Hessischer VGH, Urteil vom 29.11.2013 - 6 A 1293/13
Fundstelle
openJur 2014, 4953
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Für die Geltendmachung des Ausschlussgrundes der nachteiligen Auswirkungen auf die Kontroll und Aufsichtstätigkeit nach § 3 Nr. 1 Buchst. d) IFG ist eine im Einzelfall belegbare Gefährdung dieser Aufgaben erforderlich.

Um den Ausschlussgrund des unverhältnismäßigen Verwaltungsaufwands nach § 7 Abs. 2 Satz 1 IFG geltend machen zu können, muss die auskunftspflichtige Behörde ihre Organisationsstruktur und ihre organisatorischen Maßnahmen nach den ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten so einrichten, dass sie die für ihren Zuständigkeitsbereich typischen und üblichen Zugangsgesuche reibungslos bearbeiten kann.

Bei dem Zugang zu behördlichen Informationen ist schutzwürdigen Belangen Betroffener Rechnung zu tragen; hierzu zählen Betriebs und Geschäftsgeheimnisse sowie die geschützten personenbezogenen Daten Dritter.

Tenor

1. Die Berufung des Klägers und die Berufung der Beklagten gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main vom 12. März 2008 - 7 E 5426/06 - werden zurückgewiesen.

2. Der Tenor des vorgenannten Urteils wird von Amts wegen wie folgt gefasst:

Die Beklagte wird unter Aufhebung des Bescheids vom 26. Mai 2006und des Widerspruchsbescheids vom 20. Oktober 2006 verpflichtet,dem Kläger Akteneinsicht zu gewähren in:

a) das Gutachten der Sonderprüfung durch C... vom 31. März 2003,

b) die Berichte der Wirtschaftsprüfer für die Geschäftsjahre 1998 bis 2005,

c) alle internen Stellungnahmen, Berichte, Korrespondenzen der Beklagten oder dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel zu den Jahresabschlüssen der XY für die Geschäftsjahre 1998 bis 2005,

d) alle Unterlagen, Absprachen, Verträge, Aktennotizen und Schreiben, die zwischen der Beklagten oder dem Bundesamt für den Wertpapierhandel und der XY zwischen 1998 und 21. März 2000 geführt oder vereinbart wurden,

e) alle internen Stellungnahmen und alle Korrespondenz, die nach Bekanntgabe des Prüfungsberichts von C... erstellt wurden oder geführt wurde und die XY betreffen,

jeweils soweit sie neben den Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen der XY keine Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse Dritter enthalten;

von der Einsichtnahme sind die nachfolgenden Seiten ausgeschlossen:

Aktenband VII 7 (111228) 100 Bd. 1: BI. 174-175, 176-178,Aktenband VII 7 (111228) 100 Bd. 2: BI. 165-166,Aktenband VII 7 (111228) 110 Bd. 1: Bl 17-31, 85, 98 ,Aktenband VII 7 (111228) 110 Bd. 2: BI. 19, 112, 147-150,Aktenband BA 38 (111228) 110 Bd. 3: BI. 9-14, 46-49, 56, 67-70,222, 239,Aktenband BA 38 (111228) 110 Bd. 4: BI. 7-16, 137-139,Aktenband BA 38 (111228) 110 Bd. 5: Bl. 112, 115-120,125-126,Aktenband BA 38 (111228) 110 Bd. 6: BI. 87, 149,Aktenband BA 38 (111228) 110 Bd. 7: BI. 79-90, 113 - 115,Aktenband BA 38 (111228) 110 Bd. 8: BI. 40-46. 161-162, 202-206,211-217,Aktenband BA 35-K 5100-111228/001 Bd. 1: Bl. 38-147, 185,Aktenband BA 35-K 5100-111228/001 Bd. 2: BI. 1-10,Aktenband BA 35-K 5100-111228/001 Bd. 4: BI. 59,Aktenband VII 7 (111228) 118 Bd. 1: BI. 11, 12, 18, 19.

3. Die Kosten des Berufungsverfahrens haben der Kläger zu 1/5und die Beklagte zu 4/5 zu tragen. Die außergerichtlichen Kosten des Beigeladenen sind nicht erstattungsfähig.

4. Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar. Der jeweilige Kostenschuldner darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des festzusetzenden Betrages abwenden, wenn nicht der jeweilige Kostengläubiger vor der Vollstreckung Sicherheit in entsprechender Höhe leistet.

5. Die Revision wird zugelassen.

Tatbestand

Der Kläger begehrt Einsicht in Unterlagen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (im Folgenden: BaFin), die in Insolvenz befindliche XY GmbH (im Folgenden: XY GmbH)betreffend.

