VG Cottbus, Urteil vom 14.07.2016 - 3 K 878/11
Fundstelle
openJur 2016, 8977
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Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Klägerin trägt die Kosten des Verfahrens mit Ausnahme der außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen, die diese selbst tragen.

Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der Klägerin wird nachgelassen, die Vollstreckung gegen Sicherheitsleistung oder Hinterlegung in Höhe der sich aus dem Kostenfestsetzungsbeschluss ergebenden Betrages abzuwenden, wenn nicht zuvor der Beklagte Sicherheit in Höhe des jeweils zu vollstreckenden Betrages leistet.

Tatbestand

Die Klägerin begehrt die Aufhebung des Widerspruchsbescheides vom 24. Oktober 2011 (Az. 63-01574-09, 01582-09, 01583-09, 01584-09, 01585-09, 01586-09, 01587-09, 01588-09-62) soweit er die Nebenbestimmungen des Immissionsschutzes neu festsetzt.

Die Klägerin ist Eigentümerin einer Sportanlage auf dem Grundstück der Gemarkung …, Flur 1, Flurstücke 214, 263, …. Die Sportanlage wurde in den Jahren 2000 und 2001 auf einer ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzfläche neu errichtet und bestand aus einem Naturrasenfeld (45 x 90 m), einem Kunstrasenfeld (50 x 25 m) sowie einem Vereinsheim mit Parkplatz. Die Klägerin ist Bauherrin des Vorhabens zur Errichtung eines Kunstrasensportfeldes (68 x 105 m) und zur Erweiterung des bestehenden Naturrasensportfeldes (auf 55 x 90 m). Die dreizehn Beigeladenen sind Anwohner und/oder Eigentümer von Grundstücken in der Umgebung des Sportplatzes entlang der Straßen … (13, 14, 15, 16, 18, 17, 19b) und … (29).

Östlich von dem Sportplatz erstreckt sich ein freies Feld und in ca. 100 Metern Entfernung von dem Sportplatz beginnt der Ortsteil … Entlang der Straßen … und … liegen Wohnhäuser, wobei sich nördlich des … ein unbebauter Grünstreifen befindet. Bei den meisten Gebäuden entlang des Ahornwegs handelt es sich um Doppelhaushälften, die sich äußerlich ähneln. An dem Gebäude zum … befindet sich ein Schild mit der Aufschrift „…, Handelsvertretung für Energietechnik“ und an dem Briefkasten zum … ein Schild mit der Aufschrift „…“. … betreibt Frau … die Kindertagespflegestelle … Der Wintergarten des Gastronomiebetriebes in der … liegt an dem Eck zur Einfahrt in den … Im Norden des … befindet sich, entlang dem … bis … eine Seniorenresidenz. In dem Vorhaben- und Erschließungsplan zur Seniorenresidenz ist für die Flächen, einschließlich des Gebäudes …, ein allgemeines Wohngebiet festgesetzt. Im Süden des Bereiches um den … folgt eine Freifläche mit einer mittig gelegenen Scheune auf dem Grundstück …. Die Häuser entlang der … bis … sowie … bis … sind Doppelhaushälften. An dem Briefkasten in der … befindet sich ein Schild mit der Aufschrift „Telekommunikations- und Datentechnik …“.

Die zur Hauptstraße ausgerichteten Gebäude im Osten der beschriebenen Gebiete dienen der Unterbringung von kleinem Gewerbe, wie etwa Kosmetik- und Massagestudios sowie Friseurbetriebe. Ferner finden sich dort die Geschäftsräume der Hauskrankenpflege …, ein Bestattungsinstitut und zwei Gastronomie-Betriebe.

Die Sportanlage wird durch die Sportgemeinschaft … e.V. (SG) betrieben und liegt im Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 06/07 „Sportanlage östlich des …“. Dessen Aufstellung wurde von der Gemeindevertreterversammlung am 21. November 2007 beschlossen. Der Dipl.-Ing. … (Akustik Office) fertigte am 13. März 2008 ein schalltechnisches Gutachten an, welches den Planungsunterlagen als beigelegt wurde. Die ermittelten Beurteilungspegel lägen danach sowohl in der Beurteilungszeit von 8.00 bis 20.00 Uhr, als auch in der Ruhezeit von 20.00 bis 22.00 Uhr weit unter dem erlaubten Lärmpegel. Im Ergebnis könne ein Immissionskonflikt aus schalltechnischer Sicht von der geplanten Nutzung der erweiterten Sport- und Freizeitanlage ausgeschlossen werden. Im Rahmen der formellen Beteiligung begründeten die Beigeladenen ihre Bedenken gegenüber dem Bebauungsplan ausführlich. Das Landesumweltamt Brandenburg schätzte in seinem Schreiben vom 14. April 2008 die Schallimmissionsprognose nach fachlicher Prüfung als nachvollziehbar ein. Immissionskonflikte seien bei Einhaltung der genauer ausgeführten Nutzungszeiten ausgeschlossen und Schallschutzmaßnahmen nicht erforderlich. Auch seien die Ausführungen zur Begrenzung von Lichtimmissionen in den Planungsunterlagen plausibel. Die Gemeindevertreterversammlung beschloss am 16. Juli 2008 den Bebauungsplan als Satzung und billigte dessen Begründung. Die Ausfertigung folgte am 4. August 2008, die Bekanntmachung im Amtsblatt am 6. August 2008. In der Begründung wurde darauf hingewiesen, dass die Klägerin mit dem Sportverein … e.V. in einem Nutzungsvertrag vereinbaren soll, dass folgende Nutzungszeiten eingehalten werden: An Sonn- und gesetzlichen Feiertagen finden in den Zeiten zwischen 7.00 Uhr und 9.00 Uhr sowie zwischen 20.00 und 22.00 Uhr weder Wettspiele noch Training statt. Wettspiele an Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen finden nicht in der Zeit zwischen 13.00 Uhr und 14.00 Uhr statt. Ein Rechtsanspruch hinsichtlich des Abschlusses eines Nutzungsvertrages soll nicht abgeleitet werden können. Der immissionsschutzrechtlichen Bewertung wurde die Annahme zugrunde gelegt, es handele sich bei dem Gebiet um den … und den … um ein allgemeines Wohngebiet. Lärmrichtwerte wurden in dem Bebauungsplan nicht festgesetzt.

Die Beigeladenen zu 2) bis 13) rügten mit Schreiben vom 16. Juli 2009 gegenüber der Klägerin die Verletzung von Vorschriften unter Angabe des § 215 BauGB.

Die Klägerin stellte am 28. November 2008 einen Bauantrag beim Beklagten. Antragsgegenstand war die Erweiterung des bereits bestehenden Naturrasenspielfeldes um 10 m in östlicher Richtung sowie die Errichtung eines neuen beleuchteten Kunstrasenplatzes mit einer Größe von 68 m x 105 m. Die Betriebszeiten wurden in der Betriebsbeschreibung vom 17. Februar 2009 mit werktags von 16.00 Uhr bis 22.00 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10.00 Uhr bis 20.00 Uhr angegeben.

Im Rahmen der Beteiligung von Behörden und anderen Stellen teilte die untere Naturschutzbehörde mit, dass in dem Vorhaben ein erheblicher Eingriff in Boden, Natur und Landschaft zu sehen sei, der durch die im Bebauungsplan festgesetzten Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen oder ersetzt werden müsse. Das Landesumweltamt differenzierte in seiner Stellungnahme nach den Betriebsarten. So sei beim ausschließlich werktags stattfinden Trainingsbetrieb bei voller Auslastung durch einen Spielbetrieb auf allen drei Plätzen eine Überschreitung der zulässigen Immissionswerte nicht festzustellen. Auch der Spielbetrieb verursache an Sonn- und Feiertagen außerhalb der Ruhezeit von 13 bis 15 Uhr an den Immissionsorten keine schädlichen Umwelteinwirkungen. Die Ruhezeit solle trotz Anwendung des Kriteriums für seltene Ereignisse beachtet werden, da die zulässige Anzahl an seltenen Ereignissen voraussichtlich im Punktspielbetrieb überschritten werde. Für die Abhaltung von Turnierwettkämpfen sei eine Überschreitung der Immissionswerte in der Ruhezeit anzunehmen. Jedoch sei die Anzahl der Anlässe begrenzt und damit überschaubar. Die Einhaltung der zulässigen Anzahl an seltenen Ereignissen in dieser Form sei durch vorherige schriftliche Anzeige beim Landesumweltamt leicht sicherzustellen. Der zu beachtende Fahrzeugverkehr sowie die Nutzung der Beleuchtungsanlage ließe schädliche Umwelteinwirkungen nicht erkennen. Der Vorschlag des Landesumweltamtes zu möglichen Auflagen wurde in der später erteilten Baugenehmigung vom 6. April 2009 aufgenommen.

Die Baugenehmigung enthielt folgende Vorgaben zum Immissionsschutzrecht: Es werden zwei Immissionsorte festgelegt, im Friedensweg 1 sowie im …, jeweils 0,5 m außerhalb, vor der Mitte des geöffneten, vom Geräusch am stärksten betroffenen Fensters eines zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Raumes. Am Immissionsort 1 dürfe die Immissionswerte tagsüber, außerhalb der Ruhezeiten 60 dB(A) und tagsüber, innerhalb der Ruhezeiten 55 dB(A) nicht überschreiten. Am Immissionsort 2, welcher nach Einschätzung des Beklagten im allgemeinen Wohngebiet lag, dürfen die Immissionswerte tagsüber, außerhalb der Ruhezeiten 55 dB(A) und tagsüber, innerhalb der Ruhezeiten 50 dB(A) nicht überschreiten. Die Ruhezeiten lauten wie folgt: werktags von 6.00 Uhr bis 8.00 Uhr und von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 7.00 Uhr bis 9.00 Uhr, von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr und von 20.00 Uhr bis 22.00 Uhr (Nebenbestimmung A.1). Der regelmäßige Punktspielbetrieb wird sonn- und feiertags in der Ruhezeit von 13.00 bis 15.00 Uhr für unzulässig erklärt (Nebenbestimmung A.2). Der Turnierbetrieb darf an höchstens 18 Kalendertagen im Jahr unter Überschreitung der festgelegten Immissionswerte stattfinden. Dabei dürfen die Beurteilungspegel tagsüber außerhalb der Ruhezeiten 70 dB(A) und tagsüber, innerhalb der Ruhezeiten 65 dB(A) nicht überschreiten (Nebenbestimmung A.3). Zur Kontrolle der Einhaltung der Regelung unter A.3 sind dementsprechende Veranstaltungen mindestens eine Woche vorher dem Landesumweltamt schriftlich anzuzeigen.

