LG Dortmund, Urteil vom 25.06.2010 - 36 Kls -190 Js 206/09- 50/09
Fundstelle
openJur 2013, 32439
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Tenor

Der Angeklagte wird wegen besonders schweren Raubes zu einer Freiheitsstrafe von

zwei Jahren

verurteilt, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird.

Er hat die Kosten des Verfahrens einschließlich der dem Nebenkläger entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Angewendete Vorschriften:

§§ 249 Abs. 1, 250 Abs. 2 Nr. 3 a, 21, 46 a Nr. 1, 49 Abs. 1 StGB

Gründe

I. Der Lebensweg des Angeklagten

Der Angeklagte ist am 00.00. 1976 als jüngstes von drei Kindern seiner Eltern in M geboren. Er hat einen acht Jahre älteren Bruder und eine vier Jahre ältere Schwester. Sein Vater, der Kellner von Beruf war, kannte er nur vom Hörensagen, da sich seine Eltern nach 10jähriger Ehe kurz vor oder nach seiner Geburt trennten. Aus weiteren Beziehungen seines Vaters hat er noch zwei Halbschwestern.

Die Mutter des Angeklagten ging eine neue Ehe ein und lebte mit dem Stiefvater des Angeklagten zusammen, bis dieser etwa 10 Jahre alt war. Zu diesem Stiefvater hatte der Angeklagte keine enge Bindung, weil er überwiegend bei seiner Großmutter mütterlicherseits aufwuchs. Diese starb, als der Angeklagte 15 ½ Jahre alt war. Mit ihr hatte der Angeklagte auf derselben Etage eines Hochhauses in M wie seine Mutter und sein Stiefvater gewohnt und deswegen auch durchgehend mit ihnen Kontakt. Die heute 63jährige Mutter des Angeklagten, eine gelernte Erzieherin, war als Altenpflegerin berufstätig und ist inzwischen berentet.

Der Angeklagte wurde altersgerecht 1982 eingeschult und kam nach vierjährigem Grundschulbesuch mit dem zweitbesten Zeugnis seiner Klasse auf das Gymnasium, in deren 6. Klasse auf die Realschule wechselte, weil er nach zweimonatigem Ausfall durch eine Blinddarmentzündung den Anschluss an den Lernstoff verloren hatte. Auch in der Realschule konnte sich der Angeklagte wegen Schwierigkeiten mit der englischen Sprache nicht auf Dauer behaupten und wechselte auf die Hauptschule, auf der er nach Wiederholung von zwei Schuljahren den Abschluss der 9. Klasse erreichte.

Der Angeklagte arbeitete danach bei einigen Zeitarbeitsfirmen, ehe er 1996/97 bei der Bundeswehr 10 Monate den Wehrdienst ableistete. Im Anschluss daran, nahm er eine Ausbildung zum Bau- und Kunstglaser auf, die er nach einem Jahr zu Gunsten einer Tätigkeit in einer Baufirma des Vaters eines Bekannten aufgab. Er arbeitete damals knapp zwei Jahre lang als Monteur von Dehnungsfugen. Danach nahm er eine Umschulung zum Garten- und Landschaftsbauer auf, die er nach ca. 1 ½ Jahren abbrach, weil er am 18. August 2001 eine Stelle als Produktionshelfer in der Großbäckerei L antreten konnte, welche er - der Geschäftsbetrieb ist mittlerweile auf eine Nachfolgefirma übergangen - auch noch heute inne hat. Sein monatlicher Nettoverdienst beläuft sich auf ca. 1.500,00 bis 1.600,00 € netto.

Seit 1995 lebt der Angeklagte von kurzzeitigen Trennungsphasen abgesehen in nicht ehelicher Lebenspartnerschaft mit der gleichaltrigen Krankenschwester N zusammen. Beide sind Eltern der am 00.00. 1998 geborenen Tochter M2. Seit 2005 wohnen beide mit der Tochter zusammen in einer Mietwohnung in der L2-Straße 00 in M. Als stellvertretende Pflegedienstleiterin in einem mobilen Pflegedienst verdient auch die Zeugin B monatlich etwa 1.500,00 € netto. Sie führt mit dem Angeklagten zusammen eine gemeinsame Kasse. Die Hauptausgaben der beiden stellen die monatliche Warmmiete von 760,00 € und monatliche Kreditraten von 300,00 € für die Anschaffung eines Pkw bei der Sparkasse M und 170,00 € für eine übernommene Bürgschaft bei der Landeszentralbank Berlin dar.

Seit seinem 19. Lebensjahr spielt der Angeklagte durchgehend in Amateurvereinen Fußball. Zur Tatzeit war er bei dem Kreisligisten C aktiv und hat dort pro Meisterschaftspiel eine Aufwandsentschädigung von ca. 40,00 € erhalten. Nach seiner Festnahme im vorliegenden Verfahren hat er mit dem Fußballsport etwa ein halbes Jahr lang ausgesetzt und sich mittlerweile mit dem Verein Q einem weiteren M Kreisligisten angeschlossen, bei dem er eine vergleichbare Aufwandsentschädigung erhält.

Der Angeklagte konsumiert seit seinem 14. Lebensjahr mehr oder weniger regelmäßig Cannabis. In Spitzenzeiten hat er bis zu 4 bis 5 g täglich konsumiert, den Konsum seit seinem 28. oder 29. Lebensjahr aber deutlich eingeschränkt und in der Regel nur noch an Wochenenden 1 bis 2 g zu sich genommen. Seit seiner Festnahme im vorliegenden Verfahren raucht er nur noch ganz vereinzelt einmal einen Joint. Bis auf Heroin hat der Angeklagte auch alle anderen gängigen Drogen ausprobiert, ohne bei ihnen geblieben zu sein. Lediglich Kokain hat er über einen längeren Zeitraum in der Regel geschnupft, in Einzelfällen auch geraucht. Alkohol trinkt der Angeklagte nur in der Regel an Wochenenden oder bei besonderen Anlässen, wobei er nur selten einen Alkoholrausch hatte.

Im Übrigen ist der Angeklagte körperlich und geistig gesund. Vorstrafen hat er nicht zu verzeichnen.

II. Das Tatgeschehen und ihre Vorgeschichte

Am Freitag, dem 8. Mai 2009 feierte der Betreuer der ersten Fußballmannschaft des C, der der Angeklagte angehörte, seinen 50. Geburtstag im Vereinsheim in M. Er befand sich zu dieser Feier mit einigen Mannschaftskameraden, darunter dem Zeugen T, ab Ende 20.00 Uhr ein und trank in ungeklärter Menge Bier und Ouzo. Zwischenzeitlich rauchte er auch einen Joint mit ca. 0,5 g Marihuana.

In ausgelassener Stimmung schloss sich der Angeklagte zwischen 1.00 und 2.00 Uhr am darauf folgenden Morgen dem Zeugen T und einem weiteren Mannschaftskameraden namens L3, der sich in Begleitung seiner Ehefrau befand, an und fuhr mit diesen zu der Gaststätte "I-stuben" in M um dort in fröhlicher Runde noch weiter dem Alkohol zusprechen zu können. Die Gaststätte mit der Anschrift "X-straße 0" ist zwischen der "X-straße" und der "Q2-Straße" gelegen, die durch einen Verbindungsweg miteinander verbunden werden und an deren Enden sich jeweils ein abschließbares zweiflügeliges Holztor mit Glaseinsätzen befindet. Der Eingang zu der Gaststätte ist an dem Verbindungsweg gelegen.

Inhaber der Gaststätte war und ist der damals 38jährige Zeuge B2, der sich dem vorliegenden Verfahren als Nebenkläger angeschlossen hat. Der Nebenkläger, der wegen seines Kahlkopfes "V" genannt wird, ist homosexuell orientiert, wovon er kein Aufhebens macht, was unter seinen Gästen aber allgemein bekannt war. Obwohl er kein Stammgast in dem Lokal war, wusste auch der Angeklagte hiervon. Näher miteinander ins Gespräch gekommen waren die beiden bis dahin nur bei einer Feier des Fußballvereins des Angeklagten in dem Lokal des Nebenklägers und bei einem Ausflug zu einem Junggesellenabschied nach Düsseldorf, ohne dass es dabei freilich zu sexuellen Annäherungen zu beiden gekommen war.

