FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 26.10.2005 - 2 K 1763/02
Fundstelle openJur 2012, 2644
  • Rkr:
  • AmtlSlg:
  • PM:
Öffentliches Recht Steuer- und Abgabenrecht
Tatbestand

Der Kläger hielt in den Streitjahren Geschäftsanteile in Höhe von DM 35.500,00 der X... GmbH (im Folgenden GmbH), deren Stammkapital sich auf DM 50.000,00 belief. Weiterhin hatte der zum Geschäftsführer bestellte Kläger - ebenso wie der nicht an der GmbH beteiligte Mitgeschäftsführer Herr A.... - mit der GmbH einen Dienstvertrag geschlossen, auf dessen Einzelheiten der Senat verweist. Gemäß § 10 des Vertrages war dem Kläger eine private Kfz-Nutzung des ihm überlassenen Dienstwagens untersagt.

Im Jahre 2000 führte der Beklagte bei der GmbH eine Lohnsteueraußenprüfung durch. Der Prüfer stellte fest, dass die Gesellschaft beiden Geschäftsführern jeweils einen Dienstwagen überlassen hatte. Von Januar 1997 bis März 1999 standen dem Kläger ein Audi A 8 (Bruttolistenpreis: 117.500,00 DM) zur Verfügung, desgleichen in der Zeit von April bis November 1999 ebenfalls ein Audi A 8 (Bruttolistenpreis: 130.000,00 DM). Für diese Fahrzeuge führte der Kläger sog. Bordbücher, die allerdings nicht den Anforderungen gemäß R 31 Abs. 7 Nr. 2 Lohnsteuerrichtlinien 1996 entsprachen. Da die GmbH keine ordnungsgemäßen Fahrtenbücher vorlegte, ging der Prüfer davon aus, dass der Kläger die Fahrzeuge auch privat genutzt hatte.

Nach Auffassung des Beklagten war die Privatnutzung gemäß § 8 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) im Rahmen der Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit zu versteuern. Im Hinblick auf die Prüfungsmitteilung der Lohnsteueraußenprüfung vom 16.03.2000 erhöhte der Beklagte wegen der Pkw-Nutzung den Bruttoarbeitslohn des Klägers um jeweils DM 15.369,00 (1997 und 1998) sowie DM 15.178,25 (1999) und erließ dementsprechend geänderte Bescheide für die Jahre 1997 und 1998, jeweils vom 14.12.2000, sowie unter dem 26.06.2001 den erstmaligen Bescheid für 1999. Wegen anderweitiger Gesichtspunkte änderte der Beklagte am 20.12.2001 erneut den Änderungsbescheid für 1998.

Im Rahmen der Einspruchsverfahren machte der Kläger geltend, dass die private Mitnutzung untersagt gewesen und das Nutzungsverbot auch eingehalten worden seien. Demgegenüber sah der Beklagte allein ein schriftliches Nutzungsverbot als nicht ausreichend an, um die private Mitbenutzung eines Firmen-Pkw zu verneinen. Nach seiner Auffassung wäre es vielmehr notwendig, dass ein Arbeitgeber das Einhalten des Nutzungsverbots etwa durch ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch wirksam überwacht. Aus diesem Grund wies der Beklagte in der Einspruchsentscheidung vom 01.07.2002 die Einsprüche als unbegründet zurück.

Der Kläger begründet seine Klage wie folgt: Der Beklagte habe zu Unrecht den Bruttoarbeitslohn um die Sachbezugswerte erhöht. Denn eine verbotswidrige private Nutzung des Unternehmens-Pkw sei nicht erwiesen. Allein ein nicht ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch stelle keinen Anscheinsbeweis für eine Privatnutzung dar. Jedenfalls komme eine private Nutzung des Pkw bei einer täglichen Arbeitszeit von zwölf bis vierzehn Stunden nicht in Betracht. Dies gelte angesichts des häufigen Bereitschaftsdienstes auch an den Wochenenden. Die laufenden täglichen Besorgungen würde seine, des Klägers, Lebensgefährtin mit ihrem eigenen Pkw erledigen. Schließlich ständen ihm, dem Kläger, als leidenschaftlichem Motorradfahrer noch eine hochwertige Honda Goldwing sowie in den Ferien ein Wohnmobil zur Verfügung.

