AG Brandenburg an der Havel, Urteil vom 02.11.2006 - 31 (33) C 4/03
Fundstelle
openJur 2012, 4573
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Der Betreiber eines Marktes verletzt seine Verkehrsicherungspflicht nicht, wenn ein Kunde die zu kaufende Ware an der Verkaufs-/Kassentheke instabil an- bzw. abstellt, diese Ware dann auf den Fuß eines anderen Kunden fällt und hierdurch dieser Kunde verletzt wird, so dass der Marktbetreiber hierfür auch nicht haftet.

Tenor

I. Die Klage wird abgewiesen.

II. Der Kläger hat die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

III. Dieses Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

Der Kläger darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung in Höhe von 1.300,00 Euro abwenden, wenn nicht die Beklagte vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

Tatbestand

Der Kläger nimmt die Beklagte auf Schmerzensgeld und Schadenersatz aus einem Unfallgeschehen in Anspruch, welches sich am 25. September 2001 gegen 08:05 Uhr in der Niederlassung der Beklagten in Brandenburg an der Havel ereignete. Bevor der Kläger gegen 08:05 Uhr sich am Verkaufs-/Kassentresen der Klägerin einfand hatte der Zeuge und Streitverkündete J. F. Torbänder aus dem Regal der Klägerin geholt und hochkant an den Tresen angelehnt, da er diese Torbänder als Kunde käuflich von der Beklagten erwarb. Ohne erkennbaren Anlass vielen diese Torbänder dann auf den rechten Fuß des Klägers, wodurch sich der Kläger eine Trümmerfraktur des Endgliedes der rechten Großzeh und eine Quetschung des Grundgliedes der Großzehe rechts zuzog. Bis zum 10.10.2001 trug der Kläger einen Gipsschienenverband und danach bis zum 08.11.2001 einen Unterschenkelgehgips („Walker“). Im Übrigen war der Kläger aufgrund dieser Verletzung unstreitig bis zum 05.12.2001 arbeitsunfähig erkrankt. Er befand sich dann nochmals vom 27.02.2002 bis zum 08.03.2002 in ärztlicher Behandlung und war in dieser Zeit ebenfalls arbeitsunfähig.

Der am 15.06.1942 geborene Kläger behauptet, dass die Mitarbeiter der Beklagten dafür verantwortlich seien, dass die aus dem Lager der Beklagten geholten und am Tresen - unstabil - abgestellten Torbänder auf seinen rechten Fuß gefallen seien. Aufgrund der erlittenen Verletzungen würde ihm insofern gegenüber der Klägerin ein Schmerzensgeldanspruch in Höhe von 3.000,00 Euro zustehen.

Durch seinen krankheitsbedingten Ausfall sei ihm des weiteren ein Haushaltsführungsschaden entstanden, den er mit 1.486,57 Euro beziffern würde. Zwar sei seine Ehefrau - die Zeugin W. R. - zu Hause gewesen, jedoch sei er im Haushalt vollständig „ausgefallen“, so dass er 33 Stunden/Monat als Haushaltsführungsschaden geltend machen würde, mithin für 6 Wochen 1.486,57 Euro. Des weiteren sei seine Jeanshose und sein rechter Strumpf nach dem Unfall zerschnitten worden. Der Zeitwert der Jeanshose sei zum Unfallzeitpunkt seiner Meinung nach mit 10,00 Euro und der Zeitwert der Strümpfe mit 1,00 Euro zu bewerten, welchen er nunmehr als Schadenersatz von der Beklagten begehren würde.

Dadurch, dass er aufgrund dieser Verletzungen bis zum 05.12.2001 arbeitsunfähig erkrankt war, sei ihm auch ein Verdienstausfall in Höhe von 62,37 Euro entstanden. Des weiteren würde er eine Kostenpauschale in Höhe von 25,00 Euro von der Beklagten begehren.

Im Übrigen verkündete er dem Zeugen J. F. den Streit.

Der Kläger beantragt,

Die Beklagte zu verurteilen, an ihn ein angemessenes Schmerzensgeld, nicht jedoch unter € 3.000,00 nebst 5 Prozentpunkten über dem jeweiligen Basiszinssatz hieraus seit dem 17.07.2002 zu zahlen

sowie

die Beklagte zu verurteilen, an ihn 1.584,94 EUR nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 17.07.2002 zu zahlen.

Die Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Im Übrigen verkündete sie dem Zeugen J. F. ebenfalls den Streit.

Sie trägt vor, dass sie ebenfalls - wie die Klägerseite mit Schriftsatz vom 17.02.2005 (Blatt 109-110 der Akte) - unstreitig stellen würde, dass die Torbänder durch den streitverkündeten Zeugen J. F. aus dem Regal geholt und hochkant an den Tresen angelehnt worden waren. Ebenso würde sie unstreitig wie der Kläger davon ausgehen, dass es sich bei dem Zeugen J. F.nichtum einen ihrer Mitarbeiter handeln würde, sondern um einen Kunden, der sich zufällig zur selben Zeit wie der Kläger in ihren Laden befunden habe.

Sie würde zwar bedauern, dass dieser Unfall geschehen ist und der Beklagte sich hierbei Verletzungen zugezogen habe, jedoch würde ihrer Ansicht nach der hier nunmehr vom Kläger geltend gemachte Anspruch schon dem Grunde nach ihr gegenüber nicht bestehen, da der streitgegenständliche Unfall und seine Folgen nicht ihr oder einem ihrer Mitarbeiter sondern dem streitverkündeten Zeugen J. F. zuzurechnen sind. Der Zeuge J. F. habe nämlich den Verkaufsartikel „Torbänder“ selbst aus einem etwa 6 Meter von dem Verkaufstresen entfernten Regal entnommen und diese Torbänder auch allein zum Verkaufs-/Kassentresen getragen und dort dann hochkant an den Verkaufs-/Kassentresen angelehnt. Ihre Mitarbeiter hätten sich im Übrigen zum Zeitpunkt, als diese Torbänder dann auf den Fuß des Klägers umfielen, bereits hinter dem Verkaufs-/Kassentresen befunden. Eine Verantwortlichkeit ihrerseits für den Unfall sei daher ihr hier nicht ersichtlich. Sorgfaltswidrig habe sich vor diesem Hindergrund - wenn überhaupt - nur der streitverkündete Zeuge J. F. verhalten. Auf welcher Rechtsgrundlage eine eventuelle Sorgfaltspflichtverletzung des Zeugen J. F. ihr nunmehr zugerechnet werden könne, würde nämlich nicht einmal der Kläger vortragen.

Höchstvorsorglich würden sie auch die Höhe des geltend gemachten Schmerzengeldes und die Höhe des geltend gemachten Schadens bestreiten. Insbesondere würde sie bestreiten, dass der Kläger nach dem Unfall und bis zum 08.11.2001 „vollständig“ aufgrund des gebrochenen großen Zehs im Haushalt „ausgefallen“ sei, da nach eigener Darstellung der Kläger bis zum 08.11.2001 einen sogenanntenGeh-Gips getragen habe und Zweck eines derartigenGeh-Gipses es gerade sei, eine - wenn auch eingeschränkte - Beweglichkeit des Betroffenen herzustellen. Aus diesem Grunde könne hier auch keine Rede davon sein, dass der Kläger bis zur Entfernung des Geh-Gipses sich an der Haushaltsführung überhaupt nicht habe beteiligen können. Auch die Vorstellungen des Klägers über die Höhe seines etwaigen Schmerzensgeldanspruches seien mit 3.000,00 € ihrer Meinung nach deutlich übersetzt.