Mit Beschluss vom 17. Mai 2010 in der Sache 3 L 164/09 lehnte das Gericht den Antrag der Beigeladenen auf Anordnung der aufschiebenden Wirkung des Drittwiderspruchs, unter Ausschluss der immissionsschutzrechtlichen Nebenbestimmung A.3, ab.

Mit Schriftsatz vom 2. Juni 2010 legte der Beigeladene zu 1) beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gegen diesen Beschluss Beschwerde ein. Nach übereinstimmender Erledigungserklärung der Beteiligten in der Hauptsache stellte das OVG Berlin-Brandenburg am 21. Dezember 2011 das Verfahren ein und fasste die Kostenentscheidung neu.

Die Klägerin realisierte das Vorhaben zwischenzeitlich und zeigte die Fertigstellung am 24. November 2010 bei dem Beklagten an.

In einer zweiten Fachstellungnahme des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg vom 3. Mai 2011 wies die Behörde darauf hin, dass unter Beachtung besonderer Auflagen und Hinweise aus immissionsschutzrechtlicher Sicht keine Bedenken bestünden. Die notwendigen Auflagen formulierte die Behörde teilweise abweichend von der Baugenehmigung.

Der Beklagte wies den Drittwiderspruch vom 8. Juni 2009 zurück, hob die Nebenbestimmungen des Immissionsschutzes zur Baugenehmigung auf und setzte sie im Widerspruchsbescheid vom 24. Oktober 2011 wie folgt fest:

„A.1 Die von der Sportanlage einschließlich aller Nebeneinrichtungen und dem dieser Anlage zuzurechnenden Fahrzeugverkehr verursachten Geräusche dürfen an den nachfolgend genannten Immissionsorten zu keiner Überschreitung der folgenden Immissionswerte, ausgedrückt durch den Beurteilungspegel, ermittelt nach der Sportanlagenlärmschutzverordnung - 18. BImSchV und deren Anhang, betragen:

am IO 1tagsüber, außerhalb der Ruhezeiten 60 dB (A),tagsüber, innerhalb der Ruhezeiten 55 dB (A) undam IO 2tagsüber, außerhalb der Ruhezeit 50 dB (A),tagsüber, innerhalb der Ruhezeit 45 dB (A).Als maßgeblicher Immissionsort IO1 wird in der Gemeinde … das Wohnhaus im …, 0,5 m außerhalb, vor der Mitte des geöffneten, vom Geräusch am stärksten betroffenen Fensters eines zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Raumes festgelegt. Der Immissionsort befindet sich im Außenbereich.

Als maßgeblicher Immissionsort IO 2 wird in der Gemeinde … das Wohnhaus im …, 0,5 m außerhalb, vor der Mitte des geöffneten, vom Geräusch am stärksten betroffenen Fensters eines zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Raumes festgelegt. Der Immissionsort befindet sich in einem reinen Wohngebiet.

Die Ruhezeiten erstrecken sich an Werktagen auf die Zeiträume von 6:00 Uhr bis 8:00 Uhr und von 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen auf die Zeiträume von 7:00 Uhr bis 9:00 Uhr, von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr und von 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr.

A.2 Die immissionsschutzrechtliche Beurteilung des Trainingsbetriebes erfolgte unter der Maßgabe, dass das Training werktags bis 20:00 Uhr stattfindet. Abweichend von der Auflage A.1 bis zur Vermeidung schädlicher Umwelteinwirkungen eine Nutzung der Sportanlage im Rahmen des regelmäßigen Trainingsbetriebes nur werktags, außerhalb der Ruhezeit von 8:00 bis 20:00 Uhr zulässig. Unter Bezug auf die beantragte Nutzung entsprechend der Betriebsbeschreibung ist der Trainingsbetrieb werktags nur von 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr zulässig.

A.3 Die Beurteilung des Spielbetriebes erfolgte unter der Maßgabe dass diese an den Wochenenden (Samstag und Sonntag) in der Zeit von 10:00 Uhr bis 20:00 Uhr stattfindet.

Abweichend von der Auflage A.1 ist zur Vermeidung schädlicher Umwelteinwirkungen eine Nutzung der Sportanlage im Rahmen des regelmäßigen Punktespielbetriebs sonn- und feiertags in der Ruhezeit von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr unzulässig.

A.4 Durch den Turnierbetrieb oder sonstige Spiele außerhalb des regulären Punktespielbetriebes ist an höchstens 18 Kalendertagen eines Jahres im Rahmen von besonderen Ereignissen eine Überschreitung der unter A.1 festgelegten Geräuschimmissionen zulässig. Dabei dürfen die Geräuschimmissionen an den Immissionsorten folgende Beurteilungspegel nicht überschreiten:

Am IO 1tagsüber, außerhalb der Ruhezeiten 70 dB (A) undtagsüber, innerhalb der Ruhezeiten 65 dB (A).Am IO 2tagsüber, außerhalb der Ruhezeiten 60 dB (A) undtagsüber, innerhalb der Ruhezeiten 55 dB (A).Die Ruhezeiten erstrecken sich an Werktagen auf die Zeiträume von 6:00 Uhr bis 8:00 Uhr und von 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen auf die Zeiträume von 7:00 Uhr bis 9:00 Uhr, von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr und von 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr.

A.5 Zur Kontrolle der Einhaltung der unter A3 formulierten Möglichkeit der Inanspruchnahme seltener Ereignisse sind die jeweiligen Veranstaltungen dem Landesumweltamt Brandenburg, Regionalabteilung Süd, Referat RS3 mindestens eine Woche vorher schriftlich anzuzeigen.“

Zur Begründung führte der Beklagte aus, die Umgebungsbebauung sei einer erneuten planungsrechtlichen Beurteilung unterzogen worden. Das betroffene Wohngebiet stelle sich als reines Wohngebiet dar. Auf dieser Grundlage sei das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz erneut beteiligt und dessen Ergebnisse zur Grundlage der vorgenommenen Bewertungen gemacht worden.

Die Klägerin hat am 28. November 2011 Klage gegen den Widerspruchsbescheid des Beklagten vom 24. Oktober 2011, erhoben.

Sie trügt vor der Widerspruchsbescheid sei rechtswidrig, soweit er die Betriebszeit des Sportplatzes auf 20.00 Uhr begrenzte. Die Richtwerte für Ruhezeiten für ein allgemeines sowie für ein reines Wohngebiet würden beim Trainingsbetrieb nicht überschritten. Der Beklagte habe versäumt, hinreichende Tatsachenerkundungen einzuholen und sich lediglich auf die Stellungnahme des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz vom 3. Mai 2011 gestützt, welches nur den Betrieb bis 20 Uhr zum Gegenstand habe. Die Behörde habe einen Verstoß gegen öffentlich-rechtliche Vorschriften nicht hinreichend festgestellt.

Vielmehr ergäbe sich aus den sachverständigen Stellungnahmen des Forschungs- und Beratungsbüros … vom 22. September und 22. Oktober 2015 dass weder im Trainings- noch im Punktspielbetrieb die Beurteilungs- bzw. Maximalpegel die Immissionsrichtwerte überschnitten würden.

Die Klägerin beantragt,

den Widerspruchsbescheid des Beklagten vom 24. Oktober 2011 aufzuheben, soweit er die Nebenbestimmungen hinsichtlich des Immissionsschutzes neu festsetzt.

Der Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Zur Begründung nimmt er Bezug auf den Inhalt des angegriffenen Bescheids.

Die Beigeladenen stellen keine Anträge.

Sie sind der Ansicht, die nach § 35 BauGB zu beurteilende Baugenehmigung erweise sich auch in Gestalt des Widerspruchsbescheides noch als rechtswidrig, da ihr immissionsschutzrechtliche Schutzanspruch auch in Ansehung der durch die Widerspruchsbescheide herabgesetzten Lärmrichtwerte verletzt sei. Dies ergebe sich bereits aus dem schalltechnischen Gutachten vom 13. März 2008. Der hier vorzunehmende Zuschlag für die Impuls-, Ton- und Informationshaltigkeit des Schalls sei nicht berücksichtigt worden. Eigene Messungen würden Überschreitungen der Richtwerte zeigen. Auch führe die Lichtanlage des Sportplatzes zu schädlichen Umwelteinwirkungen. Überdies führe die konkrete Nutzung der Sportanlage zu unzumutbaren Belastungen. Die Beigeladenen sind der Ansicht, das Gutachten der FFB-Verkehrslärm GbR vom 23. Dezember 2011 weise gravierende Mängel auf.

