VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 16.12.1993 - 14 S 179/93
Fundstelle
openJur 2013, 8965
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1. Die Bewertung einer Meisterprüfungsarbeit durch die Fachbeisitzer gemäß § 27 Abs 1 MPO (MeistPO BW) unterliegt nicht der Überprüfung durch den Meisterprüfungsausschuß.

2. Die Bewertung einer Meisterprüfungsarbeit kann durch einen stellvertretenden Fachbeisitzer erfolgen. Bei der dem Meisterprüfungsausschuß gemäß § 27 Abs 4 MPO (MeistPO BW) obliegenden Ergebnisfeststellung bedarf es keiner Mitwirkung dieses Stellvertreters.

3. Im Rahmen der Meisterprüfungsarbeit ist der Prüfling verpflichtet, Beeinträchtigungen des Prüfungsablaufs während der Prüfung geltend zu machen.

4. Der Streitwert eines Rechtsstreits um das Bestehen einer Meisterprüfung beträgt in der Regel DM 20.000,00.

Tatbestand

Der Kläger wendet sich gegen eine Entscheidung über das Nichtbestehen seiner Meisterprüfung im Maschinenbaumechaniker-Handwerk und begehrt die Erteilung eines positiven Prüfungszeugnisses.

Der Kläger bestand bereits 1990 die Prüfungsteile III (wirtschaftlicher und rechtlicher Teil) und IV (berufs- und arbeitspädagogischer Teil) der Meisterprüfung für das Maschinenbaumechaniker-Handwerk. Im Frühjahr 1991 nahm er an den Prüfungsteilen I (praktischer Teil: Meisterprüfungsarbeit und Arbeitsprobe) und II (fachtheoretischer Teil) teil. Als Meisterprüfungsarbeit hatte der Kläger einen Kurbelschwingenantrieb anzufertigen. Mit Bescheid vom 22.04.1991 teilte die Handwerkskammer Karlsruhe - Meisterprüfungsausschuß - dem Kläger mit, er habe die Meisterprüfung wegen der Bewertung des praktischen Teils - Meisterprüfungsarbeit - nicht bestanden. Die Bewertung der vom Kläger angefertigten Meisterprüfungsarbeit ist von den Prüfern K. und M. vorgenommen worden und beinhaltete die Kriterien Maßkontrolle, Funktion, Sicht und Oberflächengüte. Nach dem Bewertungsbogen erzielte der Kläger 46,9 Punkte von möglichen 100 Punkten, wofür die Note 4,6 vergeben wurde.

Gegen den Prüfungsbescheid legte der Kläger am 24.04.1991 Widerspruch ein, welcher mit Widerspruchsbescheid vom 17.03.1992, zugestellt am 20.03.1992, zurückgewiesen wurde.