In den "I-stuben" hatte an dem Abend Hochbetrieb geherrscht. Alle vier zum Lokal gehörenden Kegelbahnen waren besetzt und die Gaststube war gut besucht. Mit dem 18-jährigen I2 und S hatte der Nebenkläger an dem Abend zwei Kellner beschäftigt, die für die Bedienung in der Gaststube und auf den Kegelbahnen zuständig waren. Der Nebenkläger selbst versah den Dienst hinter der Theke. Die Tageseinnahmen beliefen sich an dem Tag auf 1.014,80 €, die dem Kassenbestand von 3.372,39 € hinzugefügt wurden. 87,50 € und 70,00 € wurden der Kasse für die Entlohnung der beiden Kellner entnommen. Außerdem nahm der Nebenkläger an dem Abend in der Kasse noch 910,00 € für einen Sparclub in Verwahrung. Das gesamte Geld legte der Nebenkläger in einer grauweißlichen Geldkassette ab, die er in einem Schrank in einem kleinen Raum hinter der Theke aufbewahrte. Der Schrank, der sechs Schubladen hat, war unverschlossen. Die Geldkassette befand sich in der oberen linken Schublade. Sie war abgeschlossen. Die Schlüssel bewahrte der Angeklagte an einem mitgeführten Schlüsselbund auf.

Bis auf einen Streit mit einem Gast, der sich bei dem Angeklagten und seinen Begleitern wegen von der Ehefrau des L in der Gaststätte gefertigten Fotos beschwerte, durch dieser sich gestört fühlte, verlief der Abend für den Angeklagten harmonisch. Er trank weiter in ungeklärter Menge Bier und einige Schnäpse, darunter möglicherweise mit anderen Gästen aus einer sog. 3 l-Säule Wodka mit Red Bull. Zwischenzeitlich rauchte er außerhalb des Lokals einen weiteren Joint mit ca. 0,5 g Marihuana. Zur Tatzeit zwischen 6.15 und 6.45 Uhr hatte er mit einer Blutalkoholkonzentration von maximal 2,42 o/oo einen mittelschweren Rausch, in dessen Folge er in seinem Steuerungsvermögen nicht ausschließbar erheblich beeinträchtigt war.

Die Begleiter des Angeklagten verließen das Lokal nach und nach. Zuletzt befand er sich mit den Zeugen Q3 und X2 als letzte Gäste in einer Runde an der Theke. Gegen 5.30 Uhr drängten die Zeugen S und I2, die ihre Abrechnung fertig gestellt hatte, darauf, die Gaststätte zu schließen. Mit dem Einwand, dass die Kellner hier wohl mehr zu sagen hätten als der Wirt, setzte der Angeklagte durch, dass der Nebenkläger ihm und den Zeugen Q3 und X2 noch ein letztes Getränk zugestand. Gegen 5.50 Uhr gebot er endgültig Feierabend und geleitete seine letzten drei Gäste aus dem Lokal.

Der Angeklagte ging zunächst ein Stück Weges gemeinsam mit dem Zeugen Q3 und X2 die Z-straße in südliche und die L4-straße in östliche Richtung. Im Kreuzungsbereich der L4-straße mit der G-straße trennte er sich von den beiden Zeugen. Während die Zeugin die L4-straße in östliche Richtung weiter begingen, bog der Angeklagte in nördliche Richtung in die G-straße ab, um von dort in westliche Richtung über die X-straße wieder zu den "I-stuben" zurückzugelangen. Möglicherweise hatte er dies zuvor mit dem Nebenkläger abgestimmt und sich mit ihm auf eine homoerotische Begegnung verständigt.

In der Zwischenzeit hatten die Zeugen S und I2 in der Gaststätte letzte Aufräumarbeiten verrichtet und vom Nebenkläger ihre Entlohnung erhalten. Nachdem sie beide Außentore auf den zur Gaststätte führenden Verbindungsweg und die Eingangstür verschlossen hatte, führte der Nebenkläger sie durch die zum Treppenhaus gelegene Feuerschutztür aus der Gaststätte, schloss diese ab und entließ beide gegen 6.10 Uhr durch einen an der X-straße gelegenen Seiteneingang. Dort trafen sie auf den Angeklagten, der neuerlich Einlass in die Gaststätte begehrte. Der Zeuge S gab ihm zu verstehen, dass das Lokal jetzt endgültig geschlossen sei und er gehen möge. Der Nebenkläger erklärte indes, dass er mit dem Angeklagten noch einen trinken wolle und die Zeugen S und I2 ruhig gehen könnten. Er ließ den Angeklagten darauf durch den Seiteneingang in das Haus.

Möglicherweise schloss der Nebenkläger, der in der Nacht aus selber dem Alkohol zugesprochen hatte - er war nach 5 bis 6 0,2 l Gläsern Bier und 2 Weinbrand/Cola indes allenfalls leicht angetrunken - danach noch einmal die Feuerschutztür auf und nahm mit dem Angeklagten noch ein Getränk zu sich, ehe beide einander körperlich näher kamen und sich umarmten und küssten. Möglicherweise wurden beide in der genannten Weise auch sogleich im Treppenhaus miteinander intim, ohne die Gaststätte neuerlich zu betreten. Fest steht, dass beide überein kamen, miteinander sexuelle Handlungen vorzunehmen, die mit der Ausführung des Oralverkehrs durch den Nebenkläger bei dem Angeklagten beginnen sollte. Möglicherweise nahm der Nebenkläger das Glied des Angeklagten, der zu diesem Zweck seine Hose und Unterhose heruntergelassen hatte, bereits im Treppenhaus in den Mund und saugte daran. Möglicherweise suchten beide zu diesem Zweck auch die im zweiten Obergeschoss gelegene Wohnung des Nebenklägers auf. Seine Hauptwohnung hat der Nebenkläger in I3. Die im zweiten Obergeschoss oberhalb der Gaststätte gelegene, aus drei Zimmer, Küche, Bad und WC bestehende Wohnung nutzt der Nebenkläger nur für Übernachtungen nach langen Arbeitstagen und ist entsprechend spärlich eingerichtet. Der Angeklagte und der Nebenkläger begaben sich dort in dessen Schlafzimmer, das mit zwei Betten, einem Holzbett und einem Bett mit Metallgestell, einer Couch, einem Einbauschrank und einem Nachttisch ausgestattet war. Der Nebenkläger, der zuvor das Bad aufgesucht und dort seine Brille abgelegt hatte, entkleidete sich in dem Schlafzimmer bis auf Unterhemd und Unterhose und nahm spätestens hier das Glied des Angeklagten in den Mund, der den Gürtel seiner Hose abgelegt und Hose und Unterhose heruntergelassen hatte.

Ob es nur zu weiteren sexuellen Handlungen außer der Ausübung des Oralverkehrs durch den Nebenkläger bei dem Angeklagten kam, ist ungeklärt. Möglicherweise trug der Nebenkläger danach Vaseline in seinem Analbereich auf und forderte den Angeklagten auf, nunmehr den Analverkehr mit ihm auszuführen. Möglicherweise beendete der Angeklagte den Oralverkehr aber auch abrupt und forderte den Nebenkläger auf, ihm die Geldkassette mit den Tageseinnahmen auszuhändigen. Fest steht, dass es dem Angeklagten spätestens jetzt allein darauf ankam, in den Besitz der Tageseinnahmen des Nebenklägers zu gelangen. Möglicherweise hatte er es von vornherein allein darauf abgesehen und sich auf die sexuellen Handlungen mit dem Nebenkläger nur zu dem Zweck eingelassen, an dessen Geld zu gelangen. Möglicherweise war er aber auch aus Neugierde zu den sexuellen Handlungen mit dem Nebenkläger bereit und wurde durch diese so abgestoßen, dass er spontan beschloss, sich dafür bei diesem mit dessen Tageseinnahmen schadlos zu halten.

Als der Angeklagte von dem Nebenkläger auf seine Frage, wo dessen Geldkassette sei, keine Antwort erhielt, schlug dieser ihm so heftig mit der Faust in das Gesicht, dass letzterer zu Boden viel. Am Boden liegend wurde der Nebenkläger von dem Angeklagten, der leichte Sommerschuhe trug, auch mit den Füßen im Brust-/Bauch- und Rückenbereich getreten, wobei die Kammer aber nicht hat feststellen können, dass die Tritte sehr heftig waren und Schädigungen innerer Organe oder Blutungen dadurch ausgelöst wurden. Bei einem Versuch sich aufzurappeln, erhielt der Nebenkläger von dem Angeklagten einen Stoß mit dem Knie in das Gesicht.

