Täters scheidet daher aus.

Nachdem der Zeuge KHK ... der Angeklagten nach dem ersten Hundeeinsatz am 07.02.2012 ab 16:07 Uhr telefonisch mitgeteilt hatte, dass die Hunde mit der Geruchsspur des Schlüssels über B ... und B ... an die Autobahnanschlussstelle in ... zur BAB ... gelaufen seien, entgegnete die Angeklagte, dass die Geruchsspur durchaus von ihr sein könne, da sie den Schlüssel bei Besuchen der Schwiegereltern schon benutzt habe, wenn sie ihren vergessen habe. Damit hat die Angeklagte eingeräumt, dass der vor der Haustür aufgefundene Schlüssel zum Haushalt der Schwiegereltern gehörte. Sie hat den Schlüssel wiedererkannt. Daraus erschließt sich, dass es sich bei dem Schlüssel nicht um eine unberechtigt hergestellte Kopie handelt.

Festgestellte Anhaltspunkte dafür, dass die Getöteten zu Lebzeiten diese Schlüsselkopie verloren hätten, oder sie ihnen entwendet worden wäre, gibt es nicht. Soweit die Angeklagte in ihrer ersten zeugenschaftlichen Vernehmung noch am 09.07.2011 gegenüber der Zeugin ... angegeben hat, ... ... habe ihr am 07.07.2011 in einem Telefonat von einem Schlüssel erzählt, der „fehlte“ oder „weg“ sei, wie die Zeugin KK´in ... in der Hauptverhandlung bekundete, hat sie schon nicht von einem Haustürschlüssel gesprochen, obwohl sich das Gespräch außerdem noch ausdrücklich um den Garagenschlüssel und den der Nachbarin ... ... während des Urlaubs der Eheleute ... überlassenen und von dieser auch zurückgegebenen Hausschlüssel gedreht haben soll. Weiterhin hatte die Angeklagte gegenüber der Zeugin ... angegeben, in dieser Gesprächspassage ihrer Schwiegermutter nicht richtig zugehört zu haben, so dass sie die Andeutungen nicht habe einordnen können. Ihre damaligen Angaben sind daher zu vage, um daraus den Schluss zu ziehen, den Eheleuten ... sei ein Hausschlüssel abhandengekommen. Zudem ist die durch die von dem Zeugen ... vorgeführten Lichtbilder dokumentierte Lage des Schlüssels, nämlich links neben der Haustüre, die links angeschlagen ist, nicht in Zusammenhang mit dem nächtlichen Eindringen des Täters in das Haus zu bringen. Hätte der Täter diesen aus dem Haus stammenden Schlüssel benutzt, um die Haustüre aufzuschließen, hätte er nachdem Öffnen innehalten müssen, um den Schlüssel abzuziehen und sodann auf der dem Schloss gegenüberliegenden Seite der Türe in das Beet zu werfen. Ein versehentliches Fallenlassen ist an dieser Stelle beim Öffnen der Türe auszuschließen. Hätte der Täter aber den Schlüssel nach dem Öffnen der Türe mit ins Haus genommen, wäre der Fund vor der Türe ebenso wenig nachvollziehbar. Der Täter hätte dann den Schlüssel im Haus ablegen können. Auch die Möglichkeit, dass der Täter nach dem Verlassen des Hauses bemerkt haben könnte, dass er noch immer den Schlüssel bei sich hatte, und dass er ihn dann vor dem Haus weggeworfen haben könnte, ist sehr fernliegend. Der Täter hätte sich dann nämlich ohne weitere mit dem Risiko des Gesehenwerdens behaftete Verzögerung entfernen und sich des Schlüssels an einem anderen Ort entledigen können, wie er es auch mit der Tatwaffe getan hat. Die Auffindesituation des leicht erkennbaren Schlüssels spricht daher für den Versuch des Täters, den Blick auf diesen Schlüssel zu lenken und damit von dem tatsächlich benutzten Schlüssel abzulenken.

5. Fehlen von Spuren für Entwendung von Wertgegenständen und einer Durchsuchung des Anwesens

Hinweise auf eine Entwendung von Wertgegenständen durch den Täter hat der Zeuge ... ebenfalls nicht finden können. Elektronische Geräte, wie Fernseher, Computer und Kamera wurden von ihm vorgefunden und im Schlafzimmer lagen persönliche Wertgegenstände der Getöteten, wie Uhren und eine Geldbörse mit Inhalt offen auf einer Kommode zwischen Bett und Badezimmer.

Auch waren nach den Bekundungen des Zeugen ... in allen Räumen des Hauses, einschließlich des Obergeschosses mit einem Büroraum keine Anzeichen einer Durchsuchung zu finden, d.h. keine offene Schränke und Schubladen und keine Unordnung in den Schränken oder auf und im Schreibtisch.

Daktyloskopische Spuren waren nach Bekundung des Zeugen ... in dem gesamten Anwesen der Getöteten nur in sehr geringer Zahl zu finden und konnten, soweit verwertbar, keiner Person zugeordnet werden. Bei den verwertbaren Spuren an einem Pfosten im Treppenhaus, an einem Kühlschrank im Keller und an einem Waschbecken im Obergeschoß war allerdings auch kein Tatzusammenhang erkennbar.

Hinweise auf die Person des Täters ergaben sich auch aus den vom dem Zeugen ... im Anwesen der Getöteten gesicherten und dokumentierten Blutspuren nicht. Die in Bad und Schlafzimmer, aber auch im Hausflur unmittelbar vor der Haustür am Boden und an der Innenseite der Haustüre vorgefundenen Blutspuren waren nach den Ausführungen der Sachverständigen Oberbiologierätin Dr. ..., Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz, in der Hauptverhandlung, soweit sie im Rahmen einer DNA-Untersuchung auswertbar waren, entweder eindeutig den Getöteten zuzuordnen oder enthielten mögliche Hinweise lediglich auf die Getöteten. Die einzige Ausnahme hiervon bildete eine Blutspur am Fußende des Bettes, in der sich auch ein Anteil des DNA-Profils des Zeugen KHK ... fand.

Da dieser die Spur selbst gesichert hat, kann von der Kammer nur der Schluss gezogen werden, dass er dabei versehentlich die Spur kontaminiert hat.

Anhaltspunkte für Zweifel an den Ausführungen der Sachverständigen Dr. ..., die nach Studium und Promotion im Fach Biologie seit 1999 im LKA Rheinland-Pfalz vornehmlich eigenverantwortlich mit der Auswertung von Tatortspuren befasst ist, sieht die Kammer nicht.

C. Angaben der Angeklagten gegenüber dem Sachverständigen Dr. ...

Die Kammer folgt den Angaben der Angeklagten gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... im Rahmen der Explorationsgespräche, die der Sachverständige im Rahmen seiner Gutachtenerstattung in der Hauptverhandlung am 19.06.2013 wiedergab, nur soweit sie mit den Feststellungen übereinstimmen.

1. Angaben der Angeklagten in der Wiedergabe durch den Sachverständigen

Im Alter von 11 Jahren haben sie wegen Konflikten mit ihrem Vater Tabletten gesammelt, die ihre Mutter jedoch entdeckt habe, bevor sie sie habe einnehmen können. Sie habe damals das Gefühl gehabt, nichts wert zu sein, sie habe zu nichts Lust gehabt und ihr sei alles egal gewesen. Damals habe sie gedacht, bevor es noch schlimmer werde, wolle sie lieber sterben. Ihre Mutter habe veranlasst, dass sie von einem Psychologen begutachtet wurde.

Im Alter von 21 Jahren habe sie einen Selbsttötungsversuch unternommen, indem sie versucht habe, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Das sei ihr nicht gelungen und sie habe ihre Mutter angerufen. Ihre Wunden habe sie selbst verbunden und ihre Mutter gebeten, niemandem etwas zu sagen.

Sie selbst habe lediglich einmal – im Alter von 21 oder 22 Jahren, also in ihrer Studienzeit - mit einem anderen Menschen über das Thema Selbstmord gesprochen, aber lediglich ansatzweise. Sie sei wieder down und fertig gewesen, aber beide hätten das Thema Selbstmord gehabt. Die Selbsttötung sei immer ihre Notlösung gewesen, wenn etwas nicht klappe. Wenn ihre Freundin später das Thema wieder angeschnitten habe, habe sie aber immer abgewehrt und gedacht, sie schaffe es alleine. Nie habe sie sich getraut, sich in ärztliche oder psychologische Behandlung zu begeben.

Auch ihrem Ehemann habe sie sich nie anvertraut. Auch ihrer Mutter habe sie nicht gesagt, dass ihre Depressionen immer wiederkehrten.

Seit Mitte/Ende Juni 2011 sei ihre innere Situation wieder schlimm gewesen. Sie habe – wie schon öfter - das Gefühl gehabt, sie sei es nicht wert, weiter zu leben. Zu diesem Zeitpunkt habe es keine besonderen Belastungen gegeben, die dieses Gefühl erklären könnten. Es habe sie einfach alles, jeder Streit und alle schlechten Nachrichten im Fernsehen belastet. In dieser Zeit habe sie versucht, ihr Leben zu leben und alles überspielt. Wenn sie so blockiert gewesen sei, habe sie Ihren Töchtern immer gesagt, dass sie Kopfschmerzen oder andere Schmerzen habe. Bis mittags sei sie im Bett liegengeblieben. Die Töchter hätten das Frühstück alleine machen müssen, da sie es nicht gekonnt habe. In der Zeit von Juni/Juli 2011 sei sie nicht jeden Tag im Bett geblieben. Es gab Zeiten, wo sie arbeiten gegangen wäre.

Bei dem Neurologen, bei dem sie im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in ... gewesen wäre, habe sie lediglich körperliche Beschwerden angegeben, nämlich Bewegungseinschränkungen im Bereich des rechten Schultergelenkes bei Zustand nach Impingement-Syndrom. Psychologische Hilfe habe sie nicht gesucht, da sie Angst gehabt habe, es käme zu viel aus der Kindheit hoch. Sie habe geglaubt, dies bekäme sie allein hin. Wenn sie zu einem Arzt gegangen wäre, hätte sie dies der Familie erzählen müssen.

Ihre innere Situation um den 07. Juli 2011 herum sie so gewesen, als hätte sie ein Engelchen und ein Teufelchen auf der Schulter gehabt. Der eine sagte, es lohne sich zu leben und der andere sagte: "Mach das endlich, du redest davon. Sei nicht so feige". Gott sei Dank habe immer das Engelchen gesiegt.

Bereits Tage vor dem 07.07.2011 habe sie sich gedacht, dass sie jetzt entweder den letzten Versuch mache, sich umzubringen, oder sich vielleicht Hilfe hole.

Was den Tag des 07. Juli 2011 anging, wisse sie nicht mehr, wann sie aufgestanden wäre, ob sie Frühstück gemacht habe. Sie habe irgendwie funktioniert - wie immer. Seinerzeit waren bereits Sommerferien gewesen, so dass kein zeitlicher Druck durch den morgendlichen Schulbesuch gegeben war. Am Donnerstag, den 07. Juli 2011 habe sie im Medizinischen Versorgungszentrum in ... um 10:00 Uhr einen Termin gehabt. Sie habe sich im MVZ mit einem Orthopäden angelegt, der ihr das Folgerezept für manuelle Therapie nicht verordnet habe. Damals sei sie zurück in den Dacia gegangen und sei im Auto vollkommen zusammengeklappt, da es ihr ohnehin schon schlecht ging. Dann sei sie nach Hause, habe ihren Hausarzt angerufen und dieser habe ihr für 11:00 Uhr einen Termin gegeben. Sie habe es ihm erzählt und er habe ihr ein Folgerezept ausgestellt.

Am Donnerstag, den 07. Juli 2011 habe sie mit dem Schwiegervater ... ... einen Besuch in ... für das Wochenende vereinbart. Anlass sei der Geburtstag von ... ... gewesen, für die es ein Überraschungsbesuch werden sollte. Die Besuchsvereinbarung sei über sie gegangen, weil sie die Termine koordinieren musste.

An dem 07. Juli 2011 habe sie sich gedacht, das machst du jetzt, man müsse ja irgend einen Tag nehmen. Sie habe tagelang überlegt, was sie tun solle. Die Familie habe nicht wissen sollen, dass sie sich umbringen wolle, weil die Familie es nicht verstehen würde. Vor allem würde sie ihren Kindern ein schlechtes Beispiel geben, wenn das Leben nicht klappt. Sie habe sich gedacht, dass sie einen Unfall haben müsse. Sie habe ganz schnell mit dem Auto fahren und einen Unfall haben wollen. Dies habe sie vorbereitet, indem sie ihrer Tochter ... gesagt habe, dass sie wegfahre. Donnerstags, am 07. Juli 2011 habe sie ihr erzählt, dass sie wegfahren wolle. Sie habe es ihr relativ knapp vorher gesagt, wohl am Nachmittag. Sie habe keinen Abschiedsbrief geschrieben, weil sie einen Unfall fingieren wollte. Dies habe sie sich vorher gut überlegt.

Nachdem sie nachmittags bei ihrer Nachbarin, der Zeugin ... gewesen sei, sei sie nach Hause duschen gegangen und habe sich angezogen. Mit dem BMW, weil dieser eh nicht in Ordnung war, sei sie in den Supermarkt Zigaretten kaufen gefahren, entweder bei ... oder ... Dort auf dem Parkplatz sei der Wagen nicht mehr angesprungen. Erst habe sie gedacht, dass es vielleicht ein Zeichen des Nachdenkens gewesen wäre. Danach habe sie den Dacia genommen und sei mit diesem gefahren, um sich umzubringen. Sie sei in den Dacia eingestiegen und wollte auf die Autobahn Richtung ... fahren. Im Norden habe sie keine Bekannten, deshalb habe sie ... erzählt, sie treffe sich mit ... ... in ... Die ursprüngliche Idee, sich mit ... ... zu treffen, habe sie ... erzählt. Seinerzeit war ... in der Situation, dass ... ... einen Freund hatte, den sie Frau ... immer mal vorstellen wollte. Es sei ein blonder, gutaussehender Mann gewesen. Allerdings wusste die Freundin zu der Zeit noch nicht, ob sie ihren Mann verlassen oder ob sie bei ihm bleiben wolle. Deswegen sei es für sie naheliegend zu sagen, sie treffe sich mit ... ... ... habe nichts davon gewusst, dass sie kommen wolle. Sie habe sich nicht wirklich mit ihr verabredet. Erst hinterher sei ihr eingefallen, wenn die Familie den Suizid hätte glauben sollen, hätte sie sich tatsächlich mit ... absprechen müssen.

In ... lägen die Autobahnauffahrten beide hintereinander auf der linken Seite von ... aus gesehen. Sie sei auf die falsche Auffahrt in Richtung nach Norden gekommen. Irgendwann habe sie dies gemerkt. Auf dieser Strecke konnte sie keinen Unfall haben. Sie hätte ihrem Kind nicht sagen können, sie fahre nach ... und habe dann in Richtung Norden einen Unfall. Sie habe gedacht, dass sie auf die gegenüberliegende Autobahn fahren müsse, also wieder an ... vorbei. Sie sei die Autobahn runtergefahren und stand auf einer Landstraße. Es könnte ... gewesen sein. Das wisse sie definitiv nicht mehr. Sie habe ziemlich lange im Auto gesessen und überlegt, was sie tun solle. Sie habe hin und her überlegt und sich Argumente für und gegen den Suizid überlegt. Es sie so gewesen, als sei nicht sie selber die gewesen, die im Auto saß. Sie wisse nicht, ob sie der Mut verlassen habe oder ob die Vernunft gesiegt habe. Sie habe gedacht, dass sie es vielleicht nicht tun solle. Vielleicht sei dies das endgültige Zeichen gewesen, da zweimal der Suizidversuch misslang. Zuerst springe der BMW nicht an, dann gerate sie auf die falsche Autobahn. Schließlich sei sie erst zwei Stunden später, gegen 01:00 Uhr wieder nach Hause gefahren. Gegen 23:00 Uhr am 07. Juli 2011 sei sie mit dem Dacia losgefahren und sei gegen 01:00 Uhr am 08. Juli 2011 wieder zu Hause gewesen. Sie habe oben im Zimmer ihrer Tochter ... etwas gehört, diese aber nicht gesehen oder gesprochen. Sie sei zu Bett gegangen, weil sie einfach nur noch kaputt gewesen sei. Sie habe furchtbar weinen müssen und sie sei irgendwann eingeschlafen.

Auf Frage des Sachverständigen habe die Angeklagte angegeben, erstmals in ihrer polizeilichen Beschuldigtenvernehmung nach ihrer Festnahme jemandem von dem Suizidversuch erzählt zu haben. Der Ehemann habe nach 18 Jahren Ehe nicht erfahren sollen, dass sie sich immer wieder in ihrem Leben hätte „verdrücken“ wollen und suizidal gewesen wäre. Er hätte sich das nie verziehen, wenn er das nicht bemerkt hätte. Diese Suizidgedanken habe sie während der Ehe öfter gehabt, es aber wieder weggeschoben oder es sei in der Familie etwas passiert, bei dem man gebraucht wurde. Daraufhin habe sie es wieder hinten anstellen müssen. Dies habe sie nie als depressiv aufgefasst. Wenn ihr jemand gesagt hätte, sie habe Depressionen, hätte sie gesagt, dies sei Quatsch. Das erste Mal sei sie während der Zeit in der Justizvollzugsanstalt auf den Gedanken gekommen, dass es Depressionen sind. Sie hatte in irgendeiner Gesundheitszeitschrift, einem Gesundheitsblättchen, einen Artikel über Volkskrankheiten in Deutschland gelesen. Dort sei es um Migräne, Bandscheiben, Depressionen gegangen. Das Thema Bandscheibe habe sie interessiert, weil sie damit Probleme habe. Daraufhin hatte sie die anderen Artikel durchgelesen und in dem Heft sei zu lesen gewesen, dass viele Menschen, die Depressionen haben, nicht einfach traurig sind. Ebenfalls habe darin gestanden, dass Außenstehende die Depressionen nicht merken würden, weil gerade solche Menschen depressiv wären, die viel Leistung erbringen. Als Beispiel stand in der Zeitschrift, dass ein Marathonläufer ebenfalls depressiv sein könne. Für sie sei immer klar gewesen, wer auf der einen Seite die Gartenarbeit oder das Ausheben eines Teiches ausführe, der könne nicht depressiv sein.

2. Stellungnahme des Sachverständigen Dr. ...

Der Sachverständige Dr. ... hat in seinem Gutachten am 19.06.2013 ausgeführt, dass sich die Angaben der Angeklagten zu ihrem Befinden am 07.07.2011 und in den Tagen zuvor sowie zu einem am 07.07.2011 gefassten Suizidvorsatz aus sachverständiger Sicht nicht verifizieren lassen.

Dabei hat der Sachverständige insbesondere auch die Angaben der Zeugin ... am 26.02.2013 in der Hauptverhandlung in Anwesenheit des Sachverständigen berücksichtigt.

Die Zeugin ..., Diplom-Sozialpädagogin und in der Psychologische Beratungsstelle für Ehe, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung in ... als Ehe-, Familien-, Lebensberaterin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin und Familientherapeutin tätig, hat in der Hauptverhandlung nach Entbindung von der Schweigepflicht bekundet, dass die Angeklagte am 11.07.2011 ihre Töchter zur psychologischen Beratung angemeldet habe. Erst später habe sie auch selbst Hilfe gesucht, wobei es am 14.09.2011 zu einem ersten einstündigen Beratungsgespräch gekommen sei. Die Angeklagte sei zu ihr gekommen, um „wieder runter zu kommen, um wieder schlafen zu können“. Die Angeklagte habe dies damit begründet, dass sie sich am Tatort sehr „unklug“ verhalten habe und ihr Verhältnis zur Schwiegermutter nicht gut gewesen sei, weshalb sie im Fokus stehe. Nach ihrer Einschätzung habe sich im Befinden der Angeklagten seinerzeit Trauer wegen des Verlustes der Schwiegereltern gezeigt, sie sei vom Vorliegen einer Belastungsstörung ausgegangen. In einem weiteren einstündigen Beratungsgespräch habe die Angeklagte vornehmlich über ihr Elternhaus, jedoch nur sehr begrenzt, berichtet. Die Eltern hätten sich getrennt, der Vater sei sehr rigide gewesen, zu ihm habe die Angeklagte kein besonders gutes Verhältnis gehabt. Nach diesem zweiten Gespräch sei die Angeklagte nicht mehr erschienen und habe auch bei anderen Beratern der Psychologischen Beratungsstelle keine Termine mehr gehabt.

Außerdem hat der Sachverständige Dr. ... einen Aktenvermerk der Fachärztin für Psychiatrie ... vom 12.12.2012 aus der medizinischen Akte der JVA ... verwertet, wonach die Angeklagte dort angegeben hatte, sie habe im Sommer 2011 Suicidgedanken gehabt, aber letztendlich nichts gemacht. Sie habe die Überlegung gehabt, sich mit dem Auto zu suicidieren. Sie habe dies seit dem 11. Lebensjahr immer wieder gehabt.

Der Sachverständige hat weiter ausgeführt, dass – legte man die Schilderungen der Angeklagten isoliert zugrunde – es sich bei ihr um eine sonstige rezidivierende depressive Störung gehandelt hätte, die sich bei ihr beginnend von der Kindheit knapp vor dem Jugendlichenalter erstmals manifestiert und sich während des gesamten Lebensverlaufes reproduziert hätte. Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang, dass sich die Angeklagte keine professionelle Hilfe geholt hätte, obwohl sie sich sonst in allen Lebensbereichen eher durchschlagskräftig gezeigt habe.

Erst nach dem Tod der Schwiegereltern habe sie sich in Behandlung zu Frau Diplom-Psychologin ... begeben, wobei allerdings im Rahmen dieser Therapie die entsprechenden Probleme nicht weitergehend zur Sprache gekommen seien, da die Therapie mit der Behandlung von Panikzuständen nach dem Verlust der Schwiegereltern andere Ziele hatte.

Bei der Angeklagten wäre nach den Ausführungen des Sachverständigen Dr. ... – ihre Angaben als wahr unterstellt - kein so schwerwiegender Zustand aufweisbar gewesen, dass bei ihr Diagnosen wie leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episoden im Sinne einer affektiven Erkrankung wie eine manischdepressive Erkrankung oder eine endogene Melancholie zu stellen gewesen wären.

Bezogen auf den 07. Juli 2011 habe die Angeklagte allenfalls eine Phase einer sonstigen rezidivierenden depressiven Störung (ICD- 10: F33.8) beschrieben. Bei den sonstigen rezidivierenden depressiven Störungen handele es sich gemäß ICD-10 um eine "Restkategorie", worunter vor allen Dingen sogenannte Mischbilder von depressiven Symptomen, die mit Ängsten, Anspannung, Verzweiflung und mit einer Mischung somatisch depressiver Symptome einhergehen, beschrieben werden. Aus seiner Sicht könnten möglicherweise die von der Angeklagten geschilderten orthopädischen Beschwerden, die auch zum Aufsuchen des MVZ am 07.07.2011 geführt haben sollen, mitbedingend für die von der Angeklagten angegebenen depressiven Einbrüche gewesen sein.

3. Folgerungen der Kammer

Die Kammer sieht sowohl die angebliche Suizidabsicht der Angeklagten, als auch einen die Benutzung des BMW 316I, Kz: ..., ausschließenden Defekt als widerlegt an.

a)

Schon den von dem Sachverständigen Dr. ... ausdrücklich unter die Voraussetzung der Wahrunterstellung der Angaben der Angeklagten gestellten Schluss allenfalls auf eine am 07.07.2011 aktuell auftretende sonstige rezidivierende depressive Störung zieht die Kammer nicht, weil sie schon nicht von wahrheitsgemäßen Angaben der Angeklagten hinsichtlich ihres inneren Zustandes am 07.07.2011 ausgehen kann.

Die vom Sachverständigen zwar nicht wörtlich, aber durch Länge und Struktur seiner Darstellung erkennbar sinngetreu wiedergegebenen Angaben der Angeklagten, die oben unter 1. schon chronologisch geordnet und zusammengefasst wiedergegeben sind, erscheinen schon in sich nicht plausibel.

Die Angeklagte hat insbesondere nicht erklären können, wann und wodurch veranlasst sie letztlich den angeblichen Entschluss zum Suizid gefasst haben will, nachdem sie sich schon Tage vorher erwogen haben will, sich entweder zu töten oder sich vielleicht Hilfe zu holen.

Nach ihren Angaben hat sie am 07.07.2011 gegen 10:00 Uhr zunächst vergeblich bei ihrem Neurologen ein Folgerezept für manuelle Therapie verlangt und später nach 11:00 Uhr ein solches von ihrem Hausarzt erhalten. Sie hat demnach am Morgen des 07.07.2011 zukunftsorientiert geplant und gehandelt. Soweit der Konflikt mit ihrem Neurologen, der zu ihrem „Zusammenklappen“ im „Dacia“ geführt haben soll, als Auslöser für eine Entscheidung zu einem schon länger erwogenen Suizid durchaus in Betracht kommen kann, spricht aber schon die offensive Reaktion der Angeklagten hierauf, nämlich der Gang zum Hausarzt, der sogar von Erfolg gekrönt war, dagegen, dass dieses Ereignis tatsächlich Auslöser für einen Entschluss zum Suizid gewesen sein kann.

