FG München, Urteil vom 29.06.2015 - 7 K 2102/13
Fundstelle
openJur 2015, 18991
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Tenor

1. Die Klage wird abgewiesen.

2. Die Klägerin trägt die Kosten des Verfahrens.

Tatbestand

I. Streitig ist die Anerkennung von Schuldzinsen im Zusammenhang mit der Vermietung eines Ferienhauses.

Die Klägerin ist freiberuflich tätig und seit 2006 verheiratet. Im Jahr 2004 wurde sie mit ihren Einkünften einzeln zur Einkommensteuer veranlagt. Im Jahr 2006 erfolgte eine besondere Veranlagung im Jahr der Eheschließung und im Jahr 2007 eine getrennte Veranlagung. In den Jahren 2008 bis 2010 wurde die Klägerin zusammen mit ihrem Ehemann zur Einkommensteuer veranlagt. Erstmals im Einspruchsverfahren gegen die Einkommensteuerbescheide 2004 und 2006 machte die Klägerin Schuldzinsen für ein Vermietungsobjekt auf Mallorca als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend. Aufgrund der geänderten Rechtsprechung zu Mietverlusten im EU-Ausland seien Schuldzinsen von 51.278 € (2004), 58.418 € (2006), 55.975 € (2007),

39.072 € (2008), 26.582 € (2009) sowie 15.265 € (2010) als Werbungskosten zu berücksichtigen. Einnahmen seien im Jahr 2007 in Höhe von 2.400 €, im Jahr 2009 von 8.400 € und im Jahr 2010 von 9.000 € erzielt worden. Als AfA sei in den Streitjahren jeweils ein Betrag von 31.563 € anzusetzen.

Das Finanzamt erkannte die geltend gemachten Verluste hinsichtlich der Überschusserzielungsabsicht zunächst teilweise vorläufig hinsichtlich der Überschusserzielungsabsicht an, kam jedoch im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung 2010 zu dem Ergebnis, dass die Verluste aus dem Objekt wegen der fehlenden Überschusserzielungsabsicht insgesamt nicht anzuerkennen seien und setzte die Einkommensteuer für das Jahr 2010 mit Bescheid vom 11. September 2012 entsprechend fest (bzw. Änderungsbescheid vom 12. Februar 2013). Entsprechende Änderungsbescheide ergingen für das Jahr 2004 am 31. Oktober 2012, für die Jahre 2006 und 2007 jeweils am 4. Oktober 2012 sowie für die Jahre 2008 und 2009 jeweils am 24. September 2012.

Im dagegen gerichteten Einspruchsverfahren trug die Klägerin unter anderem im Rahmen einer gegenüber dem Landesamt für Finanzen gestellten Anfrage vor, dass sie von einer Vermietung des Ferienhauses an circa 230 Tagen zu einem täglichen Mietpreis von 400 €  ausgehe. Die Einsprüche hatten keinen Erfolg. Mit Einspruchsentscheidung vom 19. Juni 2013 wies das Finanzamt die Einsprüche gegen die Einkommensteuerbescheide für die Jahre 2004 bis 2007 als unbegründet zurück. Aufgrund der - vorliegend nicht streitigen – Berücksichtigung von Mitteilungen über die einheitliche und gesonderte Feststellung der Einkünfte wegen der Beteiligung des Ehemanns der Klägerin an der … GmbH & Co. KG erhöhte das Finanzamt mit Einspruchsentscheidung vom 19. Juni 2013 die Einkommensteuer 2008 auf 92.616 €, die Einkommensteuer 2009 auf 41.338 € und die Einkommensteuer 2010 auf 38.545 € und wies die Einsprüche im Übrigen als unbegründet zurück.

Mit der hiergegen eingelegten Klage macht die Klägerin im Wesentlichen geltend, dass das Finanzamt die geltend gemachten Werbungskosten zu Unrecht nicht anerkannt habe. Sie habe im Jahr 2003 ein unbebautes Grundstück auf Mallorca erworben und durch einen Generalunternehmer ein Einfamilienhaus errichten lassen. Als Ende der Bauarbeiten sei Juni 2004 vereinbart worden. Der Außenpool sei von einem Schwimmbadbauer erstellt worden. Das Anwesen habe eine Gesamtwohnfläche von 470 Quadratmeter, verfüge unter anderem über mehrere Schlafzimmer, Innenwhirlpool, Hamam und sei zur langfristigen Vermietung an sechs bis acht erwachsene Personen vorgesehen.