Nachdem er das Schlafzimmer des Nebenklägers ergebnislos nach der Kassette durchsucht hatte, nahm der Angeklagte den auf dem Nachtisch abgelegten Schlüsselbund des Nebenklägers an sich, um damit in die Gaststätte zurück zu gelangen und dort weiter nach der Kassette zu suchen. Der Nebenkläger, dem es inzwischen gelungen war, sich wieder zu erheben, versuchte dies zu verhindern, in dem er dem Angeklagten den Schlüsselbund zu entreißen versuchte. Dies gelang ihm aber nicht, weil ihm der Angeklagte kräftemäßig überlegen war. Bei dem Gezerre um den Schlüsselbund fielen einige der Schlüssel ab.

Der Angeklagte schlug und trat darauf weiter auf den Nebenkläger ein und trieb ihn mit den Schlägen und Tritten aus der Wohnung die beiden Treppen hinunter zur Gaststätte. Zeitweise packte er ihn auch an den Armen und zerrte ihn die Treppenstufen hinunter. Auf den letzten Treppenstufen kam der Nebenkläger zu Fall und blieb auf dem Boden im Flur vor der Feuerschutztür der Gaststätte liegen. Der Angeklagte versuchte derweil, den passenden Schlüssel zu der Feuerschutztür zu finden, was ihm nach dem Ausprobieren mehrerer Schlüssel auch gelang. Er zerrte den Nebenkläger, der sich inzwischen wieder aufgerappelt hatte, in die Gaststätte hinein und forderte ihn unter Schlägen und Tritten auf, ihm das Versteck der Geldkassette zu verraten. Diesem schwanden dabei die Sinne. Er brach hinter der Theke zusammen und blieb dort besinnungslos bis zum Eintreffen der Polizeikräfte liegen.

Der Angeklagte entdeckte die Geldkassette in dem unverschlossenen Schrank in dem Nebengelass neben der Theke und nahm diese an sich. Er wickelte sie in eine Jeansjacke und verließ damit die Gaststätte durch den Haupteingang. Er hielt sich auf dem Verbindungsweg zwischen den beiden verschlossenen Holztoren auf, als gegen 6.50 Uhr die in der Gaststätte als Reinigungskraft tätige Zeugin O eines der Holztore aufschloss, um ihre Arbeit in der Gaststätte aufzunehmen. Der Angeklagte ging wortlos auf die Zeugin zu und versuchte sich die in der Jacke eingewickelte Geldkassette in beiden Händen von den Bauch haltend, an der Zeugin vorbei zu drängen. Diese erfasste die Situation blitzschnell und forderte den Angeklagten mit den Worten: "Was machen Sie denn noch hier? Das ist doch unsere Kassette! Geben Sie die her!" auf, stehen zu bleiben. Dieser ließ sich aber dadurch nicht beirren und setzte schnurstracks seinen Weg mit der Kassette durch das Holztor fort. Aufhalten konnte ihn die Zeugin, der es lediglich gelang die Kassette ein Stück weit zu berühren, nicht.

Der Angeklagte entfernte sich mit der Kassette anschließend im Laufschritt in Richtung des an der Z-straße gelegenen Spielplatzes, auf dem er möglicherweise durch das Zubodenwerfen der Kassette einen ersten Versuch unternahm, diese aufzubekommen. Von Erfolg gekrönt war sein entsprechendes Vorhaben auf dem etwa 400 m in östlicher Richtung entfernt liegenden Schulgelände der B3-schule an der G-straße, wo er der Kassette den oben aufliegenden Bargeldbetrag in Höhe von ca. 4.000,00 € entnahm und sie auf dem Schulgelände beließ, wo sie an dem darauf folgenden Nachmittag von dem 17jährigen Schüler T2 gefunden und der Polizei übergeben wurde. Darin befand sich u. a. eine Geldbörse des Nebenklägers mit verschiedenen Ausweisen, 145,00 € Scheingeld und Hartgeld, eine Kellnerbörse mit 495,00 € Scheingeld und Hartgeld, diverse Schlüssel und verschiedene Unterlagen, zwei Hartgeldrollen, eine schwarze Tasche mit weiteren Hartgeldrollen und 40,00 € lose in Scheinen. Eine schwarze Geldtasche mit weiteren Schlüsseln und Papieren und einer Armbanduhr und einem Handy des Nebenklägers, die sich ebenfalls in der Kassette befunden hatte, wurde später an anderer Stelle auf dem Schulgelände von dem 10jährigen Schüler B4 aufgefunden und bis auf das - angeblich weggeworfene - Handy der Polizei übergeben.

Der Angeklagte kam kurz nach 7.00 Uhr morgens in seiner etwa 1 km von den "I-stuben" in südöstlicher Richtung entfernt gelegenen Wohnung in der L2-Straße 00 in M mit durchnässten Schuhen und durchnässten Hosenbeinen an. Seiner Lebensgefährtin, der Zeugin B, die durch sein polterndes Auftreten wach wurde, berichtete er nur, dass er "Mist gebaut" habe. Er habe sich in den "I-stuben" mit jemandem geprügelt. Anschließend legte der Angeklagte sich sofort schlafen. Der Zeugin B ließ die Angelegenheit keine Ruhe. Sie fuhr mit ihrem Pkw zu den "I-stuben" und stellte fest, dass dort inzwischen die Polizei und ein Krankenwagen eingetroffen waren. Sie fuhr darauf nach Hause zurück und versuchte von dem Angeklagten mehr in Erfahrung zu bringen, wobei sich dieser aufgrund seines festen Schlafes aber als nicht weiter ansprechbar erwies.

Gegen 12.15 Uhr wurde der Angeklagte, der inzwischen aufgrund der Aussagen der Zeugen I2, S und Q3 als Tatverdächtiger ermittelt worden war, von der Polizei unsanft aus dem Schlaf geweckt und vorläufig festgenommen. Zwei ihm auf polizeiliche Anordnung um 14.00 Uhr und 14.30 Uhr entnommene Blutproben enthielten eine Blutalkoholkonzentration von 0,72 bzw. 0,64 o/oo. Bei seiner am Tage darauf erfolgten verantwortlichen Vernehmung durch den Zeugen Kriminalhauptkommissar S2 zeigte der Angeklagte sich geständig, nach zuvor erfolgten sexuellen Handlungen den Nebenkläger geschlagen zu haben. Für das Abhandenkommen der Geldkassette, so hat er sich weiter eingelassen, habe er keine Erklärung, da er nach der tätlichen Auseinandersetzung mit dem Nebenkläger einen "Filmriss" gehabt habe. Nach der verantwortlichen Vernehmung wurde der Angeklagte am frühen Nachmittag des 10. Mai 2009 aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Der Verbleib der aus der Geldkassette abhanden gekommenen rund 4.000,00 € ist bis heute ungeklärt. Die Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten am Festnahmetage, dem 9. Mai 2009, und eine eingehende Nachsuche in der Wohnung und auf dem Grundstück - wegen der sichergestellten durchnässten Schuhe und durchnässten Hose des Angeklagten war der Verdacht aufgekommen, dass dieser das Geld unter einem im Garten aufgestellten Planschbecken versteckt haben könnte - am 14. Mai 2009 verliefen ergebnislos.

Die durch die Zeugin O gegen 7.00 Uhr über den Vorfall verständigten Polizeikräfte fanden den Nebenkläger gegen 7.10 Uhr besinnungslos hinter der Theke liegend nur mit Unterhose und Unterhemd bekleidet auf. Er reagierte auf Ansprache, war aber kaum in der Lage sich zu bewegen. Von dem hinzu gerufenen Notarzt und einer Krankenwagenbesatzung wurde er nach notärztlicher Versorgung in das örtliche Krankenhaus in M verbracht. Wegen des bestehenden Verdachts auf ein Schädelhirntrauma wurde er intubiert und in das D-hospital in M verlegt. Dort wurde bei dem Nebenkläger eine linksseitige Augenhöhlenbodenfraktur und eine Pupillendifferenz der Augen - die linke war größer als die rechte - festgestellt. Er wies daneben mehrere Prellungen im Bereich des Kopfes, Brust, Bauch, Rücken und an den Armen und Beinen auf. Wegen des Verdachts von Hirnblutungen wurden bei ihm im Abstand von sechs Stunden zwei Computertomogramme durchgeführt, die indes keinen Anhalt für Hirnblutungen erbrachten. Lebensgefahr bestand für den Nebenkläger nicht. Danach verblieb er noch bis zum 11. Mai 2009 auf der Intensivstation des D Krankenhauses in M, ehe er in das Krankenhaus von M zurückverlegt wurde, aus dem er eine Woche später entlassen wurde. In der Zeit seines Krankenhausaufenthaltes hatte der Nebenkläger starke Schmerzen und konnte kaum richtig gehen. Er sah anfangs außerdem Doppelbilder, die sich erst nach einigen Tagen zurückbildeten. Bis August 2009 war er arbeitsunfähig. Den Betrieb seiner Gaststätte führte er ab Mitte Mai 2009 durch Ersatzkräfte fort. In der Zeit von September bis Mitte November 2009 war der Nebenkläger im Wege einer Wiedereingliederungsmaßnahme zwei bis drei Stunden täglich in seiner Gaststätte beschäftigt. Danach nahm er allmählich seine Vollzeitbeschäftigung in der Gaststätte wieder auf.

