VGH Baden-Württemberg, Beschluss vom 06.03.1998 - 8 S 1338/97
Fundstelle
openJur 2013, 10720
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1. Auch wenn bei einer Änderungs- und Erweiterungsplanung eines Sportzentrums eine Verminderung der Lärmbelastung für die Umgebung prognostiziert wird, ist ein Anwohner dann antragsbefugt, wenn er die tatsächlichen und rechtlichen Annahmen des der Abwägung zugrunde gelegten Schallgutachtens in Frage stellt (Abgrenzung zu VGH Baden-Württemberg, Normenkontrollbeschluß v 14.05.1997 - 3 S 1682/96).

Tatbestand

I.

Der Antragsteller wendet sich gegen die am 12.3.1996 beschlossene Änderung und Erweiterung des Sportzentrums "M." der Antragsgegnerin um einen Hartplatz, zwei Tennisplätze, einen Kinderspielplatz und Stellplatzflächen. Die am südwestlichen Rand des Siedlungsbereichs der Antragsgegnerin zwischen dem S.-bächle im Süden und dem K.-weg im Norden sowie dem M.-weg bzw. dem Freibadgelände im Osten gelegene Sportanlage besteht bisher aus einem Sportplatz mit Stehtribüne und Laufbahn sowie vier Tennisplätzen und zwei Sportheimen. Zwischen den Sportstätten und dem K.-weg befinden sich 38 Stellplätze (22 östlich des Fußballvereinsheims und 16 nördlich der Tennisplätze).

Der Antragsteller ist Eigentümer des Wohngrundstücks B.-weg 20, das auf dem nördlich des K.-wegs ansteigenden Hang etwa 22 m höher als der Sportplatz im Geltungsbereich des Bebauungsplans "Änderung und Erweiterung II Eichhalde" v. 8.6.1993 liegt, der das Gebiet zwischen K.-weg und B. Straße als allgemeines Wohngebiet ausweist. Das Wohnhaus ist vom Sportplatz etwa 100 m, von dessen Tribüne etwa 80 m und von den daran sich anschließenden Stellplätzen etwa 70 m entfernt. Der Abstand zu den Tennisplätzen bzw. der diesen vorgelagerten Stellplatzreihe beträgt etwa 110 bzw. 100 m.

Die angefochtene Änderungs- und Erweiterungsplanung sieht vor, südwestlich der bestehenden Tennisplätze und des Stadions einen etwa 96 x 64 m großen Hartplatz anzulegen, der nach der Planbegründung zu einer günstigeren Verteilung von Sportveranstaltungen und einer Verlagerung von Geräuschbelästigungen in einen größeren Abstand zum Wohngebiet "Eichhalde" führen soll. Ferner ist im nördlichen Anschluß an diesen Hartplatz, westlich der bestehenden Tennisplätze der Bau zweier weiterer Tennisplätze vorgesehen, denen nach Norden, zum etwa 60 m entfernten K.-weg hin ein Kinderspielplatz und Wiesenflächen vorgelagert sein sollen. Die bisherige Stellplatzreihe nördlich der Tennisplätze soll entfallen, statt dessen ist vorgesehen, südwestlich des Kinderspielplatzes und westlich der neuen Tennisplätze 56 PKW-Stellplätze anzulegen. Die Stellplatzreihe östlich des Sportheims 1 soll erhalten bleiben. Auf der Ostseite des M.-weges ist in seinem Einmündungsbereich in den K.-weg die Anlegung von weiteren 102 PKW-Stellplätzen geplant, die der Entlastung der Straßen vom ruhenden Verkehr dienen sollen.

