LG Dortmund, Urteil vom 20.07.2012 - 25 O 75/11
Fundstelle
openJur 2012, 124838
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Tenor

Die Klage wird ab­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits ein­schließ­lich der Kos­ten der Streit­hel­fe­rin trägt die Klä­ge­rin.

Das Urteil ist gegen Si­cher­heits­leis­tung in Höhe von 110 % des je­weils zu voll­stre­cken­den Be­tra­ges vor­läu­fig voll­streck­bar.

Gründe

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten um die Rück­ab­wick­lung einer Ka­pi­tal­an­la­ge in Form einer Treu­hand­be­tei­li­gung an der B11 (im Fol­gen­den: Fonds­ge­sell­schaft) mit Sitz in H.

Die Klä­ge­rin be­tei­lig­te sich mit Bei­tritts­erklä­rung vom 03.12.2007 mit einem Be­trag in Höhe von 20.000,00 € zu­züg­lich eines Agios in Höhe von 500,00 € als treu­hän­de­ri­sche Kom­man­di­tis­tin an der Fonds­ge­sell­schaft. Die Fonds­lauf­zeit war kon­zi­piert bis zum 31.12.2011. Die Fonds­ge­sell­schaft wurde an­schlie­ßend ab­ge­wi­ckelt und im Han­dels­re­gis­ter ge­löscht. Aus­schüt­tun­gen aus der Be­tei­li­gung er­folg­ten nicht.

Bei der Fonds­ge­sell­schaft han­del­te es sich um einen so­ge­nann­ten ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Fonds. Die­ser soll­te das ein­ge­sam­mel­te Ka­pi­tal in Ge­nuss­rech­te einer du­baia­ni­schen Ge­sell­schaft, der B2 (im Fol­gen­den auch: Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin), in­ves­tie­ren. Die B2 soll­te dann ih­rer­seits unter Zu­hil­fe­nah­me einer wei­te­ren Ge­sell­schaft, der B3, Im­mo­bi­lien­han­del in Dubai be­trei­ben und hie­raus Ge­win­ne er­wirt­schaf­ten, die zu einer Wert­stei­ge­rung der Ge­nuss­rech­te füh­ren soll­ten. Grund­la­ge die­ser Zu­sam­men­arbeit war ein „Ma­nage­ment Ag­ree­ment“ vom 06.11.2007. Da­rüber hi­naus soll­te die B2 durch sog. „Pro­fit Par­ti­ci­pa­tion Ag­ree­ments“ an den Ge­win­nen der B3 be­tei­ligt wer­den.

Zu den ge­plan­ten In­ves­tions­pro­jek­ten ge­hör­te unter an­de­rem die so­ge­nann­ten „M Twin To­wers“ in Dubai, zwei Bü­ro­ge­bäu­de mit 26 bzw. 29 Stock­wer­ken. Schon vor Bau­be­ginn soll­ten die ein­zel­nen Bü­ro­ein­hei­ten ver­kauft wer­den. Nach Ende der Fonds­lauf­zeit soll­te dann das Grund­stück mit dem teil­wei­se fer­tig­ge­stell­ten Ge­bäu­de auf einen In­ves­tor über­tra­gen wer­den. Als wei­te­res kon­kre­tes Pro­jekt war bei Pros­pekt­er­stel­lung ein Wohn­kom­plex mit 40 Apart­ments na­mens „K“ ins Auge ge­fasst.

Die Aus­wahl der Pro­jek­te soll­te durch die B3 in Dubai er­fol­gen.

Grün­dungs­ge­sell­schaf­ter der Fonds­ge­sell­schaft waren die B4 mit Sitz in H als per­sön­lich haf­ten­de Ge­sell­schaf­te­rin sowie die Be­klag­te zu 1.) und die B5 mit Sitz in H als Kom­man­di­tis­ten. Ge­schäfts­füh­rer so­wohl der Be­klag­ten B4 und der B5 war der Be­klag­te zu 2.). Ge­schäfts­füh­rer der Be­klag­ten zu 1.) war Herr Rechts­an­walt N aus H, in die­sem Ver­fah­ren zu­gleich der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Be­klag­ten zu 1.).

Ge­plant war zudem die Be­tei­li­gung wei­te­rer Per­so­nen an der Ge­sell­schaft ent­we­der un­mit­tel­bar als Kom­man­di­tist (im Fol­gen­den auch: Di­rekt­kom­man­di­tis­ten) oder mit­tel­bar über die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin, die Be­klag­te zu 1.) (im Fol­gen­den auch: Treu­ge­berin) be­tei­li­gen (im Fol­gen­den auch: An­le­ger). Ent­spre­chend schloss die Be­klag­te zu 1.) mit den ein­zel­nen An­le­gern - wie auch der Klä­ger­par­tei - einen Treu­hand­ver­trag ab, über den die An­tei­le an der Fonds­ge­sell­schaft ge­hal­ten wur­den.

Der Be­klag­te zu 3.) ist der Sohn des Be­klag­ten zu 2.).

Er war al­lei­ni­ger Ge­schäfts­füh­rer der B2 und der B3 in Dubai.

Gleich­zei­tig war die B3 zu 95 % Ge­sell­schaf­te­rin der B2. Die wei­te­ren 5 % hielt Herr P.

Die An­le­ger wur­den je­weils mit Hilfe eines Pros­pek­tes ge­wor­ben, in dem das Be­tei­li­gungs­an­ge­bot an der Fonds­ge­sell­schaft be­schrie­ben wurde. Die Voll­stän­dig­keits­er­klä­rung die­ses Pros­pekts unter­schrieb der Be­klag­te zu 2.) als Ge­schäfts­füh­rer der B4. Er war zu­gleich auch al­lei­ni­ger Ge­sell­schaf­ter die­ser GmbH.

Ge­prüft wurde der Pros­pekt von der S mit Sitz in F, die die ge­sam­te Pros­pekt­er­stel­lung auch zeit­nah be­glei­te­te. Das Gut­ach­ten, mit wel­chem der Pro­pekt frei­ge­ge­ben wurde, da­tiert vom 21.12.2007. Wegen des Prü­fungs­er­geb­nis­ses und der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird aus­drück­lich Bezug ge­nom­men auf die mit Schrift­satz vom 28.09.2011 zur Akte ge­reich­te Kopie. Et­wai­ge Feh­ler des Pros­pekts wur­den in dem Gut­ach­ten nicht fest­ge­stellt.

Her­aus­ge­ge­ben wurde der Pros­pekt am 06.11.2007 und be­kannt ge­macht wurde die He­raus­ga­be am 21.11.2007 in der FAZ und am 19.12.2007 in der Bör­sen­zei­tung.

Wegen des ge­nau­en In­halts des Pros­pekts wird aus­drück­lich Bezug ge­nom­men auf die zur Akte ge­reich­te Kopie (Anl. KS 1, Bl. 37-65 d.A.).

In den Hin­wei­sen zur Art der Be­tei­li­gung auf S. 13 des Pros­pekts ist u.a. aus­ge­führt, dass sich die An­le­ger an einer aus­schließ­lich ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft mit dem Zweck der Bün­de­lung von Ka­pi­tal zum Er­werb von Ge­nuss­rech­ten be­tei­li­gen.

Durch die Ver­wen­dung des Ka­pi­tals zur mit­tel­ba­ren Fi­nan­zie­rung des Kaufs und Ver­kaufs von Im­mo­bi­lien­pro­jek­ten in Dubai sei ein unter­neh­me­ri­sches Ri­si­ko nicht aus­zu­schlie­ßen. Ob und in wel­chem Um­fang der An­le­ger die prog­nos­ti­zier­ten Aus­schüt­tun­gen er­hal­te, hänge im We­sent­li­chen vom wirt­schaft­li­chen Er­folg der B2, also der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin ab, an der die Fonds­ge­sell­schaft Ge­nuss­rech­te zeich­ne. Alle Ri­si­ken, die die Ge­winn­si­tu­a­tion der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin be­ein­träch­tig­ten, wür­den die Wert­hal­tig­keit der Ge­nuss­rech­te und damit den durch eine Ver­äu­ße­rung der Ge­nuss­rech­te zu er­zie­len­den Ge­winn der Fonds­ge­sell­schaft ver­min­dern. Bei Nicht­ein­tritt der Prog­no­sen könne es zum To­tal­ver­lust der ge­zeich­ne­ten Ein­la­ge (inkl. Agio) kom­men.

Ent­spre­chend rich­te sich das Be­tei­li­gungs­an­ge­bot an er­fah­re­ne An­le­ger, die sol­che Ver­lus­te im Rah­men einer ent­spre­chen­den Port­fo­lio-Mi­schung in Kauf neh­men könn­ten.

Ins­ge­samt wurde den Ri­si­ken der Be­tei­li­gung in dem Pros­pekt ein eige­nes Ka­pi­tel (S. 12-17 des Pros­pekts) ge­wid­met.

Ins­be­son­de­re auf diese Hin­wei­se wird Bezug ge­nom­men, wobei im Fol­gen­den noch wei­te­re ein­zel­ne der dar­ge­stell­ten Hin­wei­se auf­ge­grif­fen wer­den sol­len:

So wurde in dem Pros­pekt z.B. u.a. da­rauf hin­ge­wie­sen, dass die kon­kre­ten In­ves­ti­tions­pro­jek­te bis auf we­ni­ge Aus­nah­men im Zeit­punkt der Pros­pekt­auf­stel­lung noch nicht be­kannt waren und dass die In­ves­ti­tion daher Blind-Pool Cha­rak­ter habe.

Auch wurde da­rauf hin­ge­wie­sen, dass die Fonds­ge­sell­schaft nur eine schuld­recht­li­che Be­tei­li­gung an der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin halte und die An­le­ger als Folge kei­ner­lei Ein­fluss auf die In­ves­ti­tions­ent­schei­dun­gen hät­ten.

Des Wei­te­ren wurde da­rauf hin­ge­wie­sen, dass es ent­schei­dend für die Ak­qui­si­tion von at­trak­ti­ven Im­mo­bi­lien sei, dass aus­ge­zeich­ne­te Kennt­nis­se und Kon­tak­te im lo­ka­len Im­mo­bi­lien­markt vor­han­den seien und dass ein Aus­fall einer Schlüs­sel­per­son sich er­heb­li­che ne­ga­tiv auf die Er­folgs­si­tu­a­tion der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin aus­wir­ken könne. Die Schlüs­sel­per­son, auf deren Er­fah­run­gen und Know How das Fonds-Kon­zept setze, sei hier­bei der Be­klag­te zu 3.), der nach dem Plan als Ge­schäfts­füh­rer der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin fun­gie­ren soll­te.

Auch wurde da­rauf hin­ge­wie­sen, dass die Prog­no­sen auf der bis­he­ri­gen Ent­wick­lung des Im­mo­bi­lien­mark­tes be­ru­hen und dass die Höhe der von der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin er­ziel­ba­ren Ge­winn­mar­gen we­sent­lich von der wei­te­ren Wert­ent­wick­lung im lo­ka­len Im­mo­bi­lien­markt in Dubai ab­hän­ge und es im schlimms­ten Fall zu einer In­sol­venz der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin und damit zu einem To­tal­ver­lust der ge­zeich­ne­ten Ein­la­ge in­klu­si­ve Agio kom­men könne.

Fer­ner wur­den z.B. auf Ri­si­ken auf­grund von Scha­den­er­satz­an­sprü­chen im Zu­sam­men­hang mit der Pla­nung und Her­stel­lung der Im­mo­bi­lien­pro­jek­te, auf Ri­si­ken in­fol­ge Ver­trags­bruchs oder In­sol­venz eines Ver­trags­part­ners der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin, auf Ri­si­ken bei In­sol­venz der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin bzw. der Fonds­ge­sell­schaft selbst sowie auf Ri­si­ken im Zu­sam­men­hang mit der Plat­zie­rung und des Wäh­rungs­ri­si­kos hin­ge­wie­sen. Mehr­fach wurde in die­sem Zu­sam­men­hang auf das Ri­si­ko des To­tal­ver­lus­tes hin­ge­wie­sen.

Auch wur­den aus­drück­lich Ri­si­ken an­ge­spro­chen, die sich da­raus er­ge­ben, dass die In­ves­ti­tion in den Ver­einig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten und damit in einem an­de­ren Rechts­kreis er­folgt und mög­li­cher­wei­se ver­trag­li­che An­sprü­che aus dem Ver­trag über das Ge­nuss­recht nicht durch­setz­bar sein könn­ten bzw. dass der Streit um die Durch­set­zung mit er­heb­li­chen Rechts­be­ra­tungs­kos­ten ver­bun­den sein könn­te.

Auch auf Ri­si­ken, die sich aus der wirt­schaft­li­chen und poli­ti­schen Si­tu­a­tion er­ge­ben könn­ten, wurde hin­ge­wie­sen.

Neben den Ri­si­ko­hin­wei­sen ent­hält der Pros­pekt ins­be­son­de­re In­ves­ti­ti­ons- und Prog­no­se­be­rech­nun­gen, den Ge­sell­schafts­ver­trag der Fonds­ge­sell­schaft und den Treu­hand­ver­trag mit der Be­klag­ten zu 1.).

Die kla­gen­de Par­tei ver­langt nun­mehr Scha­dens­er­satz aus vor­ver­trag­li­cher Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung gem. §§ 280, 311 BGB, aus Pros­pekt­haf­tung (§ 13 Verk­ProspG i.V.m. § 44 BörsG) und De­likt (§ 823 Abs. 2 BGB iVm §§ 264a StGB, § 826 BGB).

Die Be­klag­ten er­he­ben gegen­über sämt­li­chen et­wai­gen An­sprü­chen die Ein­re­de der Ver­jäh­rung.

Die Kla­ge­schrift vom 17.11.2010 ging am 19.11.2010 beim Land­ge­richt ein. Auf die Kos­ten­rech­nung vom 29.11.2010 er­folg­te am 07.12.2010 die Ein­zah­lung des Ge­richts­kos­ten­vor­schus­ses, wo­rauf­hin die Klage an die Be­klag­te zu 1.) an 27.12.2010 und an den Be­klag­ten zu 2.) am 24.12.2010 zu­ge­stellt wurde.