Seit Juli/August 2009 befindet sich der Nebenkläger aufgrund des verfahrensgegenständlichen Vorfalls auch in psychiatrischer Behandlung, noch andauert. Die Behandlung besteht aus psychotherapeutischen Gesprächen, die der Nebenkläger anfänglich in wöchentlichen Abständen mit seinem behandelnden Arzt geführt hat und jetzt noch in 14tägigen Abständen führt. Medikamentöse Hilfe benötigt er inzwischen nicht mehr. Seine körperlichen Verletzungen sind folgenlos ausgeheilt.

In der Hauptverhandlung hat der Nebenkläger mit dem Angeklagten einen Vergleich geschlossen, wonach dieser zum Ausgleich von dessen Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen aus dem Vorfall vom 9. Mai 2009 - unbeschadet der Ansprüche Dritter, insbesondere der Krankenkasse des Nebenklägers - 12.000,00 € zu zahlen hat. 1.000,00 € hat der Angeklagte auf diesen Betrag bereits gezahlt und sich verpflichtet, den Restbetrag in monatlichen Raten von 250,00 € beginnend mit dem 15. Juli 2010 und Folgeraten jeweils zum 15. des Folgemonats zu zahlen, wobei, wenn der Angeklagte mit der Zahlung einer Rate länger als einen Monat in Verzug kommt, der Restbetrag in voller Höhe fällig wird.

III. Grundlagen der Feststellungen und Beweiswürdigung

Die getroffenen Feststellungen beruhen auf den ausweislich des Hauptverhandlungsprotokolls erhobenen Beweisen. Unterschiedlich haben der Angeklagte und der Nebenkläger den Sachverhalt in folgenden Punkten dargestellt:

1. Unterschiedliche Tatdarstellungen des Angeklagten und des

Nebenklägers

Der Angeklagte hat sich dahin eingelassen, dass eine homoerotische Begegnung zwischen dem Nebenkläger und ihm in der Tatnacht bereits in der Gaststätte verabredet worden sei. Obwohl er eindeutig heterosexuell veranlagt sei, sei er an dem Tage in seinem angetrunkenen Zustand einfach neugierig darauf gewesen, homosexuelle Praktiken kennen zu lernen, und habe sich mit dem Nebenkläger darauf verständigt, dass dieser ihn noch einmal in das Lokal einlasse, wenn alle anderen Gäste und die Kellner gegangen seien. So sei es dann auch geschehen. Der Nebenkläger habe ihn durch den Hintereingang eingelassen, als die Kellner, die ihn noch gesehen hätten, gerade gegangen seien. Er meine, dass er mit dem Nebenkläger danach zuerst in der Gaststätte noch ein Glas Weinbrand/Cola getrunken habe und dass es zwischen ihnen beiden dort zum Austausch erster Zärtlichkeiten in Form von Küssen und Umarmungen gekommen sei. Der Nebenkläger habe ihn dann gefragt, ob er bereit sei, mit ihm nach oben in seine Wohnung zu gehen, was er bejaht habe. Schon auf dem Weg dorthin habe der Nebenkläger ihm auf der Treppe die Hose heruntergezogen, sein Glied in den Mund genommen und daran gesaugt. Eine Erektion habe sich bei ihm, dem Angeklagten, dadurch aber nicht eingestellt, weil er zu betrunken gewesen sei. Anschließend hätten der Nebenkläger und er sich in dessen Wohnung in das Schlafzimmer begeben. Der Nebenkläger habe sich auf das Bett gesetzt und angefangen sich auszuziehen. Er, der Angeklagte, habe vor dem Bett gestanden. Der Nebenkläger habe darauf Vaseline aus einer Dose genommen und sich die in den Anusbereich geschmiert. Ihm, dem Angeklagten, sei darauf unwohl geworden. Er habe nur noch Ekel verspürt und weg gewollt. Das habe er dem Nebenkläger auch gesagt. Dieser habe entgegnet, dass er sich nicht so anstellen solle. Nachdem man schon so weit gegangen sei, könne er dies - womit er offenbar die Ausführung des Analverkehrs bei ihm gemeint habe - auch noch tun. Gleichzeitig habe der Nebenkläger versucht, ihn zu sich auf das Bett zu ziehen. In dem Augenblick sei er, der Angeklagte, "ausgerastet". Er wisse nur noch, dass er auf den Nebenkläger eingeschlagen habe, um sich von diesem zu befreien. Er habe womöglich auch auf ihn eingetreten. Er habe nur noch aus dem Hause herausgewollt. Er sei die Treppe heruntergelaufen und durch irgendeine Tür aus dem Hause herausgekommen - durch welche könne er nicht sagen. Er wisse nur noch, dass er bei dem Herauslaufen aus dem Hause einer Frau begegnet sei, die ihn aufgefordert habe, stehen zu bleiben. Diese Aufforderung habe er nicht befolgt, weil er nur noch nach Hause gewollt habe. Wie er dort angekommen sei, wisse er nicht mehr. Zu Hause sei er von seiner Lebensgefährtin empfangen worden. Seine Tochter habe noch geschlafen. Er habe sich auch sofort schlafen gelegt und sei in der Mittagszeit von der Polizei geweckt worden.

Auf vielfache Nachfrage hat der Angeklagte stets beteuert, von der Wegnahme einer Geldkassette nichts zu wissen. Er habe keinerlei Erinnerung daran, ob er die Geldkassette von dem Nebenkläger verlangt, dessen Schlüsselbund an sich genommen, ihn die Treppe zur Gaststätte hinuntergetrieben und die in einem Nebengelass in der Gaststätte in einem Schrank befindliche Kassette schließlich an sich genommen und dieser einen hohen Bargeldbetrag entnommen habe. Ihm sei, so hat der Angeklagte weiter ausgeführt, andererseits aber auch klar, dass er all dies wohl oder übel getan haben müsse. Er wolle der Anklage nicht entgegentreten und übernehme für die ihm zur Last gelegte Tat die volle Verantwortung.

Der Nebenkläger hat dagegen bekundet, dass er mit dem Angeklagten in der Tatnacht keine Abrede getroffen habe, ihn nach dem Gehen aller Gäste noch einmal in das Lokal einzulassen. Dass der Angeklagte vor der Seitentür den Hauses, durch die er die Kellner herausgelassen habe, gestanden habe, sei für ihn eine Überraschung gewesen. Er habe sich von dem Angeklagten "bequatschen" lassen, ihn noch einmal in das Haus einzulassen. Ob er mit dem Angeklagten noch einmal im Schankraum gewesen sei und mit ihm etwas getrunken habe, wisse er, der Nebenkläger, nicht mehr. Er vermute, dass dies nicht so gewesen sei, weil er dafür die bereits abgeschlossene Feuerschutztür der Gaststätte nochmals hätte öffnen müssen. Der Angeklagte habe zu erkennen gegeben, dass er zurückgekommen sei, um mit ihm ein homosexuelles Abenteuer zu erleben. Dem sei er, der Nebenkläger, nicht abgeneigt gewesen, weil er damals keinen festen Partner gehabt habe. Man habe sich im Flur umarmt und geküsst. Er, der Nebenkläger, habe vorgeschlagen, sich nach oben in seine Wohnung zu begeben, wo man ungestört Sex miteinander haben könne. Dort angekommen habe er, der Nebenkläger, sich zunächst im Bad ein wenig frisch gemacht und seine Brille abgelegt. Dann sei er gemeinsam mit dem Angeklagten in das Schlafzimmer gegangen und habe sich bis auf das Unterhemd und die Unterhose entkleidet. Der Angeklagte habe seine Hose und Unterhose heruntergezogen und gefragt, ob er ihm "einen blase". Darauf habe er sich vor den Angeklagten gekniet und dessen Glied in den Mund genommen. Er habe gerade erst zum Oralverkehr angesetzt, als der Angeklagte ihn plötzlich zurückgestoßen und mit drohendem Unterton gefragt habe, wo seine Geldkassette sei. Er, der Nebenkläger, habe darauf irritiert erwidert, ob der Angeklagte "spinne". Erst wolle er Sex und dann frage er sowas. Die Geldkassette befinde sich nicht in seiner Wohnung. Darauf sei er von dem Angeklagten geschlagen und getreten worden, womit dieser offensichtlich ausschließlich das Ziel verfolgt habe, an die Geldkassette zu gelangen.

