LG Krefeld, Urteil vom 03.04.2020 - 22 KLs 57/19
Fundstelle
openJur 2020, 73854
  • Rkr:
  • AmtlSlg:
  • PM:
Tenor

Der Angeklagte wird wegen erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit besonders schwerem Raub, gefährlicher Körperverletzung und Computerbetrug in 2 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren verurteilt.

Im Übrigen wird der Angeklagte freigesprochen.

Der Angeklagte trägt im Umfang seiner Verurteilung die Kosten des Verfahrens und die ihm entstandenen notwendigen Auslagen. Soweit er freigesprochen wurde, werden die Kosten des Verfahrens und die ihm entstandenen notwendigen Auslagen der Staatskasse auferlegt.

Angewendete Vorschriften: §§ 239a Abs. 1, 249, 250 Abs. 2 Nr. 1, 223, 224 Abs. 1 Nr. 2, Nr. 4, 263a Abs. 1, 52 StGB

Gründe

I.

...

II.

1. Vortatgeschehen

Der aus Polen stammende Angeklagte betrieb eine Baufirma mit dem Namen "M". Der Angeklagte wurde von der Firma "O.", welche von dem Geschädigten O. N. geführt wird, beauftragt, das Wohnhaus B. x in L. zu sanieren.

Während der Sanierungsarbeiten wohnten der Angeklagte, sowie die weiteren zur Sanierung des Hauses dort tätigen Arbeiter in einer ebenfalls zu sanierenden Wohnung im ersten Obergeschoss dieses Hauses. Zur Tatzeit wohnten dort neben dem Angeklagten der W. I., U. C, sowie eine Person namens T., dessen Nachname den Geschädigten unbekannt war und im Rahmen der Hauptverhandlung nicht aufgeklärt werden konnte. Es ließ sich im Rahmen der Hauptverhandlung weiterhin nicht aufklären, ob T., W. I. und U.C. Angestellte oder Subunternehmer des Angeklagten oder des Geschädigten O. N. waren.

Auch die Geschädigten N. übernachteten gelegentlich in dem Mehrfamilienhaus B. x in L., wobei sie die Erdgeschosswohnung bezogen. Diese sich in einem ausgesprochen verwohnten und "vermüllten" Zustand befindliche Wohnung war so geschnitten, dass man nach Betreten der Wohnung zunächst durch ein kleines Badezimmer mit einer linksseitig gelegenen Dusche und einer rechtsseitig gelegenen Toilette und Waschbecken in einen Küchenraum und von diesem aus in ein sich anschließendes Wohnzimmer, das u.a. mit einer Couch und einem Bett ausgestattet war, gelangte. Hinter diesem Wohnzimmer schloss sich ein Schlafzimmer an. Im Hinblick auf die Einzelheiten der Beschaffenheit der Erdgeschosswohnung wird Bezug genommen auf die in Augenschein genommenen Lichtbilder der Wohnung Bl. 22-33 und Bl. 35-41 d.A. (§ 267 Abs. 1 S. 3 StPO).

Am Tattag, den 22. Februar 2018, konsumierte der 77 kg schwere Angeklagte im Zeitraum zwischen etwa 17:30 Uhr und 21:00 Uhr Alkohol. Nachdem sie zur üblichen Uhrzeit zwischen 17 Uhr und 18 Uhr Feierabend gemacht hatten, gingen T. und der Angeklagte einkaufen. Hierbei erwarben sie 2 Sixpacks Bier in Plastikflaschen. Eine Flasche umfasste 0,25 - 0,33 l. Darüber hinaus kauften die beiden eine Flasche Wodka mit einem Gesamtvolumen von 0,7 l oder 1 l. Als sie zurück in der Wohnung waren, trank der Angeklagte zunächst zwei Flaschen Bier. Anschließend konsumierte der Angeklagte zwei selbst gemixte Getränke. Hierbei wurden Gläser mit einem Füllvolumen von 200 ml verwendet, wobei lediglich eine Füllmenge von ca. 150 ml eingefüllt wurde. Etwa die Hälfte der Füllmenge bestand aus Wodka, während die andere Hälfte ein nicht alkoholisches Getränk war.

Anschließend kamen W. I. und U. C. hinzu. Es gab Essen und der Angeklagte konsumierte im Laufe des Abends bis 21:00 Uhr zwei weitere selbst gemixte Getränke mit dem oben beschriebenen Inhalt.

Am 22. Februar 2018 besuchte der Geschädigte O. N. (im Folgenden O. N.) in Begleitung seines Sohnes, des Geschädigten E. N. (im Folgenden E.- N.), die Baustelle B. x in L.. Am Abend des 22. Februar 2018 fand jedenfalls ein Gespräch zwischen den Geschädigten N. und dem Angeklagten in der Erdgeschosswohnung statt. Hierbei bemängelte N. O. die Ausführung der Arbeiten durch W. I., U. C. sowie T.. Das Gespräch verlief im Übrigen unauffällig und man verabschiedete sich freundlich. Der Angeklagte begab sich sodann in die Wohnung im ersten Obergeschoss zu den drei weiteren dort wohnenden Arbeitern und schilderte diesen den Verlauf des vorangegangenen Gesprächs.

Daraufhin fassten der Angeklagte sowie W. I., U. C. sowie T. gemeinsam den Tatplan, die Geschädigten N. in der Erdgeschosswohnung zu überfallen, sie zu schlagen und anschließend zu fesseln, um so die in der Erdgeschosswohnung befindlichen Wertgegenstände der Geschädigten an sich zu bringen. Zudem fasste der Angeklagte bereits zu diesem Zeitpunkt, jedenfalls und spätestens aber zu dem Zeitpunkt, als die Kreditkarte des Geschädigten O. N. gefunden wurde, den Entschluss, die Sorge des Geschädigten O. N. um das Wohl seines Sohnes dazu auszunutzen, O. N. zur Herausgabe der PIN zu seiner Firmenkreditkarte zu zwingen.

2. Tatgeschehen

Entsprechend diesem gemeinsamen Tatplan begaben sich der Angeklagte sowie T., W. I. und U. C. gegen 21 Uhr am 22. Februar 2018 gemeinsam zu der Wohnungstür der Erdgeschosswohnung B. x in L., in welcher sich die Geschädigten N. aufhielten. Dabei hielt T. plangemäß einen etwa 1 Meter lange Holzlatte in der Hand, mit der - wie dem Angeklagten bewusst war - die Geschädigten im Verlauf des Überfalles geschlagen werden sollten.

Als der Geschädigte O. N. die Wohnungstür nach Klopfen öffnete, schlug ihm T. unvermittelt mit der Holzlatte auf den Kopf, sodass O. N. eine stark blutende Platzwunde erlitt. Gemäß dem gemeinsamen Tatplan drangen die vier Personen anschließend in die Erdgeschosswohnung ein. E.. N. befand sich derweil in dem rückwärtig gelegenen Wohnzimmer auf dem dortigen Bett und war mit seinem Laptop beschäftigt. Während der Angeklagte sowie W. I. und U. C.in der Küche auf O. N. einschlugen und begannen diesen zu fesseln, begab sich T. in das Wohnzimmer, in welchem sich der Zeuge E. N. aufhielt. Als T. diesen angriff, kam es zu zwar zunächst nicht zu Schlägen des T. gegen E. N., wohl aber zu einer Rangelei, da sich der Zeuge E. N. zunächst heftig wehrte.

O. N. wurde in der Küche mit Klebeband an den Händen und Füßen gefesselt und auf einen Stuhl gesetzt. Sodann kam W. I. dem T. im Wohnzimmer bei der Rangelei mit E.. N. zur Hilfe, sodass sich ein kurzer Kampf entwickelte.

Der Angeklagte drohte sodann aus der Küche heraus dem E.. N. damit, seinen Vater O. N. erneut mit der Holzlatte auf den Kopf zu schlagen, wenn E.. N. seinen Widerstand nicht aufgebe. Aus Angst vor einer weiteren Verletzung seines Vaters ergab sich E. N. sodann. Er wurde von T. und W. I. im Wohnzimmer zu Boden gebracht und mit den Händen auf dem Rücken sowie an den Beinen gefesselt. Darüber hinaus verklebten T. und W. I. E. N. den Mund, entfernten allerdings diese Knebelung kurze Zeit später wieder.

Nachdem die Geschädigten N. gefesselt waren, durchsuchten W. I. und U. C. die Erdgeschosswohnung nach Wertsachen. Hierbei fanden die beiden eine Kreditkarte des E. N., ein IPhone 5 S, ein Samsung Galaxy Note 3, einen Laptop Asus G 500, sowie Bargeld in Höhe von 800 Euro. Von O. N. fanden W. I. und U. C. die Firmenkreditkarte, die Schlüssel zu dessen VW Touareg, ein Pavilion Notebook, ein Samsung Handy (Wert ca. 500 Euro), ein Vertu Handy (Neupreis: 16.000 Euro; 3-4 Jahre alt, ohne Beschädigungen), ein Hama Handy, eine Patek Philippe Uhr, sowie Bargeld in Höhe von 600 Euro. W. I. und U. C. legten alle gesammelten Wertsachen auf den Tisch der Küche, in der sich zu dieser Zeit auch der Angeklagte befand, um diese gemäß dem gemeinsamen Tatplan für sich und ihre Mittäter zu behalten. Alle vier Täter versammelten sich in der Küche und besprachen das weitere Vorgehen.

Daraufhin fragte der Angeklagte den Geschädigten O. N. nach der PIN seiner Firmenkreditkarte. Da sich O. N. zunächst weigerte, dem Angeklagten diese zu nennen, drohte der Angeklagte ihm damit, dass man seinen Sohn töten werde, falls die PIN nicht herausgegeben werde. Aus Angst vor dieser von O. N. ernst genommenen Drohung und Sorge um seinen Sohn nannte O. N. dem Angeklagten die PIN. Sodann berieten sich die vier Täter erneut, wer das Geld abheben sollte und wer derweilen die Geschädigten N. bewache.

