FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 28.11.2013 - 1 K 1129/09
Fundstelle
openJur 2014, 2984
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Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Verfahrens werden der Klägerin auferlegt.

Tatbestand

Die aus den Gesellschaftern B… und Klaus C… bestehende Klägerin wendet sich gegen einen Gewerbesteuermessbescheid.

B… absolvierte eine Ausbildung zum Elektromechaniker, an die sich nach einigen Jahren Berufstätigkeit der Besuch der Technikerschule anschloss. Dort erwarb er das Technikerzeugnis in der Fachrichtung Elektrotechnik. Später absolvierte er berufsbegleitend eine betriebswirtschaftliche Ausbildung im Berufsbildungszentrum der Stadt D…, die er 1992 als Technischer Betriebswirt abschloss. Im Anschluss daran war Herr B… für verschiedene Ingenieurbüros auch verantwortlich, seit 1997 mit einem eigenen Ingenieurbüro, der Planungsgesellschaft für Gebäudetechnik E… GmbH, im Bereich der Technischen Ausrüstung tätig. C… schloss 1968 eine Ausbildung zum Heizungsinstallateur und 1971 zum Gas- und Wasserinstallateur ab. 1974 erwarb er den Meisterbrief als Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, 1981 als Gas- und Wasserinstallateur. Herr C… war seit 1991 als selbstständiger Planer und Bauleiter für Heizungs-, RLT und Sanitäranlagen unter anderem im Auftrag verschiedener Ingenieurbüros tätig.

Die Planungsgesellschaft für Gebäudetechnik E... GmbH, für die der Gesellschafter C… damals Aufträge ausführte, schloss im Frühjahr 2000 mit der F… für Stadtentwicklung einen Vertrag über Leistungen bei der technischen Ausrüstung im Rahmen der Sanierung und des Umbaus des Gebäudes G… in der H…-straße in I…. Danach sollte die GmbH für die Gas-, Wasser- und Abwassertechnik, die Wärmeversorgungs-, Brauchwassererwärmungs- und Raumlufttechnik, die Elektrotechnik sowie die Aufzugs-, Förder- und Lagertechnik in den baulichen Anlagen die Vor- und Entwurfsplanung nach § 73 HOAI (Leistungsphasen 2 und 3) durchführen. Weiter war vereinbart, dass das Land I… beabsichtige, die GmbH auch mit der Genehmigungsplanung sowie der Ausführungsplanung, der Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe sowie der Objektüberwachung zu beauftragen (Leistungsphasen 4 – 8). Das Land I… beauftragte die GmbH im März 2001 mit der Genehmigungsplanung.

Die zur Abwicklung dieses Vertrages gegründete Klägerin, deren Gesellschafter B… zugleich Gesellschafter und Geschäftsführer der GmbH war, teilte der F… am 17. September 2001 mit, sie übernehme den Vertrag von der GmbH ab Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung). Die F… stimmte Ende September 2001 einem Schuldbeitritt durch die Klägerin zu und erteilte dieser Mitte Oktober 2001 den Auftrag für die Leistungsphasen 5 bis 7. Nachfolgend bearbeitete der Gesellschafter C… den Bereich Heizung/Sanitär/Lüftung und der Gesellschafter B… den Bereich Elektro. Die vollständig sanierte Schule wurde zum Schuljahr 2005/06 übergeben. Die F… beauftragte die Klägerin im Jahr 2006 mit der Übernahme von Leistungen der Leistungsphase 9 (Mängelfeststellung, Mängelbeseitigung).

Der Beklagte setzte im Wege der Schätzung am 1. März 2006 den Gewerbesteuermessbetrag 2003 auf 1.420 € fest. Die Klägerin legte am 3. April 2006 Einspruch ein und machte geltend, sie sei nicht gewerbesteuerpflichtig, denn sie erziele Einkünfte aus selbstständiger Arbeit. Ihre Tätigkeit sei derjenigen von Ingenieuren und Architekten ähnlich, für die ihre Gesellschafter auch die persönlichen Voraussetzungen als technischer Betriebswirt bzw. Meister für Heizung, Sanitär und Klempnerei erfüllten. Ein Meister sei auch dafür ausgebildet, Anlagen der Heizungs- und Sanitärtechnik planerisch und bauleitend auszuführen. Insofern sei seine Tätigkeit ingenieurähnlich und damit freiberuflich. Dafür spreche auch, dass die Klägerin einen öffentlichen Auftrag im Zusammenhang mit der Sanierung des G… erlangt habe, was ohne Erfüllung dieser formalen Voraussetzung ausgeschlossen sei, und ihre Rechnungen ausschließlich nach der HOAI gestellt habe.