Der ur­sprüng­li­chen Be­klag­ten zu 4.) wurde die Klage am 28.12.2010 zu­ge­stellt. Diese ist mitt­ler­wei­le in In­sol­venz ge­fal­len, mit der Folge, dass der Pro­zess in die­sem Pro­zess­ver­hält­nis gemäß § 240 ZPO unter­bro­chen ist. Das Ver­fah­ren gegen die Be­klag­te zu 4.) wurde mit Be­schluss vom 20.07.2012 auf An­trag der Klä­ge­rin ab­ge­trennt und ist nun­mehr unter dem Az. 25 O 170/12 an­hän­gig.

Eine Zu­stel­lung an den Be­klag­ten zu 3.) war man­gels be­kann­ter An­schrift zu­nächst nicht mög­lich. Nach­dem die Klä­ge­rin hier meh­re­re An­schrif­ten in Deutsch­land mit­ge­teilt hatte, unter denen die Zu­stel­lung er­folg­los ver­sucht wurde, wurde die Klä­ge­rin, die von An­fang an be­fürch­tet hatte, dass eine Zu­stel­lung an den Be­klag­ten zu 3.) prob­le­ma­tisch wer­den könn­te, mit Be­schluss vom 01.02.2011, der Klä­ger­sei­te zu­ge­stellt am 04.02.2011, auf­ge­for­dert, bin­nen einer Frist von 4 Wo­chen eine la­dungs­fä­hi­ge An­schrift des Be­klag­ten zu 3.) mit­zu­tei­len.

Mit Schrift­satz vom 02.03.2011 be­an­trag­te die Klä­ge­rin so­dann die öf­fent­li­che Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift, muss­te aber mit Ver­fü­gung vom 09.03.2011 da­rauf hin­ge­wie­sen wer­den, dass sie zu den Vo­raus­set­zun­gen noch nicht aus­rei­chend vor­ge­tra­gen hat.

Nach er­gän­zen­dem Vor­trag der Klä­ger­sei­te u.a. im Schrift­satz vom 24.03.2011 und ins­be­son­de­re nach eige­nen, vom Ge­richt mit Hilfe eines in Dubai an­säs­si­gen Rechts­an­walts durch­ge­führ­ten, Er­mitt­lun­gen, wur­den die öf­fent­li­che Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift sowie die La­dung zum frü­hen ers­ten Ter­min mit Be­schluss vom 16.07.2011 be­wil­ligt.

Die Durch­füh­rung der öf­fent­li­chen Zu­stel­lung wurde be­gon­nen. Noch vor Ab­lauf der Mo­nats­frist, in wel­cher die Schrift­stü­cke an der Ge­richts­ta­fel aus­ge­hängt wur­den, mel­de­te sich mit Schrift­satz vom 04.08.2011 der heu­ti­ge Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te für den Be­klag­ten zu 3.) und zeig­te des­sen Ver­tre­tung an. Ent­spre­chend er­folg­ten die er­for­der­li­che Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift und der üb­ri­gen zu­zu­stel­len­den Schrift­stü­cke an den Be­klag­ten zu 3.) auf­grund der Ver­fü­gung vom 05.08.2011 zu Hän­den sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten schließ­lich am 11.08.2011.

Unter an­de­rem gegen die Be­klag­ten zu 2.) und 3.) wurde in die­sem Zu­sam­men­hang von der Staats­an­walt­schaft Bie­le­feld zu den Ak­ten­zei­chen 6 Js 39/10 und 6 Js 36/11 wegen des Ver­dachts des Ka­pi­tal­an­la­ge­be­tru­ges, des Be­tru­ges und der Un­treue er­mit­telt.

Zu­min­dest im Hin­blick auf den hier streit­gegen­ständ­li­chen Fonds VI. wur­den die Er­mitt­lun­gen aus­weis­lich einer tele­fo­ni­schen Aus­kunft des zu­stän­di­gen Ober­staats­an­walts vom 20.07.2012 ein­ge­stellt. An­kla­ge wurde nicht er­ho­ben.

Wei­te­re Er­mitt­lun­gen bzw. eine Wie­der­auf­nah­me der Er­mitt­lun­gen bzgl. Fonds VI. sind von der Staats­an­walt­schaft Bie­le­feld nicht be­ab­sich­tigt.

Eine An­kla­ge­erhe­bung gegen die Be­klag­ten zu 2.) und 3.) er­folg­te mit An­kla­ge­schrift vom 15.03.2011 in Bezug auf Tat­vor­wür­fe im Zu­sam­men­hang mit den Vor­gän­ger-Fonds­ge­sell­schaf­ten, der B6 (B6-Fonds III.), der B7 (B7-Fonds IV.) und der der B8 (B8-Fonds V.). Bei die­sen Fonds han­del­te es sich an­ders als bei dem streit­gegen­ständ­li­chen Fonds um Im­mo­bi­lien­fonds.

Eine wei­te­re An­kla­ge­erhe­bung er­folg­te nach tele­fo­ni­scher Aus­kunft des zu­stän­di­gen Ober­staats­an­walts vom 20.07.2012 kurz vor Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren im Zu­sam­men­hang mit dem Nach­fol­ge-Fonds B9 (B9 - Fonds VII.).

Nach bis­he­ri­ger Kennt­nis der Kam­mer wurde über die Er­öff­nung des Haupt­ver­fah­rens noch nicht ent­schie­den.

Die kla­gen­de Par­tei be­haup­tet, der der streit­gegen­ständ­li­chen Be­tei­li­gung zu­grun­de­lie­gen­de Ver­kaufs­pros­pekt weise meh­re­re Feh­ler auf. Hätte der Pros­pekt auf die nach­fol­gend ge­nann­ten Ri­si­ken rich­tig hin­ge­wie­sen, hätte sie sich an der Fonds­ge­sell­schaft nicht be­tei­ligt.

Für diese Feh­ler hät­ten die Be­klag­ten zu 2.) und 3.) ein­zu­ste­hen, da diese als Pros­pekt­ver­ant­wort­li­che an­zu­se­hen seien.

Die Be­klag­te zu 1.) habe eine ihr gegen­über der Klä­ge­rin be­stehen­de Pflicht aus dem Treu­hand­ver­trag ver­sto­ßen, da sie die Klä­ge­rin nicht über diese Pros­pekt­feh­ler auf­ge­klärt habe.

Ent­spre­chend der Dar­le­gung, die Be­klag­ten u 2.) und 3.) seien Pros­pekt­ver­ant­wort­li­che, ist sie der An­sicht, dass sich zu­min­dest für die Be­klag­ten zu 2.) und 3.) eine Zu­stän­dig­keit des Land­ge­richts Dort­mund aus § 32b ZPO i.V.m. der Kon­zen­tra­ti­ons-Ver­ord­nung er­ge­be.

Im Hin­blick auf eine et­wai­ge Pros­pekt­ver­ant­wort­lich­keit be­haup­tet die Klä­ger­sei­te, der Be­klag­te zu 2. habe von den be­haup­te­ten Pros­pekt­feh­lern Kennt­nis ge­habt. Er habe eine All­macht­stel­lung inne ge­habt und sei der ein­zi­ge recht­lich ver­ant­wort­li­che Ent­schei­dungs­trä­ger ge­we­sen. Er habe das Fonds­kon­zept so ge­stal­tet, dass der B3 sämt­li­che Geld­mit­tel zu­ge­flos­sen seien und diese al­lein und wei­sungs­frei ent­schei­den konn­te, wie diese ein­ge­setzt wer­den.

Der Be­klag­te zu 3. habe die al­lei­ni­ge tat­säch­li­che Herr­schaft über alle deut­schen und du­baia­ni­schen B-Ge­sell­schaf­ten ge­habt. Auch dort, wo for­mal der Be­klag­te zu 2. als Ge­schäfts­füh­rer auf­ge­tre­ten sei, habe sich der Be­klag­te zu 3. die al­lei­ni­ge tat­säch­li­che Ent­schei­dungs­herr­schaft ver­trag­lich zu­si­chern las­sen.

Der Be­klag­te zu 3. sei als Hin­ter­mann pros­pekt­ver­ant­wort­lich, weil er wie ein Ge­schäfts­füh­rer agiert und wie der Be­klag­te zu 2. auf alle we­sent­li­chen Ent­schei­dun­gen Ein­fluss aus­ge­übt habe. Er habe auch auf den Pros­pekt­in­halt di­rek­ten Ein­fluss ge­nom­men. Er habe aktiv an der Er­stel­lung mit­ge­wirkt, indem er das den Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nun­gen zu­grun­de lie­gen­de Zah­len­ma­te­rial und damit das „Herz­stück“ des Pros­pek­tes ge­lie­fert habe.

Die Be­klag­ten zu 2. und 3. hät­ten sich in der Pres­se als al­lei­ni­ge Ent­schei­dungs­trä­ger dar­ge­stellt. Sie hät­ten die Fonds­kon­zep­te ent­wi­ckelt und die Arbeit ent­spre­chend unter sich auf­ge­teilt.

Sie hät­ten das Ziel ver­folgt, sämt­li­che Unter­neh­men der B-Grup­pe auf das Ein­zel­unter­neh­men des Be­klag­ten zu 3. zu kon­so­li­die­ren. Ein ent­spre­chen­des Kon­zept hät­ten sie mit dem - nicht ver­nom­me­nen - Zeu­gen Q Ende 2008 ent­wor­fen.

Im We­sent­li­chen wer­den fol­gen­de Feh­ler des Pros­pekts ge­rügt:

Die An­ga­ben in dem Ver­kaufs­pros­pekt zum Ver­lauf der Vor­gän­ger­fonds seien falsch.

Es seien keine Ge­win­ne rea­li­siert wor­den, son­dern Aus­schüt­tun­gen seien immer nur zu Las­ten des Fonds­ver­mö­gens er­folgt. Aus der Dar­stel­lung, sämt­li­che Aus­schüt­tun­gen seien pros­pekt­ge­mäß er­folgt, fol­ge­re der Leser und poten­tiel­le An­le­ger, dass die Aus­schüt­tun­gen aus tat­säch­lich rea­li­sier­ten Ge­win­nen er­folgt seien (a.).

Die Klä­ger­par­tei meint zudem, der Pros­pekt sug­ge­rie­re feh­ler­haft, die B2 be­trei­be selbst den Im­mo­bi­lien­han­del und in­ves­tie­re das Ge­nuss­rechts­ka­pi­tal un­mit­tel­bar in die ver­schie­de­nen Im­mo­bi­lien­pro­jek­te, wäh­rend dies tat­säch­lich nur die B3 über­neh­men soll­te. Zu­letzt ge­nann­te Ge­sell­schaft ver­füg­te - un­strei­tig - als ein­zi­ge der be­tei­lig­ten Ge­sell­schaf­ten über die in Dubai er­for­der­li­chen Kon­zes­sio­nen für den Er­werb von Im­mo­bi­lien. Es werde bei Lek­tü­re des Pros­pek­tes nicht hin­rei­chend deut­lich, wes­sen Pro­jek­te die an­ge­spro­che­nen Fonds-Pro­jek­te seien.

Es sei auch nicht dar­ge­stellt wor­den, dass die B2 das ge­sam­te Ka­pi­tal der B3 als zins­lo­ses Dar­le­hen zur Ver­fü­gung stel­le. Eine sol­che Dar­le­hens­ver­ga­be an­stel­le einer eige­nen wirt­schaft­li­chen Tä­tig­keit der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin führe dazu, dass prak­tisch kei­ner­lei Kont­roll­mög­lich­kei­ten be­stan­den hät­ten.

Der Ab­schluss der Pro­fit Par­ti­ci­pa­tion Ag­ree­ments vom 02.10.2007, die ein Ge­winn­be­zugs­recht der B2 re­geln, wür­den vor der Tat­sa­che, dass die B3 als Kom­mis­sio­när für die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin tätig sein soll­te, kei­nen Sinn ma­chen, son­dern fak­tisch le­dig­lich den Ge­winn der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin nach oben be­gren­zen (b.).

Die kla­gen­de Par­tei meint wei­ter, im Pros­pekt sei nicht auf das Ri­si­ko einer plötz­li­chen Ge­set­zes­än­de­rung hin­ge­wie­sen wor­den (c.).

Auch sei in dem Pros­pekt nicht da­rauf hin­ge­wie­sen wor­den, dass die eigent­li­che Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin zum Zeit­punkt der Pros­pekt­er­stel­lung und zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses der Ge­nuss­rechts­ver­ein­ba­rung noch gar nicht exis­tiert habe. Es hätte auf­ge­nom­men wer­den müs­sen, dass zwar Ver­trä­ge durch die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin ge­schlos­sen wur­den, dass diese aber mög­li­cher­wei­se man­gels Exis­tenz der Ver­trags­schlie­ßen­den recht­lich un­ver­bind­lich seien (d.).

Wei­ter fehle ein Hin­weis im Pros­pekt, dass die dem Fonds­pro­jekt zu­grun­de­lie­gen­den Ver­trä­ge mög­li­cher­wei­se un­wirk­sam oder recht­lich an­greif­bar seien.

Denn der Be­klag­te zu 3. habe im Namen der B2 alle we­sent­li­chen Ver­trä­ge - ins­be­son­de­re die Ge­nuss­rechts­ver­ein­ba­rung und den Groß­teil der „Pro­fit Par­ti­ci­pa­tion“ - ab­ge­schlos­sen, als es diese Ge­sell­schaft noch gar nicht ge­ge­ben habe. Die B2 sei am 08.11.2007 ge­grün­det wor­den. Die Ge­nuss­rechts­ver­ein­ba­rung, in die die Fonds­ge­sell­schaft ein­tre­ten soll­te, sei von ihr aber be­reits am 02.10.2007 und ei­ni­ge „Pro­fit Par­ti­ci­pa­tions“ am 02.10.2007 und 16.10.2007 ab­ge­schlos­sen wor­den (e.).

