OLG München, Urteil vom 05.03.2009 - 1 U 3135/08
Fundstelle
openJur 2012, 99429
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Tenor

I. Die Berufung des Klägers gegen das Urteil des Landgerichts München I vom 19.3.2008, wird zurückgewiesen.

II. Der Kläger trägt die Kosten des Berufungsverfahrens.

III. Die Revision wird nicht zugelassen.

IV. Das Urteil ist gegen Leistung einer Sicherheit in Höhe von 120% des zu vollstreckenden Betrages vorläufig vollstreckbar. Der Kläger kann die Vollstreckung durch Leistung einer Sicherheit in Höhe von 120% des zu vollstreckenden Betrages abwenden, sofern nicht der Beklagte vor Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

Gründe

Der Kläger macht gegen den Beklagten Ansprüche aus behaupteter fehlerhafter medizinischer Heilbehandlung geltend.

Am 30.8.2000 diagnostizierte der Beklagte beim Kläger einen rechtsseitigen Leistenbruch und riet zu dessen operativer Versorgung. Als Operationstermin wurde der 12.9.2000 vereinbart.

Am 12.9.2000 führte der Beklagte im Krankenhaus B. eine Herniotomie nach Shouldice durch.

Am 15.9.2000 wurde der Kläger schmerzfrei entlassen. Nachdem in der Folge Schmerzen beim Kläger aufgetreten waren, stellte er sich am 20.9.2000 in der Sprechstunde des Beklagten vor. Nach Ziehung der Fäden wurde der Kläger wieder entlassen.

Nachdem sich die Schmerzen des Klägers nicht besserten, stellte er sich am 27.9.2000 erneut im Krankenhaus B. vor. Nach einer Untersuchung wurde der Kläger erneut entlassen.

Dies wiederholte sich am 4.10.2000 und am 11.10.2000.

Nachdem der Kläger fortwährend Beschwerden hatte, riet ihm seine Hausärztin Dr. L., ein CT anfertigen zu lassen. Dieses wurde am 23.10.2000 im R. Krankenhaus erstellt, wobei unter anderem Kontrastmittel anal über einen Schlauch eingebracht wurde. In dem Untersuchungsbericht, unterzeichnet von Dr.We. heißt es u.a.:

. .Um das Sigma sowie um das Rectum freie Luft und Austreten von Gastrografin nach rectaler Füllung. Eine umschriebene Abszessformation nicht zu demarkieren.

...

Perforation im distalen Sigma/Rectum, kein Nachweis einer Abszessformation.

Der Kläger begab sich daraufhin in die Notaufnahme des Krankenhauses B., wo er nach Vorlage des CT-Befundberichts wegen des Verdachts einer Rektumperforation noch am selben Abend operiert wurde. Bei dieser offenen Bauchoperation vom 23.10.2000 wurde im Bereich der rechten Leiste ein eingeklemmter Netzzipfel festgestellt, der entfernt wurde. In dem Operationsbericht ist vermerkt:

Eine Perforation im Unterbauch, insbesondere im Sigma- oder Rektumbereich kann auch bei Eröffnung des Meso nicht gefunden werden. Auf eine extensive Präparation wird verzichtet. Man entschließt sich aus Sicherheitsgründen zur Anlage eines doppelläufigen Sigmaanus.

In der Folge wurde am 7.11.2000 eine Darmspiegelung beim Kläger durchgeführt. Nachdem am 13.11.2000 der künstliche Darmausgang rückverlegt worden war, wurde der Kläger am 27.11.2000 entlassen.

Nachdem der Kläger auch weiterhin Schmerzen beklagte, begab er sich vom 10.6. bis zum 18.6.2002 ins Klinikum J., wo eine Koloileoskopie durchgeführt wurde. Im Arztbrief über diesen stationären Aufenthalt, der von dem Zeugen Dr.V. unterzeichnet wurde, heißt es unter anderem :

Diagnose:

Z.n. Leistenhernien-Operation (10/2000) mit iatrogener Dickdarmperforation

...

Koloileoskopie:

...Am Rektosigmoid narbige Veränderungen nach Perforation".

