OLG Hamm, Urteil vom 14.11.1991 - 27 U 178/90
Fundstelle
openJur 2012, 73270
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Tenor

Die Berufung der Klägerin gegen das am 26. Juni 1990

verkündete Urteil der 15. Zivilkammer des Landgerichts

Dortmund wird zurückgewiesen.

Auf die Berufung der Beklagten wird - unter Zurückweisung

des Rechtsmittels im übrigen - das genannte

Urteil abgeändert und zur Klarstellung insgesamt neu

gefaßt:

Die Beklagten werden verurteilt, als Gesamtschuldner

an die Klägerin zu zahlen: 22.961,79 DM nebst 4 %

Zinsen von 20.537,29 DM für die Zeit vom 11. Oktober

bis zum 11. November 1988, von 12.756,13 DM seit dem

12. November 1988 sowie jeweils von weiteren

567,79 DM seit dem 1. November 1988,

567,79 DM seit dem 1. Dezember 1988,

588,95 DM seit dem 1. Januar 1989,

588,95 DM seit dem 1. Februar 1989,

588,95 DM seit dem 1. März 1989,

601,58 DM seit dem 1. April 1989,

601,58 DM seit dem 1. Mai 1989,

601,58 DM seit dem 1. Juni 1989,

601,58 DM seit dem 1. Juli 1989,

601,58 DM seit dem 1. August 1989,

601,58 DM seit dem 1. September 1989,

601,58 DM seit dem 1. Oktober 1989,

601,58 DM seit dem 1. November 1989,

601,58 DM seit dem 1. Dezember 1989,

629,67 DM seit dem 1. Januar 1990,

629,67 DM seit dem 1. Febraur 1990,

629,67 DM seit dem 1. März 1990.

Die Beklagten werden überdies verurteilt, als

Gesamtschuldner an die Klägerin eine jeweils am

Monatsersten fällige monatliche Schadensrente von

639,60 DM für die Zeit vom April bis Dezember 1990,

von 674,78 DM von Januar bis März 1991 und von

678,80 DM seit April 1991, jeweils nebst 4 % Zinsen

ab Fälligkeit, zu zahlen.

Die Beklagten werden zudem verurteilt, als Gesamtschuldner

an die Klägerin ein weiteres Schmerzensgeld

von 25.000,- DM nebst 4 % Zinsen seit dem

11. Oktober 1988 zu zahlen.

Es wird festgestellt, daß die Beklagten als Gesamt-

schuldner verpflichtet sind, der Klägerin sämtliche

zukünftigen materiellen und immateriellen Schäden

aus dem Verkehrsunfall vom 6. November 1986 in

E zu ersetzen, soweit diese Ansprüche nicht

auf öffentlich-rechtliche Versicherungs- oder

Versorgungsträger übergegangen sind.

Im übrigen wird die Klage abgewiesen.

Die Kosten des ersten Rechtszuges werden der Klägerin

zu 1/5 und den Beklagten zu 4/5 auferlegt.

Die Kosten der Berufungsinstanz tragen die Klägerin

zu 1/4 und die Beklagten zu 3/4.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Die Beklagten dürfen die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung

in Höhe von 95.000,- DM abwenden, wenn

nicht die Klägerin vor der Vollstreckung Sicherheit

in gleicher Höhe leistet.

Tatbestand

Die am 6.9.1961 geborene Klägerin begehrt Schadensersatz

wegen eines Verkehrsunfalles vom 6.11.1986 in E, an

dem sie als Fußgängerin und die Beklagte zu 1) als Führerin

und Halterin ihres bei dem Beklagten zu 2) haftpflichtversicher-

ten PKW beteiligt waren und bei dem sie u.a. eine

Oberschenkelfraktur rechts sowie eine drittgradig offene

Fersenbeintrümmerfraktur rechts mit Rotation des Fersenbeines

um ca. 180 Grad erlitt. Die volle Einstandspflicht ,

der Beklagten dem Grunde nach steht außer Streit.