Mit Nichtwissen würde sie vorsorglich ebenfalls die klägerischen Angaben zu der bei dem Unfall beschädigten Kleidung einschließlich Anschaffungszeit, Anschaffungspreis und Restwert bestreiten. Schließlich müsse sie auch die klägerischen Angaben zu seinem Verdienst, wenn es nicht zu dem Unfall gekommen wäre, mit Nichtwissen bestreiten.

Die von dem Kläger zudem geltend gemachte Kostenpauschale sei des weiteren ihrer Ansicht nach ebenfalls übersetzt.

Das Gericht hat nach Maßgabe der Beweisbeschlüsse vom 14.10.2003 (Blatt 43 bis 44 der Akte), 22.11.2005 (Blatt 126 der Akte) und 01.06.2006 (Blatt 144 bis 145 der Akte) Beweis erhoben. Hinsichtlich der uneidlich gebliebenen Aussagen der Zeugen J. F., M. M., K.-P. S., Dr. F.-O. T. und W. R. wird auf die Feststellungen in den Sitzungsniederschriften vom 19.10.2004 (Blatt 88 bis 90 der Akte), vom 22.11.2005 (Blatt 122 bis 126 der Akte), vom 25.04.2006 (Blatt 131 bis 133 der Akte) und vom 26.09.2006 (Blatt 155 bis 157 der Akte) verwiesen.

Hinsichtlich der Einzelheiten des Vorbringens der Parteien wird auf die unter Angabe der Blattzahl der Akte angeführten Schriftstücke ergänzend Bezug genommen. Zudem wird auf die zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze nebst Anlagen verwiesen. Zur Ergänzung des Sach- und Streitstandes wird darüber hinaus auch auf die Sitzungsniederschriften Bezug genommen.

Gründe

Die zulässige Klage istnichtbegründet. Dem Kläger steht gegenüber der Beklagten ein Anspruch auf Schadenersatz ebenso wie ein Anspruch auf Zahlung von Schmerzensgeldnichtzu (§§ 823 und 847 BGB a.F. i. V. m. Art. 229 § 5 EGBGB).

21Ein Anspruch des Klägers auf Schadensersatz und Schmerzensgeld besteht bereits dem Grunde nach nicht. Die Beklagte hat die ihr obliegenden Verkehrssicherungspflichten nämlichnichtverletzt. Denn diese kann für den Vorfall vom 25.09.2001 weder gemäß den Grundsätzen aus culpa in contrahendo - c.i.c. - (nunmehr: § 241 Abs. 2 BGB n.F.) noch gemäß § 823 BGB in Verb. mit § 847 BGB a.F. (nunmehr: § 253 Abs. 2 BGB n.F.) haftbar gemacht werden.

22Dass dem Kläger die vom streitverkündeten Zeugen J. F. käuflich erworbenen „Torbänder“ auf seinen rechten großen Zeh gefallen sind, ist zwar unstreitig, jedoch ist ebenso unstreitig und steht zur Überzeugung des Gerichts nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme auch fest, dass der Zeuge J. F. diese Torbänder zuvor als Kunde der Beklagten aus dem Regal entnommen hat und er sie dann schräg an die Verkaufstheke angelehnt hatte,nichtjedoch ein Mitarbeiter der Beklagten.

23In dem der Zeuge J. F. die Torbänder an die Verkaufstheke angelehnt hatte, hatteernämlich in fahrlässiger Weise eine Gefahrenquelle geschaffen, die geeignet war, den bei dem Kläger eingetreten Schaden herbeizuführen. Der Zeuge J. F. musste nämlich damit rechnen, dass bei einer Bewegung bzw. Erschütterung ein Umfallen der ca. 1,00 Meter bis ca. 1,20 Meter langenStahl-Torbänder keineswegs ausgeschlossen war. Der Zeuge F. hätte somit diese Torbänder angemessen ablegen bzw. lagern müssen, um jede Gefahr des Abrutschens dieser Torbänder zu vermeiden (vgl. hierzu u.a.:Amtsgericht Bochum, MDR 1990, Seite 153 = ZfSch 1990, Seite 77). Da er dies aber unstreitignichtgetan hat, trifft den Zeugen J. F. hier auch der Vorwurf der Fahrlässigkeit. Der dem Kläger entstandene Schaden ist somit (nur) adäquat auf das fahrlässige und rechtswidrige Handeln des Zeugen J. F. zurückzuführen (Amtsgericht Bochum, MDR 1990, Seite 153),nichtjedoch auf eine fahrlässige Handlungsweise eines Mitarbeiters der Beklagten.

Die Beklagte ist für das Handeln und Unterlassen des Streitverkündungsempfängers J. F., der dafür Sorge zu tragen hatte, dass fremde Personen von den Torbändern nicht verletzt werden, somit hiernichtverantwortlich.

Während die Zeugen J. F. und M. M. zu dem Unfallverlauf keine wesentlichen Angaben mehr machen konnten, hat der Zeuge K.-P. S. jedoch detaillierte Angaben dazu machen können. Insbesondere hat der Zeuge K.-P. S. glaubhaft bekundet, dass der Zeuge J. F. selbst die Torbänder zur Verkaufs-/Kassentheke gebracht hatte und diese dann dort auch schräg angelehnt abstellte; der Mitarbeiter der Beklagten - der Zeuge M. M. - jedoch sich zu diesem Zeitpunkt auf der anderen Seite des Verkaufs-/Kassentresens befand und diese Torbänder erst dann schräg in Richtung des Klägers umfielen. Anhaltspunkte dafür, an der Glaubhaftigkeit der Aussage des Zeugen K.-P. S. zu zweifeln, bestehen nicht. Vielmehr ist die Aussage in sich schlüssig und detailreich. Gründe, warum der Zeuge hier die Unwahrheit gesagt haben sollte, sind nicht ersichtlich. Vielmehr ist aus dem Eingeständnis, bestimmte Umstände nicht mehr genau in Erinnerung zu haben - wie z.B. die Frage, ob die Torbänder lose oder in einem Paket zusammen geschnürt waren -, das Bemühen um Wahrheit zu sehen. Dieses Bemühen ist in der Art und Weise der Zeugenaussage, die sehr konstant und um Verständlichkeit bemüht, gleichwohl aber auf Nachfrage spontan getätigt worden ist, zum Ausdruck gekommen.

Zudem hat die Klägerseite selbst mit ihrem Schreiben vom 17.02.2005 (Blatt 109-110 der Akte) eingeräumt, dass die „Torbänder durch den Zeugen J. F. aus dem Regal geholt und auf Hochkant an den Tresen angelehnt nicht kippsicher abgestellt wurden“, was die Beklagtenseite dann auch ausdrücklich nochmals mit Schreiben vom 09.03.2005 (Blatt 112 der Akte) als „in der Tat unstreitig“ bestätigte.