Beurteilung:

...Demnach dürfte am ehesten eine muskulo-skelettäre Ursache der Schmerzen anzunehmen sein..

Der Kläger unterzog sich daraufhin im Rahmen eines weiteren stationären Aufenthalts vom 4.8. bis zum 14.8.2002 im J. einer diagnostischen Laparotomie und ausgedehnten Adhäsiolyse. In dem Arztbrief über den Eingriff und den stationären Aufenthalt führt der Zeuge Dr.Hu. aus:

Diagnose

Z.n. iatrogener Sigmaverletzung und Dickdarmsegmentresektion ...

Verlauf:

...Eine zündende plausible Erklärung für das Schmerzsyndrom findet sich jedoch nicht

Nachdem eine am 16.10.2003 begonnene außergerichtlichte Korrespondenz zwischen den Parteien bzw. zwischen dem Kläger und der Berufshaftpflichtversicherung des Beklagten ergebnislos bleib, reichte der Kläger mit Schriftsatz vom 20.6.2006 Klage ein.

Der Kläger hat vorgetragen:

Im Rahmen der Herniotomie vom 12.9.2000 sei es behandlungsfehlerhaft zu einer Sigmaperforation gekommen. Außerdem sei bei dieser Operation fehlerhaft ein Netzzipfel in den rechten Leistenbereich eingenäht worden. Hierauf sei das postoperative Schmerzsyndrom des Klägers zurückzuführen. Vor der Leistenoperation sei der Kläger nicht darüber aufgeklärt worden, dass Schmerzen und Beeinträchtigungen als Dauerschaden bleiben könnten und sich die Notwendigkeit eines künstlichen Darmausgangs ergeben könne. Postoperativ sei auf die Beschwerden des Klägers nicht kunstgerecht reagiert worden. Schließlich habe im Rahmen der Operation vom 23.10.2000 keine Indikation zur Anlage eines künstlichen Darmausgangs bestanden. Vor der streitgegenständlichen Behandlung sei der Kläger kerngesund gewesen, nun sei er ein körperliches Wrack.

Der Kläger hat beantragt,

1. Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger ein angemessenes Schmerzensgeld zu bezahlen, dessen Höhe in das Ermessen des Gerichts gestellt wird, mindestens jedoch 35.000,00 € nebst Zinsen hieraus in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz hieraus seit Rechtshängigkeit.

2. Es wird festgestellt, dass der Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger wegen der ihm gegenüber im Krankenhaus B., fehlerhaft vorgenommenen medizinischen Behandlung vom 12.9.2000 bis 27.11.2000 auch allen künftigen materiellen und immateriellen Schaden zu ersetzen, soweit nicht Ansprüche hieraus auf Dritte übergegangen sind oder übergehen.

Der Beklagte hat beantragt:

die Klage abzuweisen

Der Beklagte hat vorgetragen:

Die Leistenoperation vom 12.9.2000 sei kunstgerecht durchgeführt worden. Insbesondere sei es nicht zu einer Darmverletzung gekommen. Dass Patienten nach einer Leistenoperation unter Leistenschmerzen, auch chronischen, litten, sei nicht ungewöhnlich und komme in 4,2 % der Fälle vor. Genau hierüber sei der Kläger auch aufgeklärt worden. Zu der später diagnostizierten Perforation müsse es im Rahmen des Kontrastmitteleinlaufs in den Afterkanal bei Durchführung der CT-Untersuchung am 23.10.2000 gekommen sein. Diese Untersuchung habe jedoch mit der Leistenoperation nichts zu tun, weshalb vor dieser auch nicht über die Möglichkeit der Anlage eines Anus praeter habe aufgeklärt werden müssen. Die Anlage des Anus praeter im Zuge der Operation vom 23.10.2000 sei hingegen medizinisch indiziert gewesen, um einer Peritonitis vorzubeugen.