Das Gericht hat Beweis erhoben durch Inaugenscheinnahme des Sportplatzes und der umgebenden Bebauung. Wegen des Ergebnisses wird auf das Protokoll zum Ortstermin am 19. April 2013 Bezug genommen. Des Weiteren hat das Gericht entsprechend dem Beschluss vom 11. Juli 2013 Beweis erhoben durch Einholung eines Sachverständigengutachtens zum Beweisthema: Umfang der mit dem maximalen Ausnutzen der Sportanlage bei Trainingsbetrieb verbundenen Immissionen am Immissionsort 2. Die Ermittlung für den Tag innerhalb der Ruhezeiten erfolgte durch Messungen des bestellten Gutachters Dr.-Ing. … In den Beschlüssen vom 5. September 2013 und 3. Juni 2014 erfolgte die Festlegung, dass die Gemeinde weder zu Messungen bezüglich des Trainingsbetriebs noch bezüglich des Punktspiel- und Turnierbetriebs im Vorfeld zu unterrichten ist. Der Sachverständige hat die Gemeinde jedoch unmittelbar im Anschluss an die Messung über diese und ihre Ergebnisse zu informieren. Wegen des Ergebnisses wird auf die Sachverständigengutachten vom 26. Juni 2015 sowie vom 15. Juli 2015 Bezug genommen.

Die Klägerin rügt die fehlende Parteiöffentlichkeit im Hinblick auf den Beweisbeschluss vom 11. Juni 2013 und ist der Meinung, das Gutachten beruhe teilweise auf nicht belegten Annahmen und teilweise auf unrichtiger Anwendung der 18. BImSchV.

Der Bevollmächtigte der Beigeladenen zu 1), 2), 7), 10), 11), 12) und 13) ist der Ansicht, dass mit der Beweisaufnahme eine Überschreitung der Immissionsrichtwerte festgestellt worden sei.

Für weitere Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die Inhalte der Gerichtsakte der Akte zu dem Verfahren 3 K 862/11 sowie den jeweils beigezogenen Verwaltungsvorgänge Bezug genommen, welche zum Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht worden sind.

Gründe

Die zulässige Klage ist unbegründet.

Statthafte Klageart ist die Anfechtungsklage beschränkt auf den Widerspruchsbescheid, da dies dem Klagebegehren gem. § 88 VwGO entspricht und der Widerspruchsbescheid vom 24. Oktober 2011 eine zusätzliche, selbstständige Beschwer enthält, § 79 Abs. 2 Satz 1 VwGO. Um einen Fall des § 79 Abs. 2 Satz 1 VwGO handelt es sich auch, wenn der für die Klägerin positive Ausgangsbescheid bereits gewisse Einschränkungen und damit eine Beschwer enthält, der Widerspruchsbescheid aber eine zusätzliche Beschwer auferlegt und die Klägerin sich nunmehr alleine gegen die zusätzliche Beschwer durch den Widerspruchbescheid richten will (vgl. Pietzcker, in: Schoch/Schneider/Bier/Pitzcker, VwGO, 29. EL 2015, § 79 Rn. 10). Im Wege der isolierten Anfechtungsklage kann die Klägerin ihr Rechtsschutzziel erreichen. Das Begehren der Wiedererlangung der Begünstigung wurde seitens der Klägerin durch entsprechende Antragstellung deutlich gemacht. Sie begehrt lediglich die Aufhebung des Widerspruchsbescheides soweit er die Nebenbestimmungen des Immissionsschutzes neu festsetzt. Ziel der Klägerin ist es, den Sportplatz entsprechend den ursprünglich festgelegten Nebenbestimmungen im Ausgangsbescheid vom 6. April 2009 zu nutzen.

Ob Nebenbestimmungen Gegenstand einer Anfechtungsklage sein können, ist grundsätzlich eine Frage der Begründetheit, sofern nicht eine isolierte Aufhebbarkeit offenkundig von vornherein ausscheidet (vgl. BVerwG, Urteil vom 17. Februar 1984 – 4 C 70/80 –, juris Rn. 14; BVerwG, Urteil vom 22. November 2000 – 11 C 2/00 -, juris Rn. 25; Stelkens, in: Stelkens/Bonk/Sachs, VwGO, 8. Aufl. 2014, § 36 Rn. 55). Dies hängt davon ab, ob der begünstigende Verwaltungsakt ohne die Nebenbestimmung sinnvoller- und rechtmäßigerweise bestehen bleiben kann. Vorliegend ist eine isolierte Aufhebbarkeit jedenfalls nicht offenkundig ausgeschlossen. Würde man im Rahmen der Begründetheitsprüfung zu dem Ergebnis kommen, am Immissionsort 2, Arhonweg 19a, müsse das Schutzniveau eines allgemeinen Wohngebietes angesetzt werden, so ist jedenfalls nicht auszuschließen, dass die Baugenehmigung in der Fassung vom 6. April 2009 sinnvoller- und rechtmäßiger Weise bestehen bleibt.

Die Klage ist unbegründet, da entweder von der Rechtmäßigkeit der im Widerspruchbescheid festgesetzten Nebenbestimmungen, oder von der fehlenden Teilbarkeit von Baugenehmigung und Nebenbestimmungen auszugehen ist, da ohne ergänzende Nebenbestimmungen die Baugenehmigung nicht rechtmäßigerweise bestehen bleiben kann.

Das Erfordernis, die ursprüngliche Baugenehmigung mit weitergehenden Nebenbestimmungen zu versehen, ergibt sich vorliegend aus dem bauplanungsrechtlichen Rücksichtnahmegebot, wonach schädliche Umwelteinwirkungen zu vermeiden sind (hierzu unter 1.). Im Rahmen der immissionsschutzrechtlichen Beurteilung des Vorhabens hinsichtlich des Lärms, sind für den Immissionsort 2 die Werte einzustellen, wie sie für reine Wohngebiete gelten (hierzu unter 2.). Die Nebenbestimmungen sind damit entweder rechtmäßig, oder allenfalls deshalb rechtswidrig, weil sie den bestehenden Betrieb nicht ausreichend weit beschränken (hierzu unter 3.). Auf letzteres kann sich die Klägerin aber nicht berufen, da eine isolierte Aufhebung zu einer noch tiefer greifenden Verletzung des Rücksichtnahmegebotes führen würde. In einem solchen Fall könnte die Klägerin allenfalls im Wege einer Verpflichtungsklage den Erlass einer Baugenehmigung mit den für deren Rechtmäßigkeit erforderlichen Nebenbestimmungen erreichen.

1. Der Widerspruchsbescheid ist nicht bereits deshalb rechtswidrig, weil eine Ermächtigung dazu, die ursprüngliche Baugenehmigung mit weiteren – einschränkenden - Nebenbestimmungen zu versehen, nicht gegeben wäre. Gem. § 67 Abs. 1 BbgBO in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. September 2008 (GVBl. I S. 226), diese zuletzt geändert durch Gesetz vom 29. November 2010, in Verbindung mit § 89 Abs. 4 BbgBO in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. September 2008 (GVBl. I S. 226), zuletzt geändert durch Gesetz vom 19. Mai 2016 (GVBl. I Nr. 14) hat der Bauherr einen Anspruch auf Erteilung einer unbeschränkten Baugenehmigung, wenn dem Vorhaben keine öffentlich-rechtlichen Vorschriften, hier insbesondere solche des Bauplanungsrechts, entgegenstehen. Zur Sicherstellung, dass die gesetzlichen Voraussetzungen des Verwaltungsaktes erfüllt werden, besteht für die untere Bauaufsichtsbehörde die Möglichkeit, die Baugenehmigung mit Nebenbestimmungen zu versehen, § 1 Abs. 1 Satz 1 VwVfGBbg in Verbindung mit § 36 Abs. 1 Alt. 2 VwVfG. Wegen des Vorbehalts in § 36 Abs. 1 Alt. 1 VwVfG gehen für die Frage der Zulässigkeit von Nebenbestimmungen fachrechtliche Regelungen in Gesetzen, Verordnungen oder Satzungen vor. Da besondere Vorschriften zu Nebenbestimmungen einer Baugenehmigung nicht bzw. nur rudimentär in § 67 Abs. 3 BbgBO a.F. existieren, ist die generelle Zulässigkeit an § 36 Abs. 1 Alt. 2 VwVfG zu messen (vgl. Reimus, Semtner/Langer, Die neue Brandenburgische Bauordnung, 3. Aufl. 2009, § 67 Rn. 3). Auch § 5 der Sportanlagenlärmschutzverordnung (18. Bundesimmissionsschutzverordnung) führt zu keiner anderen Betrachtung, da in diesem nicht die Zulässigkeit von Nebenbestimmungen geregelt, sondern deren Zulässigkeit vorausgesetzt wird (vgl. Reidt/Schiller, in: Landmann/Rohmer, Umweltrecht, Stand: 52. EL 2007, 2.18 Rn. 3).

Anknüpfungspunkt für die Notwendigkeit von Nebenbestimmungen ist das Bauplanungsrecht, insbesondere das planungsrechtliche Rücksichtnahmegebot. Für die Anwendung des Rücksichtnahmegebotes kann offen bleiben, ob der Bebauungsplan Nr. 06/07 „Sportanlage östlich des Friedenswegs“ im Ortsteil … der Gemeinde … rechtswirksam ist oder nicht, weil es auf die Frage der Gültigkeit des Bebauungsplans hier nicht ankommt.

Wäre von der Wirksamkeit des Bebauungsplans Nr. 06/07 „Sportanlage östlich des Friedenswegs“ im Ortsteil …. der Gemeinde … aus zu gehen, würde das Rücksichtnahmegebotes nach § 15 Abs. 1 BauNVO Anwendung finden. Im Falle der Rechtsunwirksamkeit des Bebauungsplans wäre hingegen die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit der Sportanlage nach § 35 Abs. 2, Abs. 3 Nr. 3 BauGB zu beurteilen (vgl. BVerwG, Urteil vom 19. Januar 1989 – 7 C 77/87 -, juris Rn. 33; OVG für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 21. Juli 1994 – 11 B 1511/94 -, juris Rn. 14). Hiernach wäre die Sportanlage ebenfalls nur zulässig, wenn diese keine schädlichen Umwelteinwirkungen für die benachbarte Wohnnutzung hervorruft. Dieses Kriterium ist eine besondere Ausprägung des Rücksichtnahmegebotes, wobei dessen Maßstäbe - jedenfalls vorliegend - nicht von denen unter Anwendung des § 15 Abs. 1 BauNVO abweichen. Für die Bestimmung dessen, was für den Dritten – hier die Beigeladenen – zumutbar ist, wird in beiden Fällen auf die einschlägigen, immissionsschutzrechtlichen Vorschriften abgestellt.

