LG Oldenburg, Urteil vom 06.06.2019 - 5 Ks 800 Js 54254/17 (1/18)
Fundstelle
openJur 2020, 73522
  • Rkr:
  • AmtlSlg:
  • PM:
Verfahrensgang
  • nachfolgend: Az. 3 StR 624/19
Strafrecht
§ 211 StGB

Landgericht Oldenburg

Im Namen des Volkes

Urteil

In der Strafsache gegen

xxxxxxxxxx

geboren am 30.12.1976 in xxxxxxxxxxx geschieden,

wohnhaft Justizvollzugsanstalt xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx, geschieden, Staatsangehörigkeit: deutsch,

Verteidigerin:

Rechtsanwältin xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Verteidigerin:

RechtsanwäItin xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

wegen Mordes

hat das Landgericht Oldenburg - Schwurgericht - in der öffentlichen Sitzung vom 06.06.2019, an der teilgenommen haben:

Vorsitzender Richter am Landgericht xxxxxxxxxxxxx

als Vorsitzender

Richter am Landgericht xxxxxxxxxxxxxxxxx

Richter am Landgericht xxxxx

als beisitzende Richter

Herr xxxxxxxxxxxxxxxxx

Herr xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

als Schöffen

Oberstaatsanwältin xxxxxxxxxxxxxxxxx

als Beamtin der Staatsanwaltschaft

Rechtsanwältin xxxxxxxxxxxxxx

als Verteidigerin

Rechtsanwältin xxxxxxxxxxxxxxxxxx

als Verteidigerin

Rechtsanwältin xxxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwältin xxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwältin xxxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwältin xxxxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwalt xxxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwältin xxxxxxxxxxxxxxx

Rechtsanwältin xxxxxxxxx

als Nebenklägervertreter

xxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

xxxxxxxxxxxx

als Nebenkläger

Justizangestellte xxxxxxx

als Urkundsbeamtin der Geschäftsstelle

für Recht erkannt:

Tenor

Der Angeklagte ist des Mordes in 85 Fällen schuldig.

Er wird unter Einbeziehung der Strafe aus dem Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 23.06.2008 - Az. 4 Ks 1/07 - und der Einzelstrafen aus dem Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 26.02.2015 - Az. 5 Ks 1/14-, dessen Gesamtfreiheitsstrafe aufgelöst wird, zu einer

lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe

verurteilt.

Die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten wird festgestellt.

Im Übrigen wird der Angeklagte freigesprochen.

9 Monate der Gesamtfreiheitsstrafe gelten als Entschädigung für die überlange Verfahrensdauer als vollstreckt.

Dem Angeklagten wird für immer verboten, den Beruf eines Krankenpflegers oder eine Tätigkeit in der Pflege kranker und alter Menschen oder im Rettungswesen auszuüben.

Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen der Nebenkläger, soweit er verurteilt wurde. Soweit er freigesprochen wurde, fallen seine notwendigen Auslagen der Staatskasse zur Last.

Angewendete Vorschriften: §§ 211, 53, 55, 70 StGB.

Gründe

A

Der Angeklagte wurde am 30.12.1976 in xxxxxxxxxxx geboren. Sein Vater ist Krankenpfleger, seine Mutter war beruflich als Rechtsanwalts- und Notariatsangestellte tätig Der Angeklagte hat eine vier Jahre ältere Schwester, die als Zahnarzthelferin arbeitet.

Die Kindheit und Jugend des Angeklagten verliefen unauffällig, ebenso seine spätere Ausbildungszeit. Der Angeklagte wurde 1983 im Alter von sechs Jahren eingeschult. Es folgte von 1987 bis 1993 der Besuch der Integrierten Gesamtschule, die er mit dem erweiterten Sekundarabschluss I verließ. Bereits als Jugendlicher stand für ihn fest, dass er - ebenso wie sein Vater - Krankenpfleger werden wollte. Seinen zunächst gefassten Entschluss, Feuerwehrmann zu werden, verwarf er, nachdem er feststellen musste, extreme Höhenangst zu haben. Noch während der Schulzeit absolvierte der Angeklagte daher mehrere Praktika im Krankenhaus. Von 1993 bis 1994 besuchte er die Berufsbildenden Schulen in xxxxxxxxxxxxxxx(Bereich Sozialpflege), die er mit dem Abschlusszeugnis verließ.

Mit 17 Jahren begann der Angeklagte schließlich seine Ausbildung zum Krankenpfleger im xx xxxxxxxxx in xxxxxxxxxxxx, die er im August 1997 mit dem Examen beendete. Anschließend wurde er vom Krankenhaus übernommen und arbeitete dort für die nächsten zwei Jahre. Parallel ließ er sich auch im Rettungsdienst ausbilden und bestand 1998 die Prüfung zum Rettungsassistenten. Auf Anregung des mittlerweile verstorbenen Pflegedienstdirektors, der ihn auf sein großes Potential ansprach, bewarb sich der Angeklagte beim xxxx Hospital und bei den xxxxxxxxx in xxxxxxx (später: Klinikum xxxxxxxx) für eine Weiterbildung als Intensivpfleger. Nachdem er von beiden Krankenhäusern Zusagen erhalten hatte, entschied er sich für die xxxxxxxx Kliniken, die als das medizinische Zentrum der Region galten. Der Angeklagte absolvierte dort seine Weiterbildung und arbeitete vom 15.06.1999 bis Oktober 2002 in xxxxxxxx, wobei sein Arbeitsvertrag aufgrund Kündigung des Angeklagten im Oktober 2002 zunächst bis zum 31.12.2002 lief und schließlich mit Auflösungsvereinbarung zum 14.12.2002 aufgehoben wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt erhielt der Angeklagte vom Klinikum xxxxxxxx auch seinen vollen Lohn, obwohl er seit Oktober 2002 tatsächlich dort schon nicht mehr tätig war. Im Jahr 2000 erlitt der Vater des Angeklagten einen Herzinfarkt und musste mehrfach operiert werden. Der Angeklagte versuchte, die lebensgefährliche Krankheit seines Vaters auszublenden. In diesem Zeitraum verstarb zudem eine Freundin bei einem Verkehrsunfall. Der Angeklagte entwickelte nun selbst Ängste zu sterben und begab sich im Jahr 2001 schließlich in psychiatrische Behandlung. Eine ihm dort empfohlene Psychotherapie trat er jedoch nicht an. in der Zeit in xxxxxxxxxx entwickelte sich eine intime Beziehung zwischen dem Angeklagten und der acht Jahre älteren Krankenschwester und Zeugin xxxxxxxx (damals: xxxxxxx). Beide zogen zusammen. Ihr gegenüber äußerte sich der Angeklagte bisweilen abfällig über andere Pflegekräfte und Assistenzärzte, die Angst vor Reanimationen hätten und denen seiner Auffassung nach das nötige Wissen fehlte. Nach einigen Monaten beendete sie die Beziehung mit dem Angeklagten. Er zog anschließend in eine eigene Wohnung in xxxxxxxxx

Zum 15.12.2002 wechselte der Angeklagte zum xxxxxxxx (damals: Städtische Kliniken xxxxxxxx und anschließend Klinikum xxxxxxxxxx), wo er bis zu seiner Entlassung am 08.07.2005 auf der Intensivstation tätig war. Am 30.04.2003 geriet der Angeklagte unverschuldet in einen schweren Verkehrsunfall, bei dem sich sein Fahrzeug zweimal überschlug. In der Folgezeit entwickelte er Panikattacken, so dass ihm zur Dämpfung der Angst und Spannungszustände Tavor (Lorazepam) verschrieben wurde. Der Angeklagte entwickelte zeitweilig eine Benzodiazepinabhängigkeit. Kurz darauf lernte er seine spätere Ehefrau auf einem Betriebsfest kennen. Bereits nach einem Monat zog er bei ihr zu Hause ein. Er dosierte seinen Benzodiazepinkonsum in der Folgezeit vollständig herunter. Im April 2004 heirateten beide. Im Juli 2004 kam die gemeinsame Tochter zur Welt. Bei ihrer Geburt kam es zu Komplikationen; die Fruchtblase musste künstlich eröffnet, das Kind mit einer Saugglocke geholt werden. Kurz nach der Geburt fing seine Frau an, massiv zu bluten. Sie erlitt einen Blutdruckkollaps. Der Angeklagte war bei der Geburt mit anwesend. Entgegen seines sonstigen Tatendrangs in Notfallsituationen stand er der schwierigen Geburt seiner Tochter jedoch schockiert und hilflos gegenüber, zu aktiver Mithilfe, zu der er von einer Ärztin aufgefordert worden war, war er nicht in der Lage. Frau und Kind konnten das Krankenhaus in der Folgezeit gesund verlassen. Der Angeklagte entwickelte jedoch Versagensängste, und befürchtete, kein guter Vater zu sein. Er flüchtete sich in die Arbeit im Krankenhaus und - nebenher weiterhin -im Rettungsdienst.

Am 08.07.2005 wurde der Angeklagte auf Grund der Ereignisse, die zu seiner Verurteilung am 23.06.2008 führten (s.u.), entlassen. Er begann exzessiv Alkohol zu trinken. Zwischen dem 08.07. und dem 21.09.2005 befand sich der Angeklagte in Untersuchungshaft. Kurze Zeit nach seiner Entlassung trennten sich er und seine Frau. Der Angeklagte zog zu einem Freund und trank dort täglich zwei bis drei Flaschen Korn. Zwischen dem 31.08. und 04.11.2006 wurde er auf Grund einer ausgeprägten psychischen Dekompensation stationär in das Landeskrankenhaus xxxxxx (jetzt: xxxxxxxxx Klinik) eingewiesen, wo eine Stabilisierung seiner psychischen Verfassung erreicht werden konnte. Durch Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 22.12.2006 wurde der Angeklagte wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren verurteilt. Das Urteil wurde durch Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 18.10.2007 mit Ausnahme der Feststellungen zum äußeren Tatgeschehen aufgehoben und im Umfang der Aufhebung an das Landgericht zurückverwiesen. Wegen des Verdachts einer koronaren Herzerkrankung wurde der Angeklagte im März 2007 in das xxxxxxxxxx-Krankenhaus in xxxxxxxxxx eingewiesen. Dort wurde jedoch festgestellt, dass der Angeklagte körperlich kerngesund und die Erkrankung offenbar ein rein psychosomatisches Symptom war. Der Angeklagte nahm anschließend eine Tätigkeit in einem Alten- und Pflegeheim auf, wo er jedoch aus organisatorischen Gründen entlassen wurde. Für kurze Zeit nahm der Angeklagte daraufhin eine Tätigkeit im Rettungsdienst auf. Hier wurde er auf Grund seines auffälligen Alkoholkonsums entlassen.

Der Angeklagte wurde auf Grund der o.g. vom Bundesgerichtshof zurückverwiesenen Schwurgerichtssache durch Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 23.06 2008 - 4 Ks 1/07 -wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Das Urteil lautet im Tenor:

"Der Angeklagte wird wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von

7 Jahren und 6 Monaten

verurteilt.

Dem Angeklagten wird für immer verboten, den Berufeines Krankenpflegers odereine Tätigkeit in der Pflege krankerund alter Menschen oderim Rettungswesen auszuüben.

Er trägt die Kosten des Verfahrens einschließlich der Kosten der Revision und die der Nebenklägerin erwachsenen notwendigen Auslagen."

Diesem Urteil liegen auszugsweise folgende Feststellungen, rechtliche Würdigung und Strafzumessung zu Grunde:

"II.

Die 5. große Strafkammer des Landgerichts Oldenburg hat den Angeklagten mit Urteil vom 22.12.2006 wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren verurteilt und die Ausübung des Berufes des Krankenpflegers, eine Tätigkeit in der Pflege kranker und alter Menschen oder im Rettungswesen für die Dauer von 5 Jahren untersagt.

Das Landgericht hat insoweit auszugsweise folgende Feststellungen getroffen:

Vorgeschichte zur Erkrankung und zum Operationsverlauf

Der am 16.09.1941 geborene Patient xxxxxxxxxx begab sich Anfang Juni 2005 zur Behandlung eines Karzinomsrezidivs im Bereich der Luftröhre zur stationären Behandlung bei Dr. xxxxxxx der ihn bereits am 26 05.1999 wegen eines Bronchialkarzinoms (erweiterte Oberlappenresektion mit Perikardiotonie) behandelt hatte, in die Städtischen Klinken xxxxxxxxx. Bereits seit April 2005 hatte xxxxxxxx über zunehmende Luftnot, Husten und Auswurf geklagt. Daraufhin erfolgte am 18. und 19.05.2005 eine weiterführende Diagnostik durch Dr. xxxxxxx, der bronchoskopisch eine Einengung der Luftröhre durch einen Lymphknotentumor feststellte.

Ein neuartiges Untersuchungsverfahren (PET = Positronen-Emmissions-Tomographie) ergab im Rahmen einer durchgeführten Umfelddiagnostik den Nachweis weiterer bösartiger Zellen im Bereich des linken Lungenflügels. Die prognostische Einschätzung für eine Heilungschance des Herrn xxxx war bereits zu diesem Zeitpunkt schlecht, xxxxxxxx wurde im Rahmen des vorausgehenden ärztlichen Aufklärungsgespräches über die Risiken des Eingriffs allgemein aufgeklärt. Er wurde hingegen nicht darauf hingewiesen, dass wegen denkbarer Komplikationen ein sich nach der Operation anschließendes mehrwöchiges künstliches Koma medizinisch notwendig sein könnte, denn eine solche medizinische Indikation konnte im Zeitpunkt des Aufklärungsgesprächs von Dr. xxxxxxxx noch nicht erkannt werden.

Am 06.06.2005 führte Dr. xxxxxxx beim Patienten xxxx sodann eine Operation der Lunge durch und stellte erst im Rahmen dieses Eingriffs weitere Komplikationen in Form von Gewebeverwachsungen an Lunge und Herzbeutel fest, die geöffnet werden mussten. Erst bei der Operation zeigte sich das gesamte Bild der irreversiblen Tumorausbreitung. Eine bloße Resektion reichte nunmehr nicht mehr aus, so dass in einer siebenstündigen Operation Segmente der Luftröhre entfernt und plastisch ersetzt werden mussten. Der Gesamttumor konnte hingegen nicht entfernt werden. Dr. xxxxxxx ging zudem nunmehr von einer weiteren Metastasierung der Lymphknoten aus. Die mikroskopische Untersuchung des entfernten Lungengewebes bestätigte diese Annahme und ergab ein besonders bösartiges undifferenziert-anaplastisches Adenokarzinom, das tatsächlich auch schon die umgebenen Lymphknoten in weitem Umfange infiltriert hatte und erkennbar bei der Operation nicht vollständig entfernt werden konnte.

Um 20.00 Uhr wurde xxxxxxxxxx postoperativ auf die Intensivstation verlegt und hier fortan mit den Medikamenten Arterenol, Suprarenin und Dopamin wegen schwerer Kreislaufinsuffizenz behandelt. Unter den Medikamenten war der Blutdruck zunächst stabil um 120-140//50-70 mmHg.

Nach der Operation wurde am Folgetag eine Leckage an der Luftröhre diagnostiziert, die am 08 06.2005 eine zweite Operation erforderlich machte. Das betroffene Lungengewebe wurde abgeklebt und die Luftröhre übernäht. Der Patient entwickelte anschließend eine Lungenentzündung, die seinen Gesamtgesundheitszustand zu diesem Zeitpunkt sehr kritisch werden ließ, xxxxxxxxxx wurde nach dieser Operation unter hochdosierter Katecholamingabe weiter auf der Intensivstation betreut. Mindestens ab dem 08.06.2005 hatte der Patient eine schwere respiratorische Insuffizienz (Störung der Gasaustauschfunktion der Lunge), die eine Erhöhung der Sauerstoffkonzentration in der Beatmung zeitweise bis auf 100 % erforderlich machte. Bis zum Tode musste der Patient durchgängig mit 75-100 % Sauerstoff beatmet werden.

Am 15.06.2005 entschied sich Dr. xxxxxxxx zu einem Luftröhrenschnitt, um eine bessere Beatmung des Patienten zu gewährleisten. Die Sauerstoffbeimischung musste auf 85 % angehoben werden. Zu diesem Zeitpunkt litt xxxxxxxxxx bereits an einer septischen Reaktion des Bronchialsystems. Die Druckbelastung auf die Herzkammern des Patienten wuchs fortan, es bestand die Gefahr der Dekompensation mit der Folge eines Multiorganversagens. Die Herzfunktion konnte nur durch Katicholamine gestützt werden. Ab dem 14.06.2005 verschlechterte sich auch allmählich die Nierenfunktion des Patienten. Die Kreatininvserte lagen bei 1,5 mg/dl (normal 1,2 mg/dl). Am 18.06.2005 wurde erstmals die Diagnose einer Sepsis gestellt. Die Lungenfunktion verschlechterte sich weiter, der Patient fieberte.

Vorgeschehen am 22.06.2005 (Schichtwechsel)

Am 22.06.2005 fand in der Zeit zwischen 12.00 und 13.00 Uhr der Schichtwechsel auf der Intensivstation statt. Der noch diensthabende Stationspflegeleiter xxxxxxxxxxx wechselte gegen 12.15 Uhr sämtliche Infusionen der Perfusoren im Krankenzimmer Nr. 6 des xxxxxxx, so dass eine Erneuerung erst mehrere Stunden danach hätte wieder erfolgen müssen. Der Blutdruck des Patienten war während der gesamten Frühschicht stabil gewesen, wie auch zu diesem Zeitpunkt. Auffälligkeiten waren nicht zu verzeichnen.

Die Spätschicht auf der chirurgischen Intensivstation war sodann besetzt mit dem Angeklagten, xxxxxxxxxxx, xxxxxxxxxx und xxxxxxxx, sowie mit dem Praktikanten xxxxxxxx. Jeder Pflegekraft waren primär zwei Patientenzimmer zugeteilt, wobei in Notfallsituationen jeder für jeden Patienten zuständig war. An diesem Tage war die Schwester xxxxxxxxx für xxxxxxxxx verantwortlich. Nach Beginn ihrer Schicht hatte die Schwester xxxxxxxxxx in der Stationsapotheke die Medikamentenfächer neu bestückt. Dabei fiel ihr beim Einordnen des Medikaments Furosemid auf, dass von dem daneben gelagerten Medikament Gilurytmal 1 Packungen vorrätig waren.

In der Folgezeit wurde der Patient xxxx von der für ihn zuständigen Schwester xxxxxxxxx kontrolliert. Der Gesundheitszustand des Patienten war stabil, alle Perfusoren liefen einwandfrei und waren den ärztlichen Anweisungen entsprechend eingestellt.

Vor 13.30 Uhr, wahrscheinlich ab 13.15 Uhr, wechselte der Krankenpfleger xxxxxxxxx in Begleitung des Praktikanten xxxxxxx bei xxxxxxxx das Beatmungssystem komplett aus Zu diesem Zeitpunkt war der Kreislauf ebenfalls stabil. Sämtliche an den Patienten angeschlossenen technischen Geräte funktionierten einwandfrei. Die Perfusoren liefen weiterhin ohne Beanstandungen. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass im Rahmen des Beatmungssystemwechsels jeweils am Monitor des Patientenbettes ein Blutdruck-Ereignisalarm um 13.20 Uhr, 13.22 Uhr und 13.25 Uhr ausgelöst wurde, der jedoch keine weiteren intensivpflichtigen Maßnahmen nach sich zog.

Tatgeschehen am 22.06.2005

Gegen 13.30 Uhr suchte der Angeklagte das Krankenzimmer des xxxxxxx auf und verabreichte diesem ohne medizinische Indikation und ohne ärztliche Anordnung 40 ml (200 mg) des Herzantiarrythmikum Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) über den zentralen Venenkatheter. Dem Angeklagten war bewusst, dass dieses Medikament nur durch einen Arzt verabreicht werden durfte. Obwohl sich der diensthabende Arzt xxxxxxxx zu diesem Zeitpunkt auf der Intensivstation befand, spritzte der Angeklagte dem Patienten xxxx eine Überdosierung in dem Bewusstsein, dass diese Injektion bei dem seit der Operation vom 06.06.2005 intensivpflichtigen Patienten lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, einen Blutdruckabfall und damit verbunden auch den Tod verursachen könnte.

...

Nachdem entweder das gewünschte Ergebnis nicht eintrat oder zur Beschleunigung der Herbeiführung einer für den Patienten lebensbedrohlichen Krisensituation, begab sich der Angeklagte gegen 14.00 Uhr erneut in das Krankenzimmer des xxxxxxx. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich xxxxxxxxxxx, xxxxxxxxxx und der Praktikant xxxxxxxxx in der Teeküche der Intensivstation. Der diensthabende Arzt xxxxxxxx war mit der Intensivschwester xxxxxxx in Zimmer 8 bei der Patientin xxxxx und führte dort eine Bronchoskopie durch.

Der Angeklagte stellte sodann den auf 7 ml/h eingestellten Perfusor, Model "Braun Perfusor Compact", über den das für den Blutdruck des xxxxxxx lebensnotwendige Medikament Arterenol verabreicht wurde, auf "0,00". Sodann fiel der Blutdruck des xxxxxxxx unmittelbar ab, so dass über den Überwachungsmonitor bei einem eingestellten systolischen Grenzwert von 80 mmHg ein entsprechender akustischer Alarm ausgelöst wurde. Um diesen Alami zu unterdrücken, ging der Angeklagte von der linken Seite um das Patientenbett herum und löschte diesen 6 Sekunden später durch Betätigen einer Monitortaste.

Nachdem er sich wieder zurück zu den Perfusoren begeben hatte, erschien in diesem Moment die Schwester xxxxxxxxx zufällig im Krankenzimmer, um zwecks Nachbestellung die Verpackung des um ca. 13.20 Uhr beim Patienten xxxxx gewechselten Beatmungssystems aus dem Abfalleimer zu holen und die Artikelnummer zu notieren. Renate xxxxxxxxxx bemerkte sofort, dass der Blutdruck des xxxxxxx, der zuvor noch stabil gewesen war, nunmehr auf 70/40 mmHg abgesunken war. Zudem fiel ihr auf, dass der Perfusor mit dem lebenswichtigen Arterenol sich in Nullstellung befand. Der Angeklagte drehte sich zur Schwester xxxxxxxxx mit den Worten um: "Dein Patient hat keinen Druck mehr." Auf Nachfrage beim Angeklagten, weshalb der Perfusor auf Null stünde, entgegn ete der Angeklagte, dass er "nichts gemacht habe." Auf spätere nochmalige Nachfrage erwiderte der Angeklagte wörtlich: "Glaubst Du, ich habe das Arterenol ausgemacht ? Es hört sich so an."

xxxxxxxxxxxxx rief daraufhin den Kollegen xxxxxxxxx zur Hilfe und stellte den Perfusor auf die Ausgangsstellung von 7 ml/h zurück. Der Perfusor lief sodann fortwährend ohne technische Beanstandungen weiter. Sie gab dem Patienten sodann einen Bolus von 3,5 ml Arterenol und nach Rücksprache mit dem Arzt xxxxxxxxx wegen des weiter absackenden Blutdrucks auf 50/25 mmHg einen weiteren Bolus von 4 ml. Als unterstützende Maßnahme stellte sie den Perfusor mit dem Medikament Arterenol kurzzeitig auf 20 ml/h.

Entweder durch die zur Lebensrettung erforderlichen Bolusgaben allein oder durch das vorherige durch den Angeklagten verabreichte Gilurytmal allein oder im Zusammenwirken beider Medikamente setzte beim Patienten schließlich über einem Zeitraum von einigen Minuten ein lebensbedrohliches Herzkammerflattern ein. Im Zuge der Wiederbelebungsmaßnahmen stellten die Beteiligten deshalb einen Defibrillator bereit, der jedoch nicht zum Einsatz kommen musste, da sich Kreislauf und Blutdruck des Patienten schließlich aufgrund der Bolusgaben Arterenol wieder erholten.

Nachtatgeschehen

Während der Rettungsmaßnahmen verhielt sich der Angeklagte passiv und schwieg.

Gegen 14.15 Uhr nahm die Schwester xxxxxxxx, die aufgrund des auffälligen Verhaltens des Angeklagten, der unerklärlichen Situation mit dem auf 0 gestellten Perfusor und der plötzlich und unerwarteten Instabilität des Patienten xxxxx misstrauisch geworden war, bei xxxxxxxx eine Blutprobe ab. Sodann begab sie sich in die Apotheke und stellte dort fest, dass von den sieben Packungen Gilurytmal eine mit 5 Ampullen zu je 10 ml = 50 mg fehlte, obwohl kein Patient der Intensivstation dieses Medikament benötigte, xxxxxxxxx, den sie ins Vertrauen gezogen hatte, fand gegen 14.30 Uhr 4 leere Ampullen des Medikaments Gilurytmal oben aufliegend im Abwurfbehälter in der Zentrale der Intensivstation und stellte diese sicher.

Sodann unterrichtete sie telefonisch den Stationspflegeleiter xxxxx xxxxx über den Vorfall. Dieser befürwortete die Untersuchung der Blutprobe des xxxxxxxxx, welche sie daraufhin zur Untersuchung auf das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) an das Labor xxxx, xxxxxxxx sandte. Die Untersuchung ergab einen Rückstand des Wirkstoffs Ajmalin im Serum von 0,9 mg/l.

xxxxxxxxx starb schließlich um 19.30 Uhr des 23.06 2005 an den Folgen seines Grundleidens, letztendlich an einer Lungenentzündung. Während seines klinischen Aufenthalts litt er weder an einer Herzerkrankung, noch erlitt er während dieser Zeit einen Herzinfarkt.

[...]

III.

Die Kammer hat folgende ergänzenden Feststellungen getroffen:

1. Tätigkeit im Klinikum xxxxxxxxx

Bei der Tätigkeit im Klinikum xxxxxxxxx, auf der herzchirurgischen Intensivstation, fiel der Angeklagte zunächst als engagiert auf. Er galt als zupackend und medizinisch sehr kompetent. Bereits damals war er als Rettungsassistent tätig. Bei der Einteilung der Patienten hatte er sich auch vor schwierigen Patienten nicht "gedrückt". In der Folgezeit fiel zunehmend auf, dass im Arbeitsbereich des Angeklagten des öfteren Reanimationen erforderlich waren. Der Angeklagte war bei diesen Maßnahmen in der Regel tatkräftig beteiligt. Teilweise mischte er sich auch ein, obwohl bereits andere Pflegekräfte tätig waren. Der Angeklagte hatte bereits im Klinikum xxxxxxxx den Ruf, immer dort zu sein, wo eine Reanimation erforderlich war. Seine Vorgehensweise bei den Reanimationen war offensiv und zupackend. Der Chefarzt, der Zeuge Prof. Dr. xxxxxx, wertete das Verhalten aber zunehmend als unangebrachten Aktionismus. Er bemühte sich deshalb um eine Versetzung des Angeklagten auf eine andere Station. Der Angeklagte war daraufhin aufgrund seines eigenen schriftlichen Antrags in der Anästhesieabteilung tätig. Auch dort fiel alsbald sein Bemühen auf, zu den jeweils schwierigsten Operationen eingeteilt zu werden. Als der Angeklagte im Rahmen des turnusgemäßen Wechsels auch als Flieger in der Kardioanästhesie eingeteilt wurde, kam es kurz darauf zu zwei neuen Reanimationsfällen im Beisein des Angeklagten. Ein Fall ereignete sich vor einer Operation und einer danach, im Aufwachraum.

Im zweiten Fall holte der Angeklagte eigenmächtig zwei Lernschwestern, die gerade zu Ausbildungszwecken einer Operation im Nachbaroperationssaal zusahen, hinzu. Der Angeklagte wollte die Lernschwestern bei der Durchführung der Reanimation mit seinen medizinischen Fähigkeiten beeindrucken. Prof. xxxxxx wertete insbesondere dieses in seinen Augen fachlich inakzeptable Verhalten des Angeklagten als einen erneuten Versuch des Angeklagten sich unangemessen vor anderen zu produzieren. Nach den Vorfällen wurde der Angeklagte auf Veranlassung des Zeugen xxxxxx nicht mehr in der Kardioanästhesie eingesetzt.

Dieser Vorfall war für Prof. Dr. xxxxxx außerdem Anlass, den Chefarzt der Anästhesie Prof. Dr. xxxxxxxx über das Geschehen und seine weiteren Vorbehalte gegen den Angeklagten zu informieren. Auch Prof. xxxxxxx hatte zu dieser Zeit bereits aufgrund eigener Anschauung ein "ungutes Gefühl" hinsichtlich des Angeklagten, da dieser auffällig häufig in Krisensituationen zugegen war. Allerdings war dem Angeklagten ein objektivierbares Fehlverhalten nicht nachzuweisen. Das Gespräch zwischen Prof Dr. xxxxxx und Prof. Dr. xxxxxxx und außerdem der damaligen Pflegedienstleitung, der Zeugin xxxxxxxx, führte schließlich dazu, dass Prof. Dr. xxxxxxxx mit dem Angeklagten ein Gespräch unter vier Augen führte. Dabei eröffnete Prof. Dr. xxxxxxx dem Angeklagten, dass dieser für eine Tätigkeit in der Anästhesie aus seiner Sicht nicht geeignet sei. Dem Angeklagten wurde anheim gestellt, sich eine andere Tätigkeit in einem anderen Krankenhaus zu suchen. Der Angeklagte nahm das Angebot von Prof. xxxxxxx an und kündigte in der Folgezeit. Er erhielt eine Beurteilung in der er unter anderem als "verantwortungsbewußter und interessierter Mitarbeiter", der "umsichtig gewissenhaft und selbständig" arbeitet, bezeichnet wurde. Die Umstände, die zur Auflösung des Vertrages geführt haben, wurden nicht erwähnt.

Im Anschluss an das Gespräch Ende August 2002 bis zur endgültigen Auflösung des Arbeitsvertrages war der Angeklagte unter Beibehaltung der Vergütung von seiner Tätigkeit freigestellt.

2. Funde im Spind des Angeklagten

Anlässlich der Durchsuchung des Spindes des Angeklagten am 01.07.2005 fanden KOK xxxx und EKHK xxxxxxxxx u. a. in den Jackentaschen der Kittel des Angeklagten folgende Medikamente und Medikamentenschachteln sowie einen EKG - Ausdruck und stellten diese sicher. Es handelte sich um:

1 verbrauchte Ampulle Pancuronium Curamed 2 ml, 2 Ampullen Atropinsulfat 0,5 ml, 1 angebrochenen Ampulle Adrekar 2 ml, ferner 1 Beipackzettel für das Medikament Pancuronium Curamed, 1 Medikamentenverpackung Laxoberal Abführtropfen, 1 Medikamentenschachtel Sotalex i. V. 40 mg, 1 Kunststoffhülle für ein Medikament und einen EKG Ausdruck.

3. Innere Tatseite, Motivation beim Tatgeschehen

Bei Betreten des Zimmers des Patienten xxxx wusste der Angeklagte, dass er für den Patienten nicht zuständig war. Außerdem war ihm bekannt, dass weder die hauptsächlich für den Patienten zuständige Krankenschwester xxxx xxxxxx noch die anderen Pflegekräfte einen Angriff auf das Leben des xxxxxxx erwarteten. Der Angeklagte wußte zudem vor dem 2. Betreten des Zimmers des Herrn xxxx gegen 14.00 Uhr, dass sich die Zeugin xxxxxxxxxx mit anderen in der Teeküche befand. Er hatte wenige Minuten zuvor selbst noch mit ihnen kurz in der Teeküche gestanden.

Als er sodann dem Patienten xxxxxxx am 22.06.2005 gegen 13.30 Uhr ohne medizinische Indikation und ohne ärztliche Anordung 40 ml des Medikamentes Gilurytmal verabreichte, wusste der Angeklagte, dass dieses Medikament bei dem schwerstkranken Patienten lebensbedrohliche Herzrythmusstörungen bis hin zum Kammerflattern auslösen konnte. Er wusste auch, dass die Gabe des Medikamentes medizinisch nicht erforderlich war und dass ein Notfall nicht vorlag. Dies war ihm nicht zuletzt aufgrund seines überdurchschnittlichen medizinischen Fachwissens und seiner Kenntnisse über den ohnehin kritischen Zustand des Patienten xxxx aus den Krankenakten bekannt. Dabei kam es dem Angeklagten gerade darauf an, Herzrythmusstörungen bis hin zum Kammerflattern oder gar Herzstillstand auszulösen, um den Patienten in eine Lage zu bringen, die eine Reanimation erforderte. Bei der anschließenden Reanimation wollte der Angeklagte sodann sein Können auf diesem Gebiet einmal mehr darstellen. Dem Angeklagten war, nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl von ihm durchgeführten und teilweise auch fehlgeschlagenen Reanimationen, bewusst, dass die Herzrythmusstörungen zum Tode hätten führen können und das ein Erfolg der Reanimation keinesfalls sicher war. Diese Folge nahm er aber in Kauf. Das Schicksal des Patienten stand für ihn nicht im Vordergrund. Es kam ihm nicht darauf an, den Patienten zu retten, sondern sein "handwerkliches Können" auf dem Gebiet der Reanimation vorzuführen. Ferner erstrebte er die mit der Reanimation einhergehende Spannung. Um diese Ziele zu erreichen, setzte der Angeklagte bewußt das ihm dafür geeignet erscheinende Medikament Gilurytmal ein.

Als sich der Angeklagte gegen 14.00 Uhr wieder in das Krankenzimmer von xxxxxxxxx begab und den Perfusor mit dem Medikament Arterenol auf "0,00" stellte, wollte der Angeklagte den Eintritt der Herzrythmusstörungen und die damit einhergehende Notwendigkeit der Reanimation beschleunigen. Den aufgrund des nunmehr eintretenden Blutdruckabfalls ausgelösten akustischen Alarm unterdrückte er sofort (nach 6 Sekunden), da er wusste, dass die in der Teeküche befindlichen Pflegekräfte, die Zeugin xxxxxxxxx und der Zeuge xxxxxxx, dann nicht in das Patientenzimmer des xxxxxxxxxx gehen würden. Es kam dem Angeklagten noch immer darauf an, den Patienten in einen reanimationspflichtigen Zustand zu versetzten, um sein "handwerkliches Können" zu demonstrieren. Dass der Patient xxxx aufgrund seines Handelns sterben könnte, wusste der Angeklagte aufgrund seines Fachwissens sehr genau. Dieses Risiko nahm er billigend in Kauf. Es war dem Angeklagten wichtig, seine eigene Person in den Vordergrund zu stellen, und den Nervenkitzel der Reanimation zu erleben.

Es kam dem Angeklagten bei seinem Handeln nicht darauf an, den sterbenskranken Patienten xxxx von seinem Leiden zu erlösen. Eine entsprechende Motivation hat die Kammer nicht festgestellt.

[...]

V.

Der Angeklagte hat sich nach dem festgestellten Sachverhalt durch das medizinisch nicht indizierte Verabreichen von 40 ml des Medikamentes Gilurytmal sowie das Abstellen des Perfusors mit dem kreislaufstabilisierenden Mittel Arterenol des versuchten Mordes strafbar gemacht, wobei er heimtückisch handelte (§§ 211, 22, 23 StGB) in Tateinheit (§ 52 StGB) mit vollendeter gefährlicher Körperverletzung durch Beibringung eines gesundheitsschädlichen Stoffes (§ 224 Abs. 1 Nr. 1 StGB) und mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung (§ 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB) zum Nachteil des xxxxxxxxx.

1. Der Tod des Patienten xxxx ist nicht durch die Handlungen des Angeklagten eingetreten. Der Patient starb an den Folgen seiner Grunderkrankung.

2. Der Angeklagte handelte mit bedingtem Tötungsvorsatz.

Dabei liegt ein bedingter Tötungsvorsatz dann vor, wenn der Täter den von ihm als möglich erkannten Eintritt des Todes billigt oder sich um des erstrebten Zieles willen damit abfindet, auch wenn der Erfolgseintritt an sich unerwünscht ist. In Abgrenzung davon liegt nur bewusste Fahrlässigkeit vor, wenn der Täter mit der Tatbestandsverwirklichung nicht einverstanden ist und ernsthaft darauf vertraut, der Tod werde nicht eintreten.

Die zur Abgrenzung gebotene Gesamtschau aller objektiven und subjektiven Tatumstände führen hier zu der Annahme, dass der Angeklagte nicht auf die Rettung des Patienten vertraute Dem Angeklagten ging es um den Nervenkitzel und um die Darstellung seiner technischen Fertigkeiten und damit der eigenen Person. Die Rettung des Patienten xxxx war zum Erreichen der Ziele nicht erfordedich. Weiter wusste der Angeklagte um die Unberechenbarkeit des Medikamentes Gilurytmal, die auch unter Berücksichtigung der Möglichkeiten auf einer Intensivstation ein nicht kalkulierbares Risiko darstellen. Ein Bedürfnis nach dem "zur Schau stellen" der eigenen Person, Nervenkitzel und Aktion konnte die Kammer bereits für die frühere Tätigkeit im Klinikum xxxxxxx feststellen. Insoweit ergibt die Gesamtschau den Ausschluss des "Rettermotives". Die Grenze zum bedingten Tötungsvorsatz ist hier überschritten, da der Angeklagte zur Verwirklichung seiner oben genannten Ziele auch den Tod des Patienten billigend in Kauf genommen hatte.

3. Die Tat war nicht durch eine mutmaßliche Einwilligung des xxxxxxxxx oder durch sonstige Rechtfertigungsgründe gedeckt. Es lag keine akute Gesundheitsgefährdung vor, die den Einsatz einer Überdosis des Medikamentes Gilurytmal gerechtfertigt hatte. Auch konnte der Angeklagte nach den getroffenen Feststellungen aufgrund seiner medizinischen Kenntnisse subjektiv nicht von einer solchen Krisensituation und einer ihm zustehenden Notfallkompetenz ausgehen.

4. Ein Rücktritt des Angeklagten vom Tötungsversuch gemäß § 24 Abs. 1, Satz 2 StGB scheidet aus, da der Versuch nach dem Abstellen des Perfusors für den Angeklagten bereits beendet war. Der Angeklagte wurde durch die Zeugin xxxxxxxxxxx im Krankenzimmer des Patienten überrascht. Er selbst hat zur Verhinderung des tatbestandlichen Erfolges keine Rettungsbemühungen angestellt, die für einen strafbefreienden Rücktritt hingegen zu fordern gewesen wären.

Dabei ist der Versuch dann als beendet anzusehen, wenn der Täter nach der letzten Ausführungshandlung den Eintritt des tatbestandlichen Erfolges für möglich hält (BGFISt 31, 170, 175). Nach den getroffenen Feststellungen konnte der Angeklagte bereits nach Gabe der Überdosis von 40 ml Gilurytmal nicht mehr auf das Ausbleiben des Todeserfolges vertrauen Spätestens nach Abstellen des Perfusors mit dem lebenswichtigen Kreislaufmittel Arterenol und dem unmittelbaren Absacken des Blutdrucks in lebensbedrohliche Bereiche ist der Angeklagte, dem auch der allgemeine kritische Gesundheitszustand des Patienten bekannt war, davon ausgegangen, dass xxxxxxxx ohne sofort einzuleitende Rettungsmaßnahmen versterben werde, wenn er über längere Zeit ohne das kreislaufstützende Mittel Arterenol bliebe. Der Angeklagte hat sich jedoch an den von den Zeugen xxxxxxxx und xxxxxx eingeleiteten Reanimationsmaßnahmen überhaupt nicht beteiligt, sondern sein vorheriges Tun trotz akuter und für ihn erkennbarer Lebensgefahr für den Patienten verschwiegen. Er hat insbesondere die Gabe des Medikamentes Gilurytmal nicht mitgeteilt.

5. Der Angeklagte handelte heimtückisch im Sinne des §211 Abs. 2 Gruppe 2 Alt. 1., indem er die Arg-und Wehrlosigkeit eines schutzbereiten Dritten zur Tatbegehung ausnutzte.

Schutzbereite Dritte sind dabei Personen, die den Schutz eines Besinnungslosen vor Leib- und Lebensgefahr zumindest vorübergehend übernommen haben und diesen Schutz im Augenblick der Tat entweder ausüben oder dies nur deshalb nicht tun, weil sie dem Täter vertrauen. Dies sind hier die weiteren auf der Intensivstation eingesetzten Pflegekräfte, insbesondere die speziell für den Patienten xxxx zuständige Krankenschwester xxxxxxxxx. Die Krankenschwester xxxxxxxxxx und auch die anderen Pflegekräfte haben den Schutz durch regelmäßige Kontrolle ausgeübt. Ferner waren sie aufgrund der räumlichen Nähe und der Überwachungsgeräte, die bei Verschlechterung des Gesundheitszustandes einen akustischen Alarm ausgelöst haben, in der Lage bei akuter Gesundheitsgefährdung sofort zu reagieren.

Die Krankenschwester xxxxxxxxxx und die übrigen Pflegekräfte waren arg- und wehrlos. Aufgrund der vorangegangenen Kontrollen und des Wechsels des Beatmungssystems durften sie davon ausgehen, dass der Zustand des Patienten xxxx stabil war. Sie verließen sich darauf, dass eventuelle Verschlechterungen des Gesundheitszustandes durch einen Alarm auf dem Überwachungsmonitor angezeigt werden. Sie erwarteten keinerlei Angriffe auf das Leben des xxxxxxxx und verbrachten daher die Kaffeepause in der Teeküche der Station. Die Pflegerin xxxxxx war mit Dr. xxxxxx bei der Versorgung eines anderen Patienten beschäftigt.

Der Angeklagte nutzte diese Arg- und Wehrlosigkeit aus. Dabei ist es ausreichend, wenn der Täter die von ihm erkannte Arg- und Wehrlosigkeit eines Dritten für seine Tatbegehung ausnutzt (BGHSt 8, 216, 219). So liegt der Fall hier. Der Angeklagte wusste aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Intensivpfleger, dass für die übrigen Pflegekräfte ohne Alarmauslösung außerhalb der regelmäßigen Kontrollen keine Veranlassung bestand, das Zimmer des xxxxxxxx zu betreten. Er wusste ferner, dass die Zeugin xxxxxxxxxx und die weiteren Pflegekräfte bei einem akustischen Alarm nur in das Zimmer des Patienten kommen würden, wenn der Alarm andauert. Dementsprechend hat der Angeklagte den Alarm nach den getroffenen Festelllungen auch sofort (nach 6 Sekunden) quittiert und die Zeugin xxxxxxxxx betrat nur zufällig das Patientenzimmer.

Die Frage, inwieweit das Merkmal der Heimtücke auch dann vorliegen kann, wenn der Täter aus Mitleid mit einem todkranken Patienten handelt, muss hier nicht erörtert werden, denn eine derartige Motivation konnte die Kammer entsprechend den obigen Ausführungen nicht feststellen.

6. Durch die Gabe der Überdosis des Medikamentes Gilurytmal hat der Angeklagte weiter tateinheitlich eine gefährliche Körperverletzung begangen. Es handelt sich bei dem Medikament um einen gesundheitsschädlichen Stoff im Sinne von § 224 Abs. 1 Nr. 1 StGB Außerdem liegt eine das Leben gefährdende Behandlung im Sinne von § 224 Abs.1 Nr. 5 StGB vor, denn nach den getroffenen Feststellungen bestand generell die Möglichkeit, dass die Überdosis Gilurytmal lebensbedrohliche Herzrythmusstörungen bis hin zum Herzkammerflattern auslösen konnte.

Die Kammer nimmt hier eine natürliche Handlungseinheit im Sinne von § 52 StGB an. Das Abstellen des Perfusors beruhte nicht auf einem neuen Tatentschluss sondern diente dem einheitlichen Zweck, den Patienten xxxx in einen reanimationspflichtigen Zustand zu versetzen.

VI.

1. Bei der Strafzumessung hat die Kammer von der fakultativen Strafmilderung gemäß §§ 23 Abs. 2, 49 StGB Gebrauch gemacht. Unter Zugrundelegung des Strafrahmens für das mit der schwersten Strafe bedrohte Delikt, hier den versuchten Mord, ergibt sich ein Strafrahmen von 3 Jahren Freiheitsstrafe bis zu 15 Jahren (§ 49 Abs. 1 Nr. 1 StGB).

2. Dabei liegen nach Überzeugung der Kammer keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit im Sinne des §21 StGB vor. Der psychiatrische Sachverständige Dr. xxxxxx hat diesbezüglich ausgeführt, dass keine Anzeichen für eine derartige Einschätzung Vorgelegen hätten, da beim Angeklagten weder schwerwiegende Persönlichkeitsstörungen, noch psychiatrische Erkrankungen, noch eine Minderbegabung oder Drogen- und Alkoholabhängigkeit zu finden gewesen seien. Insoweit sei weder die Einsichts- noch die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten eingeschränkt gewesen. Die Kammer folgt den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen, der insoweit auch darauf hingewiesen hat, dass die Exploration nicht abgeschlossen werden konnte. Nachdem der Angeklagte aus der Untersuchungshaft entlassen worden sei, habe er einer weiteren Exploration nicht zugestimmt. Er habe aber auch nach Durchführung der Beweisaufnahme keine weiteren Anhaltspunkte erkennen können, die Rückschlüsse auf eine eingeschränkte Einsicht- und Steuerungsfähigkeit zugelassen hätten. Auch für die Kammer waren diesbezüglich keinerlei Anhaltspunkte erkennbar.

3. Zu Gunsten des Angeklagten hat die Kammer berücksichtigt, dass der Angeklagte bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist, ferner die insgesamt lange Verfahrensdauer. Die Tat wurde bereits im Juni 2005 verübt.

Zu Lasten des Angeklagten hat die Kammer gewertet, dass der Angeklagte aus selbstsüchtigen Motiven seine Vertrauensstellung gegenüber dem komatösen Patienten gleich zweimal innerhalb kurzer Zeit mißbraucht hat.

Den Mißbrauch der Vertrauensstellung gegenüber der Krankenschwester xxxxxxxxx und dem weiteren Pflegepersonal hat die Kammer dahingegen nicht gesondert strafschärfend berücksichtigt, da dieser Vertrauensmißbrauch bereits Bestandteil des festgestellten Mordmerkmales Heimtücke ist.

Weiter war die neben dem versuchten Mord die in zwei Alternativen mitverwirklichte gefährliche Körperverletzung (§§ 224 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 5 StGB) zu Lasten des Angeklagten zu berücksichtigen.

Unter nochmaliger Abwägung aller für und wider den Angeklagten sprechenden Gesichtspunkte hält die Kammer daher eine Freiheitsstrafe von

7 Jahren und 6 Monaten

für tat- und schuldangemessen

VII.

Darüber hinaus war dem Angeklagten ein lebenslanges Berufsverbot aufzuerlegen (§ 70 StGB)

Der Angeklagte hat die Tat unter Missbrauch seines Berufes als Krankenpfleger und unter grober Verletzung der mit ihnen verbundenen Pflichten der Patientensorge begangen.

Nach der Gesamtwürdigung der Tat und der Persönlichkeit des Angeklagten steht zu befürchten, dass der Angeklagte sich auch künftig über seine Dienststellung und seine Pflichten hinwegsetzt, um sich zu profilieren und den Reiz einer gefährlichen Situation zu erleben, wie er vorliegend durch die Tat bereits unter Beweis gestellt hat.