In ihrer ersten zeugenschaftlichen Vernehmung durch die Zeugin ... am 09.07.2011 schilderte die Angeklagte, dass sie am Donnerstag, dem 07.07.2011 in den frühen Nachmittagsstunden – bei schönem Wetter auf der Terrasse – mit ... ... telefonierte und dabei einen Überraschungsbesuch zum Geburtstag ihrer Schwiegermutter ... ... ankündigte. Gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... hat die Angeklagte insoweit nur angegeben, dass sie sich um die Termine der Familie habe kümmern müssen. Ob und welche Empfindungen sie vor dem Hintergrund eines angeblich schon seit Tagen erwogenen Suizids bei dieser erneuten Zukunftsplanung hatte, hat die Angeklagte gegenüber dem Sachverständigen dagegen nicht erkennen lassen. Schließlich will sie ihrer Tochter ... am Nachmittag des 07.07.2011 die Legende für eine späteren Unfalltod auf der Autobahn, nämlich den angeblich geplanten Besuch der Zeugin ... in ..., mitgeteilt haben, was sich folglich vor dem Besuch bei der Zeugin ... ereignet haben müsste, nach dem die Angeklagte nur noch geduscht haben will, bevor sie zum Zigarettenholen bei einem Einkaufsmarkt aufbrach. Auch insoweit ist wieder in der Darstellung der Angeklagten selbst nicht erkennbar, wann und wodurch letztlich ausgelöst sie den Entschluss zum Suizid gefasst haben will. Ihre von dem Sachverständigen Dr. ... wiedergegebenen Äußerungen, an dem 07. Juli 2011 habe sie sich gedacht, das machst du jetzt, man müsse ja irgend einen Tag nehmen, sind sowohl im Hinblick auf den Tagesverlauf als auch im Hinblick auf ihr inneres Erleben im Moment des Entschlusses so undifferenziert, dass die Kammer – auch unter Unterstellung einer von Ängsten, Anspannung, Verzweiflung und einhergehend mit einer Mischung somatisch depressiver Symptome geprägten Gestimmtheit – keine Anzeichen eigenpsychischen Erlebens in den Schilderungen der Angeklagten erkennen kann. Dabei ist sich die Kammer bewusst, dass es sich bei der Wiedergabe von Angaben der Angeklagten durch den Sachverständigen Dr. ... grundsätzlich nur um von der Kammer eingeschränkt zu beurteilende Schilderungen handelt. Anderseits hat der der Kammer aus einer Vielzahl von Strafverfahren als besonders sachkundig und forensisch erfahren bekannte Sachverständige Dr. ... die Äußerungen der Angeklagten in den Explorationsgesprächen in seinem Gutachten in der Hauptverhandlung sehr ausführlich und erkennbar auch in der Struktur des Vortrags durch die Angeklagte wiedergegeben, so dass nicht zu besorgen ist, ihm könnten dabei wesentliche Äußerungen der Angeklagten entgangen sein. Aufgrund seiner ebenfalls sehr ausführlichen Wiedergabe der Angaben der Angeklagten zu ihren persönlichen Verhältnisses und zu ihrem Werdegang hat die Kammer zudem die Überzeugung gewonnen, dass die Angeklagte sehr wohl in der Lage ist, ihr inneres Erleben differenziert in Worte zu fassen. Auch die Zeugin ... hat in der Hauptverhandlung ihren Eindruck geschildert, wonach die Angeklagte sich sehr differenziert über sich und ihre Situation habe äußern können.

Die Kammer sieht deshalb darin, dass die Angeklagte keinerlei Beziehung zwischen ihrem angeblichen Suizidentschluss am 07.07.2011 und einem auch nur annähernd bezeichneten Zeitraum an diesem Tag und ebenso wenig zu einem auch nur annähernd beschriebenen momentanen inneren Zustand beschreiben konnte, ein sicheres Anzeichen für fehlendes eigenes Erleben. Anlass für die von dem Sachverständigen Dr. ... seiner Diagnose zugrunde gelegte Wahrunterstellung gibt es daher nicht.

Schließlich ist eine zu verheimlichende Suizidabsicht der Angeklagten in der Nacht vom 07. auf den 08.07.2011 auch nicht damit vereinbar, dass die Angeklagte zuvor versucht hatte, heimlich – ohne Kenntnis von ... ... und ohne Nachvollziehbarkeit durch Kontenverkehr - über die Zeugen ... und ... ... an ein geliehenes oder gemietetes Fahrzeug für die Woche vom 04. bis zum 10.07.2011 zu kommen (siehe hierzu die Ausführungen unter D. 3.). Hätte sich die Angeklagte mit einem Mietwagen oder gar dem Fahrzeug von ... ... selbst getötet, wären ihre Absprachen mit den Zeugen ... ohnehin zutage getreten.

b)

Die Kammer ist von der Unwahrheit der Angaben der Angeklagten zu ihrem Verhalten und ihrem Aufenthalt in der Nacht des 07.07. auf den 08.07.2011 auch deshalb überzeugt, weil diese Angaben mit anderen Beweisergebnissen nicht in Einklang zu bringen ist.

aa) Die Zeugin ... ..., unmittelbare Nachbarin der Angeklagten, hat in der Hauptverhandlung bekundet, die Angeklagte sei am 07.07.2011 gegen 17:00 Uhr zu ihr auf die Terrasse gekommen, um gemeinsam Kaffee zu trinken. Die Angeklagte habe sie erst am Abend aber vor 21:00 Uhr wieder verlassen, sie habe noch zu dem ...-Markt in ... fahren wollen, um Zigaretten zu kaufen. Die Angeklagte habe zu ihr gesagt, der ...-Markt mache in 10 Minuten zu, sie müsse los und sei in ihr Haus gegangen. Von ihrer Terrasse habe sie sehen können, wie die Angeklagte nach kurzer Zeit wieder aus dem Haus gekommen und mit dem davor abgestellten BMW weggefahren sei. Sie habe weder die Angeklagte zurückkommen gesehen oder gehört, noch den BMW vor dem Haus wiedergesehen.

Grund zu Zweifeln an diesen Bekundungen besteht nicht. Sie ergeben sich insbesondere nicht aus dem von der Verteidigung erst in einem ersten Plädoyer offenbarten Umstand, dass die Zeugin ab Ende 2012 unter dem Pseudonym „...“ als Diskussionsleiter unter dem Titel „... ...“ eine Diskussion in dem Internet-Diskussionsforum „www.allmystery.de“ über den gegen die Angeklagte geführten Prozess leitete. Die Zeugin ... hat in neuerlicher Befragung in der Hauptverhandlung hierzu erklärt, dass ihr von der Polizei auferlegt worden sei, mit niemandem, auch nicht mit ihrem Ehemann, dem Zeugen ... ..., über den Fall zu reden. Da der Fall aufgrund ihrer früheren engnachbarschaftlichen und freundschaftlichen Beziehung zur Angeklagten und ihrer Familie aber sehr belastend sei, habe sie sich mit anderen Menschen austauschen müssen, um den Druck der Situation, auch aufgrund des mittlerweile zerstörten Verhältnisses zu ... ... und seinen Töchtern, „verarbeiten“ zu können. Sie habe deshalb den Informationsaustausch mit Zuhörern des Prozesses gesucht, die sie in dem Verfahren kennengelernt habe. Ihr Pseudonym „...“ sei zufällig entstanden, bei der Suche nach einem Pseudonym sei ihr Blick auf eine Flasche dieser Brauerei gefallen. Alkohol nehme sie nur in Maßen zu sich.

Auf Vorhalt des von der Verteidigung in ihrem ersten Plädoyer am 02.07.2013 als Zeichen des persönlichen Interesses der Zeugin an einer Verurteilung der Angeklagten angeführten Beitrags:

„@...

ja, aber das ist es mir Wert. Möchte auch anwesend sein, wenn man die „Nachbarin“ zerfleischt... ;-)“

hat die Zeugin ... glaubhaft und im Einklang mit dem von der Verteidigung vorgelegten Ausdruck der Diskussion sowie dem protokollierten Verfahrensgang bekundet, sie habe dies am 28.06.2013 nach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft geschrieben, sie habe damit zum Ausdruck gebracht, dass sie auch das Plädoyer der Verteidigung anhören wolle, mit „Nachbarin“ habe sie sich selbst gemeint, sie habe erwartet, als Zeugin im Plädoyer der Verteidigung „zerfleischt“ zu werden. Keinesfalls habe sie damit die Angeklagte gemeint, wie von der Verteidigung unterstellt, es habe ja im Zeitpunkt ihres Beitrages nur noch das Plädoyer der Verteidigung ausgestanden, die doch nicht die Angeklagte „zerfleischen“ werde, sie selbst sei doch die einzige, die von der Verteidigung „zerfleischt“ werden konnte.

Die Zeugin ... hat weiter bekundet, sie habe die Diskussion eröffnet, weil sie sich nicht zum Ergebnis der Beweisaufnahme habe äußern wollen, wie dies in einem anderen Diskussionsstrang im Internet gefordert worden sei. Dort sei die einfache Unterhaltung, wie unter „... ...“ gepflegt, als „Hausfrauengeschwafel“ abgelehnt worden.

Weiter hat die Zeugin bekundet, sie habe vor etwa zwei Wochen mit Polizeibeamten des Zeugenschutzes über die Diskussion im Internet gesprochen und sei aufgefordert worden, das zu unterlassen, was sie aber nicht getan habe. Von der Schuld der Angeklagten sei sie überzeugt, aber erst nachdem sie am 27.06.2013 das Plädoyer der Staatsanwaltschaft gehört habe.

Die Kammer sieht aufgrund dieser nachvollziehbaren und glaubhaften Angaben der Zeugin ... keinen Anhalt für die Annahme, diese habe bei polizeilichen Vernehmungen im Ermittlungsverfahren und bei ihren Vernehmungen in der Hauptverhandlung am 23.01.2013 und 13.02.2013 durch eine vorgefasste Meinung zur Täterschaft der Angeklagten beeinflusst ausgesagt und unwahre Angaben gemacht. Die Kammer sieht auch in der Diskussionsleitung durch die Zeugin und ihre Diskussionsbeiträge im Internet kein Anzeichen für ein besonderes Interesse der Zeugin an öffentlicher Aufmerksamkeit, das Rückschlüsse auf ihre Motivation bei der von ihr begonnenen Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden erlaubte und den Wahrheitsgehalt ihrer Angaben in Frage stellen könnte. Die der Zeugin in der Hauptverhandlung vorgehaltenen Beiträge gehen über eine „einfache Unterhaltung“ nicht hinaus und lassen eine Geltungssucht der Zeugin nicht erkennen. Die Verteidigung hat auch gerade kein Beispiel für eine vorgefasste Verurteilung der Angeklagten durch die Zeugin aufgezeigt, sondern für deren Erwartung, im Plädoyer der Verteidigung besonders kritisiert zu werden. Da die Verteidigung in ihrem ersten Plädoyer dieser Erwartung bis hin zur Kritik von Frisur und Kleidung der Zeugin gerecht geworden ist, gibt die Vorwegnahme durch die Zeugin auch keinen Anlass für die Annahme, darin käme eine böswillige Verunglimpfung der Angeklagten und ihrer Verteidiger zum Ausdruck.

Die Kammer verwertet dennoch vorsorglich nur solche Angaben der Zeugin ..., die zumindest durch Angaben der Angeklagten gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... oder durch andere Beweismittel bestätigt sind.

Die Angeklagte hat gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... das Zusammensein mit der Zeugin ... und auch ihre Fahrt mit dem BMW zum ...-Markt ohne Abweichung zu den Bekundungen der Zeugin ... geschildert, so dass die Kammer davon ausgehen kann.

Die Zeugin ..., bis 2011 Leiterin des ...marktes (vormals ...-Markt) in der ... Straße ... in ..., hat in der Hauptverhandlung bestätigt, dass der ...-Markt seit Februar 2011 bis über den 07.07.2011 hinaus immer von 07:00 Uhr bis 21:00 Uhr geöffnet gewesen sei, und dass es davon keine Ausnahmen oder Sonderregelungen gegeben habe. Daher geht die Kammer davon aus, dass die Angeklagte die Zeugin ... gegen 20:50 Uhr verlassen hat.

Träfen nun die Angaben der Angeklagten gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... zu, hätte sie demnach den ...markt noch vor Ladenschluss erreicht und im Anschluss an den Einkauf spätestens wenige Minuten nach Ladenschluss festgestellt, dass der BMW nicht mehr ansprang und sich sodann zu Fuß zu ihrem ca. zwei Kilometer entfernten Haus zurückbegeben. Selbst wenn die Angeklagte erst nach ihrer Rückkehr zum Haus – entgegen ihrer Darstellung gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... – geduscht und sich wieder angekleidet haben sollte, um sodann mit dem Dacia wieder wegzufahren, ist nicht nachvollziehbar, dass sie dann, wie von ihr behauptet, erst gegen 23:00 Uhr zu ihrer Fahrt aufgebrochen wäre. Die Angeklagte hat gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... weder angegeben, den Rückweg vom ...-Markt ausgedehnt zu haben, noch hat sie von einem besonders langen Duschen und Ankleiden berichtet. Dass sich die Angeklagte tatsächlich noch gegen 23:00 Uhr in ihrem Haus aufgehalten habe, ist daher zur Überzeugung der Kammer unwahr.

bb) Die von der Angeklagten gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... behauptete endgültige Rückkehr in ihr Haus gegen 01:00 Uhr am 08.07.2011 hat zur Überzeugung der Kammer ebenfalls nicht stattgefunden.

Die Zeugin ... ..., Mutter des Zeugen ... ..., der im Juli 2011 mit der Tochter der Angeklagten ... eng befreundet gewesen war, hat in der Hauptverhandlung am 17. Verhandlungstag bekundet, dass ... ... am Freitag, dem 08.07.2011 gegen Nachmittag in ihr Haus gekommen sei, um ihren Sohn ... zu besuchen. ... sei nach ihrer Erinnerung mit dem Fahrrad gekommen und jedenfalls nicht von ihrer Mutter mit dem Auto gefahren worden. Im Beisein ihres Sohnes sei das Gespräch auf den Grund hierfür gekommen und ... habe gesagt, ihre Mutter sei in der Nacht bei einer Freundin gewesen und habe sich verquatscht, sie sei erst gegen 06:00 Uhr am Freitag nach Hause gekommen. Anhaltspunkte für ein Interesse dieser Zeugin an einer Falschbelastung der Angeklagten sind ebenso wenig ersichtlich, wie Erinnerungsmängel. Die Zeugin hat im Zusammenhang aus ihrer Erinnerung berichtet, ... habe gesagt, ihre Mutter sei erst früh morgens nach Hause gekommen. Sie hat dies weiter präzisiert, indem sie ergänzte, ... habe die Uhrzeit mit 06:00 Uhr angegeben.

Der Wahrheitsgehalt der Aussage der Zeugin ... wird auch nicht dadurch in Zweifel gezogen, dass der Zeuge ... ... in der Hauptverhandlung angab, sich nicht mehr daran erinnern zu können, ob er bei dem Gespräch zwischen ... ... und seiner Mutter dabei gewesen war. Der Zeuge, der nach einer Trennung von ... ... im Zeitpunkt der Vernehmung in der Hauptverhandlung wieder mit dieser zusammengekommen war, gab zunächst an, er sei bei diesem Gespräch nicht zugegen gewesen. Auf Vorhalt einer anderslautenden Angabe in der Niederschrift seiner polizeilichen Vernehmung vom 30.07.2011, wonach ... ... beim gemeinsamen Abendessen in seiner Anwesenheit und der seiner Mutter sagte, ihre Mutter sei in der letzten Nacht nicht zu Hause gewesen und erst gegen 06:00 Uhr morgens nach Hause gekommen, identifizierte der Zeuge aber die Unterschriften auf diesem Aktenblatt und der letzten Seite der Vernehmungsniederschrift (Spurenakte ... jun., Bd. 7, Bl. 1579 und Bl. 1581) als die seinen und gab auch an, die Vernehmungsniederschrift vor der Unterschriftsleistung durchgelesen zu haben. Anschließend zog er sich darauf zurück, sich lediglich nicht mehr an seine Anwesenheit bei dem Gespräch erinnern zu können.

Dass die Mitteilung ... ...s gegenüber den Zeugen ..., ihre Mutter sei am 08.07.2011 erst gegen 06:00 Uhr nach Hause gekommen, nicht auf eigener Wahrnehmung, sondern lediglich auf einer Falschmitteilung durch die Angeklagte beruhen könnte, schließt die Kammer aus. Die Angeklagte hat – nach dem 17. Hauptverhandlungstag - gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... im Zusammenhang mit ihrer Rückkehr angeblich gegen 01:00 Uhr am 08.07.2011 ihre Tochter ... zwar erwähnt, aber gerade nicht geäußert, dass sie selbst ihre Tochter falsch über die Uhrzeit ihrer Rückkehr informiert hätte. Daher fehlt jeder Anhalt für eine solche Annahme. Ebenso wenig ist eine andere Quelle für eine Falschinformation ... ...s hinsichtlich der Uhrzeit der Rückkehr ihrer Mutter ersichtlich.

cc) Dass der BMW „eh nicht in Ordnung war“ wie die Angeklagte gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... angab, und dass der BMW auf dem Parkplatz des ...-Marktes „nicht mehr ansprang“, sieht die Kammer aufgrund mehrerer Beweismittel als widerlegt an.

Der Zeuge ..., der in ... u.a. eine Kraftfahrzeugwerkstätte betreibt und dabei bereits früher mit den Fahrzeugen der Familie der Angeklagten befasst war, hat in der Hauptverhandlung zunächst bekundet, es sei durchaus üblich gewesen, dass Fahrzeuge, auch der BMW der Familie ..., auf seinem Werkstattgelände in seiner Abwesenheit abgestellt und der Fahrzeugschlüssel in den Briefkasten geworfen worden sei. Aus seinen Aufzeichnungen könne er ersehen, dass der BMW jedenfalls am Freitag dem 08.07.2011 auf seinem Gelände gestanden habe, er wisse aber nicht, ob er schon am Morgen dagewesen sei.

Samstags morgens habe er den Wagen untersucht, was er anhand seiner Unterlagen und von Lichtbildern nachvollziehen könne, die am 10.05.2012 anlässlich seiner zeugenschaftlichen Vernehmung durch Polizeibeamte vom Display seines Diagnosegerätes gefertigt worden seien. Er habe demnach am 09.07.2011 gegen 09:00 Uhr den Diagnosespeicher des Fahrzeuges ausgelesen, dessen Motor schlecht gelaufen sei. Das Diagnosegerät, welches technisch einwandfrei gewesen sei, habe einen Fehlercode der ABS-Anlage angezeigt (Drehzahlsensor vorne links nicht in Ordnung), außerdem eine Störung der Lambdasonde. Schließlich habe er am Motorgeräusch – unrunder Motorlauf - festgestellt, dass der Motor nur auf drei von vier Zylindern gelaufen sei, d.h. in einem Zylinder sei es nicht zur Zündung gekommen. Er habe daraufhin das Motorenöl in Augenschein genommen, jedoch weder einen Geruch nach Kraftstoff noch Anzeichen für einen vermehrten Abrieb wahrgenommen. Nach seiner Einschätzung hätten solche Wahrnehmungen auf einen längeren Betrieb des Motors mit fehlender Zündung auf einem Zylinder hingedeutet, weil nicht verbrannter Kraftstoff sich mit dem Motorenöl vermischt hätte, was dann zu einem Reißen des Schmierfilms zwischen Zylinderinnenwand und Kolbenringen, vermehrter Reibung und letztlich zu einem Kolbenfresser geführt hätte. Da Anzeichen hierfür für ihn nicht zu erkennen gewesen seien, habe er nur die Zündkerzen und den Drehzahlsensor der ABS-Anlage vorne links gewechselt und die Kontakte der Lambdasonde gereinigt. Danach sei der Motor wieder rund gelaufen. Wann die Zündung des einen Zylinders ausgefallen sei, könne man nicht beurteilen.

Das auf Antrag der Verteidigung während der Hauptverhandlung eingeholte Gutachten des Kraftfahrzeugsachverständigen der Dekra, Dipl.-Ing. (FH) ... ..., ..., der den von der Polizei 2012 sichergestellten BMW untersucht hat, hat eine erhebliche Funktionsstörung des BMW am 07.07.2011 ebenfalls nicht bestätigt. Der seit 30 Jahren ausschließlich als Gerichtsgutachter tätige, als Kraftfahrzeugmechaniker ausgebildete und im Fach Maschinenbau diplomierte Sachverständige hat in der Hauptverhandlung ausgeführt, dass bei der Untersuchung des Motors im Mai 2013 weder Öl- noch Kühlwasseraustritte festzustellen waren und sich auch kein Wasser im Öl gefunden habe. Der Motor sei nach längerer Standzeit – die Batterie sei vollständig entladen gewesen – beim zweiten Startversuch sofort angesprungen nach ca. 20 Sekunden stotternden Laufs ruhig und konstant gelaufen. Bei im Stand laufenden Motor seien keine auffälligen Geräusche zu vernehmen, keine Undichtigkeiten, keine auf Öl im Verbrennungsraum hindeutenden blauen Qualmwolken und auch keine Ölablagerungen in Auspuff und Schalldämpfer festzustellen gewesen. Beim Auslesen des Diagnosespeichers seien keine Fehler im Kontrollgerät hinterlegt gewesen.

Allerdings sei der Motor dann zu heiß geworden, was auf einen Fehler im Thermostat hingedeutet habe. Nach dessen Wechsel und einer erneuten Überprüfung des Motors auf Leckagen habe es nach dem Neustart des Motors keine Temperaturprobleme mehr gegeben.

Im Verlaufe einer sich anschließenden längeren Fahrt sei es jedoch erneut zu einem Temperaturanstieg im Motor gekommen, nach einem Halt sei zudem Kühlwasserverlust festzustellen gewesen. Die anschließende Untersuchung des Motors habe ergeben, dass ein Anschlussstutzen zum Heizkreislauf gebrochen war. Beim Ausbau des im Zuleitungsschlauch zum im Heizkreislauf steckenden, abgebrochenen Stücks des Anschlussstutzens sei dieses wiederum gebrochen und diese Bruchflächen seien in ihrer Beschaffenheit nicht von den Bruchflächen des zuerst aufgetretenen Bruchs zu unterscheiden gewesen. Eine alterungsbedingte Veränderung der Bruchflächen des ersten Bruches habe daher nicht vorgelegen. Folglich müsse davon ausgegangen werden, dass der erste Bruch des Anschlussstutzens erst während der Überprüfungsfahrt des Sachverständigen aufgetreten sei und nicht etwa vorbestanden habe. Zudem sei nach Auskunft des Ermittlungsführers KHK ... auf der Überführungsfahrt nach dem Ankauf des Fahrzeugs durch die Polizei keine Aufheizung festzustellen gewesen.

Das Problem der Alterung des Materials des Anschlussstutzens sei außerdem in Fachkreisen bereits bekannt gewesen.

Der Sachverständige hat weiter ausgeführt, dass der Ausfall des ABS-Sensors, der am 09.07.2011 von dem Zeugen ... festgestellt wurde, für den Motorlauf nicht relevant gewesen ist. Die Störung an der Lambdasonde hätte allerdings zu einer Überfettung des Kraftstoff-Luft-Gemischs in allen Zylindern führen können, wofür es auch nach den Angaben des Zeugen ... aber keinen Anhalt gebe.

Soweit der Zeuge ... ein Laufen auf drei Zylindern, also einen Totalausfall einer Zündkerze, beschrieben habe, hat die Untersuchung des zerlegten Motors durch den Sachverständigen ... keinen Anhalt dafür ergeben, dass der Motor mit einer total ausgefallenen Zündkerze länger betrieben wurde. Nach Einschätzung des Sachverständigen ... wären bei einem Totalausfall der Zündkerze bereits nach einer Fahrtstrecke von 250 bis 300 Kilometern und damit weniger als der einfachen Entfernung zwischen ... und ... von ca. 350 Kilometern sichtbare Motorschäden zu erwarten gewesen.

Ein Laufen auf nur drei Zylindern hätte aber auch von dem von dem Zeugen ... verwandten, technisch fehlerfreien Auslesegerät bereits angezeigt werden müssen, was allerdings nicht der Fall gewesen sei.

Es sei aber denkbar, dass sich die von dem Zeugen ... bemängelte Zündkerze nur kurzzeitig durch Probleme im Motorlauf bemerkbar gemacht und im weiteren Betrieb wieder störungsfrei gearbeitet hätte, was mit den Beobachtungen des Zeugen ... vereinbar sei. Ein solcher Fehler der Zündkerze könne auch nur sporadisch auftreten, müsse sich also nicht bei jedem Motorbetrieb zeigen.

Auch mit dem vom Zeugen ... beschriebenen Ausfall einer Zündkerze sei es im übrigen nicht zu erklären, dass der Motor auf dem Parkplatz des ...marktes überhaupt nicht mehr angesprungen sein solle. Ebenso führt nach den Ausführungen des Sachverständigen weder der vom Zeugen ... festgestellte Fehler der ABS-Anlage (Drehzahlsensor vorne links nicht in Ordnung), noch die Störung der Lambdasonde dazu, dass der Motor nicht mehr anspringt. So konnte auch der Zeuge ... keine Probleme beim Starten des Motors am 09.07.2011 feststellen.

Auf der Grundlage der überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen ..., die auf der sehr eingehenden Untersuchung des Fahrzeugs beruhen, zieht die Kammer zunächst den Schluss, dass es auch mit dem vom Zeugen ... am 09.07.2011 festgestellten Zündkerzenproblem keine technische Erklärung für den von der Angeklagten gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... beschriebenen Totalausfall – Nichtanspringen - des Motors am 07.07.2011 gibt, erst recht nicht mit den Störungen eines ABS-Sensors und der Lambda-Sonde. Folglich geht die Kammer auch davon aus, dass diese Behauptung der Angeklagten unwahr ist.

Die Kammer zieht aufgrund des Gutachtens des Sachverständigen ... aber auch den weiteren Schluss, dass es keinen Anhalt für die Annahme gibt, der BMW sei am 07.07.2011 und am 08.07.2011 in einem technischen Zustand gewesen, der ein Bewältigen der Strecke ... –... – ... ausgeschlossen oder auch nur gefährdet hätte. Der Hinweis des Sachverständigen ..., dass ein Totalausfall einer Zündkerze – nur dieser hätte die Bewältigung einer längeren Fahrtstrecke und die Funktionsfähigkeit des Motors gefährden können – zu einer tatsächlich nicht aufgetretenen Fehlermeldung in dem vom Zeugen ... verwandten Diagnosegerät habe führen müssen, erlaubt nur den Schluss, dass der Zeuge ... am 09.07.2011 allenfalls eine nur vorübergehende Funktionseinschränkung einer Zündkerze beobachtet haben kann, die sich auf den Dauerbetrieb nicht auswirkte.