Zwar kann - wie der hiesige Vorfall zeigt - das hochkantige Anlehnen von Metall-Torbändern an den Verkaufs-/Kassentresen eine bestimmungswidrige Benutzung dieses Tresens darstellen. Der Beklagten ist aber in ihrer Bewertung beizupflichten, dass eine solche bestimmungswidrige Verhaltensweise eines Kunden von ihr nicht als naheliegende Missbrauchsmöglichkeit bedacht und entsprechend weiter abgesichert werden muss (OLG Frankfurt/Main, NJW-RR 2001, Seiten 1674 f. = OLG-Report 2002, Seiten 54 f).

Entgegen der Auffassung des Klägers sieht das Gericht aber auch die Verletzung einer der Beklagten obliegenden Verkehrssicherungspflicht hiernichtals gegeben. Zutreffend geht der Kläger zwar noch davon aus, dass die Beklagte grundsätzlich verpflichtet ist, ihre Kunden vor Gefahren zu schützen, denen diese beim Besuch der Filiale ausgesetzt sein können. Dies entspricht dem allgemeinen Grundsatz, wonach derjenige, der eine Gefahrenlage schafft, verpflichtet ist, die notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen zu treffen, um eine Schädigung anderer möglichst zu verhindern (BGH, VersR 1990, Seiten 498 f.; BGH, VersR 2002, Seiten 247 f. jeweils m.w.N.; BGH, BGHZ Band 121, Seiten 367 ff.; BGH, VersR 1993, Seiten 586 f. m.w.N.; BGH, VersR 1997, Seiten 109 ff.; BGH, NJW 2004, Seiten 1449 ff.). Die rechtlich gebotene Verkehrssicherung umfasst danach aber (nur) diejenigen Maßnahmen, die ein umsichtiger und verständiger, in vernünftigen Grenzen vorsichtiger Mensch für notwendig und ausreichend hält, um andere vor Schäden zu bewahren. Voraussetzung ist daher, dass sich vorausschauend für ein sachkundiges Urteil die naheliegende Gefahr ergibt, dass Rechtsgüter anderer verletzt werden können (BGH, VersR 2003, Seiten 1319 f. = NJW-RR 2003, Seiten 1459 ff. m.w.N.; BGH, NJW 2004, Seiten 1449 ff.). Eine Verkehrssicherung, diejedenUnfall ausschließt, ist nämlichnichterreichbar (LG Aachen, NJW-RR 2005, Seite 1265). Daher reicht es aber andererseits anerkanntermaßen aus, dann - wenn Gefahren bei der Ausübung eines Berufes oder eines Gewerbes auftreten - diejenigen Sicherungsvorkehrungen zu treffen, die ein verständiger, umsichtiger, vorsichtiger und gewissenhafter Angehöriger dieser Berufsgruppe für ausreichend halten darf, um andere Personen vor Schaden zu bewahren, und die diesem den Umständen nach zuzumuten sind (BGH, VersR 1963, Seite 532; BGH, VersR 1967, Seite 801 jeweils m .w. Nachw.; BGH, VersR 1975, Seite 812 = BeckRS 1975, 30391745). Kommt es in Fällen, in denen hiernach keine Schutzmaßnahmen getroffen werden mussten, eine Gefährdung anderer aber nicht völlig ausgeschlossen, sondern doch unter besonders eigenartigen und entfernter liegenden Umständen zu befürchten war, ausnahmsweise doch einmal zu einem Schaden, so muss der Geschädigte - so hart dies im Einzelfall sein mag - den Schaden selbst tragen. Er hat ein „Unglück“ erlitten und kann dem vermeintlichen „Schädiger“ nicht ein „Unrecht“ vorhalten (BGH, VersR 1975, Seite 812 = BeckRS 1975, 30391745). So aber liegt es im Streitfall. Das Abstellen von Sachen/Waren im Ladenlokal auf oder am Verkaufs-/Kassentresen verstößt nämlich an und für sich noch nicht gegen die allgemeine Verkehrssicherungspflicht (vgl. hierzu auch:OLG Saarbrücken, R + S 2000, Seite 284, nachgehend BGH, Entscheidung vom 05. Oktober 1999, Az.: VI ZR 58/99).

Zwar war die Beklagte verpflichtet, ihre Waren in den Regalen so anzuordnen, dass daraus keine Gefahren für ihre Kunden entstehen, jedoch ist es nie ganz auszuschließen, dass Kunden Waren entnehmen und dann unsachgemäß wieder abstellen und erst dadurch dann dritte Personen gefährdet werden. Die Beklagte trifft aber keine Pflicht, dieses Risiko völlig auszuräumen, da dies nicht möglich ist (LG Trier, NJW-RR 2006, Seiten 525 f.). Es ist hier nämlich erwiesener Maßen (und im Übrigen wohl auch unstreitig)nurdeshalb zu dem Unfall gekommen, weil der Zeuge J. F. durch die unsachgemäß Art und Weise des Abstellens der Torbänder an die Verkaufs-/Kassentheke den Unfall verursacht hat. Insofern kann hier aber ohne weiteres darauf geschlossen werden, dass typischerweise dieses unsachgemäße Verhalten des Kunden J. F. für das Herunterfallen der Torbänder allein verantwortlich war.

Im Übrigen kann es dahinstehen, ob die Mitarbeiter der Beklagten - nach dem der Zeuge J. F. die Torbänder in seinen Besitz genommen hatte - weiterhin in Form von Überwachungspflichten zur weiteren regelmäßigen Kontrolle dieser Torbänder verpflichtet waren. Auf die Frage, ob die Mitarbeiter der Beklagten solche weitgehenden Sicherungspflichten hatten, kommt es im Ergebnis nämlich nicht an. Denn der Gläubiger - hier also der Kläger - trägt die Beweislast dafür, dass die Verletzung der Verkehrssicherungspflicht für den Eintritt des Schadens kausal geworden ist (OLG Saarbrücken, BauR 2005, Seite 600 = BTR 2005, 80; MünchKomm (BGB)/Wagner, 4. Aufl., § 823 Rdn. 313; Bamberger/Roth/Spindler, BGB, § 823 Rdn. 26). Mithin muss der Gläubiger den Beweis dafür führen, dass - bezogen auf die vorliegend zu untersuchende Untersuchungs- und Kontrollpflicht - der verkehrsunsichere Zustand bei einer zumutbaren Überwachung der Torbänder noch rechtzeitigvordem Unfallereignis entdeckt worden wäre. Diesen Nachweis hat der Kläger aber hiernichterbracht.