Der Generalunternehmer des Objekts auf Mallorca habe im Jahr 2006 Insolvenz angemeldet und das Haus mit vielen größeren Baumängeln hinterlassen, wie sich aus dem Gutachten der Architektin vom 18. August 2006 ergebe. Beispielsweise hätten weder die Toilette, die Duschen noch der Stromanschluss funktioniert. Aufgrund des fehlenden Wasserdrucks habe die Toilette mit Wasser aus Flaschen nachgespült werden müssen, außerdem seien alle Abflussrohre mit Beton und Mörtel verstopft gewesen. Da der Stromanschluss erst am 7. September 2007 erfolgt sei, habe das Objekt erst zu diesem Zeitpunkt zur Vermietung angeboten werden können, da es zuvor über einen Dieselgenerator versorgt worden sei. Einem Mieter habe nicht zugemutet werden können, das Diesel mit Kanistern von einer mehrere Kilometer entfernten Tankstelle zu holen. Außerdem sei es im zweistündigen Turnus zu Stromausfällen gekommen, der Schaden habe erst im Jahr 2009/2010 durch einen fremden Elektriker behoben werden können. Auch die Wasserversorgung sei ständig unterbrochen gewesen, da das Wasser mit einer elektrischen Pumpe aus 100 Meter Tiefe geholt werden habe müssen. Es habe keinen Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung gegeben. Aufgrund der schlechten Verfugung sei ständig Wasser durch die geschlossenen Fenster eingedrungen, so dass der Putz abgeblättert sei und sich Schimmel gebildet habe. Erst Ende des Jahres 2011 seien diese Schäden durch Fremdfirmen beseitigt worden. Der noch vorhandene Bauschutt sei im Jahr 2011 durch einen Gärtner entfernt worden. Fensterläden und Türen hätten nicht geöffnet bzw. geschlossen werden können, außerdem seien die Fliesen falsch verlegt worden, so dass im gesamten Haus Bruchschäden entstanden seien.

Aufgrund der mangelhaften Bauausführung habe sie von dem mit dem Generalunternehmer vereinbarten Preis einen Betrag von 28.164,30 € zurückbehalten, den der Generalunternehmer mit Erfolg eingeklagt habe. In dem Urteil des erstinstanzlichen Gerichts Palma de Mallorca vom 11. März 2008 sei zwar ausgeführt worden, dass keine schwerwiegenden oder bedeutenden Mängel, jedoch punktuelle und konkrete Schönheitsfehler bestünden. Gleichwohl sei festgestellt worden, dass aufgrund des Fehlens von Strom und Wasser viele Punkte von dem gerichtlichen Gutachter nicht überprüft werden konnten, beispielsweise sei es aufgrund der fehlerhaften Errichtung der Sauna als notwendig erachtet worden, einen neuen Verlauf für den Wasserabfluss anzulegen. Im Verfahren gegen den Generalunternehmer seien diese Mängel jedoch nicht ausschlaggebend gewesen, da die Installation der Sauna durch eine Fremdfirma erfolgt sei. Leider habe sie auch in der Berufungsinstanz keinen Erfolg gehabt, immerhin sei im Urteil des Landgerichts von Palma de Mallorca vom 16. Juli 2008 ausgeführt worden, dass es sich um eine mangelhafte Ausführung des Bauauftrages gehandelt habe.