Dass es auch aus Sicht der Angeklagten keinen Defekt des BMW gegeben hat, der am 07.07.2011 dessen Verwendung für längere Strecken ausgeschlossen hätte, belegt schließlich die Bekundung der Zeugin ... ..., wonach die Angeklagte ihr gegenüber für den Mittwoch, den 06.07.2011 einen Ausflug an die Nordseeküste angekündigt hatte, um dort ein Buch zu lesen. Wie die Zeugin ... weiter bekundete, hat die Angeklagte zwar am Donnerstag angegeben, ihr Buch vergessen zu haben und daher nicht an der Küste gewesen zu sein, allerding habe die Angeklagte auch gesagt, sie sei überall und nirgends gewesen, sie sei „shoppen“ gewesen. Dass die Angeklagte bei diesen Unternehmungen den BMW auf einer zumindest nennenswerten Strecke führte, wird durch die Beobachtung der Zeugin ... belegt, die den BMW am Mittwochabend - nicht an seinem gewöhnlichen Standort vor dem Haus, sondern am Ende des Grundstücks abgestellt – in einem rundum deutlich verschmutzten und verschlammten Zustand beobachtet hat. Diese Beobachtung haben auch die Zeugen ... und ... ..., mit der Angeklagten und ihrer Familie befreundete Nachbarn mit einem Haus gegenüber dem Anwesen der Angeklagten in der Hauptverhandlung bestätigt, ohne sich allerdings an den genauen Tag erinnern zu können. Da sie die auffällige Verschmutzung des BMW aber beide auch mit einem ungewöhnlichen Fahrzeugstandort in Bezug auf das Anwesen der Angeklagten verbunden haben, sieht die Kammer keinen Anhalt für Zweifel daran, dass die Zeugen ... und die Zeugin ... ... dieselbe Begebenheit schilderten. Die von der Angeklagten auch gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... nicht in Abrede gestellte Bekundung der Zeugin ..., die Angeklagte habe ihr an dem Donnerstag dem 07.07.2011, an dem die Angeklagte die Zeugin nachmittags zum Kaffeetrinken besuchte, erzählt, morgens früh aufgestanden zu sein, um den BMW in einer Waschhalle zu reinigen, beweist, dass sich diese Begebenheit tatsächlich am 06.07.2011 zutrug und die Bekundung der Zeugin ... zutrifft.

Darüber hinaus wurde der der Angeklagten zur Verfügung stehende BMW ... zur Tatzeit in ... von dem Zeugen ... gesehen, vgl. hierzu unter D.2.

In der Gesamtschau dieser Beweisergebnisse bleibt kein Raum für die Annahme, mit dem BMW habe man am 07.07.2011 und am 08.07.2011 keine längeren Fahrtstrecken zurücklegen können.

dd) Entscheidend gegen die Behauptung, mit dem Dacia in Selbsttötungsabsicht in Richtung Norden unterwegs gewesen zu sein, sprechen die Angaben des Zeugen ..., aus denen die Kammer folgert, dass die Angeklagte in der Tatnacht nicht mit dem Dacia in Richtung Norden gefahren ist, sondern mit dem BMW in ...-... war, vgl. D.2.

D. Tatnachweis

Die Angeklagte ist der Tat überführt, weil sie als einzige Person die Gelegenheit zur Tatausführung hatte und durch weitere Indizien belastet wird.

1. Der Täter muss über einen Hausschlüssel verfügt haben

Da der Täter mit einem Haustürschlüssel in das Anwesen der Getöteten eingedrungen ist, wie oben unter III. B. 4. ausgeführt ist, kommt nur die Angeklagte als Täterin in Betracht.

Ein von ... und ... ... vor ihrer letzten Urlaubsreise nach ... der Zeugin ... ... zur Versorgung des Hauses überlassener Schlüssel ist ihnen noch vor dem 07.07.2011 von der Zeugin zurückgegeben worden, wie diese in der Hauptverhandlung bekundete. Der von ihr beschriebene Schlüssel mit einem Anhängerschild „Wohnung“ wurde von dem Zeugen KHK ... in der Tasche einer Hose im Kleiderschrank des Schlafzimmers sichergestellt.

Der außerhalb des Hauses sichergestellte Hausschlüssel wurde erst im Verlaufe der Tat aus dem Haus nach draußen verbracht.

Anhaltspunkte für die Annahme, es existierten weitere zum Haustürschloss passende Schlüssel, die von dem Täter benutzt worden sein könnten, hat die Hauptverhandlung nicht erbracht.

Demnach muss der Täter über den einzigen außerhalb des Anwesens der Getöteten aufbewahrten Schlüssel verfügt haben. Dies ist der im Anwesen der Angeklagten und ihrer Familie aufbewahrte Hausschlüssel, der dem Zeugen KHK ... vom Ehemann der Angeklagten nach der Tat ausgehändigt worden war.

Da es Anhaltspunkte für die Annahme, eine bislang unbekannte Person könnte sich Zugang zu diesem Schlüssel verschafft haben, nicht gibt, muss der Täter zu den Bewohnern des Hauses der Angeklagten gehören.

Ihr Ehemann scheidet als Täter aus, weil er sich in der Nacht vom 07.07. auf den 08.07.2001 in der Wohnung des Zeugen ... ... in ... aufhielt. Dieser Zeuge hat in der Hauptverhandlung glaubhaft bekundet, dass er ... ... am 07.07.2011 um die Mittagszeit in ... am Flughafen abholt hatte, wo dieser, aus ... von einer Fortbildungsveranstaltung kommend, eingetroffen war. Der Zeuge ... hat weiter angegeben, dass beide nach einem gemeinsamen Einkauf die Wohnung des Zeugen in der ...-Straße ... in ... aufsuchten, die Wohnung erst in den Abendstunden – gemeinsam – verließen, um Pizzen zu kaufen und anschließend gemeinsam in die Wohnung zurückkehrten, dort die Pizzen verzehrten und auf dem Balkon saßen und sich mit ihren Smartphones beschäftigten, bevor sie gegen 01:00 Uhr oder 01:30 Uhr den Balkon verließen und sich zu Bett begaben, der Zeuge in seinem Schlafzimmer, ... ... im Wohnzimmer auf der Couch. Als der Zeuge nach seinen Angaben am 08.07.2011 gegen 08:00 Uhr aufstand, lag ... ... noch auf der Couch. Der Zeuge ... hat weiter angegeben, dass er ... ... keine Wohnungs- und Hausschlüssel überlassen hatte und dieser auch nicht wusste, wo der Zeuge seine Wohnungs-, Haus- und Autoschlüssel aufbewahrte.

Da ... ... zwar die Wohnung durch die in der Nacht nicht verschlossene Türe hätte verlassen, ohne einen Schlüssel aber nicht hätte zurückkehren können und da ihm ohne Schlüssel auch das Auto des Zeugen ... nicht für eine Fahrt nach ... und zurück zur Verfügung stand, ist die Kammer davon überzeugt, dass sich ... ... zur Tatzeit in ... aufhielt und als Täter ausscheidet.

Die im Haushalt der Angeklagten lebenden drei Töchter, ... - geboren am 13.07.1994 -, ... und ... – jeweils geboren am 19.05.1997 -, waren am 07.07.2011 noch minderjährig und nicht in der Lage, ein Auto zu führen, um die Tat in ... zu begehen, sie scheiden als Täter daher ebenfalls aus.

Damit bleibt nur die Angeklagte – die zudem gegenüber dem Sachverständigen Dr. ... ihre Abwesenheit von ihrem Wohnsitz in der Tatnacht eingeräumt hat – als Person mit Zugang zu einem Hauschlüssel für das Anwesen von ... und ... ... und damit als Täter.

2. Der der Angeklagten zur Verfügung stehende BMW ... wurde zur Tatzeit in ... gesehen

a)

Die Angeklagte war auch die einzige Person, die in der Nacht vom 07.07. auf den 08.07.2011 den BMW 316I, amtliches Kennzeichen: ..., benutzen konnte, da ... ... sich in ... in Gesellschaft des Zeugen ... aufhielt.

Dass dieses Fahrzeug in dieser Nacht tatsächlich nach ... geführt wurde, steht zur Überzeugung der Kammer fest aufgrund der Aussage des Zeugen ... ...

Dieser Zeuge hat glaubhaft bekundet, in der Nacht vom 07.07. auf den 08.07.2011 mit einem Motorrad aus Richtung ... kommend die B ... in Richtung ... befahren zu haben. An der Kreuzung der B ... mit der B sei er von der B ... abgefahren auf die B in Richtung ... Von der Beschleunigungsspur sei er wegen überhöhter Geschwindigkeit nach links auf die rechte Fahrspur der B getragen worden. Dabei sei es beinahe zum Zusammenstoß seines Motorrades mit einem Pkw gekommen, der auf der rechten Fahrspur unterwegs war und dessen Fahrer einen Zusammenstoß dadurch vermieden habe, dass er sein Fahrzeug nach links auf die linke Fahrtrichtungsspur lenkte. Bei diesem Fahrzeug habe es ich um einen dunklen BMW der 1-er oder 3-er Reihe und zwar um ein älteres, kein aktuelles Modell gehandelt. Das Kennzeichen habe mit „...“ begonnen, daneben hätten die Buchstaben „...“ und eine dreistellige Zahlenkombination gestanden. An erster Stelle habe mit Sicherheit eine „...“ gestanden, die zweite Ziffer sei recht sicher eine „...“ gewesen. An die dritte Ziffer habe er keine klare Erinnerung mehr.

Aufgrund einer im Wege des Selbstleseverfahrens in die Hauptverhandlung eingeführten Auskunft aus dem zentralen Fahrzeugregister (ZFZR) des Kraftfahrtbundesamtes vom 13.09.2012 über zugelassene Fahrzeuge des Herstellers BMW mit Teilkennzeichen ... .. im Zeitraum 01.06.20122 – 31.12.2011 steht fest, dass es sich bei einem Fahrzeug des Herstellers BMW mit dem Teilkennzeichen „...“ nur um den erstmals am 03.07.1995 und seit dem 02.09.2008 bis über den 08.07.2011 hinaus ununterbrochen mit dem Kennzeichen ... für ... ..., geboren am 24.02.1967 in ..., gemeldet: ... ... (...), ..., zugelassenen BMW 316I mit der Farbe „Blau“, handeln konnte. Kein anderer Pkw des Herstellers BMW war im fraglichen Zeitraum mit dem Teilkennzeichen „...“ und der Ziffer „...“ an erster Stelle der Ziffernfolge zugelassen.

b)

Die Kammer hat die Glaubhaftigkeit der Angaben des Zeugen ... und seine Glaubwürdigkeit einer eingehenden Überprüfung unterzogen, was vor dem Hintergrund des Herantretens des Zeugen an die Polizei erst am 08.09.2012 und seines außergewöhnlichen Erinnerungsvermögens veranlasst war. Anhaltspunkte für Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen, der Wahrheit seiner Angaben, für ein eigenes Interesses des Zeugen am Ausgang des Verfahrens oder eine Beeinflussung des Zeugen durch öffentliche Fahndungsmaßnahmen der Polizei oder Presseberichte sind dabei nicht zu Tage getreten; die Bekundungen des Zeugen sind uneingeschränkt glaubhaft.

aa) Aussageentstehung

Der Zeuge ... hat angegeben, selbständig und ohne Hilfskräfte für größere Unternehmen wie beispielsweise ... Geräte zu reparieren. Er sei gelernter Autoschlosser und Lackierer, sein Firmensitz sei seine Wohnung und er arbeite sehr viel. 2011 sei sein Vater nach schwerer Krankheit verstorben und er habe Mitte des Jahres neben seiner beruflichen Arbeit noch einen von seinem Vater selbst gefertigten Kfz-Anhänger überholt und weiter aufgebaut. In seiner Freizeit fahre er Motorrad, lese viel und höre Musik von Schallplatten oder Radio, bevorzugt den Sender ...-Radio. Er besitze zwar einen Fernseher, benutze diesen praktisch aber nicht, verfüge auch nicht über einen digitalen Fernsehempfänger. Tageszeitungen beziehe und lese er nicht, ihm sei sogar die Evakuierung von ... Teilen der Stadt ... im Dezember 2011 anlässlich der Entschärfung einer Luftmine im ... entgangen. Selbst das davor verteilte Flugblatt der Stadtverwaltung habe er nicht wahrgenommen.

Die Angaben des Zeugen ... zu seiner beruflichen Tätigkeit sind in der Hauptverhandlung durch die Zeugen ..., ... und ... bestätigt worden, die sämtlich für die Niederlassung der ... Freight in ... tätig sind. Insbesondere die Zeugen ... und ... haben bestätigt, dass der Zeuge ... als Dienstleister Reparaturen, Wartungen und ähnliche Aufträge für ... ausführt und dies auch 2011 tat.

Der Zeuge ... ..., nach eigenen Angaben ein „Kumpel“ des Zeugen ..., hat bestätigt, dass dieser in einer Halle des Zeugen ... bei ... einen Kfz-Anhänger abgestellt hatte, den er dort komplett überholt habe.

Die Zeugin ..., Wohnungsnachbarin des Zeugen ... im gleichen Haus, hat bestätigt, dass der Zeuge ... kein Fernsehen schaut, keine Tageszeitung bezieht und in seiner Freizeit Schallplatten hört. Die Zeugin, die schon einige Male mit dem Zeugen ... ausgegangen war und daher über eine bloße Nachbarschaft hinausgehende Kenntnisse der Lebensgestaltung des Zeugen ... hat, hat auch angeben können, dass sie den gleichen Musikgeschmack hätten, beispielsweise die Musik von Pink Floyd und Deep Purple, wobei der Zeuge ... außerdem noch klassische Musik höre. Er gehe stets früh aus dem Haus und komme sehr spät wieder zurück.

Die Kammer hat daher keine Zweifel, dass die Bekundung des Zeugen ... zutrifft, er habe von der Tat zum Nachteil der Eheleute ... und ... ... nur sehr wenig erfahren, von der Polizei in Briefkästen eingelegte Flugblätter mit Fahndungsaufrufen nicht wahrgenommen und auch zwei Sendungen der Fernsehreihe „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ am 11.04.2012 und am 06.06.2012 nicht gesehen. Seine Schilderung, er sei am 06.09.2012, einem Donnerstag, mit der Zeugin ... ins Gespräch gekommen, diese habe erzählt, dass die Polizei wegen einer Straftat in ... ein Fahrzeug mit einem bestimmten Kennzeichen, nämlich mit den Buchstaben „...“ suche, ist ebenfalls von der Zeugin ... bestätigt worden, der noch erinnerlich war, dass sie nach einem Fahndungsaufruf per Flugblatt bezüglich eines bestimmten Fahrzeuges ein beiläufiges Gespräch mit dem Zeugen ... führte. Da die erst nach der Festnahme der Angeklagten erfolgte Veröffentlichung des vollständigen Kennzeichens mittels einer Sendung der Fernsehreihe „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ am 06.06.2012 und eines zeitnah verteilten Flugblattes, welche beide in der Hauptverhandlung in Augenschein genommen wurden, im Zeitpunkt des Gesprächs beider Zeugen am 06.09.2012 bereits wieder länger zurücklag, erscheint es auch nicht zweifelhaft, dass die Zeugin ... dem Zeugen ... nur einen Teil des Kennzeichens – die erste Buchstabenkombination - nennen konnte.

Die Kammer schließt daher aus, dass der Zeuge ... Opfer einer Suggestion durch die Zeugin ... oder durch Fernsehbericht und Pressebeiträge geworden ist. Da die Kammer dem Zeugen glaubt, dass er die Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ am 06.06.2012 – nur in dieser wurde der BMW 316I mit dem Kennzeichen ... gezeigt –ebenso wenig gesehen hat wie die vom 11.04.2012, war auch dem von der Verteidigung in der Hauptverhandlung am 02.07.2013 gestellten Hilfsbeweisantrag nicht nachzugehen. Die Verteidigung hatte für den Fall, dass die Kammer die Angaben des Zeugen ... für wahr halten und nach dem Ergebnis der Beratung die Angeklagte für überführt halten sollte, beantragt, ein Gutachten des Direktors des Instituts für Psychologie der ...-Universität zu ..., Prof. Dr. rer. nat. ... ... einzuholen., welches ergeben werde, 1. dass die Präsentation der mitgeteilten Tatsachen durch den Zeugen KHK ... in der Sendung aus der Reihe „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ jedenfalls geeignet gewesen sei, bei den Zuschauern die Scheinerinnerung hervorzurufen, den in der Sendung mit einer Aufnahme der Front gezeigten und von dem Zeugen ... mit den Worten "... für ... ... ..." bezeichneten Wagen im tatrelevanten Zeitraum der Nacht vom 7. auf den 08.07.2011, in dem in der Sendung bezeichneten Gebiet gesehen zu haben, 2. namentlich in Betracht gezogen werden müsse, dass zuvor nur noch schwach im Gedächtnis verankerte Vorgänge durch die Zusatzinformation überlagert und derart verfälscht von dem Zeugen übernommen und von diesem als so erlebt im Gedächtnis gespeichert wird und 3. ohne eingehende Psychodiagnostik dieser Wirkungszusammenhang nicht ausgeschlossen werden könne. Da der Beweisantrag von einem Sachverhalt ausgeht - nämlich dass der Zeuge ... die Sendung der Reihe „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ am 06.06.2012 gesehen habe -, dessen Gegenteil die Kammer festgestellt hat, sind die unter Beweis gestellten Tatsachen für die Entscheidung ohne Bedeutung.

bb) Anlass für den Zeugen, sich das Kennzeichen zu merken

Die Kammer hat auch geprüft, ob der Zeuge ... überhaupt eine plausible Veranlassung hatte, sich das Kennzeichen des Fahrzeuges zu merken. Da der Zeuge nach eigenen Angaben einen Verkehrsverstoß begangen und ein anderes Fahrzeug gefährdet hatte, scheidet der Wunsch nach einer Verfolgung des gegnerischen Fahrzeugführers als Beweggrund jedenfalls aus.

Der Zeuge ... hat hierzu befragt angegeben, er habe es sich zur Gewohnheit gemacht, sich die Kennzeichen von Fahrzeugen einzuprägen, mit denen er „Stress“ gehabt habe. Grund hierfür sei ein länger zurückliegender Vorfall, bei dem er auf der A ... bei ... einen anderen Pkw zum Abbremsen gezwungen hatte. Der Fahrer dieses Wagens habe daraufhin ihn selbst durch Ausbremsen gezwungen, auf dem Standstreifen anzuhalten und ihm vorgeworfen, einen Seitenschaden an seinem Fahrzeug verursacht zu haben. Er habe daraufhin die Polizei eingeschaltet und später habe sich herausgestellt, dass der Schaden an den gegnerischen PKW ein Altschaden gewesen sei. Danach habe er sich vorgenommen, sich in Zukunft immer das Kennzeichen zu merken, wenn er nochmal in eine ähnliche Situation komme. Da er nach dem Vorfall in der Nacht vom 07. auf den 08.07.2011 angenommen aber, dass er eventuell angezeigt werde, habe er sich das Kennzeichen gemerkt.

Die Kammer sieht daher keinen Anlass, an den Angaben des Zeugen zu zweifeln und glaubt ihm seine Beweggründe für das gewohnheitsmäßige Merken von Kennzeichen bestimmter Fahrzeuge.

cc) Möglichkeit des Zeugen, Kennzeichen und Typ des Fahrzeugs wahrzunehmen

Die Kammer sieht auch keinen Anlass für Zweifel daran, dass der Zeuge das Kennzeichen und die Marke des Fahrzeuges trotz nächtlicher Dunkelheit erkennen konnte. Der Zeuge ... hat hierzu angegeben, dass der Pkw, nachdem er ausgewichen sei, an ihm vorbeigefahren sei. Dabei habe er im Lichtschein seines Motorrades wahrgenommen, dass das Fahrzeug helle Felgen gehabt habe, die im Zentrum das Emblem der Marke BMW getragen hätten. Als der BMW wieder auf seiner, die rechte Fahrspur eingeschert sei, sei er lediglich circa eine Lkw-Länge vor ihm gewesen und er habe das Kennzeichen klar erkennen können.

Ausweislich der Lichtbilder des auf ... ... zugelassenen BMW 316 I auf dem in Augenschein genommenen Fahndungs-Flugblatt der Polizei sind an diesem Fahrzeug tatsächlich helle Aluminiumfelgen montiert, die im Mittelpunkt das BMW-Emblem tragen.

dd) Merkhilfe

Seine außergewöhnliche Merkfähigkeit hat der Zeuge ... überzeugend mit mehreren „Eselsbrücken“ erklärt. Das Unterscheidungszeichen "..." erinnere ihn an die Urlaubsfahrten mit seinen Eltern nach ... in seiner Jugend. Lange Zeit habe er geglaubt, "..." stehe für ..., weshalb er jedes Mal, wenn er diese Buchstabenkombination sehe, an ... erinnert werde. So sei es auch bei dem BMW gewesen. Buchstabenkombination der Erkennung Nummer ".." erinnere ihn an die Bezeichnung "Racing Sport“ bzw. Rennversionen von Modellen des Autoherstellers Ford, für die er sich früher interessiert habe.

Die ersten beiden Ziffern des Kennzeichens „...“ und „...“ entsprächen Tag und Monat seines Geburtsdatums, des 5.6.1966.

ee) Rekonstruktion des Zeitpunkts der Wahrnehmung

Den Zeitpunkt seiner Wahrnehmung des BMW hat der Zeuge ... durch verschiedene Zusammenhänge glaubhaft rekonstruiert.

Zum einen erinnerte sich der Zeuge an der Umstände, die zu seiner nächtlichen Fahrt von der B ... auf die B ... führten wie folgt: Im Sommer 2011 sei sein Vater nach schwerer Krankheit im Krankenhaus verstorben, nachdem seine Mutter auf sein - des Zeugen - Zuraten dem Abstellen von lebenserhaltenden Apparaten zugestimmt hatte. In der Folgezeit sei es seiner Mutter und auch ihm sehr schlecht gegangen, da man den Tod des Vaters betrauert habe und sich zudem immer wieder gefragt habe, ob es richtig war, der Abschaltung der lebenserhaltenden Maschinen zu zustimmen. Seine Arbeit habe darunter gelitten. In dieser Zeit habe er auch häufig seine Mutter nach der Arbeitszeit besucht. So sei es auch an dem Tag gewesen, an dem es zu der Begegnung mit dem BMW gekommen sei. Er sei nach 16:00 Uhr von der Arbeit aufgebrochen und zunächst mit dem Auto zu der Halle des Zeugen ... ... gefahren, wo auch seine Motorräder abgestellt seien. Er habe dort noch etwas an dem Anhänger gemacht. Mit einem Motorrad sei er danach nach Hause gefahren, um sich umzuziehen. Unterwegs zu seiner Mutter in ... habe er noch sein Motorrad betankt und sei zwischen 19:00 Uhr und 19:30 Uhr bei der Mutter angekommen. Dort habe er mit der Mutter in der Küche gesessen und gesprochen. Die Mutter habe ihren Fernseher, den man durch die offene Küchentür habe sehen können, laufen lassen und mehrfach umgeschaltet. Er könne sich noch an die Themen einzelner Sendungen oder von Beiträgen in Sendungen erinnern. Insbesondere sei ihm ein Beitrag in Erinnerung, indem es um einen aktuellen Mordfall in Norddeutschland gegangen sei, wo ein 14- oder 15-jähriger seinen Vater erstochen habe. Dieser Beitrag habe ihn und seine Mutter an die Umstände des Todes seines Vaters erinnert. Die Mutter habe seinen Rat, die Apparate abzustellen, mit dem Vatermord in Norddeutschland verglichen. Beide hätten erregt über dieses Thema gesprochen. Das Thema eines weiteren Fernsehbeitrages sei der Erfolg der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft anlässlich der Fußballweltmeisterschaft gewesen. Er habe dies auch seiner Mutter vorgehalten, die die Auffassung vertreten habe, Frauen seien nicht so viel wert wie Männer. Sie sei Wochen nach dem Verlust ihres Mannes sehr niedergeschlagen gewesen, habe Suizidgedanken gehabt und auch schon einmal die achtfache Dosis ihrer Beruhigungstabletten geschluckt gehabt. Um seine Mutter aufzumuntern, habe er ihr nachdrücklich das Beispiel der erfolgreichen deutschen Fußballerinnen vorgehalten. Außerdem erinnere er sich an einen Beitrag im Fernsehen über einen Franzosen mit einem deutsch klingenden Doppelnamen im Zusammenhang mit der Weltbank, der eine Hotelangestellte belästigt haben sollte und der wohl in New York im Hausarrest gewesen sei. Weiter erinnere er sich an Beiträge über Harry Potter, eine Gerichtsverhandlung in Italien im Zusammenhang mit Kriegsverbrechen und die Mitteilung, dass eine Zeitung geschlossen worden sei, weil sie Telefone abgehört habe. Schließlich habe er noch mit seiner Mutter über die Einäscherung des Vaters und die Grabgestaltung diskutiert. Als er nach einer etwa mehrstündigen Diskussion mit der Mutter zur Heimfahrt aufgebrochen sei, sei es schon ganz dunkel gewesen. Auf der Heimfahrt habe er über die Diskussion mit der Mutter über den Tod des Vaters und seine eigene Rolle beim Abstellen der Geräte nachgedacht, was ihn außerordentlich aufgewühlt hatte. Er sei dadurch so in Gedanken gewesen, dass er in ... nach Überfahren der Südbrücke sowohl die erste Abfahrt von der B ... vor der kreuzenden B ..., als auch die zweite Abfahrt nach der B ... verpasst habe. Die sei ihm erst bewusst geworden, als er bereits kurz vor ... gewesen sei. Daher sei er erst bei der Abfahrt nach .../... von der B ... abgefahren und habe dort angehalten, wo sonst Prostituierte ständen. Es sei aber so spät gewesen, dass schon keine mehr dagewesen seien. Er habe dort geraucht und überlegt, ob er nach ... fahren solle, um an seinem Anhänger weiterzuarbeiten. Schließlich habe er sich aber zur Heimfahrt entschlossen. Auf der Bundesstraße habe er dann seine Maschine „laufenlassen“, auch die Ausfahrt zur B ... sei er damit „gut runter gehämmert“, bis es zu der Begegnung mit dem BMW gekommen sei.