Grundsätzlich trägt nämlich ein vermeintlich Geschädigter - hier der Kläger - sowohl für die Art als auch für den Umfang des ihm nach seinem Vorbringen entstandenen Schadens die Beweislast, da nach ständiger herrschender Rechtsprechung der Nachweis des Haftungsgrundes, d. h. des Zusammenhangs zwischen dem schädigenden Verhalten und der Rechtsgutverletzung (sogenanntehaftungsbegründendeKausalität) den strengen Anforderungen des § 286 ZPO unterliegt (BVerfG, NJW 1979, Seiten 413 f.; BGH, NJW 2003, Seiten 1116 ff.; BGH, MDR 1993, Seite 175; BGH, NJW 1995, Seiten 49 ff.; BGH, NJW 1991, Seiten 1052 ff.; BGH, NJW-RR 1987, Seiten 339 f.; BGH, BGHZ Band 101, Seite 179; BGH, BGHZ Band 87, Seiten 399 f.; BGH, VersR 1968, Seiten 850 f.; BGH, MDR 1987, Seite 751; BGH, NJW 1952, Seite 301; BGH, NJW 1983, Seiten 998 f.; OLG Brandenburg, OLG-NL 2005, Seiten 30 ff. = OLG-Report 2005, Seiten 64 f.: = BeckRS 2004, Nr.: 12550; OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00; OLG Hamm, NZV 1994, Seiten 483 f.; ständige Rechtsprechung des AG Brandenburg an der Havel, u.a.: Urteil vom 08.02.2005, Az.:31 C 97/04 mit weiteren Nachweisen). Es ist nämlichnichtAufgabe der Beklagten oder des erkennenden Gerichts, näher darzulegen, wie und wann bzw. auf welche Art und Weise es zum Schadensereignis gekommen sein könnte. Vielmehr muss der Klägerdarlegenundbeweisen, dassallevon ihm geltend gemachten Schädigungen auf den streitbefangenen Unfall zurückzuführen sind. Für die Überzeugung des Gerichts ist nämlich ein für das praktische Leben brauchbarer Grad von Gewissheit, der Zweifel schweigend gebietet, erforderlich (OLG Brandenburg, OLG-NL 2005, Seiten 30 ff. = OLG-Report 2005, Seiten 64 ff: = BeckRS 2004, Nr.: 12550; BGH, Beschluss vom 27.10.2004, Az.: VI ZR 47/04). Dies ist dem Kläger hier aber nach Überzeugung des erkennenden Gerichtsnichtgelungen.

Zu den von dem Kläger somit zu erbringenden Beweis gehören dementsprechend sowohl der Nachweis der Verursachung als auch die Höhe des konkreten Schadens, wobei nur zum Nachweis der Höhe die Grundsätze des § 287 ZPO teilweise hätten herangezogen werden können, d. h. wenn der Nachweis der Verursachung im Rahmen von § 286 ZPO gelungen wäre. Denn Voraussetzung für eine Haftung der Beklagten ist stets, dass der Kläger den Nachweis für die Ursächlichkeit der Handlungen der Mitarbeiter der Beklagten für den ihm hierdurch entstandenen Schaden erbracht hätte (BGH, NJW 1999, Seiten 2593 f.; OLG Zweibrücken, NJW-RR 2002, Seiten 749 f.; ständige Rechtsprechung des AG Brandenburg an der Havel, u.a.: Urteil vom 16.09.2003, Az.: 32 C 99/02 mitweiteren Nachweisen).

Der Klage musste hier aber unter Beachtung dieser Grundsätze der Erfolg versagt bleiben, weil der Kläger seinen vermeintlichen Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld nicht schlüssig dargelegt und im Übrigen auch nicht bewiesen hat. Die Grundregel der Beweislast besagt nämlich, dass der im Prozess als Kläger auftretende Geschädigte die rechtsbegründenden Tatsachenvollumfänglich zu beweisen hat. Nach dieser herrschenden Rechtsprechung hat nämlich derjenige, der an einen bestimmten Sachverhalt eine für ihn günstige Rechtsfolge anknüpft, dessen tatsächliche Voraussetzungen auch unter Beachtung von § 286 ZPO zu beweisen (BGH, NJW 1991, Seiten 1052 ff.; BGH, NJW 1988, Seite 2597; BGH, NJW 1995, Seiten 49 ff.; OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00;OLG Köln, DAR 2001, Seite 35, Nr.: 8; AG Brandenburg an der Havel, u.a.: Urteil vom16.09.2003, Az.: 32 C 99/02). Diesem Grundsatz entspricht, dass bei der Behauptung eines Unfallschadens die Beweislast - ebenso wie die Darlegungslast - grundsätzlich denjenigen trifft, der - wie hier der Kläger - den Schadenersatzanspruch geltend macht. Den Kläger traf hier insofern sowohl die Beweislast als auch die Darlegungslast für die rechtsbegründenden Tatsachen und die Beklagte lediglich die Darlegungs- und Beweislast für die rechtshindernden, rechtsvernichtenden oder rechtshemmenden Tatsachen (BGH, BGHZ Band 101, Seite 179 = BGHR Zivilsachen, BGB vor § 1/Beweislast, Grundsätze 1; BGH, NJW 1980, Seite 1680; BGH, NJW 1995, Seiten 49 ff.; OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00;AG Brandenburg an der Havel, u.a.: Urteil vom 16.09.2003, Az.: 32 C 99/02).

Im Zivilrecht ist als Beweislastprinzip nämlich der Grundsatz anerkannt, dass jede Partei, die den Eintritt einer Rechtsfolge geltend macht, auch die Voraussetzungen des ihr günstigen Rechtssatzes zu beweisen hat (BGH, LM § 282 ZPO, Nr. 23; BGH, NJW 1991, Seiten 1052 ff.; OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00). Nach diesen allgemeinen Regeln des Beweisrechts hatte dementsprechend hier der im Prozess als Kläger auftretende vermeintlich Geschädigte die rechtsbegründenden Tatsachen zu beweisen, dass die Schuldnerin in Anspruch genommene Beklagte hingegen nur diejenigen Umstände, die dem vermeintlichen Schadenersatzanspruch des Klägers entgegenstehen (BGH, BGHZ Band 101, Seite 179; BGH, BGHZ Band 87, Seiten 399 f.; OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00;AG Brandenburg an der Havel, u.a.: Urteil vom 16.09.2003, Az.: 32 C99/02). Wer also - wie hier der Kläger - aus unerlaubter Handlung einen Ersatzanspruch herleiten will, muss nicht nur die unerlaubte Handlung und eine eingetretene Schädigung, sondern auch den beide verbindenden Ursachenzusammenhang (Kausalität) darlegen und beweisen. Somit sind nach der ständigen Rechtsprechung Tatsachen, aus denen die Verpflichtung einer Person zum Schadenersatz hergeleitet wird, also namentlich ihr rechtswidriges Tun, als sogenannter konkreter Haftungsgrund nach den „strengen“ Grundsätzen des § 286 ZPO nachzuweisen (BGH, MDR 1987, Seite 751; BGH, MDR 1972, Seite 406, Nr.: 28; BGH, LM § 286 (B) ZPO Nr. 4; OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00;AG Brandenburg an der Havel, u.a.: Urteil vom 16.09.2003, Az.: 32 C 99/02).

Der Kläger hatte hier demnach für die von ihm begehrte Haftung der Beklagten entsprechend den Grundsätzen des BGB zu beweisen:

a) die tatsächliche Entstehung eines Schadens,

b) dass dieser Schaden durch die Mitarbeiter der Beklagten (einschließlich des Kausalzusammenhangs) entstanden ist,

sowie

c) die Höhe des Schadens, wofür allerdings Beweiserleichterungen nach § 287 ZPO bestehen.

Dementsprechend hatte der Kläger hier die Beweislast für die objektiven und subjektiven Voraussetzungen des geltend gemachten Schadenersatzanspruches. Er musste das schädigende Handeln (Ereignis) beweisen und hatte weiterhin die Beweislast für den ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Handeln der Mitarbeiter der Beklagten und dem eingetretenen Schaden (haftungsbegründende Kausalität). Bei dieser haftungsbegründenden Kausalität geht es insofern darum, ob zwischen dem Verhalten der Mitarbeiter der Beklagten und der von dem Kläger behaupteten eingetretenen Rechtsgutverletzung ein Ursachenzusammenhang gegeben ist. Der Kläger musste somit hier beweisen, dass das Verhalten der Mitarbeiter der Beklagtenerwiesenermaßendas in der haftungsbegründenden Norm (§ 823 BGB) beschriebene Ereignis bewirkt hat. Lediglich für solche Umstände, die allein für den Umfang des Schadens von Bedeutung sind, d. h. somit insbesondere für die Berechnung seiner Höhe zugrunde zulegen sind, gilt insofern § 287 ZPO, so dass im Übrigen grundsätzlich§ 286 ZPOhier anzuwenden ist.