Im Hinblick auf diese Gefahr war die Verhängung eines Berufsverbotes erforderlich, welches auch vor dem Hintergrund des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes des § 62 StGB nicht auf bestimmte Bereiche der Tätigkeit beschränkt werden konnte. Die oben geschilderte Gefahr besteht grundsätzlich für sämtliche im Tenor genannte Bereiche und ist insoweit nicht teilbar.

Die Kammer hat hier ausnahmsweise ein lebenslanges Berufsverbot ausgesprochen. Dies hält die Kammer aufgrund der Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten, die auch in der Tat zum Ausdruck gekommen ist, für erforderlich. Nach den getroffenen Feststellungen waren das Geltungsbedürfnis und die Suche nach gefährlichen Situationen sowie die damit verbundene Anspannung treibendes Motiv für die Tat. Insoweit liegen hier Defizite in der Persönlichkeit des Angeklagten vor, ohne dass hierdurch Einschränkungen der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit im Sinne von § 21 StGB gegeben sind. Für die Kammer ist nicht ersichtlich, dass der Angeklagte diese Defizite erkannt hat und gewillt ist, diese aufzuarbeiten. Daher ist hier nicht davon auszugehen, dass allein die Verurteilung zur Strafe den Angeklagten von der Begehung weiterer Taten abhält.

In diesem Zusammenhang war auch zu bedenken, dass der Angeklagte sich bei der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit als Intensivpfleger in einem hochsensiblen Umfeld bewegt, in dem zu jeder Zeit wortwörtlich um Leben und Tod gekämpft wird. Für eine erfolgreiche Arbeit bei der Betreuung Schwerstkranker sind neben hohen Fachkenntnissen - über die der Angeklagte zweifelsfrei verfügt -aber auch eine gute Zusammenarbeit in der Gruppe zwischen Ärzten und Pflegern sowie vor allem ein nahezu blindes Vertrauen untereinander unabdingbar. Dies haben sämtliche Chefärzte, Prof. Dr. xxxxxxx und Prof. Dr. xxxxxx, wie auch Dr. xxxxxxxxxx eindrucksvoll erläutert. Gerade die unbedingt notwendigen charakterlichen Eigenschaften zu einer fein abgestimmten auf blindem Vertrauen beruhenden Zusammenarbeit miteinander besitzt der Angeklagte, wie ausgeführt, jedoch nicht. Dies lässt ihn für jede Tätigkeit, bei der es um die Pflege von Menschen geht, dauerhaft charakterlich ungeeignet erscheinen. Nicht zuletzt die verfahrensgegenständliche Tat belegt, dass der Angeklagte aufgrund seiner charakterlichen Schwäche die Besonderheiten in der Intensivpflege planvoll ausgenutzt hat, zur Verwirklichung seiner eigenen selbstsüchtigen Motive. Anders als bei anderen Defiziten geht es hier nicht um eine zeitlich nur begrenzt dauernde Einschränkung, sondern um einen bereits langjährig bestehenden, somit fest verwurzelten, Wesenszug des Angeklagten.

Letztlich ist bei der Prüfung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes des § 62 StGB von der Kammer auch das gefährdete Rechtsgut berücksichtigt worden. Im Falle einer weiteren Tätigkeit bestünde bei weiteren Taten ggf. die Gefahr des Todes der dem Angeklagten zur Pflege anvertrauten Menschen. Insoweit ist im Hinblick auf das gefährdete Rechtsgut der Fall anders zu werten als zum Beispiel Vermögensdelikte, bei welchen es "nur" um das Geld der Geschädigten geht.

Unter Berücksichtigung dieser Umstände erscheint ein lebenslanges Bemfsverbot erforderlich und es ist dem Angeklagten zuzumuten, sich nach der Haftentlassung beruflich umzuorientieren."

Aufgrund dieses seit 10.12.2008 rechtskräftigen Urteils kam der Angeklagte am 06.05.2009 in Strafhaft, die er seitdem verbüßt. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat aufgrund dieses Verfahren anschließend nach und nach ihre weitergehenden Ermittlungen intensiviert, dies schließlich auch auf den ausdrücklichen Hinweis der später am Verfahren 5 Ks 1/14 teilnehmenden Nebenklägerin xxxxxxxxxx. Die Ermittlungen mündeten in der Anklage der Staatsanwaltschaft Oldenburg vom 06.01.2014 und dem sodann vor dem Landgericht Oldenburg geführten Verfahren gegen den Angeklagten, Az. 5 Ks 1/14, welches mit Urteil vom 26.02.2015, rechtskräftig seit dem 09.03.2015, abgeschlossen wurde. Das Urteil lautet im Tenor:

"Der Angeklagte wird unter Einbeziehung des Urteils des Landgerichts Oldenburg vom 23.06.2008 - Az. 4 Ks 1/07 - wegen Mordes in 2 Fällen, versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung in 2 Fällen und wegen gefährlicher Körperverletzung in einem weiteren Fall zu einer

lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe

verurteilt.

Die besondere Schwere der Schuld des Angeklagten wird festgestellt.

9 Monate der Gesamtfreiheitsstrafe gelten als Entschädigung für die überlange Verfahrensdauer als vollstreckt.

Dem Angeklagten wird für immer verboten, den Beruf eines Krankenpflegers oder eine Tätigkeit in der Pflege kranker und alter Menschen oder im Rettungswesen auszuüben.

Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens und die notwendigen Auslagen der Nebenklägerinnen.

Diesem Urteil liegen auszugsweise folgende Feststellungen, rechtliche Würdigung und Strafzumessung zu Grunde:

"B

I. Tatgeschehen

Die Intensivstation der Städtischen Kliniken xxxxxxxxxx war eine interdisziplinäre, auf der sowohl internistische als auch chirurgische Patienten betreut wurden. Die Arbeitsabläufe waren so organisiert, dass sich jede Pflegekraft originär für bestimmte ihnen zugewiesene Patienten zu kümmern hatte. Bei einem Notfall waren allerdings alle Pflegekräfte für den betreffenden Patienten zuständig.

Nach dem guten Einstieg in xxxxxxxxxx, der geglückten Reanimation in seinen ersten Dienstwochen und der ihm entgegen gebrachten Anerkennung durch Ärzte und Pflegepersonal kehrte für den Angeklagten bald Routine auf der kleinen Intensivstation ein. Die maximal zwölf Patienten mussten im Wesentlichen nur überwacht werden. Durchschnittlich zwei von ihnen waren sediert und wurden beatmet. Spektakuläre Zwischenfälle, die in xxxxxxxx noch an der Tagesordnung waren, blieben aus. Der Angeklagte fühlte sich zunehmend unterfordert, war mit sich selbst unzufrieden und langweilte sich. Bereits kurz nach der erfolgreichen Reanimation zu Beginn seiner Tätigkeit in xxxxxxxxxxx kamen ihm Gedanken darüber, was wohl passiert, wenn er einen reanimationspflichtigen Zustand bei einem Patienten verursachen würde. Er fragte sich, wie die Station darauf reagiere und ob er sein "Handwerk" weiter so wie zu seinen xxxxxxxxx Zeiten beherrsche. Diese Gedanken weiterverfolgend kam es zu dem nachfolgend geschilderten Tatgeschehen und darüber hinaus zu weiteren Taten.

Der Angeklagte spürte eine Leere in sich und wollte durch provozierte Reanimationen Spannung in den von Routine geprägten Stationsalltag bringen. So beschloss er - nach eigenen Angaben erstmals im März 2003 im Hinblick auf die Patientin xxxxxxxxxx - bei Patienten reanimationspflichtige Krisen zu verursachen, um anschließend selbst deren Wiederbelebung durchführen zu können. Dabei ging es ihm einerseits um den Nervenkitzel, der bereits mit der Tatbegehung begann. Zugleich wollte sich der Angeklagte als Retter auf spielen können. Den Tod der Patienten beabsichtigte er nicht, da er sich nach erfolglosen Reanimationen schlecht fühlte. Es ging ihm um den Nervenkitzel, die Rettung, die Anerkennung der Kollegen und das entsprechend gute Gefühl, das sich anschließend einstellte; letztlich ging es dem Angeklagten damit allein um sich selbst.

Den Tod der Patienten hielt der Angeklagte aber für möglich und nahm ihn billigend in Kauf. Ihm war auf Grund seiner Ausbildung und seiner mehrjährigen Berufserfahrung auf der Intensivstation und im Rettungsdienst bewusst, dass die von ihm verursachten Krisen die konkrete Gefahr des Todes in sich trugen und jeder Reanimation das Risiko anhaftet, erfolglos zu bleiben.

Der Angeklagte suchte nach einem geeigneten Medikament und entschied sich letztlich für Gilurytmal, das ihm bereits aus Rettungsdiensteinsätzen bekannt war. Bei Gilurytmal handelt es sich nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. xxxxxxxxxx um ein Herzmedikament, das den Wirkstoff Ajmalin beinhaltet. Ajmalin ist ein Antiarrythmikum, das dazu geeignet ist, tachykarde Herzrhythmusstörungen zu behandeln. Es kann bei zu hoher und/oder zu rascher intravenöser Injektion innerhalb weniger Sekunden lebensbedrohliche Nebenwirkungen bis hin zum Herzstillstand auslösen. Gilurytmal muss daher unter dauernder Monitorüberwachung langsam gespritzt werden. Eine therapeutische Dosis beträgt nach den Ausführungen des Sachverständigen 10 ml und muss über etwa 5 Minuten verabreicht werden. Wird sie schneller gespritzt, kann bereits dies zum Tode des Patienten führen, wobei ein Todeseintritt bei einer toxischen Dosis nach den Erläuterungen des Sachverständigen grundsätzlich etwa 15 bis 20 Minuten nach der Verabreichung zu erwarten ist. Auf Grund der bekannten schwer vorher abschätzbaren Risiken wird Gilurytmal heute fast gar nicht mehr verordnet. Auch zwischen 2003 und 2005 wurde das Medikament nach übereinstimmenden Angaben des Sachverständigen und aller vernommenen Ärzte aus den Kliniken in xxxxxxxxx und xxxxxxxxxxx nur ausgesprochen selten verabreicht, da bereits damals risikoärmere Nachfolgepräparate auf dem Markt waren. Der Angeklagte wusste um die Risiken von Gilurytmal, andererseits aber auch um seine besonders schnelle Wirkung, auf die es ihm besonders ankam. Er selbst hatte das Medikament in seiner Zeit im Rettungsdienst in xxxxxxxxxxxxx etwa 20 bis 25 Mal verwendet. Zugleich entschied er sich für dieses Medikament, weil es - wie er ebenfalls wusste - vom Körper schnell wieder abgebaut wird, so dass ihm das Entdeckungsrisiko gering schien. Auf der Intensivstation in xxxxxxxxxx war es sowohl im Lagerraum der Station als auch in einem Schrank unmittelbar im Bereich der Stationszentrale vorrätig gewesen.

Der Angeklagte entschied spontan, bei welchen Patienten er reanimationspflichtige Zustände auslösen wollte. Damit die von ihm verursachten Krisen weniger auffielen, entschied er sich in der Regel für gesundheitlich bereits schwer angeschlagene Patienten. Um seine Entdeckung zu verhindern, in der Anfangszeit aber auch um eigene Hemmungen besser überwinden zu können, sollten sie auch nicht ansprechbar, also entweder sediert sein oder jedenfalls fest schlafen. Nach der Wahl seiner Opfer begab sich der Angeklagte in die Stationszentrale und zog auf zwei 20ml-Spritzen insgesamt 30 bis 40 ml Gilurytmal auf. Erzog nie eine höhere Dosis auf, da ihm bewusst war, dass diese mit großer Sicherheit unmittelbar den Tod des jeweiligen Patienten verursachen würde und eine Reanimation dementsprechend nicht mehr notwendig oder aussichtsreich sein konnte. Mit den aufgezogenen Spritzen ging der Angeklagte ins jeweilige Patientenzimmer und überprüfte, ob der Patient oder die Patientin auf Ansprache reagierten. Wenn dies nicht der Fall war, spritze er über einen freien intravenösen Zugang das Gilurytmal innerhalb von jeweils etwa 10-15 Sekunden, jedenfalls nicht über mehrere Minuten, bis das EKG breite deformierte Komplexe zeigte und der Blutdruck gegen null ging. Den Signalalarm des Monitors im Patientenzimmer hatte er in der Regel bereits zuvor deaktiviert, was in der Stationszentrale auch angezeigt wurde. Anschließend entsorgte der Angeklagte den jeweils verbliebenen Spritzeninhalt und die Spritzen selbst im Mülleimer und verließ schnell das Zimmer, um sich möglichst weit weg, in der Regel auf den Flur, in das Arzt- oder in das Raucherzimmer zu begeben. Hier wartete er, bis nach 30 Sekunden der von ihm deaktivierte Signalalarm automatisch wieder ansprang. Dann lief er ebenso wie seine Kollegen in das jeweilige Patientenzimmer, um - wie beabsichtigt - mit der Reanimation zu beginnen. Sofern bei Patienten während der Injektion keine Reaktion zu verzeichnen war, spritze der Angeklagte ihnen die volle Dosis, verließ anschließend das Patientenzimmer und sah von weiteren Gilurytmalgaben ab. Denn hierfür hätte ersieh einerseits zurück in die Stationszentrale begeben müssen, um neue Spritzen aufzuziehen. Zudem war ihm bewusst, dass eine noch höhere Dosis mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unmittelbar tödlich wirken würde und die von ihm bezweckte Reanimation nicht notwendig werden oder zumindest von vornherein erfolglos bleiben würde.

Nach eigenen Schätzungen hat der Angeklagten bei mindestens 60 Patienten eine Krise mit anschließender erfolgreicher Reanimation versucht. Mindestens weitere 20 bis 25 Patienten sind nach seinen Angaben verstorben.

Mit der Zeit bekam der Angeklagte immer weniger Anerkennung für seine Reanimationsfähigkeiten. Da es ihm zugleich aber um den Nervenkitzel und den Adrenalinschub ging, der bereits mit der Verabreichung des Gilurytmals begann, machte er weiter und injizierte das Medikament teilweise sogar selbst dann, wenn sich seine Kollegen gerade im entsprechenden Patientenzimmer befanden.

Zu den dem Angeklagten in diesem Verfahren zur Last gelegten Taten konnte die Kammer folgende Feststellungen treffen:

xxxxxxxxxxx

† 28.03.2003

xxxxxxxxxx wurde auf Grund eines Lungenleidens am 17.03.2003 auf der Intensivstation der Städtischen Kliniken aufgenommen. Bereits kurz danach musste sie intubiert werden. Eine linksseitige Pneumonie wurde antibiotisch behandelt. Darüber hinaus zeigte sich bei ihr ein septisches Krankheitsbild, das im Rahmen der Behandlung allerdings gut zurückging. Im Laufe der Behandlung erlitt die Patientin einen nicht transmuralen Myocardinfarkt, der aber nicht zu einer Herzinsuffizienz führte. Der Einsatz von Gilurytmal war bei ihr medizinisch nicht indiziert und wurde ärztlicherseits auch nicht angeordnet. Dementsprechend ist auch in den Kurvenblättern der Patientin, auf denen grundsätzlich alle verabreichten Medikamente eingetragen werden, keine Gilurytmalgabe dokumentiert.

In der Nachtschicht vom 27. auf den 28.03.2003 hatten der Angeklagte und die Zeuginnen xxxxxxxx und xxxxxxx Dienst auf der Intensivstation. Die Krankenschwester xxxxx war während dieser Schicht vorrangig für die Versorgung der Patientin xxxxx zuständig. Nach Schichtbeginn fasste der Angeklagten den Entschluss, bei der Patientin xxxxxxxxx einen reanimationspflichtigen Zustand zu verursachen. Nachdem er drei Ampullen Gilurytmal aufgezogen hatte, ging er wie beschrieben vor und spritze der Patientin, die zu diesem Zeitpunkt künstlich beatmet wurde, kurz vor 2.00 Uhr so lange Gilurytmal, bis das EKG Ausschläge zeigte und ihr Blutdruck stark absackte. Anschließend verließ der Angeklagte das Zimmer, um nach Auslösung des Alarms mit der Reanimation zu beginnen. Wie von ihm billigend in Kauf genommen, scheiterte diese jedoch, so dass xxxxxxxxxx um 2.39 Uhr verstarb.

xxxxxxxxx

† 22.09.2003

Der Patient xxxxxxxxxx wurde am 04.09.2003 zur Operation eines Darmkrebsleidens stationär in den Städtischen Kliniken xxxxxxxxxxx aufgenommen. Postoperativ entwickelte sich ein hämorrhagischer Schock. Der Patient blieb intubiert und wurde weiterhin beatmet. In der Folgezeit trat zudem u.a. ein akutes Nierenversagen ein. Wenige Tage vor seinem Tod verbesserte sich der Allgemeinzustand des Patienten jedoch wieder. Er war zwischenzeitlich wach und konnte kurzzeitig auch wieder selbständig atmen. Bereits am 19.09.2003 kam es gegen 20.30 Uhr zu einem erheblichen Blutdruckabfall mit erheblicher Verlangsamung des Herzschlages und einem so genannten AV Block, bei dem es sich um eine Herzrhythmusstörung handelt. Der Patient konnte medikamentös jedoch wieder stabilisiert werden. Die Kammer konnte nicht feststellen, dass der Angeklagte diese Herzrhythmusstörung bereits ausgelöst hatte. Der Zustand des Patienten blieb bis zum Abend des 21.09.2003 zunächst stabil.

Zu einem nicht mehr genau zu ermittelnden Zeitpunkt am spaten Abend des 21.09.2003 oder in der Nacht zum 22.09.2003 sphtze der Angeklagte dem Patienten dann jedoch ohne medizinische Indikation so lange Gilurytmal, bis sich dessen Zustand merklich verschlechterte. Dabei ging es dem Angeklagten erneut darum, eine reanimationspflichtige Krise auszulösen. Auch den Tod des Patienten hielt er für möglich und nahm ihn in Kauf. Gegen 23.00 Uhr kam es zu einem Blutdruckabfall mit Herzschlagverlangsamung, so dass Herr xxxxxx bereits in der Nacht zum Folgetag gegen 1.00 Uhr durch den Zeugen Dr. xxxxxxx und vermutlich auch den Angeklagten reanimiert werden musste. Die Wiederbelebung gelang zunächst. Der Kreislauf blieb jedoch instabil. Der Patient wurde daher mit Katecholaminen (Adrenalin) in steigender Dosierung behandelt. Kurz nach 2.00 Uhr kam es jedoch zu einer erneuten Asystolie. Eine Reanimation schlug diesmal fehl, xxxx xxxxxx verstarb um 2.25 Uhr.

Die Kammer konnte nicht mehr klären, welche der Krisen vom Angeklagten verursacht worden ist. Sie geht daher im Zweifel zu seinen Gunsten davon aus, dass er durch seine Gilurytmalgabe den Blutdruckabfall und die Herzschlagverlangsamung gegen 1.00 Uhr nachts verursacht und sich anschließend an der erfolgreichen Reanimation durch den Zeugen Dr. xxxxxxx beteiligt hat. Ebenfalls konnte nicht festgestellt werden, dass die erneute Asystolie gegen 2.00 Uhr ursächlich auf die vorherige Gilurytmalinjektion zurückging. Denn nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. xxxx führt der Wirkstoff Ajmalin unmittelbar nach der intravenösen Injektion zum höchsten und damit gefährlichsten Wirkspiegel, der danach aber rasch wieder ab fällt. Der bei xxxxxxxxx dokumentierte lange andauernde Blutdruckabfall sei für eine toxische Wirkung des Ajmalins daher sehr untypisch. Es muss daher entsprechend den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen mit mindestens gleicher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass allein die Grunderkrankung zum Tode des Patienten führte.

xxxxxxxxxxxxxxxxx

† 11.06.2004

xxxxxxxxxxxxx befand sich wegen eines bösartigen Tumorleidens in ärztlicher Behandlung. Am 08.06.2004 wurde er wegen eines prolongierten cerebralen Krampfanfalls in den Städtischen Kliniken xxxxxxxxxxxx aufgenommen. Im Rahmen der Untersuchungen zeigte sich u.a. der Verdacht einer Meningeosis. Bereits am 10.06.2004 wurde Herr xxxxxxxxxx ohne Beteiligung des Angeklagten plötzlich reanimationspflichtig. Er konnte erfolgreich wiederbelebt werden, wurde anschließend invasiv beatmet und wurde zunehmend komatös. Der Einsatz von Gilurytmal war medizinisch nicht angezeigt.

Der Angeklagte hatte am Abend des 11.06.2004 u.a. mit der Zeugin Susanne xxxxxxxx Dienst. Sie war in erster Linie für Herrn xxxxxxxxx zuständig, dessen Herzfrequenz sich an diesem Tag wieder erholt hatte. Kurz nach 21.00 Uhr begab sich der Angeklagte in das Zimmer des Patienten und injizierte ihm - wie bei seinen Taten zuvor - so lange Gilurytmal, bis der Blutdruck absackte. Eine kurz darauf eingeleitete Reanimation blieb erfolglos. Wie vom Angeklagten billigend in Kauf genommen verstarb xxxxxxxxxxxxxxxx um 22.33 Uhr.

xxxxxxxxxxxxxxxx

† 05.04.2005

Die Patientin xxxxxxxxxxxxxx wurde am 23.03.2005 aus dem Krankenhaus xxxxxxxxxxxxx auf Grund ihrer Lungenentzündung in die Städtischen Kliniken xxxxxxxxxxxx verlegt, wo sie zunächst beatmet wurde. Im Laufe der Behandlung verbesserte sich der ursprünglich schlechte Allgemeinzustand der Patientin zusehends, so dass sie am 29.03.2004 extubiert werden konnte.

In seiner Spätschicht am 05.04.2005 injizierte der Angeklagte der Patientin 30 bis 40 ml Gilurytmal, um erneut einen reanimationspflichtigen Zustand zu provozieren. Dabei nahm er den Tod der Patientin billigend in Kauf. Entgegen seiner Vorstellung zeigte sich bei Frau xxxxxxxxx allerdings kein merklicher Blutdruckabfall, so dass eine Reanimation nicht erforderlich wurde. Da der Angeklagte seine aufgezogenen Spritzen verbraucht hatte, andererseits aber die Injektion einer höheren Dosis von Anfang an nicht beabsichtigt hatte (s o ), war seine Tatausführung gescheitert, xxxxxxxxxxxx verstarb noch am gleichen Tag gegen 14.07 Uhr auf Grund eines Herzstillstandes. Es konnte jedoch nicht festgestellt werden, dass dieser seine Ursache in der vorherigen Gilurythmalinjektion hatte. Nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. xxxx muss eher davon ausgegangen werden, dass die Grunderkrankung der Patientin todesursächlich war.

xxxxxxxxxxx

† 01.06.2005

Der 81jährige xxxxxxxxxx wurde am 31.05.2005 wegen eines akuten Vorderwandinfarktes in notärztlicher Begleitung in die Städtischen Kliniken xxxxxxxxxxx eingeliefert. Der Angeklagte, der u.a. mit der Zeugin xxxxxxxxxxx zusammen Spätschicht hatte, beschloss spontan, bei xxxxxxxxxxx eine Reanimation zu provozieren, da auf Grund der Diagnose des Patienten bei diesem ohnehin immer mit einer Krise zu rechnen und eine Zustandsverschlechterung dementsprechend unauffällig schien. Zu einem nicht mehr genau zu ermittelnden Zeitpunkt am Abend des 31.05. oder in der Nacht zum 01.06.2005 injizierte er dem Patienten maximal 30 bis 40 ml Gilurytmal und nahm dabei dessen Tod billigend in Kauf. Zu einem reanimationspflichtigen Zustand kam es in der Situation jedoch nicht. Da der Angeklagte das aufgezogene Medikament verbraucht und andererseits auch keine mit Sicherheit tödliche Dosis spritzen wollte, sah er von weiteren Versuchen ab. Sein Plan, eine Reanimation herbeizuführen, war gescheitert. Noch in der Nacht zum 01.06.2005 verschlechterte sich der Zustand des Patienten erheblich; es kam schließlich zu einer elektromechanischen Entkoppelung. Auch die hochdosierte Verabreichung von Katecholaminen erbrachte keinen Erfolg. Eine mechanische Reanimation wurde nicht durchgeführt, xxxxxxxxxxx verstarb schließlich um 4.25 Uhr. Die Kammer konnte nicht feststellen, dass der Tod Folge der Gilurytmalgabe war. Ebenso wahrscheinlich ist die Grunderkrankung als Todesursache.

II. Späteres Geschehen

Nach Erinnerung des Angeklagten injizierte er einige Wochen später bei einer bislang unbekannten etwa 60jährigen Patientin Gilurytmal, um eine Reanimation zu provozieren. Als er ca. eine halbe Ampulle gespritzt hatte, wurde die Patientin jedoch mit einem Mal überraschend wach und schaute ihn mit großen Augen an. Der Angeklagte brach die weitere Tatausführung ab, verständigte seine Kolleginnen xxxxxxxx und xxxxxxxxxx, die sich an den Zeugen Dr. xxxxxxxx wandten. Kardial hatte sich die Patientin ohne medizinische Intervention erholt. Dr. xxxxxxxx musste sie auf Grund eines Atemstillstandes jedoch intubieren. Später erfuhr der Angeklagte von Kollegen, dass die Patientin bekundet hatte, sie habe mitbekommen, dass er - der Angeklagte - an ihr herumhantiert habe, bevor es ihr plötzlich schlechter gegangen sei. Der Angeklagte stritt jedoch jegliche Manipulation ab, so dass dieses Geschehen keine Konsequenzen für ihn hatte.

Am 22.06 2005 beging der Angeklagte die Tat zum Nachteil des Geschädigten xxxxxxxxx, die zur späteren vorläufigen Festnahme und schließlich zur oben dargestellten Verurteilung führte.

C

Die Feststellungen zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten beruhen auf seinen eigenen Angaben und den Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen Dr. xxxxxxxxxxx, die der Angeklagte als zutreffend beschrieben und sich ausdrücklich zu eigen gemacht hatte.

Hinsichtlich der zum Tatgeschehen getroffenen Feststellungen stützt sich die Kammer auf die umfassend geständige Einlassung des Angeklagten, die im Einklang mit dem Ergebnis der Beweisaufnahme steht. Der Angeklagte hatte noch Erinnerungen an die einzelnen Patienten und hat sich hierzu gegenüber dem Sachverständigen Dr. xxxxxxxxx und auch in der Hauptverhandlung auf Befragen des Gerichts geäußert. Er hat dabei insbesondere auch seine innere Einstellung zu den Taten und seine Motivation entsprechend den getroffenen Feststellungen beschrieben. Der Angeklagte hat nach anfänglichem Schweigen im Laufe der Hauptverhandlung erkennbar eigenständig den Entschluss gefasst, zu den ihm vorgeworfenen Taten und außerdem darüber hinaus im Raume stehenden gleichgelagerten Vorwürfen umfassend Stellung zu nehmen. Er hat sich dabei zunächst, wie von ihm gewünscht, gegenüber dem Sachverständigen Dr. xxxxxxxx offenbart. Dieser hat in den Angaben des Angeklagten - mit Ausnahme einer hier eher unbedeutenden Äußerung, der Angeklagte hatte ihm gegenüber behauptet, nicht zu wissen, dass man auch mit Insulin töten könne, keinerlei Lügensignale entdecken können. Der Angeklagte hat im Anschluss daran die vom Sachverständigen in der Hauptverhandlung wiedergegebenen Bekundungen sich zu eigen gemacht und sodann auf entsprechende Nachfragen der Verfahrensbeteiligten ausfühdich und ohne Zögern geantwortet. Die Kammer hat nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand keinen substantiellen Anlass an der Einlassung des Angeklagten zu zweifeln. Allerdings stehen insbesondere hinsichtlich möglicher Todesfälle im Klinikum xxxxxxxxx noch intensive Ermittlungen an.

[...]

D

I.

Der Angeklagte hat sich bei den Taten zum Nachteil der Geschädigten xxxxx und xxxxxxxxx wegen Mordes gemäß §211 StGB strafbar gemacht.

1. Der Angeklagte handelte heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen.

a) Heimtückisch handelt, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst ausnutzt, vorausgesetzt jedoch, dass dies in feindlicher Willensrichtung geschieht (Eser/Stemberg-Lieben, in: Schönke/Schröder, Strafgesetzbuch, 29. Auf!., §211 Rn. 23 m.w.N.). Arglos ist, wer sich im Zeitpunkt der Tat, d.h. bei Beginn des ersten mit Tötungsvorsatz geführten Angriffs keines Angriffs von Seiten des Täters versieht (Eser/Stemberg-Lieben a.a.O. Rn. 24 m.w.N.). Da die Geschädigten xxxxx und xxxxxxxx künstlich beatmet wurden, geht die Kammer davon aus, dass sie auf Grund ihrer Konstitution selbst nicht in der Lage waren, Argwohn zu entwickeln. Bei dem Angriff auf das Leben eines bevsusstlosen Erwachsenen ist aber gleichwohl von Heimtücke auszugehen, wenn der Täter die Arg- und Wehrlosigkeit eines schutzbereiten Dritten zur Tatbegehung ausnutzt. Schutzbereiter Dritter ist dabei jede Person, die den Schutz eines Besinnungslosen vor Leib- und Lebensgefahr dauernd oder vorübergehend übernommen hat und diesen im Augenblick der Tat entweder tatsächlich ausübt oder dies deshalb nicht tut, weil sie dem Täter vertraut (BGH NStZ 2008, 93, 94 m.w.N).

Hier waren die anderen auf der Station anwesenden Pflegekräfte schutzbereite Dritte in diesem Sinne. Organisatorisch warder Stationsablauf so geregelt, dass jede Pflegekraft für bestimmte Patienten vorrangig zuständig war. So ist die Zeugin xxxxxxxx in der Nachtschicht vom 27 auf den 28.03.2003 originär für die Versorgung der Geschädigten xxxxx und die Zeugin xxxxxxxx in erster Linie für den Geschädigten xxxxxxxx verantwortlich gewesen. Unabhängig davon bestand aber die generelle Regelung, dass bei Bedarf jede Pflegekraft für jeden Patienten zuständig war. Die neben dem Angeklagten jeweils eingesetzten Pflegekräfte waren demnach auf der mit 12 Betten recht kleinen Intensivstation für alle dortigen Patienten verantwortlich und hatten auch tatsächlich deren Betreuung und regelmäßige Überwachung übernommen. So hat die Zeugin xxxxxxxxxxx geschildert, dass sie selbst bei den Patienten, die dem Angeklagten zugewiesen waren, teilweise pflegerische Aufgaben mitübernommen habe. Ihr sei nämlich aufgefallen, dass er bei der Pflege nachlässig gewesen sei, so dass sie und ihre Kollegen die Aufgaben des Angeklagten zum Teil mit übernehmen mussten. Der Angeklagte hat bei seinen Taten die Arg- und Wehrlosigkeit der jeweils anderen Pflegekräfte ausgenutzt. Dabei handelte er in feindlicher Willensrichtung, da es ihm nicht etwa dämm ging, die Geschädigten von Qualen und Leiden zu befreien. Vielmehr wollte er ihr Schicksal instrumentalisieren, um sich Nervenkitzel zu verschaffen und sich als vermeintlichen Retter inszenieren zu können.

b) Der Angeklagte tötete zudem aus niedrigen Beweggründen. Seine Tatmotivation steht nach Gesamtwürdigung aller Umstände nach allgemeiner sittlicher Würdigung auf tiefster Stufe und ist deshalb in besonderem Maße verachtenswert. Der Angeklagte nahm den Tod der ihm anvertrauten Patienten in Kauf, um sich selbst einen Adrenalin-Kick zu verschaffen, Nervenkitzel zu erleben und sich außerdem gleichsam als "Retter" in Szene zu setzen, seine Kenntnisse und Fähigkeiten bei der Reanimation zu zeigen, Lob und Anerkennung zu ernten und letztlich, um sich hierdurch ein gutes Gefühl zu verschaffen. Das Missverhältnis zwischen dem Anlass und der Tat ist eklatant. Zugleich steht die Tatmotivation auf sittlich tiefster Stufe und ist besonders verachtenswert, zumal der Angeklagte als Krankenpflegereine besondere Vertrauensstellung im Umgang mit den Patienten genoss. Er trieb ein Spiel um Leben und Tod, bei dem er nichts zu verlieren hatte, für das die Patienten aber mitunter mit ihrem Leben bezahlen mussten. Seine Tatmotivation stellt sich als besonders eigensüchtig dar, da der Angeklagte bereit war, hierfür das Leben der Patienten zu opfern.

2. Der Angeklagte handelte vorsätzlich. Zwar kam es ihm nicht auf den Tod seiner Opfer an. Diesen wollte er vielmehr nach Möglichkeit vermeiden, um sich als "Retter" profilieren zu können. Gleichwohl war ihm die Möglichkeit des Todeseintritts bewusst; er nahm sie billigend in Kauf.

Der Angeklagte war sich darüber hinaus sowohl der Umstände bewusst, die die Heimtücke und die den Antrieb seines Handelns als besonders verwerflich erscheinen lassen. Letzterem steht insbesondere nicht die psychiatrische Einschätzung des Sachverständigen Dr. xxxxxxxxxx entgegen. Der Sachverständige hat bei dem Angeklagten folgende Diagnosen gestellt:

• eine zwanghafte paranoide Persönlichkeitsstörung mit diskreten paranoiden sowie ängstlich-selbstunsicheren Anteilen (ICD 10: F 60.5),

• ein Schlafapnoe Syndrom (ICD 10: G: 47.3),

• Angst- und depressive Störung, gemischt (ICD 10: F41.2),

• Panikattacken (ICD 10: F41.0),

• Benzodiazepinabhängigkeit (ICD 10: F13.21),

und nach seinem Ausscheiden aus dem Klinikum Delmenhorst zusätzlich:

• Opioidmissbrach (ICD 10: F11.1) und

• Alkoholabhängigkeit (ICD 10: F10.2).

Die zuvor genannten bereits im Tatzeitraum bestehenden Diagnosen haben nach Überzeugung der Kammer allerdings nicht dazu geführt, dass der Angeklagte die besondere Verwerflichkeit seines Flandelns nicht erkennen konnte. Vielmehr hat der Sachverständige ausgeführt, dass der Angeklagte jeweils kontrolliert und kalkuliert vorgegangen sei und insbesondere - trotz des durchaus gewünschten Adrenalin-Kicks - versucht habe, das Entdeckungsrisiko zu minimieren. Die Kammer schließt sich dieser Einschätzung aus eigener Überzeugung an. So hatte der Angeklagte nach eigenen Schätzungen in 30 bis 100 Fällen sein Tatvorhaben wieder aufgegeben, weil ihm die Entdeckungsgefahr zu groß erschienen war oder er doch moralische Skrupel bekommen hatte. Auch haben die als Zeugen vernommenen Kollegen des Angeklagten diesem über den gesamten Zeitraum bei Reanimationen aber auch im Übrigen im Stationsalltag ein hohes fachliches Leistungsniveau - jedenfalls im medizinischen Bereich - bescheinigt. Es sind demnach keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass die diagnostizierten psychischen Störungen dazu geführt haben, dass der Angeklagte die besondere Verwerflichkeit seiner Beweggründe nicht hatte erkennen können.

An dieser Einschätzung ändert auch die vom Sachverständigen geäußerte Einschätzung zur Tatdynamik nichts. Er hat ausgeführt, dass die Grundpersönlichkeit des Angeklagten erhebliche angstneurotische Anteile aufweise. Angstgefühle seien für den Angeklagten Zeit seines Lebens bestimmend gewesen: Als Kind habe er Verlassensängste, und später als Jugendlicher und Erwachsener Höhenangst, Angst vor Achterbahnen -in Folge eines Autounfalls auch mit entsprechende Panikattacken -, Versagensängste als Ehemann und Vater und schließlich Angst vor dem Tod gehabt. Es sei weiter davon auszugehen, dass die Erfahrungen des Angeklagten während seiner Zeit im Klinikum xxxxxxxxx hinsichtlich der dortigen tödlichen Erkrankungen und Notfallsituationen zu einer massiven emotionalen Überforderung geführt hätten. Der Sachverständige hat hierzu weiter ausgeführt, dass nach seiner Einschätzung, die er aber ausdrücklich als eine nicht belegbare Hypothese bezeichnete, der vom Angeklagten gezeigte Über-Aktionismus bei Rettungssituationen in hohem Maße kontraphobischer Natur sei. Durch das immer wiederkehrende Hervorrufen lebensbedrohlicher Situationen und dessen Abwenden durch Reanimationen habe sich der Angeklagte vergewissert, dem Thema Angst und Tod nicht hilflos gegenüberzustehen. Der Sachverständige hat diese Einschätzung allerdings einschränkend als zwar plausible aber nicht weiter belegbare Hypothese beschrieben.

Die rechtliche Würdigung ändert sich hierdurch nicht. Auch wenn die eigene Angstbewältigung den Angeklagten unbewusst zu seinen Taten verleitete, stellen sich seine Beweggründe gleichwohl als niedrig und - auch für den Angeklagten erkennbar - als in besonderem Maße verwerflich dar. Denn das Missverhältnis zwischen dem Anliegen des Angeklagten und den Folgen seiner Taten war so krass und offensichtlich, dass an die Feststellung, der Angeklagte sei sich dessen bewusst gewesen, keine hohen Anforderungen zu stellen sind (vgl. BGH NStZ-RR 1998, 133, 134).

II.

Bei den Taten zum Nachteil von xxxxxxxx und xxxxxxx fällt dem Angeklagten jeweils versuchter Mord (§§211, 22, 23 StGB) in Tateinheit (§ 52 StGB) mit gefährlicher Körperverletzung (§§ 223 Abs. 1, 224 Abs. 1 Nr 1 und Nr. 5 StGB) zur Last.

1. Der Angeklagte war lediglich wegen versuchten Mordes zu verurteilen, da nach dem Zeitablauf nicht mehr mit der erforderlichen Gewissheit festzustellen war, ob die Tathandlungen des Angeklagten letztlich für den Tod der Geschädigten zumindest mitursächlich waren. Nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. xxxx ist die Grunderkrankung als Todesursache mindestens ebenso wahrscheinlich.

Wie schon bei den Taten zum Nachteil der Geschädigten xxxxx und xxxxxxxx (auf die dortigen Ausführungen wird verwiesen) handelte der Angeklagte aber aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch. Zwar ließen sich keine genauen Feststellungen mehr zum Bewusstseinszustand der Patienten xxxxxxxx und xxxxxxx treffen. Der Angeklagte war sich lediglich sicher, dass sie bei der Tatausführung keinesfalls wach waren. Wenn sie lediglich geschlafen haben, ist auf ihre eigene (unzweifelhaft bestehende) Arglosigkeit abzustellen. Soweit sie sediert oder komatös waren, kommt es auf die Arg- und Wehrlosigkeit der weiteren Pflegekräfte auf der Station an, die unter Bezugnahme auf die vorstehenden Ausführungen aber ebenfalls bestanden hat. Schließlich handelte der Angeklagte auch vorsätzlich. Den Tod der Patienten nahm er billigend in Kauf. Seines heimtückischen Handelns war er sich ebenso bewusst wie der besonderen Verwerflichkeit seiner Beweggründe.

Ein Rücktritt des Angeklagten vom Tötungsversuch gemäß § 24 Abs. 1 StGB scheidet in beiden Fällen aus, da der Versuch aus der maßgeblichen subjektiven Sicht des Angeklagten fehlgeschlagen war. Er hatte sich von vornherein auf Gilurytmal als Tatmittel und eine maximale Dosis von 30 bis 40 ml festgelegt. Nachdem er beiden Patienten die volle Dosis injiziert hatte, ohne dass der von ihm gewollte reanimationspflichtige Zustand eintrat, war die Tatbestandserfüllung aus Sicht des Angeklagten unmöglich geworden. Denn auch, wenn dem Täter aus seiner Sicht noch andere Mittel zur Tatbestandsverwirklichung zur Verfügung stehen, ist (da auf seine Sichtweise abzustellen ist) der Versuch fehlgeschlagen, wenn er nur ein bestimmtes Mittel nutzen will, dieses fehlschlägt und er seine Meinung auch im unmittelbaren Anschluss nicht ändert (Lilie/Albrecht, in: Leipziger Kommentar zum StGB, 12. Auf!., § 24 Rn. 119). So war es hier. Auch der Umstand, dass der Angeklagte theoretisch weitere Gilurytmalspritzen hätte auf ziehen können, führt hier nicht zur Annahme eines Rücktritts. Denn einerseits hatte er sich auf die jeweils injizierte Maximaldosis tatplanmäßig festgelegt, ohne sein Vorhaben anschließend zu ändern. Andererseits wäre eine Fortsetzung der Tathandlung auch nicht ohne zeitliche und sachliche Zäsur möglich gewesen, weil der Angeklagte das Patientenzimmer hätte verlassen, sich erneut in die Stationszentrale begeben und dort wiederum Gilurytmal aufziehen müssen. Sein Versuch war daher bei beiden Patienten fehlgeschlagen.

2. Tateinheitlich hat sich der Angeklagte jeweils wegen (vollendeter) gefährlicher Körperverletzung strafbar gemacht. Die medizinisch nicht indizierte Verabreichung einer hier qualitativ wie quantitativ toxischen Menge von Gilurytmal stellt ein eine tatbestandliche Beibringung von Gift i. S.v. § 224 Abs. 1 Nr. 1 StGB dar. Zudem liegt eine das Leben gefährdende Behandlung nach § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB vor, da die Möglichkeit bestanden hat, dass die Überdosis Gilurytmal lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzkammerflimmern auslöst.

III.

Zudem hat sich der Angeklagte bei der Tat zum Nachteil des Geschädigten xxxxxxxx wegen gefährlicher Körperverletzung (§§ 223 Abs. 1, 224 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 5 StGB) strafbar gemacht.

Eine Verurteilung wegen (vollendeten) Mordes kam aus tatsächlichen Gründen nicht in Betracht, weil nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. xxxx nicht auszuschließen war, dass der Geschädigte letztendlich an seiner Grunderkrankung verstorben war, ohne dass die Gilurytmalverabreichung durch den Angeklagten auch nur mitursächlich war.

Aus rechtlichen Gründen warder Angeklagte auch nicht wegen versuchten Mordes zu bestrafen. Er ist gemäß § 24 Abs. 1 S. 2 StGB vom beendeten Versuch mit insoweit strafbefreiender Wirkung zurückgetreten. Nach dieser Vorschrift wird wegen Versuchs nicht bestraft, wer sich freiwillig und ernsthaft bemüht, die Vollendung der Tat zu verhindern. So war es hier: Nach den getroffenen Feststellungen war im Zweifel zu Gunsten des Angeklagten davon auszugehen, dass er dem Geschädigten xxxxxx die zur Krise gegen 1.00 Uhr nachts führende Dosis Gilurytmal verabreicht hat. Weiter war zu seinen Gunsten davon auszugehen, dass er sich anschließend an der erfolgreichen Reanimation durch den Zeugen Dr. xxxxxx beteiligt hat. Der Umstand, dass der Angeklagte sein außertatbestandliches Ziel - die Reanimation des Geschädigten - erreicht hatte, führt nicht zu einem Rücktrittsausschluss. Denn das Erreichen des außertatbestandlichen Handlungsziels ist weder ein Fall des fehlgeschlagenen Versuchs noch des unfreiwilligen Rücktrittshandelns. Hindernisse stehen der Tatbestandsverwirklichung nicht entgegen, so dass auch keine Ähnlichkeiten mit dem Unterfall des Fehlschlags wegen absolut sinnlos gewordenen Tatplans bestehen (Lilie/Albrecht a.a.O., § 24 Rn. 259).

IV.

Die Taten zum Nachteil der einzelnen Geschädigten stehen zueinander im Verhältnis der Tatmehrheit (§ 53 StGB).

E

I. Der Angeklagte hat sich wegen der Taten zum Nachteil der Geschädigten xxxxx und xxxxxxxx wegen Mordes schuldig gemacht. Das Gesetz sieht dafür keinen anderen Strafrahmen als eine lebenslange Freiheitsstrafe vor Außergewöhnliche Umstände, die der Verhängung der absoluten Strafe aus §211 Abs. 1 StGB entgegenstehen könnten (BGHSt 30, 105), haben sich aus der Hauptverhandlung nicht ergeben.

Eine Milderung nach §§ 21, 49 Abs. 1 Nr. 1 StGB kam nicht in Betracht. Weder die Einsichts- noch die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten war im Zeitpunkt der Taten erheblich vermindert. Der psychiatrische Sachverständige Dr. xxxxxxxx hat hierzu ausgeführt, dass der Angeklagte trotz der gestellten Diagnosen (so.) während seinerzeit am Klinikum xxxxxxxxxxxx durchgehend in der Lage gewesen sei, fachlich fehlerlos zu arbeiten und während der Taten das Entdeckungsrisiko beachtet und insoweit sehr überlegt vorgegangen sei. Anhaltspunkte für eine Verminderung der Steuerungsfähigkeit seien daher nicht ersichtlich. Die Kammer schließt sich diesen Ausführungen aus eigener Überzeugung an.

II. Bei den Taten zum Nachteil der Geschädigten xxxxxxxxxx und xxxxxx hat die Kammer ebenfalls auf eine jeweils lebenslange Freiheitsstrafe erkannt. Gemäß § 52 Abs. 2 StGB war die Strafe dem Gesetz mit der schwersten Strafandrohung zu entnehmen, hier dem §211 StGB, der ausschließlich eine lebenslange Freiheitstrafen vorsieht. Von der Möglichkeit der Strafrahmenverschiebung nach §§ 23 Abs. 2, 49 StGB hat die Kammer nach einer Gesamtschau aller strafzumessungserheblichen Gesichtspunkte keinen Gebrauch gemacht. Die Kammer hat dabei folgende für und gegen den Angeklagten sprechende Umstände berücksichtigt:

Für den Angeklagten sprach mit ganz erheblichem Gewicht, dass er sich umfassend geständig eingelassen hat, wobei er auch solche Taten eingeräumt hat, die über die ihm in diesem Verfahren gemachten Vorwürfe deutlich hinausgingen. Er hat zudem Reue gezeigt und sich von seinen Taten distanziert. Der Angeklagte handelte lediglich mit Eventualvorsatz und war zudem zum Zeitpunkt der Taten nicht vorbestraft. Zu seinen Gunsten war auch seine psychische Konstitution zu berücksichtigen, auch wenn diese nicht zu einer erheblichen Einschränkung der Steuerungsfähigkeit führte (s.o). Schließlich war auch der lange Abstand zwischen den Taten und der jetzigen Verurteilung und die lange Verfahrensdauer zu berücksichtigen.

Gegen den Angeklagten sprach hingegen der Ausmaß des Vertrauensbruchs gegenüber den Geschädigten, deren Schutz und Versorgung ihm als Krankenpfleger anvertraut war. Ihren Angehörigen hat er bewusst schweres Leid zugefügt. Er ist zudem überlegt und planvoll vorgegangen. Zu seinen Ungunsten zu berücksichtigen war ferner, dass der Angeklagte im Rahmen der Mordversuche jeweils zwei Mordmerkmale und hinsichtlich der gefährlichen Körperverletzung ebenfalls zwei Tatbestandsvarianten erfüllt hat. Der Umstand, dass Tateinheit zwischen den versuchten Morden und den Körperverletzungsdelikten besteht, wiegt ebenfalls erschwerend.