Die Mutter des Zeugen ... hat in der Hauptverhandlung bestätigt, dass sie durch den Tod ihres Mannes im Sommer 2011 sehr niedergeschlagen gewesen war, sie habe auch unter Tabletten gestanden. Ihr Sohn, der Zeuge ..., sei oft zu ihr gekommen. Ihr Fernsehgerät stehe im Kaminzimmer, sie habe es manchmal, wenn ihr Sohn dagewesen sei, auch eingeschaltet gehabt, man könne es von der Küche aus sehen. Sie habe dann auch immer hin- und her geschaltet, sie schaue sich nicht nur einen Sender an, sondern schalte immer die Sender durch, bis sie wieder auf eine interessante Sendung stoße. Sie konnte sich auch noch an einen Bericht über einen 14- oder 15-jährigen erinnern, der seinen Vater umgebracht habe, ob ihr Sohn ... dabeigewesen sei, wisse sie aber nicht mehr. Sie könne sich auch noch an ein erregtes Gespräch über das Abschalten der Geräte bei ihrem Mann erinnern, könne das aber nicht mehr mit dem Bericht über den Vatermord in Verbindung bringen. Auch über die Weltmeisterschaft im Frauenfußball habe sie einmal mit ... diskutiert, der gemeint habe, Frauen könnten doch auch etwas leisten.

Die Kammer sieht durch die Bekundungen der Zeugin ... die Angaben des Zeugen ... zumindest in einigen Punkten im Kern bestätigt, Widersprüche zwischen beiden Aussagen bestehen nicht. Soweit die Zeugin die Angaben des Zeugen ... nicht in Gänze bestätigen konnte, beruhte dies auf ihren Erinnerungslücken.

Die Kammer hat versucht, die Angaben des Zeugen ... zum Fernsehprogramm des Abends bzw. der Nacht zu überprüfen, und Aufzeichnungen von Sendungen des ZDF, nämlich heute-journal vom 07. 07. 2011, Maybrit Illner vom 07. 07. 2011 und heute-nacht vom 08. 07. 2011, 0:15 Uhr in Augenschein genommen. In der Sendung heute-journal vom 07.07.2011 wurde u.a. über die Einstellung der britischen Zeitung „News of the World“ in der Folge eines Abhörskandals berichtet, außerdem über die Weltmeisterschaft im Frauenfußball und es erfolgte eine Ankündigung der nachfolgenden Sendung „Maybrit Illner“ die sich ausschließlich mit dem Fall des früheren Direktors des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn beschäftigte, der am 14.05.2011 von der New Yorker Staatsanwaltschaft wegen versuchter Vergewaltigung eines Zimmermädchens in einem Hotel festgenommen worden war und seit dem 20.05. 2011 bis zum 01.07.2011 unter Hausarrest gestanden hatte. In der Sendung heute-nacht vom 08.07.2011 wurde u.a. erneut über die Einstellung der britischen Zeitung „News of the World“ und über das bevorstehende Spiel der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft gegen die japanische Mannschaft bei der WM berichtet. Die Kammer sieht damit auch einige Angaben des Zeugen ... zu dem Fernsehprogramm – zumindest im Kern – bestätigt. Soweit der Fall eines Jugendlichen, der in Neumünster seinen Vater getötet hatte, die Weltpremiere des Films „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2“ am 07.07.2011 in London und die Verurteilung von neun ehemaligen Wehrmachtssoldaten wegen Kriegsverbrechen am 6. Juli 2011 durch ein Militärgericht in Verona nicht in den in Augenschein genommenen ZDF-Sendungen thematisiert worden sind, spricht dies weder gegen die Glaubhaftigkeit der Angaben des Zeugen ... noch gegen die zeitliche Einordnung seiner Wahrnehmung in die Nacht vom 07. zum 08.07.2011. Der Zeuge hat, bestätigt durch die Bekundungen seiner Mutter, angegeben, diese habe mehrfach das Programm gewechselt. Es liegt daher die Annahme nahe, der Zeuge ... habe am 07.11.2011 entsprechende Beiträge auf anderen Programmen, als dem des ZDF sehen können.

Die sichere Überzeugung der Kammer davon, dass der Zeuge ... die von ihm geschilderte Begegnung mit dem BMW in der Nacht vom 07. auf den 08.07.2011 hatte, beruht schließlich auf den Bekundungen der Zeugen ..., ... und ..., Beschäftigten der ...-Niederlassung in ...

Der Zeuge ... hat nämlich weiter bekundet, den Tag seiner durch den Fernsehbericht über einen jugendlichen Vatermörder ausgelösten Diskussion mit seiner Mutter, die seiner Irrfahrt mit dem späteren Beinahezusammenstoß mit dem BMW voranging, auch mit einem einschneidenden Ereignis im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit verbinden zu können. Im Betrieb der ...-Niederlassung ... kämen Umsetzfahrzeuge zum Einsatz. Für eines der Fahrzeuge, das im Eigentum der ... stehe, habe er einen Reparaturauftrag gehabt, er habe einen Hubzylinder austauschen müssen, den er schon auf eigene Rechnung bei einem Lieferanten bestellt gehabt habe. Am 04.07.2011 habe er ausweislich seiner Unterlagen an demselben Fahrzeug einen Anlasser ausgetauscht, nicht aber den Hubzylinder. Am Folgetag, dem 05.07.2011 abends habe er festgestellt, dass der Hubzylinder nun bereits ausgetauscht war. Am 06.07.2011 habe er dann von einem Beschäftigten der Spedition ..., die auf dem Gelände der ...-Niederlassung tätig sei, erfahren, dass am 04.07.2011 ein Hubzylinder auf dem ...-Gelände angeliefert worden sei, der dann der Fa. ... mitgegeben worden sei, die auch das Umsetzfahrzeug der ... mitgenommen habe. Sonst warte und repariere ... nur das der Spedition ... gehörende Umsetzfahrzeug, sie habe aber am 05.07.2011 das der ... gehörend Umsetzfahrzeug repariert und zurückgeliefert. Noch am 06.07.2011 hat der Zeuge ... dann nach seinen Angaben versucht zu ermitteln, wer den von ihm bestellten und ihm auch bereits vom Lieferanten in Rechnung gestellten Hubzylinder angenommen hatte. Von dem Auslieferungsfahrer der Spedition ...-Targoflex habe er die Auskunft erhalten, ein Herr ... habe den Hubzylinder auf dem ...-Gelände angenommen. Der Name war dem Zeugen ... jedoch unbekannt. Der Zeuge ... erinnerte sich, dass er am 06.07.2011, noch bevor er weitere Nachforschungen nach dem ... anstellte, einen Freund in dessen Autoteile-Handel in ... besuchte, dort Kaffee trank und bei der Gelegenheit noch zwei weiße Kunststoff-Unterlegkeile für seinen Kfz-Anhänger erwarb. Am nächsten Tag, dem 07.07.2011, begab sich der Zeuge ... wieder zu ... in ..., wo er schließlich die Auskunft erhielt, bei dem ... handele es sich wohl um einen Praktikanten, der nicht jedem bekannt sei. Nachdem es ihm dann noch am 07.07.2011 gelungen sei, den ... zu sprechen und von ihm die Bestätigung erhalten hatte, dass dieser den Hubzylinder angenommen hatte, den sodann Mitarbeiter der ... zur Reparatur des DHL-Umsetzfahrzeuges mitnahmen, habe er den stellvertretenden Leiter der ...-Niederlassung ... am 07.07.2011 gegen 17:00 Uhr oder 18:00 Uhr auf die Angelegenheit angesprochen um zu erreichen, dass ihm der Hubzylinder bezahlt würde, den er seinerseits seinem Lieferanten zu bezahlen hatte. Der Zeuge ... habe ihn beruhigt und versprochen, das zu klären. Anschließend sei er – der Zeuge ... – nach ... in die Halle seines Freundes ... ... gefahren und habe die Unterlegkeile, die er am Vortag erworben hatte, an seinem Anhänger montiert. Am Folgetag, dem 08.07.2011 habe ihn der Zeuge ... angerufen und ihm gesagt, es sei alles geregelt, er solle eine Rechnung über den Hubzylinder an ... schicken.

Der Zeuge ... hat in der Hauptverhandlung die Darstellung dieser Ereignisse durch den Zeugen ... aus seiner Wahrnehmung ebenso bestätigt, wie den Umstand, dass der Zeuge ... das geregelt habe.

Der Zeuge ... hat insoweit in der Hauptverhandlung übereinstimmend mit den Angaben des Zeugen ... bekundet, der Zeuge ... habe ihn 2011 tatsächlich eines Abends wegen der Vergütung eines Hubzylinders angesprochen, der zunächst nicht mehr auffindbar gewesen sei, bevor sich herausgestellt habe, dass er durch die Fa. ... verbaut worden war. In der Rechnung der Spedition ... an ..., ... sei für ... tätig geworden, sei der Hubzylinder ohne Berechnung aufgeführt worden. Nach dem Gespräch mit dem Zeugen ... habe er diesem freitags telefonisch mitgeteilt, er habe veranlasst, dass der Hubzylinder dem Zeugen ... bezahlt werde. Das Telefonat habe er auf einer Dienstfahrt nach ... geführt, an der auch die Zeugin ... teilgenommen habe. Zur zeitlichen Einordnung dieser Dienstfahrt hat der Zeuge ... angeben können, dass die überraschende Insolvenz eines für ... als Fuhrunternehmen tätigen Subunternehmens ein Thema der in ... geführten Unterredungen war. Dieser Tag, an dem er das Telefonat geführt habe, sei auch der Tag gewesen, an dem er den Hintergrund der Angelegenheit recherchiert habe.

Schließlich hat die Zeugin ... bestätigt, am 08.07.2011 den Zeugen ... auf einer Dienstfahrt nach ... begleitet zu haben, auf der der Zeuge ... mittels Freisprechschaltung ein Telefonat mit dem Zeugen ... wegen eines Umsetzfahrzeuges geführt habe, für das ein Ersatzteil nicht auffindbar gewesen sei. Am selben Tag habe sie auch per E-Mail, die ihr noch vorlägen, erfahren, dass ein für ... tätiges Subunternehmern in Insolvenz geraten sei.

Durch die Angaben der Zeugen ... und ... ist damit zur Überzeugung der Kammer die telefonische Klärung der Angelegenheit im Sinne des Zeugen ... in den Morgenstunden des 08.07.2011 bestätigt. Damit ist auch die Erklärung des Zeugen ... für das Datum seiner Rechnung an ... über den Hubzylinder, nämlich das des 08.07.2011, wonach er das Datum der Zusage der Bezahlung durch den Zeugen ... genommen habe, nachvollziehbar erklärt. Die Kammer geht davon aus, dass auch in diesem Punkt die durch eine ganze Reihe von Einzelereignissen gestützte Erinnerung des Zeugen ... zutreffend ist.

ff) Fehlen von erheblichen Widersprüchen zwischen Angaben des Zeugen in der Hauptverhandlung und in polizeilichen Vernehmungen

Erhebliche, seine Glaubwürdigkeit berührende Widersprüche zwischen den Angaben des Zeugen ... in den ihm auszugsweise vorgehaltenen Niederschriften über seine polizeilichen Vernehmungen einerseits und seinen Bekundungen in der Hauptverhandlung andererseits sind nicht ersichtlich.

Soweit ihm vorgehalten wurde, er habe in der polizeilichen Vernehmungen am 20.09.2012 angegeben, am Abend seiner Wahrnehmung des BMW nicht getankt zu haben, hat der Zeuge ... glaubhaft erläutert, diese Aussage habe sich auf die Rückfahrt von seiner Mutter nach ... bezogen. Tatsächlich beziehen sich die in der Niederschrift der polizeilichen Vernehmung in diesem Zusammenhang wiedergegebene Äußerungen auf die Fahrtstrecke des Zeugen auf dem Weg nach ...

Soweit ihm aus einer polizeilichen Vernehmung am 11.09.2012 vorgehalten wurde, er habe entgegen seiner Aussage in der Hauptverhandlung, keine Zeitungen zu lesen, dort angegeben, mal in der Zeitung gelesen zu haben, dass es in ...-... in der Nähe des ehemaligen Soldatenschwimmbades zu einem Mord gekommen sei, hat der Zeuge glaubhaft erläutert, bei einem Zigarettenkauf die Schlagzeile und etwas Text von der Titelseite einer dort zum Verkauf ausgelegten Zeitung gelesen zu haben.

gg) Kein erkennbares Interesse des Zeugen am Verfahrensausgang

Ein Interesse des Zeugen ... am Ausgang des Verfahrens oder auch nur an Aufmerksamkeit von Behörden oder der Öffentlichkeit schließt die Kammer als Beweggrund seiner Meldung bei der Polizei aus. Der Zeuge hat in der Hauptverhandlung bekundet, bereits bei der Polizei erklärt zu haben, er sei nicht an der von der Staatsanwaltschaft ausgelobten Belohnung von 10.000 € interessiert und habe darauf verzichtet. In der Hauptverhandlung hat er zudem auf Zeugengeld und die Erstattung seiner Auslagen verzichtet. Anhaltspunkte, dass der bis auf familiäre, berufliche und wenige freundschaftliche Kontakte eher zurückgezogen lebende Zeuge ... seine Angaben erfunden hätte, um sich hervorzutun, gibt es nicht. Auch eine persönliche Beziehung des Zeugen zur Angeklagten oder den Getöteten bestand nicht.

c) Folgerungen aus der Wahrnehmung des Zeugen

Aufgrund der Bekundungen des Zeugen ... steht fest, dass sich der für ... ... zugelassene BMW 316I mit dem Kennzeichen ... ... entweder am 07.07.2011 kurz vor 24:00 Uhr oder am 08.07.2011 zwischen 00:00 Uhr und ca. 01:00 Uhr in ... auf der B ... in nördlicher Richtung fahrend vor der Anschlußstelle auf Höhe des Anwesens der Getöteten befand.

Der Zeitrahmen ergibt sich aus den ungefähren Zeitangaben des Zeugen ... zu einem Aufbruch nach Eintritt der Dunkelheit im Sommer und seinen ungefähren Angaben zur Dauer seiner Fahrt bis zur Anschlussstelle ..., einer längeren Rauchpause mit zwei Zigaretten und einer anschließenden Rückfahrt mit hoher Geschwindigkeit nach ..., welche nur eine grobe Schätzung zulassen.

Die Feststellung, dass sich der Wagen in dem angegebenen Zeitrahmen in ... befand, steht auch im Einklang mit der Beobachtung der Zeugin ..., dass die Angeklagte am 07.07.2011 kurz vor 21:00 Uhr ihr Anwesen in ... mit dem BMW verlassen hat. Die Entfernung zwischen ... und ... von ca. 350 Kilometern kann bei durchgehender Autobahnverbindung mit einem Pkw in einer Zeit von ca. drei Stunden zurückgelegt werden, wie auch der Zeuge ..., der die Strecke im Rahmen der Ermittlungen mehrfach zurückgelegt hat, bestätigte.

Die Position des BMW im Moment der Beobachtung durch den Zeugen ... lässt sich zudem mit jeder der bereits unter II. beschriebenen Strecken erklären. Bei Annährung über die B ..., nämlich von der linken Rheinseite, wäre die Anfahrt zur Anschlussstelle .../... von Süden her sogar die naheliegende. Aber auch die Anfahrt von Norden her über die B ... oder von ... her kommen über die B ... ist die Fahrtrichtung des BMW nachvollziehbar, etwa wenn der Fahrer die erste Abfahrt aus der jeweiligen Fahrtrichtung verpasst und sein Fahrzeug dann über das Straßenkreuz im Bereich der Kreuzung von B ... und B ... zurückgewendet hätte. Die konkret von dem Zeugen ... beobachtete Position des BMW gibt daher keinen Anhalt für Zweifel an seiner Wahrnehmung.

Hinsichtlich der nach dem Beinahezusammenstoß von dem BMW befahrenen Strecke hat der Zeuge ... nur angeben können, dass dieser weiter in Richtung Norden gefahren sei, bevor er – nun langsamer fahrend - dessen Rücklichter noch vor der Abfahrt .../... aus den Augen verloren habe.

Daher stehen die Bekundungen des Zeugen ... auch dem naheliegenden – und von der Kammer gezogenen - Schluss nicht entgegen, dass der BMW über diese Abfahrt zu einem in der Nähe des Anwesens der Getöteten gelegenen Abstellort geführt wurde, bevor der Zeuge ... auf seinem Nachhauseweg in die ...straße den Weg über den ... Weg nahm.

3. Versuche der Angeklagten, von den Zeugen ... Fahrzeuge zu erhalten

Die Angeklagte hat versucht, für den Zeitraum im Juli 2011, in dem ... ... auf Fortbildungsreise war, von den Zeugen ... und ... ..., einem mit ihr und ihrem Ehemann befreundeten Ehepaar, Hilfe bei der Beschaffung eines Fahrzeuges zu erhalten. Die Umstände der getrennten Ansprache beider Zeugen und die offensichtliche Verheimlichung des wahren Zwecks gegenüber den Zeugen lassen die Kammer den Schluss ziehen, dass die Angeklagte bereits zu diesen Zeitpunkten die heimliche Fahrt nach ... zur Tatbegehung plante.

Die Zeugin ... ... bekundete in der Hauptverhandlung, ihr Ehemann, der Hufschmied gewesen sei, habe zuerst die Angeklagte und ihren Mann kennengelernt, er habe deren Pferde beschlagen. Daraus habe sich eine Freundschaft beider Paare entwickelt. Nach einem halben oder dreiviertel Jahr habe man auch private Dinge ausgetauscht. Dazu hätten seitens der Angeklagten auch die finanziellen Probleme mit der Versicherungsagentur von ... ... und das schwierige Verhältnis zu ... ... gehört.

Sie selbst und ihr Ehemann seien 2011 von ... nach ... verzogen. Dort hatten sich beide Paare am Samstag nach Vatertag, also am 04.06.2011, zu einem Diskothekenbesuch getroffen. Sie selbst habe der Angeklagten in Abwesenheit der beiden Männer damals erzählt, dass sie ein Verhältnis mit einem anderen Mann begonnen habe. Die Angeklagte habe das scheinbar interessant gefunden. Es sei aber nie die Rede davon gewesen, dass die Angeklagte den Freund der Zeugin ... kennenlernen solle. Nach der Diskothek seien beide Paare noch nach ... gefahren um dort an ihrer Arbeitsstätte, einem Bordell, Kaffee zu trinken. Die Angeklagte habe sie im Laufe dieses Besuchs auch darum gebeten, für sie nach einem Mietwagen zu schauen, beispielsweise nach einem Smart. Die Angeklagte habe angegeben, sie wolle damit nach ... zu einer Freundin fahren und ... ... habe das nicht am Kilometerstand der familieneigenen Fahrzeuge erkennen sollen. Einen Grund für dieses Bedürfnis nach Heimlichkeit habe die Angeklagte nicht genannt. Die Angeklagte habe den Wagen auch an einem bestimmten Tag zur Verfügung haben wollen, es sei ein Tag in der ersten Juliwoche 2011 gewesen, zur Begründung habe die Angeklagte ihr gesagt, ... sei in dieser Woche nicht zu Hause. Die Angeklagte habe auch gewünscht, dass die Anmietung nicht über sie selbst, sondern über die Zeugin erfolgen solle, als Grund habe sei angegeben, dass ... ... anhand einer auf ihr Konto zurücküberwiesenen Kaution die Anmietung entdecken könnte. Sie, die Zeugin, habe daraufhin im Internet nach Angeboten von kleineren Anbietern geforscht.

Der Zeuge ... ... hat davon unabhängige, aber gleichgelagerte Wahrnehmungen geschildert. Er bekundete, die Angeklagte habe ihn im Sommer 2011 darum gebeten, ihr sein Fahrzeug, einen Ford Transit zu leihen, angeblich für eine Fahrt zu einer Freundin nach ... oder aber ..., an den Zielort könne er sich nicht mehr eindeutig erinnern. Auch an den Tag, an dem sie den Wagen hatte leihen wollen, erinnere er sich nicht mehr genau, die Angeklagte habe aber sicher gesagt, dass ... dann nicht da sei und auch nichts davon wissen solle. Er, der Zeuge ..., habe das Ansinnen der Angeklagten abgelehnt, weil er das Fahrzeug nicht Dritten überlassen wolle.

Die Kammer hat keinen Anhalt, den Zeugen nicht zu glauben. Zwar wurden beide Zeugen im Verlauf des Ermittlungsverfahrens selbst der Tat oder der Beteiligung daran verdächtigt, jedoch beruhte dies nur auf dem Umstand, dass die Zeugin ... als Prostituierte und ihr Ehemann als früherer Türsteher einem kriminalitätsbelasteten Milieu angehören und am 07.07.2011 beide zumindest zeitweise in ... bzw. ... und nicht an ihrem Wohnort in ... aufgehalten haben. Beide Zeugen haben übereinstimmend geschildert, dass ... ... bis zum 07.70.2011 in ... arbeitete und der Zeuge ... ... sie dort nach Arbeitsende abholte, nachdem er früher am Tag noch Freunde in ... besucht hatte. Beide haben auch übereinstimmend und unwiderlegbar ausgesagt, gegen 24:00 Uhr von ... nach ... abgefahren zu sein, an einer Raststätte bei ... noch Sekt und Zigaretten gekauft zu haben und gegen 02:30 Uhr zu Hause gewesen zu sein. Es ist zudem kein Interesse der beiden Zeugen an der Tatausführung erkennbar. Soweit allenfalls theoretisch angenommen werden könnte, sie hätten über die Angeklagte bzw. deren Ehemann finanzielle Vorteile aus dem Erbfall haben können, fehlt hierfür jeglicher konkrete Anhaltspunkt. Dagegen würde auch die durchaus die Angeklagte belastende Tendenz der Aussagen beider Zeugen sprechen, durch die vermeintliche Aussichten, am Erbe zu partizipieren eher durchkreuzt werden könnten. Auch für einen Auftragsmord, den die Zeugen ... glaubhaft abgestritten haben, gibt es keine greifbaren Indizien.

Zudem wird einerseits die Aussage der Zeugin ... zu dem Interesse der Angeklagten, im Juli 2011 einen Smart zu leihen, und damit indirekt auch die Aussage des Zeugen ... zu einem ähnlichen Ansinnen der Angeklagten durch Erkenntnisse aus der Innenraumüberwachung eines zwischen der Angeklagten und ihrem Ehemann am 18.10.2011 ab 10:38 Uhr geführten Gesprächs auf einer Autobahnfahrt gestützt.

Ab einer Gesprächsdauer von 17:50 min in der in der Hauptverhandlung in Augenschein genommenen Aufzeichnung ist folgender Dialog, offensichtlich bezogen auf ein anderes Fahrzeug auf der Autobahn, zu hören:

„Angeklagte:

So ´n Smart wollte ich mir gerne mal ausleihen.

... ...:

Und dann?

Angeklagte:

Damit fahren!

Hatt ich ja in den Sommerferien überlegt, ähm, als ...(unverständlich) da Dings wollte, mir´n Smart zu leihen. Aber so ´n direkten Smartverleih haben wir bei uns um die Ecke nicht.

... ...:

Mir...(unverständlich)

...:

Weiß es nicht. Ich hab´s nicht gefunden, hab s gelassen. War mir dann zu umständlich.

Ich glaub, die ... sagte, fast 40 Euro oder so was.

... ...:

Ja wieviel, das ist kein Fahrkomfort. Das ist ´ne Ruckelkiste.

... ...:

Ich wollte mir den Spaß einfach mal gönnen.

Ich hab ja an der Waschbox, hab ich ja jemanden getroffen, hab dann dringesessen. Hab ich gesagt, geil, wenn du so alleine ´n Tourchen machen willst, holste dir ´n Smart.

Hätten wir direkt in der Nähe irgendwas gehabt, hätt ich mir ´n Smart geliehen.

Mit´m Smart rumgejuckelt, hätt Spaß gehabt.

Ich wollt mal was für mich alleine und ich entscheiden und machen.

Ist von sowas von in die Hose gegangen alles...äh...alles Scheiße.“

4. Auffälliges Verhalten der Angeklagten nach der Tat

Die Überzeugung der Kammer von der Täterschaft der Angeklagten beruht weiter auf einzelnen Verhaltensweisen der Angeklagten nach der Tat, die ihre Schuld indizieren.

a) Legende für Handverletzung gegenüber Zeugen ...

Die Angeklagte hat bereits am Tag nach der Tat und damit vor deren Entdeckung am 09.07.2011 erkennbar versucht, eine Legende für eine Handverletzung zu konstruieren.

Wie der Zeuge ... ..., Ehemann der Zeugin ... ... und unmittelbarer Hausnachbar der Angeklagten, in der Hauptverhandlung glaubhaft bekundete, traf er am 08.07.2011 gegen 09:30 Uhr beim Verlassen seines Hauses auf die Angeklagte, die sich außerhalb ihres Hauses aufhielt. Die Angeklagte habe den Zeugen, der nach einem abgeschlossenen Medizinstudium und dem abgeschlossenen Praktischen Jahr als Pharmaberater tätig ist, wie der Angeklagten durch ihre häufigen Kontakte zu den Zeugen ... und ... ... bekannt war, aufgeregt wegen einer Verletzung an ihrem rechten Handballen angesprochen zu der sie dem Zeugen ... erzählte, sie habe sich an Rosen verletzt und dann sei ihr „Gammelfleisch“ daran gekommen, sie fürchte eine Blutvergiftung. Der Zeuge bekundet, er habe lediglich einen kleinen Kratzer am Handballen der Angeklagten erkennen können, es habe ausgesehen, als ob sie sich geritzt habe. Symptome einer tieferen Verletzung oder gar einer Entzündung hat der Zeuge dagegen nicht erkennen können. Eine abnorme Blaufärbung habe er unter der Haut nicht erkennen können.

Er habe keine Maßnahmen zur Behandlung der Verletzung empfohlen. Die Angeklagte habe jedoch gesagt, sie wolle ihren Arzt deswegen aufsuchen. Er habe das Verhalten der Angeklagten, ihre große Besorgnis und die Aufregung, die sie gezeigt habe, nicht verstehen können.

