OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 12.08.2011 - 23 U 359/09
Fundstelle
openJur 2012, 34914
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Tenor

Auf die Berufung der Beklagten wird das am 24.9.2009 verkündeteUrteil des Landgerichts Frankfurt am Main wie folgt teilweiseabgeändert:

Die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin anstelle des unterZiffer 1.c. ausgeurteilten Betrags von 1.376,83 € einen Betragvon 1.085,04 € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten überdem jeweiligen Basiszinssatz seit dem 15.5.2009 zu zahlen.

Im Übrigen bleibt der Tenor des Urteils des LandgerichtsFrankfurt am Main unverändert und die darüber hinausgehende Klageabgewiesen.

Die weitergehende Berufung der Beklagten wirdzurückgewiesen.

Die Beklagte hat die Kosten des Rechtsstreits in erster undzweiter Instanz zu tragen.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Die Beklagte darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung inHöhe von 120 % des aufgrund des Urteils vollstreckbaren Betragsabwenden, wenn nicht die Klägerin vor der Vollstreckung Sicherheitin Höhe von 120 % des jeweils zu vollstreckenden Betragsleistet.

Die Revision wird nicht zugelassen.

Gründe

I.

Hinsichtlich des Sachverhalts wird zunächst auf die tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Urteil, die keiner Änderung oder Ergänzung bedürfen, gemäß § 540 Abs. 1 Nr. 1 ZPO Bezug genommen.

Die Klägerin macht gegen die Beklagte aus eigenem Recht einen Zahlungsanspruch auf Schadensersatz sowie mehrere Feststellungsansprüche im Zusammenhang mit der Zeichnung einer Kommanditbeteiligung an der „… VIP MEDIENFONDS 3 GmbH & Co. KG“ am 22.9.2003 in Höhe von 25.000.- € zuzüglich 5 % Agio geltend.

Das Landgericht hat der Klage im Wesentlichen stattgegeben mit der Begründung, dass die Beklagte der Klägerin gegenüber Aufklärungs- und Informationspflichten aus dem zwischen ihnen zustande gekommenen Anlageberatungsvertrag verletzt habe. So sei die Beklagte auf der Grundlage der Rechtsprechung des BGH verpflichtet gewesen, der Klägerin die an sie fließende Rückvergütung zu offenbaren, was sie jedoch weder bei der Beratung noch im Prospekt oder auf sonstige Weise getan habe. Die Pflichtverletzung sei auch kausal für die Zeichnung der Anlage gewesen, die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens der Klägerin sei nicht widerlegt. Das Verschulden der Beklagten sei gegeben, ein Entlastungsbeweis nicht geführt. Ein unverschuldeter Rechtsirrtum liege nicht vor. Anhaltspunkte für ein Mitverschulden der Klägerin seien nicht ersichtlich. Eine Verjährung der Ansprüche der Klägerin sei auch nicht eingetreten. Die Klägerin könne danach das aufgewendete Eigenkapital und das Agio ersetzt verlangen Zug um Zug gegen Übertragung der Fondsbeteiligung. Auch sei der Feststellungsantrag zum Ersatz weiteren Schadens gerechtfertigt mit Ausnahme einer etwaigen Nachzahlung von Einkommensteuer.

Gleichfalls begründet sei der Feststellungsantrag zum Nichtbestehen von Verpflichtungen der Klägerin aus dem Teilfinanzierungsdarlehen. Eine Anrechnung von Steuervorteilen komme nicht in Betracht. Ferner könnten die außergerichtlichen Kosten verlangt werden. Daneben seien Prozesszinsen von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit zuzusprechen. Die geltend gemachten Steuerzinsen seien der Klägerin aufgrund hinreichender Darlegung des erforderlichen Zusammenhangs mit der Anlage zu gewähren. Der geltend gemachte entgangene Gewinn sei mangels substantiierten Vortrags hingegen nicht zuzusprechen.

Wegen der weiteren Urteilsbegründung wird auf die Entscheidungsgründe des angefochtenen Urteils Bezug genommen

Die Beklagte hat am 30.10.2009 gegen das ihr am 30.9.2009 zugestellte Urteil des Landgerichts fristgerecht Berufung eingelegt und diese am 30.11.2009 innerhalb der Berufungsbegründungsfrist fristgerecht begründet.

Mit ihrer Berufung wendet sich die Beklagte gegen die Klagestattgabe und verfolgt ihren erstinstanzlichen Antrag auf vollständige Klageabweisung weiter.

Die Beklagte vertritt die Auffassung, das Landgericht habe zu Unrecht die Verletzung von Aufklärungs- und Informationspflichten aus einem Beratungsvertrag angenommen. Eine Pflicht zur Aufklärung über den Anteil der Beklagten an den Vertriebskosten habe hier schon deshalb nicht bestanden, weil die entsprechende Rechtsprechung des BGH auf Fälle wie den hier vorliegenden nicht übertragbar sei und im Übrigen durch den Prospekt und den Vermögensanlage-Bogen der Anleger in hinreichendem Maße über die Einbindung der Beklagten in den Vertrieb und etwaige finanzielle Vorteile für diese daraus aufgeklärt werde. Es müsse zwischen Vertriebsprovisionen und Rückvergütungen unterschieden werden. Aufklärungspflichtige Rückvergütungen lägen hier nicht vor; die Beklagte habe weder Teile des Agios noch solche der Zeichnungssumme erhalten. Ein etwaiger Interessenkonflikt der Beklagten sei jedenfalls offenkundig und damit nicht aufklärungsbedürftig gewesen.

Der Fondsprospekt sei richtig und vollständig, auch im Hinblick auf die Bezeichnung als „Garantiefonds“.

Soweit eine Aufklärungspflicht über den Erhalt von Rückvergütungen bestanden haben sollte, sei eine Verletzung durch die Beklagte nicht schuldhaft erfolgt, da zumindest bis zu der Entscheidung des BGH vom 19.12.2006 nicht vorhersehbar gewesen sei, dass eine solche Pflicht – jedenfalls für Provisionen unterhalb einer 15 %-Schwelle – bestehe. Insofern habe die Beklagte ebenfalls nicht davon ausgehen müssen, dass sie ihren konkreten Anteil an Vertriebsprovisionen, die als solche im Prospekt erläutert gewesen seien, habe offenbaren müssen. Die Beklagte habe sich zum Zeitpunkt des Anteilsvertriebs in einem Vorsatz ausschließenden Rechtsirrtum befunden und auch nicht fahrlässig gehandelt, weil aufgrund der in den Jahren 2003 und 2004 geltenden Rechtsprechung die geänderte Rechtsauffassung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2009 nicht voraussehbar gewesen sei und die Beklagte, die die Rechtsprechung stets sorgfältig ausgewertet und umgesetzt habe, sich auf die damals geltende Rechtsprechung verlassen habe. Im Übrigen gelte die sog. Kollegialgerichtsrichtlinie sowie ein verfassungsrechtliches Rückwirkungsverbot und Vertrauensschutz.

Ein Schadensersatzanspruch der Klägerin scheitere weiter an dem Fehlen einer haftungsbegründenden Kausalität zwischen einer etwaigen Pflichtverletzung der Beklagten im Hinblick auf etwaige Rückvergütungen und den Anlageentscheidungen, da die Klägerin, wären ihr die konkreten Zahlungen an die Beklagte bekannt gewesen, nicht nur die Möglichkeit gehabt hätte, die Anlage insgesamt zu unterlassen, sondern sie hätte z.B. auch mit der Beklagten über eine (teilweise) Rückzahlung des Agios verhandeln können. Eine Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens bestehe danach nicht, da allenfalls ein Entscheidungskonflikt ausgelöst worden wäre mit mehreren Möglichkeiten aufklärungsrichtigen Verhaltens. Die Beklagte habe dann, wenn ein Anleger Anstoß an dem 5 %-igen Agio genommen habe, mit diesem verhandelt und aus ihrer eigenen Vertriebsprovision Erstattungszahlungen geleistet, was sie auch getan hätte, wenn dem Anleger die von der … Beratung an die Beklagte gezahlte Vertriebsprovision zu hoch erschienen wäre. Die Klägerseite trage die Beweislast für die Kausalität, wobei sie den Nachweis nicht geführt habe, dass die Klägerin im Falle ungefragter Aufklärung über den Anteil der Beklagten an den Vertriebsprovisionen von dem Fondserwerb Abstand genommen hätte. Zu berücksichtigen sei dabei ferner, dass die Anlageentscheidung maßgeblich von dem Wunsch bestimmt worden sei, Steuern zu sparen, und für den Anleger allenfalls noch Renditechancen und das Sicherungskonzept der Schuldübernahme relevant gewesen seien. Bei Mitteilung der Vertriebsprovision hätte der Anleger auch deshalb keinen Abstand von der Anlage genommen, weil es keine vergleichbare Kapitalanlagemöglichkeit mit geringeren Vertriebsprovisionen gegeben habe.

