Hessischer VGH, Beschluss vom 05.05.1987 - 2 R 1430/86
Fundstelle
openJur 2012, 18189
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Gründe

Der Antragsteller wendet. sich gegen die Feststellung des Plans für die Errichtung der 110-kV-Bahnstromleitung Gemünden-Fulda Abschnitt. Unterwerk Mottgers-Hess./Bayerische Landesgrenze im Zusammenhang mit dem Bau der Bundesbahn-Neubaustrecke Hannover-Würzburg.

Der Antragsteller ist Eigentümer der Grundstücke Gemarkung Altengronau, Flur 14, Flurstücke 39 und 56. Beide Grundstücke liegen im Außenbereich der Gemeinde Sinntal, Ortsteil Altengronau. Das Grundstück 14/39 liegt vollständig im geplanten Naturschutzgebiet "Schachblumenwiesen Altengronau", das durch Verordnung vom 13. Februar 1984 einstweilig sichergestellt wurde. Die Sicherstellung endete am 14. Februar 1987. Es wird derzeit als Grünland genutzt und ist verpachtet. Auf der Grenze zum Grundstück 14/38 soll ein Winkelmast (Mast Nr. 21) errichtet; werden. Außerdem soll das Grundstück der Schutzstreifenbegrenzung unterliegen. Die überspannte Fläche beträgt 1850 m2. Das Grundstück 14/56 wird von dem Antragsteller forstwirtschaftlich genutzt und die Bäume erreichen derzeit eine Höhe von bis zu 10 m. Dieses Grundstück soll von der geplanten Bahnstromleitung überspannt werden (2720 m2) Die Aufwuchsbeschränkung im Schutzstreifen betrifft etwa die Hälfte des Grundstückes.

Der hier angefochtene Planfeststellungsbeschluß betrifft die Errichtung einer Bahnstromleitung für den Zugbetrieb auf der Neubaustrecke Hannover - Würzburg. Die Neubaustrecke soll mit den gleichen Fahrzeugen und gleicher Betriebsweise befahren werden können wie das übrige Streckennetz der Deutschen Bundesbahn. Die hierfür benötigte elektrische Energie soll über eine 110-kV-Bahnstromleitung geliefert: werden. Diese Bahnstromleitung soll an das übrige Bahnstromleitungsnetz der Deutschen Bundesbahn, das mit den Bahnstromnetzen der Österreichischen Bundesbahn und der Schweizerischen Bundesbahnen verbunden ist, zusammengeschlossen werden. Die Neubaustrecke der Deutschen Bundesbahn ist nahezu vollständig vollziehbar planfestgestellt. Für die Errichtung der Bahnstromleitung werden davon unabhängige Planfeststellungsverfahren durchgeführt. Mit dem angefochtenen Beschluß soll der Trassenteil der Bahnstromleitung Gemünden-Fulda, der an den südlichen Planfeststellungsabschnitt Gemünden-Hess./Bayerische Landesgrenze anschließt, planfestgestellt werden. Die Planung betrifft den Leitungsabschnitt vom Mast 01 am Unterwerk Mottgers bis zum Mast (01) an der Hess./Bayerischen Landesgrenze in Höhe des Neubaustrecken (NBS)- Bau-km 248, 950 und den Bau des Unterwerkes "Mottgers" (110-kV-Freiluftschaltanlage und Schaltanlagengebäude). Der Mast (01) in der Nähe der hessisch/bayerischen Landesgrenze ist Bestandteil des südlich angrenzenden Planfeststellungsabschnittes Gemünden-Hess./Bayerische Landesgrenze, der bestandskräftig planfestgestellt ist.

Die Trasse der Bahnstromleitung führt von der Hess./Bayerischen Landesgrenze am südlichen Rand des "Grauberges" durch den nördlichen Teil des geplanten Naturschutzgebietes "Schachblumenwiesen Altengronau". Diese Trassenführung stützt sich auf die Trasse, die aus dem Raumordnungsverfahren hervorgegangen ist, das der Regierungspräsident in Kassel durchgeführt und mit Verfügung vom 08.08.1977 abgeschlossen hat. Der hier streitige Abschnitt der Trasse führt. im hessischen Teil durch das Landschaftsschutzgebiet "Vogelsberg-Hessischer Spessart", in Bayern durch die Naturparke "Spessart:" und "Bayerische Rhön".

Im Hinblick auf das wertvolle Vorkommen der "Echten Schachblume" in der Sinntalaue und die Auswirkungen auf die Vogelwelt: holte die Antragsgegnerin ein Gutachten des Büros Professor Kagerer, Ismaning, "Vergleichende Standortuntersuchung aus Sicht der Landschaftspflege und des Naturschutzes", und von Günther Banse, Ingenieurbüro für Landschaftsökologie, Ismaning, eine "ornithologische Stellungnahme zur geplanten Hochspannungsleitung im Sinntal" ein. Wegen der Einzelheiten wird auf den Inhalt des Gutachtens und der Stellungnahme Bezug genommen.

Auf Antrag der Antragsgegnerin führten der Regierungspräsident in Darmstadt. gemäß § 73 Hess. VwVfG und die Regierung von Unterfranken gem. §§ 72 ff Bay. VwVfG das Anhörungsverfahren durch.

Der Plan wurde vom 6.12.1982 - 7.1.1983 in der Gemeinde Sinntal ausgelegt. Im Laufe des Anhörungsverfahrens wurden zahlreiche Behörden und Träger öffentlicher Belange gehört. Sie und private Betroffene erhoben Einwendungen, die für den hessischen Bereich im Termin vom 27. Juni 1985 in Sinntal-Sterbfritz erörtert wurden. Für den bayerischen Bereich verzichtete die Regierung von Unterfranken auf einen Erörterungstermin. Auch der Antragsteller hatte Einwendungen erhoben. Im wesentlichen wurde vorgebracht, die Bahnstromleitung müsse verkabelt werden. Dies sei der geringstmögliche Eingriff in das Eigentum privater Dritter. Alternativ müsse die Trasse der Bahnstromleitung quer über den Grauberg geführt werden. Wenn eine Trassenführung durch den Wald zuviel Holzeinschlag erfordere, müsse eine Überständerung vorgenommen werden. Aufgrund der Einwendungen der Bezirksdirektion für Forsten und Naturschutz im Hinblick auf den Schutz des Schachblumenvorkommens wurde im Planänderungsverfahren der Trassenverlauf im Naturschutzgebiet zwischen Mast Nr. 21 und Mast Nr. 26 so geändert, daß die Trasse näher am Waldrand verläuft. Der geänderte Plan wurde nochmals vom 18.11.1985 bis 20.12.1985 in der Gemeinde Sinntal ausgelegt. Hiergegen erhob der Antragsteller die gleichen Einwendungen wie beim ersten Planauslegungsverfahren.

Durch Beschluß vom 9. April 1986 - Az. 25N N 253 Na (P1) stellte die Bundesbahndirektion Nürnberg den Plan für den Neubau der 110-kV-Bahnstromleitung Gemünden-Fulda Abschnitt: Unterwerk Mottgers-Hess./Bayerische Landesgrenze und des Unterwerkes Mottgers unter teilweiser Berücksichtigung und Zurückweisung der Einwendungen fest und ordnete die sofortige Vollziehung an. Zum Schutz des Grundwassers in der weiteren und in der engeren Schutzzone des Wasserschutzgebietes Sinntal-Altengronau wurden Auflagen verfügt, die die Möglichkeit einer Untergrundverunreinigung beim Mastbau ausschließen sollen. Die Gründung der Maste ist mit dem Hessischen Landesamt für Bodenforschung und dem Wasserwirtschaftsamt Friedberg abzustimmen. Zum Schutz der Oberflächengewässer - von der geplanten Baumaßnahme sind die Sinn und die Schmale Sinn betroffen - und um hier nachteilige Veränderungen auszuschließen, sind ebenfalls Auflagen verfügt, die den Bau der Mastfundamente und die Erhaltung des vorhandenen Bewuchses betreffen. Zum Schutz von Natur und Landschaft wurde auferlegt, die Erstellung der Gründungen und Maste im geplanten Naturschutzgebiet durch geeignete Bauverfahren und Winterarbeit durchzuführen, die Bodenpressung auf das ortsübliche Maß zu beschränken, Maßnahmen zur Erhaltung des Schachblumenbestandes an Maststandorten zu treffen, die im geplanten Naturschutzgebiet vorhandene 20-kV-Leitung des Überlandwerkes Unterfranken auf Kosten der Antragsgegnerin zu entfernen und außerhalb des geplanten Naturschutzgebietes zu verkabeln, zwischen Mast Nr. 21 und Mast Nr. (01) das Erdseil mit Markierungen zu versehen, welche die Anprallgefahr für Vögel verringern und die Leitungsmaste mit einem unauffälligen dunklen Anstrich zu versehen. Zur Planbegründung ist im wesentlichen ausgeführt, die Erstellung der 110-kV-Bahnstromleitung sei für den Betrieb der Neubaustrecke Hannover-Würzburg erforderlich. Die Trasse sei durch das Naturschutzgebiet zu verlegen. Die ursprünglich geplante Trasse quer durch den Wald über den Grauberg sei im Raumordnungsverfahren abgelehnt worden und die jetzt planfestgestellte Trasse sei das Ergebnis schwieriger Verhandlungen. Die Führung über den Grauberg zerstöre ein zusammenhängendes Waldgebiet. Eine Verkabelung der Trasse komme aus grundsätzlichen technischen Erwägungen nicht in Betracht. Die "Nichtverfügbarkeit" bei Kabelverlegung sei etwa hundertmal so groß wie bei Freileitungen. Eine Kabelstrecke sei siebenmal bis fünfzehnmal teurer als eine Freileitung, die Belastbarkeit und das Betriebsverhalten von Freileitungen seien günstiger als das von Kabeln. Die Antragsgegnerin betreibe ihr Bahnstromnetz als "induktiv gelöschtes Netz". Durch den Einbau von Kabelstrecken sei die "Löschfähigkeit" des Netzes nicht mehr gegeben. Darüber hinaus weise eine Freileitung auch in ihren Auswirkungen auf die Umwelt einige Vorteile gegenüber der Kabelstrecke auf. Die Freileitung sei zwar landschaftsstörend und stelle eine gewisse Gefahr für Vögel dar. Bei einer Kabelverlegung entstehe jedoch eine Kabeltrasse, die von jeder Bebauung absolut freizuhalten sei und darüber hinaus nur mit schwachwurzelnden Gewächsen bepflanzt werden könne. Niederdruckölkabel, die technisch allein in Betracht kämen, stellten eine stete Gefahr für das Grundwasser dar. Außerdem seien bei einer Kabeltrasse die Eingriffe in die Landschaft während der Bauzeit unvergleichlich größer als bei einer Freileitung.

Zur Begründung der Anordnung der sofortigen Vollziehung ist im wesentlichen ausgeführt, bei Verzögerungen im Bereich des Planfeststellungsbeschlusses entstünden erhebliche Schäden, weil sich Verzögerungen voll und uneinholbar auf die Inbetriebnahme des selbständigen betriebsfähigen Streckenabschnitts Fulda-Würzburg zum Fahrplanwechsel Frühjahr 1988 auswirken würden. Der Streckenabschnitt diene der Entlastung des schon jetzt mit am stärksten befahrenen Abschnittes Gemünden-Würzburg. Die Bauausführung im Naturschutzgebiet müsse bei gefrorenem Boden erfolgen, weshalb mit den Bauvorbereitungen im Sommer 1986 begonnen werden müsse. Für-die Aufnahme des Betriebes auf dem Neubaustreckenabschnitt im Frühjahr 1988 sei die Einspeisung der elektrischen Zugförderungsenergie durch das noch zu errichtende Unterwerk Mottgers unbedingte Voraussetzung. Das Unterwerk Mottgers könne nur elektrisch versorgt werden, wenn das im Planfeststellungsverfahren enthaltene ca. 8 km lange Leitungsstück fertiggestellt sei. Die Finanzierung für das Vorhaben sei sichergestellt.

Der festgestellte Plan einschließlich des Planfeststellungsbeschlusses lag in der Zeit vom 12. bis 27. Mai 1986 (einschließlich) in der Gemeindeverwaltung Sinntal während der Dienstzeit zur allgemeinen Einsicht aus. Auf die Auslegung wurde durch ortsübliche Bekanntmachung am z. Mai 1986, und zwar durch Veröffentlichung im "Mitteilungsblatt für die Gemeinde Sinntal", hingewiesen. In der Gemeindeverwaltung Markt Zeithofs lag der festgestellte Plan vom 12.5.1986 bis 27.5.1986, in der Verwaltungsgemeinschaft Burgsinn vom 26.5.1986 bis 10.6.1986 aus.

Dem Antragsteller wurde der Beschluß am z. Mai 1986 zugestellt. Er erhob am 28. Mai 1986 Klage und stellte gleichzeitig einen Antrag auf Erlangung einstweiligen Rechtsschutzes.