Die kla­gen­de Par­tei meint, der Ver­kaufs­pros­pekt kläre nicht hin­rei­chend über be­stehen­de In­te­res­sen­kon­flik­te auf.

Das „Ma­nage­ment Ag­ree­ment“ sehe vor, dass die B2 die B3 im Rah­men der In­ves­ti­tion der Fonds­gel­der an­wei­se und kont­rol­lie­re. Tat­säch­lich stehe aber der Be­klag­te zu 3. als Ge­schäfts­füh­rer die­ser Ge­sell­schaf­ten auf bei­den Sei­ten des „Ma­nage­ment Ag­ree­ments“ und kont­rol­lie­re sich quasi selbst. Der Pros­pekt nenne ihn aber le­dig­lich eine „Schlüs­sel­per­son“, womit seine tat­säch­li­che Stel­lung nicht hin­rei­chend be­schrie­ben werde. Auch er­fol­ge keine Auf­klä­rung über die Be­herr­schung der B2 durch die B3. Letzt­lich sei die ge­schäft­li­che Ak­ti­vi­tät des streit­gegen­ständ­li­chen Fonds al­lein da­rauf aus­ge­rich­tet ge­we­sen, die eige­nen wirt­schaft­li­chen Ak­ti­vi­tä­ten des Be­klag­ten zu 3.) zu för­dern und ihm den Auf­bau eines eige­nen Be­trie­bes zu si­chern (f.).

Wei­ter rügt die kla­gen­de Par­tei, die im Pros­pekt dar­ge­leg­ten Er­lös­prog­no­sen seien nicht nach­voll­zieh­bar und zudem auch falsch. Ein Ge­winn der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin habe auf­grund des Kon­zepts oh­ne­hin al­lein über eine Wert­stei­ge­rung der Ge­nuss­rech­te und eine an­schlie­ßen­de Ver­äu­ße­rung der Ge­nuss­rech­te er­fol­gen kön­nen. An­ga­ben zu einem Ge­nuss­rechts­er­wer­ber und zu der Frage, ob ein Markt für Ge­nuss­rech­te exis­tie­re, fehl­ten völ­lig.

Da damit ins­ge­samt nicht klar werde, wie die Ge­sell­schaft über­haupt Ge­win­ne be­zie­hen solle, sei die Ge­samt­kon­s­t­ruk­ti­on des Fonds in sich nicht plau­si­bel (g.).

Sie meint wei­ter, aus dem Pros­pekt (dort S. 67) würde sich er­ge­ben, dass die B10 eine 51-pro­zen­ti­ge Ge­winn­be­tei­li­gung er­hal­ten solle. Es sei nicht plau­si­bel, warum die An­le­ger einer an­de­ren Fonds­ge­sell­schaft Ge­win­ne er­hal­ten soll­ten; zudem werde hier­durch die Prog­no­se­rech­nung falsch (h.).

In dem Pros­pekt fehle jede An­ga­be dazu, in­wie­weit eine Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le durch­ge­führt wer­den soll­te. Sei eine sol­che aber von vorn­he­rein nicht ge­plant ge­we­sen, so han­de­le es sich um ein zu­sätz­li­ches Ri­si­ko, auf wel­ches hin­zu­wei­sen sei (i.).

Ent­ge­gen der Vor­schrif­ten des Ver­kaufs­pros­pekt­ge­set­zes fehle die Dar­stel­lung der ver­trags­we­sent­li­chen Grund­la­gen, ins­be­son­de­re sei der In­halt der maß­geb­li­chen Ver­trä­ge nicht dar­ge­stellt wor­den. Zu den we­sent­li­chen Ver­trä­gen zähl­ten ins­be­son­de­re der Ge­sell­schafts­ver­trag über die Grün­dung und den Be­stand der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin, die Ge­nuss­rechts­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin und der Fonds­ge­sell­schaft sowie der Ma­nage­ment­ver­trag zwi­schen der B2 und der B3 (j.).

Laut Pros­pekt be­lau­fe sich die im Hin­blick auf die ein­ge­wor­be­nen Be­tei­li­gun­gen zu zah­len­de Pro­vi­sion auf 9,5 % der An­la­ge­sum­me zu­züg­lich 5 % Agio. Tat­säch­lich seien aber noch min­des­tens wei­te­re 10 % der An­la­ge­sum­me als Pro­vi­sion ge­flos­sen (k.).

Auch sei in dem Pros­pekt zu Un­recht an­ge­ge­ben, dass das An­ge­bot der An­la­ge nur in Deutsch­land er­fol­ge: tat­säch­lich sei Mitte 2007 ge­plant ge­we­sen, einen Be­tei­li­gungs­pros­pekt für den ös­ter­rei­chi­schen Markt he­raus­zu­ge­ben (l.)

Wei­ter rügt sie, eine Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le habe ent­gegen der Ver­pflich­tung der Be­klag­ten zu 1.) durch die Be­klag­te zu 1.) nicht statt­ge­fun­den (m.).

Neben Pros­pekt­feh­lern rügt die kla­gen­de Par­tei zudem, die Dar­stel­lun­gen der B-Grup­pe auf ihrer Home­page wäh­rend der Plat­zie­rungs­pha­se des Fonds zu Ver­trags­ab­schlüs­sen / Ver­kaufs­mel­dun­gen be­tref­fend den B11-Fonds VI. seien falsch ge­we­sen (n.).

Tat­säch­lich seien die an­ge­leg­ten Gel­der nicht pros­pekt­ge­recht ver­wen­det wor­den.

Die Klä­ger­par­tei be­haup­tet hier­zu ins­be­son­de­re auch, dass die An­le­ger­gel­der von dem Be­klag­ten zu 3. zweck­wid­rig zur Sa­nie­rung einer von ihm er­wor­be­nen Unter­neh­mens­be­tei­li­gung an der F2 in Deutsch­land ver­wen­det wor­den seien. Denn die B3 habe - un­strei­tig - gegen­über der F2 eine Pat­ro­nats­erklä­rung ab­ge­ge­ben, in der sie sich ver­pflich­te­te, die F2 fi­nan­ziell in die Lage zu ver­set­zen, Kauf­preis­ver­pflich­tun­gen aus dem Er­werb von Be­triebs­grund­stü­cken und -ver­mö­gen nach­zu­kom­men. In der Fol­ge­zeit habe die B3 auf­grund der Pat­ro­nats­erklä­rung ins­ge­samt 12,7 Mil­lio­nen € an die F2 über­wie­sen. Die Klä­ger­par­tei be­haup­tet, diese Mit­tel stamm­ten aus An­le­ger­gel­dern der Fonds­ge­sell­schaft (o.).

Schließ­lich be­haup­tet die Klä­ger­sei­te, die An­le­ger­gel­der der Fonds­ge­sell­schaft seien dazu ver­wen­det wor­den, die in 2008 er­folg­ten Aus­schüt­tun­gen an die An­le­ger der Fonds II. und III. zu fi­nan­zie­ren. Im Ein­zel­nen wird hier­zu ins­be­son­de­re auf die Aus­füh­run­gen im Schrift­satz vom 05.06.2012 Bezug ge­nom­men (p.).

Die Klä­ge­rin be­an­tragt,

1.

die Be­klag­ten als Ge­samt­schuld­ner zu ver­ur­tei­len, an die Klä­ge­rin 20.500,00 € zzgl. Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem je­weils gül­ti­gen Ba­sis­zins­satz seit Rechts­hän­gig­keit zu zah­len; Zugum-Zug gegen Ab­tre­tung der Rech­te und An­sprü­che, die der Klä­ge­rin aus der Be­tei­li­gung an der B11, no­mi­nal 20.000,00 €, zu­ste­hen;

2.

fest­zu­stel­len, dass sich die Be­klag­ten mit der An­nah­me der Ab­tre­tungs­er­klä­rung gemäß der Zif­fer 1. in An­nah­me­ver­zug be­fin­den.

Die Be­klag­ten und die Streit­hel­fe­rin be­an­tra­gen,

die Klage ab­zu­wei­sen.

Der Be­klag­te zu 3. rügt die ört­li­che Zu­stän­dig­keit des Land­ge­richts Dort­mund und er­hebt wegen der gegen ihn be­wil­lig­ten öf­fent­li­chen Zu­stel­lung der Kla­ge­schrift vor­sorg­lich die Ver­fah­rens­rü­ge.

Die ein­zel­nen Be­klag­ten haben sich ihren Vor­trag wech­sel­sei­tig zu Eigen ge­macht.

Sie sind der An­sicht, et­wai­ge An­sprü­che unter dem Ge­sichts­punkt der Pros­pekt­haf­tung wür­den schon des­halb schei­tern, da sie für den Pros­pekt nicht ver­ant­wort­lich seien.

Der Be­klag­te zu 2. weist da­rauf hin, er habe die Voll­stän­dig­keits­er­klä­rung am Ende des Pros­pek­tes in sei­ner Eigen­schaft als Ge­schäfts­füh­rer der B4 ab­ge­ge­ben. Nur diese sei daher die Pros­pekt­ver­ant­wort­li­che.

Er sei auch nicht al­lein wegen sei­ner Stel­lung als Al­lein­ge­sell­schaf­ter als Pros­pekt­ver­an­las­ser an­zu­se­hen. Er habe Fach­leu­te mit der Er­stel­lung des Pros­pek­tes be­auf­tragt, sich auf diese ver­las­sen und selbst kei­nen Ein­fluss auf den In­halt ge­nom­men.

Der Be­klag­te zu 3. ist der Auf­fas­sung, ihn tref­fe keine Pros­pekt­ver­ant­wort­lich­keit als Hin­ter­mann.

Bloße Ge­schäfts­ver­bin­dun­gen oder ab­s­trak­te Kri­te­rien reich­ten für die An­nah­me einer Hin­ter­mann­eigen­schaft nicht aus. Es komme auf die tat­säch­li­che, im Ein­zel­fall kon­kret nach­zu­wei­sen­de Ein­fluss­nah­me auf das ope­ra­ti­ve Ma­nage­ment der Fonds­ge­sell­schaft an oder aber auf die Pros­pekt­ge­stal­tung selbst. Allein die Organ­stel­lung oder Ge­sell­schafts­be­tei­li­gung rei­che dafür nicht aus, eben­so wenig ein mög­li­ches wirt­schaft­li­ches In­te­res­se.

Pros­pekt­feh­ler weise der Pros­pekt zu dem streit­gegen­ständ­li­chen B11 - Fonds VI. zudem nicht auf.

So­weit aber tat­säch­lich ein Feh­ler vor­han­den sein soll­te, so könne ihnen ein sol­cher jeden­falls nicht vor­ge­wor­fen wer­den. Der Pros­pekt sei - un­strei­tig - von der S ge­prüft wor­den. Die Be­klag­ten mei­nen, wenn dort keine Feh­ler ent­deckt wor­den seien, habe ihnen eben­falls kein Feh­ler im Pros­pekt auf­fal­len müs­sen.

Ins­be­son­de­re sei der Vor­wurf nicht zu­tref­fend, es sei in dem Pros­pekt nicht aus­rei­chend auf die Ri­si­ken der An­la­ge hin­ge­wie­sen wor­den. Sie ver­wei­sen da­rauf, dass in dem Ver­kaufs­pros­pekt - un­strei­tig - mehr­fach ein deut­li­cher Hin­weis auf das To­tal­ver­lust­ri­si­ko ent­hal­ten sei.

Sie be­haup­ten, die kla­gen­de Par­tei habe ge­wusst, dass sie sich an einem Pro­jekt be­tei­li­ge, ohne eine Si­cher­heit für ihre Ein­la­ge zu er­hal­ten. Et­wai­ge Pros­pekt­feh­ler seien daher auch nicht an­la­ge­ent­schei­dungs­er­heb­lich ge­we­sen.

Zu den von Klä­ger­sei­te an­ge­führ­ten Pros­pekt­feh­lern mei­nen die Be­klag­ten, der Pros­pekt weise mit dem Hin­weis auf bei den Vor­gän­ger­fonds rea­li­sier­te Ge­win­nen le­dig­lich auf den kal­ku­la­to­ri­schen Ge­winn hin, der der Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft aus den Ver­käu­fen zu­flie­ßen soll­te. Aus dem Zu­sam­men­hang mit den üb­ri­gen Pros­pekt­an­ga­ben er­ge­be sich, dass für den end­gül­ti­gen Zu­fluss die­ser Ge­win­ne noch wei­te­re Vo­raus­set­zun­gen - näm­lich Fer­tig­stel­lung und Über­ga­be der Ge­bäu­de­ein­hei­ten - er­for­der­lich waren (a).

Die Be­klag­ten mei­nen wei­ter, im Ver­kaufs­pros­pekt werde deut­lich da­rauf hin­ge­wie­sen, dass die B3 mit der Re­cher­che, Eva­lu­ie­rung, Ver­mitt­lung und Ab­wick­lung der Im­mo­bi­lien­ge­schäf­te durch die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin be­auf­tragt werde. Eben­so sei dar­ge­stellt, dass die B2 ihre Ge­win­ne rea­li­sie­re, indem sie ent­we­der selbst als Er­wer­be­rin/Ver­käu­fe­rin von Im­mo­bi­lien­ein­hei­ten auf­tre­te oder indem sie sich am Ge­winn ver­gleich­ba­rer Ge­schäf­te Drit­ter be­tei­li­ge (b).

Ein Ri­si­ko un­wirk­sa­mer oder an­greif­ba­rer Ver­trä­ge habe nicht be­stan­den.

Ins­be­son­der sei die Ge­sell­schaft der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin sei am 06.11.2007 ge­grün­det wor­den. Um sie grün­den und auf die­ser Basis den Fonds ini­ti­ie­ren zu kön­nen, seien die Vor­ver­trä­ge zur Schaf­fung der Ge­nuss­rech­te er­for­der­lich ge­we­sen. Diese seien wirk­sam ge­wor­den, indem sie von der spä­ter ge­grün­de­ten Ge­sell­schaft ge­neh­migt, be­stä­tigt und prak­ti­ziert wor­den seien (d. und e.).