Anschließend verließen zwei der vier Täter die Wohnung, um zur Bank zu fahren und dort mit der Firmenkreditkarte des O. N. Geld abzuheben. Nicht mehr aufklärbar war im Rahmen der Hauptverhandlung, ob U. C. und der Angeklagte oder U. C. und W. I. bei dieser ersten Gelegenheit die Wohnung verließen. Während der Abwesenheit der übrigen beiden Täter schlug jedenfalls T. den O. N. mehrfach mit der Faust. Bereits nach kurzer Zeit kamen U. C. und der weitere Täter von der Bank zurück und beschwerten sich, dass sie lediglich 500 Euro hätten abheben können. Die bereits erlangten 500 Euro wollten die vier Täter für sich behalten. Daraufhin verließen U. C. und W. I. die Wohnung erneut, um an einem weiteren Bankautomaten zu versuchen, mehr Geld abzuheben. U. C. betätige um 22:26 Uhr und 22:29 Uhr den Geldautomaten der X Bank in der Filiale L-straße. Er hob insgesamt einen Betrag in Höhe von weiteren 400 Euro ab um diesen für sich und seine Mittäter zu behalten. Offen blieb, bei welcher Betätigung des Geldautomaten es zur Auszahlung kam. Während U. C. und W. I. abwesend waren, schlug der Angeklagte für etwa eine weitere halbe Stunde auf die Geschädigten N. mit den Fäusten ein. Den E. N. schlug er darüber hinaus heftig mit der Holzlatte und warf dreimal eine lose in der Wohnung stehende Zimmertüre auf den am Boden liegenden E. N.. Als der Angeklagte von T. an dem weiteren Werfen mit der Tür aufgrund des verursachten Lärms gehindert wurde, würgte er E. N. mit dem Ellenbogen, sodass diesem schwindelig wurde, er jedoch bei Bewusstsein blieb. Auch hierbei hielt T. den Angeklagten von weiteren Würgehandlungen ab. Während des gesamten Geschehens wurden beide Geschädigten N. mehrfach entsprechend dem gemeinsamen Tatplan mit dem Tod bedroht.

Anschließend verließ der Angeklagte für etwa zwei Stunden die Wohnung im Erdgeschoss. In dieser Zeit blieb T. mit den Geschädigten N. alleine in der Wohnung. Es kam zu keinen weiteren Schlägen durch T.. Allerdings drohte dieser den Geschädigten N. weiter damit, diese umzubringen. Da T. sich wunderte, wo die übrigen Mittäter und auch der Angeklagte blieben, verließ er für kurze Zeit ebenfalls die Erdgeschosswohnung. Dies nutzten die Geschädigten N., um sich zu beraten, wie sie aus dieser Situation herauskommen könnten. T. kehrte zwischenzeitlich noch einmal zurück, fertigte Fotos von dem verletzten O. N. und verließ die Wohnung dann erneut. Hinsichtlich dieser von T. gefertigten Fotos wird Bezug genommen auf die in Augenschein genommene Lichtbilder des gefesselten O. N. (Bl. 239/ 240 d.A.).

Als die Geschädigten N. sodann erneut in der Erdgeschosswohnung alleine waren, nutzten sie die Situation und schlossen - aufgrund der Fesselung unter erheblichem Kraftaufwand - die Wohnungstüre von innen. Nach einiger Zeit versuchte einer der Täter, die Tür von außen zu öffnen, um erneut in die Wohnung zu gelangen. Dies gelang aufgrund der von innen zugehaltenen bzw. verschlossenen Wohnungstür nicht. Daraufhin verkeilte der Täter die Wohnungstür von außen mit einem blauen schweren Gegenstand, um eine Flucht der Geschädigten N. aus der Wohnung zu verhindern. Um wen es sich bei dem Täter, der erneut versuchte, die Wohnung zu betreten, handelte, konnte im Rahmen der Hauptverhandlung nicht geklärt werden.

Den Geschädigten N. gelang es mit einem in der Wohnung befindlichen Messer die Fesseln zu lösen. Sie riefen sodann um Hilfe. E. N. fand das Handy von T. in der Wohnung und alarmierte mit diesem am Morgen des 23. Februar 2018 um 03:32 Uhr die Polizei. Diese traf kurze Zeit später am Tatort ein und fand die Geschädigten N. erheblich verletzt in der Erdgeschosswohnung vor.

Die Geschädigten N. fanden den VW Touareg am 26. Februar 2018 im Bereich des Flughafens L..

3. Folgen der Tat

Durch die Tat wurden die Geschädigten N. nicht unerheblich verletzt. Im N. Krankenhaus wurden bei dem Geschädigten E. N. eine Schwellung der rechten Gesichtshälfte sowie eine Prellung des Schädels festgestellt. Darüber hinaus ergeben sich aus den in Augenschein genommenen Lichtbildern (Bl. 42-45 d.A.), auf die hinsichtlich der Einzelheiten der Verletzungen gemäß § 267 Abs. 1 S. 3 StPO Bezug genommen wird, mehrere großflächige Hämatome insbesondere am Oberschenkel sowie im Bereich des Oberkörpers. Nach der Tat hatte E. N. über drei Monate bei der Bewegung starke Schmerzen im Bereich der Niere und musste sich diesbezüglich nach seiner Rückkehr nach Polen dort in einem Krankenhaus untersuchen lassen. Es wurde ein inneres Hämatom im Bereich der Niere festgestellt, welches jedoch mit der Zeit von selber folgenlos abheilte. Nach der Tat hatte E. N. für etwa zwei Wochen große Angst, dass die Täter ihn oder seine Familie in Polen nochmals überfallen könnten. Insbesondere die ersten drei Tage nach der Tat litt E. N. unter starken Angstzuständen.

Auch O. N. wurde bei der Tat erheblich verletzt. Im N-Krankenhaus wurden bei diesem multiple Gesichtsprellungen, eine Riss-Quetsch-Wunde im Kopfbereich sowie eine nicht signifikant dislozierte Nasenbeinfraktur festgestellt. Hinsichtlich seines Zustandes wird auf die in Augenschein genommenen Lichtbilder Bl. 33 , 34 d.A. gemäß § 267 Abs. 1 S. 3 StPO Bezug genommen. O. N. wurde für 24 Stunden zur Beobachtung stationär aufgenommen und sodann entlassen. An weiteren psychischen Folgen der Tat litt O. N. nicht.

4. Schuldfähigkeit

Die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten zum Zeitpunkt der Taten war weder aufgehoben noch erheblich im Sinne der §§ 20, 21 StGB eingeschränkt. Der Angeklagte war zum Tatzeitpunkt alkoholisiert. Seine aufgrund der Trinkmengenangaben berechnete Blutalkoholkonzentration lag zwischen zumindest 0,89 und höchstens 1,69 Promille, wobei ein Wert von 1,29 Promille wahrscheinlich ist. Die vorliegende Blutalkoholkonzentration führte auch unter Berücksichtigung des übrigen Verhaltens des Angeklagten nicht zur Annahme der Einschränkung oder Aufhebung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit. Der Angeklagte wies während der Tat einen unsicheren Gang sowie eine Alkoholfahne auf.

Der Angeklagte hat keinen Hang zum übermäßigen Konsum von Alkohol, welcher zumindest mitursächlich für die Begehung der Taten war.

III.

1.

Die Feststellungen zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten beruhen auf den in der Hauptverhandlung erfolgten Angaben des Sachverständigen zur Biographie des Angeklagten, welche er bei der Untersuchung des Angeklagten ermittelte und die der Angeklagte in der Hauptverhandlung als zutreffend bestätigt hat, den eigenen Angaben des Angeklagten und der verlesenen Auskunft des Bundeszentralregisters vom 29. Januar 2020 sowie dem verlesenen Strafbefehl des Amtsgerichts Q. vom 10. April 2018.

2.

Die Feststellungen zum Tatvorwurf beruhen auf der Einlassung des Angeklagten, soweit ihr gefolgt werden konnte, sowie den übrigen ausweislich des Protokolls der Hauptverhandlung erhobenen Beweisen.

Der Angeklagte hat sich wie folgt persönlich eingelassen:

Mit dem Zeugen O. N. habe er etwa seit Ende November/Dezember 2017 eine laufende Geschäftsbeziehung unterhalten. Im diesem Rahmen sei er von O. N. ordnungsgemäß bezahlt worden. Die anderen drei an dem Vorfall beteiligten Personen seien nicht seine Mitarbeiter gewesen, sondern von O. N. angeworben worden. Daher wisse er auch nicht, ob diese ordnungsgemäß bezahlt worden seien. In dem Haus B. x 4 in L. hätten jeweils ca. 6 - 7 Personen welche wöchentlich wechselten gearbeitet. Soweit er wisse, habe O. N. jeweils 3 - 4 Baustellen gleichzeitig in Deutschland betrieben.

Am 22. Februar 2018 habe er mit O. N. ein Gespräch in der Erdgeschosswohnung geführt. Hierbei habe dieser ihm mitgeteilt, dass er mit dem Angeklagten eine Vermittlungsgesellschaft für Sanierungsarbeiten gründen wolle. Hierbei habe der Angeklagte den Verdacht gehabt, dass O. N. die Gesellschaft benutzen wolle, um für diese tätige Ukrainer auszunutzen. Sein Verdacht habe sich dadurch erhärtet, dass N. N., welcher für die Bezahlung der Ukrainer zuständig gewesen sei, dem Angeklagten mitgeteilt habe, dass er die Ukrainer, die auf der Baustelle B. x in L. tätig seien, nicht bezahlen wolle, da diese schlechte Arbeit leisten würden. Sowohl T. als auch W. I. und U. C. hätten aus der Ukraine gestammt.

Im Anschluss an das Gespräch sei er nach oben in die Wohnung des ersten Obergeschosses gegangen und habe den anderen dreien mitgeteilt, dass er nunmehr gehört habe, dass der O. N. ihnen keinen Lohn zahlen wolle. Daher habe er ihnen geraten, das Haus zu verlassen, bevor sie weitere Arbeiten für O. N. ausführen und kein Geld erhalten würden. Zu diesem Zeitpunkt sei bereits Alkohol konsumiert worden. T. und der Angeklagte hätten hierbei mehr getrunken, einer von den anderen beiden, welcher könne er nicht mehr sagen, habe gar keinen Alkohol konsumiert. Die drei anderen seien dann oben in der Wohnung nervös herumgelaufen und hätten diskutiert, wie es weitergehen solle. Ihnen habe das Geld und eine Transportmöglichkeit gefehlt, um Deutschland zu verlassen.