Sonstige Pflichtverletzungen der Beklagten lägen ebenfalls nicht vor, insbesondere habe diese den Prospekt hinreichend auf Plausibilität geprüft. Außerdem werde in dem Prospekt mit ausreichender Deutlichkeit das Sicherheitskonzept des Fonds dargestellt, die Zahlungsflüsse im Hinblick auf die Zusagen der Banken für den Fall des Ausfalls des Erlöses würden in gebotenem Maße dargelegt. Dem Anleger werde mehrfach deutlich gemacht, dass er trotz der Überschrift des Prospekts („Garantiefonds“) weiterhin ein unternehmerisches Risiko trage, das bis hin zum Totalverlust gehen könne. Insgesamt sei der Fondsprospekt daher fehlerfrei. Etwaige einzelne Prospektfehler seien jedenfalls nicht kausal gewesen für die Anteilszeichnung.

Rechtsfolge einer schuldhaften Verletzung des Anlagevermittlungs- oder Beratungsvertrag sei lediglich eine Ersatzpflicht hinsichtlich des negativen Interesses. Das Landgericht habe der Klägerseite rechtsfehlerhaft auch das positive Interesse zugesprochen, weil die Beklagte der Klägerseite nicht auch den Vorteil eines einkommenssteuerrechtlichen Verlustabzugs zukommen lassen müsse.

Die vom Landgericht ausgesprochene Zug um Zug-Verurteilung sei unzureichend. Geschuldete Zug um Zug-Leistung sei die Übertragung der Beteiligung einschließlich des Herbeiführens aller zu einer wirksamen Übertragung erforderlichen Erklärungen Dritter, die Erteilung einer Zustimmungserklärung des Komplementärs sowie die Vertragsübernahme des Treuhandvertrags mit dem Treuhänder.

Im Hinblick auf die verlangten Prozesszinsen bzw. die Annahme eines Schuldnerverzugs sei zu berücksichtigen, dass die Klägerin die Rückübertragung des Anteils nicht in verzugsbegründender Weise angeboten habe. Dabei sei von wesentlicher Bedeutung, dass eine solche Übertragung der Zustimmung der Fondsgesellschaft bedürfe, die derzeit nicht vorliege.

Außergerichtliche Anwaltskosten in der geltend gemachten Höhe seien angesichts des Umstandes, dass an hunderte von Anlegern gleichgefertigte Anschreiben geschickt worden seien, nicht gerechtfertigt; auch habe die Klägerseite nicht vorgetragen, dass ein Schaden überhaupt entstanden sei.

Schließlich sei der Schaden insgesamt aufgrund eines erheblichen Mitverschuldens des Anlegers gemindert, da er entgegen seiner Pflichten die Hinweise im Prospekt nicht ausreichend wahrgenommen habe und sich entsprechend – etwa in Form von Rückfragen o.ä. – verhalten habe.

Darüber hinaus sei Verjährung eingetreten.

Außerdem habe das Landgericht ihr Grundrecht auf rechtliches Gehör aus Art. 103 Abs. 1 GG verletzt, indem es das Beweisangebot zu der Frage, wie sich der Anleger in Kenntnis von den Provisionen verhalten hätte, übergangen habe.

Auf einen etwaigen Anspruch auf Ersatz steuerlicher Nachzahlungszinsen seien die von der Klägerseite darzulegenden Vorteile aus der über Jahre währenden Anerkennung von Verlustzuweisungen anzurechnen.

Nach der informatorischen Anhörung der Klägerin stehe fest, dass eine Kenntnis von etwaigen Provisionen nicht anlageentscheidend gewesen sei mit der Folge des Fehlens des erforderlichen Kausalzusammenhangs mit einer etwaigen Aufklärungspflichtverletzung.

Die Beklagte beantragt,

das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 24.9.2009 abzuändern und die Klage abzuweisen sowie

vorsorglich, die Sache zur Sachverhaltsaufklärung und Durchführung der Beweisaufnahme an das erstinstanzliche Gericht zurückzuverweisen.

Die Klägerin beantragt,

die Berufung der Beklagten zurückzuweisen.

Die Klägerin verteidigt das Urteil des Landgerichts als zutreffend. Die Berufung der Beklagten sei dagegen unbegründet; die Klägerin wiederholt und vertieft insoweit ihr erstinstanzliches Vorbringen. Auf der Grundlage der einschlägigen Kick-back-Rechtsprechung des BGH und vor allem seiner aktuellen Beschlüsse zum streitgegenständlichen Medienfonds sei der Klage wegen Pflichtverletzung des vorliegend abgeschlossenen Anlageberatungsvertrags durch Verschweigen der Rückvergütung stattzugeben.

Für die Klägerin streite die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens, auch in Ansehung ihrer informatorischen Anhörung, bei der sie bestätigt habe, die Beteiligung bei Kenntnis der Rückvergütung an die Beklagte nicht gezeichnet zu haben. Die Beklagte habe demgegenüber nicht dargelegt und bewiesen, dass die Klägerin auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung den Fonds gleichwohl gezeichnet hätte. Das Verschulden der Beklagten sei ebenfalls gegeben wie die übrigen Anspruchsvoraussetzungen. Ferner sei die Plausibilitätsprüfung durch die Beklagte nicht ordnungsgemäß erfolgt und die Bezeichnung als „Garantiefonds“ widersprüchlich. Ein Mitverschulden der Klägerin liege nicht vor. Die Einrede der Verjährung sei nicht begründet. Eine Verletzung rechtlichen Gehörs durch das Landgericht liege schon deshalb nicht vor, weil die Beklagte nicht substantiiert vorgetragen habe, was der angebotene Zeuge zur Entkräftung der Kausalitätsvermutung aussagen könnte. So fehle es an jeglichem Vortrag dazu, welche diesbezüglichen Angaben die Klägerin gegenüber dem Zeugen gemacht haben solle. Der Interessenkonflikt der Beklagten sei auch nicht offenkundig gewesen, zumal die Klägerin nicht gewusst habe, dass hinter ihrem Rücken Rückvergütungen an die Beklagte flössen, geschweige denn, in welcher Höhe. Die geltend gemachte 1,5 Geschäftsgebühr sei aufgrund des Umfangs und der Schwierigkeit angemessen und der Klägerin im Rahmen der Rechtsverfolgungskosten zu erstatten. Das Vorbringen der Beklagten zum angeblichen Vorteilsausgleich von Nachzahlungszinsen sei unsubstantiiert und außerdem nach § 531 ZPO nicht zuzulassen.

Wegen der weiteren Einzelheiten des zweitinstanzlichen Vorbringens der Parteien wird auf die im Berufungsverfahren gewechselten Schriftsätze verwiesen.

II.

Die Berufung der Beklagten ist form- und fristgerecht eingelegt sowie begründet. Sie bleibt in der Sache jedoch weitestgehend ohne Erfolg.

Es liegt insoweit kein Berufungsgrund im Sinne des § 513 ZPO vor, denn die Entscheidung des Landgerichts beruht hier weder auf einer Rechtsverletzung noch rechtfertigen nach § 546 ZPO bzw. nach § 529 ZPO zugrunde zu legende Tatsachen eine andere Entscheidung.

Das Landgericht hat in diesem Umfang zu Recht den von der Klägerin geltend gemachten Zahlungsanspruch auf Schadensersatz sowie den Feststellungsanspruch im Zusammenhang mit der Zeichnung einer Kommanditbeteiligung der Klägerin an der „… VIP MEDIENFONDS 3 GmbH & Co. KG“ am 22.9.2003 in Höhe von 25.000.- € zuzüglich 5 % Agio zuerkannt, denn diese Ansprüche sind nach § 280 Abs. 1 BGB wegen schuldhafter Verletzung der Pflichten der Beklagten aus dem Beratungsvertrag begründet.

Im Gegensatz zur Ansicht der Beklagten ist die Beklagte danach aus dem Beratungsvertrag der Klägerin gegenüber verpflichtet gewesen, sie über an sie fließende Rückvergütungen aus Vertriebsprovisionen aufzuklären, nämlich dass sie im Zusammenhang mit der Zeichnung eine Rückvergütung erhielt, die mit einer in das Kommanditkapital einkalkulierten Provision insgesamt 8,25 % betrug, was ihre Verpflichtung zum Schadensersatz nach § 280 Abs. 1 BGB im tenorierten Umfang begründet.

Am Zustandekommen eines Beratungsvertrags zwischen der Beklagten und der Klägerin nach den Grundsätzen des Bond-Urteils des BGH (BGHZ 123, 126) bestehen vorliegend keine Zweifel; dieser wird denn auch im Berufungsverfahren von der Beklagten nicht in Frage gestellt.

