VG Köln, Urteil vom 14.07.2014 - 11 K 520/13
Fundstelle
openJur 2014, 19264
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Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens. Die außergerichtlichen Kosten der Beigeladenen sind nicht erstattungsfähig.

Tatbestand

Der Kläger ist Eigentümer (nach einem Verkauf nur noch des hinteren Teilstücks) des Grundstücks F.--------straße 00 a, gelegen in der Gemarkung V. - P. , Flur 0, Flurstück 0000 in P. -W. .

Das Grundstück liegt im Geltungsbereich des Bebauungsplanes Nr. 00 vom 30. Juni 1978, geändert in einem Teilbereich durch die zweite Änderung vom 16. Februar 2004 (vergleiche hierzu die von der Beigeladenen vorgelegte Akte zum Bebauungsplan, (Verwaltungsvorgang, — folgend: VV —, 4 ). Mit der Änderung des Bebauungsplanes wurde eine bislang als forstwirtschaftliche Fläche festgesetzte Fläche geändert in eine Fläche für den Gemeinbedarf; auf dieser Fläche wurde später (mit Baugenehmigung vom 19. März 2010) ein Kleinfeldspielplatz für die benachbarte Grundschule eingerichtet, gegen dessen erweiterte Nutzungszeiten (mit Baugenehmigung vom 7. Januar 2013) sich der Kläger wehrt.

Für das Grundstück des Klägers setzt der Bebauungsplan WA (allgemeines Wohngebiet) fest. (Zur näheren Lage des Grundstücks, der Umgebungsbebauung und des Kleinfeldspielplatzes wird auf die Karte VV 3, S. 7 Bezug genommen).

Für die nordwestlich vom Grundstück gelegene Freifläche der Flurstücke 0000, 0000 und 0000 erteilte der Beklagte der Beigeladenen am 19. März 2010 eine Baugenehmigung zur Errichtung eines Kleinspielfeldes als Spiel - und Sportfläche für die Grundschule und Offene Ganztagsschule in P. - W. . Das Grundstück des Klägers grenzt nicht an diese Flurstücke an; das früher dem Kläger gehörende Wohnhaus ist etwa 85 m von der Kleinfeldspielfläche entfernt (vergleiche die Flurkarte VV 2, Seite 8; die Kleinfeldspielfläche ist ferner abgebildet auf den Lichtbildern 3, 5 und 6, die im Ortstermin am 5. Juni 2014 angefertigt worden sind (GA 81 ff).

Die Genehmigung für die Kleinfeldspielfläche legte seinerzeit im Anschluss an den Schulbetrieb Öffnungszeiten von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr fest. Mit Baugenehmigung vom 23. Februar 2012 wurde die Einzäunung der streitbefangenen Anlagen modifiziert. In der Folgezeit kam es wiederholt zu Beschwerden aus der Nachbarschaft mit dem Hinweis auf zweckwidrigen Gebrauch der Fläche oder Nutzungen außerhalb der vorgesehenen Öffnungszeiten.

Unter dem 18. / 19. Juli 2012 beantragte die Beigeladene eine Baugenehmigung, um die Anlage über den schulischen Bereich hinaus durch eine Erweiterung der Öffnungszeiten bis 20:00 Uhr auch durch die Öffentlichkeit nutzen zu lassen.

Mit dem hier angefochtenen Bescheid vom 7. Januar 2013 gab der Beklagte dem Bauantrag statt und verlängerte die Öffnungszeiten des Kleinfeldspielfeldes bis 20:00 Uhr. (Vergleiche hierzu VV 2). Nach der Betriebsbeschreibung (VV 2, Seite 5) sollte die Anlage für den Schul - und OGS - Betrieb (Montag bis Freitag) in der Zeit von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr und von 14 bis 16:00 Uhr genutzt werden; ab 16:00 Uhr bis 20:00 Uhr und an den Wochenenden und Feiertagen von 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr unter Einhaltung der Mittagsruhe von 12.00 bis 14:00 Uhr sollte die Anlage auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. In der Ferienzeit bei geschlossener OGS in den Ferien erfolgt die Nutzung durch die Öffentlichkeit zu den oben angegebenen Zeiten.