Zur Begründung trägt er vor, sein privates Interesse an der Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Klage überwiege das öffentliche Interesse an der sofortigen Vollziehung. Der Planfeststellungsbeschluß sei nämlich offensichtlich rechtswidrig, weil er nichtig sei. Die dem Planfeststellungsbeschluß beigefügten Unterlagen genügten weder der Bauvorlagenverordnung noch der Hessischen Bauordnung. Es sei dem Beschluß nicht: zu entnehmen, wie die Bauausführung der Masten im einzelnen erfolgen solle. Bereits die zugrundeliegenden Pläne mit dem Maßstab 1: 2000 seien völlig ungeeignet. Darüber hinaus seien verschiedene Formulierungen im Planfeststellungsbeschluß ungenau und Verpflichtungen zu wenig festgelegt, wie etwa der Abstand zum Ufer bei der Errichtung von Masten, die Verlegung der Trasse so nah wie möglich an den Waldrand. Es sei unzulässig, die Feintrassierung nicht mit in den Planfeststellungsbeschluß aufzunehmen. Bodenuntersuchungen, von denen die Art des Mastfundaments abhänge, seien nicht durchgeführt worden. Infolgedessen hätten auch die Mastfundamente nicht planfestgestellt werden können. Aus dem Planfeststellungsbeschluß ergebe es sich aber auch nicht, ob die Mastbauten selbst den Anforderungen an die Standsicherheit genügten. Es sei unzulässig, die Detailplanung an dritte Behörden zu geben, wie die Gründung der Maste im Bereich der Wasserschutzzonen. Darüber hinaus sei das Maß der Betroffenheit nicht ausreichend erkennbar. Die genauen Maststandorte seien infolge des zu groß gewählten Maßstabes der Pläne nicht festgelegt. Auf die Planfeststellung von Zufahrtsstraßen, die für die Wartung der Mastbauten erforderlich seien, habe die Antragsgegnerin völlig verzichtet. Dem Plan sei nicht zu entnehmen, in welcher Intensität seine Grundstücke in Anspruch genommen würden. Insbesondere sei für ihn wichtig zu wissen, welche Aufwuchshöhen sich für sein Grundstück 14/56 ergäben, da er dieses forstwirtschaftlich nutze. Der Hinweis auf eine Mindesthöhe von 3,5 m und der Verweis auf VDE-Bestimmungen reiche nicht aus. Außerdem seien die vorübergehend während der Bauzeit in Anspruch zu nehmenden Flächen nicht mit in den Plan aufgenommen worden. Im übrigen werfe die Auflage, die 20-kV-Leitung außerhalb des Naturschutzgebietes zu verkabeln, Probleme auf, die der Plan bewältigen müsse. Es sei völlig unklar, wie die Verkabelung im einzelnen erfolgen solle und welche Grundstücke dafür in Anspruch genommen werden müßten.

Dem Plan fehle die notwendige Rechtfertigung. Die Stromversorgung der Neubaustrecke könne über das bestehende Netz der öffentlichen Energieversorgung erfolgen. Diese Lösung sei technisch möglich und unter - Berücksichtigung der Projekt- und Folgekosten des Baus einer zusätzlichen Bahnstromleitung auch nicht erheblich teurer als diese.

Darüber hinaus sei der Planfeststellungsbeschluß auch abwägungsfehlerhaft. Die Antragsgegnerin habe die verschiedenen Planungsalternativen nicht in ihrer (geringeren) Beeinträchtigung öffentlicher und privater Belange ermittelt und der planfestgestellten Trasse gegenübergestellt. Die Alternative einer sogenannten "kurzen Waldüberspannung" sei nicht abgewogen worden. Diese Trasse folge zum Teil der in das Raumordnungsverfahren eingebrachten Trasse, verlasse den Wald aber früher. Die Antragsgegnerin habe auch nicht berücksichtigt, daß der Holzeinschlag infolge der bereits vorgenommenen Rodung für den Tunnel der Neubaustrecke viel geringer als von ihr angenommen sei. Die Alternative der Führung der Bahnstromleitung an der Oberleitung der alten Bahnstrecke Fulda-Würzburg sei überhaupt nicht abgewogen worden. Eine solche Alternative sei technisch realisierbar, wie die Elektrifizierung der Bundesbahnstrecke Leer-Emden zeige. Diese Alternative schone nicht nur Privateigentum und Naturschutzgebiet, sie stelle auch einen wesentlich geringeren landschaftsästhetischen Eingriff dar. Soweit die Antragsgegnerin die Verkabelung ablehne, habe sie nicht in die Abwägung eingestellt, daß die Verkabelung Stand der Technik sei und die Hessische Landesregierung der Verkabelung gegenüber der Freileitung den Vorzug gebe.

Eine Verkabelung durch den Tunnel mit direkter Kabeleinführung in das Unterwerk Mottgers sei technisch ohne weiteres realisierbar und im Ergebnis wenig teurer als eine Freileitung, schone aber Landschaft und Natur und das Grundeigentum Privater.

Es bestehe kein überwiegendes öffentliches Interesse an dem sofortigen Vollzug des Planfeststellungsbeschlusses. Die Antragsgegnerin habe bei der vorzunehmenden Abwägung seine Eigentumsrechte und sein Interesse an einer effektiven Rechtsschutzgewährung überhaupt nicht miteinbezogen. Durch den Bau der Bahnstromleitung würden vollendete Tatsachen geschaffen werden, die auch auf eine Entscheidung in der Hauptsache Einfluß hätten. Die von der Antragsgegnerin angeführten Gründe für den Sofortvollzug gingen nicht über die Gründe hinaus, die bereits dem Planfeststellungsbeschluß selbst zugrunde gelegen hätten. Fiskalische Interessen seien nicht geeignet, die vom Gesetz als Regelfall vorgesehene aufschiebende Wirkung einer Klage zu beseitigen. Auch im übrigen könne die Antragsgegnerin sich nicht auf Eilbedürftigkeit berufen. Die Notwendigkeit laufend fertigzustellender Bauabschnitte könne ebenfalls nicht herangezogen werden, weil es Sache der Antragsgegnerin sei, das Planfeststellungsverfahren so rechtzeitig einzuleiten, daß effektiver Rechtsschutz für die Betroffenen noch gewährleistet werden könne.

Der Antragsteller beantragt,

die aufschiebende Wirkung der Klage gegen den Planfeststellungsbeschluß vom 9. April 1986 wiederherzustellen.

Die Antragsgegnerin beantragt,

den Antrag abzulehnen.

Zur Begründung führt sie aus, der Planfeststellungsbeschluß sei offensichtlich rechtmäßig. Was die Trassenwahl angehe, seien alle notwendigen Belange von ihr abgewogen worden. Die Alternative der Waldüberspannung erfordere so viel Holzeinschlag, daß sie abgelehnt werden müsse. Eine Überständerung komme nicht in Betracht., weil auch hierfür der Wald durchschnitten werden müsse und darüber hinaus eine erhebliche Landschaftsbeeinträchtigung hinzunehmen sei, da die Bahnstromleitung über einen Bergrücken geführt werden müsse. Bei der planfestgestellten Trasse, die aus dem Raumordnungsverfahren hervorgegangen sei, halte sich die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes in Grenzen. Eine Verkabelung sei ausführlich im Planfeststellungsbeschluß behandelt worden und komme aus technischen Gründen nicht in Betracht. Es gebe auch in der Bundesrepublik mit Ausnahme einer kleinen Strecke, deren Mängel und Schwierigkeiten die Unmöglichkeit. bestätigten, keine verkabelten 110-kV-Bahnstromleitungen. Das Mitführen der Bahnstromleitung durch den Tunnel komme ebenfalls nicht in Betracht. Durch die erforderlichen Abstände der 110-kV-Leitung von den Tunnelwänden sei eine Vergrößerung der Tunnelquerschnitte erforderlich, die vollkommen unvertretbar wäre. Außerdem sei die Kabelverlegung an der Tunnelinnenwand aus Sicherheitsgründen zum Schutz der Reisenden abzulehnen. Die Mitauflage der Bahnstromleitung auf die derzeit vorhandene Bahnstrecke Würzburg-Fulda sei von vornherein nicht in Betracht gekommen. Die vorhandenen Masten reichten nicht aus, um eine 110-kV-Leitung mitzutragen. Darüber hinaus müßten bei dem Neubau von Masten Streckenstillegungen erfolgen, was bei der Inanspruchnahme dieser Strecke völlig unvertretbar sei. Außerdem führe die Strecke teilweise durch Wohngebiet, so daß die Beeinträchtigung durch erhöhte Masten und erweiterte Schutzstreifen Wohnbevölkerung treffe. Darüber hinaus müßten auch hierbei Waldstücke durchschnitten werden. Die Mitauflage einer Bahnstromleitung auf die Oberleitungsmasten sei bisher nur bei der von dem Antragsteller selbst erwähnten kleinen Strecke erfolgt. Die technischen Schwierigkeiten seien aber bei einer großen Hauptstrecke völlig anderer Natur und kaum zu bewältigen.

Der Planfeststellungsbeschluß sei auch hinreichend bestimmt. Die vorgelegten Lagepläne zeigten maßstabsgetreu die Inanspruchnahme der Grundflächen. Nach den Zeichnungen für die Maststandorte betrage die Ausdehnung der benötigten Fläche höchstens 8 x 8 m. Die zu errichtenden Masten seien auch hinreichend definiert. Im Höhenplan sowie durch die Typenbezeichnung in den Lage- und Höhenplänen und die Beschreibung im Erläuterungsbericht sowie die Festlegung auf lediglich eine Traverse je Mast sei die Typenbauweise klar, Die Anforderungen an den Bau der Stromleitung seien durch § 1 Abs. 1 der Zweiten Durchführungsverordnung zum Energiewirtschaftsgesetz definiert. Danach sei die Leitung nach den anerkannten Regeln der Elektrotechnik einzurichten und zu unterhalten. Dazu gehörten die einschlägigen deutschen Industrienormen und VDE-Vorschriften. Die Art der Mastgründung, die in den Richtlinien des Bundesbahnzentralamtes München für die Errichtung von 110-kV-Bahnstromleitungen "DS 996" im einzelnen festgelegt sei, habe keinerlei Auswirkungen auf Rechte des Antragstellers. Nach Fertigstellung der Fundamente seien diese weder sichtbar noch mit irgendwelchen negativen Einwirkungen auf die Bodennutzung verbunden.

Die Lage der Schutzstreifen ergebe sich im einzelnen aus den Höhen- und Lageplänen. Ihre Bedeutung und Wirkung sei in Ziffer 12.1 und 12.2.1 DIN/VDE 0210 beschrieben. Danach müsse der Abstand zwischen Leiten und Erdoberfläche mindestens 6 m und zwischen Leiter und Bäumen mindestens 2,5 m betragen. Daraus ergebe sich eine je nach Seildurchhang und Geländeunebenheit unterschiedliche Beschränkung der Zulässigkeit der Höhe von Aufwuchs im Schutzstreifen auf 3,5 m an ungünstigster Stelle. Im Falle des Antragstellers ergebe sich eine zulässige Aufwuchshöhe von 10 m unter der Leitungsachse.

Baustraßen entstünden nicht und würden zum Planvollzug nicht benötigt. Es finde ein außerordentlich geringer Fahrzeugverkehr zu jeder Mastbaustelle statt. Im allgemeinen werde problemlos eine privatrechtliche Gestattung erreicht, die die notwendige Grundstücksnutzung abdecke. Die von dem Planvorhaben betroffenen Naturschutzbelange seien von der Antragsgegnerin abgewogen worden. Sie habe eine Reihe fachkundiger Stellungnahmen eingeholt. Es sei auch das Gutachten von Professor Kagerer berücksichtigt worden und die darin eingeschlossene Stellungnahme von Herrn Banse. Im wesentlichen habe der Planfeststellung zugrunde gelegen die größenmäßige Einzigartigkeit des Schachblumenbestandes im Sinntal-, der schön ausgebildete Eichen- u. Buchenmischwald im Altengronauer Wald, der Wert des Geländes als Durchzugs- und Rastgebiet für verschiedene Zugvögelarten, der Wert von Naßwiesen für Insekten und Amphibiensukzession, der optische und landschaftsästhetische Belang der Nichtbeeinträchtigung des Sinntales durch Freileitungen. Die naturschutzrechtliche Sicherstellungsverordnung sei ebenfalls in die Abwägung eingestellt worden. Durch geeignete Bauverfahren und Durchführung der Bauarbeiten in der Winterzeit werde der Eingriff in den Schachblumenbestand möglichst. gering gehalten. Außerdem wende als Ausgleich die 20-kVLeitung außerhalb des geplanten Naturschutzgebietes verkabelt.