Die Be­klag­ten mei­nen, der Ver­kaufs­pros­pekt in­for­mie­re auch im Hin­blick auf die Ge­nuss­rechts­be­din­gun­gen hin­rei­chend über die we­sent­li­chen Um­stän­de der Ge­sell­schafts­be­tei­li­gung. Der Pros­pekt weise auch aus­drück­lich und in an­ge­mes­se­nem Um­fang auf das Ver­kaufs­ri­si­ko für die Ge­nuss­rech­te hin. Wegen der da­mals stark an­stei­gen­den Im­mo­bi­lien­prei­se in Dubai sei das Im­mo­bi­lien-Flip­ping eine ge­winn­träch­ti­ge Ein­nah­me­quel­le ge­we­sen, so dass davon aus­zu­ge­hen ge­we­sen sei, dass auch die Ge­nuss­rech­te re­la­tiv kurz­fris­tig wie­der ver­kauft wer­den konn­ten und von den Käu­fern eben­falls kurz­fris­tig wei­ter­ver­kauft wer­den wür­den. Der boo­men­de Markt sei erst durch die Wirt­schafts- und Ban­ken­kri­se ein­ge­bro­chen.

Die Schluss­fol­ge­run­gen der kla­gen­den Par­tei zu einer nicht mög­li­chen Wert­stei­ge­rung der Ge­nuss­rech­te seien feh­ler­haft. Der Ver­äu­ße­rungs- und Über­tra­gungs­ver­trag, der am 18.12.2008 ge­schlos­sen wor­den sei, sei da­hin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass neben dem Nenn­be­trag der Ge­nuss­rech­te auch die ent­spre­chen­den Ge­win­ne von der Käu­fe­rin zu zah­len waren. Das er­ge­be sich aus der dem Ver­trag als An­la­ge bei­ge­füg­ten Bei­spiels­rech­nung. Der Ver­trag be­grün­de eine Call-Op­tion, so dass der bei Abruf vor­han­de­ne Wert der Ge­nuss­rech­te maß­geb­lich sei. Im Üb­ri­gen seien gar keine Ge­nuss­rech­te ab­ge­ru­fen wor­den (g.).

Die Be­klag­ten be­haup­ten, sämt­li­che An­le­ger­gel­der seien pros­pekt­ge­mäß ver­wen­det wor­den.

So­weit das Tes­tat der Wirt­schafts­prü­fer­ge­sell­schaft N über die ge­tä­tig­ten In­ves­ti­tio­nen mit Stand 31.12.2008 be­trags­mä­ßig von der Be­stä­ti­gung der B2 ab­wei­che, er­ge­be sich das aus der Be­rück­sich­ti­gung unter­schied­li­cher Wäh­rungs­kur­se. Für die Über­wei­sung der An­le­ger­gel­der von Deutsch­land nach Dubai sei als Ziel­kon­to ein Ge­schäfts­kon­to des Be­klag­ten zu 3. an­ge­ge­ben wor­den, das als Ver­tei­ler­kon­to (sog. Clea­ring-Konto) fun­giert habe. Von die­sem Konto aus seien in Dubai für alle Fonds die Aus­ga­ben in Zu­ord­nung zu den ein­zel­nen Fonds vor­ge­nom­men wur­den. Nur so habe durch den vor Ort an­we­sen­den Be­klag­ten zu 3. der Über­wei­sungs­ver­lauf ohne Zeit­ver­lust kont­rol­liert wer­den kön­nen. Die von der Be­klag­ten zu 1. vor­zu­neh­men­de Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le habe sich auf die Frei­ga­be der ein­ge­zahl­ten Gel­der zu der im In­ves­ti­tions­plan ent­spre­chen­den Ver­wen­dung be­schränkt und sei auch ent­spre­chend er­folgt. Sie habe gemäß § 2 Nr. 6 des Treu­hand­ver­tra­ges nach Voll­plat­zie­rung des Fonds ge­en­det, weil dann die Ver­fü­gungs­macht über das Treu­hand­kon­to auf die Fonds­ge­sell­schaft über­ge­gan­gen sei. Den An­le­gern sei deut­lich vor Augen ge­führt wor­den, dass die Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le auf den Ver­bleib der Gel­der in Deutsch­land be­schränkt war. Zu einer Ver­mi­schung von Fonds­gel­dern habe es nicht kom­men kön­nen, weil vor Auf­la­ge eines neuen Fonds die Gel­der des je­weils vo­ran­ge­gan­ge­nen Fonds be­reits voll­stän­dig pros­pekt­ge­mäß ver­wen­det und wei­ter­ge­lei­tet ge­we­sen seien. So­weit der Be­klag­te zu 3. von dem Konto in Dubai pri­va­te An­schaf­fun­gen ge­tä­tigt habe, sei davon kein Gut­ha­ben aus An­le­ger­gel­dern be­trof­fen ge­we­sen.

Eine Ver­un­treu­ung von An­le­ger­gel­dern habe nicht statt­ge­fun­den. Ins­be­son­de­re seien diese weder an die F2 ge­flos­sen noch für die Aus­schüt­tun­gen frü­he­rer Fonds ver­wen­det wor­den.  Es sei eine pros­pekt­mä­ßi­ge Ver­wen­dung aller Gel­der er­folgt. Etwas an­de­res habe auch die Staats­an­walt­schaft Bie­le­feld in den durch­ge­führ­ten Er­mitt­lungs­ver­fah­ren nicht fest­stel­len kön­nen (i., o. und p.).

Wegen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des je­wei­li­gen Par­tei­vor­brin­gens wird Bezug ge­nom­men auf die von den Par­tei­en zur Akte ge­reich­ten Schrift­sät­ze nebst An­la­gen sowie auf die Er­klä­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung.

Die Ver­fah­ren 25 O 75/11, 25 O 76/11 und 75 O 77/11 wur­den pa­ral­lel ver­han­delt, so dass sämt­li­che zu den Ver­fah­ren ein­ge­reich­ten Schrift­sät­ze in allen Ver­fah­ren Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung waren.

Ent­schei­dungs­grün­de:

Die zu­läs­si­ge Klage hat in der Sache kei­nen Er­folg.

A. Zu­läs­sig­keit

I.

Das Land­ge­richt Dort­mund ist für die Ent­schei­dung des vor­lie­gen­den Rechts­streits so­wohl sach­lich als auch ört­lich zu­stän­dig.

Für die Be­klag­ten zu 2.) und 3.) folgt die ört­li­che und sach­li­che Zu­stän­dig­keit aus § 32b Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 ZPO in Ver­bin­dung mit § 1 der Ver­ord­nung über die Kon­zent­ra­tion der Ver­fah­ren nach dem Ge­setz zur Ein­füh­rung von Ka­pi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­ren, für die Be­klag­te zu 1.) in­fol­ge rü­ge­lo­ser Ein­las­sung.

Gemäß § 32b Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 ZPO in Ver­bin­dung mit § 1 der Ver­ord­nung über die Kon­zent­ra­tion der Ver­fah­ren nach dem Ge­setz zur Ein­füh­rung von Ka­pi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­ren ist im Ober­lan­des­ge­richts­be­zirk Hamm das Land­ge­richt Dort­mund aus­schließ­lich zu­stän­dig für Kla­gen, mit denen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen fal­scher, ir­re­füh­ren­der oder unter­las­se­ner Ka­pi­tal­markt­in­for­ma­tio­nen gel­tend ge­macht wer­den, so­fern die Pros­pekt­he­raus­ge­berin ihren Ge­richts­stand im Be­zirk des Ober­lan­des­ge­richts Hamm hat. Dabei fal­len unter diese Zu­stän­dig­keits­re­ge­lung nicht nur An­sprü­che aus spe­zial­ge­setz­lich ge­re­gel­ter Pros­pekt­haf­tung, son­dern auch sol­che aus all­ge­mei­ner ver­trag­li­cher oder de­lik­ti­scher Haf­tung, so­fern die Haf­tung des Be­klag­ten auf fal­sche An­ga­ben in einem Pros­pekt zu­rück­ge­führt wird (Zöl­ler/Voll­kom­mer, ZPO, 29. Auf­la­ge 2012, § 32b Rn. 5).

Für die Frage nach dem zu­stän­di­gen Ge­richt reicht es dabei aus, dass die Klä­ger­sei­te zu­nächst ein­mal be­haup­tet, dass die Be­klag­ten zu 2. und 3. als Pros­pekt­ver­ant­wort­li­che in Be­tracht kom­men. Ob sie tat­säch­lich pros­pekt­ver­ant­wort­lich sind, ist dann gleich­zei­tig eine Frage der Be­grün­det­heit und daher als dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­che erst dort ab­schlie­ßend zu ent­schei­den, so­fern es auf diese Vo­raus­set­zung an­kommt.

Die Klä­ger­par­tei macht hier gegen die Be­klag­ten zu 2. und 3. An­sprü­che wegen Pros­pekt­haf­tung aus § 13 Verk­ProspG in Ver­bin­dung mit §§ 44 ff. BörsG sowie wegen de­lik­ti­scher Pros­pekt­haf­tung gemäß § 823 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit § 264a StGB und § 826 BGB gel­tend und damit An­sprü­che, die grund­sätz­lich unter die Vor­schrift des § 32b ZPO fal­len.

Zwar haben weder der Be­klag­te zu 2. noch der Be­klag­te zu 3. für sich per­sön­lich die Er­klä­rung des Pros­pekt­he­raus­ge­bers auf S. 113 des Ver­kaufs­pros­pek­tes unter­zeich­net. Die Ver­ant­wor­tung für den In­halt des Pros­pek­tes hat viel­mehr die B4 über­nom­men, indem der Be­klag­te zu 2. in sei­ner Eigen­schaft als Ge­schäfts­füh­rer die Er­klä­rung unter­zeich­net hat. Neben der aus­drück­lich ge­nann­ten Pros­pekt­he­raus­ge­berin kommt je­doch grund­sätz­lich auch eine Ver­ant­wort­lich­keit wei­te­rer Per­so­nen für den In­halt des Pros­pek­tes in Be­tracht, wenn diese als „Hin­ter­män­ner“ Ein­fluss auf den In­halt des Pros­pek­tes ge­nom­men. Eben dies wirft die Klä­ger­sei­te den Be­klag­ten zu 2. und 3. hier vor.

Dabei folgt aus § 32b Abs. 1 ZPO auch die inter­na­tio­na­le Zu­stän­dig­keit des Land­ge­richts Dort­mund im Hin­blick auf den Be­klag­ten zu 3.

Ab­zu­stel­len ist nach die­ser Vor­schrift auf den Sitz des be­trof­fe­nen Emit­ten­ten, also der Fonds­ge­sell­schaft in Deutsch­land. Die ört­li­che Zu­stän­dig­keit nach § 32b Abs. 1 ZPO in­di­ziert die inter­na­tio­na­le Zu­stän­dig­keit deut­scher Ge­rich­te (vgl. BGH, Urteil v. 21.11.1996, IX ZR 148/95, juris Rn. 6).

II.

So­weit der Be­klag­te zu 3. rügt, die öf­fent­li­che Zu­stel­lung der Klage an ihn habe nicht be­wil­ligt wer­den dür­fen, kommt es auf die Recht­mä­ßig­keit der Be­wil­li­gung nicht an.

Die Zu­stel­lung an den Be­klag­ten zu 3.) ist hier letzt­lich nicht auf­grund der an­ge­grif­fe­nen Be­wil­li­gung in öf­fent­li­cher Form er­folgt, son­dern sie ist zu Hän­den sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, nach­dem sich zur Akte ge­mel­det hatte, gemäß § 172 ZPO gegen Emp­fangs­be­kennt­nis er­folgt.

Zudem wer­den et­wai­ge Zu­stel­lungs­män­gel gemäß § 189 ZPO ge­heilt.

Selbst wenn man daher zu Guns­ten des Be­klag­ten zu 3.) die Be­wil­li­gung der öf­fent­li­chen Zu­stel­lung als feh­ler­haft an­sehen würde und damit die Grund­la­ge für eine öf­fent­li­che Zu­stel­lung feh­len würde, so wäre die­ser Man­gel durch den tat­säch­li­chen Zu­gang des Schrift­stücks an den Ad­res­sa­ten, wel­cher mit Zu­gang an sei­nen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten er­folgt ist, ge­heilt wor­den.

B. Be­grün­det­heit

Der Klä­ger­par­tei ste­hen die gel­tend ge­mach­ten An­sprü­che gegen die Be­klag­ten unter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt zu.

I. An­sprü­che gegen den Be­klag­ten zu 2.)

1.

Der Klä­ger­par­tei steht gegen den Be­klag­ten zu 2.) kein An­spruch aus Pros­pekt­haf­tung gemäß § 13 Verk­ProspG in Ver­bin­dung mit §§ 44 ff. BörsG zu.

Dabei kann da­hin­ste­hen, ob der Be­klag­te zu 2. tat­säch­lich Pros­pekt­ver­ant­wort­li­cher im Sinne die­ser Vor­schrift ist. Denn jeden­falls sind keine we­sent­li­chen An­ga­ben in dem Ver­kaufs­pros­pekt un­rich­tig oder un­voll­stän­dig. Die Klä­ger­sei­te hat nicht dar­le­gen und be­wei­sen kön­nen, dass die von ihr im Ein­zel­nen be­haup­te­ten Pros­pekt­feh­ler tat­säch­lich vor­lie­gen bzw. dass et­wai­ge Feh­ler das Merk­mal der We­sent­lich­keit des § 13 Abs. 1 Verk­ProspG er­fül­len.

Als we­sent­lich sind dabei sämt­li­che An­ga­ben an­zu­se­hen, die für einen durch­schnitt­li­chen und ver­stän­di­gen An­le­ger bei der An­la­ge­ent­schei­dung von Be­deu­tung sind und zu den wert­bil­den­den Fak­to­ren der Be­tei­li­gung ge­hö­ren (Groß, in: Eben­roth/Bou­jong/Joost/Strohn, Han­dels­ge­setz­buch, 2. Auf­la­ge 2009, § 45 BörsG 2007, Rn. IX431; Pa­landt/Grü­ne­berg, BGB, 71. Auf­la­ge 2012, § 311 Rn. 70).

a.)