Die Frage, ob er auch Vaseline in seinem Analbereich aufgetragen und dem Angeklagten zum Analverkehr aufgefordert habe, hat der Nebenkläger bestimmt verneint und dazu ausgeführt, soweit sei es nicht gekommen. Der Angeklagte habe den Oralverkehr schon im Ansatz unterbunden und sei offenbar gar nicht an dem Sex, sondern nur an der Geldkassette interessiert gewesen.

2. Würdigung der Kammer

a) Das Tatvorgeschehen

Welche der Darstellungen des Tatgeschehens bis zu der einsetzenden tätlichen Auseinandersetzung richtig ist, vermochte die Kammer nicht abschließend aufzuklären. Der Angeklagte hat angefangen von seiner verantwortlichen Vernehmung durch den Zeugen Kriminalhauptkommissar S2 über seine Befragung durch die psychiatrische Sachverständige N bis in die Hauptverhandlung immer darauf beharrt, sich mit dem Nebenkläger zu einer homosexuellen Begegnung verabredet zu haben. Deshalb habe ihn der Nebenkläger noch einmal in das Haus eingelassen. Er, der Angeklagte, habe sich auf Umarmungen und Küsse durch den Nebenkläger eingelassen und auch zugelassen, dass dieser ihm "einen blase". Als der Nebenkläger sich dann auch noch Vaseline in seinem Gesäßbereich aufgetragen und ihn zum Analverkehr aufgefordert habe, wobei er versucht habe, sich zu ihn auf das Bett zu ziehen, sei er "ausgeflippt" und habe dem Nebenkläger mit der Faust in das Gesicht geschlagen.

Der Nebenkläger hat bei seiner Erstbefragung durch den Kriminalhauptkommissar T2 auf der Intensivstation im D-Hospital M am 10. Mai 2009 und seiner ausführlichen zeugenschaftlichen Vernehmung durch Kriminalhauptkommissar C3 am 20. Mai 2009 eine homosexuelle Begegnung mit dem Angeklagten noch gänzlich in Abrede gestellt und den Sachverhalt letztlich so dargestellt, dass er dem erheblich angetrunkenen Angeklagten ein Nachtlager in seinen Räumlichkeiten im zweiten Obergeschoss angeboten und dieser ihn darauf unvermittelt in seinem Schlafzimmer überfallen habe. Erst in der Hauptverhandlung hat der Nebenkläger eingeräumt, dass es zwischen dem Angeklagten und ihm in der Tatnacht sehr wohl zu sexuellen Handlungen gekommen ist, wobei sich die entsprechende Befragung des Nebenklägers für diesen durchaus peinlich darstellte.

Vor diesem Hintergrund hat die Kammer nicht die volle Überzeugung von der Richtigkeit der Sachdarstellung des Nebenklägers zu der der Tat vorangegangenen homosexuellen Begegnung mit dem Angeklagten zu erlangen vermocht, soweit diese der Einlassung des Angeklagten weiterhin widerspricht. Das gilt insbesondere für die Fragen, ob die homosexuelle Begegnung der beiden im Vorhinein in der Gaststätte abgesprochen gewesen ist und es die Aufforderung des Nebenklägers an den Angeklagten zum Analverkehr nach dem Auftragen von Vaseline im Gesäßbereich gegeben hat. Für die Einlassung des Angeklagten spricht insoweit immerhin, dass er die vorgenannten Umstände konstant berichtet hat. Ein nochmaliges Aufsuchen des Lokals nach dem Aufbruch mit den letzten Gästen machte für den Angeklagten, der schon annähernd die halbe Wegstrecke nach Hause zurückgelegt hatte, nur Sinn, wenn er Hoffnung haben konnte, nochmals in dieses eingelassen zu werden, welche bei einer entsprechenden Verabredung ungleich größer war, als er wenn er sich auf das Geratewohl noch einmal zu dem Lokal zurück begeben hätte. Die Aufforderung zum Analverkehr und das Auftragen von Vaseline im Gesäßbereich kann der Nebenkläger schamhaft verschwiegen haben. Ein Anhalt für die Benutzung von Vaseline ist, dass sich in dem offenen Fach des Nachttisches eine entsprechende Dose mit Vaseline und Fettanhaftungen an dem äußeren Dosenrand befand. Rechtsmedizinisch überprüfbar war die Auftragung von Vaseline im Gesäßbereich des Nebenklägers nicht mehr, da dieser vor Untersuchung durch den rechtsmedizinischen Sachverständigen U am Mittag des 10. Mai 2009 in diesem Bereich gründlich gewaschen worden ist.

Dass es zwischen dem Angeklagten und dem Nebenkläger zu Umarmungen und Küssen gekommen ist und der Nebenkläger bei dem Angeklagten (jedenfalls ansatzweise) den Oralverkehr ausgeführt hat, haben beide letztlich übereinstimmend geschildert, wobei sich aufgrund wiederum unterschiedlicher Darstellungen des Angeklagten und des Nebenklägers und mangels überprüfbarer objektiver Kriterien sicherer Feststellbarkeit entzieht, ob die intimen Handlungen in der Gaststätte oder im Flur begonnen haben und ob der Oralverkehr auf der Treppe oder im Schlafzimmer vollzogen worden ist.

b) Das eigentliche Tatgeschehen

Außer Zweifel steht für die Kammer, dass der Angeklagte derjenige war, der dem Nebenkläger die Geldkassette entwendet und ihn körperlich schwer misshandelt hat. Den diesbezüglichen Angaben des Nebenklägers ist die Kammer in vollem Umfang gefolgt. Der Angeklagte, der sich dahin eingelassen hat, an die diesbezüglichen Vorgänge keine Erinnerung zu haben, hat ausdrücklich erklärt, die ihm zur Last gelegte Raubtat nicht leugnen zu wollen und dafür die volle Verantwortung zu übernehmen. Dass er die Geldkassette des Nebenklägers an sich genommen hat, was dieser selbst nicht mehr mitbekommen hat, weil er zuvor besinnungslos zusammengebrochen ist, ist schon deswegen nicht im Mindesten zweifelhaft, weil er mit der Geldkassette von der Zeugin O gesehen worden ist, als diese am Tattage gegen 6.50 Uhr eines zu der Gaststätte führenden Holztore öffnete, durch welche der Angeklagte mit der Geldkassette entschwand. Der Ort, wo die Geldkassette am Nachmittag desselben Tages von dem Zeugen T gefunden worden ist, nämlich dem Gelände der B3-schule an der G-straße, liegt genau auf halbem Wege zwischen der Gaststätte in der X-straße 0 und der Wohnung des Angeklagten in der L2-Straße 00.

Die Kammer hat keine Veranlassung, die Angaben des Nebenklägers zu dem Ablauf der tätlichen Auseinandersetzung um die Geldkassette und deren Inhalt in Zweifel zu ziehen. Die in der Kasse befindlichen Geldbeträge hat der Nebenkläger anhand der vorhandenen Kassenunterlagen in Zusammenarbeit mit seinem Steuerberater rekonstruiert. Die Tageseinnahmen am 8./9. Mai 2009 sind von ihm zusammen mit den Zeugen S und I2 gezählt worden.