Die XY GmbH war seit dem Jahr 1977 als Finanzdienstleistungsunternehmen tätig und betrieb - zumindest in den letzten Jahren vor der Aufdeckung der Vorgänge - ein Finanzierungsmodell nach einem missbräuchlichen System, bei dem die Gelder neuer Anleger für die Begleichung ausstehender Zahlungen an frühere Anleger verwandt wurden. Um die angehäuften Verluste zu vertuschen, fälschte der Gründer und Geschäftsführer der XY GmbH,Herr …, unter Mitwirkung von weiteren Mitgliedern der Geschäftsführung die Geschäftsunterlagen. Das Geld der Kunden sei angeblich bei einem Londoner Broker auf einem speziellen Konto -das wahrscheinlich nie existierte - verbucht worden. Seit dem Jahr 1998 stand das Unternehmen zwar unter Aufsicht der Beklagten (bzw.deren Vorgängerbehörde, des Bundesaufsichtsamts für Wertpapierhandel), die auch erstmals am 7. August 2002 eine Prüfung anordnete. Diese Prüfung brachte die erheblichen Unregelmäßigkeiten jedoch nicht zutage. Erst die nach dem Tod des Gründers der XY GmbHeingesetzten Geschäftsführer deckten im März 2005 den Betrug auf.Das daraufhin eingeleitete Insolvenzverfahren dauert an; der Insolvenzverwalter der XY GmbH ist dem Verfahren beigeladen.

Am 19. April 2006 beantragte der Kläger bei der Beklagten,Einsicht in Unterlagen der Behörde, die im Zusammenhang mit der XYGmbH stehen, u.a. Gutachten und Berichte von Dritten sowie interne Unterlagen, zu erhalten. Mit Bescheid vom 26. Mai 2006 lehnte die Beklagte das Begehren ab. Den am 29. Juni 2006 erhobenen Widerspruch wies die Beklagte mit Widerspruchsbescheid vom 20.Oktober 2006 zurück.

Am 20. November 2006 erhob der Kläger Klage. Mit Urteil vom 12.März 2008 (Az. 7 E 5426/06) gab das Verwaltungsgericht der Klage überwiegend statt und verpflichtete die Beklagte unter Aufhebung des Bescheids vom 26. Mai 2006 und des Widerspruchsbescheids vom 20. Oktober 2006, dem Kläger Akteneinsicht zu gewähren in

a) das Gutachten der Sonderprüfung durch C... vom 31. März 2003,b) die Berichte der Wirtschaftsprüfer für die Geschäftsjahre 1998bis 2005,c) alle internen Stellungnahmen, Berichte, Korrespondenzen der Beklagten oder dem Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel zu den Jahresabschlüssen der XY für die Geschäftsjahre 1998 bis 2005,d) alle Unterlagen, Absprachen, Verträge, Aktennotizen und Schreiben, die zwischen der Beklagten oder dem Bundesamt für den Wertpapierhandel und der XY zwischen 1998 und 21. März 2000 geführt oder vereinbart wurden,e) alle internen Stellungnahmen und alle Korrespondenz, die nach Bekanntgabe des Prüfungsberichts von C... erstellt wurden oder geführt wurde und die XY betreffen,jeweils soweit sie neben den Betriebs- oder Geschäftsgeheimnissen der XY keine Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse Dritter enthalten.

Im Übrigen wies das Verwaltungsgericht die Klage ab. Dies betraf den Klageteil, mit dem der Kläger unter f) des Klageantrags beantragte hatte, ihm Akteneinsicht in alle Unterlagen zu gewähren,die aus der Korrespondenz zwischen der Beklagten und der britischen Aufsichtsbehörde FSA entstanden waren. Die Kosten des Verfahrens verteilte das Verwaltungsgericht zu 4/5 auf die Beklagte und zu 1/5auf den Kläger.