Auch hat die Kammer die Gefährlichkeit bei der Injektion der Dosis von jeweils 30 bis 40 ml Gilurytmal und damit die Erfolgsnähe zu Lasten des Angeklagten berücksichtigt. Er hat das Geschehen nach Verabreichung der vollen aufgezogenen Dosis vollständig aus der Hand gegeben und hatte keinen Einfluss darauf, ob sich ggf. tödliche Herzrhythmusstörungen bei xxxxxxxxxx und xxxxxxxxxx einstellen. Es ist dem puren Zufall zu verdanken, dass die Injektionen noch nicht zum Tode der Patienten geführt hatten, zumal ihre körperliche Konstitution bereits so schlecht war, dass sie kurz darauf jedenfalls an ihrer Grunderkrankung verstorben sind.

Insgesamt hat die Kammer auf Grund der genannten erheblichen erschwerenden Umstände im Rahmen ihres Ermessens keine ausreichenden Gründe gesehen, den Strafrahmen zu Gunsten des Angeklagten nach § 49 Abs. 1 StGB zu verschieben.

III. Im Fall des Geschädigten xxxxxxxxx hat die Kammer den Strafrahmen des § 224 Abs. 1 StGB angewandt, der Freiheitsstrafen von 6 Monaten bis zu 10 Jahren vorsieht. In Rahmen der Strafzumessung hat sie die vorgenannten Gründe - mit Ausnahme der dargestellten mordspezifischen Strafzumessungserwägungen • berücksichtigt. Die Annahme eines minderschweren Falls kam danach ersichtlich nicht in Betracht. Insgesamt hat die Kammer für diese Tat auf eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren als tat- und schuldangemessen erkannt.

IV. Aus den genannten Einzelstrafen war unter Einbeziehung der Strafe aus dem Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 23.06.2008 - Az. 4 Ks 1/07 - eine lebenslange Gesamtfreiheitstrafe zu bilden.

V. Die Schuld des Angeklagten wiegt nach zusammenfassender Würdigung in Bezug auf die Tat und die Täterpersönlichkeit des Angeklagten besonders schwer, § 57a Abs. 1 Nr. 2 StGB. In besonderem Maße schulderschwerend hat sich dabei die Vielzahl der vom Angeklagten begangenen - versuchten wie vollendeten - Mordtaten ausgewirkt. Zudem hat er sowohl heimtückisch wie auch aus niedrigen Beweggründen gehandelt und damit jeweils zwei Mordmerkmale verwirklicht. Darüber hinaus hat die Kammer dabei das besondere Ausmaß des Vertrauensbruchs durch den Angeklagten berücksichtigt. Bei Würdigung aller Umstände wiegt die Schuld des Angeklagten besonders schwer. Dies gilt auch auch unter Berücksichtigung des umfassenden, weit über den Anklagevorwurf hinaus gehenden Geständnisses und der dabei gezeigten glaubhaften Reue. Der Angeklagte hat insoweit mehrfach zum Ausdruck gebracht, sich für die eingeräumten Taten zu schämen und seine Bereitschaft erklärt, an der nun noch notwendigen Aufarbeitung des durch ihn begangenen Unrechts mitwirken zu wollen. Dieser in besonderem Maße für ihn sprechende Umstand wird im Rahmen der Strafvollstreckung zu berücksichtigen sein. Er vermag, aber auch unter Beachtung der ansonsten für ihn sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkte, die gegen ihn bestehenden, seine Schuld als besonders schwerwiegend erscheinen lassenden, Gesichtspunkte nicht maßgeblich zu entkräften.

VI. Die Kammer hat auf Grund rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerungen ausgesprochen, dass 9 Monate der verhängten lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe als Entschädigung für die überlange Verfahrensdauer als vollstreckt gelten (vgl BGH, Beseht, v. 17.01.2008 - GSSt 1/07). Sie ist dabei hinsichtlich der einzelnen Fälle von folgenden - chronologisch dargestellten - Verzögerungen ausgegangen:

1. Ein Anfangsverdacht hat sich nach der Tat zum Nachteil des Geschädigten xxxxxxxxx für die Staatsanwaltschaft aus den am 03.07.2006 vorgelegten Statistiken hinsichtlich der Sterberaten und des Medikamentenverbrauchs ergeben. Die Verzögerung bis zur Aufnahme der Ermittlungen im Fall xxxxx am 15.07.2008 betrug gut 2 Jahre

2. Am 19.07.2010 wurden die Ermittlungen in den übrigen Fällen (xxxxxxx, xxxxxxx, xxxxxxxx und xxxxxxx) auf genommen. Die entsprechende Verzögerung bemisst sich mit 4 Jahren

3. Im Fall xxxxx kommen weitere 11 Monate für den Zeitraum zwischen August 2009 und Juli 2010 hinzu, in der die Ermittlungen nicht wesentlich gefördert worden sind.

4. Hinsichtlich aller Fälle haben sich bis August 2012 weitere 13 Monate Verzögerungen ergeben, weil die Akten von der Polizei bereits im Juli 2011 abschlussreif an die Staatsanwaltschaft übersandt worden waren

5. Im August 2012 haben sich durch die Aussagen der Mitgefangenen des Angeklagten (xxxx, xxxxxxxx und xxxx) zunächst neue Anhaltspunkte ergeben, denen nachzugehen war. Zwischen September 2012 (Akten lagen der Staatsanwaltschaft wiederum abschlussreif vor) und November 2013 (erste das Ermittlungsverfahren abschließende Tätigkeit der nunmehr zuständigen Oberstaatsanwältin) sind weitere 13 Monate ins Land gegangen.

6. Insgesamt ist somit im Fall xxxxx von einer Gesamtverzögerung von 5 Jahren und 1 Monat auszugehen, bei den weiteren Verfahren (xxxxxxx, xxxxxxxx, xxxxxxxx und xxxxxx) errechnet sich eine Gesamtverzögerung von 6 Jahren und 2 Monaten

Dem Angeklagten wurde allerdings erst am 13.04.2011 rechtliches Gehör gegeben. Erst ab diesem Zeitpunkt war ersieh über die entsprechenden Ermittlungsverfahren im Klaren, so dass ihn die bis zu diesem Zeitpunkt angefallenen Verfahrensverzögerungen nicht wesentlich belastet haben. Die Kammer hat im Rahmen ihrer Kompensationsentscheidung daher maßgeblich auf die nach dem 13.04.2011 aufgelaufenen Verfahrensverzögerungen abgestellt. Diese beträgt hinsichtlich aller Fälle insgesamt 2 Jahre und 2 Monate

Unter Berücksichtigung der genannten Verzögerungen einerseits und der Höhe der ausgeurteilten Gesamtfreiheitsstrafe andererseits war die Anrechnung einer als volistreckt geltenden Strafe von 9 Monaten angemessen aber auch ausreichend.

F

I. Die Anordnung der Sicherungsverwahrung nach § 66 Abs. 2 StGB i. V.m. § 66 Abs. 1 Nr. 4 StGB kam nicht in Betracht. Denn nach den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen Dr. xxxxxxxxxx ist bei dem Angeklagten bereits nicht von einem Hang zu erheblichen Straftaten auszugehen. Im Übrigen ist die Anordnung der Sicherungsverwahrung aber lediglich fakultativ. Im Rahmen der Verhältnismäßigkeitsprüfung erweist sich ihre Anordnung neben der Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe nicht als unerlässlich (BGH NStZ-RR 2014, 207). Denn bei der Frage, ob die lebenslange Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen ist, sind die gleichen Umstände zu berücksichtigen wie bei der Entscheidung über eine Aussetzung der Maßregel nach § 66 StGB. Ein Fall, bei dem die Freiheitsstrafe unter Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, aber gleichwohl die Maßregel wegen fortdauernder Gefährlichkeit des Verurteilten noch vollstreckt werden dürfte, erscheint generell kaum denkbar (BGH a.a.O. m.w.N.) und ist auch hier nicht ersichtlich.

II. Die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus (§ 63 StGB) scheidet aus, da bei dem Angeklagten keine erheblich verminderte Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit festzustellen war. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) kommt ebenfalls nicht in Betracht, da nach den Ausführungen des Sachverständigen Dr. xxxxxxxx, denen sich die Kammer anschließt, bei dem Angeklagten kein Hang (mehr) festzustellen ist, alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen.

III. Auf Grund der fortbestehenden Gründe aus dem einbezogenen Urteil vom 23.06.2008 - 4 Ks 1/07 - (s o.) war darüber hinaus gemäß § 70 StGB ein lebenslanges Berufsverbot auszusprechen.

[...]

Der Angeklagte hatte, wie auch in den Urteilsgründen dargestellt, in der Hauptverhandlung in dem vorgenannten Verfahren deutlich mehr als die angeklagten Fälle eingeräumt. Dabei hatte er in der Hauptverhandlung allerdings betont, nur an Patienten in xxxxxxxxxxxx manipuliert zu haben Trotz mehrfacher eindringlicher Ansprache und Nachfrage blieb er in der Hauptverhandlung dabei, dass es in der Zeit seiner Tätigkeit in xxxxxxxxx zu keinerlei missbräuchlichen Handlungen gekommen sei. Seine Einlassung führte zu weiteren Ermittlungen (siehe unten B. I.). In der von ihm verbüßten Strafhaft verhält sich der Angeklagte ohne Beanstandungen.

B

I. Ermittlungsverlauf

Die Polizei richtete im Oktober 2014 die Sonderkommission Kardio unter Leitung des Zeugen KOR xxxxxx ein. Der Angeklagte wurde im Rahmen dieser Ermittlungen mehrfach, nämlich am 25.05., 01.06., 08 09.2016 sowie am 26.04., 18.05., und 03.07.2017 in der Justizvollzugsanstalt xxxxxxxxxx als Beschuldigter vernommen. Im Rahmen dieser Vernehmungen räumte er am 01.06.2016 erstmalig auch Manipulationen an Patienten während seiner Zeit im Klinikum xxxxxxxxx ein und zwar mit Kalium. In späteren polizeilichen Vernehmungen benannte er im Jahre 2017 als weitere missbräuchlich verwandte Wirkstoffe außerdem auch Lidocain, Sotalol und Amiodaron. Die Ermittlungen verliefen sodann nach folgender Vorgehensweise:

Für das Klinikum xxxxxxxxxxx wurden zunächst alle Sterbefälle während der Dienstzeiten des Angeklagten und einem Nachlauf von 12 Stunden festgestellt und sodann überprüft, ob die Verstorbenen erdbestattet sind. Soweit der Sterbefall diese Kriterien erfüllte, wurde die jeweilige Patientenakte des Verstorbenen erfordert und sodann an den Sachverständigen, den Rettungsmediziner Prof. Dr. xxxxxxxxxx, Facharzt für Anästesiologie, Spezielle anästhesiologische Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie der Medizinischen Hochschule xxxxxxxx{nachfolgend: xxx) weitergeleitet. Zielrichtung war die Erlangung einer gutachterlichen Einschätzung zu der Frage, ob es in den einzelnen Fällen Hinweise auf Fremdverschulden am Tod des Patienten gibt, insbesondere auf den nicht indizierten Einsatz eines Medikamentes. Diese gutachterliche Einschätzung war wiederum Grundlage für die weitergehende Entscheidung ob eine Exhumierung des Leichnams sinnvoll erschien oder nicht. In den Fällen, in denen der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxx zu dem Ergebnis kam, dass der Tod des Patienten nachvollziehbar ist und es keine Hinweise auf eine Manipulation gibt, wurden keine weiteren Ermittlungen geführt. In den übrigen Fällen erfolgte eine Exhumierung und Obduktion des Leichnams unter Leitung des rechtsmedizinischen Sachverständigen Dr. xxxxxxxxxxx und anschließend eine toxikologische Untersuchung der Gewebeproben durch den Sachverständigen Dr. xxxxxxx. Beide Sachverständige sind ebenfalls Angehörige der xxx Nachdem die Untersuchungen zunächst nur auf den Wirkstoff Ajmalin begrenzt waren, wurden sie später aufgrund der weiteren Angaben des Angeklagten auf die Medikamente Sotalex (Wirkstoff: Sotalol), Xylocain (Wirkstoff: Lidocain) und Cordarex (Wirkstoff: Amiodaron) ausgeweitet. In den Fällen, in denen zunächst durch den Sachverständigen Prof. Dr. xxxxxxx das Hauptaugenmerk auf Ajmalin gerichtet war und nunmehr der Nachweis eines anderen Wirkstoffes geführt werden konnte, wurde ein Ergänzungsgutachten eingeholt. In einigen Fällen, in denen ein bekanntes Tatmittel detektiert werden konnte, jedoch auch eine offizielle Gabe vor dem jeweiligen Todeseintritt in der Krankenakte dokumentiert ist, wurde zudem ein weiteres Gutachten durch die Toxikologie eingeholt zu der Frage, ob ausgeschlossen werden kann, dass die gefundenen Rückstände auf diese offizielle - Gabe zurückgeführt werden können.

Bezüglich der Todesfälle im Klinikum xxxxxxxxx war die Vorgehensweise zumindest vorerst eine etwas andere, da für die Polizei aufgrund der ersten Angaben des Angeklagten zu Manipulationen an Patienten in xxxxxxxxxx zunächst als Tatmittel Kaliumchlorid im Fokus stand. Kalium lässt sich als endogener Stoff nicht für die Ermittlungen aussagekräftig im Wege einer Exhumierung und toxikologischen Untersuchung nachweisen, da er körpereigen ist und zudem mit Eintritt des Sterbeprozesses für den Kaliumwert relevante erhebliche Verschiebungen und Abbauprozesse im Körper eintreten. Tatsächlich wurden aber bei sämtlichen Patienten auf der herzchirurgischen Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxx die Kaliumwerte akribisch überwacht und aufgezeichnet, da geringste Verschiebungen lebensbedrohlich sein können. Mögliche Sterbefälle unter Nutzung von Kalium konnten daher allein durch die Auswertung der Krankenakten ermittelt werden. Dies bedeutet auch, dass es für eine Überprüfung nicht darauf ankam, ob der/ die Verstorbene erd-oder feuerbestattet war. Als der Verdacht aufkam, dass der Angeklagte bereits im Klinikum xxxxxxxxx Taten begangen haben könnte, beauftragte zunächst das Klinikum xxxxxxxxxx selbst einen Sachverständigen - Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx - mit der Überprüfung aller während der Dienstzeit des Angeklagten eingetretenen Sterbefälle im Hinblick auf medizinisch nicht erklärliche Entgleisungen des Kaliumwertes. Der Kreis der zu begutachtenden Patienten wurde nun durch die Ermittlungsbehörden auch hier um einen Nachlauf von 12 Stunden erweitert und auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx mit einer solchen Überprüfung der jeweiligen Sterbefälle beauftragt. Nachdem im weiteren Verlauf des Ermittlungsverfahrens der Verdacht entstand - und letztlich durch die Angaben des Angeklagten bestätigt wurde dass dieser auch im Klinikum xxxxxxxxx bereits Taten mit anderen Medikamente begangen haben könnte, wurde die Untersuchung der xxxxxxxxxxx Patienten auf auffällige Sterbefälle ohne Verdacht auf eine Vergiftung mit Kalium nach dem oben dargestellten Muster in xxxxxxxxxxx ausgeweitet. Diese Ermittlungen mündeten dann in der Anklage der Staatsanwaltschaft Oldenburg vom 15.01.2018 und drei weiteren damit verbundenen Anklagen, in denen dem Angeklagten insgesamt 100 Morde zur Last gelegt wurden.

II. Allgemeine Tatfeststellungen

Der Angeklagte war vom 15.06.1999 bis Oktober 2002 im Klinikum xxxxxxxxx tätig. Er wurde auf der herzchirurgischen Intensivstation - Station 211 - bis zum 08.09.1999 eingearbeitet. Anschließend übernahm er immer mehr selbstständig die anfallenden Tätigkeiten auf der Station, bis er schließlich komplett eigenverantwortlich arbeitete. Bis zum 09.12.2001 wurde der Angeklagte auf dieser Station eingesetzt. Chefarzt war dort ebenfalls seit 1999 Prof. Dr. xxxx xxxxx, Stationsleiter im Pflegebereich xxxxxxxxx. Mit dem Eintreten von Prof. xxxxxx nahm die Klinik vermehrt schwierige und riskante Herz-Operationen an, wodurch sich Arbeitsanfall und Belastung auf der herzchirurgischen Intensivstation spürbar erhöhten. Patienten wurden immer einer bestimmten Pflegekraft zugewiesen. Der Angeklagte zeigte sich engagiert und bereit, sich insbesondere um schwierige Fälle zu kümmern. Er war von der "Maschinen-Medizin", den herzchirurgischen Eingriffen und den häufigen Notfallsituationen gleichsam verängstigt und fasziniert. Der Angeklagte bekam mehr und mehr positiven Zuspruch von Kollegen und Ärzten für seine Arbeit. Seine Vorgehensweise bei Reanimationen wurde als offensiv und zupackend anerkannt. Häufiger als andere Kollegen wirkte er an Reanimationen mit. Mit der Zeit fiel jedoch auf, dass der Angeklagte sich hier unangemessen in den Vordergrund spielte und zu aktionistischen Verhaltensweisen neigte, was auch Unmut bei seinen Kollegen hervorrief. Dem damaligen Chefarzt Prof. Dr. xxxxxx fiel dieses Verhalten und die zunehmend häufigen Reanimationen, an den der Angeklagte beteiligt war, ebenfalls auf, so dass er Ärzte seiner Abteilung wie auch den Stationsleiter xxxxxxx darauf aufmerksam machte und sie anwies, "ein Auge" auf den Angeklagten zu haben. Im Klinikum führte das Verhalten des Angeklagten schließlich innerhalb des Krankenhauses zu seinem Wechsel in die von dem Chefarzt Prof. Dr. xxxxxxxxxx geleitete Klinik für Anästhesiologie zum 10.12.2001. Hier gab es weniger spektakuläre Krankheitsfälle. Gleichwohl zeigte sich der Angeklagte auch hier im Rahmen von Reanimationen wieder aktionistisch. So wurde der Angeklagte im Rahmen der Rotation erneut kurzzeitig auch wieder auf der herzchirurgischen Intensivstation eingesetzt. Im Sommer 2002 nahm das Misstrauen der Ärzte und Kollegen gegen den Angeklagten in der Klinik so weit zu, dass dieser am 27.08.2002 Vertreter des Betriebsrates, unter anderem die Zeugin xxxxxxx, kontaktierte, weil er eine Kündigung fürchtete. Der Angeklagte wirkte auf die Zeugin xxxxxxxxx glaubhaft und authentisch ängstlich und betroffen. Ihr gegenüber äußerte er eindringlich, dass er nicht verstehen könne, warum man ihm kein Vertrauen mehr schenke. Er zeigte sich für sie ratlos und ernsthaft hilfesuchend. Die Zeugin xxxxxxxxxx suchte daraufhin noch am selben Tage zusammen mit dem Angeklagten und einer Kollegin das Gespräch mit der Verwaltung, unter anderem dem damaligen Geschäftsführer xxxxxxxxxxx und der Pflegedirektorin xxxxxxxxxxx. Dort wurde seitens des Geschäftsführers erklärt, dass die Vertrauensbasis ärztlicherseits in der Herzchirurgie und Kardioanästhesie nicht mehr gegeben sei. Unter anderem der Chefarzt Prof. Dr. xxxxxxx sei nicht mehr bereit, mit dem Angeklagten zusammenzuarbeiten. Trotz mehrfacher Nachfrage erbrachte das Gespräch jedenfalls für die Zeugin xxxxxxxxxxx keine weitere Aufklärung über den Grund des Misstrauens. Auch der Chefarzt Prof. Dr. xxxxxxx teilte diese Einstellung. So wurde der Angeklagte von ihm am 23.09.2002 zu einem persönlichen Gespräch unter vier Augen gerufen. Prof. Dr. xxxxxxx gab ihm dabei zu verstehen, dass man im Krankenhaus kein Vertrauen mehr zu ihm habe. Eine Begründung hierfür lieferte der Chefarzt nicht. Der Angeklagte fragte Prof. Dr. xxxxxxx in diesem Gespräch sogar, ob er als Feuerwehrmann gesehen würde, der das Feuer selbst legt und dann zur Stelle ist. Prof. Dr. xxxxxxx erwiderte daraufhin, dass es darum nicht ginge und das nicht das Thema sei. Obwohl er hierfür funktional nicht zuständig war, stellte er - wie mit der Verwaltung abgestimmt - den Angeklagten vielmehr vor die Wahl, entweder mit unveränderten Bezügen in den Hol- und Bringedienst des Klinikums zu wechseln oder von seiner Tätigkeit sofort freigestellt zu werden, für die nächsten drei Monate aber sein volles Gehalt und ein gutes Arbeitszeugnis zu bekommen. Der auf die Zeugin xxxxxxxxx von allem vollkommen überrascht und verunsichert wirkende Angeklagte akzeptierte schließlich die Auflösung seines Arbeitsvertrages. Er arbeitete ab dem Zeitpunkt dieses Gesprächs nicht mehr im Klinikum, war vielmehr bis zu seinem Ausscheiden unter Beibehaltung der vollen Bezüge krankgeschrieben. Versuche des Betriebsrats, insbesondere der Zeugin xxxxxxxxx, um weitere Aufklärung wurden abgeblockt. Seitens der Verwaltung wurde ihr lediglich signalisiert, dass das Gespräch zwischen dem Chefarzt Prof. Dr. xxxxxxxx und dem Angeklagten im Einvernehmen mit der Verwaltung erfolgt sei. Nachdem zunächst entsprechend der Abrede mit Prof. Dr. xxxxxxxx eine Aufhebung des Arbeitsverhältnisses zum 31.12.2002 vereinbart war, bat der Angeklagte dann um Auflösung bereits zum 14.12.2002, um tags drauf ein Arbeitsverhältnis im Klinikum xxxxxxxxxxx beginnen zu können. Die Pflegedirektorin xxxxxxxx schrieb ihm absprachegemäß unter dem 06.12.2002 ein positives Zeugnis, in dem ihm bescheinigt wurde, "umsichtig, gewissenhaft und selbständig" gearbeitet und in "kritischen Situationen [...] überlegt und sachlich richtig" gehandelt zu haben. Die ihm übertragenen Aufgaben habe er zur "vollsten Zufriedenheit" erledigt; er sei auf Grund "seiner Einsatzbereitschaft und seines kooperativen Verhaltens [...] im Mitarbeiterkreis und bei Vorgesetzten beliebt und geschätzt" gewesen. Aus dem Klinikum sei er "auf eigenen Wunsch" ausgeschieden. Das Arbeitsverhältnis im Klinikum xxxxxxxxxx endete so zum 14.12.2002.

Der Angeklagte begann am 15.12.2002 seine Tätigkeit im Klinikum xxxxxxxxxxxx. Seine Anfangszeit dort empfand er als angenehm. Auf Grund seiner vorherigen Tätigkeit auf der herzchirurgischen Intensivstation in xxxxxxxxxx wurde ihm viel Anerkennung entgegengebracht. Zudem war die Intensivstation in xxxxxxxxxxxx mit gerade einmal 12 Betten deutlich übersichtlicher und die Stressbelastung für das Pflegepersonal geringer. Kurz nach Beginn seiner dortigen Tätigkeit im Dezember 2002 wurde der Angeklagte zu einer Reanimation gerufen. Da dem anwesenden Arzt die Intubation nicht gelang, wurde der Angeklagte gefragt, ob er die Patientin intubieren könne. Dies gelang ihm auf Anhieb erfolgreich. Hierfür erntete er viel Lob und Anerkennung. Der Angeklagte fühlte sich durch das berauschende Erlebnis und die nachträgliche Anerkennung "angefixt". Im Klinikum xxxxxxxxxxxx war er sodann bis zu seiner Festnahme am 08.07.2005 als Krankenpfleger auf der Intensivstation der chirurgischen Abteilung tätig.

Der Angeklagte ging bei den von der Kammer festgestellten Taten allgemein wie folgt vor, sofern es zu Abweichungen von diesem Tatablauf oder Besonderheiten kam, hat die Kammer dies bei den einzelnen Sterbefällen dargestellt (s. unten):

Um seine Fähigkeiten im Bereich der Reanimation gegenüber Kollegen und Vorgesetzten präsentieren zu können und um seine Langeweile zu bekämpfen, verabreichte der Angeklagte den nachbenannten Opfern sowohl auf der Station in xxxxxxxxx als auch ab Dezember 2002 in xxxxxxxxxxxx verschiedene, jeweils nicht indizierte Medikamente, namentlich Kalium, Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin), Sotalex (Wirkstoff Sotalol), Xylocain (Wirkstoff Lidocain) und Cordarex (Wirkstoff Amiodaron) ohne ärztliche Anordnung. Dies tat er in dem Wissen und in der Absicht, dass diese Medikamente in den von ihm gegebenen Mengen und bei nicht gegebener Indikation bei den Patienten lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kammerflimmern und einer elektromechanischen Entkopplung sowie Blutdruckabfall auslösen können, diese dadurch reanimationspflichtig werden und letztlich versterben können. Das Versterben der Patienten aufgrund der Wirkungen der Medikamente bzw. die Möglichkeit des Todes nahm der Angeklagte in allen Fällen billigend in Kauf.

Der Angeklagte entschied zunächst häufig bei Rundgängen zu Beginn seines Dienstes mit der Zeit auch während des Dienstes spontan, bei welchen Patienten er reanimationspflichtige Zustände auslösen wollte. Damit die von ihm verursachten Krisen weniger auffielen, entschied er sich in der Regel für gesundheitlich bereits schwer angeschlagene Patienten. Allerdings bestanden keine festen Kriterien bei der Auswahl seiner Opfer. Mit der Zeit wurde der Angeklagte, der emotional immer mehr verwahrloste, bei der Auswahl zunehmend gleichgültig und achtete auch immer weniger auf die Geheimhaltung seiner Handlungen, dies vor allem in der Zeit in xxxxxxxxxxxx. Dort kam es vereinzelt dazu, dass er sogar in Gegenwart von Kollegen, etwa beim Legen von Zugängen, direkt einen Wirkstoff in manipulativer Absicht spritzte. In den meisten Fällen ging er allerdings wie folgt vor: Nach der Wahl seiner Opfer begab sich der Angeklagte in die Stationszentrale und zog das jeweilige, von ihm ebenso spontan ausgesuchte, nicht indizierte Medikament in eine oder zwei Spritzen auf. Er zog dabei möglichst eine solche Dosis auf, die nach seiner Kenntnis mit großer Sicherheit nicht unmittelbar den Tod des jeweiligen Patienten verursachen würde, aber eine Reanimation notwendig sein konnte. Mit den aufgezogenen Spritzen ging der Angeklagte ins jeweilige Patientenzimmer. Um einen Alarm in der Stationszentrale zu vermeiden, stellte der Angeklagte den Signalalarm des Monitors im Patientenzimmer in der Regel aus, was in der Stationszentrale auch so angezeigt wurde. Anschließend spritzte er über einen freien intravenösen Zugang, meistens dem sogenannten zentralen Venenzugang, das Medikament bis das EKG Auffälligkeiten zeigte und der Blutdruck stark abfiel und vielfach nahezu gegen null ging. Anschließend entsorgte der Angeklagte den jeweils verbliebenen Spritzeninhalt und die Spritzen selbst im Mülleimer und verließ schnell das Zimmer, um sich möglichst weit weg, in der Regel auf den Flur, in das Arzt- oder in das Raucherzimmer der jeweiligen Station zu begeben. Hier wartete er, bis nach 30 Sekunden der von ihm deaktivierte Signalalarm automatisch wieder ansprang. Dann lief er ebenso wie seine Kollegen in das jeweilige Patientenzimmer, um -wie beabsichtigt - mit der Reanimation zu beginnen. Sofern nachfolgend nicht gesondert anders dargestellt verstarben die Patienten entweder während der Reanimation oder kurzzeitig - innerhalb der nächsten 2 Stunden - danach.

Im Einzelnen tötete der Angeklagte so folgende Menschen:

III. Konkrete Tatfeststellungen:

1. xxxxxxxxxxxxxxx

Die am 02.08.1922 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 28.12.1999 im Klinikum xxxxxxxx aufgenommen. Nachdem sie zunächst bereits postoperativ vom 29.12.1999 bis 30.12.1999 auf Station 211 lag, erfolgte nach zwischenzeitlicher Verlegung auf die Normalstation am 04.01.2000 die erneute Aufnahme auf die Station 211. Am 07.02.2000 nach 11.00 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxxxxxxx verstarb letztlich am 07.02.2000 gegen 12.35 Uhr. Ob eine Reanimation erfolgte, konnte die Kammer nicht feststellen.

2. xxxxxxxxxxxx

Der am 10.04.1930 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 06.07.2000 im Klinikum xxxxxxxxxx aufgenommen und am 09.07.2000 auf die Station 211 verlegt. Am 23.07.2000 gegen 22.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 22.21 Uhr. Ob eine Reanimation erfolgte, konnte die Kammer nicht feststellen.

3. xxxxxxxxxxxx

Die am 13.02.1926 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 15.07.2000 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxx aufgenommen. Am frühen Morgen des 26.07.2000 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer zu der nicht indizierten Gabe von Lidocain passenden therapiefraktären Hypotonie und einer Tachyarrhytmie kam.

Frau xxxxxxxxxx verstarb letztlich am 26.07.2000 gegen 06.36 Uhr trotz Reanimation.

4. xxxxxxxxxxx

Der am 20.07.1932 geborene xxxxxxxxx wurde am 21.11.2000 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxx aufgenommen. Am 08.12.2000 gegen 14.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt -zu einem zu der nicht indizierten Gabe von Lidocain passenden Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich gegen 14 35 Uhr nachdem mehrfache Atropingaben im Rahmen der Reanimation nichts bewirkten.

5. xxxxxxxxxx

Der am 20.12.1921 geborene xxxxxxxxx wurde am 14.12.2000 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. Gegen Mitternacht des 24.12.2000 verabreichte der Angeklagte dem Patienten eine Überdosis Kalium, wodurch es - wie beabsichtigt - zu einem durch die übermäßige Kaliumgabe ausgelösten Kammerflimmern kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich am 25.12.2000 gegen 01.45 Uhr trotz Reanimation.

6. xxxxxxxxxx

Der am 13.02.1924 geborene xxxxxxxxx wurde am 04.12.2000 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxx aufgenommen. Am 26.12.2000 und nochmals am frühen Morgen des 27.12.2000 verabreichte der Angeklagte dem Patienten eine Überdosis Kalium, wodurch es -wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die übermäßige Gabe von Kalium typischen Herz-Kreislaufstillstand kam.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich am 27.12.2000 gegen 05.35 Uhr trotz Reanimation.

7. xxxxxxxxxxx

Die am 05.10.1931 geborene xxxxxxx wurde am 23.02.2001 im Klinikum xxxxxxxxxx aufgenommen und am 26.02.2001 auf die Station 211 verlegt. Am 02.03.2001 gegen 20.40 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen Kammerflimmern und einer elektromechanischen Entkopplung kam.

Frau xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 21.00 Uhr trotz massiver Reanimations-bemühungen.

8. xxxxxxxxxxx

Die am 11.05.1924 geborene xxxxxxxxxx wurde am 25.02.2001 im Klinikum xxxxxxxxxx aufgenommen und am 26.02. auf die Station 211 verlegt. Am 03.03.2001 gegen 22.50 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen hypertensiven Entgleisung mit Herzrhythmusstörungen kam.

Frau xxxxxxx verstarb letztlich am frühen Morgen des 04.03.2001 gegen 00.42 Uhr. Ob eine Reanimation erfolgte, konnte die Kammer nicht feststellen.

9. xxxxxxxxxxx

Die am 22.06.1934 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 03.03. im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Station 211 aufgenommen. Am frühen Morgen des 05.03.2001 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Sotalex wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Sotalex typischen Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxxxxxxx verstarb letztlich am frühen Morgen des 05.03.2001 gegen 04.30 Uhr. Eine Reanimation fand noch gegen 23 Uhr statt, zum letalen Kreislaufversagen ist eine solche nicht dokumentiert worden.

10. xxxxxxxxxx

Die am 01.08.1926 geborene xxxxxxxxx wurde am 12.03. im Klinikum xxxxxxxxxx aufgenommen und am 13.03.2001 postoperativ auf die Station 211 verlegt. Am Abend dieses 13.03. verabreichte der Angeklagte der Patientin ein nicht näher feststellbares Medikament, wodurch - wie von ihm beabsichtigt - eine Reanimation der Patientin notwendig wurde. Bei dieser Reanimation kam es aufgrund der mechanischen Thoraxkompression zu einem Einriss im rechten Herzvorhof, wodurch die Patientin letztlich verblutete. Eine solche Komplikation im Rahmen einer Reanimation ist durchaus nicht untypisch.

Frau xxxxxxxxx verstarb gegen 20.55 Uhr.

11. xxxxxxxxxxx

Der am 17.10.1930 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 09.03.2001 im Klinikum xxxxxxxxx aufgenommen und am 12.03.2001 auf die Station 211 verlegt. Am 01.04.2001 gegen 21.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten eine Überdosis Kalium, wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer Hyperkaliämie und einem daraus resultierenden Herz-Kreislaufstillstand kam

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 22.00 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

12. xxxxxxxxxxx

Der am 06.10.1928 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 30.03.2001 im Klinikum xxxxxxxxxx aufgenommen und am 02.04. postoperativ auf die Station 211 verlegt.

In der Nacht vom 02.04. - 03.04.2001 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Sotalex wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem zu der nicht indizierten Gabe von Sotalex passenden, nicht therapierbaren Kreislaufzusammenbruch kam.

Herr xxxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 03.05 Uhr unter medikamentösen Reanimationsmaßnahmen.

13. xxxxxxxxxxxxx

Die am 16.07.1929 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 05.04.2001 im Klinikum xxxxxxxxxx aufgenommen und am 06.04.2001 sowie nach zwischenzeitlicher Rückführung auf die Normalstation erneut am 09.04. auf die Station 211 verlegt. Am 10.04.2001 gegen 18.30 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin eine Überdosis Kalium, wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer Hyperkaliämie und einer daraus resultierenden elektromechanischen Entkopplung kam.

Frau xxxxxx verstarb letztlich gegen 18.45 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

14. xxxxxxxxxxxxx

Der am 27.02.1934 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 05.04.2001 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen, operiert, danach zunächst von der Intensiv- wieder auf die Normalstation, am 10.04. jedoch erneut auf die Station 211 verlegt. Am 11.04.2001 gegen 14.30 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer zu der nicht indizierten Gabe von Lidocain passenden Asystolie kam.

Herr xxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 14.48 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

15. XXXXXXXXXXX

Der am 27.11.1922 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 18.03.2001 von der Normalstation auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxx aufgenommen. Am Morgen des 17.04.2001 bis etwa 10.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen Kreislaufversagen und einer Bradykardie kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich gegen 10.40 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

16. xxxxxxxxxxxx

Der am 19.04.1930 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 03.05.2001 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxx aufgenommen. Am Abend des 06.05.2001 gegen 21.50 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten eine Überdosis Kalium, wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer Hyperkaliämie und einem daraus resultierenden Kreislaufzusammenbruch kam.

Herr xxxxxxx verstarb letztlich gegen 22.50 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

17. xxxxxxxxxxxxxxx

Die am 02.07.1934 geborene xxxxxxxxxxxxxxxx wurde am 24.04.2001 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxx aufgenommen. Am 31.05.2001 gegen 19.30 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen elektromechanischen Entkopplung und anschließender Asystolie kam.

Frau xxxxxxxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 20.00 Uhr trotz Reanimations-bemühungen.

18.xxxxxxxxxxxx

Die am 09.12.1920 geborene xxxxxxxxxxxxx kam am 17.05.2001 zur Operation ins Klinikum xxxxxxxxxx und wurde sodann postoperativ auf die Station 211 aufgenommen.

Mutmaßlich insgesamt drei Mal, sicher zuletzt aber am 03.06.2001 gegen 13.00 Uhr, verabreichte der Angeklagte der Patientin eine Überdosis Kalium, wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer Hyperkaliämie und einer daraus resultierenden Asystolie kam.

Frau xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 16.40 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

19. xxxxxxxxxxxx

Der am 29.12.1931 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 06 06.2001 im Klinikum xxxxxxxxxx aufgenommen und am 07.06. postoperativ auf die Station 211 verlegt

Am 07.06. gegen 15.45 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Sotalex wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer zu der nicht indizierten Gabe von Sotalex passenden, nicht therapierbaren, Bradykardie mit Kreislaufzusammenbruch kam.

Herr xxxxxxx verstarb letztlich gegen 17.10 Uhr trotz Reanimation.

20. xxxxxxxxxxxx

Der am 30.06.1938 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 31.05.2001 auf die Station 211 im Klinikum xxxxxxxxx aufgenommen.

Am 26.06. gegen 22.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Cordarex (Wirkstoff Amiodaron) und/oder Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem zu der nicht indizierten Gabe dieser Wirkstoffe passenden Herz-Kreislaufversagen mit Kammerflimmern kam.

Herr xxxxxx verstarb letztlich gegen 22.45 Uhr unter beginnenden Reanimationsbemühungen, die nach Rücksprache mit den Angehörigen jedoch abgebrochen wurden.

21. xxxxxxxxxx

Der am 20.05.1921 geborene xxxxxxxxxx wurde am 17.07.2001 auf die Station 211 im Klinikum xxxxxxxxxx aufgenommen. Am 19.07. gegen 11.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Cordarex (Wirkstoff Amiodaron) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem zu der nicht indizierten Gabe von Amiodaron passenden therapieresistenten Kammerflimmern mit Kreislaufstillstand und elektromechanischer Entkopplung kam.

Herr xxxxxxx verstarb letztlich gegen 11.45 Uhr trotz Reanimation.

22. xxxxxxxxxxxxxx

Die am 23.06.1927 geborene xxxxxxxxxxxxxx wurde am 31.07.2001 im Klinikum xxxxxxxxx aufgenommen und am 01.08.2001 postoperativ auf die Station 211 verlegt.

Am Morgen des 04.08.2001 gegen 07.50 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen überraschenden Kreislaufversagen und einer elektromechanischen Entkopplung kam.

Frau xxxxxxx verstarb letztlich gegen 08.30 Uhr trotz Reanimation.

23. xxxxxxxxxxx

Die am 03.02.1930 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 09.07.2001 im Klinikum xxxxxxxxx aufgenommen und am 13.07.2001 postoperativ auf die Station 211 verlegt.

In der Nacht bzw. am frühen Morgen vom 04. auf den 05.08.2001 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen Kammerflimmern kam.

Frau xxxxxx verstarb letztlich gegen 06.45 Uhr des 05.08.01. Ob eine Reanimation durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

24. xxxxxxxxx

Der am 01.12.1927 geborene xxxxxxxxx wurde am 27 07.2001 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxx aufgenommen. Im Nachtdienst vom 07.- 08.08.2001 gegen 00.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Sotalex wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Sotalex typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxx verstarb letztlich gegen 01.00 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

25. xxxxxxxxxxxx

Der am 12.11.1929 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 06.09.2001 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxx aufgenommen. In der Nacht vom 14. auf den 15.09.2001 gegen 00.50 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen Kammerflimmern kam.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 01.30 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

26. xxxxxxxxxxxx

Der am 10.05.1941 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 13.09.2001 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxx aufgenommen. Nachdem der Angeklagte bei diesem Patienten mutmaßlich schon in der Nacht vom 14. auf den 15.09.2001 einmal mittels Kalium manipuliert hatte, dieser jedoch überlebte, verabreichte er diesem sodann am Folgeabend Gilurytmal, wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe dieses Medikaments typischen Kreislaufzusammenbruch und einer Asystolie kam.

Herr xxxxxxx verstarb letztlich am 15.09.2001 gegen 23.32 Uhr trotz Reanimationsbemühungen

Bis zu diesem Wochenende 14.-16.09.2001 bestand im Kollegenkreis des Angeklagten, wie auch in der Ärzteschaft kein Misstrauen gegen den Angeklagten. Zwar war insbesondere im Kollegenkreis schon allgemein darüber gesprochen worden, dass der Angeklagte häufig und engagiert in Krisen und sich daran anschließenden Reanimationen von Patienten zugegen war. Dies wurde zu dieser Zeit allerdings allgemein als schicksalhaftes Pech des Angeklagten angesehen und ihm nicht etwa argwöhnisch angelastet. Zugunsten des Angeklagten geht die Kammer davon aus, dass das Wochenende 14.-16.09.2001 mit selbst für die krisenerfahrene Station 211 extrem vielen Notfällen und Reanimationen insoweit ein Umdenken zumindest anstieß. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch im Kollegenkreis, wie bei der Ärzteschaft auffiel, dass in Diensten, in denen der Angeklagte anwesend war, auffällig viele Krisenfälle mit Reanimationen stattfanden. So überraschte die Zeugin xxxxxxxxxxxxx den Angeklagten an diesem Wochenende in einer von ihr als "Horrornacht" bezeichneten Nacht an einem der Betten eines in die Krise geratenen Patienten mit einer Spritze in der Hand. Zugunsten des Angeklagten geht die Kammer davon aus, dass sich innerhalb der Belegschaft bei Pflegekräften und Ärzten die bis dahin nur allgemein gehegten und geäußerten Gedanken über schicksalhaftes Pech des Angeklagten hin zu einem Misstrauen ihm gegenüber konkretisierten. Von einem Misstrauen hat neben der Zeugin xxxxxxxxxxxx auch die Zeugin xxxx (vormals xxxxxxx) berichtet. Gleichzeitig fiel den Mitarbeitern die teilweise sehr hohen Kaliumwerte vieler verstorbener oder plötzlich reanimationspflichtiger Patienten auf. Daraufhin kam es nach diesem Wochenende zu einer Zusammenkunft zahlreicher Pfleger und Ärzte, darunter der Zeuge xxxxxxxxxxx, die Zeugin xxxx (vormals xxxxxxx) und der Zeuge xxxxxxxxxxx. Seitens der Ärzteschaft nahmen unter anderem die Zeugen Dr. xxxxx und Prof. xxxxxx an dieser "Kaliumkonferenz" teil, um die Ursache dieser Werte zu ergründen. Insgesamt haben an der in einem größeren Saal im Ausbildungszentrum stattfindenden Besprechung 20 bis 30 Angehörige der Station 211, unter anderem auch der Angeklagte, teilgenommen. Ein Misstrauen gegen den Angeklagten selbst wurde bei dieser Unterredung aber nicht formuliert.

27. xxxxxxxxxxxxx

Der am 23.06 1936 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 11.09.2001 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und postoperativ am 12.09. auf die Station 211 verlegt. Der Angeklagte verabreichte diesem am frühen Morgen des 23.09.2001 das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen Kammerflimmern kam.

Herr xxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 07.47 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

28. xxxxxxxxxx

Der am 06.06.1920 geborene xxxxxxxxxx befand sich vom 27.09. bis zum 02.10. im Klinikum xxxxxxxxxx, seit dem 28.09. auf der Station 211. Am 02.10. - gegen 17.20 Uhr - verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen elektromechanischen Entkopplung kam, die sich als nicht therapierbar erwies.

Herr xxxxx verstarb gegen 17.50 Uhr trotz Reanimation.

29. xxxxxxxxxxxx

Der am 18.06.1929 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 13.11 2001 notfallmäßig auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. Am 17.11.2001 gegen 13.30 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen Kammerflimmern kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich am gegen 14.15 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

30. xxxxxxxxxxxxxxx

Der am 03.08.1941 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 17.11.2001 auf die Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxx aufgenommen. Gegen 11.40 Uhr des 20.11.2001 verabreichte der Angeklagte dem Patienten die Medikamente Amiodaron und Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe dieser Medikamente typischen Kreislaufversagen kam. Der Patient überlebte die akute Situation zunächst, musste jedoch im Verlauf der nächsten Stunden dreimal rethoraktomiert werden und verstarb letztlich am frühen Morgen des 21.11 infolge des missbräuchlich ausgelösten Kreislaufversagens.

31. xxxxxxxxxx

Die am 10.03.1929 geborene xxxxxxxxxx wurde am 26.11.2001 postoperativ und unter Einsatz eines extracorporalen Unterstützungssystems (sog. ECMO) auf der Station 211 des Klinikums xxxxxxxxxx behandelt. Gegen 22.50 Uhr desselben Tages verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Gilurytmal typischen Asystolie kam.

Frau xxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 23.30 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

Für den Zeitraum der Tätigkeit des Angeklagten auf der Anästhesiestation vom 09.12.2001 bis Oktober 2002 sind keine Taten angeklagt. Unter den oben dargestellten Umständen verließ er das Klinikum xxxxxxxxxx und begann am 15.12.2002 seine Tätigkeit im Klinikum xxxxxxxxxxx. Dort war er sodann bis zu seiner Festnahme am 08.07.2005 als Krankenpfleger auf der Intensivstation der chirurgischen Abteilung tätig.

Im Klinikum xxxxxxxxxxx tötete der Angeklagte folgende Menschen:

32. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 13.02.1938 geborenen xxxxxxxxxxxx war am 20.12.2002 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxx aufgenommen worden. Am 22.12.2002 gegen 16.20 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxxxxx verstarb letztlich um 17.37 Uhr trotz Reanimationsversuchs.

33. xxxxxxxxxxxx

Der am 06.08.1921 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 23.01.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und postoperativ auf die Intensivstation verlegt. Dort verabreichte der Angeklagte dem Patienten am 27.01. gegen 23.00 Uhr das Medikament Lidocain wodurch es -wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen plötzlichen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 23.15 Uhr trotz Reanimation.

34. xxxxxxxxxxxxx

Der am 03.07.1935 geborene xxxxxxxxxxxx wurde 06.02.03 gegen 09.15 Uhr ins Klinikum xxxxxxxxxxxx eingeliefert und um 13.00 Uhr auf die Intensivstation aufgenommen. Gegen 14.30 Uhr des gleichen Tages verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich um 15.30 Uhr trotz Reanimation.

35. xxxxxxxxxxxxx

Der am 15.11.1932 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde 18.02.03 gegen 08.30 Uhr ins Klinikum xxxxxxxxxxx eingeliefert und auf die Intensivstation aufgenommen. Noch am gleichen Tag gegen 20.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Sotalex (Wirkstoff Sotalol) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Sotalex typischen Kreislaufversagen kam. Bis 22.00 Uhr wurden 4 Defibrillationen verabreicht.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich um 23.55 Uhr trotz der Reanimationsversuche infolge der Manipulation.

36. xxxxxxxxxx

Die am 07.12.1925 geborene xxxxxxxxxx wurde am 25.02.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und am 05.03. auf die Intensivstation verlegt. Während des Frühdienstes des 06.03.2003 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Lidocain wodurch es -wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen plötzlichen Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 07.14 Uhr. Ob eine Reanimation durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

37. xxxxxxxxxxxxx

Der am 29.05.1923 geborene xxxxxxxxxxxxxx wurde am 07.03.2003 gegen 10.30 Uhr auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxx aufgenommen. Gegen 12.45 Uhr dieses Tages verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Sotalex (Wirkstoff Sotalol) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Sotalol typischen Bradykardie und einem Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 13.50 Uhr trotz Reanimation.