Eine Konfliktbewältigung auf der Grundlage des Rücksichtnahmegebotes nach § 15 Abs. 1 BauNVO wäre trotz bestehenden Bebauungsplans möglich, da dieser hierfür noch offen ist. Das Bundesverwaltungsgericht führt in seinem Urteil vom 12. September 2013 (– 4 C 8/12 -, juris Rn. 17) aus, dass nach dem im Abwägungsgebot des § 1 Abs. 7 BauGB wurzelnden Gebot der Konfliktbewältigung grundsätzlich jeder Bebauungsplan die von ihm selbst geschaffenen oder ihm sonst zurechenbaren Konflikte zu lösen hat, indem er die von der Planung berührten Belange zu einem gerechten Ausgleich bringt. Dies schließt eine Verlagerung von Problemlösungen aus dem Bauleitplanverfahren auf nachfolgendes Verwaltungshandeln indes nicht aus. Vielmehr ergänzt das in § 15 Abs. 1 BauNVO enthaltenen Rücksichtnahmegebot die Festsetzungen des Bebauungsplans und bewirkt im Ergebnis, dass ein Bebauungsplan nicht schon deshalb als unwirksam angesehen werden muss, weil er selbst noch keine Lösung für bestimmte Konfliktsituationen enthält (Beschluss vom 6. März 1989 - BVerwG 4 NB 8.89 - Buchholz 406.11 § 30 BBauG/BauGB Nr. 27 S. 2).

Das Rücksichtnahmegebot ist von der planerischen Abwägung noch nicht „aufgezehrt“ und der Bebauungsplan für eine Konfliktbewältigung im Baugenehmigungsverfahren noch offen. Der Bebauungsplan Nr. 06/07 „Sportanlage östlich des Friedensweges“ enthält nämlich eine konkrete Aussage zur Ausgestaltung des auf den festgesetzten Flächen auszuübenden Betriebs nicht. Zwar holte die Gemeinde im Verlauf der Planaufstellung eine Schallimmissionsprognose ein und führt zu den Erfordernissen des Immissionsschutzes aus, jedoch verzichtete der Plangeber auf eine Beschränkung der Nutzungszeiten oder die Angabe von Grenzwerten. Etwaige, notwendige Einschränkungen sollen folglich erst auf der nächsten Ebene vorgenommen werden. Hierfür spricht auch der Umstand, dass zum Zeitpunkt des Planerlasses die Auswirkungen der Sportanlage lediglich prognostiziert werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt war nicht ersichtlich, dass Nutzungskonflikte zu erwarten waren. Da es zur immissionsschutzrechtlichen Bewertung des Vorhabens maßgeblich auf die Ausgestaltung und das Ausmaß der zukünftigen Nutzung ankommt und der Plangeber bewusst auf eine Beschränkung der erlaubten Lärmwerte verzichtet hat, ist anzunehmen, dass die Verlagerung der Konfliktbewältigung auf das Genehmigungsverfahren von dem Plangeber auch gewollt war.

Unterstellt, der Bebauungsplan würde, wie von den Beigeladenen vorgetragen, an einem Fehler in der Abwägungsentscheidung nach § 1 Abs. 7 BauGB leiden, weil der Plangeber das Schutzniveau der im Einwirkungsbereich der Anlage liegenden Gebiete nicht zutreffend ermittelt und entsprechend in die Abwägung eingestellt hätte, und dies würde zur Unwirksamkeit des Bebauungsplans führen, so käme es auf die Frage einer Konfliktbewältigung neben einem bestehenden Bebauungsplan nicht an. Die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit würde sich in diesem Fall nach § 35 BauGB richten. Da die Sportanlage nicht nach § 35 Abs. 1 BauGB privilegiert ist, wäre die Zulässigkeit an § 35 Abs. 2 BauGB zu messen. Es handelt sich bei der Sportanlage insbesondere nicht um ein Vorhaben, welches wegen der in der Regelung enthaltenen tatbestandlichen Voraussetzungen im Außenbereich errichtet werden soll (§ 35 Abs. 1 Nr. 4 BauGB; vgl. Mitschang/Reidt, in: Battis/Krautzberger/Löhr, Baugesetzbuch, 13. Aufl. 2016, § 35 Rn. 44, 67; vgl. BVerwG, Urteil vom 19. Januar 1989 – 7 C 77/87 -, juris Rn. 33; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 21. Juli 1994 – 11 B 1511/94 -, juris Rn. 14). Nach § 35 Abs. 2 BauGB können Vorhaben im Einzelfall zugelassen werden, wenn ihre Ausführung oder Benutzung öffentliche Belange nicht beeinträchtigt und die Erschließung gesichert ist. Im darauffolgenden Absatz sind gegebenenfalls betroffene, öffentliche Belange aufgeführt. Das Gebot, auf schutzwürdige Individualinteressen Rücksicht zu nehmen, gehört hierzu und findet seinen Niederschlag in § 35 Abs. 3 S. 1 Nr. 3 BauGB (BVerwG, Urteil vom 28. Oktober 1993 – 4 C 5/93 –, juris Rn. 15 ff.).

Die Sportanlagenlärmschutzverordnung (18. BImSchV) legt im Hinblick auf Geräuschimmissionen von Sportanlagen Immissionsrichtwerte fest (Reidt/Schiller, in: Landmann/Rohmer, Umweltrecht, Stand: 52. EL 2007, 2.18 Rn. 1 f.) und konkretisiert damit verbindlich die Zumutbarkeit von Sportlärm.

Nach § 1 Abs. 1 der 18. BImSchV gilt diese Verordnung für die Errichtung, die Beschaffenheit und den Betrieb von Sportanlagen, soweit sie zum Zwecke der Sportausübung betrieben werden und einer Genehmigung nach § 4 BImSchG nicht bedürfen. Nach § 1 Abs. 2 der 18. BImSchV sind Sportanlagen ortsfeste Einrichtungen im Sinne des § 3 Abs. 5 Nr. 1 BImSchG, die zur Sportausübung bestimmt sind. Die streitgegenständliche Anlage mit dem Nutzungsschwerpunkt Fußball ist eine Sportanlage in diesem Sinne (vgl. BVerwG, Urteil vom 12. August 1999 – 4 CN 4/98 –, juris Rn. 22).

Nach § 2 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 3 und 4 der 18. BImSchV sind Sportanlagen so zu errichten und zu betreiben, dass erhebliche Belästigungen im Sinne der Vorschrift vermieden werden. Der Begriff der erheblichen Belästigungen wird in § 2 Abs. 2 der 18. BImSchV durch baugebietsspezifische Immissionsrichtwerte konkretisiert, die je nach Schutzwürdigkeit des Gebiets im Einwirkungsbereich der Sportanlage abgestufte Zumutbarkeitsschwellen bilden (BVerwG, Urteil vom 23. September 1999 – 4 C 6/98 –, juris, Rn. 22). Dabei bestimmt sich der Begriff der Nachbarschaft in räumlicher Hinsicht nach dem Einwirkungsbereich der immissionsschutzrechtlichen Anlage. Bei Gebieten und Anlagen für die keine planungsrechtlichen Festsetzungen bestehen, bestimmt sich das zumutbare Lärmschutzniveau entsprechend den für die Gebiete in § 2 Abs. 2 der 18. BImSchV festgesetzten Immissionsrichtwerten. Maßgeblich hierfür ist der Gebietscharakter im Einwirkungsbereich der Anlage. Das ergibt sich aus der anlagebezogenen Sicht des Bundes-Immissionsschutzgesetzes mit den die schädlichen Umwelteinwirkungen konkretisierenden Regelwerken, zu denen auch die 18. BImSchV gehört (BVerwG, Beschluss vom 5. Mai 2006 – 7 B 1/06 -, juris Rn. 2 f.; OVG Berlin-Brandenburg, Beschluss vom 23. Juli 2008 – OVG 2 N 96.07 –, Bl. 9 d. amtl. Vordr.).

2. Ob die Klägerin die Aufhebung des Widerspruchsbescheides vom 24. Oktober 2011 verlangen kann, richtet sich maßgeblich danach, ob für den Immissionsort 2, …., die Werte zutreffend bestimmt wurden. Wie von dem Beklagten richtig angenommen, sind am Immissionsort 2 die Immissionsrichtwerte eines reinen Wohngebietes einzuhalten.

Die für die Ermittlung der Eigenart des Gebietes um die Anlage relevante nähere Umgebung ist entsprechend der Karten des Geobasisdienstes des Landes Brandenburg, dem Informationsportal Brandenburg-Viewer sowie nach der durchgeführten Ortsbesichtigung auf ein Gebiet zu beschränken, welches im Norden durch die Häuser Erlenweg 1 bis 6 und im Süden durch die Bebauung entlang der … bis … abzugrenzen ist. Im Osten kommt der … eine begrenzende Wirkung zu, wobei die straßenseitige Bebauung westlich der … nicht mehr im Wirkbereich der Sportanlage steht und von der Betrachtung auszuklammern ist. Diese, im Einwirkungsbereich der Anlage befindlichen Grundstücke und damit auch die betroffenen Nachbargrundstücke der Beigeladenen liegen im unbeplanten Innenbereich gem. § 34 BauGB. Zu berücksichtigen ist daher die konkrete Situation der benachbarten Grundstücke mit dem Ziel, verschiedene Nutzungen in rücksichtsvoller Weise einander zuzuordnen und Spannungen und Störungen zu verhindern (Vgl. BVerwG, Urteil vom 12. August 1999 – 4 CN 4/98 –, juris Rn. 31; BVerwG, Urteil vom 23. September 1999 – 4 C 6/98 -, juris Rn. 25).