Zur Untersuchung der voraussichtlich von dem Sportzentrum ausgehenden und in der angrenzenden Nachbarschaft zu erwartenden Schallimmissionen ließ die Antragsgegnerin durch das Ingenieurbüro Dr. Schäcke + Bayer GmbH eine Schallimmissionsprognose erstellen. Diese kam zu dem Ergebnis, daß durch die neuen Parkflächen und die damit verbundene Entlastung der Parkbereiche im K.-weg sowie die Verschiebung der Fußballaktivitäten während der Ruhezeiten auf den Hartplatz teilweise deutlich geringere Beurteilungspegel (Verringerungen bis zu 5 dB) zu erwarten seien. Die Immissionsrichtwerte der Sportanlagenlärmschutzverordnung (18. BImSchV) für allgemeine Wohngebiete würden eingehalten. In einer ergänzenden, die Schallreflexionen vom Wald südlich des Sportzentrums mit einbeziehenden Untersuchung stellten die Gutachter fest, daß sich bei einer energetischen Addierung der direkt einwirkenden Geräusche und der Reflexionen die Maximalpegel nur geringfügig (deutlich unter 0,5 dB) erhöhten und deshalb die Immissionsprognose auch unter Berücksichtigung der Reflexionen ihre Gültigkeit behalte.

Am 1.9.1995 (ergänzt am 14.2.1996) schloß die Antragsgegnerin mit dem TSV Rudersberg eine Zusatzvereinbarung zu bereits bestehenden Verträgen (v. 21.12.1988 und 20.4.1989), in der die Nutzungszeiten der Sportanlagen sowie die Nutzungszwecke der beiden Sportheime festgelegt wurde. Der Inhalt der Vereinbarung wird nachrichtlich in den textlichen Festsetzungen des Bebauungsplans wiedergegeben.

Der Antragsteller, der sich bereits zuvor zusammen mit anderen Anwohnern der Eichhalde gegen die Änderungsplanung ausgesprochen hatte, ließ mit Schriftsatz seiner Prozeßbevollmächtigten v. 13.10.1995 vortragen: Die Planung stehe nicht im Einklang mit der 18. BImSchV. Es sei davon auszugehen, daß deren Werte überschritten würden. Das im Auftrag der Gemeinde erstellte Gutachten basiere auf einer unzureichenden Tatsachenermittlung, weil der Abstand zwischen dem Sportzentrum und dem reflektierenden Waldrand nur geschätzt worden sei. Ferner habe das Zusatzgutachten die von den Tennisanlagen und den Parkplätzen ausgehenden Immissionen nicht berücksichtigt. Die Gutachter hätten ferner übersehen, daß der Sportplatz auch von nicht organisiert spielenden Jugendlichen - in erster Linie während der Ruhezeiten - in Anspruch genommen werde. Schließlich sei der Lärm unberücksichtigt geblieben, der - allerdings schon bisher - von Freizeitaktivitäten in und bei den Vereinsheimen ausgehe. Schließlich weise das Gutachten selbst erhebliche Überschreitungen der Immissionsrichtwerte vor allem während der Ruhezeiten aus.

Das Bauverwaltungsamt der Antragsgegnerin nahm dazu wie folgt Stellung: Das um die Reflexionsbetrachtung erweiterte Gutachten stütze sich in keiner Weise auf unzutreffende Tatsachenermittlungen. Es gehe davon aus, daß der Waldrand von dem geplanten Hartplatz 80 m und von dem bestehenden Rasensportplatz 140 m entfernt sei. Aus einer von einem zugelassenen Ingenieur- und Vermessungsbüro erstellten Flurkarte M 1:2500 v. 19.10.1995 gehe dagegen hervor, daß die Abstände tatsächlich um etwa 15 bzw. 25 m größer seien, was sich positiv auf die durchgeführten Berechnungen auswirken müsse. Die von den Tennisanlagen und den Parkplätzen ausgehenden Immissionen seien (im Hauptgutachten) sehr wohl berücksichtigt worden. Durch den Abschluß der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung mit dem Sportverein sei die zeitliche Benutzung der Sportanlagen und der Sportheime eindeutig begrenzt worden. Alternativen für die Änderungsplanung gebe es nicht.

Dieser Stellungnahme schloß sich der Gemeinderat der Antragsgegnerin an und beschloß - einstimmig - die Bebauungsplanänderung am 12.3.1996 als Satzung. Die Durchführung des Anzeigeverfahrens wurde am 13.6.1996 öffentlich bekanntgemacht.