38. xxxxxxxxxxxxxxx

Die am 14.02.1931 geborene xxxxxxxxxxxxxx wurde am 01.03.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxx aufgenommen. Am 07.03.2003 verabreichte der Angeklagte der Patientin während des Spätdienstes das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen plötzlichen Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 16 00 Uhr. Es wurde vergeblich mittels einer Kardioversion von 100 Joule versucht, sie zu retten.

39. xxxxxxxxxxxx

Die am 12.03.1927 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 20.03.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. In der Nacht vom 09.04. auf den 10.04.2003 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Bradykardie und Asystolie kam.

Frau xxxxxx verstarb letztlich gegen 04.05 Uhr, trotz Reanimationsbemühungen.

40. xxxxxxxxxxx

Die am 20.01.1911 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 16.04.2003 zunächst auf die Normalstation, am 21.04. sodann auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. Gegen 18.30 Uhr dieses Tages verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Bradykardie und einer Asystolie kam.

Frau xxxxx verstarb letztlich gegen 19.00 Uhr unter Reanimation.

41. xxxxxxxxxxxxx

Der am 06.06.1934 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 02.05.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. In der Nacht vom 05.05. auf den 06.05.2003 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxx verstarb letztlich um 01.45 Uhr trotz Reanimationsversuchs.

42. xxxxxxxxxxxxxxx

Die am 20.07.1930 geborene xxxxxxxxxxxxxx wurde am 15.05.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und am 17.05. auf die Intensivstation verlegt. Während seines Nachtdienstes vom 20.05. auf den 21.05.2003 verabreichte der Angeklagte der Patientin gegen Mitternacht das Medikament Sotalex wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Sotalex typischen Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 03.45 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

43. xxxxxxxxxxxxxxx

Der am 29.06.1958 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde am 23.05.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und in der Nacht auf den 24.05. auf die Intensivstation verlegt. Gegen 20.30 Uhr des 24.05.2003 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 20.55 Uhr trotz Reanimationsmaßnahmen.

44. xxxxxxxxxx

Die am 14.05.1928 geborene xxxxxxxxxx wurde am Abend des 02.06.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Noch in der Nacht - gegen 02.45 Uhr -verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen plötzlichen Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxx verstarb letztlich gegen 03.20 Uhr. Ob eine Reanimation beim letalen Kreislaufversagen durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

45. xxxxxxxxxxxxx

Die am 27.05.1928 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 02.06.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxx aufgenommen. Während seines Nachtdienstes vom 03.06. auf den 04.06.2003 verabreichte der Angeklagte der Patientin - gegen 21.00 Uhr - das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen plötzlichen Blutdruck- sowie Pulsfrequenzabfall mit Herzstillstand kam.

Frau xxxxx verstarb letztlich um 22.39 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

46. xxxxxxxxxxxx

Der am 12.06.1955 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 05.06.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Dort verabreichte der Angeklagte dem Patienten in der folgenden Nacht zum 06.06. gegen 23.30 Uhr das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen plötzlichen Kreislaufstillstand kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich gegen 01.30 Uhr trotz Reanimation.

47. xxxxxxxxxxxx

Der am 01.07.1915 geborene xxxxxxxxxxxxxx wurde am 02.06.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxxx und am 06.06. postoperativ auf die Intensivstation aufgenommen. Am 07.06.2003 gegen 20.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxxx verstarb gegen 20.00 Uhr. Ob eine Reanimation durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

48. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 22.02.1937 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 11.06.2003 ins Klinikum xxxxxxxxxxxx aufgenommen und in der Nacht auf den 21.06.2003 auf die Intensivstation verlegt. Gegen 06.50 Uhr des 22.06.2003 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxxxx verstarb letztlich um 07.12 Uhr trotz Reanimationsversuchs

49. xxxxxxxxxxxxxxx

Die am 27.04.1951 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde am 23.06.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und am 24.06. auf die Intensivstation verlegt. Während seines Nachtdienstes vom 24.06. auf den 25.06.2003 verabreichte der Angeklagte der Patientin - gegen 00.40 Uhr -das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen plötzlichen Blutdruck- sowie Pulsfrequenzabfall mit Herzstillstand kam.

Frau xxxxxxxxx verstarb letztlich um 01.30 Uhr. Eine Reanimation ist in der Krankenakte für diesen Zeitpunkt nicht dokumentiert.

50. xxxxxxxxxxx

Der am 10.04.1920 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 22.08.2003 gegen 10.15 Uhr auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. In der Nacht vom 26. auf den 27.08.03 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Sotalex (Wirkstoff Sotalol) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Sotalol typischen kardiogenen Schock kam.

Herr xxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 00.20 Uhr des 27.08.2003 trotz Reanimation.

51. xxxxxxxxxxx

Der am 04.10.1942 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 27.08.2003 gegen 20.15 Uhr auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. Kurz danach verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Vorhofflimmern kam.

Herr xxxxxxx verstarb letztlich gegen 02.07 Uhr des 28.08.2003 trotz langwieriger, im Ergebnis aber erfolgloser Reanimation.

52. xxxxxxxxxxxxxxx

Die am 12.06.1907 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde am 28.08.03 im Klinikum xxxxxxxxxxx und dort postoperativ am 29.08. auf die Intensivstation aufgenommen. Während seines Nachtdienstes vom 30. auf den 31.08.2003 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Bradykardie und einer Ateminsuffizienz kam.

Frau xxxxxxxx verstarb letztlich am 31.08.2003 gegen 04.02 Uhr trotz Reanimationsmaßnahmen.

53. xxxxxxxxxxxxxxxx

Der am 01.02.1934 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 31.08.2003 mit dem Notarzt ins Klinikum xxxxxxxxxxx eingeliefert und auf die Intensivstation aufgenommen. Direkt nach der Aufnahme gegen 19.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Xylocain (Wirkstoff Lidocain) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxx verstarb letztlich gegen 20.25 Uhr. Eine Reanimation fand nicht statt.

54. xxxxxxxxxxx

Der am 14.02.1922 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 19.09.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und postoperativ am 20.09. auf die Intensivstation verlegt. In der Nacht vom 20. auf den 21.09.03 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Xylocain (Wirkstoff Lidocain) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich gegen 03.50 Uhr des 21.09.2003 unter dem Versuch einer medikamentösen Reanimation.

55. xxxxxxxxxxxxx

Die am 11.02.1915 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 20.09.03 im Klinikum xxxxxxxxxxx und dort postoperativ am 21.09. auf die Intensivstation aufgenommen. Während seines Nachtdienstes zum 23.09.2003 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Herz-Kreislaufversagen und Bradykardie kam.

Frau xxxxx verstarb letztlich gegen 03.05 Uhr trotz Reanimationsmaßnahmen.

56. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 08.05.1928 geborene xxxxxxxxxxxxxx wurde am Morgen des 28.09.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxx aufgenommen. Gegen 13.30 Uhr dieses Tages verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kammerflimmem kam.

Herr xxxxxx verstarb letztlich gegen 14.20 Uhr trotz Reanimationsmaßnahmen.

57. xxxxxxxxxxxxxx

Die am 06.08.1925 geborene xxxxxxxxxxxxxx wurde am 21.10.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxxx aufgenommen und am 23.10.03 auf die Intensivstation verlegt. Gegen 23.00 Uhr dieses Tages verabreichte der Angeklagte der Patientin ein nicht näher feststellbares Medikament, nach Einschätzung des medizinischen Sachverständigen wahrscheinlich Kalium, durch welches es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxxxx verstarb gegen 23.56 Uhr trotz Reanimationsversuchs.

58. xxxxxxxxxxxx

Der am 15.07.1934 geborene xxxxxxxxxx wurde am 24.10.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxxx aufgenommen. Noch am gleichen Tage verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich um 22.05 Uhr trotz Reanimationsversuchs.

59. xxxxxxxxxx

Die am 09.04.1921 geborene xxxxxxxxxx wurde am 28.11.2003 im Klinikum xxxxxxxxxxxxx und am 09.12. postoperativ auf die Intensivstation aufgenommen. Am Mittag des 10.12. verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Kammerflimmern kam.

Frau xxxxx verstarb letztlich gegen 14.15 Uhr trotz Reanimationsmaßnahmen.

60. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 12.02.1928 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 19.12.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxx aufgenommen. Während seines Nachtdienstes vom 27. auf den 28.12.2003 verabreichte der Angeklagte dem Patienten - mutmaßlich gegen 00.55 Uhr - das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen plötzlichen Kammerflimmern mit Herzstillstand kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich um 01.25 Uhr trotz Reanimationsversuchs.

61. xxxxxxxxxx

Die am 14.07.1921 geborene xxxxxxxxx wurde am 01.03.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. In der Nacht zum 02.03. gegen 02.00 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxxxx verstarb letztlich gegen 02.30 Uhr trotz Reanimationsmaßnahmen.

62. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 19.08.1913 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am Vormittag des 14.04.2004 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxx aufgenommen. In der Nacht zum 15.04.2004 -gegen 04.00 Uhr - verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer für die nicht indizierte Gabe von Lidocain passenden Hypotonie mit Herzstillstand kam.

Herr xxxxxxxxxxxxx verstarb letztlich um 04.20 Uhr trotz Reanimationsversuchs.

63. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 09.11.1935 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 27.04.2004 gegen 19.00 Uhr im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und im weiteren Verlauf gegen 23.30 Uhr auf die Intensivstation verlegt. Gegen 02.00 Uhr des 28.04. verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Xylocain (Wirkstoff Lidocain) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 03.10 Uhr trotz Reanimation.

64. xxxxxxxxxxxxxxx

Der am 21.02.1912 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 23.04.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und postoperativ am 30.04. auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx verlegt. In der Nacht vom 02. auf den 03.05.2004 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Xylocain (Wirkstoff Lidocain) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 00.09 Uhr des 03.05.2004. Ob eine Reanimation durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

65. xxxxxxxxxxx

Der am 26.06.1918 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 11.05.2004 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. Noch am Aufnahmetag gegen 20.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Xylocain (Wirkstoff Lidocain) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Herzversagen kam.

Herr xxxxxx verstarb letztlich gegen 20.20 Uhr des 11.05.2004. Ob eine Reanimation durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

66. xxxxxxxxxxx

Der am 25.10.1923 geborene xxxxxxxxxxx wurde am Morgen des 12.05.04 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxx aufgenommen. Gegen 18.00 Uhr des gleichen Tages verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxx verstarb letztlich gegen 18.30 Uhr. Ob eine Reanimation durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

67. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 22.01.1934 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 26.05.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx und am 02.06. postoperativ auf die dortige Intensivstation aufgenommen. Am 02.06. gegen 20.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Xylocain (Wirkstoff Lidocain) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen und einem Herzstillstand kam.

Herr xxxxxx verstarb letztlich gegen 20.32 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

68. xxxxxxxxxx

Der am 25.03.1957 geborene xxxxxxxxxx wurde am 11.06.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. In der Nacht vom 14. auf den 15.06.2004 verabreichte der Angeklagte dem Patienten mehrfach, zuletzt gegen 05.20 Uhr, das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - bei dem Patienten zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen plötzlichen Kreislaufversagen mit Blutdruckabfall und Kammerflimmern kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich gegen 05.57 Uhr trotz Reanimation.

69. xxxxxxxxxxxxxx

Die am 08.01.1917 geborene xxxxxxxxxxxxxx wurde am 18.05.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Am 11.07.04 gegen 13.00 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Kammerflimmern kam.

Frau xxxxx verstarb letztlich gegen 14.55 Uhr. Eine Reanimation fand nicht statt.

70. xxxxxxxxxxxxx

Der am 16.09.1919 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 20.07.04 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und am 21.07.04 postoperativ auf die Intensivstation verlegt. Am frühen Morgen des 24.07.2004 - kurz nach Mitternacht - verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu den für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Nebenwirkungen und einem Herzstillstand kam.

Herr xxxxxxxxx verstarb letztlich um 01.32 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

71. xxxxxxxxxxxxx

Der am 24.09.1937 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 30.06.04 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und am 01.08.04 auf die Intensivstation verlegt. Während seines Spätdienstes am 02.08.2004 verabreichte der Angeklagte dem Patienten gegen 19.00 Uhr das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu den für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen Nebenwirkungen und einem Herzstillstand kam.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich um 19.27 Uhr trotz Reanimationsbemühungen.

72. xxxxxxxxxxxxxxx

Die am 20.05.1929 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde an ihrem Todestag im Klinikum xxxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Während seines Spätdienstes an diesem Tage verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen plötzlichen Blutdruck- sowie Pulsfrequenzabfall mit Herzstillstand kam.

Frau xxxx verstarb gegen 16.15 Uhr aufgrund einer Asystolie trotz Reanimationsmaßnahmen.

73. xxxxxxxxxxxx

Der am 02.06.1928 geborene xxxxxxxxxxxxx befand sich seit dem 23.08.04 im Klinikum xxxxxxxxxxx und wurde am 27.08.2004 auf die Intensivstation verlegt. An diesem Tage gegen 20.30 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es -wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Lidocain typischen Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxx verstarb letztlich gegen 23.26 Uhr trotz Reanimation.

74. xxxxxxxxxxxxxxx

Die am 17.12.1930 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde am 03.09. ins Klinikum xxxxxxxxxxx und am 05.09. auf die dortige Intensivstation aufgenommen. Am Abend des 09.09.04 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen plötzlichen Blutdruck- sowie Pulsfrequenzabfall mit Herzstillstand kam.

Frau xxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 01.25 Uhr am 10.09.2004 aufgrund eines Herz-Kreislaufversagens. Ob eine Reanimation durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

75. xxxxxxxxxxxxxxxx

Der am 11.08.1946 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde am 06.10.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Während seines Spätdienstes am 07.10.2004 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem Kammerflimmern kam, welches sich als therapiefraktär erwies.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 19.33 Uhr trotz Reanimation.

76. xxxxxxxxxx

Der am 04.01.1931 geborene xxxxxxxxxx wurde am 20.10.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und im weiteren Verlauf am 23.10. auf die Intensivstation verlegt. Am 24.10.2004 gegen 14.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten die Medikamente Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem Herz-Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxx verstarb letztlich gegen 14.45 Uhr, wobei aufgrund mangelhafter Dokumentation nicht nachvollziehbar ist, ob eine Reanimation erfolgte.

77. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 30.09.1941 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 28.10.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und postoperativ am 29.10. auf die Intensivstation verlegt. Am Morgen des 05.11.2004 gegen 08.40 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zunächst zu einem plötzlichen Kreislaufversagen und sodann zu einem therapiefraktären Kammerflimmern kam.

Herr xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 09.05 Uhr trotz Reanimation.

78. xxxxxxxxxxxxxxxx

Der am 05.09.1926 geborene xxxxxxxxxxxxxxxx wurde am 06.11.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und postoperativ am 19.11. auf die Intensivstation verlegt. Am 20.11.2004 gegen 07.00 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Lidocain wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem Herz-Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxxxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 07.35 Uhr. Ob eine Reanimation durchgeführt wurde, konnte die Kammer nicht feststellen.

79. xxxxxxxxxxxxxx

Die am 21.09.1914 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde am 11.12.2004 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxxxx aufgenommen. Am 16.12.04 vor 12.30 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einer Reanimationspflichtigkeit kam.

Frau xxxx verstarb letztlich am 16.12.2004 gegen 12.40 Uhr aufgrund der Gabe von Gilurytmal trotz versuchter Reanimation.

80. xxxxxxxxxx

Die am 17.05.1951 geborene xxxxxxxxxx wurde am 03.01.05 ins Klinikum xxxxxxxxxxxxxx aufgenommen und am 09 01. auf die dortige Intensivstation verlegt. Am Nachmittag/Abend des 11.01.05 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen akuten Kreislaufversagen kam.

Frau xxxxx verstarb letztlich am 11.01.2005 gegen 18.20 Uhr, wobei eine bereits begonnene Reanimation wieder abgebrochen wurde.

81. xxxxxxxxxxxxxxxx

Die am 07.08.1922 geborene xxxxxxxxxxxxxxx wurde am 11.01.05 ins Klinikum xxxxxxxxxxxx aufgenommen und am 17.01. auf die dortige Intensivstation verlegt. Gegen 05.20 Uhr am Morgen des 09.02.05 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen akuten Kammerflimmern kam.

Frau xxxxxxxxxxxxxx verstarb letztlich am 09.02.2005 gegen 05.41 Uhr trotz Reanimation.

82. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 16.10.1932 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 20.04.2005 im Klinikum xxxxxxxxxxxx aufgenommen und im weiteren Verlauf am 03.05. zum wiederholten Mal auf die Intensivstation verlegt. Am 09.05.2005 gegen 19.54 Uhr verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem Kammerflimmern kam.

Herr xxxxxxxxxxxx verstarb letztlich gegen 23.30 Uhr trotz massiver und stundenlanger, aber letztlich erfolgloser Reanimationsversuche.

Der Zeuge xxxxxxxxx, ebenfalls Krankenpfleger auf der Intensivstation, räumte bei der Übergabe an den Frühdienst das Zimmer des Verstorbenen auf. Dabei fand er im Spritzenabwurfbehälter leere Gilurytmal-Ampullen, die er mit einer Kornzange sicherstellte. Er hatte nun konkret den Angeklagten in Verdacht die Ampullen aufgezogen und gespritzt zu haben. Er übergab die Ampullen unter Benennung seines Verdachts sodann der gesondert verfolgten xxxxxxxxx. Diese gab dem Zeugen xxxxxxxxx gegenüber an, dass sie das mit der Stationsleitung besprechen werde. Der Zeuge xxxxxxxxx und weitere Pfleger der Station waren ab diesem Zeitpunkt nunmehr sehr sensibilisiert gegenüber dem Angeklagten und beobachteten ihn. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ab diesem Zeitpunkt sämtliche Pfleger bzw. Ärzte entsprechend aufmerksam waren. Zuvor war auch den Pflegern wie den Ärzten des Klinikums xxxxxxxxxxx nur allgemein aufgefallen, dass der Angeklagte häufig in Krisensituationen und bei der Reanimation von Patienten zugegen war. Wie seinerzeit schon ihre xxxxxxxxxxx Kollegen hatten auch die xxxxxxxxxxxxx Pfleger und Ärzte dies aber als schicksalhaftes Pech des Angeklagten angesehen, ihn allenfalls bedauert bzw. angefrotzelt und - bis zu diesem Fund des Zeugen xxxxxxxxx - keinen Argwohn gegen den Angeklagten gehegt.

83. xxxxxxxxxx

Die am 21.04.1929 geborene xxxxxxxxxx wurde am 02.05.2005 im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Während seines Dienstes am 22.05.2005 verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Ajmalin typischen plötzlichen Blutdruck- sowie Pulsfrequenzabfall mit Herzstillstand kam.

Frau xxxx verstarb letztlich gegen 13.00 Uhr aufgrund einer Asystolie. Ob eine Reanimation erfolgte ist aus der Krankenakte nicht ersichtlich.

84. xxxxxxxxxxx

Der am 31.12.1937 geborene xxxxxxxxxxx wurde am 02.05.2005 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und am 20.05. postoperativ auf die Intensivstation verlegt. Während seines Frühdienstes am 25.05.2005 verabreichte der Angeklagte dem Patienten das Medikament Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem Herz-Kreislaufversagen kam.

Herr xxxxx verstarb letztlich trotz ausgiebiger Reanimationsversuche gegen 09.40 Uhr.

Am 22.06.2005 beging der Angeklagte die Tat zum Nachteil des Verstorbenen xxxxxxxxx, die schließlich zur oben dargestellten Verurteilung vom 23.06.2008 führte. Die Zeugin xxxxxxxxxx, die auch aufgrund des auffälligen Verhalten des Angeklagten misstrauisch geworden war, nahm bei dem später verstorbenen xxxxxxxxxx am 22.06.2005 eine Blutprobe ab und stellte in der Stationsapotheke fest, dass von den sieben Packungen Gilurytmal eine fehlte, obwohl kein Patient der Station dieses Medikament benötigte. Der Zeuge xxxxxxx (vormals xxxxxxx), dem sie dies mitteilte, fand vier leere Ampullen des Medikaments Gilurytmal oben aufliegend im Abwurfbehälter in der Zentrale der Intensivstation und stellte diese sicher. Die Zeugin xxxxxxxxxx meldete diesen Vorfall dem Stationspflegeleiter xxxxxxxxxx. Der Angeklagte versah anschließend vor seinem Urlaub noch einen Dienst auf der Station. In dieser Zeit tötete er noch folgende Patientin:

85. xxxxxxxxxxx

Die am 14.09.1937 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 15.06.2005 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und dort am 24.06. auf die Intensivstation verlegt. Bei der Übernahme auf die Intensivstation gegen 19.00 Uhr verabreichte der Angeklagte der Patientin das Medikament Sotalex wodurch es - wie von ihm beabsichtigt - zu einem für die nicht indizierte Gabe von Sotalex typischen Kreislaufzusammenbruch kam.

Frau xxxxx verstarb aufgrund der Manipulation letztlich gegen 19.30 Uhr trotz Reanimationsmaßnahmen.

Der Angeklagte trat am 27.06.2005 einen länger geplanten Urlaub an. Am 01.07.2005 informierte das Klinikum xxxxxxxxxxx die Polizei, am 08.07.2005 wurde der Angeklagte vom Klinikum xxxxxxxxxxx entlassen und zudem vorläufig festgenommen. Im Rahmen einer durch die Polizei durchgeführten Durchsuchung des Spindes des Angeklagten am 01.07.2005 wurde in der Jackentasche des Kittels des Angeklagten unter anderem eine leere Medikamentenschachte! Sotalex i.V. 40 mg aufgefunden.

In den folgenden Sterbefällen ist die Kammer nicht zu der für eine Verurteilung erforderlichen Überzeugung von der Täterschaft des Angeklagten gekommen und hat ihn insoweit aus tatsächlichen Gründen freigesprochen:

86. xxxxxxxxxx

Die am 21.08.1919 geborene xxxxxxxxxx wurde am 13.12.2000 im Klinikum xxxxxxxxx aufgenommen und postoperativ am 14.12. auf die Station 211 verlegt. Frau xxxxxxx verstarb am 17.12.2000 gegen 01.03 Uhr trotz Reanimation.

87. xxxxxxxxxxxxx

Der am 21.05.1921 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 01.03 2001 im Klinikum xxxxxxxxx aufgenommen und postoperativ am 02.03. auf die Station 211 verlegt. Herr xxxxx verstarb am 03.03.2001 gegen 02.57 Uhr trotz Reanimation.

88. xxxxxxxxxxxxxxx

Der am 22.01.1938 geborene xxxxxxxxxxxxxxxx wurde am 13.09.2001 im Klinikum xxxxxxxxx aufgenommen und am 14.09. postoperativ auf die Station 211 verlegt. Herr xxxxxxxx verstarb gegen 21.30 Uhrdes 14.09.2001 trotz Reanimation.

89. xxxxxxxxxxxx

Der am 26.10.1929 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 25.09.2001 im Klinikum xxxxxxxxx aufgenommen, direkt operiert und kam sodann auf die Station 211. Herr xxxxxxxx verstarb am 26.09.2001 gegen 12.15 Uhr trotz Reanimation.

90. xxxxxxxxxx

Der am 12.11.1940 geborene xxxxxxxxxx wurde nach Operation und bereits erfolgter Verlegung in die Reha am 27.09. 2001 erneut auf die Station 211 aufgenommen. Herr xxxxx verstarb am 28.09.2001 gegen 15.30 Uhr trotz Reanimation.

91. xxxxxxxxxxx

Der am 08.06.1942 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 23.02.2003 gegen 04.00 Uhr auf die Intensivstation im Klinikum xxxxxxxxxxxxx aufgenommen. Herr xxxxxxx verstarb am 24.02.2003 gegen 06.40 Uhr trotz Reanimation.

92. xxxxxxxxxxxxxxxxx

Die am 23.02.1924 geborene xxxxxxxxxxxxxxxx wurde am 18.03.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen, nachdem sie sich zunächst zu einer ambulant durchgeführten Kardioversion in das Klinikum begeben hatte. Frau xxxxxxx verstarb gegen 15.50 Uhr trotz massiver Reanimationsversuche.

93. xxxxxxxxxxxxxxx

Der am 18.03.1921 geborene xxxxxxxxxxxxxxxx wurde am 25.03.2003 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. Herr xxxxxxxxx verstarb am 26.03.2003 gegen 14.21 Uhr

94. xxxxxxxxxxxxx

Die am 07.07.1969 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 12.04.2003 gegen 19.00 Uhr im Klinikum xxxxxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen, nachdem sie in suizidaler Absicht eine Überdosis Medikamente zu sich genommen hatte. Frau xxxxxxxx verstarb um 22.00 Uhr trotz Reanimation.

95. xxxxxxxxxxxxxx

Der am 26.10.1927 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 13.01.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx aufgenommen und im weiteren Verlauf am gleichen Tage auf die Intensivstation verlegt. Herr xxxxx verstarb gegen 00.05 Uhr des 14.01. trotz Reanimationsbemühungen.

96. xxxxxxxxxxxxxxxxx

Der am 01.08.1924 geborene xxxxxxxxxxxxxxxx wurde am 13.07.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Herr xxxxxxxxx verstarb am 14.07.2001 gegen 07.35 Uhr.

97. xxxxxxxxxxxxx

Der am 18.09.1950 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 12.09.2004 gegen 10.15 Uhr im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Herr xxxxxx verstarb gegen 14.27 Uhr.

98. xxxxxxxxxxxx

Der am 11.03.1934 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 12.10.2004 im Klinikum xxxxxxxxxxx auf die Intensivstation aufgenommen. Herr xxxxxx verstarb gegen 23.05 Uhr.

99. xxxxxxxxxxxxx

Der am 18.08.1936 geborene xxxxxxxxxxxxx wurde am 08.11.2004 auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. Herr xxxxxxxxx verstarb am 10.11.2004 um 05.30 Uhr trotz Reanimationsversuchs.

100. xxxxxxxxxxx

Die am 01.05.1937 geborene xxxxxxxxxxxx wurde am 09.12.2004 gegen 21.45 Uhr auf die Intensivstation des Klinikums xxxxxxxxxxx aufgenommen. Frau xxxxxxxx verstarb letztlich gegen 23.10 Uhrdes Aufnahmetages trotz versuchter Reanimation.

III. Tatmotivation

Die Motivation des Angeklagten für seine Tötungen lässt kein einzelnes führendes Motiv erkennen und stellt sich eher als komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Dingen in unterschiedlicher und veränderlicher Zusammensetzung dar. Dabei sind sämtliche der nachfolgend genannten Beweggründe im gesamten Tatzeitraum durchgehend vorhanden gewesen, allerdings in wechselnder Gewichtung. Es ergeben sich sechs Motive/Motivbündel:

1. Zum einen war der Angeklagte von einem starken Geltungsbedürfnis getrieben. Hieraus entsprang der Wunsch durch Manipulation einen Notfall herbeizuführen. Letztendlich ging es dem Angeklagten dabei um eine Art Selbstinszenierung.

2. Weiter spielte die Verwischung von ärztlicher und pflegerischer Rolle eine Rolle: dem aus dem Elternhaus medizinisch geprägten Angeklagten erschienen die mit ihm handelnden Ärzte und Kollegen häufig inkompetent. Letztlich hielt sich der Angeklagte als Pfleger vielfach für den besseren Arzt.

3. Weiteres Motiv für den Angeklagten war die Selbstüberhöhung: Er wollte "Herr über Leben und Tod" sein und dabei Macht über die Patienten ausüben, auch um letztlich - im Falle einer geglückten Reanimation - Bewunderung zu erfahren.

4. Die Taten stellten sich für den Angeklagten als stimmungsstabilisierend und stimmungshebend dar, er empfand ein Wohlgefühl dabei.

5. Der Angeklagte empfand begünstigt durch die Gerätemedizin eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber den Patienten und "entpersönlichte" sie. Er sah sie weniger als Mensch und mehr als Objekt des Medizinischen, er empfand wenig bzw. keine Empathie. Dieser Umstand war allerdings zu keiner Zeit das führende Motiv.

6. Deutlich charakterisierte auch eine Sensationslust die Taten des Angeklagten. Der Reiz auf dem schmalen Grad zu handeln, entdeckt zu werden oder nicht, wirkte extrem anregend auf den Angeklagten. Auch nach eigener Bekundung steigerte er das Risiko immer mehr, etwa indem er später in der Delmenhorster Zeit sogar bereits bei Aufnahme der Patienten in Gegenwart von Kollegen missbräuchlich einen Wirkstoff verabreicht.

IV. Einsichts- und Steuerungsfähigkeit

Der Angeklagte leidet an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 Fl 1 61) mit narzisstischen, histrionischen, dissozialen und weniger zwanghaften Anteilen, welche bereits im Tatzeitraum durchgehend Vorgelegen hat. Bei ihm war zudem unter Belastung eine emotionale Labilität und Verstimmungsneigung mit ängstlichen, depressiven Phasen im unteren bis mittleren Bereich (ICD-10 F.41.2) gegeben. Schließlich hatte der Angeklagte zeitweilig die Neigung zum Missbrauch psychotroper Substanzen (Alkohol, Medikamente), wobei keine Abhängigkeitserkrankung gegeben war.

Es haben sich auch unter Berücksichtigung diese Diagnosen jedoch keine Anhaltspunkte für eine erhebliche Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit des Angeklagten im Tatzeitraum ergeben. Der Angeklagte hat nach eigener - insoweit glaubhafter - Einlassung vor und während des Dienstes zu keinem Zeitpunkt Alkohol, bewusstseinsbeeinflussende Medikamente oder sonstige Rauschmittel konsumiert. Sämtliche Kollegen und Ärzte, die hier als Zeugen gehört worden sind, haben erklärt, der Angeklagte sei in dem anspruchsvollen Dienst auf einer Intensivstation zu jeder Zeit einsatzbereit, belastbar und vor allem auch uneingeschränkt einsatzfähig gewesen.

C

I.

Die Feststellungen zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten stützt die Kammer auf seine eignen Angaben und den Feststellungen des dazu insoweit verlesenen Urteils des Landgerichts Oldenburg vom 26.02.2015, Az. 5 Ks 1/14, die der Angeklagte als zutreffend beschrieben und sich zu eigen gemacht hat. Die Feststellungen der Kammer zu den beiden vorherigen Verurteilungen des Angeklagten vom 23.06.2008 und 26.02.2015 stützt sie auf den Inhalt der im Rahmen des Selbstleseverfahrens eingeführten Urkunden.

II.

Ihre Feststellungen zum Verlauf der Ermittlungen (B. I.) stützt die Kammer auf die umfassenden und glaubhaften Angaben des Leiters der Sonderkommission, dem Zeugen KOR xxxxxxxxxxx.

III.

Die Erkenntnisse zu den allgemeinen Tatfeststellungen (B. II.) beruhen hinsichtlich seines beruflichen Alltags und Werdegangs sowie des generellen Vorgehens bei den Taten auf den insoweit geständigen Angaben des Angeklagten. Der Angeklagte hat sich umfassend zur Sache eingelassen, auch zu den einzelnen Vorwürfen (dazu sogleich unten unter C. IV.). Er hat im Rahmen seiner Einlassung den allgemeinen Ablauf der von ihm jeweils als Manipulation bezeichneten Taten detailliert und nachvollziehbar wie festgestellt geschildert. Dabei hat er auch Angaben zu seiner inneren Einstellung und seiner Motivation bei den von ihm eingeräumten Taten gemacht. Es sei ihm um das Darstellen vor anderen gegangen, um Imponiergehabe und die positiven Rückmeldung bei einer erfolgreichen Reanimation. Auch das Dazugehören zu den elitären Pflegern oder Ärzten habe eine Rolle gespielt. Ebenso hat er glaubhaft seinen beruflichen Werdegang in xxxxxxxxx und xxxxxxxxxxx und die dortigen Gegebenheiten wie festgestellt geschildert. Die Feststellungen über das in xxxxxxxxxx von Prof. Dr. xxxxxx dem Angeklagten entgegengebrachte Misstrauen beruhen auf den Angaben der Zeugen Dr. xxxxx, Dr. xxxxx und xxxxxxxxx. Dabei ist bei den Angaben der beiden Zeugen Dr. xxxxx und Dr. xxxxxx zwar insgesamt aufgefallen, dass sich diese häufig und teilweise unerklärlich auf Erinnerungslücken beriefen. Letztlich haben aber auch sie, wie - deutlich konkreter - die Zeugen xxxxxxxxx bekundet, dass Prof. Dr. xxxxxx dem Angeklagten, aufgrund der Anzahl der Reanimationen unter Beteiligung des Angeklagten sowie dessen Verhalten dabei, im Laufe der Zeit zunehmend misstrauischer gegenübergestanden habe. Man habe auf ihn achten sollen. Die Feststellungen zum Gesprächsinhalt mit dem Betriebsrat und Prof. xxxxxxx beruhen neben den Angaben des Angeklagten auch auf der Aussage der Zeugin xxxxxxxxx, die u.a. den ihr vom Angeklagten telefonisch mitgeteilten Inhalt des zwischen dem Angeklagten und Prof. Dr. xxxxxxx geführten Gespächs vom 23.09.2002 wie festgestellt wiedergegeben hat. Dazu hat die Kammer zudem die jeweiligen Gesprächsprotokolle/Notizen der Zeugin vom 30.09.2002 (Prof. Dr. xxxxxxx), 27.09.2002 (Frau xxxxxxxx), 26.09.2002 (xxxxxxxxxx, Geschäftsführung, Personalabteilung), 25.09.2002 (Telefonat mit xxxxxxxxxx über Gespräch mit Prof. Dr xxxxxxx) und 27.08 2002 (xxxxx xxxxx sowie anschließend Geschäftsführung und Pflegedirektorin) (sämtliche Urkunden Sonderband Beweismittel OL Bd. I, Register 3, Bl. 184-193 (pdf-Datei) in der Hauptverhandlung in Gegenwart der Zeugin verlesen. Diese hat den Inhalt der Urkunden außerdem als zutreffend bestätigt und - soweit ihr aus der Erinnerung möglich - auch noch einmal mit eigenen Worten wiedergegeben. Die Zeugin mit feststellbar gutem Einfühlungsvermögen hat auch den damals von ihr wahrgenommenen angegriffenen Zustand des Angeklagten entsprechend den Feststellungen plastisch beschrieben. Die Feststellungen zum Zeugnis bezüglich des Angeklagten vom 06.12.2002 beruhen auf dem insoweit verlesenen und in Augenschein genommen Zeugnis des Klinikums xxxxxxxxx vom 06.12.2002 (Sonderband Beweismittel OL Bd. I, Register 1, Bl. 85/86 (pdf-Datei).

Die Zeugen xxxxxxxx, Prof. xxxxxxx, Prof. xxxxxx, xxxxxxx und xxxxxxx haben aufgrund eines jeweils gegen sie selbst geführten Ermittlungsverfahrens von ihrem umfassenden Auskunftsverweigerungsrecht nach § 55 StPO Gebrauch gemacht.

IV.

Ihre Erkenntnisse zu den jeweiligen konkreten Tatfeststellungen (B. III.) stützt die Kammer auf die im Folgenden zunächst allgemein dargestellten Beweismittel einschließlich der Einlassungen des Angeklagten. Unter C. V. folgen dann zusammenfassend die Ausführungen bezogen auf die einzelnen Sterbefälle.

1. Einlassung des Angeklagten

Der Angeklagte hat sich - wie bereits unter C. III. erörtert - umfassend zur Sache eingelassen und zunächst eingeräumt, dass die Vorwürfe mehrheitlich zutreffen würden. Nach Angaben zum generellen Tatablauf ist er zu jedem angeklagten Sterbefall einzeln befragt worden. Dem Angeklagten ist vor seiner Vernehmung Gelegenheit gegeben worden, die jeweiligen Patientenakten der angeklagten Sterbefälle einzusehen und sich dementsprechend vorzubereiten. Er hat angegeben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht zu haben.

a) Hinsichtlich der oben dargestellten Sterbefälle 1. (xxxxxxxxxx), 5. (xxxxxx), 8. (xxxxxxx), 11. (xxxxxxxx), 12. (xxxxxx), 16. (xxxxxx), 17. (xxxxx-xxxxxx), 21. (xxxxxx), 33. (xxxxxx), 34. (xxxxx), 36. (xxxxxxx), 38. (xxxxxxx), 39. (xxxxxx), 40. (xxxxx), 42. (xxxx), 43. (xxxxx), 44. (x xxxx), 45. (xxxxx), 46. (xxxxxx), 47. (xxxxxx), 48. (xxxxxx), 49. (xxxxxxx), 52. (xxxxxx), 54. (xxxxx), 55. (xxxxxxx), 56. (xxxxxx), 59. (xxxxxx), 62. (xxxxxxxxx), 63. (xxxxx), 64. (xxxxxxx), 65. (xxxxxx), 67. (xxxxxx), 69. (xxxxxx), 71. (xxxxxxx), 73. (xxxxxxxx), 76. (xxxxx), 77. (xxxxxxx), 78. (xxxxxxx), 81. (xxxxxxxxx), 83. (xxxxxxxxx), 84. (xxxxxxxx), 86. (xxxxxxx), 87. (xxxxxx), 88. (xxxxxxx), 90. (xxxxxxx), 91. (xxxxxx), 93. (xxxxxxx), 95. (xxxxxxx), 96. (xxxxxxx), 97. (xxxxxx), 98. (xxxxxx) und 99. (xxxxxxx) hat der Angeklagte angegeben keine konkreten Erinnerungen an die jeweiligen Todesfälle zu haben, er könne eine Manipulation aber auch nicht ausschließen. Auch die Beschäftigung mit der jeweiligen Patientenakte habe keine konkreten Erinnerungen mehr bei ihm wecken können.

Im Hinblick auf die Sterbefälle 29. (xxxxx) und 30. (xxxxxxx) hat der Angeklagte ebenfalls angegeben, an die konkret zum Tod führende Manipulation keine Erinnerungen zu haben, eine solche wolle er aber auch nicht auszuschließen:

Bei Herrn xxxx (29.) könne er aber angeben, sich an den Patienten konkret erinnern zu können. Er sei mit dem Hubschrauber aus xxxxxx gekommen. Er erinnere sich an den Notarzt Dr. xxxxxxxxx, der auf den enormen Befund hinwies. Man habe dann hin und her überlegt, ob man operiere. Er hätte dann an ihm manipuliert an einem peripheren Zugang. Das habe der Patient aber überlebt. Er sei dann operiert worden und hätte seine Bypässe bekommen. An eine zweite Manipulation könne er sich nicht erinnern, sie aber auch nicht ausschließen.

Auch bei Herrn xxxxxxxxxx (30.) könne er sich erinnern, auf jeden Fall manipuliert zu haben. Es habe dann eine Reanimation gegeben, die aber primär erfolgreich gewesen wäre. Ob er dann noch einmal manipuliert habe, wisse er nicht mehr, an das Versterben selbst habe er ebenfalls keine Erinnerungen mehr. Auch hier könne er eine weitere Manipulation aber nicht ausschließen.

b) Hinsichtlich der im Folgenden dargestellten Fälle hat der Angeklagte ein Geständnis abgegeben und geäußert, folgende konkrete Erinnerungen an die jeweiligen Sterbefälle zu haben:

xxxxxxxxxx (3.)

Er könne sich an die Patientin, deren Krankengeschichte und auch daran erinnern, manipuliert zu haben. Normalerweise sei nach einer Operation der Brustkorb der Patienten verschlossen gewesen, was bei der Patientin nicht der Fall gewesen sei. Es sei bei der Patientin zu einer massiven Verschlechterung gekommen, sie habe einen Spannungspneumothorax entwickelt. In diesem Zuge habe er ihr Lidocain über den zentralen Venenkatheter gespritzt. Die anschließende Reanimation sei nicht erfolgreich gewesen und die Patientin sei verstorben.

xxxxxx (4.)

Er könne sich an den Patienten, dessen Krankengeschichte und auch daran erinnern, manipuliert zu haben. Hier könne er sich an die Aufwachphase des Patienten erinnern, er sei sehr schwer zu betreuen gewesen, was die Beatmung angegangen sei, der Patient sei teilweise panisch gewesen. Ob er Lidocain oder Cordarex gespritzt habe, könne er nicht mehr sagen. Die anschließende Reanimation sei nicht erfolgreich verlaufen.

xxxxxxx (6.)

Dieser Patient habe unter einer massiven Durchblutungsstörung im Kopf gelitten, was er postoperativ noch nie bei einem Patienten gesehen hätte. Er habe den Patienten, der an ein Dialysegerät angeschlossen gewesen sei und sowieso eine Kaliumsstörung hatte, mittels einer Spritze eine Überdosis Kalium verabreicht. Der Patient sei dann erfolglos reanimiert worden und verstorben.

xxxxxxx (7.)

Er könne sich an die Patientin, deren Krankengeschichte und auch daran erinnern, manipuliert zu haben. Er wisse nur nicht mehr sicher, ob er ihr Kalium oder Aymalin gespritzt habe. Für diese Patientin sei seine Kollegin, die Zeugin xxxxxxx zuständig gewesen, mit der er später eine Beziehung hatte. Die Kollegin sei von dem Todesfall enorm mitgenommen gewesen, da sie ein besonderes Verhältnis zu der Tochter der Patientin gehabt habe. Die Zeugin xxxxxxx habe auf dem Balkon der xxxxxxx gestanden und geweint. Er habe sich dort zusammen mit seinem Kollegen xxxxxxx (nun xxxxxx) getröstet.

xxxxxxxx (9.)

An diese Patientin habe er konkrete Erinnerung, er habe ihr Sotalol gespritzt, woraufhin sie reanimationspflichtig wurde. Im Rahmen der Reanimation sei dann der Brustkorb eröffnet worden, später sei auch noch eine Operation versucht worden. Diese Maßnahmen seien allerdings allesamt erfolglos verlaufen.

xxxxxxxx (10.)

Er habe sehr gute Erinnerung an die Patientin und auch an eine Manipulation, einzig das Medikament erinnere er nicht mehr. In der durch ihn verursachten Reanimation sei der diensthabende Arzt in einem regelrechten "Reanimationswahn" gekommen und habe heftig auf den Brustkorb der Patientin eingedrückt. Der Arzt habe dabei geäußert "ich spüre schon die Wirbelsäule". Später sei im Rahmen der Reanimation noch der Brustkorb eröffnet worden, ihm, dem Angeklagten sei gesagt worden, es habe eine Rippe im Vorhof des Herzens gesteckt.

xxxxx (13.)

An diese Patientin und an eine Manipulation mittels Kaliumchlorid habe er eine volle Erinnerung. In diesem Fall habe er eine Reanimation herbeiführen wollen um von einer Kollegin und der stellvertretenden Stationsleitung, der Zeugin xxxxxxxx gut dazustehen und ihr zu imponieren. Die Reanimation sei jedoch erfolglos verlaufen und die Patientin verstorben.

xxxxxxxx (14.)

Auch hier habe er eine konkrete Erinnerung. Der Patient sei schon auf Nachsorgestation 311 gewesen, als es zu Komplikation im Magenbereich gekommen sei, er habe am Darm operiert werden müssen, wegen massiver Durchblutungsstörungen. Er habe ihm über den zentralen Venenkatheter, der erst auf der Station 211 gelegt worden sei, Lidocain gespritzt. Die Reanimation sei nicht erfolgreich gewesen.

xxxxx (15.)

Der Angeklagte gab an, an den Patienten eine konkrete Erinnerung zu haben, er habe hier mit Ajmalin manipuliert. Der Patient sei seiner gewesen. Im Rahmen der Reanimation sei alles versucht worden, er erinnere sich mit Dr. xxxxxxxxx gearbeitet zu haben. Dieser habe mit einem transvenösen Schrittmacher, den der Angeklagte zum ersten Mal gesehen habe, versucht direkt am Herzen zu wirken, was aber auch nicht geklappt habe.

xxxxxxx (18.)

An diese Patientin und eine Manipulation habe er eine sehr gute Erinnerung. Es habe bei ihr mehrere Phasen von hohem Kaliumwerten gegeben, die er verursacht habe und die letztlich zu einer Reanimation geführt hätten, die nicht erfolgreich verlaufen sei. Er habe zusammen mit dem Zeugen xxxxxxxxxxx Dienst gehabt, der sei wegen der hohen Kaliumwerte sehr misstrauisch gewesen. Der Zeuge habe ihn deshalb mehrfach aufgefordert, eine Blutgasanalyse zu machen.

xxxxxxxxx (19.)

Auch hier habe er eine Erinnerung an den Patienten und eine Manipulation. Es sei sein Patient gewesen und er habe ihm Sotalex gespritzt. Der Patient hätte einen Schrittmacher von außen, also eine Elektrode am Herzen und eine weitere am linken Flügel gehabt.

xxxxxxx (20.)

An den Patienten xxxxxxx habe er eine Erinnerung. Er habe bei diesem mit Kaliumchlorid manipuliert. Der Patient habe eine Patientenverfügung gehabt, was er zunächst nicht gewusst habe. Während des Notfalls habe er dann von einem der Ärzte die Information bekommen, dass die Maßnahmen abzubrechen sind.

xxxxxx (22.)

Zu dieser Patientin hat der Angeklagte angegeben, ihr Ajmalin gespritzt zu haben, woraufhin es zu einer letztlich nicht erfolgreichen Reanimation gekommen sei. Die Kollegin xxxxxxxx habe nach dem Versterben geweint und sei zusammen mit den Angehörigen ans Bett getreten. Diese emotionale Reaktion der Kollegin habe ihn sehr überrascht.

xxxxxx (23.)

Der Angeklagte hat angeben, sich an diese Patientin zu erinnern und ihr Ajmalin gespritzt zu haben. Sie habe einen erheblichen Blutverlust erlitten und ein sogenanntes Kapillarleck im Brustkorb mit massivem Blutaustritt gehabt. Zudem habe sie ein Lungen- und Nierenversagen gehabt. Erst habe sich eine schicksalhafte Krise gezeigt, anschließend habe er eine solche mit Ajmalin ausgelöst, woraufhin die Patientin verstorben sei.

xxxx (24.)

Auch an diesen Patienten habe der Angeklagte eine Erinnerung, dies einerseits, weil er Vietnamese war und andererseits aufgrund der schweren Komplikationen, die sich mit einem offenen Brustkorb in Bauchlage gezeigt hätten. Er habe mit Sotalex manipuliert, was zu einer Reanimation geführt habe. Dabei habe sich der Angeklagte erschrocken, da der Brustkorb des Patienten noch nicht vollständig verschlossen gewesen sei, man habe extrem vorsichtig sein müssen. Der Patient sei trotz der Reanimation verstorben.

xxxxxxxx (25.)

An diesen Patienten habe er konkrete Erinnerungen, dieser habe massive Rhythmusstörungen mit Vorhofflimmern gehabt, woraufhin man bei ihm eine Kardioversion durchgeführt habe. Er habe danach mit Ajmalin manipuliert. Im Rahmen der damit hervorgerufenen Reanimationsmaßnahmen sei der Brustkorb nochmals geöffnet worden, der Patient sei später auch in Bauchlage gebracht worden. Seine Manipulation habe letztlich zum Tod des Patienten geführt.

xxxxxxxx (26.)