Die Festlegung des Schutzniveaus hat nicht einheitlich für das gesamte Gebiet im Einwirkungsbereich der Anlage zu erfolgen (vgl. zur Bestimmung der Schutzwürdigkeit eines Straßengevierts VG München, Urteil vom 15. Juni 2015 – M 8 K 13.3533 -, juris Rn. 47 ff.). In Abgrenzung zu einer Gemengelage ist Voraussetzung für eine differenzierte Schutzniveaubestimmung für Gebiete im Einwirkungsbereich der Anlage, dass die einzelnen Gebietstypen klar voneinander abgegrenzt werden können (vgl. VG München, Urteil vom 15. Juni 2015 – M 8 K 13.3533 -, juris Rn. 47 ff.). Eine gegenteilige Ansicht würde zu dem unbilligen Ergebnis führen, dass Gebiete, die zwar im Einwirkungsbereich, jedoch räumlich klar getrennt gelegen und abgrenzbar sind, dafür maßgeblich wären, wie das Schutzniveau des jeweils anderen zu bestimmen wäre. Auch der Vergleich zur Bestimmung der Schutzwürdigkeit in beplanten Gebieten belegt, dass die Festlegung eines Schutzniveaus für den gesamten Einwirkungsbereich nicht richtig sein kann. In beplanten Gebieten kommt es nämlich allein auf den festgesetzten Gebietstyp am Immissionsort an. Benachbarte Gebiete können allenfalls auf der Ebene der Vorbelastung zur Senkung des Schutzniveaus führen.

Vorliegend setzt sich der Einwirkungsbereich im Ortsteil …, östlich der Anlage aus drei, aufgrund ihrer räumlichen Trennung und teilweise unterschiedlichen Baustruktur voneinander getrennt zu beurteilenden Gebieten zusammen. Der Gebietstyp für den Bereich zwischen …. und der Freifläche in der …. ist separat von den Gebieten nördlich des … sowie südlich der … zu betrachten.

Das Gebiet zwischen Schwarzem Weg und der Freifläche mit der Scheune auf dem Grundstück …, also das Gebiet um den …., ist als reines Wohngebiet einzustufen. Dieses besteht zu einem großen Teil aus Wohnhäusern in Form von Doppelhaushälften oder freistehenden Einfamilienhäusern, wie sie gemäß § 3 Abs. 2 Nr. 1 BauNVO zulässig sind. Die gewerbliche Nutzung der Häuser, welche der Karl-Marx-Straße zugewandt sind, bleiben angesichts ihrer klaren Ausrichtung zur Straße hin und der von der übrigen Bebauung in dem Gebiet abweichenden Baustruktur hier außer Betracht. Der Gebietseinschätzung stehen die Niederlassung der Tagesmutter, des Handelsvertreters für Energietechnik und das Schild auf dem Briefkasten am … nicht entgegen.

Im reinen Wohngebiet zulässig ist die Niederlassung der Tagesmutter im ….. Eines Rückgriffs auf § 3 Abs. 2 Nr. 2 BauNVO bedarf es nicht, da die Betreuung einzelner Kinder in der Kindertagespflege in der Wohnung einer Tagespflegeperson dem Wohnen äußerst nahe steht. Die Kindertagespflege zählt zum Inbegriff des Wohnens und ist daher schon nach § 3 Abs. 2 Nr. 1 BauNVO allgemein zulässig (Stock, in: König/Roeser/Stock, BauNVO, 3. AUfl. 2014, § 3 Rn. 31b; Stock, in: Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, BauGB, 120. EL Februar 2016, § 3 BauNVO, Rn. 68b). Ausweislich des Schildes an dem Haus im … ist dort ein Handelsvertreter für Energietechnik niedergelassen. Nach dem äußeren Eindruck wird der Betrieb lediglich in einem Raum ausgeübt, sodass sich die Zulässigkeit im reinen Wohngebiet aus § 13 BauNVO ergibt. Gem. § 13 BauNVO sind in den Baugebieten nach §§ 2 bis 4 BauNVO Räume für die Berufsausübung freiberuflicher Tätiger und solcher Gewerbetreibender, die ihren Beruf in ähnlicher Art ausüben, zulässig. Zu den gleichgestellten Gewerbetreibenden gehören auch Handelsvertreter ohne Auslieferungslager (Stock, in: Ernst/Zinkahn/Bielenberg/Krautzberger, BauGB, 120. EL. 2016, § 13 Rn. 26). Hinweise auf ein Auslieferungslager vor Ort bestehen nach dem beim Ortstermin gewonnenen Eindruck nicht. Das ca. 3 auf 4 cm große Schild auf dem Briefkasten am … weist auf die Unternehmensberatung … hin. Die nächstgelegene Zweigstelle des Unternehmens ist ausweislich der Internetseite in Berlin. Der in …. ansässige …. ist Geschäftsführer der …. Es ist einerseits angesichts der Größe und ausgewiesenen Lage des Unternehmens und andererseits geringen Größe des angebrachten Papierschildes auf dem Briefkasten nicht anzunehmen, dass die Ausübung des Gewerbes von seiner privaten Adresse aus erfolgt.

Eine andere Einschätzung folgt auch nicht aus den Gegebenheiten vor Ort.

Räumlich durch einen Grünstreifen abgegrenzt, schließt im Norden des vorgehend umschriebenen Bereichs ein Gebiet mit einer anderen Baustruktur an. Für diesen Bereich wurde im vorhabenbezogenen Bebauungsplan ein allgemeines Wohngebiet, § 4 BauNVO, festgesetzt. Eine im Sinne des § 2 Abs. 6 Satz 2 18. BImSchV relevante, erhebliche Abweichung der tatsächlichen von der festgesetzten Nutzung liegt nicht vor. Der Bereich ist geprägt durch drei sehr große Mehrfamilienhäuser bzw. Häuser, die teilweise der Verwaltung der Seniorenresidenz dienen. Daneben gibt es sechs freistehende Mehrparteienhäuser, die der Unterbringung der Bewohner der Seniorenresidenz dienen. Neben der Seniorenresidenz - welche selbst in einem reinen Wohngebiet zulässig wäre, da deren Ausgestaltung ein selbstbestimmtes Wohnen selbst bei vollständiger Pflege und Betreuung ermöglicht (vgl. zu § 3 Abs. 4 BauNVO: BVerwG, Beschluss vom 25. März 1996 – 4 B 302/95 -, juris Rn. 11 ff.; Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Beschluss vom 15. Februar 2006 – 8 S 2551/05 –, juris Rn. 2; Stock, in: König/Roeser/Stock, Baunutzungsverordnung, 3. Aufl. 2014) - befinden sich in den Gebäuden der Karl-Marx-Straße 121a und 121b diverse Dienstleistungsbetriebe, wie etwa Kosmetik-, Massage- und Nagelstudios. Im rückwärtigen Bereich des Gebäudes Karl-Marx-Straße 117 befindet sich ein gewerblich genutzter Stellplatz für Autos. Das Gebäude selbst steht derzeit leer. Es ist jedoch ausweislich der Informationstafel eine Nutzung als Büro- und Gewerbeflächen geplant.

Trotz ähnlicher Baustruktur, ist das Gebiet südlich der Freifläche auf dem Grundstück der …. separat von dem hier entscheidungsrelevanten Gebiet um den …. zu beurteilen. Die Freifläche schafft eine klare räumliche Trennung, die eine gemeinsame Betrachtung unsachgerecht erscheinen lässt. Das südlich gelegene Gebiet, entlang der …, … und …, besteht fast ausschließlich aus Wohnhäusern in Form von Doppelhaushälften. Lediglich in dem Gebäude …. führt Herr … nach dem, beim Ortstermin gewonnenen Eindruck und dem kleinen Schild auf dem Briefkasten Tätigkeiten auf dem Gebiet Telekommunikations- und Datentechnik in einem Raum durch. Er übt den technischen Beruf in ähnlicher Weise aus wie ein Freiberufler. Diese Nutzung ist nach § 13 BauNVO zulässig und steht der Einordnung des Gebietes als reines Wohngebiet mithin nicht entgegen.

Einer gesteigerten Duldungspflicht unterliegen die Anwohner am Immissionsort 2, welcher inmitten des reinen Wohngebietes liegt, nicht. Das Grundstück am Immissionsort 2 liegt nicht in enger Zuordnung am Rande unterschiedlich schutzwürdiger Gebiete.

Auch der, bereits seit dem Jahr 2000 oder 2001 bestehende Sportplatz, vermag das Schutzniveau nicht zu reduzieren. Im Falle eines baurechtlich zulässigen Nebeneinanders von Wohnen und Sportanlage können faktische Vorbelastungen dazu führen, dass dem Schutz des Wohnens ein geringerer Stellenwert zukommt und Beeinträchtigungen im weitergehenden Maße zumutbar sind als sie sonst in dem betreffenden Baugebiet hinzunehmen wären. Bei der Beurteilung der Zumutbarkeit von Sportlärm kann daher bedeutsam sein, ob die Wohnnutzung oder der Sportbetrieb eher vorhanden waren (BVerwG, Urteil vom 23. September 1999 – 4 C 6/98 –, juris, Rn. 26 m.w.N.). Die Ausgestaltung und der Umfang der ehemaligen Sportplätze rechtfertigt die Annahme eines, an die Wohnbebauung angrenzenden faktischen Sondergebietes nicht. Der Sportplatz war vormals wesentlich kleiner. Überdies ist zu berücksichtigen, dass die negativen Auswirkungen des ehemaligen Sportplatzes auf das angrenzende Wohngebiet auch deshalb nicht zu einer relevanten Vorbelastung führen, da die Wohnbebauung bereits bestand als der Sportplatz in den Jahren 2000 und 2001 gebaut wurde. Zudem wurde die Anlage durch den Ausbau nachträglich erheblich erweitert und ist deutlich näher an die Wohnbebauung herangerückt, was bei der Bestimmung des Schutzniveaus zu Gunsten des Wohngebietes zu berücksichtigen ist.

