LG Limburg, Urteil vom 02.11.2018 - 5 KLs - 3 Js 9173/18
Fundstelle
openJur 2020, 73541
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Tenor

Der Angeklagte ist schuldig des erpresserischen Menschenraubes in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung in 14 Fällen, der schweren räuberischen Erpressung in 3 Fällen sowie der versuchten schweren räuberischen Erpressung in 3 Fällen.

Er wird zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von

13 Jahren

verurteilt.

Die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 400.169,75 € angeordnet.

Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens einschließlich seiner Auslagen zu tragen.

Angewendete Vorschriften

§§ 239a Abs. 1, 253, 255, 250 Abs. 1 Nr. 1b), 22, 23 Abs. 1, 52, 53 StGB

Gründe

(abgekürzt nach § 267 Abs. 4 StPO)

I.

...

II.

Zur Vorgeschichte:

Der Angeklagte nutzte seine vermeintlichen Arbeitszeiten in Heimarbeit, um im Internet Sparkassen im dörflichen Bereich zu recherchieren, welche eine größere Entfernung zu seinem Wohnort aufwiesen, verkehrsgünstig gelegen und mindestens 10 km weit von der nächsten Polizeidienststelle entfernt waren. Auch achtete er auf gute Fluchtmöglichkeiten, insbesondere, ohne dass er hierbei Autobahnen befahren musste, um so möglichen Ringfahndungspunkten zu entgehen. Die konkreten Fluchtmöglichkeiten kundschaftete er auch Vorort - an den Tagen, an denen er vorgab, außerhaus zu arbeiten - aus. Vor seinen Taten erwarb er zumeist Kleidung bei Discountern, welcher er sich im Anschluss an die Taten jeweils auf seinem Fluchtweg entledigte. Handschuhe trug er bei keiner der Taten. Als Fahrzeuge nutzte er zuvor von ihm angemietete PKWs der Marke A. bzw. in einem Fall - Fall 18 - das vor Tatbegehung von dieser entliehene Fahrzeug seiner Mutter.

Zu den Taten:

Folgende konkreten, anklagegegenständlichen Taten ließen sich feststellen:

Fall 1 (Anklagevorwurf 1; Fallakte 1)

Am 18.10.2002 gegen 9:10 Uhr betrat der Angeklagte das Tabak-, Zeitschriften- und Lotto- Geschäft der Firma M. in der ...straße in G., um dieses zu überfallen. Mit sich führte er ein vorbereitetes Stück Klebeband, welches er beabsichtigte, im Laden etwaig anwesenden Personen auf den Mund zu drücken, um sie am Schreien zu hindern. Kunden waren zu diesem Zeitpunkt keine in dem Laden.

Der Angeklagte näherte sich schnellen Schrittes der in dem Laden angestellten und als einziger Mitarbeiterin anwesenden Zeugin S., nahm sie mit dem rechten Arm in den "Schwitzkasten" und versuchte gleichzeitig ihr mit der linken Hand das Stück Klebeband, dass die Zeugin als nasses Papiertaschentuch deutete, auf den Mund zu drücken. Die Zeugin wehrte sich jedoch kräftig dagegen und schrie um Hilfe, so dass es in Folge zu einem Gerangel mit dem Angeklagten hinter der Lotto-Theke des Ladens kam. Nun äußerte der Angeklagte, sie solle damit aufhören. Als sich die Zeugin weiter wehrte und schrie, sagte der Angeklagte zu ihr, sie solle ihm Geld geben. Die Zeugin gab auf und sagte: "Hör auf, ich geb dir alles was ich hab!", woraufhin der Angeklagte sie sofort los ließ. Als die Zeugin S. wieder aufgestanden war, bemerkte sie, dass die Kundin Frau B. die Ladentür öffnete und in den Laden treten wollte und schrie laut: "Überfall, Überfall!". Frau B. schrak zurück und ließ die Tür wieder zufallen. Der Angeklagte, der erkannt hatte, dass er aufgrund der Entdeckung durch Frau B. und der Gegenwehr der Zeugin S. im unmittelbaren Fortgang des Geschehens kein Geld von der Zeugin S. bekommen könne, flüchtete aus dem Geschäft.

Die Zeugin S. erlitt aufgrund der Tat eine posttraumatische Belastungsstörung und war über ein Jahr lang krankgeschrieben. Infolgedessen verlor sie ihre Arbeitsstelle. Seit der Tat nimmt sie durchgängig psychologische Hilfe in Anspruch. Etwa seit dem Jahr 2012 bezieht sie eine Erwerbsminderungsrente und eine kleine Rente der Berufsgenossenschaft, da sie aufgrund der posttraumatischen Belastungsstörung nicht mehr in der Lage war, zu arbeiten. Auch ihre Ehe ist infolge der psychischen Belastungen der Zeugin S. zerbrochen. Aufgrund ihrer Einschränkungen war es ihr zudem nicht möglich, im Rahmen der Hauptverhandlung als Zeugin auszusagen.

Fall 2 (Anklagevorwurf 2; Fallakte 4)

Vor dem 16.01.2018 erwarb der Angeklagte eine silberfarbene Spielzeugpistole, welche er nutzen wollte, um bei seinen künftig geplanten Überfällen anwesende Personen durch Vorhalt der Pistole zu bewegen, aus Sorge um sich oder eine dritte Person Bargeld an ihn herauszugeben.

Am 16.01.2003 kurz nach 9:00 Uhr betrat der Angeklagte den Schreibwarenladen K. D. in der ....straße in K.. Er näherte sich der Kassentheke, an der die Zeugin W. stand und sagte: "Das ist ein Überfall! Geld her! Tun Sie das Geld in die Tüte!" Dabei hielt der Angeklagte in seiner rechten Hand eine Plastiktüte und in der linken Hand die Spielzeugpistole, die er von seinem Pulloverärmel so verdeckt hatte, so dass man nur ihren Lauf erkennen konnte. Die Zeugin W., die das Verhalten des Angeklagten als unsicher wahrnahm und sich die Pistole des Angeklagten näher ansah, bemerkte, dass die Pistole im Lauf keine Öffnung aufwies und erkannte sie als Spielzeugpistole.

Die Zeugin W. entgegnete dem Angeklagten, dass sie kein Geld habe, da es noch zu früh am Morgen sei. Als der Angeklagte äußerte, dass die Zeugin doch Wechselgeld habe, öffnete diese die Lottokasse und zeigte dem Angeklagten, dass sich darin kein Geld befand. Nun fragte der Angeklagte: "Und wenn Sie Geld wechseln müssen?" worauf die Zeugin antwortete, dass sie dann zur gegenüber liegenden Sparkasse gehen würde. Sodann verließ der Angeklagte, der erkannte, dass die Zeugin ihm kein Geld geben könne, wortlos den Schreibwarenladen und ging auf die andere Straßenseite zur dort befindlichen Sparkasse, wobei er sich im Laufen den Rollkragen seines Pullovers hoch bis über die Nase zog. Er beabsichtigte nunmehr, die gegenüberliegende Sparkassenfiliale zu überfallen.

Die Zeugin W., die dies beobachtete, informierte telefonisch die Polizei.

Fall 3 (Anklagevorwurf 3; Fallakte 5)

In Ausführung des soeben gefassten Tatplanes betrat der Angeklagte am 16.01.2003 gegen 9:08 Uhr mit hochgezogenem Rollkragenpullover und einer Wollmütze auf dem Kopf die Filiale der Kreisparkasse A. (Zweigstelle K.) auf der ...straße in K., um diese zu überfallen. Bei sich führte er wiederum die silberfarbene Spielzeugpistole, welche er nutzen wollte, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt der Pistole zu bewegen, aus Sorge um sich oder eine dritte Person Bargeld an ihn herauszugeben.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich mehrere Mitarbeiter der Sparkasse - jedenfalls die Zeugin H. und die sonstigen Mitarbeiter S., P., S., K., W. und M., S. und Z. - und die Kunden B., H. und D. in der Filiale. Der Angeklagte stellte sich hinter die Kundin B., die sich gerade im Servicebereich befand, und forderte die in der Filiale anwesenden Personen unter Vorhalt der silbernen Spielzeugpistole auf, sich auf den Boden zu legen.

Die Zeugin H., die zu diesem Zeitpunkt mit dem Rücken zum Schalterraum Aufträge abheftete, drehte sich um, sah eine ältere Kundin zu Boden gehen und den Angeklagten, der die Pistole in der Hand hielt. Diese Pistole hielt die Zeugin für eine echte, schussbereite Waffe. Dann verlangte der Angeklagte von der Zeugin H., zur Kasse zu gehen. Die Zeugin H. ließ sich von ihrer Kollegin S., die erkannte, dass ihre Kollegin vom Angeklagten mit einer Pistole bedroht wurde, den Kassenschlüssel geben, schloss die durch Panzerglas gesicherte Kassenbox auf und trat hinein. Dann nahm sie die in dem Kasseneinsatz liegenden Geldscheinbündel heraus und legte diese in die Ablage der Durchreiche. Währenddessen richtete der Angeklagte die Pistole immer wieder auf die Kundin B., was auch die Zeugin H. beobachtete, die sich um die körperliche Unversehrtheit der Kundin B. sorgte und deshalb - sowie aus Sorge um die übrigen Anwesenden - das Geld heraus gab. Nach einer Weile sagte der Angeklagte: "Genug", obwohl sich noch weitere Geldscheinbündel und das Registriergeld in der Kasse befanden und schob die ihm ausgehändigten Geldbündel in die mitgeführte Plastiktüte. Außerdem steckte der Angeklagte eine Geldtasche mit Tageseinnahmen der Firma ... in Höhe von 1.217,75 € Bargeld, die die Zeugin H. mitgeführt und auf eine Servicetheke gelegt hatte, ein. Sodann verließ der Angeklagte fluchtartig die Sparkasse. Insgesamt erbeutete er Bargeld der Sparkasse A. im Wert von insgesamt 24.980,- € sowie die Tageseinnahmen der Firma ... in Höhe von 1.217,75 €.

Die Zeugin H. arbeitete nach dem Überfall noch ein weiteres Jahr in der Bank, verspürte hierbei aber große Unruhe. Schließlich kündigte sie die Anstellung und erlitt 4 Wochen danach einen psychischen Zusammenbruch mit Panikattacken. Sie befand sich etwa zwei Jahre lang in psychotherapeutischer Betreuung. Auch heute regt sie das Geschehen noch sehr auf. Sie ist geräuschempfindlich und hat Angst, Banken oder auch nur den Ort Kirchen zu betreten.

Fall 4 (Anklagevorwurf 4; Fallakte 8)

Am 14.05.2004 gegen 8:27 Uhr betrat der Angeklagte, maskiert mit einem hellen Tuch vor dem Gesicht, die Filiale der Sparkasse B., ...straße .. in B., um diese zu überfallen. Er trug eine Baseballkappe und führte eine silberfarbene Spielzeug- oder Deko-Pistole mit sich, die er nutzen wollte, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt der Pistole in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

Beim Betreten der Schalterhalle hielt der Angeklagte die Pistole in der rechten Hand, eine blaue Leinentasche in der anderen und ging damit in Richtung Kassenschalter. Im Kassenbereich hielten sich zu diesem Zeitpunkt die Zeugen K. und K. sowie die Mitarbeiter S., B. und S. auf, wobei die Zeugin K. mit dem Rücken zum Angeklagten etwa 3 bis 4 m vor der Kasse stand, wo sich der Zeuge K. hinter einer Panzerglasscheibe am Kassenschalter befand. Kunden hielten sich zu diesem Zeitpunkt keine in der Filiale auf. Der Angeklagte richtete die Pistole auf den Körper der Zeugin K. und sagte: "Hinlegen, alles schnell hinlegen". Die Zeugin K. legte sich daraufhin im Bereich der Kasse und die Mitarbeiterinnen S., B. und S. legten sich im hinteren Kassenraum auf den Boden. Während er die Pistole abwechselnd auf die Zeugin K. und die Mitarbeiterinnen S., B. und S. richtete, begab sich der Angeklagte zum Kassenschalter, hinter dem der Zeuge K. stand. Der Angeklagte schob die Leinentasche durch eine schmale Durchreiche mit den Worten: "Schnell, vollmachen". Nun richtete der Angeklagte die Pistole alternierend auf den Zeugen K. sowie die weiteren Anwesenden. Der Zeuge K., der sich aufgrund des Panzerglases zwar selbst nicht in Gefahr sah, sich aber um die vom Angeklagten mit einer auf ihn schussbereit wirkenden Waffe bedrohten Mitarbeiterinnen sorgte, befüllte die Leinentasche mit dem im Kasseneinsatz befindlichen Scheingeld, insgesamt 31.385,- €. Währenddessen forderte der Angeklagte den Zeugen K. mit den Worten: "Mach schneller, mach schneller, pack alles rein" zur Eile auf. Im weiteren Verlauf reichte der Zeuge K. dem Angeklagten die gefüllte Leinentasche durch eine größere Durchreiche unter dem Tresen. Der Angeklagte nahm den mit Scheingeld gefüllten Leinenbeutel an sich, äußerte das Wort "Entschuldigung", drehte sich um und flüchtete mit der Beute aus der Filiale.

Der Zeuge K. ist infolge dieses und eines im Jahr 2011 ebenfalls durch den Angeklagten verübten Überfalles insgesamt misstrauischer geworden. Auch überkommt ihn ein ungutes Gefühl bei Fremden, die die Bankfiliale betreten.

Die Zeugin K. erlitt bei dem Überfall, während sie auf dem Boden lag und die Pistole auf sie gerichtet war, Todesangst. Sie litt und leidet noch heute unter Angstzuständen und Depressionen und sagt über sich selbst, sie habe keine Angst, sie sei Angst. Sie suchte mehrere Psychiater auf, hielt sich mehrfach in Kliniken auf, und nahm beruhigende Medikamente ein. Sie befand sich seit dem Jahr 2005 bis zum Jahr 2017 durchgehend in Psychotherapie. Die Zeugin K. wollte im Rahmen einer Wiedereingliederung auf einer anderen Geschäftsstelle wieder in ihren Beruf zurückfinden, was jedoch scheiterte, da die Zeugin nach einiger Zeit dort im Kassenbereich eingesetzt wurde, wodurch sich ihre Angstzustände verschlimmerten und sie sich morgendlich erbrach. Seit 5 Jahren ist sie anerkannt erwerbsunfähig und gilt als zu 50 % schwerbehindert. Vor einem Jahr zog sie mit ihrem Ehemann weiter weg und erholte sich dadurch ein wenig, doch durch die anberaumte Hauptverhandlung und ihre hiesige Vernehmung als Zeugin holten sie ihre Ängste wieder ein und sie litt u.a wiederum unter Schlafstörungen. Die Zeugin suchte sich erneut psychotherapeutische Unterstützung.