Plötzlich seien die drei aus der Wohnung gegangen. Der Angeklagte sei allein oben verblieben und habe dann aus der Erdgeschosswohnung Geräusche und auch Schreie gehört. Daraufhin sei er runtergegangen und habe gesehen, dass O. N. bereits auf einem Stuhl gefesselt gewesen sei. Er habe die anderen sodann gefragt, was diese dort machen würden. Diese hätten ihm gegenüber angegeben, dass sie Geld benötigten um zu fliehen; sie hätten L. ohne Geld nicht verlassen wollen. Darüber hinaus hätten sie gegenüber dem Angeklagten gesagt, dass sie bereits die Papiere und Wertsachen der Zeugen N. eingesammelt hätten. Sie hätten insbesondere auch den Personalausweis des O. N.an sich genommen, da dieser ihnen gegenüber stets angegeben habe, aus Russland zu stammen und möglicherweise Kontakte zur Mafia zu unterhalten. Es habe sich dann aber ergeben, dass dieser aus Weißrussland stamme.

Der Angeklagte habe sodann gesehen, dass einer der drei Täter eine Holzlatte in der Hand gehalten habe. Hiermit habe dieser die Zeugen N. bedroht. Der Angeklagte habe die Holzlatte an sich genommen und gesagt, dass dies doch alles keinen Sinn habe. Die anderen drei hätten das jedoch auf ihre Weise regeln wollen. Daraufhin sei es zu einer Diskussion zwischen dem Angeklagten und den übrigen drei Arbeitern gekommen. Es habe eine Art Streit gegeben. Im Rahmen dessen sei der Angeklagte auch von den anderen dreien geschubst worden, wobei diese ihm vorgeworfen hätten, dass er sich mit O. N. verbündet habe, weil er - der Angeklagte - als einziger von O. N. angemessen bezahlt worden sei.

Der Angeklagte habe keine weitere Möglichkeit gesehen, die drei Täter von der weiteren Tatbegehung abzuhalten. Er habe daher die Wohnung verlassen wollen. In diesem Moment habe er gesehen, dass sein Drucker in der Erdgeschosswohnung gestanden habe. Diesen habe O. N. unberechtigt benutzt. Er habe daraufhin O. N. gepackt, geschüttelt und gefragt, warum er den Drucker unerlaubt genommen habe. Daraufhin habe O. N. geantwortet, dass sein Sohn den Drucker genommen habe. Dementsprechend habe er sodann den E. N. zur Rede gestellt, der angegeben habe, dass er den Drucker zum Ausdruck von Dokumenten auf Anweisung seines Vaters benötigt habe. Der Drucker sei jedoch defekt. Daraufhin sei er aufgebracht gewesen und habe sich erneut an O. N. gewandt und diesen gepackt. Er habe O. N. dann ein bis zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Es sei ihm nicht möglich gewesen, den Drucker einfach abzuklemmen und an sich zu nehmen, da dort zu viele Kabel angeschlossen gewesen seien.

Anschließend habe der Angeklagte zu T. gesagt, dass die drei machen sollten was sie wollten, er würde nach oben gehen. Nachdem er oben gewesen sei, habe er sich hingelegt und sei eingeschlafen. Irgendwann in der Nacht habe T. ihn geweckt. Er habe ihm mitgeteilt, dass die anderen beiden Täter verschwunden seien. T. habe ihm erzählt, dass diese auch Sachen der Zeugen N. mitgenommen hätten. Darüber hinaus seien die Zeugen stark verprügelt worden. Hieraufhin habe er Panik bekommen. Er und T. hätten ihre Sachen aus der Wohnung gepackt und die Wohnung verlassen. T. habe nicht gewusst was er tun solle. Er habe im Gegensatz zum ihm selbst keine Papiere gehabt. Dies sei auch der Grund gewesen, warum O. N. dem T. mit der Polizei oder dem Zoll gedroht habe. Er habe T. etwas näher gekannt als die anderen beiden Täter, da dieser bereits seit über zwei Monaten auf der Baustelle tätig gewesen sei, während die anderen beiden erst kurze Zeit da gewesen seien. T. habe ihm erzählt, dass er zunächst ein sechsmonatiges Visum für Polen gehabt habe, welches jedoch schon abgelaufen gewesen sei, als dieser nach Deutschland geschleust worden sei. Die anderen Arbeiter hätten hingegen über gültige Papiere verfügt.

Er habe sich ziemlich betrunken gefühlt, als er mit T. das Haus verlassen habe. Die beiden seien sodann von L. über N. nach C. mit dem Zug gefahren. Dort habe T. einen Anruf der beiden anderen erhalten. Diese hätten T. mitgeteilt, dass sie auch das Auto des O. N. mitgenommen hätten und nun nicht wüssten, was sie tun sollten. Er selbst sei anschließend nach Polen zurückgekehrt und habe für T. einen neuen Pass und Papiere beantragt.

3.

Die Einlassung des Angeklagten ist durch die Aussagen der Geschädigten sowie des Zeugen PK I. widerlegt, soweit sie von den unter II. getroffenen Feststellungen abweicht.

a.

Der Zeuge E. N. schilderte den Tatablauf und die Folgen der Tat wie folgt:

Der Zeuge gab an, dass er den Angeklagten sowie seinen Helfer T. seit etwa zwei Wochen vor dem Vorfall gekannt habe. Sein Vater habe zu jener Zeit den Angeklagten für Reparaturarbeiten in L. beauftragt. Da das Haus saniert werden sollte, habe der Angeklagte Fliesenarbeiten, Trockenbau, Anstreichen und Bodenarbeiten vornehmen sollen. T. sei ein Mitarbeiter des Angeklagten gewesen. Die anderen beiden an dem Vorfall beteiligten Personen mit den Vornamen U. und W. seien Mitarbeiter seines Vaters O. N. gewesen.

Am Abend des 22. Februar 2018 sei er mit seinem Vater in der Wohnung des Erdgeschosses des Hauses B. x in L. gewesen. Es habe zunächst ein Gespräch mit dem Angeklagten in der Wohnung im Erdgeschoss gegeben. Hierbei sei über das weitere Vorgehen auf der Baustelle gesprochen worden. Einen Streit habe es nicht gegeben. Sein Vater habe dem Angeklagten gesagt, dass er vorhabe, das Arbeitsverhältnis mit seinen Mitarbeitern U. und W. zu kündigen. Hierauf habe der Angeklagte nicht reagiert. Darüber hinaus sei der Angeklagte auf Mängel hinsichtlich seiner durchgeführten Arbeiten hingewiesen worden. Es habe sich jedoch um ein einverständliches normales Gespräch gehandelt. Als das Gespräch endete, habe der Angeklagte die Wohnung verlassen und O. N. habe die Tür verschlossen.

Einige Zeit später habe er - E. N. - auf dem Bett im Wohnzimmer gelegen. Er habe mit seinem Laptop im Internet gesurft. Sein Vater sei in demselben Zimmer ebenfalls mit seinem PC beschäftigt gewesen. Plötzlich habe es an der Tür geklopft. Sein Vater sei zur Tür gegangen und habe gefragt wer dort sei. Die Antwort hierauf habe er nicht verstehen können. Er habe anschließend Lärm wahrgenommen. Dann sei alles ganz schnell gegangen. Der Angeklagte, T.. U. und W. seien in die Wohnung gestürmt. T. sei ins Wohnzimmer gekommen und habe ihn sofort angegriffen. Er habe versucht, sich gegen T. zur Wehr zu setzen und erkennen können, dass die anderen Eindringlinge in der Küche mit seinem Vater gekämpft hätten. Anschließend sei W. zu T. dazugekommen und sie hätten gemeinsam versucht, ihn zu Boden zu bringen. Da ihnen dies zunächst nicht gelungen sei, habe der Angeklagte in der Küche eine Holzlatte über den Kopf des inzwischen gefesselten O. N. gehalten und ihm - E. N. - damit gedroht, diesen mit der Holzlatte auf den Kopf zu schlagen, wenn er - der Zeuge - sich weiter wehre. Aus Angst davor, dass der Angeklagte seine Drohung wahr machen könne, habe er - E. N. - sich dann ergeben.

Daraufhin sei T. in die Küche gegangen und für diesen sei U. zu ihm ins Wohnzimmer gekommen. U. und W. hätten ihm nun den Mund zugeklebt und ihn gefesselt. Dies sei alles sehr schnell gegangen. Er habe hierbei nicht erkennen können, wie genau sein Vater gefesselt worden sei, da er zu dieser Zeit in eine andere Richtung geschaut habe. Nachdem er gefesselt worden sei, habe er auf dem Boden gelegen. Er habe aufgrund des Klebebandes schlecht Luft bekommen. Dies habe er den Tätern durch Gesten zu verstehen gegeben. Sie hätten ihm daraufhin erlaubt sich hinzusetzen. Einer der beiden habe gesagt, dass sie ihm das Klebeband von dem Mund entfernen würden, wenn dieser verspreche, nicht zu schreien. Nach seiner entsprechenden Zusage sei das Klebeband von seinem Mund entfernt worden. Als er im Wohnzimmer gefesselt gesessen habe, habe er erkennen können, dass sein Vater in der benachbarten Küche an Händen und Beinen gefesselt gewesen sei und auf einem Stuhl gesessen habe.

Er und sein Vater seien dann von den Tätern geschlagen worden. T. sowie der Angeklagte hätten sich mit ihm -E. N. - beschäftigt und hätten ihn mit der Faust sowie der Holzlatte geschlagen. Der Angeklagte habe ihn mit der Holzlatte in Richtung der Beine, der Füße und des Rückens geschlagen. Hierbei habe der Zeuge auf dem Boden gelegen und versucht auszuweichen. Aufgrund der Fesselung habe er sich aber lediglich zusammenrollen können. Der Angeklagte habe über ihm gestanden. U. und W. hätten währenddessen seinen Vater verprügelt. Hierbei hätten sie aber lediglich die Fäuste eingesetzt. Eine Holzlatte hätten sie nicht verwendet.