Am 15.04.1992 hat der Kläger beim Verwaltungsgericht Karlsruhe Klage erhoben und beantragt, die Bescheide aufzuheben und das beklagte Land zu verpflichten, die Meisterprüfung im Maschinenbaumechaniker- Handwerk 1991 als bestanden zu erklären und ihm den Meistertitel zu erteilen. Zur Begründung machte er geltend, sein Meisterstück rechtfertige eine bessere Bewertung, welche zur Feststellung des Bestehens der Meisterprüfung führe. Nach dem Bewertungsbogen habe er bei der Maßkontrolle eine Rohpunktzahl von 100 Punkten erzielt. Ein späteres Nachmessen des Teiles Nr. 15 durch seinen Vater am 07.10.1991 habe weitere 10 Rohpunkte ergeben, da dieses Teil innerhalb der angegebenen Toleranzmaße liege. Hierdurch müsse die Endpunktzahl für die Maßkontrolle von 22,2 auf 24,2 angehoben werden. Der Vorsitzende des Meisterprüfungsausschusses habe bestätigt, daß diese Nachmessung richtig sei. Nach Treu und Glauben könne diese Erklärung durch den Meisterprüfungsausschuß nicht mehr zurückgenommen werden. Weitere 10 Rohpunkte seien ihm bei der Maßkontrolle für das Teil Nr. 16 zuzusprechen, dessen Maße ebenfalls innerhalb des angegebenen Toleranzfeldes lägen. Die beanstandete geringfügige Abweichung für dieses Teil sei mit den bei der Prüfung vorhandenen Meßkontrollinstrumenten nicht mehr feststellbar gewesen. Ferner enthalte der Bewertungsbogen eine Bewertung in Stufen von 10/8/6/0 Punkten, von der der Meisterprüfungsausschuß bei der Oberflächenbewertung durch die Vergabe von 5,6 bzw. 3,8 Punkten abgewichen sei. Nach der Stufenwertung müsse er für die Oberflächengüte mindestens 6 Punkte erhalten. Bei den Sichtkriterien seien im Hinblick auf die hervorragende Ausführung der Arbeit in diesem Bereich nicht 8, sondern 10 Punkte anzusetzen. Unter Berücksichtigung der genannten Korrekturen ergebe sich für ihn eine Endpunktzahl von über 50 Punkten (von 100 bei der Bewertung insgesamt erreichbaren Punkten), so daß er die praktische Prüfung bestanden habe. Ferner seien bei der Prüfung Meßwerkzeuge, die für die Erstellung von Paßmaßen bei Teil Nr. 1 (Innenmeßschraube oder Innenfeinmeßgerät) und bei Teil Nr. 2 (Zentrierbohrer oder Bügelmeßschraube im Meßbereich von 25 bis 50 mm) erforderlich gewesen wären, nicht auf der Liste der erlaubten Arbeits- und Hilfsmittel aufgeführt worden, wodurch die Handwerkskammer selbst dazu beigetragen habe, daß es bei ihm zu einem Punktverlust gekommen sei.

Das beklagte Land ist der Klage entgegengetreten und führte aus, bei einer Meisterprüfungsausschußsitzung am 26.05.1992 seien die Teile Nr. 15 und 16 einer Nachmessung unterzogen worden, welche ergeben habe, daß beide Teile außerhalb des festgelegten Toleranzfeldes lägen. Die übrigen Bewertungs- und Verfahrensrügen seien nicht begründet. Der Meisterprüfungsausschuß habe daher am 26.05.1992 keine Veranlassung zu einer besseren Bewertung der Meisterprüfungsarbeit des Klägers gesehen.

Nach Anhörung des Prüfungsausschußvorsitzenden und eines Fachbeisitzers in der mündlichen Verhandlung hat das Verwaltungsgericht Karlsruhe die Klage durch Urteil vom 28.10.1992 abgewiesen. In den Entscheidungsgründen ist ausgeführt: Zu Recht habe der Meisterprüfungsausschuß festgestellt, daß der Kläger die Meisterprüfung wegen mangelhafter Leistungen in der Meisterprüfungsarbeit nicht bestanden habe. Die vom Prüfungsausschuß vorgenommene Benotung der Meisterprüfungsarbeit weise keine rechtlich erheblichen Fehler auf. Unschädlich sei zunächst, daß die Meisterprüfungsarbeit durch einen Fachbeisitzer und durch einen stellvertretenden Fachbeisitzer bewertet worden sei, da die Meisterprüfungsordnung eine Stellvertretung der Mitglieder des Meisterprüfungsausschusses zulasse. Auch könne offen bleiben, welcher Stellenwert den Aussagen des Prüfungsausschußvorsitzenden bei der Nachmessung vom 07.10.1991 hinsichtlich des Teils Nr. 15 zukomme. Denn bei der Hinzurechnung von 10 zusätzlichen Rohpunkten habe der Kläger die erforderliche Bestehensgrenze von 50,0 Punkten immer noch nicht erreicht. Weitere Rohpunkte könnten dem Kläger indessen nicht gutgeschrieben werden, da die nicht bestrittenen Nachmessungen des Teiles Nr. 16 ergeben hätten, daß dieses Teil konisch sei und seine Maße außerhalb des Toleranzfeldes lägen. Unschädlich sei, daß die Prüfer bei der Bewertung der Oberflächengüte, Funktion und Sichtkriterien aller Teile die auf dem Bewertungsbogen angegebene Abstufung verlassen hätten. Diese Abweichung sei den Prüfungsausschußmitgliedern erlaubt, da die Bewertungsabstufung normativ nicht geregelt sei. Die Festlegung einer Bewertungsstufe falle daher in den unüberprüfbaren prüfungsrechtlichen Beurteilungsspielraum. Nach dem unwidersprochenen Vortrag des Beklagten sei der Gleichheitsgrundsatz beachtet worden, da die Abweichung von der ursprünglich angegebenen Bewertungsabstufung bei allen Meisterprüfungsarbeiten erfolgt sei. Unter den einzuräumenden Beurteilungsspielraum falle die Bewertung der Sichtkriterien mit 8 Punkten statt der vom Kläger geforderten 10 Punkten. Unschlüssig sei schließlich die Rüge des Fehlens notwendiger Meßwerkzeuge zur Erstellung von Paßmaßen bei den Teilen Nr. 1 und Nr. 2. Hierzu habe die Beklagte unwidersprochen ausgeführt, die benötigten Meßwerkzeuge seien zum Teil in der Liste der mitzubringenden Werkzeuge aufgeführt gewesen, zum Teil von der Schule zur Verfügung gestellt worden. Jedenfalls könne nicht festgestellt werden, daß dem Kläger die nötigen Meßinstrumente tatsächlich nicht zur Verfügung gestanden hätten.

