LG Kassel, Urteil vom 14.08.2020 - 11 Kls 2660 Js 47404/18
Fundstelle
openJur 2021, 4006
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Tenor

Der Angeklagte wird wegen schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von

3 Jahren und 6 Monaten

verurteilt.

Die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt wird angeordnet.

Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens, seine notwendigen Auslagen, sowie die notwendigen Auslagen der Nebenklage zu tragen.

Gründe

I

Der heute 31-jährige Angeklagte wurde am 21.07.1989 in "......" im "......" geboren. Er hat vier Schwestern (26, 34, 32 und 30 Jahre alt) und einen Bruder (38 Jahre alt). Seine Mutter versorgte als Hausfrau die Familie, während der Vater als Maurer tätig war. Im "......" wuchs er im Kreis seiner Familie auf. Seine Familie lebt bis heute im "......" .

Im "......" besuchte er die Schule und war zunächst ein guter Schüler. Im Alter von 10 oder 11 Jahren besuchte er neben der Schule während eines Jahres einen Computerkurs. Innerhalb der Familie kam es zunehmend zu Konflikten, die zunächst zu einer Verschlechterung seiner schulischen Leistungen führten und schließlich darin mündeten, dass er im Alter von 13 Jahren im Winter von seinem Vater aus dem Haus geworfen und verstoßen wurde.

Anschließend schlug sich der Angeklagte allein durch. Er fand Anschluss an einen Freundeskreis, der ihn zum Konsum von Heroin brachte. Dieses rauchte er fortan regelmäßig. Noch im "......" führte er eine Entzugsbehandlung durch und lebte danach zunächst drogenabstinent. Er besuchte weiter unregelmäßig die Schule bis zur 10. Klasse. Anschließend fand er eine Anstellung als Schreiner.

Im Alter von 18/19 Jahren trat er seinen zweijährigen Militärdienst an. Hieran anschließend arbeitete er für knapp 2 Jahre in einem Unternehmen, in dem Autoscheiben geschliffen wurden.

In diese Zeit fällt auch seine Heirat im Alter von 23 Jahren mit einer "......", mit der er zunächst zusammenlebte. In der Folge arbeitete er als Taxifahrer in "......" . Wegen seinem wieder steigenden Konsum von Heroin ging er zunehmend dazu über, auch selbst Heroin zu verkaufen.

Schließlich kam er im Alter von 28 Jahren im Januar 2016 in die Bundesrepublik Deutschland. Hier stellte er einen Asylantrag. Zu dieser Zeit lebte er drogenabstinent. Zunächst wurde er einer Gemeinschaftsunterkunft in "......" bei "......" zugewiesen, wo er den ebenfalls aus dem "......" stammenden Zeugen "......" kennenlernte. Beide schlossen Freundschaft und verbrachten die Tage gemeinsam. Dabei konsumierte der Angeklagte gemeinsam mit dem Zeugen "......" auch wieder regelmäßig Heroin.

Im Jahr 2017 fand der Angeklagte Aufnahme in ein Substitutionsprogramm (Polamidon) und lebte in der Folge zunächst ohne Drogenkonsum. Derzeit wird er von Dr. "......" in "......" betreut und erhält wöchentlich sieben Flaschen zu 15 ml Polamidon. Anfang 2018 fand der Angeklagte eine Wohnung in "......", wohingegen der Zeuge "......" zunächst einer Gemeinschaftsunterkunft in "......", "......" zugewiesen wurde. Ab dem 11.02.2019 zog der Zeuge "......" dann in eine eigene Wohnung unter der Anschrift "......" in "......" . Dennoch besuchten sie sich regelmäßig gegenseitig.

Bereits im Februar 2018 bat der Angeklagte den Zeugen "......" um finanzielle Hilfe. Der Angeklagte befand sich wegen der Vollstreckung der mit Strafbefehl vom 07.06.2017 (nachfolgend Ziffer 1.) verhängten Geldstrafe als Ersatzfreiheitsstrafe in der Justizvollzugsanstalt "......" . Auf Bitten des Angeklagten löste der Zeuge "......" ihn am 27.02.2018 gegen Zahlung eines noch offenstehenden Betrages in Höhe von 250,- Euro aus.

Der Angeklagte nahm dann ab März 2018 über die Zeitarbeitsfirma "......" eine Anstellung auf, bei der er zunächst 8 Monate im "......" in "......" nahe "......" eingesetzt wurde. Beim selben Arbeitgeber fand später auch der Zeuge "......" eine Anstellung, die er bis heute innehat. Dem Angeklagten, der im November 2018 während eines Monats an eine Baufirma vermittelt war und hierfür ein Monatsgehalt von 1.500,00 Euro netto erhielt, wurde schließlich seine Anstellung im Dezember 2018 gekündigt.

Ende 2018, Anfang 2019 begann der Angeklagte Kokain zu konsumieren. Anfangs konsumierte er das Kokain, das er als Crack raucht, täglich, inzwischen nimmt er Kokain etwa einmal pro Woche oder ein bis zweimal im Monat zu sich.

Der Angeklagte lebt aktuell von staatlichen Transferleistungen (Hartz IV).

Ausweislich des Bundeszentralregisterauszugs vom 15. Juni 2020 ist der Angeklagte wie folgt strafrechtlich in Erscheinung getreten:

1. Mit Strafbefehl vom 07.06.2017, rechtskräftig seit 04.07.2017, verurteilte ihn das Amtsgericht in Kassel unter dem Aktenzeichen Az. 8811 Js 15394/17 271 Cs wegen unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 10,00 Euro. Der Angeklagte hatte in "......" am 04.04.2017 auf offener Straße vier Plomben Heroinzubereitung mit insgesamt 2,6 Gramm für 50 Euro erworben.

2. Das Amtsgericht in Kassel verurteilte ihn mit Strafbefehl vom 28.11.2017, rechtskräftig seit dem 22.12.2017, in dem Verfahren Az. 8841 Js 38376/17 271 Cs wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu jeweils 10,00 Euro. Der Angeklagte war in "......" am 14.09.2017 bei einer Polizeikontrolle mit zwei Plomben Heroinzubereitung zu 0,38 und 0,42 Gramm angetroffen worden.

3. Mit Strafbefehl vom 31.01.2018, rechtskräftig seit dem 27.11.2017, verurteilte ihn das Amtsgericht in Kassel in dem Verfahren Az. 9221 Js 2022/18 284 Cs wegen Diebstahls unter Einbeziehung der mit Entscheidung vom 28.11.2017 (Ziff. 2.) verhängten Geldstrafe zu einer Gesamtgeldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 10,00 Euro. Der Angeklagte hatte am 27.11.2017 in "......" im Bekleidungsgeschäft "......" zwei Hosen zum Gesamtkaufpreis von 88 Euro entwendet.

4. Mit seit 09.01.2018 rechtskräftigem Urteil vom 11.04.2018 verurteilte ihn das Amtsgericht in Kassel in dem Verfahren Az. 2660 Js 4914/18 282 Ds wegen besonders schweren Diebstahls in zwei Fällen unter Einbeziehung der mit Entscheidung vom 28.11.2017 (Ziff. 2) verhängten Strafe zu einer Gesamtgeldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 20,00 Euro sowie zu einer weiteren Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 20,00 Euro. Der Angeklagte hatte am 23.11.2017 aus den Verkaufsräumen des Ladenlokals der "......" ein Herrenparfum zum Verkaufspreis von 94,99 Euro entwendet sowie am 09.01.2018 mit einem Mitttäter aus den Geschäftsräumen des Unternehmens "......" vier Herrenjacken zum Gesamtverkaufspreis von 399,84 Euro entwendet. In beiden Fällen handelte der Angeklagte unter starken Entzugserscheinungen.

5. Mit Strafbefehl vom 03.07.2018, rechtskräftig seit 24.07.2018, verurteilte ihn das Amtsgericht Kassel in dem Verfahren Az. 9221 Js 19246/18 243 Cs wegen Erschleichens von Leistungen zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 10,00 Euro.

6. Aus den zu Ziffern 2., 3. und 4. (insoweit nur unter Einbezug der a-Strafe, während die b-Strafe unberührt blieb) der vorgenannten Verurteilungen bildete das Amtsgericht in Kassel in dem Verfahren Az. 2660 Js 4914/18 282 Ds nachträglich durch Beschluss vom 31.07.2019 eine Gesamtgeldstrafe in Höhe von 75 Tagessätzen zu je 20,00 Euro. Die Entscheidung ist seit dem 20.08.2019 rechtskräftig.

II

Nachdem er zuvor gegen 19.00 Uhr etwa eine halbe Flasche Wein getrunken und eine Plombe Kokain zu 0,15 Gramm geraucht hatte, wendete sich der Angeklagte am 24.11.2018 telefonisch an den Zeugen "......", um von diesem Geld zu erhalten. Er hatte für den Erwerb der zuvor konsumierten Menge Kokain bereits sein Mobiltelefon als Pfand hinterlegt und verfügte nunmehr auch mangels Erwerbseinkommen über kein eigenes Geld mehr. Da der Zeuge "......", mit dem er gut befreundet gewesen war, das Telefonat nicht angenommen hatte, erwartete der Angeklagte dessen Ankunft an der Straßenkreuzung ""......" " in "......", an der der Zeuge - wie er aus seiner vorangegangenen Beschäftigung wusste - nach Ende seiner Schicht bei "......" in "......" mit einem Shuttle-Service abgesetzt werden würde.