Wie der Zeuge weiter bekundete, hat die Angeklagte in einem späteren Gespräch mit dem Zeugen, das er nicht mehr datieren konnte, das aber jedenfalls kurz nach der Rückkehr der Angeklagten nach ... nach dem Wochenende vom 09. und 10.07.2011 stattgefunden habe, diese Handverletzung nochmals angesprochen. Das Gespräch habe sich um die Spuren am Tatort gedreht, er habe zu der Angeklagten gesagt, die Polizei werde sicher DNA des Täters am Tatort finden. Die Angeklagte habe das aber, wie auch in späteren Gesprächen, verneint und ausgeführt, da könne jemand mit einem Neoprenanzug reingehen, dann finde man da nichts. Sie habe weiter gesagt, ein im Eingangsbereich des Hauses gefundener Blutstropfen könne von ihr stammen, die Verletzung, die sie ihm am Donnerstag gezeigt habe, habe sich am Wochenende schon in Abheilung befunden, aber sie habe sich beim Griff in ihre Handtasche an einer Scheckkarte geritzt und die Wunde habe daher wieder angefangen zu bluten.

Nach den Bekundungen der Zeugin KKin ... in der Hauptverhandlung, die die Angeklagte noch am 09.07.2011 ab 23:30 Uhr bis gegen 03:00 Uhr des Folgetags und erneut am 15.07.2011 als Zeugin vernommen hat, hat die Angeklagte in der ersten Vernehmung keine eigenen Verletzungen angesprochen und insbesondere nicht angegeben, dass sich beim Herausnehmen des Schlüssels aus ihrer Handtasche etwas Besonderes ereignet habe. Erst am 15.07.2011 habe die Angeklagte von sich aus geschildert, sie habe sich am Mittwoch, dem 06.07.2011 vermutlich beim Rosenschneiden am Handballen der rechten Hand verletzt. Am Freitag, dem 08.07.2011, habe sie gesehen, dass alles dunkelblau um diese tiefe Verletzung gewesen sei, daher sei sie zu ihrem Hausarzt Dr. ... gegangen. Der habe eine Blutvergiftung ausgeschlossen und einen Bluterguss vermutet. Die Angeklagte habe weiter geschildert, dass sie sich diese beim Besuch des Hausarztes schon verkrustete Verletzung später mehrfach wieder aufgekratzt habe. Auch am Samstag vor Betreten des Wohnhauses ihrer Schwiegereltern müsse sie sich an diesem Kratzer wieder verletzt haben, was sie aber erst später bemerkt habe. Sie habe noch im Auto den Schlüssel zu dem Wohnhaus der Schwiegereltern aus der Seitentasche ihrer Handtasche genommen. In dieser Seitentasche hätten sich auch zwei zerschnittene EC-Karten befunden, daran müsse sie sich die Handverletzung wieder aufgerissen haben. An einer Hälfte einer Scheckkarte befinde sich noch Blut, ebenso am Griff ihrer Reisetasche. Erst als sie sich im Haus die Hände gewaschen habe, habe sie festgestellt, dass sie blute. Als sie später vor dem Haus gesessen habe, habe die Verletzung immer noch geblutet.

Die Bekundungen der Zeugin ... über die Angaben der Angeklagten in ihren beiden Vernehmungen am 09. und 10.07.2011 und am 15.07.2011 sind nicht unverwertbar, wie die Verteidigung meint, weil die Angeklagte in diesen Vernehmungen nicht als Beschuldigte belehrt wurde. Die Kammer sieht keinen Anhalt dafür, dass die Angeklagte in der Zeit vom 09.07.2011 bis 15.07.2011 seitens der Polizei als Tatverdächtige angesehen wurde oder hätte angesehen und behandelt werden müssen.

Die Verteidigung hat behauptet, der Angeklagten sei bei oder vor diesen Vernehmungen von der Zeugin ... oder dem Zeugen KHK ... gesagt worden, in 95% solcher Fälle sei der Täter in der Familie zu suchen und daraus den Schluss gezogen, die beiden Zeugen hätten damals von einen Tatverdacht gegen die Angeklagte gehegt. Beide Zeugen haben weder die behauptete Äußerung bestätigt, noch, dass sie damals einen Tatverdacht gegen die Angeklagte gesehen hätten. Im damaligen Zeitpunkt lagen keine konkreten Verdachtsmomente gegen die Angeklagte vor. Die Kammer glaubt den Zeugen, die in der Hauptverhandlung auch nicht einfach die Behauptung der Verteidigung pauschal zurückgewiesen, sondern ihr Erinnerungsvermögen nach Kräften angestrengt haben. Die Zeugin ... hat ihre Angaben sogar beeidet. Auch der Zeuge KHK ..., der vom 09.07.2011 bis Ende März 2012 Leiter der den vorliegenden Fall untersuchenden Sonderkommission der Polizei war, hat in der Hauptverhandlung glaubhaft verneint, der Angeklagten zu irgendeinem Zeitpunkt gesagt zu haben, zu einem bestimmten Prozentsatz sei der Täter im Umfeld oder unter Angehörigen des Opfers zu finden.

Für die Annahme, dem medizinisch ausgebildeten – wenn auch nicht approbierten - Zeugen ... fehlte es an der Qualifikation, die am 08.07.2011 tatsächlich an dem rechten Handballen der Angeklagten vorhandenen Verletzungs- oder Krankheitssymptome zu erkennen, gibt es keinen Anhalt. Zwar hat die Kammer – da die Angeklagte die im Ermittlungsverfahren erklärte Entbindung ihrer Ärzte von der Schweigepflicht in der Hauptverhandlung zurückgenommen hat - den Zeugen Dr. ... nicht befragen können. Die Angeklagte hat aber auch in ihren Angaben gegenüber der Zeugin ... keinen Anhalt zu der Annahme gegeben, dieser habe eine Therapie oder auch nur Vorsichtsmaßnahmen empfohlen. Die nur behauptete – nicht bestätigte - Vermutung des Hausarztes, es liege ein Bluterguss vor, begründet keinen Zweifel an den Angaben des Zeugen ..., zumal beide den Handballen der Angeklagten auch mit zeitlichem Abstand betrachtet hätten.

Die Kammer ist daher davon überzeugt, dass die Angeklagte am 08.07.2011 gegenüber dem Zeugen ... eine geringfügige Hautverletzung ohne erkennbare Komplikationen und damit ohne nachvollziehbaren Anlass übertrieben herausgestellt hat.

Die Kammer ist weiter davon überzeugt, dass die dem Zeugen ... von der Angeklagten dargebotene Version für die Entstehung der Handverletzung, nämlich der Kontakt mit Rosen, nicht zutreffend war, weil sie nicht fest – wie nach eigenem Erleben zu erwarten wäre - in der Erinnerung der Angeklagten verankert war. Das wurde durch die Bekundungen des Zeugen ... ... in der Hauptverhandlung deutlich. Der Zeuge, ein Freund ... ...s hat glaubhaft geschildert, wie er anlässlich der Reinigung des Hauses der Getöteten von Tatspuren und Spuren der polizeilichen Arbeit im August 2011 mit ... ... und der Angeklagten in dem Anwesen zusammenkam. Dabei habe ihm die Angeklagte erzählt, sie habe beim Auffinden der Leichen am 09.07.2011 die Hand des Schwiegervaters öffnen wollen, der etwas in der Hand gehalten habe. Das sei wegen der Leichenstarre sehr schwer gewesen. Beim Öffnen der Hand sei der Gegenstand in der Hand, eine Brille, zerbrochen und sie, die Angeklagte, habe sich daran verletzt. Der Zeuge ... schilderte weiter, dass die Angeklagte sehr in Unruhe gewesen sei, sie habe geglaubt, am Abend des Auffindens der Leichen überall im Haus ihr Blut verteilt zu haben. Die Angeklagte habe ihn zweimal darauf hingewiesen, dass sie an der Hauseingangstür ihr Blut verloren habe, das sei aus seiner Sicht sehr auffällig gewesen. Offenbar hat die Angeklagte diese Version zur Entstehung ihrer Handverletzung auch ihrem Ehemann ... ... unterbreitet. Die Zeugin ... ..., Lebensgefährtin des Zeugen ..., hat nämlich in der Hauptverhandlung bekundet, ... ... habe ihr in einem von mehreren nach der Tat geführten Telefonaten erzählt, die Angeklagte habe sich beim Versuch dem Leichnam von ... ... eine Brille aus der Hand zu nehmen, daran verletzt.

Dass die Angeklagte gegenüber der Zeugin ... dieselbe Verletzung von sich aus erneut und besonders herausstellte, sogar zu diesem Zeitpunkt schon mit der blutverschmierten Scheckkartenhälfte und der blutverschmierten Reisetasche Beweismittel bereithielt, belegt, dass sie Grund zu der Annahme hatte, eine Spur eigenen Blutes im Haus der Getöteten erklären zu müssen. Gegenüber dem Zeugen ... hat sie – noch vor der zeugenschaftlichen Vernehmung durch die Polizei - auch den einen Ort und die eine Spur genau angegeben, nämlich einen Blutfleck auf dem Fußboden hinter der Eingangstüre, den sie nach der Einschätzung der Zeugin ... hatte wahrnehmen können, als sie sich während des Eintreffens von Polizei- und Rettungskräften und danach vor dem Haus mit der offenstehenden Türe aufhielt.

Dass die Angeklagte, obwohl sie am 08.07.2011 noch nicht wissen konnte, dass ihre Handverletzung am 09.07.2011 zu einem Blutverlust am Tatort im Zusammenhang mit einer Blutspur am Tatort stehen könnte, diese Verletzung aber in einer Art und Weise dem Zeugen ... vorhielt, die nur mit dem Wunsch erklärbar ist, einen Zeugen für diese schon vor der Entdeckung der Tat am 09.07.2011 bestehende Verletzung zu gewinnen, deutet zur Überzeugung der Kammer daraufhin, dass die Angeklagte bereits am Morgen des 08.07.2011 davon ausging, sie würde Spuren ihres Blutes am Tatort erklären müssen.

Eine andere Erklärung, als dass sie zur Tatzeit am Tatort anwesend war und sich dort die geringfügige Verletzung zuzog, ist hierfür nicht vorstellbar. Es ist dann die Annahme naheliegend, dass die Angeklagte nach der Tat vor Verlassen des Hause im Eingangsbereich mit der Tatwaffe hantierte und sich dabei einerseits die Handverletzung zuzog und andererseits Blut der ... ..., das noch an der Tatwaffe oder der Schutzkleidung der Angeklagten anhaftete, auf dem Fußboden und an der Innenseite der Haustüre verlor.

b) Spurenverwischen am Tatort

Die Angeklagte wird weiter indiziell belastet durch ihre Darstellung ihres Verhaltens in der Nacht des 09.07.2011 am Tatort.

Bei der ersten Befragung vor Ort gab die Angeklagte gegenüber dem eingesetzten Beamten POK ... an, als sie nach Betreten des Hauses die Schwiegereltern vorgefunden hätten, habe sie ihren Schwiegervater an der Hand berührt. Wie der Zeuge ... in der Hauptverhandlung weiter bekundete, erklärte die Angeklagte, man habe die Leichen nicht bewegt oder ähnliches.

In ihren beiden polizeilichen Zeugenvernehmungen am 09.07.2011 und am 15.07.2011 hat die Angeklagte gegenüber der Zeugin ... angegeben, nachdem ihr Mann das Schlafzimmer der Schwiegereltern am 09.07.2011 erstmals betreten hätten, sei sie in das angrenzende Badezimmer gegangen, habe sich neben den Körper ... ...s gehockt und seine Hand in ihre Hände genommen, um nachzuschauen, was jene umklammert hielt, sie habe aber nicht versucht diese mit Gewalt zu öffnen. Ihr Ehemann habe sie aufgefordert, nichts anzufassen, sie sei dann zum Bett ihrer Schwiegermutter gegangen und habe versucht, die Bettdecke von ihrer Schwiegermutter wegzuziehen, sie habe an der Decke gerüttelt, sie aber nicht von der Schwiegermutter lösen können, sie habe sich auch über die Schwiegermutter gebeugt, weil sie sie habe streicheln wolle. Ob sie das getan habe, wisse sie nicht mehr. Dann sei sie ins Badezimmer gegangen, um sich am linken Waschbecken die Hände zu waschen, habe das aber nicht getan, weil dort „irgend etwas mit dem Becken“ gewesen sei. Sie sei dann in die Küche gerannt und habe sich dort an der Spüle die Hände gewaschen, weil sie Leichen angefasst hatte. Hierzu habe sie aus dem Unterschrank der Spüle ein Wurzelbürstchen genommen und sich mit Spülmittel die Hände geschrubbt. Danach habe sie den Schlüssel für die Terrassentür der Küche aus einer Schublade genommen und die Türe aufgeschlossen, während ihr Ehemann den Rollladen geöffnet habe. Nach einer gemeinsamen Absprache habe ihr Mann das Haus verlassen, um ihre Töchter, die mit einem Hund unterwegs waren, abzufangen. Sie selbst sei wieder in das Badezimmer zu ihrem Schwiegervater gegangen und habe ihm über die Wange gestreichelt. Dann sei sie über die Treppe nach oben in den 1. Stock gegangen und habe in dem dortigen Gäste-Schlafzimmer die Tür aufgemacht. Dabei habe sie nur die Türklinke angefasst und evtl. auch einen Schritt in den Raum herein gemacht. Dann sei sie in den 2. Stock, in das von ihr und ihrem Mann bei Besuchen genutzte Schlafzimmer gegangen und habe dort wohl über das Bett gestreichelt. Dann sei sie wieder heraus gegangen.

Ob die von der Zeugin ... in der Hauptverhandlung wiedergegebenen Verhaltensweisen der Angeklagten am Tatort von dieser zutreffend geschildert wurden, konnte die Kammer nicht überprüfen, da sie – von ... ... abgesehen – ohne Zeugen verwirklicht worden wären und ... ... das Zeugnis verweigert hat. Allerdings sprechen schon die oben dargestellten Bekundungen der Zeugen ... und ... dafür, dass zumindest die Manipulationen am Leichnam ... ...s sich tatsächlich ereignet haben. Der Inhalt eines überwachten Telefonats zwischen der Angeklagten und ... ..., auf den später noch eingegangen wird, spricht zudem dafür, dass die Angeklagte auch an der Bettdecke der ... ... gerüttelt hat.

Schon das von der Angeklagten geschilderte Verhalten am Fundort der beiden Leichen ist für die Kammer nicht nachvollziehbar, zumal die Angeklagte gegenüber der Zeugin ... angab, bei ihrem Schwiegervater noch ruhig gewesen und erst auf dem Weg zu ihrer Schwiegermutter hysterisch geworden zu sein. Nach eigenen Angaben ist die Angeklagte nicht davon ausgegangen, dass die Schwiegereltern noch am Leben sein könnten und der Hilfe bedürften. Warum sie dann – obwohl noch ruhig – versucht hat, den Gegenstand aus der Hand von ... ... zu nehmen, hat sie nicht erklären können.

Auch für das Aufsuchen von zwei Zimmern in den oberen Stockwerken hat sie der Zeugin ... gegenüber keine nachvollziehbare Erklärung geben können.

Das gesamte von der Angeklagten geschilderte Verhalten am unmittelbaren Tatort, aber auch in der Küche und den oberen Stockwerken, war geeignet, eventuell vom Täter gelegte Spuren zu zerstören. War die Angeklagte dagegen selbst der Täter – wovon die Kammer ausgeht – war das von der Angeklagten behauptete Verhalten – unabhängig ob tatsächlich verwirklicht oder nur behauptet – geeignet, Spuren der Angeklagten am Tatort zu erklären und deren Tatzusammenhang zu verschleiern.

c) Versuchte Einflußnahme auf Zeugen und Familienangehörige

Die Angeklagte hat im Laufe des Ermittlungsverfahrens – noch bevor ihr der gegen sie bestehende Tatverdacht eröffnet wurde - versucht, Zeugen dahin zu beeinflussen, dass diese entgegen eigener Wahrnehmung von der Angeklagten als günstig empfundene Angaben gegenüber den Ermittlungsbehörden machen, oder zumindest ungünstige Angaben unterlassen.

aa) ... ...

Die Zeugin ... ... bekundete in der Hauptverhandlung, schon kurz nach der Tat habe die Angeklagte sie aufgefordert, ein Gedächtnisprotokoll über ihre Begegnung am 07.07.2011 anzufertigen, damit sie dazu Aussagen machen könne, wenn sie – die Angeklagte – verdächtigt werden sollte.

Die Zeugin ... bekundete weiter die Angeklagte habe, nachdem die Polizei im Frühjahr Suchhunde eingesetzt habe, um Geruchspuren vom Tatort zum Täter zu verfolgen, häufig mit ihr darüber gesprochen. Stets habe die Angeklagte ausschließlich sich selbst hierdurch gefährdet gesehen und gemeint, der wahre Täter habe keine Spuren hinterlassen. Bei einem dieser Gespräche habe die Angeklagte zu ihr sinngemäß gesagt, wenn sie jetzt eine gute Freundin hätte, die ihr ein Alibi geben würde, wäre sie aus allem raus. Sie - die Zeugin ... – müsse sich ja nicht erinnern, wie lange die Angeklagte bei ihr gewesen sei, auch dass die Angeklagte mit dem BMW abends weggefahren sei, könnte die Zeugin ... ja vergessen haben, der BMW hätte doch auch schon am Mittwochabend in der Werkstatt gestanden haben können. Daraufhin habe die Zeugin der Angeklagten aber gesagt, das würde sie nicht einmal für ihre Kinder machen, sie könne ihr kein Alibi geben. Die Angeklagte sei aber ständig wieder auf ein Alibi zu sprechen gekommen, was sie selbst wiederum immer abgelehnt habe.

Die Kammer hat keine Zweifel an der Wahrheitsgemäßheit dieser Angaben der Zeugin ..., da auch der Zeuge ... ... bekundet hat, die Angeklagte habe einmal in seinem Beisein geklagt, es sei bedauerlich, dass es gar niemanden gebe, der ihr ein Alibi gebe.

bb) Versuch, die Tochter ... als Alibizeugin zu gewinnen

Nachdem die Zeugin ... für ein Alibi nicht zu gewinnen war, hat die Angeklagte offenbar ihre Tochter ... gebeten, ihr ein Alibi zu verschaffen.

Deutlicher wird das Bemühen der Angeklagten, von ... ein falsches – weil mit der zu verheimlichenden Wahrheit nicht übereinstimmendes – Alibi zu erhalten in der Aufzeichnung eines überwachten Innenraumgesprächs mit ... am 26.04.2012 ab 17:09 Uhr in dem Nissan Pathfinder(Leitzordner Innenraumüberwachung Fahrzeuge, PKW Nissan, Nr. 1297), als die Angeklagte ihre Tochter zu einem Therapeuten fuhr. Nachdem sich das Gespräch mit ... ... beschäftigt hatte, die in einem Krankenhauspraktikum mit einer Leiche konfrontiert worden war und danach kurz die Geeignetheit des Therapeuten angesprochen wird, kommt es nach einer Gesprächspause von ca. einer Minute ab Gesprächsminute 9:48 zu folgendem Dialog:

„Angeklagte.

Wir ham doch noch darüber gesprochen, dass es dann immer noch Dinge gibt, die man den Psychologen nicht erzählen kann. – Und, und, und. - Erinnerst du dich?

...:

Ne!

Angeklagte:

Die Tatsache, dass du mir ´n Alibi gibst, zum Beispiel. -

...:

(unverständlich)

Angeklagte:

Da haben wir drüber geredet, Von daher kann ich das nicht nebenbei gesagt haben. Da haben wir zwei drüber gesprochen. Dass das was ist, dass das für immer und ewig nur zwischen uns beiden bleiben muß. Auch - ein wenig(?). Erinnerst du dich?

Anschließend dreht sich das Gespräch wieder um den Nutzen der Therapie für ..., und die Erfolge der Therapie der Angeklagten und ihre seither geänderte Einstellung.

Da das Gespräch zwischen der Angeklagte und ihrer Tochter ... über das von dieser zu gebende Alibi unbedingt geheim bleiben muss, auch einem Therapeuten nicht verraten werden darf, kann es sich nur um die Absprache eines falschen Alibis gehandelt haben.

d) Reaktion auf Spürhundeinsatz der Polizei und Versuch, ... ... zu beeinflussen

aa)

Im Rahmen der Ermittlungen wurden von der Polizei sogenannte Mantrailer-Hunde eingesetzt, um Täterhinweise zu gewinnen. Die von privaten Dienstleistern geführten Hunde sollen einen Individualgeruch, der durch den Abbau von Körperpartikeln entstehe, verfolgen. Selbst die relative Abgeschlossenheit eines fahrenden Autos solle nicht verhindern, dass Personen verfolgbare Spuren hinterlassen. Der Hund sei fähig, die Spur einer gesuchten Person aufzunehmen, deren Geruch zu einem dem Hund präsentierten Geruchsartikel, z.B. einem Kleidungsstück passt, und diese Spur auf jedem Untergrund kilometerweit zu verfolgen. Hierbei soll der Hund verschiedene menschliche Gerüche voneinander unterscheiden und sich trotz vieler Verleitungen ausschließlich an den Geruchsmerkmalen der gesuchten Person orientieren.

Die Mantrailer-Einsätze erfolgten nach den Bekundungen des Zeugen ..., bis Ende März Leiter der Sonderkommission der Polizei und daher verantwortlich für die Maßnahme, am 07.02., 08.02., 26.02, 23.03. und 22.05.2012. Als Geruchsprobe habe ein Abrieb des vor der Haustür des Anwesens ... Weg .. in ... aufgefundenen Schlüssels gedient, von dem anzunehmen ist, dass der Täter hiermit in Berührung gekommen ist, sowie ein Abrieb von einer Einstichstelle im Nachthemd des Tatopfers ... ... An dieser Stelle fand sich ein heftiger Einstich in den Brustkorb der Getöteten, so dass der Täter bei der Einstichbewegung viele Geruchsmoleküle verloren haben könnte. Geruchsspuren der Opfer sowie der Personen, die am Tatort berufsbedingt mit den Opfern in Berührung gekommen waren, seien im Vorfeld ausgeschlossen worden. Der Zeuge ... hat in der Hauptverhandlung glaubhaft bekundet, dass diesen Suchmaßnahmen tatsächlich die Annahme zugrunde gelegen habe, die eingesetzten Hunde könnten auch Monate nach der Tat noch tatbezogene Geruchspuren verfolgen. Die Kammer hat aufgrund der Bekundungen des Zeugen ... keinen Zweifel daran, dass dies seiner Überzeugung entspricht und mittels der Maßnahme nicht etwa eine Täuschung von Beschuldigten ermöglicht werden sollte.

Der Zeuge ... informierte die Angeklagte oder ihren Ehemann ... ... nach den Hunde-Einsätzen jeweils telefonisch darüber, welchen Weg die Hunde eingeschlagen hatten, nämlich über die B ..., B ... an die Anschlußstelle in ... zur BAB ... und von dort in mehreren Einsätzen über die BAB ... und die BAB ... in Richtung Norden.

Die Angeklagte ließ hiernach in überwachten Telefongesprächen mit ... ... erkennen, dass sie von Beginn an davon ausging, die Hunde verfolgten ausschließlich ihre Geruchspur. Dass die Hunde die Spur einer anderen Person verfolgen könnten, zog die Angeklagte dabei erkennbar nicht einmal in Erwägung. Während ... ... keine Anzeichen von Aufregung zeigte, wurde die Angeklagte mit fortschreitendem Einsatz der Spürhunde zusehends nervöser, entwickelte sogar körperliche Beschwerden wie Übelkeit und ging schließlich von ihrer baldigen Festnahme aus.

Als ihr von dem Zeugen KHK ... im Zusammenhang mit ihrem Verhalten am Tatort und damit gelegten Geruchsspuren entgegengehalten wurde, dass die Hunde auch eine Geruchsspur von einer unter der Bettdecke verborgenen Einstichstelle am Leichnam von ... ... verfolgten, die sie nach ihren Angaben nicht berührt haben könne, verstärkte dies die Besorgnis der Angeklagten noch, die daraufhin versuchte, ... ... zu suggerieren, sie habe ihre Schwiegermutter unter der Bettdecke berührt.

bb)

Im einzelnen ergeben sich aus der Inaugenscheinnahme von Aufzeichnungen überwachter Telefonate folgende Erkenntnisse:

Nachdem der Zeuge KHK ... der Angeklagten nach dem ersten Hundeeinsatz am 07.02.2012 ab 16:07 Uhr telefonisch mitgeteilt hatte, dass die Hunde mit der Geruchsspur des Schlüssels über B ... und B ... an die Autobahnanschlußstelle in ... zur BAB ... gelaufen seien, entgegnete die Angeklagte, dass die Geruchsspur durchaus von ihr sein könne, da sie den Schlüssel bei Besuchen der Schwiegereltern schon benutzt habe, wenn sie ihren vergessen habe. Als der Zeuge KHK ... ihr weiterhin erläuterte, dass die Hunde am nächsten Tag einer anderen Geruchsspur, nämlich einer Einstichstelle vom Nachthemd der Schwiegermutter, folgen würden, informierte sich die Angeklagte weitergehend und fragte den Beamten, ob die Hunde denn auch Geruch aufnehmen könnten, wenn der Täter Handschuhe trug und der Täter mit einem Fahrzeug unterwegs war. In dem Gespräch mit dem Zeugen ..., der darin die Ansicht vertrat, die Angeklagte und ihr Ehemann seien nicht an der Einstichstelle gewesen und hätten dort keine Geruchsspuren hinterlassen können, äußerte die Angeklagte noch nichts gegenteiliges.

Das Telefonat hat folgenden Wortlaut, nachdem zunächst über den Inhalt eines in der Sendung „XY-ungelöst“ geplanten Beitrages gesprochen wurde:

KHK ...:

Aber ich glaub, der wollte auch wissen-wir sind ja heute mit den Hunden unterwegs gewesen.

Angeklagte:

Ähüm!

KHK ...:

Ich glaube, da wollte er auch was wissen. Also wir sind da sehr guter Hoffnung, dass wir da weiterkommen. Die Hunde sind, ja, wenn Sie das Haus Ihrer Eltern sehen, dann geht da nebendran die Bundesstraße entlang. Da sind die direkt mal drauf gelaufen.

Angeklagte:

Ähüm!