Der Ansatz, das Schutzniveau der Nachbarschaft, welche am Rande zum Außenbereich liegt, herabzusetzen, greift vorliegend gleichermaßen nicht (BVerwG, Urteil vom 19. Januar 1989 – 7 C 77/87 -, juris Rn. 28; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 6. November 1989 – 7 B 2966/87 -, juris; VG Frankfurt (Oder), Urteil vom 17. Januar 2013 – 5 K 449/09 -, juris Rn. 40; VG München, Beschluss vom 20. November 2015 – M 11 S 15.3934 -, juris Rn. 35). Dieser wird von der Überlegung getragen, dass Eigentümer solcher Grundstücke nicht damit rechnen können, dass in ihrer Nachbarschaft keine emittierende Nutzung oder allenfalls eine reine Wohnnutzung entstehen könne (BVerwG, Urteil vom 19. Januar 1989 – 7 C 77/87 -, juris Rn. 28). Freilich ist insoweit die städtebauliche Leitvorstellung des Gesetzgebers zur Zulässigkeit von Außenbereichsvorhaben einzustellen, die von dem Grundsatz geprägt ist, den Außenbereich von baulichen Anlagen freizuhalten, soweit diese nicht ihrem Wesen nach in den Außenbereich gehören (vgl. Mitschang/Reidt, in: Battis/Krautzberger/Löhr, BauGB, 13. Aufl. 2016, § 35 Rn. 1). Ein gemindertes Schutzniveau ist danach allenfalls dann gerechtfertigt, wenn es sich bei der heranrückenden Bebauung um ein privilegiertes oder gegebenenfalls teilprivilegiertes Vorhaben im Sinne des § 35 Abs. 1, Abs. 4 BauGB handelt. Sportanlagen gehören hierzu – wie ausgeführt – nicht. Die Bewohner von Gebäuden am Rande des Außenbereiches müssen folglich nicht typischerweise mit der Ansiedlung einer Sportanlage rechnen, sondern können vielmehr auf die Freihaltung des Außenbereichs von nicht außenbereichstypischen Vorhaben vertrauen. Zu einem anderen Ergebnis führt auch eine „Legalisierung“ des Vorhabens im Außenbereich durch Erlass eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans nicht. Unabhängig von der, je nach Einschätzung des Gebietes zu beantwortenden Frage, ob der Plan an einem Abwägungsmangel infolge fehlerhafter Bestimmung des Schutzniveaus leidet, kann der Plan sich denknotwendig nicht selber rechtfertigen. Während der Planaufstellung müsste das bestehende Schutzniveau Eingang in die Abwägung finden. Es würde eine Vorwegnahme des Abwägungsergebnisses bedeuten, wenn das Schutzniveau unter der Hypothese bestimmt würde, dass das geplante Vorhaben durch Bebauungsplan legalisiert sei. Entscheidend nach dem Bundesverwaltungsgericht ist vielmehr die bebauungsrechtliche Situation zu dem Zeitpunkt, in dem sich die Planung verfestigt (vgl. BVerwG, Urteil vom 22. März 1985 – 4 C 63/80, NJW 1985, 3034 (3035)). Zu diesem Zeitpunkt war – wie bereits ausgeführt - das Gebiet nicht derart vorbelastet, dass eine Herabsenkung des Schutzniveaus angezeigt war.

3. Die Nebenbestimmungen sind zu einem großen Teil rechtmäßig (hierzu 3.1). Soweit Zweifel hinsichtlich der Rechtmäßigkeit bestehen, bedarf es einer abschließenden Beurteilung nicht. Im Falle der Rechtmäßigkeit wäre die Klage bereits aus diesem Grunde als unbegründet abzuweisen. Im Falle der Rechtswidrigkeit der Nebenbestimmungen würde die Klage gleichwohl keine Aussicht auf Erfolg haben, da die isolierte Aufhebung der Nebenbestimmungen das Entstehen einer rechtswidrigen Gesamtregelung zur Folge hätte und sich die Klägerin daher nicht in zulässiger Weise darauf berufen könnte (hierzu unter 3.2).

3.1 In der Nebenbestimmung A.1 in der Fassung des Widerspruchsbescheids werden die Ruhezeiten entsprechend den obigen Ausführungen für reine Wohngebiete gem. § 2 Abs. 2 Ziff. 4 18. BImSchV ordnungsgemäß festgesetzt. Auch die Ruhezeit von 13.00 bis 15.00 Uhr an Sonn- und Feiertagen soll gelten. Für den hier relevanten Immissionsort 2 (….) wird in der Genehmigung eine Überschreitung der Immissionrichtwerte für reine Wohngebiete, nämlich 50 dB(A) tagsüber außerhalb der Ruhezeit und 45 dB(A) tagsüber innerhalb der Ruhezeit, verboten. Es ist grundsätzlich möglich, in der Baugenehmigung die Nutzung durch die Angabe von einzuhaltenden Pegelwerten einzuschränken. Der Konflikt zwischen nachbarlichem Interesse am Schutz der Wohnruhe einerseits und Sportlärm andererseits muss nicht zwingend abschließend in der Baugenehmigung durch ins Detail gehende Vorgaben für den Sportbetrieb geregelt werden. Insbesondere wenn Intensität und Zumutbarkeit des Sportlärms von nur schwer zu prognostizierenden Umständen, wie Auslastung der Sportanlage, Spielverlauf, Zuschauerzahl und den Wind- und Wetterverhältnissen abhängt, kann es ausreichen, wenn durch eine Nebenbestimmung ein bestimmtes Höchstmaß an Lärmimmissionen vorgegeben wird, dessen Einhaltung durch sinnvolle Betriebsgestaltung in der Verantwortung des Anlagenbetreibers bleibt. Das gilt jedenfalls, sofern nicht von vornherein absehbar ist, dass ein sinnvoller Sportbetrieb unter Einhaltung des zulässigen Immissionsniveaus ausgeschlossen ist (vgl. Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 21. Juli 1994 – 11 B 1511/94 –, juris Rn. 16; VG Berlin, Urteil vom 6. April 2005 – 19 A 299.02 -, juris Rn. 42). Demnach ist es ausschlaggebend, ob bei regelmäßigem, sinnvollen Sportbetrieb unter Beachtung der Beschränkungen durch die übrigen Nebenbestimmungen eine Überschreitung der Lärmrichtwerte anzunehmen ist. Einer Festlegung von Richtwerten zu Nachtzeiten bedurfte es angesichts der Betriebszeiten nicht.

Im regelmäßigen Trainingsbetrieb werktags von 16.00 bis 20.00 Uhr, wie in A.2 festgelegt, werden die Lärmrichtwerte für reine Wohngebiete eingehalten. Um dies zu gewährleisten, bedurfte es der Beschränkung auf den Trainingsbetrieb bis 20.00 Uhr, obwohl die Klägerin einen Betrieb werktags bis 22.00 Uhr beantragt hatte.

Anhaltspunkte für die Einhaltung oder Überschreitung der Vorgaben der 18. BImSchV beim Trainingsbetrieb der Anlage bieten die Gutachten des gerichtlich bestellten Dr.-Ing. Reinhard Bertl vom 15. Juli 2015 und 26. Juni 2015. Da diese Gutachten – anders als die zuvor von der Gemeinde eingeholten Gutachten - auf Messungen basieren, werden sie zur Grundlage der gerichtlichen Bewertung gemacht. Hiernach ergibt sich, selbst bei Zugrundelegung des pauschalen Messabschlags von 3 dB(A), wie von der Klägerin vorgetragen, sowie des zusätzlichen Messabschlags von 3 dB(A) nach Ziffer 1.6 des Anhangs der 18. BImSchV wegen Ungenauigkeiten im Mess- und Beurteilungsverfahren, für den regelmäßigen Spielbetrieb werktags von 20.00 bis 22.00 Uhr ein Wert von 48,2 dB(A). Dieser liegt jedenfalls über dem erlaubten Richtwert von 45 dB(A) innerhalb der Ruhezeiten in reinen Wohngebieten – unabhängig von einem Informationszuschlag.

Die Angriffe zur Verwertbarkeit und Belastbarkeit des eingeholten Gutachtens greifen nicht durch.

Zur Frage der Verwertbarkeit wird Bezug auf die Begründung im Beschluss vom 5. September 2013, insbesondere die Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Koblenz (Beschluss vom 15. März 2011 – 5 W 145/11 –juris Rn. 11 ff.) genommen. Die Ergebnisse sind auch repräsentativ und formen eine belastbare Grundlage. Insbesondere durfte der Gutachter an dem gewählten Ersatzmesspunkt seine Messungen vornehmen. Der maßgebliche Immissionsort bestimmt sich grundsätzlich nach Ziff. 1.2 des Anhangs zur 18. BImSchV. Hiernach liegt der für die Beurteilung maßgebliche Immissionsort bei bebauten Flächen 0,5 m außerhalb, etwa vor der Mitte des geöffneten, vom Geräusch am stärksten betroffenen Fensters eines zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmten Raumes einer Wohnung.