Anschließend hätten U. und W. die Wohnung nach Wertsachen der Zeugen N. durchsucht. Hierbei hätten sie Bargeld i.H.v. 600 Euro sowie weitere 800 Euro, die Kreditkarte des Zeugen E. N., ein iPhone 5 S sowie ein Samsung Galaxy Note 3 und einen Asus G 500 Laptop des Zeugen E. N., ein Samsung Galaxy 5 sowie ein Vertu Handy seines Vaters, die Firmenkreditkarte seines Vaters und eine teure Uhr seines Vaters entwendet. Weiterhin hätten sie den Schlüssel zu dem VW Touareg der Zeugen N. gefunden. Die Gegenstände seien sodann alle in der Küche gesammelt worden. Dort hätten die vier Täter beraten, wie weiter vorgegangen werden solle. Zwischenzeitlich sei ihm - E. N. - auch die Folter mittels eines Stromschlages angedroht worden. Hiervor habe er sehr viel Angst gehabt. Er habe im gesamten Tatzeitraum Todesangst gehabt. Er sei davon ausgegangen, dass die vier Täter ihn und seinen Vater brutal erschlagen wollten.

Sodann hätten die Täter seinen Vater nach der PIN der Firmenkreditkarte gefragt. Als dieser hierauf keine Antwort gegeben habe, hätten der Angeklagte und T. damit gedroht, ihn, E. N., umzubringen, wenn der Vater ihnen die PIN nicht nenne. Sodann habe sein Vater den Tätern die PIN genannt. Nachdem sein Vater gefragt worden sei, wo der VW Touareg stehe, seien entweder U. und W. oder U. und der Angeklagte zunächst zur Bank gefahren um Geld abzuheben. Der Zeuge sei sich nicht mehr sicher, wer genau bei dieser Gelegenheit zur Bank gefahren sei.

Als die beiden Täter von der Bank zurückgekehrt seien, hätten diese berichtet, dass sie das Auto gefunden hätten, jedoch nur 500 Euro hätten abheben können. Da sie so wenig Geld erlangt hätten, sei O. N. erneut geschlagen worden. Anschließend hätten U. und W. erneut die Wohnung verlassen um die Abhebung an einem weiteren Bankautomaten zu versuchen. Im Folgenden seien sie vielfach geschlagen worden. Hierbei habe der Angeklagte seinen Vater und T. ihn selber geschlagen. T. habe ihn mit den Fäusten und der Holzlatte geschlagen. Hierbei sei einige Zeit vergangen. Dann sei der Angeklagte sehr aggressiv geworden. Er habe dann auch auf ihn - E. N. - mit seinen Fäusten und einer Holzlatte eingeschlagen. Die Tür zwischen Küche und Wohnzimmer sei ausgehangen gewesen. Diese habe der Angeklagte genommen und insgesamt dreimal mit viel Kraft auf ihn geworfen, als er am Boden gelegen habe. Dies habe dazu geführt, dass T. den Angeklagten versucht habe zu beruhigen, da dieses Vorgehen zu viel Lärm verursacht habe. Er, der Zeuge E. N., habe hierbei Angst um sein Leben gehabt. Der Angeklagte sowie T. hätten hierbei auch mehrfach gedroht, die beiden zu töten. Nachdem der Angeklagte von der ausgehängten Tür abgelassen habe, habe er ihn, den Zeugen, für etwa 10-12 Sekunden mit dem Ellenbogen gewürgt. Dabei sei ihm stark schwindelig geworden, er habe aber das Bewusstsein nicht verloren. Ob er anschließend Würgemale gehabt habe, konnte der Zeuge in der Hauptverhandlung nicht mehr sagen. T. sei sodann hinzugekommenen und habe den Angeklagten gebremst. Daraufhin habe der Angeklagte den Zeugen O. N. weiter geschlagen.

Nach einiger Zeit habe der Angeklagte die Wohnung verlassen. T. sei dann alleine mit den Zeugen N. in der Erdgeschosswohnung verblieben. Er habe den Zeugen N. von seinem Leben, insbesondere von seiner kranken Mutter erzählt und die Zeugen weiter bedroht. So sei eine relativ lange Zeit vergangen. Es könne sein, dass der Angeklagte noch einmal kurz nach unten gekommen sei, den Zeugen O. N. geschlagen habe und dann relativ schnell wieder weggegangen sei. Nach einiger Zeit habe T. jedenfalls angefangen sich zu fragen, wo die anderen blieben. Daher habe er nachsehen wollen und habe die Wohnung für kurze Zeit verlassen. Zuvor habe er den beiden Zeugen N. noch gedroht, dass ihnen etwas passiere, falls sie sich bewegen würden. Dem Zeugen O. N. sei es zuvor einmal erlaubt worden auf Toilette zu gehen. Dies sei möglich gewesen, da er zwar an den Füßen und Händen gefesselt, jedoch nicht am Stuhl festgebunden gewesen sei. Bei diesem Toilettengang habe er gesehen, dass sich in der Toilette ein Messer befunden habe. Als T. sodann die Erdgeschosswohnung verlassen habe, hätten sich die Zeugen N. beraten, wie sie aus der Situation hinauskommen könnten. O. N. habe ihm von dem in der Toilette befindlichen Messer erzählt. Den Zeugen sei bewusst gewesen, dass es ihnen gelingen musste, die Tür von innen zu verschließen. Allerdings sei T. sodann zurückgekehrt. Er habe die Zeugen dann nicht mehr geschlagen, er habe jedoch Fotos insbesondere von O. N. gemacht. Danach sei T. wieder gegangen. Der Zeuge O. N. sei daraufhin gefesselt zur Tür gehüpft und habe diese geschlossen. Währenddessen sei er selbst zur Toilette gekrochen und habe versucht mit seinen auf dem Rücken gefesselten Händen an das Messer zu gelangen. Dies habe einige Zeit gedauert, sei ihm aber schließlich gelungen. Da seine Hände jedoch nicht nur mit Klebeband sondern mit einem zusätzlichen Kabel gefesselt gewesen seien, sei es ihm nicht gelungen, sich selber zu befreien. Die Zeugen N. hätten sodann Schritte auf der Treppe gehört und bemerkt, dass jemand versucht in die Wohnung zu gelangen. Deswegen hätten sie die Wohnungstür von innen zugehalten. Ob die Wohnungstür zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen gewesen sei, konnte der Zeuge E. N. nicht konkret sagen. Dem Zeugen O. N. sei es sodann nach einiger Zeit gelungen, seine eigenen Fesseln durchzuschneiden. Währenddessen sei es draußen vor der Tür leiser geworden und es habe keiner mehr versucht in die Wohnung zu gelangen.

Da die Wohnungstür von außen blockiert gewesen sei, hätten sie dann angefangen um Hilfe gerufen. Hierzu habe er, E. N., auch aus dem Fenster geschrien. Den Zeugen sei sodann aufgefallen, dass T. sein Handy in der Wohnung habe liegen lassen. Hiermit habe er sodann die Polizei informiert, welche auch kurze Zeit später eingetroffen sei.

Nach seiner Einschätzung hätten der Angeklagte sowie T. Alkohol konsumiert. Dies habe er daran erkannt, dass deren Bewegungen nicht so deutlich bzw. sicher gewesen seien. Insbesondere der Angeklagte sei aggressiver als normal gewesen und der Zeuge E. N. wisse, dass die beiden gerne trinken. Jedenfalls sei das Verhalten des Angeklagten deutlich aggressiver gewesen, als bei dem Gespräch zuvor. Die Kommunikation sei auf polnisch erfolgt. U. und W. seien seiner Ansicht nach jedoch nüchtern gewesen. Während der Zeit des Überfalles sei seiner Kenntnis nach nicht getrunken worden. Das aggressive Verhalten des Angeklagten sei während des Verlaufs der Tat angestiegen. Bei T. sei es auf einer Ebene geblieben. Bei beiden habe der Zeuge eine Alkoholfahne bemerkt. Der Angeklagte sei unsicher auf den Beinen gewesen, einmal sei er sogar über den Fuß des Zeugen gestürzt.

Nach der Tat habe der Zeuge für etwa zwei Wochen große Angst gehabt, dass die Täter sie nochmal aufsuchen würden. Insbesondere die ersten drei Tage nach der Tat habe der Zeuge unter starken Ängsten gelitten. Zusätzlich zu den im ärztlichen Bericht aufgeführten Verletzungen habe der Zeuge eine Verletzung an der rechten Niere erlitten. Dies habe er wenige Tage nach dem Überfall bemerkt. Er sei anschließend in Polen noch einmal ins Krankenhaus gegangen. Dort sei ein inneres Hämatom festgestellt worden. Es habe sich Blut neben der Niere angesammelt. Dieses habe sich von selber auflösen müssen. Daher habe der Zeuge E. N. für etwa drei Monate unter Schmerzen bei der Bewegung gelitten.

b.

Der Zeuge O. N. schilderte den Tatablauf und die Folgen der Tat wie folgt:

Der Zeuge O. N. gab an, dass er selber eine Baufirma betreibe. Er habe einen Vertrag mit deutschen Eheleuten über die Sanierung des Hauses B. x in L. geschlossen. Solche Sanierungen würde der Zeuge O. N. mittels Subunternehmern durchführen. Hierzu sei unter anderem die Baufirma des Angeklagten von dem ihm beauftragt worden.

Es habe am Tattag gegen 20 Uhr ein Gespräch mit dem Angeklagten gegeben. Er sei mit der Laminatverlegung durch die Mitarbeiter des Angeklagten nicht zufrieden gewesen und habe mit der Kündigung gedroht, falls diese sich nicht bessern würden. Einen Streit habe es nicht gegeben. Der Angeklagte sei anschließend in die Wohnung im 1. Obergeschoss gegangen, wo sich seine drei anderen Arbeiter aufgehalten hätten.

Am Abend des 22. Februar 2018 habe er sich mit seinem Sohn im Erdgeschoss des Hauses B. x in L. aufgehalten. Es habe an der Tür geklopft. Daraufhin habe er diese geöffnet. Er und sein Sohn seien sodann von vier Personen überfallen worden. Hierbei hätte es sich um den Angeklagten, sowie drei seiner Mitarbeiter T., U. und W. gehandelt. Er selber habe nur mit dem Angeklagten ein Vertragsverhältnis gehabt, während die anderen drei Personen Arbeitnehmer des Angeklagten gewesen seien. Sie seien auch durch den Angeklagten bezahlt worden.