Die Baugenehmigung enthält folgende Nebenbestimmung:

Die Kontrolle über den Ablauf der Nutzungszeit ist ab 20-24 Uhr stündlich durch einen Wachdienst auszuführen.

Mit der am 30. Januar 2013 anhängig gemachten Klage wehrt sich der Kläger gegen die Nutzungserweiterung durch Baugenehmigung des Beklagten vom 7. Januar 2013.

Zur Begründung macht er geltend, der Bescheid sei rechtswidrig und verletze den Kläger in seinen Rechten. Im Gartenbereich des Grundstücks des Klägers befinde sich der der Erholung dienende Bereich, dort grenze das Kleinspielfeld an. Das Kleinspielfeld füge sich nicht in das Wohngebiet ein. Darüber hinaus sei die Einhaltung der Nutzungszeit nicht hinreichend durch den Wachdienst gesichert.

Er beantragt,

die der Beigeladenen erteilte Baugenehmigung des Beklagten vom 7. Januar 2013 aufzuheben.

Der Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Die Klage gegen die Erweiterung der Öffnungszeiten des Spielfeldes verletze keine öffentlichrechtlichen Nachbarrechte des Klägers. Das allein in Betracht zu ziehende Gebot der Rücksichtnahme sei durch eine Änderung der Öffnungszeiten ersichtlich nicht verletzt. Das Wohngebäude des Klägers weise zum streitbefangenen Vorhaben bereits eine Entfernung von etwa 85 m auf; eine derartige Entfernung zwischen Spielanlage und Wohnhaus sei nicht zu beanstanden, weil sie den Bedürfnissen der Anwohner Rechnung trage. Andererseits erfülle eine wohnortnahe Ballspielmöglichkeit für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene eine soziale Funktion. Zudem grenze das Spielfeld in Richtung des Grundstücks des Klägers an eine Waldfläche an und werde durch ein Schulgebäude teilweise abgeschirmt. Eine relevante immissionsrechtliche Beeinträchtigung des Klägers ergebe sich nicht, wie sich aus der immissionsrechtlichen fachlichen Stellungnahme seiner Dienststelle vom 6. September 2005 und 5. März 2013 (VV 3, Seite 11, Seite 57) ergebe. Schließlich sei durch eine entsprechende Nebenbestimmung in der Baugenehmigung sichergestellt, dass die Nutzungszeiten an den Abenden eingehalten werden. Soweit der Kläger bestimmungswidrige Nutzungszeiten des Spielfeldes moniere, sei dem mit Mitteln des allgemeinen Ordnungsrechts, nicht aber durch das Bauordnungsrecht zu begegnen.

Die Beigeladene stellt keinen Antrag.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sachsund Streitstandes wird auf die von der Beklagten vorgelegten Verwaltungsvorgänge sowie die Niederschrift über den Ortstermin von 5. Juni 2014 Bezug genommen. Die Beteiligten haben auf weitere mündliche Verhandlung verzichtet.

Gründe

Mit Einverständnis der Beteiligten konnte ohne mündliche Verhandlung entschieden werden (§ 101 Abs. 2 VwGO).

Die Klage ist nicht durch den Verkauf des Hausgrundstücks unzulässig geworden; das Grundstück des Klägers ist in zweiter Baureihe mit einem eingeschossigen Baukörper bebaubar. Damit ist seine Rechtsposition als Eigentümer von der angefochtenen Baugenehmigung möglicher Weise betroffen, was für eine Klagebefugnis ausreicht.

Die zulässige Anfechtungsklage ist nicht begründet.