Gegen das ihm am 14.12.1992 zugestellte Urteil hat der Kläger am 14.01.1993 Berufung eingelegt und vorgetragen, er halte daran fest, daß die Teile Nr. 15 und 16 von ihm ordnungsgemäß gefertigt worden seien. Die Nachmessungen des Meisterprüfungsausschusses vom 26.05.1992 seien angesichts der vorausgegangenen Messungen durch seinen Vater unverständlich. Zur weiteren Aufklärung bedürfe es der Nachmessung durch einen Sachverständigen. Eine Normabweichung des Teils Nr. 16 sei schon deshalb unwahrscheinlich und außerhalb jeder Lebenserfahrung, weil es sich um ein mitzubringendes Werkstück handele. Unverständlich sei weiterhin die Bewertung des Gewindes bei der Sichtkontrolle mit lediglich 8 statt 10 Punkten, da dieses Teil keinerlei Mängel aufweise. Die Oberflächenbewertung aller Teile des Meisterstücks mit 3,8 Punkten sei fachlich absolut unvertretbar. Auch bleibe festzuhalten, daß der Meisterprüfungsausschuß nicht von der vorgegebenen Bewertungsabstufung mit 10/8/6/0 Punkten habe abweichen dürfen. Zur Herstellung der Passungen bei den Teilen Nr. 1 und 2 seien Meßwerkzeuge erforderlich gewesen, die ihm nicht zur Verfügung gestanden hätten; auch die Materialliste enthalte diese Werkzeuge nicht.

Der Kläger beantragt,

das Urteil des Verwaltungsgerichts Karlsruhe vom 28. Oktober 1992 - 7 K 525/92 - zu ändern, den Prüfungsbescheid vom 22. April 1991 und den Widerspruchsbescheid des Regierungspräsidiums Karlsruhe vom 17. März 1992 aufzuheben und das beklagte Land zu verpflichten, dem Kläger ein Zeugnis über das Bestehen der Meisterprüfung im Maschinenbaumechaniker-Handwerk 1991 auszustellen,

hilfsweise: die Meisterprüfungsarbeit neu zu bewerten und den Kläger über das Ergebnis der Meisterprüfung neu zu bescheiden,

höchst fürsorglich: den Kläger erneut eine Meisterprüfungsarbeit als Erstprüfung anfertigen zu lassen.

Das beklagte Land beantragt, die Berufung zurückzuweisen.