Der Angeklagte hat auch bei diesem Sterbefall eine Manipulation mit Ajmalin eingeräumt, er könne auch zusätzlich Sotalol gespritzt haben. Er habe in den Bericht ausdrücklich geschrieben "Elyte unauffällig", wegen der Auffälligkeiten die schon bekannt gewesen seien. Er habe das reingeschrieben um gleich zu zeigen, dass er mit Kalium nichts zu tun habe, obwohl er persönlich nicht darauf angesprochen worden sei. Aber man habe gemerkt, dass die Kollegen sensibler wurden, das eine Stimmung in die Richtung "hier stimmt was nicht” aufkam. Er sei sich aber immer noch recht sicher gewesen, dass er nicht auffalle.

xxxxxxxx (27.)

An den Patienten und eine Manipulation mit Ajmalin habe er eine gute Erinnerung. Es sei der erste Dienst gemeinsam mit seinem Jugendfreund, dem Zeugen xxxxxxxxxx gewesen, den er eingearbeitet habe. Er habe dann manipuliert um seinem Freund zu zeigen "was alles abgehen" kann, er habe wieder imponieren wollen. Der Kollege xxxxxxxxxxx sei sehr beeindruckt gewesen. Der Patient sei trotz Reanimation verstorben.

xxxxx (28.)

Dieser Patient sei ihm erst später eingefallen, nach intensiven Studium der Akten. Er habe mit Ajmalin manipuliert und es sei zu einer Reanimation gekommen, die nicht erfolgreich gewesen sei. Er erinnere die Krankheitsgeschichte, insbesondere einen externen Schrittmacher des Patienten.

xxxxxxxxx (31.)

Auch hier habe er konkrete Erinnerungen: Die Patientin sei an der ECMO angeschlossen gewesen, es sei das Maximum gemacht worden, was man intensivmedizinisch so machen konnte. Sie habe auch einen externen Schrittmacher gehabt. Die Patientin sei von einem Kollegen betreut worden, der extrem auffällig gewesen sei, dem Zeugen xxxxxxxx. Dieser habe lautstark Musik gehört und sogar sein Brot gegessen, als er die Blutkonserven bei der Patientin angelegt habe. Er habe sich extrem abfällig geäußert über die Patientin. Er, der Angeklagte habe mit Ajmalin manipuliert, woraufhin es zu der letztlich erfolglosen Reanimation gekommen sei.

xxxxxxxxxxx (32.)

Dieser Sterbefall sei der erste in xxxxxxxxxxxx gewesen, nachdem er 7 Tage dort gewesen sei. Er habe Ajmalin verwendet und sei dabei über einen Handvenenkatheter gegangen. Der Patient habe ein extrem schwaches Herz gehabt und eine Lungenerkrankung. Der Angeklagte habe alleine in der Stationszentrale gesessen und sei wieder auf der Suche nach Anerkennung gewesen, er habe zeigen wollen, was er könne.

xxxxxxxxx (35.)

Er habe an diesen Sterbefall eine Erinnerung und er habe auch eine Manipulation mit Sotalol vorgenommen. Die Zusammensetzung der Schicht sei ungewöhnlich gewesen. Es seien die Schwestern xxxxxxxxxx und xxxxxxxxxxx anwesend gewesen, mit denen er sonst keinen Dienst gehabt habe. Es sei ihm eine ungewöhnliche antiarrythmische Therapie aufgefallen, auf die er den diensthabenden Arzt auch aufmerksam gemacht habe, er habe das so nicht aus xxxxxxxxx gekannt. Die durch ihn hervorgerufene Reanimation sei nicht erfolgreich verlaufen.

xxxxxxx (37.)

Der Patient sei mit dem Notarzt direkt auf die Station gekommen, er habe einen Herzinfarkt erlitten. Ungewöhnlich sei die hohe Dosierung an kreislaufstabilisierenden Medikamenten gewesen. Er habe den Patienten Sotalol über den zentralen Venenkatheter gespritzt. Die dadurch hervorgerufene Reanimation sei erfolglos verlaufen.

xxxxxxxx (41.)

An den Patienten habe er eine Erinnerung, auch an eine Manipulation mit Ajmalin. Der Patient, der seiner gewesen sei, sei mit dem diensthabenden Notarzt auf die Station gekommen. Er habe einen fehlerhaften Herzschrittmacher gehabt, der immer ohne Grund auslöste, was dem Patienten starke Schmerzen verursacht habe. Die durch ihn notwendig gewordene Reanimation sei negativ verlaufen und der Patient verstorben.

xxxxxxxxx (50.)

Auch an diesem Patienten habe er eine Erinnerung, dieser habe bereits im Wartezimmer seines Hausarztes reanimiert werden müssen und sei anschließend auf die Station gekommen. Er habe den Patienten Sotalol gespritzt, worauf dieser wiederum reanimationspflichtig geworden sei. Trotz Reanimation sei der Patient verstorben. Der Sterbefall habe den Kollegen des Angeklagten, Herrn xxxxxxxx, stark emotional mitgenommen.

xxxxxxx (51.)

Der Angeklagte hat angegeben auch an diesen Sterbefall konkrete Erinnerungen zu haben, er habe mit Ajmalin manipuliert. Er habe ein weiteres Mal mit seinem Kollegen xxxxxxx Dienst gehabt, der wiederum sehr niedergeschlagen gewesen sei nach dem Todesfall. Der Patient habe einen speziellen zentralen Venenzugang mit nur einem Zugang in der Halsvene gehabt, was ungewöhnlich gewesen sei. Der Patient sei aufgrund seiner Manipulation reanimationspflichtig geworden und trotz Reanimation verstorben.

xxxxxxx (53.)

Auch an diesen Patienten könne er sich konkret erinnern, er habe ihm Lidocain verabreicht. In diesem Fall habe er bereits bei der Aufnahme auf der Station manipuliert, woran der Patient letztlich verstorben sei. Da der Patient bei der Aufnahme einen heftigen epileptischen Anfall gehabt habe, den der Angeklagte so noch nicht gesehen hatte, sei die Manipulation den teilweise dabei anwesenden Kollegen nicht aufgefallen. Zudem sei er, der Angeklagte, bereits sehr abgestumpft gewesen zu diesem Zeitpunkt. Er habe in diesem Fall nicht gewusst, dass der Patient nicht reanimiert werden sollte.

xxxxxxxxx (57.)

Auch hier habe er eine konkrete Erinnerung. Die Patientin sei von der normalen Station gekommen, nicht ansprechbar gewesen und habe sich in einem sehr schlechten Allgemeinzustand befunden. Er habe die Aufnahmesituation genutzt um gleich zu manipulieren, wobei er nicht mehr wisse, mit welchem Medikament. Die anschließende Reanimation sei erfolglos verlaufen.

xxxxxx (58.)

Der Angeklagte hat erklärt, er habe an diesen Fall konkrete Erinnerung über den markanten ostfriesischen Namen xxxxxxx, er habe auch manipuliert, mit Ajmalin. Er habe zusammen mit der Zeugin xxxxxxxx Dienst gehabt, die eine merkwürdige Brokkolitorte dabeigehabt habe. Man habe die Torte in einem leeren Patientenzimmer gegessen und ihm sei langweilig gewesen. Dann habe er dem Patienten über den zentralen Venenzugang Ajmalin gespritzt. Er erinnere sich auch daran, dass die Kollegin theatralisch an das Bett gesprungen und ihm das OP-Hemd aufgerissen habe. Sie habe geschrien: "atme atme, bleib bei mir". Das sei total übertrieben gewesen, sie habe die Situation ins Lächerliche gezogen.

xxxxx (60.)

Auch an diesen Sterbefall erinnere er sich konkret, er hab ihm Ajmalin gespritzt, unter der dann folgenden Reanimation sei der Patient verstorben. Er sei von außen mit dem Notarzt und einem externen Schrittmacher auf der Brust gekommen. Der Name des Patienten sei gleich gewesen wie sein erster verstorbener Patient in der Ausbildung. Dieser sei ihm damals sehr nahegegangen. Die Ehefrau habe ihn gefragt, ob ihr Mann sterben würde und er habe nein gesagt, der schlafe nur. Zwei Stunden später sei ertöt gewesen. Die Frau habe ihn traurig und fragend angeschaut.

xxxxxxx (61.)

An diesen Patienten habe er konkrete Erinnerungen, er habe mit Ajmalin über den rechten Venenzugang manipuliert. Die Nachtschichtbesetzung sei unüblich gewesen. Die Patientin habe einen schweren Schlaganfall gehabt. Er habe die Patientin nachdem die von ihm provozierte Reanimation erfolglos geblieben sei, selbst in die Leichenhalle geschoben, was nicht üblich gewesen sei. Meist habe das die Hauptnachtwache gemacht.

xxxxxxx (66.)

Auch an diesen Sterbefall habe er konkrete Erinnerung, er habe ihm Lidocain verabreicht. Der Patient sei vom Notarzt erfolgreich reanimiert worden. Er habe dann in einer extrem hektischen und chaotischen Aufnahme über den peripheren Zugang Lidocain gespritzt, allerdings erst nachdem der Patient im sogenannten Intensivbett gelegen habe. Im Rahmen der hektischen Aufnahme habe es dann noch ein Wortgefecht mit einer Kollegin gegeben. Der Patient sei dann aufgrund der von ihm ausgelösten Krise verstorben.

xxxxxxxxxx (70.)

An diesen Patienten könne er sich ebenfalls erinnern und auch eine Manipulation mit Ajmalin. Es sei der erste Nachtdienst nach der Geburt seiner Tochter gewesen. Er habe durch eine positive Reanimation das Level der durch die schließlich gut ausgegangene Geburt hervorgerufenen positiven Gefühle halten wollen. Der Patient sei jedoch verstorben. Er sei zuvor mit dem ADAC Hol- und Bringservice aus dem Ausland gekommen.

xxxxx (72.)

An den Sterbefall habe er konkrete Erinnerung, er habe mit Ajmalin manipuliert. Die Patientin sei mit einem Lungenödem bewusstlos aus der Dialysestation gekommen, das sei sehr ungewöhnlich gewesen. Die Station sei etwas ausgelagert gewesen. Die hervorgerufene Reanimation sei erfolglos verlaufen.

xxxxxxxxx (74.)

An diese Patientin habe er eine Erinnerung, er habe im Vorfeld seiner Manipulation überprüft ob eine Verwandtschaft mit seiner Kollegin xxxxxxxxx bestehe, er habe mit ihr darüber gesprochen. Eine Verwandtschaft habe nicht bestanden. Er habe in diesem Dienst noch Überstunden gemacht und dabei der Patientin Ajmalin gespritzt. Er meine, dass man mit einer mechanischen Reanimation begonnen habe, kurz danach aber das Signal zum Abbrechen bekommen habe. Die Patientin sei dann verstorben.

xxxxxxxx (75.)

Er habe dem Patienten Ajmalin gespritzt. Er könne sich an ihn erinnern, da er ein urologischer Patient mit einer Sepsis gewesen sei und dies erst der zweite Patient aus der Urologie gewesen sei, an dem er manipuliert habe. Bei dem ersten Patienten sei eine Reanimation erfolgreich verlaufen, bei Herrn xxxxxxxx allerdings nicht.

xxxxx (79.)

Auch an diese Patientin habe er konkrete Erinnerungen, er habe mit Ajmalin manipuliert. Sie sei mit schwersten Gesichts- und Mittelgesichtsverletzungen nach einem Sturz gekommen, man hätte selten solche Patienten gehabt, die hätten eigentlich nach Bremen gehört. Sie habe einen großlumigen peripheren Zugang gehabt über den man viel und schnell habe spritzen können. Sie sei unter der von ihm hervorgerufenen Reanimation verstorben.

xxxxx (80.)

An diese Patientin habe er konkrete Erinnerungen, er habe mit Ajmalin manipuliert. Sie habe eine extreme Thoraxdeformierung gehabt. Zudem habe er eine Erinnerung wegen ihres Vornamens, gleich der seiner früheren Freundin xxxxxxxxx. Die Patientin sei unter der von ihm hervorgerufenen Reanimation, welche auf Wunsch der Angehörigen abgebrochen worden sei, verstorben.

xxxxxxxxxxx (82.)

An diesen Patienten erinnere er sich, er habe ihn mit Ajmalin vergiftet und er sei im Rahmen der Reanimation verstorben. Er sei mit den Kollegen dieser Dienstschicht nicht zurechtgekommen, den Kollegen xxxxxxxxx und xxxxxxxxxx. Er halte auch das Entsorgen der leeren Ampullen in einem Patientenzimmer oder Nebenraum für möglich, es sei in einer Zeit gewesen wo ihm bereits alles egal gewesen sei.

xxxxxx (85.)

Auch an diese Patientin erinnere er sich. Sie sei von der Normalstation gekommen und bereits in einem sehr schlechten Zustand mit Verdacht auf Lungenembolie gewesen. Er habe dann mit Sotalex manipuliert und es sei zu einer Reanimation gekommen, die Patientin aber verstorben. Es sei der letzte Fall vor seinem Urlaub und letztlich seiner Verhaftung gewesen. Die Kollegen xxxxxxxxxxx und xxxxxxxx hätten im Türrahmen gestanden und sich extrem komisch, für ihn skeptisch, verhalten. Er erinnere sich sicher, dass er die Packung des Medikaments diesmal noch in seinem Kittel belassen und nicht mehr entsorgt habe nachdem er das Medikament verabreicht habe. Später habe er im Rahmen polizeilicher Vernehmungen auf Fragen nach der in seinem Spind in seiner Kitteltasche dann aufgefundenen Packung noch erzählt, er habe sie "zum basteln" behalten.

xxxxxxx (100.)

Auch hier habe er Erinnerungen und mit Ajmalin manipuliert. Die Patientin sei von der Normalstation unter Reanimationsmaßnahmen gekommen, welche erst erfolgreich gewesen wären. Eine Kollegin habe auf dem Bett gesessen und reanimiert. Er habe dann nach Stabilisierung manipuliert und die Patientin sei verstorben.

c) Hinsichtlich der im Folgenden dargestellten Fälle hat der Angeklagte geäußert, konkrete Erinnerungen an die jeweiligen Sterbefälle zu haben. Eine Manipulation hat in diesen Fällen aber jeweils ausdrücklich bestritten:

xxxxxx (2.)

Er habe eine sehr gute Erinnerung an diesen Fall. Es sei einer von wenigen Fällen, an denen er sicher sagen könne keine Manipulation vorgenommen zu haben.

Der Patient sei intensivmedizinisch extrem stark behandelt, er war an Geräten angeschlossen, die er zu diesem Zeitpunkt noch nie gesehen habe. Die Kollegin xxxxxxxx sei für ihn zuständig gewesen, mit der sei er nicht so recht klargekommen. Er sehe noch wie sie in seinem Zimmer stehe und ständig mit dem Patienten beschäftigt gewesen sei. Sie sei eine erfahrene Pflegekraft mit "Berliner Schnauze" gewesen, sie sei sehr herrisch gewesen und habe niemanden an den Patienten herangelassen.

xxxxx (68.)

Auch hier schließe er eine Manipulation aus. Der Patient habe sogenannte Uhrglasverbände über den Augen gehabt, das habe er noch nie gesehen. Ihn habe beeindruckt, dass der familiäre Zusammenhalt mit den Angehörigen so gut war, das sei etwas besonders gewesen, deshalb habe er nicht manipuliert.

xxxxxxxx (89.)

Er habe aufgrund des Krankheitsbildes eine gute Erinnerung und könne eine Manipulation ausschließen. Herr xxxxxxxx habe eine Typ A-Dissektion gehabt, eine große Einblutung in ein Gefäß. So etwas habe er in dieser Form noch nicht gesehen gehabt. Er sei in den Tagen sehr nah bei ihm gewesen, er habe auch nochmal nachoperiert werden müssen.

xxxxxxxxx (92.)

Auch hier habe er eine sehr gute Erinnerung und er könne eine Manipulation sicher ausschließen. Die Patientin sei zur ambulanten Behandlung einer Herz-Rhythmus-Störung auf der Station gewesen. Es habe im Reanimationszimmer eine Kurznarkose stattfinden sollen, dabei habe die Patientin einen kontrollierten Elektroschock bekommen um die Störung zu beheben. Er habe beobachtet, das ärztlicherseits vergessen worden sei, eine Taste zur Synchronisation zu drücken. Der Herzschlag der Patientin sei dann extrem langsam geworden, der Sauerstoffgehalt massiv abgefallen. Man habe versucht zu intubieren, was zweimal fehlgeschlagen sei. Es sei dann zu weiteren Rythmusstörungen gekommen und zu einer Reanimation. In diesem Rahmen seien dann auch verschiedene Medikamente gegeben worden, um etwas zu bewirken. Es sei ein ziemliches Chaos gewesen.

xxxxxxxx (94.)

Er habe eine sehr gute Erinnerung an den Sterbefall und er sei sich absolut sicher nicht manipuliert zu haben. Es sei eine junge Frau und die Umstände sehr tragisch gewesen. Die Patientin sei nach einem Selbstmordversuch mit Medikamenten unter künstlicher Beatmung mit dem Notarzt auf die Station gekommen. Sie habe sich in einem sehr kritischen Zustand befunden und es seien vergeblich viele Maßnahmen zur Stabilisierung versucht worden. Er meine, dass Lidocain auch als Gegengift für eine entsprechende Vergiftung eingesetzt werden könne. Dies sei aber nicht dokumentiert.

d) Die Kammer hat die jeweiligen Angaben des Angeklagten kritisch in jedem Einzelfall gewürdigt. Dabei hat sie zudem ein aussagepsychologisches Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxx, Fachpsychologe für Rechtspsychologie, im Hinblick auf die Angaben des Angeklagten eingeholt. Anlass dafür war insbesondere, dass sich nun herausgestellt hat, dass der Angeklagte im Verfahren 2014/2015 ausweislich der Feststellungen des Landgerichts Oldenburg im Urteil vom 26.02.2015 die Unwahrheit gesagt hatte. So hatte er ausdrücklich Taten in seinerzeit in xxxxxxxxx abgestritten. Dies obwohl ihm die Bedeutung einer umfassenden Aufklärung von ihm begangener Taten seinerzeit an mehreren Sitzungstagen eindringlich vor Augen geführt worden war, insbesondere im Hinblick auf die Belange von verunsicherten Hinterbliebenen von Patienten, aber auch in Bezug auf mögliche Auswirkungen für den Angeklagten selbst im Rahmen der Strafvollstreckung. Ihm ist damals aber auch erläutert worden, dass es für die Beurteilung seiner Persönlichkeit, insbesondere hinsichtlich seines Bemühens um glaubhafte Tataufarbeitung, nachteilige Folgen haben würde, wenn sich später heraussteilen würde, dass er nicht oder nicht umfassend die Wahrheit gesagt habe. Der Angeklagte hatte 2014/2015 nicht nur versichert, sondern auch emotional den Eindruck vermittelt, zum Wohle der verunsicherten Allgemeinheit nunmehr umfassend und rückhaltlos an der Aufklärung der von ihm begangenen Taten mitwirken zu wollen. Der wesentliche Inhalt dieser Ansprachen und Erklärungen ist durch den Vorsitzenden auch in der jetzigen Hauptverhandlung noch einmal wiedergegeben worden. Der jetzt, aber auch in der Hauptverhandlung 2014/2015 bei seinen Einlassungen, durchaus empathisch auftretende Angeklagte hatte damals mehrmals beteuert, er habe die Ansprache des Vorsitzenden verstanden und sei sich auch der überragenden Bedeutung einer - über die seinerzeit angeklagten Fälle hinausgehenden - umfassend wahren Einlassung bewusst. Gleichwohl äußerte er damals, wie er nunmehr selbst einräumt tatsächlich falsch, in der gesamten Zeit am Klinikum in xxxxxxxxx niemals manipulativ Krisen an Patienten hervorgerufen zu haben. Dies hatte er - nach damaligem Kenntnisstand der Kammer durchaus nachvollziehbar - sogar begründet: Er habe in xxxxxxxxx eben keinen Gedanken daran verschwendet, Notfälle zu provozieren, da es auf der expandierenden, auf Risikooperationen ausgerichteten, herzchirurgischen Intensivstation ohnehin bereits genügend schicksalhafte Notfälle und damit ausreichend Spannungsaufbau ohne sein Zutun gegeben habe.

Der Angeklagte ist nach allem aufgrund seiner Persönlichkeit in der Lage in abgeklärter Weise Falschdarstellungen abzugeben, dies sogar unterlegt mit dazu passendem - falschen -emotionalen Verhalten. Diese Fähigkeit hatte er nicht nur 2014/2015 sondern bereits in seiner Zeit im Klinikum xxxxxxxxx im August/September 2002 gegenüber der Zeugin xxxxxxxx und in besonders hervorstechender Weise am 23.09.2002 im Gespräch mit dem Chefarzt Prof. xxxxxxx (s.o. B II.) eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Obwohl er zu dieser Zeit bereits zahlreiche Patienten getötet hatte und ihm offen Misstrauen entgegengebracht wurde, war er noch der Lage, seinem damaligen obersten medizinischen Vorgesetzten Prof. Dr. xxxxxxx provokant zu fragen, ob er als Feuerwehrmann gesehen würde, der das Feuer selbst legt und dann zur Stelle ist. Auch sein Verhalten gegenüber dem Betriebsratsmitglied, der Zeugin xxxxxxxxx, zeigt, dass der Angeklagte fähig ist, nicht nur kühl und abgeklärt zu lügen, sondern auch emotional für andere die Unwahrheit entsprechend darzustellen. So hat die Zeugin bekundet, der Angeklagte habe auf sie authentisch einen sehr betroffenen, verunsichert ängstlichen Eindruck gemacht. Er habe glaubhaft ratlos gewirkt, sich all die Vorbehalte seiner Person gegenüber nicht erklären können.

In der jetzigen Hauptverhandlung hat der Angeklagte angegeben, er habe seinerzeit im Prozess 2014/2015 aus voller Überzeugung gesagt, dass in xxxxxxxxx nichts gewesen sei. Das sei auch keine Gedächtnislücke gewesen, er hätte es verdrängt, die Wahrheit sei für ihn erst im Rahmen der Aufarbeitung ans Licht gekommen. Es sei auch aus Scham vor seiner eigenen Familie gewesen. Er habe sich damit nicht auseinandersetzen wollen und erst später angefangen, die Dimension zu überblicken. Er habe seine Handlungen einfach nicht wahrhaben wollen. Die Kammer ist mit dem Sachverständigen Prof. xxxxxxx davon überzeugt, dass diese Erklärung so nicht zutrifft. Der Sachverständige hat hierzu überzeugend ausgeführt, dass aus aussagepsychologischer Sicht das vom Angeklagten benannte Verdrängen im Sinne eines vollständigen Ausblendens nicht nachvollziehbar sei. Es ist auch für die Kammer im Hinblick auf die beträchtliche Anzahl bereits seinerzeit eingeräumter Taten in xxxxxxxxxxx kein nachvollziehbarer Grund ersichtlich, weshalb der Angeklagte aus Scham nun Taten in xxxxxxxxx hätte verdrängen sollen. Die Kammer ist mit dem Sachverständigen vielmehr davon überzeugt, dass der Angeklagte taktisch motiviert zunächst Geständnisse über Taten in xxxxxxxxx zurückgehalten hatte, etwa um erneut einen gewissen Spannungsaufbau zu erleben oder aus einem Machtgefühl heraus.

Der aussagepsychologische Sachverständige Prof. xxxxxxx hat weiter ausgeführt, dass er den Angeklagten an zwei Terminen in der JVA xxxxxxxxxx exploriert habe, zudem habe er der Hauptverhandlung beigewohnt und die gesamten Ermittlungsakten samt der videografierten polizeilichen Vernehmungen des Angeklagten ausgewertet.

Der Sachverständige hat festgestellt, dass beim Angeklagten keine Hinweise auf Einschränkungen von aussagerelevanten kognitiven Funktionen vorlägen. Die Persönlichkeitsanalyse habe eine Disposition des Angeklagten für bewusste Falschaussagen ergeben. Die aussagepsychologische Analyse habe zudem deutliche Hinweise darauf gegeben, dass diverse Aussageveränderungen und Aussageerweiterungen, die der Angeklagte im Verlauf der Zeit seit seiner ersten polizeilichen Beschuldigtenvernehmung im Juli 2005 vorgenommen habe, bewusste Falschaussagen (z. T. mit späteren Korrekturen) darstellen würden. Trotz der zahlreichen Belege sei dies vom Angeklagten noch in der laufenden Hauptverhandlung klar verneint worden, denn er habe wie bereits früher betont, nie aus taktischen Gründen etwas Falsches gesagt zu haben. Es könne geschlussfolgert werden, dass der Angeklagte um eine positive Selbstdarstellung bemüht gewesen sei und dies auch weiterhin sei, soweit er angegeben habe, er wolle vorbehaltlos an der Aufklärung der ihm vorgeworfenen Taten mitarbeiten. Nicht nur seine Darstellungen über mögliche Missverständnisse in Bezug auf seine Angaben über Verdrängen bzw. Vergessen von Taten würden darauf verweisen, dass er weiterhin Erklärungen abgebe, mit denen er den Wahrheitsgehalt früherer und jetziger Bekundungen unterstreichen wolle, deren Wahrheitsgehalt selbst aber tatsächlich fraglich erscheine.

Im Hinblick auf die angeklagten Taten habe die aussagepsychologische Analyse sodann folgendes ergeben: Bei den Leugnungen des Angeklagten und bei seinen Angaben über fehlende Erinnerungen reiche das Aussagematerial für aussagepsychologische Analysen nicht aus. Das aussagepsychologische Non-Liquet stehe Feststellungen über seine Täterschaft mit Beweisen außerhalb der Angaben des Angeklagten in diesen Fällen aber nicht entgegen. Für die Beurteilung der Geständnisse habe sich dann ergeben: Es seien sowohl in der Persönlichkeit des Angeklagten als auch in seinen Vernehmungen zwar Bedingungen festzustellen gewesen, die potentiell zu falschen Geständnissen beigetragen haben könnten. Dabei erscheine es unwahrscheinlich, dass der Angeklagte unbewusst falsche Geständnisse abgelegt habe: Da er keine Erinnerungslücke für seine Taten gehabt habe, sei auch ein Auffüllen so einer Lücke mit Scheinerinnerungen nicht sinnvoll begründbar. Folgende Faktoren wären grundsätzlich geeignet in Einzelfällen zu bewusst falschen Geständnissen zu führen: Narzissmus und Vorbereitung einer langfristig "günstigen" Ausgangssituation im Vollzug sowie Erwartungen und Apelle der Vernehmungspersonen. Diese Faktoren würden aber bei Beachtung aller aussagepsychologisch relevanten Informationen keine höhere Geltungswahrscheinlichkeit für die Hypothese über bewusst falsche Geständnisse als für diejenige, dass wahre Geständnisse vorliegen begründen. Die inhaltlichen Analysen der Geständnisse haben zudem keine Hinweise auf Widersprüche oder Ungereimtheiten ergeben, die gegen ihren Wahrheitsgehalt sprechen würden. Vielmehr seien in einigen Geständnissen fallbezogene Details identifiziert worden, die den vom Angeklagten im Vorfeld seiner Einlassungen studierten Krankengeschichten nicht zu entnehmen gewesen seien und die wegen ihrer Besonderheiten als inhaltliche Qualitäten im Sinne von Realkennzeichen interpretiert werden könnten. Diese Realkennzeichen würden einen Wahrheitsgehalt für die entsprechenden Geständnisse allerdings nur tendenziell indizieren, sie würden allein für deren positive Substantiierung nicht ausreichen, seien aber geeignet, entsprechende Indikatoren aus anderen Beweisquellen zu unterstützen.

Die Kammer schließt sich den Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxxxxx aus eigener Überzeugung an. Sie hat deshalb die Angaben des Angeklagten in jedem Einzelfall kritisch hinterfragt und auf Realkennzeichen hin untersucht. Soweit der Angeklagte angegeben hat, sich an einzelne Fälle nicht mehr zu erinnern, erscheint dies in Anbetracht der Vielzahl der ihm vorgeworfenen Fälle und der zurückliegenden Zeit allerdings durchaus glaubhaft.

2. Medizinische und toxikologische Sachverständigengutachten

Den medizinischen und toxikologischen Sachverständigengutachten hat die Kammer einen beträchtlichen Beweiswert zugemessen. Der medizinische Sachverständige Prof. Dr. xxxxxx hat die ihm übersandten Krankenunterlagen, Kurvenblätter, Laborwerte sowie ärztliche und pflegerische Berichte und Vermerke, zunächst ohne sonstige Kenntnisse gutachterlich dahingehend überprüft, ob sich aus dem dokumentierten Aufenthalt des jeweiligen Patienten auf der Intensivstation in xxxxxxxxx oder xxxxxxxxxxx ein plausibler Krankheitsverlauf und damit einhergehend ein plausibler, medizinisch nachvollziehbarer, Todeseintritt ableiten ließ. War dies nicht der Fall, prüfte er, ob daraus Hinweise auf eine nicht indizierte Gabe eines Medikamentes oder Wirkstoffes herzuleiten waren und schließlich, ob eine solche nicht indizierte Wirkstoffgabe kausal für den Todeseintritt des Patienten gewesen war. Dabei hat der Sachverständige verdeutlicht, dass die in diesen - noch vor Durchführung toxikologischer Untersuchungen erstellten - Gutachten von ihm vielfach gewählte Wortwahl wie etwa "gewöhnlich/ungewöhnlich", "plausibel/nicht plausibel" bzw. "möglich/gut möglich" in Ermangelung weiterer Anhaltspunkte noch keine konkrete Einstufung einer Wahrscheinlichkeit, sondern eben nur eine Ersteinschätzung dargestellt habe. Er habe insoweit oft einfach die Wortwahl der polizeilichen Fragestellungen aufgegriffen und verwendet. Entsprechend diesen Einschätzungen ist es nachfolgend zu Exhumierungen und anschließenden toxikologischen Untersuchungen gekommen. Der medizinische Sachverständige hat daran anschließend ergänzend dazu Stellung genommen, ob der Verlauf zu einem der toxikologisch aufgefundenen und oben bereits genannten Wirkstoffe passen würde. Dies beschränkte sich zunächst auf Ajmalin und wurde später auch auf die weiteren Wirkstoffe Kalium, Sotalol, Lidocain und Amiodaron ausgeweitet. In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige zunächst seine bereits schriftlich dargestellten und auch im Urkundsbeweis eingeführten gutachterlichen Einschätzungen dargestellt und erläutert. Außerdem hat er noch eine abschließende Bewertung vorgenommen, für wie wahrscheinlich er eine missbräuchliche Beibringung unter Berücksichtigung des Krankheitsverlaufes und des ihm nun bekannten -toxikologisch aufgefundenen oder seitens des Angeklagten angegebenen - Wirkstoffes und einen dadurch bedingten Todeseintritt in jedem Einzelfall halte. Er hat dabei folgende Klassifizierung vorgenommen:

1. sehr wahrscheinliche Manipulation (98-99 %)

2. wahrscheinliche Manipulation (50-90 %)

3. mögliche Manipulation (bis 50 %)

4. nicht ausschließbar

5. unwahrscheinliche Manipulation

Für die Fälle in xxxxxxxxx hat die Kammer zudem den seitens des Klinikums xxxxxxxxxx zur Aufarbeitung der Dienstzeit des Angeklagten eingesetzten Sachverständigen Prof. Dr. xxxxxxxx xxxxxxxx, Facharzt für Anästhesiologie, vernommen.

Der rechtsmedizinische Sachverständige Dr. xxxxxxxxxxx, Facharzt für Rechtsmedizin, hat ausgeführt, unter seiner Leitung seien die Exhumierungen und Obduktionen der jeweiligen Patienten erfolgt. Eine pathologische Todesursache sei im Rahmen der Obduktion aufgrund des Verwesungszustandes der jeweiligen Leichname nicht bestimmbar gewesen. Sofern ausreichend und geeignete sterbliche Überreste aufgefunden worden seien, habe er diese gesichert und die Gewebproben zur chemisch-toxikologischen Untersuchung an das Institut für Rechtsmedizin in Hannover unter Leitung von Dr. rer. nat. xxxxxxxxx, Forensischer Toxikologe, weitergeleitet.

Der toxikologische Sachverständige Dr. xxxxx hat ausgeführt, dass in der Regel aus dem übersandten Untersuchungsmaterial drei Asservate ausgewählt worden seien. Dabei sei bereits durch die Obduzenten mitgeteilt worden, um welche Körperteile es sich jeweils gehandelt habe. Diese Materialien seien sodann zunächst auf den Zustand untersucht worden, dabei seien der Zerfallszustand der Gewebe Strukturen sowie der Feuchtegrad beurteilt und kategorisiert worden. Anschließend seien die Materialien homogenisiert, extrahiert und auf die entsprechend bekannten Wirkstoffe hin analysiert worden. Zu allen Tatmitteln lasse sich festhalten, dass von den von ihm im Rahmen der toxikologischen Untersuchung festgestellten Mengen der Wirkstoffe kein Rückrechnung auf den Zeitpunkt der Verabreichung vorgenommen werden könne. Zeitliche Einschätzungen seien allein aufgrund der Halbwertszeiten mögliche (im Einzelnen dazu unten).

Zu den einzelnen Tatmitteln ist sodann unter Berücksichtigung der Angaben der Sachverständigen Folgendes festzustellen:

a) Kalium

Als körpereigener Stoff nimmt das Tatmittel Kalium einen Sonderfall ein. Soweit seitens des medizinischen Gutachters Prof. xxxxxx aus den Krankenakten ein Verdacht einer Kaliumvergiftung im Raum stand, hat eine Exhumierung und damit auch eine toxikologische Untersuchung nicht stattgefunden. Dazu hat Prof. xxxxxxx ausgeführt, dass eine solche aus medizinischen Gründen keinen Sinn mache, da aufgrund der spezifischen Abläufe im Kaliumhaushalt eines Menschen beim Versterben kein belastbarer Nachweis möglich wäre. Eine Bestimmung des Kaliumspiegels sei letztlich nur mittels des Blutserums möglich, verscheiden Bereiche des menschlichen Körpers würden sehr viel größere Mengen an Kalium beinhalten. Nach Eintritt des Todes würde das Kalium in alle Körperregionen ausgeschwemmt, sodass eine differenzierte Aussage zum Kaliumspiegel letztlich nur zu Lebzeiten möglich sei. Allerdings seien gerade im Klinikum xxxxxxxxx die Kaliumwerte der jeweiligen Patienten akribisch - mindestens stündlich - aufgezeichnet worden. Dies ergebe sich aus dem Umstand, dass auf einer herzchirurgischen Intensivstation eine solche Dokumentation aufgrund der besonderen Bedürfnisse der Herzpatienten notwendig sei. Kalium sei für die Herzaktivität ein unverzichtbares Elektrolyt. Auf einer normalen Intensivstation werde der Kaliumwert bei Bedarf entsprechend aufgezeichnet. Letztlich seien also für die Bewertung der Kaliumfälle ein auffälliges An- und Abschwellen des Wertes ein erheblicher Anhaltspunkt bei der Frage einer missbräuchlichen Gabe, ein Nachweis einer missbräuchlichen Beibringung sei letztlich allein durch die Auswertung der Krankenakte über die Entwicklung des Kaliumwertes möglich. Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, dass die zu erwartenden Kaliumwerte im Normbereich in einem engen Grenzraum von 3,5 - 5 mmol liegen würden. Auch der dazu befragte Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxx hat sich diesen Ausführungen angeschlossen.

b) Hinsichtlich der Tatmittel Ajmalin, Sotalol, Lidocain und Amiodaron gilt zunächst allgemein, dass nach entsprechender Auswertung von Prof. xxxxxxx eine Exhumierung und anschließend eine toxikologische Untersuchung nach einem dieser Wirkstoffe erfolgte. Aussagekräftig war dann ein toxikologischer Befund, wenn der identifizierte Wirkstoff nicht dokumentiert verabreicht worden war und medizinisch nicht indiziert gewesen wäre. Dazu hat sich der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx in jedem Einzelfall gutachterlich geäußert. Der toxikologische Sachverständige Dr. xxxxx hat allgemein zu den Wirkstoffen Ajmalin, Sotalol und Lidocain angegeben, dass aufgrund der Halbwertszeit dieser Wirkstoffe im Blut (siehe unten) bei einem Nachweis in den exhumierten Leichen aus seiner sachverständigen Sicht davon auszugehen sei, dass diese Wirkstoffe - sofern sie nicht offiziell im Rahmen der Reanimationssituation oder sehr kurz vorher verabreicht worden sind - missbräuchlich beigebracht worden seien. Zu den einzelnen Wirkstoffen:

Ajmalin

Zu dem seitens des Angeklagten verwendeten Wirkstoffes Ajmalin (Medikamentenname Gilurytmal) ist zunächst festzustellen, dass es sich um ein nach Angaben des Angeklagten und den Ausführungen der medizinischen Sachverständigen Prof. xxxxxxx und Prof. xxxxxxxxxxxx sowie den in der Hauptverhandlung vorgenommenen ärztlichen Zeugen um ein Medikament handelt, welches auf einer Intensivstation schon im Zeitraum der gegenständlichen Taten nur noch sehr selten bis gar nicht mehr eingesetzt wurde. Es sei für die Patienten aufgrund seiner unglaublich schnellen und massiven Wirkweise schlicht zu risikoreich gewesen. Wenn überhaupt, sei es nur unter ärztlicher Monitorüberwachung verabreicht worden. Der toxikologische Sachverständige Dr. xxxxx hat ausgeführt, dass ein toxikologischer Nachweis von Ajmalin in einem Leichnam bedeute, dass der Wirkstoff sehr zeitnah zum Tod des jeweiligen Patienten appliziert worden sein müsse. Ajmalin habe eine sehr kurze Eliminationshalbwertszeit im Blut von etwa ein bis 3 Stunden und werde mithin schnell aus einem lebenden Körper ausgeschieden.

Sotalol

Nach Angaben des toxikologischen Sachverständigen Dr. xxxxx handele es sich auch bei dem vom Angeklagten verwendeten Wirkstoff Sotalol (Medikamentenname Sotalex) ebenfalls um ein schnell abbauendes Medikament im lebenden Organismus. Er gehe von Halbwertszeiten im Bereich von 7-18 Stunden im Blut aus.

Amiodaron

Zu dem Wirkstoff Amiodaron (Medikament Cordarex) hat der Sachverständige Dr. xxxxx ausgeführt, dass es sich um eine sehr lipophile Substanz handele, die sich demnach gut im Fettgewebe festsetzte. Daher sei hier von einer sehr langen Eliminationszeit auszugehen sei, diese betrage bei einer Dauerinfusion 26-107 Tage, bei einmaliger Gabe zwischen 3 und 80 Stunden.

Lidocain

Zu dem Wirkstoff Lidocain (Medikament Xylocain) hat der Sachverständige Dr. xxxxx ausgeführt, dass die Eliminationshalbwertszeit 0,7 bis maximal 2 Stunden im lebenden Organismus betrage. Auch hier sei bei einem positiven Befund im Rahmen der toxikologischen Untersuchung der Leichen davon auszugehen, dass ein enger zeitlicher Zusammenhang zwischen Aufnahme des Wirkstoffs und dem Versterben gegeben sei. Hinsichtlich Lidocain hat sich allerdings ein weiterer zu berücksichtigender Umstand ergeben: Nach Angaben des medizinischen Sachverständigen Prof. xxxxxxx würde Lidocain - anders als die anderen Medikamente - nicht nur intravenös oder mittels Perfusor verabreicht. Im Klinikalltag würden weitere Anwendungsformen des Wirkstoffes existieren. So würden beim Legen einer Magensonde, eines Blasenskatheters, von Tubussen oder aber bei Bronchoskopien lidocainhaltige Gele oder Sprays mit entsprechend verdünntem Wirkstoff zur Gleitfähigkeit und Schmerzeindämmung eingesetzt. Der Wirkstoff werde dabei mithin über die Schleimhäute aufgenommen. Im Gegensatz zu den anderen hier beschriebenen Wirkstoffen bzw. Medikamenten sei die Nutzung dieser Gele oder Sprays nicht dokumentationspflichtig. Da die begutachteten Sterbefälle allesamt auf der Intensivstation gelegen hätten und hier häufig entsprechende Maßnahmen ergriffen worden sind, habe er zunächst und vor Überprüfung im jeweiligen Einzelfall klären müssen, ob die Einnahme des entsprechend verdünnten Wirkstoffs über die Schleimhäute durch Gele oder Sprays überhaupt zu einem toxikologischen Nachweis führen. Hierzu habe er sich mit dem toxikologischen Sachverständigen ausgetauscht und dessen Erkenntnisse in seiner Bewertung entsprechend berücksichtigt. Dr. xxxxx hat in der Hauptverhandlung dazu wie folgt ausgeführt: Problematisch sei insofern, dass es diesbezüglich an Vergleichsuntersuchungen an bereits beerdigten Leichen fehle. Allerdings sei bereits aus den Ergebnissen des geführten Ermittlungsverfahrens Folgendes deutlich geworden: So seien in 36 Fällen auch Proben von Patienten untersucht worden, bei denen unterschiedlich lange eine Magensonde, ein Dauerkatheter oder ein Tubus gelegen hätten und bei denen mithin lidocainhaltige Gels oder Sprays verwendet worden seien. In keinem dieser Fälle sei toxikologisch Lidocain nachgewiesen worden. Anders würde sich dies in den Fällen darstellen, in denen daneben - medizinisch indiziert - Lidocain ausweislich der Krankenakte außerdem auch intravenös verabreicht worden sei In diesen Fällen sei allesamt ein Lidocainnachweis möglich gewesen. Danach sei es aus toxikologischer Sicht unwahrscheinlich, dass allein die Anwendung von lidocainhaltigen Gels oder Sprays zu einer Nachweisbarkeit in den verfahrensgegenständlichen Sterbefällen führe. Nach seinen Erkenntnissen sei es zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass allein die Applikation von Lidocain in Gel- oder Sprayform hier zu einem positiven toxikologischen Befund geführt habe, in naturwissenschaftlicher Hinsicht ausschließen könne er dies allerdings nicht. Eine entsprechende wissenschaftliche Sicherheit sei allein deswegen nicht zu erreichen, da bisher wissenschaftliche Erkenntnisse dazu, wie sich der Wirkstoff Lidocain im verstorbenen Organismus bei langen Liegezeiten in einem Erdgrab abbaue, nicht existieren würden. Da eine naturwissenschaftliche Sicherheit, dass Gele und Sprays in den untersuchten Proben niemals zu einem Lidocainnachweis führen können, nicht zu 100 % gegeben sei, sei es aus sachverständiger Sicht notwendig gewesen, die Eliminationshalbwertszeiten im lebenden Organismus bei der Beantwortung dieser Frage mit einzubeziehen. Im lebenden Organismus betrage die Halbwertszeit von Lidocain maximal 2 Stunden. Aus naturwissenschaftlicher Sicht sei zudem spätestens nach Ablauf von fünf Halbwertszeiten zu je 2 Stunden Lidocain nicht mehr nachweisbar, was dazu führe, dass - im uneingeschränkt funktionierenden - Organismus von einer maximalen Nachweiszeit von 10 Stunden auszugehen sei. Bei Hinzunahme eines erheblichen Sicherheitszuschlags von 100 % sei damit spätestens nach 20 Stunden unter Berücksichtigung jeglicher Sicherheitsparameter ein Nachweis nicht mehr möglich. Unter der Annahme, dass sich die Patienten in einem erheblichen Krankheitszustand, etwa mit eingeschränkter Nierenfunktion, befunden hatten, wodurch sie nur noch eingeschränkt Wirkstoffe abbauten, sei die Halbwertszeit theoretisch auf bis zu 10 Stunden bemessen. Spätestens nach Ablauf von fünf Halbwertszeiten zu je 10 Stunden wäre ein toxikologischer Nachweis von Lidocain damit nach 50 Stunden nicht mehr zu erwarten. Bei Hinzunahme eines erheblichen Sicherheitszuschlags von 100 % sei damit auch bei diesen Patienten mit eingeschränktem Abbau spätestens nach 100 Stunden unter Berücksichtigung jeglicher Sicherheitsparameter ein Nachweis nicht mehr möglich. Es sei also zu prüfen, ob und wann zuletzt entsprechende Gele oder Sprays mit Lidocain bei dem jeweiligen Patienten zum Einsatz gekommen seien. Prof. Dr. xxxxxxx hat diese Ausführungen dahingehen ergänzt, dass er diesen Ansatz mit Sicherheitszuschlägen von 100 % für deutlich übersetzt halte.

Aufgrund der vorstehend dargestellten Unwägbarkeiten hat die Kammer einen toxikologisch festgestellten Positivbefund von - medizinisch nicht indiziertem - Lidocain, bei denen jedoch eine Aufnahme von Lidocain über die Schleimhäute durch Gel oder Spray vorlag oder zumindest nicht ausgeschlossen werden konnte, im Rahmen der Beweiswürdigung anders gewichtet. Diesen - den Angeklagten belastenden - Beweiswert des toxikologischen Nachweises des Wirkstoffs Lidocain hat sie in diesen Fällen nicht so hoch gewichtet, wie bei den toxikologischen Nachweisen der anderen medizinisch nicht indizierten Wirkstoffe Ajmalin, Sotalol und Amiodaron.

c) Die Sachverständigen haben ihre allgemeine Vorgehensweise bei den jeweils zu untersuchenden Fällen in der Hauptverhandlung erläutert und anschließend Nachfragen zu den einzelnen Sterbefällen beantwortet. Die schriftlichen Gutachten zu den einzelnen Sterbefällen sind ausweislich der Anordnung des Vorsitzenden vom 21.11.2018 als Urkunden im Selbstleseverfahren eingeführt worden. Sie befinden sich bei den jeweiligen Fallakten eines jeden Sterbefalls. Die Kammer hat sich den allgemeinen und sterbefallbezogenen Ausführungen (siehe unten) der Sachverständigen nach kritischer Überprüfung aus eigener Überzeugung angeschlossen. Sie waren plausibel und nachvollziehbar, Widersprüche haben sich nicht ergeben.

3. Dienstzeiten bzw. Anwesenheit des Angeklagten, Zeitpunkte der Manipulation, sonstige Umstände

Ebenfalls belasteten Indizwert kam den Dienst- bzw. Anwesenheitszeiten des Angeklagten zu. Der Angeklagte war in allen den Feststellungen zu Grunde liegenden einhundert Fällen im Dienst oder aber auf der jeweiligen Station. Dies stützt sie auf die dazu im Rahmen des Selbstleseverfahren eingeführten Dienstpläne, welche sich ebenfalls in den jeweiligen Fallakten der einzelnen Sterbefälle befinden. Der Angeklagte hat in keinem Fall seine Anwesenheit bestritten.