Der Kläger wird durch die Baugenehmigung der Beklagten vom 7. Januar 2013 nicht im Sinne von § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO in seinen Rechten verletzt. Erfolg kann eine baurechtliche Nachbarklage nur dann haben, wenn die dem Bauherrn erteilte Baugenehmigung gegen subjektiv-öffentlich rechtliche Vorschriften des Baurechts verstößt. Das ist nicht der Fall.

Das Gericht geht davon aus, dass die erteilte Baugenehmigung mit den Festsetzungen des Bebauungsplanes vereinbar ist. Diese setzt für die Nutzungserweiterung der Kleinfeldspielfläche "Fläche für den Gemeinbedarf" und erläuternd in der Legende den Klammerzusatz "Schule" fest (vergleiche die von der Beigeladenen vorgelegten Unterlagen zum Bebauungsplan Nr. 32, Planausschnitt).

Mit dieser Regelung hat der Rat der Beigeladenen eine nach § 9 Abs. 1 Nr. 5 BauGB zulässige, und durch die Zweckbestimmung "Schule" in der Legende hinreichend bestimmte Regelung der Nutzung der Fläche für den Gemeinbedarf

— zu diesem Erfordernis vergleiche: Baumann, in Spannowsky/Uechtritz, BauGB, 2. Auflage 2014, § 9 Rn. 17 —

festgesetzt. Erfasst sind damit auf jeden Fall alle Nutzungen, die dem Schulzweck dienen. Der Begriff Schule kann sinnvollerweise nicht statisch bestimmt sein; Änderungen im Schulbetrieb, wie sie z.B. durch die Einrichtungen einer offenen Ganztagsschule die Folge sein können, wirken sich demgemäß auch auf die Zulässigkeit von Vorhaben auf der Fläche für den Gemeinbedarf aus. Demgemäß kann sich die - hier nicht im Streit stehende - Baugenehmigung des Beklagten vom 19. März 2010 zur Errichtung eines Kleinspielfeldes unmittelbar auf diese Festsetzung stützen, weil in der Bau — und Betriebsbeschreibung die Nutzung der Spiel - und Sportfläche für die Grundschule und offene Ganztagsschule W. in den Nutzungszeiten 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr angegeben war.

Mit der hier im Streit stehenden Baugenehmigung vom 7. Januar 2013 wurden die Nutzungszeiten für das Kleinspielfeld (bei Schul und OGS Betrieb montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 12.00 Uhr und 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr) nunmehr auf 16.00 Uhr bis 20.00 Uhr zeitlich und hinsichtlich des Benutzerkreises nunmehr auf die Öffentlichkeit ausgedehnt.

Diese Erweiterung der Nutzungszeiten und des Benutzerkreises ist nicht geeignet, die Rechte des Klägers zu verletzen.

Einmal kann man davon ausgehen, dass diese Ausdehnung hinsichtlich der Nutzungszeit und des Benutzerkreises noch vom planungsrechtlich festgesetzten Zweck ("Fläche für Gemeinbedarf" in der Ergänzung der Legende "Schule") angesichts der nur geringfügigen Erhöhung der Stundenzahl erfasst wird. Folgt man dem nicht, weil die Ausdehnung der Nutzungszeit außerhalb des Schulbetriebs und des OGS-Betriebs mit anderem Benutzerkreis als nicht mehr mit der Zweckbestimmung "Schule" vereinbar angesehen wird, so läge zwar ein anderer Nutzungszweck vor, der aber nur dann einen nachbarlichen Abwehranspruch begründen kann, wenn in qualifizierter Weise ein Konflikt mit subjektiv öffentlich - rechtlichen Rechtspositionen des Klägers zu befürchten ist.

Davon könnte nur dann ausgegangen werden, wenn die angefochtene Baugenehmigung vom 7. Januar 2013 zu Lasten des Klägers das Gebot der Rücksichtnahme, hier aus § 15 Abs. 1 Satz 2 BauNVO, verletzt.