Zur Begründung wird ergänzend ausgeführt, die Teile Nr. 15 und 16 seien schon deshalb mit 0 Punkten zu bewerten, weil diese nicht entsprechend der Aufgabenstellung zylindrisch, sondern konisch geformt seien. Die konische Form dieser Teile erkläre auch die Nachmessung durch den Vater des Klägers, der offensichtlich an einer Stelle gemessen habe, an der dieses Teil innerhalb des Toleranzbereichs liege. Die Bewertung des Gewindes mit 8 Punkten und nicht mit 10 Punkten sei zu Recht erfolgt, da dieses an den Flanken Riefen aufweise. Zur Überprüfung der Paßmaße der Teile Nr. 1 und Nr. 2 seien die dazu notwendigen Meßwerkzeuge wie Bügelmeßschraube 25 bis 50 mm und Endmaß zur Verfügung gestellt worden. Die Teile des Meisterstückes des Klägers seien unvollständig bearbeitet und seitenverkehrt gefertigt worden. Daher sei es dem Kläger nicht möglich gewesen, den Kurbelschwingenantrieb zur Funktion zu bringen.

Mit Beweisbeschluß vom 21.07.1993 hat der Senat zur Frage, ob die Teile Nr. 15 und Nr. 16 innerhalb des vorgegebenen Toleranzfeldes liegen und ob die jeweiligen Zapfen eine konische Form aufweisen, ein schriftliches Sachverständigengutachten eingeholt. Wegen der Beweisergebnisse wird auf das schriftliche Gutachten vom 24.08.1993 verwiesen. In der mündlichen Verhandlung erläuterte der Sachverständige sein Gutachten; der Prüfungsausschußvorsitzende wurde angehört.

Dem Senat liegen die Prüfungsakten, die Widerspruchsakten und die Akten des Verwaltungsgerichts vor. Sie waren Gegenstand der mündlichen Verhandlung. Wegen der weiteren Einzelheiten wird auf diese Akten und auf die Schriftsätze im Berufungsverfahren Bezug genommen.

Gründe

Die zulässige Berufung ist nicht begründet.

Das Verwaltungsgericht hat die Klage - im Ergebnis - zu Recht abgewiesen, weil dem Kläger weder ein Anspruch auf Ausstellung eines Prüfungszeugnisses über das Bestehen der Meisterprüfung im Maschinenbaumechaniker-Handwerk noch auf Neubewertung seiner Meisterprüfungsarbeit oder erneuter Anfertigung einer Meisterprüfungsarbeit als Erstprüfung zusteht (§ 113 Abs. 5 VwGO).

Rechtsgrundlage für die angefochtene Prüfungsentscheidung ist § 29 Abs. 2 der am 31.03.1990 in Kraft getretenen Meisterprüfungsordnung der Handwerkskammer Karlsruhe (MPO) i.V.m. § 2 Abs. 3 der Verordnung über das Berufsbild und die Prüfungsanforderungen im praktischen Teil und im fachtheoretischen Teil der Meisterprüfung für das Maschinenbauer (Mühlenbauer)-Handwerk vom 08.04.1976 (BGBl. I S. 933). Danach ist bei nicht bestandener Meisterprüfung dem Prüfling ein schriftlicher Bescheid zu erteilen, in dem die Ergebnisse der bestandenen und nicht bestandenen Prüfungsteile anzugeben sind. Mindestvoraussetzung für das Bestehen des praktischen Prüfungsteils ist das Erzielen jeweils ausreichender Leistungen in der Meisterprüfungsarbeit und in der Arbeitsprobe. Die Meisterprüfungsarbeit des Klägers wurde mit insgesamt 46,9 Punkten bewertet; dies entspricht nach § 26 Abs. 1 MPO der Note 4,6 (mangelhaft). Damit hatte der Kläger die Meisterprüfung im praktischen Prüfungsteil nicht bestanden.

Die Regelungen in §§ 26, 27 und 29 MPO und in § 2 Abs. 3 der Verordnung über das Berufsbild und die Prüfungsanforderungen im praktischen Teil der Meisterprüfung für das Maschinenbaumechaniker- Handwerk sind verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. Sie bedeuten keinen unverhältnismäßigen Eingriff in die Berufswahlfreiheit des Art. 12 Abs. 1 S. 1 GG. Insoweit kann auf die zutreffenden Ausführungen des Verwaltungsgerichts, denen sich der Senat anschließt, verwiesen werden (§ 130 b VwGO).