Im Jahr 2008 habe sie gehofft, mit der Firma A eine kompetente Vermietungsgesellschaft gefunden zu haben (Vertrag vom 18. November 2008), diese konnte jedoch keine Vermietung vermitteln, obwohl nachweislich im Juli 2008 Besichtigungstermine stattgefunden hätten. Die Firma A habe ihren Standort im Jahr 2009 aufgegeben. Ein anderer renommierter Makler sei trotz aller Bemühungen nicht zu finden gewesen, obwohl sie sogar in den Jahren 2009 und 2010 einmal in einer russischen Zeitung inseriert habe. Die Inserate lägen allerdings nicht mehr vor, da keine Reaktion erfolgt sei. Auch Schweizer, die gegenüber wohnten, hätten sich für die Finca zur Vermietung an ihre Freunde interessiert, jedoch wegen der Mängel und Unvollständigkeit des Hauses bis Ende 2012 wieder Abstand von einer Mietabsicht genommen. Ebenso habe sich Frau C bemüht, über „Intermeubles“ deutsche und englische Kunden zu gewinnen. Ein früherer Mitarbeiter ihrer Kanzlei könne bestätigen, dass die Klägerin von Deutschland aus alles versucht habe, um das Haus zu vermieten. In Spanien sei es sehr schwierig, Nachbesserungsarbeiten zu einem bezahlbaren Preis ausführen zu lassen. Zusätzlich sei im Mai 2013 ein Blitzeinschlag in die gesamte elektrische Leitung erfolgt, so dass die elektronischen Türöffner, Fernseher, Küchengeräte und Whirlpool defekt wurden.

Da sie das Haus nicht ungenutzt und leer lassen wollte, habe sie es in Eigeninitiative unter Wert ihren Mandanten zur Nutzung überlassen. Schriftliche Mietverträge seien nicht geschlossen worden, die Miete sei nach dem Kostentragungsprinzip festgesetzt worden. Bei den Mietern habe es sich um Berufshandwerker sowie um ambitionierte Heimwerker gehandelt, denen der Zustand des Hauses bekannt gewesen sei und die sich um das Haus gekümmert hätten. Erst im Jahr 2013 habe sie eine neue Vermietungsgesellschaft gefunden, welche das Haus selbst in der ungünstigen Zeit von Februar bis Juni an ein belgisches Ehepaar zu einem Mietpreis von 15.000 € vermietet habe.

Das Einfamilienhaus sei von Anfang an zu Vermietungszwecken an Dauergäste und zur Erzielung von Einnahmeüberschüssen errichtet worden und nur aufgrund widriger Umstände, die sie weder habe vertreten noch beeinflussen können, so schlecht vermietet worden. Sie sei kinderlos verheiratet. Ihr Ehemann arbeite jeweils sechs Monate in P, sie selbst führe eine Kanzlei mit Mitarbeitern und müsse auch an Feiertagen und Puffertagen ständig in der Kanzlei anwesend sein. Ihr Einfamilienhaus sei circa zehn Minuten von der Kanzlei entfernt. Sie habe das Haus auf Mallorca weder in der Vergangenheit bewohnt noch beabsichtige sie eine künftige Eigennutzung. Jährlich habe sie ungefähr drei verlängerte Wochenenden von Freitag bis Sonntag auf Mallorca verbracht, um die Baufortschritte zu überprüfen, dabei habe sie jedoch stets bei ihrer auf Mallorca verheirateten Schwester gewohnt. Es widerspreche jeder Lebenserfahrung, wenn das Finanzamt unterstelle, dass ein durchschnittlicher Steuerpflichtiger ein Objekt von über zwei Millionen Euro errichte, dies teilweise fremd finanziere und zudem sämtliche Lebensversicherungen eingesetzt habe, um dann aus diesem Objekt keine Einnahmenüberschüsse erzielen zu wollen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass das Finanzamt bei einer Abschreibungsdauer von 50 Jahren und einer Restlaufzeit des Darlehens bis 2017 davon ausgehe, dass bereits nach sieben Jahren ein Totalgewinn entstanden sein müsse. Für die Jahre 2014 und 2015 gehe sie von jährlichen Mieteinnahmen von jeweils 49.000 € und ab dem Jahr 2016 von jeweils 52.000 € aus. Für den maßgeblichen Prognosezeitraum 2004 bis 2033 ergebe sich daher bei Berücksichtigung eines Gesamtaufwandes von 1.062.057 € (Schuldzinsen und AfA) sowie Mieteinnahmen von insgesamt 1.103.400 € ein Totalüberschuss von 41.343 €.

