Bayerischer VGH, Beschluss vom 19.02.2014 - 13a ZB 14.30022
Fundstelle
openJur 2014, 5471
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Tenor

I. Der Antrag wird abgelehnt.

II. Der Kläger hat die Kosten des Antragsverfahrens zu tragen.

Gerichtskosten werden nicht erhoben.

Gründe

Der Antrag des Klägers auf Zulassung der Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Regensburg vom 18. November 2013 ist unbegründet, weil die geltend gemachten Voraussetzungen des § 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylVfG nicht vorliegen.

Die Rechtssache hat keine grundsätzliche Bedeutung im Sinn von § 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylVfG. Dieser Zulassungsgrund setzt voraus, dass die im Zulassungsantrag dargestellte Rechts- oder Tatsachenfrage für die Entscheidung der Vorinstanz von Bedeutung war, auch für die Entscheidung im Berufungsverfahren erheblich wäre, bisher höchstrichterlich oder – bei tatsächlichen Fragen oder nicht revisiblen Rechtsfragen – durch die Rechtsprechung des Berufungsgerichts nicht geklärt, aber klärungsbedürftig und über den zu entscheidenden Fall hinaus bedeutsam ist (vgl. Happ in Eyermann, VwGO, 13. Aufl. 2010, § 124 Rn. 36).

Der Kläger hält für klärungsbedürftig, ob für ihn „eine erhebliche konkrete Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit bei einer Rückkehr nach Afghanistan besteht, weil [er] im Iran aufgewachsen ist und nie in Afghanistan gelebt hat“. Das Verwaltungsgericht folge der Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs, nach der ein alleinstehender junger gesunder Mann selbst ohne beschützenden Familienverband sein Auskommen finden könne. Dabei gehe es aber auch davon aus, dass er noch nie in Afghanistan gelebt habe. Ohne familiäre Unterstützung und ohne andere Anknüpfungspunkte könne er seine Existenz nicht sichern. Er sei mit den Lebensverhältnissen nicht vertraut und habe keine Berufsausbildung.

Die auf die analoge Anwendung von § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG gerichtete Frage rechtfertigt die Zulassung der Berufung nicht.

In der Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs ist geklärt, dass für aus dem europäischen Ausland zurückkehrende alleinstehende männliche arbeitsfähige afghanische Staatsangehörige – auch ohne Berufsausbildung – angesichts der aktuellen Auskunftslage im Allgemeinen derzeit nicht von einer extremen Gefahrenlage auszugehen ist (BayVGH, U.v. 3.2.2011 – 13a B 10.30394 – juris; U.v. 8.12.2011 – 13a B 11.30276 – EzAR-NF 69 Nr. 11 = AuAS 2012, 35 -LS-; U.v. 20.1.2012 – 13a B 11.30425 – juris; U.v. 22.3.2013 – 13a B 12.30044 – juris; U.v. 24.10.2013 – 13a B 13.30031 – juris). Das gilt nach der letztgenannten Entscheidung grundsätzlich auch dann, wenn Afghanistan bereits im Kleinkindalter verlassen wurde. Ein spezielles „Vertrautsein mit den afghanischen Verhältnissen“ mag die Sicherung des Lebensunterhalts zwar vereinfachen, jedoch sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass dies erforderlich sein könnte, wenn wenigstens eine der Landessprachen beherrscht wird. Im Fall des Klägers ist damit ebenso wenig von maßgeblicher Bedeutung, ob er in Afghanistan gelebt hat und mit den Verhältnissen dort vertraut ist, weil er der Sprache Dari mächtig ist. Ausweislich der Niederschrift über die in der Sprache Dari durchgeführte Anhörung beim Bundesamt am 7. September 2012 hat der Kläger dort bestätigt, dass es keine Verständigungsschwierigkeiten gegeben habe. Auch in der mündlichen Verhandlung am 18. November 2013 hat er erklärt, den Dolmetscher für Dari gut zu verstehen.

Im Übrigen hängt es wesentlich von den Umständen des Einzelfalls ab und entzieht sich einer rein quantitativen oder statistischen Betrachtung, wann allgemeine Gefahren von Verfassungs wegen zu einem Abschiebungsverbot gemäß § 60 Abs. 7 Satz 1 AufenthG führen (BVerwG, U.v. 29.6.2010 – 10 C 10.09BVerwGE 137, 226 = NVwZ-RR 2011, 48).

Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO, § 83b AsylVfG.