Die Klägerin hat angemessenes Schmerzensgeld (Vorstellung:

70.000,- DM) unter Anrechnung teilweise nach Rechtshängigkeit

gezahlter 40.000,- DM mit der Behauptung beantragt, sie

habe vom Unfalltage an mit Unterbrechungen bis August 1987

in stationärer Krankenhausbehandlung verweilen müssen. Trotz

des Umfangs der Behandlung habe sie als Dauerschaden eine

Einschränkung der Beweglichkeit im rechten Sprunggelenk, eine

Verkürzung des rechten Beines um ca. 2 cm, einen leichten

Beckenschiefstand und eine Kalksalzminderung des gesamten

Fußskelettes davongetragen. Für die Zukunft sei mit einer

weiteren Verschlechterung des Zustandes zu rechnen. Zur

Begründung der materiellen Schadensersatzforderung über

51.624,24 DM, abzüglich nach Rechtshängigkeit gezahlter

9.673,- DM, sowie eines Anspruchs auf materielle Schadensrente

in Höhe von 757,63 DM monatlich hat sie behauptet, ihr

sei ein Haushaltsschaden dadurch entstanden, daß sie zur Zeit

der Krankenhausbehandlung in vollem Umfange, danach zu

wenigstens 50 % erwerbsunfähig gewesen sei und deshalb ihren

aus ihrem Ehemann, dem am 25.11.1985 geborenen Sohn und ihr

bestehenden Haushalt nicht habe versorgen können. Vor dem

Unfall habe sie dies einschließlich der Gartenarbeit in

vollem Umfang alleine getan, obwohl sie (insoweit unstreitig)

einer ganztägigen Tätigkeit als Sekretärin nachging und zusätzlich einen gastronomischen Kirmesbetrieb führte,

während ihr Ehemann zumindest in dem Jahr nach dem Unfall

keine berufliche Beschäftigung hatte. Die Klägerin hat die

Kosten für die Einstellung von Aushilfskräften für ihren

Gewerbebetrieb beansprucht, ferner 750.- DM Wertersatz für

bei dem Unfall zerstörte Kleidung, 1.589,94 DM als Wert für

einen Resturlaub, den sie bei ihrem Arbeitgeber noch zu

beanspruchen hatte, jedoch nicht mehr nutzen konnte,

2.372,79 DM Verdienstausfall als Differenz zwischen ihrem

nach Ablauf der Lohnfortzahlung weggefallenen Nettoeinkommen

und dem Krankengeld, 4.200,- DM Wertersatz für Schuhe und

Kleidung, die sie aufgrund ihrer Gehbehinderung und deutlich

sichtbarer Entstellungen am Bein nicht mehr tragen könne,

1.329,12 DM Fahrtkosten, die ihr Ehemann für tägliche

Besuche im Krankenhaus habe aufwenden müssen, 45,- DM

weiteren Verdienstausfall sowie 630,- DM Eigenanteil für

ersparte Verpflegung, den der Beklagte zu 2) gegenüber ihrer

Arbeitgeberin einbehalten hatte und den diese wiederum ihr der

Klägerin - in Rechnung stellte. Schließlich hat die

Klägerin Feststellung zukünftiger Schadensersatzpflicht für

noch nicht absehbare materielle und immaterielle Schäden

beantragt.

Die Beklagten haben nach vorprozessualer Zahlung von

20.000,- DM auf das Schmerzensgeld sowie nach Rechtshängig-

keit geleisteter Zahlungen in Höhe weiterer zweimal

10.000,- DM auf das Schmerzensgeld und 9.637.- DM auf den

materiellen Schaden eine weitere Regulierung abgelehnt und

Klageabweisung beantragt. Sie haben den Umfang der behaupteten

Körperschäden, insbesondere die Schwere der Dauerschäden,

sowie im wesentlichen die tatsächlichen Voraussetzungen

des materiellen Schadensersatzanspruchs bestritten.

Hinsichtlich der Haushaltführung durch die Klägerin

behaupten sie, daß diese ihrer beruflichen Einbindung wegen

mehr als zwei Stunden täglich im Haushalt nicht habe arbeiten

können. Dafür seien allenfalls die Kosten einer

Haushaltsgehilfin in Höhe von 10,- DM je Stunde in Ansatz zu

bringen. Die für Klägerin zu anstrengend gewordenen

haushaltlichen Tätigkeiten könnten vom Ehemann übernommen

werden. Die Forderungen der Klägerin seien insgesamt von

Anspruchsdenken geprägt und überzogen.