Das Landgericht hat Beweis erhoben durch Hinzuziehung der Sachverständigen Prof. Dr. Ho. und Prof. Dr. K.;

Das Landgericht wies mit Urteil vom 19.3.2008 die Klage ab und führte zur Begründung aus:

Die Klage sei abzuweisen, weil dem Kläger der Nachweis eines Behandlungsfehlers nicht gelungen und darüber hinaus von einer hinreichenden Aufklärung des Klägers auszugehen sei. Die Kammer sei aufgrund der eingeholten sachverständigen Gutachten davon überzeugt, dass es nicht bei der Operation am 12.9.2000, sondern im Rahmen der CT Untersuchung am 23.10.2000 zu der Perforation im distalen Sigma/Rektum gekommen sei, sowie dass die am 23.10.2000 durchgeführte offene Bauchoperation medizinisch indiziert und kunstgerecht durchgeführt worden sei. Im Rahmen der Beweisaufnahme habe nicht geklärt werden können, wie es zu der später festgestellten Einklemmung des Netzes gekommen sei. Es komme sowohl ein operationstechnischer Fehler in Betracht wie auch ein postoperatives Verwachsen des Netzes im Bereich des inneren Leistenringes, wobei letzteres eine körpereigene Reaktion darstelle, die dem Operateur nicht angelastet werden könne. Der Kläger sei überdies vor dem Eingriff hinreichend aufgeklärt worden. In dem vom Kläger unterzeichneten Aufklärungsbogen sei auf die allgemeinen Operationsrisiken wie spezielle Risiken nach einer Leistenoperation hingewiesen worden unter anderem namentlich auf anhaltende Schmerzen.

Der Kläger legte mit Schriftsatz vom 9.5.2008 gegen das ihm am 16.4.2008 zugestellte Urteil Berufung ein und begründete diese mit Schriftsatz vom 8.7.2008.

Der Kläger trägt vor:

Die festgestellte Perforation im Bereich des Sigma sei während der Operation am 12.9.2000 eingetreten. Wegen postoperativ unterlaufener Befunderhebungsmängel sei am 23.10.2000 eine notfallmäßige Operation erforderlich geworden, mit der Folge dass beim Kläger ein künstlicher Darmausgang gelegt haben werden müssen. Die am 20.10.2000 durchgeführte CT Untersuchung sei nicht Ursache sondern Folge der ärztlichen Behandlung des Beklagten gewesen und aufgrund der weiteren Schmerzsymptomatik des Klägers erforderlich geworden. Aufgrund der verwendeten Einfüllstutzen mit einer Länge von maximal 10 cm sei eine Perforation des Sigmas bei der CT Untersuchung ausgeschlossen. Die Perforation müsse vor dem 23.10.2000 eingetreten sei und habe nur durch die Operation am 12.9.2000 verursacht worden sein können. Insoweit werde auf das vom Kläger eingereichte Gutachten der von Professor Dr. I. sowie die fachmedizinische Stellungnahme der Fachärztin für Allgemeinmedizin Frau Dr. M. verwiesen.

Dem Kläger sei im Rahmen der Belehrung nichts darüber gesagt worden, dass die ursprünglich vorgesehene Operation mit solchen Risiken behaftet sein würde, wie sie sich bei ihm tatsächlich verwirklicht hätten, dass nämlich im Zuge einer Perforation letztlich die Anlegung eines künstlichen Darmausgangs notwendig werden könne. Der Kläger bleibe auch bei seinem Vorbehalt, dass die Anlegung eines solch künstlichen Darmausganges der nicht notwendig gewesen sei.

Der Kläger beantragt:

1. Das Urteil des Landgerichts München vom 19.3.2008 wird aufgehoben.

2. Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger ein angemessenes Schmerzensgeld zu bezahlen, dessen Höhe in das Ermessen des Gerichts gestellt wird, mindestens jedoch 35.000 € nebst Zinsen hieraus in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit.

3. Es wird festgestellt, dass der Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger wegen der ihm gegenüber im Krankenhaus B., fehlerhaft vorgenommene medizinischen Behandlung vom 12. 9. 2000 bis 27.11.2000 auch alle künftigen materiellen und immateriellen Schaden zu ersetzen, soweit nicht Ansprüche hieraus auf Dritte übergegangen sind oder übergehen.

Der Beklagte beantragt:

die Berufung des Klägers gegen das Endurteil des Landgerichts München I zurückzuweisen.