Am 9.6.1997 hat der Antragsteller das Normenkontrollverfahren eingeleitet. Er beantragt,

den Bebauungsplan "Änderung II und Erweiterung Sportgelände" der Gemeinde Rudersberg vom 12. März 1996 für nichtig zu erklären.

Er macht geltend: Seine Antragsbefugnis ergebe sich daraus, daß die Festsetzungen des Bebauungsplans Inhalt und Schranken seines Grundeigentums bestimmten. Sein Grundstück liege im unmittelbaren Einwirkungsbereich der Sportanlagen und könne wegen der Höhendifferenz nicht abgeschirmt werden. Der Bebauungsplan leide an Abwägungsmängeln. Hierzu wiederholt er sein Vorbringen im Einwendungsschriftsatz v. 13.10.1995. Ergänzend rügt er: Es sei nicht berücksichtigt worden, daß bei einem eventuellen Aufstieg einer Fußballmannschaft mit einem wesentlich höheren Zuschaueraufkommen zu rechnen sei. Das Schallgutachten leide auch deshalb an einem wesentlichen Mangel, weil trotz der wegen der Trichterlage des Sportgeländes herrschenden Immissionsanfälligkeit des Gebiets entlang des B.-weges dort keine Immissionsorte eingerichtet worden seien. Nicht gesehen worden sei ferner, daß der Bereich zwischen dem K.-weg und dem B.-weg in der Realität als reines Wohngebiet anzusehen sei. Der dortigen Bebauung liege die Festsetzung als WR des Bebauungsplans "Freibad/Sportgelände/ Eichhalde" v. 30.6.1970 zugrunde. Die am 12.4.1983 beschlossene Umzonung eines Teilbereichs des Wohngebiets Eichhalde in ein allgemeines Wohngebiet, die Gegenstand des ruhenden Normenkontrollverfahrens - 8 S 3121/83 - sei, sei mangels städtebaulicher Rechtfertigung wohl nichtig. Schließlich habe sich der Gemeinderat der Antragsgegnerin sich aufdrängenden bzw. durch Einwender aufgezeigten Planungsalternativen verschlossen.

Die Antragsgegnerin beantragt,

den Antrag abzuweisen.

Sie erwidert: Der Antrag sei unzulässig; der Antragsteller könne sich nicht darauf berufen, er sei in eigenen abwägungsbeachtlichen Belangen negativ betroffen, weil aus der Schallimmissionsprognose hervorgehe, daß sich die Situation auf seinem Grundstück deutlich verbessere. Es liege nämlich hinter dem Immissionsort 4, für den das Gutachten eine Lärmsenkung um 5,1 dB prognostiziere. Im übrigen sei der Antrag unbegründet. Das Grundstück des Antragstellers sei im Bebauungsplan "Änderung und Erweiterung II Eichhalde", gegen dessen Gültigkeit Bedenken weder vorgetragen noch ersichtlich seien, als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen, seine Schutzwürdigkeit gegen Lärmimmissionen sei deshalb zutreffend eingestuft worden. Abwägungsfehler lägen nicht vor. Ein Teil der abwägungsrelevanten Belange sei über Verträge geklärt und definiert worden. Gegen den Abschluß dieser Verträge und ihre Einstellung in die Abwägung könnten keine Bedenken bestehen. Die Schallimmissionsprognose des Ingenieurbüros Schäcke und Bayer entspreche den Regelungen der Sportanlagenlärmschutzverordnung. Dementsprechend seien die Belange des Antragstellers und der weiteren Bewohner des Wohngebiets am K.-weg zutreffend gewichtet worden. Soweit Überschreitungen der Richtwerte festgestellt worden seien, habe man dem durch die Sportplatzvereinbarung "M." v. 1.9.1995/14.2.1996 Rechnung getragen. Der Problemkreis "Sch. Wald" sei gesehen und überprüft worden. Von einer relevanten Steigerung der Nutzungsintensität der Sportstätten sei nicht auszugehen. Mögliche Planungsalternativen seien gesehen und in die Abwägung eingestellt worden. Die Zusammenfassung der verschiedenen Sportanlagen an einer Stelle sei sinnvoll, zumal das Sportzentrum im wesentlichen schon vorhanden sei. Denkbare Weiterentwicklungen der sportlichen Betätigungen und der Zuschauerzahlen hätten nicht berücksichtigt werden müssen; ihnen sei gegebenenfalls durch vertragliche Betriebszeitanpassungen Rechnung zu tragen.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sachverhalts und des Vortrags der Beteiligten wird auf die dem Senat vorliegenden Akten des angefochtenen Bebauungsplans und des Bebauungsplans "Änderung und Erweiterung II Eichhalde" sowie die in diesem Verfahren gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen.