Fall 5 (Anklagevorwurf 5; Fallakte 9)

Am 03.08.2005 gegen 8:30 Uhr betrat der Angeklagte die Filiale der Kreisparkasse A. (Zweigstelle G.) auf der ... Straße .. in G., um diese zu überfallen. Dabei war er mit einem schwarzen Tuch im Gesicht maskiert, trug eine Baseballkappe und hielt eine schwarze Pistolenattrappe in der Hand. Die Pistolenattrappe wollte er nutzen, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt der Pistole in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

Im Schalterraum der Filiale bediente die Zeugin W. gerade den Zeugen M. und füllte für diesen einen Beleg aus. In den hinteren Büroräumen der Filiale befanden sich zudem die Mitarbeiter M. und W.. Als die Zeugin W. aufsah, sah sie neben dem Zeugen M. den Angeklagten stehen, der in der rechten Hand die Pistole und in der linken Hand einen Jutebeutel hielt und laut: "Hinlegen!" rief. Weiter rief er: "Schnell, schnell, Geld her und hier rein." sowie: "Ihnen passiert nichts." Dabei legte er den Jutebeutel auf die Servicetheke. Die Zeugin W., die in Sorge war, dass der Angeklagte die mitgeführte Pistole - welche sie für echt und schussbereit hielt - gegen sie oder gegen einen anderen der Anwesenden einsetzen werde, wenn sie der Forderung nicht nachkomme, ließ sich daraufhin den Kassenschlüssel von der Mitarbeiterin M. geben, nahm Geldscheine im Wert von insgesamt 31.510,- € aus der Tageskasse und steckte diese in den Jutebeutel. Der Angeklagte hielt währenddessen die Pistole in der rechten Hand meist schräg zu Boden gerichtet, richtete sie aber zeitweise jedenfalls auch auf die Mitarbeiterin M.. Außerdem forderte der Angeklagte den in der Nähe stehenden Zeugen M. zweimal auf, sich hinzulegen, woraufhin dieser sich hinkniete. Die Zeugin W. gab dem Angeklagten sodann zu verstehen, dass sie ihm alles kurzfristig verfügbare Bargeld gegeben hatte. Der Angeklagte nahm den Jutebeutel an sich und flüchtete mit der Beute aus der Sparkasse.

Auf seiner Flucht verfolgte ihn der Zeuge M. noch ein kurzes Stück. Auf dem Fluchtweg verlor der Angeklagte seine Kappe. Nachdem es dem Angeklagten gelungen war, den Zeugen M. abzuschütteln, entledigte er sich noch seiner Jogginghose und warf sie auf ein Gartengrundstück in G..

Die Zeugin W. wurde infolge des Überfalles zwei bis drei Wochen krankgeschrieben. Danach litt sie während ihrer Arbeitszeiten mehrfach unter Ängsten bzw. Panik. Sie begab sich für ein dreiviertel Jahr in Gesprächstherapie und wechselte im Jahr 2006 die Filiale. Kurz danach erlebte sie einen weiteren - nicht durch den Angeklagten begangenen - Überfall. Seitdem ist sie als Folge beider Überfälle geräuschempfindlich, hat Angst vor Menschenmengen und lebt zurückgezogen. Sie fürchtet sich im Dunkeln und hat ihr allgemeines Sicherheitsgefühl verloren. Auch im Vorfeld der Hauptverhandlung litt sie wieder vermehrt unter Ängsten.

Fall 6 (Anklagevorwurf 6; Fallakte 10)

Am 24.11.2006 gegen 8:50 Uhr betrat der Angeklagte die Filiale der Kreisparkasse L. - Zweigstelle F. - ...straße . in D., um diese zu überfallen. Er trug ein hellblaues Kapuzenshirt, dessen Kapuze über seinen Kopf gezogen war und hatte ein buntes Dreiecktuch vor den Mund gebunden. Außerdem hielt er eine schwarze Pistolenattrappe in der Hand, welche er nutzen wollte, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt der Pistole in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich jedenfalls die bei der Sparkasse angestellten Zeugen W. und Z. sowie die Mitarbeiter K., P., N. und eine Kundin im Schalterraum. Der Angeklagte näherte sich dem ersten Schalter der Filiale, hinter welchem sich der Zeuge W. und die Mitarbeiterin K. befanden und hielt dabei die Pistole in der linken und eine helle Jutetasche in der rechten Hand. Die Jutetasche warf er über den Tresen des Schalters und rief: "Überfall! Geld her! Hände hoch, es passiert keinem etwas!" Zudem forderte er die Mitarbeiterinnen P. und N. auf, sich auf den Boden zu legen, woraufhin sich diese hinter ihren Schreibtisch kauerten. Der Zeuge Z. kniete sich vor seinen Schreibtisch und nahm die Hände nach oben. Eine Kundin, die gerade die Filiale verlassen wollte, forderte der Angeklagte auf, hinter einen der Schaltertresen zu gehen, was diese auch tat. Während der gesamten Tatausführung hielt der Angeklagte die Pistole abwechselnd auf die Zeugen W., Z. sowie die Mitarbeiterin K..

Der Zeuge W. legte aus Sorge, der Angeklagte werde sonst ihn selbst oder eine der sonst anwesenden Personen mit der Pistole - welche er für echt und schussbereit hielt - verletzen, Scheingeld, welches eine Kundin zuvor hatte wechseln lassen, das noch nicht gebucht war und gerade auf dem Kassentresen lag sowie Münzgeld aus unter dem Tresen befindlichen Hartgeldrollen in die Jutetasche. Zudem erklärte er dem Angeklagten, dass kein weiteres Scheingeld im oberen Kassenbereich vorhanden sei und er weiteres Geld wegen einer Zeitschlosssicherung nur mit einer zeitlichen Verzögerung aushändigen könne. Schließlich fragte der Zeuge W. den Angeklagten, ob er noch weitere Münzen haben wolle, was dieser verneinte. Sodann nahm der Angeklagte die Jutetasche mit Bargeld in Höhe von insgesamt 242,- € an sich und verließ die Filiale.

Der Zeuge Z. litt während des Überfalles unter Todesangst. Er nimmt seit dem Überfall Medikamente gegen Angstzustände und Schlafstörungen ein und ist auf die Einnahme dieser Medikamente dauerhaft angewiesen. Er hielt sich insgesamt zweimal zur Behandlung in Reha-Kliniken auf und wechselte schließlich seinen Arbeitsplatz. Auch danach zog sich der Zeuge Z. immer mehr aus dem gesellschaftlichen Leben zurück und verlor das Vertrauen in andere Menschen. Ab dem Jahr 2008 durchlebte er mehrere Hörstürze und ist heute auf das Tragen von Hörgeräten angewiesen. Noch heute träumt er von den Geschehnissen und ist als Folge des Überfalles inzwischen Frührentner.

Fall 7 (Anklagevorwurf 7; Fallakte 11)

Der Angeklagte, der mit dem Wert der in der Sparkassenfiliale in D. erlangten Beute nicht zufrieden war, betrat etwa eine Stunde später, nämlich am 24.11.2006 gegen 10:04 Uhr, ein erneutes Mal (vgl. Fall 3) die Filiale der Kreisparkasse A. (Zweigstelle K.), ...staße .. in K., um diese zu überfallen. Wie zuvor in der Sparkassenfiliale in D. war er mit einem hellblauen Kapuzenpullover, dessen Kapuze über seinen Kopf gezogen war sowie einem bunten Tuch, welches er sich vor den Mund gebunden hatte, bekleidet. Ebenso führte er auch hier die schwarze Pistolenattrappe mit sich, welche er nutzen wollte, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt der Pistole in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich im Schalterraum wenigstens die bei der Sparkasse angestellten Zeuginnen S. und F., der Mitarbeiter S. sowie mehrere Kunden. Der Angeklagte hielt die schwarze Pistolenattrappe bei Betreten des Schalterraumes offen in seiner linken Hand. Im Schalterraum schwenkte der Angeklagte die Pistole großräumig in Richtung der anwesenden Personen umher und rief mehrfach: "Überfall, keine Security!". Dann wandte sich der Angeklagte in Richtung des einzigen besetzten Schalters im Kassenbereich. Dort schob er eine Kundin zur Seite, zeigte mit der Pistole in Richtung der Zeugin S., die sich gerade in der Kassenbox befand, warf einen Jutebeutel durch die Öffnung der Geldausgabe und forderte sie auf, alles vorhandene Geld in den Beutel zu packen. Die Zeugin S., die besorgt war, dass der Angeklagte sonst sie selbst oder eine der sonst anwesenden Personen mit der Pistole - sie für echt und schussbereit hielt - verletzen werde, verstaute daraufhin Bargeld in Höhe von insgesamt 28.895,- € in dem Stoffbeutel, während der Angeklagte sie mehrfach aufforderte, sich zu beeilen. Sodann ergriff der Angeklagte den Beutel mit den Geldscheinen und verließ damit die Sparkasse.

Teile seiner Kleidung entsorgte der Angeklagte noch auf der Flucht in einer Mülltonne im gleichen Ort.

Die Zeugin S. war nach dem Überfall eine Woche krankgeschrieben und leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sie wechselte vom Servicebereich in den Innendienst und auch ihr Privatleben litt infolge des Überfalles. So traute sich die Zeugin nicht mehr unter Menschen zu gehen, litt unter Verfolgungswahn und Schlafstörungen, ging nicht mehr - wie zuvor für sie üblich - im Wald joggen und fühlte sich gereizt. Ab April 2007 befand sie sich ein halbes Jahr lang in Psychotherapie. Drei Jahre nach dem Überfall erlebte sie einen weiteren Überfall mit. Sie wird infolge beider erlebten Überfälle auch heute noch nervös, wenn eine Person in der Filiale laut ruft bzw. spricht.

Die Zeugin F. nimmt seit dem Überfall Antidepressiva ein. Im Jahr 2009 erlebte sie einen weiteren Überfall mit und erlebte daraufhin als Folge beider Überfälle einen psychischen Zusammenbruch mit Panikattacken. Sie war ein Jahr lang arbeitsunfähig, begab sich in eine mehrmonatige Psychotherapie und wurde in ihre vorherige Position wieder eingegliedert.

Fall 8 (Anklagevorwurf 8; Fallakte 12)

Am 24.04.2008 gegen 8:43 Uhr betrat der Angeklagte die Filiale der Sparkasse H., ... Straße .. in H., um diese zu überfallen. Er war mit einem schwarzen, bis über die Nase gezogen, Tuch maskiert, trug eine Baseballkappe sowie eine rote Jacke und führte eine echt aussehende schwarze Pistolenattrappe sowie einen Jutebeutel mit sich. Die Pistole - welche er zunächst in einer Jackentasche verbarg - wollte er nutzen, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt derselben in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

In der Filiale befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Bereich des Kundenschalters der bei der Sparkasse angestellte Zeuge S. und der dortige Auszubildende, der Zeuge D. und bedienten Kunden. Darüber hinaus befanden sich in der Filiale die weiteren Mitarbeiter S., P. und F.. Der Angeklagte ging schnellen Schrittes in die Schalterhalle, nahm die Pistole aus seiner Jackentasche und richtete sie auf den Oberkörper des Zeugen D.. Sodann legte der Angeklagte den Jutebeutel auf den Tresen und sagte zu dem Zeugen D.: "Dies ist ein Überfall! Schnell, Geld her!" Der Zeuge D. hob seine Hände hoch, entgegnete dem Beschuldigen, dass er Azubi sei und nicht wisse, was er machen solle und blickte zu seinem Kollegen, dem Zeugen S.. Der Angeklagte bedeutete dem Zeugen D. nun mit weiter vorgehaltener Pistole wegzugehen, woraufhin der Zeuge S. zur Kasse ging. Der Zeuge S., der den Angeklagten als sehr nervös wahrnahm, gab in das sparkasseneigene Auszahlungsgerät ein, einen Wechsel im Wert von 5.000,- € einzulösen, um so an auszahlbares Bargeld zu gelangen. Während dieses Vorgangs betrat der Kunde T. den Schalterraum und rief seiner Ehefrau, die vor der Bank wartete, zu, sie solle nicht eintreten. Der Angeklagte, der dies bemerkte, forderte den Kunden T. auf, dies zu unterlassen. Er solle weiter in die Schalterhalle herein kommen und dort stehen bleiben. Dieser Aufforderung kam der Kunde T. nach. Der Zeuge S., der aufgrund der vorgehaltenen Pistole - welche er für echt und schussbereit hielt - sowohl um seine Gesundheit als auch die der anderen Anwesenden besorgt war, legte die insgesamt 5.000,- € Bargeld in den Jutebeutel. Der Angeklagte sah sich die Geldmenge im Beutel an und fragte enttäuscht: "Mehr nicht?", worauf der Zeuge S. entgegnete, dass er kurzfristig nicht mehr nicht auszahlen könne. Daraufhin nahm der Angeklagte den Jutebeutel, entschuldigte sich bei dem Zeugen D., von dem er bemerkte, dass er Angst hatte, mit den Worten "Tut mir leid." und verließ mit dem Geld die Bank.

Seine gesamte Oberbekleidung legte er auf seiner Flucht vom Tatort an einem etwa 15 km entfernten Wanderparkplatz kurz vor der Ortschaft H. ab.