Das Landgericht hat der Klage im wesentlichen stattgegeben.

Nach Einholung eines Sachverständigengutachtens des

Orthopäden T aus F hat es den Beweis

eines erheblichen Dauerschadens der Klägerin mit einer

Minderung der Erwerbstätigkeit für häusliche Arbeiten um

50 % als bewiesen angesehen und danach der Klägerin ein

weiteres Schmerzensgeld von 35.000, DM (insgesamt

65.000,- DM) zugesprochen. Aufgrund der Zeugenaussage des

Ehemanns der Klägerin sei ferner bewiesen, daß die Klägerin

den Drei-Personen-Haushalt alleine geführt habe. Bei einem

wöchentlichen Aufwand von 27 Stunden pro Woche bei voller

Erwerbstätigkeit (entnommen der Tabelle bei Schulz-Borck-Hofmann,

Schadensersatz bei Ausfall von Hausfrauen und

Müttern im Haushalt, 1987) und der üblichen Vergütung für

eine Haushaltshilfe nach BAT VII ergäben sich nach der vom

Sachverständigen T ermittelten zeitlich gestaffelten

Einschränkung der Erwerbstätigkeit 32.235,27 DM

als Ersatzkosten für die Vergangenheit und 757,63 DM als

monatlich zu zahlende Schadensrente für die Zukunft. Hinsichtlich

der Kosten für Aushilfskräfte im Gewerbebetrieb

der Klägerin sei ein Schaden nicht schlüssig dargelegt. Ein

Anspruch wegen des in Wegfall geratenen Urlaubsanspruches

gegenüber der Arbeitgeberin bestünde nicht, da es insoweit

an einem geldwerten Schaden mangele. Ein Verdienstausfall in

beantragter Höhe sei feststellbar; für zerstörte (750,-- DM)

und wertlos gewordene (4.714,-- DM) Kleidung könne der

Schaden gem. § 287 ZPO geschätzt werden. Für die Fahrtkosten

sei eine Kilometerpauschale von 0,40 DM und nicht, wie von

dem Beklagten zu 2) bei der teilweisen Zahlung zugrunde

gelegt von 0,30 DM angemessen; Verpflegungskosten in Höhe

von 630,-- DM stünden der Klägerin nicht zu, wohl aber die

Feststellung zukünftiger Schadensersatzpflicht der

Beklagten .

Gegen dieses Urteil, auf das wegen der Einzelheiten verwiesen

wird, haben sowohl die Beklagten als auch die Klägerin

Berufung eingelegt.

Die Klägerin wiederholt und vertieft ihren erstinstanzlichen

Vortrag. Sie beansprucht eine Anhebung des Schmerzensgeldes

und des materiellen Schadensersatzes hinsichtlich der Kosten

für die Haushaltsführung sowohl für die Vergangenheit als

auch für die Zukunft.

Sie beantragt,

I.

unter Abänderung des angefochtenen Urteils wie folgt

zu erkennen:

1.

Die Beklagten werden verurteilt, als Gesamtschuldner

an sie, die Klägerin, 34.417,54 DM nebst 4 % Zinsen

von 30.614,25 DM seit dem 01.10.1988,

728,30 DM seit dem 01.11.1988,

728,30 DM seit dem 01.12.1988,

755,-- DM seit dem 01.01.1989,

755,-- DM seit dem 01.02.1989,

750,-- DM seit dem 01.03.1989,

772,-- DM seit dem 01.04.1989,

772,-- DM seit dem 01.05.1989,

772,-- DM seit dem 01.06.1989 ;

772,-- DM seit dem 01.07.1989,

772,-- DM seit dem 01.08.1989,

772,-- DM seit dem 01.09.1989,

772,-- DM seit dem 01.10.1989,

772,-- DM seit dem 01.11.1989,

772,-- DM seit dem 01.12.1989,

814,21 DM seit dem 01.01.1990,

814,21 DM seit dem 01.02.1990,

814,21 DM seit dem 01.03.1990,

zu zahlen.

2.

Die Beklagten werden verurteilt, als Gesamtschuldner

an sie, die Klägerin, eine monatliche Schadensrente

in Höhe von 825,88 DM, beginnend mit dem 01.04.1990,

nebst 4 % Zinsen jeweils ab dem 01.04., 01.05.,

01.06.,01.07.,01.08.,01.09.,01.10. und

01.11.1990 zu zahlen.