Als der Zeuge O. N. die Tür geöffnet habe, sei er unmittelbar von T. mit einer ca. 1 m langen Holzlatte auf den Kopf geschlagen worden. Hiervon habe er eine blutende Platzwunde davongetragen. Darüber hinaus sei er stark benommen gewesen. Insgesamt hätten vier Personen, der Angeklagte und die drei weiteren Arbeiter, vor der Tür gestanden. Er sei sodann von zwei Tätern überwältigt und gefesselt worden. Sein Gesicht sei mit Blut überströmt gewesen, sodass er nicht mehr viel habe erkennen können. Er sei an den Füßen und an den Handgelenken gefesselt worden. Sein Sohn sei zu dieser Zeit im Nebenzimmer gewesen. Aus diesem habe er die Geräusche eines Kampfes hören können. Er habe dann vernommen, dass seinem Sohn gedroht worden sei, ihn - O. N.- umzubringen, wenn sich dieser nicht ergebe. Er sei auch mehrfach geschlagen worden. Dies hätten insbesondere T. und der Angeklagte gemacht. Die anderen beiden Täter seien im Verhältnis eher passiv gewesen. Sein Sohn sei sodann auch überwältigt und gefesselt worden. Anschließend seien die Wertgegenstände aus der Wohnung eingesammelt worden. Hierbei hätten die Täter insbesondere Uhren, Bargeld, Handys, ein Notebook, die Fahrzeugschlüssel seines VW Touareg und seine Firmenkreditkarte gefunden. Der Angeklagte habe die Portmonees der Zeugen eingesteckt. Deswegen habe es auch noch Streit zwischen den Tätern gegeben, da er sich diese alleine genommen habe. Seine Firmenkreditkarte habe sich auch in seinem Portmonee befunden. Die vier Täter hätten sich sodann beraten. Anschließend sei er aufgefordert worden, die PIN der Firmenkreditkarte zu nennen. Nachdem er sich zunächst geweigert habe die PIN zu nennen, habe der Angeklagte ihm damit gedroht, seinen Sohn umzubringen, wenn er diesem die PIN nicht nennen würde. Aus Angst um seinen Sohn habe er den Tätern sodann die PIN genannt. U. und W. seien sodann weggegangen um am Bankautomaten Geld abzuheben. Der Angeklagte sowie T. seien bei ihnen geblieben.

Als U. und W. zurückgekommen seien, hätten sie sich darüber beschwert, dass sie nur wenig Geld hätten abheben können. Die vier Täter hätten sich sodann beraten und U. und W. hätten erneut die Wohnung verlassen. Der Angeklagte und T. hätten sie nun weiter geschlagen. Dies sei eine lange Zeit - ca. vier Stunden - so weitergegangen. Da U. und W. nicht zurückgekehrt seien, hätten sich der Angeklagte und T. schon Sorgen gemacht, dass diese ganz geflohen seien. Nach einiger Zeit sei der Angeklagte nach oben in die obere Wohnung gegangen. T. sei mit ihnen alleine gewesen. Irgendwann habe T. in der oberen Wohnung nachschauen wollen, ob die Sachen von U. und W. noch da seien. Der Zeuge O. N. war sich im Rahmen der Hauptverhandlung nicht sicher, ob T. die Wohnung zuvor einmal kurz verließ und sogleich zurückkam. Jedenfalls habe der Zeuge O. N. diese Chance genutzt und sei zur Tür gehüpft und habe diese von innen verschlossen.

Den Zeugen seien insgesamt 600 Euro Bargeld, die Firmenkreditkarte, eine Philipp Pattek Uhr, welche er im Jahr 2010 für 6400 Dollar erworben habe, ein Judith Parker Pavillon Notebook, welches er im Jahr 2012 für 2000 Dollar erworben habe sowie 2 - 3 Handys entwendet worden. Das Samsung Handy des Zeugen O. N. habe einen Wert von etwa 500 Euro gehabt. Sein Vertu Handy habe hingegen einen Neupreis von 16.000 Euro, wobei dieses zur Tatzeit etwa 3-4 Jahre alt gewesen sei und keine weiteren Beschädigungen aufgewiesen habe, sodass der Zeuge von einem Zeitwert von 8000 Euro ausgehe.

Ob der Angeklagte während des Überfalls alkoholisiert gewesen sei, konnte der Zeuge O. N. nicht sagen. Er vermutete, dass dieser beschwipst gewesen sei. Es sei auch möglich, dass die Täter vor Ort etwas getrunken hätten. Der Zeuge O. N. war sich nicht sicher, ob der Angeklagte getaumelt habe, er könne jedoch ausschließen, dass dieser gelallt habe. Eine Alkoholfahne habe er nicht gerochen. Auch sonst habe der Angeklagte auf ihn keinen volltrunkenen Eindruck gemacht.

Neben den im Arztbericht festgehaltenen Verletzungen des Zeugen O. N. unter anderem dem Nasenbeinbruch litt der Zeuge im Anschluss an die Tat an keinen erheblichen psychischen Folgen.

c.

Der Zeuge I. gab an, dass er am 23. Februar 2018 einen Einsatz wegen nicht näher zu lokalisierender Hilferufe erhalten habe. Als er vor Ort angekommen sei, sei es ihm zunächst auch nicht gelungen die Hilferufe zu lokalisieren. Er sei sodann auf ein im Umbau befindliches Haus gestoßen. Hier sei es ihm möglich gewesen, die Hilferufe im Erdgeschoss zu lokalisieren. Als er den Hausflur betreten habe, habe er sehen können, dass die Tür zur Erdgeschoßwohnung von außen mit einem blauen schweren Gegenstand verkeilt worden sei, sodass es den in der Wohnung befindlichen Personen unmöglich gewesen sei, diese von innen zu öffnen. Er habe den Gegenstand vor der Wohnungseingangstüre entfernt und in der Wohnung zwei Personen vorgefunden. Diese Personen hätten ein Arbeitsoutfit angehabt und erhebliche Verletzungen aufgewiesen. Er könne sich noch daran erinnern, dass er Blut gesehen habe. Darüber hinaus hätte auf dem Boden Klebeband gelegen, welches man zum Fesseln habe nutzen können. Die Verständigung mit den beiden Geschädigten, den Zeugen N., sei sehr schwierig gewesen, da diese kaum Deutsch verstanden hätten. Soweit er erinnern könne, gaben die Zeugen ihm gegenüber an, dass sie von namentlich bekannten Tätern überfallen und ihnen Wertgegenstände geklaut worden seien. Die Tat habe mit der Baustelle, auf welcher sie sich befanden, zusammengehangen.

4.

Die Kammer hält die Angaben der Geschädigten N. insgesamt für glaubhaft. Diese haben das Tatgeschehen ausgesprochen detailliert und ohne jede Belastungstendenz zum Nachteil des Angeklagten und in wesentlichen Teilen auch in Übereinstimmung mit der Darstellung des jeweils anderen geschildert.

Insbesondere die Aussage des Zeugen E. N. ist für die Kammer glaubhaft. Diese weist keinerlei Belastungstendenzen auf. Dies ergibt sich insbesondere aus den Angaben des Zeugen zu dem Alkoholkonsum des Angeklagten. Diese Angaben waren für den Zeugen erkennbar geeignet, den Angeklagten mit Blick auf seine Schuldfähigkeit und jedenfalls seine alkoholbedingte Enthemmung zu entlasten. Darüber hinaus räumte der Zeuge E. N. Erinnerungslücken ein. So war es ihm nicht mehr möglich zu erinnern, welche beiden Täter zuerst zur Bank fuhren und den Betrag in Höhe von 500 Euro abhoben. Diese Erinnerungslücken sind aufgrund der Tatsache, dass die Tat nunmehr zwei Jahre zurückliegt, naheliegend. Im Übrigen ist die Aussage des Zeugen E. N. durch Detailreichtum geprägt. Der Zeuge konnte noch in erheblichem Umfang darstellen, welcher Täter sich wo aufgehalten hat und womit dieser im Verlauf des Tatgeschehens beschäftigt war.

Hinzu kommt, dass die Aussage des Zeugen E. N. in wesentlichen Teilen durch die Aussage des Zeugen O. N. bestätigt wird, wobei dieser aufgrund des Zeitablaufs größeren Erinnerungslücken unterlag. So gaben die Zeugen N. übereinstimmend an, dass bereits zu Beginn des Geschehens alle vier Täter vor Ort waren. Der Angeklagte war nach den übereinstimmenden Aussagen der Zeugen bis auf die letzten zwei Stunden und eventuell eine weitere kurze Unterbrechung dauerhaft anwesend und im Hinblick auf die Schläge gegenüber den Zeugen N. einer der Protagonisten. Darüber hinaus war der Angeklagte an den Gesprächen über die Wertsachen und die weiteren Planungen über den Verlauf des Geschehens beteiligt. Der Angeklagte drohte dem Zeugen O. N. damit, den Zeugen E. N. umzubringen, falls dieser ihm die PIN der Kreditkarte nicht nenne.

Auch die Aussage des Zeugen O. N. weist keine Belastungstendenzen zum Nachteil des Angeklagten auf. Dies ergibt sich insbesondere dadurch, dass dieser angab, dass der erste Schlag an der Wohnungstür mit der Holzlatte von T. ausgeführt wurde und der Angeklagte ihn nicht mit der Holzlatte, sondern lediglich mit Fäusten geschlagen hat.

Aufgrund des von den Geschädigten geschilderten Tatablaufs und den äußeren Umständen steht für die Kammer fest, dass der Angeklagte abweichend von seiner Einlassung, bei der es sich insoweit um eine Schutzbehauptung handelt, bereits bei Beginn der Tathandlung und über einen erheblichen Zeitraum in der Wohnung anwesend war, um im Rahmen des gemeinsamen Tatplans die Geschädigten zu überfallen und sie in diesem Zuge zu fesseln und dadurch in ihre Gewalt zu bringen, um diese Situation zur Erlangung der Wertsachen der Zeugen N. sowie letztendlich der PIN der Firmenkreditkarte auszunutzen.