Die von dem Angeklagten bei der tätlichen Auseinandersetzung mit dem Angeklagten erlittenen Verletzungen sind durch die von dem Sachverständigen U am Mittag des 10. Mai 2009 erhobenen rechtsmedizinischen Befunde und die davon gefertigten Fotoaufnahmen (Blatt 166 bis 172 d. A.) dokumentiert, welche die Kammer in richterlichen Augenschein genommen hat und auf die wegen ihrer Beschaffenheit im Einzelnen nach § 267 Abs. 1 Satz 3 StPO Bezug genommen wird. Insgesamt befanden sich bei der Untersuchung des Nebenklägers durch den Sachverständigen U

- am linken Schläfenbereich längs gestellt strichförmig blasse

Hautrötungen,

- an der Stirn rechts der Mittellinie eine etwa 4 mm durchmessende

Hautrötung,

- eine dunkelblau violette Hautfärbung randständig gelblich

bis bräunlich changierend von Ober- und Unterlid des linken Auges, dessen Lidhäute zugeschwollen waren und eine Blutunterlaufung von Ober- und Unterlid am rechten Auge im Bereich des nasalen Lidwinkels,

- eine fleckig blutunterlaufende Haut der Nase von der Nasenwurzel

bis zur Nasenspitze mit einer rötlichvioletten bis gelblichbräunlichen Farbchangierung,

- eine deutliche Schwellung der Oberlippe und der Region zwischen

Nase und Oberlippe mit Blutunterlaufung,

- ein etwa 1 cm langer/schräger oberflächlicher Hautkratzer am

Mundboden und längs gestellt bandförmige fleckig rötlichviolette Hautunterblutungen auf etwa 4 x 2 cm Breite an der linken Halsseite,

- zwei flächenhafte Blutunterlaufungen der Haut, zentral blauviolett

randständig gelblichbräunlich bis dezent grünlich in doppeldaumenballen Größe an der oberen rechten Brustwand unter dem Schlüsselbein,

- ein schräg gestellter Oberhautkratzer von einmal 0,3 cm an der

dritten Rippe links, eine ca. 2 cm lange quere unterbrochene Oberhauptschürfung am rechten Oberbauch, eine schräg von oben medial nach unten gerichtete unterbrochene Oberhautschürfung von etwa 6 cm Länge am rechten Mittelbauch und oberhalb davon eine daumenkuppengroße blauviolette Hautverfärbung,

- mindestens sechs fleckförmige Blutunterlaufungen der Haut mit

einer farblichen Changierung der Haut von blauviolett über bräunlich bis randständig gelblichgrünlich an der Außen- und Beugeseite des Oberarm und der Streckseite des Unterarmes des linken Armes, wobei sich an der Außenseite des Oberarms immer wieder gruppiert angeordnete intrakutane Einblutungen befanden, und ein 5 cm langer Oberhautkratzer an der Streckseite des Unterarmes,

- eine 15 x 9 mm quer gestellte Oberhautschürfwunde an der

Streckseite des Ellenbogengelenkes, eine daumenkuppengroße Blutunterlaufung der Haut im mittleren Drittel der Beugeseite des Unterarmes und eine flächenhafte etwa daumenballengroße Blutunterlaufung mit einer Farbchangierung von zentral düsterblauviolett bis randständig gelblichbräunlich im unteren Drittel der Streckseite des Unterarmes der rechten Armes,

- je eine flächenhafte Blutergussfärbung der Haut mit seiner farb-

lichen Changierung von düsterblauviolett bis randständig gelblichbräunlich von etwa 8 x 5 cm große an der Vorderseite und von etwa Handflächengröße an der Innenseite des linken Oberschenkels, dazu eine überdaumenkuppengroße Blutunterlaufung vor dem linken Schienbeingelenkhöcker sowie

- eine Eurostück große gelb bis grünlich verfärbte Blutunterlaufung

der Haut unter dem unteren Winkel des linken Schulterblattes.

Die beschriebenen Blutunterlaufungen und Schürfungen sind nach der überzeugenden Beurteilung des rechtsmedizinischen Sachverständigen U jedenfalls, soweit sie rötlichblau bis violette Verfärbungen aufweisen, zwanglos als durch das im Zeitpunkt bei Befunderhebung durch den Sachverständigen ca. 31 Stunden zurückliegende Tatgeschehen entstanden zu erklären. Alle Verletzungen weisen typische Zeichen stumpfer Gewalteinwirkung auf und sind mit den vom Nebenkläger geschilderten Schlägen und Tritten des Angeklagten, denen er ausgesetzt gewesen sei, in Einklang zu bringen. Insbesondere sind die vom Nebenkläger erlittenen Verletzungen im Gesicht, deren Entstehung nach der Beurteilung des Sachverständigen U 1 - 2 Tage zurückliegt und auf mindestens 3 Schläge oder Tritte zurückzuführen sind, nämlich gegen das linke Auge, die Nase und die Mundregion, zweifelsfrei dem Tatgeschehen zuzuordnen. Die Kammer geht nach der Tatschilderung des Nebenklägers insoweit von Faustschlägen oder einem Tritt mit dem Knie in das Gesicht aus.

Als schwerwiegendste Folge hat der Nebenkläger infolge der Schläge und Tritte durch den Nebenkläger, wie von dem dazu als Sachverständigen gehörten Arzt für Anästhesie und Notfallmedizin Q4, einem seiner behandelnden Ärzte im D-hospital M, anschaulich dargelegt worden ist, eine Augenhöhlenbodenfraktur links und ein Schädelhirntrauma 1. Grades erlitten. Hirnblutungen konnten nach zweimaliger computertomografischer Untersuchung des Schädels ausgeschlossen werden. Auch fand sich kein Anhalt für knöcherne Verletzungen oder Verletzungen innerer Organe. Die Augenhöhlenbodenfraktur musste nicht operativ versorgt werden, sondern konnte konservativ ausheilen. Lebensgefahr hat für den Nebenkläger nicht bestanden. Seine Intubierung und künstliche Bearbeitung ist prophylaktisch erfolgt, da bei seiner Erstversorgung Hirnblutungen noch nicht auszuschließen waren und die Gefahr der Ausbildung eines Hirnödems vorgebeugt werden musste.

c) Die subjektive Tatseite beim Angeklagten

Fest steht, dass der Angeklagte jedenfalls von dem Zeitpunkt an, als er den Nebenkläger aufforderte ihm zu sagen, wo die Geldkassette sei, vor hatte, sich in den Besitz derselben zu bringen. Durchaus nahe liegt, dass er dies bereits geplant hat, als er sich kurz vor 6 Uhr morgens noch einmal allein zu der Gaststätte zurück begab. Dass er das Lokal noch einmal aus Interesse an homosexuellen Handlungen mit dem Nebenkläger aufgesucht hat, ist nicht sehr überzeugend, weil der Angeklagte eindeutig heterosexuell orientiert ist. Er hat die entsprechenden Handlungen auch mehr oder weniger sofort abgebrochen. Sehr wohl möglich erscheint, dass der Angeklagte sich auf diese Handlungen nur eingelassen hat, um an die Geldkassette des Nebenklägers zu gelangen. Er kann sie in den Privaträumen des Nebenklägers vermutet haben und ihm nur deswegen dorthin gefolgt sein. Dadurch, dass er sich dem Nebenkläger gegenüber geneigt zeigte, mit ihm ein homosexuelles Abenteuer zu erleben, hat er auch erst die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass dieser ihn in seine Privaträume mitnahm. Er kann in seine Überlegung dabei auch durchaus mit aufgenommen haben, dass der Nebenkläger aus Scham über das Bekanntwerden der homosexuellen Begegnung mit ihm vor einer Strafanzeige über den Raub oder Diebstahl einer Geldkassette zurückschrecken werde.

Letztlich bleiben die vorstehenden Erwägungen aber nur Vermutungen. Gegen einen wohl überlegten und ausgereiften Tatplan des Angeklagten spricht, dass dieser sich darüber im Klaren sein musste, dass er sofort als Täter ermittelt werden konnte. Die Kellner hatten ihn, als er von dem Nebenkläger nochmals in das Haus eingelassen wurde, gesehen. Gegen eine sorgfältig geplante Tat spricht auch die erhebliche Alkoholisierung des Angeklagten mit einer Blutalkoholkonzentration von annähernd 2,5 o/oo, unter der man gemeinhin zu entsprechenden Planungen kaum noch fähig ist. Fest steht, dass es jedenfalls im Ansatz zu homosexuellen Handlungen mit dem Nebenkläger, derentwegen der Angeklagte das Haus noch einmal aufgesucht haben will, gekommen ist. Beide haben sich umarmt und geküsst und der Nebenkläger hat zumindest kurzzeitig den Oralverkehr bei dem Angeklagten ausgeübt. Insbesondere dann, wenn - was wie ausgeführt nicht auszuschließen ist - der Nebenkläger den Angeklagten auch noch zur Ausführung des Analverkehrs bei ihm gedrängt und sich darauf durch das Einfetten seines Anusbereiches mit Vaseline vorbereitet hat, liegt nicht gänzlich fern, dass dieser Umstand bei dem stark alkoholisierten Angeklagten derartigen Abscheu und Ekel hervorgerufen hat, dass er sich spontan entschlossen hat, die homosexuellen Handlungen zu beenden und den Nebenkläger, der ihn mit derart abstoßenden Praktiken konfrontiert hatte, dafür dadurch zur Verantwortung zu ziehen, dass er nun seine Geldkassette an sich nahm.