3.

Die Beklagten werden verurteilt als Gesamtschuldner,

an sie, die Klägerin, insgesamt noch 30.000,-- DM

Schmerzensgeld nebst 4 , Zinsen seit dem 10.10.1988

(neben den bereits geleisteten 40.000,-- DM) zu zahlen.

4.

Es wird festgestellt, daß die Beklagten als Gesamt-

Schuldner verpflichtet sind, ihr sämtliche zukünf-

tigen materiellen und immateriellen Schäden aus dem

Verkehrsunfall vom 06.11.1986 in Dortmund zu ersetzen,

soweit die Ansprüche nicht auf öffentlich rechtliche

Versicherungsträger oder Versorgungsträger

übergegangen sind;

II.

die gegnerische Berufung zurückzuweisen.

Die Beklagten greifen die Verurteilung zur Feststellung

zukünftiger Schadensersatzpflicht nicht an und beantragten

unter Bezugnahme auf ihren erstinstanzlichen Vortrag,

I.

die Berufung der Klägerin zurückzuweisen;

II.

unter Abänderung des landgerichtlichen Urteils

1.

die Klage auf Ersatz der materiellen Schäden, soweit

diese über vorprozessual geleistete 9.673,-- DM

hinausgehen, abzuweisen,

2.

die Klage auf Zahlung eines weiteren Schmerzensgeldes

abzuweisen;

3.

die Klage auf Zahlung einer monatlichen Schadensrente

(von 757,63 DM) abzuweisen.

Wegen weiterer Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird

auf die gewechselten Schriftsätze und ihre Anlagen verwiesen.

Der Senat hat die Klägerin gemäß § 141 ZPO angehört; wegen

des Ergebnisses wird auf den Berichterstattervermerk zur

mündlichen Verhandlung vom 26.9.1991 verwiesen.

Der Senat hat ferner ein schriftliches Ergänzungsgutachten

des Sachverständigen T eingeholt; es wird

insoweit auf die Stellungnahme des Sachverständigen vom

28.5.1991 Bezug genommen.

Gründe

Die Berufung der Klägerin ist unbegründet.

Die Berufung der Beklagten ist zum Teil begründet und führt

zu einer geringfügigen Abänderung des angefochtenen Urteils.

Nach den §§ 7 StVG, 823, 843, 847 BGB, 3 PflVersG steht der

Klägerin Schadensersatz in folgendem Umfang zu:

Immaterieller Schaden:

Das vom Landgericht zugesprochene Schmerzensgeld von

65.000,-- DM (ohne Berücksichtigung der von der Beklagten zu

2) geleisteten Zahlungen) erscheint zum Ausgleich der

immateriellen Schadensfolgen aus den zutreffenden Erwägungen

des angefochtenen Urteils angemessen. Nachdem vom Sachverständigen

T in seinem Gutachten vom

12.6.1989 beschriebenen Gesundheitszustände wird die Klägerin

ihr Leben lang durch Narbenbildung entstellt und in ihrer

Geh- und Stehfähigkeit erheblich beeinträchtigt sein. Dieses

Ergebnis seiner Untersuchungen hat der Sachverständige, an

dessen Fachlicher Qualifikation und Oberparteilichkeit nicht

zu zweifeln ist, in seinen ergänzenden Stellungnahmen vom

30.10.1989 und 28.5.1991 bekräftigt: Die letzten, aufgrund

des Beweisbeschlusses vom 4.12.1990 gemachten Ausführungen

des Sachverständigen sind zwar im Umfang reduziert und

beruhen nicht auf einer erneuten Untersuchung der Klägerin,

genügen aber gleichwohl den gesetzten Anforderungen: Der

Gutachter geht mit ausführlicher und einleuchtender Begründung

in seinem Gutachten vom 12.6.1989 davon aus, der

Zustand der Klägerin könne sich nicht mehr bessern, allenfalls

eine Verschlechterung sei langfristig zu befürchten.

Wenn er unter diesen Umständen nach sorgfältiger Prüfung

eine Nachuntersuchung der Klägerin vor Ablauf von fünf

Jahren für nicht erforderlich hält, sind die Fragen des

Beweisbeschlusses hinreichend beantwortet.