Als der Zeuge "......" tatsächlich dort gegen 21:00 Uhr erschien, sprach er ihn direkt an und bat um 20,00 Euro, da er vorgeblich sein Mobiltelefon auslösen wollte.

Der Zeuge lehnte ab, da er annahm, der Angeklagte werde das Geld, wie schon in der Vergangenheit auch für Drogen verbrauchen und anschließend auch nicht zurückzahlen können.

Dann entfernte sich der Zeuge "......" in Richtung "......", wo er beabsichtigte, die "......" nach "......" zu besteigen. Der Angeklagte folgte ihm laut schimpfend nach.

Im Bereich der Haltestelle am "......" traf der Zeuge "......" auf den Zeugen "......", der dort ebenfalls auf eine Straßenbahn wartete. Nach einer kurzen Begrüßung und einem belanglosen Wortwechsel kam der Angeklagte hinzu und begann ein Gespräch mit dem Zeugen "......" . Diese Gelegenheit nutzte der Zeuge "......", entfernte sich ein paar Schritte und drehte sich eine Zigarette.

Kurz darauf bedrängte der Angeklagte den Zeugen "......" erneut mit der Bitte um Geld, was der Zeuge "......" abermals ablehnte und sich nunmehr zwischen den bereits errichteten Holzhütten des Weihnachtsmarkts östlich in Richtung "......" entfernte. Hierbei verfolgte ihn der Angeklagte.

In der unterhalb des "......" verlaufenden Straße ""......" " holte der Angeklagte den Zeugen "......" vor dem Schmuckgeschäft ""......" " ein und ergriff ihn von hinten. Dabei umklammerte er den Hals des Geschädigten von hinten mit dem linken Arm, wobei er zeitgleich mit der linken Hand ein Teppichmesser gegen dessen rechte Wange hielt, um dessen Gegenwehr zu unterbinden. Mit der rechten Hand griff der Angeklagte in die Jackentasche des Zeugen "......" und holte darin lose befindliches Scheingeld in Höhe von 30,00 Euro gegen dessen Willen und ohne einen Anspruch darauf zu haben, was er auch wusste, aus der Tasche heraus. Während des Festhaltens und Durchsuchens der Kleidung fügte er zudem dem Zeugen "......" eine blutende Schnittwunde im Gesicht zu. Eine Verletzung des Angeklagten hatte er bei Einsatz des Messers für möglich gehalten und nahm dies zumindest billigend in Kauf. Sodann ließ der Angeklagte von dem Zeugen "......" ab und entfernte sich mit seiner Beute, die er für sich behalten wollte.

Anschließend begab sich der Angeklagte zurück in Richtung "......", wohingegen der Zeuge "......" spontan einem von ihm gerade wahrgenommenen Einsatzfahrzeug der Polizei nachlief, ohne dieses allerdings zu erreichen.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite waren vor dem Restaurant "......" die Zeuginnen "......" und "......" kurz zuvor durch Geräusche auf das Gerangel aufmerksam geworden. Sie sahen mehrere Personen in Richtung "......" gehen und nach kurzer Zeit den Zeugen "......" hinter einem vorbeifahrenden Polizeifahrzeug herrennen, wobei insbesondere die Zeugin "......" den Angeklagten nach dem Gerangel fortwährend beobachtete. Als der Zeuge "......" nach vergeblichem Hinterherlaufen an ihnen vorbei zurückkam, ging die Zeugin "......" auf ihn zu und fragte diesen, ob er Hilfe benötige, was dieser bejahte. Dabei nahm die Zeugin eine blutende Gesichtswunde des Zeugen "......" wahr. Im Gespräch mit der Zeugin "......" gab der Zeuge "......" sodann an, dass ihm Geld weggenommen worden sei.

Der Angeklagte handelte bei der Tat rechtswidrig. Bei Begehung der Tat handelte der Angeklagte nicht ausschließbar im Zustand verminderter Schuldfähigkeit im Sinne des § 21 StGB, aufgrund nicht ausschließbar erheblich verminderter Steuerungsfähigkeit infolge des aus seinen Abhängigkeitserkrankungen resultierenden akuten Beschaffungsdrucks. Allerdings war im Tatzeitpunkt seine Fähigkeit erhalten, das Unrecht seiner Tat einzusehen. Zudem war auch seine Fähigkeit, sein Verhalten entsprechend dieser Einsicht zu steuern, nicht gänzlich aufgehoben.

Durch die Tat hat der Geschädigte eine vom Kinn in Bogenform unterhalb des rechten Mundwinkels über die Wange verlaufende, mehrere Zentimeter lange Schnittwunde erlitten, die ambulant im Krankenhaus versorgt wurde. Wegen möglicher optischer Folgen wurde von einem Nähen der Wunde in Absprache mit dem Geschädigten abgesehen und die Wunde lediglich verklebt. Der Geschädigte litt die ersten drei bis vier Tage unter Schmerzen, ohne Medikamente zu benötigen.

Heute ist im Bereich der Schnittverletzung eine Narbe erkennbar verblieben, die dem Geschädigten beim täglichen Rasieren unverändert Schwierigkeiten bereitet.

III

Die Feststellungen zum Lebenslauf des Angeklagten und dessen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen beruhen auf dessen glaubhaften Angaben hierzu in der Hauptverhandlung sowie ergänzend auf den Angaben des psychiatrischen Sachverständigen Dr. "......" zur Biografie des Angeklagten, die dieser sämtlich als zutreffend bezeichnet hat.

Die Feststellungen zu den strafrechtlichen Vorbelastungen beruhen auf der verlesenen und von dem Angeklagten sodann für richtig befundenen Auskunft des Bundesamtes für Justiz vom 15.06.2020, sowie auf den ausweislich des Sitzungsprotokolls auszugsweise verlesenen Entscheidungen, die wiederum von dem Angeklagten inhaltlich für richtig befunden worden sind.

Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte sich wie unter Ziffer II festgestellt verhalten hat. Diese Feststellungen beruhen auf den Angaben des Angeklagten, soweit diesen gefolgt werden konnte, sowie auf den Aussagen der Zeugen

"......", "......", "......", KOK "......", KOK´in "......", POK "......", POK "......", KHK "......", "......", "......" sowie "......". Ferner beruhen die Feststellungen auf dem mündlich erstatteten Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Dr. "......", Facharzt für Neurologie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten, sowie auf den weiteren ausweislich des Sitzungsprotokolls erhobenen Beweisen und den sonstigen aus dem Inbegriff der Hauptverhandlung herrührenden Umständen.

Der Angeklagte bestreitet die Tatvorwürfe, diese seien alle unzutreffend.

In seiner Einlassung in der Hauptverhandlung, die er durch seinen Verteidiger am ersten Verhandlungstag verlesen ließ und anschließend als richtig und als seine Einlassung bestätigt hat, hat er angegeben, dass er den Zeugen "......" kurz nach seiner Ankunft in der Flüchtlingsunterkunft in "......" kennengelernt habe. Man habe sich angefreundet und in der Folge viel Zeit gemeinsam verbracht. Dabei habe man auch gemeinsam Drogen konsumiert. Nachdem sie beide eine Einstellung bei "......" in "......" gefunden hätten, habe der Zeuge "......" von Oktober bis November 2018 wochenlang bei ihm in seiner Wohnung in "......" gelebt. "......" sei dort weder registriert noch gemeldet gewesen, habe eine eigene Wohnung in "......" . Der Zeuge "......" habe während seines wochenlangen Aufenthalts nur verbraucht, sich aber nie an den entstehenden Kosten beteiligt. So habe er, der Angeklagte, beispielsweise immer die gemeinsam konsumierten Drogen bezahlt. Weil er selbst finanziell nicht auf Rosen gebettet gewesen sei, habe sich dann ein Streit entwickelt, weil er vom Zeugen "......" eine finanzielle Beteiligung gefordert habe. Ein konkreter Betrag habe aber nicht im Raum gestanden.

An dem angeblichen Tattag habe er den Zeugen "......" in "......" auf dem "......" angetroffen. Dieser habe sich in Begleitung des Zeugen "......" befunden. Er habe "......" dann wieder darauf angesprochen, ob dieser sich nicht an den Kosten für die Unterkunft beteiligen wolle. Das habe "......" abgelehnt. Daraufhin sei er zornig geworden und es sei zum Streit gekommen. Sie hätten sich gegenseitig geschubst. Dann habe sich der Konflikt aber schnell aufgelöst und er habe den "......" wieder verlassen. Von einer Verletzung des Zeugen "......" habe er nichts mitbekommen.