An­ders als die kla­gen­de Par­tei meint, sind die Hin­wei­se im Ver­kaufs­pros­pekt da­rauf, es seien bei den bis­he­ri­gen fünf Vor­gän­ger-Fonds­ge­sell­schaf­ten „alle Aus­schüt­tun­gen wie pros­pek­tiert ge­leis­tet wor­den“ (S. 5 des Pros­pekts) da­hin­ge­hend zu ver­ste­hen, dass die ge­nann­ten Be­trä­ge nicht be­reits als Rein­ge­winn auf der Ebene der Fonds­ge­sell­schaft an­ge­fal­len waren, son­dern dass damit die Er­lö­se aus den Vor­ab­ver­käu­fen der Im­mo­bi­lien­ein­hei­ten ge­meint waren. Dies gilt ins­be­son­de­re auch für die Dar­stel­lung der Ver­käu­fe in Bezug auf Fonds IV. und Fonds V.

In dem Pros­pekt wird aus­drück­lich da­rauf hin­ge­wie­sen, dass diese Fonds­ge­sell­schaf­ten noch wei­ter­hin exis­tent, d.h. noch nicht ab­ge­rech­net sind; le­dig­lich be­züg­lich des Fonds I. wird an­ge­kün­digt, dass diese zum Ende 2007 auf­ge­löst wer­den kann. Die ent­spre­chen­den Im­mo­bi­lien­pro­jek­te waren noch in der Aus­füh­rung.

Die Vor­gän­ger­fonds I.-V. haben an­ders als der streit­gegen­ständ­li­che Fonds nicht in Ge­nuss­rech­te in­ves­tiert, son­dern die be­ab­sich­tig­ten Ge­win­ne da­raus er­zielt, dass Im­mo­bi­lien ge­plant und er­stellt und ver­äu­ßert wer­den soll­ten, wobei die ein­zel­nen Kauf­preis­ra­ten ab­hän­gig vom Bau­fort­schritt zu leis­ten waren. Ent­spre­chend kann die Dar­stel­lung, die Pro­jek­te seien ver­äu­ßert wor­den und zwar zu guten Prei­sen, nicht gleich­ge­setzt wer­den mit der Be­haup­tung, es seien ent­spre­chen­de Ge­win­ne er­zielt wor­den. Der Ab­schluss der ein­zel­nen Kauf­ver­trä­ge und die Fäl­lig­keit der zu zah­len­den Kauf­prei­se fie­len nicht zu­sam­men.

Be­zo­gen auf den Fonds VI. wird im Pros­pekt zudem deut­lich dar­ge­stellt, dass Gegen­stand des Pro­jek­tes der - hoch­spe­ku­la­ti­ve - Han­del mit noch gar nicht er­stell­ten Im­mo­bi­lien­ein­hei­ten ist. So heißt es zum Bei­spiel auf S. 9 des Pros­pek­tes bei der Be­schrei­bung des Be­tei­li­gungs­an­ge­bots im Über­blick, dass davon aus­zu­ge­hen ist, dass die dort ge­nann­ten M Twin To­wers noch vor Bau­be­ginn ab­ver­kauft sein dürf­ten. Damit ist hin­rei­chend deut­lich, dass der Bau noch nicht be­gon­nen hat.

Zu­gleich wird aus den wei­te­ren Aus­füh­run­gen deut­lich, dass die Ent­schei­dun­gen, in wel­che Ob­jek­te die Fonds­ge­sell­schaft noch in­ves­tie­ren würde, noch nicht ge­fal­len waren. Damit wird auch schon an die­ser Stel­le auf den Blind-Pool-Cha­rak­ter des An­la­ge­ob­jek­tes und damit auf ein wei­te­res er­heb­li­ches Ri­si­ko hin­ge­wie­sen.

Damit war für einen durch­schnitt­lich ver­stän­di­gen An­le­ger ohne wei­te­res er­kenn­bar, dass mit der Ge­winn­rea­li­sie­rung bei den Vor­gän­ger­fonds wohl kaum die auf der Ebene der Fonds­ge­sell­schaft an­ge­fal­le­nen Ge­win­ne ge­meint sein konn­ten, son­dern dass es sich um die Summe der Er­lö­se aus den Vor­ab­ver­käu­fen der noch gar nicht her­ge­stell­ten Im­mo­bi­lien­ein­hei­ten han­del­te.

b.)

Der Ver­kaufs­pros­pekt klärt auch hin­rei­chend über den Um­stand auf, dass der Er­werb und Wei­ter­ver­kauf der Im­mo­bi­lien vor Ort in Dubai nicht un­mit­tel­bar durch die B2, son­dern durch die B3 er­fol­gen soll­te.

Zwar heißt es auf S. 9 des Pros­pek­tes: „Bei den ers­ten In­ves­ti­tions­ob­jek­ten der B2 …“ Be­reits auf S. 11 des Pros­pek­tes heißt es dann aber: „Die Aus­wahl der In­ves­ti­tions­ob­jek­te sowie den An- und Ver­kauf wird die B3, Dubai vor­neh­men.“ Ent­spre­chend wird auf der be­reits ge­nann­ten S. 11 die bis­he­ri­ge Tä­tig­keit der B3 be­schrie­ben.

Eben­so wird auf S. 34 des Pros­pek­tes zu­nächst dar­ge­stellt: „Die Fonds­ge­sell­schaft be­tei­ligt sich über Ge­nuss­rech­te in­di­rekt an der B2, Dubai, die dort den Er­werb und den Wei­ter­ver­kauf von Im­mo­bi­lien­pro­jek­ten, in unter­schied­li­chen Ent­wick­lungs­sta­dien, be­treibt. Die durch die Fonds­ge­sell­schaft er­wor­be­nen Ge­nuss­rech­te ver­mit­teln ein Par­ti­zi­pa­tions­recht an den Ge­win­nen, die die B2 durch den An- und Ver­kauf von Im­mo­bi­lien­pro­jek­ten er­zielt.“ be­reist im nächs­ten Ab­satz kommt dann je­doch die Er­gän­zung: „Sie be­dient sich dabei re­nom­mier­ter Unter­neh­men vor Ort, die sie beim Im­mo­bi­lien­han­del, der Pro­jekt­ent­wick­lung und allen damit zu­sam­men­hän­gen­den Dienst­leis­tun­gen (wie z.B. Archi­tek­tur- und Pla­nungs­leis­tun­gen, Ver­wal­tung, Mak­ler­tä­tig­keit) unter­stüt­zen.“

Auf S. 35 des Pros­pek­tes wird unter der Über­schrift „Der Ge­schäfts­be­sor­ger und Im­mo­bi­lien­mak­ler in Dubai“ aus­ge­führt: „Bei den letz­ten Fonds der B Unter­neh­mens­grup­pe war die B3, Dubai, im Rah­men der Aus­wahl und beim An- und Ver­kauf der In­ves­ti­tions­ob­jek­te, über­aus er­folg­reich tätig. ... Die B2 wird die B3 mit der Re­cher­che, Eva­lu­ie­rung, Ver­mitt­lung und Ab­wick­lung der Im­mo­bi­lien­ge­schäf­te be­auf­tra­gen.“

Schließ­lich wird auf S. 70 des Pros­pek­tes fol­gen­der­ma­ßen auf die wei­te­ren recht­li­chen Be­zie­hun­gen und die recht­li­chen Ver­hält­nis­se hin­ge­wie­sen: „Die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin kann beim Er­werb und Ver­kauf von Im­mo­bi­lien­pro­jek­ten grund­sätz­lich zwei ver­schie­de­ne Arten von Ver­trags­posi­tio­nen ein­neh­men: Pro­jekt­ent­wick­ler und Er­wer­ber/Ver­käu­fer von nicht her­ge­stell­ten Im­mo­bi­lien­ein­hei­ten. In der Posi­tion als Pro­jekt­ent­wick­ler, auch in Form eines Joint Ven­tu­re mit einem lo­ka­len Part­ner, er­wirbt die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin ein Grund­stück und ver­pflich­tet sich zur Durch­füh­rung eines be­stimm­ten Bau­vor­ha­bens. ... Es ist je­doch auch mög­lich, die Ver­trags­posi­tion als Pro­jekt­ent­wick­ler wie­der zu über­tra­gen. ... Pri­mär möch­te die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin je­doch nicht als Pro­jekt­ent­wick­ler auf­tre­ten, son­dern le­dig­lich Ein­hei­ten ge­plan­ter Im­mo­bi­lien­pro­jek­te er­wer­ben und durch Wei­ter­ver­kauf von der zwi­schen­zeit­li­chen Wert­stei­ge­rung pro­fi­tie­ren. ... Zum Pro­jekts­ge­schäft der Emit­ten­tin ge­hört auch jede Form der Ge­winn­be­tei­li­gung an ver­gleich­ba­ren Ge­schäf­ten durch Drit­te.“

So­dann heißt es auf S. 71 zum Ma­nage­ment­ver­trag: „Die B3 ist zu 95 Pro­zent an der B2 be­tei­ligt. Zwi­schen den bei­den Ge­sell­schaf­ten be­steht ein Ma­nage­ment­ver­trag als Rah­men­ver­ein­ba­rung für den Kauf und Ver­kauf von Im­mo­bi­lien­pro­jek­ten. Die B2 be­auf­tragt die B3, be­stimm­te Im­mo­bi­lien­pro­jek­te zu er­wer­ben bzw. zu ver­kau­fen. Für diese Tä­tig­keit als Stell­ver­tre­ter bzw. Kom­mis­sio­när er­hält die B3 eine markt­üb­li­che, auf den je­wei­li­gen Kauf- bzw. Ver­kaufs­preis be­zo­ge­ne Pro­vi­sion.“

Aus dem Zu­sam­men­hang der Aus­füh­run­gen im Pros­pekt, ins­be­son­de­re der Dar­stel­lung des Ma­nage­ment­ver­tra­ges auf S. 83, wird deut­lich, dass der Er­werb der ein­zel­nen Im­mo­bi­lien­ein­hei­ten nicht von der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin selbst, son­dern über die B3 ab­ge­wi­ckelt wer­den soll­te. Wie das Ver­hält­nis dabei zwi­schen den bei­den Ge­sell­schaf­ten in Dubai recht­lich aus­ge­stal­tet war, ob also die B2 der B3 für ihre Tä­tig­keit eine Pro­vi­sion zahl­te oder um­ge­kehrt die B3 der B2 eine Ge­winn­be­tei­li­gung ge­währ­te, ist aus Sicht der Kam­mer für die An­la­ge­ent­schei­dung ir­rele­vant und daher auch nicht zu pros­pek­tie­ren. Denn ent­schei­dend ist al­lein, dass die B2 den Im­mo­bi­lien­han­del durch die B3 vor­neh­men lässt. Dafür muss sie ihr na­tur­ge­mäß die In­ves­ti­tions­gel­der zur Ver­fü­gung stel­len und ist im Gegen­zug an den Ge­win­nen aus die­sem Im­mo­bi­lien­han­del be­tei­ligt. Eben­so ist selbst­ver­ständ­lich, dass die B3 für die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin nicht um­sonst tätig wird, so dass auch bei ihr ein Teil des Ge­winns - ent­we­der als sol­cher oder als Pro­vi­sions­zah­lung der B2 be­zeich­net - ver­bleibt. Diese Kon­s­t­ruk­ti­on ist im Pros­pekt dar­ge­stellt. Der Vor­wurf der Klä­ger­sei­te, die B2 stel­le der B3 ein zins­lo­ses Dar­le­hen ohne Gegen­leis­tung zur Ver­fü­gung, geht damit ins Leere.

Auf die feh­len­de Li­zenz der B2 für den Im­mo­bi­lien­han­del kommt es nicht an, weil nur die B3 den Im­mo­bi­lien­han­del be­trie­ben hat und diese un­strei­tig über die er­for­der­li­che Li­zenz ver­füg­te.

c.)

So­weit die Klä­ger­par­tei rügt, in dem Pros­pekt fehle ein Hin­weis auf eine mög­li­che plötz­li­che Ge­set­zes­än­de­rung, so er­gibt sich auch hie­raus kein Pros­pekt­feh­ler.

In dem Pros­pekt heißt es auf S. 15 in dem Ka­pi­tel „We­sent­li­che Ri­si­ken der Be­tei­li­gung“ unter der Über­schrift „Recht und Rechts­durch­set­zung in den Ver­einig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten: „Durch die In­ves­ti­tion in den Ver­einig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten wird ein aus­län­di­scher Rechts­kreis be­rührt. Das Be­tei­li­gungs­kon­zept ba­siert auf der ak­tu­el­len Rechts­la­ge, die sich je­doch wäh­rend der Lauf­zeit des Fonds­ge­sell­schaft än­dern und somit nach­tei­lig aus­wir­ken kann.“

Damit ist ein aus­rei­chen­der Hin­weis deut­lich er­teilt.

d.)

Ob die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin bei Pros­pekt­he­raus­ga­be tat­säch­lich schon recht­lich exis­tent war oder ob die be­ab­sich­tig­ten Ver­trä­ge noch nicht unter­zeich­net oder um­ge­setzt waren, kann da­hin­ste­hen, da sich hie­raus jeden­falls kein we­sent­li­cher Pros­pekt­feh­ler er­gibt.