Zur Begründung führte das Verwaltungsgericht aus, dem Kläger stehe gemäß § 1 Abs. 1 Satz 1 IFG ein Anspruch auf Akteneinsicht in die unter a) bis e) genannten bei der Beklagten geführten Unterlagen dem Grunde nach zu. Dieser Anspruch werde nicht durch Ausschlussgründe nach § 3 IFG negiert, da die von der Beklagten geltend gemachten Ausnahmevorschriften nicht gegeben seien. Das Bekanntwerden der Informationen zeige keine nachteiligen Auswirkungen auf die Aufgaben der BaFin entsprechend § 3 Nr. 1 lit.d) IFG. Die Unterlagen unterlägen auch nicht einer relevanten Geheimhaltungs- oder Vertraulichkeitspflicht der Behörde nach § 3Nr. 4 IFG, da der Kläger keine Informationen erstrebe, die Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse Dritter beinhalteten. Zwar seien die in § 9 WpHG und § 8 KWG enthaltenen Verschwiegenheitspflichten der Mitarbeiter der Beklagten als bereichsbezogener konkretisierter Ausdruck der allgemeinen Pflicht zur Amtsverschwiegenheit zu verstehen, so dass die Interessen der von der Beklagten beaufsichtigten Institute und ihrer Kunden zu wahren seien. Jedoch habe der Gesetzgeber keine generelle Bereichsausnahme für die BaFin geschaffen, so dass eine Abwägung des Einzelfalls erforderlich sei; im vorliegenden Fall könnten die Interessen der XY GmbH an der Geheimhaltung ihrer Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse aber nicht als überwiegend angesehen werden,da der eigentliche Geschäftszweck darin bestanden habe,kontinuierlich gegen geltendes Recht zu verstoßen und Kunden zu betrügen. Die Vorwürfe strafrechtlichen Verhaltens seien derart massiv, dass bezüglich der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Beigeladenen ein in-camera-Verfahren nach § 99 VwGO nicht geboten sei. Zu beachten sei zwar eine Verpflichtung der Beklagten, dass personenbezogene Daten einem Schutz nach § 9 KWG und § 5 Abs. 1Satz 1 IFG unterfallen könnten, die Behörde habe solche schutzwürdigen Daten aber nicht geltend gemacht. Des Weiteren stehe dem Anspruch des Klägers nicht der Schutz geistigen Eigentums nach § 6 Satz 1 IFG entgegen. Bezogen auf den Bericht der Gutachter müsse beachtet werden, dass dieses von der Behörde in Auftrag gegeben worden sei. Daraus folge, dass insoweit bereits das Recht am geistigen Eigentum nicht schützenswert sei, weil das der Behörde eingeräumte Nutzungsrecht das Recht der Behörde auf Informationserteilung erfasse. Dem Anspruch des Klägers auf Informationszugang stehe zudem nicht der Grund nach § 9 Abs. 3 IFGentgegen. Die Informationen seien nicht allgemein zugänglich und der Kläger verfüge außerdem nicht bereits über sie. Schließlich sei der Einwand der Beklagten nicht tragend, die gewünschte Einsichtnahme sei wegen übermäßigen Verwaltungsaufwands gemäß § 7Abs. 2 IFG nicht zu erfüllen.

Soweit die Klage abgewiesen worden sei, nämlich bezüglich der Einsicht in Unterlagen der Beklagten die Korrespondenz mit der britischen Aufsichtsbehörde betreffend (Klageantrag nach der Klageschrift 1. f)), sei ein Anspruch des Klägers jedoch nach § 3Abs. 4 IFG i.V.m. § 9 Abs. 1 S. 8 KWG ausgeschlossen, da die Informationen aus einem anderen Staat stammten und kein entsprechendes Einverständnis mit der Akteneinsicht erteilt worden sei. Über die hilfsweise gestellten weiteren Anträge des Klägers entschied das Verwaltungsgericht angesichts der umfassenden Stattgabe des Hauptantrags nicht.

Das Urteil wurde dem Kläger am 17. Juli 2008, der Beklagten am 21. Juli 2008 und dem Beigeladenen zu einem nicht bekannten Tag (das Empfangsbekenntnis ist nicht abgezeichnet) zugestellt.

Am 18. August 2008 (einem Montag) haben der Kläger und die Beklagte die durch das Verwaltungsgericht zugelassene Berufung eingelegt (früheres Aktenzeichen des Hess. VGH: 6 A 1767/08).

Der Kläger hat die Berufung - nach Fristverlängerung - am 17.Oktober 2008 begründet. Er trägt vor, das Verwaltungsgericht habe die zugesprochenen Rechte auf Einsichtnahme zu Unrecht eingeschränkt. Die genannten Vorschriften, § 8 WpHG und § 9 KWG,begründeten keinen absoluten Schutz vor Informationszugang. Er, der Kläger, sei an den Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen Dritter nicht interessiert und habe der Beklagten insoweit bereits Stillschweigen zugesichert. Die vom Verwaltungsgericht vorgenommene Güterabwägung sei daher fehlerhaft. Die Abweisung seines Klageantrags zu f) sei sachwidrig, da ihm ein Informationsanspruch auch nach englischem Recht zustehe, obwohl die britische Aufsichtsbehörde seinen zwischenzeitlich gestellten Antrag auf Einsicht in die dortigen Unterlagen abgelehnt habe. Gleichwohl könne die Beklagte sich nicht darauf zurückziehen, es läge keine ausdrückliche Zustimmung der ausländischen Behörde vor.