Die Vorgänge, die für die Frage der Zurechnung eines Schadens erheblich sind, sind im Übrigen stets einer wertenden Betrachtung zu unterziehen (BGH, NJW 2001, Seiten 512 ff. = MDR 2001, Seiten 499 f.; BGH, BGHZ Band 58, Seiten 162 ff. m.w.N.), die das Gericht gemäß § 286 ZPO vorzunehmen hat. Dabei gehört aber zu den in der Rechtsprechung allgemein anerkannten Regeln, dass solche Kausalverläufenichtzu einer Schadensersatzpflicht führen können, die dem Verantwortlichen billigerweise rechtlich nicht mehr zugerechnet werden können (BGH, NJW 2001, Seiten 512 ff. = MDR 2001, Seiten 499 f.; BGH, NJW 1995, Seiten 126 f. m.w.N.). Wenn der geltend gemachte Schaden aber insoweit nicht ohne eigenes Verhalten des Klägers entstehen kann und dieses Verhalten des Klägers auf seinem freien Entschluss beruht und erst nach dem zum Anlass der Ersatzforderung genommenen Geschehen in den hierdurch in Gang gesetzten Kausalverlauf eingegriffen hat, hat dies grundsätzlich auch zur Folge, dass ein zum Schadensersatz verpflichtender Zusammenhang nicht mehr gegeben ist (BGH, NJW 2001, Seiten 512 ff. = MDR 2001, Seiten 499 f. = WuM 2001, Seiten 18 f. = VersR 2001, Seiten 468 ff.).

Insofern hätte im Streitfall nach den Grundsätzen des § 286 ZPO und nicht nach § 287 ZPO der Kläger beweisen müssen, dass die Mitarbeiter der Beklagten am 25.09.2001 gegen 08.05 Uhr ihm einen Schaden tatsächlich zugefügt haben (BGH, MDR 1987, Seite 751 = BGHR Zivilsachen, BGB vor § 1/Beweislast, Schaden 1; OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00; ständige Rechtsprechung des AG Brandenburg an der Havel, u.a.: Urteil vom16.09.2003, Az.: 32 C 99/02 mit weiteren Nachweisen).

Gegenstand des Beweises, den der Kläger hier im Prozess dementsprechend zu führen gehabt hätte, sind somit diejenigen bestrittenen Tatsachen, aus denen die von ihm begehrte Rechtsfolge abzuleiten wäre. Hierzu gehören das Verhalten - Tun oder Unterlassen - der Mitarbeiter der Beklagten, aus dem der Kläger seinen Anspruch herleitet und ferner, dass der Kläger von diesem Verhalten der Mitarbeiter der Beklagten auch tatsächlich betroffen wurde. Diese Voraussetzungen des Anspruchs machen den konkreten Haftungsgrund aus. Weiter gehören zu den anspruchsbegründenden Tatsachen die für den Kläger etwaig eingetretenen nachteiligen Folgen. Das ist hier der behauptete Schaden (BGH, NJW 1983, Seiten 998f.). Die ersteren, dem Haftungsgrund zuzurechnenden Umstände sind aberimmernach § 286 ZPO zu beweisen (BGH, NJW 1952, Seite 301 = BGHZ Band 4, Seiten 192 ff.; BGH, NJW 1972, Seite 1126 = BGHZ Band 58, Seiten 48 ff.; BGH, NJW 1983, Seiten998 ff.; OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00). Die Vorschrift des § 287 ZPO erleichtert nämlich nur dann den Beweis über die Entstehung und Höhe eines Schadens, wenn der konkrete Haftungsgrund (haftungsbegründende Kausalität) tatsächlich zuvor erwiesen worden ist; letzterer ist somit nach § 286 ZPO stetsvollzu beweisen (BVerfG, NJW 1979, Seiten 413f.). Zudem ist für eine Haftung nach § 823 BGB zumindest eine fahrlässige Handlung erforderlich.

Diesen ihm obliegenden Beweis zwischen der Handlungsweise der Mitarbeiter der Beklagten und einen hierdurch entstandenen Schadens hat der Kläger nach Überzeugung des erkennenden Gerichts hier abernichtgeführt. Wenn nämlich der Kläger hier behauptet, ihm sei auf Grund der (unterlassenen) Handlungen der Mitarbeiter der Beklagten ein Schaden verursacht worden, so hat er den behaupteten Vorgang auch invollemUmfang zu beweisen (OLG Brandenburg, Urteil vom 19.09.2001, Az.: 13 U 238/00; OLG Köln, DAR 2001, Seite 35, Nr.: 8; AG Brandenburg an der Havel, u.a. schon: Urteil vom16.09.2003, Az.: 32 C 99/02). Der dem Kläger insofern obliegende Beweis kann auch nicht auf Grund seiner eigenen Angaben hier als geführt angesehen werden, da er ja durch seine Prozessbevollmächtigten selbst in dem Schreiben vom 17.02.2005 vortragen lässt, dass der dem Streit verkündete Zeuge J. F. die Torbänder aus dem Regal geholt hat und auf Hochkant an den Tresen angelehnt nicht kippsicher abgestellt hatte.

Der haftungsbegründende Ursachenzusammenhang ist vorliegend somitnichtbewiesen. Es steht daher hier auchnichtfest, dass die Mitarbeiter der Beklagten überhaupt einen kausalen Beitrag zur Schadensverursachung beigetragen haben. Daher kann hier auch nicht die Höhe eines hierdurch eventuell verursachten Schadens ermittelt werden (OLG Saarbrücken,Urteil vom 27.01.2004, Az.: 3 U 194/03).

Zu Unrecht meint der Kläger hier im Übrigen wohl auch, es spreche insoweit bereits ein Beweis des ersten Anscheins gegen die Beklagte. Wie die herrschende Rechtsprechung nämlich bereits mehrfach ausgeführt hat, setzen die Grundsätze über den Anscheinsbeweis einen typischen Geschehensablauf und nicht nur das Vorliegen eines abstrakten Unfalltyps voraus (OLG München, NZV 1989, Seiten 277 f.; OLG Düsseldorf, VersR 1999, Seiten 729 f.; AG Brandenburg an der Havel, u.a. schon: Urteil vom 16.09.2003, Az.: 32 C 99/02). Sie bewirken dementsprechendnichteine Beweislastumkehr, sondern erleichtern den Beweis lediglich dann, wenn die besonderen Umstände des vorliegenden Falles in ihrer Bedeutung zurücktreten, weil ein bewiesener oder unstreitiger Sachverhalt vorliegt, der nach der Lebenserfahrung regelmäßig auf einen bestimmten Verlauf hinweist und das Gepräge des üblichen und gewöhnlichen trägt. Dass ein typischer Geschehensablauf vorliegt, muss somit aber unstreitig oder hier von dem beweispflichtigen Kläger zuvor bewiesen worden sein. Die Voraussetzung des Anscheinsbeweises dürfen somitnichtmit den Tatsachen verwechselt werden, die geeignet sind, den Anscheinsbeweis zu erschüttern, auch wenn diese Unterscheidung gelegentlich schwer fällt (OLG München, NZV 1989, Seiten 277 f.). Der Kläger konnte hier aber den Kausalzusammenhang mit einem vermeintlichen Unfall beweisen, so dass dem Kläger gegenüber der Beklagten ein Anspruch auf Ersatz der vermeintlich entstandenen Schäden bezüglich des streitbefangenen Unfalls auchnichtzusteht.