Der Kläger hat keinen Anspruch auf Ausstellung eines Prüfungszeugnisses über das Bestehen der Meisterprüfung (Hauptantrag), da die Benotung und Bewertung der von ihm angefertigten Meisterprüfungsarbeit keinen den Beurteilungsspielraum der Prüfer überschreitenden Fehler aufweist, der zu einer zumindest mit der Note ausreichend (50 Punkte) zu versehenden Bewertung der Meisterprüfungsarbeit führen könnte.

Auch nach der neueren Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE 84, 34, 46 f und 84, 59, 72 f.) und des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 09.12.1992, DVBl. 1993, 503 ff.; Urteil vom 24.02.1993 - BVerwG 6 C 35.92 -, NVwZ 1993, 681) ist die gerichtliche (Rechtmäßigkeits-) Kontrolle von Prüfungsentscheidungen nur begrenzt, weil der Bewertungsvorgang von zahlreichen Unwägbarkeiten bestimmt ist und den beteiligten Prüfern bei prüfungsspezifischen Wertungen ein Entscheidungsspielraum verbleibt. Hingegen sind fachliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Prüfer und Prüfling der gerichtlichen Kontrolle nicht generell entzogen. Vielmehr haben die Verwaltungsgerichte - ggf. mit sachverständiger Hilfe - zu kontrollieren, ob der Bewertung nicht eine willkürliche Fehleinschätzung der Prüfungsleistung zugrundeliegt (BVerfGE 84, aaO; BVerwG, Urteil vom 24.02.1993 - BVerwG 6 C 38.92 -, NVwZ 1993, 686). Soweit dem Prüfer ein Entscheidungsspielraum verbleibt, stellt der Anspruch des Prüflings gegenüber der Prüfungsbehörde auf "Überdenken" der Prüfungsentscheidung einen unerläßlichen Ausgleich für die nur eingeschränkt mögliche Kontrolle von Prüfungsentscheidungen durch die Verwaltungsgerichte dar.

Die Gestaltung des Prüfungsverfahrens entspricht vorliegend diesen Anforderungen. Der Kläger hatte im Vorverfahren hinreichende Möglichkeiten, substantiierte Einwände gegen die Bewertung seiner Arbeit rechtzeitig und wirkungsvoll vorzubringen. Der Meisterprüfungsausschuß hat diese Einwände auch zum Anlaß genommen, seine Bewertungen zu "überdenken". Daß die erforderlichen Nachkontrollen, Nachmessungen und Neubewertungen teilweise erst während des erstinstanzlichen Verfahrens erfolgten (Sitzung des Meisterprüfungsausschusses vom 26.05.1992), ist unerheblich, weil das "Überdenken" der prüfungsspezifischen Bewertungen auch während des gerichtlichen Verfahrens erfolgen kann (BVerwG, Urteil vom 09.12.1992, aaO).

Die vom Kläger gerügten fachlichen Mängel bei der Bewertung seiner Meisterprüfungsarbeit liegen nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme nicht vor.