Der Kläger beantragt,

das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt vom 12. März 2008 -7 E 5426/06 - aufzuheben und die Beklagte zu verpflichten,Akteneinsicht in folgende Unterlagen zu gewähren:a) Gutachten der Sonderprüfung nach § 44 KWG durch C... vom 31.März 2003,b) Berichte der Wirtschaftsprüfer für die Abschlüsse der XY GmbHfür die Geschäftsjahre 1998 bis 2005,c) alle BaFin-internen Stellungnahmen, Berichte, Korrespondenzen zu den Jahresabschlüssen der XY GmbH seit 1998,d) alle Unterlagen, Absprachen, Verträge, Aktennotizen, Schreiben,die zwischen der Beklagten bzw. deren Vorgängerin und der XY GmbHab 1998 bis zum Erlass des Bescheides des Bundesamts für den Wertpapierhandel vom 21. März 2000 geführt oder vereinbart wurden,e) alle BaFin-internen Stellungnahmen und alle Korrespondenz, die nach Bekanntgabe des Prüfungsberichts von C... vom 31. März 2003erstellt wurden bzw. geführt wurde,f) alle Unterlagen, Absprachen, Verträge, Aktennotizen, Schreiben,die zwischen der BaFin und der britischen Aufsichtsbehörde FSAerstellt, geführt oder vereinbart wurden, die den Broker D... und das von XY dort fiktiv geführte Konto M 2540 betreffen.

Die Beklagte beantragt,

die Berufung des Klägers zurückzuweisen.

Die Beklagte hat die Berufung mit Schriftsatz vom 22. September 2008 begründet. Sie trägt vor, das angefochtene Urteil sei fehlerhaft, weil das Verwaltungsgericht die vorliegenden gesetzlichen Ausschlussgründe falsch ausgelegt und eine überzogene Darlegungslast der Beklagten konstatiert habe. Das Informationsfreiheitsgesetz eröffne dem Kläger bereits keinen gezielten Zugang zu Unternehmensinformationen. Jedenfalls sei der Anspruch ausgeschlossen, da der Behörde gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 KWGund § 8 Abs. 1 Satz 1 WpHG i.V.m. § 3 Nr. 4 IFG eine Verpflichtung zur Geheimhaltung obliege. Da der Insolvenzverwalter der Einsicht in die Unterlagen widersprochen habe, müsse die Behörde sich daran orientieren. Die Auslegung des Verwaltungsgerichts, bei einer betrügerischen Intention der betroffenen Kapitalgesellschaft, die der Aufsicht unterliege, bestehe kein schutzwürdiges Interesse,finde im Gesetz keine Stütze. Bei richtiger Anwendung des § 9 Abs.1 KWG sei der Tatbestand in einem Fall wie dem vorliegenden gegeben und sie, die Beklagte, sei nicht befugt, die Geheimnisse zu offenbaren. Falsch liege das Verwaltungsgericht zudem mit der Annahme, eine Veröffentlichung der Informationen widerspreche nicht § 3 Nr. 1 lit. d) IFG, da in einem Fall der Veröffentlichung die Aufgaben der Aufsichtsbehörde wesentlich beeinträchtigt würden. Von Amts wegen hätte das Verwaltungsgericht den Ausschlussgrund nach §3 Nr. 7 IFG - Schutz von Informanten - prüfen müssen. Zu Unrecht werde in dem angegriffenen Urteil der Schutz personenbezogener Daten unter Hinweis auf § 5 Abs. 3 IFG eingeschränkt und die Wirkung des Urheberschutzes gegen die bloße Einsichtnahme nicht beachtet. Eine Offenlegung der von dem Kläger gewünschten Informationen widerspreche den spezialgesetzlich geregelten Informationszugangs- und Geheimhaltungsregelungen, wie § 325 HGBund § 26a KWG, und sei als ungerechtfertigter Eingriff in Freiheitsgrundrechte - hier Art. 12 und Art. 3 Abs. 1 GG - zu verstehen. Vor allem sei aber zu Unrecht der enorme Verwaltungsaufwand für die sachgerechte Bearbeitung des klägerischen Begehrens nicht hinreichend gewürdigt worden. Dieser sei bei vorsichtiger Schätzung nämlich mit 44.000 Minuten bzw. 90Arbeitstagen für eine Kraft zu rechnen. Zuletzt sei die Klage auch bezüglich der gestellten Hilfsanträge abzuweisen.