Der Beklagte trägt vor:

Das Landgericht habe die Klage zu Recht abgewiesen. Die Vorwürfe des Klägers, dass es bei der Operation am 12.9.2000 zu einer Sigma oder Rektumsperforation gekommen sei, sowie dass die Anlegung eines künstlichen Darmausgangs in der Operation vom 23 10.2000 einen Behandlungsfehler darstelle seien im Rahmen der erstinstanzlichen Beweisaufnahme durch das Sachverständigengutachten eindeutig widerlegt worden.

Der Senat hat Beweis erhoben durch Anhörung des Sachverständigen Professor Dr.K. und der Einvernahme von Dr. V. und Dr. Hu. als Zeugen. Hinsichtlich des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf das Protokoll der mündlichen Verhandlung vom 12.1.2009 (Bl.306/313 d.A.) verwiesen..

Hinsichtlich des weiteren Vorbringens der Parteien im Berufungsverfahren nimmt der Senat Bezug auf die Schriftsätze des Klägers vom 8.7.2008 (Bl.255/264 d. A.), vom 14.10.2008 (Bl.287/296 d. A.), vom 5.2.2009 (Bl.317/333 d. A.) und vom 9.2.2009 (Bl.334 d.A.),, sowie des Beklagten vom 28.8.2008 (Bl.277/282 d. A.), vom 12.1.2009 (Bl.304/305 d. A.) und vom 2.3.2009 (Bl.335/339 d.A.).

Die zulässige Berufung ist unbegründet. Das Landgericht hat die Klage mit zutreffenden Erwägungen zu Recht abgewiesen. Es kann zunächst auf die überzeugenden Ausführungen des Landgerichts verwiesen werden.

53A. Dem Kläger ist es auch in der Berufungsinstanz nicht gelungen, dem Beklagten einen Behandlungsfehler nachzuweisen.

I. Der Kläger konnte nicht belegen, dass der Beklagte während der Operation am 12.9.2000 den Darm des Klägers verletzt hat.

Der Senat ist aufgrund der überzeugenden mündlichen und schriftlichen Ausführungen der Sachverständigen Prof. Dr. Ho. und Prof. Dr. K. davon überzeugt, dass die am 23. Oktober 2000 festgestellte Darmperforationen nicht bei der Operation am 12.9.2000 verursacht wurde.

1. Die Sachverständigen führten folgende Gesichtspunkte an, dass während der Leistenoperation eine Perforation des Darmes mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen ist:

57a) der Kläger wurde auf der rechten Seite operiert, bei einer rechtseitigen Leistenbruchoperation ist es fast nicht vorstellbar, dass linksseitig das Sigma verletzt wird Dies wäre allenfalls dann eine nur theoretische Möglichkeit, wenn dieses extrem verlängert ist

58b) bei einer Verletzung während der Operation hätten sich sofort Bakterien und Stuhl in die Bauchhöhle ergossen und es wäre zu einem hoch akuten Abdomen mit nachfolgender Peritonitis gekommen

c) bei einer gedeckten Sigmaperforation hätte sich ein Abszess gebildet, dieser hätte schwere Schmerzen im Bauchraum verursacht

d) der Kläger hatte erst nach dem CT vom 23.10.2000 eine Bauchfellentzündung

e) auf der CT Aufnahme ist Luft nur im kleinen Becken zu sehen, nicht aber in der Bauchhöhle die einen abgegrenzten Raum darstelle, es muss sich daher um eine frische Verletzung gehandelt haben

f) bei dem Kläger wurde weder bei der radiologischen Untersuchung noch bei der Operation am 23.10.2001 ein Abszess festgestellt.

2. Diese nachvollziehbaren Ausführungen können durch die vorgelegten Gutachten von Dr. I. und der Einvernahme der Zeugen Dr. V. und Dr. Hu. nicht widerlegt werden.

a) Die Einwände und zum Teil abweichenden Bewertungen des Privatgutachters Dr.I. sind von den gerichtlich bestellten Sachverständigen überzeugend abgehandelt und verworfen worden. .