Ein Anlageberatungs- oder Anlagevermittlungsvertrag kann auch konkludent abgeschlossen werden (vgl. etwa OLG Frankfurt am Main OLGR 2007, 908ff). Nach der ständigen Rechtsprechung des BGH (z.B. Urteil vom 11.1.2007, III ZR 193/05 mit zahlreichen Nachweisen – bei juris; NJW 2000, 3275; auch OLG Celle OLGR 2002, 39) liegt ein Anlageberatungsvertrag regelmäßig dann vor, wenn der Anlageinteressent deutlich macht, dass er in Bezug auf eine bestimmte, für ihn wesentliche Anlageentscheidung die besonderen Kenntnisse und Verbindungen des anderen als Berater oder Vermittler in Anspruch nehmen will und dieser in Kenntnis dieser Umstände die Beratung beginnt; der Feststellung weiterer besonderer Umstände bedarf es nicht.

Da die Beklagte vorliegend im Rahmen eines persönlichen Beratungsgesprächs der Klägerin den streitgegenständlichen Fonds vorgestellt und eine Beteiligung daran nahegebracht hat, ist hier von einem zumindest konkludenten Abschluss eines Anlageberatungsvertrages auszugehen.

Der BGH hat mit Hinweisbeschluss vom 9.3.2011 (XI ZR 191/10, veröffentlicht bei juris und in ZIP 2011, 855-858 sowie WM 2011, 925-928), bestätigt durch seinen nachfolgenden Beschluss in dieser Sache nach § 552a ZPO iVm § 522 Abs. 2 Satz 2 und 3 ZPO vom 19.7.2011 (Homepage des BGH), für die auch streitgegenständliche Beteiligung an der „… VIP MEDIENFONDS 3 GmbH & Co. KG“ den Rechtsstandpunkt eingenommen, dass die Beklagte aus dem zugrundeliegenden Beratungsvertrag über diesen Fonds verpflichtet war, den Anleger über die an sie fließenden Rückvergütungen aus Vertriebsprovisionen aufzuklären. Der Senat teilt diesen Rechtsstandpunkt, den der BGH im genannten Beschluss vom 9.3.2011 nach Verweis auf seine Rechtsprechung (Senatsurteile vom 19. Dezember 2006 - XI ZR 56/05, BGHZ 170, 226 Rn. 22 f.; vom 12. Mai 2009 - XI ZR 586/07, WM 2009, 1274 Rn. 11 und vom 27. Oktober 2009 - XI ZR 338/08, WM 2009, 2306 = ZIP 2009, 2380 Rn. 31; Senatsbeschlüsse vom 20. Januar 2009 - XI ZR 510/07, WM 2009, 405 Rn. 13 und vom 29. Juni 2010 - XI ZR 308/09, WM 2010, 1694 Rn. 5) im Einzelnen wie folgt begründet hat:

„Soweit die Revision geltend macht, bei den Provisionen, die die Beklagte unstreitig in Höhe von 8,25% des Kommanditkapitals bei V 3 und in Höhe von 8,45% bis zu 8,72% des Kommanditkapitals bei V 4 erhalten hat, handele es sich um nicht aufklärungspflichtige "Innenprovisionen", die keine Rückvergütungen im Sinne der Senatsrechtsprechung darstellten, kann sie damit nicht durchdringen. Die Revision verkennt die rechtliche Unterscheidung zwischen Innenprovisionen und Rückvergütungen.

Innenprovisionen sind nicht ausgewiesene Vertriebsprovisionen, die bei einem Fonds aus dem Anlagevermögen gezahlt werden. Über sie muss nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (st. Rspr., u.a. BGH, Urteile vom 1. März 2004 - II ZR 88/02, WM 2004, 928, 930 und vom 2. Februar 2004 - III ZR 359/02, BGHZ 158, 110, 118) bei einem Fonds unter bestimmten Umständen aufgeklärt werden, weil sie Einfluss auf die Werthaltigkeit der vom Anleger erworbenen Anlage haben und deswegen bei diesem insoweit eine Fehlvorstellung herbeiführen können.

Aufklärungspflichtige Rückvergütungen liegen dagegen, wie der Senat zuletzt formuliert hat, nur dann vor, wenn Teile der Ausgabeaufschläge oder Verwaltungsgebühren, die der Kunde über die Bank an die Gesellschaft zahlt, hinter seinem Rücken an die beratende Bank umsatzabhängig zurückfließen, so dass diese ein für den Kunden nicht erkennbares besonderes Interesse hat, gerade diese Beteiligung zu empfehlen (Senatsurteil vom 27. Oktober 2009 - XI ZR 338/08, WM 2009, 2306 Rn. 31). Insoweit ist folgendes klarzustellen:

Soweit als Quelle der Rückvergütungen "Ausgabeaufschläge und Verwaltungsvergütungen" genannt werden, ist das - entgegen der Annahme der Revision - nicht abschließend, sondern - in Anknüpfung an das grundlegende Senatsurteil vom 19. Dezember 2006 - XI ZR 56/05 (BGHZ 170, 226) - nur beispielhaft gemeint. Damit soll lediglich zum Ausdruck gebracht werden, dass Rückvergütungen - anders als Innenprovisionen - nicht im Anlagebetrag enthalten (versteckt) sind, so dass beim Anleger keine Fehlvorstellung über die Werthaltigkeit der Anlage entstehen kann. Maßgebend für die Aufklärungspflicht über Rückvergütungen ist hingegen, dass der Anleger ohne diese Aufklärung nicht das besondere Interesse der beratenden Bank erkennen kann, gerade diese Anlage zu empfehlen. Die Fehlvorstellung über die Neutralität der Beratungsleistung der Bank, der mit der Aufklärungspflicht über Rückvergütungen begegnet werden soll, beruht allein darauf, dass die beratende Bank als Empfängerin der Rückvergütung ungenannt bleibt. Sie entsteht dagegen unabhängig davon, aus welcher offen angegebenen Quelle die Rückvergütung an die beratende Bank fließt.

Aufklärungspflichtige Rückvergütungen sind danach - regelmäßig umsatzabhängige - Provisionen, die im Gegensatz zu Innenprovisionen nicht aus dem Anlagevermögen, sondern aus offen ausgewiesenen Provisionen wie zum Beispiel Ausgabeaufschlägen und Verwaltungsvergütungen gezahlt werden, so dass beim Anleger zwar keine Fehlvorstellung über die Werthaltigkeit der Anlage entstehen kann, deren Rückfluss an die beratende Bank aber nicht offenbart wird, sondern hinter dem Rücken des Anlegers erfolgt, so dass der Anleger das besondere Interesse der beratenden Bank an der Empfehlung gerade dieser Anlage nicht erkennen kann.

Danach handelt es sich bei den hier an die Beklagte geflossenen Provisionen um aufklärungspflichtige Rückvergütungen. Sie waren nicht in den Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Fondsobjekts versteckt, sondern flossen aus den offen ausgewiesenen Vertriebskosten. Gemäß den nachstehenden Ausführungen war die Beklagte jedoch nicht als Empfänger der Provisionen angegeben. Vielmehr sind diese hinter dem Rücken der Klägerin an die Beklagte geflossen, so dass die Klägerin das besondere Interesse der Beklagten an der Empfehlung gerade von V 3 und 4 nicht erkennen konnte.

Eine ordnungsgemäße Aufklärung des Zedenten über die Rückvergütungen ist bei beiden Fonds nicht erfolgt, selbst wenn man unterstellt, auch der Prospekt bei V 3 sei dem Zedenten rechtzeitig übergeben worden. Den beiden Verkaufsprospekten ist nicht zu entnehmen, dass die Beklagte Empfängerin der dort genannten Vertriebsprovisionen oder des Agios sein sollte. Empfängerin sollte vielmehr ausdrücklich die ….AG sein. Den Prospekten lässt sich an keiner Stelle entnehmen, dass die Beklagte von dieser einen Teil der Vertriebsprovisionen erhalten sollte. Das ergibt sich nach der zutreffenden Auslegung des Berufungsgerichts auch nicht aus der Tatsache, dass die ….AG berechtigt sein sollte, Dritte einzuschalten. Selbst wenn daraus jedoch hervorgehen sollte, dass damit auch die Beklagte gemeint war, so ist dem Prospekt jedenfalls nicht zu entnehmen, in welcher Höhe Rückvergütungen an die Beklagte geflossen sind. Insbesondere auch die Höhe der Rückvergütung muss aber nach der Senatsrechtsprechung von der Bank ungefragt offen gelegt werden (Senatsurteil vom 19. Dezember 2006 - XI ZR 56/05, BGHZ 170, 226 Rn. 24; dies verkennt LG Bremen, WM 2010, 798, 800 f.).

Soweit die Revision meint, es sei nicht einsichtig, dass eine Bank höhere Aufklärungspflichten träfen als einen freien Anlageberater, kann sie damit nicht durchdringen.