Darüber hinaus hat der Angeklagte am zweiten Verhandlungstag sich dahingehend eingelassen, er habe am angeblichen Tattag etwa zwei Stunden vor dem Treffen mit dem Zeugen "......" alleine eine halbe Flasche Wein sowie alleine eine Plombe Kokain (0,15 g) zu sich genommen. Er habe dann schließlich "......" in der Stadt getroffen. Er habe dringend Geld gebraucht und deshalb von "......" sein Geld gefordert. Damit habe er Kokain kaufen wollen. Er habe schon in der Vergangenheit mit "......" gemeinsam Heroin und Kokain konsumiert. Dieser habe ihn erst in Deutschland wieder auf den Geschmack gebracht. Anfangs habe er noch wenig, später dann mehr konsumiert. Es seien dann je Plombe etwa 0,15 Gramm gewesen und zwei bis drei Plomben täglich. Zur Tatzeit habe er sich im Substitutionsprogramm befunden und Polamidon erhalten. Allerdings habe er Ende 2018 angefangen mit Kokain Beikonsum zu betreiben. Er habe oft kein Geld gehabt. Wenn er etwas gehabt habe, habe er gleich etwas gekauft, manchmal auch mit "......" geteilt. Wenn er kein Geld gehabt habe, sei er auch mit einer Plombe zufrieden gewesen.

An jenem Tag habe er Suchtdruck empfunden und habe wieder neue Drogen gebraucht.

Dass er bei der Polizei ausgesagt habe, er habe keine Drogen konsumiert, sei unrichtig. Er habe gelogen, weil er sich geschämt habe. Das Kokain habe er etwa um 18.00 Uhr von einem Händler ""......"" gekauft, ein Plombe für 15,00 Euro. Diese habe er gleich konsumiert.

Soweit diese Angaben nicht mit den Feststellungen der Kammer übereinstimmen, sind sie zur Überzeugung der Kammer widerlegt. Aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme ist die Kammer davon überzeugt, dass sich die Tat vom 24.11.2018, wie festgestellt, zugetragen hat. Insbesondere ist danach auch der seine Tatbeteiligung leugnende Angeklagte dieser Tat überführt, denn die Kammer ist infolge der durchgeführten Beweisaufnahme davon überzeugt, dass die Tat entsprechend der diesbezüglich getroffenen Feststellungen von dem Angeklagten ausgeführt wurde.

Im Einzelnen:

Der Zeuge "......" hat in der Hauptverhandlung zum konkreten Tatgeschehen angegeben, er sei am Tattag auf dem Nachhauseweg von der Arbeit bei "......" in "......" gewesen, als ihn der Angeklagte im Bereich der Straßenkreuzung ""......" " angesprochen und um Geld gebeten habe. Er habe den Angeklagten zu diesem Zeitpunkt seit langem gekannt und mit ihm zeitweise beim selben Arbeitgeber gearbeitet. Deshalb habe der Angeklagte auch gewusst, wo er aussteigen werde. Der Angeklagte habe dann berichtet, dass er sein Handy bei einem Drogenkauf als Pfand hinterlegt habe und nun 20,00 Euro brauche um das Telefon wieder auszulösen. Er habe ihm aber kein Geld gegeben.

Daraufhin sei der Angeklagte laut geworden und er sei weiter in Richtung "......" gegangen. Der Angeklagte sei ihm schimpfend gefolgt. An der Haltestelle am "......" habe er auf seine "......" Tram warten müssen, habe sich eine Zigarette gedreht und habe versucht dem Angeklagten auszuweichen. Dieser habe dort zunächst mit "......" gesprochen, den er selbst nur flüchtig kenne, und sei dann wieder zu ihm gekommen. Der Angeklagte habe laut geschrien und andere Leute seien aufmerksam geworden. Er sei dann von der Haltestelle weggegangen, an den Buden vorbei bergab in die am unteren Ende des Platzes abgehende Straße.

Der Angeklagte habe ihn verfolgt und plötzlich überraschend von hinten um den Hals gepackt und festgehalten. Das sei etwa in Höhe des gegenüberliegenden Restaurants gewesen, dessen Name er nicht wisse. In der Hand habe der Angeklagte ein Teppichmesser gehalten, mit dem er ihn von hinten an der rechten Wange geschnitten habe. Dann habe er ihm wortlos das Portemonnaie aus der hinteren rechten Tasche geholt und daraus etwa 30,00 Euro genommen. Genau gesehen habe er das aber nicht. Der Angeklagte habe dann aber das Portemonnaie zu Boden geworfen und er habe es wieder an sich genommen. Vorher seien 30 Euro darin gewesen, anschließend sei es leer gewesen.

Dann habe sich der Angeklagte entfernt, sei aber noch mal weinend zurückgekommen und habe darum gebeten keine Polizei zu rufen. Er habe aber die Frauen gesehen, die alles mitbekommen hätten. Ihm, dem Zeugen, sei schwindelig gewesen und er habe geblutet. Dann hätten die Frauen die Polizei verständigt.

Den eintreffenden Beamten habe er dann gleich den Namen des Angeklagten sagen können und diesen auch auf einem Foto wiedererkannt.

Dann sei er anschließend im Krankenhaus untersucht und behandelt worden. Man habe ihm gesagt, dass Nähen alles nur schlimmer mache. Die Wunde habe drei bis vier Tage geschmerzt und gebrannt, die Narbe könne man noch heute gut sehen. Sie mache ihm vor allem beim Rasieren Schwierigkeiten.

Der Zeuge hat die Tat widerspruchsfrei und detailliert geschildert. Seine Angaben stehen auch weitgehend im Einklang mit seinen unmittelbar nach dem Geschehen unweit des Tatorts gegenüber der eintreffenden Polizeistreife und später auf dem Polizeirevier gemachten Angaben, über die die Zeugen POK "......" und POK "......" sowie KOK "......" und KOK´in "......" glaubhaft berichtet haben. Vereinzelte Abweichungen von diesen Angaben, etwa soweit er gegenüber dem Gericht von einem Portemonnaie sprach, von dem bis dahin keine Rede war, sondern von losem Scheingeld, beruhen zur Überzeugung der Kammer auf im Hinblick auf den Zeitablauf mangelnder Erinnerung, geben aber keinen Anlass am Wahrheitsgehalt der im Kern von Anfang an konstanten Schilderung des Geschehens durch den Zeugen zu zweifeln. Ebenso führt die Kammer Ungenauigkeiten wie seine wechselnden Angaben zur Farbe des Teppichmessers, zur das Messer haltenden Hand und zum ihn in den Schwitzkasten nehmenden Arm auf den Zeitablauf, seine Aufregung sowie die von den ersten Vernehmungsbeamten POK "......" und KOK "......" jeweils authentisch geschilderten sprachlichen Problemen in der Verständigung ohne einen Dolmetscher mit dem Zeugen "......" zurück.

Dasselbe gilt insbesondere auch im Hinblick auf die in eklatantem Widerspruch zur Darstellung des Angeklagten stehenden Angaben des Zeugen zur Tatvorgeschichte, insbesondere zum angeblichen wochenlangen Zusammenleben in der Wohnung des Angeklagten, zu bestehenden Geldschulden und zum gemeinsamen Drogenkonsum in der Vergangenheit. Diese Angaben betreffen sämtlich nicht den unmittelbaren Tatvorwurf und sind zum Teil zur Überzeugung der Kammer auch dem Bemühen des auch aktuell noch in Lohn und Brot stehenden Zeugen geschuldet, seine eigene, für die Tat nicht erkennbar relevante Rolle beim zuvor gemeinsam praktizierten Drogenkonsum zu verschweigen.

Von wesentlicher Bedeutung und für die Kammer von zentraler Bedeutung im Rahmen der Würdigung der Beweise ist hingegen der Umstand, dass der Angeklagte selbst eine - wenn auch kurze - körperliche Auseinandersetzung mit dem Zeugen "......" schildert und zwar tatzeit- und tatortnah, die er ebenso wie der Zeuge im Zusammenhang mit einer Bitte um Geld beschreibt. Demnach haben der Zeuge "......" und der Angeklagte das unmittelbare Rahmengeschehen der Tat weitgehend übereinstimmend beschrieben mit der Ausnahme, dass der Angeklagte den Zeugen "......" nicht verletzt und nicht beraubt haben will.

Insofern steht aber des Weiteren für die Kammer aufgrund der übereinstimmenden, detaillierten und widerspruchsfreien Angaben der Zeuginnen "......" und "......" fest, dass der Zeuge "......" unmittelbar nach einer von ihnen zunächst als solche gar nicht eingeordneten Auseinandersetzung genau an dem von dem Zeugen "......" geschilderten Tatort vor dem Schmuckgeschäft ""......" " in der Straße ""......" " mit einer blutenden, offenen Wunde im Gesicht einem Streifenwagen der Polizei erkennbar Hilfe suchend nachlief und kurz darauf auf ihr Hilfserbieten einging und angab, gerade verletzt und beraubt worden zu sein.