Dies ergibt sich insbesondere aus dem Umstand, dass der Angeklagte unmittelbar nach Eintritt in die Wohnung den Zeugen O. N. überwältigte und begann, ihn zu fesseln. Dass der Angeklagte entgegen seiner Einlassung bereits zu Beginn der Tathandlung zugegen war, ergibt sich aus der Aussage der Geschädigten N.. Gegen die Behauptung des Angeklagten, den Zeugen O. N. nur ein- bis zweimal wegen eines Druckers mit der Faust geschlagen zu haben, sprechen ebenfalls die übereinstimmenden Aussagen der Zeugen N.. Hiernach war der Angeklagte über nahezu den gesamten Tatzeitraum in sich steigernder Aggressivität vor Ort und schlug die Zeugen N. fortlaufend, wobei er den am Boden liegenden Zeugen E. N. sogar mit einer Zimmertür bewarf und anschließend würgte. Mit dem Vorhalt der Verteidigung, ob es - eventuell auch - um einen Drucker des Angeklagten gegangen sei, konnten beide Geschädigten nichts anfangen.

Für die Annahme, dass der Angeklagte mit seinen Mittätern von vornherein den Überfall wie dann ausgeführt geplant hatte, spricht schließlich auch das ausgesprochen zielgerichtete Vorgehen der Täter bei Ausführung der Tat, wie es die Geschädigten eindrücklich geschildert haben.

Angesichts dieses von Anfang an zielgerichteten Vorgehens des Angeklagten und seiner Mittäter und der von vornherein geschaffenen räumlichen Trennung der beiden Geschädigten erschien zudem allein die Annahme lebensnah, dass der Angeklagte von vornherein geplant hatte, sich der Geschädigten zu bemächtigen, um sodann durch Drohungen die Sorge des O. N.um das Wohl seines Sohnes dazu auszunutzen, die Herausgabe der PIN für die im Besitz des Geschädigten als Auftraggeber der Sanierungsarbeiten zu vermutenden Kreditkarten zu erpressen.

Die Feststellungen zu den Verletzungen der Geschädigten beruhen auf den Aussagen der Geschädigten und den in der Hauptverhandlung verlesenen Arztberichten des N. Krankenhaus in L. vom 24. Februar 2018 (Bl. 78 d. GA) und 03. Mai 2018 (Bl. 164 d. GA).

5.

Die Feststellungen zur uneingeschränkten Schuldfähigkeit des Angeklagten beruhen auf dem widerspruchsfreien, nachvollziehbaren und auf zutreffenden Anknüpfungstatsachen gründenden Gutachten des Sachverständigen S., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Aufgrund des Gutachtens ist die Kammer nach eigener kritischer Würdigung davon überzeugt, dass eine Einschränkung der Schuldfähigkeit des Angeklagten nach §§ 20, 21 StGB zur Tatzeit nicht vorlag. Es konnte bereits nicht festgestellt werden, dass zum Tatzeitpunkt ein Eingangsmerkmal der §§ 20, 21 StGB vorlag.

Die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit war nicht aufgrund einer krankhaften seelischen Störung als Eingangsmerkmal der §§ 20, 21 StGB aufgrund einer akuten Intoxikation mit Alkohol eingeschränkt.

Die Blutalkoholkonzentration zur Tatzeit, ausgehend von den Trinkmengenangaben des Angeklagten, von höchstens 1,69 Promille, die jedenfalls für den in der Vergangenheit alkoholgewohnten Angeklagten als noch moderat zu bezeichnen ist, bestärkt die Kammer in dem gewonnenen Ergebnis, wonach der Angeklagte in seiner Steuerungsfähigkeit nicht erheblich vermindert gewesen ist. Die Berechnung ist nach der Widmark-Formel auf Grund der nach den Angaben des Angeklagten gegenüber dem Sachverständigen bis zur Tat genossenen Alkoholmenge erfolgt.

Berechnung nach der Widmark-Formel:

Alkoholmenge im Körper = 110,16 g

Körpergewicht x Reduktionsfaktor  77 kg x 0,7= 53,9

Alkoholmenge/(Körpergewicht x Reduktionsfaktor)= 2,04 Promille

abzüglich Abbau in 3,5 Stunden x 0,1 Promille = - 0,35 Promille

höchstmögliche Blutalkoholkonzentration zur Tatzeit 1,69 Promille

Für die vorstehende Berechnung sind die insoweit glaubhaften Angaben des Angeklagten aus seiner Einlassung zu Grunde gelegt worden, er habe seit etwa 17:30 Uhr zunächst zwei Flaschen Bier zu jeweils 0,25 - 0,33 l getrunken, wobei zu seinen Gunsten von einem Flascheninhalt von 0,33 l ausgegangen wurde. Darüber hinaus habe er insgesamt vier selbst gemixte Drinks getrunken. Hierbei seien Gläser mit einem Füllvolumen von 200 ml verwendet worden, wobei lediglich eine Füllmenge von ca. 150 ml eingefüllt worden sei. Die Hälfte der Füllmenge habe aus Wodka bestanden, während die andere Hälfte ein nicht alkoholisches Getränk gewesen sei. Als Trinkbeginn hat die Kammer 17:30 Uhr angenommen. Bis zum Beginn der Tat gegen 21:00 Uhr haben danach 3,5 Stunden zum Alkoholabbau zur Verfügung gestanden. Zugunsten des Angeklagten ist die Kammer für den Alkoholabbau vom Mindestwert mit 0,1 Promille pro Stunde ausgegangen. Seine mittlere Konstitution mit einem Körpergewicht von 77 kg ist mit dem Reduktionsfaktor von 0,7 berücksichtigt.

In die Formel ist die Alkoholmenge in Gramm einzusetzen, die beim Angeklagten durch das Trinken von 0,66 l Bier mit 5 Volumenprozent und 0,3 l Wodka mit 40 Volumenprozent in seinen Körper gelangt sind:

660 ml Bier x 5/100 x 0,8 g/ml = 26,4 Gramm

300 ml Wodka x 40/100 x 0,8 g/ml = 96 Gramm

Gesamtmenge Alkohol: 122,4 Gramm

abzüglich 10% Resorptionsdefizit =

maximale Alkoholmenge im Körper 110,16 Gramm

Das Resorptionsdefizit, das regelmäßig zwischen 10 Prozent und 30 Prozent liegt, ist mit dem Mindestwert zugunsten des Angeklagten berücksichtigt.

Zu der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten hat der Sachverständige Dr. S. überzeugend ausgeführt, dass eine Einschränkung der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten selbst bei Zugrundelegung des zu seinen Gunsten maximal berechneten Promillewertes von 1,69 Promille im vorliegenden Fall nicht in Betracht kommt. Insofern seien vor allem die Aussagen der Zeugen N. im Hinblick auf die Schwere einer Alkoholintoxikation zu berücksichtigen. Hierzu gab der Zeuge O. N.an, dass er den Eindruck der Alkoholisierung des Angeklagten gewonnen habe. Er führte aus, dass er denke, dass der Angeklagte beschwipst gewesen sei. Ein Taumeln, ein Lallen oder eine Alkoholfahne habe er jedoch nicht wahrnehmen können bzw. könne sich heute nicht mehr an eine solche erinnern. Der Zeuge E. N. gab an, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt deutlich aggressiver als normal gewesen sei. Diese Aggressivität habe sich im Verlauf der Tathandlungen bis zum Würgen hin gesteigert. Auch die Bewegungsabläufe des Angeklagten seien nicht sicher gewesen. Der Angeklagte sei im Rahmen der Tatausführung gestürzt, wobei der Zeuge sich nicht sicher war, ob der Grund hierfür ein Stolpern über den Fuß des Zeugen oder die Alkoholintoxikation gewesen sei. Darüber hinaus schilderte der Zeuge, dass dieser bei den Tathandlungen nah an dem Angeklagten gewesen sei und eine Alkoholfahne wahrgenommen habe.

Im Rahmen der Beurteilung der Schuldfähigkeit des Angeklagten ist nach den Ausführungen des Sachverständigen zu berücksichtigen, dass dieser zwar nicht unter einer Alkoholsucht leidet, jedoch im erheblichen Maß an den Alkoholkonsum gewöhnt ist. Neben den körperlichen und neurologischen Auswirkungen und der Veränderung der Affektivität bei dem Angeklagten lag weder ein Realitätsverlust noch eine Realitätsverkennung im Sinne einer psychotischen Verkennung der Sachlage vor. Die Aggressionshandlungen des Angeklagten entstanden nicht aus dem alkoholischen Kontext heraus. Es handelte sich vielmehr um geplante Handlungen im Rahmen eines vielschrittigen Tatgeschehens über mehrere Stunden. Dies ist insbesondere daran erkennbar, dass aktiv die Wohnung im Erdgeschoss aufgesucht wurde. Es waren mehrere Personen beteiligt und die Fesselung der Zeugen N. geplant. Auch der lange Tatzeitraum, die Drohungen des Angeklagten mit körperlichen Übergriffen gegen N. N., um den Widerstand von E. N. zu brechen und die ausgesprochene Todesdrohung gegen E. N., um O. N. zu zwingen, die PIN der Kreditkarte zu verraten, sprechen als vielschrittiges und geplantes Vorgehen gegen eine er00hebliche Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit des Angeklagten. Aus sachverständiger Sicht lag auch unter Berücksichtigung der Trinkmengenangaben des Angeklagten danach kein ausreichender Hinweis auf eine erhebliche Beeinträchtigung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit vor, sodass keine ausreichenden Anhaltspunkte für die Anwendung der §§ 20, 21 StGB vorlagen.

Dem steht auch nicht entgegen, dass der Angeklagte sich im Verlauf des Tatgeschehens in der Wohnung im ersten Obergeschoss ins Bett legte und einschlief. Denn aus der Sicht des Angeklagten erschien dies nicht ungewöhnlich. Dieser bewertete die Tat als nicht besonders schwerwiegend und ging dementsprechend nach seinen eigenen Angaben gegenüber dem Sachverständigen nicht davon aus, dass die Zeugen N. trotz ihrer erheblichen Verletzungen und der beträchtlichen Dauer des Tatgeschehens die Polizei verständigen würden. Vor dem Hintergrund dieser Bewertung erschien, wie der Sachverständige ausgeführt hat, die Reaktion des Angeklagten, sich nach der Tat zum Schlafen zu legen, nachvollziehbar, sodass hieraus keine Schlüsse auf eine Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit gezogen werden können. Darüber hinaus litt der Angeklagte nach eigenen Angaben auch am Folgetag nicht unter Kopfschmerzen oder etwaigen Katererscheinungen, welche auf einen vorangegangenen übermäßigen Alkoholkonsum hätten hindeuten können.