Die Klägerin beantragt,unter Änderung der Einkommensteuerbescheide für 2004 vom 5. November 2012, für 2006 und 2007 jeweils vom 8. Oktober 2012 sowie der hierzu ergangenen Einspruchsentscheidung vom 19. Juni 2013, der Einkommensteuerbescheide für 2008 vom 24. Oktober 2013, für 2009 vom 27. September 2012 und für 2010 vom 15. Februar 2013 in Gestalt der Einspruchsentscheidungen vom 19. Juni 2013 bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung Werbungskosten für 2004 in Höhe von 82.841 €, für 2006 in Höhe von 89.981 €, für 2007 in Höhe von 87.537 €,  für 2008 in Höhe von 70.635 €, für 2009 in Höhe von 58.145 € und für 2010 in Höhe von 46.828 € zu berücksichtigen und die Einkommensteuer entsprechend festzusetzen.

Das Finanzamt beantragt,die Klage abzuweisen.

Zur Begründung verweist es auf die Einspruchsentscheidung. Ergänzend trägt es vor, dass gegen eine Vermietungsabsicht spreche, dass das Haus – trotz seiner Fertigstellung im Jahr 2006  – aufgrund der Baumängel erst im Jahr 2009 zur Vermietung freigegeben worden sei. Letztlich handle es sich bei dem fehlenden Stromanschluss und den mangelhaften Sanitäranschlüssen um einfach zu beseitigende Hindernisse. Es könne nicht nachvollzogen werden, dass deswegen Mietausfälle in enormer Höhe in Kauf genommen worden seien. So stelle auch das Urteil des Landgerichts von Palma de Mallorca vom 16. Juli 2008 fest, dass lediglich kleinere Mängel vorhanden gewesen wären. Die Klägerin sei daher verurteilt worden, den vereinbarten Preis für die Errichtung des Hauses vollständig an den Generalunternehmer zu zahlen. Das Urteil führe ausdrücklich aus, dass die Abnahme des Gebäudes durch den Architekten erfolgt sei und in diesem Zusammenhang nur kleine bauliche Mängel festgehalten worden seien, Probleme mit den Schreinerarbeiten oder der Elektrizität seien nicht erwähnt worden. Aus Sicht des Finanzamts hätte es nahe gelegen, das Objekt möglichst schnell in einen vermietungsfähigen Zustand zu versetzen, um nach der mehrjährigen Herstellungsphase (2002 bis 2006) endlich Einnahmen erzielen zu können. Zwar spreche die Einschaltung eines Vermietungsservices grundsätzlich für eine bestehende Vermietungsabsicht. Da das Engagement der Agentur jedoch nicht zum Erfolg geführt habe, hätten spätestens nach ein paar Monaten neue Maßnahmen ergriffen werden müssen, um Mietinteressenten zu finden. Die Vermietung an Mandanten stelle insoweit keine geeignete Maßnahme dar.

Nach Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) sei zwar auch bei der Vermietung einer Ferienwohnung eine Einkunftserzielungsabsicht zu unterstellen, sofern diese zu mindestens 75 % der ortsüblichen Vermietungszeit tatsächlich vermietet und eine Selbstnutzung ausgeschlossen sei (vgl. BFH-Urteil vom 26. Oktober 2004 IX R 26/02, BFH/NV 2005, 688). An dieser Voraussetzung fehle es jedoch im Streitfall, da diese Grenze in keinem der Streitjahre auch nur annäherungsweise erreicht werde. Unabhängig davon wäre die Prüfung des Totalüberschusses auch deshalb notwendig, weil es sich um eine Luxuswohnung handle.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sachverhalts und des Vorbringens der Beteiligten wird auf die Finanzamts-Akten, die im Verfahren gewechselten Schriftsätze nebst der vom Kläger vorgelegten Anlagen, die gerichtliche Anordnung vom 6. August 2014 sowie auf die Niederschrift über die mündliche Verhandlung Bezug genommen.