Auf der Grundlage des o.g. Maßstabs bestand im Übrigen hier auch mangels vergleichbarer Vorfälle in der Vergangenheit vorliegend eine naheliegende Gefahr der Schädigung dritter Personennicht. Der Kläger hat in diesem Zusammenhang nämlich nicht nachzuweisen vermocht, dass Mitarbeitern der Beklagten das Auftreten ähnlicher Fälle in der Vergangenheit bekannt gewesen sei (LG Aachen, NJW-RR 2005, Seite 1265). Entsprechendes hat der Kläger sogar noch nicht einmal behauptet, noch haben die Zeugen solches bestätigt

Eine solche nachträgliche Betrachtungsweise eines nach Kenntnis der Mitarbeiter der Beklagten bislang wohl einmaligen Vorgangs erlaubt für sich allein nämlich noch nicht die Schlussfolgerung, dass die Beklagte betriebsfremden Personen den Zutritt zu der Verkaufseinrichtung hätte verbieten müssen. Der Kläger verkennt, dass nicht jeder abstrakten Gefahr durch vorbeugende Maßnahmen begegnet werden kann. Ein allgemeines Verbot, andere nicht zu gefährden, wäre unrealistisch (BGH, VersR 1975, Seite 812; BGH, VersR 2003, Seiten 1319 ff. = NJW-RR 2003, Seiten 1459 ff.). So ist eine Verkehrssicherung, die jeden Unfall ausschließt, nicht erreichbar (BGH, VersR 1964, Seite 746; BGH, VersR 2003, Seiten 1319 ff. = NJW-RR 2003, Seiten 1459 ff.). Haftungsbegründend wird eine Gefahr erst dann, wenn sich für ein sachkundiges Urteil die naheliegende Möglichkeit ergibt, dass Rechtsgüter anderer verletzt werden können (BGH, VersR 1964, Seite 746; BGH, VersR 2003, Seiten 1319 ff. = NJW-RR 2003, Seiten 1459 ff.; BGH,VersR 1978, Seiten 1163 ff.; BGH, VersR 1987, Seiten 1014 f.). Deshalb muss nicht für alle nur denkbaren Möglichkeiten eines Schadenseintritts Vorsorge getroffen werden. Es sind vielmehr nur die Vorkehrungen geboten, die geeignet sind, die Schädigung anderer tunlichst abzuwenden (BGH, BGHZ Band 14, Seiten 83 ff.; BGH, NJW 1971, Seiten 1093 f. m.w.N.; BGH, VersR 2003, Seiten 1319 ff. = NJW-RR 2003, Seiten 1459 ff.). Der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt, deren Verletzung zur deliktischen Haftung führt ( § 823 Abs. 1 BGB ), ist genügt, wenn im Ergebnis derjenige Sicherheitsgrad erreicht ist, den die in dem entsprechenden Bereich herrschende Verkehrsauffassung für erforderlich erachtet (BGH, VersR 1972, Seiten 559 f. m.w.N.;BGH, VersR 2003, Seiten 1319 ff. = NJW-RR 2003, Seiten 1459 ff.). Daher reicht es anerkanntermaßen auch aus, dann, wenn die Gefahren bei der Ausübung eines Berufes oder eines Gewerbes auftreten, diejenigen Sicherungsvorkehrungen zu treffen, die ein verständiger, umsichtiger, vorsichtiger und gewissenhafter Angehöriger dieser Berufsgruppe für ausreichend halten darf, um andere Personen vor Schaden zu bewahren, und die diesem den Umständen nach zuzumuten sind (BGH, VersR 1963, Seite 532; BGH, VersR 1967, 801, jeweils m.w.N.;BGH, VersR 2003, Seiten 1319 ff. = NJW-RR 2003, Seiten 1459 ff.). Kommt es in Fällen, in denen hiernach keine Schutzmaßnahmen getroffen werden mussten und eine Gefährdung von anderen - wenn auch nicht völlig ausgeschlossen - nur unter besonders eigenartigen und entfernt liegenden Umständen zu befürchten war, ausnahmsweise doch einmal zu einem Schaden, so muss der Geschädigte den Schaden dann auch selbst tragen, auch wenn dies im Einzelfall hart sein mag. Er hat ein „Unglück“ erlitten (BGH, VersR 1975, Seite 812; BGH, VersR 2003, Seiten 1319 ff. = NJW-RR 2003, Seiten 1459 ff.). Ausgenommen sind zudem die üblichen Risiken, welche der Art des Betriebs bzw. der Firma typischerweise zu eigen sind, die also der Besucher/Kunde bewusst in Kauf nimmt (BGH, R + S 2005, Seiten 122 f.).

Nach diesen Grundsätzen vermögen die bisher getroffenen Feststellungen eine Haftung der Beklagten gem. § 823 BGB aber geradenichtzu begründen.

Es würde die Anforderungen an einen ordnungsgemäßen Geschäftsbetrieb einer Verkaufseinrichtung bzw. eines Ladens nämlich überspannen, wenn allein im Hinblick auf diesen Umstand verlangt würde, dass die Beklagte diesen Bereich der Verkaufs-/Kassentheke ihres Firmengeländes für Kunden absperrt oder etwa die eigenen Mitarbeiter die von den Kunden eingekaufte Ware immer in die Fahrzeuge der Kunden einladen müssten. Der Vorfall hätte sich nämlich ebenso auf einem öffentlichen Parkplatzvorder Filiale der Beklagten ereignen können, wo die Fahrzeuge der Kunden geparkt werden. Da es – wie ausgeführt – unstreitig in der Vergangenheit aber noch nicht zu vergleichbaren Schadensfällen gekommen ist, gab es für die Beklagte auch keine Veranlassung zu der Annahme, dass Kunden beim Abstellen von Waren geschädigt werden. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Beklagte letztlich kaum Einfluss darauf hatte, was der Zeuge J. F. - nachdem er im Besitz der streitbefangenen Metall-Torbänder war - mit dieser Ware machte und wie er damit umging.

Da eine absolute Sicherheit in Selbstbedienungsläden (speziell im Bereich der Bau-Großhandelsunternehmen) praktisch somit nicht dauerhaft erreicht werden kann, dürfen von dem sicherungspflichtigen Inhaber eines solchen Ladens nämlich nur die den Umständen nach möglichen und zumutbaren Sicherungsvorkehrungen verlangt werden (OLG Köln, NJW-RR 1995, Seite 861).

Entgegen der Auffassung des Klägers reicht es für eine Verantwortlichkeit der Beklagten nämlichnichtaus, dass überhaupt ein Unfall in ihren Räumen stattgefunden hat. Dieser Umstand ist für die Bejahung eines haftungsbegründenden Tatbestandes nämlichnichtausreichend, da alle hier in Anspruch kommenden Anspruchsgrundlagen (§ 823 BGB und c.i.c.) stets auch voraussetzen, dass neben dem Geschehen auch ein gerade durch dieses Geschehen verursachter Schaden eingetreten ist. Nach dem oben Gesagten ist dies jedoch hier geradenichtbewiesen. Die Klage ist daher hier schon aus diesem Grunde im vollen Umfang abzuweisen.