Entgegen der Ansicht der Klägerin ist die Messung nicht bereits deshalb fehlerhaft, da sie an einem Ersatzmesspunkt vorgenommen wurde. Nach Ziff. 1.2 a) in Verbindung mit Ziff. 3.2.2.1 a) der Anlage zur 18. BImSchV kann bei bebauten Flächen das Mikrofon an einem geeigneten Ersatzmesspunkt möglichst in Höhe des am stärksten betroffenen Fensters aufgestellt werden, insbesondere wenn der Bewohner nicht informiert oder gestört werden soll. Der Sachverständige stellte nachvollziehbar dar, dass an dem eigentlichen Messpunkt eine Messung untunlich gewesen wäre. Der betroffene Raum wurde vorliegend als Kinderzimmer genutzt. Zur Vermeidung einer Störung des in dem Raum hinter dem am stärksten betroffenen Fenster im ersten Obergeschoss lebenden und ruhenden Kleinkindes wurde daher zu Recht ein Ersatzmessort gewählt. Der Ersatzmesspunkt lag in Höhe des ersten Obergeschosses in drei Metern Abstand vor der Fassade bei geschlossenem Fenster. In Ziffer 3.2.2.1 a) sind Einzelheiten zur Wahl des Orts der Messung nur oberflächlich geregelt. Lediglich beispielhaft wird als Ersatzmesspunkt eine Baulücke neben dem betroffenen Gebäude genannt. Der hier gewählte Ersatzmessortes ist also grundsätzlich nach der 18. BImSchV zulässig. Der Hinweis der Klägerin auf Ziff. 6.1 der DIN 45645-1 rechtfertigt ein anderes Ergebnis nicht. Der Bundesgerichtshof hat wiederholt darauf hingewiesen, dass DIN-Normen keine Rechtsnormen sind, sondern nur private technische Regelungen mit Empfehlungscharakter (vgl. BGH, Urteil vom 14. Juni 2007 – VII ZR 45/06 –, juris Rn. 32; BGH, Urteil vom 24. Mai 2013 – V ZR 182/12 –, juris Rn. 26). Die Abweichung von den in Ziffer 6.1 Absätze 2 und 3 der DIN 45645-1 vorgeschlagenen Ersatzmesspunkten spricht daher nicht bereits für die Ungeeignetheit des Ersatzmessortes. Anders als Ziffer A.1.3 der TA Lärm verweist Ziff. 3.2.2.1 des Anhangs der 18. BImSchV auch nicht auf die Bestimmungen nach DIN 45645-1, sondern überlässt es dem Gutachter, einen geeigneten Ersatzmessort zu wählen. Die Vorschrift ist angesichts der Wortwahl zum Ersatzmesspunkt bewusst weit gefasst.

Die Berechnungen des gerichtlich bestellten Gutachters erfolgten auf der Grundlage von Messungen am 11. April 2014 und 7. November 2014. Die Erhebung beruht auf der derzeitigen Auslastung und dem derzeitigen Trainingsbetrieb werktags von 16.00 bis 20.00 Uhr. Da der Trainingstag vom 11. April 2014, anders als der Trainingsbetrieb am zweiten Messtermin (7. November 2014), für eine Trainingssituation mit einer intensiven Auslastung aller vom Messpunkt einsehbaren Teilflächen der Sportanlage bei auffällig hoher Trainingsbeteiligung und –intensität steht, wurden die dort ermittelten Werte, namentlich der Mittelungspegel von 54,2 dB(A) aus der Zeit von 19.00 bis 20.00 Uhr am 7. November, der Betrachtung und Berechnung zugrunde gelegt. Ausweislich des Gutachtens zu 3 K 878/11, Seite 16, ist bei fiktiver Betrachtung des Trainingsbetriebs von 20.00 bis 22.00 Uhr für den Messpunkt ein Beurteilungspegel von 54,2 dB(A) zu erwarten. Gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 4 der 18. BImSchV beträgt der erlaubte Immissionsrichtwert 45 dB(A). Wie bereits erwähnt, kommt es daher für die Beurteilung des abendlichen Trainingsbetriebs nicht darauf an, ob die Wahl des Ersatzmesspunktes, wie von dem gerichtlich bestellten Gutachter vorgetragen, einen Abschlag in Höhe von 0,1 dB(A) oder nach dem Vorbringen der Klägerin einen Abschlag von 2,3 bis 2,9 dB(A) bzw. pauschal 3 dB(A) zur Folge hat. Auch der erforderliche Messabschlag von 3 dB(A) nach Ziffer 1.6 des Anhangs der 18. BImSchV wegen Ungenauigkeiten im Mess- und Beurteilungsverfahren (vgl. BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012 – 7 A 12/11 –, juris Rn. 47; BVerwG, Urteil vom 29. August 2007 – 4 C 2/07 –, juris Rn. 18 ff.; BVerwG, Urteil vom 16. Mai 2001 – 7 C 16/00 -, juris Rn. 19; OVG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 29. Juni 2012 – 1 A 10878/11-, juris Rn. 121), führt nicht zu einem Unterschreiten der Richtwerte in der Ruhezeit werktags von 20.00 bis 22.00 Uhr.

Unabhängig von der Frage, ob sich die Klägerin hierauf berufen könnte, ist die Nebenbestimmung A.2 nicht etwa deshalb rechtswidrig, da hierdurch ein Trainingsbetrieb erlaubt wird, der regelmäßig zu unzumutbarem Lärm führt und damit nicht hinreichend beschränkend ist. Vielmehr wird durch die Nebenbestimmung A.2 die Einhaltung der Lärmrichtwerte sichergestellt. Der Sachverständige ermittelte für den vierstündigen Trainingsbetrieb einen Beurteilungspegel von 49,6 dB(A). Ein Zuschlag für Ton- und Informationshaltigkeit erfolgte im Trainingsbetrieb ebenso wenig wie die Abschläge wegen Reflexionsschall und Messungenauigkeiten. Der erlaubte Wert beträgt gem. § 2 Abs. 2 Nr. 4 18. BImSchV tags außerhalb der Ruhezeiten 50 dB(A). Da jedenfalls der Abschlag gem. Ziffer 1.6 Anhang 18. BImSchV vorzunehmen ist, kommt es für die Einhaltung des Wertes auf die übrigen Zu- und Abschläge nicht mehr an. Messabschläge sind wegen der Interdependenzen zwischen Immissionswerten und dem für ihre Ermittlung festgelegten Mess- und Beurteilungsverfahren untrennbarer Bestandteil des Mess- und Berechnungsverfahrens der Sportanlagenlärmschutzverordnung (BVerwG, Urteil v. 16. Mai 2001, - 7 C 16.00 -, juris, Rn. 19; OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 11. November 2010 – OVG 11 B 24.08 -, juris Rn. 28). Sie sind trotz der Fortentwicklung der Messtechnik wegen verbleibender Unsicherheiten bei der messtechnischen Überprüfung der Einhaltung der Immissionswerte auch heute noch gerechtfertigt (BVerwG, Urteil vom 10. Juli 2012 – 7 A 12/11 –, juris Rn. 47; BVerwG, Urteil vom 29. August 2007 – 4 C 2/07 –, juris Rn. 18 ff.).

Unabhängig von dem, nach Auffassung der Klägerin vorzunehmenden Messabschlag wegen Reflexionsschall, beschränkt die Nebenbestimmung A.4 den Turnierbetrieb in einem Maße, dass eine Überschreitung der Immissionsrichtwerte sowie der Maximalpegel nicht zu erwarten ist. Zugrunde gelegt wurden verschiedene Turnierkonstellationen (4 oder 5 Mannschaften). Dabei setzte der Gutachter aus den Messungen gewonnene, realistische Pegel des Kinder- und Jugendbereichs an. Dem gegenüber gestellt wurde dieselbe Konstellation eines Turnierbetriebes der Herren unter Einbeziehung eines Zuschlags für Informationshaltigkeit. Im Gutachten wird differenziert zwischen einem Turnierbetrieb samstags und sonn-/feiertags. Samstags wurde als Rahmenspielzeit 8.00 bis 20.00 Uhr angesetzt. Die Wirkungszeit variiert zwischen 180 Minuten für Turniere mit vier und 300 Minuten für Turniere mit fünf Mannschaften. Sonntags ist als Beurteilungszeit entweder ein Zeitraum 9 Stunden oder von 4 Stunden relevant. Die Wirkungszeit variiert sonntags zwischen 180 Minuten für Turniere mit vier und 200 Minuten für Turniere mit fünf Mannschaften. Die Beurteilungszeit von 4 Stunden findet für den Fall Anwendung, dass an Sonn- und Feiertagen die gesamte Nutzungszeit der Sportanlage zusammenhängend weniger als 4 Stunden beträgt und mehr als 30 Minuten der Nutzungszeit in die Zeit von 13 bis 15 Uhr fallen. Gemäß Ziff. 1.3.2.2 des Anhangs der 18. BImSchV gilt in diesen Fällen als Beurteilungszeit ein Zeitabschnitt von 4 Stunden, der die volle Nutzungszeit umfasst. Erforderlich ist daher, dass die Spielzeit in die Ruhezeit hinein reicht. Dies ist nach den Nebenbestimmungen in der Baugenehmigung weiterhin möglich, da für den Turnierbetrieb, anders als für den Punktspielbetrieb, zwar auf die Ruhezeit zwischen 13.00 und 15.00 Uhr an Sonn- und Feiertagen hingewiesen wird, jedoch der Turnierbetrieb in dieser Zeit nicht für unzulässig erklärt wurde.