Bei der Maßkontrolle seiner Meisterprüfungsarbeit rügt der Kläger eine unrichtige Vermessung der Teile Nr. 15 und Nr. 16. Das vom Senat eingeholte Sachverständigengutachten hat ergeben, daß diese Teile zu Recht mit 0 Punkten bewertet wurden, da die Maße dieser Teile außerhalb des Toleranzbereichs liegen. Dabei geht der Senat davon aus, daß die Bewertungspunktzahl bei der Maßkontrolle nur dann zu vergeben ist, wenn die jeweiligen Teile insgesamt im vorgegebenen Toleranzfeld liegen. Bewegt sich dagegen das Maß eines Teils teilweise außerhalb des Toleranzfeldes, so sind hierfür keine Punkte zu vergeben. Dies entspricht der vom Meisterprüfungsausschuß für die Maßkontrolle vorgegebenen Bewertung von entweder 10 Rohpunkten oder 0 Rohpunkten. Dieser Bewertungsmodus des Meisterprüfungsausschusses fällt unter den gerichtlich nicht prüfbaren Beurteilungsspielraum und ist daher den Ergebnissen des Sachverständigengutachtens zugrundezulegen. Das Sachverständigengutachten weist auf, daß das Teil Nr. 15 (Gewindespindel mit 2 Stück Zapfen) jedenfalls im vorderen Bereich des Zapfens I das Toleranzfeld verläßt. Die Bewertung mit 0 Rohpunkten ist daher nicht zu beanstanden. Beim Teil Nr. 16 (Führungszapfen für Nutenstein) liegt das Maß des Zapfens im hinteren Bereich außerhalb des Toleranzfeldes, so daß auch hier die Vergabe von 0 Rohpunkten fehlerfrei erfolgte. In der mündlichen Verhandlung erläuterte der Sachverständige anhand der entsprechenden Teile der Meisterprüfungsarbeit die in seinem schriftlichen Gutachten dargelegten Toleranzfeldabweichungen. Die Feststellungen des Sachverständigen sind nachvollziehbar und überzeugend. Einwände gegen die Beweisergebnisse wurden nicht vorgebracht. Der Sachverständige hat in seinem Gutachten weiter überzeugend dargelegt, daß mit den bei der Prüfung zur Verfügung stehenden Maßkontrollinstrumenten eine arbeitsbegleitende Maßkontrolle vorgenommen werden konnte. Dem Kläger war es daher möglich, die Teile Nr. 15 und 16 vorgabegemäß unter Beachtung des Toleranzfeldes anzufertigen. Dabei dient die Vorgabe von Toleranzfeldern der Sicherung eines gewissen Spielraums für den Prüfling, welcher ihm geringfügige Maßabweichungen erlaubt. Die jeweiligen Toleranzgrenzen sind jedoch zwingend einzuhalten und unterliegen einer exakten Nachmessung durch den Prüfer oder den vom Gericht beigezogenen Sachverständigen. Bereits geringfügige Überschreitungen der Toleranzgrenzen berechtigen den Prüfer, für das jeweilige Teil bei der Maßkontrolle keine Punkte zu vergeben. Nach den dargelegten Ergebnissen der Beweisaufnahme steht zur Überzeugung des Senats fest, daß die Teile Nr. 15 und 16 - jedenfalls teilweise - außerhalb des Toleranzfeldes liegen. Auf die Frage, ob diese Teile darüber hinaus konisch sind und welche Bedeutung dies bei einer Bewertung hätte, kommt es daher nicht mehr an.

Der Kläger hat auch keinen Anspruch auf eine höhere Bewertung der Sichtkriterien des Teils Nr. 15 (Gewinde M 8); der Kläger beansprucht insoweit statt der vergebenen 8 Punkte 10 Punkte. Der Sachverständige hat hierzu in der mündlichen Verhandlung ausgeführt, am Gewinde seien äußere Mängel ("schadhafte Stellen") sichtbar, die nicht durch den bloßen Transport der Meisterprüfungsarbeit entstanden sein könnten. Zur Überzeugung des Senats steht daher fest, daß das Gewinde M 8 herstellungsbedingte Mängel aufweist, die es fachlich rechtfertigen, statt der Vergabe der Höchstpunktzahl eine herabgestufte Bewertung dieses Teils vorzunehmen. Die Bewertung mit 8 Punkten ist danach von fachlichen Kriterien getragen und nicht willkürlich. Im übrigen würde die insoweit mögliche Erhöhung der Endpunktzahl von 46,9 Punkten um 2 Punkte nicht ausreichen, um die Bestehensgrenze (50 Punkte) zu erreichen.