Auf Seite 104 des Pros­pekts wird unter § 9 Ziff. 6 ein­deu­tig er­klärt: „Die Emit­ten­tin hat noch kei­nen Ver­trag über den Er­werb von Ge­nuss­rechts­be­tei­li­gun­gen an der B2 ge­schlos­sen. Der zu schlie­ßen­de Ver­trag wird auf den Sei­ten 71 und 72 be­schrie­ben.“

Damit war in dem Pros­pekt ein­deu­tig offen ge­legt, dass das Kon­zept mit den Ge­nuss­rechts­be­tei­li­gun­gen zwar kon­kret ge­plant, aber noch nicht um­ge­setzt war. Dass das ge­sam­te Kon­zept aber schei­tern muss­te und nicht hätte durch­ge­führt wer­den kön­nen, wenn keine Ge­nuss­rech­te hät­ten er­wor­ben wer­den kön­nen, ver­steht sich für den er­fah­re­nen An­le­gen, an wel­chen sich der Pros­pekt aus­drück­lich ge­rich­tet hat, von selbst.

Es liegt auch kein Pros­pekt­feh­ler darin be­grün­det, dass der Ver­kaufs­pros­pekt die Ge­nuss­rechts­be­din­gun­gen nicht im Wort­laut wie­der­gibt. Ent­schei­dend ist, dass der In­halt des ge­plan­ten Ver­tra­ges rich­tig dar­ge­stellt wird und dies ist auf den Sei­ten 70/71 der Fall. Hier heißt es dazu: „Die Ge­sell­schaft er­wirbt von der B2 in Dubai Ge­nuss­rech­te in Höhe des ein­ge­zahl­ten Kom­man­dit­ka­pi­tals, … Die Ge­nuss­rech­te ge­wäh­ren der Ge­sell­schaft eine Be­tei­li­gung an dem Ge­winn der B2. … Die Ge­sell­schaft wird hier­durch am Ge­winn der B2 be­tei­ligt, wobei die Ge­winn­be­tei­li­gung der Ge­sell­schaft der Höhe nach be­grenzt ist. Der ma­xi­ma­le Ge­winn­an­teil be­trägt jähr­lich 20 Pro­zent no­mi­nal be­rech­net auf das von der Ge­sell­schaft be­grün­de­te Ge­nuss­rechts­ka­pi­tal und die vo­ran­ge­gan­ge­nen Ge­winn­be­tei­li­gun­gen. … Die Ge­nuss­rech­te unter­lie­gen deut­schem Recht. … Das Ge­nuss­recht hat eine Lauf­zeit bis zum 31.12.2018. Erst mit Ende der Lauf­zeit wird die Ge­winn­be­rech­ti­gung der Ge­sell­schaft fäl­lig. Um zuvor an den Ge­win­nen der B2 zu par­ti­zi­pie­ren, soll die Ge­sell­schaft von Zeit zu Zeit Ge­nuss­rech­te ver­kau­fen. …“

Im Üb­ri­gen muss­ten die Ge­nuss­rechts­ver­ein­ba­run­gen, auch wenn sie tat­säch­lich schon be­kannt bzw. ge­plant waren, im Pros­pekt nicht voll­stän­dig ab­ge­druckt wer­den. Denn be­reits durch die dar­ge­stell­te Zu­sam­men­fas­sung war den An­le­gern eine zu­tref­fen­de Be­urtei­lung der an­la­ge­er­heb­li­chen Um­stän­de im Sinne von § 8g Abs. 1 Verk­ProspG mög­lich.

e.)

Auch auf recht­li­che Ri­si­ken und damit auf die Ge­fahr, dass Ver­trä­ge recht­lich an­greif­bar sein könn­ten oder sogar un­wirk­sam, wird aus­rei­chend in dem Ka­pi­tel „We­sent­li­che Ri­si­ken der Be­tei­li­gung“ auf S. 15 unter der Über­schrift „Recht und Rechts­durch­set­zung in den Ver­einig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten, dort 2. und 3. Ab­satz, hin­ge­wie­sen. Dort heißt es: „Der Ver­trag über das Ge­nuss­recht unter­liegt zwar deut­schem Recht. Soll­te es je­doch zu einem Streit über Rech­te aus dem Ge­nuss­rechts­ver­trag kom­men, kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass ver­trag­li­che An­sprü­che durch eine ab­wei­chen­de recht­li­che Be­urtei­lung des Ge­nuss­rechts in den ver­einig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten nicht durch­setz­bar sind. Die Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin kann even­tu­el­le An­sprü­che gegen Ver­trags­part­ner nur mit der Unter­stüt­zung vor Ort an­säs­si­ger Rechts­an­wäl­te durch­set­zen, was mit er­heb­li­chen Kos­ten ver­bun­den sein kann. Zi­vil­recht­li­che Ver­trä­ge mit in den Ver­einig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten an­säs­si­gen Unter­neh­men oder Per­so­nen unter­lie­gen grund­sätz­lich der Zu­stän­dig­keit der Ge­rich­te die­ser Ju­ris­dik­tion. Er­heb­li­che Zeit­ver­zö­ge­run­gen bis zur Er­lan­gung von rechts­kräf­ti­gen Urtei­len kön­nen nicht aus­ge­schlos­sen wer­den.“

Durch diese Dar­stel­lung ist hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass das Be­stehen bzw. die Durch­setz­bar­keit der An­sprü­che davon ab­hän­gen kann, wie diese von der Jus­tiz in den Ver­einig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten be­urteilt wer­den und dass in­so­weit keine Rechts­si­cher­heit ge­ge­ben ist.

Da­rüber hi­naus be­stand ent­gegen der Auf­fas­sung der Be­klag­ten kein hin­weis­pflich­ti­ges Ri­si­ko un­wirk­sa­mer oder recht­lich an­greif­ba­rer Ver­trä­ge.

f.)

Der Ver­kaufs­pros­pekt weist mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit auf die in­ner­halb des Fonds­pro­jek­tes be­stehen­den ge­sell­schafts­recht­li­chen und per­so­nel­len Ver­flech­tun­gen hin. So wer­den auf S. 61/62 des Pros­pek­tes die ein­zel­nen Ge­sell­schaf­ten nebst ihren Ge­sell­schaf­tern und Ge­schäfts­füh­rern vor­ge­stellt. Auch wird dort aus­drück­lich da­rauf hin­ge­wie­sen, dass der Be­klag­te zu 3. der Sohn des Be­klag­ten zu 2. ist. Damit ist keine Posi­tion der an dem Fonds­pro­jekt un­mit­tel­bar be­tei­lig­ten na­tür­li­chen und ju­ris­ti­schen Per­so­nen offen ge­blie­ben.

Auch wird auf S. 13 des Pros­pek­tes auf das mit dem Be­klag­ten zu 3. ver­bun­de­ne Schlüs­sel­per­so­nen­ri­si­ko hin­ge­wie­sen. Dort heißt es: „Ent­schei­dend für die Ak­qui­si­tion von at­trak­ti­ven Im­mo­bi­lien­pro­jek­ten sind aus­ge­zeich­ne­te Kennt­nis­se und Kon­tak­te im lo­ka­len Im­mo­bi­lien­markt. Einen we­sent­li­chen Bei­trag zum Er­folg der Vor­gän­ger-Fonds­ge­sell­schaf­ten der B-Unter­neh­mens­grup­pe hat dabei Herr M2 ge­leis­tet. Die Prog­no­sen ba­sie­ren auf der Markt­kennt­nis und dem Markt­zu­gang von Herrn M2, der als Ge­schäfts­füh­rer der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin fun­gie­ren wird. Ein Aus­fall sei­nes Knowhows und sei­ner Kon­tak­te kann sich des­halb er­heb­lich ne­ga­tiv auf die Er­folgs­si­tu­a­tion der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin aus­wir­ken.“

Im An­schluss daran er­folgt unter der Über­schrift „Markt­ri­si­ko“ ein Hin­weis auf das mög­li­che To­tal­ver­lust­ri­si­ko. Damit ist das Ri­si­ko, das in der Kon­zent­ra­tion auf der Per­son des Be­klag­ten zu 3. lie­gen mag, mit hin­rei­chen­der Deut­lich­keit be­schrie­ben.

g.)

Auch der Vor­wurf, das Kon­zept sei in sich nicht plau­si­bel, und zwar schon weil es kei­nen Markt für Ge­nuss­rech­te gebe und die Ab­spra­chen mit der B3 nicht plau­si­bel seien und kei­nen Raum für Ge­win­ne der Fonds­ge­sell­schaft las­sen wür­den, und daher seien auch die Er­lös­prog­no­sen feh­ler­haft, greift nicht.

Zwei­fel an der Markt­fä­hig­keit der Ge­nuss­rech­te, die die Fonds­ge­sell­schaft zur Er­zie­lung von Ge­win­nen von Zeit zu Zeit ver­kau­fen muss­te, hat die kla­gen­de Par­tei nicht hin­rei­chend dar­ge­legt. Auch wenn es sich hier um un­ver­brief­te Ge­nuss­rech­te han­del­te, die auf dem nichtor­ga­ni­sier­ten Ka­pi­tal­markt ge­han­delt wer­den, war zum Zeit­punkt der Pros­pekt­he­raus­ga­be davon aus­zu­ge­hen, dass ge­nü­gend Kauf­in­te­res­sen­ten zur Ver­fü­gung stan­den. Auch in an­de­ren Be­rei­chen - etwa dem Be­reich der Wind­kraft - wird über die Aus­ga­be von Ge­nuss­rech­ten zu­sätz­li­ches Eigen­ka­pi­tal ge­ne­riert und mit Ge­nuss­rech­ten ge­han­delt. Warum ge­ra­de auf dem da­mals boo­men­den Im­mo­bi­lien­markt in Dubai eine Han­del­bar­keit der Ge­nuss­rech­te von vorn­he­rein zwei­fel­haft ge­we­sen sein soll, ent­behrt einer plau­sib­len Be­grün­dung. Allein der Hin­weis auf ein mög­li­cher­wei­se kur­zes Zeit­fens­ter für den Ver­kauf der Ge­nuss­rech­te und die zeit­lich nach­ge­la­ger­te Ge­winn­be­rech­ti­gung reicht nicht aus, um subs­tan­tiiert ein hin­weis­pflich­ti­ges Ri­si­ko zu be­grün­den.

Im Üb­ri­gen ent­hält der Ver­kaufs­pros­pekt auch einen hin­rei­chend deut­li­chen Hin­weis auf das Ver­kaufs­ri­si­ko. Denn auf S. 14 des Pros­pek­tes heißt es dazu: „Die Ge­winn­be­rech­ti­gung durch das Ge­nuss­recht wird erst zum 31.12.2018 fäl­lig. Wäh­rend der Fonds­lauf­zeit kön­nen des­halb Ge­win­ne in der Fonds­ge­sell­schaft nur durch die Ver­äu­ße­rung von Ge­nuss­rech­ten rea­li­siert wer­den. Un­ab­hän­gig vom Ge­schäfts­er­folg der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin be­steht da­durch stets das Ri­si­ko, kei­nen Er­wer­ber für die Ge­nuss­rech­te zum prog­nos­ti­zier­ten Preis zu fin­den.“

Eben­so wenig trägt der Vor­wurf der kla­gen­den Par­tei, der Ge­winn der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin sei so­fort zu 95 % an die B3 als Ge­sell­schaf­te­rin zu­rück­ge­flos­sen, so dass für die Fonds­ge­sell­schaft quasi nichts übrig ge­blie­ben sei.

In dem eng­lisch­spra­chi­gen Ge­nuss­rechts­ver­trag (Anl. B 4 zum Schrift­satz vom 28.09.2011) heißt es unter Zif­fer 2.1. sinn­ge­mäß: Die Ge­nuss­rechts­gläu­bi­ge­rin wird am Ge­winn der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin be­tei­ligt. Der Ge­winn der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin steht vor­ran­gig vor den Ge­sell­schaf­tern der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin der Ge­nuss­rechts­gläu­bi­ge­rin zu.

Der - nach den Ge­nuss­rechts­be­din­gun­gen un­strei­tig auf 20 % be­schränk­te - Ge­winn der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin stand also vor­ran­gig der Fonds­ge­sell­schaft zu. Erst der da­nach ver­blei­ben­de Ge­winn konn­te an die B3 als Ge­sell­schaf­te­rin aus­ge­schüt­tet wer­den.

Schließ­lich ist der Ver­kaufs­pros­pekt auch nicht des­halb falsch, weil ent­gegen der dem Fonds zu­grun­de lie­gen­den Kon­s­t­ruk­ti­on von vorn­he­rein eine Wert­stei­ge­rung der Ge­nuss­rech­te und damit ein Ge­winn der Fonds­ge­sell­schaft aus­ge­schlos­sen ge­we­sen wären. Die Klä­ger­par­tei hat zum Nach­weis ihrer Be­haup­tung einen Ver­äu­ße­rungs- und Über­tra­gungs­ver­trag vom 18.06.2008 über die Rück­ver­äu­ße­rung von Ge­nuss­rech­ten von der Fonds­ge­sell­schaft an die B3 (An­la­ge KS 16, An­la­ge zum Schrift­satz vom 30.03.2011) vor­ge­legt. Nach Zif­fer (ii) des Ver­äu­ße­rungs- und Über­tra­gungs­ver­tra­ges ver­pflich­te­te sich die B3, für die Rück­ver­äu­ße­rung der Ge­nuss­rech­te, einen Be­trag in Höhe von 34.209.502,00 € zu zah­len.

Zwi­schen den Par­tei­en ist be­reits strei­tig, ob die­ser Ver­trag unter­zeich­net wurde.