Für die Bemessung des Schmerzensgeldes ist deshalb von einer

dauerhaften, nicht besserungsfähigen erheblichen Behinderung

auszugehen, durch welche die Erwerbsfähigkeit der Klägerin

je nach Tätigkeit zu 40 bis 60 % gemindert ist. Eine etwaige

zukünftige wesentliche Verschlechterung des Zustandes ist

nicht Grundlage der Entscheidung. Wegen des noch jungen

Alters der Klägerin und den nachteiligen Auswirkungen gerade

für das Familienleben und die Freizeit ist ein hohes Schmerzensgeld

angemessen. Der vom Landgericht ausgeworfene Betrag

von 65.000,-- DM wird dem Umfang der Beeinträchtigungen und

dem Genugtuungsinteresse der Klägerin gerecht.

Davon sind die vor Rechtshängigkeit gezahlten 20.000,-- DM,

die im Laufe des erstinstanzlichen Verfahrens gezahlten

10.000,-- DM sowie die - in der Berufungsverhandlung unstrei-

tig gewordene weitere Zahlung von 10.000, -- DM abzu-

ziehen, so daß ein Anspruch von 25.000,-- DM verbleibt.

Materieller Schaden:

1)

Wegen der Minderung der Erwerbsfähigkeit und der gleichzeitigen

Vermehrung eigener Bedürfnisse ist der Klägerin gemäß

§ 843 BGB eine Geldrente zu zahlen, deren Höhe sich nach den

Kosten einer für üblichen Dienstlohn angestellten Haushaltshilfe

richtet. Die dabei erforderliche Beschäftigungsdauer

errechnet sich aus den vor der Verletzung von der Hausfrau

erbrachten Zeitaufwand abzüglich der trotz Verletzung noch

möglichen häuslichen Arbeitsleistung.

Nach dem bereits vom Landgericht zutreffend gewürdigten

Beweisergebnis ist davon auszugehen, daß die KIägerin ihren

Haushalt im wesentlichen selbst, das heißt insbesondere ohne

Mithilfe ihres Ehemannes, versorgt hat. Ihr als Zeuge

vernommener Ehemann hat jede Mithilfe im Haushalt in Abrede

gestellt. Auch wenn er ein Eigeninteresse am Ausgang des

Verfahrens hat, gibt es keine hinreichenden Anhaltspunkte,

seine Aussage als wahrheitswidrig zu werten. Die Doppelbe-

lastung einer Ehefrau durch Beruf und Haushalt ist verbreitet.

Zwar besteht für den Ehepartner eine Mithilfepflicht,

insbesondere wenn er - wie der Ehemann der Klägerin - keiner

Erwerbstätigkeit nachgeht; haben jedoch die Eheleute die

Aufteilung der Pflichten in der Weise vorgenommen, daß ein

Partner die gesamte Haushaltsführung und Kinderbetreuung

allein übernimmt, so ist die abbedungene Mithilfe schadensrechtlich

bei der Feststellung des Arbeitszeitbedarfes nicht

zu beachten (BGH VersR 1983/S. 688 und 1984/S. 79).