In seinem ersten Gutachten vom 17. November 2004 führt der Privatgutachter aus, dass schlechterdings nicht bezweifelt werden könne, dass es zu einer Sigmaverletzung während der Leistenoperation gekommen sei. Er verkennt aber nicht, dass sich das Sigma normalerweise in relativer Distanz zum OP Gebiet befindet. In einem weiteren Gutachten vom 30.7.2005 führt Dr. I. aus, dass es in der Tat verwunderlich sei, wie es zu der Rektum/Sigma Perforation während der Leistenoperation überhaupt gekommen sein könne und erklärt, dass eine Verletzung des Dickdarms nur dann halbwegs erklärbar ist, wenn es sich möglicherweise um ein prolongiertes Sigma gehandelt habe, das relativ weit auf die rechte Seite verlagert worden sei. In Übereinstimmung mit den gerichtlichen Sachverständigen stellt auch er fest, dass sich im Rahmen der computertomographischen Untersuchung Luft und Kontrastmittel um das Rektum/Sigma feststellen ließen, sich jedoch in der freien Bauchhöhle keine freie Luft befunden habe. Weiter stimmt der Gutachter insoweit mit den gerichtlichen Sachverständigen überein, dass keine Abszessbildung vorgelegen hat. In einem weiteren Gutachten, vom 18.8.2008, dass zu den ausführlichen mündlich schriftlichen und mündlichen Ausführungen des Sachverständigen Dr. K. Stellung nimmt, erklärt Dr. I., dass eine so genannte verdeckte Perforation vorgelegen habe, und daher die Tatsache, dass keine Luft- und Kontrastmittel im freien Bauchraum nachweisbar gewesen seien, nicht als Beleg dafür dienen könne, dass es nicht während der Leistenoperation zu einer Perforation des Sigmas gekommen sei. Nach Einschätzung von Prof. Dr. I. ist eine Sigmaperforation im Rahmen der Kontrastmitteluntersuchung wesentlich unwahrscheinlicher als eine Sigmaverletzung im Rahmen der Leistenoperation. Als Hauptgrund, dass die Sigmaperforation am 12.9.2000 verursacht worden ist, benennt der Gutachter die eindrucksvolle postoperative Symptomatik des Klägers. Er verwirft daher die Schlussfolgerung des Sachverständigen Prof. Dr. K. als nicht nachvollziehbar.

Die Sachverständigen Professor K. und Professor Ho. haben sich in dem schriftlichen Gutachten vom 12.9.2007 auf den Seiten 42 und 43 mit den Ausführungen des Gutachters Dr. I. auseinandergesetzt. Sie haben betont, dass, wenn es zu einer Sigmaverletzung gekommen wäre, unmittelbar nach der Operation das Kontrastmittel bzw. Bakterien und Stuhl sich in die freie Bauchhöhe entleert hätten und dies zu einem behandlungsbedürftigen Krankheitsbild mit schwersten abdominalen Symptomen geführt hätte. In der mündlichen Anhörung vor dem Landgericht betonte der Sachverständige Dr. K. nochmals, dass bei einer Perforation im Sigma die Luft und das Kontrastmittel im Bauchraum hätten feststellbar sein müssen und daher auch von einer Verletzung des Rektums auszugehen ist. Sämtliche Bildbefunde sprechen nach den Darlegungen von Prof. K. auch dagegen, dass das Sigma angestochen und an der Leistenwand fixiert worden wäre. Weiter so der Sachverständige, hätte sich bei einer gedeckten Perforation ein Abszess bilden müssen. Schließlich lag nach den Ausführungen von Professor Dr. K. am 23.10.2000 eine frische Verletzung vor, da sich Luft und Kontrastmittel im Bereich des kleinen Beckens ausgebreitet haben.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass auch nach Auffassung des Privatgutachters Dr. I. nur eine verdeckte Perforation in Betracht kommt, die aber abgesehen von den anatomischen Verhältnissen auch deswegen ausscheidet, da eine Abszessbildung nicht festzustellen war. Die postoperative Schmerzsymptomatik des Klägers spricht nach den überzeugenden Darlegungen des Sachverständigen Dr. K. gegen die Thesen des Privatgutachters.

b) Auch die seitens des Klägers vorgelegten Arztbriefe der Zeugen Dr. V. und Dr. Hu. vermögen an dieser Bewertung nichts zu ändern. Beide Zeugen haben nach ihren Angaben keine Untersuchungen bezüglich der Ursache einer Perforation vorgenommen.