Dass der Zeuge "......" eine entsprechende Verletzung erlitten hat, ergibt sich des Weiteren aus den von der Kammer in Augenschein genommenen, tatzeitnah gefertigten Lichtbildern seiner Verletzung sowie dem ebenfalls in Augenschein genommenen aktuellen Zustand seines Gesichts, an dem eine deutlich sichtbare Narbe im Bereich der rechten Wange wahrzunehmen war. Diese steht ohne weiteres zwanglos im Einklang mit dem von dem Zeugen beschriebenen Einsatz eines Teppichmessers.

Weiterhin haben die Zeugen POK "......" und POK "......" übereinstimmend, detailliert und widerspruchsfrei erinnert, dass der sichtbar verletzte Zeuge "......", den sie korrespondierend als aufgebracht und aufgeregt beschrieben, davon berichtet habe, gerade verletzt und beraubt worden zu sein. Den Täter habe er unmittelbar namentlich benannt und kurz darauf anhand eines aus der Einwohnermeldeamtsdatei ermittelten Lichtbildes auch wiedererkannt. Er habe dann seine Tatschilderung gegenüber dem Zeugen POK "......" gegenüber abgegeben, was sprachlich nicht immer einfach gewesen sei ohne Dolmetscher. Währenddessen habe der Zeuge POK "......" die Zeuginnen "......" und "......" befragt.

Die gleich zu Beginn von den Zeuginnen mitgeteilte Tatbeute von 300,00 Euro habe der Zeuge "......" dabei umgehend korrigiert, es habe sich "nur" um 30,00 Euro gehandelt.

Auch diese glaubhaften Schilderungen sprechen für den Wahrheitsgehalt der Angaben des Zeugen "......". Denn dieser war danach unmittelbar nach einem körperlichen Aufeinandertreffen nicht unerheblich verletzt und suchte von sich aus Hilfe bei Polizei und Passanten. In unmittelbarer zeitlicher Nähe zum Tatgeschehen benannte er den Angeklagten als Täter, war aber wiederum gleichzeitig darum bemüht, diesen nicht etwa zu Unrecht des Raubes von 300,00 Euro zu bezichtigen, was nach dem offensichtlichen sprachlichen Missverständnis der Zeuginnen "......" und "......" gegenüber dem Zeugen "......" ohne weiteres möglich gewesen wäre. Daran wird deutlich, dass ein besonderer Belastungseifer schon unmittelbar nach der Tat trotz der noch unbehandelten Verletzung nicht bestand.

Dass der Zeuge "......" quasi noch im Raubgeschehen zu Unrecht eine an diesem Geschehen unbeteiligte Person als Täter bezeichnet, hält die Kammer für ausgeschlossen.

Hierfür fehlt es bereits an einem erkennbaren Motiv. Wenngleich der Angeklagte behauptet, der Zeuge "......" schulde ihm vor dem Hintergrund angeblich längeren Zusammenlebens in seiner Wohnung einen erheblichen Geldbetrag von mehreren Tausend Euro, den er allerdings nicht näher aufschlüsseln und darlegen kann, so war aus Sicht des Zeugen "......", selbst das Zutreffen eines entsprechenden Zahlungsanspruchs des Angeklagten unterstellt, bereits im Tatzeitpunkt erkennbar, dass auch eine falsche strafrechtliche Beschuldigung ihn von dieser Zahlungsverpflichtung nicht würde befreien können.

Zudem spricht die Spontanität der Äußerung und die Konstanz, mit der der Zeuge "......" den Angeklagten seitdem in seiner förmlichen Zeugenvernehmung vom 24.11.2018, der Nachvernehmung vom 27.11.2018, über die die Zeugin KOK´in "......" detailliert berichtet hat, und gegenüber der Kammer in der Hauptverhandlung als den Täter bezeichnet hat, nachhaltig gegen eine Falschbelastung.

Zwar haben die Zeuginnen "......" und "......" übereinstimmend geschildert, sie hätten zunächst drei Personen in der Dunkelheit wahrgenommen und seien kurz darauf geräuschbedingt auf eine Rangelei vor dem Schmuckgeschäft gegenüber aufmerksam geworden, bei der eine weitere Person daneben gestanden hätte. Schließlich seien drei Personen Richtung "......" weggegangen. Demnach müsste eine weitere Person bei dem Konflikt zugegen gewesen sein, von der zumindest der Zeuge "......" in der Hauptverhandlung nicht mehr berichtet hat. Allerdings hatte der Zeuge "......" noch, wie der Zeuge KOK "......" auf Vorhalt der Kammer noch sicher erinnert hat, in seiner ersten förmlichen Zeugenvernehmung am 24.11.2018 davon berichtet, dass bei dem Raub eine weitere, ihm unbekannte männliche Person zugegen gewesen sei, die sich nicht eingemischt habe.

Diese tatzeitnah abgegebene Schilderung des Zeugen "......" bestätigt wiederum die Wahrnehmungen der Zeuginnen "......" und "......", lässt es aber bereits unwahrscheinlich erscheinen, dass der Zeuge aus Kalkül den Angeklagten zu Unrecht beschuldigt hat um den wahren Täter zu schützen. Denn in diesem Fall wäre es naheliegend gewesen, eine weitere Person am Tatort schlicht zu verschweigen.

Soweit die Verteidigung als möglichen anderen Täter den Zeugen "......" erwähnt und darauf verwiesen hat, dass dieser, wie aus der verlesenen Anklage gegen "......" vom 19.05.2020 folgt, eine körperliche Auseinandersetzung mit dem Zeugen "......" hatte, ergibt sich hieraus kein nachvollziehbares Falschaussagemotiv des Zeugen "......". Denn diese Argumentation verkennt, dass der dem Anklagevorwurf gegen "......" zugrundeliegende Sachverhalt sich im Januar 2020 ereignet haben soll und somit jedenfalls unmittelbar keinen Einfluss auf die Aussage des Zeugen "......" im November 2018 gehabt haben kann.

Darüber hinaus hat auch der Zeuge "......" selbst unumwunden von seinem Aufeinandertreffen mit dem Angeklagtem und dem Zeugen "......" an der Haltestelle am "......" berichtet. Beide hätten offensichtlich gestritten. Der Angeklagte habe offenbar Geld verlangt und sich auf Schulden "......"s berufen, die daher rührten, dass dieser bei ihm gewohnt habe. Der Angeklagte, von dem er wisse, dass er Drogen nehme, sei zornig gewesen. Schließlich seien beide von der Haltestelle weg nach unter über den "......" gegangen. Er sei in Eile gewesen, sei den Streitenden nicht gefolgt und habe auch nicht gesehen, was passiert sei.

Anlass an dieser schlüssigen und widerspruchsfreien Schilderung zu zweifeln besteht nicht, zumal der Zeuge "......" denselben Grund für den Konflikt zwischen "......" und dem Angeklagten benennt, wie diese beiden auch. Überdies hat nicht einmal der Angeklagte selbst behauptet, er habe den Zeugen "......" abseits der Haltestelle bei dem Zeugen "......" gesehen.

Weiterhin sprechen auch das von der Zeugin KOK´in "......" geschilderte Aussageverhalten und die sich im Rahmen der Vernehmung vom 15.03.2019 zeigenden vegetativen Veränderungen des Angeklagten indiziell eher dafür, dass der Angeklagte keine wahrheitsgemäßen Angaben gemacht hat, was im Übrigen hinsichtlich des sein Konsumverhalten betreffenden Teils der Vernehmung der Angeklagte schließlich auch gegenüber der Kammer so eingeräumt hat. Insofern hat er ausdrücklich behauptet, in der Zeugenvernehmung aus Scham die Unwahrheit hinsichtlich vorangegangenen Drogenkonsums gesagt zu haben. Die Zeugin KOK’in "......" hat insofern detailliert erinnert, dass der Angeklagte zunächst wenig konkrete Angaben zum Tattag, den 24.11.2018 gemacht und erst auf Nachhaken nach und nach genauer beschrieben habe. Bei der Beschreibung des Aufeinandertreffens "......" und der Verlagerung zum "......" habe dann auffällig starkes Schwitzen eingesetzt, für das sie keine nachvollziehbare Erklärung gehabt habe. Diese Auffälligkeiten lassen sich zwanglos auf den Versuch, Angaben zum eigenen Fehlverhalten zu vermeiden und auf das Bewusstsein zurückführen, in schwieriger Lage gegenüber der Polizei falsche Angaben zu machen.

Letztlich ohne ausschlaggebende Relevanz ist die Frage, ob der Angeklagte gegen den Zeugen "......" einen Zahlungsanspruch hatte, wie er behauptet, weil selbst ein vermeintlicher Zahlungsanspruch das festgestellte Verhalten des Angeklagten nicht hätte rechtfertigen können.