Selbst zu­guns­ten der Klä­ger­sei­te aber unter­stellt, dass die­ser Ver­trag wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men ist, so er­gä­be sich aus die­sem Ver­trag ent­gegen der kla­gen­den Par­tei nicht ein­deu­tig, dass der Nenn­wert der Ge­nuss­rech­te als Kauf­preis fi­xiert und damit eine Ge­winn­er­zie­lung aus den Wert­stei­ge­run­gen aus­ge­schlos­sen sei. Zwar scheint auf den ers­ten Blick ein Ge­winn der Fonds­ge­sell­schaft aus­ge­schlos­sen. Aus der dem Ver­äu­ße­rungs- und Über­tra­gungs­ver­trag als An­la­ge 1 bei­ge­füg­ten Bei­spiels­rech­nung, auf wel­che in Ziff. iii. des Ver­tra­ges aus­drück­lich Bezug ge­nom­men wird, er­gibt sich je­doch, dass Grund­la­ge für den Rück­ver­äu­ße­rungs­preis nicht der im Ver­trag ge­nann­te Be­trag war, son­dern der bei Abruf der an­tei­li­gen Ge­nuss­rech­te die­sen je­weils ak­tu­ell zu­kom­men­de Wert. Damit stellt der Ver­äu­ße­rungs- und Über­tra­gungs­ver­trag vom 18.08.2008 kei­nen un­be­ding­ten Kauf­ver­trag über die Ge­nuss­rech­te dar, son­dern räumt der B3 als Käu­fe­rin eine Call-Op­tion ein mit der Mög­lich­keit, von Zeit zu Zeit Ge­nuss­rech­te ab­zu­ru­fen. Von dem Kauf­preis für die ab­ge­ru­fe­nen Ge­nuss­rech­te soll­te die Fonds­ge­sell­schaft die pros­pek­tier­ten Vor­ab­aus­schüt­tun­gen an die An­le­ger si­cher­stel­len. Die in dem Ver­trag in Bezug ge­nom­me­ne Bei­spiels­rech­nung zeigt, dass beim Abruf der Ge­nuss­rech­te der da­rauf ent­fal­len­de Ge­winn­an­teil mit ver­gü­tet wer­den soll­te. An­ders macht die dor­ti­ge Auf­stel­lung kei­nen Sinn, so dass jeden­falls der von der Klä­ger­sei­te ge­zo­ge­ne Schluss, Ge­win­ne der Fonds­ge­sell­schaft seien von vorn­he­rein aus­ge­schlos­sen ge­we­sen, nicht zwin­gend ist.

h.)

Eben­falls nicht zu­tref­fend ist der Vor­wurf, die An­le­ger eines an­de­ren Fonds, näm­lich der B10 wür­den Aus­schüt­tun­gen aus dem streit­gegen­ständ­li­chen Fonds VI. er­hal­ten, ohne selbst An­le­ger zu sein, ist nicht zu­tref­fend. Eine sol­che Aus­le­gung ist kaum nach­voll­zieh­bar und kann wohl nur durch Miss­ach­tung des Kon­tex­tes ent­stan­den sein.

Auf der von den Klä­gern zi­tier­ten S. 67 des Pros­pek­tes heißt es wie folgt: „Der Ge­winn­an­teil ist mit Aus­nah­me der Ini­tia­to­ren-Kom­man­di­tis­tin be­grenzt auf 51 Pro­zent no­mi­nal be­züg­lich des tat­säch­lich ge­leis­te­ten Be­tei­li­gungs­be­tra­ges. Für nach dem 21.12.2007 er­folg­te Bei­trit­te als Treu­ge­ber bzw. als Di­rekt­kom­man­di­tist ver­min­dert sich der ma­xi­ma­le Ge­winn­an­teil von 51 Pro­zen (no­mi­nal) um einen Pro­zent­punkt auf 50 Pro­zent (no­mi­nal). Er­folgt der Bei­tritt nach dem 25.01.2008 und vor dem 16.02.2008 ver­rin­gert sich der ma­xi­ma­le Ge­winn­an­teil um zwei Pro­zent­punk­te. Der ma­xi­ma­le Ge­winn­an­teil ver­min­dert sich um einen wei­te­ren Pro­zent­punkt, wenn der Bei­tritt zwi­schen dem 16.02.2008 und dem 29.02.2008 er­folgt. Bei Bei­tritt ab dem 01.03.2008 be­trägt der ma­xi­ma­le Ge­winn­an­teil 46 Pro­zent (no­mi­nal). Für spä­te­re Bei­trit­te ver­min­dert sich der ma­xi­ma­le Ge­winn­an­teil um je­weils einen wei­te­ren Pro­zent­punkt je Monat des spä­te­ren Bei­tritts.

Maß­ge­blich für den Zeit­punkt des Bei­tritts ist dabei die Wert­stel­lung des Zah­lungs­ein­gangs auf dem Treu­hand­kon­to. Die Ge­schäfts­füh­rung kann ent­schei­den, die An­le­ger der B10 in­so­fern be­vor­zugt zu be­han­deln, als sie einen ma­xi­ma­len Ge­winn­an­teil von 51 Pro­zent (no­mi­nal) er­hal­ten kön­nen, wenn sie in­ner­halb des ers­ten Quar­tals 2008 der Ge­sell­schaft bei­tre­ten. Erst bei Bei­tritt ab dem 01.04.2008 gilt die­sel­be Er­geb­nis­ver­tei­lung wie für an­de­re An­le­ger.“ Auch auf S. 11 des Pros­pek­tes sind ent­spre­chen­de An­ga­ben zum Ge­winn­an­teil ge­macht.

Im Zu­sam­men­hang ge­lesen be­deu­ten diese Aus­füh­run­gen also nichts an­de­res, als dass die Ge­schäfts­füh­rung ent­schei­den kann, dass Wie­der­an­le­ger, also An­le­ger, die zu­erst in die B10 in­ves­tiert hat­ten und von dort nun Aus­schüt­tun­gen er­hal­ten haben, für den Fall, dass sie nun­mehr in den streit­gegen­ständ­li­chen Fonds VI. in­ves­tie­ren, bei einem Bei­tritt vor dem 01.04.2008 so ge­stellt wer­den kön­nen, als wäre der Bei­tritt schon vor dem 21.12.2007 er­folgt. Vo­raus­set­zun­gen für eine Ge­winn­be­tei­li­gung die­ser An­le­ger ist aber selbst­ver­ständ­lich, dass sie sich an dem neuen Fonds, dem hier streit­gegen­ständ­li­chen Fonds VI. be­tei­li­gen und ihre Ein­la­ge leis­ten.

i.)

Die Durch­füh­rung der Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le durch die Treu­hän­de­rin ist in § 2 Ziff. 6 des Treu­hand­ver­tra­ges be­schrie­ben (S. 94 des Pros­pekts). Hier heißt es: „Die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin hat für die Dauer der Plat­zie­rungs­pha­se die al­lei­ni­ge Ver­fü­gungs­macht über das Treu­hand­kon­to und das Treu­hand­dol­lar­kon­to. Die Treu­hand­kom­man­di­tis­tin ver­pflich­tet sich, die auf dem Treu­hand­kon­to bzw. Treu­hand­dol­lar­kon­to ein­ge­gan­ge­nen Be­trä­ge der An­le­ger auf Abruf der Fonds­ge­sell­schaft zu der im In­ves­ti­tions­plan ent­spre­chen­den Ver­wen­dung frei­zu­ge­ben. Nach Voll­plat­zie­rung/Ein­werbung des im In­ves­ti­tions­plan ge­nann­ten Eigen­ka­pi­tals geht die Ver­fü­gungs­macht über das Treu­hand- und Treu­hand­dol­lar­kon­to auf die Fonds­ge­sell­schaft über. Die Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le der Treu­hand­kom­man­di­tis­tin endet dann.“

Durch diese Re­ge­lung sind Art und Um­fang der Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le durch die Treu­hän­de­rin kon­kret und aus­rei­chend be­schrie­ben. Ins­be­son­de­re er­gibt sich aus der Re­ge­lung ein­deu­tig auch eine zeit­li­che Be­gren­zung der Kont­roll­pflicht. Ein Pros­pekt­feh­ler liegt nicht vor.

j.)

Die we­sent­li­chen Grund­la­gen sind ent­gegen der An­sicht der Klä­ger­par­tei in dem Pros­pekt dar­ge­stellt. Für die Ge­nuss­rechts­ver­ein­ba­rung wurde dies be­reits aus­ge­führt. Auch die Zu­sam­men­arbeit der B2 und der B3 wurde kon­kret be­schrie­ben. Auch hier­zu wur­den be­reits Aus­füh­run­gen ge­macht, so dass in­so­weit Bezug ge­nom­men wird.

k.)

So­weit die Klä­ger­par­tei be­haup­tet, in dem Ver­kaufs­pros­pekt sei die Höhe der Pro­vi­sions­zah­lun­gen falsch, näm­lich zu nied­rig an­ge­ge­ben, ist sie für diese Be­haup­tung be­weis­fäl­lig ge­blie­ben. Sie hat kei­nen ge­eig­ne­ten Be­weis für ihre Be­haup­tung an­ge­bo­ten, es seien über die im Pros­pekt an­ge­ge­be­nen 10 % Pro­vi­sion zu­züg­lich 5 % Agio wei­te­re An­le­ger­gel­der als Pro­vi­sion ge­flos­sen.

Der Hin­weis auf einen Ein­zel­fall be­legt weder, dass dies ge­ne­rell ge­sche­hen ist, noch dass eine sol­che Er­folgs­pro­vi­sion bei Er­stel­lung des Pros­pek­tes ge­plant war.

l.)

So­weit die An­la­ge ent­gegen der Dar­stel­lung im Pros­pekt spä­ter auch im Nach­bar­land Ös­ter­reich be­wor­ben wor­den sein soll­te, ver­mag die Kam­mer nicht zu er­ken­nen, in­wie­fern sich aus die­ser Be­haup­tung ein we­sent­li­cher Pros­pekt­feh­ler, der für die Ent­schei­dung des An­le­gers von Be­deu­tung ge­we­sen sein könn­te, er­ge­ben soll­te.

m.)

Schließ­lich kann auch die Be­haup­tung der Klä­ger­sei­te, die Be­klag­te zu 1.) habe die ihr nach dem Treu­hand­ver­trag ob­lie­gen­de und pros­pek­tier­te Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le nicht pflicht­ge­mäß durch­ge­führt und im Gegen­teil sogar An­le­ger­gel­der ver­un­treut, nicht zur An­nah­me eines Pros­pekt­feh­lers füh­ren. So­weit eine Par­tei spä­ter ent­gegen ihren Ver­pflich­tun­gen han­delt, ist oh­ne­hin be­reits frag­lich, in­wie­fern dies einen Feh­ler des Pros­pek­tes dar­stel­len soll. Aber auch, so­weit sich die Klä­ger­sei­te da­rauf be­ruft, diese An­ga­be im Pros­pekt sei falsch, da die Be­klag­te zu 1.) ent­gegen dem Pros­pekt bei kei­nem Vor­gän­ger­fonds die ihre ob­lie­gen­de Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le nicht durch­ge­führt habe, hat sie mit die­ser Rüge kei­nen Er­folg.

Die Klä­ger­sei­te ist für ihre Be­haup­tung, die An­le­ger­gel­der seien von der Be­klag­ten zu 1.) pflicht­wid­rig auf ein Pri­vat­kon­to des Be­klag­ten zu 3.) über­wei­sen und in der Folge nicht pros­pekt­ge­mäß ver­wen­det wor­den, be­weis­fäl­lig ge­blie­ben.

Die Be­klag­ten haben die­ser Be­haup­tung ent­gegen­ge­hal­ten, die Gel­der seien auf ein sog. Clea­ring-Konto in Dubai über­wie­sen wor­den, von dem aus die wei­te­re - pros­pekt­mä­ßi­ge - Ver­tei­lung der Gel­der er­folgt sei. Die­ses Konto sei ein Ge­schäfts­kon­to des Be­klag­ten zu 3.) ge­we­sen, der die kor­rek­te Ver­wen­dung der Gel­der in Dubai über­wacht habe.

Die Klä­ger­sei­te trägt für die von ihr be­haup­te­ten Pflicht­ver­let­zun­gen der Be­klag­ten die volle Dar­le­gungs- und Be­weis­last.

Sie hat hier­zu be­haup­tet, von dem be­tref­fen­den Konto habe der Be­klag­te zu 3.) auch pri­va­te An­schaf­fun­gen ge­tä­tigt, es habe sich also um ein Pri­vat­kon­to ge­han­delt. Zum Be­weis hat sie ins­be­son­de­re mit Schrift­satz vom 05.06.2012 Kon­to­aus­zü­ge der F3 Bank in Dubai vor­ge­legt, die auf den Namen des Be­klag­ten zu 3.) lau­ten. Aus dem Be­treff der Zah­lun­gen wie zum Bei­spiel - „Rolex“, „Mont­blanc“, „Damas Je­wel­le­ry“ - soll sich der Cha­rak­ter des Kon­tos als Pri­vat­kon­to er­ge­ben.

Allein aus den vor­ge­leg­ten Kon­to­aus­zü­gen lässt sich je­doch eine Pflicht­ver­let­zung im Rah­men der Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le oder gar eine zweck­wid­ri­ge Ver­wen­dung der An­le­ger­gel­der nicht fest­stel­len. Selbst wenn der Be­klag­te zu 3.) von dem be­tref­fen­den Konto aus Pri­vat­zah­lun­gen vor­ge­nom­men haben soll­te, heißt dies noch nicht, dass er die Zah­lun­gen mir Fonds­gel­dern vor­ge­nom­men hat. Eben­so gut kön­nen die Zah­lun­gen aus sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen er­folgt sein. Weder aus dem Pros­pekt noch aus einer an­de­ren Ver­ein­ba­rung im Rah­men des Fonds­pro­jek­tes er­gibt sich, dass die An­le­ger­gel­der nicht auf ein Clea­ring-Konto flie­ßen durf­ten, das auf den Namen des Be­klag­ten zu 3.) lau­te­te, oder dass die Fonds­gel­der von an­de­ren Ver­mö­gen strikt ge­trennt zu hal­ten waren. Eine Pflicht zur Ver­mö­gens­tren­nung er­gibt sich le­dig­lich für die Be­klag­te zu 1. aus § 8 des Treu­hand­ver­tra­ges und auch für die Zeit, in der die An­le­ger­gel­der bei der Be­klag­ten zu 1. in Deutsch­land ge­sam­melt wur­den. Eine Ver­mi­schung von Fonds­gel­dern wird durch die vor­ge­leg­ten Kon­to­aus­zü­ge eben­falls nicht nach­ge­wie­sen. Auch so­weit sich aus den Kon­to­aus­zü­gen Über­wei­sun­gen an die B10 oder die B3 er­ge­ben lässt sich nicht fest­stel­len, dass damit An­le­ger­gel­der zweck­wid­rig ver­wen­det wur­den.