Zur Ergänzung des Sachverhaltes wird auf die von den Beteiligten zu den Gerichtsakten gereichten Schriftsätze riebst Anlagen sowie den Inhalt der Gerichtsakten 2 A 1429/86 Bezug genommen. Folgende Behördenvorgänge, Stellungnahmen und Gutachten sind beigezogen und zum Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht worden:

- die Akten des Raumordnungsverfahrens des Regierungspräsidenten in Kassel 93 c 08-05 a Bundesbahnergänzungsstrecke, Fulda-Landesgrenze, Landesgrenze Bayern/Hessen bis Landrückentunnel mit Abschlußschreiben, ein Ordner

- Anhörungsakte des Regierungspräsidenten in Darmstadt Az. IV 1/36-66 c 10/01 - S - 1/82 Sinntal - Neubaustrecke Hannover-Würzburg, 110-kV-Bahnstromleitung, Uw Mottgers-Hess./BayerischeLandesgrenze, ein Ordner

- folgende Planfeststellungsunterlagen: - Bauwerksverzeichnis und Erläuterungsbericht (mit Blaueintrag) - Übersichtslageplan Maßstab 1: 250.000, Übersichtslageplan Maßstab 1: 25.000 (mit Blaueintrag) - Mastskizzen, Fundamentskizzen Lagepläne Maßstab 1: 2000, Maßstab 1: 1000 (Überholbahnhof Mottgers), Blatt 2, 6 und 7 mit Blaueintrag - Höhenpläne Maßstab 1: 2000/500 (Deckblatt zu Blatt 6, Blatt 2 mit Blaueintrag) - Unterwerk Mottgers, Grundrisse und Schnitte, Ansichten (Deckblatt) - Verzeichnis der Grundeigentümer (mit Blaueintrag) - Luftbilder mit der planfestgestellten Trasse des Bahnstromleitungsabschnittes - Gutachten Professor Dr. Ingenieur Hermann Kärner vom 20.5.1985 für das Bauverwaltungsamt der Stadt Lüneburg - Gutachten zu Problemen der raumordnungsgerechten Verlegung von Leitungen für elektrische Energie, erstellt im Auftrag des Hessischen Ministers für Landesentwicklung, Umwelt, Landwirtschaft und Forsten vom 30. Mai 1984 - vergleichende Standortuntersuchung aus Sicht der Landschaftspflege und des Naturschutzes - 110-kV-Bahnstromleitung Gemünden-Fulda, Abschnitt Uw Mottgers-Hess./Bayerische Landes grenze von Professor K. Kagerer, vom März 1984 mit der ornithologischen Stellungnahme zur geplanten Hochspannungsleitung im Sinntal von Günther Banse, Ingenieurbüro für Landschaftsökologie.

II.

Der Antrag ist zulässig.

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof ist zur Entscheidung befugt, nachdem ihn das Bundesverwaltungsgericht mit Beschluß vom 6. April 1987 zum zuständigen Gericht bestimmt hat. Daraus folgt die Befugnis des Senats, die Vereinbarkeit des angegriffenen Beschlusses nicht nur mit hessischem, sondern auch bayerischem Landesrecht zu überprüfen.

Der Antragsteller ist - in entsprechender Anwendung des § 42 Abs. 2 VwGO - im Verfahren nach § 80 Abs. 5 VwGO antragsbefugt. Mit dem Antrag macht der Antragsteller geltend, in seinem Grundeigentum und subjektiven Recht auf gerechte Abwägung seiner Belange verletzt zu sein, weil er bei Durchführung des Planungsvorhabens seine Grundstücke nicht mehr in dem bisherigen Umfang wird nutzen können. Durch die vorgesehene Überspannung wird das Waldgrundstück Aufwuchsbeschränkungen unterliegen, die eine forstwirtschaftliche Nutzung in dem bisherigen Umfang nicht mehr zulassen werden, da die dort angepflanzten Bäume allenfalls eine Höhe von 10 m erreichen dürfen. Darüber hinaus ist der Antragsteller Eigentümer eines Grundstückes, das er in landwirtschaftlicher Nutzung, verpachtet hat. Auf, diesem Grundstück soll ein Teil des Mastbauwerkes Nr. 21 verwirklicht werden, was zu einer Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen Ertragsfläche dieses Grundstückes führt.

Der Antrag auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Klage nach § 80 Abs. 2 Nr. 4 i.V.m. Abs. 5 VwGO ist jedoch nicht begründet, weil das öffentliche Interesse an der sofortigen Vollziehung des Planfeststellungsbeschlusses vom 9. April 1986 das persönliche Interesse des Antragstellers, einstweilen von Vollzugsmaßnahmen verschont zu bleiben, überwiegt.

Ob sich der angefochtene Planfeststellungsbeschluß vom 9. April 1986 im Klageverfahren als rechtmäßig erweisen wird, ist im Ergebnis noch offen.

Gegen die formelle Rechtmäßigkeit des angefochtenen Planfeststellungsbeschlusses bestehen nach summarischer Überprüfung keine Bedenken. Die von zahlreichen Einwendern, darunter auch dem Antragsteller, erhobenen Einwendungen sind im Anhörungstermin am 27. Juni 1985 erörtert worden. Soweit der Plan zum Schutz des Schachblumenbestandes geändert wurde (waldnaher Trassenverlauf zwischen Mast Nr. 21 und Nr. 26), wurde der Plan vom 18. November 1985 bis 20. Dezember 1985 erneut ausgelegt. Die Einwendungen, die sich nichterledigt hatten, wurden indem, angefochtenen Planfeststellungsbeschluß zurückgewiesen.

Die Bundesbahndirektion Nürnberg war nach § 36 Abs. 4 Bundesbahngesetz vom 13. Dezember 1951 (BGBl. I, S. 955) in der Fassung vom 18. Februar 1986 (BGBl. I S. 265) - BBahnG - i.V.m. der Ermächtigung des Vorstandes der Antragsgegnerin vom 4. Januar 1982 (VkBl. 82, S. 90) für den Erlaß des Planfeststellungsbeschlusses zuständig. Der Senat hält an seiner Auffassung, daß § 36 Abs. 4 BBahnG keinen durchgreifenden verfassungsrechtlichen Bedenken unterliegt, fest (vgl. Beschluß vom 1.4.1985 - 2 TH 1805/84, NVwZ 1986, S. 668 ff; ebenso BayVGH, Beschluß vom 23.8.1985 - 11 8 83 A.2163 UPR 1986, 147 ff. = BayVBl. 1986, 241 ff.; a.A. Schenke, Organisatorische Regelungen mit Außenwirkung durch Verwaltungsvorschriften?, DÖV 1986, 190 ff.).

Die materielle Ermächtigung zur bundesbahnrechtlichen Fachplanung ist der Antragsgegnerin in § 36 BBahnG eingeräumt.

Nach § 36 Abs. 1 Satz 1 BBahnG dürfen neue Anlagen der Deutschen Bundesbahn nur dann gebaut, bestehende Anlagen nur dann geändert werden, wenn der Plan zuvor festgestellt worden ist. Mit dieser Ermächtigung ist der Planfeststellungsbehörde ein umfassendes Planungsermessen eingeräumt, das in seinem Wesen am zutreffendsten durch den Begriff der planerischen Gestaltungsfreiheit umschrieben ist. Ihrem Gegenstand nach erstreckt sich die planerische Gestaltungsfreiheit in umfassender Weise auf schlechthin alle planerischen Gesichtspunkte, die zu möglichst optimaler Verwirklichung der gesetzlich jeweils vorgegebenen Planungsaufgabe, aber auch zur Bewältigung der von dem Planungsvorhaben in seiner räumlichen Umgebung erst aufgeworfenen Probleme von Bedeutung sind (so BVerwG, Urteil vom 14. Dezember 1979 - 4 C 10/77 - BVerwGE 59, 253 ff., 256 = NJW 1980, 2368; Urteil vom 12. Juli 1985 - 4 C 40.83 - BVerwGE 72, 15 ff., 20 = NVwZ 1985, 736 ff. = DVBl. 1985, 1141 ff). Planerische Gestaltungsfreiheit bedeutet allerdings nicht schrankenlose Planungsbefugnis. Es entspricht dem Wesen rechtsstaatlicher Planung, daß diese rechtlichen Bindungen unterworfen ist. Materielle Schranken folgen zum einen aus dem Erfordernis einer der jeweiligen fachplanungsgesetzlichen Zielsetzung entsprechenden Rechtfertigung des konkreten Planvorhabens, die auch gegenüber Art. 14 Abs. 3 GG standhalten muß, zum anderen aus gesetzlichen Planungsleitsätzen und schließlich aus den Anforderungen, die sich aus dem Abwägungsgebot ergeben (ständige Rechtsprechung des BVerwG a.a.O.).

Entgegen der Auffassung des Antragstellers ist der Planfeststellungsbeschluß nicht nichtig im Sinne des § 44 Abs. 1 Verwaltungsverfahrensgesetz des Bundes (- VwVfG - vom 25. Mai 1976, BGBl. I S. 1253). Er leidet nicht an einem besonders schwerwiegenden Fehler, der offenkundig ist. Es fehlt dem Beschluß nicht die hinreichende inhaltliche Bestimmtheit im Sinne des § 37 VwVfG. Von hinreichender Bestimmtheit ist auszugehen, wenn sich der von der Behörde gewollte Regelungsinhalt., ggf. im Wege der Auslegung, dem Planfeststellungsbeschluß unzweideutig entnehmen läßt (vgl. z.B. Stelkens/Bonk/Leonhardt, VwVfG, Kommentar, 2. Aufl. § 37 Rdnr. 9). Dem entspricht der Beschluß. Ihm läßt sich nämlich mit ausreichender Klarheit entnehmen, wie die Bahnstromleitung errichtet werden soll und in welchem Maße Rechte des Antragstellers beeinträchtigt werden.

Die vom Antragsteller gerügte fehlende Vorlage von Bauunterlagen, wie sie die Hessische Bauvorlagenverordnung (vom 22. Mai 1977, GVBl I S. 270 ff.) und die (bayerische) Bauaufsichtliche Verfahrensordnung (vom 2. Juli 1982, BayRS 2132-1-2-I) vorsehen, vermag die Bestimmtheit des angefochtenen Planfeststellungsbeschlusses nicht zu berühren. Zwar ist auch die Bundesbehörde beider Ausführung von Bauwerken an das materielle Landesrecht gebunden, soweit der Bundesgesetzgeber nicht konkurrierende eigene Vorschriften erlassen hat (vgl. BVerwG, Urteil vom 29. Juni 1967- IV C 36.66 - BVerwG E 27, 253 ff.; Urteil vom 28. Juni 1968 - IV C 11.65 - DÖV 1969, S. 206 ff.; Jarass, Konkurrenz, Konzentration und Bindungswirkung von Genehmigungen, S. 54 ff.). Dies ändert aber nichts daran, daß die Antragsgegnerin nicht verpflichtet ist, die Bauvorlagenverordnung zu beachten. § 1 Abs. 2 Ziffer 1 Hessische Bauordnung, § 1 Abs. 2 Ziff 1 Bayerische Bauordnung schließen ihre Geltung für öffentliche Verkehrsanlagen ausdrücklich aus. Es kann dahinstehen, ob sie durch § 38 BBahnG dennoch wieder zum Tragen kommen (so Mang-Simon, Bayerische Bauordnung, Kommentar, Art. 1 Rdnr. 8). Nach dieser Auffassung bezieht sich die Verweisung auf die Anforderungen an die öffentliche Sicherheit und Ordnung in § 38 BBahnG auf das sonstige geltende Recht, durch welches die öffentliche Sicherheit und Ordnung geregelt wird, wodurch der Bezug auf die Landesbauordnungen hergestellt ist, soweit sie Vorschriften über die öffentliche Sicherheit und Ordnung enthalten. Selbst wenn die Errichtung der Bahnstromleitung an den materiellen Vorschriften der Hessischen und der Bayerischen Bauordnung gemessen werden müßte, besteht die von dem Antragsteller behauptete Verpflichtung der Antragsgegnerin nicht. Nach § 89 Abs. 1 Ziffer 7 HBO, Art. 66 Abs. 1 Ziff. 21 BayBO ist. nämlich die Errichtung und Änderung von Masten und Unterstützungen der Freileitungen für die Versorgung mit elektrischer Energie bis zu 110-kV-Netzspannung genehmigungs- und anzeigefrei. Für derartige Vorhaben gilt die Bauvorlagenverordnung demzufolge nicht. Gleichwohl müssen die Bahnstromleitung und die hierfür zu errichtenden Masten allen Anforderungen der Sicherheit und Ordnung genügen (§ 38 BBahnG). Im Erläuterungsbericht ist klargestellt, daß die Bahnstromleitung nach den Bestimmungen des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE), den einschlägigen DIN-Normen und den Richtlinien der DB erbaut wird. Das entspricht § 2 EBO (Eisenbahn-Bau und Betriebsordnung v. 8. Mai 1967 BGBl. II, S. 1563, zuletzt geändert durch VO vom 18. Dezember 1981, BGBl. I S. 1490), wonach die Bahnanlagen den allgemeinen Regeln der Technik entsprechen müssen, was bei den genannten Vorschriften vermutet werden kann (in § 1 Abs. 2 der z. VO zur Durchführung des Energiewirtschaftsgesetzes v. 31. August 1937, RGBl. I S. 918, zuletzt geändert durch VO v. 12.12.1985 BGBl. I S. 2251 ist das ausdrücklich so vorgesehen; zur Bedeutung derartiger Vorschriften BVerwG U. v. 17. Januar 1986 - 4 C 6., 7.84 - NVwZ 86, 471 f.). Einer Beifügung dieser Vorschriften sowie von Planzeichnungen, aus denen alle Details der Bauausführung zu entnehmen sind bedurfte es nicht. Es ist nicht Aufgabe eines Planfeststellungsverfahrens, Einzelheiten der Bauausführung zu regeln. Vielmehr bezweckt das Planfeststellungsverfahren die Abstimmung der verschiedenen öffentlichen Interessen untereinander unter Berücksichtigung der Belange der Allgemeinheit und der Interessen privater Betroffener in bezug auf ein konkretes Planvorhaben (vgl. hierzu ausführlicher Fickert, Planfeststellung für den Straßenbau, Kommentar, Einführung, Bem. I 1.; für die bundesbahnrechtliche Planfeststellung Finger, Kommentar zum Allgemeinen Eisenbahngesetz und Bundesbahngesetz, 1982, Bem. 1. zu § 36 BBahnG).