Der Kläger hat keinen Anspruch auf Neubewertung seiner Meisterprüfungsarbeit (1. Hilfsantrag) wegen einer unzulässigen Bewertung durch ein stellvertretendes Mitglied des Meisterprüfungsausschusses (stellvertretender Fachbeisitzer K.). Zu Recht hat das Verwaltungsgericht insoweit zunächst ausgeführt, daß die Bewertung der Meisterprüfungsarbeit durch den Stellvertreter eines Fachbeisitzers des Meisterprüfungsausschusses nicht zu beanstanden ist. Die Meisterprüfungsordnung sieht in § 3 Abs. 1 MPO eine Stellvertretung der Mitglieder des Meisterprüfungsausschusses ausdrücklich vor. Es begegnet daher keinen Bedenken, im Vertretungsfalle, der nach Aussage des Meisterprüfungsausschußvorsitzenden am Prüfungstag vorgelegen hat, die berufenen Stellvertreter zur Bewertung von Prüfungsarbeiten heranzuziehen. Es bestehen aber auch keine Bedenken dagegen, daß der stellvertretende Fachbeisitzer K. bei der Feststellung der Ergebnisse der einzelnen Prüfungsteile sowie des Bestehens oder Nichtbestehens der Meisterprüfung durch den Meisterprüfungsausschuß gemäß § 27 Abs. 4 MPO ausweislich des hierüber angefertigten Protokolls nicht mehr mitgewirkt hat. Denn die Meisterprüfungsarbeit wird gemäß § 27 Abs. 1 MPO von mindestens zwei Fachbeisitzern bewertet und deren Bewertung unterliegt nicht mehr der Überprüfung durch den Meisterprüfungsausschuß bei der Ergebnisfeststellung nach § 27 Abs. 4 MPO. Dies ergibt sich aus dem Aufbau des § 27 MPO. Danach ist zu unterscheiden zwischen den einzelnen Prüfungsleistungen und den einzelnen Prüfungsteilen (vgl. § 17 Abs. 1 MPO), die teilweise aus mehreren Prüfungsleistungen bestehen. So besteht der Prüfungsteil I, die praktische Prüfung, aus zwei Prüfungsleistungen, nämlich der Arbeitsprobe und der Meisterprüfungsarbeit. Nach § 27 Abs. 1 und 2 MPO wird die Bewertung der einzelnen Prüfungsleistungen mit Punkten und Noten (vgl. § 26 MPO) zwingend den Fachbeisitzern oder sonstigen (jeweils mindestens zwei) Mitgliedern des Meisterprüfungsausschusses übertragen; nur die mündliche Prüfung in Teil II wird gemäß § 27 Abs. 3 MPO vom gesamten Meisterprüfungsausschuß abgenommen. Nach § 27 Abs. 6 MPO sind die Bewertungen der einzelnen Prüfungsleistungen bei der dem Meisterprüfungsausschuß gemäß § 27 Abs. 4 MPO obliegenden Ermittlung des rechnerischen Durchschnitts jedes Prüfungsteils zugrundezulegen. Hieraus ergibt sich, daß der Meisterprüfungsausschuß dabei keine Bewertung der einzelnen Prüfungsleistungen vornimmt und vornehmen darf, sondern lediglich aufgrund der bindenden Bewertungen nach § 27 Abs. 1 und 2 MPO prüfungsteilbezogene Ergebnisse errechnet und das Bestehen oder Nichtbestehen der Meisterprüfung feststellt.

Ein Anspruch auf Neubewertung ergibt sich auch nicht daraus, daß die Prüfer bei der Bewertung der Oberflächengüte und der Funktion die auf dem Bewertungsbogen angegebene Stufung der Bewertung von 10/8/6/0 Punkten verändert angewandt haben. Eine Bewertungsstufung ist normativ nicht vorgegeben, so daß es den Prüfern unbenommen bleibt, eigene Bewertungsabstufungen vorzunehmen, sofern dies unter Beachtung des Gleichheitsgrundsatzes geschieht. Denn die Festlegung des Bewertungsmaßstabes fällt unter den nichtkontrollierbaren Beurteilungsspielraum der Prüfer, bedarf aber zur Gewährleistung der Chancengleichheit aller Prüflinge einer gleichmäßigen Handhabung im jeweiligen Prüfungstermin. Anhaltspunkte dafür, daß die Meisterprüfungsarbeiten der Prüflinge im Meisterprüfungstermin 1991 nicht nach dem gleichen Bewertungsschema beurteilt worden sind, ergeben sich nicht. In der mündlichen Verhandlung hat der Prüfungsausschußvorsitzende vielmehr bestätigt, daß eine gleichmäßige Bewertung aller Meisterprüfungsarbeiten stattgefunden hat. Hiernach ist auch nicht zu beanstanden, daß die Punktevergabe bei der Oberflächenbewertung bis auf die erste Dezimalstelle erfolgte. Insoweit ist in der mündlichen Verhandlung dargelegt worden, daß dies auf der Umrechnung der Rohpunkte für die Bewertung aller Teile beruht. Bedenken gegen diese Bewertungsberechnung der Oberflächengüte sind nicht ersichtlich.