Die Beklagte beantragt,

unter teilweiser Abänderung des angefochtenen Urteils den Kläger in vollem Umfang mit der Klage abzuweisen.

Der Kläger beantragt,

die Berufung der Beklagten zurückzuweisen.

Der Beigeladene stellt keinen Antrag, tritt der Berufung des Klägers aber entgegen. Er erklärt, er sei mit einer Herausgabe der das Unternehmen XY GmbH betreffenden Unterlagen generell nicht einverstanden und trete außerdem der Einsicht des Klägers in die Informationen entgegen, die in der von der Beklagten in der mündlichen Verhandlung übergebenen Liste verzeichnet seien.

Nach Hinweis- und Aufklärungsverfügung des Berichterstatters vom 12. März 2010 hat die Beklagte mit Schriftsatz vom 6. April 2010mitgeteilt, sie habe bei der FSA selbst keine Nachfrage auf Zustimmung zur Akteneinsicht gestellt. Dazu sei sie nicht verpflichtet, es entspreche zudem nicht den Usancen. Der Kläger hat mit Schriftsatz vom 26. April 2010 erklärt, sein bei der FSAgestellter Antrag auf Akteneinsicht sei abgelehnt worden.

Mit Beschluss vom 28. April 2010 hat der Senat einen Beweisbeschluss dahingehend erlassen, dass die Beklagte die streitbefangenen Unterlagen vorlegen müsse. Auf den Inhalt des Beschlusses wird verwiesen (Bl. 785 ff. der Gerichtsakte - GA -).Mit Sperrerklärung vom 26. Juli 2010 hat das Bundesministerium der Finanzen (im Weiteren: BMF) als zuständige oberste Aufsichtsbehörde eine Vorlage der Unterlagen jedoch verweigert (Bl. 808 ff. der GA).

Auf den Antrag des Klägers vom 4. August 2010 hin hat der Senat gemäß § 99 Abs. 2 Satz 4 VwGO die Akten dem Fachsenat nach § 189VwGO vorgelegt und das Verfahren mit Beschluss vom 10. September 2010 ausgesetzt.

Der Fachsenat des Hess. Verwaltungsgerichtshofs hat mit Beschluss vom 12. Januar 2012 (Az. 27 F 1755/10) festgestellt, die Verweigerung der Vorlage der begehrten Unterlagen sei rechtswidrig.Die Beklagte und das BMF - dortiger Beigeladener zu 2. - haben gegen den Beschluss Beschwerde eingelegt. Mit Beschluss vom 5.April 2013 hat der Fachsenat des Bundesverwaltungsgerichts die Beschwerden gegen den Beschluss des Hess. Verwaltungsgerichtshofs zurückgewiesen (Az. 20 F 4.12). Zur Begründung hat das Bundesverwaltungsgericht ausgeführt, der erstinstanzliche Fachsenat habe zutreffend die ordnungsgemäße Darlegung eines Weigerungsgrunds nach § 99 Abs. 1 Satz 2 VwGO beanstandet. Die Weigerung der Beklagten, die Akten dem Gericht vorzulegen, könne nicht auf § 9Abs. 1 KWG und § 8 Abs. 1 WpHG gestützt werden. Auf der Grundlage der abgegebenen Sperrerklärung könne der Senat nicht nachvollziehen, dass die mit dem Beweisbeschluss angeforderten Unterlagen wegen geschützter Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sowie wegen des Schutzes personenbezogener Daten dem Wesen nach geheim zu halten seien.

Am 24. Juni 2013 hat das Gericht das Verfahren unter dem aktuellen Aktenzeichen wieder aufgenommen.

In der mündlichen Verhandlung hat die Beklagte eine zweiseitige Liste mit der Darstellung von 82 Positionen aus den bei ihr vorhandenen Akten vorgelegt und erklärt, diese Informationen seien nicht geheimhaltungsbedürftig und würden freigegeben.

Gegenstand der mündlichen Verhandlung sind ein Hefter Verwaltungsvorgänge sowie der Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. April 2013 (Az. 20 F 7.12)gewesen.

Gründe

Der Streitwert ist bei Klagen, die einen Anspruch nach § 1 IFGzum Gegenstand haben, nach ständiger Rechtsprechung des Senats gemäß § 52 Abs. 2 GKG auf 5.000 Euro festzusetzen (vgl. Hess. VGH,Beschluss vom 26.07.2012 - 6 E 1533/12 -, NVwZ-RR 2012, 999).

Der Beschluss ist unanfechtbar (§§ 66 Abs. 3 Satz 3, 68 Abs. 1Satz 5 GKG).