Fall 9 (Anklagevorwurf 9; Fallakte 14)

Am 18.07.2008 gegen 8:35 Uhr betrat der Angeklagte die Schalterhalle der Sparkasse B.in der ...straße .. in B., um diese erneut (vgl. Fall 4) zu überfallen. Er war mit einem schwarzen Tuch im Gesicht maskiert, trug eine Baseballkappe und führte einen Leinenbeutel sowie eine schwarze, echt aussehende, Pistolenattrappe mit sich, die er verwenden wollte, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt derselben in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

In der Filiale hielten sich zu diesem Zeitpunkt wenigstens die bei der Sparkasse angestellten Zeugen K. und H., die Mitarbeiter M. und H. sowie ein Kunde auf. Der Angeklagte begab sich zum Kassenbereich und der Zeugin K., die als Vertretung des Zeugen K. an diesem Tag für die Kasse zuständig war, gerade einen Kunden bediente und dabei vom Kundenschalter abgewandt telefonierte. Als sie sich wieder dem Kundenschalter zuwandte, bemerkte sie den Angeklagten, der ihr die Pistole mit ausgestrecktem Arm entgegen hielt und mit den Worten "Geld her" die Herausgabe von Bargeld forderte. Zudem wies der Angeklagten die übrigen Anwesenden an, sich auf den Fußboden zu legen, was diese auch taten. Dann holte der Angeklagte den mitgebrachten Leinenbeutel hervor und legte ihn in die Kassenlade. Daraufhin nahm die Zeugin K., die besorgt war, dass der Angeklagte andernfalls sie selbst oder eine der sonst anwesenden Personen mit der Pistole - die sie für echt und schussbereit hielt - verletzen werde, das gesamte Bargeld, das sich in der Kasse befand, sowie mehrere Scheingeldbündel aus einer Schublade und steckte diese in den Leinenbeutel. Der Angeklagte nahm den Beutel mit dem Bargeld im Gesamtwert von 43.975,- € wieder an sich, drehte sich um und flüchtete mit der Beute aus der Sparkasse.

Die Zeugin K., die im Nachgang des Überfalles noch bei zwei weiteren Banküberfällen anwesend war, ist als Folge sämtlicher erlebten Überfälle noch heute schreckhaft und empfindet Angst, wenn ein mit einem Motorradhelm bekleideter Kunde die Sparkassenfiliale betritt, in welcher sie arbeitet.

Fall 10 (Anklagevorwurf 10; Fallakte 15)

Am 20.05.2010 gegen 9:38 Uhr betrat der Angeklagte, maskiert mit einem schwarzen Tuch, die Filiale der Kreissparkasse W. in der ... Straße .. in B., Ortsteil O., um diese zu überfallen. Er trug dabei eine Baseballkappe, führte einen Jutebeutel sowie eine schwarze, echt aussehende Pistolenattrappe mit sich. Diese wollte er nutzen, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt der Pistole in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

Im Schalterraum der Filiale befanden sich die bei der Sparkasse angestellten Zeugen L. und B. sowie die Mitarbeiter B. und S., welche mit dem Angestellten der Service-Firma ... U., über nach offene Restarbeiten eines gerade erfolgten Umbaus in der Filiale sprachen. Kunden befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Filiale. Der Angeklagte rief laut: "Hände hoch, Banküberfall" und forderte die Anwesenden auf, sich auf den Boden zu legen, während er die Pistole im Schalterraum umher bewegte, ohne konkret auf eine Person zu zielen. Dieser Aufforderung kamen alle Anwesenden nach. Der Angeklagte forderte daraufhin den Zeugen L. auf, die Filiale zu schließen. Nachdem der Zeuge L. den Schalterraum der Filiale von innen verschlossen hatte, verlangte der Angeklagte die Übergabe von Bargeld. Der Zeuge L. erklärte dem Angeklagten, Bargeld befinde sich im Tresor, welcher mit einem Zeitschloss gesichert sei. Zudem nehme die Öffnung des Tresors 10 Minuten in Anspruch und es seien zwei Personen für die Aktivierung des Zeitschlosses erforderlich. Sodann forderte der Angeklagte alle Anwesenden dazu auf, aufzustehen und erfragte den Standort des Tresors.

Unter Vorhalt der Pistole verlangte der Angeklagte nun von allen Anwesenden, mit in den Tresorraum zu gehen, wo der Zeuge L. und der Mitarbeiter B. das Zeitschloss aktivierten, um den Tresor zu öffnen. Während der Wartezeit versuchte der Zeuge L. den Angeklagten, der währenddessen im Türrahmen des Tresorraums stand und anmerkte, dass ihm der Überfall leid tue, von der Tat abzubringen, worauf sich der Angeklagte jedoch nicht einließ. Stattdessen äußerte er, den Anwesenden werde nichts geschehen, wenn sie alles machten, was er ihnen sage. Er müsse den Überfall aus "wirtschaftlichen, finanziellen Gründen" begehen. Die Pistole hielt der Angeklagte die ganze Zeit über sichtbar in der Hand, jedoch schräg nach unten gerichtet. Nachdem sich das Zeitschloss geöffnet hatte, händigte der Angeklagte dem Zeugen L. und dem Mitarbeiter B. einen Jutebeutel aus, den der Mitarbeiter B. aus Sorge, der Angeklagte werde andernfalls ihn oder einen der anderen Anwesenden mit der Pistole - welche er für echt und schussbereit hielt - verletzen, mit Geldscheinen in Höhe von mindestens 35.000,- € befüllte. Dann erkundigte sich der Angeklagte nach dem Hinterausgang, woraufhin ihn die Anwesenden auf einen Notausstieg durch das Fenster des Sozialraumes aufmerksam machten. Der Angeklagte forderte den Zeugen L. auf, ihn den Weg zu weisen und folgte diesem, während er die Pistole auf dessen Rücken richtete. Im Sozialraum sagte er zum Zeugen L., dieser solle sich umdrehen und hinknien, was der Zeuge L. auch tat. Nun flüchtete der Angeklagte durch ein Fenster mit der Beute aus der Sparkassenfiliale.

Seit dem Überfall kaut der Zeuge L. an seinen Fingernägeln. Er ist schreckhaft, geräuschempfindlich und fürchtet sich im Dunkeln. Er befand sich durchgängig bis zum Jahr 2015 in psychologischer Behandlung und wechselte im Jahr 2015 - auch durch den miterlebten Überfall motiviert - seine Arbeitsstelle und arbeitet nunmehr als Prokurist in einem privaten Bauunternehmen.

Die Zeugin B. war nach dem Überfall nicht mehr in der Lage, ihrer Beschäftigung als Sparkassenmitarbeiterin nachzugehen. Sie litt auf öffentlichen Plätzen unter Panikattacken und unter Albträumen sowie Schlafstörungen. Nachdem sich ihre Ängste soweit verschlimmerten, dass sie sich nicht mehr in der Lage sah, mit einem öffentlichen Bus zu fahren, begab sie sich bis zum Jahr 2014 in Psychotherapie.

Die Mitarbeiterin S. ließ sich nach dem Überfall zeitnah in eine interne Abteilung der Sparkasse versetzen. Sie ist seit dem Überfall geräuschempfindlich und leidet unter Schlafstörungen.

Fall 11 (Anklagevorwurf 11; Fallakte 16)

Am 14.07.2011 gegen 8:43 Uhr betrat der Angeklagte zum insgesamt dritten Mal (vgl. Fall 4 und 9) die Schalterhalle der Sparkasse B. in der ...straße .. in B., um diese zu überfallen. Er war mit einem schwarzen Tuch im Gesicht maskiert und trug eine helle Baseballkappe sowie eine Leinentasche, in der sich eine schwarze Pistolenattrappe befand, welche er nutzen wollte, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt der Pistole in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

Beim Betreten der Filiale holte der Angeklagte die Pistole hervor und nahm sie in die rechte Hand. Zum gleichen Zeitpunkt war die Kundin N. gerade im Begriff, die Filiale zu verlassen. Dies bemerkte der Angeklagte und hinderte sie am Verlassen der Filiale, indem er sie am Arm festhielt und rückwärts wieder in die Schalterhalle zurückführte. Dort forderte er die Kundin auf, sich zu setzen. Als der Angeklagte sich von der Kundin abwandte und in Richtung der Schalter bewegte, flüchtete sie umgehend aus der Sparkasse.

In der Filiale befanden sich zu diesem Zeitpunkt jedenfalls die bei der Sparkasse angestellten Zeugen K. und S. sowie die Mitarbeiter K. und H..

Der Angeklagte begab sich nunmehr zur Zeugin S., die damals als Auszubildende der Sparkasse an einem der Schalter stand. Er näherte sich deren Schalter und äußerte die Worte "Geld her", wobei er die Pistole sichtbar in der Hand hielt. Die Zeugin S., die nicht wusste, wie sie sich verhalten sollte, drehte sich um und ging zum Büro der Mitarbeiterin K.. Der Angeklagte, der bei der Zeugin einen sehr desorientierten, aufgeregten Eindruck hinterließ, folgte der Zeugin S., stellte sich in den Türbereich des Büros und forderte nun auch von der Mitarbeiterin K. Geld. Dabei hielt er die Pistole im angewinkelten Arm locker in Richtung der Zeugin S.. Die Mitarbeiterin K. verwies den Angeklagten an die Kasse, woraufhin sich dieser in Richtung des Kassenschalters begab. Die Zeugin S. und die Mitarbeiterin K. legten sich nun beide auf den Boden.

Am Kassenschalter löste der Zeuge K., der Kassierer, noch bevor sich ihm der Angeklagte näherte, den stillen Alarm der Filiale aus. Als der Angeklagte den Kassenschalter erreichte, forderte er vom Zeugen K. mit den Worten "Überfall, Geld her" die Auszahlung von Bargeld. Währenddessen schwenkte der Angeklagte die Pistole nunmehr in seiner linken Hand umher. Der Zeuge K., der sich sorgte, der Angeklagte werde sonst die anderen in der Filiale der Sparkasse anwesenden Personen mit der Pistole - welche er als schussbereit einschätzte - verletzen, packte sodann Scheingeld im Gesamtwert von 6.605,- € in den Leinenbeutel, den der Angeklagte dem Zeugen zuvor durch einen Kassenschlitz gereicht hatte. Der Angeklagte verlangte in Folge noch mehr Bargeld, woraufhin der Zeuge K. erklärte, dass kein weiteres Geld im Kassenbereich mehr vorhanden sei, lediglich im Keller der Filiale. Dann schob der Zeuge den mit Bargeld gefüllten Leinenbeutel durch eine Lade unter dem Kassenschlitz zu dem Angeklagten. Dieser ergriff den Beutel und verließ mit ihm schnell die Filiale.

Der Zeuge H., stellvertretendes Mitglied des Sparkassenvorstands, bemerkte zwischenzeitlich in seinem Büro in einem der hinteren Räume, dass gerade ein Überfall stattfand. Der Zeuge, der sich nach den ersten beiden Überfällen auf die Filiale derart auf einen weiteren Überfall vorbereitet hatte, dass er seinen Fahrzeugschlüssel jederzeit griffbereit erreichbar hatte, verließ die Bank durch eine Seitentür und rannte zu seinem Fahrzeug, das hinter der Sparkasse parkte. Mit diesem fuhr er auf der ...straße bergab, wo er den Angeklagten bemerkte, der zu Fuß in Richtung des Flusses ... lief. Der Zeuge H. folgte dem Angeklagten mit seinem Fahrzeug in einem Abstand von etwa 150 Metern. In Höhe einer Brücke, die über die ... führt, bemerkte der Angeklagte den Zeugen H. und zeigte mit seiner Pistole in dessen Richtung. Daraufhin hielt der Zeuge H. das Fahrzeug an und meinte zwei Knallgeräusche zu hören, deren Ursprung jedoch nicht aufklärbar ist. Der Angeklagte rannte nun über die Brücke in Richtung eines Parkplatzes, wo ihn der Zeuge aus den Augen verlor.

Der Zeuge K. ist als Folge beider erlebter Überfälle (Fall 4 und Fall 11) misstrauischer geworden und hat ein ungutes Gefühl bei Fremden, die die Bank betreten.

Fall 12 (Anklagevorwurf 12; Fallakte 17)

Am 08.09.2011 gegen 11:50 Uhr betrat der Angeklagte die Filiale der Sparkasse W. in der ...straße .. in L. Ortsteil W., um diese zu überfallen. Er war mit einem schwarzem Tuch vor dem Gesicht maskiert, trug eine Baseballkappe, führte einen Stoffbeutel mit sich und hielt eine schwarze, echt aussehende Pistolenattrappe in der Hand, welche er nutzen wollte, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt der Pistole in Sorge um ihr Leben bzw. das Leben anderer zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

Zu diesem Zeitpunkt hielten sich vier Mitarbeiter - die Zeugen Z. und B. sowie die weiteren Mitarbeiter W. und Z. in der Filiale auf. Der Angeklagte lief zunächst auf den Zeugen B., derzeit Auszubildender in der Sparkasse, zu. Dabei richtete der Angeklagte die Pistole mit der rechten Hand auf den Zeugen B., woraufhin dieser vor Angst anfing zu schreien und seine Hände nach oben nahm. Der Zeuge Z., der auf den Schrei aufmerksam wurde, begab sich zum Schalterbereich, sah wie der Angeklagte die Pistole auf den Zeugen B. hielt und näherte sich dem Angeklagten, der die Pistole nun in Richtung des Zeugen Z. schwenkte. Der Angeklagte forderte nun vom Zeugen Z. mit den Worten: "Geld her!" die Übergabe von Bargeld. Währenddessen schwenkte der Angeklagte die Pistole im Raum umher. Er übergab dem Zeugen Z. den Stoffbeutel, woraufhin der Zeuge der erwiderte, zur Ausgabe von Geld müsse er in den Kassenbereich. Auf Aufforderung des Angeklagten begaben sich alle im Schalterraum anwesenden Personen, die Zeugen Z. und B. sowie der Mitarbeiter W. gemeinsam mit dem Angeklagten nun zum Kassenbereich, wo der Zeuge Z. die für das Öffnen der Kasse erforderliche Zahlenkombination eingab und die Kasse öffnete. Sodann verstaute der Zeuge Z. Bargeld in Höhe von insgesamt 25.280,- € in dem Beutel aus Sorge, der Angeklagte könnte ihn oder einen der übrigen Personen sonst mit der mitgeführten Pistole - welche er für schussbereit hielt - verletzen. Dann flüchtete er mit der Beute aus der Sparkasse.

Der Zeuge Z. litt unmittelbar nach dem Überfall unter Ängsten, was dazu führte, dass er auch in seinem Privatleben unruhiger und vorsichtiger wurde. Er betrat morgens nicht mehr alleine die Filiale und verließ sie abends nicht mehr alleine. Inzwischen geht es ihm wieder besser.