Der Kläger hat weiter keinen Anspruch auf eine erneute (erste) Anfertigung einer Meisterprüfungsarbeit (2. Hilfsantrag). Zwar behauptet der Kläger, die notwendigen Meßwerkzeuge zur Erstellung von Paßmaßen bei den Teilen Nr. 1 und 2 seien ihm bei der Prüfung nicht zur Verfügung gestellt worden. Hierzu haben der Beklagte und der Prüfungsausschußvorsitzende jedoch ausgeführt, die Meisterprüfungsarbeit sei in der Werkstätte der Gewerbeschule angefertigt worden. Dort seien auch die entsprechenden Meßwerkzeuge vorhanden gewesen. Einer Aufnahme dieser Meßwerkzeuge in die Material- und Werkzeugliste habe es daher nicht bedurft. Nach diesen, den Senat überzeugenden Ausführungen liegt der vom Kläger behauptete Fehler bei der Durchführung der Meisterprüfungsarbeit nicht vor.

Zudem könnte sich der Kläger auf diesen Fehler nicht mehr berufen, da er insoweit seiner prüfungsrechtlichen Mitwirkungspflicht nicht genügt hat. Im durch Zulassung (vgl. §§ 13, 14 MPO) begründeten Prüfungsrechtsverhältnis trifft den Prüfling die Obliegenheit, am Prüfungsverfahren mitzuwirken, um eine ordnungsgemäße Durchführung des Prüfungsverfahrens zu gewährleisten. Hiernach ist der Prüfling, soweit ihm dies nach den Umständen des Einzelfalls zumutbar ist, verpflichtet, Beeinträchtigungen des Prüfungsverfahrens während der Prüfung geltend zu machen (BVerwG, Urteil vom 17.02.1984, DÖV 1984, 811, 812 und Beschluß vom 08.08.1979, Buchholz 421.0 Nr. 120). Kommt der Prüfling einer zumutbaren Mitwirkungshandlung nicht nach, verliert er das Recht, die Beeinträchtigung des Prüfungsablaufs später im Prüfungsrechtsstreit zu rügen.

Haben dem Kläger tatsächlich die erforderlichen Meßwerkzeuge für die Anfertigung der Teile Nr. 1 und 2 während der Prüfung gefehlt, wäre es ihm nach den Gesamtumständen zumutbar gewesen, diesen Mangel sofort während der Prüfung geltend zu machen. Die unter Aufsicht (§ 21 Abs. 2 MPO) anzufertigende Meisterprüfungsarbeit dauert insgesamt 16 Stunden (zwei Tage   8 Stunden). Den Arbeitsablauf kann sich der Prüfling unter Beachtung der Aufgabenstellung selbständig einteilen. Die Prüfung wird in einer Werkstätte - hier die Werkstätte der Gewerbeschule - durchgeführt, deren Ausstattung der Prüfling benutzen kann und soll. Hiernach ist es dem Meisterprüfling ohne weiteres zumutbar, das Fehlen von Werkzeugen, die er für erforderlich hält, beim Aufsichtsführenden während des Arbeitsablaufes sofort zu rügen, auch um ggf. eine Abhilfe zu erreichen. Hinzu kommt, daß das vermeintliche Fehlen von Werkzeugen ohne Rüge vom Aufsichtsführenden nicht bemerkt werden kann, womit der Mitwirkungspflicht des Meisterprüflings bei solchen Beeinträchtigungen eine gesteigerte Bedeutung zukommt. Der Kläger hat während der Prüfung jedoch das Fehlen von Werkzeugen nicht geltend gemacht, so daß er sich im Prüfungsrechtsstreit nicht mehr hierauf berufen kann.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 154 Abs. 2 VwGO.

Die Voraussetzungen für eine Zulassung der Revision sind nicht gegeben (§ 132 Abs. 2 VwGO).