Allerdings trifft nach der Rechtsprechung des III. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs bankungebundene freie Berater - außerhalb des Anwendungsbereichs des § 31d WpHG - keine (ungefragte) Aufklärungspflicht, da der Anleger bei solchen Beratern - anders als bei Banken - von einer durch den Produktanbieter "eingepreisten" Vergütung ausgehen und er deshalb deren Höhe erfragen müsse, wenn sie ihn interessiere (BGH, Urteil vom 15. April 2010 - III ZR 196/09, BGHZ 185, 185 Rn. 13).

Die Unterscheidung der Pflichten eines freien Anlageberaters zu den Pflichten eines Beraters im Bankensektor rechtfertigt sich daraus, dass der Bankkunde in der Regel bei "seiner" Bank eine Reihe von kostenpflichtigen Vertragsverhältnissen unterhält, insbesondere auf Dauer angelegte Vertragsverhältnisse wie einen Zahlungsdiensterahmenvertrag oder einen Depotvertrag (vgl. BGH, Urteil vom 15. April 2010 - III ZR 196/09, BGHZ 185, 185 Rn. 12), bzw. Banken typischerweise solche Vertragsverhältnisse anstreben. Das ist bei einem freien Anlageberater typischerweise nicht der Fall.

Diese typisierende Einordnung von Berufsgruppen zur Unterscheidung zwischen aufklärungspflichtigen Personen und nicht aufklärungspflichtigen Personen findet in Gesetz und Rechtsprechung Vorbilder. Sie wird insbesondere vom Gesetzgeber im Bereich des § 31d WpHG vorgegeben. Diese Vorschrift statuiert Aufklärungspflichten ausdrücklich nur für Wertpapierdienstleistungsunternehmen, nicht aber für sonstige Anlagevertreiber. Eine typisierende Einordnung wird auch seit langem bei der Abgrenzung der Pflichten eines Anlageberaters von denen eines Anlagevermittlers entsprechend der Regelung in § 1 Abs. 1a Nr. 1 und 1a KWG in der Rechtsprechung praktiziert. Während bei einem Kontakt des Anlegers mit einem Anlageberater ein Beratungsvertrag nach den Grundsätzen des Bond-Urteils zustande kommt, kommt im Verhältnis zu einem Anlagevermittler lediglich ein Auskunftsvertrag mit einem geringeren Pflichtenumfang zustande (vgl. BGH, Urteile vom 13. Mai 1993 - III ZR 25/92, WM 1993, 1238, 1239; vom 12. Februar 2004 - III ZR 359/02, WM 2004, 631, 633, insofern in BGHZ 158, 110 nicht abgedruckt, und Senatsurteil vom 7. Oktober 2008 - XI ZR 89/07, BGHZ 178, 149 Rn. 11).“

Auf dieser Grundlage ist auch im vorliegenden Fall der Beteiligung der Klägerin an der „… VIP MEDIENFONDS 3 GmbH & Co. KG“ von der dem Grunde nach haftungsbegründenden Verletzung einer Aufklärungspflicht der Beklagten über die an sie fließenden Rückvergütungen aus Vertriebsprovisionen auszugehen. Den dagegen im Einzelnen vorgebrachten Einwendungen der Beklagten ist aus den Gründen des vorgenannten Beschlusses, ergänzt durch diejenigen des Beschlusses vom 19.7.2011, nicht zu folgen. So hat der BGH in diesem Beschluss vom 19.7.2011 (XI ZR 191/10 – dortige Homepage) zutreffend weiter ausgeführt:

„Die Revision hat auch aus den im Hinweisbeschluss des Senats vom 9. März 2011 (aaO Rn. 17 ff.) genannten Gründen keine Aussicht auf Erfolg. Die Stellungnahme der Revision vom 11. Mai 2011 bietet keinen Anlass, von der Beurteilung im Hinweisbeschluss abzuweichen.

Zum unterschiedlichen dogmatischen Ansatz für die Aufklärungspflicht über Rückvergütungen einerseits und Innenprovisionen andererseits wird auf die Ausführungen im Hinweisbeschluss vom 9. März 2011 (aaO Rn. 21 ff.) verwiesen. Soweit die Revision sich nunmehr insgesamt gegen die Rechtsprechung des erkennenden Senats zur Pflicht einer anlageberatenden Bank, einen Anleger, dem sie eine Kapitalanlage empfiehlt, ungefragt über erhaltene Rückvergütungen aufzuklären, wendet, hält der Senat an seiner gefestigten Rechtsprechung fest (vgl. Senatsbeschluss vom 9. März 2011 aaO Rn. 20 mwN). Die Revision beruft sich für ihre gegenteilige Ansicht auf das Senatsurteil vom 22. März 2011 (XI ZR 33/10, WM 2011, 682 Rn. 38). Dabei verkennt sie, dass es in jenem Urteil um die Frage der Aufklärung über den in die Vertragsbedingungen einkalkulierten Gewinn des Verkäufers im Zweipersonenverhältnis ging. Vorliegend geht es hingegen um verheimlichte Provisionsrückflüsse von einem Dritten an den Berater des Kapitalanlegers. In diesem Dreipersonenverhältnis ist der durch die Zuwendung bestehende Interessenkonflikt nicht offenkundig und muss darüber aufgeklärt werden. Das entspricht auch der gesetzlichen Wertung des § 31d WpHG.

Entgegen der Ansicht der Revision liegt - wie der Senat bereits in seinem Beschluss vom 9. März 2011 (aaO Rn. 28 ff.) ausgeführt hat - auch keine Divergenz zur Rechtsprechung des III. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vor. Der III. Zivilsenat hat im Gegenteil in seinem Urteil vom 3. März 2011 (III ZR 170/10, WM 2011, 640 Rn. 18 ff.) noch einmal bekräftigt, dass sich die Pflichten einer Bank und eines freien Anlageberaters bei der gebotenen typisierenden Betrachtungsweise unterscheiden und die Bank danach in Übereinstimmung mit der Senatsrechtsprechung zur Aufklärung über Rückvergütungen verpflichtet ist.“

Die Beklagte hat nicht dargetan, dass sich in diesem Parallelfall zum selben Fonds die Zahlungsflüsse hinsichtlich der Provision von 8,25 % von denjenigen im vom BGH (XI ZR 191/10) entschiedenen Sachverhalt unterscheiden würden, weshalb keine Veranlassung dafür ersichtlich ist, diese Provision vorliegend nicht ebenso als aufklärungspflichtige Rückvergütung aus offen ausgewiesenen Vertriebsprovisionen wie zum Beispiel Ausgabeaufschlägen und Verwaltungsvergütungen anzusehen.

Die Einwendung der Beklagten, wonach ein etwaiger Interessenkonflikt der Beklagten jedenfalls offenkundig und damit nicht aufklärungsbedürftig gewesen sei, ist somit nach der Rechtsprechung des BGH ebenfalls entkräftet. Im Übrigen steht dem ferner entgegen, dass die Klägerin nicht gewusst hat, dass hinter ihrem Rücken Rückvergütungen an die Beklagte fließen, und schon gar nicht, in welcher Höhe, worauf sie zutreffend hingewiesen hat.

Auch der Umstand, dass die Klägerin gemäß ihrer informatorischen Anhörung davon ausgegangen ist, dass die Beklagte das Agio erhält, lässt eine Aufklärungspflicht der Bank nicht entfallen. Denn es ist zusätzlich die Aufklärung über die genaue Höhe der von der Beklagten erhaltenen Provisionen erforderlich (BGH, XI ZR 191/10, Beschlüsse vom 9.3.2011 und 19.7.2011, a.a.O.). Selbst wenn mit dem Erhalt des Agios ein gewisser Interessenkonflikt der Beklagten bereits zum Ausdruck kam, konnte die Klägerin ohne Kenntnis der Provisionshöhe das konkrete Interesse der Beklagten nicht ausreichend einschätzen (BGH, Urteil vom 19.12.2006, XI ZR 56/05 – bei juris), sondern musste eher davon ausgehen, das Interesse bestehe nur an einer Zuwendung in Höhe von 5%, was somit sogar ein falsches Bild vermittelte. Die Klägerin musste auch nicht nachfragen. Denn selbst wenn sie davon ausging, dass die Beklagte das Agio erhält, ist kein Grund dargetan, weshalb sie hätte annehmen sollen oder gar müssen, dass die Beklagte mehr erhält. Das hätte vielmehr dem Anleger von der Beklagten zur Erfüllung ihrer Beratungs- und Aufklärungspflichten ungefragt offenbart werden müssen.