Der Beklagte wies den Einspruch mit Einspruchsentscheidung vom 23. April 2009 zurück. Die Klägerin sei Gewerbetreibende. Einkünfte aus selbstständiger Arbeit lägen bei Personengesellschaften nur dann vor, wenn alle Gesellschafter in eigener Person die Merkmale eines freien Berufs erfüllten. Das betreffe zum einen die persönliche Berufsqualifikation und zum anderen die tatsächliche freiberufliche Tätigkeit. Dabei müsse jeder Gesellschafter einen Beitrag zur freiberuflichen Leistung gegenüber den Auftraggebern erbringen, sofern er selbst die dafür erforderliche Qualifikation habe. Vorliegend erfüllten die Gesellschafter nicht die an einen einem Ingenieur oder Architekten ähnlichen Beruf zu stellenden Anforderungen. Das sei nur dann der Fall, wenn die Ausbildung hinsichtlich ihrer Qualität den Katalogberufen vergleichbar sei. Vergleichbarkeit erfordere, dass die Steuerpflichtigen eine vergleichbare Tiefe und Breite der Vorbildung nachweisen könnten. Die dazu vorgelegten Unterlagen zeigten, dass die Ausbildung beider Gesellschafter nicht der eines Hochschulabsolventen entspreche. Auch der Werdegang der Gesellschafter lasse nicht erkennen, dass bei ihnen eine breit angelegte wissenschaftliche Ausbildung vorhanden sei. Vielmehr seien sie berufsfremd. Insofern komme es nicht auf die tatsächlich erbrachten Leistungen an.

Die Klägerin hat am 20. Mai 2009 Klage erhoben. Sie macht geltend, sie und ihre Gesellschafter seien freiberuflich tätig. Der Gesellschafter B… verfüge über eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, bei der es sich um einen Katalogberuf handele. Da er mitunternehmerisch tätig sei, lägen die Voraussetzungen für die Erzielung von Einkünften aus selbstständiger Arbeit in seiner Person vor und komme es nicht darauf an, ob für ihn eine Ähnlichkeit zum Ingenieurberuf bestehe. Im Übrigen zeige die tatsächliche Tätigkeit im Bereich der Leistungsphasen 1 bis 8 zu § 73 HOAI, dass die Tätigkeit der Klägerin originär dem Berufsbild eines Ingenieurs oder Architekten entspreche. Nichts anderes gelte für den Gesellschafter C…. Das theoretische Wissen müsse einem Katalogberuf nur in seiner speziellen Fachrichtung entsprechen. So gebe es spezialisierte Ingenieure und Betriebswirte bzw. Wirtschaftsingenieure für Technische Gebäudeausrüstung. Während Ingenieure akademisch ausgebildet seien, verfüge ein Betriebswirt über eine höhere kaufmännische Qualifikation und Kompetenz, die ihn in die Lage versetze, betriebsweite Handlungsweise einzuordnen. Managementfähigkeiten seien insbesondere bei der von der Klägerin ausgeübten Bauleitung von Bedeutung. Auch der Gesellschafter C… sei als Geschäftsführer insofern in besonderer Weise kundig. Wirtschaftsingenieure seien hinsichtlich ihrer Fähigkeiten zwischen einem Ingenieur und einen Betriebswirt angesiedelt. Im Übrigen komme es auf den Nachweis einer Ausbildung dann nicht an, wenn die konkrete berufliche Tätigkeit so ausgestaltet sei, dass diese nicht ohne erhebliche theoretische Kenntnisse, wie sie einem Katalogberuf zu Grunde lägen, ausgeführt werden könne. Zu fragen sei, wie eine große Heizungsanlage geplant werden solle, wenn die dafür notwendigen theoretischen Kenntnisse fehlten. Der Gesellschafter C… sei Handwerksmeister und habe sich in der Weiterbildung umfassendes theoretisches Wissen sowie in der beruflichen Praxis praktisches Können angeeignet. Auch kaufmännische Belange seien Bestandteil der Meisterausbildung. Außerdem zeige der berufliche Werdegang des Gesellschafters C…, dass er über erhebliches Wissen auch im Hinblick auf große Anlagen verfüge. Er habe dieses Wissen in praktischer Tätigkeit erworben und sicher zur Anwendung gebracht. Zudem sei er auch als Gutachter tätig geworden. Würde er die Voraussetzungen nicht erfüllt haben, sei ein Auftrag von der F… nicht erreichbar gewesen. Ein Handwerksmeister bringe durch die Meisterprüfung profunde Kenntnisse mit, die denen eines Betriebswirts entsprächen. Fachlich entsprächen sie dem Grundlagenwissen eines Ingenieurs im jeweiligen Fachgebiet. Aus der praktischen Tätigkeit verfüge er jedoch über wesentlich mehr theoretisches Wissen als ein Hochschulabsolvent. Die Vielfältigkeit der aus dem beruflichen Werdegang des Gesellschafters C… ersichtlichen Tätigkeiten entspreche in ihrer Breite einer entsprechenden Hochschulausbildung. Im Übrigen habe sich Herr C… berufsbezogen weiter- und fortgebildet. Er habe über mehr als zehn Jahre vor dem Streitjahr ausschließlich Planungsleistungen und damit ingenieurähnliche Leistungen erbracht. Beispielhaft sei ein Großprojekt in I… zu nennen, bei dem es um die Planung eines Regenrückhaltebeckens gegangen sei, die wegen der Anforderungen der J… einerseits und der Problematik plötzlich eintretender Starkregen andererseits komplexe Berechnungen erfordert habe. Das zeige seine mathematischen Kenntnisse. Die Klägerin sei 2001 projektbezogen lediglich zur Erstellung der Ausführungsplanung für das Objekt H…-straße gegründet worden. Auf Tätigkeiten der Gesellschafter außerhalb der Klägerin komme es nicht an, denn diese würden nicht von der Klägerin erbracht. Auch könne nicht übersehen werden, dass der mit der F… geschlossene Vertrag ein reiner Planungsvertrag sei. Die Klägerin selbst sei über die gesamte Vertragslaufzeit ausschließlich mit der Abwicklung dieses Vertrages beschäftigt gewesen. Ihre Tätigkeit belege die Abrechnung exemplarisch. Soweit in der am 19. September 2012 durchgeführten mündlichen Verhandlung seitens der Kläger hilfsweise eine Wissensprüfung bei beiden Gesellschaftern beantragt worden sei, werde daran für den Gesellschafter C… nicht festgehalten.