Der Zeuge Dr. V., der den Kläger circa zwei Jahre nach der Leistenoperation untersucht hatte, gab an, er habe bei der Koloskopie eine gut verheilte Narbe am Übergang vom Rektum zum Sigma festgestellt. Er habe aus der Art der Narbe nicht erkennen können, aus welchen Gründen eine Perforation stattgefunden habe, aus eigener Erfahrung wisse er, dass hier zwei Möglichkeiten infrage kämen, einerseits eine Darmverletzung bei der Leistenoperation und andererseits infolge eines diagnostischen Eingriffs.

Der Zeuge Dr. Hu. gab an, dass er in seinem Arztbrief die Diagnose des Internisten übernommen habe und er bei der Operation keine genaue Perforationsstelle gesehen habe Er habe dem Kläger auch nach der Operation erklärt, dass er keine Perforation festgestellt habe.

c) Der Vortrag des Klägers im Schriftsatz vom 5. Februar 2009 bietet keinen Anlass für eine abweichende Beurteilung und die Durchführung einer weiteren Beweisaufnahme.

Aus dem Schreiben von Dr. We. vom 14. Januar 2009 geht lediglich hervor, dass der im R.Krankenhaus für die Irrigation verwendete rectale Einfüllstutzen eine Länge von maximal 10 cm hat. Dem Schreiben kann nicht einmal entnommen werden, ob dies auch für das Jahr 2002 gegolten hat, Feststellungen zum Ort der Perforation hat Dr. We. nach eigenen Angaben nicht getroffen. Hinsichtlich der Örtlichkeit kann insoweit nur auf dem Operationsbericht vom 23. Oktober 2000 verwiesen werden, wonach im frei präparierten Sigma- und Rektumsbereich keine Perforation gefunden werden konnte, so dass die unstrittig vorhandene Perforation unterhalb dieses Bereiches gelegen haben muss.

Der Sachverständige Dr. K. hat ausführlich dargelegt, dass mangels Abszessbildung eine gedeckte Perforation des Rektums ausscheidet und eine offene Perforation zu einem anderen Krankheitsbild unmittelbar nach der Operation geführt hätte. Des weiteren erklärte er, dass es sich bei der durch die CT Untersuchung festgestellten Perforation um eine frische Verletzung gehandelt hat, wobei dem Sachverständigen die CT Aufnahmen vorlagen. Die Einfüllstutzen hat der Sachverständige lediglich zu Demonstrationszwecken vorgelegt und auch nicht behauptet, dass eines dieser Instrumente für die Durchführung der Kontrastmitteluntersuchung verwendet worden ist. Im übrigen haben die Sachverständigen in ihrem schriftlichen Gutachten vom 21.6.2007 beschrieben, dass Perforationen bei einer Kontrastmitteluntersuchung nicht nur durch die einzuführenden Stutzen sondern auch durch zu hohen oder niederen Druck bei Einlaufen des Kontrastmittels verursacht werden können. Es ist weiter darauf hinzuweisen, dass es nicht Bestandteil der Begutachtung war, im einzelnen darzulegen und zu demonstrieren, wie es bei der CT Untersuchung zu der frischen Perforation gekommen ist. Es bedarf insoweit keiner weiteren Beweisaufnahme, da aufgrund der oben genannten Gesichtspunkte eine Perforation während der Leistensoperation nahezu ausgeschlossen ist.

II. Der Kläger konnte nicht den Nachweis führen, dass das Einklemmen bzw. das Verwachsen des Netzes im Bereich der Leistengegend sowie die behauptete Verletzung des nervus ilioinguinalis auf einem Operationsfehler beruht,.