Der - wie auch in Parallelverfahren erhobene - Einwand der Beklagten, der Anleger sei vorliegend von ihr in dem Vermögensanlage-Bogen auf mögliche Vertriebsprovisionen und Interessenkonflikte der Beklagten hingewiesen worden und habe sein Einverständnis abgegeben, vermag schon deshalb nicht durchzugreifen, weil dem von der Beklagten in diesem Zusammenhang zitierten Text „Der Bank können im Zusammenhang mit der Abwicklung von Wertpapiergeschäften Geldzahlungen oder geldwerte Vorteile (z.B. Vermittlungsprovisionen wie Vertriebs- oder Vertriebsfolgeprovisionen) durch Dritte gewährt werden.“ weder zu entnehmen ist, dass es sich dabei um einen Rückfluss von Vertriebsprovisionen, also um eine Rückvergütung handeln würde, noch die erforderliche Angabe der Höhe der Rückvergütung (vgl. BGH, BGHZ 170, 226) erfolgt ist. Ein wirksames Einverständnis des Anlegers mit der konkreten Rückvergütung kann auf dieser Grundlage mangels der notwendigen Informationen nicht abgegeben worden sein.

Ohne Erfolg beruft sich die Beklagte auch darauf, dass die dargelegte Pflichtverletzung nicht ursächlich für den Beteiligungserwerb durch die Klägerin gewesen sein soll.

Die Auffassung der Beklagten, die Klägerseite trage die Beweislast für die Kausalität, ist unzutreffend.

So hat der BGH in seinem vorgenannten Hinweisbeschluss vom 9.3.2011 (XI ZR 191/10 a.a.O.) zur Frage der Kausalität folgendes festgestellt:

„Rechtsfehlerfrei hat das Berufungsgericht auch die Kausalität der Aufklärungspflichtverletzung für den Erwerb der Kapitalanlagen bejaht.

Steht - wie hier in Bezug auf Rückvergütungen - eine Aufklärungspflichtverletzung fest, streitet für den Anleger die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens, die zu einer Beweislastumkehr führt. Der Aufklärungspflichtige muss beweisen, dass der Anleger die Kapitalanlage auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung erworben hätte, weil er den richtigen Rat oder Hinweis nicht befolgt hätte (vgl. Senatsurteile vom 16. November 1993 - XI ZR 214/92, BGHZ 124, 151, 159 f.; vom 19. Dezember 2006 - XI ZR 56/05, ZIP 2007, 518, 521 Rn. 27, insoweit in BGHZ 170, 226 nicht abgedruckt, und vom 12. Mai 2009 - XI ZR 586/07, WM 2009, 1274 Rn. 22, auch BGH, Urteil vom 2. März 2009 - II ZR 266/07, WM 2009, 789 Rn. 6 mwN).

Die Vermutung greift allerdings dann nicht ein, wenn sich der Anleger bei gehöriger Aufklärung in einem Entscheidungskonflikt befunden hätte, wenn es also nicht nur eine bestimmte Möglichkeit aufklärungsrichtigen Verhaltens gab (Senatsurteile vom 16. November 1993 - XI ZR 214/92, BGHZ 124, 151, 161 und vom 7. Mai 2002 - XI ZR 197/01, BGHZ 151, 5, 12). Davon kann bei verschwiegenen Rückvergütungen nicht schon wegen deren Geringfügigkeit im Verhältnis zur Anlagesumme ausgegangen werden (OLG Köln, WM 2003, 338, 340 f.). Es muss vielmehr aufgrund konkreter Umstände des Einzelfalls feststehen, dass dem Anleger bei gehöriger Aufklärung mindestens zwei tatsächlich von ihm zu ergreifende Handlungsalternativen zur Verfügung standen.

Das Berufungsgericht hat in Übereinstimmung mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung das Vorliegen eines Entscheidungskonflikts und die Widerlegung der Vermutung rechtsfehlerfrei verneint. Entgegen der Ansicht der Revision hat das Berufungsgericht die Darlegungs- und Beweislast für das Nichteingreifen der Vermutung nicht verkannt. Diese trifft - genauso wie für die Widerlegung der Vermutung - die Bank, deren Aufklärungspflichtverletzung feststeht (vgl. Senatsbeschluss vom 9. Februar 2010 - XI ZR 140/09, BKR 2010, 515 Rn. 11). Soweit die Revision in diesem Zusammenhang Verfahrensfehler rügt, hat der Senat diese geprüft und für nicht durchgreifend erachtet (§ 564 ZPO).“

Die Darlegungs- und Beweislast für das Nichteingreifen der Vermutung trifft danach - genauso wie für die Widerlegung der Vermutung - die Bank, deren Aufklärungspflichtverletzung feststeht (vgl. BGH, Beschlüsse vom 9.3.2011 und vom 9.2.2010, XI ZR 140/09, BKR 2010, 515 Rn. 11).

Auch vorliegend hat die Beklagte die für den Anleger streitende Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens nicht widerlegt, insbesondere nicht den ihr insoweit obliegenden Nachweis geführt, dass der Anleger die Kapitalanlage auch bei ordnungsgemäßer Aufklärung erworben hätte, weil er den richtigen Rat oder Hinweis nicht befolgt hätte.

Soweit die Beklagte meint, dass nach der informatorischen Anhörung der Klägerin feststehe, dass eine Kenntnis von etwaigen Provisionen nicht anlageentscheidend gewesen sei mit der Folge des Fehlens des erforderlichen Kausalzusammenhangs mit einer etwaigen Aufklärungspflichtverletzung, ist ihr nicht zu folgen. Schließlich hat die Klägerin bei ihrer informatorischen Anhörung vor dem Senat ganz im Gegenteil eindeutig angegeben, dass sie im Falle der Offenlegung der Provision der Beklagten von 8,25 % die Anlage nicht getätigt hätte. Ihre Motivation für ein solches Verhalten ist demgegenüber nicht von entscheidender Bedeutung, zumal die Klägerin die Nichtanlage nach dem Hinweis des Senats, dass der Provisionsbetrag nicht vom Anlagekapital abgezogen worden ist, ausdrücklich wiederholt und somit bekräftigt hat. Die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens im Sinne einer Nichtanlage ist damit auch nicht widerlegt worden. Ebenso wenig ist damit ein Entscheidungskonflikt der Klägerin gegeben, da diese vielmehr nur diese eine Entscheidung einer Nichtanlage geäußert hat. Dasselbe Ergebnis gilt für die Angabe der Klägerin, dass sie „in erster Linie“ - also bereits nicht ausschließlich - an einer Provisionszahlung von 8,25 % an die Beklagte „die Höhe der Unkosten gestört“ hätte. Denn die Klägerin hat jedenfalls bestätigt, dass sie bei Offenlegung der Provisionszahlung die Anlage nicht gezeichnet hätte, was für sich genommen und gleich aus welcher konkreten Motivation den erforderlichen Kausalzusammenhang mit der Pflichtverletzung der Beklagten hinreichend belegt und diesen nicht etwa umgekehrt erschüttert.

Ebenso wie vom OLG Celle in seinem dem Hinweisbeschluss des BGH vom 9.3.2011 (XI ZR 191/10 a.a.O.) zugrundeliegenden Urteil vom 21.4.2010 (3 U 202/09) im Einzelnen ausgeführt, hat die Beklagte im Übrigen auch im vorliegenden Rechtsstreit nicht substantiiert zur Widerlegung der Vermutung und auf den konkreten Anleger in seiner spezifischen Entscheidungssituation bezogen vorgetragen, sondern nur abstrakt zu Umständen allgemeiner Natur wie mehreren theoretischen Möglichkeiten aufklärungsrichtigen Verhaltens. Die abstrakt gebliebene Behauptung der Beklagten zum Verhalten der Klägerin bei Aufklärung über die Rückvergütung betrifft eine konkrete innere Tatsache und ist lediglich ins Blaue hinein aufgestellt (ebenso wie im vom BGH, a.a.O., entschiedenen Fall). Ein konkret fallbezogener Vortrag ist hingegen nicht erfolgt, insbesondere weder zum bisherigen Anlageverhalten der Klägerin noch zu angeblichen Äußerungen der Klägerin gegenüber dem Berater der Beklagten im Zusammenhang mit ihrem potentiellen Verhalten bei Offenlegung von Tatsache und Höhe der Rückvergütung. Eine Beweiserhebung setzt aber - auch im Lichte der Entscheidung des BGH vom 25.1.2011 (II ZR 171/09 – bei juris) - zunächst den Vortrag konkreter Tatsachen voraus, deren Wahrnehmung bekundet werden soll. An solchen fehlt es hier indessen, so dass es sich ohnehin um einen unzulässigen Ausforschungsbeweis handelt. Von einer Verletzung rechtlichen Gehörs aufgrund Übergehens eines Beweisantritts der Beklagten durch das Landgericht kann schon aus diesem Grunde keine Rede sein.