In den Streitjahren sei jedenfalls kein diesbezüglicher Arbeitslohn geflossen, da der GmbH ein entsprechender Schadensersatzanspruch wegen nicht ausreichender Kontrolle des Nutzungsverbotes zustehen müsste. Zumindest habe wegen des Nutzungsverbotes kein entsprechender geldwerter Vorteil aufgrund des Dienstverhältnisses bestanden.

Allenfalls sei die entsprechende Privatnutzung gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG als verdeckte Gewinnausschüttung anzusehen. Für eine verdeckte Gewinnausschüttung spreche der Umstand, dass im Hinblick auf das schriftlich fixierte Verbot einer privaten Nutzung des Pkw es jedenfalls an einer zivilrechtlich wirksamen, klaren und von vornherein abgeschlossenen Vereinbarung für einen Sachbezug fehle. Auch eine diesbezügliche mündlich abgesprochene entgeltliche Vereinbarung sei nicht erkennbar. In diesem Zusammenhang sei allerdings in den Streitjahren noch der nicht ausgenutzte Sparerfreibetrag zu berücksichtigen. Insoweit werde ergänzend auf die zu den Gerichtsakten gereichten Dividendenbescheinigung für 1996 vom 27.6.1997 und die Dividendengutschriften für die Geschäftsjahre 1997 und 1998 verwiesen.

Der Kläger beantragt,

1. unter Aufhebung der Einspruchsentscheidung vom 01.07.2002 die geänderten Einkommensteuerbescheide für 1997 vom 14.12.2000 und für 1998 vom 20.12.2001 sowie den Einkommensteuerbescheid für 1999 vom 26.06.2001 dahingehend zu ändern, dass die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit jeweils um DM 15.369,00 für 1997 und 1998 sowie um DM 15.178,25 für 1999 gemindert werden, und

2. die Hinzuziehung eines Bevollmächtigten für das Vorverfahren für notwendig zu erklären.

Der Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Nach Auffassung des Beklagten ist der Sachbezug im Zusammenhang mit der Pkw-Nutzung zutreffend bei den Einkünften gemäß § 19 EStG erfasst worden. Der geldwerte Vorteil sei anhand der sog. 1-vom Hundert (v.H.)-Methode zu ermitteln, nachdem der Kläger kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch geführt und der Arbeitgeber das Verbot der Privatnutzung nicht hinreichend durchgesetzt habe.

In diesem Zusammenhang komme der Ansatz von verdeckten Gewinnausschüttungen nicht in Betracht. Der Sachverhalt halte objektiv einem Fremdvergleich stand. Wie auch bei dem anderen Mitgeschäftsführer, der kein Gesellschafter der GmbH sei, sei der geldwerte Vorteil im Rahmen des § 19 EStG zu erfassen. Immerhin habe angesichts des Nutzungsverbots in dem Anstellungsvertrag eine eindeutige schriftliche vorherige Abmachung vorgelegen.

Durch Beschluss vom 08.03.2005 - 3 K 1763/02 hat ursprünglich der Vorsitzende des 3. Senats, bei dem die Klage zunächst erfasst worden war, das Ruhen des Verfahrens bis zum Abschluss des bei dem Bundesfinanzhof (BFH) anhängigen Verfahrens I R 70/04 angeordnet. Die betreffende Entscheidung des BFH vom 23.02.2005 ist zwischenzeitlich veröffentlicht. Weiterhin hat nach Bekanntwerden dieser Entscheidung der für Körperschaftsteuerverfahren zuständige 2. Senat im Juni 2005 das Verfahren übernommen.

Gründe

Die Klage ist teilweise begründet. In dem nachfolgend näher bezeichneten Umfang erweisen sich die angefochtenen Bescheide als rechtswidrig und verletzen insoweit den Kläger in seinen Rechten, § 100 Abs. 1 Satz 1 Finanzgerichtsordnung (FGO).