Im Übrigen ist hier auch ein gewisses Eigenverschulden des Klägers als gegeben anzusehen, dass demgegenüber bei einer (hier nicht) vorzunehmenden Abwägung der Verschuldens- und Verursachungsbeiträge mit zu berücksichtigen gewesen wäre. Indem der Kläger trotz der für ihn - wie er selbst in der Klageschrift vom 02.01.2003 auf Seite 2 vortragen lässt -erkennbar„unstabil“abgestellten Torbänder sich in deren unmittelbare Nähe begab, hat er nämlich gegen seine eigenen Sicherheitsbelange verstoßen und müsste sich daher auch ein Mitverschulden entgegenhalten lassen (OLG Hamm, Urteil vom 13.05.2005, Az.: 9 U 244/04). Es ist in Rechtsprechung und Literatur nämlich zu Recht seit langem anerkannt, dass zwar in Grenzen der Inhaber eines Bau-Großhandels für die Sicherheit der Kunden während des Aufenthaltes auf dem Betriebsgelände verantwortlich ist; er kann sich aber grundsätzlich darauf verlassen, dass der Kunde den durch die Örtlichkeiten offenkundigen Gefahren selbst Rechnung trägt (BGH, VersR 1959, Seite 899 ; BGH, VersR 1961, Seite 715; BGB-RGRK-Steffen, 12. Aufl., § 823 Rn. 263, jeweils m.w.N.; OLG Oldenburg, ZfSch 1992, Seiten 197 f.). Das trifft auf die hier zu beurteilende Fallgestaltung zu.

Den Geschädigten trifft nämlich ein Mitverschulden nach § 254 Abs. 1 BGB, wenn er diejenige Sorgfalt außer Acht lässt, die jedem ordentlichen und verständigen Menschen obliegt, um sich vor Schaden zu bewahren (sogenanntes Verschulden gegen sich selbst;BGH, BGHZ Band 3, Seite 49; BGH, BGHZ Band 9, Seite 318; OLG Frankfurt/Main, NJW-RR 2001, Seiten 1674 ff. = OLG-Report 2002, Seiten 54 f.). Ein solches Verschulden gegen sich selbst liegt im Streitfall im Verhalten des Klägers, im offensichtlichen Bewusstsein, dass die Torbänder„unstabil“liegen, dessen ungeachtet doch in deren unmittelbare Nähe zu gehen.

Der Verkehrssicherungspflichtige darf nämlich grundsätzlich darauf vertrauen, dass sich Dritte in vernünftiger Weise auf erkennbare Gefahren einstellen. Die von dem Zeugen F. „unstabil“ abgestellten, ca. 1,00 m bis 1,20 m großen Metall-Torbänder waren von dem Kläger an diesem Tage auf seinem Weg zur Theke aber unstreitig wahrgenommen worden. Der Kläger, der die räumlichen Verhältnisse sah und dem sie wohl auch bereits bekannt waren, hatte die Gefahrenquelle somit gesehen. Es lag daher in seinem eigenen Interesse, darauf auch zu achten. Dieses Verschulden des Klägers gegen sich selbst wiegt derart, dass eine (unterstellte) geringfügige Verletzung der Verkehrssicherungspflicht durch die Beklagte hier im Übrigen völlig zurücktreten würde (OLG Koblenz, NJW-RR 1996, Seite 670; LG Nürnberg-Fürth, VersR 1993, Seiten 1498 f.; Palandt/Heinrichs, § 254 Rdnrn. 52-54). Die Beklagte musste somit nicht damit rechnen, dass sich ein Kunde, der diese „unstabile“ Lage der Metall-Torbänder - im Gegensatz zu den Mitarbeitern der Beklagten - erkannt hatte, sich dann auch noch in deren unmittelbarer Nähe begibt (OLG Frankfurt/Main, NJW-RR 2001, Seiten 1674 ff. = OLG-Report 2002, Seiten 54 f.).

Bereits dies begründet eine erhebliche Sorgfaltswidrigkeit. Dass hiermit ein erhöhtes Verletzungsrisiko selbst geschaffen wird, liegt auf der Hand. Es bedarf ebenfalls keiner weiteren Ausführung, dass es wegen dieses Risikos dem Kläger zumutbar war, zur Behebung dieses „unstabilen“ Zustands die Hilfe des Personals der Beklagten in Anspruch zu nehmen, selbst wenn dieses mit einem gewissen Zeitverlust verbunden gewesen wäre. Angesichts des sorgfaltswidrigen Verhaltens des Klägers, der sich quasi sehenden Auges in ein selbstgesetztes Risiko begab, ist ein dermaßen ausgeprägtes Verschulden gegen sich selbst gegeben, dass auch bei Bejahung einer schuldhaften Verkehrssicherungspflichtverletzung der Beklagten - die hier abernichtgegeben ist - deren Haftung wegen eines ganz überwiegenden Mitverschuldens des Klägers zurücktreten würde (OLG Frankfurt/Main, NJW-RR 2001, Seiten 1674 ff. = OLG-Report 2002, Seiten 54 f.).

Bei der Abwägung des Gewichtes der Verursachungs- und Verschuldensbeiträge ist auch von wesentlicher Bedeutung, dass der Zeuge J. F. durch seine Handlungsweise die zeitlich erste Ursache für den Unfall gesetzt hatte, der Schadenseintritt aber erst durch das sorgfaltswidrige Verhalten des Klägers in einer von ihm beherrschbaren Situation grundlegend befördert worden ist. Diese bei genereller Prognose als eher geringfügig zu bewertende Risikolage ist erst durch die Nichtbeachtung der Eigensorgfalt des Klägers in einer atypischen Situation grundlegend verschlechtert worden und in eine Schädigung umgeschlagen. Dem Kläger musste sich - im Gegensatz zu der Beklagten, da der Kläger dieunstabileLage der Torbänder offensichtlich zuvor bereits erkannt hatte - die aktuelle Gefahrenlage geradezu aufdrängen und er hatte es auch in der Hand, diese Lage durch eine situationsangepasste Reaktion selbst zu beherrschen und Schäden zu vermeiden (OLG Hamm, Urteil vom 13.05.2005, Az.: 9 U 244/04). Aufgrund der zu erwartenden Schadenseignung wiegt der Verschuldens- und Verursachungsanteil des Klägers somit ebenfalls erheblich, so dass die Klage hier auch deswegen dem Grunde nach abzuweisen gewesen wäre.