Im Anschluss an die sachverständige Beratung durch die Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie N geht die Kammer davon aus, dass der Angeklagte trotz des von ihm für das Tatgeschehen reklamierten völligen Erinnerungsausfalls bei der Tat sehr wohl bei Bewußtsein war und ziel- und zweckgerichtet vorgegangen ist. Dass die Tat nicht ohne Bewußtseinskontrolle abgelaufen sein kann, liegt bei dem vielartigen Geschehen, dass in der Wohnung des Nebenklägers oberhalb der Gaststätte seinen Ausgangspunkt hatte, auf der Hand. Der Angeklagte hat gezielt nach der Geldkassette gefragt und nach ihr gesucht. Er hat bei der sich über längere Zeit hinziehenden tätlichen Auseinandersetzung mit dem Nebenkläger stets die Oberhand behalten. Er hat dessen Schlüssel an sich genommen und ihn über zwei Treppen von der Wohnung zur Gaststätte hinunter gezerrt. Er hat den passenden Schlüssel zu der Feuerschutztür der Gaststätte und schließlich die Kassette in einem Schrank in einem Nebengelass hinter der Theke gefunden. Er hat die Kassette auf dem Heimweg geöffnet und das oben aufliegende Bargeld in Höhe von ca. 4.000,00 € herausgenommen. All diese Handlungen setzen einen mit wachem Verstand agierenden Täter voraus.

Die Kammer vermag dem Angeklagten auch nicht abzunehmen, dass ihm die Erinnerung an das Tatgeschehen vollständig abhanden gekommen sind. Eine derart ausgestanzte Erinnerungslücke, die der Angeklagte für sich in Anspruch nehmen will, in der die Tatvorgeschichte (die homosexuellen Handlungen mit dem Nebenkläger) und die Tatnachgeschichte (die Begegnung mit der Putzfrau vor der Gaststätte und das Antreffen der Lebensgefährtin und der Tochter zu Hause) und alle inkriminierten Handlungen einschließlich der Sicherung der Tatbeute fehlen, gibt es nach allen forensischen Erfahrungen nämlich nicht. Vielmehr ist es, wie die Sachverständige N überzeugend dargelegt hat, in aller Regel so, dass sich bei einem Täter die inkriminierten Tathandlungen am Stärksten einprägen und das Rahmengeschehen darum oft verblasst. Dass es bei dem Angeklagten genau umgekehrt sein soll ist, schlechterdings nicht erklärbar. Viel näher liegt, wovon die Kammer im Anschluss an die sachverständige Beratung durch Frau N auch überzeugt ist, dass der Angeklagte das Tatgeschehen zu seinem Selbstschutz intrapsychisch ausgeblendet hat oder es einfach nicht fertig bringt, seine schwerwiegende Tat öffentlich zu bekennen.

d) Schuldfähigkeit des Angeklagten

Im weiteren Anschluss an die überzeugenden gutachterlichen Darlegungen der Sachverständigen N geht die Kammer davon aus, dass der Angeklagte im Allgemeinen voll schuldfähig ist. Er leidet nicht an einer Psychose oder einer hirnorganischen Erkrankung. Er ist ersichtlich nicht schwachsinnig oder mit einer schweren anderen seelischen Abartigkeit in Form einer schweren Persönlichkeitsstörung oder schweren neurotischen Fehlentwicklung behaftet. Der von ihm betriebene Cannabismissbrauch hat ersichtlich nicht das Ausmaß einer schwerwiegenden Persönlichkeitsdepravation angenommen.

Auszuschließen ist, dass der Angeklagte die Tat im Zustand einer tiefgreifenden Bewußtseinsstörung begangen hat. Es gibt nämlich keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass bei ihm zur Tatzeit noch hochgradiger affektiver Erregungszustand vorgelegen hat. Ein solcher ist zwar diskutabel für ein Abwehren unerwünschter homosexueller Handlungen, nicht aber für die gezielte länger andauernde Suche nach einer Geldkassette. Die vielschichtigen Handlungen, die der Angeklagte dabei vorgenommen hat, können nicht im Zustand einer tiefgreifenden Bewußtseinseintrübung abgelaufen sein.

Ebenso wie die Sachverständige N vermochte die Kammer dagegen nicht ausschließen, dass der Angeklagte zur Tatzeit infolge einer alkoholintoxikativ bedingten (vorübergehenden) krankhaften seelischen Störung bei ersichtlich erhalten gebliebener Unrechtseinsicht in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen ist. Zur Tatzeit gegen 6.30 Uhr hat bei ihm zurückgerechnet von der gemessenen Blutalkoholkonzentration von 0,72 o/oo um 14.00 Uhr eine maximale Blutalkoholkonzentration von 2,42 o/oo (0,2 o/oo Blutalkoholabbau pro Stunde zuzüglich eines Sicherheitszuschlages von 0,2 o/oo für die erste Stunde) bestanden. Daneben hat auf den Angeklagten 1 g konsumiertes Cannabis eingewirkt, dass die Wirkung des Alkohols verstärkt haben kann. Bei ihm hat damit zur Tatzeit eine Intoxikation vorgelegen, bei der eine erhebliche Verminderung der Steuerungsfähigkeit ernsthaft in Betracht gezogen werden muss (vgl. Fischer, StGB, 57. Aufl., § 20, Rdn. 19 ff. mit Nachweisen aus der höchstrichterlichen Rechtsprechung). Er ist bei der Tat zwar sehr ziel- und zweckgerichtet vorgegangen. Er hatte die volle Tatherrschaft und hat es beispielsweise geschafft, aus einem Schlüsselbund mit mehreren Schlüsseln den richtigen für die Tür zur Gaststätte zu finden und die Geldkasse zu öffnen. Andererseits hat der Angeklagte bei der Tat jegliche Sicherungstendenzen vermissen lassen. Die Kellner hatten ihn zusammen mit dem Nebenkläger das Haus noch einmal betreten sehen. Der Putzfrau ist er mit der Kassette offen gegenübergetreten und hat nicht etwa versucht, sich von dieser unbemerkt aus der Gaststätte zu entfernen. Bei einigem Nachdenken hätte ihm klar sein müssen, dass er unter diesen Umständen sofort als Täter ermittelt werden konnte. Bei seiner Ankunft zu Hause hat seine Lebensgefährtin, die Zeugin B, bei ihm deutliche alkoholbedingte Ausfallerscheinungen in Form eines schwankenden Ganges und einsilbiger Sprache wahrgenommen. Ein Wecken des Angeklagten war ihr, nachdem sie sich vor den "I-stuben" kundig gemacht hatte, dass dort tatsächlich etwas Schlimmeres passiert war, nicht möglich. Unter diesen Umständen hat die Kammer in Übereinstimmung mit der Sachverständigen N nicht auszuschließen vermocht, dass die Mischintoxikation aus Alkohol und Cannabis bei dem Angeklagten ein solches Ausmaß angenommen hat, dass dieser in seiner Fähigkeit, Hemmungen gegen den Tatantrieb zu entwickeln, deutlich vermindert gewesen ist. Gewiss ist ihm diese Fähigkeit indes auch nicht völlig abhanden gekommen.

IV. Rechtliche Würdigung des Tatgeschehens

Der Angeklagte hat sich wegen besonderes schweren Raubes nach §§ 249 Abs. 1, 250 Abs. 2 Nr. 3 a StGB strafbar gemacht. Er hat einer anderen Person mit Gewalt eine fremde bewegliche Sache in der Absicht weggenommen, sich diese rechtswidrig zuzueignen, und die andere Person bei dieser Tat körperlich schwer misshandelt. Das Qualifikationsmerkmal der schweren körperlichen Misshandlung nach § 250 Abs. 2 Nr. 3 a StGB setzt nicht voraus, dass die Misshandlung den Tatbestand der schweren Körperverletzung des § 226 StGB erfüllt. Vielmehr genügt eine schwere Beeinträchtigung der körperlichen Integrität mit erheblichen Folgen für die Gesundheit oder erhebliche Schmerzen, wofür heftige und mit Schmerzen verbundende Schläge ausreichen (vgl. BGH NStZ-RR 2007, 175; NStZ 1998, 461). Davon ist hier auszugehen. Der Nebenkläger hat durch die Schläge und Tritte des Angeklagten sowohl erhebliche Folgen für seine Gesundheit als auch erhebliche Schmerzen erlitten. Er ist bei der Tat bewusstlos zusammengebrochen, musste intubiert und 12 Stunden künstlich beatmet werden, hat neben einer Vielzahl von Prellungen und Hämatomen einen Augenhöhlenbruch links und ein Schädelhirntraume 1. Grades davon getragen, hat einige Tage Doppelbilder gesehen, war etwa 1 Woche lang schmerzbedingt kaum in der Lage zu gehen und etwa drei Monate lang arbeitsunfähig. Eine konkrete Gefahr für sein Leben hat für den Nebenkläger - wie ausgeführt - andererseits nicht bestanden, womit der Angeklagte daneben nicht auch noch die Tatalternative des § 250 Abs. 2 Nr. 3 b StGB erfüllt hat.