Gründe

II.

Die Entscheidung ergeht gemäß § 47 Abs. 5 S. 1 VwGO durch Beschluß. Die Sach- und Rechtslage läßt sich anhand der Akten und der gewechselten Schriftsätze abschließend beurteilen. Der Senat hält daher eine mündliche Verhandlung nicht für erforderlich.

Der - zulässige - Antrag ist unbegründet.

1. Der Antrag ist zulässig; insbesondere ist der Antragsteller antragsbefugt i.S.d. § 47 Abs. 2 S. 1 VwGO. Der Antragsteller leitet die mögliche Rechtsverletzung allerdings zu Unrecht daraus ab, daß die Festsetzungen des Bebauungsplans Inhalt und Schranken seines Grundeigentums bestimmten (vgl. BVerwG, Beschluß v. 7.7.1997 - 4 BN 11.97 - ZfBR 1997, 314 = DÖV 1998, 76); denn der Plan trifft keine Festsetzungen für das außerhalb seines Geltungsbereichs gelegene Grundstück des Antragstellers. Seine Antragsbefugnis ist aber deshalb zu bejahen, weil es nicht von vornherein nach jeder Betrachtungsweise ausgeschlossen erscheint, daß sein Interesse an der Abwehr weiterer Beeinträchtigungen der Wohnruhe auf seinem Grundstück in der planerischen Abwägung unzulänglich berücksichtigt worden sein kann. Nach der Rechtsprechung des Senats räumt § 1 Abs. 6 BauGB dem von einer Bauleitplanung Betroffenen ein subjektives Recht auf eine angemessene Berücksichtigung seiner eigenen Belange im Rahmen der Abwägung ein (Normenkontrollurteil v. 13.5.1997 - 8 S 2814/96 - VBlBW 1997, 426). Hierauf kann sich der Antragsteller berufen, obwohl nach dem Ergebnis des Schallgutachtens eine Verbesserung der Situation eintreten wird.

Der Senat setzt sich damit nicht in Widerspruch zu dem Normenkontrollbeschluß des 3. Senats des Verwaltungsgerichtshofs v. 14.5.1997 (- 3 S 1682/96 -), der die Antragsbefugnis von Anwohnern eines geplanten Festspielhauses verneint hat, weil die zu erwartende Zunahme der Lärmimmissionen als vom menschlichen Ohr nicht bzw. kaum feststellbar prognostiziert wurde. Anders als vorliegend waren nämlich im dort entschiedenen Fall keine Einwendungen gegen die grundlegenden Annahmen der Schallgutachter erhoben worden. Demgegenüber stehen hier die Angriffe des Antragstellers gegen die tatsächlichen und rechtlichen Annahmen der Gutachter gerade im Mittelpunkt seiner Begründung. Sie sind zwar - wie noch zu zeigen sein wird - unberechtigt, dem Vorbringen fehlt aber nicht schon von vornherein jede Relevanz, so daß eine Verletzung des Rechts des Antragstellers auf eine gerechte Abwägung seiner Belange jedenfalls nicht unmöglich erscheint.

2. Der Normenkontrollantrag ist aber unbegründet. Die von dem Antragsteller geltend gemachten Mängel liegen nicht vor; sonstige, von Amts wegen zu prüfende und beachtliche Fehler sind nicht ersichtlich.