Dies lässt sich nicht feststellen. Die durch die Nutzung des Kleinspielfeldes verursachten Lärmemissionen mögen für den Kläger als Eigentümer des Grundstücks zwar lästig sein, rücksichtslos im Rechtssinne sind sie indes nicht.

Das Rücksichtnahmegebot zielt darauf ab, Spannungen und Störungen, die durch unverträgliche Grundstücksnutzungen entstehen können, möglichst zu vermeiden. Welche Anforderungen das Gebot der Rücksichtnahme begründet, hängt wesentlich von den jeweiligen Umständen des Einzelfalls ab. Je empfindlicher und schutzwürdiger die Stellung desjenigen ist, dem die Rücksichtnahme im gegebenen Zusammenhang zugute kommt, umso mehr kann er eine Rücksichtnahme verlangen. Je verständlicher und unabweisbarer die mit dem Vorhaben verfolgten Interessen sind, umso weniger braucht derjenige, der das Vorhaben verwirklichen will, Rücksicht zu nehmen. Abzustellen ist darauf, was einerseits dem Rücksichtnahmebegünstigten und andererseits dem Rücksichtnahmeverpflichteten nach Lage der Dinge zuzumuten ist.

Vgl. BVerwG, Beschluss vom 6. Dezember 1996 - 4 B 215.96 - , juris-Rn. 9 m.w.N.

Von Bedeutung ist hier, dass das Kleinspielfeld der spielerischen und sportlichen Betätigung Jugendlicher und junger Erwachsener zu dienen geeignet ist und damit wie eine Anlage für sportliche Zwecke behandelt werden kann, die allgemein (§ 4 Abs. 2 Nr. 3 BauNVO 1990) in einem allgemeinen Wohngebiet zulässig ist.

Unter diesem Gesichtspunkt hat das Bundesverwaltungsgericht sogar Bolzplätze zumindest ausnahmsweise (§ 4 Abs. 3 Nr. 3 BauNVO 1977; nach § 3 Abs. 3 Nr. 2 BauNVO 1990 ausnahmsweise sogar in einem reinen Wohngebiet) — unter dem Vorbehalt des § 15 Abs. 1 BauNVO — in einem allgemeinen Wohngebiet für zulässig erachtet und weiter festgestellt, dass diese als Bestandteil dieses Baugebiets im Grundsatz auch an ein reines Wohngebiet angrenzen können.

— BVerwG, Beschluss vom 3. März 1992, NVwZ 1992, 378; OVG Münster, Urteil vom 6.März 2006, — 7 A 4591/04 — Juris —

Die Ausdehnung der Nutzungszeiten des Kleinspielfeldes und des Benutzerkreises des Kleinspielfeldes ist unter nachbarrechtlichen Gesichtspunkten nicht zu beanstanden.

Ob ein solcher Spielplatz im Einzelfall ausnahmsweise unzulässig ist, richtet sich dabei insbesondere nach der durch die Gebietsart und die tatsächlichen Verhältnisse bestimmten Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit, für die wertende Elemente wie Herkömmlichkeit, soziale Adäquanz und allgemeine Akzeptanz mitbestimmend sind.

Nicht einschlägig sind hingegen die Zumutbarkeitsmaßstäbe, die in der 18. BImSchV für solche Anlagen normiert sind, die "zur Sportausübung bestimmt" sind (§ 1 Abs. 2 der 18. BImSchV), da es hier um eine Anlage geht, die sich nicht am Leitbild einer Sportanlage im Sinne des § 3 der 18. BImSchV orientiert. Es fehlt an den Anforderungen der Nr. 1 (Lautsprecheranlagen und ähnliche technische Einrichtungen), der Nr. 3 (Vorkehrungen zur Minderung des von Zuschauern verursachten Lärms) und der Nr. 4 (Maßnahmen betrieblicher und organisatorischer Art für Zu- und Abfahrtswege). Dann handelt es sich — wie hier — um eine kleinräumige Anlage, die auf regelmäßig unorganisierte, ohne nennenswerte Beteiligung von Zuschauern und ohne Schiedsrichter oder Sportaufsicht stattfinde körperlichspielerische Aktivitäten zugeschnitten ist

— Vgl.: BVerwG, Beschluss vom 11. Februar 2003 - 7 B 88.02 -, BRS 66 Nr. 171, Juris Rn 5 —.