Entsprechend von untergeordneter Bedeutung ist demnach zur Überzeugung der Kammer der Umstand, dass der Zeuge "......" tatsächlich zeitweise bei dem Angeklagten gewohnt hat, was die glaubhaften Schilderungen der Zeugen "......" und "......" nahelegen, die jeweils geschildert haben, dass sie bei unterschiedlichen Gelegenheiten den Zeugen "......" bei dem Angeklagten in der Wohnung gesehen hätten. So hat der Zeuge "......" detailliert und ohne erkennbares Interesse am Verfahrensausgang beschrieben, dass er in derselben Unterkunft wie der Angeklagte auf demselben Gang eine Wohnung habe und in diesem Zusammenhang häufig den Zeugen "......" getroffen habe. Dieser sei mit dem Angeklagten befreundet gewesen und habe häufig bei diesem übernachtet, weil man so einfacher zur gemeinsamen Arbeit gekommen sei. Bei zwei oder drei Gelegenheiten habe der Zeuge "......" sogar bei ihm übernachtet, als der Angeklagte nicht da gewesen sei. Von Geldproblemen habe er aber seinerzeit nichts mitbekommen, erst vor kurzem habe ihm der Angeklagte von hohen Schulden erzählt. Der Zeuge "......" hat sich glaubhaft erinnert, dass er den Zeugen "......" eine Zeit lang häufig auf dem Gang oder in der Wohnung des Angeklagten gesehen habe, dessen Nachbar er sei und bei dem er ein und ausgehe. Er habe den Zeugen "......" auch häufig abends in der Wohnung gesehen und gehe daher davon aus, dass dieser dort eine Zeit lang übernachtet habe. Die beiden seien Freunde gewesen. Dass "......" Geld geschuldet habe, habe er selbst nicht mitbekommen, wohl aber dass der Angeklagte dies vor kurzem ihm gegenüber behauptet habe. Er wisse auch, dass der Angeklagte und "......" Drogen gekauft hätten, er habe teilweise etwas abbekommen. Zum Teil habe er auch mitbekommen, dass der Angeklagte die Drogen bezahlt habe. Häufiger sei der Angeklagte auch bei ihm gewesen und habe um Geld gebeten, da er pleite gewesen sei. Er habe ihm aber nichts gegeben. "......" habe bei ihm keine Schulden und nie um Geld gebeten. Weiterhin erinnere er einen Vorfall, als er den Angeklagten zu einem Handyanbieter begleitet habe. Da habe der Angeklagte einen Mobilfunkvertrag abgeschlossen und danach ein Handy erhalten. Direkt darauf habe der Angeklagte das Handy in seiner Gegenwart bei einem Dealer gegen Drogen eingetauscht.

An diesen korrespondierenden und authentischen Schilderungen wird deutlich, dass entsprechend der Schilderung des Angeklagten dieser den Zeugen "......" wenigstens vorübergehend beherbergt und auch Drogen mit ihm konsumiert hat, dass aber der Angeklagte offenbar selbst überall bereit war Schulden zu machen, um Drogen finanzieren zu können. Vor diesem Hintergrund erscheint es ausgeschlossen, dass der Angeklagte dem Zeugen "......" größere Geldbeträge zugewandt oder dessen Lebenswandel finanziert hat, wie er selbst behauptet. Vielmehr fügt sich auch das von dem Zeugen "......" beschriebene Bild des stets um Geld nachsuchenden Angeklagten nahtlos in die Feststellungen zur Tat.

Über die Angaben des Angeklagten selbst hinaus haben sich indes Anhaltspunkte, die es nahelegten, dass der Zeuge "......" tatsächlich Schulden bei dem Angeklagten hatte, nicht ergeben. Aus Sicht des Zeugen "......" bestand seinerzeit auch gar kein Bedarf, sich für die Lebenshaltung bei dem Angeklagten zu verschulden, da er selbst über eine Mietwohnung und regelmäßige Erwerbseinkünfte verfügt hat. Entsprechend ist der Zeuge "......", wie entsprechende Ermittlungen der Zeugin KOK´in "......" ergaben, auch weder der Hausverwaltung im Hause, in dem der Angeklagte wohnt, noch den Vermietern aufgefallen oder bekannt, obgleich diese selbst in unmittelbarer Nähe wohnen bzw. arbeiten. Auch dies spricht nachhaltig gegen die Darstellung des Angeklagten, dass der Zeuge "......" wochenlang bei ihm ein- und ausgegangen sein soll.

Entsprechend ist die Kammer nicht davon überzeugt, dass der Zeuge "......" dem Angeklagten aus wochenlangem Wohnen eine größere Summe schuldete. Demgegenüber hat die Kammer an verschiedenen Punkten festgestellt, dass tatsächlich der Angeklagte regelmäßig Geld benötigte, wie sich daran zeigt, dass ihn der Zeuge "......" aus dem Gefängnis auslösen musste oder daran, dass er wiederholt versucht hat, sich bei dem Zeugen "......" Geld für Drogen zu leihen.

Während somit in der gebotenen Gesamtschau nicht erkennbar ist, weshalb der Angeklagte zu Unrecht durch den Zeugen "......" beschuldigt werden sollte, fügt sich demgegenüber die Annahme, der Zeuge "......" schildere wahrheitsgetreu, nahtlos in die übrigen Feststellungen ein, nach denen es sich bei dem Angeklagten um einen hochgradig Suchtkranken handelte, der im Tatzeitpunkt dringend Geld für neue Drogen suchte, sich bittend an seinen ehemaligen Freund "......" wendete und von diesem abgewiesen wurde. Angesichts der fortgeschrittenen Tageszeit und des schon zurückliegenden letzten Drogenkonsums erscheint es zumindest nachvollziehbar, dass der wegen Ereignissen in der Vergangenheit ohnehin schon über den Zeugen "......" verärgerte Angeklagte aus Angst vor Entzugserscheinungen und mangels anderer Möglichkeiten, zeitnah an Geld zu kommen, kurzerhand bei der sich aus seiner Sicht bietenden Gelegenheit den Zeugen "......" verletzt und beraubt hat, zumal er selbst gegenüber dem Sachverständigen geschildert hat, wütend zu werden, wenn ihm auf Bitten kein Geld geliehen werde, das er für Drogenbeschaffung brauche.

Dem steht insbesondere auch nicht entgegen, dass der Angeklagte nach Angaben des Zeugen "......" um Geld zum Auslösen seines Mobiltelefons gebeten haben soll. Angesichts des schon vor der Tat nach übereinstimmender Schilderung des Angeklagten wie des Zeugen "......" abgekühlten Verhältnisses, konnte der Angeklagte nicht ernsthaft erwarten, dass ihm "......" Geld leihen würden, wenn er

offen angekündigt hätte, es für Drogen zu brauchen. Insofern ist es naheliegend, dass er versuchte, das benötigte Geld unter einem Vorwand zu erlangen, so dass ohne weiteres der angebliche Verwendungszweck mit der tatsächlich beabsichtigten Verwendung zur Drogenbeschaffung vereinbar wäre.

Bei den divergierenden Angaben zu den Tateinzelheiten legt die Kammer jeweils die tatzeitnah gemachten Angaben (etwa zum Ergreifen mit dem linken Arm und dem Durchsuchen mit rechts) ihren Feststellungen zu Grunde, weil diese spontanen Äußerungen die geringste Wahrscheinlichkeit eines Irrtums in sich bergen und darüber hinaus etwa hinsichtlich des Verfolgens des Streifenwagens, den der Zeuge "......" in der Hauptverhandlung nicht mehr erinnert hat, bereits feststeht, dass die aktuellen Angaben in Details nicht durchgängig verlässlich sind.

Die Feststellungen zu den Wohnorten des Zeugen "......" beruhen auf der verlesenen Auskunft des Einwohnermeldeamts vom 12.06.2020.

Soweit die Kammer festgestellt hat, dass der Angeklagte durch den Zeugen "......" aus der Vollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 300,00 Euro in der Justizvollzugsanstalt "......" am 27.02.2018 durch Zahlung in Höhe von 250,00 Euro ausgelöst worden ist, beruht dies auf der verlesenen Quittung der Justizvollzugsanstalt "......" vom 27.02.2018 sowie der dazugehörigen Vollstreckungsübersicht und der Entlassungsmitteilung der Justizvollzugsanstalt vom gleichen Tag.

Letztlich ebenfalls ohne Belang für die Feststellungen zur Tat ist der Umstand, dass der Angeklagte und der Zeuge "......" einen angeblich Tage vor der Tat stattgefundenen weiteren, ebenfalls um Geld ausgetragenen Konflikt wiederum divergierend geschildert haben, wobei sich die Schilderung des Zeugen "......" nicht anhand der am angeblichen Auseinandersetzungsort (einem Geldautomatenraum der "......") gefertigten Überwachungskamerabilder objektivieren ließ.

Somit verkennt die Kammer nicht, dass der Zeuge "......" zu einzelnen Punkten falsche Angaben (Übernachtungen beim Angeklagten) gemacht oder ein wechselndes Einlassungsverhalten (Portemonnaie) gezeigt hat, was für sich gesehen nicht für die Glaubhaftigkeit seiner Angaben insgesamt spricht. Da diese falschen Angaben jedoch ersichtlich Nebenbereiche betreffen und gleichzeitig seine im Kerngeschehen konstanten Schilderungen u. a. durch die Angaben der Zeuginnen "......" und "......" sowie die erlittene Verletzung bestätigt werden und der Angeklagte selbst im Übrigen einen körperlichen Konflikt geschildert hat, ist die Kammer davon überzeugt, dass die Tat sich wie festgestellt ereignet hat.