Mögliche Anknüpfungstatsachen, die auf das Vorliegen anderer Eingangsmerkmale der §§ 20, 21 StGB hätten hinweisen können, konnte der Sachverständige nicht feststellen.

IV.

1.

Der Angeklagte hat sich danach wegen eines erpresserischen Menschenraubs nach § 239a Abs. 1 Alt. 1 StGB strafbar gemacht.

a.

Der Angeklagte hat sich mit seinen Mittätern im Rahmen des gemeinsamen Tatplans der Geschädigten bemächtigt, wobei er beabsichtigte, die Bemächtigungslage für eine weitere Erpressung auszunutzen. Ein Sich-Bemächtigen im Sinne dieser Vorschrift liegt vor, wenn der Täter die physische Herrschaft über einen anderen erlangt, wobei weder eine Ortsveränderung erforderlich ist, noch der Tatbestand der Freiheitsberaubung erfüllt sein muss (vgl. NK-StGB/Bernd-Rüdeger Sonnen, 5. Aufl. 2017, StGB § 239a Rn. 19). Diese Voraussetzung liegt vor, denn das Verhalten des Angeklagten war darauf gerichtet, sich der Geschädigten N. zu bemächtigen. Der Angeklagte und seine Mittäter schlugen diese mehrfach und fesselten sie. Das Schlagen und insbesondere das Fesseln hatten eine über die Funktion als qualifiziertes Nötigungsmittel hinausgehende eigenständige Bedeutung. Es diente nicht nur dazu, die Geschädigten zu einem abgenötigten Verhalten zu zwingen oder den Widerstand gegen ein Verhalten der Täter zu unterdrücken, sondern war zudem auch darauf gerichtet, die physische Herrschaft über die Geschädigten zu erlangen. Durch die wiederholten Schläge, die Todesdrohungen und das Fesseln schufen der Angeklagte und seine Mittäter eine Situation, in der den Geschädigten jegliche Gegenwehr unmöglich war und sie diesen schutzlos ausgeliefert waren. Zu dem Zeitpunkt, als der Angeklagte die Nennung der PIN forderte, hatten die Geschädigten bereits eine Zeit lang die Fesselung der Hände mit Klebeband und Kabeln vor bzw. hinter dem Körper, die Fesselung der Beine, das Verkleben des Mundes bei dem Zeugen E. N. und mehrfache Schläge mit Fäusten und der Holzlatte sowie die Durchsuchung der Wohnung nach Wertsachen durch die Täter hinter sich und wussten um die Gewaltbereitschaft der Täter.

Der Angeklagte nutzte sodann die Sorge des O. N.um das Wohl seines Sohnes E. N. aus, indem er diesem damit drohte, E. N. umzubringen, falls O. N. die PIN seiner Firmenkreditkarte nicht nenne. Aus Angst um das Leben seines Sohnes nannte der Zeuge O. N. dem Angeklagten entsprechend dessen Plan die PIN.

Der Angeklagte beabsichtigte auch, die Sorge der Geschädigten um ihr Wohl bzw. um das Wohl des jeweils anderen für eine Erpressung bzw. einen Raub auszunutzen, denn er und seine Mittäter planten bereits bei Tatbeginn, die Geschädigten in ihre Gewalt zu bringen und diese Situation zur Begehung einer Erpressung bzw. eines Raubes auszunutzen. Ob sich der Angeklagte dabei zunächst eine Erpressung oder einen Raub vorstellte ist unerheblich, weil auch die erzwungene Wegnahme eine "Erpressung" im Sinne von § 239a StGB darstellen kann, weil der Tatbestand der Erpressung den des Raubes mit umfasst (vgl. (BGH, Urteil vom 13. März 2019 - 1 StR 424/18 -, Rn. 10, m.w.N.). Bereits zu Tatbeginn planten der Angeklagte und seine Mittäter, die Geschädigten zu fesseln und hierdurch eine besondere Drucksituation aufzubauen, die es ihnen ermöglichte die PIN der Firmenkreditkarte aufgrund der Sorge um das Wohl des jeweils anderen in Erfahrung zu bringen.

b.

Selbst in dem Fall, dass der Angeklagte beim Betreten der Wohnung noch nicht die unmittelbare Absicht gehabt hätte, den Zeugen O. N. hinsichtlich der PIN der Firmenkreditkarte mit der Sorge um das Leben seines Sohnes zu erpressen, so hätte er jedenfalls die durch die Fesselung geschaffene Bemächtigungslage anschließend gemäß § 239a Abs. 1 HS 2 StGB zu einer Erpressung ausgenutzt.

2.

Daneben hat der Angeklagte sich eines besonders schweren Raubes nach §§ 249, 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB schuldig gemacht, indem er die circa 1 Meter lange Holzlatte verwendete, um den Widerstand der Zeugen N. zu verhindern und letztlich zu überwinden.

Durch das Ansichnehmen der Wertsachen sowie des weiteren Geldes erfüllte der Angeklagte das Tatbestandsmerkmal der Wegnahme, wobei er beabsichtigte sich bzw. seinen Mittätern im Rahmen des gemeinsamen Tatplanes das enthaltene Geld sowie die Wertsachen anzueignen und die Zeugen N. dauerhaft zu enteignen. Der Angeklagte hat bei der Tat ein gefährliches Werkzeug im Sinne von § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB verwendet, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern. Als Mittel kommen dabei auch Fesselungs- und Knebelungswerkzeuge in Betracht, wenn sie einem der angeführten Zwecke dienen sollen (BGH, Urteil vom 04. August 2016 - 4 StR 195/16 -, Rn. 5, NStZ-RR 2016, 339 m.w.N.). Das Klebeband zur Fesselung stellte daher ein sonstiges Werkzeug dar, welches Widerstand verhindern oder überwinden sollte. Die Fesselung des Zeugen O. N. führte unter anderem der Angeklagte selber aus. Darüber hinaus verwendete T. zur Überwältigung der Zeugen N. eine circa 1 Meter lange Holzlatte, welche als gefährliches Werkzeug zu qualifizieren ist. Mit dieser schlug T. im Rahmen des gemeinsamen Tatplanes unmittelbar nach der Öffnung der Tür auf den Zeugen O. N. ein, um diesen zu Boden zu bringen und zu fesseln. Da der Angeklagte als Mittäter handelte, war ihm das Verhalten des T. gemäß § 25 Abs. 2 StGB zuzurechnen.

3.

Der Angeklagte hat sich weiterhin einer gefährlichen Körperverletzung nach § 224 Abs. 1 Nr. 2 und 4 StGB strafbar gemacht. Die Schläge nach den Zeugen N. stellten eine üble unangemessene Behandlung der Zeugen dar, die geeignet war, das Wohlbefinden der Geschädigten mehr als nur unerheblich zu beeinträchtigen. Hierbei verwendete der Angeklagte mit der circa 1 Meter langen Holzlatte sowie auch der ausgehängten Tür ein gefährliches Werkzeug und handelte mit seinen Mittätern gemeinschaftlich, § 224 Abs. 1 Nr. 2 und 4 StGB. Sowohl der Geschädigte O. N.in dem Küchenraum als auch der Geschädigte E. N. im Wohnzimmer sich im Rahmen der körperlichen Auseinandersetzung den Angriffen jeweils zwei der Täter ausgesetzt sahen.

4.

Indem die Mittäter des Angeklagten im Rahmen des gemeinsamen Tatplanes mit der entwendeten Firmenkreditkarte des Zeugen O. N. einmal 500 Euro und nach einiger Zeit noch einmal 400 Euro vom Konto des Zeugen abhoben, hat er sich eines gemeinschaftlichen Computerbetruges in 2 Fällen nach § 263a Abs. 1 3. Alt. StGB schuldig gemacht.

Da die Abhebung der Geldbeträge durch die Mittäter des Angeklagten im Rahmen des gemeinsamen Tatplans erfolgte, ist dem Angeklagten diese Tathandlung gemäß § 25 Abs. 2 StGB zuzurechnen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich die vier Mittäter vor der Bargeldabhebung in der Küche berieten und das weitere Vorgehen absprachen.

5.

Der erpresserische Menschenraub, der besonders schwere Raub und die gefährliche Körperverletzung stehen zueinander in Tateinheit gemäß § 52 StGB. Der Computerbetrug in 2 Fällen steht hierzu ebenfalls aufgrund der Verklammerung durch den erpresserischen Menschenraub in Tateinheit (vgl. BGH Urteil vom 17.8.2004 - 5 StR 197/04, BeckRS 2004, 08208, beckonline), da diese Taten während der aufrechterhaltenen Bemächtigungslage erfolgten.

V.

1.

Im Hinblick auf das Tatgeschehen hat die Kammer gemäß § 52 Abs. 2 StGB den schwersten Strafrahmen des § 239a Abs. 1 StGB bzw. des § 250 Abs. 2 StGB von fünf Jahren bis zu 15 Jahren zugrunde gelegt.

Die Kammer hat zunächst geprüft, ob ein minder schwerer Fall nach § 239a Abs. 2 bzw. 250 Abs. 3 StGB vorliegt und dies im Ergebnis verneint. Die Entscheidung der Frage, ob ein minder schwerer Fall angenommen werden kann, erfordert eine Gesamtbetrachtung. Für sie sind alle Umstände heranzuziehen und zu würdigen, die für die Wertung der Tat und des Täters in Betracht kommen, gleichviel ob sie der Tat selbst inne wohnen, sie begleiten, ihr vorausgehen oder nachfolgen (vgl. Fischer, StGB, 66. Aufl., 2019, § 46 Rn. 85 m.w.N.).

Bei der in diesem Zusammenhang gebotenen Gesamtabwägung aller Umstände ist die Kammer zu dem Ergebnis gelangt, dass die strafmildernden Gesichtspunkte die straferschwerenden nicht hinreichend deutlich überwiegen, um die Tat des Angeklagten als eine im Verhältnis zu den erfahrungsgemäß gewöhnlich vorkommenden und bei der Bestimmung des ordentlichen Strafrahmens durch den Gesetzgeber bereits bedachten Fällen minder schwer zu bewerten.