Fall 13 (Anklagevorwurf 13; Fallakte 18)

Am 21.06.2012 gegen 8:41 Uhr betrat der mit einem schwarzen Tuch im Gesicht maskierte Angeklagte die Filiale der Sparkasse W. in der ...straße .. in B., Ortsteil N., um diese zu überfallen. Er trug dabei eine dunkle Baseballkappe. Im Vorraum der Filiale holte er eine schwarze, echt aussehende Pistolenattrappe hervor, welche er nutzen wollte, um die in der Filiale anzutreffenden Personen durch Vorhalt in Sorge um ihre Gesundheit bzw. die Gesundheit Dritter zu versetzen und so zu der Herausgabe von Bargeld zu bewegen.

Der Angeklagte begab sich in das an den Wartebereich angrenzende Büro der Zeugin H.. Dort richtete er die Pistole auf die Zeugin und erklärte, dass es sich um einen Überfall handele. In diesem Moment drückte die hinter ihrem Schreibtisch sitzende Zeugin H. den Alarmknopf, was der Angeklagte mit den Worten kommentierte: "Sie haben jetzt den Alarm ausgelöst, das hätten Sie nicht tun solle. Denken Sie an Ihre Familie." Dann forderte er von der Zeugin, dass sie ihm schnell Bargeld aushändigen solle. Daraufhin ging die Zeugin H. in den an ihr Büro angrenzenden Tresorraum, wobei der Angeklagte der Zeugin im Abstand von etwa einem halben Meter folgte. Aus dem unverschlossenen Tresor entnahm die Zeugin sodann Bargeldbündel im Wert von insgesamt 21.000,- € und übergab diese dem Angeklagten aus Furcht, dieser werde sonst die Pistole - welche sie für echt und schussbereit hielt - gegen sie einsetzen. Der Angeklagte steckte sodann die Bargeldbündel in eine mitgeführte Plastiktüte. Im Anschluss hieran forderte der Angeklagte die Zeugin auf, sich auf den Boden zu legen und verließ mit der Beute die Sparkasse. Außer der Zeugin H. nahm kein Mitarbeiter der Filiale den Überfall durch den Angeklagten bzw. den Angeklagten selbst wahr.

Nach dem Überfall sorgte sich die Zeugin H. aufgrund des Kommentars des Angeklagten um die Sicherheit ihrer Familie. Auch geht seit dem Überfall kein Mitarbeiter der Filiale mehr im Dunkeln allein in die Filiale hinein oder hinaus.

Fall 14 (Anklagevorwurf 14; Fallakte 22)

Zu einem nicht näher feststellbaren Zeitpunkt vor dem 03.07.2013 erwarb der Angeklagte eine schwarze, echt aussehende Pistolenattrappe des Modells einer russischen Makarov, welche er bei folgenden Überfällen als Druckmittel einsetzen wollte, um in Sparkassen anzutreffende Personen durch Vorhalt der Pistole in Angst um ihre Gesundheit oder die Gesundheit Dritter zu versetzen und sie so zur Herausgabe von Bargeld zu veranlassen.

Am 03.07.2013 gegen 10:05 Uhr betrat der mit einem schwarzen Tuch im Gesicht maskierte Angeklagte die Filiale der Sparkasse W., ... Straße .. in ., Ortsteil O., um sie zu überfallen. Er trug eine dunkle Baseballkappe. Neben der Pistolenattrappe führte er auch eine Plastiktüte der Lebensmittelmarktkette "Rewe" mit sich.

In der Filiale hielten sich zu diesem Zeitpunkt die Zeuginnen B. und L. sowie die weiteren Mitarbeiter B. und B. auf.

Der Angeklagte begab sich in den Schalterraum, wo sich die Zeuginnen B. und L. sowie eine Kundin aufhielten. In der linken Hand hielt er die Pistole, in der rechten die Plastiktüte. Der Angeklagte richtete die Pistole auf die Zeuginnen B. und L. und sagte "Kein Alarm" sowie "Keine Polizei". Die Zeuginnen gaben dem Angeklagten daraufhin zu verstehen, dass sich das Bargeld in einem der hinteren Räumlichkeiten befinde. Aufgrund dessen begaben sie sich, gefolgt von dem Angeklagten, zum Teamraum, in dem der Tresor stand und der nur mit einem speziellen Zahlencode geöffnet werden konnte. Nach Öffnung der Tür durch die Zeuginnen forderte der Angeklagte die Zeugin B. auf, sich auf den Boden zu legen und positionierte sich selbst im Türrahmen. Der Zeugin L. übergab der Angeklagte die mitgebrachte Plastiktüte mit der Aufforderung, dort das Bargeld hinein zu packen. In der Zwischenzeit kam noch die Mitarbeiterin B. hinzu, die gerade dabei gewesen war, für den Geldautomaten angeliefertes Bargeld zu zählen. Auf Verlangen des Angeklagten packten die Zeugin L. und die Mitarbeiterin B. dieses Geld sowie Bargeld aus der sog. "Diskretkasse" in die Plastiktüte, da sie besorgt waren, dass der Angeklagte anderenfalls sie oder eine andere Person mit der Pistole - welche sie für echt und schussbereit hielten - verletzen werde. Nach Befüllung der Plastiktüte mit Bargeld in Höhe von insgesamt 12.390,- € forderte der Angeklagte die Zeugin L. und die Mitarbeiterin B. auf, sich ebenfalls hinzulegen und fünf Minuten zu warten, während er mit der Beute aus der Sparkasse flüchtete.

Die Zeugin B. sah sich nach dem Überfall nicht mehr in der Lage, ihre Tätigkeit am Schalter fortzusetzen und ließ sich in den Innendienst versetzen. Sie befand sich ein halbes Jahr in psychotherapeutischer Behandlung und litt unter Schlafstörungen und Ängsten. Auch fühlte sie sich alleine sehr unwohl. Auch heute noch wird sie nervös beim Anblick von Plastiktüten der Lebensmittelmarktkette "Rewe" oder von Baseballkappen.

Die Zeugin L. hatte kurz vor dem Überfall erfahren, dass sie schwanger war. Nach dem Überfall arbeitete sie noch kurzfristig für wenige Tage in der Filiale der Sparkasse im Back-Office, wobei sie jedoch unter Ängsten litt und darauf bestand, dass immer alle Lichter angeschaltet waren. Sie ließ sich dann insgesamt bis zum Beginn der Mutterschutzzeit krankschreiben. Ihr Arbeitsvertrag mit der Sparkasse lief in dieser Zeit aus. Die Zeugin befand sich fünf bis sechs Mal aufgrund des Überfalles in psychologischer Behandlung. Noch heute hat sie Angst, Geldautomaten zu nutzen und beobachtet bei Einkäufen im Bereich der Kasse den Eingangsbereich eines Ladens, in der Sorge, erneut einen Überfall miterleben zu müssen. Auch fühlt sie sich heute noch bei dem Gedanken an das Geschehen hilflos und hat Angst. Sie will nicht mehr in einer Bank arbeiten.

Fall 15 (Anklagevorwurf 15; Fallakte 23)

Am 12.12.2013 gegen 9:57 Uhr betrat der mit einem schwarzen Tuch im Gesicht maskierte Angeklagte mit einer grauen Baseballkappe bekleidet die Filiale der Kreissparkasse L. (Geschäftsstelle L.), ...straße .. in W., Ortsteil L., um diese zu überfallen. Bei sich führte er die echt aussehende Pistolenattrappe des Modells einer russischen Makarov, welche er als Druckmittel einsetzen wollte, um in der Filiale anzutreffende Personen durch Vorhalt der Pistole in Angst um ihre Gesundheit oder die Gesundheit Dritter zu versetzen und sie so zur Herausgabe von Bargeld zu veranlassen. Darüber hinaus führte er eine Plastiktüte mit sich.

Zu diesem Zeitpunkt hielten sich zwei Bankangestellte - die Zeugin D. und der Mitarbeiter R. - in der Sparkasse auf, wobei die Zeugin D. hinter dem mit Sicherheitsglas abgegrenzten Geldausgabeschalter stand und der Mitarbeiter R. an seinem - nicht durch Sicherheitsglas geschützten - PC-Arbeitsplatz saß. Der Angeklagte begab sich zum Geldausgabeschalter und schob die Plastiktüte sowie einen DIN A4-Zettel durch den Ausgabeschacht, auf dem mit blauer Kugelschreiberschrift stand, es solle kein "Alarm" ausgelöst werden und das Wort "Bombe". Die Zeugin begann den Zettel zu lesen, wobei sie zunächst nicht verstand, dass es sich um einen Überfall handelte. Daraufhin holte der Angeklagte die Pistole mit der linken Hand hervor und legte die Hand mit der Pistole auf die Durchreiche, um die Drohung zu verdeutlichen. Außerdem verlangte er mit gemimtem osteuropäischem Akzent von der Zeugin die Übergabe von Bargeld. Der Mitarbeiter R., der sah, dass der Angeklagte eine Pistole in der Hand hielt, rief der Zeugin D. nun zu, sie solle dem Angeklagten alles geben, was in der Geldausgabe sei. Daraufhin forderte der Angeklagte von dem Mitarbeiter R., er solle sich auf den Boden legen und den Kopf unten halten. Sodann steckte die Zeugin D., die in Sorge war, dass der Angeklagte ihren nicht durch Sicherheitsglas geschützten Kollegen sonst mit der Pistole - welche sie für echt und schussbereit hielt - verletzen werde, alle gebündelten Geldscheine in den Ausgabeschacht, woraufhin der Angeklagte die Scheine selbst in die Plastiktüte steckte. Im Anschluss forderte der Angeklagte die Zeugin D. auf, sich ebenfalls auf den Boden zu legen und flüchtete mit der Beute im Gesamtwert von 8.105,- € aus der Sparkasse.

Die Zeugin D. wechselte infolge des Überfalles die Geschäftsstelle und ist insgesamt in ihrem Alltag seitdem vorsichtiger geworden.

Fall 16 (Anklagevorwurf 16; Fallakte 26)

Am 30.07.2014 gegen 9:30 Uhr betrat der mit einem dunklen Tuch im Gesicht maskierte und einer Baseballkappe bekleidete Angeklagte die Filiale der Sparkasse M., ..... in A., Stadtteil M., um diese zu überfallen. Bei sich führte er eine Plastiktüte sowie die echt aussehende Pistolenattrappe des Modells einer russischen Makarov, welche er als Druckmittel einsetzen wollte, um in der Filiale anzutreffende Personen durch Vorhalt der Pistole in Angst um ihre Gesundheit oder die Gesundheit Dritter zu versetzen und sie so zur Herausgabe von Bargeld zu veranlassen.

Zu diesem Zeitpunkt hielten sich zwei Sparkassenangestellte - der Zeuge H. und der Mitarbeiter H., die gerade an ihren Schreibtischen arbeiteten - aber keine Kunden, in der Filiale auf. Der Angeklagte zog die Pistole hervor und begab sich zum Kassenschalter, der mit Panzerglas gesichert war. Dort klopfte er mehrmals laut auf die Kassenlade der Theke, bis der Zeuge H. und der Mitarbeiter H. von ihren Schreibtischen aufstanden und sich dem Schalter näherten. Dabei befanden sich beide in einem komplett durch Panzerglas gesichertem Bereich, auf welchen der Angeklagte keinen Zugriff hatte. Der Angeklagte forderte den Zeugen H. nunmehr auf, ihm Geld zu übergeben. Weiter verlangte er von dem Mitarbeiter H. unter Vorhalt der Pistole, sich auf den Boden zu legen, was dieser auch tat. Der Zeuge H., der mittlerweile am Kassenschalter stand, nahm die Hände hoch und entgegnete dem Angeklagten, er solle ruhig bleiben, er bekomme alles Geld, was in der Schublade sei. Daraufhin holte der Angeklagte die Plastiktüte hervor und legte diese in die Schiebelade der Kassentheke. Da die Plastiktüte jedoch nicht durch die Öffnung passte, nahm der Angeklagte die Tüte wieder an sich. Nun nahm der Zeuge H., der sich sorgte, der Angeklagte könne womöglich plötzlich die Sparkassenfiliale betretende Kunden bedrohen oder verletzen, alle Geldscheine, die sich in der Kassenschublade befanden sowie das Registriergeld - wobei er auch durch Ziehen eines hierfür besonders präparierten Geldscheines den Kontaktalarm auslöste -, legte die Geldscheine in die Schiebelade und schob sie dem Angeklagten entgegen. Anschließend drückte der Zeuge H. zusätzlich den Alarmknopf, was der Angeklagte mit den Worten kommentierte: "Ja, Alarm auch, ist klar". Nun legte der Angeklagte die Pistole auf die Kassentheke und steckte das Bargeld in Höhe von insgesamt 13.200,- € in die Plastiktüte. Dann nahm er die Pistole wieder in die Hand und verließ die Filiale mit der Beute.

Fall 17 (Anklagevorwurf 17; Fallakte 27)

Am 12.03.2015 gegen 9:24 Uhr betrat der mit einem dunklen Schal im Gesicht maskierte und einer Baseballkappe bekleidete Angeklagte die Filiale der Kreissparkasse S., ...straße .. in N., Ortsteil Z. um diese zu überfallen. Bei sich führte er eine Plastiktüte sowie eine echt aussehende Pistolenattrappe, welche er als Druckmittel einsetzen wollte, um in der Filiale anzutreffende Personen durch Vorhalt der Pistole in Angst um ihre Gesundheit oder die Gesundheit Dritter zu versetzen und sie so zur Herausgabe von Bargeld zu veranlassen.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich drei Bankangestellte in der Filiale, die Zeugen H. und K. am Schreibtisch und der Auszubildende W. am Schalter des Kassenbereichs der Filiale. Alle drei Mitarbeiter befanden sich hinter einer Panzerverglasung, die durch den für Kunden erreichbaren Schalterraum nicht erreichbar war. Etwa 10 bis 30 Minuten zuvor hatte der Zeuge K. Bargeld in Höhe von 68.000,- Euro einer Geldtransporterlieferung entgegen genommen. Der Angeklagte, der den Geldtransporter wahrgenommen hatte, wusste jedoch nicht, ob der Transporter Bargeld angeliefert oder abgeholt hatte. Er begab sich zum Kassenschalter, holte die Pistole hervor und äußerte mit imitiertem osteuropäischem Akzent gegenüber dem Mitarbeiter W., der gerade das angelieferte Bargeld in die Geldzählmaschine einlegte: "Überfall, Geld her." Dabei hielt er die Pistole schräg nach unten im Bereich der Durchreiche des Kassentresens auf die Angestellten gerichtet. Nun kam der Zeuge K. hinzu, der etwa 3 bis 4 Meter entfernt gestanden hatte und schickte den Mitarbeiter W.l aus dem Schalterbereich weg. Dann erklärte der Zeuge K. dem Angeklagten, er solle langsam machen und sich beruhigen, er bekomme sein Geld. Darauf erwiderte der Angeklagte: "Geld her, sonst Gas. Hände hoch und keinen Alarm".