Aus dem Planfeststellungsbeschluß geht auch hinreichend bestimmt hervor, welche Grundstücke in welchem Umfang betroffen sind. In dem Lageplan (Anlage 3 zum Planfeststellungsbeschluß) und in dem dem Höhenplan beigefügten Lageplan (Anlage 4) sind die von dem Bauvorhaben betroffenen Grundstücke parzellenscharf im Maßstab 1 2000 eingetragen. Aus beiden Plänen läßt. sich die Lage der Bahnstromtrasse und der Maststandorte entnehmen. Die Mastaustrittsfläche ist dort ebenfalls angegeben. Daraus läßt sich die maximale Inanspruchnahme der betroffenen Grundstücke erkennen, nämlich 8 x 8 m. Eine Feinplanung, wie sie der Antragsteller fordert, aus der sich zentimetergenau der Umfang der Inanspruchnahme ergibt, muß im Planfeststellungsbeschluß nicht erfolgen (vgl. BVerwG, U. v. 24. Oktober 1967 - IV C 229.65 - BVerwGE 28, 139 ff.). Dabei ist hier zu berücksichtigen, daß die zu errichtenden Masten auf verschiedene Fundamente montiert werden können, deren Gestaltung wiederum von dem jeweiligen Untergrund abhängt. Die Bestimmung der genauen Bauweise der Masten ist eine Frage der Bauausführung, die nicht im Planfeststellungsbeschluß selbst: geregelt werden muß. Es ist nämlich nicht erkennbar, welche rechtlich relevanten Beeinträchtigungen die betroffenen Grundstückseigentümer durch die unterschiedliche Mastfundamentierung erleiden sollten. Es waren auch nicht vor Erlaß des Planfeststellungsbeschlusses Bodenuntersuchungen vorzunehmen, um die genauen Fundamente zu bestimmen. Wie die Antragsgegnerin vorgetragen hat, können die Masten in jedem Untergrund errichtet werden, so daß die Trassierung von Voruntersuchungen unabhängig ist. Soweit bei der tatsächlichen Bauausführung für jeden Mast weniger als 8 x 8 m Grundfläche in Anspruch genommen werden müssen, begründet dies ebenfalls nicht die Unbestimmtheit des Beschlusses, weil es sich nur zum Vorteil der betroffenen Grundstückseigentümer auswirken kann. Mehr an Fläche darf die Antragsgegnerin ohne erneute Planfeststellung oder Einigung mit den betroffenen Grundstückseigentümern nicht in Anspruch nehmen, weil sie insoweit in dem eventuell durchzuführenden Enteignungsverfahren an die Planfeststellung gebunden ist (§ 37 BBahnG). Bei der hier betriebenen Grundstücksnutzung kommt es auch für das Maß und die Intensität der Beeinträchtigung nicht wesentlich darauf an, ob das Mastbauwerk 4 m oder nur 3 m in das Grundstück des Antragstellers hineinragt Die landwirtschaftliche Nutzung wird bereits dadurch beeinträchtigt, daß durch das Mastbauwerk die Bewirtschaftung des Grundstücks mit Maschinen erschwert wird und auf dem beanspruchten Grundstücksteil eine Bewirtschaftung nicht möglich ist. Es ist aber nicht erkennbar, inwieweit Rechte des Antragstellers dadurch beeinträchtigt werden sollen, daß mit Erlaß des Planfeststellungsbeschlusses noch nicht eindeutig bestimmt ist, ob nicht. eventuell 1 oder 2 qm weniger in Anspruch genommen werden, (vgl. hierzu die Ausführungen von Fickert, a.a.O.). Planfeststellungsrichtlinien B Erläuterungen Nr. 39 Rdnr. 5 ff.; zur Zulässigkeit von ungefähren Flächenangaben im Enteignungsrecht, wenn der genaue Flächenbedarf sich erst bei der konkreten Bauausführung ergibt: BVerwG, Urteil vom 7. Mai 1971 - IV C 12.68 - DÖV 1972, 132 f.).

Ausmaß und Intensität der Beeinträchtigung der Grundstücke des Antragstellers sind auch mit hinreichender Bestimmtheit dem Planfeststellungsbeschluß zu entnehmen, soweit er Aufwuchsbeschränkungen .im Schutzstreifen vorsieht. Der Schutzstreifen ist in den Lageplänen maßstabsgetreu eingezeichnet. Aus dem Lageplan Anlage 3, Bl. 6, ergeben sich die genaue Lage und der Umfang des Schutzstreifens für die Grundstücke des Antragstellers. Für das Grundstück 14/39 ergibt sich durch die Schutzstreifenbestimmung keine Veränderung der Bewirtschaftung. Die Nutzung als Grünfläche wird nicht beeinträchtigt.. Die Nutzungsbeschränkung für das Waldgrundstück ist für den Antragsteller hinreichend erkennbar. Im Erläuterungsbericht (Anlage 0) ist dargelegt, daß Bäume und sonstiger Aufwuchs mindestens 3,5 m hoch werden dürfen, in der Regel jedoch eine höhere Begrenzung erfolgt. Eine genaue Beschreibung der zulässigen Wuchshöhen ist bei einer Stromleitung nicht möglich, da diese von dem jeweiligen Abstand der Leitungen vom Boden abhängen. Der Hinweis auf die Sicherheitsbestimmungen des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE) konkretisiert die zulässigen Wuchshöhen ausreichend. Diese Sicherheitsbestimmungen sind ein anerkanntes Regelwerk, das auch allgemein zugänglich ist. und gegebenenfalls von der Antragsgegnerin dem Antragsteller zur Einsicht vorgelegt werden müßte. In welcher Höhe die Stromleitungen angebracht sind, ergibt sich aus den Höhenplänen, die mit genauen Maßangaben auch die Höhe der Masten aufzeigen. Für den Antragsteller klar erkennbar ist jedenfalls daß eine forstwirtschaftliche Nutzung im bisherigen Ausmaß nicht mehr möglich sein wird. Die Aufwuchsbeschränkungen lassen allenfalls noch eine Weihnachtsbaumkultur zu, was aber eine gravierende Nutzungsänderung bedeutet. Weitere Einzelheiten müssen im Planfeststellungsverfahren nicht dargelegt werden.

Inwieweit sich das Fehlen eines Gewässerplanes auf die Bestimmtheit des Beschlusses auswirken sollte, ist nicht erkennbar. Hierzu hat die Antragsgegnerin dargelegt, daß die Bahnstromleitung den Oberflächenwasserabfluß nicht beeinträchtigt, so daß eine Genehmigung nach § 69 Hessisches Wassergesetz für die Gewässerkreuzungen nicht erforderlich ist (Schreiben des Wasserwirtschaftsamtes Friedberg vom 15. Dezember 1982 an den Regierungspräsidenten in Darmstadt:). Bedenken bestehen auch für den Teil der Bahnstromleitung nicht, der auf bayerischem Gebiet liegt. Die wegen der Eigenschaft der Sinn als anerkanntem Wildbach erforderliche Genehmigung (VO der Regierung von Unterfranken Nr. 225-501 a 18/80 Nr. 66 i.V.m. Art. 89 Abs. 2 bay. Wassergesetz) sowie die wegen des Überschwemmungsgebietes der Sinn erforderliche Ausnahmegenehmigung (VO des ehemaligen Landratsamtes Bad Brückenau v. 04.09.1969 i.V.m. Art. 61 Abs. 2 bay Wassergesetz) sind mit den notwendigen Auflagen (Schreiben der Regierung von Unterfranken vom 02.08.1983) vom Planfeststellungsbeschluß umfaßt.

Der Plan wird auch nicht dadurch unbestimmt, daß die Gründung der Masten, die in Schutzzonen des Wasserschutzgebietes Sinntal-Altengroriau liegen, mit dem Hessischen Landesamt für Bodenforschung und dem Wasserwirtschaftsamt Friedberg abzustimmen ist. Die Antragsgegnerin begibt sich damit nicht der ihr durch § 36 BBahnG zugewiesenen Kompetenzen, sondern legt fest, daß die Bauausführung in Zusammenarbeit mit. fachkompetenten Behörden erfolgen muß.

Der angegriffene Planfeststellungsbeschluß weist eine ausreichende Planrechtfertigung auf. Eine hoheitliche Fachplanung trägt ihre Rechtfertigung nicht bereits in sich selbst, sondern sie muß, gemessen an den Zielen des jeweils zugrundeliegenden Fachplanungsgesetzes, erforderlich sein und angesichts der enteignungsrechtlichen Vorwirkung der Planfeststellung (vgl. § 37 BBahnG) vor Art. 14 Abs. 3 GG standhalten (BVerwG, Urteil vom 14. Februar 1975 - IV C 21.74 - NJW 1975, 1373 ff. = BVerwGE 48, 56 ff.). Die objektive Erforderlichkeit ist jedoch nicht erst gegeben, wenn die Verwirklichung des Vorhabens unabweislich ist, sondern bereits dann, wenn seine Verwirklichung "vernünftigerweise geboten" ist (BVerwG, Urteil vom 7. Juli 1978 - 4 C 79.76 BVerwGE 56, 110 ff. = NJW 1979, 64 ff; Urteil vom 22. März 1985 4 C 15.83 - BVerwGE 71, 166 ff. = DVBl. 1985, 900 ff.). Diesen Anforderungen genügt der Plan für die Errichtung der Bahnstromleitung. Nach § 4 Abs. 1 Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG), § 4 BBahnG ist die Antragsgegnerin verpflichtet, unter Wahrung wirtschaftlicher Grundsätze in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Wohl und dem öffentlichen Verkehrsbedürfnis ihre Anlagen nach dem jeweiligen Stand der Technik zu erneuern, zu ersetzen und weiterzuentwickeln, ihren Reise- und Güterverkehr zu bedienen und auszugestalten, ihr Netz auszubauen und der Entwicklung anzupassen. Dementsprechend hat die Antragsgegnerin ein Ausbauprogramm entwickelt, das den Eisenbahnverkehr verbessern soll. Dem soll der Neubau der Streckenverbindung Hannover-Würzburg dienen. Mit dem Ausbauprogramm ist aber auch festgelegt, daß die Neubaustrecken mit gleichen Fahrzeugen und mit gleicher Betriebsweise befahren werden können wie die bisherigen Strecken. Daraus ergibt. sich die Notwendigkeit der Elektrifizierung. Die Rechtfertigung für die Neubaustrecke selbst bedarf im vorliegenden Verfahren keiner Überprüfung. Im Streckenabschnitt südlich Fulda bis Würzburg, in dem die hier streitige Bahnstromleitung liegt, ist der Neubau der Fahrtrasse fast vollständig bestandskräftig planfestgestellt. Soweit der Antragsteller eingewandt hat, die Errichtung der Bahnstromleitung sei nicht erforderlich, weil die Antragsgegnerin den benötigten Strom auch dem privaten Stromnetz entnehmen könne, greift dieser Einwand nicht durch. Wie die Antragsgegnerin ausgeführt. hat, ist sie aus technischen und wirtschaftlichen Gründen darauf angewiesen, die Bahnstromversorgung im wesentlichen mit eigenen Bahnstromleitungen durchzuführen. Die Zuführung elektrischer Energie aus dem Netz der öffentlichen Energieversorgung erfolgt nur in einem verhältnismäßig geringen Umfang (etwa 15 %). Die Umwandlung des benötigten Stromes aus dem mit einer Spannungsfrequenz von 50 Hz betriebenen öffentlichen Netz in die Frequenz 16 2/3 Hz, mit der das Bahnstromnetz betrieben wird, erfolgt durch elastische Frequenzumformer großer Leistung, was sich gegenüber dem Einsatz dezentraler Kleinumformer, die bei vermehrter Entnahme vom Strom aus dem öffentlichen Netz erforderlich wurden, als kostengünstiger darstellt. Bei dem Einsatz dezentraler Kleinumformer müßten außerdem wirtschaftlich und technisch aufwendigere Maßnahmen getroffen werden, um den benötigten Bahnstrom ständig zuführen zu können. Hinzu kommt hierbei die Verteuerung der Bahnstromenergie dadurch, daß auch die erheblich teurere Spitzenenergie der öffentlichen Energieversorgungsunternehmen mit einbezogen werden müßte.