Es kommt hinzu, dass sich auch der Beweisantritt der Beklagten in der Berufungsbegründung (Bl. 811f d.A.) nicht auf dieses potentielle Verhalten der Klägerin bei gehöriger Aufklärung bezieht, sondern lediglich auf ihre - insoweit unerhebliche - Verhandlungsbereitschaft über die Reduzierung des Agios durch Rückzahlung ihrerseits.

Soweit die Beklagte in Parallelverfahren allgemein auf die Aufklärung durch den Prospekt abstellt, aus dem sich die Gesamthöhe der Vertriebskosten ergebe, so dass die Rentabilität der Anlage nicht tangiert sei und der Anteil der Beklagten an den Vertriebsprovisionen keinen Einfluss auf die Rentabilitäts- und Werthaltigkeitsüberlegungen gehabt haben könne, verkennt sie, dass es vorliegend nicht darum geht, welche Entscheidung der Anleger beim Wissen um eine fehlende Rentabilität der Anlage getroffen hätte, sondern allein darum, wie er sich verhalten hätte, wenn er über den Interessenkonflikt der Bank im Hinblick auf die Empfehlung der Anlage in vollem Umfang informiert gewesen wäre (ebenso OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 18.8.2010, 9 U 99/09 – bei juris).

Somit ist vorliegend die zugunsten der Klägerseite eingreifende Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens nicht beweiskräftig widerlegt.

Dass bei der Klägerin potentiell auch steuerrechtliche Aspekte Anlass für die Zeichnung der Beteiligung am streitgegenständlichen Fonds gewesen sein mögen, steht der Bejahung der Kausalität der dargelegten Pflichtverletzung ebenfalls nicht entgegen, denn es sind keine Anhaltspunkte dafür vorgetragen oder sonst ersichtlich, dass das Steuer-Motiv für diesen konkreten Anleger dermaßen vorrangig gewesen sein sollte, dass es die weiteren Beweggründe dominiert oder gar verdrängt hätte. Im Übrigen wäre selbst dann, wenn es dem Anleger vornehmlich um diese Zwecke und Effekte gegangen sein sollte, noch nichts darüber ausgesagt, wie er es gewertet hätte, wenn er gewusst hätte, dass die Beklagte eine - seinen Anlagezielen entsprechende - Anlage jedenfalls auch wegen ihres eigenen Provisionsinteresse empfohlen hätte, d.h. ob er nicht vielmehr allein wegen der Gefahr der Verfolgung eigener Interessen durch die Beklagte von einer Zeichnung Abstand genommen hätte. Die Behauptung der Klägerin, sie hätte sich bei Kenntnis der von der Beklagten vereinnahmten Zahlungen gegen die Beteiligung entschieden, ist auch damit nicht widerlegt.

Aus diesem Grunde bleibt ferner auch die in Parallelverfahren erhobene Einwendung der Beklagten unerheblich, wonach es keinerlei vergleichbare Kapitalanlagemöglichkeiten in geschlossene Fonds mit einer einkommensteuerreduzierenden Verlustabzugsmöglichkeit gegeben haben soll. Damit ist ohnehin schon nicht ausreichend dargetan, dass Investitionen in andere Kapitalanlagen als geschlossene Fonds nicht gleiche oder ähnliche Wirkungen gehabt hätten und es dem Anleger gleichwohl gerade auf geschlossene Fonds angekommen wäre.

Ebenso wenig vermag die Beklagte damit durchzudringen, dass sie Teile ihrer Vertriebsprovisionen rückerstattet hätte, wenn sie dem Anleger als zu hoch erschienen wären. Ganz abgesehen davon, dass das gerade die - nicht erfolgte -Aufklärung über die Provisionen vorausgesetzt hätte, damit der Anleger überhaupt Anlass zu Verhandlungen darüber gehabt hätte, lässt dies evident schon keinen zwingenden Schluss auf das Verhalten des Anlegers im Hinblick auf seine Bewertung des aus den Rückvergütungen folgenden Interessenkonflikts zu, um den es hier allein geht. Darüber hinaus hat die Beklagte ohnehin weder substantiiert dargetan noch unter Beweis gestellt, dass sie einem Kleinanleger wie der Klägerin gegenüber zu einem solchen, erforderlichenfalls sehr weitgehenden Entgegenkommen bereit gewesen wäre oder dass dies gar üblich gewesen wäre.

Zweifel am erforderlichen Verschulden der Beklagten nach § 276 BGB bezüglich der Beratungspflichtverletzung durch Nichtaufklärung über die Rückvergütung bestehen entgegen deren Ansicht jedenfalls seit dem Beschluss des BGH vom 29.6.2010 (XI ZR 308/09 - bei juris) nicht mehr.

Gemäß § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB muss der Schädiger sein fehlendes Verschulden beweisen (Entlastungsbeweis), was der Beklagten nicht gelungen ist. Ein unverschuldeter Verbotsirrtum der Beklagten, der ihr Verschulden ausschließen könnte, liegt nicht vor, wie auch das OLG Celle (a.a.O.) im genannten Parallelverfahren im Einzelnen zutreffend ausgeführt hat und worauf Bezug genommen wird. Der BGH hat dies in seinem genannten Hinweisbeschluss vom 9.3.2011 (XI ZR 191/10 a.a.O.) bestätigt und sich darauf beschränkt, festzustellen, dass die Bejahung des Verschuldens der Beklagten rechts- und verfahrensfehlerfrei sowie in Übereinstimmung mit der höchstrichterlichen Rechtsprechung erfolgt ist. Im vorliegenden Fall der Aufklärungspflichtverletzung der Beklagten im Rahmen der Beteiligung des Zedenten an der „… VIP MEDIENFONDS 3 GmbH & Co. KG“ kann nichts anderes gelten. Schließlich hat der BGH in seinem Beschluss vom 19.7.2011 (XI ZR 191/10 a.a.O.) zutreffend weiter ausgeführt:

„Das Berufungsgericht hat auch zutreffend das Verschulden der Be-klagten festgestellt.

Das Verschulden wird bei Vorliegen einer Pflichtverletzung nach § 280 Abs. 1 Satz 2 BGB vermutet. Der Aufklärungspflichtige muss danach darlegen und beweisen, dass ihn kein Verschulden trifft (BGH, Urteil vom 18. Januar 2007 - III ZR 44/06, WM 2007, 542 Rn. 18 und Senatsurteil vom 12. Mai 2009 - XI ZR 586/07, WM 2009, 1274 Rn. 17).

Soweit sich die Revision auf einen Rechtsirrtum beruft, übersieht sie, dass die Haftung wegen einer fahrlässig begangenen Pflichtverletzung nur bei Vorliegen eines unvermeidbaren Rechtsirrtums entfällt. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sind an das Vorliegen eines unverschuldeten Rechtsirrtums strenge Maßstäbe anzulegen, wobei der Schuldner die Rechtslage sorgfältig prüfen, soweit erforderlich, Rechtsrat einholen und die höchstrichterliche Rechtsprechung sorgfältig beachten muss (vgl. BGH, Urteil vom 11. Januar 1984 - VIII ZR 255/82, BGHZ 89, 296, 303; Urteile vom 14. Juni 1994 - XI ZR 210/93, WM 1994, 1613, 1614 und vom 4. Juli 2001 - VIII ZR 279/00, WM 2001, 2012, 2014). Grundsätzlich trifft den Schuldner das Risiko, die Rechtslage zu verkennen. Er handelt schuldhaft, wenn er mit der Möglichkeit rechnen musste, dass das zuständige Gericht einen anderen Rechtsstandpunkt einnimmt (vgl. BGH, Beschluss vom 21. Dezember 1995 - V ZB 4/94, BGHZ 131, 346, 353 f. mwN). Wie der Senat mit Beschluss vom 29. Juni 2010 (XI ZR 308/09, WM 2010, 1694 Rn. 5 ff. mwN) entschieden und eingehend begründet hat, kann sich eine anlageberatende Bank jedenfalls für die Zeit nach 1990 hinsichtlich ihrer Aufklärungspflicht über Rückvergütungen nicht auf einen unvermeidbaren Rechtsirrtum berufen. Soweit die Revision aus der Unterscheidung der Rechtsprechung zu Innenprovisionen und Rückvergütungen etwas anderes herleiten will, kann sie damit nicht durchdringen. Dass verheimlichte Rückflüsse aus offen ausgewiesenen Vertriebsprovisionen aufklärungspflichtig sind, konnte der veröffentlichten Rechtsprechung zum Zeitpunkt der streitigen Anlageberatung in den Jahren 2003 und 2004 entnommen werden (vgl. nur Senatsurteil vom 19. Dezember 2000 - XI ZR 349/99, BGHZ 146, 235, 239). Entgegen der Ansicht der Revision gab es keine Rechtsprechung, die das Verheimlichen von Rückvergütungen erlaubt hätte, so dass keine rückwirkende Rechtsprechungsänderung vorliegt (Senatsbeschluss vom 29. Juni 2010 - XI ZR 308/09, WM 2010, 1694 Rn. 11). Die Revision kann sich für ihre Ansicht auch nicht auf die Ausführungen von Nobbe (WuB I G. 1. - 5.10. S. 126) berufen. Diese betreffen Innenprovisionen, nicht jedoch Rückvergütungen.“

Der Senat schließt sich dem an, womit auch die diesbezüglichen Einwendungen der Beklagten zum Rechtsirrtum und einer rückwirkenden Rechtsprechungsänderung nicht durchgreifen.