Als strafmildernder Gesichtspunkt war zunächst zu berücksichtigen, dass die Geschädigten trotz der erheblichen Gewalteinwirkungen keine - insbesondere psychischen - Langzeitfolgen von der Tat erlitten haben. Darüber hinaus hat der Angeklagte sich jedenfalls insoweit geständig eingelassen, als dass er angab, am Tatort anwesend gewesen zu sein und den Zeugen O. N.ein- bis zweimal mit der Faust geschlagen zu haben. Der Angeklagte hat die Tat weiterhin unter der enthemmenden Wirkung von Alkohol begangen und war durch die Gruppendynamik beeinflusst. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass zu seinen Gunsten davon auszugehen ist, dass er nicht der Initiator der Tat war, sondern überredet wurde und aufgrund der Flucht von W. und U. - auch dies wird zu seinen Gunsten unterstellt - keinen Beuteanteil erhalten hat. Weiterhin war der Angeklagte zur Tatzeit in Deutschland nicht vorbestraft. Der Angeklagte hat nunmehr circa 7 Monate in Untersuchungshaft fern der Heimat und ohne die deutsche Sprache zu beherrschen verbracht.

Demgegenüber wirkte sich strafschärfend aus, dass der Angeklagte und seine Mittäter die Zeugen N. über einen Zeitraum von mindestens 6 Stunden in ihrer Gewalt hielten und ihnen gegenüber in erheblichem Umfang und mit der Folge nicht unerheblicher Verletzungen und Schmerzen Gewalt angewandt haben. Weiterhin war zu bedenken, dass der Angeklagte tateinheitlich einen vollendeten besonders schweren Raub und einen erpresserischen Menschenraub, sowie eine gefährliche Körperverletzung und einen Computerbetrug in 2 Fällen begangen hat.

In der Gesamtabwägung lassen die mildernden Umstände die Annahme eines minder schweren Falles nicht zu, weil die strafmildernden Gründe insbesondere aufgrund der erheblichen Dauer des Tatgeschehens nicht überwiegen.

Nach Abwägung der vorstehenden und aller weiteren für und gegen den Angeklagten sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkte hat die Kammer für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von

7 Jahren

für ausreichend, aber auch erforderlich gehalten, um allen Strafzwecken zu genügen.

2.

Die Kammer hat von der Bildung einer Gesamtstrafe mit der Geldstrafe aus dem Strafbefehl des Amtsgerichts Pasewalk vom 10. April 2018, in welchem gegen den Angeklagten eine Geldstrafe in Höhe von 30 Tagessätzen zu je 25,00 Euro verhängt worden ist, gemäß §§ 53 Abs. 2 S. 2, 55 StGB abgesehen.

Die Strafe aus dem Strafbefehl des Amtsgerichts Pasewalk ist mit der in dem hiesigen Urteil gebildeten Strafe nach § 55 Abs. 1 StGB gesamtstrafenfähig. Die hiesige Tat lag aufgrund der Begehung am 22. Februar 2018 vor der Verurteilung des Amtsgerichts Pasewalk am 10. April 2018. Der Strafbefehl des Amtsgerichts Q. ist seit dem 30. Mai 2018 rechtskräftig. Die Strafe ist noch nicht vollständig vollstreckt.

Die Kammer hat allerdings gemäß §§ 53 Abs. 2 S. 2, 55 Abs. 1 StGB von der Bildung einer Gesamtstrafe abgesehen.

Der dem Strafbefehl zugrundeliegende Sachverhalt ist in seiner Art, Ausführung und Schwere nicht mit dem diesem Urteil zugrundeliegenden Sachverhalt zu vergleichen. Darüber hinaus wurden durch die Taten verschiedene Rechtsgüter durch den Angeklagten verletzt. Weiterhin käme aufgrund der Schwere des hiesigen Tatvorwurfs bei der Gesamtstrafenbildung lediglich die Bildung einer Gesamtfreiheitsstrafe in Betracht, was zu einer Erhöhung der ausgeurteilten Freiheitsstrafe geführt hätte. Da der Angeklagte durch die geringe Geldstrafe weniger belastet ist, als durch die Erhöhung der Freiheitsstrafe im Rahmen der Gesamtstrafenbildung, wäre eine solche für den Angeklagten nachteilig gewesen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund, dass nach seinen eigenen Angaben die Vollstreckung der Geldstrafe bereits nach Polen abgegeben worden ist und er die Möglichkeit erhält in seiner Heimatwährung die Strafe in Raten abzubezahlen, was auch bereits teilweise erfolgt ist.

VI.

Es war nach pflichtgemäßem Ermessen die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt nach § 64 StGB abzulehnen. Die Anordnung einer solchen Maßnahme erfordert, dass der Angeklagte einen Hang hat, berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen, er wegen einer hangbedingten rechtswidrigen Tat verurteilt wird, die Gefahr besteht, dass er infolge des Hanges erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird und die Anordnung der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt eine hinreichend konkrete Erfolgsaussicht bietet. Diese Voraussetzungen lagen nicht vor, weil es bereits an einem Hang des Angeklagten zum übermäßigen Alkoholkonsum fehlt.

Der Angeklagte hat keinen Hang, berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen. Ein Hang liegt vor, wenn der Täter eine - auf psychischer Disposition beruhende oder durch Übung erworbene - intensive Neigung hat, immer wieder Rauschmittel im Übermaß zu konsumieren und somit eine psychische Abhängigkeit besteht, aufgrund derer er sozial gefährdet oder gefährlich erscheint ( Ziegler in: BeckOK StGB, 41. Ed. 1.2.2019, § 64 StGB Rn. 3 m.w.N.). Nach den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen S., Chefarzt der Klinik für forensische Psychiatrie der R- Klinik F., ist der Angeklagte zwar an den Konsum von Alkohol gewöhnt, eine Alkoholsucht oder eine durch Übung erworbene intensive Neigung, immer wieder Rauschmittel im Übermaß zu konsumieren, liegt bei dem Angeklagten jedoch nicht vor. Nach den eigenen Angaben des Angeklagten hat es Zeiten des täglichen Konsums von Alkohol nie gegeben. Der Angeklagte hat nach eigenen Angaben auch nie unter Entzugserscheinungen oder einem starken Verlangen nach dem Konsum von Alkohol (craving) gelitten. Vielmehr hat er angegeben, als willensstarke Person nach der ambulanten Alkoholtherapie in der Lage gewesen zu sein, von dem weiteren Konsum von Alkohol grundsätzlich Abstand zu nehmen.

VII.

Soweit dem Angeklagten mit der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Krefeld vom 17.11.2019 ein weiterer Fall des Computerbetruges gemäß § 263a Abs. 1 StGB vorgeworfen wurde, war der Angeklagte aus Klarstellungsgründen freizusprechen.

Mit der Anklageschrift wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, dass er oder seine Mittäter von einem Geldautomaten der Deutschen Bank, Filiale Kurfürstenstraße 51 um 21:54 Uhr mit der Kreditkarte des Zeugen O. N. 500 Euro, sowie um 22:26 Uhr und 22:29 Uhr Geld in unbekannter Höhe abgehoben haben. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme ist die Kammer nicht davon überzeugt, dass es tatsächlich zu drei separaten Abhebungen gekommen ist. Nach den übereinstimmenden Angaben der Zeugen N. kamen die Täter nach einer ersten Abhebung mit einem Betrag i.H.v. 500 Euro in die Erdgeschoßwohnung zurück. Darüber hinaus gab der Zeuge O. N.an, dass von seiner Firmenkreditkarte ein Gesamtbetrag i.H.v. 900 Euro abgebucht worden sei. Ob der Restbetrag i.H.v. 400 Euro mittels einer oder zwei weiteren Abhebungen vom Konto des Zeugen abgehoben worden ist, ließ sich im Rahmen der Hauptverhandlung nicht klären, sodass zugunsten des Angeklagten davon auszugehen war, dass es lediglich zu einer weiteren Abhebung gekommen ist. Obwohl auch eine etwaige dritte Abhebung durch den erpresserischen Menschenraub zu den übrigen Delikten in Tateinheit verklammert worden wäre, hatte angesichts des Umstandes, dass die Anklageschrift von einer tatmehrheitlichen Begehung dreier Computerbetrugstaten ausging, hinsichtlich dieser weiteren angeklagten dritten Betrugstat ein Teilfreispruch zu erfolgen.

VIII.

Das Gericht hat von der Einziehung von Wertersatz gemäß §§ 73 Abs. 1, 73c StGB abgesehen. Da im Rahmen der Hauptverhandlung nicht mit hinreichender Sicherheit festgestellt werden konnte, wo die Tatbeute verblieben ist und ob der Angeklagte überhaupt einen Teil der Beute erlangt hat, schied eine Einziehung von Wertersatz bei dem Angeklagten aus.

Das Etwas im Sinne des § 73 Abs. 1 StGB muss der Tatbeteiligte unmittelbar erlangt haben. Erlangen bedeutet, dass der Tatbeteiligte mindestens die faktische Verfügungsgewalt für sich über eine Sache oder ein Recht erlangt hat. Erlangt ist ein Vermögensvorteil nur dann, wenn ein Tatbeteiligter die faktische Verfügungsgewalt über den Gegenstand erworben hat. Die Annahme mittäterschaftlichen Handelns vermag Ausführungen hierzu nicht zu ersetzen. Eine Zurechnung nach den Grundsätzen der Mittäterschaft mit der Folge einer gesamtschuldnerischen Haftung käme nur in Betracht, wenn sich die Beteiligten darüber einig waren, dass jedem einzelnen Tatbeteiligten zumindest Mitverfügungsgewalt über die jeweiligen Taterlöse zukommen sollte und der einzelne Tatbeteiligte diese auch tatsächlich hatte (BGH, Beschluss vom 27. 5. 2008 - 3 StR 50/08). Dies war vorliegend nicht der Fall, da nicht mit hinreichender Sicherheit feststeht, dass der Angeklagte zu irgendeinem Zeitpunkt die faktische Verfügungsgewalt über einen Teil der Beute innehatte.

IX.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 465 Abs.1 StPO und soweit der Angeklagte freigesprochen wurde auf § 467 Abs. 1 StPO.