Nun ging der Zeuge K. in einen hinteren Raum der Filiale, wo sich der Tresor befand. Dort löste er den Alarm aus und kam wieder zurück zum Schalter. Der Angeklagte schob die Plastiktüte durch den Bereich der Kassendurchreiche. Daraufhin nahm der Zeuge K., der wusste, dass der Angeklagte weder ihn noch einen der beiden anderen Mitarbeiter der Sparkasse erreichen konnte, der aber fürchtete, Kunden könnten die Filiale betreten und sodann durch den Angeklagten bedroht oder verletzt werden, das Bargeld, das in der Kasse lag - darunter auch Registriergeld - packte es in die Tüte und schob sie wieder dem Angeklagten zu. Der Angeklagte nahm die Tüte mit dem Bargeld in Höhe von insgesamt 18.590,- € an sich, forderte die Bankangestellten auf, sich auf den Boden zu legen, dort fünf Minuten liegen zu bleiben und den Alarm nicht zu betätigen. Nachdem sich die Mitarbeiter hingelegt hatten, verließ der Angeklagte mit der Beute die Sparkasse.

Die Zeugin H. erlitt infolge des Überfalles eine schwere Panikstörung und ein schweres Trauma. Im Anschluss an den Überfall war sie etwa 6 Wochen krankgeschrieben und befand sich in psychologischer Behandlung. Es ist ihr heute nicht mehr möglich, im Kundenbereich der Sparkasse zu arbeiten. Sie empfindet auch heute noch Angst, wenn ihr Personen begegnen, die dem Angeklagten ähnlich sehen. Aufgrund ihrer Einschränkungen war es ihr auch nicht möglich, im Rahmen der Hauptverhandlung als Zeugin auszusagen.

Fall 18 (Anklagevorwurf 18; Fallakte 29)

Am 24.05.2016 gegen 8:45 Uhr betrat der Angeklagte die Filiale der Sparkasse W. in der...straße .. in W., um diese zu überfallen. Bei sich führte er eine Plastiktüte, die echt aussehende Pistolenattrappe des Modells einer russischen Makarov sowie ein faustgroßes Päckchen, welches komplett mit braunen Paketband umklebt war und auf dessen Kopfseite zwei Batterien "AAA" aufgeklebt waren, um den falschen Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine Bombe. Die Pistole und die Bombenattrappe wollte er als Druckmittel einsetzen, um in der Filiale anzutreffende Personen durch Vorhalt der Pistole in Angst um ihre Gesundheit oder die Gesundheit Dritter zu versetzen und sie so zur Herausgabe von Bargeld zu veranlassen. Er trug eine Baseballkappe und zog sich beim Öffnen der Tür ein Halstuch ins Gesicht.

Im Schalterraum der Ein-Mann-Geschäftsstelle befand sich der Zeuge S., der als Bankmitarbeiter hinter dem Kassenschalter stand und durch einen durch Sicherheitsglas geschützten Bereich vom für die Kunden zugänglichen Schalterraum getrennt war. Der Angeklagte holte die Pistole hervor und begab sich zum Kassenschalter, hinter dem der Zeuge S. stand. In der anderen Hand hielt der Angeklagte die Bombenattrappe und äußerte gegenüber dem etwa ein bis zwei Meter entfernten Zeugen S.: "Geld oder Bombe". Der Zeuge S. hielt das zunächst für einen Scherz und lachte, erkannte aber dann die Pistole in der Hand des Angeklagten, der entgegnete: "Ist kein Scherz!". Sofort drehte sich der Zeuge S. um, lief über die hinteren Büros aus dem Schalterraum und verließ das Sparkassengebäude durch den Personalausgang. Der Angeklagte, der erkannte, dass er sein Vorhaben nicht mehr umsetzen konnte, verließ daraufhin die Sparkasse über die Eingangstür.

Der Zeuge S. litt infolge des Überfalles unter Angstzuständen und Schafstörungen. Nach dem Überfall war er besonders schreckhaft. Seine Ängste beeinträchtigten ihn auch in seiner Lernphase vor seiner mündlichen Prüfung zum Bankwirt, welche er dennoch bestand. Nach dem Überfall wechselte er die Geschäftsstelle.

Fall 19 (Anklagevorwurf 19; Fallakte 30)

Am 24.05.2016 gegen 10:37 Uhr, also knapp zwei Stunden nach dem Verlassen der etwa 50 km entfernten Filiale der Sparkasse in W., betrat der Angeklagte die Filiale der Sparkasse der H. in der ... Straße .. in W., Ortschaft D., um diese zu überfallen. Im Foyer zog sich der immer noch mit einer Baseballkappe bekleidete Angeklagte erneut sein Halstuch ins Gesicht und trat in den Schalterraum ein. Bei sich führte er eine Plastiktüte sowie die echt aussehende Pistolenattrappe des Modells einer russischen Makarov, um diese als Druckmittel einzusetzen, um in der Filiale anzutreffende Personen durch Vorhalt der Pistole in Angst um ihre Gesundheit oder die Gesundheit Dritter zu versetzen und sie so zur Herausgabe von Bargeld zu veranlassen.

Dort befanden sich zu diesem Zeitpunkt drei Bankangestellte - die Zeugen T. und M. sowie die Mitarbeiterin K. - jedoch keine Kunden. Mit gezogener Pistole ging der Angeklagte auf die Bankangestellten zu, die gerade an ihren Schreibtischen saßen und forderte die Herausgabe von Bargeld mit den Worten: "So, keiner hier. Dann mal Geld her!" Der Zeuge M. erklärte dem Angeklagten, dass sie kein Bargeld griffbereit hätten und das, was sie hätten, zeitschlossgesichert sei. Der Angeklagte verlangte sodann, dass der Geldautomat geöffnet werde. Der Zeuge M. erwiderte, dass der Schlüssel für den Geldautomaten auch im Zeitschloss sei und er dieses am PC anwählen müsse und es dann durch zwei Mitarbeiter gemeinsam mittels Fingerabdruck geöffnet werden könne.

Währenddessen löste die Zeugin T.unter ihrem Schreibtisch den Alarm aus.

Der Angeklagte kündigte an, Geiseln zu nehmen, falls die Polizei auftauche. Während der gesamten Zeit hielt er die Pistole für die Zeugen sichtbar mal in seiner rechten, mal in seiner linken Hand. Die Zeugin T. und der Zeuge M. aktivierten nunmehr mittels Fingerabdruck die Öffnung des Zeitschlosses und teilten dem Angeklagten mit, dass es fünf Minuten dauere, bis sich das Schloss öffne. Der Angeklagte verlangte von der Zeugin T. sich mit ihm in einen Nebenraum zu begeben und auf die Öffnung des Zeitschlosses zu warten. Dort entschuldigte er sich bei der Zeugin und erklärte ihr, er habe keine andere Wahl. Zudem versprach er der Zeugin T. ihr werde nichts geschehen und ließ sich erklären, dass sich der Notausgang der Sparkassenfiliale in den Kellerräumen befand. Auch erkundigte sich der Angeklagte zwischenzeitlich, wie lange es noch dauere, bis das Zeitschloss öffne. In der Zwischenzeit klingelte aufgrund des durch die Zeugin T. ausgelösten Alarms mindestens zweimal das Telefon im Schalterraum. Den ersten Anruf des OrGA-Leiters der Bank nahm der Zeuge M. an, einen weiteren durch Polizeibeamten nahm die Mitarbeiterin K. entgegen, ohne dass der Angeklagte intervenierte oder den genauen Inhalt der Gespräche mitbekam, da er durch die Zeugin T. zur Ablenkung während der Dauer der Telefonate in ein Gespräch darüber verwickelt wurde, dass es sich wohl um Kundenanfragen aus einem Callcenter handele.

Sodann zeigte ein akustisches Signal an, dass sich das Zeitschloss nun öffnen ließ und der Angeklagte sowie die Zeugin T. begaben sich zum Geldautomaten. Der Zeuge M. holte die Schlüssel und deaktivierte die im Geldautomaten eingebauten Farbbomben. Dann öffneten der Zeuge M. und die Mitarbeiterin K. den Zeittresor des Automaten und packten in der Sorge, der Angeklagte könne sie oder die Zeugin T. sonst mit der Pistole - welche sie für echt und schussbereit hielten - verletzen, Bargeld in Höhe von insgesamt 81.680,- € in die durch den Angeklagten übergebene Plastiktüte und reichten diese dem Angeklagten. Dann forderte er noch die Mitarbeiterin K. und den Zeugen M. auf, sich auf den Boden zu legen und den Alarm erst in fünf Minuten auszulösen. Im Anschluss verließ der Angeklagte die Sparkassenfiliale durch den Notausgang im Keller, wobei er von der Zeugin T. verlangte, ihn in den Keller zu begleiten. Nachdem die Zeugin T. dem Angeklagten den Weg nach draußen durch den Keller gezeigt hatte, entschuldigte sich der Angeklagte nochmals bei ihr und flüchtete alleine mit der Beute.

Die Pistole warf der Angeklagte auf seinem Fluchtweg in den ..., da er hoffte, künftig nun keine Überfälle mehr begehen zu müssen.

Fall 20 (Anklagevorwurf 20; Fallakte 31)

Obwohl der Angeklagte nach seinem letzten begangen Überfall (vgl. Fall 19) die Hoffnung hatte, künftig seinen Lebensunterhalt ohne das Begehen von Überfällen decken zu können, entschied er spätestens Anfang Januar 2018, weiterhin Überfälle auf Banken zu begehen. Da er wiederum eine echt aussehende Pistole benötigte, um in der Filiale anzutreffende Personen durch Vorhalt der Pistole in Angst um ihre Gesundheit oder die Gesundheit Dritter zu versetzen und sie so zur Herausgabe von Bargeld zu veranlassen, erwarb er eine schwarze Soft-Air-Pistole (Elite Force 2011 C Heavy Metal Energy Springer 6 mm), die er mit schwarzem Filzstift so übermalte, dass deren Beschriftung nicht mehr zu erkennen war.

Am 02.01.2018 begab sich der Angeklagte morgens mit dem durch ihn im Rahmen des Audi-Select Programmes angemietetem Audi, Modell S5 Sportback, amtliches Kennzeichen .... nach D. und parkte das Fahrzeug in einer Seitenstraße. Von dort aus lief er, unschlüssig, ob er erneut einen Überfall auf eine Bank begehen solle, etwa drei Stunden lang ziellos durch die Ortschaft, entschied jedoch schließlich - mangels gefundener Alternativen zur kurzfristigen Beschaffung von Finanzmitteln - erneut ein Geldinstitut zu überfallen.

Sodann betrat der Angeklagte gegen 11:50 Uhr die Filiale der W. Bank in der ... Straße .. in D., um diese zu überfallen. Er war dabei mit einer tief ins Gesicht gezogenen Baseballkappe sowie einem dunklen Schal oder Tuch so maskiert, dass nur seine Augenpartie erkennbar war. Auch führte er die schwarze Soft-Air-Pistole und einen Jute-Beutel mit sich.

Die Filiale in D. verfügte seinerzeit über keinen abgeschlossenen Schalterbereich, sondern es wurde ein sogenanntes "Cash-Depot" genutzt, um Bargeldeinzahlungen aufzubewahren. Dies funktionierte dergestalt, dass durch einen Bankmitarbeiter zunächst ein Code eingeben werden musste, um das Depot zu öffnen. Die Öffnungszeit dauerte dann fünf Minuten. Das Depot hatte fünf oder sechs verschiedene Fächer, in die jeweils das Bargeld gelegt werden konnte. Je höher die hinterlegte Summe war, desto längег dauerte es, bis sich das Depot bei Bedarf öffnete.

Als der Angeklagte die Filiale betrat, befanden sich mehrere Bankmitarbeiter - darunter die Zeuginnen S. und F. sowie die weiteren Mitarbeiter F., B. und E. und die Kunden B., B. und K. im Schalterraum. Die Zeugin F. stand gemeinsam mit ihrer Auszubildenden, der Zeugin S., im Servicebereich. Nach dem Betreten der Bank rief der Angeklagte die Worte: "Überfall" und "In die Ecke, in die Ecke". Dabei hielt er die Pistole in der Hand und schwenkte sie umher. Anschließend drängte er die im Schalterraum befindlichen Kunden B. und B.in ein Büro und forderte diese auf, sich dort hinzulegen, was sie auch taten.

Währenddessen aktivierte die Zeugin F. den Alarm.

Nach Rückkehr in den Schalterraum forderte der Angeklagte mit vorgehaltener Pistole dann die Zeuginnen S. und F. auf, Bargeld an ihn herauszugeben. Hierzu übergab der Angeklagte der Zeugin S. den mitgebrachten Jute-Beutel. Die Zeugin F. teilte dem Angeklagten mit, dass es eine Weile dauere, bis sie Geld in den Beutel füllen könne. Auf die Frage des Angeklagten: "Wie lange?" entgegnete sie: "Es kommt darauf an, ich brauche für die Fächer mehrere Sekunden." Der Angeklagte erklärte sich mit den Worten: "Die Zeit habe ich." hiermit einverstanden.

Während die Zeuginnen S. und F. sodann den Beutel befüllten, betraten weitere Kunden die Bank, darunter der Zeuge D. sowie dessen Ehefrau. Außerdem betrat der Mitarbeiter B., der gerade in seinem Büro ein Kundengespräch mit der Kundin K. geführt hatte, den Schalterraum, woraufhin ihn der Angeklagte aufforderte, sich hinzuknien. Dabei richtete der Angeklagte die Pistole gezielt auf ihn. Der Mitarbeiter B. kam der Aufforderung zunächst nach, begab sich aber nach wenigen Augenblicken an den Schalter, um die Zeugin F. abzulösen.