Der Beklagte hat in seiner emissionstechnischen Bewertung vom 5. März 2013 (VV 2, 57), auf die er bereits im Schriftsatz vom 7. März 2013 (GA/31) und später noch einmal im Schriftsatz vom 24. Juni 2014 hingewiesen hat (GA/96), die Regelungen der an die 18. BImSchV angelehnten Grundsätze zur Beurteilung von Geräuschimmissionen bei Freizeitanlagen (Freizeitlärm-Richtlinie)

— vgl.: RdErl. des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 15. Januar 2004 (MBl. NRW 2004 S. 176) —

zugrundegelegt, dies erscheint dem Gericht gut vertretbar unter der Zuordnung eines "Aktiv-Spielplatzes" nach Nr. 1, Satz 3, 6. Spiegelstrich der Freizeitlärm-Richtlinie.

— Vgl. hierzu OVG Münster, Urteil vom 6. 3. 2006, -7 A 4591/04, Juris RN 48 f. —

Bei angenommener Anwendbarkeit sind hiernach (nach Nr. 3.1 d) in den Allgemeinen Wohngebieten tagsüber an Werktagen außerhalb der Ruhezeiten 55 dB (A) sowie innerhalb der Ruhezeiten und an Sonnenund Feiertagen 50 dB (A) einzuhalten. Nach den dieser Berechnung beigefügten Berechnungsblättern und der Ausbreitungsberechnung ergibt sich ein Beurteilungspegel für das Grundstück des Klägers von 48, 6 dB/A). Die Freizeitlärm Lärmrichtlinie wird hiernach eingehalten. Damit steht auch fest, dass die mit der Nutzung des Kleinspielfeldes verbundenen Geräusche unvermeidbar und mithin sozialadäquat sind. Die Richtlinie nimmt den in der Rechtsprechung anerkannten Grundsatz auf, dass Wohngebieten zugeordnete Kinderspielplätze und -spielanlagen sich letztlich auch am Maßstab des § 22 BImSchG messen lassen müssen.

— Vgl.: VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 16. April 2002 - 10 S 2443/00 -, BRS 65 Nr. 184, bestätigt durch BVerwG, Beschluss vom 11. Februar 2003 - 7 B 88.02 -, BRS 66 Nr. 171 sowie bereits OVG Berlin, Urteil vom 22. April 1993 - 2 B 6.91 -, BRS 55 Nr. 179. —

Die Anlagen sind so zu errichten und zu betreiben, dass nach dem Stand der Technik vermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen verhindert werden und nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Diesen Vorgaben hat der Beklagte bei Erteilung der angefochtenen Baugenehmigung hinreichend Rechnung getragen.

Die im Streit stehende Baugenehmigung enthält in Nr. 2 die Nebenbestimmung, dass die Kontrolle über den Ablauf der Nutzungszeiten ab 20.00 bis 24.00 Uhr stündlich durch einen Wachdienst ausgeführt werden muss. Außerdem ist das Kleinspielfeld seit der geänderten Ausführung einer Zaunanlage durch Baugenehmigung vom 23. Februar 2012 mit einer geänderten Zaunanlage versehen, die auch die Zustimmung eines unmittelbar betroffenen Nachbarn (des Herrn L. F1. , St. F.--------straße 00; anders als das Grundstück des Klägers grenzt dessen Grundstück unmittelbar an das Kleinspielfeld an) gefunden hat (vergleiche VV 3, Seite 9).

Die bei bestimmungsgemäßem Gebrauch der Anlagen des Kleinspielfeldes unvermeidbaren Lärmbeeinträchtigungen sind auch im dargelegten Sinne auf ein Mindestmaß beschränkt und damit dem Kläger zuzumuten.