Dem steht nicht entgegen, daß die Antragsgegnerin künftig einen nicht unerheblichen Teil ihres benötigten Stromes von dem Gemeinschaftskernkraftwerk Kornwestheim beziehen wird. Dieser Strom wird mit einer Frequenz von 50 Hz erzeugt, zentral auf 16 2/3 Hz umgeformt und aus den oben erwähnten technischen und wirtschaftlichen Gründen über eine eigene Stromtrasse transportiert. Der Stromtransport über das öffentliche Stromnetz wäre wegen des für die Durchleitung zu zahlenden Entgelts nicht billiger als der Bau einer eigenen Stromtrasse. Darüber hinaus hat die Antragsgegnerin den Betrieb ihres gesamten Streckennetzes im Verbund mit den österreichischen Bundesbahnen auf eine eigene Bahnstromleitung ausgelegt. Die Veränderung dieser Konzeption würde einen beträchtlichen wirtschaftlichen Mehraufwand fordern. Es ist deshalb davon auszugehen, daß die Antragsgegnerin mit dem Bau einer neuen Bahnstromtrasse die Elektrifizierung der Neubaustrecke sicherstellen und damit der oben beschriebenen ihr gesetzlich auferlegten Verpflichtung nachkommen kann. Die von dem Antragsteller aufgezeigte Alternative ist zwar möglich, aber technisch und im Ergebnis auch wirtschaftlich aufwendiger. Der Senat hat deshalb keinen Zweifel, daß die Errichtung einer eigenen Bahnstromtrasse im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts vernünftigerweise geboten ist. Daß es ausschließlich nur diese Möglichkeit und keinerlei andere Formen der Realisierung der Bahnstromleitung geben darf, ist im Sinne der Erforderlichkeit des Vorhabens nicht notwendig (vgl. Urteil des BVerwG vom 6. Dezember 1985 - 4 C 59.82 - NJW 1986, S. 1508 ff.).

Die Frage, wie die 110-kV-Bahnstromleitung realisiert wird (Verkabelung, Mitführung auf dem vorhandenen Oberleitungsgestänge der schon bestehenden Bahntrasse, Trassenwahl), berührt nicht die Planrechtfertigung. Sie ist wesentlicher Bestandteil des Planungsermessens und bei der Abwägung der für und gegen das Vorhaben sprechenden Belange zu beantworten (ständige Rechtsprechung des BVerwG, vgl. etwa Urteil vom 22. März 1985 - 4 C 15.83 BVerwGE 71, 166 ff = DVBl. 1985, 900 ff. = NJW 1986, 80 ff.; Beschluß vom 19. September 1985 - 4 R 86.85 -).

Der angefochtene Planfeststellungsbeschluß verstößt auch nicht gegen Planungsleitsätze im Sinne der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. In Betracht käme hier allenfalls ein Verstoß gegen §§ 1, 2 und 8 Bundesnaturschutzgesetz (- BNatSchG - vom 20. Dezember 1976, BGBl. I S. 3574, in der hier maßgeblichen Fassung vom 1. Juni 1980, BGBl. I S. 649), §§ 1 und 13 Hessisches Naturschutzgesetz (- HENatG - vom 19. September 1980, GVBl. I. S. 309), wenn diese Vorschriften gesetzliche Planungsleitsätze enthielten. Das ist jedoch nicht der Fall. In der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind Planungsleitsätze seit je begriffen worden als planzielbestimmende Vorschriften für die jeweilige Fachplanung, die sich aus dem Fachplanungsgesetz und anderen für die Fachplanung einschlägigen Normierungen ergeben können (vgl. etwa Urteil vom 14. Februar 1975 - IV C 21.74, NJW 1975, 1373 ff. = BVerwGE 48, 56 ff.). Allerdings bedeutet das nicht, daß alle einschlägigen gesetzlichen Zielvorgaben eine strikte Beachtung fordern und nicht mehr durch andere öffentliche Belange zurückgedrängt. werden könnten (so klarstellend BVerwG, Urteil vom 22. März 1985 - 4 C 73.82 -, BVerwGE 71, 163 ff, 165 = DVBl. 1985, 899 f.). Vielmehr bezeichnet der Begriff "Planungsleitsatz" nur solche gesetzlichen Regelungen, die bei öffentlichen Planungen strikte Beachtung verlangen und deswegen nicht im Rahmen der planerischen Abwägung überwunden werden können. Davon zu unterscheiden sind gesetzliche Bestimmungen, die keine absolute Geltung beanspruchen, sondern bei denen die mit ihnen verfolgten Ziele bei öffentlichen Planungen in der Abwägung mit anderen Belangen zurücktreten können, wie dies etwa bei einem Optimierungsgebot der Fall ist (BVerwG, a.a.O.).

Bei den so definierten Voraussetzungen sind die §§ 1, 2 und 8 BNatSchG, §§ 1, 13 HENatG nicht als gesetzliche Planungsleitsätze zu betrachten, sondern gesetzliche Optimierungsgebote, die bei der Abwägung der von der Planung berührten öffentlichen und privaten Belange ein besonderes Gewicht erhalten (so ausdrücklich zu § 1 BNatSchG BVerwG, Urteil vom 22. März 1985, a.a.O.). S. 165; VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 30. Juli 1985 - 5 S 2553/84 - DVBl. 1986, 364 ff., 367 zu §§ 10 und 11 des Baden-Württembergischen Naturschutzgesetzes vom 21. Oktober 1975, die mit § 1 BNatSchG vergleichbar sind). Daß §§ 1, 2 BNatSchG Regelungen darstellen, die eine Relativierung durchaus zulassen, zeigt § 1 Abs. 2 BNatSchG, auf den sich § 2 Abs. 1 BNatSchG bezieht. Danach sind die Anforderungen, die sich aus Abs. 1 der Vorschrift ergeben, und die sonstigen Anforderungen der Allgemeinheit an Natur und Landschaft abzuwägen, was eine strikte und nicht überwindbare Bindung im Sinne des oben definierten Begriffs des Planungsleitsatzes ausschließt. Ähnliches gilt für § 8 Abs. 2 BNatSchG, der zunächst von seinem Wortlaut her eine strikte Bindung nahelegt. Abs 2 von § 8 BNatSchG kann jedoch nicht isoliert betrachtet werden Abs. 3 der gleichen Vorschrift schreibt ebenso wie § 1 Abs. 2 BNatSchG die Abwägungserheblichkeit der in Abs. 2 beschriebenen Belange fest und enthält ein Optimierungsgebot im Hinblick auf die Ziele des Natur- und Landschaftsschutzes (vgl. hierzu Gaentzsch, Die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung, NuR 1986, S. 89 ff., 91 vgl. auch Ronellenfitsch, Eingriffe in Natur und Landschaft bei der wasserwirtschaftlichen Planfeststellung, VA 1986, 177 ff. 184). Ähnliches gilt für die Regelungen des Hessischen Naturschutzgesetzes. Daß Natur- und Landschaftsschutz nicht in jedem Falle absolute Geltung beanspruchen, sondern aus überwiegenden Gründen des Gemeinwohls zurückgedrängt werden können, ergibt sich bereits aus der Abwägungsvorschrift des § 2 Abs. 2 HENatG. Aber auch § 6 Abs. 2 HENatG zeigt keinen strikten Geltungsanspruch auf, sondern läßt eine Abwägung mit Gemeinwohlbelangen zu.

Im Ergebnis wird das auch von der Literatur letztlich nicht anders gesehen. Soweit Regelungen des BNatSchG als gesetzlicher Planungsleitsatz angesehen werden ( so Steinberg, Planrechtfertigung und Planungsleitsätze in der straßenrechtlichen Planfeststellung, NVwZ 1986, 812 ff, 814), wird ihnen nicht: die Bedeutung einer unüberwindbaren Planungsschranke zugewiesen. Vielmehr werden sie als Planungs- und Abwägungsdirektiven begriffen, die bestimmen, welche Belange in die Abwägung einzustellen sind und gegebenenfalls wie ihre Gewichtigkeit festzulegen ist (so Steinberg, a.a.O.). in diesem Sinne aber auch Salzwedel, Bundesbehörden- und Naturschutzrecht, NuR 1984, S. 166 ff., 169 ff.; vgl. auch Erbguth/Püchel, Materiellrechtliche Bedeutung des Umweltschutzes in der Fachplanung, NuR 1984, S. 209 ff). Werden derartige Regelungen aber dem Bereich. der planerischen Abwägung und damit dem Planungsermessen zugeordnet, ist ihnen nicht mehr die Bedeutung eines "Planungsleitsatzes" im Sinne der oben definierten neueren Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts beizulegen mit der Folge, daß die Anwendung derartiger Vorschriften nur der eingeschränkten verwaltungsrichterlichen Kontrolle unterliegt.

Ob der Planfeststellungsbeschluß dem Abwägungsgebot genügt, kann noch nicht. abschließend beurteilt werden. Die Einhaltung des planungsrechtlichen Abwägungsgebots verlangt, daß - erstens - eine rechtliche Abwägung überhaupt stattfindet, daß - zweitens - in die Abwägung an Belangen eingestellt wird, was nach Lage der Dinge in sie eingestellt werden muß, und daß - drittens - weder die Bedeutung der betroffenen öffentlichen und privaten Belange verkannt noch der Ausgleich zwischen ihnen in einer Weise vorgenommen wird, die zur objektiven Gewichtigkeit einzelner Belange außer Verhältnis steht. Innerhalb des so gezogenen Rahmens wird das Abwägungsgebot jedoch nicht verletzt, wenn sich die zur Planung ermächtigte Stelle in der Kollision zwischen verschiedenen Belangen für die Bevorzugung des einen und damit notwendig für die Zurückstellung eines anderen entscheidet. Die darin liegende Gewichtung der von der Planung berührten öffentlichen und privaten Belange ist. vielmehr im Gegenteil ein wesentliches Element der planerischen Gestaltungsfreiheit und als solches der verwaltungsgerichtlichen Kontrolle entzogen. Diese beschränkt sich im Rahmen des Abwägungsgebots daher auf die Frage, ob die Planfeststellungsbehörde die abwägungserheblichen Gesichtspunkte rechtlich und tatsächlich zutreffend bestimmt hat und ob sie - auf der Grundlage des derart: zutreffend e-rmittelten Abwägungsmaterials die aufgezeigten Grenzen der ihr obliegenden Gewichtung eingehalten hat (so das Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 14. Februar 1975 - IV C 21.74-, a.a.O.; Urteil vom 7. Juli 1978 - IV C 79.76 - BVerwGE 56, 110 ff. = NJW 1979, 64 ff.; Urteil vom 22. März 1985 - 4 C 15.83 -, BVerwGE 71, 166 ff.). Diese Rechtmäßigkeitsvoraussetzungen sind allerdings nicht abstrakt zu erörtern, sondern stets im Hinblick auf die individuelle Rechtsbetroffenheit des jeweiligen Klägers. Jedoch kann der Eigentümer eines durch die Planfeststellung mit enteignender Wirkung betroffenen Grundstücks die Verletzung des Abwägungsgebots grundsätzlich auch mit der Begründung geltend machen, öffentliche Belange (z.B. des Naturschutzes oder des Landschaftsschutzes) seien nicht hinreichend beachtet worden (BVerwG, Urteil vom 18. März 1983 - 4 C 80.79 - BVerwGE 67, 74 ff.; auch Urteil vom 30. Mai 1984 - 4 C 58.81 - BVerwGE 69, 256 ff., 270 f.). Das folgt aus dem Eigentumsschutz nach Art. 14 GG, der vor einem Eigentumsentzug schützt, der nicht zum Wohle der Allgemeinheit erforderlich oder nicht gesetzmäßig ist (Art. 14 Abs. 3 GG). Eine von der Verwaltung gesetzwidrig durchgeführte Enteignung würde sowohl den Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Enteignung als auch das Grundrecht aus Art. 14 Abs. 1 Satz 1 GG verletzen. Da der Planfeststellungsbeschluß über die Zulässigkeit der Enteignung entscheidet (§ 37 BBahnG), muß der Beschluß als solcher den Grundsätzen der Gesetzmäßigkeit entsprechen. Deshalb kommt es auch nicht darauf an, ob ein Abwägungsmangel speziell auf der Verletzung von Vorschriften beruht, die die Belange des betroffenen Eigentümers, also hier des Antragstellers, schützen sollen. Die privaten Grundflächen des Antragstellers dürfen auch dann nicht in Anspruch genommen werden, wenn der Planfeststellungsbeschluß sich aus anderen Gründen als nicht rechtmäßig erweist (BVerwG, Urteil vom 18. März 1983, a.a.O.).

Der Antragsteller rügt zu Unrecht einen Abwägungsfehler, soweit sein Grundstück in Anspruch genommen wird. Die Antragsgegnerin hat: die von dem Planfeststellungsbeschluß ausgehenden Beschränkungen und enteignungsrechtlichen Vorwirkungen in bezug auf das Grundeigentum des Antragstellers in die Abwägung eingestellt (vgl. dazu Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. Juli 1985 - 4 C 40.83 - BVerwGE 72, 15 ff. NVwZ 1985, 736 ff.; VGH Baden-Württemberg, Beschluß vom 10. Dezember 1984 - 5 S 2203.84-, NVwZ 1985, 432). Die Belange des Antragstellers sind im Planfeststellungsbeschluß ausdrücklich erwähnt worden. Dabei hat die Antragsgegnerin nicht nur mit einbezogen, daß der Antragsteller als Grundstückseigentümer betroffen wird, sondern ist ausdrücklich auch davon ausgegangen, daß eine entschädigungspflichtige Beeinträchtigung der forstwirtschaftlichen Nutzung des Waldgrundstückes des Antragstellers erfolgt (S. 31 f. des Planfeststellungsbeschlusses). Sie hat das Interesse des Antragstellers, durch die Planungen nicht mit seinem Grundeigentum in Anspruch genommen zu werden, indem die Trasse einen anderen Verlauf erhält oder völlig anders gestaltet wird, mit den entgegenstehenden öffentlichen Belangen abgewogen.