Der angefochtene Bebauungsplan verletzt nicht das Abwägungsgebot. Die gerichtliche Kontrolle der von der Gemeinde gemäß § 1 Abs. 6 BauGB vorzunehmenden Abwägung der öffentlichen und privaten Belange hat sich nach ständiger Rechtsprechung (grundlegend: BVerwG, Urt. v. 5.7.1974 - IV C 50.72 - BVerwGE 45, 309 = PBauE § 1 Abs. 6 BauGB Nr. 3) auf die Prüfung zu beschränken, ob eine Abwägung überhaupt stattgefunden hat, ob in sie an Belangen eingestellt worden ist, was nach Lage der Dinge in sie eingestellt werden mußte, ob die Bedeutung der betroffenen öffentlichen und privaten Belange richtig erkannt worden ist und ob der Ausgleich zwischen den von der Planung berührten öffentlichen und privaten Belangen in einer Weise vorgenommen worden ist, die zu ihrer objektiven Gewichtigkeit in einem angemessenen Verhältnis steht. Diesen Anforderungen, die sich sowohl auf den Abwägungsvorgang als auch auf das Abwägungsergebnis beziehen, wird der angefochtene Plan gerecht.

a) Der Antragsteller rügt zu Unrecht, daß bei der Schallimmissionsprognose das Gebiets nördlich des K.-weges als reines Wohngebiet hätte eingestuft werden müssen. Nach § 2 Abs. 6 der Sportanlagenlärmschutzverordnung (18. BImSchV v. 18.7.1991, BGBl. I S. 1588) ergeben sich die Gebietsarten, die dem differenzierten Katalog von Immissionsrichtwerten in deren § 2 Abs. 2 zugrunde liegen, aus den Festsetzungen in den Bebauungsplänen. Darauf, wie sich ein Gebiet in der tatsächlichen Realisierung der Planvorgaben entwickelt hat, kommt es deshalb nicht an. Entscheidend ist somit hier der Bebauungsplan "Änderung und Erweiterung II Eichhalde" der Antragsgegnerin v. 8.6.1993, der den gesamten Bereich zwischen K.-weg und B. Straße als allgemeines Wohngebiet festsetzt. Gegen die Gültigkeit dieses Plans sind Zweifel weder vorgetragen noch ersichtlich. Da mit seinem Inkrafttreten (am 21.10.1993) in seinem Geltungsbereich alle bisherigen Vorschriften und Festsetzungen außer Kraft getreten sind (vgl. den Eingangssatz der textlichen Festsetzungen), kommt es - wie die Antragsgegnerin zu Recht geltend macht - nicht mehr darauf an, ob der am 12.4.1983 beschlossene Vorgängerbebauungsplan "Sportgelände Rudersberg/Änderung Eichhalde" rechtsgültig war.

b) Nach den nachvollziehbaren und in sich schlüssigen Feststellungen der Schallimmissionsprognose v. 24.9.1992/30.11.1993 wird sich die Belastungssituation des Wohngebiets Eichhalde im Hinblick auf durch das Sportzentrum hervorgerufene Geräusche - teilweise deutlich - verbessern, die Immissionsrichtwerte der 18. BImSchV werden im wesentlichen eingehalten. Lediglich für die Immissionsorte 1 und 2 am westlichen Ende des K.-weges werden für die Ruhezeit am Sonntag (13.00 - 15.00 Uhr) auf die neuen Anlagen bezogene Beurteilungspegel ermittelt, die geringfügig (um 0,3 bzw. 0,5 dB) über den für allgemeine Wohngebiete festgelegten Immissionsrichtwerten liegen.