Mit Änderungsbescheid vom 24. Oktober 2013 änderte das Finanzamt die Einkommensteuerfestsetzung 2008.

Gründe

II. Die Klage ist unbegründet. Das Finanzamt hat zu Recht die Einkünfteerzielungsabsicht im Zusammenhang mit der Vermietung des Ferienhauses verneint und die geltend gemachten Aufwendungen (Schuldzinsen und AfA) nicht als Werbungskosten i.S.d. § 9 Abs.1 Satz 1 Einkommensteuergesetz (EStG) anerkannt.

1. Bei der Ermittlung des Einkommens für die Einkommensteuer sind nur solche positiven oder negativen Einkünfte anzusetzen, die unter die Einkünfte des § 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 7 EStG fallen. Kennzeichnend für diese Einkunftsarten ist, dass die ihnen zugrunde liegenden Tätigkeiten oder Vermögensnutzungen der Erzielung positiver Einkünfte dienen (vgl. z. B. Urteil des Bundesfinanzhof – BFH - vom 6. November 2001 IX R 97/00, BStBl II 2002, 726). Bezogen auf die Einkunftsart Vermietung und Verpachtung folgt hieraus, dass eine Vermietungstätigkeit nur dann dieser Einkunftsart zuzurechnen ist, wenn der Vermieter die Absicht hat, auf die Dauer der Vermögensnutzung einen Totalüberschuss der Einnahmen über die Werbungskosten zu erwirtschaften (z. B. BFH-Urteil vom 5. September 2000 IX R 33/97, BFHE 192, 559, BStBl II 2000, 676).

20Nach Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (vgl. BFH-Urteil vom 19. August 2008 IX R 39/07, BStBl II 2009, 138) ist nach § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i.V.m. § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6 Einkommensteuergesetz (EStG) bei einer auf Dauer angelegten Vermietungstätigkeit grundsätzlich und typisierend von der Absicht des Steuerpflichtigen auszugehen, einen Einnahmeüberschuss zu erwirtschaften. Dies gilt bei ausschließlich an Feriengäste vermietete und in der übrigen Zeit hierfür bereitgehaltenen Ferienwohnungen, wenn das Vermieten die ortsübliche Vermietungszeit von Ferienwohnungen -abgesehen von Vermietungshindernissen- nicht erheblich (d.h. um mindestens 25 %) unterschreitet.  Denn das Vermieten einer Ferienwohnung ist einer auf Dauer angelegten Vermietung nur dann vergleichbar, wenn die Ferienwohnung im ganzen Jahr -bis auf ortsübliche Leerstandszeiten- an wechselnde Feriengäste vermietet wird. Nur so zeigt sich in nachprüfbarer Weise, dass die Steuerpflichtigen die Ferienwohnung in geeigneter Form am Markt angeboten und alle in Betracht kommenden Interessenten berücksichtigt haben.

Wird eine Ferienwohnung nicht durchweg im ganzen Jahr an wechselnde Feriengäste vermietet und können ortsübliche Vermietungszeiten nicht festgestellt werden, ist ihr Vermieten mit einer auf Dauer ausgerichteten Vermietungstätigkeit nicht vergleichbar. Die Einkünfteerzielungsabsicht muss dann durch eine Prognose überprüft werden, die den Anforderungen des BFH-Urteils vom 6. November 2001 IX R 97/00 (BFHE 197, 151, BStBl II 2002, 726) entspricht. Der BFH ist insoweit davon ausgegangen, dass eine Überschusserzielungsabsicht des Steuerpflichtigen zu bejahen ist, wenn sich anhand der für einen Prognosezeitraum von 30 Jahren geschätzten Einnahmen und Ausgaben ein Totalüberschuss ergibt. Die Feststellungslast für die ortsüblichen Vermietungszeiten obliegt dem Steuerpflichtigen damit in gleicher Weise wie für die Voraussetzungen der Typisierung.