Die Abwägung ist entgegen der Auffassung des Antragstellers auch nicht deshalb unter dem Gesichtspunkt der Problembewältigung fehlerhaft, weil die Verkabelung der 20-kV-Leitung außerhalb des geplanten Naturschutzgebietes nur dem Grundsatz nach planfestgestellt wurde.

Der Grundsatz der Problembewältigung besagt, daß in die Planung alle planerischen Gesichtspunkte einzubeziehen sind, die zur möglichst. optimalen Verwirklichung der vorgegebenen Planungsaufgabe von Bedeutung sind. Dazu gehört auch die Bewältigung der von dem Planvorhaben in seiner räumlichen Umgebung erst aufgeworfenen Probleme (BVerwG, Urteil vom 9. März 1979 - 4 C 41.75 - BVerwGE 57, 297 ff., 300; Hess.VGH, Beschluß vom 29. August 1985 - 2 TH 161/85, S. 8 des amtl. Umdrucks). Danach sind auch die sich aus dem Vorhaben ergebenden Folgemaßnahmen in die Planung einzubeziehen. Das gilt auch für die Inanspruchnahme von Grundstücken, die nicht durch das Planvorhaben selbst, sondern infolge der notwendigen naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen (vgl. § 6 Abs. 2, 10 HENatG) erforderlich wird. Grundlage für die hierfür eventuell vorzunehmenden Enteignungen bildet nämlich nicht das jeweilige Naturschutzgesetz (z.B. § 38 HENatG), sondern das einschlägige Fachplanungsrecht (Gaentzsch, NuR 1986, S 89 ff., 91), Gleichwohl mußte die Antragsgegnerin die Verkabelung der 20-kV-Leitung nicht in den Planfeststellungsbeschluß aufnehmen. Es ist nämlich nicht erkennbar, daß damit. in der Umgebung Probleme entstünden, die der Beschluß regeln müßte. Entgegen der Auffassung des Antragstellers steht nicht zu erwarten, daß sein Grundeigentum in Anspruch genommen werden muß. Nur hierauf könnte er sich berufen. Er hat noch nicht einmal dargelegt, daß er im fraglichen Bereich weiteres Grundeigentum besitzt. Die Verlegung der 20-kV-Leitung kann entlang von Wegen erfolgen, die das geplante Naturschutzgebiet am Grauberg säumen (vgl. Schreiben des Überlandwerkes Unterfranken AG vom 6. November 1985 an die Antragsgegnerin). Soweit die derzeit bestehende 20-kV-Leitung abgebaut werden muß, ist. eine Beeinträchtigung des Grundstückes des Antragstellers, die der Planfeststellung bedürfte, nicht erkennbar. Nach dem vorliegenden Lageplan befindet sich ein Mast auf der Grenze des Grundstückes 14/39. Die Entfernung dieses Mastes kann für den Antragsteller nur vorteilhaft sein. Eine Beeinträchtigung der Grundstücksbewirtschaftung ist während des Mastabbaus nicht zu befürchten. Wegen des Schutzes des Schachblumenvorkommens muß der Abbau in schonendster Ausführung in der vegetationslosen Jahreszeit entsprechend den Auflagen D 2 des Planfeststellungsbeschlusses erfolgen.

Schließlich widerspricht es auch nicht dem Grundsatz der Problembewältigung, daß die Antragsgegnerin keine Zufahrtsstraßen zu den Maststandorten planfestgestellt hat. Der Antragsteller kann sich hierauf schon deshalb nicht berufen, weil der auf dem Grundstück 14/39 geplante Mast auf der Grundstücksgrenze liegt. und deshalb auch vom Grundstück 14/38 aus erreichbar sein würde. So ist eine evtl. erforderliche Mastzufahrt auch von der Antragsgegnerin beabsichtigt (vgl. den von der Antragsgegnerin mit Schriftsatz vom 11.11.1986 eingereichten Lageplan) . Darüber hinaus hat die Antragsgegnerin unwidersprochen vorgetragen, daß für die notwendigen Wartungsarbeiten ein Maschineneinsatz nicht erforderlich ist und die Erlaubnis zum Betreten der Grundstücksflächen im allgemeinen durch privatrechtliche Verträge erreicht werden kann, so daß eine öffentlich-rechtliche Sicherung nicht nötig erscheint. Im übrigen braucht der Antragsteller nicht mehr zu dulden, als durch den Planfeststellungsbeschluß aufgegeben ist. Insofern kann er dadurch, daß Mastzufahrten nicht planfestgestellt sind, nicht in seinen Rechten beeinträchtigt werden.

Auch die fehlende Planfeststellung für Grundstücksinanspruchnahmen während der Bauarbeiten wirft keine unbewältigten Probleme auf. Ob, wie die Antragsgegnerin meint, der Planfeststellungsbeschluß auch diese Belastung des Grundeigentums des Antragstellers umfaßt, erscheint zweifelhaft, kann hier aber dahinstehen. Denn auch hier gilt, daß der Antragsteller nur dulden muß, was planfestgestellt ist.. Darüber hinaus hat. die Antragsgegnerin dargelegt, daß die Grundstücksinanspruchnahme im allgemeinen durch private Gestattungsverträge erreicht werden kann. Sollte ihr dies nicht gelingen, wird sie Lösungsmöglichkeiten finden müssen. Die Rechtmäßigkeit des Planfeststellungsbeschlusses und Rechte des Antragstellers berührt das nicht.

Ob die Antragsgegnerin auch bei der Auswahl der Leitungstrasse dem Abwägungsgebot genügt hat, kann nach dem Ergebnis der mündlichen Verhandlung noch nicht abschließend beurteilt werden,

Die Frage der Trassenauswahl sowie der technischen Durchführung ist als Teil des Abwägungsvorganges der richterlichen Prüfung nur mit den oben aufgezeigten Beschränkungen zugänglich, ob nämlich die Antragsgegnerin die Grenzen der ihr eingeräumten planerischen Gestaltungsfreiheit überschritten hat (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. März 1985 - 4 C 15.83 -, a.a.O.; Urteil vom 27. März. 1980 - 4 C 34.79 - Buchholz 407.4 § 17 FStrG Nr. 34:; Urteil vom 22. März 1974 - IV 42.73 -, Buchholz 442.40 § 6 Luftverkehrsgesetz Nr. 6).

Ein in diesem Sinne abwägungsrelevanter Fehler wäre anzunehmen, wenn die Antragsgegnerin eine naheliegende Trassenvariante nicht gewählt hätte, durch die die mit der Planung angestrebten Ziele unter geringeren Opfern an entgegenstehenden öffentlichen und privaten Belangen hätten verwirklicht werden können (BVerwG, Urteil vom 22. März 1985 - 4 C 15.83 - a.a.O.; Soweit der Antragsteller die Trassenführung über den Grauberg quer durch den Staatsforst anstrebt, ist der Antragsgegnerin ein Abwägungsfehler nicht unterlaufen. Sie hat sowohl die Trasse entlang der Neubaustrecke über den Grauberg als auch die Trasse, die von dem Bevollmächtigten des Antragstellers im Erörterungstermin vorgetragen wurde und die fast über die Spitze des Grauberges führen soll, erwogen. Die Antragsgegnerin hat gegenübergestellt die Inanspruchnahme privaten Grundeigentums einerseits und die forstlichen Belange, die durch die Trassenführung über den Grauberg beeinträchtigt. würden, andererseits. Es ist nicht zu beanstanden, wenn sie unter Berücksichtigung der verschiedenen Stellungnahmen der Forstbehörden die Zerschneidung des geschlossenen Waldgebietes um den Grauberg ablehnt. Die von dem Antragsteller jetzt im Gerichtsverfahren noch einmal vorgeschlagene Trasse über die Spitze des Grauberges (kleine Waldüberspannung) ist in ihrem wesentlichen Verlauf bereits Gegenstand des Raumordnungsverfahrens gewesen und dort wegen des notwendig werdenden Waldaufhiebes als mit den Belangen der Landesplanung und Raumordnung nicht vereinbare Trasse verworfen worden. Dabei hat eine entscheidende Rolle gespielt, daß bei dieser Trassierung über den Grauberg der Waldaufhieb so groß würde, daß Folgeschäden entstünden (z.B. Windwurf, bei Wiederaufforstung erst nach 30 Jahren gleicher Bestand), die nicht hinnehmbar seien. Auch wenn bei dieser Trassierung die Gesamttrasse wesentlich kürzer würde, würde doch ein jetzt zusammenhängendes Waldgebiet mitten durchschnitten werden. Die Antragsgegnerin hat bei ihren Erwägungen auch berücksichtigt, daß eine Waldüberspannung technisch möglich ist:. Frei einer Waldüberspannung müßten die Masten aber etwa 60 bis 80 m hoch werden, was eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes darstellt. Derart hohe Masten auf dem Rücken des Grauberges würden weithin sichtbar sein. Darüber hinaus müßte auch bei einer Überspannung des Waldes erheblicher Aufhieb erfolgen. Pro Mast müßten etwa 625 m2 Wald gerodet. werden, darüber hinaus würden zur Versorgung der Masten entsprechende Versorgungswege erforderlich.

Entgegen der Auffassung des Antragstellers hat sich die Antragsgegnerin auch nicht derart an das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens gebunden gefühlt, daß sie sich gehindert. gesehen hätte, für den konkreten Fall eine eigene Abwägung vorzunehmen. Zutreffend ist, daß die Planfeststellungsbehörde bei ihrer Ermessensausübung nicht an die landesplanerische Beurteilung des vorangegangenen Raumordnungsverfahrens gebunden ist. Jedoch muß die Planfeststellungsbehörde die raumordnungsrechtlichen und landesplanerischen Vorschriften beachten, so daß das Raumordnungsrecht die Rechtmäßigkeit der Planfeststellung unmittelbar beeinflussen kann. Die Planfeststellungsbehörde hat das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens in ihre Abwägung mit einzubeziehen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. Juli 1985 - 4 C 40.83 -, NVwZ 1985, S. 736 ff.). Die Antragsgegnerin hat die im Raumordnungsverfahren gegen ihre ursprünglichen Vorstellungen festgelegte Trasse dem Planfeststellungsverfahren zugrunde gelegt, jedoch im Laufe des Verfahrens immer wieder die dagegen sprechenden Belange berücksichtigt und abgewogen (vgl. z.8. Schreiben vom 18. Februar 1985 an den RP Darmstadt, Bl. 117 der Anhörungsakte). Daß sich die Antragsgegnerin die im Raumordnungsverfahren vorgetragene Argumentation, wonach insbesondere ökologische Belange gegen die Trassierung durch den Wald sprechen, zu eigen gemacht hat, läßt eine andere Beurteilung nicht zu.

Schließlich ist die insoweit vorgenommene Abwägung im Planfeststellungsbeschluß auch nicht deshalb fehlerhaft, weil der Beschluß selbst nicht mehr im einzelnen zwischen beiden Trassierungen unterscheidet, sondern nur noch insgesamt die Trasse über den Grauberg einschließlich der Alternative Waldüberspannung erwähnt und ablehnt. Zwar gilt auch für den Planfeststellungsbeschluß das Begründungsgebot (§ 69 Abs. 2 VwVfG, § 39 Abs. 1 VwVfG). Die Begründung dient einerseits der Information der Betroffenen und andererseits der wirksamen gerichtlichen Kontrollmöglichkeit. Jedoch braucht die Begründung nicht so umfassend zu sein, daß sich erschöpfend allein aus ihr alle für die Entscheidung maßgebenden Einzelheiten ergeben müßten. § 39 VwVfG geht davon aus, daß die Begründung die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen G runde enthalten muß. Die Begründung eines Planfeststellungsbeschluß muß deshalb die für die Planung wichtigsten Punkte ansprechen. Im Interesse der Überschaubarkeit des Beschlusses sollte sie sogar nicht auf alle Einzelheiten eingehen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 27. März 1980 - 4 C 34.79 - Buchholz 407.4 Nr. 34 zu § 17 FStrG). Dem wird die Begründung des angefochtenen Beschlusses im Hinblick auf die Ablehnung der Waldtrasse gerecht.

Der Antragsteller kann der Inanspruchnahme seines Grundeigentums auch nicht entgegenhalten, sein Waldgrundstück sei genauso schützenswert wie der Wald über dem Grauberg und bei dieser Sachlage sei zuvörderst das Eigentum des Staates in Anspruch zu nehmen. Bei dem forstwirtschaftlich genutzten Grundstück des Antragstellers handelt es sich um ein einzeln bewirtschaftetes Waldgrundstück, das keinen direkten Zusammenhang tu dem zusammenhängenden Wald über dem Grauberg aufweist. Dieses Grundstück hat aus ökologischer Sicht eine völlig andere Bedeutung als der Wald über dem Grauberg. Die Wuchsbeschränkungen, denen das Grundstück unterliegen wird, sind mit den Beeinträchtigungen, die eine Durchschneidung des zusammenhängenden Waldgebietes auf dem Grauberg zur Folge hätte, nicht vergleichbar. Gleiches gilt auch für die Inanspruchnahme des Grundstückes Flur 14, Flurstück 55, das unmittelbar neben dem Grundstück des Antragstellers liegt und ebenfalls waldwirtschaftlich genutzt ist. Dabei kann hier dahinstehen, ob sich der Antragsteller darauf berufen kann, daß das Eigentum Dritter unzulässig in Anspruch genommen würde.