Ein Mitverschulden an der Schadensentstehung bzw. eine Verletzung der Pflicht zur Minderung des Schadens (§ 254 BGB) kann der Klägerin hier entgegen der Ansicht der Beklagten auch nicht angelastet werden.

Dies ist bei einem Beratungsvertrag bereits in der Regel ausgeschlossen, da das Wesen eines solchen Vertrags gerade darin liegt, dass der Anleger dem Berater vertraut, er mithin die Empfehlungen nicht nochmals kritisch hinterfragt (BGH, Urteil vom 13.1.2004, XI ZR 355/02, NJW 2004, 1868, 1870; siehe auch BGH WM 2010, 993). Insofern besteht auch keine Pflicht zu einer nach der Anlageentscheidung gegebenenfalls möglichen Prüfung der übergebenen Materialien (OLG Celle, Urteil vom 21.10.2009, 3 U 94/09 - bei juris). Dass hier besondere Umstände - etwa Warnungen eines Dritten - vorliegen würden bzw. der Klägerin solche bekannt gewesen wären, die möglicherweise ein Mitverschulden an der Schadensentstehung rechtfertigen könnten, ist nicht dargetan.

Der Klägerin ist - wie die Beklagte aber meint - auch nicht etwa ein Mitverschulden deshalb anzurechnen, weil sie ihre Obliegenheit zur sorgfältigen und eingehenden Lektüre des Emissionsprospekts nicht erfüllt habe und daher Widersprüche zu den Aussagen des Beraters nicht entdeckt habe. Abgesehen davon, dass nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. etwa BGH, Urteil vom 26.9.1997, V ZR 65/96; Urteil vom 13.1.2004, XI ZR 355/02 – jeweils bei juris) der Informationspflichtige dem Geschädigten grundsätzlich nicht nach § 254 Abs. 1 BGB entgegenhalten kann, er habe den Angaben nicht vertrauen dürfen und sei deshalb für den entstandenen Schaden mitverantwortlich, hätte selbst die sorgfältige Lektüre des Prospekts die Klägerin nicht in die Lage versetzt, Widersprüche hinsichtlich der Zahlung von Rückvergütungen an die Beklagte zu erkennen. Denn Angaben über Leistungen sowie deren Höhe, die die Beklagte im Zusammenhang mit dem Vertrieb der streitgegenständlichen Anlage erhält, sind im Prospekt gerade nicht erwähnt.

Es kommt danach nicht mehr entscheidend darauf an, ob vorliegend eine Haftung der Beklagten zusätzlich wegen falscher Darstellung der Kapitalgarantie begründet ist, wie vom OLG Celle in seinem Urteil vom 21.4.2010 (3 U 202/09) im Einzelnen ausgeführt und vom BGH in seinem Hinweisbeschluss vom 9.3.2011 (XI ZR 191/10 a.a.O.) sowie seinem weiteren Beschluss vom 19.7.2011 (a.a.O.) als rechts- und verfahrensfehlerfrei bestätigt.

Die von der Beklagten mit der Berufungsbegründung ohne weitere Begründung aufrechterhaltene Einrede der Verjährung ist aus den im Einzelnen vom Landgericht zutreffend dargelegten Gründen, auf die Bezug genommen wird, nicht begründet. Im Übrigen entspricht dieser Berufungsangriff ohnehin schon nicht den Anforderungen des § 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2, 3 ZPO.

Der Umfang des danach der Klägerin von der Beklagten geschuldeten Schadensersatzes ergibt sich aus § 249 BGB.

Der Geschädigte kann von der Beklagten verlangen, so gestellt zu werden, als hätte er die Beteiligung nicht gezeichnet (vgl. BGH NJW 2006, 2042; BGHZ 115, 213), was zum einen zur Folge hat, dass die Klägerin Anspruch auf Erstattung der Einlage nebst Agio Zug um Zug gegen Übertragung der Rechte aus der Beteiligung hat.

Diese Zahlung hat deshalb Zug um Zug gegen Übertragung der Rechte aus der Beteiligung zu erfolgen, weil die Klägerin im Wege des Vorteilsausgleichs eine (noch) werthaltige Beteiligung herauszugeben hat (BGH, Beschluss vom 14.7.2008, II ZR 222/07, Umdruck S. 3). Insofern schuldet diese die Abgabe aller diesbezüglich erforderlichen Erklärungen, die zur Übertragung der Rechte aus der Beteiligung bzw. der Stellung als Treuhandkommanditist erforderlich sind, wobei die Frage, ob die Zustimmung Dritter (hier des Komplementärs und des Treuhänders) erforderlich ist, keine Rolle spielt (BGH, Beschluss vom 6.7.2010, XI ZR 40/09, Umdruck, Rn. 14; OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 30.6.2010, 19 U 2/10 - bei juris).

Die Beklagte kann sich auch nicht mit Erfolg darauf berufen, die erfolgte Zug um Zug-Verurteilung sei deshalb unzureichend, weil die im Falle einer Verurteilung geschuldete Übertragung des Anteils von weiteren, von der Klägerseite herbeizuführenden Voraussetzungen abhänge, weil sie nämlich gemäß des Treuhandvertrages der Zustimmung der Treuhänderin und gemäß des Gesellschaftsvertrages der Zustimmung der Komplementärin bedürfe.

Besteht jedoch eine Kapitalanlage in der Position als Treuhandkommanditist, so genügt es, wenn der Geschädigte im Rahmen des geltend gemachten Schadensersatzanspruchs als Zug um Zug zu gewährende Leistung (lediglich) die Abtretung sämtlicher Rechte aus dem Treuhandvertrag anbietet (vgl. OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 18.8.2010, 9 U 99/09 – bei juris). Dies gilt auch dann, wenn die Übertragung der Fondsanteile von der Zustimmung Dritter abhängig ist (BGH, Beschluss vom 6.7.2010, XI ZB 40/09 - bei juris). Schwierigkeiten der Übertragung der Beteiligung liegen allein im Risikoreich der schadensersatzpflichtigen Beklagten (BGH, Beschluss vom 28.11.2007, III ZR 214/06 – bei juris) und können somit nicht dem Anleger zum Nachteil gereichen.

Die Zahlung der etwa daneben geschuldeten Beträge wie Steuernachforderung oder vorgerichtliche Anwaltskosten ist dagegen nicht von der Zug um Zug-Leistung abhängig, da es sich insofern um eigenständige Schadensersatzpositionen handelt.

Die Klägerin hat gemäß § 249 BGB zum anderen auch Anspruch auf Feststellung der Ersatzpflicht hinsichtlich des weiteren, noch nicht bezifferbaren Schadens, wobei nur das negative Interesse zu ersetzen ist. Die Feststellung der Ersatzpflicht hinsichtlich weiterer, womöglich vor allem steuerlicher Schäden beruht auf dieser oben dargestellten Schadensersatzpflicht der Beklagten, denn jedenfalls im Umfang etwaiger steuerlicher oder sonstiger Nachteile, mit denen zu rechnen nicht fernliegend ist und die Bestandteil „jeden Schadens“ sind, besteht ein entsprechendes Feststellungsinteresse gemäß § 256 ZPO.

Dem berechtigten Anliegen der Beklagten, wonach der Tenor nicht auch das positive Interesse umfassen dürfe, weil die Beklagte der Klägerin nicht auch den Vorteil eines einkommensteuerlichen Verlustabzugs zukommen lassen müsse, ist dadurch Rechnung getragen, dass im Tenor die Nachzahlung von Einkommensteuer ausdrücklich ausgenommen wurde.

Ohne Erfolg greift die Beklagte die vom Landgericht zugesprochene Erstattung der Steuerzinsen (Nachzahlungszinsen) an.