Würde man hier im Übrigen insofern der Rechtsauffassung der Klägerseite folgen, dass die Beklagte im Rahmen ihrer allgemeinen Verkehrssicherungspflicht in ihrer Verkaufseinrichtung auch für Unfälle einstehen müsste, die durch von dritten Personen (Kunden) hervorgerufene Gefahrenzustände verursacht wurden und deren grundsätzlich allgemeine Gefährlichkeit zudem noch von dem später Geschädigten bereits vor dem Schadensereignis augenscheinlich erkannt wurde, würde diese Rechtsansicht derUnfallmanipulation(vgl. hierzu u.a.:KG Berlin, KG-Report 2006, Seiten 793 ff.; KG Berlin, VRS Band 110, Seiten 350 ff.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 21.11.2005, Az.: I-1 U 41/05; OLG Koblenz, NJW-RR 2006, Seiten 95 ff.; KG Berlin, NZV 2006, Seiten 429 ff.; LG Mühlhausen, Schaden-Praxis 2000, Seiten 298 f.) auch in diesem gesellschaftlichen Bereich „Tür und Tor“ öffnen und müsste sich die Rechtsprechung nicht nur beiVerkehrs-Unfällen, sondern auch bei Unfällen in Verkaufsläden/Baumärkten etc. pp. mit derartig „manipulierten Unfällen“ befassen.

Den Gesundheitsschaden des Klägers hat die Beklagte somit hier schon dem Grunde nachnichtverursacht.

Selbst wenn die Beklagte für den beim Kläger verursachten Schaden verantwortlich wäre - was sie jedoch hiernichtist - ist auch die Höhe des geltend gemachten materiellen Schadens durch den Kläger zudem nicht ausreichend belegt bzw. begründet worden und somit streitig geblieben.

Für die Bemessungsgrundlage des Schmerzensgeldes (BGH, BGHZ Band 18, Seite 149; OLG Naumburg, Urteilvom 13.12.2001, Az.: 4 U 120/01) wäre im Übrigen -wenndie Beklagte hier von dem Kläger überhaupt hätte verantwortlich gemacht werden können - zunächst von Bedeutung, dass der Zeuge J. F. hier unstreitig nicht vorsätzlich sondern höchstens fahrlässig gehandelt hat. Bei der Bemessung der Höhe des angemessenen Schmerzensgeldes geht das erkennende Gericht zudem in Anschluss an die grundlegende Entscheidung desBGH- Großer Senat in Zivilsachen - vom 06.07.1955 (VersR 1955, Seite 615 = NJW 1955, Seite 1675) in ständiger Rechtsprechung von der Doppelfunktion des Schmerzensgeldanspruchs aus. Er soll dem Geschädigten einen angemessenen Ausgleich für diejenigen Schäden bieten, die nichtvermögensrechtlicher Art sind und zugleich dem Gedanken Rechnung tragen, dass der Schädiger dem Geschädigten Genugtuung schuldet für das, was er ihm angetan hat. Dabei steht der Ausgleichsgedanke im Vordergrund, d. h. der für einen Ausgleich erforderliche Geldbetrag hängt in erster Linie von der Größe, Heftigkeit und Dauer der Schmerzen, Leiden, Entstellungen sowie der psychischen Beeinträchtigungen, mithin vom Ausmaß der Lebensbeeinträchtigung ab.

Leiden und Schmerzen, die subjektiv sehr unterschiedlich empfunden werden, müssen insoweit anhand medizinischer Fakten objektiviert werden. Dies sind insbesondere die Art der Verletzungen, die Zahl und Schwere etwaiger Operationen, die Dauer der stationären und/oder ambulanten Heilbehandlung, der Zeitraum einer Arbeitsunfähigkeit sowie der Grad der ggf. vorliegenden abstrakten Minderung der Erwerbsfähigkeit. Neben diesen rein körperlichen Fakten kommt es zudem auch auf die psychischen Auswirkungen an.

In zweiter Linie sind entsprechend der Genugtuungsfunktion auch alle anderen Umstände, wie der Grad des Verschuldens und die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beteiligten, mit zu berücksichtigen (BGH, NJW 1955, Seite 1675; BGH, VersR 1982, Seite 400; BGH, VersR 1962, Seite 622; BGH, VersR 1967, Seite 607; BGH, VersR 1982, Seite 552; OLGKarlsruhe, VersR 1988, Seite 850).

Im Entscheidungsfall stellen sich die für das Ausmaß der Lebensbeeinträchtigung des Klägers maßgeblichen Umstände, nämlich seine Verletzungen und der Heilungsverlauf sowie die daraus sich ergebenden sonstigen Nachteile wie folgt dar:

Der Kläger erlitt eine Prellung am rechten Vorfuß mit Endgliedtrümmerfraktur und Grundgliedquerfraktur der einen Großzehe. Der Kläger musste sich zudem am 25.09.2001, 11.10.2001 und 08.11.2001 zur ambulanten ärztlichen Behandlung begeben, damit die notwendigen ambulanten Behandlungen durchgeführt werden konnten. Er hatte zudem bis zum 10.10.2001 einen Gipsschienenverband sowie ab dem 11.10.2001 bis zum 08.11.2001 einen Unterschenkel-Gehgips (Walker) und stellte sich ab dem 16.11.2001 innormalenSchuhen dem Arzt vor (ärztliche Bescheinigung vom 11.06.2002 - Anlage K1 - ; Blatt 6 der Akte). Vom 25.09.2001 bis zum 05.12.2001 war der Kläger zudem arbeitsunfähig. Der nachwachsende Zehnagel wuchs des weiteren an der lateralen Seite des Zehs ein und verursachte eine Nagelbettentzündung, so dass der Zehnagel dann am 27.02.2002 ambulant korrigiert werden musste und der Kläger erneut vom 27.02.2002 bis 08.03.2002 arbeitsunfähig war.

Unter Berücksichtigung aller vorgenannten und sonstigen für die Bemessung eines Schmerzensgeldes wesentlichen Umstände würde das erkennende Gericht unter Berücksichtigung von Urteilen vergleichbarer Fälle (BGH, VersR 1970, Seite 134; BGH,VersR 1976, Seite 967; BGH, VersR 1970, Seite 282) aber insofern höchstens ein Betrag voninsgesamt500,00 Euro für angemessen, aber auch ausreichend halten, um allen gesetzlichen Zwecken der Zubilligung eines Schmerzensgeldes gerecht zu werden (zur Höhe vgl. u. a.:OLG Hamm, VersR 1978, Seite 1147; AG Waldkirch, Urteil vom 28.09.1998, Az.: 1 C 271/98, in: Schmerzensgeld-Beträge des ADAC von Hacks/Ring/Böhm, 20. Auflage 2001, Nr. 67), wobei zur Ermittlung einesderzeitigangemessenen Schmerzensgeldes auch der Zeitablauf seit Verkündung dieser Gerichtsentscheidungen unter Berücksichtigung desPreisindexesbzw. derGeldentwertungund der Tendenzen der neueren Rechtsprechung mit berücksichtigt wurden. Zudem ist dem erkennenden Gericht durchaus auch aus eigener Kenntnis bekannt, dass man sich miteinemgebrochenen Zeh - nachdem ein Gips angelegt wurde - noch in seiner Wohnung bewegen kann. Ein gebrochener Zeh ist nämlich nochnichtein gebrochenes Bein oder ein gebrochener Fuß.

Da dem Kläger gegenüber der Beklagten hier jedoch schon dem Grunde nach ein Anspruch auf Zahlung von Schmerzensgeldnichtzusteht, konnte dies hier - ebenso wie die Höhe des geltend gemachten Haushaltsführungsschadens und der übrigen Schäden - sogar dahingestellt bleiben.

Die Klage ist daher insgesamt abzuweisen.

Die Entscheidung über die Kosten stützt sich auf § 91 ZPO. Der Ausspruch über die vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf §§ 708 Nr. 11 und 711 ZPO.