Soweit die Kammer feststellt, dass der Angeklagte im Tatzeitpunkt nicht ausschließbar erheblich in seiner Steuerungsfähigkeit im Sinne des § 21 StGB beeinträchtigt war, im Übrigen aber mit erhaltener Einsichtsfähigkeit und nicht aufgehobener Steuerungsfähigkeit gehandelt hat, beruht dies auf dem mündlich erstatteten Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Dr. "......", Facharzt für Neurologie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Dieser hat überzeugend und nachvollziehbar Ausführungen zum Vorliegen der medizinischen Eingangsvoraussetzungen der §§ 20, 21 StGB, d.h. einer krankhaften seelischen Störung, einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung, des Schwachsinns aber auch einer schweren anderen seelischen Abartigkeit im Tatzeitpunkt gemacht.

Die entsprechende fachärztliche Beurteilung des Sachverständigen Dr. "......" beruht danach neben den Angaben des Angeklagten zu Biografie und Vorgeschehen sowie den Angaben von Zeugen zum Ablauf des Tatgeschehens neben einer umfassenden Krankheits- und Suchtanamnese auf den anhand einer umfassenden Exploration des Angeklagten gewonnen Erkenntnissen.

Dabei hat er überzeugend dargelegt, dass weder ein Anhalt für eine manifeste psychiatrische Erkrankung im Sinne einer endogenen oder exogenen, schizophrenen oder affektiven Psychose (Depression, Manie) noch für das Vorliegen eines affektiven Ausnahmezustands im Tatzeitpunkt gegeben sei, so dass eine verfestigte psychiatrische Krankheit, die als krankhafte seelische Störung anzusehen ist, ebenso sicher ausgeschlossen werden könne, wie das Vorliegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung.

Die intellektuelle Leistungsfähigkeit des Angeklagten sei, wie sie sich im Rahmen der Exploration dargestellt habe, anhand des biografischen Werdegangs, insbesondere im Hinblick auf den langjährigen Schulbesuch und die Ausübung verschiedener Berufstätigkeiten wenigstens auf einem unteren Durchschnittsniveau angesiedelt.

Weiterhin zeigten sich bei der lebensbiografischen Betrachtung der Persönlichkeitsentwicklung des Angeklagten keine Hinweise für Auffälligkeiten in der Persönlichkeitsentwicklung im Schweregrad einer "schweren anderen seelischen Abartigkeit".

Allerdings müsse unter Berücksichtigung der Angaben des Angeklagten zu seinem Drogenkonsum im Allgemeinen und zu Konsummengen im Tatzeitraum diagnostisch von einem "Abhängigkeitssyndrom durch Kokain [ICD-10: F 14.2]", einem "schädlichen Gebrauch von Alkohol [ICD-10: F 10.1]" sowie einem "Abhängigkeitssyndrom durch Opioide, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm (kontrollierte Abhängigkeit) [ICD-10: F 11.12]" ausgegangen werden.

Der Angeklagte habe für den Tatzeitraum keine akute Intoxikation beschrieben. Zwar habe er gegenüber der Polizei den Konsum einer Flasche Wodka und gegenüber dem erkennenden Gericht den Konsum einer halben Flasche Wein etwa zwei Stunden vor der Tat beschrieben, ebenso wie das Rauchen einer Plombe Kokain zu 0,15 Gramm. Hieraus ergebe sich aber kein Anhalt für eine akute Intoxikation zur Tatzeit. Zum einen handele es sich bei der als Crack gerauchten Menge Kokain um eine vergleichsweise geringe Menge und sei hinsichtlich Kokain, insbesondere bei der Applikationsform Rauchen und der Zubereitung als Crack, bekannt, dass die Wirkung des Wirkstoffs sehr schnell innerhalb weniger Minuten wirke, aber auch sehr schnell wieder abklinge. Die Halbwertszeit bei Kokain liege zwischen 30 und 90 Minuten, so dass ein Einfluss des nach eigenen Angaben zwei Stunden zuvor konsumierten Kokains zur Tatzeit sicher auszuschließen sei.

Weiterhin sei auch eine schuldrelevante Beeinträchtigung im Hinblick auf den geschilderten vorangegangenen Konsum von Alkohol nicht gegeben. Insofern fehle es bereits, wie eine Berechnung der Blutalkoholkonzentration anhand der angeblich konsumierten Mengen reinen Alkohols ergebe, bei einer maximalen Konzentration von 0,62 Promille selbst unter Außerachtlassung des bis zur Tat eingetretenen Alkoholabbaus an einer Intoxikation im erforderlichen Schweregrad eines schweren Rauschs. Hierfür lägen nach den Angaben des Angeklagten selbst, der sich als alkoholgewöhnt beschreibe, wie auch der übrigen Zeugen weiterhin auch keinerlei sonstige Anhaltspunkte etwa in Form typischer Ausfallserscheinungen im Bereich der Sprache, Koordination oder Motorik vor, die eine intoxikationsbedingte erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit auch nur nahelegten.

Gleichwohl könne hinsichtlich der von dem Angeklagten geschilderten Konsumengen und der langjährigen, chronischen Abhängigkeitserkrankung, die sich als eine Suchterkrankung in Phase 4 nach Nedopil darstelle, und weiterhin aufgrund der durch den Angeklagten authentisch beschriebenen Entzugserfahrungen nicht sicher ausgeschlossen werden, dass bei dem Angeklagten im Tatzeitpunkt eine handlungsleitende Furcht vor Entzugserscheinungen mit der Folge einer erheblichen Verminderung der Steuerungsfähigkeit vorgelegen habe. Der Angeklagte selbst habe entsprechende Erfahrungen als äußerst negativ erlebt und große Angst vor Entzug geschildert, was angesichts des Schweregrads seiner Abhängigkeitserkrankung fachärztlich nachvollzogen werden könne. Zudem sei sein Streben nach Drogen offenkundig bereits so ausgeprägt gewesen (sog. "Craving"), dass er sich bereitgefunden habe, für die Beschaffung nur einer kleinen Plombe Kokain sein Mobiltelefon einzulösen. Vor diesem Hintergrund könne eine relevante Herabsetzung von Hemmmechanismen und damit einhergehend eine erhebliche Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit im Tatzeitpunkt nicht, wohl aber eine vollständige Aufhebung der Steuerungsfähigkeit ausgeschlossen werden, wie sich aus dem nach außen zielgerichtet erscheinenden Verhalten bei erhaltener psychosozialer Leistungsfähigkeit ergebe.

Gleichzeitig lasse sich aus der Einlassung des Angeklagten eine vollständige, unbeeinträchtigte Wahrnehmung und Erinnerung erkennen, sowie ein - aus dem Suchtdruck erklärbares - zielgerichtetes, sinnvolles und überlegtes Handeln, mit der Folge, dass sich danach Anhaltspunkte für eine Aufhebung der Einsichtsfähigkeit nicht ergäben.

Im Ergebnis ist der Einschätzung des Sachverständigen Dr. "......" zu folgen. Der Sachverständige hat sein Gutachten klar und verständlich gestaltet. Er ist von zutreffenden tatsächlichen Voraussetzungen ausgegangen. Seine Ausführungen, die die Kammer anhand der im Rahmen der Gutachtenerstattung gewonnenen eigenen Sachkunde nachvollzogen und kritisch überprüft hat, haben keine Widersprüche und keine Verstöße gegen die Denkgesetze enthalten. Sie sind für alle Mitglieder der Kammer mühelos nachvollziehbar gewesen. Der psychiatrische Sachverständige verfügt über profunde Sachkenntnisse und ist der Kammer aufgrund von ihm in anderen Strafverfahren erstatteten Sachverständigengutachten als erfahrener und sorgfältig arbeitender Sachverständiger bekannt.

Im Einklang mit den von der Kammer gewonnenen Eindrücken während der Hauptverhandlung und den getroffenen Feststellungen hinsichtlich des Vorgeschehens und Tatgeschehens hat er eine überzeugende diagnostische Einordnung der Persönlichkeit des Angeklagten und des in der Tatsituation empfundenen, handlungsleitenden Suchtdrucks dargelegt und dabei auch die verschiedenen Zeugenaussagen und die Einlassung des Angeklagten, aus denen Rückschlüsse auf die Befindlichkeit des Angeklagten im Tatzeitpunkt gezogen werden konnten, berücksichtigt.

Die Kammer hat sich mit den Ausführungen des Sachverständigen und mit den von ihm gefundenen Ergebnissen auseinandergesetzt und trägt nach eingehender Prüfung anhand der danach gewonnenen eigenen Sachkunde daher keine Bedenken, sich ihnen anzuschließen und sie sich zu eigen zu machen.

IV

Nach dem zu Ziffer II festgestellten Sachverhalt hat sich der Angeklagte wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung gemäß §§ 223 Abs.1, 224 Abs. 1 Nr. 2 2. Alt., 249 Abs. 1, 250 Abs. 2 Nr. 1 2. Alt., 21, 52 StGB schuldig gemacht.