Hinsichtlich der bereits von der Klägerin an die Finanzbehörden gezahlten Beträge aufgrund der Neuveranlagung, also der Erstattung der Steuerzinsen (Nachzahlungszinsen) ergibt sich eine Zahlungspflicht der Beklagten grundsätzlich aus ihrer oben dargestellten Schadensersatzpflicht aus § 280 Abs. 1 Satz 1 iVm § 249 BGB. Im vorliegenden Fall hat die Klägerin durch die Vorlage des nachträglich abgeänderten Steuerbescheides vom 13.3.2007 für das Jahr 2003 (Bl. 436ff d.A.) in Übereinstimmung mit dem Landgericht hinreichend dargetan, dass für das Jahr 2003 der geltend gemachte Betrag von 529.- € Euro an Zinsforderungen der Finanzbehörden wegen des hier streitgegenständlichen Medienfonds entstanden ist. So wird in den Erläuterungen des Bescheides vom 13.3.2007 (Bl. 439 d.A.) sogar ausdrücklich auf die Beteiligung der Klägerin an der … VIP Medienfonds 3 GmbH & Co. KG abgestellt, weshalb der erforderliche Zusammenhang von Steuerzinsen (Nachzahlungszinsen) und streitgegenständlicher Beteiligung gegeben ist.

Entgegen der Auffassung der Beklagten, der Klägerin stehe aber insoweit kein Ersatz etwaiger an das Finanzamt geleisteter Zinsen infolge der verspäteten Veranlagung zu (Nachzahlungszinsen), weil auf diesen Anspruch die Vorteile der aus der über Jahre währenden Anerkennung von Verlustzuweisungen anzurechnen seien, bedarf es auch keiner diesbezüglichen Einschränkung dieser Schadensersatzverpflichtung.

Zwar hat der BGH in den von der Beklagten zitierten Entscheidungen (Urteile vom 22.4.2010, III ZR 318/08 und vom 15.7.2010, III ZR 336/08 – jeweils bei juris) ausgesprochen, dass auf den Schadenersatzanspruch hinsichtlich der auf die steuerliche Nachforderung zu entrichtenden Zinsen (Nachzahlungszinsen) die Vorteile aus der über Jahre währenden Anerkennung von Verlustzuweisungen anzurechnen sind. Jedoch hat die Beklagte vorliegend nicht ausreichend dargetan, dass und warum die Voraussetzungen für eine solche Berücksichtigung vorliegen und welche konkreten Vorteile die Klägerin erlangt hat oder haben könnte. Zu einem entsprechenden Vortrag wäre sie, da, wie dargelegt, die steuerlichen Grundlagen dargetan wurden, aber in der Lage gewesen, weshalb ihr Verweis auf eine sekundäre Darlegungslast der Klägerin fehlgeht. Dass die Beklagte sich in diesem Zusammenhang hilfsweise Vortrag der Klägerin zu Eigen machen will, führt zu keiner abweichenden Beurteilung.

Denn selbst wenn die Klägerin im Rahmen ihres Vorbringens zum entgangenen Gewinn behauptet hat, sie habe im maßgeblichen Zeitraum einen festen Zinssatz aus dem ihr zur Verfügung stehenden Kapital ziehen können, so bezog sich dies nicht auf den hier relevanten Betrag der erlangten Steuervorteile, sondern lediglich auf die davon zu unterscheidende gezahlte Anlagesumme.

Erfolg hat die Berufung der Beklagten lediglich insoweit, als der Klägerin ein Anspruch auf Erstattung der streitig gestellten, im Übrigen ohnehin von Amts wegen auf ihre Schlüssigkeit zu prüfenden vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten der Klägerin nicht in der vom Landgericht zugesprochenen Höhe von 1.376,83 €, sondern lediglich in der tenorierten Höhe von 1.085,04 € zusteht.

Der Anspruch folgt hier grundsätzlich aus § 280 BGB, da die Beklagte ihre Pflichten im Rahmen des Beratungsvertrags verletzt hat. Die Einschaltung eines Rechtsanwalts war dabei geboten, da jedenfalls aus Sicht der Klägerin diese bei Geltendmachung der Ansprüche sowie der tatsächlichen Durchsetzung einer Rückabwicklung anwaltlichen Rates bedurfte, handelt es sich doch insofern um einen nicht ganz einfach gelagerten Sachverhalt (vgl. dazu BGH, Urteil vom 8.11.1994, VI ZR 3/94, NJW 95, 446f). Der Klägerin stand eine eigene außergerichtliche Interessenverfolgung zu, selbst wenn die Beklagte auf Anspruchsschreiben anderer Anleger hin keinen Schadensersatz geleistet hat. Denn die vorgerichtliche anwaltliche Tätigkeit, deren Kosten im Rahmen von Ansprüchen aus Vertragsverletzungen grundsätzlich zu ersetzen sind (vgl. Palandt-Grüneberg, BGB, 70. Aufl. 2011, § 249 Rn 57 m.w.N.), war erforderlich und angemessen.

Allerdings besteht der Anspruch nicht in der geltend gemachten und vom Landgericht zugesprochenen Höhe, da nur eine 1,3 Gebühr nach Ziff. 2300 VV-RVG ansetzbar ist. Anhaltspunkte dafür, dass die anwaltliche Tätigkeit umfangreich oder schwierig war (vgl. Anmerkung zu Ziff. 2300 VV-RVG), mithin eine Abweichung von der Regelgebühr von 1,3 (vgl. dazu Winkler, in: Mayer/Kroiß, RVG, 4. Aufl. 2009, § 14 RVG Rn 44) gerechtfertigt wäre, sind nicht dargetan oder sonst ersichtlich. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass der konkrete Aufwand für die anwaltliche Tätigkeit im Hinblick auf die Klägerin allenfalls von durchschnittlichem Umfang war, da die Kanzlei des Bevollmächtigten der Klägerin gerichtsbekannt eine Vielzahl von Verfahren ähnlicher Art betreibt (vgl. dazu OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 3.11.2010, 19 U 70/10 - bei juris). Angaben dazu, dass gerade das Mandat der Klägerin von überdurchschnittlicher Schwierigkeit war (weil z.B. besondere Vorarbeiten geleistet werden mussten, dazu BGH, Urteil vom 31.10.2006, VI ZR 261/05, beckRS 2006, 14915), fehlen. Da die Bestimmung durch den Bevollmächtigten aufgrund der Nichteinhaltung der Vorgaben des RVG unbillig war, ist sie hinsichtlich der Beklagten, die dies gerügt hatte (vgl. S. 55f der Berufungsbegründung) unverbindlich (§ 14 Abs. 1 S. 4 RVG).

Ausgehend von dem einschlägigen Gegenstandswert ergibt sich danach ein Anspruch auf Erstattung der vorgerichtlichen Rechtsanwaltskosten in Höhe von 1.085,04 € (1,3-Gebühr zzgl. Auslagenpauschale und MWSt.), die gemäß § 291 BGB zu verzinsen ist. Zugrunde zu legen ist dabei der Umfang der begründeten Forderungen.

Prozesszinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Rechtshängigkeit stehen der Klägerin nach § 291 i.V.m. § 288 Abs. 1 Satz 2 BGB zu. Die Zinspflicht nach § 291 BGB ist eine materiellrechtliche Folge der Rechtshängigkeit (Palandt-Grüneberg, BGB, 70. Aufl. 2011, § 291 Rn 1) und setzt lediglich die Fälligkeit und Durchsetzbarkeit des Leistungsanspruchs voraus (Palandt-Grüneberg § 291 Rn 5). Beide Voraussetzungen sind vorliegend erfüllt.

Nur in dem Fall, dass dem Anspruch die Einrede des nichterfüllten Vertrags oder ein vom Schuldner geltend gemachtes Zurückbehaltungsrecht entgegen steht, kann die Verzinsung nach § 291 BGB entfallen (BGH NJW 1971, 615; Palandt-Grüneberg § 291 Rn 5). Das gilt indessen nicht, wenn der Schuldner - wie vorliegend - Schadensersatz Zug um Zug gegen Vorteilsausgleichung zu leisten hat (BGH NJW-RR 2005, 170; Palandt-Grüneberg a.a.O.). Der BGH hat dies in seinem vorgenannten Urteil vom 21.10.2004 (III ZR 323/03, a.a.O.) überzeugend begründet, worauf Bezug genommen wird.

Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 92 Abs. 2 Nr. 1, 97 Abs. 1 ZPO; die gesamten Prozesskosten waren danach der Beklagten aufzuerlegen, da die Zuvielforderung der Klägerin verhältnismäßig geringfügig war und im Hinblick auf den entgangenen Gewinn als Nebenforderung nach § 4 Abs. 1 ZPO keine bzw. im Übrigen allenfalls geringfügig höhere Kosten veranlasst hat.

Die Entscheidung über die vorläufige Vollstreckbarkeit folgt aus §§ 708 Nr. 10, 711 iVm 709 Satz 2 ZPO.

Die Revision war nicht zuzulassen, da der Rechtsstreit keine grundsätzliche Bedeutung hat und weder die Fortbildung des Rechts noch die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung mangels divergierender Entscheidungen eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert (§ 543 ZPO).

Letzteres gilt vor allem vor dem Hintergrund der zitierten Beschlüsse des BGH vom 9.3.2011 und 19.7.2011 (XI ZR 191/10 a.a.O.).