Die Klägerin beantragt,den Gewerbesteuermessbescheid 2003 vom 1. März 2006 und die Einspruchsentscheidung vom 23. April 2009 aufzuheben.

Der Beklagte beantragt,die Klage abzuweisen.

Zwar sei zutreffend, dass der Gesellschafter B… die Qualifikation für die Ausübung eines freien Berufs aufgrund seiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung erfülle. Die Ausbildung des Gesellschafters C… sei jedoch weder einem Ingenieur noch einem Betriebswirt ähnlich. Er habe auch nicht den Nachweis vergleichbarer Kenntnisse zu einem der Katalogberufe geführt. Die Klägerin sei für eine vergleichbare Breite und Tiefe der Vorbildung ihres Gesellschafters C… nachweispflichtig, der in Anbetracht der erheblichen Spezialisierung jedenfalls in zwei Teilbereichen eine ingenieurähnliche Qualität erreichen müsse. Der Nachweis könne durch die Belegung entsprechender Fortbildungen, anhand praktischer Arbeiten oder durch eine Wissensprüfung geführt werden. Der Vertrag mit der F… lasse im Übrigen nicht erkennen, welche Tätigkeiten die Klägerin, insbesondere der Gesellschafter C…, tatsächlich im Jahr 2003 ausgeübt habe, zumal die F… mit dem Gesellschafter B… verhandelt habe. Erläuterungsbedürftig sei, welche konkrete Tätigkeit der Gesellschafter C… und der Gesellschafter B… jeweils im Streitfall in der Klägerin ausgeübt hätten.