Diesen Aussagen hält der Antragsteller ohne Erfolg entgegen, sie beruhten auf einer unzulänglichen Tatsachenbasis, weil der Abstand zum Waldtrauf auf dem südwärts gelegenen Hang nicht exakt ermittelt worden sei und deshalb die durch ihn erzeugten Schallreflexionen keiner ausreichenden Beurteilung unterzogen worden seien. Demgegenüber haben die Gutachter in ihrem ergänzenden Schreiben v. 15.10.1997 an die Antragsgegnerin hervorgehoben, daß nach den einschlägigen Berechnungsvorschriften Waldränder als Reflexionsflächen nicht zu berücksichtigen seien. Die Vernachlässigung der Rückstrahleffekte selbst einer dichten Waldbepflanzung ist schon deshalb unmittelbar einleuchtend, weil bei einem derartigen Bewuchs auf einer Strecke von 100 m nur eine Schallpegelminderung von 5 - 6 dB(A), maximal 10 dB(A), anzunehmen ist (vgl. etwa DIN 18005, Teil 1, Nr. 5.2.2 oder Information Schall 03 der Deutschen Bundesbahn Nr. 2.3.1). Demgemäß kann es auch nicht zu signifikanten Reflexionswirkungen an der Waldkante kommen. Dies gilt hier um so mehr als der Waldtrauf vom Rasensportplatz 165 m entfernt ist, der Schall also auf dem Hin- und Rückweg bis zum K.-weg eine Strecke von etwa 440 m zurücklegen müßte. Davon abgesehen wurden in der ergänzenden Immissionsprognose v. 30.11.1993 die hypothetischen Auswirkungen einer starkstrukturierten Wand (Häuser mit Balkonen) als Reflexionsfläche beurteilt, wobei die Gutachter sogar von einem zu kurzen Abstand von 140 m vom Rand des Großspielfeldes ausgegangen sind. Selbst bei dieser zugunsten des Wohngebietes Eichhalde unrealistischen Annahme erhöhen sich - bei energetischer Pegeladdition - die Schallimmissionspegel rechnerisch um maximal 1,1 dB, tatsächlich aber um deutlich weniger als     0,5 dB.

Auch die errechneten geringfügigen Überschreitungen am westlichen Ende des K.-wegs machen die auf die Immissionsprognose gestützte Abwägungsentscheidung nicht fehlerhaft. Denn zum einen beruhen sie, wie die Gutachter hervorheben, auf für das Sportzentrum unrealistisch ungünstigen Annahmen, so daß sie - zumal vom menschlichen Ohr nicht wahrnehmbar - vernachlässigt werden können. Der in diesem Zusammenhang erhobene Einwand des Antragstellers, die Tennisplätze seien nicht in die Beurteilung einbezogen worden, trifft nicht zu, denn diese sind in den Anlagen 1 - 14 zur Schallimmissionsprognose v. 24.9.1992 (jeweils als Ziff. XI) aufgeführt. Zum anderen hat die Antragsgegnerin auf diese Überschreitungen durch den Abschluß der Sportplatzvereinbarung "M." v. 1.9.1995/14.2.1996 reagiert.

Der Einwand des Antragstellers, es hätten wegen der bekannten trichterförmigen Ausbreitung von Schallimmissionen nach oben nicht nur Immissionsorte am K.-weg gewählt werden dürfen, sondern auch "in den immissionsanfälligen Gebieten entlang des B.-weges", ist nicht nachvollziehbar. Denn die Bebauung am B.-weg liegt - von den Sportanlagen aus gesehen - hinter der Zeile der angenommenen Immissionsorte. Nach dem Gesetz der Schallausbreitung ist es deshalb nicht denkbar, daß an den etwa 30 m weiter entfernten Häusern auf der Südseite des B.-weges höhere Belastungen auftreten als an der dem Sportzentrum unmittelbar gegenüber gelegenen Häuserfront auf der Nordseite des K.-weges.