Der Angeklagte wandte sich derweil dem Zeugen D. zu, welchen er am Oberarm anfasste. Zwischen dem Zeugen D. und dem Angeklagten kam es sodann zu einem kurzen Gerangel, im Rahmen dessen der Zeuge dem Angeklagten für kurze Zeit die Maskierung vom Gesicht riss. Der Angeklagte beendete das Handgemenge, indem er dem Zeugen die Pistole direkt vor dessen Brust hielt und dann diese im Anschluss abwechselnd auf den Zeugen D. und dessen Ehefrau richtete.

Der Zeuge B. füllte aus Sorge, der Angeklagte könne sonst ihn oder einen weiteren Anwesenden mit der Pistole - welche er für echt und schussbereit hielt - verletzen, Bargeld in den Beutel und übergab ihn gefüllt mit insgesamt 11.115,- € Bargeld anschließend dem Angeklagten.

Sodann flüchtete der Angeklagte mit seiner Beute zu Fuß in Richtung Ortsmitte.

Die Zeugin S. erlitt aufgrund der Tat Schlafstörungen und Angstzustände, weswegen sie über eine Woche krankgeschrieben war.

Zum Nachtatgeschehen:

Im Rahmen der im Anschluss durchgeführten Ermittlungen durch die RKI K. ergab sich aus einer Zeugenbefragung der Hinweis auf ein mutmaßlich im Zusammenhang mit dem Überfall stehendes Fahrzeug, Typ Audi, Modell S5, amtliches Kennzeichen beginnend mit "..", welches in einer Seitenstraße in D. geparkt aufgefallen war. Weiter konnte ein zu der Beschreibung des Fahrzeuges passendes Kfz über die Videoüberwachung eines nahe dem Abstellort des Fahrzeuges gelegenen Lebensmittelmarktes aufgezeichnet werden. Eine Anfrage beim Kraftfahrbundesamt ergab über 500 gemeldete Fahrzeuge des Modells Audi S5. Per Gerichtsbeschluss fragten die Ermittler bei der Fa. Audi AG Fahrzeuge des Modells S5, mit bestimmten, durch den Zeugen beschriebenen, Ausstattungsmerkmalen an. Die mittels der Fahrzeugelektronik gespeicherten Geodaten der insgesamt 30 mit der Beschreibung übereinstimmenden Fahrzeuge glichen die Ermittler nunmehr über Funkzellendaten sowie über die auf den Überwachungsvideos aufgeführten Uhrzeiten ab. So konnte ermittelt werden, dass sich zur Tatzeit ein der Zeugenbeschreibung entsprechendes Fahrzeug des "Audi Select"-Programmes in der Nähe des Tatortes befand und dieses dem Angeklagten zuzuordnen war. Erste Ermittlungen im Umfeld des Angeklagten ergaben, dass der Angeklagte in seinem Wohnort angegeben hatte, in M. Rechtswissenschaften studiert zu haben und bei der Fa. Audi AG in der Rechtsabteilung tätig zu sein. Ein Abgleich dieser Daten bei der Universität M. und der Audi AG ergab, dass der Angeklagte von 1993 bis 1999 als Student der Rechtswissenschaften eingeschrieben war, dieses Studium aber ohne Abschluss beendet hatte und dass er nicht bei der Fa. Audi AG angestellt war. Eine Anfrage bei der Deutschen Rentenversicherung ergab ebenfalls keinen Hinweis auf die behauptete Anstellung. Die bei der Einwohnermeldebehörde erfragten Daten des Angeklagten passten zu der durch die Zeugen in Fall 20 geäußerten Täterbeschreibung. Sodann erwirkten die Ermittler beim Amtsgericht K. einen Durchsuchungsbeschluss hinsichtlich der Wohnung des Angeklagten mit allen Nebenräumen, eventuell vorhandener Geschäftsräume und des sonstigen umfriedeten Besitztums sowie seiner Person und den ihm gehörenden Sachen (einschließlich Kraftfahrzeuge). Als sie von der Fa. Audi AG erfuhren, dass der Angeklagte die letzte Rate im Rahmen des "Audi-Select"-Vertrages nicht beglichen habe, aber dort angekündigt habe, er werde in Kürze zahlen, befürchteten die Ermittler, dass der Angeklagte einen neuen Überfall plane und beschlossen, den Durchsuchungsbeschluss kurzfristig umzusetzen.

Am 13.03.2018 griffen Spezialkräfte auf das durch den Angeklagten bewohnte Wohnhaus in B. zu. Der Angeklagte wurde im Erdgeschoss in der Waschküche angetroffen, über seine Rechte als Beschuldigter im Strafverfahren belehrt und festgenommen. Er erklärte gegenüber den ihn festnehmenden Ermittlungsbeamten, in seinem Fahrzeug befänden sich eine Soft-Air-Pistole und Kleidungsstücke. In der Zeit von 15:50 Uhr bis 19:09 Uhr wurden sodann Wohnhaus und Fahrzeug des Angeklagten durchsucht. Dabei wurden in dem aktuellen Fahrzeug des Angeklagten im Rahmen des "Audi Select"-Programmes - dem PKW Audi A6, amtliches Kennzeichen .... - folgende Gegenstände des Angeklagten aufgefunden und sichergestellt:

1 beigefarbene Stoffhose der Marke "Boss" mit braunem Ledergürtel

1 weißes Langarm-Businesshemd

1 Paar schwarze Turnschuhe mit weißer Sohle der Marke "Crivit"

1 blauer Regenparka

1 anthrazitfarbenes Kapuzensweatshirt

1 beigefarbener Stoffbeutel mit blauer Aufschrift

2 Paar dunkelfarbene Arbeitshandschuhe

1 Paar dunkle Socken

1 schwarzes Halstuch (Fleece)

1 faustgroßes Päckchen, welches komplett mit braunen Paketband umklebt war und auf dessen Kopfseite zwei Batterien "AAA" aufgeklebt waren

1 Eddingstift mit schwarzer Farbe

1 schwarz-orangefarbener Sportrucksack der Marke "Audi"

In dem schwarz-orangefarbenen Sportrucksack befanden sich u.a. folgende Gegenstände:

1 schwarze Sturmhaube (Fleece)

1 Wollpullover meliert

1 Unterhose blau-grau-rot

2 Leinenbeutel ohne Aufdruck

1 Pistole Umarex Elite Force mit leerem Magazin

Am 15.03.2018 um 11:00 Uhr wurde das - ebenfalls sichergestellte - Fahrzeug Audi A6, amtliches Kennzeichen ... erneut durchsucht. Hierbei wurden folgende weitere Gegenstände aufgefunden:

in der Mittelarmlehne ein Notizzettel mit darauf notiertem, handschriftlichen Vermerk: "Gartenstraße, Freithofstraße, Vorderstraße"

auf der Rücksitzbank eine dunkelblaue Steppjacke

im Handschuhfach u.a. drei Zahlungsaufforderungen nach Lastschrift-Rückgabe

Die Auswertung des im Fahrzeug verbauten Navigationssystems ergab unter den gespeicherten letzten Zielen u.a. das Ziel "E., Zentrum, H.". Hierzu ergab eine Internetrecherche der Ermittlungsbeamten, dass sich im Zentrum des Ortsteils H. die auf dem Notizzettel in der Mittelarmlehne angegebenen Straßennamen, wie auch eine Filiale der Sparkasse befinden.

Im Nachgang der Durchsuchungen wurde der Angeklagte insgesamt fünf Mal, am 13.03.2018, am 22.03.2018, am 23.03.2018, am 28.03.2018 und am 29.03.2018 als Beschuldigter vernommen. Im Rahmen seiner Vernehmung am 22.03.2018 übergab der Angeklagten den ihn vernehmenden Beamten einen Zettel, auf welchem er handschriftlich die Orte, an welchen er bislang Geldinstitute überfallen hatte, aufgelistet hatte. Hier waren insgesamt 27 Überfälle aufgeführt. Auch wurden im Rahmen der Vernehmungen Überfälle mit dem Angeklagten erörtert, welche in der Vergangenheit zur Ermittlung bzgl. begangener Überfälle den gegründeten Arbeitsgemeinschaften "AG Dünner Mann" (6 Überfälle) und "AG Basecap" (13 Überfälle) zugeteilt worden waren. Insgesamt ordneten die Ermittlungsbeamten dem Angeklagten schließlich 31 Überfälle zu, zu welchen auch die 20 hiesigen Taten zählen.

III.

1. Feststellungen zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten

Die Feststellungen zum Lebensweg des Angeklagten beruhen auf dessen entsprechenden Angaben.

2. Feststellungen zur Sache

Die Feststellungen zur Sache beruhen auf dem Geständnis des Angeklagten und dem Ergebnis der durchgeführten Beweisaufnahme, wie sie sich aus dem Sitzungsprotokoll ergibt.

Im Einzelnen:

a) Feststellungen zur Vorgeschichte

Die Feststellungen zur Vorgeschichte ergeben sich aus den entsprechenden und glaubhaften Ausführungen des Angeklagten im Rahmen seiner Einlassung.

b) Feststellungen zu den Taten

Der Hergang der Taten als solcher steht zur Überzeugung der Kammer fest aufgrund der glaubhaften geständigen Einlassung des Angeklagten sowie der Aussagen der vernommenen Zeugen W., H., K., K., W., S., F., S., Z., L., B., Z., H., B., L., D., H., K., S., M., D., S., K., W., H. und KHK S. sowie auf den in Einverständnis mit Angeklagtem, Verteidiger und Staatsanwaltschaft verlesenen Protokollen der Vernehmung der Zeugin S. vom 18.10.2002, der Vernehmung der Zeugin H. vom 16.01.2003, der Vernehmung des Zeugen M. vom 03.08.2005, der Vernehmung des Zeugen D. vom 24.04.2008, der Vernehmung der Zeugin S. vom 14.07.2011, der Vernehmung des Zeugen B. vom 08.09.2011, der Vernehmung der Zeugin H. vom 12.03.2015, der Vernehmung der Zeugin T.vom 24.05.2016 und der Vernehmung der Zeugin F. vom 02.01.2018.

Der Angeklagte hat diese Taten bei differenziertem Aussageverhalten bereits im Rahmen seiner polizeilichen Vernehmungen gegenüber dem ihn vernehmenden Polizeibeamten, dem Zeugen KHK S., glaubhaft eingeräumt. Dies stellt die Kammer fest aufgrund der Vernehmung der Vernehmungsperson, des Zeugen KHK S.. Hierbei hat der Angeklagte - auch unter Vorlage von Lichtbildern - zwei ihm in der Anklageschrift vom 16.07.2018 vorgeworfene Taten (Anklagevorwurf 9, Fallakte 14 sowie Anklagevorwurf 19, Fallakte 30) zunächst nicht bzw. nicht vollständig eingeräumt. Die Taten zu den Anklagevorwürfen 1- 8, 10-18 sowie 20 hat er hingegen vollumfänglich eingeräumt. Er hat zu diesen Taten jeweils Täterwissen offenbart, welches sich mit den Angaben der jeweils vernommenen Zeugen und den in Augenschein genommenen Lichtbildern deckt. Unter anderem hat er auch angegeben, dass er im Rahmen einzelner Überfälle gegenüber den überfallenen Geldinstitutsmitarbeitern bei Ansprachen einen osteuropäischen Akzent imitiert habe, um die Ermittlungen von ihm abzulenken, was insbesondere die Zeugen D. und K.in ihren Vernehmungen bestätigt haben.

Der Zeuge KHK S. der hat weiter ausgeführt, Anklagevorwurf 9 habe der Angeklagte zunächst nicht eingeräumt. Bei Anklagevorwurf 9 habe es sich um einen der drei Überfälle auf die Sparkassenfiliale in B. gehandelt. Hier sei der Angeklagte zunächst der Ansicht gewesen, er habe diese nur zweimal überfallen. Im Rahmen einer der folgenden Vernehmungen sei dem Angeklagten jedoch die Finanzermittlung vorgelegt worden, aus welcher sich ergeben habe, dass der Angeklagte noch am Tattag, dem 18.07.2008, sowie an den Folgetagen Bareinzahlungen auf sein Konto bei der Deutschen Bank vorgenommen habe. In Anbetracht dieser Ermittlungsergebnisse habe der Angeklagte sodann auch den Anklagevorwurf 9 eingeräumt.

Zu Anklagevorwurf 19 habe der Angeklagte angegeben, die ermittelte Beute von insgesamt 81.680 € sei seiner Erinnerung nach zu hoch. Er habe die Beute im Anschluss an den Überfall noch in seinem Fahrzeug gezählt und es habe sich dabei um 66.000 bis 68.000 € gehandelt.

Im Rahmen der Hauptverhandlung hat der Angeklagte sämtliche Taten erneut eingeräumt, wobei er wiederum angegeben hat, im Rahmen des Anklagevorwurfs 19 habe er nur 66.000 bis 68.000 € erbeutet.

Darüber hinaus decken sich die eingeräumten Taten mit den Finanzermittlungen zu den Kontenbewegungen des Angeklagten, welche die Kammer durch Vernehmung des Ermittlungsbeamten KOK D. eingeführt hat. Der Zeuge KOK D. hat angegeben, die Einzelauswertung der Kontenbewegungen des Angeklagten, insbesondere dessen Girokonto bei der Deutschen Bank, habe ergeben, dass das Kontosaldo in den ausgewerteten Jahren 2008 bis 2018 jeweils vor den Überfällen niedrig oder gar im Soll gewesen sei. Kurz nach jeder Tat seien Einzahlungen auf dieses Konto vorgenommen worden. Insgesamt habe der Angeklagte in dem ausgewerteten Zeitraum etwa 291.000 € bei Überfällen erbeutet und 197.000 € auf sein Konto eingezahlt. Die Differenz habe der Angeklagte vermutlich für den Barverkehr genutzt.

Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte in Fall 19 (Anklagevorwurf 19, Fallakte 30) insgesamt 81.680,- € erbeutet hat. Dies ergibt sich aus der glaubhaften Aussage des Zeugen M., der im Rahmen seiner Vernehmung angegeben hat, die Schadenssumme sei sowohl anhand der Stückelung der Banknoten im Geldautomaten als auch rechnerisch ermittelt worden. Zunächst habe man einen Schaden in Höhe von lediglich 78.270,- € ermittelt. Im Nachgang sei jedoch aufgefallen, dass bei der Schadensermittlung ein Abzugsposten doppelt berücksichtigt worden sei. Es sei so gewesen, dass der Geldautomat laut dem letzten Kontoauszug mit 90.950,- € befüllt gewesen sei. Hiervon seien die seitdem erfolgten Verfügungen - 3.410,- € an fremde Kunden und 5.270,- € an eigene Kunden - abzuziehen. Vom verbleibenden Soll in Höhe von 82.270,- € sei dann der Bestand des sog. "Reject"-Faches, aus welchem kein Geld entnommen worden sei - 760 € - abzuziehen und eine Summe von 120,- €, die nach Abhebung nicht aus dem Automaten entnommen worden sei, hinzuzurechnen. In der ersten Rechnung sei der Posten in Höhe von 3.410,- € fälschlicherweise doppelt berücksichtigt worden, sodass es zu der späteren Korrektur der Schadenssumme von 78.270,- € auf 81.680,- € gekommen sei. Diese Ermittlung des Schadens ist nachvollziehbar. Die Kammer hat keinen Zweifel daran, dass die Schadenssumme richtig ermittelt worden ist. Auch sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass zusätzlich zu dem Angeklagten eine weitere Person am Tattag im zeitlichen Zusammenhang zur Tat unberechtigt Geld aus dem Automaten entnommen hat.

In Fall 10 hat die Kammer - im Gegensatz zum Anklagevorwurf 10, mit welchem dem Angeklagtem ein entstandener Schaden in Höhe von 37.000 € vorgeworfen worden ist - nur einen entstandenen Schaden in Höhe von 35.000 € feststellen können. Der hierzu vernommene Zeuge L. hat zu der Beute des Angeklagten ausgeführt, es habe sich um 36.000 € bis 37.000 € gehandelt. Eine konkrete Ermittlung der Schadenshöhe durch die Innenrevision der Sparkasse hat der Zeuge nicht nennen können. Die Kammer ist hier zugunsten des Angeklagten davon ausgegangen, dass die Beute jedenfalls 35.000 € betragen hat und hat dies den Feststellungen zugrunde gelegt.

c) Feststellungen zu den Tatfolgen

Die festgestellten Folgen der jeweiligen Tat stehen zur Überzeugung der Kammer fest aufgrund der Vernehmung der Zeugen H., K., K., W., Z., S., F., K., L., B., Z., H., L., D., S. und S., die diese entsprechend geschildert haben sowie auf den in Einverständnis mit Angeklagtem, Verteidiger und Staatsanwaltschaft verlesenen Protokollen der Vernehmung der Zeugin S. vom 18.10.2002, der Vernehmung der Zeugin H. vom 12.03.2015, dem Vermerk des Zeugen KHK S. vom 15.05.2018 betreffend die Zeugin S., dem Vermerk des Zeugen KHK S. vom 21.06.2018 betreffend die Zeugin H., dem ärztlichen Attest vom 10.06.2018 betreffend die Zeugin S. und dem ärztlichen Attest vom 25.09.2018 betreffend die Zeugin H..

d) Feststellungen zum Nachtatgeschehen

Die Feststellungen zu den polizeilichen Ermittlungen und der Festnahme des Angeklagten beruhen auf den entsprechenden Angaben der Zeugen KHK B., KOK D. und KHK S..

IV.

Der Angeklagte hat sich damit in den Fällen 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11,12, 14, 15, 19 und 20 wegen erpresserischen Menschenraubes gem. § 239a Abs. 1, 2.Var. StGB in Tateinheit mit schwerer räuberischer Erpressung gem. §§ 250 Abs. 1 Nr. 1 b), 253 Abs. 1 und 2, 255 StGB strafbar gemacht, in den Fällen 13, 16 und 17 wegen schwerer räuberischer Erpressung gemäß §§ 250 Abs. 1 Nr. 1 b), 253 Abs. 1 und 2, 255 StGB sowie in den Fällen 1, 2 und 18 wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung gemäß §§ 250 Abs. 1 Nr. 1 b), 253 Abs. 3, 255, 22, 23 Abs. 1 StGB.

In den Fällen 1, 2 und 18 ist der Angeklagte jeweils nicht freiwillig strafbefreiend vom Versuch der Straftat gem. § 24 Abs. 1 S. 1 StGB zurückgetreten, da er in allen Fällen davon ausgegangen ist, dass er keine Beute mehr erlangen könne und der Versuch damit fehlgeschlagen war.

In den Fällen 13, 16 und 17 hat sich der Angeklagte nicht wegen erpresserischen Menschenraubes gem. § 239a Abs. 1, 2.Var. StGB strafbar gemacht, da die nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes im Zwei-Personen-Verhältnis erforderliche eigenständige Bedeutung der Bemächtigungssituation und eine gewissen Stabilisierung der Lage, die ausgenutzt werden soll (vgl. BGH 40, 359; Fischer, StGB, 63. Aufl., § 239a, Rn. 7a m.w.N.), nicht gegeben war.

V.

Der Angeklagte handelte im Zustand uneingeschränkter Schuldfähigkeit. Dies beurteilt die Kammer sachverständig beraten und im Einklang mit dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums in A, Prof. Dr. S..

Der Sachverständige Prof. Dr. S. hat angegeben, er erstatte sein Gutachten auf der Grundlage der Kenntnis der Akten, einer eingehenden Untersuchung des Angeklagten am 05.07.2018 in der JVA K. und seiner Teilnahme an der Hauptverhandlung.

Der Sachverständige hat ausgeführt, im Rahmen der Exploration habe sich der Angeklagte freundlich, kooperativ und bereitwillig mitarbeitend gezeigt, auch wenn es ihm schwer gefallen sei, seine Biografie zu rekonstruieren. Während des Gespräches habe sich der Angeklagte emotional stark bewegt und reuig gezeigt.

Die medizinische Vorgeschichte des Angeklagten habe keine schwere Erkrankung aufgewiesen. Auch hätten sich im Rahmen der Suchtanamnese keine Hinweise auf einen Missbrauch gezeigt. Die psychische Anamnese habe weder eine psychiatrische Erkrankung noch schwere Schädelhirnschäden, Ängste oder Zwangssyndrome gezeigt. Er - der Sachverständige - habe keine ernsten psychischen Störungen beim Angeklagten feststellen können. Zwar sei der Angeklagte in seiner Vergangenheit auch mal bedrückt gewesen, habe unter Zweifeln und Sorgen gelitten, doch dies sei dessen schwieriger und für den Angeklagten belastender Lebenssituation geschuldet. Einen zurückliegenden Suizidversuch des Angeklagten bewerte er als ein unentschiedenes Probieren ohne "harte" Suizidalität.

Aufgrund der durch den Angeklagten als belastend empfundenen Familienverhältnisse, insbesondere bezüglich der Beziehung zum Vater, habe der Angeklagten eine schwierige Lebensentwicklung bzw. Persönlichkeitsentwicklung durchlebt. Hinweise auf eine Intelligenzminderung hätten sich nicht gezeigt. Dem Angeklagten sei es auch zeitlebens gelungen, Beziehungen zu Freunden und Kameraden aufrechtzuerhalten, die nach wie vor fortbestünden.

Nach dem Abitur habe sich der Angeklagte mit einem Studium der Rechtswissenschaften ein hohes Ziel gesetzt, welches er nicht realistisch angesteuert habe. Er habe nur wenig Geld von den Eltern erhalten und das Studium habe aufgrund organisatorischer Schwierigkeiten infolge der Fahrten zum Studienort gelitten. Der Angeklagte habe sich emotional nicht frei gefühlt, sondern sei in Sorge gewesen, dass der Vater die Mutter und den Bruder zu Hause drangsaliere. So habe der Angeklagte im Rahmen des Studiums schon früh den Anschluss verloren. Nach zwei Jahren des Studiums sei der Angeklagte zwar an den Studienort gezogen, habe aber auch dann nicht mehr ins Studium hinein gefunden.

Der Angeklagte habe während seines Studiums ca. 20.000 € Schulden aufgebaut und sei im Jahr 1999 seitens seiner Mutter und seines Bruders unter Druck gesetzt worden, das Studium nun rasch zu beenden. Der Angeklagte habe dann etwa ein halbes Jahr überlegt, wie er aus der ihn belastenden Situationen ausbrechen könne. Der Angeklagte habe diese Zeit als quälend und beängstigend empfunden und er - der Sachverständige - habe die Erinnerung des Angeklagten als Fokussierung auf den Angeklagten selbst und dessen eigenes Unbill bewertet. Der Angeklagte habe die Fähigkeit, wahrzunehmen, was er wolle und ihm Unangenehmes bzw. Belastendes verdrängt. Sodann habe der Angeklagte ein "Scheinleben" aufgebaut und die begangenen Überfälle in seinem sonstigen Alltag verdrängt und von diesem abgespalten. Auch erinnere er sich hauptsächlich an seine eigenen Ängste während der Überfälle. Dennoch habe der Angeklagte aber erkannt, was im Rahmen der durch ihn begangenen Überfälle geschehen sei. Es lägen keine Anhaltspunkte für eine Verzerrung oder wahnhafte Realitätsverkennung vor. Bei dem Angeklagten liege vielmehr eine Besonderheit der Persönlichkeit vor. Diese sei unreif, abhängig, egozentrisch und wenig durchsetzungsstark, während der Angeklagte sich selbst als liebevoll und fürsorglich beschreibe. Nach den Entdeckungen der Überfälle zeige der Angeklagte nun Erschütterung und tiefe Reue. Die Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten sei nicht generell dissozial, sondern die Dissozialität betreffe einen abgekapselten Bereich. Daneben bestünden bei dem Angeklagten auch positive Bereiche mit einem entsprechenden Wertegefühl.

Der Sachverständige gelangt zu dem Ergebnis, dass entsprechend die Steuerungsfähigkeit und die Einsichtsfähigkeit des Angeklagten während seiner Taten vollständig erhalten gewesen seien, so dass er auch nicht im Zustand verminderter Schuldfähigkeit im Sinne des § 21 StGB gehandelt haben könne. Unter Berücksichtigung aller Umstände empfehle er der Kammer von einer uneingeschränkten Schuldfähigkeit des Angeklagten auszugehen. Insbesondere liege bei dem Angeklagten keine tiefgreifende Bewusstseinsstörung vor. Zwar habe sich der Angeklagte auch während der Überfälle erkennbar nervös und desorientiert gezeigt, dies beruhe jedoch auf der jeweils als belastend empfundenen Situation und der hieraus resultierenden Aufregung und nicht auf einer psychischen Störung.

Die Kammer hat sich den Ausführungen des erfahrenen Sachverständigen, der von zutreffenden Anknüpfungstatsachen ausgegangen ist, angeschlossen und in eigener Bewertung der von dem Sachverständigen überzeugend dargestellten Umstände keine verminderte Schuldfähigkeit angenommen. Dies deckt sich mit dem aus der Hauptverhandlung gewonnenen Eindruck der Kammer von dem Angeklagten.

VI.

Allgemeine Strafzumessungserwägungen:

Im Hinblick auf sämtliche ausgeurteilten Taten hat die Kammer zugunsten des Angeklagten sein vollumfängliches Geständnis eingestellt. Darüber hinaus hat der Angeklagte im Rahmen der Hauptverhandlung und auch bereits vor der Hauptverhandlung durch an die persönlich betroffenen Zeugen verfasste, handschriftliche Briefe, Reue gezeigt. Hinzu kam die bereits früh erfolgte Tataufklärung. Der Angeklagte ist bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Auch sieht die Kammer, dass der Angeklagte die Taten aufgrund seiner schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse beging. Durch sein Aussage- und Prozessverhalten konnte einigen Zeugen die Vernehmung im Rahmen der Hauptverhandlung erspart werden.

Zulasten des Angeklagten hat die Kammer eingestellt, dass der Angeklagte die Tatorte seiner Überfälle zuvor ausgekundschaftet und nach einem ausgeklügelten System ausgewählt hat. Dies zeigte im Zusammenhang mit der bei den Fällen 2 bis 20 gewählten Maskierung eine hohe kriminelle Energie.

Fälle 1 und 18:

Ausgangspunkt der Strafzumessungserwägungen war betreffend der Fälle 1 und 18 der versuchten schweren räuberischen Erpressung der Strafrahmen des § 250 Abs. 1 Nr. 1b) StGB, der Freiheitsstrafe von 3 Jahren bis zu 15 Jahren vorsieht.

Die Kammer hat in einem ersten Schritt geprüft, ob unter Zugrundelegung sämtlicher Strafzumessungsgesichtspunkte ein minder schwerer Fall gem. § 250 Abs. 3 StGB angenommen werden kann. Dieser sieht einen Strafrahmen von 1 Jahr bis 10 Jahren Freiheitsstrafe vor. Ein minder schwerer Fall liegt dann vor, wenn das Tatbild unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles einschließlich aller subjektiven Momente und der Täterpersönlichkeit so erheblich von den erfahrungsgemäß vorkommenden Fällen abweicht, dass die Anwendung des Regelstrafrahmens unangemessen wäre.

Die Kammer hat über die allgemeinen Erwägungen hinaus zugunsten des Angeklagten hinsichtlich des Falles 1 eingestellt, dass die Tat bereits lange zurück liegt.

Zulasten des Angeklagten hat die Kammer in Fall 1 die schweren psychischen Folgen bei der Zeugin S. - die infolge des Überfalles nicht mehr arbeiten kann und nun eine Erwerbsminderungsrente bezieht - berücksichtigt. Hinsichtlich Fall 18 hat die Kammer eingestellt, dass der Angeklagte eine erhöhte kriminelle Energie dadurch gezeigt hat, dass er zusätzlich zu der Pistole auch noch eine Bombenattrappe mit sich führte und als Drohwerkzeug einsetzte sowie die psychischen Folgen bei dem Zeugen S..

Im Rahmen der Gesamtabwägung sämtlicher vorgenannter Umstände kann damit jeweils nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Intensität des Unrechts und des Verschuldens hinter den erfahrungsgemäß gewöhnlich vorkommenden Fällen des § 250 Abs. 1 StGB dergestalt zurückbleibt, dass die Anwendung des Normalstrafrahmens unangemessen erschiene. Die Kammer hat die Annahme eines minder schweren Falls - ohne Berücksichtigung vertypter Milderungsgründe - abgelehnt.