V

Ausgangspunkt für die Bemessung der Strafe gegen den Angeklagten ist wegen § 52 Abs. 2 StGB die höhere Strafandrohung aus § 250 Abs. 2 StGB, welcher einen Strafrahmen von fünf Jahren bis fünfzehn Jahren eröffnet.

Die Kammer nimmt aufgrund des Gesamtbildes der Tat einen minder schweren Fall gemäß § 250 Abs. 3 StGB an, sodass auf Freiheitsstrafe zwischen einem Jahr und zehn Jahren zu erkennen ist.

Ein minder schwerer Fall liegt dann vor, wenn das gesamte Tatbild einschließlich aller subjektiven Momente und der Persönlichkeit des Angeklagten vom Durchschnitt der erfahrungsgemäß gewöhnlich vorkommenden Fälle in einem solchen Maße abweicht, dass die Anwendung des Ausnahmestrafrahmens geboten erscheint. Bei dieser Gesamtwürdigung sind alle Umstände heranzuziehen, die für die Wertung von Tat und Täterpersönlichkeit in Betracht kommen, gleich ob sie der Tat selbst innewohnen, sie begleiten, ihr vorausgehen oder nachfolgen. Dabei müssen auch die Persönlichkeit des Täters, sein Gesamtverhalten, seine Tatmotive und die seine Tat begleitenden Umstände gewürdigt werden. Auf der Basis dieser Vorgaben erscheint die Anwendung des Regelstrafrahmens bei Abwägung aller Umstände, die für die Bewertung von Tat und Täter von Belang sind, als angemessen, weil das Ausmaß des vom Angeklagten begangenen Unrechts sowie seines Verschuldens deutlich vom Durchschnitt abweicht, der erfahrungsgemäß bei Erfüllung des Tatbestandes des § 250 Abs. 1 StGB vorkommt und der innerhalb dieses Ausnahmestrafrahmens vorausgesetzt ist. Dabei sind für die Kammer insbesondere folgende Gesichtspunkte maßgebend und bestimmend:

Zugunsten des Angeklagten berücksichtigt die Kammer die von Anfang an erkennbar geringe Beuteerwartung sowie die mit gerade 30,00 Euro erzielte geringe Beute.

Weiterhin berücksichtigt die Kammer zu seinen Gunsten, dass die Tat auf einen spontanen Entschluss zurückging und nicht geplant war.

Demgegenüber sprechen gegen den Angeklagten in erster Linie der Umstand, dass er sein Opfer im öffentlichen Raum gewaltsam angegangen hat, was bereits für sich eine gesteigerte kriminelle Energie erkennen lässt, sowie weiterhin die durch die vorsätzlich begangene Tat verursachten ganz erheblichen Tatfolgen für den Geschädigten, der sein weiteres Leben durch eine deutlich sichtbare Narbe im Gesicht gezeichnet sein wird, die ihm auch über die optischen Einschränkungen hinaus bei alltäglichen Erledigungen wie Rasieren Probleme bereitet.

Weiterhin weist der Angeklagte mehrere, wenn auch nicht gravierende oder einschlägige Vorstrafen auf und befand sich sogar bereits in Haft, was ihn nicht einmal in Summe von der Begehung einer weiteren, ganz erheblichen Straftat abzuhalten vermochte.

Angesichts dieser schwer wiegenden Gesichtspunkte erachtet die Kammer die Annahme eines minder schweren Falls ohne Einbezug des vertypten Milderungsgrundes aus § 21 StGB als unangemessen. Erst aus der Gesamtschau aller Aspekte unter Einbezug der Milderung wegen nicht ausschließbar erheblicher Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit gemäß § 21 StGB überwiegen die zugunsten des Angeklagten sprechenden Gesichtspunkte derart, dass dem Gebot einer schuldangemessenen Strafe nur durch die Annahme eines minder schweren Falls ausreichend Rechnung getragen werden kann. Entsprechend bringt die Kammer letztlich einen korrigierten Strafrahmen von einem Jahr bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe zur Anwendung.

Die demgegenüber alternative Anwendung des gemäß §§ 21, 49 Abs. 1 StGB korrigierten Strafrahmens aus § 250 Abs. 2 StGB scheidet mit Blick auf das Günstigkeitsprinzip vor dem Hintergrund des gegenüber dem Ausnahmestrafrahmen aus § 250 Abs. 3 StGB in Ober- und Untergrenze dem Angeklagten ungünstigeren, weil von zwei Jahren bis zu elf Jahren drei Monaten Freiheitsstrafe reichenden Rahmen vorliegend aus.

Ebenso sieht die Klammer von einer weiteren Strafrahmenverschiebung nach § 21 StGB i.V.m. § 49 Abs. 1 StGB ab, weil dieser vertypte Milderungsgrund bereits zur Begründung des minder schweren Falles herangezogen wird, § 50 StGB.

Unter Zugrundelegung des genannten Strafrahmens und unter Berücksichtigung aller für und gegen den Angeklagten sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkte erscheint der Kammer eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten als tat- und schuldangemessen.

Dabei würdigt die Kammer auch die vorstehenden Gesichtspunkte, die im Zusammenhang mit der Erörterung eines minder schweren Falls gemäß § 250 Abs. 3 StGB von Bedeutung waren, erneut, wobei allerdings den jeweils für eine Anwendung des Ausnahmestrafrahmens sprechenden Umständen nur noch ein minderes Gewicht beigemessen wird. So wirken sich die zur Annahme eines minder schweren Falles führenden Umstände zwar auch bei der konkreten Strafzumessung zugunsten des Angeklagten aus. Jedoch kommt ihnen hierbei nur noch eine geringere Bedeutung zu, so dass zugleich den sich belastend auswirkenden Umständen hier ein entsprechend stärkeres Gewicht beizumessen ist.

Insofern müssen sich vor allem die mehrfachen Vorstrafen des Angeklagten sowie dessen Hafterfahrung strafschärfend auswirken. Demgegenüber wirken strafmildernd die geringe erzielte Tatbeute sowie der Umstand, dass der Angeklagte bei der Begehung der Tat nicht ausschließbar erheblich in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt war.

VI

Neben der verhängten Strafe ist die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt gemäß § 64 StGB anzuordnen, weil die jener Verurteilung zugrunde liegenden Taten einen symptomatischen Zusammenhang zur Suchterkrankung aufweisen und die übrigen Voraussetzungen für die Anordnung der Maßregel vorliegen.

Der Angeklagte hat nämlich den Hang, berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen, er wird wegen einer rechtswidrigen Tat, die auf seinen Hang zurückgeht, verurteilt. Weiterhin besteht im Hinblick auf die aus dem Hang resultierende Gefahr weiterer erheblicher Straftaten eine hinreichend konkrete Aussicht ihn durch die Behandlung in einer Entziehungsanstalt zu heilen oder eine erhebliche Zeit vor dem Rückfall in den Hang zu bewahren und von der Begehung erheblicher rechtswidriger Taten, die auf den Hang zurückgehen, abzuhalten.

Im Einzelnen:

Nach den getroffenen Feststellungen liegen, wie der Kammer durch den herangezogenen Sachverständigen Dr. "......" bestätigt worden ist, aus medizinischer Sicht die Voraussetzungen bei dem Angeklagten vor, bei denen die Kammer das Vorliegen eines Hangs, Drogen im Übermaß zu sich zu nehmen, bejaht. Er weist eine tief verwurzelte, ihn beherrschende Neigung auf, Rauschmittel, vor allem Kokain und Heroin, vereinzelt auch Alkohol und Benzodiazepine im Übermaß zu sich zu nehmen, und wird hierdurch auch in seiner Gesundheit, Arbeits- und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt.

Zur Überzeugung des Gerichts liegen nach den Ausführungen des Sachverständigen, die sich die Kammer nach eingehender Prüfung anhand der gewonnenen eigenen Sachkunde zu Eigen macht, bei dem Angeklagten sowohl behandlungsbedürftige wie behandlungsfähige Suchterkrankungen vor.

Die entsprechende Feststellung, dass das von dem Angeklagten selbst geschilderte, langjährig anhaltende Konsumverhalten als Suchterkrankungen in Form eines "Abhängigkeitssyndroms durch Kokain [ICD-10: F 14.2]", "Abhängigkeitssyndroms durch Opioide, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten Ersatzdrogenprogramm (kontrollierte Abhängigkeit) [ICD-10: F 11.22]" sowie ferner eines "schädlichen Gebrauchs von Alkohol [ICD-10: F 10.1]"zu werten ist, hat die Kammer insbesondere aufgrund der auch hierzu überzeugenden Darlegungen des psychiatrischen Sachverständigen Dr. "......" getroffen, der aufgrund seiner jahrelangen Tätigkeit als forensischer Psychiater, gerichtlich bestellter Sachverständiger und insbesondere auch als Oberarzt einer auf die Behandlung von Suchtkranken spezialisierten Einrichtung auch über die für diese Beurteilung erforderliche Erfahrung und Sachkunde verfügt.