Es liegt ein Abwägungsfehler auch nicht deshalb vor, weil die Antragsgegnerin in dem angefochtenen Planfeststellungsbeschluß die Alternativen, die Bahnstromleitung entweder auf die vorhandene Bahntrasse Flieden-Gemünden oder auf die Trasse der Neubaustrecke mit aufzulegen, nicht geprüft hat. Zwar ist der Abwägungsvorgang fehlerhaft, wenn die Planfeststellungsbehörde ernsthaft in Betracht kommende Planungsvarianten nicht beachtet. Das setzt jedoch voraus, daß eine bestimmte Alternativlösung sich nach Lage der Dinge anbietet oder gar aufdrängt (ständige Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts, vgl. z.B. Urteil vom 30. Mai 1984 - 4 C 58/81 - BVerwGE 69, 256 ff., 273). Die alternativen Führungen der Bahnstromleitung bieten sich aber nach Lage der Dinge weder an noch drängen sie sich auf. In das Planfeststellungsverfahren wurden sie weder von den beteiligten Behörden noch den Betroffenen eingebracht.

Die Antragsgegnerin mußte diese Alternativen im Planfeststellungsbeschluß nicht von sich aus abwägen, weil sie nach ihren eigenen Überlegungen so viele Nachteile mit sich bringen, daß sie gegenüber den übrigen Möglichkeiten von vornherein auszuscheiden waren. Eine Auflage auf die bereits bestehende Bahnstromleitung würde zu ganz erheblichen Mehrkosten führen, weil die jetzt. bestehenden Tragmasten wesentlich verstärkt werden müßten. Das wäre nur unter erheblichen Schwierigkeiten realisierbar, weil der Zugbetrieb auf der Bahnstrecke zum Teil lahmgelegt werden müßte. Außerdem würden erheblich größere und breitere Tragmasten mit entsprechend erweiterten Schutzzonen erforderlich. Im Bereich der bestehenden Trasse würde ebenfalls Grundstückseigentum Dritter in Anspruch genommen. Darüber hinaus führt die derzeitige Bahntrasse zum Teil durch Wohngebiet, in dem eine Stromleitungstrasse zu kaum zumutbaren Beeinträchtigungen führen würde. Bei einer derartigen Alternative müßten u.a. im Hinblick auf die notwendigen Schutzstreifen erhebliche Waldflächen in Anspruch genommen werden. Das Mitführen der Bahnstromleitung auf den Oberleitungsmasten der Neubaustrecke bringt erhebliche, nur mit unverhältnismäßigem Aufwand zu bewältigende technische Probleme mit sich, wie die Antragsgegnerin in ihrer Ausarbeitung vom 14. November 1986 (die dem Antragsteller übersandt wurde) ausgeführt hat. Zwar ist diese Variante technisch realisierbar, wie sich an der Elektrifizierung der Strecke Emden-Leer zeigt. Jedoch sind die zu erstellenden Bauwerke bei der Neubaustrecke kaum für eine mitzuführende 110-kVBahnst.romleitung auszulegen. Im übrigen sind die Auswirkungen im Störungsfall unter Berücksichtigung der zu beachtenden Sicherheitsabstände und die damit verbundenen Auswirkungen auf den elektrischen Zugbetrieb erheblich. Außerdem müßten bei der Neubaustrecke für die Tunnelstrecken Tunnelüberführungen oder Umgehungen geschaffen werden, da bei einer Mitauflage auf das Oberleitungsgestänge die Tunnelquerschnitte unverhältnismäßig vergrößert werden müßten, was einen nicht zu vertretenden wirtschaftlichen Mehraufwand zur Folge hätte.

Ein Verstoß gegen das Abwägungsgebot liegt auch nicht in der Entscheidung der Antragsgegnerin gegen eine Erdverkabelung der Stromleitung. Die Antragsgegnerin hat die Frage der Verkabelung und die dafür und dagegen sprechenden Gesichtspunkte im Planfeststellungsbeschluß ausführlich erörtert (vgl. S. 53 bis 62 des Planfeststellungsbeschlusses). Dabei hat sie insbesondere erwogen, daß eine Verkabelung der Bahnstromleitung optisch das Natur- und Landschaftsbild nicht stört. Dem hat sie die Nachteile gegenübergestellt, die sich aus einer Verkabelung im Vergleich zu einer Freileitungsstrecke ergeben. Hierbei hat sie auf verschiedene wesentliche Gesichtspunkte abgestellt: Die Erdverkabelung ist wesentlich teurer als der Bau einer Freileitung, die "Nichtverfügbarkeit" ist wegen der durchschnittlichen Schadenshäufigkeit und der durchschnittlichen Reparaturdauer bei Erdverkabelung erheblich größer als bei Freileitungen; die Belastbarkeit ist bei Freileitungen günstiger als bei Verkabelung. Darüber hinaus ist sie davon ausgegangen, daß das Herstellen einer Kabeltrasse in der Bauphase einen wesentlich größeren Eingriff in die Landschaft darstellt als das Errichten einer Freileitung. Infolge des Aushebens und späteren Wiederverfüllens des Kabelgrabens und durch den Transport von bis zu ca. 10 Tonnen schweren Kabeltrommeln sind die Eingriffe in die Landschaft während der Bauzeit wesentlich größer als beim Errichten einer Freileitung. Reparaturarbeiten an einer Kabeltrasse sind wegen der umfangreichen Erdbewegungen wesentlich komplizierter als bei Freileitungen. In die Abwägung der Antragsgegnerin ist auch eingeflossen, daß die Verkabelung zum Teil in öffentlichen Wegen erfolgen kann. Gleichwohl wird aber auch Privateigentum in Anspruch genommen werden müssen. Eine Kabeltrasse weist aber bei der Inanspruchnahme eines Grundstückes ebenfalls Beeinträchtigungen der Grundstücksnutzung auf, weil die Trasse selbst von größerem Bewuchs freigehalten werden muß und darüber hinaus durch die Wärmeabgabe der Boden austrocknet, so daß auch die Bewirtschaftung der Kabeltrasse erschwert wird. Bei einer Kabeltrasse durch den Wald müßte ebenfalls eine Schneise geschlagen werden, auf der Bäume auch nach Abschluß der Verlegungsarbeiten nicht wieder angepflanzt werden könnten. Wie sich aus der Anhörungsakte ergibt, hat die Antragsgegnerin auch das sogenannte ATW-Gutachten (Gutachten zu Problemen der raumordnungsgerechten Verlegung von Leitungen für elektrische Energie, erstellt im Auftrag des Hessischen Ministers für Landentwicklung, Umwelt, Landwirtschaft und Forsten vom 30. Mai 1984) berücksichtigt und sich mit. den dort gefundenen Ergebnissen auseinandergesetzt (vgl. z.B. Schreiben der Antragsgegnerin vom 28. März 1985 an den RP in Darmstadt). Sie hat sich aus grundsätzlichen technischen Erwägungen dem Ergebnis des Gutachtens nicht anschließen können, weil die Voraussetzungen, unter denen das Gutachten die Erdverkabelung von Stromleitungen empfiehlt, für das 110-kV-Netz der Antragsgegnerin nicht zutreffen und auch nicht geschaffen werden können. Die von der Antragsgegnerin ihrer Abwägung zugrunde gelegten Tatsachen werden erhärtet durch das von ihr berücksichtigte Gutachten im "Falle Lüneburg" (Gutachten von Prof. Dr. Ing. Hermann Kärner vom 20. Mai 1985, erstellt für das Bauverwaltungsamt der Stadt: Lüneburg zur Frage der technischen Realisierbarkeit der Verkabelung einer im Ortsteil Ortmissen der Stadt Lüneburg geplanten 110-kVBahnstromfreileitung). Auch Prof. Kärner legt. seiner Begutachtung die Besonderheiten des 110-kV-Bundesbahnnetzes zugrunde, das mit 16 2/3 Herz statt mit 50 Herz betrieben wird. Er kommt im wesentlichen zu den gleichen Ergebnissen wie die Antragsgegnerin und vertritt die Auffassung, daß die Verkabelung keine universell einsetzbare Alternative ist, sondern ein spezieller Lösungsweg, der bei Betrachtung des Gesamtnetzes der Deutschen Bundesbahn nur in unabdingbaren Ausnahmesituationen beschritten werden sollte.

Dem stehen auch nicht die Ausführungen des Antragstellers entgegen. Sie widerlegen nicht die Argumente, die die Antragsgegnerin bewogen haben, sich für die Errichtung einer Freileitung zu entscheiden. Bereits im Anhörungsverfahren hat der BUND, der auch im vorliegenden Verfahren den Antragsteller argumentativ unterstützt, Unterlagen vorgelegt, die die technische Realisierbarkeit der Verkabelung von 110-kV-Stromleitungen belegen (vgl. Bl. 186 ff., darunter das Manuskript eines Referates von Prof. Dr. Gerhard Wanser "Energiekabel I - Grundlagen der Energiekabeltechnik-;). Jedoch hat die Antragsgegnerin die technische Realisierbarkeit der Verkabelung ihrer Stromleitungen nicht bestritten. Grundlage für die Entscheidung der Antragsgegnerin war nicht die mangelnde Realisierbarkeit, sondern waren die erheblichen Nachteile, die mit der Verkabelung verbunden sind. Diese werden letztlich auch durch die von dem Antragsteller eingereichten Unterlagen belegt. In dem Schreiben der Fa. Cablex S. A. vom 22. April 1986 an den BUND, Frankfurt, ist ebenfalls ausgeführt, daß Kabelsysteme durch die Verwendung von im Boden verlaufenden Trassen immer stärker gefährdet seien als Freileitungen. Auch müsse die gegenüber Freileitungen bedeutend höhere Reparaturzeit berücksichtigt werden. Die Schweizerischen Bundesbahnen verlegten meist einen Reservestrang, was mit den Bauarbeiten zusammen zu ganz erheblichen Mehrkosten führe, die sich nur unter wirklich außergewöhnlichen Umgebungsverhältnissen rechtfertigen ließen. Schließlich werden die von der Antragsgegnerin angenommenen Umstände, die gegen eine Verkabelung sprechen, auch von einer Auskunft der Schweizerischen Bundesbahnen an den BUND, Schlüchtern (Schreiben vom 12. Juni 1986), bestätigt. Auf entsprechende Anfrage zur Verkabelung wurde dem BUND mitgeteilt, daß die Schweizerischen Bundesbahnen zwar insgesamt 65 km Stromtrasse verkabelt hätten. Die Kabelanlagen fielen jedoch weit häufiger als die Freileitungen infolge Betriebsstörungen (Isolationsdefekte, Überschläge, technische Beschädigungen) aus. Seit langem würden hierfür Ersatzanlagen in Form von Freileitungen geplant. Maßgeblich dafür seien die hohe Betriebssicherheit der Freileitungen, die für den elektrischen Zugbetrieb äußerst wichtige zeitweise mögliche Überlastung der Freileitungen, die deutlich schnellere Schadensbehebung bei Freileitungen als bei Kabeln und wesentlich geringere Unterhaltungskosten.

Auch die von dem Antragsteller im Schriftsatz vom 2. Januar 1987 (S. 13) für notwendig gehaltene Verkabelung zwischen dem Unterwerk Mottgers und dem nächsten Unterwerk auf bayerischem Gebiet führt nicht dazu, daß die Abwägung der Antragsgegnerin zu beanstanden wäre. Diese konkrete Art der Verkabelung ist zwar nicht erwogen worden. Die von der Antragsgegnerin zugrunde gelegten wesentlichen Nachteile bei einer Verkabelung bleiben jedoch auch erhalten, wenn eine Verkabelung zwischen zwei Unterwerken erfolgt. Lediglich die erhöhte Anfälligkeit, die durch eine Zwischenverkabelung, d.h. den Anschluß eines Stromleitungskabels an eine Freileitung, entsteht, entfiele hierdurch. Diese Alternative mußte von der Antragsgegnerin nicht abgewogen werden, weil sie sich nach den geschilderten Gegebenheiten nicht aufdrängte, aber auch von dem Antragsteller im Anhörungsverfahren nicht eingebracht worden war.

Nach der beim derzeitigen Sachstand allein möglichen summarischen Prüfung spricht viel dafür, daß ein Verstoß gegen das Abwägungsgebot auch nicht vorliegt, soweit die Antragsgegnerin die Verlegung der Bahnstromtrasse durch den Tunnel bis zum Unterwerk Mottgers als Kabeltrasse ("Tunnelvariante") nicht ausdrücklich abgewogen hat. Zwar war sie im Anhörungsverfahren verschiedentlich auf diese Möglichkeit hingewiesen worden. Jedoch sprachen aus ihrer Sicht so viele Gesichtspunkte gegen die Verkabelung an sich, aber auch gegen die Verlegung einer Kabeltrasse durch den Tunnel, daß die Ablehnung dieser Variante neben der Abhandlung der allgemeinen Verkabelungsproblematik keiner gesonderten Begründung bedurfte.