Der Beklagte hat in zutreffender Weise berücksichtigt, dass der Kläger die ihm zur Verfügung stehenden betrieblichen Fahrzeuge in den Streitjahren auch privat genutzt hat. Nach den Grundsätzen des Anscheinsbeweises ist zur Überzeugung des Senats, § 96 Abs. 1 FGO, davon auszugehen, dass der Kläger als Gesellschaftergeschäftsführer die ihm überlassenen betrieblichen Fahrzeuge regelmäßig auch privat genutzt hat, nachdem ihm in den Streitjahren kein vergleichbares privates Fahrzeug zur freien Verfügung gestanden hat (ähnlich: BFH, Beschluss vom 19.12.2003 - VI B 281/01, Sammlung amtlich nicht veröffentlichter Entscheidungen des Bundesfinanzhofs [BFH/NV], 2004, 488; BFH, Beschluss vom 14.05.1999 - VI B 258/98, BFH/NV, 1999, 1330 [1331]; Niedersächsisches Finanzgericht, Urteil vom 02.02.2005 - 2 K 193/03, juris; Briese, GmbHR 2005, 1271 [1273] unter II. 4.).

Nach der allgemeinen Lebenserfahrung nutzt ein Steuerpflichtiger selbst bei nur knapp bemessener Freizeit ein ihm zur Verfügung stehendes Betriebs-Fahrzeug auch für private Fahrten. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um ein repräsentatives Fahrzeug handelt und der Steuerpflichtige über keinen weiteren privaten Pkw verfügt. Die Annahme, dass der Kläger als Gesellschaftergeschäftsführer die ihm überlassenen betrieblichen Pkw privat genutzt hat, ergibt sich aus den Regeln des Anscheinsbeweises ungeachtet der Nutzungsabsprache in dem Anstellungsvertrag. Denn allein das vertragliche Verbot einer privaten Nutzung genügt insoweit nicht, eine private Nutzung vollständig auszuschließen. Vielmehr muss der Arbeitgeber in derartigen Fällen sonstige geeignete organisatorische Maßnahmen treffen, um sicherzustellen, dass der Arbeitnehmer tatsächlich keine Privatfahrten mit dem Unternehmensfahrzeug durchführt (ebenso: Finanzgericht Münster, Urteil vom 14.11.2001 - 5 K 5433/00 L, EFG 2002, 315). Ein Steuerpflichtiger vermag den auf der allgemeinen Lebenserfahrung beruhenden Anscheinsbeweis also nur dann zu widerlegen, wenn er im Einzelnen durch ein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch oder sonstige vergleichbare Umstände oder Nachweise belegt, dass die private Nutzung tatsächlich ausgeschlossen ist. Dies setzt jedoch voraus, dass ein Arbeitgeber ein vertraglich vereinbartes Nutzungsverbot durch organisatorische Maßnahmen ergänzt, damit der Arbeitnehmer das Fahrzeug nicht für private Fahrten zu nutzen vermag (in diesem Sinne auch: Finanzgericht Köln, Urteil vom 22.09.2000 - 12 K 4477/98, EFG 2000, 1375 [1376]; Schmidt/Drenseck EStG [24. Auflage] § 19 Rz 50 "Kraftfahrzeuggestellung"). Dem gemäß spricht der Beweis des ersten Anscheins für eine private Mitbenutzung, wenn zwar eine private Nutzung des betrieblichen Pkw vertraglich ausgeschlossen ist, jedoch ein leitender Angestellter ganztägig oder zumindest in erheblichem Umfang einen Dienstwagen nutzen kann und er daneben über keinen gleichwertigen Privatwagen verfügt. Angesichts der besonders stark motorisierten Pkw, die das Unternehmen dem Kläger zur Verfügung stellte, hat der Kläger den genannten Anscheinsbeweis nicht erschüttert. Denn erfahrungsgemäß werden zumindest Fahrten zu weiter entfernten Zielen mit dem größeren (Betriebs-)Pkw durchgeführt, selbst wenn der Lebensgefährte über ein weiteres Fahrzeug verfügt (ähnlich: BFH, Beschluss vom 14.05.1999 - VI B 258/98, BFH/NV 1999, 1330 [1331]).