Wie der Sachverständige Dr. "......" dargelegt hat, erfüllt das von dem Angeklagten beschriebene, seit dem 13. Lebensjahr praktizierte Konsumverhalten in medizinischer Hinsicht die Voraussetzungen einer süchtigen Abhängigkeitserkrankung. Die für diese Diagnose maßgeblichen Leitkriterien, nämlich ein in regelmäßigen Abständen hervortretendes Verlangen, Suchtmittel zu konsumieren, eine verminderte Kontrolle hinsichtlich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums sowie eine Toleranzentwicklung sind in der Person des Angeklagten sämtlich erfüllt.

Der Angeklagte konsumiert danach etwa seit dem Jahr 2002 Heroin und seit 2018 Kokain, d.h. mithin seit rund achtzehn Jahren harte Drogen (überwiegend Heroin, aber zeitweise auch Amphetamine, Medikamente und Alkohol, zuletzt überwiegend Kokain in Form von "Crack"). Zur Tatzeit konsumierte er täglich ein halbes Gramm Crack.

Die Schule hat er auch vor dem Hintergrund des Drogenkonsums abgebrochen, eine Ausbildung nicht absolviert und nach der Tat vom 24.11.2018 auch keine Erwerbstätigkeit mehr ausgeübt.

Seine Bemühungen um ein drogenfreies Leben, die der Sachverständige anhand der im "......" absolvierten Entzugsbehandlung sowie der seit 2017 durchgeführten Substitutionsbehandlung anschaulich beschrieben hat, sind jeweils ohne überdauernden Erfolg geblieben. Er hat nach seiner Behandlung im "......" wieder jahrelang Heroin und zuletzt Kokain regelmäßig konsumiert. Dabei hat er trotz der Gabe von Polamidon regelmäßig erheblichen Beikonsum mit Kokain betrieben. Zudem hat er sich im Jahr 2018 vorübergehend im Strafvollzug zur Verbüßung einer Ersatzfreiheitsstrafe befunden, die aus einer Verurteilung wegen einer im Zusammenhang mit seinem Substanzkonsum stand. Zudem hat er wiederholt Entzüge von Opiaten erlebt. Gleichwohl ist er danach jeweils zeitnah wieder rückfällig geworden. Nach allem ergibt sich auch anhand der eigenen Angaben des Angeklagten das Vorliegen einer Drogenabhängigkeitserkrankung in Gestalt einer Abhängigkeit von Heroin und von Kokain, wobei die Abhängigkeit von Heroin zur Tatzeit im Hinblick auf die Substitutionsbehandlung abstinent bestand.

Der erforderliche symptomatische Zusammenhang zwischen Anlassdelikt und Suchterkrankung ergibt sich ohne weiteres aus dem Vorliegen einer nicht ausschließbaren erheblichen Beeinträchtigung von Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit aufgrund seiner ihn leitenden Angst vor möglichen Entzugssymptomen. Danach diente die Begehung der Tat der Finanzierung und Beschaffung neuer Drogen. Dieses Verhalten hat der Sachverständige überzeugend als suchttypisches Verhalten, sog. "Craving" beschrieben.

Infolge seines danach gegebenen Hangs besteht die Gefahr, dass der Angeklagte auch künftig wieder erhebliche Straftaten zur Finanzierung seiner Sucht begehen wird. Zum einen hat der Angeklagte im Rahmen seiner abgeurteilten Delinquenz eine nicht unerhebliche, in einem symptomatischen Zusammenhang zu seiner Suchterkrankung stehende Straftat begangen, indem er nicht nur unter Gewalteinsatz einen Raub beging, sondern dabei zudem auch das Cuttermesser als Drohmittel und zur Verletzung seines Tatopfers eingesetzt und so eine Mindeststrafe von fünf Jahren verwirkt hat.

Ferner steht mit Blick auf seine bisherige Suchtbiografie, wie der Sachverständige überzeugend dargelegt hat, ohne zureichende Behandlung des Angeklagten auch für die Zukunft zu befürchten, dass es zu mit dem abgeurteilten Vorkommnis vergleichbaren Straftaten des Angeklagten wieder kommen wird.

Mit dem Sachverständigen geht die Kammer davon aus, dass bei einer aufgearbeitet fortbestehenden Abhängigkeitserkrankung sich auch weiterhin für den Angeklagten die Frage nach der Beschaffung von Kokain stellen wird. Mangels ausreichenden Einkommens werden ihm insofern auch zukünftig ausschließlich delinquente Beschaffungsmöglichkeiten offenstehen, etwa wie auch schon bei der gegenständlichen Tat durch Eigentumsdelikte. Dabei kann nicht unberücksichtigt bleiben, dass die inkriminierte Tat eine deutliche Steigerung des zuvor gezeigten Beschaffungsverhaltens darstellt, was wiederum die durch den Sachverständigen beschriebene Erfahrung belegt, dass der Abhängigkeitsdiagnose zunächst eine Toleranzentwicklung und somit regelmäßig immer höhere Intoxikationswirkungen nachfolgen, die wiederum immer stärkeren Einfluss auf Hemmmechanismen und die Steuerung des Angeklagten haben werden. Entsprechend wird der Angeklagte auch zukünftig ohne Behandlung, wie schon seine Delinquenzentwicklung in der Vergangenheit belegt, nicht in der Lage sein, sich dauerhaft in der erforderlichen Weise abstinent zu halten, um zukünftig vergleichbare Straftaten zu vermeiden.

Letztlich besteht zur Überzeugung des Gerichts unter Berücksichtigung bislang im Maßregelvollzug noch nicht unternommener Therapie- und Abstinenzbemühungen eine hinreichend konkrete Aussicht, den Angeklagten durch Behandlung in einer Entziehungsanstalt zu heilen oder eine erhebliche Zeit vor einem Rückfall in den Hang zu bewahren.

Für die Annahme einer entsprechenden Erfolgssausicht ist das Vorliegen einer auf Tatsachen begründeten Positivprognose erforderlich, nicht das bloße Fehlen einer Negativprognose. Dabei darf die Therapiebereitschaft und -fähigkeit des Verurteilten nicht als von vornherein gegeben unterstellt werden, vielmehr muss auf einer verlässlichen Tatsachengrundlage zur Überzeugung des Gerichts feststehen, dass der konkret Verurteilte nach seiner bisherigen Entwicklung, seiner physischen und psychischen Struktur und gegebenenfalls trotz seines kriminellen Hangs noch therapierbar ist.

Für das Prüfungsverfahren des Gerichts bedeutet diese gesetzliche Konstruktion, dass schon beim gänzlichen Fehlen von im Hinblick auf den Behandlungserfolg als positiv anzusehenden Indikatoren die Anordnung der Maßregel zu unterbleiben hat, nicht etwa erst dann, wenn bestimmte negative Indikatoren festgestellt werden.

Hierzu hat der Sachverständige Dr. "......" überzeugend dargelegt, dass für das Bestehen von Erfolgsaussichten die ersichtlich gegebenen positiven Voraussetzungen einer erfolgreichen Therapie wie eine jedenfalls nicht gänzlich unzureichende Intelligenz sowie seine auf Nachfrage bejahte Therapiemotivation, Krankheitseinsicht und Veränderungsbereitschaft sprechen.

Seine Motivation und Veränderungsbereitschaft werde auch durch die aus eigener Initiative begonnene und zwischenzeitlich über Jahre praktizierte Substitutionsbehandlung belegt. Weiterhin bestehen derzeit zudem keine signifikanten Negativanzeichen wie etwa eine nicht mehr behandelbare Persönlichkeitsstörung oder andere psychische Erkrankungen.

Hinzu komme, dass der Angeklagte bislang - mit Ausnahme einer Jahre zurückliegenden Entzugsbehandlung im "......" - keinerlei längere Versuche einer stationären Entwöhnungsbehandlung unternommen hat. Dass er vor diesem Hintergrund nach knapp zwei Jahrzehnten Drogenkonsum und Abhängigkeit bei einem erstmaligen Therapieversuch in einer Entziehungsanstalt seine Abhängigkeitserkrankung im Maßregelvollzug erfolgreich wird bewältigen können, hielt der Sachverständige daher für nicht fernliegend. Im Einklang mit den entsprechenden sachverständigen Ausführungen besteht daher zur Überzeugung der Kammer derzeit mit der erforderlichen Sicherheit eine konkrete Aussicht, dass der Angeklagte im Ergebnis erfolgreich innerhalb einer Maßregel gemäß § 64 StGB sein missbräuchliches Verhalten aufarbeiten wird, zumal der Angeklagte auf Nachfrage seine Behandlungsbereitschaft und Therapiemotivation ausdrücklich bejaht hat.

Da die Therapiedauer - wie der Sachverständige Dr. "......" auf Nachfrage dargelegt hat - auf voraussichtlich zwei Jahre veranschlagt werden muss, kommt vorliegend die Anordnung von Vorwegvollzug gemäß § 67 Abs. 2 StGB nicht in Betracht. Ebenso wenig sind medizinische Gründe für einen Vorwegvollzug eines Teils der Freiheitsstrafe nach der vom Gericht geteilten Einschätzung des Sachverständigen gegeben.

VII

Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 464, 465 Abs. 1, 472 Abs. 1 StPO.