Der Angeklagte hat auch nicht den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung nach § 224 Abs. 1 StGB erfüllt. Dass er die Tat mittels eines gefährlichen Werkzeuges begangen hat, vermochte die Kammer nicht festzustellen. Er hat bei der Tat leichte Sommerschuhe getragen. Seine Tritte mit den Schuhen gingen in die Region von Brust, Bauch und Rücken des Nebenklägers. Die Kammer konnte weder feststellen, dass der Angeklagte besonders heftig zugetreten noch dass er beim Nebenkläger durch die Tritte schwerwiegende Verletzungen hervorgerufen hat. Innere Organe sind nicht verletzt worden und auch keine inneren Blutungen aufgetreten. Die schwerwiegende Verletzung des Nebenklägers am Kopf, nämlich den Augenhöhlenbruch, hat der Angeklagte durch einen Faustschlag oder Tritt mit dem Knie herbeigeführt. Dass der Angeklagte sich bewusst gewesen ist und billigend in Kauf genommen hat, die Schläge und Tritte könnten geeignet sein, das Leben des Nebenklägers zu gefährden, hat die Kammer insbesondere wegen seiner erheblichen Alkoholisierung nicht feststellen können.

Der vom Angeklagten zweifellos erfüllte Tatbestand der Körperverletzung nach § 223 StGB tritt hinter dem des besonders schweren Raubes in der Tatvariante des § 250 Abs. 2 Nr. 3 a StGB zurück (vgl. Fischer a.a.O., § 250 Rdn. 30).

Der Angeklagte hat rechtswidrig und schuldhaft gehandelt. Es ist für die Tat eingeschränkt nach Maßgabe des § 21 StGB strafrechtlich verantwortlich.

V. Strafzumessung

Bei der Strafzumessung hat die Kammer zu Gunsten des Angeklagten berücksichtigt, dass er bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist und ein arbeitsames Leben geführt hat. Wenngleich er kein volles Geständnis abgelegt hat, hat er seine Täterschaft doch auch nicht abgestritten und die volle Verantwortung für die Tat übernommen. Er hat sich bei dem Nebenkläger für die Tat entschuldigt und dieser hat seine Tat angenommen. Dass ihm eine Entschuldigung bei dem Nebenkläger auch besonders wichtig war, hat der Angeklagte auch sogleich bei seiner Konfrontation mit dem Tatgeschehen und bei seiner verantwortlichen Vernehmung zum Ausdruck gebracht. Seine erste Frage bei der Eröffnung des Tatvorwurfs durch den Zeugen KHK T3 war: "Wie geht es V? Hoffentlich ist dem nichts Schlimmes passiert!". Bei seiner verantwortlichen Vernehmung durch den Zeugen KHK S2 hat er einleitend ausgeführt, dass er sich für seine Tat gerne entschuldigen wolle, wofür es wohl leider schon zu spät sei. Der Angeklagte hat mit dem Nebenkläger überdies im Rahmen der Hauptverhandlung einen Vergleich geschlossen, wonach er an diesen zum Ausgleich für dessen Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen aus dem verfahrensgegenständlichen unbeschadet der Ansprüche Dritter 12.000,00 € zu zahlen hat. 1.000,00 € hat er sogleich an den Nebenkläger gezahlt. Die Kammer würdigt dies als Bemühen, mit dem Verletzten einen Ausgleich zu erreichen, und das ernsthafte Erstreben einer Schadenswiedergutmachung, für die der Angeklagte mit der Übernahme einer titulierten Zahlungsverpflichtung und der Zahlung von 1.000,00 € auch erste Schritte getan hat (§ 46 a Nr. 1 StGB). Der Angeklagte ist für seine Tat nur eingeschränkt nach Maßgabe des § 21 StGB strafrechtlich verantwortlich.

Straferschwerend in die Waagschale gefallen sind das besondere Ausmaß von Rohheit und Brutalität, mit dem der Angeklagte bei seiner Tat vorgegangen ist, sowie die dadurch angerichteten schwerwiegenden Folgen für das Opfer. Der Nebenkläger hat nicht nur den Verlust von ca. 4.000,00 € Bargeld, sondern vor allem monatelangen Verdienstausfall durch eigene Arbeitsunfähigkeit zu beklagen. Er war darüber hinaus zahlreichen immateriellen Beeinträchtigungen durch eine depressive Stimmungslage und eingeschränkte Mobilität ausgesetzt. Von den psychischen Beeinträchtigungen durch die Tat hat er sich bis heute nicht vollständig erholt. Seine psychotherapeutische Behandlung dauert an. Einem besonders schalen Beigeschmack trägt die Tat des Angeklagten auch deswegen, weil sie sich innerhalb der eigenen vier Wände des Nebenklägers zugetragen hat, in welche dieser der Angeklagte vertrauensvoll mitgenommen hat. Gemildert wird der grobe Vertrauensbruch des Angeklagte nur dadurch, dass dieser durch die Konfrontation mit sexuellen Wünschen des Nebenklägers ausgelöst worden sein kann, die ihn schlichtweg überfordert haben können.

Einen minder schweren Fall des besonderes Raubes nach § 250 Abs. 3 StGB hat die Kammer unter Abwägung aller strafmildernden und straferschwerenden Umständen nicht anzunehmen vermocht. Allerdings war der Strafrahmen des § 250 Abs. 2 StGB sowohl wegen der erheblich minderten Schuldfähigkeit des Angeklagten, als auch wegen des von ihm erreichten Täter-Opfer-Ausgleichs nach § 49 Abs. 1 StGB zu mildern, so dass für die konkrete Strafzumessung letztlich ein Strafrahmen von 6 Monaten bis zu 8 Jahren und 5 Monaten Freiheitsstrafe eröffnet war.

Innerhalb des so vorgegebenen Strafrahmens hat die Kammer die oben genannten Strafzumessungsgesichtspunkte erneut einer umfassenden Abwägung unterzogen. Trotz der Schwere der Tat und der erheblichen Folgen für das Opfer hat die Kammer im Hinblick darauf, dass der Angeklagte erstmals in seinem Leben in gravierender Weise strafrechtlich versagt, die Tat in einer geistigseelischen Ausnahmeverfassung begangen, die volle Verantwortung für sie übernommen und einen Täter-Opfer-Ausgleich mit dem Nebenkläger erzielt hat, eine Freiheitsstrafe von

zwei Jahren

für tat- und schuldangemessen und zur Einwirkung für die Zukunft ausreichend erachtet.

Die Vollstreckung der Strafe konnte nach § 56 Abs. 2 StGB zur Bewährung ausgesetzt werden. Im Hinblick auf das strafrechtlich bislang völlig unauffällig verlaufende Leben des Angeklagten kann erwartet werden, dass dieser sich allein die Verurteilung zur Warnung dienen lassen und künftig auch ohne Einwirkung des Strafvollzuges keine Straftaten mehr begehen wird. In den zuvor aufgeführten Strafmilderungsgründen liegen auch Umstände von besonderem Gewicht, die trotz des Unrechts- und Schuldgehalts der Tat, die sich in der Strafhöhe widerspiegelt eine Strafaussetzung als nicht unangebracht und den vom Strafrecht geschützten Interessen zu widerlaufend erscheinen lassen, zumal sie in den Bewährungsauflagen daran geknüpft ist, dass der Angeklagte nach besten Kräften den von ihm angerichteten Schaden auch tatsächlich wieder gut macht.

VI. Kosten- und Auslagenentscheidung

Die Kosten- und Auslagenentscheidung beruht auf §§ 465 Abs. 1, 472 Abs. 1 Satz 1 StPO.