Dieser Einschätzung steht die Entscheidung des Finanzgerichts München, Urteil vom 28.09.2004 - 6 K 5409/02, EFG 2005, 224 (225), nicht entgegen. Denn in dem vom Finanzgericht München zu entscheidenden Fall verfügte der Kläger im Privatvermögen über ein gleichwertiges Fahrzeug. Gegen die Einschätzung des Senats spricht auch nicht die Entscheidung des Niedersächsischen Finanzgerichts vom 25.11.2003 - 1 K 354/01, EFG 2004, 1675. Denn in dem von dem Niedersächsischen Finanzgericht zu beurteilenden Fall hatte der Steuerpflichtige bei einer verbotswidrigen Fahrzeugnutzung mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen seitens seiner Arbeitgeberin zu rechnen. Dies entfällt jedoch bei dem Kläger, der als Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen nicht ernsthaft zu rechnen hatte. Im Übrigen liegen den Entscheidungen in wesentlicher Hinsicht unterschiedliche Sachverhalte zu Grunde. Das von dem Niedersächsischen Finanzgericht zu beurteilende Fahrzeug war nämlich mit einem Werbeschriftzug der Arbeitgeberin versehen. Zudem ließ in dem entschiedenen Fall der Umfang des in dem Fahrzeug aus betrieblichen Gründen mitgeführten Materials die Mitnahme anderer Personen nicht oder nur in sehr eingeschränktem Umfang zu. Schließlich stand dem betreffenden Steuerpflichtigen ein gleichwertiges privates Fahrzeug zur Verfügung, da seine Ehefrau nicht erwerbstätig und somit aus beruflichen Gründen nicht auf ein Fahrzeug angewiesen war.

Demgegenüber war die Lebensgefährtin des Klägers in den Streitjahren selbst berufstätig. Insoweit konnte der Kläger den Pkw seiner Lebensgefährtin allenfalls in eingeschränktem Umfang privat nutzen. Die Hinweise des Klägers auf seine Motorradleidenschaft und die private Hondamaschine sowie ein privates Wohnmobil ändern schließlich an der vorgenannten Einschätzung des Senats ebenfalls nichts. Denn weder ein Motorrad noch ein Wohnmobil bieten die mit einem Pkw vergleichbaren Möglichkeiten, private Fahrten durchzuführen. Ersichtlich ist bei einem Motorrad etwa die Mitnahme weiterer Personen nur eingeschränkt möglich. Gleichermaßen entspricht es nicht der allgemeinen Lebenserfahrung, dass der Kläger außerhalb der Urlaubszeit mit seinem Wohnmobil in nennenswertem Umfang Fahrten durchgeführt hätte.

Im Rahmen der nach § 96 Abs. 1 Satz 1 FGO gebotenen freien Beweiswürdigung hat der Kläger auch im Übrigen den auf vorgenannten Erfahrungssätzen beruhenden Anscheinsbeweis nicht durch den sogenannten Gegenbeweis zu erschüttern vermocht. Dies gilt insbesondere für die von dem Kläger behaupteten zahlreichen Bereitschaftsdienste an Wochenenden. Weder hat der Kläger den zeitlichen Umfang und die Häufigkeit dieser Bereitschaftsdienste konkretisiert. Noch erscheint es wahrscheinlich, dass selbst bei einer gewissen Anzahl von Bereitschaftsdiensten tatsächlich der Kläger jegliche private Nutzung der Firmenfahrzeuge unterlassen hätte.

Die private Mitnutzung des Betriebs-Pkw führte bei dem Kläger zu steuerpflichtigen Einkünften gemäß § 20 Abs. 1 EStG. Die vertragswidrige Nutzung erfüllt die Voraussetzungen einer verdeckten Gewinnausschüttungen im Sinne des § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG.