KHK ...:

Und von da aus an die Autobahn. Und da konnten wir dann heute leider nicht mehr weiter machen.

Angeklagte:

Ähüm!

KHK ...:

Aber schon top! Die haben die Geruchsspur aufgenommen an den Schlüsseln, die vorne an der Haustür gelegen haben.

Angeklagte:

Hhmm

KHK ...:

Und da sind wir uns ja relativ sicher, dass die auch irgendwie von dem Täter dahin gebracht sein müssen.

Angeklagte:

Ähüm!

KHK ...:

Also das war schon beeindruckend, wie die da losgezogen sind.

Angeklagte:

Wahnsinn! Wahnsinn!

KHK ...:

Jo, das glaubt man nicht!

Angeklagte:

Aber an der, an den Schlüsseln sind ja auch Geruchsspuren von meinen Schwiegereltern, von der Nachbarin mit Sicherheit.

KHK ...:

Jaja, das ist klar! Also die...

Angeklagte:

Vielleicht auch von uns! Wir haben ja auch schon, wenn wir da waren, dass die gesagt haben äh, äh nimm, also sie haben uns immer irgend ´nen Schlüssel in die Hand gedrückt, wenn wir unseren nicht mit hatten...

KHK ...

Hhmm

Angeklagte:

...also da können etliche ... von den Kindern, da ist et ... etliches dran!

KHK ...:

Also die nehmen den letzten Geruch an, das heißt also, der letzte Geruch ist wohl- wir haben die Hunde abgesetzt, so etwa ich sag mal 50-60 Meter vom Haus entfernt...

Angeklagte:

Öhüm!

KHK ...:

...und die wußten ja eigentlich nicht, wohin es geht...

Angeklagte:

Ne!

KHK ...:

...also das sind etliche Häuser und die sind zielstrebig zum Haus Ihrer Schwiegereltern gelaufen und von dort aus ... oder dann wurde dieser Geruch Ihrer Schwiegereltern ausgeklammert bei den Hunden und von dort aus sind die dann- ich sag mal- wundersamer Weise auch direkt auf diese vierspurige Bundesstraße gelaufen und...

Angeklagte:

Und in welche Richtung?

KHK ...:

... in Richtung Autobahn A ...

Angeklagte:

Ach so.

KHK ...:

Also das hört sich mal nicht schlecht an. Wir sind mal gespannt, wo sie dann morgen weiterlaufen...

Angeklagte:

Ja!?

KHK ...:

...in welche Richtung. Wir haben zuerst mal morgen vor, weil wir morgen nicht darauf eingerichtet sind, die gesamte Autobahn zu sperren-morgen vor, ne andere Stelle wo der Täter Geruch abgegeben haben muß den Hunden nochmal vorzulegen um zu gucken, in welche Richtung sie dann laufen.

Angeklagte:

Hhmm, hhmm

KHK ...:

Aber das ist schon, ich sag mal überwältigend, muß man sagen. Die...

Angeklagte:

Wahnsinn!

KHK ... ...Staatsanwältin war dabei

Angeklagte:

Hhmm

KHK ...:

...die hat nur mit´m Kopf geschüttelt und hat gesagt also so hätte sie sich das nicht vorgestellt!

Angeklagte:

Ne, Ne! Konnten wir auch nicht glauben.

KHK ...:

also vor allen Dingen, die sichern sich immer mit ´nem zweiten Hund ab.

Angeklagte:

Hhmm

KHK ...:

Also da läuft ein Hund los und ´ne Zeit später wird dann ´nen zwoter Hund los...

Angeklagte:

Ja?!

KHK ...:

...also zur Sicherung losgeschickt. Und das war schon wirklich überwältigend muß man sagen.

Angeklagte:

Wahnsinn! Und wo hat der wo hat der nochmal ´ne Geruchsspur gelegt? Wenn Sie sagen ´ne zweite Stelle!

KHK ...:

An einer Einstichstelle bei Ihren Schwiegereltern.

Angeklagte:

An der Tür oder so?

KHK ...:

Ne, an ´ner Einstichstelle bei Ihrer Schwiegermutter!

Angeklagte:

Ach so!

KHK ...:

Also die Hundeführerinnen die machen das-ja ich sag mal fast täglich.

Angeklagte:

Ja?!

KHK ...:

Und...

Angeklagte:

Aber die letzten Spuren sind doch von meinem Mann und mir?!

KHK ...:

Aber nicht an ´ner Einstichstelle, kann normalerweise nicht sein!

Angeklagte:

Ach Einstich-, hab nicht (phonetisch) nicht Einstiegsstelle! Ahhch!

KHK ...:

Nein, Einstich..., Einstich...! Ne?! Da gibt´s ´ne Stichstelle praktisch an der Seite...

Angeklagte:

Ach so

KHK ...:

... wo dann auch die Untersuchenden zunächst mal nicht nach geschaut haben, sondern nach anderen Verletzungen...

Angeklagte:

Hhmm

KHK ...:

und wir glauben, dass ansonsten auch keine Geruchsspur sein dürfte, außer...

Angeklagte:

Hm

KHK ...:

...die von Ihrer Schwiegermutter...

Angeklagte:

Hhmm

KHK ...:

...und von demjenigen, der zugestochen hat.

Angeklagte:

Ähüm! Das ist ja interessant! Wahnsinn!

Nur wenige Minuten nach diesem Telefonat kam es am 07.02.2012, ab 16:49 Uhr zu einem Telefongespräch zwischen der Angeklagten und ihrem Ehemann ... ..., in dem der Hundeeinsatz thematisiert wurde. Die Angeklagte erklärte ihrem Ehemann, dass die Hunde über die Bundesstraße zur A ... gelaufen seien, worauf ... ... versuchte, ihr den Weg zu erklären und anmerkte, dass dies doch ein gutes Zeichen sei, da sie diese Strecke nie gefahren seien. Die Angeklagte stellte dies in Zweifel und ließ sich nochmals von ihrem Mann die verschiedenen Fahrtstrecken erklären, wobei sie versuchte, ihn davon zu überzeugen, schon all diese Strecken gefahren zu sein. Gleichwohl schloss ... ... definitiv aus, jemals den Weg, den die Hunde eingeschlagen haben, gefahren zu sein

Das Telefonat hat folgenden Wortlaut, nachdem zunächst über die Fernsehsendung gesprochen wurde:

... ...:

Ok. Ok. Ok...ähm...weißt du was jetzt mit den Hunden da am Gang ist. Hat er darüber nochmal wat gesagt?

Angeklagte:

Ja. Die Hunde waren...äh...unterwegs. Die sind direkt losgelaufen zur Bundesstraße und dann Richtung A ...

... ...:

Ja. Aha, A ... sprich...

Angeklagte:

Jetzt müssen die...

... ...:

Ja, also sprich da ... hoch.

Angeklagte:

Ei du, keine Ahnung. Weiche Richtung, habe ich nicht gefragt.

... ...:

Doch muß so sein. Ja, ja, ja, ja.

Angeklagte:

Wieso muß dann, die A ... geht doch in zwei Richtungen.

... ...:

Nee...ähm...Richtung A ... geht´s eigentlich dann über ...äh...oben...äh und dann auf die A ... oder über über über...ähm...Richtung Richtung...ähm...unten am Rhein entlang und...ähm...dann ist das aber erst die ...

Angeklagte:

Ach so, nee, er sagte Richtung A ... Und die müßten sie ja sperren, um da weiter zu machen, ne.

... ...:

Das ist aber, das ist aber ein gutes Zeichen für uns, weil da sind wir nie hergefahren.

Angeklagte:

Wieso? Wir fahren doch immer A ...

... ...:

N´ja, richtig ..., aber über die ... oder die ... Äh, die A ... kommt oben über ...

Angeklagte:

Ja, vielleicht sind sie da ja schon darüber weg. Keine Ahnung. Er hat gesagt, über die A ...

... ...:

Ja, ja, nee, das paßt schon. Das ist der kürzeste Weg von da aus auf...ähm ... wenn ich einfach mal weg dann...

Angeklagte:

Wo fahren wir denn immer her? Wir fahren...

... ...:

A ..., Dreieck.... Dreieck, dann auf die ... und oder ..., ... ist das, glaub ich ... über ...

Angeklagte:

Aber wir fahren da ja immer geradeaus und...und über die ... geht´s auf die ..., ne? Über die...

... ...:

B ... ? Ne, ne, ne.

Angeklagte:

Wie sind wir denn früher immer gefahren. Wir sind doch früher, es gibt doch, ich kenn nur die Strecke einmal über diese...äh...Brücke, da wo...ähm...wo die ganzen ... äh...das Industriegebiet ist.

... ...:

Richtig. Da wo man da, wo man auf das Atomkraftwerk...

Angeklagte:

Die ... ist das, ne?

... ...: Nein, Ja da hinten geht die geht die B ... her, aber wir sind ja meistens auf der anderen Seite vom Rhein. Also auf der Seite von von ..., sozusagen. Oder wo meine Eltern wohnen. Da über die Bundesstraße unten am Rhein entlang und dann zu meinen Eltern gefahren. Das ist ne ganz andere Strecke. Die führt also nicht direkt auf die A ... Die führt über die ...AAA ...ähm...auf die A ... Und das hätte er dann sicherlich geort...ausgedruckt.

Angeklagte:

Und, über die ... geht´s direkt auf die ...?

... ...:

Nee, auch nicht. Die...ähm...die B ... geht auch auf die ... bloß auf der anderen Rheinseite und dann...ähm...über die...äh... hoch und ... Dreieck...

Angeklagte:

Ja aber, dann geht´s doch gar nicht direkt auf die ... Wir sind dann geht´s doch gar nicht. Wie kann man denn dann auf die ... fahren?

... ...:

Wieso? Über den Weg. Oder, dass oben über über den Truppenübungsplatz, sag sag ich mal, da über die Schnellstraße, die jetzt neu gebaut ist, über ... Dann kommst du direkt auf die A ...

Angeklagte:

Wo ist das denn?

... ...:

Das ist aber von unserer von unserer Seite her länger. Das ist, wenn du Richtung ... wegfährst, ist das der kürzere Weg, wenn du Richtung ... fährst, ist es über unseren Weg schneller.

Angeklagte:

Mhm...

... ...:

Ja?

Angeklagte:

Mhm.

... ...:

Dann dann sind die ja auf auf auf einer guten Fährte, sag ich mal. Dann passt das ja wohl. Gut, dann werde ich mit ihm auch noch mal telefonieren.

Angeklagte:

Ja, morgen früh kannst du ihn erreichen.

... ...:

Alles klar. Super. Ja?

Angeklagte:

(unverständlich). Aber wir sind alle...wir sind doch alle Strecken schon gefahren.

... ...:

Nee. Nee. Mhm. ... Mit Sicherheit nicht. Also...gut...war...nee, eigentlich nicht...darüber bin ich noch nie gefahren...es sei denn, wenn ich nach ... fahren mußte, aber...oder, wenn ich von von irgend´ner Arbeit kam von ... oder so, dann habe...da ich bin ich mal da hergefahren um zu meinen Eltern zu kommen. Das ist richtig. Aber ist schon...ist schon...das war noch zu der Zeit als ich noch bei der ... war, bei der Unternehmensberatung. Und das war ein ganz anderes Auto. Das war der BMW oder so was.

Angeklagte:

Und wir sind aber auch so schon mal diese Strecken gefahren.

... ...:

Also, ich kann mich nicht daran erinnern, dass du mit da drin warst...also...auf keinen Fall.

Angeklagte:

Und wir sind ja auch so mal so rum gefahren. Woher weiß das Vieh denn...

... ...:

Das weiß ich nicht.

Angeklagte:

...was zusammen gehört.

... ...:

Das weiß ich nicht. Das wird wohl wohl immer ein Geheimnis bleiben, aber...ähm...nichts desto trotz, so ist es.

Angeklagte:

Ne, wir sind auch jetzt danach auch noch darum gefahren.

... ...:

Aber nicht daher...aber nicht daher, ... Definitiv nicht.

Angeklagte:

Ich trau dem ganzen Braten nicht. Also der hat mir erklärt, dass das mit Geruchsmolekülen läuft und...äh...

... ...:

Hmhmhm.

Angeklagte:

...äh...und das das über die Lüftung rausgeht, aber hör mal, über die Lüftung geht´s doch in die Luft.

... ...:

Ich hab keine Ahnung. Ich habe keine Ahnung. Das ist für mich sowieso ein Buch mit sieben Siegeln, wie wie der mir das da erklärt. Das kriege ich eh nicht voneinander. Ja, muß ich ganz ehrlich sagen, weiß ich nicht. Naja egal. Aber das ist eigentlich...dann dann kommen die wahrscheinlich da auch voran. Da brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Das ist gut so.

Angeklagte:

Na, warten wir es ab, du. Ich trau dem ganzen Braten nicht.

... ...:

Doch.

Angeklagte:

Ich trau dem Braten nicht. Da hat er Geruchsmoleküle vom Schlüssel. Ich sag, den Schlüssel haben wir doch alle auch mal angefasst.

... ...:

Ich hab den...ja, ja, ist richtig. (kann ich nicht verstehen)

Angeklagte:

Doch wir haben, wenn wenn wir da waren...dein Schlüssel war immer in der Tasche. Der war meistens in der Tasche. Und..ähm...wir haben haben sowohl den Schlüssel aus der Schublade als auch den Schlüssel von deinem Vater mitgenommen, wenn wir mit den Hunden rausgegangen sind.

... ...:

Ja gut, aber das das können vielleicht...ähm...die Mole...können sie vielleicht von den anderen trennen.

Angeklagte:

Ja, ich weiß es nicht.

... ...:

Haben sie ja wohl gemacht.

Angeklagte:

Ne, ich weiß es nicht.

... ...:

Das hat er mir zumindest mal gesagt, dass sie das machen würden. Ja?

Angeklagte:

Hrn.

... ...:

Ok.

Angeklagte:

Ne, und von der von der Einstichstelle, obwohl sie das ja den Hunden eigentlich schon direkt vorzeigen können. Ne riech mal daran und dann eben Geruchsmoleküle definitiv von uns. Die haben ja von uns auch...ähäh...Tests. Da hätten sie ja schon direkt sagen können hier...ähäh..."Riech mal am Schlüssel" und "Riecht der Schlüssel genauso wie das" oder "Riech mal daran", die machen das mit...nicht am Schlüssel, die machen Teststreifchen, nehmen die ab. Ne? Mit so einem Wattepad. Ähm..."Riech mal daran" und dann "Riech jetzt mal hier". Schwiegersohn, Schwiegertochter, 1. Enkel, 2. Enkel, 3. Enkel. Ne, ob w...ja von den Kindern haben sie es ja auch, genau. Das hätten sie ja machen können.

... ...:

Ja, naja, schauen wir mal.

Angeklagte:

Ne, zum Vergleich.

... ...:

Ok.

Angeklagte:

Das könntest du ihn zum Beispiel fragen. Das habe ich nämlich vergessen. Da habe ich nicht dran gedacht. Bevor sie die los...bevor sie die in die falsche Richtung schicken oder wie auch immer. Ob sie die Hunde haben vergleichen lassen.

... ...:

Ja, hat er. Das hat er mir ja gesagt, dass sie das machen würden.

Angeklagte:

Ne.

... ...:

Das wäre die Aufgabe des Trainers, hm...ja oder des Hundeführers, das entsprechend so auszufiltern, sag ich mal, dass sie dem richtigen nachlaufen.

Angeklagte:

Ja, obwohl die können uns ja nicht ausfiltern.

... ...:

Doch. Doch. Aufgrund irgendwelcher Geruchsdinger, die sie von uns haben...

Angeklagte:

..., rechtlich gesehen, können sie uns doch nicht ausfiltern. Du kannst es gewesen sein...ich kann das gewesen sein...die Kinder nicht. ...

Nein, können wir nicht.

Angeklagte:

Warum?

... ...:

Weil..ähm...du hast ein Alibi, ich hab ein Alibi und wir waren es nicht. Fertig aus.

Angeklagte:

Meins haben sie nicht...meins haben die nie getestet.

Erkennbar ließ der Gedanke, der Weg der Hunde führe nun zu ihr, die Angeklagte nicht mehr los. Sie fürchtete, es könnten Spuren zu dem BMW, den sie in der Tatnacht benutzt hatte, führen, welcher zur damaligen Zeit auf dem Werkstattgelände des Zeugen ... abgestellt war. Ersichtlich hatte die Angeklagte die Sorge, ihre Situation sei noch schlechter, wenn die Hunde zu dem Fahrzeug zögen, solange dieses nicht an ihrem Anwesen abgestellt, war, weil dann ein unmittelbarer Tatbezug des Fahrzeuges indiziert gewesen wäre. Deshalb telefonierte sie am 07.02.2012 um 17:31 Uhr erneut mit ihrem Mann und versuchte ihn dazu zu bewegen, das Fahrzeug von dem Gelände der Werkstatt ..., wo es ihrem Einflussbereich entzogen war, wegzuholen. Im Rahmen dieses Telefonats versprach ... ..., den BMW am Wochenende, wenn er zu Hause sei, wegzuholen.

Das Telefonat hat folgenden Wortlaut:

„Angeklagte:

Ich hab was ganz anderes noch. Ich wollte dich noch fragen, was ist denn mit dem BMW jetzt?

... ...:

Was soll mit dem sein? Den laß ich nicht mehr reparieren...

Angeklagte:

Bleibt der da hinten stehen? Verkaufst du den von da? Schmeißt du den weg? Oder kommt der wieder hierhin.

... ...:

Nein. Nein. Ähm...den werd´ ich irgendwann wieder abholen. Äh...ich hab bloß kein...keine Zeit. Der (unverständlich) sagt, laß ihn da stehen. Da stört er nicht und gut ist. Ja?

Angeklagte:

Ja, soll der da stehen bleiben?

... ...:

Ja, ich muß...ich werd´ ich werd´ jetzt gucken im Internet nach einem anderen Auto, was vielleicht...ähm...ähm... gebrauchen kann.

Angeklagte:

Hm.

... ...

Da muß ich ja...will ich vorher nochmal mit dir reden. Es kann nicht sein, dass ... ein komplett...

Angeklagte:

Ja, ja. Soll ich den nicht hierhin holen?

... ...:

Ähm...mach ich am Wochenende. Äh..ich ich will das mal so sagen, das Auto, was ich dann kaufe, ist für die Kinder, ja. Es kann nicht...

Angeklagte:

Mhm, ja.

... ...:

...und dann müssen wir in zwei Jahren, wenn die vielleicht studieren geht oder so, mal gucken, wat wir dann machen. Ja?

Angeklagte:

Ja.

... ...:

Aber...ähm...das heißt nicht, dass ... jetzt ein Auto geschenkt bekommt. Das (...) ein bißchen arg...das find ich ein bißchen übertrieben.

Angeklagte:

Ach so, das dachte ich. Ja, aber das wäre schön gewesen zum 18. Aja, ist ja egal. Ähm...soll ich...soll ich den...ich kann den BMW ja holen. Ich kann den BMW doch holen?

... ...:

Dann hol dir den Schlüssel und gut is.

Angeklagte:

Wo ist denn der Schlüssel?

... ...:

Der liegt im ...ähm... in der obersten Schublade, wo...äh...dein Kalender ist. Aber laß ihn doch da stehen. Weil sonst steht er bei uns rum. Aja gut, mach wat de meinst. Ist egal. Ja?

Angeklagte:

Ok. Tschüß.

... ...:

Ok. Ciao.“

In einem weiteren Gespräch am 07.02.2012 um 18:23 Uhr erklärte die Angeklagte, sie sei unruhig und sehe "schwarz". Zwischenzeitlich hatte die Angeklagte bereits über die Geruchsspur "Nachthemd" nachgedacht. Sie führte in dem Gespräch aus, wenn Geruchsspuren - wie von KHK ... zuvor erklärt - vom Auto durch die Lüftung rausgingen, dann könnten diese auch an Personen haften. Entgegen ihren Angaben in den Zeugenvernehmungen durch die Polizei behauptete sie in diesem Zusammenhang, "tierisch" an der Decke der Schwiegermutter gezogen zu haben. Die Angeklagte bat ihren Mann nochmals um ein Gespräch mit KHK ..., ermahnte ihn aber, diesem nichts darüber zu erzählen, welche Strecken sie gefahren seien.

Das Telefonat hat folgenden Wortlaut:

... ...:

Was gibt´s?

Angeklagte:

Hach, ich weiß nicht. Ich bin ganz unruhig.

... ...:

Wo...Weswegen bist du unruhig.

Angeklagte:

Ach, weiß ich nicht. Vielleicht, weil ich immer schwarz sehe, keine Ahnung.

... ...:

Ach Schatz.

Angeklagte:

Was soll ich immer schwarz sehe.

... ...:

Nein, mach dir mal keine Gedanken. Mach dir mal keine Gedanken. Das wird schon seinen Weg gehen, seinen richtigen. Glaub nicht, dass es da irgendwelche Probleme geben sollte. Weil...äh...

Angeklagte:

Umpf...Du, die ... sagte zu mir, wenn Geruchsspuren vom Auto durch die Lüftung rausgehen...

... ...:

Ja.

Angeklagte:

...dann können die auch an Personen sein. Ähm...ich hab hab´ tierisch an der Decke deiner Mutter gerüttelt. Wieso sind denn dann Geruchsspuren nicht auch...ähäh...an sie gekommen? Wenn es Geruchsspuren sind...

...

Angeklagte:

Können wir uns hier übers Telefon unterhalten?

... ...:

Hm. Ja. Paß auf...ich...ja, et is ja eigentlich wurscht egal auf welchem...wir anrufen. Wenn was ist, dann werden die alles abhören und nicht nur...äh...das eine.

Angeklagte:

Hm.

... ...:

Ja. Ja.

Angeklagte:

Ja.

... ...:

Ok?

Angeklagte:

Ich weiß es nicht. Ja. Ja. Ich mein, du kannst kannst ihn das ja fragen, was du fragen wolltest, aber erzählen so solltest du eigentlich nichts von wegen welche Wege und dies und das und blablabla.

... ...:

Ja. Jaja, Ja. Nee, ich werde ihn nur fragen. Ja. Ist in Ordnung.

Am 07.02.2012 um 19:14 Uhr führte die Angeklagte ein weiteres Telefonat mit ihrem Ehemann, in dem sie sich nochmals die verschiedenen Fahrtrouten nach ... erklären ließ und die Frage stellte, wie die Hunde zwischen Hin- und Rückfahrt unterscheiden könnten. Ferner teilte sie ihrem Mann mit, am nächsten Tag nicht zur Arbeit zu gehen, sie habe Bauchschmerzen und habe sich bereits übergeben müssen.

Bereits am Morgen des 08.02.2012 um 8:53 Uhr meldete sich die Angeklagte erneut telefonisch bei ihrem Mann ... und teilte ihm mit, dass es ihr nicht gut ginge und sie ein schlechtes Gefühl habe. Sie erzählte, dass auch ihre Tochter ... - die von Abwesenheit der Mutter in der Tatnacht wusste, da sie deren Rückkehr gegen 06:00 am 08.07.2011 beobachtet hatte - Bauchweh habe. Sie habe mit ... schon gesprochen und ihr gesagt, was passieren könne. Ferner fragte die Angeklagten ihren Mann, ob dieser sich im "worst case" um ihre Mutter kümmere. Sie thematisierte die Wahrscheinlichkeit eines Fehlurteils in Strafverfahren.

Um 16:03 Uhr des 08.02.2012 informierte der Zeuge KHK ... die Angeklagte telefonisch darüber, dass die Mantrailer mit der Geruchsspur "Einstichkanal Nachthemd" über die BAB ... bis zum Kreuz ... bei ... gelaufen seien. Bereits hierauf gedanklich vorbereitet, erklärte die Angeklagte nunmehr, an der Einstichstelle gewesen zu sein, worauf KHK ... sie darauf hinwies, dass die Stichstelle unter der Decke gewesen sei, sie aber nicht angegeben habe, die Decke weggezogen zu haben.

Das Telefonat hat folgenden Wortlaut:

„KHK ...:

Ja, ähm, ich wollt ihm eigentlich auch von mir aus noch sagen, wir haben heute die Hunde weitereingesetzt. Ähm, die sind über die A ... in Richtung Norden bis kurz hinter ..., Autobahnkreuz ... gelaufen, da mußten wir aus Verkehrssachen oder verkehrstechnischen Sachen dann abbrechen!

Angeklagte:

Jaaa!

Angeklagte:

Ach da ist mein Mann grad am Telefon...

...

Angeklagte:

So, da bin ich wieder!

KHK ...:

Hervorragend! Also die sind äh munter Richtung ähm Ruhrgebiet gelaufen...

Angeklagte:

Ja?!

KHK ...:

...also bis hinter ...

Angeklagte:

Ja?!

KHK ...:

...und da haben wir jetzt abgebrochen, ähm, weil es doch ich sag mal ´nen bißchen spät wird dunkel!

...

Angeklagte:

Wahnsinn! Und vorm Tatort selber, da haben sich nun mal sehr viele Leute bewegt. Und da rieseln ja die Geruchsspuren dann auch in der Luft. Und wenn ich nur bedenke, wie hektisch und und und und voller Panik ich an meiner Schwiegermutter gerüttelt habe, ähm!

KHK ...:

Jaja, äh...

Angeklagte:

Da sind ja dann auch Geruchsspuren, die sich hinsetzen, absetzen.

KHK ...:

... ja, das kann, das kann durchaus sein, aber hier ging es speziell um ne Einstichstelle, also das wurde ähm ähm in der Einstichstelle selbst wurde die Geruchsspur genommen...

Angeklagte:

Hhmm

KHK ...:

---und ja- sie haben ja selbst in der Vernehmung angegeben...

Angeklagte:

Ja!?

KHK ...:

...die Decke haben Sie nicht weggezogen.

Angeklagte:

Nicht wäh, ne ganz weg gekriegt hab ich sie nicht, aber ich hab dran gerüttelt und geruckelt!

KHK ...:

Ja ist auch, das ist auch kein Problem, also weil die Geruchsspur ich sag mal an der Seite gewesen ist...