Von Bedeutung ist zum anderen auch die Entfernung der baulichen Anlage vom Grundstück des Klägers. Vom — nicht mehr im Eigentum des Klägers stehenden — Wohnhaus F.--------straße 00 a beträgt der Abstand etwa 80 Meter, legt man das bislang unbebaute Grundstück im rückwärtigen Bereich als Maßstab zugrunde, sind es immer noch etwa 60 Meter. Der kritische Bereich des Kleinspielfeldes ist davon deutlich abgesetzt; zudem hat der Beklagte zutreffend darauf hingewiesen, dass sich zwischen dem Gartenbereich des klägerischen Grundstücks und dem Kleinspielfeld ein Waldstück befindet (vergleiche hierzu Lichtbild 4, GA, 81). Auch dies wird zu einer Verminderung der Immissionen führen.

Der emissionstechnischen Bewertung durch den Beklagten hat der Kläger nicht substantiiert widersprochen; es reicht nicht, nur auf dargestellte Störungen zu verweisen mit dem Hinweis, mehr könne klägerseitig nicht vorgetragen werden (Schriftsatz vom 2. Juli 2014). Es wäre Sache des Klägers gewesen, seinerseits nachvollziehbar (z.B. gutachtlich) darzulegen, dass diese Bewertung unzutreffend ist. Das Gericht hat auch bei Beachtung des Untersuchungsgrundsatzes keine Veranlassung, ohne substantiiert geltend gemachte oder erkennbare Defizite eine fachliche Stellungnahme gutachtlich überprüfen zu lassen.

Dem Einwand des Klägers, die durch die Baugenehmigung vorgegebenen Nutzungszeiten würden nicht eingehalten, hat der Beklagte zutreffend entgegen gehalten, dass regelmäßige Kontrollen stattfänden. Solche Kontrollen sind ein geeignetes Mittel, die nachteiligen Auswirkungen auf ein Mindestmaß zu beschränken, auch wenn sie keine Garantie dafür bieten können, dass die Nutzungszeiten nicht überschritten werden. Die Beigeladene hat im Ortstermin am 11. Juni 2014 Kontrollberichte der mit der Überwachung betrauten Firma vorgelegt, die in Übereinstimmung mit der Nebenbestimmung zur angefochtenen Baugenehmigung belegt, dass Kontrollgänge stattfinden.

Ebenso ist unerheblich, dass im Einzelfall eine missbräuchliche Nutzung der hier in Rede stehenden Anlagen nicht ausgeschlossen ist. Dass die missbräuchliche Nutzung von der Öffentlichkeit zugänglichen Freiflächen wie auch Spielplätzen durch ältere Jugendliche oder Erwachsene nicht ausgeschlossen werden kann, rechtfertigt keine Aufhebung der bauplanungsrechtlich zulässigen Nutzung. Eventuellen missbräuchlichen Störungen ist mit polizei — oder ordnungsrechtlichen Mitteln zu begegnen, nicht aber durch die Versagung der bauplanungsrechtlich zugelassenen Nutzung.

— Vgl.: BVerwG, Beschluss vom 29. Mai 1989 - 4 B 26.89 -, JURIS-Dokumentation sowie OVG NRW, Beschluss vom 18. Mai 2009,-10 E 289/09, Juris Rn. 3; Beschluss vom 5. Januar 2001 - 7 B 6/01 -, BRS 64 Nr. 183 m.w.N.; VGH Kassel Urteil vom 24. Juli 2011, . — 9 A 125/11 — , NVwZ - RR 2012, 21, Juris Rn 49. —

Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 154 Abs. 1, Abs. 3 VwGO, § 162 Abs. 3 VwGO. Da die Beigeladene keinen eigenen Sachantrag gestellt und sich damit keinem eigenen Kostenrisiko ausgesetzt hat, wäre es unbillig gewesen, die Erstattung ihrer außergerichtlichen Kosten anzuordnen.