Das von der Antragsgegnerin gefundene Abwägungsergebnis wäre jedoch möglicherweise zu beanstanden, wenn sich die "Tunnelvariante" in der von dem Antragsteller vorgetragenen Art und Weise als technisch und wirtschaftlich dem Bau einer Freileitung gleichwertig darstellen würde. Das von dem Antragsteller vorgelegte Gutachten kommt allerdings zu diesem Ergebnis, weil es seiner Beurteilung andere Parameter zugrunde legt als die Antragsgegnerin, die gegen das Gutachten gewichtige Argumente vorgebracht hat. Unabhängig von der zwischen den Beteiligten streitigen Frage der Löschfähigkeit. des Netzes beim Einbau von Kabelstücken ist den Sicherheitsbedenken der Antragsgegnerin, die von der Antragstellerseite nicht ausgeräumt werden konnten, entscheidende Bedeutung beizumessen. Der Senat hat erhebliche Zweifel, ob es als abwägungsfehlerhaft angesehen werden kann, wenn die Antragsgegnerin nicht bereit ist, ein durch die Kabelverlegung im Tunnel wohl immer verbleibendes Sicherheitsrisiko für die Zuginsassen hinzunehmen. Dem kann jedenfalls nicht entgegengehalten werden, daß bei anderen technischen Projekten auch "Restrisiken" in Kauf genommen würden. Ebenfalls zweifelhaft erscheint, ob ein Abwägungsfehler schon darin gesehen werden kann, daß die Antragsgegnerin die von dem Gutachten des Antragstellers vorgeschlagenen VPE-Kabel nicht verwenden will, weil noch keine Langzeiterfahrungen mit: diesem Kabel vorliegen. Auch Prof. Kärner hat: in seinem Gutachten von der Verwendung von Kunststoffkabeln wegen der unzureichenden Erfahrungen abgeraten. Schließlich spricht viel dafür, daß es der - nicht vom Gericht. überprüfbaren planerischen Gestaltungsfreiheit der Antragsgegnerin unterliegt, wenn sie die "Tunnelvariante" wegen der mit einer Kabelreparatur verbundenen Probleme ablehnt. Nach der Planung wird die Neubaustrecke regelmäßig stark befahren sein, so daß für Kabelreparaturen im Tunnel der Zugverkehr angehalten werden müßte, was bei Reparaturen an einer Freileitung nicht der Fall wäre. Letztlich bedürfen diese Fragen jedoch noch der abschließenden Klärung. Von dem Gewicht der gegen die Tunnelvariante sprechenden Belange im einzelnen hängt ab, ob die Antragsgegnerin die Trassenwahl fehlerfrei getroffen hat. Denn ihr Trassierungsermessen wird hier - wovon sie auch selbst ausgeht - durch die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes, die für die Tunnelvariante sprechen, wesentlich eingeschränkt mit der Folge, daß die Entscheidung für die planfestgestellte Trasse dem Abwägungsgebot nur gerecht wird, wenn beachtliche allgemeine technische, sicherheitstechnische bzw. wirtschaftliche Gründe einer Verlegung der Stromleitung im Fahrtunnel der Neubaustrecke entgegenstehen. Daß den Belangen des Natur- und Landschaftsschutzes bei der Trassenwahl ein erhebliches Gewicht zukommt, ergibt sich im einzelnen aus folgenden Erwägungen:

Die Qualifizierung naturschutzrechtlicher Regelungen (§§ 2 Abs. 2., 6 Abs. 2 HENatG) als Optimierungsgebote entbindet die Planfeststellungsbehörde nicht davon, das materielle Recht der außerhalb des eigentlichen Fachplanungsrechtes (hier: § 36 BBahnG) liegenden Sachgebiete zu beachten (vgl. Schultze, Bundesfernstraßenbau und Verpflichtung des Bundes zu Kompensationsmaßnahmen nach dem Natur- und Forstrecht. der Länder, NuR 1986, S. 106 ff., 109; Deiseroth, US-Truppen- und deutsches Recht, Melsungen 1986, S . 69 ff., 77) , wobei es nicht darauf ankommt:, ob es sich um Landes- oder Bundesrecht handelt. Auch eine Bundesbehörde, die, wie im vorliegenden Fall, den Plan feststellt, ist an die landesrechtlichen Vorschriften gebunden (vgl. BVerwG, Urteil vom 16. Januar 1968 - I A 1.67 - BVerwGE 29, 52 ff.; Urteil vom 14. Februar 1969 - IV C 215.65 - BVerwGE 31, 263 ff., 266 f.; Urteil vom 8. Februar 1974 - VII C 16.71 - BVerwGE 44, 351 ff., 357 f.; Breuer, Die Bedeutung des § 8 BNatSchG für Planfeststellungen und qualifizierte Genehmigungen nach anderen Fachgesetzen, NuR 1980, S. 89 ff., 98 f.; Salzwedel, NuR 1984, S. 165 ff.; Kolodziejcok/Recken, Naturschutz, Landschaftspflege, Bundesnaturschutzgesetz, § 8 Rdnr. 52 ff.). Allerdings kann das Landesrecht dann keine absolute Geltung beanspruchen, wenn es mit den Interessen der Bundesbehörden an der Durchführung einer Planung kollidiert. In diesem Fall hat eine Abwägung unter Einbeziehung aller relevanten Interessen zu erfolgen (ständige Rechtsprechung des BVerwG, vgl. die Urteile vom 16. Januar 1968, 14. Februar 1969, 8. Februar 1974, a.a.O.; Zusammenstellung bei Salzwedel a.a.O.).

Die geplante Bahnstromleitung stellt sich als Eingriff im Sinne des § 5 Abs. 1 Ziff. 1 HENatG - Errichtung einer bauliche Anlage im Sinne des § 2 Abs. 1 HBO - dar. Die Baumaßnahme beeinträchtigt auch die Landschaft, da diese in ihrem Erscheinungsbild verändert wird, wobei hier entscheidend ins Gewicht fällt, daß die Sinntalauen bisher noch wenig beeinträchtigt sind. Daran ändern auch alle Bemühungen nichts, den Eingriff so gering wie möglich zu halten. Nach § 6 Abs. 2 HENatG darf der Eingriff nicht vorgenommen werden, wenn Beeinträchtigungen nicht zu vermeiden oder nicht auszugleichen sind. Vermeidbar im Sinne dieser Vorschrift ist eine Beeinträchtigung, wenn sie unterlassen werden könnte, ohne daß Nachteile für das mit dem jeweiligen Vorhaben verfolgte Ziel entstehen. Daß die Beeinträchtigung der Landschaft vermeidbar ist, wenn das geplante Vorhaben gar nicht durchgeführt wird, meint: das Gesetz nicht. Vielmehr ergibt sich aus den Folgeregelungen, daß die Vermeidbarkeit sich darauf bezieht, daß eine anderweitige Art der Durchführung nicht möglich erscheint (vgl. z.B. VGH Baden-Württemberg, Urteil vom 30. Juli 1985 - 5 S 2553/84 - DVBl. 1986, 364 ff., 367 mit Bezug auf Breuer, NuR 1980, S. 93; vgl. auch Kolodziejcok/Recken, a.a.O.). § 8 BNatSchG Rdnr. 19 f.). Unvermeidbar ist eine Beeinträchtigung aber auch dann, wenn die Vermeidung der Beeinträchtigung als unverhältnismäßig anzusehen wäre, also etwa der Aufwand für eine andere Trassenführung außer Verhältnis zu dem dadurch erreichbaren Vorteil für Naturschutz oder Landschaftspflege stünde (vgl. Breuer, a.a.O.; Kolodziejcok/Recken, a.a.O.). Das ist hier zweifelhaft und hängt davon ab, ob die "Tunnelvariante" mit vertretbarem technischem und wirtschaftlichem Aufwand realisiert werden kann. In die Bewertung ist jedoch mit einzustellen, daß den Belangen von Natur- und Landschaftsschutz ein besonderes Gewicht. zukommt, weil ein Teil der geplanten Trasse durch das geplante Naturschutzgebiet "Schachblumenwiese von Altengronau" führt, das im Zeitpunkt der Planfeststellung durch Verordnung (vom 13. Februar 1984, StAnz S. 555) einstweilig sichergestellt. war.

Zusammenfassend ist davon auszugehen, daß die Rechtmäßigkeit des Abwägungsergebnisses, soweit die Rechte des Antragstellers berührt sind, davon abhängt, ob die Antragsgegnerin zu Recht die "Tunnelvariante" ablehnt. Deshalb muß der Ausgang des Klageverfahrens als noch offen angesehen werden.

Die vom Senat. gemäß § 80 Abs. 5 VwGO vorzunehmende Interessenabwägung fällt zum Nachteil des Antragstellers aus.

Die öffentlichen Interessen an der sofortigen Vollziehung des Planfeststellungsbeschlusses wiegen schwerer als das private Interesse des Antragstellers, vom Vollzug einstweilen verschont zu bleiben. Zum einen trägen die von der Antragsgegnerin angeführten Gründe die Anordnung des Sofortvollzuges. Entgegen der Auffassung des Antragstellers rechtfertigt der zügige Weiterbau im Anschluß an die bereits fertiggestellten Trassenteile den Sofortvollzug. Bei Projekten einer Größenordnung, wie sie der Bau der Neubaustrecke darstellt, kann der Plan nicht mit einem einzigen Beschluß festgestellt werden, sondern es sind Abschnitte zu bilden. Die Abschnitte können nur nacheinander geplant und darin verwirklicht werden. Die Antragsgegnerin hat dargelegt, daß eine frühere Planfeststellung der Bahnstromtrasse nicht möglich war. Um das Projekt selbst aber überhaupt noch in überschaubarer Zeit fertigzustellen, ist es erforderlich, so zügig wie möglich zu bauen. Im südlichen Bereich ist die Leitungstrasse bereits fertiggestellt, so daß unmittelbar mit dem Bau daran angeschlossen werden könnte. Darüber hinaus fällt hier ins Gewicht, daß bei der Bauausführung besondere Anforderungen im Hinblick auf die Erhaltung der geschützten Schachblume zu berücksichtigen sind, so daß die Antragsgegnerin auch bei Bestandskraft des Planfeststellungsbeschlusses nicht zu jeder beliebigen Zeit mit dem Bauen beginnen kann.

Zum anderen liegt es im allgemeinen öffentlichen Interesse, daß die Neubaustrecke, die u.a. der Verbesserung der verkehrlichen Infrastruktur in den angeschlossenen Gebieten dient und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit der Deutschen Bundesbahn Rechnung tragen soll, so schnell wie möglich in Betrieb geht. Die bestehende Bahnstrecke muß dringend entlastet werden und es besteht ein besonderes öffentliches Interesse an der besseren Erschließung des ost- und nordhessischen Raumes mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wird mit dem Bau der Bahnstromtrasse noch im Herbst 1987 begonnen, kann die Neubaustrecke im Abschnitt Fulda-Würzburg bereits mit dem Sommerfahrplan 1988 in Betrieb gehen.

Demgegenüber werden durch die Errichtung der Bahnstromleitung praktisch keine irreparablen Zustände geschaffen. Sollte die Klage des Antragstellers in der Hauptsache Erfolg haben, kann die Stromleitung wieder rückgebaut werden. Die Leitungsseile können ohne Probleme von den Masten wieder abgehängt, die Masten beseitigt und die Fundamente bei schonender Bauweise entfernt werden. Die durch den Mastbau an den Schachblumen entstehenden Schäden sind in Ansehung des insgesamt großen Vorkommens relativ gering und gefährden keinesfalls seinen Bestand.

Irreparabel sind allerdings die Abholzungen auf dem Waldgrundstück des Antragstellers, soweit die Bäume die zulässige Aufwuchshöhe bereits erreicht haben. Dieser Nachteil ist jedoch vom Antragsteller hinzunehmen; er wird dafür finanziell entschädigt.

Die Kosten des Verfahrens hat der Antragsteller zu tragen, weil er unterlegen ist (§ 154 Abs. 1 VwGO).

Bei der Streitwertfestsetzung geht der Senat in ständiger Rechtsprechung davon aus, daß im Planfeststellungsverfahren das Interesse an einer Klage gegen die Inanspruchnahme eines im Außenbereich gelegenen unbebauten Grundstückes mit 4.000,-- DM zu bewerten ist. Dieser Wert ist im Hinblick darauf, daß hier nur vorläufiger Rechtsschutz begehrt ist, zu halbieren (§§ 20 Abs. 3, 13 Abs. 1 Satz 1 GKG in der Fassung der Bekanntmachung vom 15. Dezember 1975, BGBl. I S. 3047).

Dieser Beschluß ist unanfechtbar (§§ 152 Abs. 1 Satz 1 VwGO, 25 Abs. 2 Satz 2 GKG).

Vizepräsidentin Dr. Sturm-Wittrock ist wegen Urlaubs an der Beifügung der Unterschrift gehindert.

Habbe Habbe Graulich-Buchberger

Richter Graef ist wegen Urlaubs an der Beifügung der Unterschrift gehindert.

Habbe Zysk

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