Die Sachverständigen haben in ihrem schriftlichen Gutachten vom 21.6.2007 überzeugend dargelegt, dass für das Einklemmen des Netzes zwei Möglichkeiten in Betracht kommen, einmal eine körpereigene Reaktion und zum anderen ein Einnähen eines Omentum-Anteils bei Versorgung des Bruchsackes. Die Sachverständigen konnten nicht feststellen, wodurch es zu der Einklemmung des Netzes gekommen ist.

Insoweit der Kläger sich in seinem Schriftsatz vom 5.2.2007 darauf beruft, dass die Sachverständigen auf Seite 40 ihres Gutachtens vom 21.6.2007 ausgeführt hätten, dass das Miterfassen des Nerven ein technischer Fehler sei, ist zu bemerken, dass die Sachverständigen an dieser Stelle die Möglichkeiten der Einklemmung des Netzes aufzählen und keineswegs einen technischen Operationsfehler hinsichtlich einer Verletzung des nervus ilioinguinalis bejahen. Die weitere Schlussfolgerung des Klägers, dass der Nerv durch das Miterfassen geschädigt worden ist, findet in den Ausführungen der Sachverständigen keine Grundlage. Vielmehr konnten die Sachverständigen nicht feststellen, dass bei der Operation von der Naht technisch fehlerhaft das Netz und/oder der Nerv miterfasst worden sind.

Der vorgelegte Bericht des Neurologen Dr. D. vom 27.1.2005 vermag lediglich eine Nervenverletzung zum Zeitpunkt der Untersuchung zu belegen, nicht aber die Ursache. Im übrigen geht aus dem Schreiben nur hervor, dass sich der Kläger seit dem 14.7.2003 dort in Behandlung befindet, nicht aber wann die entsprechenden Feststellung getroffen worden sind.

Es kommt hinzu, dass nach den Darlegungen der Sachverständigen auch bei sorgfältigster Operationstechnik sich das sogenannte Nervus ilioinguinalis Syndrom nicht vermeiden lässt.

III. Dem Beklagten kann auch nicht vorgeworfen werden, keine Neurolyse vorgenommen zu haben.

Die Sachverständigen setzen sich in ihrem Zusatzgutachten vom 12.9.2007 ausführlich und überzeugend mit der postoperativen Schmerzsymptomatik des Klägers anhand der vorliegenden Krankenunterlagen auseinander und kommen zu dem Ergebnis, dass sich im weiteren postoperativen Verlauf kein Hinweis auf ein Nervus ilioinguinalis Syndrom ergeben habe. Weiter erklären sie, dass eine Neurolyse unmittelbar nach einer Leistenoperation nicht erfolgen darf und erst eine konservative Behandlung zu erfolgen habe. Der Kläger ist nach den Ausführungen der Sachverständigen trotz einer fehlendenden konstanten Beschwerdesymptomatik für ein Nervus ilioinguinalis Syndrom konservativ symptomatisch behandelt worden. Weiter verweisen die Sachverständigen darauf, dass auch bei den Untersuchungen vom 16.7.2001 und 12.6.2002 eine neurologische Ursache für das Schmerzsyndrom des Klägers ausgeschlossen worden ist und folgern, dass eine Indikation für eine Neurolyse zu keinem Zeitpunkt bestanden habe. Insoweit kann auch nicht belegt werden, dass weitere Befunderhebungen zu der Indikation einer Neurolyse geführt hätten.

IV. Der Kläger vermochte weder den Nachweis zu erbringen, dass die Operation vom 23.10.2000 aufgrund eines Behandlungsfehler des Beklagten erforderlich geworden ist noch dass die Anlage eines protektiven Anus praeter nicht indiziert war. Es kann insoweit auf die zutreffenden Ausführungen des Landgerichts auf Seite 9 des Urteils verwiesen werden.

V. Das Landgericht hat mit zutreffenden Erwägungen auf Seite 11 des Urteils eine hinreichende Aufklärung des Klägers bejaht.

B. Die Kostenentscheidung ergibt sich aus § 97 ZPO.

C. Der Ausspruch über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO.

D. Die Voraussetzungen für die Zulassung der Revision gemäß § 543 Abs. 2 ZPO sind nicht gegeben. Dem Rechtsstreit kommt keine grundsätzliche Bedeutung zu.