Schließlich telefonierte die Angeklagte am 08.02.2012, um 16:55 Uhr wiederum mit ihrem Ehemann und unterhielt sich mit ihm über das ihr mitgeteilte Ergebnis des Hundeeinsatzes. Zunächst thematisierte sie wieder den Schlüssel und merkte an, sie habe ja schließlich alle Schlüssel mal in der Hand gehabt. Dann kam sie auf das Thema der Einstichstelle zu sprechen. Um ihre Spuren an dieser Stelle zu erklären, gab sie ihrem Mann ... schließlich vor, sie sei an der Schwiegermutter dran gewesen. Sie habe wie wild an der Decke gerüttelt und versucht, die Schwiegermutter abzudecken und ihren Körper umfasst. In diesem Zusammenhang erwähnte ... ..., dass dies doch keine Rolle spiele, sie seien ja nie über ..., sondern immer über ... in Richtung ... auf die Autobahn gefahren. Beängstigt fragte die Angeklagte ihren Mann, ob er dies der Polizei gesagt habe, worauf er verneinte und die Angeklagte bemerkte, dies sei sonst auch fatal. Die Angeklagte erkannte, dass im Falle einer solchen Äußerung ihres Ehemannes ihre Geruchsspuren auf der genannten Strecke nur noch durch eine dem Ehemann unbekannte Fahrt erklärt werden könnte, d.h. die Fahrt in der Tatnacht.

Das Telefonat hat folgenden Wortlaut:

Angeklagte:

Ja. Weiß ich nicht, ob er dir mehr erzählt oder du wolltest doch noch andere Sachen fragen?

... ...:

Ne. Mir hat er nicht mehr erzählt, also äm ja wie gesagt die ham also zwei Spuren genommen.

Angeklagte:

Genau!

... ...:

Im Prinzip einmal die Einstichspur und einmal die vom Schlüssel und die ham beide auf die A ... über ... geführt...

Angeklagte:

Genau!

... ...:

...und dann eben aber Richtung ..., äm Würth, äm ne ja das war irgendwas Richtung ... Da ham se dann abgebrochen.

Angeklagte:

Genau! -Ja, geht in unsere Richtung ne.

... ...:

Das ist richtig. Aber ..., da brauchen wir uns keine Gedanken machen wenn die da von der, von der Stichwunde da ...

Angeklagte:

... Ganz ehrlich. Die sagen, äm diese Moleküle setzen sich ab. Ja? Und. da hab ich gesagt ... er meinte ja den Schlüssel hatten wir nie in der Hand, wir hatten ja den anderen. Ich sag Herr ... wir hatten alle Schlüssel...

... ...:

.. Ja.

Angeklagte:

..schon in der Hand. Und ganz ehrlich, wenn ich den so inner, inner Hand hab, Schwitzefingerchen oder was auch immer oder man hat ´n in der Hand, dann müßten ja auch deutlichere Geruchsspuren sein, als wenn jemand das mit Handschuhen anhatte, die n bißchen nach ihm riechen.

... ...:

Mhm.

Angeklagte:

Ne, so. Ja aber mit der Einstichstelle wär nich. Wenn sich die Dinger aber absetzten, ne. Ich habe wie wild an der Decke geruckelt. ich war vielleicht an deiner Mutter, ich weiß es nicht. Er sagte direkt: Ja, sie haben in der Vernehmung ja gesagt, dass sie die Decke nicht abgenommen haben.

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Ne.

... ...:

Das ist doch...

Angeklagte:

Ich habe die Decke nicht abgenommen ..., ich war aber zur genüge, ich hab se umgriffen. Ich war zur Genüge dran. Ich war zur Genüge dran. Und weißt du das noch genau. Am besten wollen se noch ne Zeichnung haben an welcher Stelle ich die Decke angefaßt hab oder was.

... ...:

Mhm, mhm.

Angeklagte: .

ich weiß das jetzt, ich weiß zum Beispiel nicht mal mehr: habe ich das Kissen auch angefaßt. Ich glaube ich hab auch das Kissen angefaßt ne.

... ...:

Mhm, mhm.

Angeklagte:

Ich weiß es nicht mehr. Müßte ich nachlesen was ich gesagt habe. Aber genauso wie ich nicht mehr wußte um den ... vorne rum, hintenrum, drüber, wo drüber, da oder da, das weiß ich doch auch nicht mehr.

... ...:

Mhm, mhm.

Angeklagte:

Ne. Und ich hab wie wild an der Decke geruckelt. Ich hab die nicht am Zipfel irgendwo gefaßt und versucht abzuziehen. Ich hab versucht sie abzudecken, ich hab die umfaßt. Und Geruchsmoleküle, ganz ehrlich, wenn die sagen an der Stelle. Gut, dann kann es ja auch an anderen Stellen bei ihr sein, aber was haben die denn alles. abgenommen, haben die das nur an der Stelle abgenommen? Jetzt sind sie verbrannt.

... ...:

Ja. ich kann, ich kann es dir nicht sagen, ich weiß es nich... -

Angeklagte:

Jetzt sind se verbrannt. Ne, es kann ja sein wenn es links und rechts, wenn es an etlichen Zentimetern bei ihr war, denn ist es auch an der Einstichstelle und nicht nur an der Einstichstelle.

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Aber haben sie an dem Rest denn auch die Spuren abgenommen? Ne wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich nur die Einstichstelle. Und so Moleküle, die setzen dann doch rein. Die setzen sich doch nicht drauf, die setzen sich doch richtig irgendwo ... Ich fühl mich da nicht wohl bei. Lieber war mir gewesen die wären Richtung ... gelaufen.

... ...:

Ja, das das kann ich mir vorstellen. Das muß ich ehrlich sagen.

Angeklagte:

Ja, jetzt wissen se nicht, ob se morgen nochmal los wollen.

... ...:

Ja, weiß ich. Ja.

Angeklagte:

Ne. Ich bin was das angeht ein Pessimist. Ich bin ja sonst wirklich ein Optimist, aber was das angeht bin ich ein Pessimist, ne. Dann sind die spätestens, wenn das in die Richtung, wenn das, wenn das von uns was ist, dann sind die am Freitag hier.¬

... ...:

..., aber jetzt mal andersrum gesagt, wir fahren, wir fahren ja nicht über ... auf die A... Wir fahren über ... und Richtung ... da. Also sonst wären die direkt daher gegangen ...

Angeklagte:

Ich weiß es nicht ...

... ...:

Doch das glaube schon. Das glaub ich schon.

Angeklagte:

Hast du dem gesagt, dass wir die Strecke nie gefahren sind?

... ...:

Nee. Hätte ich das machen müssen?

Angeklagte:

Ne, ne. Nich, das wär ja ganz fatal.

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Das wär ja ganz fatal.

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Aber wo ist denn, ich kenn die Strecke, was ist das denn über ...

... ...:

Die sind wir nie gefahren. Jedenfalls ich bin die immer nur gefahren, von, von wenn ich von... sag schnell, von ... gekommen bin ja. Vom ... oder so, oder von irgend ´ner Tagung am, sag ich ma .

Angeklagte:

Wo geht das denn her, von deinen Eltern ab?

... ...: .

Da fährst du nicht über die Bundesstraße, sondern fährst die äm, du weißt doch wenn wir von, von meinen Eltern in den Stadtwald gefahren sind. Die Brücke...

Angeklagte:

äm, ja, ja.

... ...:

Ja? So, da fährst du dann praktisch vor der Bundesstraße fährst du links und dann auf die Bundesstraße drauf, Richtung ... und dann fährst du unter so ´ner unter ´ner Brücke wieder durch, wo die Bundesstraße is´ die nach ... führt und fährst dann auf der andern Seite praktisch auf die Bundesstraße rauf, direkt den Berg hoch und, fährst dann...

Angeklagte:

Dat is´ mir schon wieder zu kompliziert, dat is´ mir schon wieder zu kompliziert. Die war´n auch in der Stadt ne, und da ham se gedacht das wär dann wohl wenns... in der Stadt wär´n wohl Spuren von deiner Mutter, die müßten se ausschließen.

... ...:

Mhm. (unverständliche Wörter)

Angeklagte:

Ich weiß es nicht, ich hab trotzdem irgendwie... Ich hab Angst Schatz.

... ...:

Ja kann ich mir vorstellen.

Angeklagte:

Mhm.

... ...:

Ja.. wat soll ich jetzt sagen Schatz?

...

Ja.. gar nichts. Dass du da bist für mich.

... ...:

Ja bin ich ja. Da brauchst du dir keine Gedanken machen. Da bin ich schon bei dir. Auf jeden Fall. Da bin ich. bei dir. Ja?

Angeklagte:

Ja. Ich weiß es nicht. Ich hab da so´n ungutes.., ich weiß es nicht ... ich hab so´n ungutes Gefühl.

... ...:

Mhm.

Angeklagte:

Und wenn du sagst, es wär nicht möglich, aber...

... ...:

Ne das ist auch nicht möglich. Weil da. sind wir nie hergefahren, da sind wir nie hergefahren...

Angeklagte:

Ja.

... ...:

Also ich... ich wüßte nicht wann wir zusammen denk ich mal auch da hergefahren sein könnten und ich bin äm, sag ich mal nicht mit´m Dacia gefahren, sondern wenn auch die andere, die andere... von der anderen Seite gekommen...

Angeklagte:

Ja der Dacia kann´s... der Dacia, das ham wir, können wir beweisen, dass der´s nicht gefahren ist. Der andere war in der Werkstatt. Aber trotzdem, aber was für Viecher. .. von so Viechern abhängig machen ...

... ...:

Ja gut, ja das ist natürlich richtig.

In einem weiteren Gespräch am 08.02.2012 um 17:57 Uhr teilte die Angeklagte ihrem Mann ... mit, sie seien doch schon über ... gefahren, worauf ... ... darauf beharrte, nie über diese Bundesstraße gefahren zu sein. Erneut brachte die Angeklagte sodann die Sprache auf die Decke und erklärte ihre Geruchsspuren nunmehr damit, an der Decke richtig zugepackt und die Schwiegermutter gespürt zu haben. Sie sei steif gewesen. Dies habe sie unter der Decke gespürt, weil sie drunter gegriffen oder das ganze Plumeau gehoben habe. Indessen entgegnete ... ..., sie sei auf keinen Fall unter der Decke gewesen; er habe das ja gesehen. Im weiteren Verlauf versuchte die Angeklagte ihrem Mann zu suggerieren, doch die Schwiegermutter angefasst und hierdurch Spuren hinterlassen zu haben, was er gesehen habe.

Das Telefonat hat folgenden Wortlaut:

(Nach Begrüßung und Gespräch über zwei Überstunden von ... ... ab Minute 00:36:)

„Angeklagte:

Hör mal Schatz, wir sind doch schon über ... gefahren.

... ...:

Wann denn?

Angeklagte:

Da hab : ich noch gesagt, ähm, da hatten, da haben wir Verwandte: Hab ich doch von erzählt, von. Tante ..., dass die. da wohnt: Natürlich, sind wir auch schon über ... gefahren.

... ...:

Ja, die. Autobahn A ... geht über ... und da hast du das erzählt, ...

Angeklagte:

Mhm.

... ...:

Ja, aber, nicht über diese Bundesstraße:

Angeklagte:

Ja, laß uns nicht am Telefon darüber reden ...

... ...:

A´ mach dir mal keinen Kopf.

Angeklagte:

Ne, aber weißt du was, mit der Wunde: Ich hab das eben versucht, mit ... nachzustellen: Ich hab ja an der Decke nicht gezupft (phon.). Herr ... sagt direkt, bei ihrer Vernehmung haben sie gesagt, sie haben die Decke nicht weggenommen: Und, das geht ja auch gar nicht.

... ...:

Ja:

Angeklagte:

Ich hab ja nicht.an der Decke gezupft, sondern ich hab ja richtig zugepackt, hysterisch. Und ich weiß, dass ich deine Mutter gespürt habe. Ich kann dir aber nicht sagen, hab ich sie gespürt, weil ich so halb unter die Decke gegriffen habe oder habe ich sie unter der dicken Decke gespürt: Aber ich habe die Steife gespürt. Bei deinem Vater habe ich es gemerkt, als ich das Händchen aufmachen wollte, und bei deiner Mutter habe ich auch die Steife gespürt und hab dann die Ausweglosigkeit... Das hab ich denen aber in der ersten Vernehmung und in der zweiten nicht erzählt. In der zweiten. haben se nach deiner Mutter nicht mehr gefragt. Da haben se ja nur noch ... , wars´ ja selbst dabei, ne?

... ...:

Ja, ja.

Angeklagte:

Mhm. Da haben se ja nur noch nach deinem Vater gefragt. Und da war das ganze hin und her. Und da hab ich ja auch gemerkt, irgendwas stimmt da nicht und hab das nicht verbessert, weil ich da kein Bock mehr zu hatte, das zu verbessern. Du bist hysterisch, du bist unter Schock, du bist ... ne?

... ...:

Ja.

Angeklagte:

So, und ich habe deine Mutter gespürt. Ich habe gemerkt, dass sie steif, ist. Hab ich das unter der Decke gespürt, weil ich drunter gegriffen oder weil ich den ganzen Plumeau so gehoben habe und dran gekommen bin und dann kommst du an die Seite.

... ...:

Also, ich muß dir ganz ehrlich sagen, ich hab das ja gesehen.. Du warst nicht unter der Decke. Auf keinen Fall. Da bin ich mir...

Angeklagte:

..., ... Das kannst du nicht sagen. Das kannst du nicht sagen. Du warst im Schock. Du bist hin und her gelaufen. Du hast ja nicht da gestanden, neben mir gestanden und zugeguckt.

... ...:

Na gut. Dat kann natürlich ein Moment gewesen sein...

Angeklagte:

So. Ich hab da rum hantiert. Ich weiß, dass ich rum hantiert hab, wie ne Verrückte. Ich weiß zum Beispiel jetzt nicht mehr. Hab ich das Kissen angefaßt oder nicht. Das weiß ich nicht mehr. Ich glaube ja. Ich weiß es aber nicht mehr. Ne! So, kannst du, kannst du aufs Leben oder auf irgendwas, auf die Gefahr hin, dass es für mich dann negativ war, beschwören, dass es so war und nicht anders?

... ...:

Also...

Angeklagte:

Kannst du auch nicht.

... ...:

Nein, ich kann lediglich sagen, das was ich gesehen habe, war, dass du an der Decke gefuhrwerkt hast, aber nicht drunter gegriffen hast. Das hab ich gesehen. (unverständlich)

Wat dazwischen vielleicht oder wo ich nicht geguckt habe oder wat da passiert is...

Angeklagte:

Ja, das sieht schon Scheiße aus

... ...:

Mh, ja, kann ich dir leider nicht sagen. .

Angeklagte:

Ja, Schatz

... ...:

Oh Mann oh Mannomann.

Angeklagte:

Ne?!

... ...:

Na ja, aber...

Angeklagte:

Wir sollten da morgen ganz genau drüber reden.

... ...:

Ja. Ich seh zu, dass ich morgen so schnell wie möglich da weg komme, ja?

Angeklagte:

Mhm. Wir sollten da morgen wirklich nochmal ganz genau drüber reden.

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Weil ich war hysterisch, aber du warst nicht hysterisch, aber, du stands´ unter Schock. Und ich war hysterisch und ich kann ihnen auf Brief und Siegel kann ich denen gar nichts schwören. Ich hab ja auch in der Vernehmung zu der Kommissarin gesagt, weil sie ja alles wissen wollte. Ich sag, ich weiß nicht mehr alles. Da wo sie Spuren von mir finden, bin ich auch gewesen.

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Und ich weiß, dass ich im Kopf habe, du hast Leichen angefaßt. Du mußt dir die Hände schrubben.

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Ich habe nicht gesagt, du hast eine Leiche angefaßt. Du hast Leichen angefaßt.

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Also hab ich deine Mutter doch angefaßt.

... ...:

Mh, Mh.

Angeklagte:

... ich weiß es nicht. Ich weiß, ich hab was Steifes gemerkt. Hab ich das Steife unter, der Decke oder bin ich doch... das war an der Seite.

Ne. Und wenn du ein Plumeau runternimmst, wie nimmst du denn ein Plumeau runter? Nimmst du das mit zwei Fingern in deiner Hysterie (teilweise unverständlich) oder greifst du zu. Ich hab´s mit ... grad nachgestellt. Einfach so jetzt wegnehmen Decke. Da greif ich zu.

... ...:

Ja, jaja klar.

Angeklagte:

Doch, das Kissen hat geklebt. Das Kissen hab ich angefaßt. Das hab ich gar nicht weggekriegt. Das hat geklebt.

In einem Telefongespräch am 27.02.2012 um 11:20 Uhr mit ... ... sprach die Angeklagte darüber, dass die durch die Zeugin ..., die sich auch weiterhin über das Internet über die Einsätze erkundigen sollte, von einem weiteren Mantrailer - Einsatz am 26.02.2012 erfahren hatte, bei dem Hunde in Tatortnähe auf einen unbefestigten Parkplatz, auf dem Glascontainer stehen, gelaufen seien. Sie meinte, wohl auch dort Spuren hinterlassen zu haben. Dies sei der Parkplatz, wo ihr "speiübel" geworden sei. Im weiteren Gespräch merkte ... ... an, dass die Angeklagte nicht auf dem besagten Parkplatz mit den Glascontainern gewesen sei, sondern auf einem anderen unbefestigten Parkplatz an dem Autohaus. Außerdem habe sie seine Mutter nicht angefasst und daher könnten es nicht ihre Spuren sein, die verfolgt würden. Die Angeklagte antwortete, sie wisse es nicht. Das Telefonat hat folgenden Wortlaut:

Angeklagte:

Ja, ähm, ... war eben drüben. Die Polizei ist wieder unterwegs seit gestern, sagt se.

... ...:

Ja, ja.

Angeklagte:

Und die haben irgendwo, wo ist denn da auf dem Weg zur Bundesstraße, wo sind denn da, äh, Altpapier od... oder oder Glascontainer? Ist das da beim Autohaus?

... ...:

Ja, da war ich ja mit m Auto.

Angeklagte:

Ja, da war ich da war, da war ich ja auch.

... ...:

Hm.

Angeklagte:

Und dazu haben se gesagt, jetzt, äh äh, fehlt im Dings, dass da vielleicht derjenige geparkt hat, weil da waren die Hunde nämlich auch und da sind wir doch gewesen, das erste Mal als wir am Haus waren, sind wir da doch hochspaziert. Und, äh, sind bis nur bis dahin gekommen. Da wurd´ mir doch so übel.

... ...:

Nee, da sind aber keine Papiercontainer. Da sind keine. Die sind, äh, wenn du aus m Haus, aus der Einfahrt raus...

Angeklagte:

Nee, Glas Glascontainer oder so was, müssen das sein.

... ...:

Sind da auch nicht. Links, links sind die. Und zwar, äh, das da sind Geruchsspuren ohne Ende, weil da war ich bestimmt zweihundert Mal, äh äh, Sachen meiner Eltern hinbringen, äh,...

Angeklagte:

Ja du, aber ich nicht.

... ...:

..., weißt du welche Spur die verfolgen?

Angeklagte:

Nee, weiß ich nicht.

... ...:

Ob das vielleicht Meine ist? Hör doch auf.

Angeklagte:

Ja, aber du warst ja nicht an deiner Mutter. Deine Mutter hab ich angefaßt unter Umständen. Und den Schlüssel auch. Den w, ich bin meist abends mit den Hunden gegangen. Da hab ich auch den Schlüssel angefaßt. Und nicht die Kinder.

... ...:

Ja also, dann kannst du es ja vergessen. Dann ist es deine Spur ja nicht, die da ist.

Angeklagte:

Ich weiß es nicht.

... ...:

Du warst nie an dem ...container.

Angeklagte:

Aber wo sind, wo sind denn Glascontainer?

... ...:

Da sind keine Glascontainer.

Angeklagte:

Das wär unbefestigte, unbefestigter Parkplatz. Da muß der gestanden haben

... ...:

Ja, das ist oben bei dem, das ist oben bei dem Autohaus.

Angeklagte:

Ja. Und da waren wir.

... ...:

Ist ja interessant.

Angeklagte:

Da waren wir. Wo ich mich hingehockt hab und gesagt hab: "Mir ist speiübel".

... ...:

Ja.

Angeklagte:

Da waren wir. Ne? Auf jeden Fall, ich weiß auch nicht, ob die das im Radio vielleicht nicht angeben, wenn wieder gesperrt ist. Wenn die immer nur kurzfristig mal sperren und blablabla. Im Radio ist nichts gesagt worden und uns hat ja auch keiner mehr Bescheid gesagt, aber seit gestern sind die wieder unterwegs.

Gegen 14:04 Uhr am 27.02.2012 teilte die Angeklagte ihrem Mann schließlich telefonisch mit, dass es ihr schlecht gehe und bat ihn, für sie erreichbar zu bleiben, da sie befürchte, dass die Polizei heute oder morgen bei ihr erscheinen werde, weil sie ungeschützt alles angefasst habe. Das Telefonat hat folgenden Wortlaut:

„[ab Minute 00:47: Die Angeklagte berichtet vergnügt von ihrem erfolgreichen Einsatz mit einem Tacker]

(ab Minute 01:42 unvermittelt:)

Angeklagte:

Ja, wär schön, wenn du heute erreichbar bleibst, weil, hör ma, wenn, dat sind, dat sind, dat unsere oder meine Spuren, wat die da verfolgen, echt.

... ...:

Nöö.

Angeklagte:

Überall da, wo ich war. Ne. Dann müßten die ja heute kommen oder morgen. Na, warten wir's ab.

... ...:

Mach dich nicht verrückt. Das hat damit, mit dir nichts zu tun.

Angeklagte:

Ja. Ich weiß es nicht. Ich hab alles angefaßt und ich verl..., ich lasse ungeschützt mehr Spuren als jemand der, äh äh, geschützt ist. Ja? Und, wenn der neue Handschuhe hatte, dann mag er die vielleicht irgendwo angefaßt haben, aber nicht grad an dem Fitzelchen, was deine Mutter berührt oder deinen Vater berührt hat oder wie auch immer. Also, das kannst du knicken. Das glaub ich nicht.

... ...:

Ach Schatz.

Angeklagte:

Das sind zu viele Zufälle. Ne. Ja, und jetzt bist du weg.

... ...:

Ja.

Als die Angeklagte über die Internetrecherche erfahren hatte, dass die Hunde über die BAB ... gelaufen waren und sich ihr damit näherten, suchte die Angeklagte bereits nach den Papieren hinsichtlich ihres PKW Dacia, um eine vorbereitete Legende der Polizei bei dem erwarteten Eintreffen präsentieren zu können. In einem am 28.02.2012 um 10:42 Uhr geführten Telefonat mit ... ... fragte sie ihren Mann, wo die Sachen von dem Auto mit dem Kilometerstand und der Inspektion abgeheftet seien. Das Telefonat hat folgenden Wortlaut:

Angeklagte:

Ja, hallo. Du, hör mal, wo hast du die Sachen von dem Auto abgeheftet? Wo wir den Kilometerstand aufgeschrieben haben und, ähm, auch die, äh, äh, Kilometer davor von der von der Inspektion. Wo ist das abgeheftet?

... ...:

Aahh, das war in der Kiste, müßte bei ... jetzt sein. Brauchst du das?

Angeklagte:

..., ja, das brauche ich, weil die sind auf der ...

... ...:

Nein, sind die nicht.

Angeklagte:

Doch sind die.

... ...:

Ich habe eben, ich habe eben mit dem, ähm, ... gesprochen.

Angeklagte:

Und im Internet ... Polizei ..., ... hat mir das gezeigt, steht, sie sind auf der ...

... ...:

Der hat mir heute morgen gesagt, er hätt´, sie hätten das abgebrochen, ja?

Angeklagte:

Hm.

... ...:

Und, ähm, würden jetzt im Bereich ... weitersuchen. Vielleicht ´n anderer. Ich weiß es nicht. Ich hab heute morgen mit ihm dies diesbezüglich besprochen.

5. Gesamtschau

Aufgrund einer Gesamtschau aller Beweisergebnisse ist die Kammer davon überzeugt, dass die Angeklagte ... und ... ... getötet hat.

a)

Die Angeklagte hatte die Gelegenheit, in der Tatnacht unbemerkt von ihrer Familie mit dem BMW 316I nach ... und zurück zu fahren. Das Fahrzeug wurde zu einer Zeit in ... gesehen, die eine anschließende Tatbegehung und die Rückfahrt nach ... sogar unter der Annahme erlaubt, die Angeklagte habe noch unterwegs oder in ... noch vor ihrer Begegnung mit der Zeugin ... in den frühen Morgenstunden oder noch vor einer Begegnung mit ihrer Tochter ... gegen 06:00 Uhr Tatwerkzeuge und –spuren beseitigt.

Entlastende Indizien sind nicht zutage getreten, insbesondere gibt es keinen Anhalt für die Annahme, ... ... oder eine dritte Person sei in die Tat verwickelt und habe den BMW in ... geführt.

Die Angeklagte hat schon am Donnerstag, dem 08.07.2011 – noch vor der offiziellen Entdeckung der Tat – versucht, den Nachbarn ... ... als Zeugen für eine Handverletzung zu gewinnen, von der sie zu diesem Zeitpunkt schon wusste, dass sie zu eigenen Blutspuren am Tatort geführt haben konnte.

Die Angeklagte hat zudem ein nicht nachvollziehbares Verhalten am Tatort gezeigt oder zumindest in ihrer zeugenschaftlichen Vernehmung durch die Polizei behauptet, das eventuell von ihr am Tatort gefundene Spuren - wie Fingerspuren, Haare oder Hautschuppen - hätte erklären und für die Tataufklärung wertlos machen können.