Die Tatsache, dass das Vermietungsobjekt im EU-Ausland gelegen ist, gibt keinen Anlass für eine abweichende Beurteilung. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Spanien sieht für Vermietungseinkünfte die Anrechnungsmethode vor, d.h. die Einkünfte werden im Inland der Besteuerung unterworfen, im Gegenzug dazu ist die spanische Einkommensteuer anzurechnen (Art. 22 Abs. 2 Buchst. B Doppelbuchst. vii Doppelbesteuerungsabkommen Spanien vom 3. Februar 2011, BStBl I 2013, 349).

232. Im hier zu entscheidenden Fall besteht keine Vergleichbarkeit der Vermietung des Ferienhauses mit einer auf Dauer ausgerichteten Vermietungstätigkeit. Eine entgeltliche Überlassung des Objekts erfolgte erstmals in den Jahren 2009 und 2010, allerdings ohne den Abschluss von Mietverträgen und unter Wert, da lediglich die angefallenen Kosten erstattet worden sind. Von einer dauerhaften Vermietung in den Streitjahren 2004 bis 2010 kann nicht die Rede sein.

24Zur Überzeugung des Senats steht zwar fest, dass bis zum 7. September 2007 noch Vermietungshindernisse im Sinne der oben genannten Rechtsprechung vorgelegen haben. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Ferienhaus noch nicht an die Stromversorgung angeschlossen, die Nutzung als Ferienhaus und eine entsprechende Vermietung waren daher nicht möglich. Nach dem Anschluss an die Stromversorgung hat die Klägerin jedoch nicht die erforderlichen und gebotenen Maßnahmen eingeleitet, um das Objekt schnellstmöglich zu vermieten, von  einer Vermietungsabsicht kann nicht ausgegangen werden. Vielmehr hat die Klägerin Mietausfälle in beträchtlicher Höhe in Kauf genommen. So wurden die ersten Besichtigungstermine für Mietinteressenten durch die Immobiliengesellschaft A erstmals im Juli 2008 - allerdings ohne entsprechenden Erfolg -  durchgeführt. Der Umstand, dass die Klägerin bis ins Jahr 2013 gewartet hat, um eine neue Vermietungsgesellschaft zu beauftragen, spricht nicht dafür, dass sie das Objekt in geeigneter Form am Markt angeboten und alle in Betracht kommenden Interessenten berücksichtigt hat. Auch die Überlassung der Finca an ihre Mandanten gegen die reine Kostentragung und ohne Abschluss schriftlicher Verträge erfüllt nicht die Voraussetzungen des Bundesfinanzhofs an die Gewinnerzielungsabsicht. Weitere Beweismittel, insbesondere Inserate, für die behaupteten Versuche, das Ferienhaus in Eigenregie zu vermieten, wurden trotz entsprechender gerichtlicher Anordnung nicht vorgelegt.

Die Klägerin kann auch nicht mit Erfolg einwenden, dass das Ferienhaus noch erhebliche Mängel aufgewiesen hat und daher noch bis zu deren vollständigen Behebung im Jahr 2013 Vermietungshindernisse bestanden. Selbst wenn man berücksichtigt, dass eine Überwachung der Bauarbeiten angesichts der räumlichen Entfernung sicherlich erschwert möglich war, sind keine Gründe ersichtlich, warum die restlichen Arbeiten nach Anschluss des Hauses an die Stromversorgung nicht schneller ausgeführt worden sind. Darüber hinaus widerspricht der Vortrag der Klägerin, dass noch gravierende Mängel bestanden und eine Vermietung deshalb nicht möglich gewesen sei, dem Umstand, dass die Klägerin bereits im Jahr 2008 einen Vermietungsauftrag an die Firma A erteilt hat und daher wohl grundsätzlich davon ausgegangen ist, dass eine Vermietung möglich ist. Außerdem wird auch in den erst- und zweitinstanzlichen Urteilen der Gerichte auf Mallorca vom 11. März 2008 und 16. Juli 2008 ausgeführt, dass aufgrund des gerichtlichen Gutachtens und der Erklärung des Architekten keine schwerwiegenden oder bedeutenden Mängel festzustellen waren, sondern lediglich punktuelle Schönheitsfehler, die den Gebrauch des Ferienhauses jedoch nicht verhindert haben. Insbesondere wird in den Gründen des Urteils vom 16. Juli 2008 auf eine Besprechung im Zusammenhang mit der Abnahme des Bauprojekts Bezug genommen. Dabei seien zwischen dem Architekten, der auch die Abnahme der Bauarbeiten gezeichnet hatte, mit der Klägerin lediglich kleinere Mängel besprochen worden, die noch nachgebessert werden sollten. Probleme wegen Schreinerarbeiten sowie mit der Elektrizität seien dabei nicht aufgeführt worden. Auch nach Aussage des gerichtlichen Gutachters sei der  allgemeine Zustand des Baus optimal, er habe die Mängel, die in dem von der Klägerin in Auftrag gegeben Gutachtens aufgeführt waren, nicht bestätigen können.