Auch der weitere Einwand des Antragstellers, es finde nicht nur eine Nutzungsverlagerung, sondern eine Steigerung des Spielbetriebs einschließlich der damit verbundenen Nebeneffekte statt, zeigt keinen Abwägungsfehler auf. Nach der Planbegründung v. 1.2.1996 (ebenso schon die Begründung v. 14.12.1993) soll nicht nur ein Teil des bisher auf dem Rasensportplatz stattfindenden Spielbetriebs (vor allem der Trainingseinheiten) auf den neuen Hartplatz verlagert werden, vielmehr lief die Planung von vornherein darauf hinaus, den bestehenden gemeindeeigenen Hartplatz gegenüber der Gemeindehalle Bronnwiesenweg 12 ebenfalls in das Sportzentrum zu verlagern. Demgemäß gingen ersichtlich auch die Lärmgutachter davon aus, daß der neue Hartplatz voll belegt würde. Sie konnten aber aufgrund zwischenzeitlicher Planänderungen ihrer Prognose zugrunde legen, daß das Fußballtraining auf dem Hartplatz jeweils um 21.00 Uhr enden werde (vgl. Schallimmissionsprognose, Bl. 16 und Anl. 14). Dieses Trainingsende wurde in der Sportplatzvereinbarung v. 1.9.1995 festgeschrieben. Danach kann es keinem ernsthaften Zweifel unterliegen, daß die Ersetzung der bisherigen Spielfläche an der Gemeindehalle durch den geplanten Hartplatz in die Lärmbetrachtung und die darauf aufbauende Abwägungsentscheidung der Antragsgegnerin einbezogen wurde. Daß sie sich für eine Konzentration des Spielbetriebs am äußersten Südwestrand ihres Siedlungsgebiets entschieden hat, entspricht planerischer Vernunft und kann nicht beanstandet werden.

Soweit der Antragsteller in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Anstieg des mit den sportlichen Betätigungen verbundenen Lärms durch ein höheres Zuschaueraufkommen für den Fall des Aufstiegs einer Fußballmannschaft hinweist, läßt er außer acht, daß sich diese Besorgnis nur auf das bestehende Rasenspielfeld mit den Tribünen beziehen kann, das jedoch nicht Gegenstand der angegriffenen Planung ist. Warum von dem geplanten Hartplatz im Falle eines Aufstiegs verstärkte Emissionen ausgehen könnten, ist nicht ersichtlich. Im übrigen würde auch dann die Trainingszeitbeschränkung auf 21.00 Uhr greifen, notfalls könnte die zuständige Behörde Einzelanordnungen nach § 5 Abs. 2 der 18. BImSchV treffen (vgl. VGH Bad.-Württ., Normenkontrollurteil v. 14.11.1996 - 5 S 5/95 - VBlBW 1997, 178 = PBauE § 9 Abs. 1 (Nr. 24) BauGB Nr. 12). Davon abgesehen übersieht der Antragsteller den durchaus beachtlichen (vgl. BVerwG, Urt. v. 19.1.1989 - 7 C 77.87 - BVerwGE 81, 197 = DVBl. 1989, 463) Umstand, daß der Sportplatz vor der Wohnbebauung auf der Eichhalde vorhanden war und deren Bewohner sich deshalb von vornherein auf eine gewisse Belastung durch Sportlärm einstellen mußten.

c) Der Antragsteller macht schließlich zu Unrecht geltend, die Planung leide deshalb an einem Abwägungsdefizit, weil die Antragsgegnerin die Alternative eines Hartplatzes südlich des Freibades, wie von den Anliegern im Planaufstellungsverfahren vorgeschlagen, nicht berücksichtigt habe. Vielmehr ergibt sich bereits aus der Niederschrift über die Bürgeranhörung v. 4.3.1993 (Anl. 1 zur Gemeinderatsvorlage Nr. 172/93), daß bereits vor dem Aufstellungsbeschluß die Frage einer Verlagerung des Hartplatzes in den Bereich südlich des Freibades geprüft worden war. Der Begründung zum Bebauungsplan (S. 3) läßt sich entnehmen, daß sich die Antragsgegnerin mit diesem Alternativstandort intensiv befaßt, ihn aber deshalb verworfen hat, weil das Sch.-bächle als natürliche Grenze zur freien Landschaft erhalten werden sollte, die topographischen Geländeverhältnisse (Hanglage) entgegenstanden, starke Landschaftseingriffe durch erhebliche Erdbewegungen sowie aufwendige Erschließungsmaßnahmen erforderlich gewesen wären und schließlich der Gemeinde im jetzt geplanten Erweiterungsbereich die notwendigen Grundstücke bereits vollständig zur Verfügung standen. Von einem Abwägungsdefizit kann sonach keine Rede sein.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 VwGO.

Gründe für eine Zulassung der Revision (vgl. § 132 Abs. 2 VwGO) sind nicht gegeben.