Dabei hat die Angeklagte zudem versucht, die sie befragende Zeugin ... nach Ermittlungsergebnisse hinsichtlich des linken Waschbeckens – in dem die Tatwaffe gereinigt worden war – auszufragen. Dies indiziert Täterwissen.

b) Schließlich hat die Angeklagte versucht, die Zeugin ... ... zu falschen Angaben gegenüber den Ermittlungsbeamten zu verleiten und ihrem Ehemann zu suggerieren, sie habe ... ... am 09.07.2011 unter der Bettdecke berührt und die Familie habe bereits eine Strecke von ... nach ... über ... und die B ... befahren. Zwar kann auch ein zu Unrecht Verdächtigter sich veranlasst sehen, die gegen ihn bestehende Verdachtslage durch Beeinflussung von Zeugen abzuschwächen. Vorliegend war der Angeklagten zum Zeitpunkt ihrer Manipulationsversuche aber noch kein gegen sie bestehender Tatverdacht eröffnet worden. Dennoch hat die Angeklagte nicht in Erwägung gezogen, dass sich Spuren einer anderen Person an der dem Einsatz der Suchhunde zugrunde gelegten Einstichstelle im Nachthemd von ... ... befinden könnten. Sie hat hinsichtlich des neben der Haustüre gefundenen Schlüssels zwar geäußert, dieser sei von den Mitgliedern ihrer Familie in der Vergangenheit berührt worden, jedoch wiederum nur sich allein als mögliches Ziel der Suchhunde angesehen. Ihre gegenüber dem Zeugen ... ... geäußerte Überzeugung – nicht nur Vermutung -, der „unbekannte Täter“ könne keinerlei Spuren hinterlassen haben, weil er einen Neoprenanzug getragen habe, indiziert Täterwissen der Angeklagten, sei es, dass sie selbst bei der Tat einen Neoprenanzug trug, oder sei es, dass sie als Einzeltäterin nur das Vorhandensein von Spuren einer anderen Person ausschließen konnte.

Vor dem Hintergrund der unter a) aufgeführten, schon die Überzeugung der Kammer von der Täterschaft der Angeklagten begründenden Indizien, kommt den vorstehend aufgeführten Indizien aus dem Nachtatverhalten der Angeklagten eine noch verstärkende Wirkung zu.

E. Innere Tatseite

1. Vorsatz

Dass die Angeklagte mit direktem Tötungsvorsatz gehandelt hat, folgt zur Überzeugung der Kammer schon aus der Anzahl der von ihr gegen beide Opfer geführten Stiche oder Hiebe und der Schnelligkeit der Tatausführung. Diese ergibt sich daraus, dass bei ... ... keine eindeutige Abwehrverletzung und bei ... ... nur wenige Abwehrverletzungen vorlagen.

2. Tatmotiv

Die Kammer hat bei der Suche nach dem Motiv der Angeklagten zwar Hinweise auf ein zumindest zeitweise gespanntes Verhältnis der Angeklagte zu ... ... gefunden, jedoch keine Anzeichen für ein tiefgreifendes Zerwürfnis und auch keine Anzeichen für Spannungen zwischen der Angeklagten und ... ... Ein in dem persönlichen Verhältnis der Angeklagten zu den Opfern liegendes Motiv konnte daher nicht festgestellt werden.

Die Kammer ist daher davon überzeugt, dass das Tatmotiv der Angeklagten bei beiden Opfern in den Folgen der Tat für die Lebensverhältnisse der Angeklagten selbst begründet ist.

Unmittelbare Folge der Tat war der Erbfall. Ausweislich des am 22.07.2011 vom Nachlaßgericht eröffneten Testamentes von ... und ... ..., datierend vom 05.01.1980, haben sich beide gegenseitig zu Erben eingesetzt und bestimmt, dass ihr Sohn Erbe des Längstlebenden sein soll. Unabhängig davon, welcher von beiden in der Nacht vom 07. auf den 08.07.2011 als letzter verstarb, ist demnach ... ..., der einzige Sohn der Getöteten, deren Alleinerbe geworden, wovon die Angeklagte schon seit Jahren fest ausgegangen war.

Hierüber hat das Nachlaßgericht am 22.07.2011 einen Erbschein erteilt. Dieser und das Testament sind ebenso wie Grundbuchauszüge Erbschaftsteuererklärungen und Erbschaftsteuerbescheide im Selbstleseverfahren in das Verfahren eingeführt worden.

Demnach hat ... ... von den Getöteten die Anwesen ... ..., ... Weg ..., Im ... ...-... und von ... ... einen hälftigen Eigentumsanteil an dem Anwesen ... ..., jeweils in ..., geerbt. Von jeweils beiden Eltern erbte ... ... weiter Fondanteile und Bankguthaben, außerdem war ... ... Begünstigter von Lebensversicherungen des ... ... im Wert von ca. 26.700 EUR.

Der Wert des Erwerbs vor Steuern betrug bei ... ... ca. 674.000 EUR, bei ... ... 452.000 EUR. Hinzu kommt noch ein Guthaben bei einer Bank in der ... in Höhe von ca. 189.000 EUR vor möglicherweise nachzuentrichtenden Kapitalertragssteuern und Erbschaftssteuern.

Demgegenüber stellte sich die finanzielle Situation der Familie der Angeklagten nicht nur in den letzten Jahren sondern auch zur Tatzeit sehr angespannt dar. Bis zum Herbst des Jahres 2010 befand sich der Ehemann der Angeklagten und Hauptverdiener der Familie durch seine Selbständigkeit in einer ungesicherten finanziellen Situation. Ab der anschließenden Festanstellung bei der ... Versicherung erhielt er zwar ein regelmäßiges Einkommen, dessen Höhe aber in Abhängigkeit von Provisionszahlungen variierte.

Die Angeklagte selbst erzielte durch eine Aushilfstätigkeit in der Buchhandlung ... in ..., bestätigt durch die Zeugin ..., allenfalls monatliche Einkünfte in Höhe von 400 EUR. Aus einem überwachten Telefonat am 19.09.2011 ab 09:58 Uhr (Leitzordner Relevante Gespräche Festnetz ..., Bl. 39) zwischen der Angeklagten und einer Angestellten der Sparkasse ... ergibt sich, dass die Angeklagte ihre Tätigkeit im Vertrieb von Diätprodukten des Unternehmens ... zu diesem Zeitpunkt aufgegeben hatte und ein als Geschäftskonto geführtes Konto durch eine offenbar monatlich stattfindende Abbuchung des Unternehmens mit einem Betrag von ca. 200 EUR ins Soll geraten war. Erkennbar war diese Tätigkeit nicht so lukrativ, dass die Angeklagte sie nach dem Erbfall ihres Ehemannes hätte fortführen wollen, die Einkünfte können daher nicht wesentlich über dem monatlich von ihr geforderten Betrag von 200 EUR gelegen haben.

Nach den im Selbstleseverfahren eingeführten Auskünfte der Sparkasse ..., der Volksbank ... eG, der ... Volksbank, der Bausparkasse ... ... aG, der ... Bank und des ... Investmentfonds hatte ... ... Mitte Juli 2011 offene Darlehensschulden in Höhe von ca. 89.000 EUR, denen Guthaben (Fondsanteile, gemeinsam mit der Angeklagten; Bausparguthaben; Geschäftsanteile und positive Kontensalden) in Höhe von ca. 24.800 EUR gegenüberstanden. Während auf einem ihm und der Angeklagten zustehenden Kontokorrentkonto bei der Volksbank ... ein Guthaben in Höhe von 2.483,28 bestand, betrug der Sollsaldo auf einem Kontokorrentkonto ... ...s bei der Deutschen Bank 7.688,64 EUR. Dort war am 22.06.2011 auch die letzte Gehaltszahlung der ... AG mit 2.046,44 EUR eingegangen.

Der Saldo der beiden Kontokorrentkonten bei der Volksbank ... und der ... Bank betrug demnach ca. -5.200 EUR.

Nach den Bekundungen des Zeugen KHK ..., der die finanziellen Verhältnisse der Getöteten wie auch der Angeklagten untersucht hat, führte ... ... eine Aufstellung über stetige Unterstützungsleistungen an ... ... die von 2007 bis in Jahr 2011 reichte und aus der sich eine Gesamtsumme der Unterstützungsleistungen von ca. 120.000 EUR ergab. Daneben fanden sich Unterlagen über von ... ... an ... ... gewährte zinslose Darlehen in Höhe von insgesamt ca. 47.500 EUR.

Bei einer Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben der Familie der Angeklagten und ... ...s im ersten Halbjahr 2011 hat sich nach den Ausführungen des Zeugen ... eine Unterdeckung zwischen 6.000 und 7.000 EUR ergeben.

Die angespannte finanzielle Lage der Familie der Angeklagten – und zugleich der durch den Erbfall eingetretene Wechsel - zeigt sich auch darin, dass die Angeklagte in einem am 07.10.2011 ab 20:11 Uhr mit der Zeugin ... ... geführten Telefonat erklärte, sie sei im Streß, sie hätten jetzt mit dem Renovieren angefangen, ... Zimmer bekomme noch die Decke, dann könne sie dort tapezieren, dann gehe es direkt weiter mit ... Zimmer, dann unten das neu Schlafzimmer, da helfe eine Firma mit, Decken erneuern, Rollladenkästen isolieren, Heizkörper erneuern, Tapezieren, Böden rein, anschließend werde das Wohnzimmer ausgeräumt, Decken und Boden herausgerissen, eine Wand durchbrochen, alles isolieren; sie hätten im März anfangen und bis Weihnachten fertig sein wollen, „aber das ging ja alles gar nicht, jetzt haben wir aber eine Firma engagiert“, wenn alles gut laufe, sei Anfang November ihre letzte Tapezieraktion. Sie hätten auch neue Möbel für das Wohnzimmer bestellt und sie habe noch Möbel von ...s Eltern zu bearbeiten und zu lackieren. (Leitzordner Relevante Gespräche Festnetz ..., Bl. 51).

In einem Telefongespräch am 13.11.2011 ab 16:40 Uhr mit ... ... erwähnte die Angeklagte dann, die Renovierungsarbeiten, die sie hätten seit März liegenlassen, hätten sie jetzt innerhalb von zwei Wochen gemacht, viel selber aber für Decken und den Wanddurchbruch hätten sie eine Firma gehabt (Leitzordner Relevante Gespräche Festnetz ..., Bl. 77). Durch diese Telefonate wird wiederum die Bekundung der Zeugin ... ... bestätigt, die angegeben hat, die Angeklagte habe ihr im ersten Halbjahr 2011 erklärt, zu den geplanten umfangreichen Renovierungsarbeiten derzeit finanziell nicht in der Lage zu sein.

Die Renovierungsarbeiten werden auch in einem Telefonat zwischen ... ... und ihrer Freundin ... am 08.11.2011 ab 15:51 Uhr thematisiert, Im Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung zwischen der Angeklagten und ... ... über die Größe eines von ... ... ausgesuchten Fernsehgeräts, der bei den Renovierungsarbeiten nichts habe entscheiden dürfen, teilt ... ... ihrer Freundin mit, die Angeklagte habe sich zu Weihnachten ein neues Auto, einen Nissan Pathfinder mit Schiebedach gewünscht (Leitzordner Relevante Gespräche Festnetz ..., Bl. 72).

Dass die Wünsche der Angeklagten erst nach dem Erbfall verwirklicht werden konnten und die finanzielle Lage der Familie sogar kritisch war, geht schließlich aus einem von ... ... mit dem Kollegen ... ... bei der ... AG am 07.03.2012 ab 19:42 geführten Telefonat hervor, in dem ... ... im Zusammenhang mit seinen finanziellen Verpflichtungen sagt:

„Ich hab ja auch ein Riesenrad da zu drehen, ich hab drei Kinder, ähm, die, die eine will jetzt ´en Auto haben, ähm, meine Frau arbeitet ja auch nur auf 250 EUR-Basis, ja, ne, die wird da ja auch nur verarscht, aber ihr macht der Job halt Spaß. Ich hab gesagt, mach doch wat de willst, wenn es dir Spaß macht, meinetwegen, aber Geld bringt das nicht, was du da machst. Das bringt dir auch für´s Alter nix, gar nix bringt dir das. Außer dass du da sitzt und Bücher lesen kannst, ja. Die arbeitet in ´ner Buchhandlung, ja. Die kommt noch nicht mal auf 400 EUR. Weil a) die Stundenzahl nicht gebraucht werden, ja. Der hat lieber vier Aushilfskräfte, die auf 200 EUR arbeiten, als zwei, die auf 400 EUR arbeiten, der Vollidiot, ja. Da könnt´ ich auch schon platzen bei, ja. Und hat hier gesagt, auf 400 EUR-Basis zu arbeiten ist überhaupt kein Problem, ja klar ist das kein Problem, der braucht ja auch nur 200 EUR zu zahlen der Idiot. Ja, so, ähm, ... Ich sach dir ganz ehrlich, wenn meine Eltern nicht verstorben wären, würd ich auch alt aussehen. Da könnt´ ich nachts nicht mehr schlafen.“

Die Kammer ist daher davon überzeugt, dass die Angeklagte ihre Schwiegereltern tötete, damit ihr Ehemann erben und mit dem Erbe ihre Wünsche nach einer Verbesserung und Sicherung ihres Lebensstandards erfüllen konnte. Das darin liegende rücksichtslose Streben nach Gewinn um jeden Preis erfüllt das Mordmerkmal der Habgier, das bei der Angeklagten auch tatbeherrschend war.

IV.

Der Angeklagte hat sich daher wie im Urteilstenor dargestellt schuldig gemacht.

Aufgrund des nächtlichen, heimlichen Eindringens in das Anwesen der Opfer, sowie aufgrund des für den von der Toilette kommenden ... ..., der bereits seine Brille abgesetzt hatte, um wieder ins Bett zu gehen, nicht vorhersehbaren Angriffs liegt es auf der Hand, dass die Angeklagte, die diese Umstände bewusst herbeigeführt hatte, die Arg- und Wehrlosigkeit von ... ... nicht nur erkannte, sondern auch ausnutzen wollte und damit heimtückisch handelte.

Bei ... ..., die sich vor dem gegen sich gerichteten Angriff bereits im Bett aufgesetzt hatte, kann die Kammer nicht davon ausgehen, dass sie beim Beginn der ersten gegen ihr Leben und ihre körperliche Unversehrtheit gerichteten Handlung der Angeklagten sich noch keines solchen Angriffs versah, so dass die Kammer bei der Tat zu ihrem Nachteil anders als bei ... ... das Mordmerkmal der Heimtücke nicht feststellt.

Bei beiden Opfern hat die Angeklagte jedoch das Mordmerkmal der Habgier verwirklicht.

Beide Taten stehen zueinander im Verhältnis der Tatmehrheit.

V.

Die Schuldfähigkeit der Angeklagten war zur Tatzeit weder ausgeschlossen (§ 20 StGB) noch erheblich beeinträchtigt (§ 21 StGB).

Die Kammer folgt diesbezüglich den überzeugenden Ausführungen des Facharztes Dr. ..., der die Angeklagte am 03. Mai 2013, am 10. Mai 2013 und am 16. Mai 2013 in der Justizvollzugsanstalt ... in Explorationsgesprächen – auch testpsychologisch – untersucht hat, die Ergebnisse einer Kernspintomographie des Schädels nativ und mit Kontrastmittel am 09.01.2013, eines EEG und einer Urinkontrolle vom 01.12.2012 auf Drogen, sowie die gesamten Verfahrensakten sowie die Patientenakte der Justizvollzugsanstalt ... ausgewertet und die Erkenntnisse aus der Hauptverhandlung verwertet hat.

a)

Der Sachverständige hat überzeugend ausgeführt, dass bei der Angeklagten keine Anhaltspunkte für eine zum Zeitpunkt der Explorationsgespräche bestehende psychische Erkrankung aufweisbar gewesen sind. So war bei ihr kein Anhaltspunkt für eine organisch-psychische Störung gegeben, diesbezüglich sei sie im Sinne der ICD-10: F0 vollkommen unauffällig gewesen. Bei ihr habe keinerlei Anhaltspunkt für kognitive Beeinträchtigungen oder mnestische Störungen bestanden. Auch die Kernspintomographie des Schädels sowie ein Elektroencephalogramm (EEG) seien unauffällig gewesen. Weiterhin habe sie keinerlei Brückensymptome für psychische oder Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (ICD-10: F1) geboten. Bei der Angeklagten habe niemals ein Drogenkonsum bis auf das einmalige Ziehen an einer Haschischzigarette in der Jugend bestanden. Sie habe nach ihren Angaben in ihrem gesamten Leben niemals Probleme mit Alkohol oder mit anderen Suchtphänomenen gehabt. Es seien keinerlei Brückensymptome für eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis, für eine schizotype oder wahnhafte Störung gegeben. Diesbezüglich sei die Angeklagte vollkommen unauffällig gewesen. Sie habe in ihrem Leben niemals Wahnphänomene oder halluzinatorisches Erleben aufgewiesen, auch keine Brückensymptome für neurotisches Erleben oder für Belastungsstörungen. Die Angeklagte habe zeitweise Anpassungsstörungen bedingt durch den Aufenthalt in der Untersuchungshaft vor allen Dingen um die Weihnachtszeit 2012 herum aufgewiesen. Allerdings sei dies erklärbar gewesen durch den ungewohnten und belastenden Zustand der Inhaftierung. Dies habe zu einer Vorstellung bei der von der Justizvollzugsanstalt konsiliarärztlich hinzugezogen Ärztin für Psychiatrie Dr. ...-... geführt. Gegen die Ängste und Schlafstörungen habe die Angeklagten das Präparat Opipramol (Insidon) erhalten, welches bei ihr anxiolytisch (angstlösend) gewirkt habe. Die Angeklagte habe die Wirkung und die Besserung ihrer Symptomatik bestätigt. Bei ihr sei es in der Vergangenheit niemals zu Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen gekommen, wie etwa schwerwiegende Essstörungen (ICD-10: F5). Bei der Angeklagten sei weiterhin kein Anhaltspunkt für eine Persönlichkeits-und Verhaltensstörung im Sinne der ICD-10: F6 gegeben. Eine Persönlichkeitsstörung sei bei ihr bereits deshalb nicht zu diagnostizieren, da hierfür die allgemeinen Kriterien der ICD-10 nicht vorlägen.

b)

Soweit die Angeklagte allerdings bis zu ihrem 12. Lebensjahr eine durch den Vater beschwerte Kindheit schilderte, habe im weiteren Lebenslauf nicht zu einer schwerwiegenden Störung der Impulskontrolle und nicht zu weitergehenden kognitiven Beeinträchtigungen geführt. Außerdem sei sie in der Lage gewesen, ihr gesamtes Leben gut zu bewältigen. Zwar habe die Angeklagte das Studium nicht abgeschlossen, jedoch vermocht, andere Aufgaben für sich selbst zu finden. Insbesondere habe dies das Familienmanagement und die Betreuung ihrer drei Töchter betroffen. Sie sei außerdem in der Lage gewesen, ihren Ehemann bei Schreibarbeiten zu unterstützen, für die Familie zu planen und wirtschaftlich zu handeln, indem sie ein Haus zum Vorteil der Familie weiterverkaufte. Aus diesem Grund ergäben sich bei der Angeklagten keinerlei Brückensymptome für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung im Sinne der ICD-1 0: F60. Was die von ihr angegebene depressive Symptomatik in der Vergangenheit angehe, so wäre bei Zugrundelegung ihrer Angaben, die der Sachverständige allerdings nicht durch externe Befunde habe verifizieren können, von sonstigen depressiven Episoden (ICD-10: F32.8) zu sprechen.

Lege man die Schilderungen der Angeklagten isoliert zugrunde, so hätte es sich um eine sonstige rezidivierende depressive Störung gehandelt, die sich bei ihr beginnend von der Kindheit knapp vor dem Jugendlichenalter erstmals manifestiert hätte und sich während des gesamten Lebensverlaufes reproduziert hätte, ohne dass sie sich professionelle Hilfe geholt hätte, obwohl die Angeklagte eher eine durchschlagskräftige Person sei, was sich insbesondere in den in der Hauptverhandlung in Augenschein genommen Telefonaten der Angeklagten gezeigt habe, wo die Angeklagte unabhängig vom Gesprächspartner stets bestimmend und oft gesprächsleitend aufgetreten sei.

Sie habe angegeben, dass ihr diese seelischen Zustände eigentlich nicht in ihrem Ausmaß bewusst gewesen seien, beziehungsweise sie habe erst während der Zeit in der Justizvollzugsanstalt realisiert, dass sie in der Vergangenheit zu den entsprechenden Zeiten hilfebedürftig gewesen wäre. Bei der Angeklagten wäre – ihre Angaben als wahr unterstellt - dennoch kein Zustand aufweisbar gewesen, der so schwerwiegend gewesen wäre, dass bei ihr Diagnosen wie leichte, mittelgradige oder schwere depressive Episoden im Sinne einer affektiven Erkrankung wie eine manisch-depressive Erkrankung oder eine endogene Melancholie festzustellen gewesen wären.

Bei sonstigen rezidivierenden depressiven Störungen handele es sich gemäß ICD-10 um eine "Restkategorie" , worunter vor allen Dingen sogenannte Mischbilder von depressiven Symptomen, die mit Ängsten, Anspannung, Verzweiflung und mit einer Mischung somatisch depressiver Symptome einhergehen, beschrieben werden. Diese depressiven Symptome wären nicht so schwerwiegend gewesen, dass die Angeklagte gehemmt gewesen wäre, ihren eigenen Pkw zu fahren. Auf dieser Basis wäre es zwar aus psychiatrischer Sicht nachvollziehbar, dass die Umwelt bzw. die Angehörigen der Angeklagten diese depressiven Phasen nicht bemerkt hätten. Die Frage, ob ein solcher Zustand am 07. Juli 2011 gegeben gewesen sei, könne ein Sachverständiger bezogen auf das konkrete Datum aber nicht klären.

c)

Würde aus psychiatrischer Sicht alternativ der Fall betrachtet, dass die Angeklagte die angeklagte Tat begangen hätte, so sei dann aus psychiatrischer Sicht der mutmaßliche Tatzeitpunkt zu betrachten, vor allen Dingen wie sich die psychische Situation der Angeklagten dann dargestellt haben könnte. Hierzu bleibe anzumerken, dass sich in diesem Fall bei der Angeklagten keinerlei Brückensymptome für das forensisch-psychiatrische Eingangsmerkmal einer krankhaften seelischen Störung ergeben würden. Bei ihr seien keine Anhaltspunkte für eine krankhafte seelische Störung erkennbar, kein Brückensymptom für eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis oder für eine organische Persönlichkeitsstörung. Die weiter oben erwähnte sonstige rezidivierende depressive Störung im Sinne der ICD-1 0: F33.8 wäre im Falle eines solchen Geschehensablaufes nicht relevant gewesen, da die Angeklagte nicht suizidal gewesen wäre und es zu einem anderen Handlungsablauf gekommen wäre, als sie es im Gespräch mit dem Sachverständigen dargestellt habe. Aus diesem Grund ergäben sich keinerlei Anhaltspunkte für das Eingangsmerkmal einer krankhaften seelischen Störung. Bei der Angeklagten, obwohl sie nicht zeitnah untersucht worden wäre, hätten sich zumindest auf der Basis ihrer eigenen Angaben keinerlei Brückensymptome bezogen auf ihren gesamten Lebenslauf für eine Alkohol-oder Drogenabhängigkeit ergeben, so dass das Eingangskriterium einer vorübergehenden krankhaften seelischen Störung ausscheiden würde. Im Gespräch mit dem Sachverständigen habe die Angeklagten eine Alkoholisierung im Monat Juli 2011 verneint. Würde man den mutmaßlichen Tatablauf unterstellen, wie er in den Aktenunterlagen in der Anklageschrift zum Tragen kommt, so hätte es sich um ein geplantes und ein zielgerichtetes Handeln gehandelt. Es wäre zu einem Tatablauf in verschiedenen Etappen gekommen. Dabei wäre offensichtlich keine Konstellation eines Affektdeliktes gegeben gewesen, so dass das Eingangsmerkmal einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung ausscheide. Ebenfalls bleibe anzumerken, dass die Angeklagte von einer mindestens durchschnittlichen Intelligenz sei, so dass das Eingangsmerkmal des Schwachsinns nicht zu diskutieren sei. Bei der Angeklagten liegt keine schwere, die Zeit überdauernde Persönlichkeitsstörung vor, so dass sich keinerlei Anhaltspunkte für das Eingangskriterium der schweren anderen seelischen Abartigkeit ergäben. Aus psychiatrischer Sicht ergeben sich im Falle einer Unterstellung des Inhaltes der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Koblenz keinerlei Brückensymptome dahingehend, dass eines der vier Eingangsmerkmale im Sinne des § 20 StGB belegen könnte.

d)

Die Kammer macht sich diese überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen zu eigen.

Anhaltspunkte für eine affektive Aufgeladenheit, eine Alkoholisierung oder gar eine Drogenintoxikation der Angeklagten zur Tatzeit hat die Beweisaufnahme auch nach der Erstattung des Gutachtens durch den Sachverständigen Dr. ... nicht mehr ergeben.

VI.

Gegen die Angeklagte waren zwei Einzelstrafen zu verhängen, die jeweils § 211 StGB zu entnehmen waren.

Für Mord sieht § 211 Abs. 1 StGB als absolute Strafe lebenslange Freiheitsstrafe vor. Gründe für eine Strafrahmenmilderung – nach §§ 21, 49 StGB oder der sog. Rechtsfolgenlösung (BGHSt. 30, 105) – haben sich aus der Hauptverhandlung nicht ergeben.

Aus beiden verhängten Einzelstrafen war nach § 53 StGB eine Gesamtstrafe zu bilden. Gemäß § 54 Abs. 1 S. 1 StGB war auf

lebenslange Freiheitsstrafe

als Gesamtstrafe zu erkennen.

VII.

Unter zusammenfassender Würdigung der einzelnen Straftaten (§ 57b StGB) war zugleich darüber zu entscheiden, ob eine besondere Schwere der Schuld im Sinne von § 57 a Abs. 1 Nr. 2 StGB vorliegt. Die Kammer hat dies aufgrund einer zusammenfassenden Würdigung von Tat und Täterpersönlichkeit unter Abwägung der für und gegen die Angeklagte sprechenden Gesichtspunkte bejaht.

Es liegen schulderschwerende Umstände vor, die von besonderem Gewicht sind:

Die Angeklagte hat zwei rechtlich selbständige Verbrechen des Mordes begangen. In dem Fall des getöteten ... ... hat die Angeklagte zwei Mordmerkmale (Heimtücke und Habgier) verwirklicht.

Dem steht schuldmindernd nur gegenüber, dass die Angeklagte nicht vorbestraft ist.

VIII.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 465 StPO.