Nach den Ergebnissen des Gutachtens ist mit folgenden Beurteilungspegeln zu rechnen:

NutzungsartZuschlagTon-/ Infor-mations-haltigkeitBeurteilungs-pegel (nachMessabschlag)Immissions-richtwert§ 5 Abs. 518.BimSchVWRImmissions-richtwert(Maximalpegel)WRWerktags4er Jugendturnier/       46,0   60 dB(A)80 dB(A)5er Jugendturnier/       48,2   60 dB(A)80 dB(A)4er Herrenturnier3 dB(A)54,0   60 dB(A)80 dB(A)5er Herrenturnier3 dB(A)56,2   60 dB(A)80 dB(A)Sonn-/FeiertagsÜber 4 Stunden Dauer4er Jugendturnier/       47,2   60 dB(A)80 dB(A)5er Jugendturnier/       47,7   60 dB(A)80 dB(A)4er Herrenturnier3 dB(A)55,2   60 dB(A)80 dB(A)5er Herrenturnier3 dB(A)55,7   60 dB(A)80 dB(A)4-Stunden-Regel4er Jugendturnier/       50,8   60 dB(A)80 dB(A)5er Jugendturnier/       51,2   60 dB(A)80 dB(A)4er Herrenturnier3 dB(A)58,8   60 dB(A)80 dB(A)5er Herrenturnier3 dB(A)59,2   60 dB(A)80 dB(A)Die gemessenen Werte liegen nach Berücksichtigung des Messabschlags nach Ziffer 1.6 des Anhangs der 18. BImSchV alle unterhalb der erlaubten Immissionsrichtwerte, wobei ein Abschlag wegen Reflexionsschall noch nicht vorgenommen wurde. Dies führt erst Recht zur Annahme, dass die Immissionsrichtwerte im Turnierbetrieb eingehalten werden.

Die Nebenbestimmung A.3 regelt den Punktspielbetrieb in hinreichend bestimmter Weise, § 37 VwVfG. Nach dem Widerspruchsbescheid erfolgt die Beurteilung des Spielbetriebes unter der Maßgabe, dass dieser an Wochenenden (Samstag und Sonntag) in der Zeit von 10.00 bis 20.00 Uhr stattfindet. Damit ist, ähnlich wie in Ziffer A.2 zunächst der Beurteilungsmaßstab festgesetzt und über die Zulässigkeit des Spielbetriebes keine Aussage getroffen. Für unzulässig erklärt wird in der Folge lediglich der Punktspielbetrieb an Sonn- und Feiertagen in der Ruhezeit von 13.00 bis 15.00 Uhr. Im Rückschluss ist die Genehmigung so zu verstehen, dass der Spielbetrieb im Übrigen während des Beurteilungszeitraumes zulässig ist. So wird die Baugenehmigung auch von deren Adressaten verstanden, wie sich aus dem üblichen Spielbetrieb an Samstagen ergibt. Zwar steht die Regelung im Widerspruch zu dem eigentlich Beantragten (werktags, d.h. auch samstags, von 16.00 bis 20.00 Uhr), jedoch führt sie nicht zu Rechtsunsicherheit, sondern erlaubt den Spielbetrieb auch samstags von 10.00 bis 20.00 Uhr nach allgemeinem Verständnis. Hierfür spricht auch der Umstand, dass die mit dem Bauantrag eingereichte Betriebsbeschreibung nicht mit einem grünen Zugehörigkeitsstempel, sondern lediglich mit einem grünen Eingangsstempel versehen ist.

Grenzwertig stellen sich die Ergebnisse des Gutachters im Hinblick auf den Punktspielbetrieb dar. Ein Spielbetrieb mit drei Spielen fährt danach zu Beurteilungspegeln von 51,9 dB(A) samstags bzw. 55,8 dB(A) sonntags außerhalb der Ruhezeiten. Dieser Wert ergibt sich nach Vornahme des Messabschlags wegen Messungenauigkeiten sowie unter Beachtung des Korrektivs zur Informationshaltigkeit, jedoch ohne Berücksichtigung eines von der Klägerin geforderten und vom Sachverständigen bestrittenen Abschlags wegen Reflexionsschall. Der Gutachter legte seinen Berechnungen zum einen den Spielbetrieb am Samstag den 22. März 2014 zugrunde, wobei er die ermittelten Werte auf die geringere Beurteilungszeit an Sonntagen übertrug. An dem Tag wurden drei Spiele gemessen, welche im Rahmen des „SGG-Tag“ durchgeführt wurden. Es fanden zwei Punktspiele im Jugendbereich und ein Punktspiel der 1. Männermannschaft statt. Bei einer zweiten Berechnung setzte er für die beiden Jugendspiele die am 22. März 2014 ermittelten Werte und für das Herrenspiel die am Sonntag, 2. November 2014, ermittelten Werte an. Diese Betrachtung wurde angestellt, da die ermittelten Werte am Sonntag, 2. November 2014, sehr hoch waren und mit Reaktionen, wie sie an diesem Tag vorkamen, ebenfalls zu rechnen ist.

3.2 Darauf, ob die zugrunde gelegten Spiele den regelmäßigen Punktspielbetrieb tatsächlich abbilden und ob die Nebenbestimmung rechtmäßig ist, oder aber rechtswidrig, da sie den regelmäßigen Punktspielbetrieb nicht derart beschränkt, dass eine Verletzung des nachbarschützenden Rücksichtnahmegebotes verhindert wird, kommt es nicht an, da sich die Klägerin - wie oben bereits vermerkt - auf eine mögliche Rechtswidrigkeit nicht berufen kann. Letztlich würde ihr bei Überschreitung der Richtwerte im derzeitigen Betrieb eine Nutzung erlaubt, die sie besser stellen würde als eine rechtmäßige Beschränkung des Spielbetriebes.

Wie bereits im Rahmen der Zulässigkeitsprüfung angesprochen, ist die Frage der Teilbarkeit von Nebenbestimmungen Teil der Begründetheitsprüfung. Ob die Klage zur isolierten Aufhebung der Nebenbestimmungen führen kann, hängt davon ab, ob der begünstigende Verwaltungsakt ohne die Nebenbestimmung sinnvoller- und rechtmäßigerweise bestehen bleiben kann (BVerwG, Urteil vom 22. November 2000 – 11 C 2/00 -, juris Rn. 25; BVerwG, Urteil vom 17. Februar 1984 – 4 C 70/80, juris Rn. 14;OVG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 10. Februar 2011 – OVG 11 B 32.08 -, juris Rn. 17; Stelkens, in: Stelkens/Bonk/Sachs, Verwaltungsverfahrensgesetz, 8. Aufl. 2014, § 36 Rn. 55 (a.A. des Verfassers in Rn. 60 ff.)). Steht die angefochtene Nebenbestimmung mit dem eigentlichen Inhalt des Verwaltungsaktes in einem solchen Zusammenhang, dass sie die mit dem Verwaltungsakt ausgesprochene Rechtsgewährung inhaltlich einschränkt und dass nach Aufhebung der Nebenbestimmung der bestehenbleibende Teil des Verwaltungsaktes entgegen dem geltenden Recht eine uneingeschränkte Begünstigung enthielte, so schließt dies materiell-rechtlich die isolierte Aufhebung aus (BVerwG, Urteil vom 17. Februar 1984 – 4 C 70/80, juris Rn. 14).

Die isolierte Aufhebung der hier angefochtenen Auflage ist mit dem materiellen Recht nicht vereinbar.

Dies gilt bereits für die isolierte Aufhebung der einzelnen Nebenbestimmung A.3. Die Bestimmungen zum Punktspielbetrieb könnten nach den Ausführungen unter 3.1 allenfalls rechtswidrig sein, wenn sie den regelmäßigen Betrieb nicht hinreichend weit einschränken, um die Einhaltung der Lärmrichtwerte sicherzustellen. Eine isolierte Aufhebung von A.3 würde einen unbeschränkten Spielbetrieb zur Folge haben und damit zu einer Situation führen, in der eine Verletzung des Rücksichtnahmegebotes erst recht anzunehmen ist.

Überdies hat die Rechtswidrigkeit einer einzelnen Nebenbestimmung die Rechtswidrigkeit der anderen Nebenbestimmungen zur Folge. Den Nebenbestimmungen liegt ein ganzheitliches Nutzungs- und Lärmschutzkonzept zugrunde, welches bei der Aufhebung einzelner Nebenbestimmungen berührt sein kann. Da der Spielbetrieb einen essentiellen Teil der Nutzung der Sportanlage formt, kann der Klägerin eine, dem Bauantrag widersprechende Nutzung der Anlage ohne Punktspielbetrieb im Wege einer teilweise Aufhebung der Nebenbestimmungen nicht „aufgezwungen werden“. Dies gilt umso mehr, als dass die Klägerin in ihrem Bauantrag zwischen den verschiedenen Nutzungen der Anlage nicht differenzierte. Angenommen, die Nebenbestimmungen in ihrer Gesamtheit, also der Widerspruchsbescheid selbst, würden in der Folge aufgehoben, so würde die ursprüngliche Baugenehmigung mit ihren ursprünglichen Nebenbestimmungen fortgelten. Die ehemalige Baugenehmigung ließ eine Nutzung der Sportanlage unter der Voraussetzung zu, dass am Immissionsort 2 (…) die Immissionsrichtwerte für allgemeine Wohngebiete eingehalten werden. Diese liegen weit oberhalb den tatsächlich erlaubten Werten für reine Wohngebiete, wie sie entsprechend der oben vorgenommenen Gebietsbestimmung hier anzuwenden sind. Zudem wäre der Trainingsbetrieb zeitlich weniger beschränkt möglich. Die Aufhebung der bestehenden Nebenbestimmungen im Ganzen würde folgerichtig zu einer tiefergreifenden Verletzung des Rücksichtnahmegebotes führen. Rechtswidrige Zustände würden bestehen bleiben bzw. weiter vertieft.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 1 in Verbindung mit § 162 Abs. 3 VwGO. Von einer Überbürdung des außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen auf die Klägerin ist abzusehen, da diesem einen Antrag nicht gestellt und sich somit einen Kostenrisiko nicht ausgesetzt haben.

Die Entscheidung zur vorläufigen Vollstreckbarkeit folgt aus § 173 VwGO i.V.m. §§ 708 Nr. 11, 711 ZPO.