Nachdem der Gesellschafter C… eine in der mündlichen Verhandlung vom 19. September 2012 vom Bevollmächtigten der Klägerin beantragte Wissensprüfung abgelehnt hat, ist der Klägerin mit auf § 79b Abs. 2 Finanzgerichtsordnung -FGO- ergangener Verfügung unter anderem aufgegeben worden, Unterlagen vorzulegen, aus denen sich ersehen lässt, dass der Gesellschafter C… über Wissen verfügt, das dem eines Ingenieurs in Breite und Tiefe vergleichbar ist. Im Hinblick auf die daraufhin vorgelegten Unterlagen hat der Senat Beweis erhoben über die Frage, ob der Gesellschafter C… der Klägerin im Streitjahr 2003 über berufliches Wissen verfügt hat, das in seiner Breite und Tiefe dem eines Ingenieurs mit abgeschlossenem Fachhochschulstudium vergleichbar ist, durch Einholung eines Gutachtens des Sachverständigen K…, das dieser auf der Grundlage sämtlicher von der Klägerin in Bezug auf ihren Gesellschafter C… vorgelegten Unterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Arbeitsproben) in der Senatssitzung vom 28. November 2013 mündlich erstattet hat. Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf die Sitzungsniederschrift verwiesen.

Wegen der Einzelheiten des Sachverhalts und des weiteren Vorbringens der Beteiligten wird auf die Gerichtsakte und die Steuerakten des Beklagten Bezug genommen (2 Bände).

Gründe

Die Klage hat keinen Erfolg.

Der Bescheid über den Gewerbesteuermessbetrag 2003 vom 1. März 2006 und die Einspruchsentscheidung vom 23. April 2009 sind nicht aufzuheben, denn sie sind rechtmäßig und verletzen die Klägerin nicht in ihren Rechten, § 100 Abs. 1 FGO.

Die Tätigkeit der Klägerin unterlag im Streitjahr der Gewerbesteuer nach § 2 Abs. 1 Gewerbesteuergesetz -GewStG-. Gewerbesteuerpflichtig ist jeder im Inland betriebene stehende Gewerbebetrieb. Unter einem Gewerbebetrieb ist ein gewerbliches Unternehmen im Sinne des Einkommensteuergesetzes zu verstehen. Ein gewerbliches Unternehmen liegt danach vor, wenn eine selbständige nachhaltige Betätigung mit Gewinnerzielungsabsicht unter Beteiligung am allgemeinen Wirtschaftsverkehr unternommen wird, die sich nicht als Ausübung eines freien Berufes darstellt, § 15 Abs. 2 Einkommensteuergesetz -EStG-.  Freiberuflich tätig ist nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG unter anderem, wer selbständig den Beruf des Ingenieurs, beratenden Betriebswirts oder einen ähnlichen Beruf ausübt. Wird die selbstständige Tätigkeit – wie hier – im Rahmen einer Personengesellschaft ausgeübt, muss jeder Gesellschafter in seiner Tätigkeit für die Gesellschaft die Hauptmerkmale des freien Berufs in eigener Person erfüllen (BFH, Urteil vom 28. Oktober 2008 VIII R 69/06, BStBl. II 2009, 642). Der Gesellschafter C… erfüllt diese Anforderungen im Ergebnis der Beweisaufnahme nicht. Ob der Gesellschafter B… in seiner Person den insoweit zu stellenden Anforderungen genügen würde, bedarf keiner abschließenden Entscheidung.

1. Keiner der beiden Gesellschafter ist als Ingenieur im Sinne des § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG einzustufen, denn beide verfügen – was nicht streitig ist – als Techniker/Technischer Betriebswirt bzw. Handwerksmeister nicht über die erforderliche Berufsqualifikation und sind als solche nach dem maßgeblichen Berufsrecht nicht berechtigt, die Berufsbezeichnung Ingenieur zu führen (dazu BFH, Urteil vom 22. September 2009 VIII R 31/07, BStBl. II 2010, 467).

2. Die vom Gesellschafter C… in der Gesellschaft ausgeübte Tätigkeit als Bauleiter und Fachplaner für technische Gebäudeausrüstung (TGA) mit den Schwerpunkten Gas/Wasser/Heizung/RLT ist im vorliegenden Einzelfall der Tätigkeit eines Ingenieurs nicht ähnlich.