In einem zweiten Schritt hat die Kammer geprüft, ob jeweils ein minder schwerer Fall unter zusätzlicher Berücksichtigung vertypter Strafmilderungsgründe, hier des § 23 Abs. 2 StGB, angenommen werden kann. Der Kammer war bewusst, dass neben der Annahme eines minder schweren Falles unter zusätzlicher Berücksichtigung des § 23 Abs. 2 StGB auch eine Strafrahmenverschiebung gemäß §§ 23 Abs. 2 StGB, 49 Abs. 1 StGB in Betracht kam. Unter Berücksichtigung aller Umstände hat sie sich für eine Strafrahmenverschiebung entschieden, so dass die Strafe einem Strafrahmen zwischen 6 Monaten Freiheitsstrafe und 11 Jahren 3 Monaten Freiheitsstrafe zu entnehmen war.

Im Rahmen der Strafzumessung im engeren Sinne innerhalb des so gefundenen Strafrahmens hat die Kammer bei der erneut durchgeführten Gesamtabwägung wiederum jeweils insbesondere die bereits oben genannten Umstände berücksichtigt, welchen auch bei der Frage der Anwendbarkeit des § 250 Abs. 3 StGB erhebliche Bedeutung zukam. Unter Abwägung sämtlicher für und gegen den Angeklagten sprechenden Umstände hielt die Kammer hiernach die Verhängung von Einzelfreiheitsstrafen von:

Fall 1:

2 Jahren und 6 Monaten

Fall 18:

3 Jahren

für tat- und schuldangemessen.

Fall 2:

Ausgangspunkt der Strafzumessungserwägungen war betreffend Fall 2 der versuchten schweren räuberischen Erpressung der Strafrahmen des § 250 Abs. 1 Nr. 1b) StGB, der Freiheitsstrafe von 3 Jahren bis zu 15 Jahren vorsieht.

Die Kammer hat über die allgemeinen Erwägungen hinaus zugunsten des Angeklagten eingestellt, dass die Tat bereits lange zurück liegt und dass die Zeugin W. die Pistole als Spielzeug erkannte.

Im Rahmen der Gesamtabwägung hat die Kammer sodann einen minder schweren Fall angenommen, insbesondere auch da die Zeugin W. die verwendete Spielzeugpistole als solche erkannte.

Die Kammer hat sodann in einem zweiten Schritt zusätzlich den vertypten Strafmilderungsgrund des § 23 Abs. 2 StGB eingestellt und infolgedessen eine Milderung gemäß § 49 Abs. 1 StGB vorgenommen.

Demnach war von einem Strafrahmen auszugehen, der von Freiheitsstrafe von 3 Monaten bis zu 7 Jahren und 6 Monaten reicht.

Im Rahmen der Strafzumessung im engeren Sinne innerhalb des so gefundenen Strafrahmens hat die Kammer bei der erneut durchgeführten Gesamtabwägung wiederum jeweils insbesondere die bereits oben genannten Umstände berücksichtigt, welchen auch bei der Frage der Anwendbarkeit des § 250 Abs. 3 StGB erhebliche Bedeutung zukam. Unter Abwägung sämtlicher für und gegen den Angeklagten sprechenden Umstände hielt die Kammer hiernach die Verhängung einer Einzelfreiheitsstrafe von

9 Monaten

für tat- und schuldangemessen.

Fälle 3 - 12, 14, 15, 19 und 20:

Wegen der Taten betreffend die Fälle 3 - 12, 14, 15, 19 und 20 des erpresserischen Menschenraubes ist jeweils Ausgangspunkt der Strafzumessungserwägung der Strafrahmen des § 239a Abs. 1 StGB, der Freiheitsstrafe von 5 Jahren bis zu 15 Jahren vorsieht.

Die Kammer hat auch hier jeweils in einem ersten Schritt geprüft, ob unter Zugrundelegung sämtlicher Strafzumessungsgesichtspunkte jeweils ein minder schwerer Fall gem. § 239a Abs. 2 StGB angenommen werden kann. Dieser sieht einen Strafrahmen von 1 Jahr bis 15 Jahren Freiheitsstrafe vor.

Die Kammer hat über die allgemeinen Erwägungen hinaus zugunsten des Angeklagten in den Fällen 3 - 12, 14 und 15 eingestellt, dass die Taten bereits längere Zeit zurück liegen, in Fall 4, dass der Angeklagte noch am Tatort allgemein an die Zeugen gerichtet das Wort "Entschuldigung" geäußert hat, in Fall 6 darüber hinaus die relativ geringe erlangte Beute, in Fall 8, dass der Angeklagte noch am Tatort den Zeugen D. um Entschuldigung gebeten hat und in Fall 19, dass der Angeklagte noch am Tatort die Zeugin T.um Entschuldigung gebeten hat.

Zulasten des Angeklagten war zu berücksichtigen, dass er in den Fällen 3 - 12, 14, 15, 19 und 20 jeweils mehrere Tatbestände erfüllt hat. Darüber hinaus war einzustellen, dass er unter Aufwendung einer hohen kriminellen Energie nach Scheitern des Überfalles zu Fall 2 in Fall 3 schlicht die Straßenseite wechselte und die Sparkassenfiliale in K. überfiel und dass die Zeugin H. schwere psychische Folgen davon getragen hat. In Fall 4 trugen die Zeugen K. und K. - insbesondere die Zeugin K., die inzwischen infolge des Überfalles erwerbsunfähig ist - erhebliche psychische Folgen davon, wobei die Folgen bzgl. des Zeugen K. aus dem Überfall zu Fall 4 und dem Überfall zu Fall 11 resultieren. Überdies war zu berücksichtigen, dass die Zeugin W. in Fall 5 psychische Folgen davon getragen hat, dass in Fall 6 der Zeuge Z. - der inzwischen frühverrentet ist - erhebliche psychische Folgen davon getragen hat, dass der Angeklagte den Überfall in Fall 7 bereits etwa eine Stunde nach dem Überfall zu Fall 6) begangen hat und die Zeuginnen S. und F. schwere psychische Folgen davon getragen haben. In Fall 9 waren die hohe erlangte Beute sowie die psychischen Folgen bei der Zeugin K. einzustellen. Ebenso war zu bedenken, dass der Angeklagte in Fall 10 verlangte, dass die Filiale abgeschlossen werde und er sich mit den Zeugen L., B., S., B. und U. für zehn Minuten im Tresorraum befand sowie die schweren psychischen Folgen bei den Zeugen L., B. und S.. In Fall 12 hat die Kammer die psychischen Folgen bei dem Zeugen Z. berücksichtigt, in Fall 14 die schweren psychischen Folgen für die Zeugen B. und L.. In Fall 15 hat die Kammer die psychischen Folgen bei der Zeugin D. eingestellt, in Fall 19 die Höhe der erlangten Beute, dass der Überfall sich über einen längeren Zeitraum erstreckte, da allein das Öffnen des Zeitschlosses fünf Minuten erforderte, dass der Angeklagte die Zeugin T. zwang, ihn noch - ohne andere Mitarbeiter - auf seinem Fluchtweg durch den Keller der Filiale zu begleiten und dass der Angeklagte den Überfall nur wenige Stunden nach dem Überfall zu Fall 18) beging. In Fall 20 hat die Kammer schließlich berücksichtigt, dass die Zeugin S. psychische Folgen davon getragen hat.

Im Rahmen der Gesamtabwägung sämtlicher vorgenannter Umstände kann damit in keinem Fall mehr davon ausgegangen werden, dass die Intensität des Unrechts und des Verschuldens hinter den erfahrungsgemäß gewöhnlich vorkommenden Fällen des § 239a Abs. 1 StGB dergestalt zurück bleibt, dass die Anwendung des Normalstrafrahmens unangemessen erschien. Die Kammer hat die Annahme eines minder schweren Falls daher jeweils abgelehnt.

Im Rahmen der Strafzumessung im engeren Sinne innerhalb des gefundenen Strafrahmens hat die Kammer bei den jeweils erneut durchgeführten Gesamtabwägungen wiederum jeweils insbesondere die bereits oben genannten Umstände berücksichtigt, welchen auch bei der Frage der Anwendbarkeit des § 239a Abs. 2 StGB erhebliche Bedeutung zukam. Unter Abwägung sämtlicher für und gegen den Angeklagten sprechenden Umstände, hielt die Kammer hiernach die Verhängung folgender Einzelfreiheitsstrafen:

Fall 3:

6 Jahre

Fall 4:

8 Jahre

Fall 5:

6 Jahre

Fall 6:

7 Jahre 6 Monate

Fall 7:

6 Jahre 6 Monate

Fall 8:

5 Jahre 6 Monate

Fall 9:

6 Jahre 3 Monate

Fall 10:

7 Jahre 6 Monate

Fall 11:

6 Jahre

Fall 12:

6 Jahre

Fall 14:

6 Jahre 9 Monate

Fall 15:

6 Jahre 3 Monate

Fall 19:

7 Jahre 3 Monate

Fall 20:

6 Jahre 6 Monate

für tat- und schuldangemessen.

Fälle 13, 16 und 17:

Ausgangspunkt der Strafzumessungserwägungen war betreffend der Fälle 13, 16 und 18 der schweren räuberischen Erpressung der Strafrahmen des § 250 Abs. 1 Nr. 1b) StGB, der Freiheitsstrafe von 3 Jahren bis zu 15 Jahren vorsieht.

Die Kammer hat in einem ersten Schritt geprüft, ob unter Zugrundelegung sämtlicher Strafzumessungsgesichtspunkte ein minder schwerer Fall gem. § 250 Abs. 3 StGB angenommen werden kann. Dieser sieht einen Strafrahmen von 1 Jahr bis 10 Jahren Freiheitsstrafe vor. Ein minder schwerer Fall liegt dann vor, wenn das Tatbild unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles einschließlich aller subjektiven Momente und der Täterpersönlichkeit so erheblich von den erfahrungsgemäß vorkommenden Fällen abweicht, dass die Anwendung des Regelstrafrahmens unangemessen wäre.

Die Kammer hat über die allgemeinen Erwägungen hinaus zugunsten des Angeklagten hinsichtlich der Fälle 13, 16 und 17 eingestellt, dass die Taten bereits lange zurück liegen. Zugunsten des Angeklagten war weiter zu berücksichtigen, dass er - auch im Rahmen der Hauptverhandlung - den Zeugen H. um Entschuldigung gebeten hat und dieser die Entschuldigung akzeptiert hat. Dies ist indes kein Anlass zu einer Anwendung des § 46a Nr. 1 StGB. Die Kommunikation zwischen Angeklagtem und Geschädigtem ging nicht über diesen kurzen Austausch hinaus. Dies ist nicht als kommunikativer Prozess anzusehen (vgl. Fischer, StGB, 63. Aufl., § 46a, Rn. 10b m.w.N.).

Zulasten des Angeklagten hat die Kammer in Fall 13 die psychischen Folgen bei der Zeugin H. und in Fall 17 die schweren psychischen Folgen bei der Zeugin H. berücksichtigt.

Im Rahmen der Gesamtabwägung sämtlicher vorgenannter Umstände kann damit jeweils nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die Intensität des Unrechts und des Verschuldens hinter den erfahrungsgemäß gewöhnlich vorkommenden Fällen des § 250 Abs. 1 StGB dergestalt zurückbleibt, dass die Anwendung des Normalstrafrahmens unangemessen erschiene. Die Kammer hat die Annahme eines minder schweren Falls abgelehnt.

Im Rahmen der Strafzumessung im engeren Sinne innerhalb des so gefundenen Strafrahmens hat die Kammer bei der erneut durchgeführten Gesamtabwägung wiederum jeweils insbesondere die bereits oben genannten Umstände berücksichtigt, welchen auch bei der Frage der Anwendbarkeit des § 250 Abs. 3 StGB erhebliche Bedeutung zukam. Unter Abwägung sämtlicher für und gegen den Angeklagten sprechenden Umstände, hielt die Kammer hiernach die Verhängung von Einzelfreiheitsstrafen von:

Fall 13:

4 Jahre

Fall 16:

3 Jahre 6 Monate

Fall 17:

5 Jahre 6 Monate

für tat- und schuldangemessen.

Bildung der Gesamtstrafe:

Aus den so gefundenen Einzelstrafen war unter erneuter Gesamtabwägung sämtlicher Umstände gem. den §§ 53, 54 StGB unter Erhöhung der verwirkten höchsten Einzelstrafe von 8 Jahren eine Gesamtfreiheitsstrafe zu bilden, welche die Kammer mit

13 Jahren

für angemessen erachtet hat.

Die Kammer hat hierbei erneut die bei der Findung der Einzelstrafen aufgeführten Umstände besonders gewichtet und den engen sachlichen Zusammenhang der Taten zugunsten des Angeklagten eingestellt.

VII.

Eine Sicherungsverwahrung gemäß § 66 StGB war nicht auszusprechen.

In Übereinstimmung mit den nachvollziehbaren und überzeugenden Ausführungen des erfahren Sachverständigen Prof. Dr. S. ist die Kammer davon überzeugt, dass der Angeklagte zwar eine lange und intensive Deliktserie hinter sich hat, jedoch bei ihm kein Hang zu erheblichen Straftaten, namentlich zu solchen, durch welche die Opfer seelisch oder körperlich schwer geschädigt werden i.S.d. § 66 Abs. 1 Nr. 4 StGB besteht, der ihn zum Zeitpunkt der Verurteilung für die Allgemeinheit gefährlich erscheinen lässt.

Der Sachverständige hat hierzu ausgeführt, die durch den Angeklagten begangenen Taten hätten nicht dessen eigentlichem Werteempfinden entsprochen. Auch sei mit seiner Festnahme das bisherige Tatmotiv, nämlich die Aufrechterhaltung des Scheinlebens, entfallen. Seiner Ansicht nach sei es wahrscheinlicher, dass der Angeklagte im Rahmen der Haft eine Ausbildung absolviere und nach seiner Entlassung keine Überfälle mehr begehe.

Die Kammer hat sich den überzeugenden Ausführungen des erfahrenen Sachverständigen, der von zutreffenden Anknüpfungstatsachen ausgegangen ist, angeschlossen und in eigener Bewertung eine Sicherungsverwahrung des Angeklagten abgelehnt.

VIII.

Gemäß § 73c Satz 1 StGB war die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 400.169,75 € anzuordnen.

IX.

Die Kostenentscheidung beruht auf § 465 Abs. 1 StPO.