Die von der Klägerin vorgelegte Prognose zur Erzielung eines Totalüberschusses hält den vom Bundesfinanzhof aufgestellten Kriterien nicht stand (BFH-Urteil vom 6. November 2001 IX R 97/00, BStBl II 2002, 726). Insbesondere legt sie ihrer Berechnung für die Jahre 2014 bis 2015 jährliche Mieteinnahmen von 49.000 € zugrunde, während das Ferienhaus im Internet derzeit nur zu einem monatlichen Mietpreis von 3.500 € angeboten wird. Somit ist nur ein jährlicher Mietpreis von 42.000 € zu erzielen, sofern tatsächlich eine durchgehende Vermietung ohne Leerzeiten möglich ist. Zu berücksichtigen ist insoweit, dass die Klägerin in ihrem Schreiben vom 9. Oktober 2012 sowie in der mündlichen Verhandlung angegeben hat,  dass ab dem Jahr 2013 mit einer Vermietung an circa 230 Tagen zu rechnen sei. Die Klägerin geht selbst davon aus, dass eine durchgehende Vermietung ohne Leerzeiten nicht der Realität entspricht. Sie hat zwar in der mündlichen Verhandlung vorgetragen, dass sie im Jahr 2014 Mietnahmen in Höhe von „circa 40.000 €“ erhalten habe. Selbst bei Ansatz einer zu erzielenden Miete von 40.000 € für die Jahre 2014 bis 2033 ergeben sich insgesamt im maßgeblichen Prognosezeitraum 2007 bis 2033 lediglich Mieteinnahmen von 869.400 € (8.400 € für 2009, jeweils 9.000 € für die Jahre 2010 bis 2012, 34.000 € für 2013, d.h. insgesamt 69.400 € sowie für die Jahre 2014 bis 2033 insgesamt 800.000 €). Diesen Mieteinnahmen steht jedoch ein Aufwand gegenüber, der von der Klägerin mit 1.103.400 € angegeben worden ist. Insgesamt errechnet sich somit ein Verlust von 234.000 €.

Selbst wenn man zu Gunsten der Klägerin von steigenden Mieteinnahmen in den Jahren 2015 bis 2033 ausgeht, müsste es sich dabei jährlich um einen Betrag von mindestens 12.316 € handeln (234.000 € verteilt auf 19 Jahre). Die Vereinnahmung dieses Betrags ist jedoch nicht vorstellbar, insbesondere aufgrund des Umstandes, dass das Ferienhaus derzeit im Internet nur zu einem monatlichen Mietpreis von 3.500 € angeboten wird und insgesamt - eine durchgehende Vermietung vorausgesetzt - lediglich ein jährlicher Mietpreis von 42.000 € zu erzielen ist. Hinzu kommt, dass die Klägerin weitere zukünftig anfallende Aufwendungen im Zusammenhang mit der Instandhaltung des Mietobjekts nicht berücksichtigt hat, da sie bei der Ermittlung des Aufwands von 1.103.400 € beispielsweise Aufwendungen für den Erhalt des Mietobjekts, insbesondere Instandhaltungsarbeiten, vollkommen außer Acht gelassen hat. Derartige Kosten sind jedoch nicht zu vernachlässigen und tragen ebenfalls dazu bei, dass die Klägerin mit ihrer Berechnung zur Erzielung eines Totalüberschusses keinen Erfolg hat.

3. Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 1 Finanzgerichtsordnung.