Eine verdeckte Gewinnausschüttung ist anzunehmen, wenn eine Kapitalgesellschaft ihrem Gesellschafter einen Vorteil außerhalb der gesellschaftsrechtlichen Gewinnverteilung zuwendet, den ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter einem Nichtgesellschafter unter sonst gleichen Umständen nicht zugewendet hätte (vgl. etwa BFH, Urteil vom 07.08.2002 - I R 2/02, BFH/NV 2003, 124). Ist der begünstigte Gesellschafter ein beherrschender Gesellschafter, so kann eine verdeckte Gewinnausschüttung auch dann anzunehmen sein, wenn die Kapitalgesellschaft eine Leistung an ihn erbringt, für die es an einer klaren, im Voraus getroffenen, zivilrechtlich wirksamen und tatsächlich durchgeführten Vereinbarung fehlt (sog. Nachzahlungsverbot). Dabei ist nach der ständigen Rechtsprechung des BFH wie auch des erkennenden Senats eine derartige klare und eindeutige, im Voraus getroffene und zivilrechtlich wirksame schuldrechtliche Vereinbarung über einen Leistungsaustausch zwischen einer Kapitalgesellschaft und ihrem beherrschenden Gesellschafter grundsätzlich nur dann zu berücksichtigen, wenn die Vereinbarung auch tatsächlich durchgeführt worden ist. Denn das Fehlen der tatsächlichen Durchführung ist ein gewichtiges Indiz dafür, dass die Vereinbarung nicht ernsthaft gemeint war. Leistungen der Gesellschaft an ihren Gesellschafter aufgrund einer nicht ernstlich gemeinten Vereinbarung führen daher regelmäßig zu einer verdeckten Gewinnausschüttung (ebenso: BFH, Beschluss vom 21.03.2001 - I B 31/00, BFH/NV 2001, 1149 [1150]). Hiernach ist davon auszugehen, dass dem Kläger durch die tatsächliche private Nutzung der betrieblichen Pkw trotz des Nutzungsverbots ein Vorteil zugeflossen ist, der auf Seiten der Gesellschaft zu einer Vermögensminderung geführt hat und auf der gesellschaftlichen Verbindung des Klägers mit der GmbH beruht. Insoweit sind die Voraussetzungen einer gesellschaftlichen Veranlassung im Sinne des § 20 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG erfüllt. Denn die GmbH hat die private Nutzung zugelassen, obgleich sie mit dem Kläger als beherrschendem Gesellschaftergeschäftsführer eine diesbezügliche private Nutzung vertraglich ausgeschlossen hatte. Diese Vermögenszuwendung sieht der Senat vorrangig im Bereich des Gesellschaftsverhältnisses und nicht vor dem Hintergrund des Dienstvertrages verwirklicht. Denn die private Nutzung des Pkw verstieß gerade gegen die ausdrückliche Regelung des Geschäftsführervertrages. Wird eine Privatnutzung durch den Anstellungsvertrag aber ausdrücklich ausgeschlossen, liegt es zumindest bei einem beherrschenden Gesellschaftergeschäftsführer nahe, statt von Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit gemäß § 19 EStG von einer verdeckten Gewinnausschüttung in Sinne des § 20 Abs. 1 EStG auszugehen (ähnlich: BFH, Urteil vom 23.02.2005 - I R 70/04, DStR 2005, 918 [919]; Finanzgericht München, Urteil vom 28.09.2004 - 6 K 5409/02, EFG 2005, 224; für verdeckte Gewinnausschüttung auch: Gosch KStG § 8 Rz. 716, Briese, GmbHR 2005, 1271 [1274] unter III. 2.; ebenso im Ergebnis wohl: Pezzer, FR 2005, 891 [892] am Ende; anderer Auffassung: BFH, Beschluss vom 19.12.2003 - VI B 281/01, BFH/NV 2004, 488 m.N.). Denn nutzt ein Gesellschaftergeschäftsführer trotz entsprechenden Verbots einen ihm schuldrechtlich überlassen Pkw und unterlässt die Gesellschaft jede wirksame Kontrolle, um die rechtswidrige Nutzung zu verhindern, ist der vertragswidrige Einsatz des Fahrzeugs gerade nicht in erster Linie durch das Vertragsverhältnis veranlasst. Vielmehr beruht der betreffende Vermögensvorteil zumindest vorrangig auf einer gesellschaftlichen Veranlassung.