Der danach von der Klägerin vor dem Unfall tatsächlich

erbrachte Arbeitsaufwand ist gemäß § 287 ZPO zu schätzen,

wobei die Tabelle Nr. 8 von "Schulz-Borck/Hofmann, Schadensberechnung

bei Ausfall von Hausfrauen und Müttern im Haushalt",

die ihrerseits auf umfassenden Untersuchungen durch-

schnittlicher hausfraulicher Leistungen beruht, herangezogen

werden kann. Die dort für einen Drei-Personen-Haushalt bei

voller Erwerbstätigkeit genannten 27 Wochenstunden erscheinen

jedoch für den Haushalt der Klägerin unrealistisch. Da

sie nach ihrer eigenen Erklärung im Rahmen ihrer Anhörung

gemäß § 141 ZPO über ihre Tätigkeit als Sekretärin hinaus

etwa sechs Monate im Jahr bis zu 30 Wochenstunden für das

Imbißgeschäft gearbeitet hat, muß ihre zeitliche Beanspruchung

für die Hausarbeit geringer ausgefallen sein als beim

Durchschnitt voll erwerbstätiger Hausfrauen. Der Senat geht

im Wege der Schätzung gemäß § 287 ZPO davon aus, daß sie

etwa die Hälfte der im Jahresdurchschnitt für das Kleingewerbe

aufgewandten Wochenstunden (also 15 Stunden) durch

Einsparungen im Haushalt ausgeglichen hat. Dem entspricht

die Erklärung der Klägerin, ihre Schwiegermutter habe

tagsüber das Kind gehütet und auch mit Essen versorgt. Die

wöchentliche Haushaltsarbeitszeit der Klägerin einschließlich

Kinderbetreuung ist danach auf durchschnittlich 20

Stunden zu schätzen. Für die Zeit teilweiser Minderung der

Erwerbsfähigkeit ist der vom Sachverständigen T angegebene

Prozentsatz unmittelbar auf diese

Stundenzahl anzurechnen, da - wie vom Landgericht zutreffend

ausgeführt - die wesentlichen Hausarbeiten im Stehen zu ver-

richten sind und die Behinderung der Klägerin sich deshalb

ständig bemerkbar macht.

Ausgehend von der vom Sachverständigen in seinem Ergänzungsgutachten

vom 30.10.1989 zeitlich eingegrenzten Minderung

der Erwerbsfähigkeit und den der Tabelle 5 bei Schulz-Borck/

Hofmann entnommenen Vergütungen nach BAT VII - nur

diese Vergütungsgruppe wird dem zu erwartenden Tätigkeitsbereich

der Haushaltshilfe gerecht - in der jeweils geltenden

Fassung ergibt sich folgende Schadensaufstellung:

Zeitraum

Wochenstunden

Monate

Je Monat

gesamt

06.11.-31.12.86

20

1 4/5

971,27 DM

1.748,29 DM

01.01.-17.03.87

20

1 1/2

989,91 DM

1.484,87 DM

18.03.-16.11.87

14

750,93 DM

6.007,44 DM

17.11.87-03.08.88

10

8 1/2

567,79 DM

4.826,22 DM

04.08.-15.08.88

20

1/2

989.91 DM

494,96 DM

16.08.-15.09.88

14

750,93 DM

750,93 DM

16.09.-31.12.88

10

3 1/2

567,79 DM

1.987,27 DM

01.01.-31.03.89

10

588,95 DM

1.766,85 DM

01.04.-31.12.89

10

601,58 DM

5.414,22 DM

01.01.-31.03.90

10

629,67 DM

1.889,01 DM

gesamt

26.370,06 DM

Von diesem Betrag sind die nach Rechtshängigkeit gezahlten

5.952,80 DM und 1.828,36 DM (vgl. Abrechnungsschreiben des

Beklagten zu 2) vom 9.11.1988) abzuziehen, so daß ein Betrag

von 18.588,90 DM für die Schadensrente bis einschließlich

März 1990 verbleibt.

Seit dem 1.4.1990 sind monatlich 639,60 DM, seit dem = 1.1.1991 674,78 DM und seit dem 1.4.1991 678,80 DM zu zahlen. Für etwaige zukünftige wesentliche Änderungen ist die Klägerin auf den Weg der Abänderungsklage nach § 323 ZPO

verwiesen.

Allerdings kann dem Antrag auf Schadensrente nicht ohne

zeitliche Begrenzung entsprochen werden, da der erforder-

liche Arbeitsaufwand der Klägerin nicht für ihre gesamte

Lebenszeit mit Zuverlässigkeit vorhergesehen werden kann

(vgl. RG JW 31/S. 865). Mit Vollendung des 18. Lebensjahres

ihres Kindes (25.12.2003) entfällt, soweit nicht besondere

Umstände eintreten, dessen Unterhaltsanspruch, so daß bei

den familiären Lebensverhältnissen im Haus der Klägerin

eine erhebliche Änderung zu erwarten ist, die zum jetzigen

Zeitpunkt nicht näher beschrieben werden kann.

Der ab dem Jahre 2004 der Klägerin zustehende Anspruch auf

Schadensrente ist dem Grunde nach von der bereits vom

Landgericht ausgesprochenen Feststellung zukünftiger Schadensersatzpflicht

umfaßt und kann wegen der Höhe rechtzeitig neu eingeklagt werden.