Der ähnliche Beruf muss dem Beruf des Ingenieurs sowohl hinsichtlich der erforderlichen Berufsausbildung als auch hinsichtlich der tatsächlich entfalteten Tätigkeit im Wesentlichen gleichen (BFH, Urteil vom 22. September 2009 VIII R 78/06, BStBl. II 2010, 404). Haben die Gesellschafter – wie hier – insoweit keine spezifische Hochschulausbildung absolviert, können sie gleichwohl nachweisen, dass sie sich das Wissen eines Ingenieurs bzw. Wirtschaftsingenieurs (dazu BFH, Urteil vom 6. September 2006 XI R 3/06, BStBl. II 2007, 118) in vergleichbarer Breite und Tiefe auf andere Weise im Wege der Fortbildung und/oder des Selbststudiums oder ggf. anhand eigener praktischer Arbeiten angeeignet haben, sofern die erworbenen Kenntnisse der Tiefe und der Breite nach dem Wissen des Kernbereichs des jeweiligen Fachstudiums entsprechen (BFH, Urteil vom 16. Dezember 2008 VIII R 27/07, HFR 2009, 898 m.w.N., Beschlüsse vom 9. März 2012 III B 244/11, BFH/NV 2012, 1119; vom 7. März 2013 III B 134/12, BFH/NV 2013, 930;  std. Rspr.). In Anbetracht der durch die Hochschulreform im sogenannten „Bologna-Prozess“ bewirkten Veränderungen, die auch ihren Niederschlag in den Ingenieurgesetzen der Länder gefunden haben, ist dies dahin zu verstehen, dass das autodidaktisch erworbene Wissen mindestens demjenigen eines Absolventen eines dreijährigen technischen Bachelorstudiengangs an einer Fachhochschule entsprechen muss. Auch diese Absolventen dürfen nämlich mittlerweile die (geschützte) Berufsbezeichnung Ingenieur führen (vgl. etwa § 1 Nr. 1, § 2a Abs. 4 Berliner Ingenieurgesetz). Dabei ist es unschädlich, wenn die Kenntnisse auf einem Teilgebiet nicht denjenigen entsprechen, die in einer Prüfung erwartet werden würden, sofern nur eine Prüfung auch dann noch bestanden werden könnte. Nicht ausreichend ist es hingegen, wenn das Wissen nur auf einem Teilgebiet demjenigen eines Fachstudiums entspricht (BFH, Urteil vom 18. April 2007 XI R 29/06, BStBl. II 2007, 781). Dies zugrunde gelegt, verfügt jedenfalls der Gesellschafter C… nicht über einem Ingenieur vergleichbares Wissen. Dabei hilft es nicht weiter, wenn die Klägerin – wohl wegen des notwendig geringeren Niveaus der technischen Ausbildung – darauf abhebt, ihr Gesellschafter C… verfüge jedenfalls über Wissen, das dem eines Wirtschaftsingenieurs entspreche (dazu BFH, Urteile vom 28. August 2003 IV R 21/02, BStBl. II 2003, 919; vom 6. September 2006 XI R 3/06, BStBl. II 2007, 118). Die Klägerin legt schon nicht dar, dass der Gesellschafter C… theoretische Kenntnisse in den auch zur Ausbildung der Wirtschaftsingenieure gehörenden Hauptbereichen der Betriebswirtschaftslehre (Unternehmensführung, Leistungserstellung, Materialwirtschaft, Finanzierung, Vertrieb, Rechnungs- und Personalwesen) erworben haben könnte, die denen eines Absolventen dieses Studienfaches entsprechen. Auch ist nicht erkennbar, dass er das in einem solchen Studium vermittelte Wissen in praktischer Tätigkeit erworben haben könnte, selbst wenn von einem geringeren Anforderungsniveau ausgegangen wird als bei einem „reinen“ Betriebswirt. Dass er über lange Jahre mit einem Meisterbetrieb bzw. einem Planungsbüro selbstständig tätig gewesen war, lässt auf das Vorhandensein solcher theoretischen Kenntnisse ebenso wenig schließen, wie der Umstand, dass Herr C… auch Geschäftsführer der Klägerin war. Konkrete Angaben dazu lassen sich den verschiedenen Schriftsätzen der Klägerin denn auch nicht entnehmen, zumal Herr C… in der mündlichen Verhandlung den Schwerpunkt seiner gesamten Tätigkeit in der Bauleitertätigkeit auf der Baustelle gesehen hat.