Für die Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung im Rahmen des § 20 EStG spricht nach Auffassung des Senats auch der Umstand, dass in dem Fall vertragswidriger Nutzung durch den beherrschenden Gesellschaftergeschäftsführer auf der Ebene der Gesellschaft von einer verdeckten Gewinnausschüttung im Sinne des § 8 Abs. 3 Satz 2 Körperschaftsteuergesetz (KStG) auszugehen ist. Vor diesem Hintergrund erweist es sich zwar nicht als zwingend erforderlich, jedoch liegt es systematisch nahe, insoweit auf der Ebene des Gesellschaftergeschäftsführers gleichermaßen die Voraussetzungen einer verdeckten Gewinnausschüttung zu bejahen (ebenso: Briese, GmbHR 2005, 1271). Demgegenüber erscheint es nicht - wie der Beklagte annimmt - geboten, für den Kläger nur deshalb von Einkünften gemäß § 19 Abs. 1 EStG auszugehen, weil auch der Mitgeschäftsführer des Klägers im Hinblick auf die (vertragswidrige) private PKW-Nutzung Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielt hatte. Denn der Mitgeschäftsführer hielt keine Anteile an der GmbH, so dass mangels gesellschaftlicher Beteiligung schon aus diesem Grunde die Annahme einer verdeckten Gewinnausschüttung für den Mitgeschäftsführer entfiel.

Der Weg, auf dem der Beklagte die Höhe der verdeckten Gewinnausschüttung berechnet hat, begegnet keinen Bedenken. Regelmäßig sind nämlich, um die Einnahmen gemäß § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG zu bestimmen, die Vorgaben des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG zu beachten. Folglich ist der Wert einer privaten Pkw-Nutzung nach der sog. 1-v.H.-Regelung zu ermitteln (in diesem Sinne: BFH, Urteil vom 13.02.2003 - X R 23/01, BStBl. II 2003, 472 [473]; Urteil vom 24.02.2000 - III R 59/98, BStBl. II 2000, 273 [274]; Niedersächsisches Finanzgericht, Urteil vom 02. Februar 2005 - 2 K 193/03, juris; offen gelassen in: BFH, Urteil vom 23.02.2005 - I R 70/04, DStR 2005, 918 [919]; Briese, GmbHR 2005, 1271 [1274] unter III.2.). Entgegen der Auffassung des Klägers hat der BFH in seinem Urteil vom 23.02.2005 allein entschieden, dass auf der Ebene der Gesellschaft nicht der Listenpreis des Fahrzeuges maßgeblich, vielmehr der Vorteil für den Arbeitnehmer ausschließlich nach Fremdvergleichsmaßstäben zu bewerten sei. Von dieser Ebene der Körperschaft ist aber die Ebene des Anteilseigners zu trennen.

In diesem Zusammenhang verkennt der Senat nicht, dass die Bewertung der verdeckten Gewinnausschüttung mit dem Fremdvergleichswert auf der Ebene der Gesellschaft (vgl. hierzu: BFH, Urteil vom 23.02.2005 - I R 70/04, DStR 2005, 918 [919]), durchaus eine vergleichbare Bewertung auch auf der Ebene des Gesellschafters nahe legt. Dennoch erscheint es dem Senat zweckmäßig, auf der Ebene des Gesellschafters im Rahmen des § 20 EStG  für die Bewertung § 8 Abs. 2 Satz 2 in Verbindung mit § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG heranzuziehen. Zum einen sind die Einkünfte auf der Ebene des Gesellschafters nach § 20 EStG zu erfassen, so dass die Bewertung nach den diesbezüglichen Vorgaben des EStG nahe liegt, während § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG auf der Ebene der Kapitalgesellschaft gerade nicht einschlägig ist (BFH, Urteil vom 23.02.2005 - I R 70/04, DStR 2005, 918 [919]). Die unterschiedliche Zielsetzung von § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG auf der einen und § 20 Abs. 1 EStG auf der anderen Seite lassen insoweit abweichende Ermittlungswege zu (in diesem Sinne auch: Pezzer, FR 2005, 891 [892]). Zum anderen erweist sich die Wertermittlung nach der 1-v.H.-Methode in der praktischen Umsetzung als erheblich einfacher (ebenso: Pezzer, FR 2005, 891).

Der Senat macht von der Möglichkeit des § 100 Abs. 2 Satz 2 FGO Gebrauch. Dem Beklagten wird die Errechnung der einzelnen Steuerfestsetzungen vor allem im Hinblick auf § 20 Abs. 4 EStG übertragen.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 136 Abs. 1 Satz 1, 2. Alt. FGO.

Die Entscheidung zu 2. beruht auf 139 Abs. 3 Satz 3 FGO.