Hinzu kommt, dass sich nach dem Ver­kaufs­pros­pekt die Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le durch die Be­klag­te zu 1. auf die Gel­der in Deutsch­land und ihre Frei­ga­be nach Dubai be­schränk­te, wie sich aus dem be­reits zi­tier­ten § 2 Abs. 6 des Treu­hand­ver­tra­ges er­gibt.

Das be­deu­tet, dass mehr als eine Kont­rol­le der Gel­der bei der Frei­ga­be nach Dubai von der Be­klag­ten zu 1.) nicht ge­schul­det war. Dass sie die­ser Ver­pflich­tung nicht nach­ge­kom­men ist, hat die Klä­ger­sei­te nicht nach­ge­wie­sen.

Eben­so wenig kann mit den Kon­to­aus­zü­gen der Be­weis ge­führt wer­den, dass An­le­ger­gel­der nicht auf ein Konto der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin flos­sen und dass des­halb - pros­pekt­wid­rig - über­haupt keine Ge­nuss­rech­te er­wor­ben wur­den. Zum einen kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass als das maß­geb­li­che Konto für den Ge­nuss­rechts­er­werb das ver­wen­de­te Clea­ring-Konto fun­gier­te. Es ist nicht er­sicht­lich, dass für den Ge­nuss­rechts­er­werb zwin­gend die Ein­zah­lung der Gel­der auf ein Konto der Ge­nuss­rechts­schuld­ne­rin er­fol­gen muss­te. Eben­so gut konn­te diese das Konto des Be­klag­ten zu 3.) als zu ver­wen­den­des Konto be­stim­men. Zum an­de­ren haben die Be­klag­ten ein Tes­tat der Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft N2 mit Sitz in Dubai vom 26.02.2012 vor­ge­legt, in dem be­stä­tigt wird, „dass die In­ves­ti­tio­nen in die Pro­jek­te in Über­ein­stim­mung mit der Über­ein­kunft vor­ge­nom­men wur­den“. Im An­schluss wer­den ins­be­son­de­re die den Fonds VII. be­tref­fen­den Pro­jek­te F3-Tower und T Busi­ness Ave­nue sowie die­sen zu­ge­wie­se­ne In­ves­ti­tio­nen der B2 in Höhe von knapp 30 Mio. bzw. knapp 12 Mio. AED ge­nannt. Dass also tat­säch­lich mit den An­le­ger­gel­dern Ge­nuss­rech­te er­wor­ben und in die pros­pek­tier­ten Pro­jek­te in­ves­tiert wurde, hat die Klä­ger­sei­te nicht wi­der­le­gen kön­nen.

Hinzu kommt, dass auch die Staats­an­walt­schaft Bie­le­feld in ihrer Ab­schluss­ver­fü­gung vom 15.03.2011 keine zweck­wid­ri­ge Mit­tel­ver­wen­dung hat fest­stel­len kön­nen. In Bezug auf Fonds VI. ist auch wegen mög­li­cher an­de­rer De­lik­te nicht zu einer An­kla­ge ge­kom­men.

Die Kam­mer ver­kennt nicht, dass sich die Klä­ger­sei­te in er­heb­li­cher Be­weis­not be­fin­det, weil sich sämt­li­che hier re­le­van­ten Vor­gän­ge in Dubai ab­ge­spielt haben und ihr schlicht­weg der Zu­griff auf dort etwa vor­han­de­ne In­for­ma­tio­nen fehlt. Die­ser Um­stand än­dert je­doch nichts an der im Zi­vil­pro­zess gel­ten­den Be­weis­last­ver­tei­lung.

2.

Man­gels we­sent­li­cher Pros­pekt­feh­ler schei­det eine Haf­tung des Be­klag­ten zu 2.) aus un­eigent­li­cher Pros­pekt­haf­tung gem. § 311 Abs. 2 und 3 in Ver­bin­dung mit §§ 241 Abs. 2, 280 Abs. 1 BGB eben­falls aus.

3.

Auch de­lik­ti­sche An­sprü­che aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. §§ 264a, 266 StGB und § 826 BGB be­stehen gegen­über dem Be­klag­ten zu 2.) nicht.

a.

Denn nach den obi­gen Aus­füh­run­gen ist die Klä­ger­sei­te be­reits be­weis­fäl­lig ge­blie­ben dafür, dass in dem streit­gegen­ständ­li­chen Pros­pekt we­sent­li­che An­ga­ben über das Fonds­pro­jekt falsch waren.

b. (zu Vor­wurf o. aus dem Tat­be­stand)

So­weit sie da­rü­ber hi­naus be­haup­tet, die Be­klag­ten zu 2. und 3. hät­ten An­le­ger­gel­der da­durch zweck­wid­rig für sich ver­wen­det, dass so­wohl Teile der Gel­der in die Sa­nie­rung der dem Be­klag­ten zu 3. ge­hö­ren­den F2 ge­flos­sen als auch wei­te­re An­le­ger­gel­der wie bei einem Schnee­ball­sys­tem dafür ver­wen­det wor­den seien, die Aus­schüt­tun­gen für die Vor­gän­ger­fonds II. und III. zu fi­nan­zie­ren, hat sie auch das nicht nach­wei­sen kön­nen.

Selbst wenn die B3 Be­trä­ge in Mil­lio­nen­hö­he an die F2 über­wie­sen haben soll­te, er­gibt sich da­raus in kei­ner Weise, dass die­sen Über­wei­sun­gen An­le­ger­gel­der des Fonds VI. und nicht an­de­res Ver­mö­gen der B3 zu­grun­de lagen. Denn die B3 war nicht aus­schließ­lich für die Im­mo­bi­lien­pro­jek­te des Fonds VI. tätig - was die kla­gen­de Par­tei selbst nicht ein­mal be­haup­tet -, son­dern nahm in er­heb­li­chem Um­fang auch an­de­re, eige­ne Ge­schäf­te vor.

Wei­ter lässt der Um­stand, dass et­wai­ge Über­wei­sun­gen an die F2 von dem Clea­ring-Konto des Be­klag­ten zu 3.) aus er­folg­ten, nicht zwin­gend auf die Ver­un­treu­ung von An­le­ger­gel­dern schlie­ßen.

Eine strik­te Ver­mö­gens­tren­nung war nur für die bei der Be­klag­ten zu 1.) be­find­li­chen Gel­der ver­ein­bart. Da­rüber hi­naus konn­te die Ab­wick­lung der Zah­lungs­flüs­se durch­aus über ein ein­zi­ges, der Kont­rol­le des Be­klag­ten zu 3.) unter­lie­gen­des Konto ge­führt wer­den, so­fern von die­sem eine buch­hal­te­ri­sche Tren­nung und Zu­ord­bar­keit ge­währ­leis­tet wurde. Dass dies nicht der Fall war, hat die kla­gen­de Par­tei nicht nach­wei­sen kön­nen. Die be­haup­te­ten Zah­lungs­flüs­se sind jeden­falls durch den von ihr vor­ge­leg­ten Kon­to­aus­zü­ge der B3 nicht be­legt.

Glei­ches gilt für eine zweck­wid­ri­ge Ver­wen­dung von An­le­ger­gel­dern für Aus­schüt­tun­gen der Fonds II. und III. Allein der zeit­li­che Zu­sam­men­hang der von der Klä­ger­sei­te auf­ge­führ­ten Zah­lungs­be­we­gun­gen reicht nicht aus, um die Kam­mer davon zu über­zeu­gen, dass die Aus­schüt­tun­gen zwin­gend mit An­le­ger­gel­dern des Fonds VII. er­folgt sein müs­sen und nicht mit Gel­dern der B3 aus an­de­ren - hier ins­be­son­de­re zu den Fonds II. und III. ge­hö­ren­den - Ge­schäf­ten. Die zeit­li­che Nähe kann den Nach­weis der Mit­tel­her­kunft nicht er­set­zen, eben­so wenig wie die vor­ge­leg­ten Kon­to­aus­zü­ge.

c. (zu Vor­wurf n. aus dem Tat­be­stand)

So­weit die Klä­ger­par­tei den Be­klag­ten vor­wirft, die Dar­stel­lun­gen der B-Grup­pe auf der Home­page im Zeit­raum der Plat­zie­rungs­pha­se seien falsch ge­we­sen, fehlt be­reits jeder Vor­trag dazu, in­wie­fern sich dies auf die Ent­schei­dung der kla­gen­den Par­tei aus­ge­wirkt haben soll und wel­cher kon­kre­te Scha­den hier­durch ent­stan­den sein soll.

II. An­sprü­che gegen den Be­klag­ten zu 3.)

Aus den glei­chen Grün­den steht der Klä­ger­par­tei auch gegen den Be­klag­ten zu 3. weder ein An­spruch aus § 13 Verk­ProspG in Ver­bin­dung mit §§ 44 ff. BörsG, den §§ 311 Abs. 2 und 3, 241 Abs. 2, 280 Abs. 1 BGB noch aus § 823 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit §§ 264a, 266 StGB oder aus § 826 BGB zu.

Auf die Frage sei­ner Pros­pekt­ver­ant­wort­lich­keit kommt es daher vor­lie­gend nicht an. Eben­so kann offen blei­ben, ob die Ver­jäh­rungs­fris­ten be­züg­lich et­wai­ger An­sprü­che gegen den Be­klag­ten zu 3.) recht­zei­tig - ins­be­son­de­re durch eine Zu­stel­lung der Klage „dem­nächst“ im Sinne des § 167 ZPO - ge­hemmt wur­den.

III. An­sprü­che gegen die Be­klag­te zu 1.)

1.

Die Be­klag­te zu 1.) haf­tet der Klä­ger­par­tei nicht aus einer vor­ver­trag­li­chen Pflicht­ver­let­zung gemäß § 311 Abs. 2 und 3 in Ver­bin­dung mit §§ 241 Abs. 2, 280 Abs. 1 BGB. Denn die Klä­ger­par­tei hat keine Um­stän­de dar­ge­legt, aus denen sich eine schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung der Be­klag­ten zu 1. er­ge­ben könn­te.

Die Be­klag­te zu 1.) war Grün­dungs- und Treu­hand­kom­man­di­tis­tin der Fonds­ge­sell­schaft. Mit ihr schlos­sen die ein­zel­nen An­le­ger - so auch die Klä­ger­sei­te - ihre Be­tei­li­gungs­ver­trä­ge. Zu einem per­sön­li­chen Kon­takt kam es dabei nicht, son­dern die An­le­ger wur­den von ver­schie­de­nen Ver­mitt­lungs­ge­sell­schaf­ten ge­wor­ben.

Die Klä­ger­sei­te wirft der Be­klag­ten zu 1.) vor, sie habe die An­le­ger nicht über alle für die Ent­schei­dung über die Be­tei­li­gung an der Fonds­ge­sell­schaft we­sent­li­chen Punk­te und Ri­si­ken auf­ge­klärt. Es ist zwar rich­tig, dass die Be­klag­te zu 1.) als Treu­hand­ge­sell­schaft zu einer um­fas­sen­den Auf­klä­rung der poten­tiel­len An­le­ger in dem Um­fang ver­pflich­tet war, wie ihn die Klä­ger­sei­te pro­pa­giert.

Es fehlt je­doch an dem er­for­der­li­chen Tat­sa­chen­vor­trag, um eine sol­che Pflicht­ver­let­zung fest­stel­len zu kön­nen. Die Be­klag­te zu 1.) hat vor­ge­tra­gen, sie habe sich auf die Rich­tig­keit des einer un­ab­hän­gi­gen Wirt­schafts­prü­fungs­kanz­lei er­stell­ten und ge­prüf­ten Ver­kaufs­pros­pek­tes ver­las­sen. Über die­sen Pros­pekt hi­naus­ge­hen­de oder von ihm ab­wei­chen­de Kennt­nis­se über die Fonds­kon­s­t­ruk­ti­on habe sie nicht ge­habt.

Un­ab­hän­gig davon, dass schon die be­haup­te­ten we­sent­li­chen Pros­pekt­feh­ler von ihr nicht nach­ge­wie­sen wer­den konn­ten, hätte es daher der Klä­ger­sei­te ob­le­gen, dar­zu­le­gen und Be­weis dafür an­zu­tre­ten, auf­grund wel­cher Tat­sa­chen die Be­klag­te zu 1.) Kennt­nis von den be­haup­te­ten Pros­pekt­feh­lern hätte haben sol­len. Das ist je­doch nicht ge­sche­hen. Die Stel­lung der Be­klag­ten zu 1.) als Treu­hand- und Grün­dungs­kom­man­di­tis­tin reicht für sich ge­nom­men nicht aus, um ihre Ver­ant­wort­lich­keit für et­wai­ge Pros­pekt­feh­ler zu be­grün­den. Die Klä­ger­par­tei hat weder dar­ge­legt, dass die Be­klag­te zu 1.) an der Pla­nung und Er­stel­lung des Pros­pek­tes be­tei­ligt, noch dass sie in die Ab­läu­fe des Fonds­pro­jek­tes selbst ein­ge­bun­den war.

2.

Eben­so wenig kommt eine Haf­tung der Be­klag­ten zu 1. aus § 280 Abs. 1 BGB wegen einer feh­ler­haft durch­ge­führ­ten Mit­tel­ver­wen­dungs­kont­rol­le oder gar Ver­un­treu­ung der An­le­ger­gel­der in Be­tracht. Es ist be­reits oben dar­ge­stellt wor­den, dass die Klä­ger­sei­te für ihre dies­be­züg­li­chen Be­haup­tun­gen be­weis­fäl­lig ge­blie­ben ist.

C. Ne­ben­ent­schei­dun­gen

Die Ent­schei­dun­gen zur Kos­ten­tra­gung und vor­läu­fi­gen Voll­streck­bar­keit be­ru­hen auf den §§ 91, 101, 709 ZPO.

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