2.

Kosten für die Beschäftigung von Aushilfskräften im Imbißbetrieb

hat die Klägerin in der Berufungsinstanz nicht mehr geltend gemacht.

3.

Den Schadensersatzanspruch für zerstörte Kleidung hat der

Beklagte zu 2) durch Zahlung von 750,-- DM ausgeglichen.

4.

Den vom Landgericht zurückgewiesenen Anspruch auf Ersatz für

verlorenen Urlaubsanspruch hat die Klägerin gleichfalls

nicht weiterverfolgt.

5.

Die Klägerin kann Verdienstausfall in Höhe von 2.372,89 DM

ersetzt verlangen, der sich aus der Differenz von täglichem

Urlaubsgeld und Nettoverdienst ergibt. Ihre Angaben dazu

sind nicht bestritten worden. Da diese Berechnung an den

Nettoverdienst der Klägerin anknüpft, zielt die Argumentation

der Beklagten, der Krankenversicherer der Klägerin

habe Zahlungen an den Rentenversicherer geleistet, ins

Leere. Die Beklagten behaupten nicht, daß die Klägerin

Rückzahlungen des Rentenversicherungsträgers erhalten habe.

6.

Der Klägerin ist ein weiterer ersatzfähiger Schaden dadurch

entstanden, daß sie vor dem Unfall angeschaffte Schuhe und

Kleider nicht mehr zweckentsprechend verwenden kann. Der

Sachverständige T hat das Tragen orthopädischen

Schuhwerkes als zwingend erforderlich bezeichnet.

Nach dem persönlichen Eindruck des Senates vom Auftreten der

Klägerin in der Berufungsverhandlung sind die eher unförmigen

orthopädischen Schuhe nur mit Hosen ästhetisch anspre-

chend zu kombinieren, so daß die Behauptung der Klägerin,

sie könne ihre Röcke und Kleider nicht mehr benutzen,

glaubhaft erscheint. Mangels näherer Anhaltspunkte über

Zahl, Alter und Qualität der Schuhe und Kleidungsstücke auch

der Ehemann der Klägerin hat dazu nähere Aussagen nicht

gemacht - schätzt der Senat gemäß, § 287 ZPO den Schaden

insoweit pauschal auf 2.000,-- DM.

7.

Die für Krankenhausbesuche erforderlich gewesenen Fahrtkosten

hat der Beklagte zu 2) in Höhe von 996,84 DM nach

einer Kilometerpauschale von 0,30 DM ausreichend reguliert.

Der von der Klägerin gehaltene VW-Polo erfordert nach Abzug

der ohnehin von ihr zu tragenden Kosten wie Abschreibung,

Steuer, Versicherung etc. keinen höheren Kostenaufwand.

8.

Weiteren Verdienstausfall von 45,-- DM hat der Beklagte

zu 2) durch Zahlung ausgeglichen.

9.

Verpflegungskosten von 630,-- DM hat die Klägerin nach

Klageabweisung in erster Instanz nicht weiter geltend

gemacht.

Der Klägerin steht danach für die Zeit bis zum 31.3.1990

materieller Schadensersatz in Höhe von 18.588,90 DM,

2.372,89 DM und 2.000,-- DM, zusammen 22.961,79 DM zu.

Der im Abrechnungsschreiben der Beklagten zu 2) vom

9.11.1988 enthaltene Erstattungsbetrag von 100.—DM für

einen Eigenanteil an orthopädischen Schuhen ist von dieser

Forderung nicht abzuziehen, da die Klägerin einen solchen

Anspruch nicht rechtshängig gemacht hat.

Der Zinsanspruch beruht auf den §§ 284, 288 BGB.

Über den Feststellungsantrag hatte schon das Landgericht

rechtskräftig entschieden. Zur Übersichtlichkeit ist die

zukünftige Schadensersatzpflicht der Beklagten erneut in die

Urteilsformel aufgenommen worden.

Die Kostenentscheidung beruht auf den §§ 91, 91 a, 92, 97

ZPO.

Die Entscheidung über die vorläufig Vollstreckbarkeit ergeht

nach den §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO.

Das Urteil beschwert die Klägerin mit 25.279,75 DM und die

Beklagten mit 88.689,79 DM.