Liegt kein theoretisches Wissen wie bei einem Wirtschaftsingenieur vor, kann nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme auch nicht festgestellt werden, dass die theoretischen Kenntnisse des Gesellschafters C… denen eines Absolventen eines technischen Bachelorstudienganges entsprechen. Die Beweisaufnahme hat ergeben, dass die von der Klägerin vorgelegten Unterlagen nicht den Schluss ermöglichen, dass die theoretischen Kenntnisse des Gesellschafters C… denen eines Ingenieurs mit einem Bachelorabschluss entsprechen. Der vom Gericht bestellte Sachverständige, gegen dessen Befähigung zur Beurteilung der Beweisfrage im Hinblick auf seine berufliche Tätigkeit als Professor an der L… Hochschule I… für Kälte- und Klimatechnik im Studiengang Gebäude- und Energietechnik und zudem öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Raumluft- und Heizungstechnik von den Beteiligten keine Bedenken geäußert worden sind, hat in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dargelegt, dass zum einen die dem Gericht von der Klägerin vorgelegten Unterlagen in Bezug auf die Frage der ingenieurähnlichen Qualifikation des Gesellschafters C… nur „rudimentär“ und damit nicht aussagekräftig seien. Zum anderen seien aber auch die vorgelegten Unterlagen, soweit sie Planungen und Berechnungen enthielten, in einer Weise mängelbehaftet, dass nicht von einer ingenieuradäquaten Leistung gesprochen werden könne. Hinzu komme, dass einzelne zum Beleg der Befähigung des Gesellschafters C… vorgelegte Unterlagen wohl nicht von ihm angefertigt worden seien. Der Befund des Sachverständigen beruhte dabei zum einen darauf, dass zu wesentlichen Feldern der Hochschulausbildung schon keine weiteren prüfbaren Arbeitsproben vorgelegt worden waren, etwa hinsichtlich der Dimensionierung der raumlufttechnischen Anlagen oder zur Planung von Entrauchungsanlagen. In Anbetracht dessen waren Aussagen über das fachspezifische theoretische Grundlagenwissen des Gesellschafters C… etwa in den Bereichen Thermodynamik, Elektrotechnik, Werkstoffwissenschaft, Statik und Strömungslehre sowie chemische Kenntnisse, wie sie in den einschlägigen Prüfungsordnungen gefordert werden, von vornherein nicht möglich. Auch die für ein erfolgreiches Studium erforderlichen mathematischen Kenntnisse hat der Sachverständige nicht feststellen können. Zwar hat der Sachverständige einerseits die praktische Bedeutung der Mathematik für die Tätigkeit eines Ingenieurs im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung als eher gering eingeschätzt, andererseits aber – vom Gesellschafter C… unwidersprochen – darauf hingewiesen, dass die gerade zum Beleg der mathematischen Kenntnisse eingereichte Berechnung des Regenrückhaltebeckens nicht von diesem stammen könne, denn es sei vollkommen ungewöhnlich, für eine eigene Berechnung nicht die Gewähr übernehmen zu wollen. Der Anteil des Gesellschafters C… habe sich darauf beschränkt, dem Auftraggeber mitzuteilen, dass das Rückhaltebecken gegenüber dem wohl vom Lieferanten berechneten Volumen noch zu vergrößern sei, was nicht für eine Ingenieurqualifikation des Gesellschafters C… spreche.  Auch lasse die vorgelegte Rohrnetzberechnung in Anbetracht der darin enthaltenen Fehler erkennen, dass der Gesellschafter C… wesentliche Zusammenhänge nicht verinnerlicht habe. So habe er schon nicht erkannt, dass die herstellerseitig vorgenommenen Voreinstellungen des für die Berechnungen genutzten Datenverarbeitungsprogramms für das konkrete Vorhaben hätten angepasst werden müssen, um kostspielige Überdimensionierungen zu vermeiden. Vor diesem Hintergrund erscheint die zusammenfassende Schlussfolgerung des Sachverständigen plausibel, der Gesellschafter C… verfüge nicht über berufliches Wissen, dass in seiner Breite und Tiefe dem eines Ingenieurs mit Fachhochschulabschluss vergleichbar sei. Der Senat schließt sich dieser Würdigung an. Der im Termin anwesende Gesellschafter C… ist dem Beweisergebnis nicht entgegengetreten. Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens des Sachverständigen hat er nicht geäußert. Vielmehr hat er selbst darauf hingewiesen, dass sein Tätigkeitsfeld vor allem als Bauleiter auf der Baustelle gelegen habe.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 135 Abs. 1 FGO. Die Revision ist mangels Grundes nicht zuzulassen, § 115 Abs. 2 FGO.