Unter Berücksichtigung dieser vorstehenden Ausführungen (C V.) hat die Kammer die Indizien für jeden einzelnen Sterbefall gewürdigt, um die Frage nach der Täterschaft des Angeklagten zu beantworten. Dabei kam der Einschätzung des medizinischen Sachverständigen Prof. Dr. xxxxxxx ein besonderer Beweiswert zu. Dieser hat - zunächst ohne Kenntnis der vom Angeklagten eingesetzten Wirkstoffe - den Krankheitsverlauf untersucht und Anhaltspunkte für eine missbräuchliche Gabe benannt. Insbesondere wenn der Sachverständige zu der Annahme einer wahrscheinlichen Manipulation gekommen ist, kam seinen Ausführungen ein besonderer Beweiswert zu Diese Einschätzung ist dann durch die weiteren Indizien jeweils ergänzt bzw. bestätigt worden: zunächst durch eine positive toxikologische Untersuchung hinsichtlich eines der vom Angeklagten verwendeten Wirkstoffe, wobei die Indizwirkung bei dem Wirkstoff Lidocain aufgrund der zuvor dargestellten Problematik in den Fällen einer wahrscheinlichen oder möglichen Aufnahme über die Schleimhäute durch Gel oder Spray etwas weniger stark war, als bei den anderen Wirkstoffen. Ein weiteres für die Täterschaft des Angeklagten sprechendes Indiz war seine Anwesenheit zum Zeitpunkt der Krise. Die Einlassung des Angeklagten hat die Kammer aufgrund der vorstehenden Ausführungen jeweils kritisch gewürdigt. In diesem Zusammenhang hat die Beweisaufnahme ergeben, dass zwei vom Angeklagten als für ihn bedeutsam genannte Umstände tatsächlich kein bzw. nur ein im Einzelfall geringer Beweiswert zukam: So hat der Angeklagte zunächst bekundet, er habe sich bei der Auswahl der Patienten auf sedierte, komatöse Personen konzentriert. Dieses Kriterium hat er im Laufe der polizeilichen Vernehmungen entsprechend den Bekundungen des Vernehmungsbeamten KOR xxxxxxx und auch in der Hauptverhandlung selbst zunehmend abgeschwächt, dahingehend, dass er nicht ausschließen könne, auch ansprechbare, aber tief schlafende Patienten manipuliert zu haben. Diesem Umstand hat die Kammer letztlich keinen entscheidenden Wert mehr zugemessen im Hinblick darauf, dass entsprechend den Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxxxxx mehrere Patienten wach bzw ansprechbar waren. Auch dem Umstand, dass verschiedene Patienten im Rahmen der Krise letztlich nicht reanimiert wurden, etwa aufgrund von Patientenverfügungen bzw. dem Wunsch der Angehörigen, konnte kein entscheidender Beweiswert beigemessen werden. Zum einen war zu bedenken, dass dies dem Angeklagten aufgrund einer spontanen Entscheidung bzw. auch nicht gut erkennbarer Dokumentation vor der Manipulation nicht bekannt sein musste. Zum anderen hat er selbst eingeräumt, dass - jedenfalls mit fortlaufender Zeit - der von ihm gewünschte Spannungsaufbau allein schon durch die Herbeiführung der Krise erfolgte und er ohnehin zunehmend abgestumpfte. Die Zeitpunkte der einzelnen Tathandlungen des Angeklagten, also der Verabreichung nicht indizierter Wirkstoffe hat die Kammer jeweils am Eintritt der dokumentierten Krise entsprechend den gutachterlichen Ausführungen von Prof. Dr. xxxxxxx festgemacht.

Die als Zeugen vernommenen Kollegen und Ärzte der Kliniken xxxxxxxxx und xxxxxxxxxxx haben sich an Umstände der jeweiligen Taten nur insoweit erinnert, wie es in den Feststellungen aufgeführt ist.

V.

Klinikum xxxxxxxxx

1. xxxxxxxxxxxxx

Die Kammer konnte ausweislich des Dienstplans für den 07.02.2000 feststellen, dass der Angeklagte während des ihm vorgeworfenen Zeitraums im Dienst war. Der Sachverständige Prof.Dr. xxxxxxxxxxx ist in seinem Gutachten zunächst zu dem Ergebnis gekommen, dass er keine Hinweise auf einen missbräuchlichen Einfluss bei diesem Patienten habe erkennen können (Gutachten vom 20.11.2014, Bl. 7 ff FA xxxxxxxxxx). In der Haupthandlung hat er sodann auf Nachfrage und Vorhalt, dass bei der Patientin Lidocain nachgewiesen worden sei, klargestellt, dass die bei der Patientin eingetretene Bradykardie durch eine missbräuchliche Lidocaingabe ausgelöst worden sein könne. Er habe die in xxxxxxxxx zu untersuchenden Fälle nämlich zunächst hauptsächlich auf eine missbräuchliche Gabe von Kalium hin untersucht, der der Auftrag seitens des Klinikums sei nun entsprechend formuliert gewesen. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx ist in seinem Ausgangsgutachten zunächst im Ergebnis gekommen, dass zwar eine schlechte Dokumentation vorliege, eine medikamentöse Intervention aber nicht ausgeschlossen werden könne (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxx vom 05.02.2017, Bl. 25 ff FA xxxxxxxxxx). Die daraufhin erfolgte toxikologischen Untersuchung kam ausweislich des Gutachtens der xxx nun zu dem Ergebnis, dass Lidocain nachweisbar gewesen sei (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 07.12.2017 (Lidocain), Bl. 93 ff FA xxxxxxxxxx). Das daraufhin erstellte Ergänzungsgutachten des Sachverständigen Prof.Dr. xxxxxxx kam zum Ergebnis, dass Lidocain nicht offiziell intravenös verabreicht worden sei und der tödliche Verlauf der Patientin zu einer missbräuchlichen Gabe dieses Medikaments passe. Eine Lidocaingabe sei auch nicht indiziert gewesen. Die plötzliche Verschlechterung im Gesundheitszustand der Patientin könne er auf natürliche Weise nicht erklären, er halte eine Manipulation damit für sehr wahrscheinlich (Ergänzungsgutachten vom 13.11.2017 (Lidocain), Blatt 102 ff. FA Schillingmann). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige zudem angegeben, bei der Patientin habe zwar ein Dauerkatheter und eine Magensonde sowie ein Tubus gelegen, weshalb von einem Einsatz eines lidocainhaltigen Gel auszugehen sei. Die letzte nachvollziehbare Maßnahme eines entsprechenden Gels sei aber das Legen der Magensonde 216 Stunden vor dem Versterben der Patientin. Für ihn sei damit auch unter Berücksichtigung dieses Umstands eine missbräuchliche Manipulation mit Lidocain sehr wahrscheinlich. Nach den Ausführungen des Toxikologen Dr. xxxxx (siehe oben) sei 20 Stunden bei einem normal funktionierenden Organismus und unter Hinzurechnung eines maximalen Sicherheitszuschlages 100 Stunden nach Einsatz eines lidocainhaltigen Gels ein entsprechender Nachweis nicht mehr möglich. Die Kammer zieht daraus den Schluss, dass eine andere Erklärung für den Nachweis von Lidocain als eine missbräuchliche Gabe durch den zu dieser Zeit im Dienst befindlichen Angeklagten, nicht gegeben ist. Der Angeklagte hat selbst zu dieser Tat eine geben sich konkret nicht erinnern zu können. In der Gesamtschau ist die Kammer von der Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall überzeugt, vernünftige Zweifel bestehen nicht.

2. xxxxxxxxxxxxxxx

Hinsichtlich der Dienstzeit des Angeklagten besteht in diesem wie im nachfolgenden Fall die Besonderheit, dass der Angeklagte im gesamten Dienstplan für Juli 2000 nicht verzeichnet ist. Eine Erklärung hierfür hat die Kammer letztlich nicht finden können. Nach den überzeugenden Ausführungen des Ermittlungsbeamten KOR xxxxxxx sei es aber eindeutig, dass der Angeklagte auch in diesem Monat gearbeitet haben muss. Der Umstand, dass er in den erst handschriftlich erstellten, dann händisch in eine Exceltabelle übertragenen Dienstplänen nicht auftauchte, muss auf einem bloßen Versehen beruhen. Denn es habe uneingeschränkt nachvollzogen werden können, dass der Angeklagte, wie in den anderen Monaten, sein Gehalt und auch Zulagen bezogen habe. Auch Urlaub sei ihm zu dieser Zeit nicht gewährt worden, er sei auch nicht krankgeschrieben gewesen. Der Angeklagte hat außerdem nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt, nämlich am 23.07.2000, Dienst auf der Station 211 geleistet. Prof. Dr. xxxxxxx hat in seinen Ausgangsgutachten vom 01.12.2016 (Bl. 24 ff FA xxxxxx) ausgeführt, eine Manipulation sei angesichts des plötzlichen Kreislaufversagens des Patienten nicht ausgeschlossen, Ajmalin sei ausweislich der Krankenakten nicht offiziell verabreicht worden. Die toxikologische Untersuchung führte letztlich zu dem Ergebnis, dass Ajmalin im Körper des Verstorbenen nachgewiesen worden sei (Toxikologisches Gutachten der xxxvom 13.10.2017 (Ajmalin), Bl. 85 ff FA xxxxxx). Im Rahmen der Hauptverhandlung erklärte der Sachverständige Prof.Dr. xxxxxxx, dass der Krankheitsverlauf des Patienten zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin passe. Ajmalin sei in diesem Fall nicht nur nicht indiziert, sondern absolut kontraindiziert gewesen. Eine missbräuchliche Gabe sei aus Sicht des Sachverständigen auch kausal für das Versterben des Patienten. Zwar sei dessen Prognose insgesamt sehr schlecht gewesen und auch die Behandlung mit dem Medikament Trapanal fehlerhaft, letztlich sei der Tod des Patienten aber auf die Gabe von Ajmalin zurückzuführen. Auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx hat im Rahmen der Hauptverhandlung erklärt, dass er eine manipulative Beibringung von Ajmalin für plausibel halte. Der Angeklagte hat diesen Tatvorwurf in der Hauptverhandlung bestritten. Zur Überzeugung der Kammer sind die Angaben des Angeklagten durch die weiteren Beweismittel widerlegt: dabei sind die Angaben des Angeklagten selbst in diesem Fall nicht durchgängig konsistent. So hat er nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof.xxxxxxx gegenüber dem vormaligen psychiatrischen Sachverständigen Dr. xxxxxxxxx angegeben, er könne sich an eine Manipulation bei diesem Patienten erinnern, er sei sich nicht sicher ob es eine oder mehrere Manipulationen gegeben habe. Diese Angaben des Angeklagten sind nicht nur über den Sachverständigen Prof.xxxxxxx sondern ebenfalls über das im Selbstleseverfahren eingeführte Gutachten des Dr. xxxxxxxxx vom 25.09.2018 (Sonderheft Gutachten Dr. xxxxxxxx) belegt. Gegenüber Dr. xxxxxxxxx gab er zudem an, dass er sich an diesem Fall erinnere, da Herr xxxxxx an Geräten angeschlossen gewesen war, die er noch nicht gekannt habe. In der Hauptverhandlung hat er nun an diesem Umstand festgemacht, sich deshalb daran zu erinnern, eben nicht manipuliert zu haben. Demgegenüber handelt es sich um einen Fall in dem die medizinischen Sachverständigen eine Manipulation mit Ajmalin übereinstimmend für plausibel halten und es sich bei diesem Wirkstoff, wie eingangs dargestellt, um ein sehr selten offiziell verabreichtes Medikament handelt. In der Gesamtschau dieser objektiven Beweismittel ist die Kammer damit von der Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall zweifelsfrei überzeugt.

Hinsichtlich der Dienstzeit des Angeklagten besteht auch in diesem Fall die Besonderheit, dass der Angeklagte im Dienstplan nicht verzeichnet ist. Auch hier hatte der Angeklagte aber nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt, nämlich am 26.07.2000, Dienst auf der Station 211 geleistet. Der Sachverständige Prof.Dr. xxxxxxx kam in seinem Erstgutachten zu dem Ergebnis, dass der Grund für das letale Kreislaufversagen der Patientin unklar sei und er eine Manipulation nicht ausschließen könne (Gutachten vom 09.11.2016, Bl. 24 ff. FAflNNM). Ausweislich des toxikologischen Gutachtens ist bei der Patientin Lidocain nachgewiesen worden (Gutachten der xxx vom 28.11.2017 (Lidocain u.a.), Bl. 131 ff. FA xxxxxxxxx). Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx erläuterte auf Nachfrage der Hauptverhandlung, dass die Krise von ihrem Verlauf her gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Lidocain passe. Auch Prof.Prof. Dr. xxxxxxx schloss sich dieser Aussage an, gab aber zudem an, dass die Patientin am Todestag im Rahmen der Reanimation auch offiziell intravenös Lidocain verabreicht bekommen habe. Der Nachweis von Lidocain allein reiche demnach nicht aus. Es lasse sich aber eben aus dem Krisenverlauf selbst gut feststellen, dass eine missbräuchliche Verwendung von Lidocain überhaupt erst zu der Reanimation geführt habe. Der Angeklagte hat den Tatvorwurf in der Hauptverhandlung zudem eingeräumt und angegeben, es sei nach seiner Manipulation zu einer Reanimation und schließlich zum Tod der Patientin kommen. Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte hier ein falsches Geständnis abgegeben hat, haben sich die Kammer nicht ergeben. Die Manipulation des Angeklagten war auch kausal für den Todeseintritt der Patientin. Mithin ist die Kammer auch hier von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

4. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans zum Zeitpunkt der tödlich endenden Krise des Patienten in Dienst. In seinem Ausgangsgutachten hielt der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx das letale Kreislaufversagen des Patienten für ungewöhnlich (Gutachten vom 31.01.2017, Bl. 22 ff FA Hüer). Auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxx hat sich in der Hauptverhandlung dieser Einschätzung angeschlossen. Das toxikologische Gutachten hat ergeben, dass Lidocain in der Leiche des Patienten nachgewiesen worden sei (Gutachten derxxxvom 30.11.2017, Bl. 130 ff FA xxxx). In seinem Ergänzungsgutachten hat der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx ausgeführt, dass Lidocain nicht indiziert gewesen sei und auch nicht offiziell intravenös verabreicht worden sei, der tödliche Verlauf passe gut zu einer missbräuchlichen Gabe und erhalte eine Manipulation für sehr wahrscheinlich auf (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 27.08.2017 (Lidocain), Bl. 80 ff FA xxxx). In der Hauptverhandlung hat Prof. Dr. xxxxxxx ergänzt, dass bei dem Patienten eine letzte relevante Verwendung eines lidocainhaltigen Gels rund 96 Stunden vor dem Versterben festzustellen sei. Der Krankheitsverlauf des Patienten spreche auch unter Berücksichtigung dieser Tatsache weiterhin sehr wahrscheinlich für eine Manipulation. Ein entsprechender toxikologischer Nachweis von Lidocain durch ein verabreichtes Gel wäre selbst nach der absoluten Maximalhochrechnung des Sachverständigen Dr. xxxxx von 20 Stunden bei einem gesunden Organismus nicht mehr möglich gewesen. Anhaltspunkte für einen krankheitsbedingt eingeschränkten Abbau von Wirkstoffen hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx nicht ausmachen können. Der Angeklagte hat diese Tat eingeräumt, wenngleich er nicht mehr genau sagen konnte, ob er Lidocain oder Amiodaron verwendet habe. Anhaltspunkte dafür, dass das Geständnis des Angeklagten falsch ist, haben sich nicht ergeben. Prof. xxxxxxx hat bei diesem Geständnis zudem schwache Realkennzeichen festgestellt, die weiter für die Richtigkeit des Geständnisses sprechen. So habe der Angeklagte diese Tat in Zusammenhang gebracht mit xxxxxxxxx, die er mit der Tat habe beeindrucken wollen. Die Kammer ist in der Gesamtschau der vorgenannten Ausführungen zweifelsfrei von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

5. xxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes zum Zeitpunkt der zum Tode führenden Krise des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx hat in seinen beiden schriftlichen Gutachten (vom 02.12.2016 und 11.04.2017, Bl. 26 ff. und 51 ff. FA Buss) festgestellt, dass der Kaliumwert des Patienten am 24.12.2000 zwischen 23 und 24 Uhr plötzlich auf 6,2 mmol angestiegen sein und dies zu einem Vorhofflimmern geführt habe. Der Sachverständige kam zu dem Ergebnis das Kalium mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit missbräuchlich beigebracht worden sei. Er habe die Möglichkeit von Messfehler geprüft nun und könne diese ausdrücklich ausschließen. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx kam in seinem schriftlichen Gutachten zwar zu dem Ergebnis, dass er keine Hinweise auf eine iatrogene Beibringung sehe (Gutachten vom 20.11.2014, Bl. 7 ff. FA xxxx). Nach Vorhalt der Ausführung des Sachverständigen Prof. xxxxert hat Prof. xxxxxxxxxxxx jedoch in der Hauptverhandlung angegeben, er habe den letzten, von Prof. xxxxxxx als auffällig eingeschätzten Anstieg des Kaliumwertes schlichtweg übersehen. Er schließe sich deshalb den Angaben des Sachverständigen Prof. xxxxxxx vollumfänglich an. Der Angeklagte konnte sich weder an den Patienten noch an eine Manipulation erinnern, schloss eine solche jedoch nicht aus. Aufgrund der eindeutigen Feststellungen der beiden medizinischen Sachverständigen verblieben für die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

6. xxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich der Dienstpläne sowohl am 26.12. als auch am 27.12.2000 im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Gutachten (Gutachten vom 24.06.2015, Bl. 32 ff. FA xxxxxxx) zu dem Ergebnis, dass zwei Hyperkaliämien festzustellen gewesen sein, die sich nicht natürlich erklären lassen würden. Eine am 26.12. und eine weitere am Morgen des 27.12., die letztlich zu einem Kammerflimmern und sodann nach begonnener Reanimation zum Tod geführt habe. Von einer iatrogenen Kaliumbeibringung, die zum Tode geführt habe, müsse mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgegangen werden. Auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxx hat in der Hauptverhandlung angegeben, dass sich am 27.12. ein regelrechter "Berg" des Kaliumsanstiegs in den Aufzeichnungen der Krankenakte gut erkennen lasse. Eine Manipulation sei wahrscheinlich. Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Er erinnere sich an eine tödliche Manipulation mit Kalium und schloss auch eine mehrfache Manipulation bei diesem Patienten nicht aus. Zweifel an der Richtigkeit des Geständnisses haben sich die Kammer nicht ergeben. Insgesamt ist sie daher von der Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall überzeugt.

7. xxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Zeitpunkt der tödlich verlaufenden Krise ausweislich des Dienstplans am 02.03.2001 im Dienst. Bereits der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, er habe zwar keine ernsthaften Hinweise auf eine Manipulation, könne eine solche allerdings auch nicht völlig ausschließen (Gutachten vom 20.11.2014, Bl. 6 ff. FA xxxxxxxx). Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, dass er eine Manipulation für möglich halte, der Verlauf der tödlichen Krise passe zu einer nicht indizierten Beibringung eines Antiarrythmikums, zum Beispiel Ajmalin (Gutachten vom 09.10.2016, Bl. 27 ff FA Stoffers). Die toxikologische Untersuchung ergab sodann den Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 21.09.2017, Bl. 87 ff. FA xxxxxxxx). Nach Angaben des Sachverständigen Prof. xxxxxxx wurde allerdings ausweislich der Krankenakten 96 Stunden vor dem Tod Ajmalin auch offiziell verabreicht. Nach Angaben des toxikologischen Sachverständigen Dr. xxxxx sei aber eindeutig, dass die offizielle Gabe von Ajmalin 96 Stunden vor dem Todeseintritt den geführten Nachweis aufgrund der sehr kurzen Eliminationshalbwertszeit im Blut von etwa ein bis 3 Stunden nicht erkläre und somit eine weitere Gabe zettnäher zum Tod erfolgt sein müsse. Der Angeklagte hat eine tödliche Manipulation eingeräumt und Ajmalin als Tatmittel dabei nicht ausgeschlossen. Die Kammer hat keine Zweifel an der Richtigkeit des Geständnisses des Angeklagten, der in diesem Fall Realkennzeichen in Form der Schilderung des Verhaltens der Zeugin xxxxxxx nach der Tat gezeigt hat. Sie habe auf dem Balkon geweint und er habe sie getröstet. Insgesamt ist die Kammer in diesem Fall von der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

8. xxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Zeitpunkt des letalen Kreislaufversagens der Patientin im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinem Gutachten (vom 24.06.2015, Bl. 46 ff. FA xxxxxxx) zu dem Ergebnis, dass das Kreislaufversagen sehr auffällig sei. Es läge zu diesem Zeitpunkt zwar keine Hyperkaliämie vor, die Symptomkonstellation einer hypertensiven Entgleisung mit Herzrhythmusstörungen sei jedoch typisch für eine Reaktion auf eine intravenöse Applikation einer adrenergen Substanz. Die toxikologische Untersuchung hat - dazu passend - ergeben, dass die Leiche der Patientin Ajmalin enthalten habe (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 02.03.2017, Bl. 103 ff. FA xxxxxxx). in der Hauptverhandlung hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx auf Befragen zudem angegeben, der Todeseintritt wäre durch eine Gabe von Ajmalin, welches nicht indiziert gewesen sei, gut erklärlich. Auch der Sachverständige Prof. xxxxxxxxxxxxx hat sich dieser Einschätzung angeschlossen. Der Angeklagte hatte keine Erinnerung an diesen Fall, hat eine Manipulation aber auch nicht ausgeschlossen. Die Kammer ist aufgrund der objektiven Beweismittel von einer Täterschaft des Angeklagten ohne Zweifel überzeugt.

9. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans bei Eintritt der Krise bzw. des Todes der Patientin im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen unklar sei und eine Ursache dafür eine Manipulation mit einem Antiarrythmikum sein könnte (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 15.10.2016, Bl. 31 ff. FA xxxxxxxx). Die anschließende toxikologische Untersuchung ergab den Nachweis von Sotalex (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Sotalex), Bl. 138 ff. FA xxxxxxxxx). Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx führte sodann in einem Ergänzungsgutachten aus, dass Sotalex nicht offiziell verabreicht worden sei und auch nicht indiziert gewesen sei. Der Verlauf des letalen Kreislaufversagens passe eindeutig zu einer missbräuchlichen Beibringung dieses Wirkstoffes. Auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx hat sich in der Hauptverhandlung den Ausführungen seines Kollegen angeschlossen. Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben, Zweifel an der Richtigkeit dieser Angaben haben sich die Kammer nicht ergeben. Insgesamt war sie daher von der Tatbegehung durch den Angeklagten überzeugt.

10. xxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans bei Eintritt der Krise bzw. des Todes der Patientin im Dienst. Sowohl der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxx als auch Prof. xxxxxxx kamen in ihrem Gutachten zu dem übereinstimmenden Ergebnis, dass sie eine Manipulation mittels eines Medikaments für denkbar und möglich halten würden, welche letztlich aufgrund des dadurch eingetretenen Kammerflimmerns zu einer Reanimation geführt habe. Die Reanimation habe aufgrund der mechanischen Thoraxkompressionen zu einem Einriss des rechten Herzvorhof ausgeführt, an dem die Patientin verblutet sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxx vom 20.11.2014, Bl. 7 ff. FA xxxxxxx; Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 03.03.2017, Bl. 39 ff. FA xxxxxxx). Eine toxikologische Untersuchung war aufgrund der Tatsache, dass die Patientin feuerbestattet wurde, nicht möglich. Der Angeklagte hat für diesen Todesfall ein Geständnis abgegeben, ohne sich an das verwendete Medikament zu erinnern. Er hat angegeben, der diensthabende Arzt sein durch die von ihm, dem Angeklagten, hervorgerufene Reanimation in einen regelrechten "Reanimationswahn" gekommen und habe heftigst auf den Brustkorb der Patientin eingedrückt. Entsprechend den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxxxxx hat der Angeklagte im Rahmen seiner geständigen Einlassung mit der Schilderung der Art und Weise der Reanimation, insbesondere der Äußerung des Arztes "ich spüre schon die Wirbelsäule" Realkennzeichen genannt, welche für die Glaubhaftigkeit der Angaben sprechen. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat ausgeführt, dass der durch die Reanimation entstandene Einriss im Herzen nicht ungewöhnlich sein würde. Damit sei bei einer Reanimation durchaus zu rechnen. Die Kammer ist unter Berücksichtigung dieser Umstände davon überzeugt, dass der Angeklagte Frau xxxxxxx getötet hat. Seine eingeräumte Manipulation ist letztlich direkt kausal für den Tod der Patientin. Zweifel an seinem Geständnis haben sich die Kammer nicht ergeben.

11. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans zum Zeitpunkt des Todes des Patienten im Dienst. Beide Sachverständige sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass es sichere Hinweise auf eine Kaliumvergiftung zum Todeszeitpunkt geben würde (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxx vom 20.11.2014, Bl. 31 ff. FA xxxxxx; Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 24.06.2015, Bl. 39 ff. FA xxxxxx). Es sei aus ihrer Sicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einer iatrogenen Beibringung von Kalium auszugehen, eine natürliche Erklärung für die aus der Krankenakte ersichtlichen Kaliumwerte sei ausgeschlossen, was ebenso für Messfehler gelte. Der Angeklagte hatte keine Erinnerung an diesem Fall, er hat eine Manipulation aber auch nicht ausgeschlossen. Die Kammer ist in Zusammenschau der dargestellten Indizien von der Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall überzeugt.

12. xxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Todes- und Krisenzeitpunkt des Patienten ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx ist zu dem Ergebnis gelangt, dass ein massiver Kreislaufeinbruch mit elektromechanischer Entkoppelung festzustellen sei, der sich auf natürliche Weise nicht erklären ließe (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 26.01.2017, Bl. 33 ff. FA xxxxxxxxxx). Ausweislich des toxikologischen Gutachtens ist es dann zu einem Nachweis von Sotalex gekommen (Gutachten der xxx vom 22.01.2018 (Sotalol), Bl. 52 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten hat Prof. xxxxxxx sodann ausgeführt, Sotalex sei im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten nicht offiziell verabreicht worden, eine Manipulation sei nicht auszuschließen (Gutachten vom 13.08.2017, Bl. 85 ff. FA xxxxxxxxxxx). In der Hauptverhandlung gab der Sachverständige an, die tödliche Krise des Patienten sei eindeutig durch eine missbräuchliche Beibringung von Sotalex zu erklären. Auch der Sachverständige Prof xxxxxxxxxxxxxx hat sich diese Aussage angeschlossen. Der Angeklagte hat eine Manipulation nicht ausgeschlossen aber keine Erinnerung an den Todesfall. Die Kammer ist nach den vorstehenden Ausführungen von der Herbeiführung des Todes durch den Angeklagten überzeugt.

13. xxxxxxxxxxxxx

Auch in diesem Sterbefall war der Angeklagte in Dienst, was die Kammer anhand des Dienstplans nachvollziehen konnte. Bereits der Sachverständige Prof. xxxxxxxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass er eine Kaliumvergiftung für möglich halte (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxx vom 20.11.2014, Bl. 6 ff. FA xxxxx). In der Haupthandlung hat er seine Ausführung dahingehend konkretisiert, dass in den Krankenakten der Kaliumsanstieg deutlich zu erkennen sei und dies für eine missbräuchliche Gabe spreche. Auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu der Einschätzung, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einer iatrogenen Beibringung von Kalium ausgegangen werden müsse, die Werte seien nicht natürlich erklärbar, für Messfehler spreche ebenfalls nichts (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 15.10.16, Bl. 29 ff. FA xxxxx). Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben, er erinnere eine Manipulation mit Kalium, die zum Tod der Patientin geführt habe. An der Richtigkeit des Geständnisses ergeben sich für die Kammer keine Zweifel, was ebenso auf die Überzeugung von der Täterschaft des Angeklagten zutrifft.

14. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zunächst dem Ergebnis, dass eine medikamentöse Manipulation in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden könne (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 03.02.2017, Bl. 34 ff. FA xxxxxxx). Die anschließende toxikologische Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass Lidocain nachgewiesen werden könne (Gutachten der xxx vom 07.12.2017 (Lidocain u.a.), Bl. 153 ff. FA xxxxxxx). In seinem Ergänzungsgutachten hat Prof. xxxxxxx ausgeführt, dass Lidocain nicht offiziell intravenös verabreicht und auch nicht indiziert gewesen sei (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 30.08.2017, Bl. 88 ff. FA xxxxxxx). In der Hauptverhandlung erklärte der Sachverständige, eine Manipulation mit Lidocain sei aus seiner Sicht möglich. Ein lidocainhaltliges Gel sei 26 Stunden vor dem Tod verwendet worden, bei Darlegung eines Dauerkatheters und einer Magensonde. Allerdings sei aus seiner Sicht angesichts der Halbwertszeiten des Wirkstoffes und des uneingeschränkt funktionierenden Organismus des Patienten davon auszugehen, dass das Lidocain zu Lebzeiten bereits wieder abgebaut gewesen sein dürfte und einen Nachweis nicht mehr begründe. Aufgrund des Krisenverlaufs sei eine missbräuchliche intravenöse Gabe von Lidocain weiterhin plausibel und möglich. Auch der Sachverständigen Prof xxxxxxxxxxxxxx erklärte in der Hauptverhandlung, dass die Krise und der Tod des Patienten durch die missbräuchliche Gabe von Lidocain erklärbar sei. Der Angeklagte hat zudem eine Manipulation mit Lidocain eingeräumt, Zweifel an diesem Geständnis haben sich nicht ergeben. Die Kammer ist in der Zusammenschau dieser angeführten Aspekte von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

15. xxxxxxxxxx

Der Angeklagte war im Krisen- und Todeszeitpunkt des Patienten ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat zunächst festgestellt, dass das letale Kreislaufversagen ungewöhnlich sei, er stufe eine medikamentöse Intervention Stufe eher als sehr wahrscheinlich ein (Gutachten vom 25.01.2017, Bl. 21 ff. FA xxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 16.10.2017, Bl. 80 ff. FA xxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx angegeben, eine Manipulation mit Ajmalin sei sehr wahrscheinlich, dieser Wirkstoff sei weder indiziert gewesen noch in den Krankenakten dokumentiert. Auch der Sachverständige Prof. xxxxxxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ausdrücklich erklärt, der tödliche Verlauf passe gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin. Der Angeklagte hat eine Manipulation in diesem Fall mit Ajmalin gestanden. Anhaltspunkte für ein Falschgeständnis haben sich für die Kammer nicht ergeben. Demnach war sie in der Gesamtschau der vorstehenden Ausführung davon überzeugt, dass der Angeklagte den Patienten getötet hat.

16. xxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Beide Sachverständige sind in ihren schriftlichen Gutachten übereinstimmend mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen einer Kaliumvergiftung ausgegangen, die zu den letztlich tödlich verlaufenden Herzrhythmusstörungen geführt habe (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxx vom 20.11.2014, Bl. 23 ff FA xxxxxx; Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 24.06.2015, Bl. 31 ff. FA xxxxxx). Der Angeklagte hat keine Erinnerung an diesen Todesfall, hat aber eine Manipulation nicht ausgeschlossen. Für die Kammer bestanden nach den sehr deutlichen Ausführungen der medizinischen Sachverständigen und der Tatsache, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt des Todes im Dienst war, keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

17. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Todeszeitpunkt der Patientin ausweislich der Dienstpläne im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass es letale Kreislaufversagen nicht plausibel sei und es Hinweise auf die missbräuchliche Beibringung einer adregenen Substanz gebe, da ein plötzlicher Einbruch festzustellen sei. Die Patientin sei aus einer völlig stabilen Kreislaufsituation heraus in eine Asystolie verfallen, die sich nicht medikamentös habe therapieren lassen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 24.06.2015, Bl. 34 ff FA xxxxxxxxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat daraufhin einen Nachweis von Lidocain führen können (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 07.12.2017 (Lidocain), Bl. 173 ff. FA xxxxxxxxxxxxxxx). In seinem Ergänzungsgutachten (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 27.08.2017 (Lidocain), Bl. 134 ff. FA xxxxxxxxxxxxxxxxx) hat Prof. xxxxxxx sodann ausgeführt, der tödliche Verlauf lassen sich sehr gut mit einer missbräuchlichen Gabe von Lidocain in Deckung bringen, bei der Patientin erscheine ihm dies die einzige Erklärung zu sein, warum nach einer sehr stabilen Phase so ein massiver Zusammenbruch gekommen sei. Eine Manipulation sei sehr wahrscheinlich. Die Tatsache, dass nach seinen Angaben 25 Tage vor dem Versterben der Patientin Lidocain offiziell intravenös verabreicht worden sei und dass der Patientin 264 Stunden vor ihrem Tod eine Magensonde mittels eines lidocainhaltigen Gels gelegt worden sei, erschüttert diese Ausführungen allein aufgrund der bereits dargestellten Halbwertszeiten dieses Wirkstoffes nicht, sodass auch allein der Nachweis von Lidocain deutlich gegen den Angeklagten spricht. Dieser hatte an den Todesfall keine Erinnerungen, hat eine Manipulation aber auch nicht ausgeschlossen. In der Zusammenschau ist die Kammer unter Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall zweifelsfrei überzeugt.

18. xxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin am 03.06.2001 im Dienst, zudem befand er sich auch am 23.05. und am 02.06. im Dienst. Beide Sachverständige - Prof. xxxxxxx und Prof. xxxxxxxxxxxxxx -sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass bei der Patientin zu drei verschiedenen Zeitpunkten eine eindeutige Kaliumvergiftung festzustellen sei, am 23.05., 02.06. und 03.06.2001, also auch zum Todeszeitpunkt am 03.06.2001. Dadurch sei es zu einer Asystolie und schließlich trotz Reanimation zum Tod der Patientin gekommen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxxxx vom 20.11.2014, Bl. 6 ff. FA xxxxxxxx; Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 24.06.2015, BL 32 ff. FA xxxxxxx). In der Hauptverhandlung haben beide Sachverständige zu den angegeben, dass es am Todestag der Patientin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Fremdbeibringung von Kalium gegeben habe, anders ließe sich der Verlauf nicht erklären. Der Angeklagte hat eine Manipulation mit Kalium eingeräumt. Zweifel an den geständigen Angaben des Angeklagten haben sich für die Kammer nicht ergeben, sodass sie letztlich davon überzeugt ist, dass er die Patientin getötet hat.

19. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen ungewöhnlich sei und insbesondere auffällig sein, dass man dem Patienten nicht wieder habe stabilisieren können (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 02.12.2016, Bl. 22 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Sotalex ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 29.09.2017, Bl. 132 ff. FA xxxxxxx). In seinem Ergänzungsgutachten (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 13.08.2017, Bl. 78 ff. FA xxxxxxx) kam Prof. xxxxxxx zu dem Ergebnis, dass eine Manipulation mit Sotalex wahrscheinlich sei, dieser Wirkstoff sei offiziell nicht verabreicht worden und nicht indiziert gewesen. Diese Einschätzung hatte auch in der Flauptverhandlung wiederholt. Auch der Sachverständige Prof. xxxxxxxxxxxxxxx hat in der Hauptverhandlung angegeben, der Verlauf der Krise passe genau zu einer missbräuchlichen Gabe von Sotalex. Der Angeklagte hat eine Manipulation mit Sotalex zudem gestanden, Zweifel an der Richtigkeit dieser Angaben haben sich nicht ergeben. Die Kammer ist demnach von der Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall überzeugt.

20. XXXXXXXXXXXX

Der Angeklagte war zum Todeszeitpunkt des Patienten ausweislich der Dienstpläne im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass sich der letztlich tödliche Herz-Kreislaufstillstand am 26.06.2001 aus den Unterlagen nicht plausibel erklären lasse, da der Patient zu dieser Zeit eigentlich kreislaufstabil gewesen sei. Das finale Kreislaufversagen bliebe daher unklar. Eine Manipulation am Todestag sei wahrscheinlich und passe am ehesten zu einer Überdosierung eines Medikaments (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 21.10.2016, Bi. 29 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen Nachweis für Lidocain und Amiodaron (Gutachten der Toxikologie der xxx vom 15.11.2017, Bl. 163 ff. FA xxxxxx). In seinem Ergänzungsgutachten (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 20.07.2017 (Lidocain und Amiodaron)) hat der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx ausgeführt, dass eine Manipulation mit Amiodaron und/oder Lidocain wahrscheinlich sei. Das Herz-Kreislaufversagen mit Kammerflimmern passe zu einer nicht indizierten Gabe eines oder beider dieser Wirkstoffe. Die Tatsache, dass der Patient beide Medikamente ausweislich der Krankenakte - aber auch bereits 48 Stunden vor seinem Versterben - medizinisch indiziert verabreicht bekommen habe, ändere an seiner Einschätzung des konkreten zum Tode geführten Krisenverlaufs durch eine missbräuchliche Gabe nichts. Auch der Sachverständige Prof. xxxxxxxxxxxxxxxx hat in der Hauptverhandlung erklärt, dass die tödliche Krise durch eine missbräuchliche Medikamentenbeibringung verursacht worden sein könne. Der Angeklagte hat eine zum Tode führende Manipulation gestanden. Er hat allerdings angegeben er habe mit Kalium manipuliert. Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte mit Amiodaron und/oder Lidocain die tödliche Krise des Patienten herbeigeführt hat. Dabei geht sie davon aus, dass sich der Angeklagte hinsichtlich des verwendeten Mittels Kalium schlichtweg irrt: Denn ausweislich des Gutachtens des Sachverständigen Prof. xxxxxxxx ist es bei diesem Patienten am 04.06.2001 auch zu einer iatrogenen Kaliumbeibringung gekommen, welche allerdings nicht zu einer größeren Krise geführt habe. Es kann also durchaus zutreffen, dass der Angeklagte bei diesem Patienten bereits vor der tödlichen Krise mit Kalium manipuliert hatte. Ursächlich ist allerdings eine Manipulation des Angeklagten mit Amiodaron und/oder Lidocain. Diese Überzeugung stützt die Kammer auf die aussagekräftigen Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxxxxx. In diesem Fall hat der Angeklagte im Rahmen seines Geständnisses außerdem - insoweit glaubhaft - von sich aus erklärt, er habe bei der Auswahl des Patienten schlichtweg nicht gewusst, dass eine Reanimation bei ihm nicht gewünscht gewesen sei.

21. xxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Todes- und Krisenzeitpunkt des Patienten ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx ist in seinem Ausgangsgutachten zum Ergebnis gekommen, dass es sich um einen auffälligen Krisenverlauf handeln würde (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 15.02.2017, Bl. 19 ff. FA xxxxxx). In der anschließenden toxikologischen Untersuchung sei nach Angaben des Sachverständigen Dr. xxxxx der Nachweis von Amiodaron geführt worden. In seinem Ergänzungsgutachten (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 01.11.2017 (Amiodaron), Bl. 64 ff. FA xxxxxx) ist der Sachverständige Prof. xxxxxxx zum Ergebnis gekommen, dass der tödliche Verlauf des Patienten zu einer missbräuchlichen Gabe von Amiodaron passe. In der Flauptverhandlung hat der Sachverständige erklärt, er erachte eine Manipulation mit diesem Wirkstoff als sehr wahrscheinlich. Die Gabe von Amiodaron sei im Gegensatz zur Gabe von anderen Medikamenten wie Gilurytmal und Xylocain nicht dokumentiert. Es sei auszuschließen, dass Amiodaron offiziell verabreicht worden sei. Auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxxx hat in der Hauptverhandlung angegeben, dass der Verlauf der tödlichen Krise des Patienten mit einer missbräuchlichen Gabe von Amiodaron plausibel in Einklang zu bringen sei. Der Angeklagte hat angegeben, er habe keine Erinnerung an diesen Todesfall, er schließe eine Manipulation aber auch nicht aus. In der Zusammenschau ist die Kammer aufgrund der eindeutigen medizinischen Sachverständigengutachten davon überzeugt, dass der Angeklagte für die Herbeiführung des Todes des Patienten verantwortlich ist.

22. xxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin ausweislich der Dienstpläne im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, er erachte eine Manipulation als sehr wahrscheinlich. Ajmalin sei weder indiziert gewesen noch offiziell verabreicht worden (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxx vom 26.11.2016, Bl.37 ff FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab den Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 17.09.2017 (Ajmalin), Bl. 94 ff. FA xxxxxx). Auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx hat in der Hauptverhandlung angegeben, der tödliche Verlauf der Patientin passe gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin. Der Angeklagte hat eine Manipulation mittels Ajmalin und den aufgrund dieser Manipulation eingetretenen Tod der Patientin erinnert. Zweifel an diesen geständigen Angaben des Angeklagten haben sich für die Kammer nicht ergeben. Es haben sich zudem nach Angaben des Sachverständigen Prof. xxxxxxx schwache Realkennzeichen ergeben, da der Angeklagte die Reaktion einer Kollegin auf das Versterben der Patientin erinnert habe. Die Kammer ist zweifelsfrei von der Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall überzeugt.

23. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin nach den Dienstplänen im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass eine medikamentöse Manipulation nicht auszuschließen sei, der Verlauf passe zu einer nicht indizierten Gabe von Ajmalin (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 26.02.2016, Bl. 35 ff. FA xxxxxx). Eine toxikologische Untersuchung war aufgrund der Tatsache, dass die Patientin feuerbestattet wurde nicht möglich. Der Angeklagte hat jedoch eine Manipulation mit Ajmalin eingeräumt und ein Geständnis abgegeben. Er erinnere sich aufgrund des starken Blutverlust der Patientin an diesen Fall. Das Geständnis passt zu den sachverständigen Ausführungen von Prof. xxxxxxx, zudem war der Angeklagte im Dienst. Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte bewusst ein falsches Geständnis abgegeben hat oder sich irrtümlich falsch eingelassen hat, haben sich für die Kammer in der Gesamtwürdigung der Umstände nicht ergeben. Sie ist daher von der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

24. xxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass ein auffällig festgestellter Kaliumanstieg zu erkennen sei, der allerdings natürlich erklärbar sei. Nichtsdestotrotz müsse man von einer Manipulation ausgehen, da der Patient plötzlich bradykard geworden sei und ins Kammerflimmern gekommen sei, welche sich trotz aller Reanimationsmaßnahmen als therapiefraktär erwiesen habe (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 22.10.2016, Bl. 29 ff. FA xxxxx). Eine toxikologische Untersuchung war aufgrund der Feuerbestattung des Patienten nicht möglich. Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Er hat angegeben, er habe dem Patienten, an den er sich aufgrund seiner Nationalität gut erinnere, Sotalex gespritzt. Beide medizinischen Sachverständigen - Prof. Dr. xxxxxxx und Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxxxx - haben in der Hauptverhandlung übereinstimmend angegeben, dass der auffällige Krisenverlauf und Todeseintritt des Patienten gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Sotalex passen würde. Die Erklärung des Angeklagten, sich aufgrund der -äußerlich gut erkennbaren - Nationalität des Angeklagten an diesen zu erinnern, erscheint plausibel. Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte ein falsches Geständnis abgegeben hat oder sich irrtümlich falsch eingelassen hat, ergeben sich für die Kammer unter Berücksichtigung der Dienstzeit und des Ergebnisses der eindeutigen medizinischen Gutachten nicht. Sie ist damit von der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

25. xxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes hatte der Angeklagte zum Zeitpunkt des Krisen- und Todeseintritt des Patienten Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass angesichts der Plötzlichkeit und der Nichttherapierbarkeit des letalen Kreislaufversagens eine Manipulation wahrscheinlich sei. Ajmalin sei weder indiziert gewesen noch sei es offiziell verabreicht worden (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 08.11.2016, Bl. 31 ff. FA xxxxxxxx). Diese Angaben hat der Sachverständige in der Hauptverhandlung bestätigt. Auch der Sachverständige Prof. xxxxxxxxxxxxxx kam in der Hauptverhandlung zu dem Ergebnis, der tödliche Verlauf passe zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin. Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 16.10.2017 (Ajmalin), Bl. 97 ff. FA xxxxxxxx). Zudem hat der Angeklagte in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Er habe dem Patienten Ajmalin gespritzt. Zweifel an den geständigen Angaben des Angeklagten hat die Kammer unter Berücksichtigung der weiteren Beweismittel nicht. Sie ist von seiner Täterschaft auch in diesem Fall überzeugt.

26. xxxxxxxxxx

Auch in diesem Fall war der Angeklagte ausweislich der Dienstpläne zum Zeitpunkt des Kriseneintritts im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx ist in seinem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass der Patient in der Nacht vor seinem Tod bereits einmal mit Kalium vergiftet worden sei. In der Todesnacht selbst sei ebenfalls eine Manipulation nicht auszuschließen. Der Patient sei asystol und therapiefraktär geworden, dieser Verlauf sei als sehr auffällig zu bezeichnen. Der Verlauf in der Todesnacht passe plausibel zu einer nicht indizierten Beibringung von Ajmalin, dessen Gabe auch nicht dokumentiert worden sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 24.06.2015, Bl. 45 ff. FA xxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige seine Ausführungen nochmals bestätigt. Die toxikologische Untersuchung ergab den Nachweis von Ajmalin in der Leiche des Patienten (toxikologisches Gutachten der xxx vom 03.03.2017 (Ajmalin), Bl. 116 ff. FA xxxxxxx). Der Angeklagte hat eine tödliche Manipulation mittels Ajmalin in der Hauptverhandlung eingeräumt. Er habe auch in den Patientenbericht die Bemerkung "Elyte unauffällig" notiert, um den Verdacht von sich abzulenken. Unter Berücksichtigung der Ausführung des medizinischen Sachverständigen, der Tatsache, dass Ajmalin nachgewiesen worden ist und dass der Angeklagte im Dienst war haben sich für die Kammer keine Zweifel an seinem Geständnis ergeben, so dass sie von einer Täterschaft des Angeklagten ausgeht. Ihre Feststellungen zu der allgemeinen Einstellung im Kollegen- und Ärztekreis gegenüber dem Angeklagten, welches bis zu den Ereignissen am Wochenende vom 14.-16.09.2001 nicht von Argwohn geprägt war, stützt die Kammer auf die - insoweit glaubhaften - der als Zeugen vernommenen Kollegen bzw. Ärzte des Klinikums xxxxxxxxx. Sämtliche dieser Zeugen haben bekundet, dass, jedenfalls bis zu diesem Wochenende, die Einstellung gegenüber dem Angeklagten nicht von Argwohn geprägt war. Man habe die zahlreichen Reanimationen unter seiner Beteiligung vielmehr als schicksalhaftes Pech von ihm angesehen, sich nichts Böses dabei gedacht und ihm kollegiales Bedauern entgegengebracht. Selbst der Zeuge und frühere Kollege des Angeklagten xxxxxxxxxxxxxx, der - im Gegensatz zu vielen anderen - erklärt hat, dass der Angeklagte bereits schon während seiner Tätigkeit im Klinikum xxxxxxxxx bei Kollegen und Ärzten konkret in Verdacht gestanden habe, Krisenfälle an Patienten herbeizuführen, hat in der Hauptverhandlung angegeben, dass ihm ein konkretes Misstrauen gegen den Angeklagten erstmals im November 2001 bekannt geworden sei. Der Zeuge hat weiter erklärt, bis zum 31.03.2001 selbst als Krankenpfleger auf der Station 211 tätig gewesen zu sein. Danach sei er ausgeschieden, habe aber noch regelmäßigen Kontakt zu dort tätigen Kollegen, insbesondere dem Zeugen xxxxxxxxxxx (damals xxxx), einem damals engen Freund von ihm, gepflegt zu haben. Aber auch dieser - dem Angeklagten, wie dem Aussageverhalten anderer xxxxxxxxxxx Pfleger bzw. Ärzte offen kritisch gegenüberstehende - Zeuge xxxxxxxxxxx hat klar bekundet, bis zu seinem Ausscheiden habe man nur kollegial vom Pech des Angeklagten gesprochen. Er habe erstmals über seinen Freund und Kollegen xxxxxxxxxx, etwa im November 2001, erfahren, dass es aufgrund eines aus dem Rahmen fallenden Wochenendes mit - ihm gegenüber jedenfalls so geschilderten - zweistelligen Reanimationszahlen einen Vertrauensentzug gegenüber dem Angeklagten gegeben habe. Die Kammer geht davon aus, dass der Zeuge xxxxxxxxxxx hier von dem Wochenende im September erfahren hatte. Dazu in Einklang stehen die Angaben der Zeugen xxxxxxxxxxxxx und xxxx (vormals xxxxxxx), die wie festgestellt ausgesagt haben. Auch die Kollegen, die Zeugen xxxxxxx (vormals xxxxxxx), xxxxxxxxxx sowie der Arzt Dr. xxxxxx haben von einer Zeit mit auffällig vielen Reanimationen berichtet. Dr. xxxxxx hat hierzu angegeben, nach diesem Wochenende mit extrem vielen Reanimationen sei es schon so gewesen, dass auf Herrn xxxxx geachtet werden solle. Der ermittlungsführende Beamte KOR xxxxxx hat bestätigt, dass nach den polizeilichen Erkenntnissen tatsächlich an dem Wochenende 14.-16.09.2001 auffällig viele Krisenfälle ermittelt worden seien. Die Feststellungen zu den Teilnehmern der Zusammenkunft über hohe Kaliumwerte stützt die Kammer auf die glaubhaften Angaben des Angeklagten. Dieser hat die ihm dazu gestellte Frage spontan und ohne Zögern beantwortet. Für die Kammer haben sich keine Hinweise ergeben, dass diese Angaben Angeklagten falsch sein könnten. Zudem hat der Zeuge xxxxxxxxxxx diese Angaben glaubhaft bestätigt. Dieser hat sich auch deswegen daran erinnern können, weil das Treffen, für ihn markant, aufgrund der großen Anzahl der Beteiligten nicht in den Räumlichkeiten der Abteilung, sondern im größeren Saal des an das Klinikum angrenzenden Ausbildungszentrums stattgefunden habe.

27. xxxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes bei der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass neben einer Kaliumbeibringung auch die missbräuchliche Gabe eines Antiarrythmikums in Betracht komme. Festzustellen sei eine für die missbräuchliche Beibringung von Ajmalin klassische elektromechanische Entkopplung (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 23.10.2016, Bl. 32 ff. FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat einen Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 16.10.2017 (Ajmalin), Bl. 119 ff. FA xxxxxxxx). Nach den Angaben von Prof. xxxxxxx ist Ajmalin zwar neun Tage vor dem Tod zuletzt auch offiziell verabreicht worden. Die Kammer geht aber aufgrund der seitens des Sachverständigen Dr. xxxxx dargestellten Halbwertszeiten des Wirkstoffes (siehe oben) davon aus, dass diese offizielle Gabe nicht zu einem Nachweis des Wirkstoffes in der Leiche des Patienten geführt hat. Zudem hat der Angeklagte eine Manipulation mit Ajmalin an diesem Patienten unter Benennung von Realkennzeichen eingeräumt. Er habe seinen Kollegen und Schulfreund beeindrucken wollen. Unter Berücksichtigung der Ausführung des medizinischen Sachverständigen, der Dienstzeit des Angeklagten und des Nachweises von Ajmalin haben sich für die Kammer keine Zweifel an der Richtigkeit seines Geständnisses ergeben. Sie ist von der Täterschaft des Angeklagten damit überzeugt.

28. xxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Versterben des Patienten ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx hat neben zwei auffälligen Kaliumanstiegen in den Tagen vor dem tödlichen Ereignis auch Auffälligkeiten bei dem letztlich letalen Kreislaufversagen festgestellt. Dies steile sich als elektromechanische Entkopplung aus totaler Ruhe des Patienten heraus da, welche sich als nicht therapierbar erwiesen habe. Eine medikamentöse Intervention sei möglich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx 24.05.2015 (Kalium/Aymalin), Bl. 43 ff FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab den Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 03.03.2017 (Aymalin), Bl. 101 ff. FA xxxxx). Nach Angaben des Sachverständigen Prof. xxxxxxx sei einmal ihn allerdings auch in der Todesnacht offiziell verabreicht worden, so dass der Nachweis weniger Aussagekraft habe. Allerdings sei immer noch festzustellen, dass der Verlauf der Krise zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin passe. Dies hat in der Hauptverhandlung auch der Sachverständige Prof. xxxxxxxxxxxxxx bestätigt, der angegeben hat, das letale Ereignis passe zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin. Der Angeklagte hat in diesem Fall eingestanden, mit Ajmalin manipuliert zu haben. Angesichts der Ausführungen der medizinischen Sachverständigen und der Tatsache, dass der Angeklagte in Dienst war, bestehen für die Kammer keine Zweifel am Geständnis und der Täterschaft des Angeklagten.

29. xxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinem Erstgutachten zu dem Ergebnis, dass eine Manipulation möglich sei. Der Krisenverlauf passe zu einer nicht indizierten Gabe von Gilurytmal (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 29.10.2016, Bl. 42 ff. FA xxxx). Im Rahmen der toxikologischen Untersuchung ist der Wirkstoff Ajmalin nachgewiesen worden (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.10.2017, Bl. 102 ff. FA xxxx). Nach Angaben des Sachverständigen Dr. xxxxx in der Hauptverhandlung ist die Tatsache, dass Ajmalin drei Tage vor dem Tod auch offiziell verabreicht worden sei, unbeachtlich. Denn der getätigte Nachweis könne nicht auf diese Gabe drei Tage vor dem Tod zurückzuführen sein. Auch der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxxx kam in der Hauptverhandlung zu dem Ergebnis, dass ein externer Einfluss mittels einer missbräuchlichen Medikamentenbeibringung möglich sei. Der Angeklagte hat angegeben, er habe bei den Patienten zwar manipuliert, diese Manipulation habe der Patient aber überlebt. Ob er ein weiteres Mal ein Wirkstoff gespritzt habe und dies einen tödlichen Ausgang gehabt habe, erinnere er nicht, schließe dies aber auch nicht aus. Aufgrund der eindeutigen Ergebnisse der medizinischen Sachverständigen und des Nachweises von Ajmalin, sowie der Tatsache, dass der Angeklagte im Dienst war ist die Kammer davon überzeugt, dass der Angeklagte auch die letztlich tödliche Beibringung von Ajmalin zu verantworten hat.

30. xxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Zeitpunkt des auffälligen Kreislaufversagens am 20.11.01 um 11:40 Uhr offiziell noch nicht im Dienst. Ausweislich des Dienstplanes hater seinen Spieldienst erst um 12:43 Uhr angetreten. Der Angeklagte selbst hat jedoch angegeben, dass er durchaus häufiger früher zum Dienst erschienen sei, sich bereits auf der Station aufgehalten und dann gelegentlich auch manipuliert habe. Auch die Zeugen xxxxx und xxxxxx haben bestätigt, dass der Angeklagte häufiger früher zum Dienst erschienen sei. Die Kammer zieht daraus den Schluss, dass allein die Tatsache, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt des ersten Kreislaufversagens noch nicht offiziell in Dienst war, nicht entscheidend gegen eine Täterschaft spricht. Der medizinische Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass es am 20.11.01 um 11:40 Uhr zu einer auffälligen Krise des Patienten gekommen sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 05.02.2017, Bl. 21 ff. FA xxxxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zum Ergebnis, dass Amiodaron und Lidocain nachgewiesen werden konnten (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 30.11.2017 (Lidocain u.a.) Bl. 139 ff. FA xxxxxxxxxx). Prof. xxxxxxx hat weiter ausgeführt, dass beide Wirkstoffe nicht offiziell verabreicht worden seien und insbesondere die Anwendung von Amiodaron eindeutig kontraindiziert sei. Der Verlauf passe zu einer nicht indizierten Beibringung dieser Wirkstoffe (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx und vom 09.07.2017, Bl. 77 ff. FA xxxxxxxxxx). Der Patient habe allerdings das auffällige Kreislaufversagen aufgrund einer Reanimation zunächst überlebt. Der Tod sei erst am nächsten Tag eingetreten. Prof. Dr. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung aber insoweit auch ausgeführt, dass das auf die Manipulation zurückzuführende Kreislaufversagen am 20.11. auch die sichere Ursache für das letale Kreislaufversagen in der Folgenacht gewesen sei. Die zwischenzeitlich erfolgte Reanimation habe die Kausalkette zwischen Manipulation und Tod nur verlängert. Der Angeklagte hat selbst eingeräumt, sich an eine Manipulation zu erinnern, die der Patient zunächst durch Reanimation überlebt habe. An das Versterben des Patienten selbst habe er keine Erinnerungen mehr. Die Kammer ist in der Zusammenschau der vorgenannten Aspekte davon überzeugt, dass der Angeklagte im Ergebnis für den Tod des Patienten verantwortlich ist. So hat der medizinische Sachverständige eindeutig angegeben, die Manipulation sei letztlich todesursächlich gewesen. Der Angeklagte hat zudem eingeräumt, den Patienten manipuliert zu haben. Der Angeklagte muss sich den Tod des Patienten demnach trotz zwischenzeitlich erfolgreicher Reanimation zurechnen lassen.

31. xxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin ausweislich des Dienstplanes in Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx zum Ergebnis gekommen, dass zwar auch ein auffälliger Kaliumsanstieg zu erkennen sei, den er allerdings als noch natürlich erklärbar sehen würde. Es sei aber zudem festzustellen, dass das letale Kreislaufversagen ungewöhnlich sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 24.06.2015, Bl. 39 ff. FA xxxxxxxx). Eine toxikologische Untersuchung war aufgrund der Feuerbestattung der Patientin nicht mehr möglich. Der Angeklagte hat sich zu diesem Fall geständig eingelassen. Er habe ihr Ajmalin gespritzt, worauf hin es zu einer erfolglosen Reanimation gekommen sei. Er habe noch konkrete Erinnerung an den die Patientin betreuenden Pfleger, den Zeugen xxxxxxxx, dieser sei sehr abfällig mit der Patientin umgegangen. Tatsächlich hatte ausweislich des Dienstplanes der Zeuge zusammen mit dem Angeklagten Dienst. Die Kammer hat keine Zweifel an der Richtigkeit des Geständnisses des Angeklagten. Dies stützt sie insbesondere auf die weiteren Angaben des medizinischen Sachverständigen Prof. Dr. xxxxxxx in der Hauptverhandlung: Auf Vorhalt des Geständnisses des Angeklagten hat er angegeben, der natürliche Verlauf der Krise passe gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin, dies sei plausibel. Die Kammer ist nach alledem von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

Klinikum xxxxxxxxxxx

32. xxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch hier ausweislich des Dienstplanes bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen ungewöhnlich und eine Manipulation sehr wahrscheinlich sei. Der tödliche Verlauf passe sehr gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin, welches nicht indiziert und dessen Gabe auch nicht dokumentiert gewesen sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 24.07.2015, Bl. 37 ff. FA xxxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 03.02.17, BL 140 ff. FA xxxxxxxxxx). Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben, an deren Richtigkeit die Kammer keinerlei Zweifel hat. Dies macht sie auch daran fest, dass der Angeklagte glaubhaft geschildert hat, dass dieser Patient der Erste im Klinikum xxxxxxxxxxx sieben Tage nach seinem Dienstantritt gewesen sei. Zudem haben in diesem Fall entsprechend den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxxxxx auch Realkennzeichen die Glaubhaftigkeit des Geständnisses weiter gestützt: So habe der Angeklagte ihm gegenüber geäußert, er sei "überrascht" gewesen, dass die Reanimation erfolglos verlaufe, er habe gedacht "er könne es beherrschen". Die Schilderung von Gedanken vor und nach der infrage stehenden Tat seien als Realkennzeichen zu werten. Hinzu kommt, dass der Sachverständige in der Hauptverhandlung zunächst dem Angeklagten einen - wie sich später herausgestellt hat tatsächlich falschen - Vorhalt gemacht hatte, um die Täterschaft des Angeklagten kritisch zu hinterfragen. Der Angeklagte hat in der Hauptverhandlung sich davon nicht irritieren lassen und ist gleichwohl dabei geblieben, an die Manipulation dieses Patienten eine sichere Erinnerung zu haben. Diese Reaktion des Angeklagten auf einen - unwissentlich fehlerhaft gegebenen - Vorhalt stellt nach den Ausführungen des Sachverständigen ein weiteres, sein Geständnis bestätigendes, Realkennzeichen dar. Die Kammer ist demnach von der Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall überzeugt.

33. xxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinen Gutachten zu dem Ergebnis, dass der letale Ausgang der Krise und der Tod des Patienten nicht plausibel sei und er eine Manipulation für wahrscheinlich halte (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 30.01.2016, Bl. 34 ff. FA xxxxxxxxx; Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 31.10.2017, Bl. 142 ff. FA xxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass ein Nachweis von Lidocain geführt werden konnte (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 149 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In der Hauptverhandlung hat Prof. xxxxxxx sodann erklärt, dass es keine Hinweise auf eine offizielle intravenöse Gabe von Lidocain gebe, dessen Einsatz auch nicht indiziert gewesen sei Der tödliche Verlauf passe zu einer nicht indizierten Gabe, eine Manipulation sei als wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich einzustufen. Dabei sei der dokumentierte plötzliche Abfall in die Nulllinie sehr auffällig, welches der Sachverständige aus der Abbildung der EKG Ausdrucke festgestellt habe. Der Sachverständige erklärte weiter, dem Patienten sei 104 Stunden vor dem Versterben ein Dauerkatheter gelegt worden und im Rahmen der Reanimation ein Tubus. Demnach kommt die Verwendung eines lidocainhaltigen Gels in Betracht. Die Legung des Dauerkatheters kann dabei zu Überzeugung der Kammer nach den Ausführungen zu den Halbwertszeiten von Dr. xxxxx nicht zu einem Nachweis von Lidocain führen. Aber auch die Tatsache, dass im Rahmen der Reanimation ein lidocainhaltiges Gel verwendet worden ist, steht der Täterschaft des Angeklagten zu Überzeugung der Kammer nicht entgegen Der medizinische Sachverständige hat erklärt, dass er eine Manipulation mit Lidocain weiterhin für wahrscheinlich halte. Der Angeklagte konnte sich an den Todesfall nicht erinnern, hat eine Tatbegehung aber auch nicht ausgeschlossen. In der Zusammenschau war die Kammer von der Täterschaft des Angeklagten in diesem Fall überzeugt. Ihre Überzeugung stützt sie insbesondere auf die eindeutigen Ausführungen des medizinischen Sachverständigen, der Tatsache dass der Angeklagte im Dienst war und - mit den dargestellten Einschränkungen * auf den Nachweis des Wirkstoffes Lidocain.

34. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes zum Todeszeitpunkt des Patienten im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen nicht plausibel sei und er eine Manipulation für wahrscheinlich halte. Ajmalin sei nicht indiziert und eine offizielle Gabe nicht dokumentiert gewesen. Der natürliche Verlauf sei durch eine missbräuchliche Gabe von Ajmalin gut erklärbar (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 07.02.2015, Bl. 34 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 02.02.17, Bl. 125 ff. FA xxxxxxx). Der Angeklagte hat angegeben, keine Erinnerungen an den Patienten zu haben, er schließe eine Manipulation aber nicht aus. Die Dienstzeit des Angeklagten und die eindeutigen Sachverständigengutachten lassen die Kammer zu der zweifelsfreien Überzeugung kommen, dass der Angeklagte den Patienten getötet hat

35. xxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx kam anfänglich zu dem Ergebnis, dass eine medikamentöse Intervention die zum Tode geführt hat, nicht ausgeschlossen werden könne (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 12.02.2016, Bl. 29 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Sotalex (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 15.01.2018 (Sotalol), Bl. 91 ff Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). Prof. xxxxxxx stellte weiter fest, dass Sotalex nicht offiziell verabreicht worden sei und der Verlauf der Krise zu einer nicht indizierten Gabe des Wirkstoffes passe. Der Patient sei ca. 10 Stunden stabil gewesen, dann sei es ab 20.00 Uhr zu einem plötzlichen und letztlich tödlichen Frequenzabfall gekommen (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 23.05.2017, Bl. 101 ff. FA xxxxxxx). Bis 22.00 Uhr seien im Rahmen von Reanimationsbemühungen 4 Defibrillationen verabreicht worden. In der Hauptverhandlung ergänzte der Sachverständige, dass eine Sotalexgabe mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ursächlich für den Tod des Patienten sei. Der Angeklagte hat zudem eingeräumt, dass er den Patienten mit Sotalex manipuliert habe und es zu einer erfolglosen Reanimation gekommen sein. In der Zusammenschau bestehen für die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft und dem Geständnis des Angeklagten.

36. xxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin im Dienst, was sich aus dem Dienstplan entnehmen lässt. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen als ungewöhnlich anzusehen sei und eine medikamentöse Auslösung möglich erscheine (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 15.10.2015, Bl. 37 ff. FA xxxxxxx; Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 20.08.2017, Bl. 123 ff. FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 179 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). Prof. xxxxxxx hat in der Hauptfahndung erklärt, dass Lidocain bei der Patientin nicht offiziell intravenös verabreicht worden sei und eine Gabe auch nicht indiziert gewesen sei. Er habe auch berücksichtigt, dass bei der Patientin seit 50 Stunden ein Dauerkatheter gelegen habe, sodass die Verwendung eines lidocainhaltigen Gels zu berücksichtigen sei. Allerdings sei aus seiner Sicht angesichts der Halbwertszeiten des Wirkstoffes und des uneingeschränkt funktionierenden Organismusses der Patientin davon auszugehen, dass das Lidocain zu Lebzeiten bereits wieder abgebaut gewesen sein dürfte und einen Nachweis nicht mehr begründe. Insgesamt sei er daher in der Gesamtbetrachtung zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Manipulation mittels Lidocain als wahrscheinlich anzusehen sei. Der Angeklagte konnte sich an die Patientin nicht erinnern, schloss eine Manipulation allerdings nicht aus. Die Kammer ist in diesem Fall von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt. So hatte er zum Todeszeitpunkt Dienst, der medizinische Sachverständige hält eine Manipulation mit Lidocain für wahrscheinlich und es ist auch zu einem Nachweis von Lidocain gekommen. In der Gesamtschau sprechen keine vernünftigen Zweifel gegen die Täterschaft des Angeklagten.

37. xxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplans war der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx stellte zunächst fest, dass das letale Kreislaufversagen nicht plausibel sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 14.02.16, Bl. 30 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Sotalex (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 15.01 2018 (Sotalol), Bl. 112 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). Prof. xxxxxxx hat sodann ausgeführt, dass Sotalex nicht offiziell verabreicht worden ist und der natürliche Verlauf der Krise zu einer nicht indizierten Gabe dieses Wirkstoffes passe (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Sotalex) vom 13.08.17, Bl. 138 ff. FA xxxxxxx). Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben, er erinnere eine tödliche Manipulation mit Sotalex. Zweifel an dem Geständnis haben sich ebenso wenig ergeben wie Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

38. xxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplans war der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin in Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen nicht plausibel sei. Zudem sei Ajmalin nicht dokumentiert verabreicht worden und eine Gabe auch nicht indiziert. In der Gesamtschau sei für ihn eine missbräuchliche Verabreichung des Wirkstoffes mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegeben und habe auch zum Tode der Patientin geführt (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 28.06.2015, Bl. 32 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hatte den Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 09.02.16, Bl. 103 ff. FA xxxxxxx). Der Angeklagte erklärte, er habe an die Patientin keine Erinnerung, schließe eine Manipulation aber nicht aus. Die Kammer ist angesichts der eindeutigen Gutachten und der Dienstzeit des Angeklagten von seiner Täterschaft in diesem Fall überzeugt.

39. xxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch in diesem Fall zum Eintritt der Krise und des Todes der Patientin ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen der Patientin nicht plausibel und bei ihrem Krankheitsbild untypisch seien. Eine medikamentöse Intervention sei aus seiner Sicht wahrscheinlich. Ajmalin komme als Wirkstoff in Betracht, dies sei weder offiziell verabreicht worden, noch sei es indiziert gewesen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 28.06.2015, Bl. 32 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu dem Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 09.02.16, Bl. 80 ff. FA xxxxxx). Der Angeklagte hat erklärt, er habe keine Erinnerung an die Patientin, er könne eine Manipulation allerdings auch nicht ausschließen. Angesichts der Dienstzeit des Angeklagten, den Ausführung des medizinischen Sachverständigen und dem Nachweis von Ajmalin hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

40. xxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin ausweislich des Dienstplanes in Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass der krisenhaft verlaufende Tod der Patientin Anlass gebe, von einer medikamentösen Intervention auszugehen. In Betracht käme der Wirkstoff Ajmalin der weder indiziert noch dokumentiert gewesen sei. Eine missbräuchliche Gabe von Ajmalin wäre als todesursächlich anzusehen (Gutachten vom 31.01.2016, Bl. 32 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 07.04.17, Bl. 134 ff. FA xxxxx). Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ausgeführt, die Gabe von Ajmalin würde bei dem Krankheitszustand der Patientin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum Tode führen. Der Angeklagte hat angegeben, keine Erinnerungen an den Todesfall zu haben, eine Manipulation hat er allerdings nicht ausgeschlossen. Angesichts der Dienstzeit des Angeklagten, des Nachweises von Ajmalin und der eindeutigen Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxxxxx ist die Kammer von der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

41. xxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplans war der Angeklagte bei Krisen- und Todeseintritt des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx ist im Ergebnis gekommen, dass das letale Kreislaufversagen nicht plausibel erscheine und eine medikamentöse Intervention möglich sei. Der Wirkstoff Ajmalin sei in diesem Fall nicht indiziert gewesen, eine offizielle Gabe auch nicht dokumentiert. Der Verlauf der Krise und der Todeseintritt passe sehr gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin, in diesem Fall sei zudem eine sehr genaue Dokumentation vorhanden (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 25.07.2015, Bl. 36 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat einen Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 09.02.2016, Bl. 91 ff. FA xxxxxxx). Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben, er habe bei dem Patienten mit Ajmalin manipuliert, dies habe zum Tode geführt. Die Kammer hat an dem Geständnis des Angeklagten ebenso wenig Zweifel wie an seiner Täterschaft.

42. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans bei Eintritt des Todes und der Krise der Patientin im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx hat dargelegt, dass eine manipulative Intervention zum Todeszeitpunkt sehr wahrscheinlich sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 05.07.2015, Bl. 33 ff. FA xxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Leiche der Patientin Sotalex enthalte (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 08.11.2017 (Sotalex), Bl. 187 ff. FA xxxxxxxxx). Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Ergänzungsgutachten zu der Feststellung, dass der Krisenverlauf der Patientin zu einer nicht indizierten Gabe von Sotalex passe (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Sotalex) vom 13.08.2017, Bl. 147 ff. FA xxxxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige angegeben, er stufe die Wahrscheinlichkeit einer Manipulation auf sehr wahrscheinlich ein. Soweit der Wirkstoff vier Tage vor dem Versterben der Patientin auch offiziell verabreicht worden sei, hat der toxikologische Sachverständige Dr. xxxxx ausgeführt, dass angesichts der Halbwertszeiten der geführte Nachweis nicht von der offiziellen Gabe herrühren könne. Der Angeklagte hat angegeben, keine Erinnerungen an diesen Fall zu haben, eine Manipulation sei aber auch nicht auszuschließen. Die Kammer ist angesichts der Dienstzeit des Angeklagten, des eindeutigen Nachweises von Sotalex und der Einstufungen der Sachverständigen von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

43. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplans war der Angeklagte auch in diesem Fall bei Kriseneintritt und Todeseintritt im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass die letztlich letale therapiefraktäre elektromechanische Dissoziation bei dem Krankheitsverlauf des Patienten als ungewöhnlich einzustufen sei - und zwar auch angesichts der refraktären Bolusgabe von Adrenalin und einer Herzdruckmassage (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 06 11.2017, Bl. 144 ff. FA xxxxxxxxxxxxx). Nach Angaben des toxikologischen Sachverständigen Dr. xxxxx in der Hauptverhandlung ist in der Leiche des Patienten der Wirkstoff Lidocain nachgewiesen worden. Prof. Dr. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ausgeführt, dass der Wirkstoff Lidocain nicht offiziell intravenös gegeben worden sei und auch eine Indikation dafür nicht erkennbar sei. Der Krisenverlauf passe gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Lidocain. Zwar sei dem Patienten 20 Stunden vor dem Versterben ein Dauerkatheter und eine Magensonde gelegt worden, was die Berücksichtigung eines lidocainhaltigen Gels erforderlich mache Ungeachtet dessen halte er die Möglichkeit einer Manipulation mit Lidocain aufgrund des Krankheitsverlaufs und dem Ablauf der Krise für wahrscheinlich. Es sei aus seiner Sicht angesichts der Halbwertszeiten des Wirkstoffes und des uneingeschränkt funktionierenden Organismus des Patienten davon auszugehen, dass das Lidocain zu Lebzeiten bereits wieder abgebaut gewesen sein dürfe und einen Nachweis nicht mehr begründe. Der Angeklagte hat angegeben er könne sich an den Patienten nicht erinnern, er schließe eine Tatbegehung allerdings auch nicht aus. Die Kammer ist in der Gesamtschau auch hier von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt. Einerseits war er im Dienst, andererseits ist der medizinische Sachverständige zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass eine missbräuchliche Gabe von Lidocain die Krise und den Tod des Patienten erklären würde. Zudem ist der Nachweis von Lidocain geführt worden. Vernünftige Zweifel an der Täterschaft haben sich für die Kammer nicht ergeben.

44. xxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplans war der Angeklagte auch hier bei Krisen- und Todeseintritt der Patientin im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx ist zunächst zu dem Ergebnis gekommen, dass der letale Ausgang als nicht plausibel bewertet werden müsse und eine medikamentöse Intervention möglich erscheine (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 27.09.2015 (Ajmalin), Bl. 30 ff. d.A.). Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Lidocain ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain pp), Bl. 126 ff. d.A.). In seinem Ergänzungsgutachten ist der Sachverständige xxxxxxx ausgeführt, dass es keinerlei Hinweise auf eine offizielle intravenöse Gabe von Lidocain gebe und eine solche auch nicht indiziert gewesen sei (Gutachten Prof. Dr. xxxxxxx vom 01.02. / 02.02.2018 (Lidocain), Bl. 138 ff., 154 ff. d.A.). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige angegeben, bei der Patientin sei weder ein Dauerkatheter noch eine Magensonde gelegt worden, einzig ein Tubus sei der Patientin 3,5 Stunden vor ihrem Versterben gelegt worden. Es sei deshalb die Verwendung eines lidocainhaltigen Gels zu berücksichtigen. Dennoch sei er der Auffassung, dass angesichts des eindeutig dafür sprechenden Krisenverlaufs von einer missbräuchlichen Beibringung von Lidocain auszugehen sei und er daher eine Manipulation als wahrscheinlich einschätze. Der Angeklagte erklärte, er habe an diesem Fall keine Erinnerung, er schließe eine Manipulation aber auch nicht aus. Für die Kammer hat sich in der Zusammenschau eine Überzeugung von der Täterschaft des Angeklagten ergeben: Er war im Dienst und der medizinische Sachverständige ist zu einer wahrscheinlichen missbräuchlichen Beibringung von Lidocain anhand des Krankheitsverlaufs gekommen. Hinzu kommt der Nachweis dieses Wirkstoffs, wenn auch hier die Einschränkung der Verwendung eines lidocainhaltigen Gels zu berücksichtigen war. Anhaltspunkte für vernünftige Zweifel an der Täterschaft hat die Kammer nicht erkennen können.

45. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen ungewöhnlich sei und eine medikamentöse Intervention möglich wäre. Ajmalin sei nicht offiziell verabreicht worden und eine Gabe dieses Wirkstoffs auch nicht indiziert gewesen. Aufgrund der Tatsache, dass die Patientin plötzlich bradykard geworden sei, sei vom Verlauf der Krise auf eine sehr wahrscheinliche Manipulation zu schließen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 27.09.2015, Bl. 31 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.04.2016, Bl. 113 ff. FA xxxxx). Der Angeklagte hat angegeben sich an den Sterbefall nicht zu erinnern, er wolle eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. In der Zusammenschau ist die Kammer angesichts des Dienstes des Angeklagten, den Ausführungen des medizinischen Sachverständigen zu einer sehr wahrscheinlichen Manipulation und des Nachweises des Wirkstoffs Ajmalin von der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

46. xxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat in seinem Gutachten den Verlauf der Krise als ungewöhnlich erachtet und hielt eine missbräuchliche Intervention für möglich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 14.02.2016, Bl. 33 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat den Wirkstoff Lidocain in der Leiche des Patienten nachweisen können (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 125 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). Nach den weiteren Ausführungen des Sachverständigen xxxxxxx sei Lidocain auch nicht intravenös verabreicht worden, dies auch nicht auf dem Transport von xxxxxx in das Klinikum xxxxxxxxxxx oder aber bei der vorherigen Behandlung in xxxxxx (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 30.10.2017, Bl. 156 ff. FA xxxxx). In der Hauptverhandlung hat er ergänzt, dass bei dem Patienten kein Dauerkatheter und keine Magensonde gelegen habe, lediglich ein Tubus sei dem Patienten 1 Stunde vor dem Versterben gelegt worden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände passe der Verlauf aus seiner Sicht gut zu einer missbräuchlichen Gabe des Wirkstoffes Lidocain, er stufe eine Lidocainvergiftung als wahrscheinlich ein. Der Angeklagte hat angegeben, sich auch an diesen Todesfall nicht erinnern zu können, aber auch hier eine Manipulation nicht auszuschließen. Die Kammer geht in der Gesamtschau der Indizien von einer Täterschaft des Angeklagten aus: Der Angeklagte war im Dienst, der Sachverständige hat von Anfang an einen ungewöhnlichen Verlauf attestiert und letztlich eine Lidocainvergiftung als wahrscheinlich eingestuft. Dieser Wirkstoff ist sodann auch -unter Berücksichtigung der dargestellten Einschränkungen - nachgewiesen worden. Mithin verbleiben keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

47. xxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen ungewöhnlich sei und eine medikamentöse Intervention mindestens wahrscheinlich, wenn nicht eher sehr wahrscheinlich sei. Es lägen EKG Aufzeichnungen vor, die einen für eine Manipulationshandlung typischen verbreiterten QRS-Komplex zeigen würden (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 17.10.2015, Bl. 36 ff. FA xxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem positiven Lidocainnachweis (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017 (Lidocain), Bl. 91 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten führt der Sachverständige aus, dass der Wirkstoff Lidocain ausweislich der Krankenakten nicht intravenös verabreicht worden und auch nicht indiziert gewesen sei (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 16.07.2017 (Lidocain), Bl. 139 ff. FA xxxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige ergänzt, dass 25 Stunden vor dem Versterben bei der Legung von Dauerkatheter und Magensonde ein lidocainhaltiges Gel zum Einsatz gekommen sein könne. Angesichts des Krisenverlaufs und der zu berücksichtigenden normalen Halbwertszeit gehe er allerdings immer noch von einer wahrscheinlichen Manipulation aus. Der Verlauf passe gut zu einer missbräuchlichen Gabe. Der Angeklagte hat sich an diesem Fall nicht erinnert aber angegeben, eine Manipulation auch nicht auszuschließen. Die Kammer ist angesichts der Ausführung des Sachverständigen Prof. xxxxxxx in Zusammenschau mit der Dienstzeit des Angeklagten und dem Nachweis von Lidocain der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

48. xxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplans war der Angeklagte zum Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zum Ergebnis, dass der Krise Verlauf zu einer nicht indizierten Gabe von Ajmalin passen würde, welches auch nicht offiziell verabreicht worden sei. Eine medikamentöse Einwirkung sei als wahrscheinlich anzusehen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 21.03.2015, Bl. 53 ff. Bd. I FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 30.11.2015 (Ajmalin), Bl 154 ff. Bd. I FA xxxxxxxxx). Der Angeklagte hat angegeben, an diesem Fall keine Erinnerung zu haben, eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Angesichts der Tatsache, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige eine Manipulation mit Ajmalin als wahrscheinlich ansieht und dieser Wirkstoff auch in der Leiche des Verstorbenen nachgewiesen worden ist, hat die Kammer keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

49. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch bei diesem Sterbefall ausweislich des Dienstplans bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass zwei Kreislaufeinbrüche - am 24. Juni sowie in den ersten Stunden des 25. Juni - festzustellen seien. Eine medikamentöse Intervention erscheine aufgrund dieser ungewöhnlichen Einbrüche als wahrscheinlich. Dabei sei auch das letztlich letale Kreislaufversagen sehr ungewöhnlich und deute auf eine missbräuchliche Gabe von Ajmalin hin. Dies sei weder indiziert gewesen noch eine offizielle intravenöse Gabe dokumentiert (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 03.03.15, Bl. 32 ff FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu dem Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.01.2016, Bl. 117 ff. FA xxxxxxxx). Der Sachverständige xxxxxxx hat in der Hauptbehandlung ergänzt, das zweite Kreislaufversagen sei letztlich noch überraschender einzuschätzen als das erste. Er stufe eine Manipulation bei dem zweiten Kreislaufversagen als sehr wahrscheinlich ein. Der Angeklagte hat angegeben, an diesem Sterbefall keine Erinnerungen zu haben jedoch eine Manipulation auch hier nicht auszuschließen Die Kammer ist in der Zusammenschau der Tatsachen, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige eine Manipulation mit Ajmalin für sehr wahrscheinlich hält und dieser Wirkstoff auch nachgewiesen worden ist, von der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

50. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes zum Zeitpunkt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Ausgangsgutachten zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen des Patienten nicht plausibel zu erklären sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 25.10.2015, Bl. 32 ff. FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Sotalex in der Leiche des Patienten (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 22.01.2018 (Sotalol), Bl. 186 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten hat der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx ausgeführt, dass Sotalex nicht offiziell verabreicht worden und auch nicht indiziert gewesen sei. Der Verlauf der tödlichen Krise passe vielmehr zu einer missbräuchlichen Gabe dieses Wirkstoffes, er halte eine Manipulation für sehr wahrscheinlich (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Sotalex) vom 13.08.17, Bl. 151 ff. FA xxxxxxxxx). Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Er erinnere eine Manipulation mit Sotalex. Zweifel an der Richtigkeit des Geständnisses haben sich für die Kammer nicht ergeben, sie ist in der Zusammenschau der vorstehenden Ausführungen von der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

51. xxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx kam seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass die Auswertung der Krankenakten ein letales Herzversagen zeigen würden, welches nicht nachvollziehbar sei. Vielmehr passe der Verlauf zu einer nicht indizierten Gabe von Ajmalin, welches auch offiziell nicht intravenös verabreicht worden sei. Es habe sich ein ganz typischer Verlauf für eine missbräuchliche Gabe dieses Wirkstoffes gezeigt (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 04.01.2015, Bl. 36 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Ajmalin in der Leiche des Patienten (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 12.01.2016, Bl. 131 ff. FA xxxxxx). Der Angeklagte hat auch in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Er erinnere eine Manipulation mit Ajmalin und den tödlichen Ausgang der Reanimation. Zweifel an dem Geständnis des Angeklagten haben sich ebenso wenig ergeben wie solche an der Täterschaft des Angeklagten, von der die Kammer überzeugt ist.

52. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans sowohl bei Eintritt der Krise als auch im Todeszeitpunkt der Patientin. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx ist in seinem Gutachten zu dem Ergebnis gekommen, dass das letale Kreislaufversagen der Patientin ungewöhnlich sei. Ajmalin sei nicht indiziert gewesen, es sei offiziell auch nicht verabreicht worden. Der Krisenverlauf passe zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin, für ihn sei eine Manipulation mit diesem Wirkstoff sehr wahrscheinlich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 17.01.2015, Bl. 32 ff FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 30.11.2015, Bl. 92 ff. FA xxxxxxxx). Der Angeklagte hat angegeben, er habe an den Sterbefall keine Erinnerung, könne aber eine Manipulation auch nicht ausschließen. Die Kammer ist angesichts der Tatsache, dass der Angeklagte zum Krisen- und Todeszeitpunkt im Dienst war, dem eindeutigen medizinischen Sachverständigengutachten und dem Nachweis des Wirkstoffs Ajmalin von einer Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

53. xxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte zum Zeitpunkt des Eintritts der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx kam zunächst zu dem Ergebnis, dass eine Manipulation nicht ausgeschlossen sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 11.04.15, Bl. 32 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017 (Lidocain), Bl. 79 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten gab der Sachverständige Prof. xxxxxxx an, Lidocain sei nicht indiziert gewesen und sei auch nicht offiziell intravenös verabreicht worden, der Krisenverlauf passe zu einer missbräuchlichen Gabe dieses Wirkstoffes (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 23.05.17, Bl. 91 ff., 101 ff FA xxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige seine Einschätzung insoweit ergänzt, als dass er eine Manipulation angesichts des Krisen- und Tod es Verlaufes für sehr wahrscheinlich halte. Dies auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass dem Patienten eine Stunde vor seinem Versterben ein Dauerkatheter gelegt worden sei, der mittels eines lidocainhaltigen Gels verabreicht worden sein könne. Der Angeklagte hat eine tödliche Manipulation mit Lidocain eingeräumt. Er habe in diesem Fall direkt bei der Aufnahme des Patienten den Wirkstoff gespritzt. Seine Erinnerung resultiere insbesondere daraus, dass der Patient einen sogenannten Grand Mal Anfall gehabt habe. Die Kammer hat keine Anhaltspunkte gefunden, die Zweifel an der Richtigkeit des Geständnisses des Angeklagten ergeben könnten. Vielmehr hat er dabei entsprechend den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxxxxx eindeutige Realkennzeichen gezeigt. Angesichts der weiteren Beweismittel, insbesondere der Einschätzung des Sachverständigen Prof. xxxxxxx, der eine Manipulation für sehr wahrscheinlich hält, ist die Kammer von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

54. xxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Nach Angaben des medizinischen Sachverständigen Prof. xxxxxxx sei das letale Kreislaufversagen des Patienten nicht plausibel (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 02.10.15, Bl. 33 ff. FA xxxxx). Im Rahmen der toxikologischen Untersuchung konnte Lidocain nachgewiesen werden (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 198 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung1'). Prof. xxxxxxx hat sodann in seinem Ergänzungsgutachten ausgeführt, dass eine offizielle intravenöse Gabe von Lidocain ausgeschlossen sei, der Wirkstoff sei auch angesichts des Krankheits- und Krisenverlaufs nicht indiziert gewesen (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 16.07.17, Bl. 125 ff. FA xxxxx). In der Hauptverhandlung hat er ergänzt, auch ein Dauerkatheter oder eine Magensonde und auch ein Tubus sei nicht gelegt worden, sodass auch kein lidocainhaltiges Gel verwendet worden sei. Nach seiner Einschätzung sei eine Manipulation sehr wahrscheinlich. Der ihm vorliegende EKG Ausdruck zeige sehr eindrücklich die plötzlich aufgetretene Asystolie des Patienten, was als sichere Einwirkung eines nicht indizierten Medikamentes gewertet werden müsse. Der Krisenverlauf passe sodann zu einer Gabe von Lidocain. Der Angeklagte hat angegeben, er habe keine Erinnerungen an den Patienten, schließe eine Manipulation aber auch nicht aus. Die Kammer ist in der Zusammenschau der vorstehenden Ausführungen von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt: dafür spricht neben der Dienstzeit des Angeklagten auch das eindeutige medizinische Sachverständigengutachten und der Nachweis des Wirkstoffes Lidocain, für den eine andere Quelle als eine missbräuchliche Gabe nicht ersichtlich ist.

55. xxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte auch in diesem Sterbefall bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat in seinem Gutachten ausgeführt, das letale Kreislaufversagen sei nicht plausibel. Der Verlauf der Krise passe zu einer nicht indizierten Gabe von Ajmalin, welche auch nicht offiziell dokumentiert worden sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 05.03.2015, Bl 29 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 30.11.2015, Bl. 93 ff. FA xxxxx). In der Hauptfahndung hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx ergänzt, er halte eine Manipulation mit Ajmalin für sehr wahrscheinlich, der Verlauf passe sehr gut zu einer missbräuchlichen Beibringung dieses Wirkstoffes. Der Angeklagte hat angegeben, er habe keine Erinnerung an diesen Todesfall, könne aber eine Manipulation auch nicht ausschließen. Angesichts der eindeutigen Erkenntnislage durch die Dienstzeit des Angeklagten, die Angaben des medizinischen Sachverständigen und dem Nachweis von Ajmalin ist die Kammer zweifelsfrei von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

56. xxxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch bei Eintritt dieser Krise und des Todes des Patienten im Dienst, was sich aus dem Dienstplan ergibt. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass das tödliche Geschehen des Patienten insbesondere angesichts der Schnelligkeit mit der es dazugekommen sei, als sehr ungewöhnlich zu werten sei, er halte eine Manipulation für möglich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 04.01.2016, Bl. 31 ff. FA xxxxx). Die anschließende toxikologische Untersuchung ergab einen Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017 (Lidocain), Bl. 73 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten hat Prof. xxxxxxx ausgeführt, dass eine intravenöse Gabe des Wirkstoffes nicht dokumentiert sei und eine solche Gabe auch nicht indiziert gewesen sei (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 26.08.2017, Bl. 137 ff. FA xxxxx). In der Hauptverhandlung hat er ergänzt, es sei zwar bei dem Patienten am Tag der Einlieferung und des Todes eine Magensonde und ein Dauerkatheter gelegt worden, was die Berücksichtigung der Verwendung eines lidocainhaltigen Gels erforderlich mache. Dennoch halte er eine Manipulation mit Lidocain für wahrscheinlich, was sich aus dem Krisenverlauf und insbesondere des plötzlichen Eintritts der Krise ergebe. Der Angeklagte hat angegeben, er habe auch in diesem Fall keine Erinnerung, schließe eine Manipulation aber auch nicht aus. Die Kammer ist angesichts der Dienstzeit des Angeklagten zum Eintritt der Krise und des Todes, der Ausführungen des Sachverständigen, der das tödliche Geschehen von Anfang an als ungewöhnlich eingeschätzt und anschließend die missbräuchliche Gabe von Lidocain als wahrscheinlich bezeichnet hat und schlussendlich des Nachweises dieses Wirkstoffes, wenn diesem - wie dargestellt - auch ein etwas geringerer Beweiswert zukam, von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

57. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes dieser Patienten in Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat ausgeführt, das letale Kreislaufversagen sei aus seiner Sicht nicht plausibel, eine medikamentöse Intervention für ihn wahrscheinlich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 31.10.15, Bl. 39 ff. FA Elfriede xxxxxx). In der Hauptverhandlung hat er ergänzt, im EKG seien die - für eine medikamentöse Manipulation - typischen und plötzlich auftretenden breiten Kammerkomplexe zu erkennen. Zudem habe sich das Kammerflimmern sodann als therapiefraktär gezeigt. Der Verlauf sei aus seiner Sicht hochverdächtig für eine Manipulation etwa mit Kalium. Die toxikologische Untersuchung hat allerdings keinen Hinweis auf einen der bekannten Wirkstoffe ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 26.10.16 (Ajmalin), Bl. 63 ff. FA xxxxxx; Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017, Bl. 204 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Er habe die Patientin direkt in der Aufnahmesituation von der Normalstation auf die Intensivstation manipuliert. Welches Mittel er ihr gespritzt habe, wisse er allerdings nicht mehr. Die Kammer hat keine Anhaltspunkte dafür auffinden können, dass der Angeklagte hier ein falsches Geständnis abgegeben hat. Seine Angaben passen zu den übrigen Indizien, insbesondere den medizinischen Sachverständigengutachten. Zudem hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx ausgeführt, dass gerade die Angabe des Angeklagten, sich an das genützte Tatmittel nicht erinnern zu können, eher für eine wahrheitsgemäße Angabe spreche. Diese Komplikation sei für eine Lüge komplett untypisch. Der vom medizinischen Sachverständigen festgestellte hochverdächtige Verlauf lässt sich gut durch eine missbräuchliche Gabe von Kalium erklären. Dies würde auch den negativen toxikologischen Befund erklären. Anders als im Klinikum xxxxxxxxx sind hier Kaliumwerte nicht erhoben und dokumentiert worden. Die Kammer ist in der Gesamtschau demnach von der Täterschaft des Angeklagten zweifelsfrei überzeugt.

58. xxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst, was sich anhand des Dienstplanes nachvollziehen lässt. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat in seinem Gutachten ausgeführt, das letale Kreislaufversagen sei nicht plausibel. Ajmalin sei in diesem Fall nicht indiziert gewesen und eine Gabe dieses Wirkstoffes auch nicht dokumentiert (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 26.07.15, Bl. 38 ff. FA xxxxx). In der Hauptverhandlung hat er angegeben, er schätze eine Manipulation in diesem Fall angesichts des Krisenverlaufes als sehr wahrscheinlich ein. Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten derxxxvom 09.02.16, Bl. 93 ff. FA xxxxx). Der Angeklagte hat zudem ein Geständnis abgegeben. Er erinnere sich an den Patienten über den Namen, den er aus dem Ostfriesischen kennen würde. Auch äußerte der Angeklagte Details zu seinem diesbezüglichen Dienst mit der Kollegin xxxxxxxx, mit der er auch ausweislich des Dienstplanes zusammen Dienst hatte. Diese hat zwar die Herstellung und den Verzehr einer vom Angeklagten benannten "Brokkolitorte" verneint. Die Kammer ist aber angesichts der Indizien in ihrer Gesamtheit von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt, begründete Zweifel am Geständnis des Angeklagten und seiner Täterschaft haben sich nach allem nicht ergeben.

59. xxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes auch bei diesem Krisenfall und Todeseintritt der Patientin im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen nicht plausibel sei. Ajmalin sei nicht indiziert gewesen und auch nicht dokumentiert (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 02.10.15, Bl. 31 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab den Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten derxxxvom 02.02.2017, Bl. 129 ff. FA xxxxx). In der Hauptverhandlung hat Prof. xxxxxxx ergänzt, er halte angesichts der Art und Weise der Krise und deren Verlauf eine Manipulation mit dem Wirkstoff Ajmalin für sehr wahrscheinlich. Der Angeklagte konnte sich in diesem Fall nicht erinnern, hat aber angegeben, eine Manipulation auch nicht auszuschließen. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte in Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

60. xxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte auch in diesem Sterbefall im Dienst. Prof. xxxxxxx hat als Sachverständiger dazu ausgeführt, der letale Herzstillstand sei nicht plausibel. Aus seiner Sicht sei Ajmalin nicht verabreicht worden, eine Indikation zur Gabe dieses Medikaments habe ebenso wenig Vorgelegen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 11.01.15, Bl. 31 ff. FA H. xxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige ergänzt, er halte eine Manipulation mit diesem Wirkstoff für sehr wahrscheinlich. Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 30.11.15, Bl. 125 ff. FA xxxxx). Zudem hat der Angeklagte in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Er erinnere sich an diese Person, da Namensgleichheit mit dem Patienten bestanden habe, der während seiner Ausbildung als erstes gestorben sei. Die Kammer hat angesichts dieses deutlichen Realkennzeichens und der eindeutigen Ausführung des Sachverständigen sowie des Nachweises von Ajmalin keine Zweifel an dem Geständnis des Angeklagten und an seiner Täterschaft in diesem Fall.

61. xxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch bei diesem Sterbefall ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der medizinische Sachverständige kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass letale Kreislaufversagen stelle sich als nicht plausibel dar. Der Wirkstoff Ajmalin sei weder dokumentiert verabreicht worden noch sei er indiziert gewesen. Der Krisenverlauf der Patientin passe eindeutig zu einer nicht indizierten Gabe dieses Wirkstoffes (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 20.02.2016, Bl. 32 ff. FA xxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige ergänzt, er halte angesichts der zuvor stabilen und dann plötzlich in die Krise geratenen Patientin eine Manipulation mit Ajmalin für sehr wahrscheinlich. Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 07.04.2017, Bl. 97 ff. FA xxxxxx). Und auch der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Er habe ihr Ajmalin gespritzt und bei der anschließenden Reanimation sei sie verstorben. Er habe sie sodann in die Leichenhalle verbracht, was ein Ausnahmefall gewesen sein. Angesichts dieser deutlichen Realkennzeichen und der übrigen eindeutigen Indizien hat die Kammer weder Zweifel an dem Geständnis des Angeklagten noch an seiner Täterschaft in diesem Fall.

62. xxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch bei diesem Sterbefall ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Prof. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen ungewöhnlich sei und eine medikamentöse Intervention gut möglich erscheine (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 05.11.2017, Bl. 144 ff. FA xxxxxxxxxxxxxx). Nach Angaben des toxikologischen Sachverständigen Dr. xxxxx in der Hauptverhandlung, habe die Untersuchung den Nachweis von Lidocain erbringen können. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ausgeführt, eine offizielle intravenöse Gabe von Lidocain sei nicht dokumentiert. Der Wirkstoff wäre in diesem Fall eindeutig kontraindiziert gewesen. Er halte aufgrund des Krisenverlaufes - der Patient sei wach und spontanatmend gewesen und dann plötzlich asystol - und der Kontraindikation von Lidocain eine Manipulation für sehr wahrscheinlich. Andere Lidocainquellen hätten sich nicht ergeben, der Patient habe keinen Dauerkatheter, keine Magensonde und keinen Tubus gehabt. Der Angeklagte hat angegeben sich an diesem Sterbefall nicht zu erinnern, er schloss eine Manipulation aber nicht aus. Unter Berücksichtigung der Dienstzeit des Angeklagten, des eindeutigen medizinischen Sachverständigengutachtens und des uneingeschränkten Nachweises von Lidocain ist die Kammer von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

63. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten ausweislich des Dienstplanes im Dienst. In seinem Ursprungsgutachten kam der Sachverständige Prof. xxxxxxx zu dem Ergebnis, dass das finale Kreislaufversagen des Patienten für sich gesehen bereits ungewöhnlich sei und von der Grunderkrankung unabhängig erscheine. Er halte eine medikamentöse Intervention, welche die Krise ausgelöst habe für wahrscheinlich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 01.11.2015, Bl. 37 ff. FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung an den Nachweis von Lidocain ihn ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017 (Lidocain), Bl. 38 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten führte der Sachverständige xxxxxxx aus, dass Lidocain weder offiziell verabreicht worden sei, noch eine Indikation für eine Gabe dieses Wirkstoffes erkennbar sei (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 06.11.17, Bl. 133 ff. FA xxxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat er ergänzt, dass bei dem Patienten zwar ein Dauerkatheter 2 Stunden vor dem Tod und ein Tubus eine Stunde vor dem Tod gelegen habe, sodass hinsichtlich des Nachweises von Lidocain die Berücksichtigung lidocainhaltiger Gele erforderlich sei. Insgesamt zeige aber das klinische Bild eine Reaktion des Patienten, die eine Manipulation als wahrscheinlich erscheinen lasse. Der Angeklagte konnte sich an diesem Sterbefall nicht erinnern hat aber auch hier eine Manipulation nicht ausgeschlossen. Die Kammer ist angesichts der Beweiskette von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt: der Angeklagte war im Dienst, bereits vor dem Nachweis eines Medikaments attestierte der medizinische Sachverständige eine wahrscheinliche Manipulation, anschließend wird der Wirkstoff Lidocain - mit den dargestellten Einschränkungen -nachgewiesen und der Sachverständige ergänzt, dass dies als Tatmittel einer Manipulation in Betracht komme und er eine solche angesichts des Verlaufes mit diesem Wirkstoff als wahrscheinlich einschätze. Für die Kammer bestanden mithin keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

64. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch hier zum Zeitpunkt des Todes und der Krise ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass aufgrund der plötzlichen Asystolie des Patienten eine Plausibilität des letalen Kreislaufversagens nicht gegeben sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 14.07.2015, Bl. 33 ff FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 119 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten hat Prof. xxxxxxx ausgeführt, eine intravenöse Gabe von Lidocain sei nicht dokumentiert, eine solche wäre auch nicht indiziert gewesen (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 15.07.17, Bl. 129 ff. FA xxxxxxx). In der Flauptverhandlung hat er ergänzt, bei dem Patienten habe zwar für 58 Stunden ein Dauerkatheter gelegen, so dass ein lidocainhaltiges Gel Berücksichtigung finden müsse. Allerdings sei aus seiner Sicht angesichts der Halbwertszeiten des Wirkstoffes und des uneingeschränkt funktionierenden Organismus des Patienten davon auszugehen, dass das Lidocain zu Lebzeiten bereits wieder abgebaut gewesen sein dürfe und einen Nachweis nicht mehr begründe. Der Verlauf der Krise mache eine Manipulation aus seiner Sicht sehr wahrscheinlich. Dafür spreche auch insbesondere die Tatsache, dass eine Angstreaktion des Patienten ("schreit laut auf') dokumentiert sei und dieser aus einem ganz stabilen Kreislauf gekommen sei. Diesen ungewöhnlichen Umstand hat der Sachverständige als besonders prägnant und kennzeichnend für eine manipulative Gabe eines Antiarrhytmikums wie Lidocain beschrieben. Der Patient spüre die plötzliche und rasche Herabsetzung seines Herzschlags bis hin zum Herzstillstand, gerate aufgrund dieser sich bedrohlich anfühlenden Situation in Panik und schreie deshalb plötzlich laut auf. Der Angeklagte hat angegeben, sich an diesen Fall nicht zu erinnern, eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Die Kammer ist angesichts der überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxxxxx, der Dienstzeit des Angeklagten und des Nachweises des Wirkstoffes von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt.

65. xxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagten zum Zeitpunkt des Todes und der Krise des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass eine Plausibilität des Herzkreislaufversagens des Patienten, welches zum Tod geführt habe, nicht gegeben sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 11.04.2015, Bl. 41 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung der Leiche des Patienten ergab einen Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017 (Lidocain u.a.), Bl. 229 ff. FA xxxxxx). Prof. xxxxxxx hat ergänzend ausgeführt, Lidocain sei weder indiziert gewesen, noch sei eine Gabe dokumentiert (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 23.05.17, Bl. 111 ff. FA xxxxxx). In der Hauptverhandlung hat er ergänzt, dass vier Stunden vor dem Tod ein Dauerkatheter gelegt worden sei, sodass ein lidocainhaltiges Gel zu berücksichtigen sei. Auch sei im Rahmen der chirurgischen Wundversorgung sei die Verwendung eines diesen Wirkstoff enthaltenen Sprays zu unterstellen. Ungeachtet dessen sei angesichts des klinischen Bildes, dass der Patient aus völlig stabilem Kreislauf heraus plötzlich einbreche, eine Manipulation mit Lidocain wahrscheinlich. Allein vom klinischen Verlaufsbild her - ohne Berücksichtigung lidocainhaltiger Gele oder Sprays - sei eine Manipulation mit Lidocain als sehr wahrscheinlich einzuschätzen. Der Angeklagte hat an diesen Patienten keine Erinnerung angegeben, eine Manipulation schloss er jedoch auch nicht aus. Die Kammer ist in der Zusammenschau der vorstehenden Ausführungen von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt: der Angeklagte war im Dienst, bereits vor dem Nachweis eines Medikaments attestierte der medizinische Sachverständige einen ungewöhnlichen Verlauf, anschließend wird der Wirkstoff Lidocain - mit den dargestellten Einschränkungen - nachgewiesen und der Sachverständige ergänzt, dass dies als Tatmittel einer Manipulation in Betracht komme und er eine solche angesichts des Verlaufes mit diesem Wirkstoff als wahrscheinlich einschätze. Für die Kammer bestanden mithin keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

66. xxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagten auch bei diesem Sterbefall im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx ist zu dem Ergebnis gelangt, dass der letale Ausgang nicht nachvollziehbar sei, er halte eine medikamentöse Intervention für möglich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 21.02.2016, Bl. 32 ff. FA xxxxxxx). Nach Angaben des Sachverständigen Dr. xxxxx in der Hauptverhandlung habe die toxikologische Untersuchung zu einem positiven Nachweis von Lidocain geführt. Prof. xxxxxxx hat in seinem weiteren Gutachten dargestellt, dass dieser Wirkstoff nicht offiziell intravenös verabreicht worden sei und auch nicht indiziert gewesen sei (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 24.05.17, Bl. 97 ff. FA xxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat er ergänzt, dass zwar am Todestag ca. 8 Stunden vor dem Versterben des Patienten ein Dauerkatheter und eine Magensonde gelegt worden seien und daher die Berücksichtigung eines Gels mit dem Wirkstoff Lidocain zu berücksichtigen sei. Trotzdem erachte er eine Manipulation mit diesem Wirkstoff nach dem klinischen Bild als sehr wahrscheinlich: Es hätten sich im EKG deutlich die typischen und plötzlich verbreiterten QRS-Komplexe gezeigt. Bereits diese Beweislage spricht zu Überzeugung der Kammer für eine Täterschaft des Angeklagten, dies insbesondere angesichts der deutlichen Ausführung des Sachverständigen Prof. xxxxxxx. Der Angeklagte hat in der Hauptverhandlung angegeben, er habe bei dem Patienten mit Lidocain manipuliert. Allerdings habe er dies bereits bei der Aufnahme des Patienten auf der Intensivstation getan. Prof. xxxxxxx hat auf Vorhalt diese Angaben dazu ausgeführt, dass ausweislich der Krankenakte festzustellen sei, dass der Patient vormittags aufgenommen worden sei und bereits zu Hause durch den Notarzt reanimiert wird worden sei. Bei Einlieferung sei er stabil gewesen. Erst gegen 18:00 Uhr sei es zu der hier in Rede stehenden tödlichen Krise gekommen. Die Abweichungen zwischen dem objektiv festgestellten Verlauf und den Angaben des Angeklagten begründen für die Kammer keine vernünftigen Zweifel: Insbesondere kann es angesichts der eindeutigen Dokumentation nicht etwa so sein, dass der Angeklagte bei Einlieferung den Wirkstoff missbräuchlich verabreicht hat und der Patient sodann zunächst überlebte. Die Kammer geht eher davon aus, dass es sich um eine falsche zeitliche Einordnung des Angeklagten handelt. Ungeachtet seiner Angaben ist sie allerdings auch bereits durch die objektiven Beweismittel von seiner Täterschaft in diesem Fall überzeugt.

67. xxxxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte auch bei diesem Sterbefall im Dienst. Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass der tödliche Verlauf ungewöhnlich sei und er eine medikamentöse Intervention für wahrscheinlich halte (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 08.02.2015, Bl. 33 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 173 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten führt der Sachverständige xxxxxxx aus, dass eine intravenöse Gabe dieses Wirkstoffes nicht dokumentiert sei und zudem auch nicht indiziert gewesen wäre. Das letale Kreislaufversagen passe aufgrund der plötzlichen Asystolie zu dem bekannten Muster einer Manipulation mit Lidocain (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 15.07.17, Bl. 140 ff FA xxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige ergänzt, sechs Tage vor dem Tod sei der Patient mit einem Lidocainspray behandelt und drei Stunden vor dem Versterben sei er mit dem Einsatz eines lidocainhaltigen Geles intubiert worden. Dennoch sei aufgrund des klinischen Bildes mit der plötzlich auftretenden Asystolie eine Manipulation als wahrscheinlich anzusehen. Der Angeklagte hat angegeben, sich an diesem Sterbefall nicht zu erinnern, könne eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Die Kammer ist in der Zusammenschau der vorstehenden Ausführungen von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt: der Angeklagte war im Dienst, bereits vor dem Nachweis eines Medikaments attestierte der medizinische Sachverständige eine wahrscheinliche medikamentöse Intervention, anschließend wird der Wirkstoff Lidocain - mit den dargestellten Einschränkungen - nachgewiesen und der Sachverständige ergänzt, dass dies als Tatmittel einer Manipulation in Betracht komme und er eine solche angesichts des Verlaufes mit diesem Wirkstoff als wahrscheinlich einschätze Für die Kammer bestanden mithin keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

68. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes bei Eintritt der Krise und dem Versterben des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat schon vor einer Exhumierung festgestellt, dass es zwei sehr überraschende Zusammenbrüche des Patienten jeweils aus einer zunächst sehr langen und stabilen Phase gegeben habe. Dies gelte insbesondere für den letalen Kreislaufzusammenbruch um 5:20 Uhr. Er halte eine Manipulation für wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 26.02.2016, Bl. 35 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung, welche in der Türkei erfolgt ist, ergab einen positiven Nachweis von Lidocain in den Haaren (Gutachten der xxx vom 20.06.2018, Bl. 130 ff. FA xxxxx). Der toxikologische Sachverständige Dr. xxxxx hat dies im Rahmen seiner Anhörung in der Hauptverhandlung nochmals bestätigt. Nach seinen Angaben sei auch ein Fund in den Haaren denkbar, selbst wenn der Wirkstoff direkt vor dem Tod verabreicht worden sei. In seinem Ergänzungsgutachten führte der Sachverständige Prof. xxxxxxx aus, dass das Kreislaufversagen auf die nicht indizierte Gabe von Lidocain, welches auch nicht offiziell intravenös verabreicht worden sei, plausibel zurückzuführen sei (Gutachten Prof. Dr. xxxxxxx vom 26.05.2018 (Lidocain), Bl. 117 ff. FA xxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige ergänzt, er halte eine Manipulation vor dem letalen Kreislaufversagen für sehr wahrscheinlich. Es hätten sich in dem EKG-Auszug ein plötzliches Kammerflimmern und ein plötzlicher Abfall in die Asystolie gezeigt. Beides sei typisch für eine nicht indizierte Gabe von Lidocain. Zwar habe er auch festgestellt, dass dem Patienten 78 Stunden vor seinem Tod ein Dauerkatheter und eine Magensonde gelegt worden sei, so dass ein lidocainhaltiges Gel zu berücksichtigen sei. Dennoch sei er der Überzeugung, dass aufgrund des völlig überraschenden Zusammenbruchs und der typischen verbreiterten QRS-Komplexe im EKG eine Manipulation mit Lidocain sehr wahrscheinlich stattgefunden habe. Aus seiner Sicht sei angesichts der Halbwertszeiten des Wirkstoffes und des funktionierenden Organismus des Patienten davon auszugehen, dass das Lidocain zu Lebzeiten bereits wieder abgebaut gewesen sein dürfe und einen Nachweis nicht mehr begründe. Der Angeklagte hat diesen Fall in der Hauptverhandlung ausdrücklich bestritten. Er habe sich mit diesem Fall insbesondere auch aufgrund der Nachfragen der Ehefrau des Verstorbenen erneut auseinandergesetzt und - anders als zuvor - eine Erinnerung gewonnen. Er habe dem Patienten kein Lidocain gespritzt. Der Angeklagte hat hier - allerdings auch aus der Krankendokumentation für ihn ersichtliche - Besonderheiten, wie Uhrglasverbände, genannt. Gleichwohl wirkt sein Bestreiten und insbesondere die Erklärung für die von ihm vorgetragene Gewissheit, nicht manipuliert zu haben, gekünstelt und widersprüchlich zu seinen sonstigen Angaben. So hat der Angeklagte bekundet, er schließe aus, an diesem Patienten manipuliert zu haben, weil ihm der familiäre Zusammenhalt mit den Angehörigen des Patienten so beeindruckt habe und ihm nahegegangen sei. Diese Erklärung steht in diametralem Widerspruch zu seinem sonstigen Verhalten, welches nahezu durchgehend von Gefühllosigkeit bestimmt wurde, wie er selbst eingeräumt hat. Selbst starke Emotionen seiner ihm näherstehenden Kollegen, etwa den von ihm als sympathisch wie besonders sensibel wahrgenommenen und beschriebenen Kollegen xxxxxxx, haben in ihm nach eigenem Bekunden gefühlsmäßig nichts ausgelöst. Der Angeklagte hat zudem selbst angegeben, zunehmend, insbesondere in derZeit seiner Tätigkeit am Klinikum xxxxxxxxxxx mehr und mehr abgestumpft zu sein. So hat er im Rahmen seiner geständigen Einlassung der Manipulation an dem schon am 31.08.2003 verstorbenen xxxxxxxxxxxx in der Hauptverhandlung bekundet, bereits zu diesem Zeitpunkt "sehr abgestumpft" gewesen zu sein. Es liegt nahe, dass der weiterhin narzisstische Angeklagte im Hinblick auf die intensiven Nachfragen der Witwe des Verstorbenen ihr gegenüber nicht das Bild eines absolut gefühlslosen Mörders abgeben wollte. Das Bestreiten des Angeklagten ist außerdem zur Überzeugung der Kammer aufgrund des eindeutigen Beweisergebnisses widerlegt: Der medizinische Sachverständige hat anhand der EKG-Aufzeichnung bereits vor der Exhumierung und vor dem Vorliegen eines toxikologischen Ergebnisses den Krisenfall als sehr wahrscheinliche Manipulation eingeschätzt. Hinzu kommen die weiteren Aspekte: Der Angeklagte war im Dienst, der Wirkstoff Lidocain ist nachgewiesen, wobei eine andere Quelle als eine missbräuchliche Gabe nach Angaben von Prof. xxxxxxx nicht in Betracht komme. Zudem hat der Sachverständige ergänzt, dass Lidocain als Tatmittel einer Manipulation in Betracht komme und er eine solche angesichts des typischen Verlaufes mit diesem Wirkstoff als sehr wahrscheinlich einschätze. Für die Kammer bestanden mithin keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

69. xxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei dem Eintritt der Krise und des Todes der Patientin ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx hat in seinem Gutachten ausgeführt, dass er eine medikamentöse Einwirkung nicht ausschließen könne. Ajmalin sei nicht indiziert gewesen und auch eine Gabe nicht dokumentiert. Der Verlauf der Krise passe wiederum zu einer missbräuchlichen Gabe (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 26.01.2016, Bl. 35 ff. Fallakte xxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat einen positiven Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 03.03.2017, Bl. 154 ff. FA xxxxx). Der Sachverständige xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung zudem ergänzt, er halte eine Manipulation mit Ajmalin für wahrscheinlich. Der Angeklagte hat erklärt, er habe keine Erinnerung an die Patientin, er könne eine Manipulation aber auch nicht ausschließen. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige eine Manipulation für wahrscheinlich hält und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

70. xxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte befand sich zum Zeitpunkt der tödlichen Krise des Patienten ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass eine medikamentöse Intervention wahrscheinlich sei, da der Kreislaufzusammenbruch sehr ungewöhnlich sei. Eine missbräuchliche Gabe von Ajmalin würde den Verlauf erklären, dieser Wirkstoff sei weder indiziert noch dokumentiert worden (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 21.03.15, Bl. 46 ff. FA xxxxxx; Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 23.05.2017, Bl. 171 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem positiven Nachweis des Wirkstoffes Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.01.2016, Bl. 128 ff FA xxxxxx). Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ergänzt, es seien in der Krankenakte zwei kurz aufeinander folgende Kreislaufzusammenbrüche erkennbar, um 00:07 Uhr und um 00:43 Uhr. Nach dem ersten Zusammenbruch sei der Patient kurzzeitig stabilisiert worden. Der Sachverständige hat erklärt, der zweite Zusammenbruch sei eindeutig auf den ersten zurückzuführen, bei dem wahrscheinlich mit Ajmalin manipuliert worden sei. Der Angeklagte hat zudem in der Hauptverhandlung eingeräumt, dem Patienten Ajmalin gespritzt zu haben, woran dieser letztlich gestorben sei. Er habe dadurch das Hochgefühl der Geburt seiner Tochter hochhalten wollen. Dieses eindeutige Realkennzeichen und die aussagekräftige Beweislage sprechen zur Überzeugung der Kammer für die Richtigkeit des Geständnisses des Angeklagten und ebenso für seine Täterschaft.

71. xxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte auch bei diesem Sterbefall im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass eine medikamentöse Intervention möglich sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 07.03.15, Bl. 33 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem positiven Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten derxxx vom 30.11.15, Bf. 156 ff. FA xxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat Prof. xxxxxxx ergänzt, dass der Verlauf zu einer nicht indizierten Gabe von Ajmalin passe, welches auch nicht in der Krankenakte dokumentiert sei. Er halte eine Manipulation für sehr wahrscheinlich. Der Angeklagte hat an diesen Sterbefall keine Erinnerung, hat aber eine Manipulation auch nicht ausgeschlossen. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

72. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Eintritt der Krise und des Todes der Patientin ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx hat ausgeführt, das letale Kreislaufversagen sei sehr ungewöhnlich, es sei aus völliger Ruhe heraus entstanden. Es passe zu einer medikamentösen Intervention (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 08.03.15, Bl. 33 ff. Hauptakte). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem positiven Ajmalin-Nachweis (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 12.01.2016, Bl. 123 ff. FA xxxx). Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ergänzt, dass Ajmalin nicht offiziell verabreicht worden ist und es auch nicht indiziert gewesen ist. Der Verlauf der Krise passe gut zu einer missbräuchlichen Gabe dieses Wirkstoffes, das EKG zeige die typischen breiten Kammerkomplexe. Er schätze eine Manipulation als sehr wahrscheinlich ein. Der Angeklagte hat eingeräumt, der Patientin Ajmalin verabreicht zu haben und sie damit getötet zu haben. Die Kammer hat keine Anhaltspunkte, dass dieses Geständnis unrichtig sein könnte. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde, hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

73. xxxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte zum Krisen- und Todeszeitpunkt des Patienten im Dienst. Prof. xxxxxxx kam zunächst zu dem Ergebnis, dass die aufgetretenen Herzrhythmusstörungen und das letale Kreislaufversagen als ungewöhnlich anzusehen seien (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 03.01.2015, Bl 43 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen positiven Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017 (Lidocain), Bl. 66 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). Der medizinische Sachverständige hat sodann ausgeführt, dass er keinerlei Anhaltspunkte für eine offizielle intravenöse Gabe von Lidocain habe. Lidocain sei auch nicht indiziert gewesen (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 03.09.2017 (Lidocain), Bf. 133 ff. FA xxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige ergänzt, dass der Patient keinen Dauerkatheter und keine Magensonde, sondern nur einen Tubus drei Stunden vor seinem Versterben gelegt bekommen habe. Es müsse also die Verwendung eines lidocainhaltigen Gels berücksichtigt werden. Dennoch halte er eine zum Tod führende Manipulation mit Lidocain für wahrscheinlich. Der Angeklagte hat angegeben, keine Erinnerungen an diesen Sterbefall zu haben, hat eine Manipulation aber auch nicht ausgeschlossen. Die Kammer ist in der Zusammenschau der vorstehenden Ausführungen von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt: Der Angeklagte war im Dienst, bereits vor dem Nachweis eines Medikaments attestierte der medizinische Sachverständige einen ungewöhnlichen Verlauf, anschließend wurde der Wirkstoff Lidocain - mit den dargestellten Einschränkungen - nachgewiesen und der Sachverständige ergänzt, dass dies als Tatmittel einer Manipulation in Betracht komme und er eine solche angesichts des Verlaufes mit diesem Wirkstoff als wahrscheinlich einschätze. Für die Kammer bestanden mithin keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

74. xxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Zeitpunkt des Eintritts der Krise und des Todes der Patientin im Dienst, was sich aus dem Dienstplan ergibt. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat angegeben, das Kreislaufversagen sei ungewöhnlich und sehr wahrscheinlich auf eine Manipulation zurückzuführen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 01.11.2015, Bl. 31 ff. FA xxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem positiven Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 03.02.2017, Bl 120 ff. FA xxxxxxxxx). Prof. xxxxxxx hat ergänzend angegeben, Ajmalin sei weder offiziell verabreicht worden noch indiziert gewesen. Der Krisenverlauf passe sehr gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin. Die Tatsache, dass der Tod der Patientin erst um 01:25 Uhr eingetreten sei und das Kreislaufversagen für 20 Uhr notiert sei, spreche nicht gegen diese Einschätzung. Denn der Tod sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf das Kreislaufversagen und damit auch auf eine Manipulation zurückzuführen. Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben und eine tödliche Manipulation eingeräumt. In der Hauptverhandlung hat er angegeben, das Gespräch mit der -namensgleichen -Kollegin habe "keine Stunde" vor der Manipulation stattgefunden. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat hierzu ausgeführt, die Angabe über das Gespräch mit der Kollegin gleichen Namens könne durchaus als Hinweis auf eine genuine Erinnerung an den Sterbefall xxxxxxxxx angesehen werden Laut Dienstplan habe der Angeklagte Spätdienst und die Kollegin Nachtdienst gehabt, so dass ein entsprechendes Gespräch bei der Übergabe der Patientin plausibel erscheine. Eine Erinnerungsverbesserung der von ihm geschilderten Art sei gedächtnispsychologisch denkbar. Randdetails, die aussagepsychologisch als Realkennzeichen für das Geständnis interpretiert werden könnten, seien darin allerdings nicht zu sehen. Zweifel an seinem Geständnis haben sich angesichts der eindeutigen Beweislage nicht ergeben, was auch für die Feststellung seiner Täterschaft gilt.

75. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst, was sich aus dem Dienstplan ergibt. Prof. Dr. xxxxxxx hat nach Auswertung der Krankenakte dargelegt, dass das letale Kreislaufversagen nicht plausibel sei und eine medikamentöse Intervention als sehr wahrscheinlich anzusehen sei. Ajmalin sei offiziell nicht verabreicht worden und eine entsprechende Gabe wäre auch nicht indiziert gewesen. Der tödlich endende Verlauf passe zur nicht indizierten Gabe von Ajmalin (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 28.02.2016, Bl. 49 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat einen positiven Befund hinsichtlich Ajmalin festgestellt (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 27.09.2017, Bl. 183 ff. FA xxxxxxx). Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ergänzt, aus der Krankenakte seien die für eine missbräuchliche Beibringung von Ajmalin typischen breiten Kammerkomplexe ersichtlich, eine Manipulation sei aus seiner Sicht sehr wahrscheinlich. Der Angeklagte hat eingeräumt, dem Patientin Ajmalin verabreicht zu haben. Er erinnere dies, weil es sich um einen der wenigen urologischen Patienten gehandelt habe, bei denen er manipuliert habe und dieser der einzige gewesen sei, der seine Manipulation nicht überlebt habe. Angesichts dieser deutlichen Realkennzeichen hat die Kammer keine Zweifel an der Richtigkeit des Geständnisses des Angeklagten. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde hat die Kammer zudem auch keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

76. xxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes zum Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat ausgeführt, dass er das letale Kreislaufversagen des Patienten als sehr ungewöhnlich ansehe Der Verlauf der Krise passe zu einer nicht indizierten Gabe von Ajmalin, welches auch nicht offiziell verabreicht worden sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 23.02.2015, Bl. 31 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat einen positiven Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 17.03.16 (Ajmalin), Bl. 110 ff. FA xxxxxx). Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ergänzend angegeben, er halte eine Manipulation mit Ajmalin angesichts des klinischen Bildes für sehr wahrscheinlich. Der Angeklagte hat angegeben, sich an diesen Sterbefall nicht zu erinnern, eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde, hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

77. xxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte bei Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx ist zu der Einschätzung gekommen, dass eine Plausibilität des letalen Kreislaufversagens nicht gegeben sei. Ajmalin sei weder offiziell verabreicht worden noch indiziert gewesen, der tödliche Verlauf passe zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 02.03.16, Bl. 31 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem positiven Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 07.04.2017, Bl. 74 ff. FA xxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat Prof. xxxxxxx ausgeführt, er halte eine Manipulation mit diesem Wirkstoff für sehr wahrscheinlich. Der Angeklagte hat angegeben, er könne sich an diesen Sterbefall nicht erinnern, eine Manipulation aber auch nicht ausschließen. In der Zusammenschau ist festzustellen, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde, so dass die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten hat.

78. xxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplans bei Eintritt der Krise und des Versterbens des Patienten im Dienst. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx kam bei der Auswertung der Krankenakte von Anfang an zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen ungewöhnlich sein und er eine medikamentöse Manipulation für wahrscheinlich halte (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 14.03.2015, Bl. 31 ff. FA xxxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Lidocain in der Leiche des Patienten ergeben (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 131 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung'1). In seinem Ergänzungsgutachten hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx ausgeführt, dieser Wirkstoff sei weder offiziell intravenös verabreicht worden noch indiziert gewesen (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 13.07.2017, Bl. 144 ff. FA xxxxxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat er ergänzt, dass bei dem Patienten seit 240 Stunden ein Dauerkatheter gelegen habe, sodass die Anwendung eines lidocainhaltigen Gels zu berücksichtigen sei. Allerdings sei angesichts der Halbwertszeiten des Wirkstoffes im lebenden Organismus bereits davon auszugehen, dass die Verwendung des Gels nicht zu einem Nachweis geführt habe. Zudem sei aufgrund des plötzlichen Einbruchs aus einem sehr stabilen Kreislauf des Patienten wahrscheinlich von einer Manipulation mit Lidocain auszugehen. Der Angeklagte hat angegeben, keine Erinnerungen an den Sterbefall zu haben, eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Die Kammer ist in der Zusammenschau der vorstehenden Ausführungen von der Täterschaft des Angeklagten überzeugt: der Angeklagte war im Dienst, bereits vor dem Nachweis eines Medikaments attestierte der medizinische Sachverständige eine wahrscheinliche medikamentöse Intervention, anschließend wird der Wirkstoff Lidocain - hier ohne Einschränkungen - nachgewiesen und der Sachverständige ergänzt, dass dies als Tatmittel einer Manipulation in Betracht komme und er eine solche angesichts des Verlaufes mit diesem Wirkstoff als wahrscheinlich einschätze. Für die Kammer bestanden mithin keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

79. xxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zum Eintritt der Krise und des Todes der Patientin im Dienst, was sich aus dem Dienstplan ergibt. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass der aus dem Krankenblatt ersichtliche tödliche Verlauf nicht plausibel sei und die plötzliche Reanimationspflichtigkeit der Patientin als äußerst ungewöhnlich zu bezeichnen sei. Der Verlauf der Krise passe zu einer nicht indizierten Gabe von Ajmalin, welches auch nicht offiziell verabreicht worden sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 15.03.15, Bl. 29 ff. FA xxxx). Die toxikologische Untersuchung hat einen positiven Nachweis von Ajmalin ergeben (Toxikologisches Gutachten derxxxvom 02.02.2017, Bl. 182 ff. FA xxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx ergänzt, er halte angesichts des typischen Musters des Kreislaufversagens eine missbräuchliche Gabe von Ajmalin für sehr wahrscheinlich. Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben. Die Patientin habe schwerste Verletzungen im Gesicht gehabt, sie sei quasi deformiert gewesen. Die Kammer hat keine Zweifel an den geständigen Angaben des Angeklagten. Unter Berücksichtigung, dass er im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde hat die Kammer auch keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

80. xxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes auch bei diesem Sterbefall im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass er keine Plausibilität des letalen Kreislaufversagens feststellen könne. Er halte eine Manipulation für sehr wahrscheinlich. Ajmalin sei weder indiziert gewesen noch offiziell verabreicht worden. Der tödliche Verlauf passe sehr gut zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 13.12.15, Bl. 35 ff. FA L. xxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis dieses Wirkstoffes (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 02.03.2017, BL 120 ff. FA L. xxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige xxxxxxx ergänzt, dass er eine Manipulation mit Ajmalin für sehr wahrscheinlich halte. Der Angeklagte hat in diesem Fall ein Geständnis abgegeben Er erinnere sich an diese Patientin insbesondere wegen des Vornamens, da dieser der gleiche sei wie der seiner früheren Freundin, der Zeugen xxxxx. Die Kammer hat keine Zweifel an den geständigen Angaben des Angeklagten, insbesondere sind Realkennzeichen vorhanden. Hinzu kommt: der Angeklagte war im Dienst, der medizinische Sachverständige ist zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen und der Nachweis von Ajmalin ist erbracht worden. Die Kammer hat keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

81. xxxxxxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte zum Eintritt der Krise und des Todes der Patientin im Dienst. Prof. xxxxxxx hat in seinem Gutachten ausgeführt, er halte das letale Kreislaufversagen für nicht plausibel, eine medikamentöse Intervention sei wahrscheinlich. Ajmalin sei weder indiziert noch offiziell verabreicht worden, zudem passe der Verlauf der Krise zu einer missbräuchlichen Gabe (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 04.10.15, Bl. 35 ff. FA xxxxxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem positiven Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.04.2016, Bl. 76 ff FA xxxxxxxxxxx). Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ergänzt, er halte angesichts des plötzlichen und unerklärlichen Eintretens einer Asystolie eine Manipulation mit Ajmalin für sehr wahrscheinlich. Der Angeklagte hat keine Erinnerungen an den Sterbefall, hat aber eine Manipulation auch nicht ausgeschlossen. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

82. xxxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes auch bei diesem Sterbefall im Dienst. Der medizinische Sachverständige Prof. xxxxxxx hat erklärt, dass nach Auswertung der Krankenakten das letale Kreislaufversagen des Patienten nicht plausibel sei. Die Monitoraufzeichnungen würden auf eine medikamentöse Intervention hindeuten, es hätten sich für Ajmalin typische plötzliche Verbreiterungen des QRS-Komplexes gezeigt (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 02.08.2015, Bl. 63 ff. FA xxxxxxxxxx). Eine toxikologische Untersuchung war nicht möglich, da der Patient feuerbestattet wurde. Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ergänzt, dass er eine Manipulation mit dem nicht indizierten und nicht offiziell verabreichten Wirkstoff Ajmalin für sehr wahrscheinlich halte. Es sei am 09.05.2005 aus einem sehr stabilen Kreislauf plötzlich zu einem Einbruch gekommen. Hinzu kommen die glaubhaften Angaben des Zeugen xxxxxxxx: Dieser hat bekundet, nach dem Tod des Patienten habe er in dessen Patientenzimmer in einem Abwurfbehälter drei leere Verpackungen des Medikamentes Gilurytmal (Wirkstoff Ajmalin) gefunden und gesichert. Es habe zu diesem Zeitpunkt bereits der Verdacht bestanden, dass der Angeklagte durch eine missbräuchliche Gabe Patienten schade. Außerdem hat der Angeklagte in diesem Fall ein Geständnis abgegeben, an deren Richtigkeit die Kammer angesichts der dichten Beweislage keine Zweifel hat.

Ihre Feststellungen zum Geschehen nach dem Sterbefall xxxxxxxxxx stützt die Kammer auf die glaubhaften Angaben des Zeugen xxxxxxxxx, der dieses wie festgestellt geschildert hat. Die Feststellung, dass den xxxxxxxxxxxxx Pflegern und Ärzten zuvor nur allgemein aufgefallen war, dass der Angeklagte häufig in Krisensituationen und bei der Reanimation von Patienten zugegen war, dies aber als schicksalhaftes Pech angesehen, ihn allenfalls bedauert bzw. angefrotzelt und - bis zu dem Fund des Zeugen xxxxxxxxx - keinen Argwohn gegen den Angeklagten gehegt hatten, beruht auf den entsprechenden Bekundungen der als Zeugen vernommenen Mitarbeiter des Klinikums xxxxxxxxxxx.

83. xxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte auch bei diesem Sterbefall im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, das letale Kreislaufversagen sei auch hier unplausibel. Die Patientin habe sich über Stunden in einem stabilen Kreislauf befunden und sei plötzlich eingebrochen. Dies passe zu einer missbräuchlichen Gabe von Ajmalin, welches nicht indiziert und nicht offiziell verabreicht worden sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 15.03.2015, Bl. 35 ff. FA xxxx). Die toxikologische Untersuchung hat den Nachweis von Ajmalin erbracht (Toxikologisches Gutachten vom 12.01.16, Bl. 135 ff. FA xxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige xxxxxxx ergänzt, er halte eine Manipulation mit Ajmalin für sehr wahrscheinlich. Die Patientin sei zwar schwer krank gewesen und hätte erwartbar auch in den nächsten Tagen an ihrer Grunderkrankung versterben können. Die konkrete Situation, die zu diesem Zeitpunkt zum Tod geführt habe, sei aber auf eine Manipulation zurückzuführen und eben nicht auf die Grunderkrankung. Der Angeklagte hatte keine Erinnerungen an die Patientin, schloss eine Manipulation aber auch nicht aus. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde, hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten.

84. xxxxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte auch hier bei Eintritt der Krise und des Versterbens des Patienten im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen nicht plausibel sei, eine medikamentöse Intervention sei nicht auszuschließen. Ajmalin sei nicht offiziell gegeben worden und wäre auch nicht indiziert gewesen, der tödliche Ablauf passe zu einer nicht indizierten Gabe dieses Wirkstoffes (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 05.03.16, Bl. 31 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem positiven Nachweis von Ajmalin (Toxikologisches Gutachten vom 29.08.16, Bl. 66 ff. FA xxxxxx). Prof Dr. xxxxxxx hat zudem in der Hauptverhandlung erklärt, dass der Patient zunächst sehr stabil gewesen sei, dann aber plötzlich eingebrochen sei. Eine Manipulation mit Ajmalin sei sehr wahrscheinlich. Der Angeklagte erinnerte sich nicht an diesen Fall, schloss aber auch hier eine Tatbegehung nicht aus. Unter Berücksichtigung, dass der Angeklagte im Dienst war, der medizinische Sachverständige zu einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Manipulation gekommen ist und der Nachweis von Ajmalin erbracht wurde hat die Kammer keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten. Ihre Feststellungen zum Geschehen am 22.06.2005 und den Tagen danach stützt die Kammer zunächst auf die im Rahmen des Selbstleseverfahrens eingeführten Urteile des Landgerichts Oldenburg vom 23.06.2008 und 26.02.2015 und zudem auf die glaubhaften Angaben der Zeugen xxxxxxxxxx und xxxxxxx, die das in ihrem Wahrnehmungsbereich sich abspielende Geschehen wie festgestellt dargestellt haben. Die Zeugen xxxx, xxxxxxxxxx und xxxxxxxxxx haben von ihrem Auskunftsverweigerungsrecht nach § 55 StPO Gebrauch gemacht.

85. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch bei diesem Sterbefall ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Prof. Dr. xxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass das letale Kreislaufversagen als ungewöhnlich zu bewerten sei. Eine medikamentöse Intervention sei möglich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 24.09.2016, Bl. 3 ff. SH Patientenakte zur FA xxxxx). Eine toxikologische Untersuchung war aufgrund der Feuerbestattung der Patientin nicht möglich. Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung zudem angegeben, er habe zwar eine sehr schlechte Dokumentation in den Krankenakten vorgefunden, halte es aber weiterhin für möglich, dass die Patientin mittels einer missbräuchlichen Gabe von Sotalex, für das keine Indikation und keine offizielle Gabe erkennbar sei, in eine Krise gekommen sei. Der Verlauf passe zu einer solchen Gabe dieses Wirkstoffes. Hinzu kommt, dass nach der Festnahme des Angeklagten in dessen Spind im Klinikum xxxxxxxxxxx eine leere Sotalex-Umverpackung aufgefunden wurde (Durchsuchungsprotokoll des Spindes des Beschuldigten vom 01.07.2005, Bl. 11 ff. Hauptakte Bd. I des Verfahren 800 Js 35484/05). Der Angeklagte hat in diesem Fall zudem ein Geständnis abgegeben. Er erinnere eine Manipulation mit Sotalex bei dieser Patientin, sie sei daraufhin verstorben. Es sei seine letzte Manipulation vor der Festnahme gewesen. Er habe die leeren Umverpackung nicht auf der Station entsorgt, sondern im Spind versteckt. Er sei eben sorgloser gewesen, ihm sei ohnehin schon mehr oder minder alles egal gewesen. Die Kammer hat keine durchgreifenden Zweifel an dem Geständnis des Angeklagten. Mit dem Sachverständigen Prof. xxxxxxx ist die Kammer davon überzeugt, dass die Angaben über das Belassen der Sotalex-Verpackung im Spind, die mit objektiven Gegebenheiten übereinstimmten, als Hinweis interpretiert werden können, dass er genuine Erinnerungen besitzt. Diese Angabe fügt sich zudem stimmig ein in die Einlassung des Angeklagten ein, insgesamt sorgloser (gleichgültiger) geworden zu sein. Passend dazu ist auch der von ihm in diesem Zusammenhang in der Hauptverhandlung mitgeteilte, markante Erklärungsversuch gegenüber der Polizei, die Packung "zum Basteln" behalten zu haben. Zudem hat der aussagepsychologische Sachverständige Prof. xxxxxxx ausgeführt, dass es den sogenannten Recency effekt gebe, bei dem das letzte Ereignis aus einer Serie besonders gut erinnert werden könne Auch dies trifft auf den vorliegenden Sterbefall zu. Die Kammer hat angesichts der Tatsache, dass der Angeklagte im Dienst war, der Sachverständige xxxxxxx eine Manipulation für möglich und mit dem Wirkstoff Sotalex vereinbar hält, der Angeklagte ein glaubhaftes Geständnis abgegeben hat und eine leere Umverpackung in seinem Spind aufgefunden worden ist, keine Zweifel an der Tatbegehung durch den Angeklagten.

Die Feststellungen zur Festnahme des Angeklagten und Durchsuchung seines Spindes stützt die Kammer auf die glaubhaften Angaben des Zeugen KHK xxxxxxxx, der wie festgestellt ausgesagt hat und zudem auf das oben genannte Durchsuchungsprotokoll.

Ihre Feststellungen zu den Freisprüchen aus tatsächlichen Gründen stützt die Kammer auf folgende Erwägungen:

86. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war zwar zum Eintritt der Krise und des Todes der Patientin ausweislich des Dienstplanes im Dienst. Der Angeklagte hat in diesem Fall angegeben, keine Erinnerungen zu haben, eine Tatbegehung aber auch nicht auszuschließen. Dennoch ist die Kammer nicht zu der notwendigen Überzeugung von der Täterschaft des Angeklagten gekommen: Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass eine Manipulation lediglich möglich erscheine, auch wenn das letale Kreislaufversagen durchaus unklar sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 09.10.2016, Bl. 28 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung hat einen positiven Nachweis von Lidocain ergeben (toxikologische Gutachten der xxx vom 08.12.2017 (Lidocain pp), Bl. 148 ff. FA xxxxxxx). Prof. Dr. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung erläutert, dass der Verlauf der Krise zwar durchaus zu einer Gabe von Lidocain passe, dokumentiert sei dies auch hier nicht. Er weise aber insbesondere darauf hin, dass hier angesichts des Kammerflimmerns der Patientin durchaus eine medizinisch plausible Indikation für die Gabe von Lidocain bestanden habe. Aufgrund dieser Ausführungen hat die Kammer in der Gesamtabwägung begründete Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten gehabt und ihn deshalb aus Zweifelsgründen freigesprochen.

87. xxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei auch bei diesem Sterbefall im Dienst, was sich aus dem Dienstplan ergibt. Der Angeklagte hat sich nicht an den Patienten erinnert, eine Manipulation aber auch nicht ausgeschlossen. Prof. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass eine Manipulation lediglich möglich erscheine, auch wenn das letale Kreislaufversagen durchaus unklar sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 12.02.2017, Bl. 32 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 08.12.2017 (Lidocain), Bl. 142 ff. FA xxxxx). Prof. Dr. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung ergänzt, grundsätzlich passe der Verlauf auch zu einer missbräuchlichen Beibringung von Lidocain, welches nicht dokumentiert und auch nicht indiziert gewesen sei. Allerdings sei das Krankheitsbild des Patienten so schlecht gewesen, dass er auch ein schicksalhaftes Versterben aufgrund des sehr schlechten Herzzustandes des Patienten für gleichermaßen möglich halte. Vor diesem Hintergrund sind bei der Kammer im Rahmen der Gesamtwürdigung der Beweismittel begründete Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, er war demnach in diesem Fall freizusprechen.

88. xxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte bei diesem Sterbefall zum Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Angeklagte hat sich an diesen Fall nicht erinnern können, eine Manipulation aber auch nicht ausgeschlossen. Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxxx hat in seinem Gutachten keine Hinweise auf eine iatrogene Beibringung eines Wirkstoffes auffinden können (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxx vom 20.11.2014, Bl. 7 ff. FA xxxxxxxx). Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, er habe aus der therapiefraktären Asystolie durchaus Hinweise auf eine Manipulation, eine solche könne er in diesem Fall jedoch nur nicht ausschließen. Überwiegend sei der Krankheits- und Todesverlauf des Patienten nämlich plausibel, das finale Kreislaufversagen sei angesichts der tachyarrhythmischen und hypotonen Kreislaufverhältnisse letztlich nicht überraschend aufgetreten (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 05.11.2016, Bl. 24 ff. FA xxxxxxxx). Der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxxxxxxxxx kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, es seien keine Hinweise auf einen iatrogenen Einfluss zu finden. Der Patient habe sich als "letzte Chance" einer Herzoperation unterzogen und nur mit maximalem Einsatz von Medikamenten und dem Gegenpulsations-Verfahren von der Herz-Lungen-Maschine entwöhnt werden können. Unmittelbar nach Aufnahme auf die Intensivstation habe er unter dieser "verzweifelten" Therapie einen Herzkreislaufstillstand erlitten, der zunächst erfolgreich habe behandelt werden konnte. Das Kalium sei zu diesem Zeitpunkt hoch, aber nicht im kritischen Bereich gewesen. Kurze Zeit später habe ein erneuter Herzkreislaufstillstand in einem nicht mehr beherrschbaren endgültigen Herzversagen geendet. Für ihn zeige sich ein tragischer Verlauf während und nach einer Notoperation (Gutachten vom 20.11.2014, Bl. 7 ff. FA xxxxxxxx). Nach Angaben des Sachverständigen Dr. xxxxx in der Hauptverhandlung sei ein positiver toxikologischer Befund hinsichtlich Lidocain gegeben. Prof. xxxxxxx hat in seinem Ergänzungsgutachten dargestellt, nach dem Verlauf der Krise sei es zwar denkbar, dass der Angeklagte dem Patienten missbräuchlich Lidocain verabreicht habe (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 20.07.2017 (Lidocain), Bl. 95 ff. FA xxxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige Prof. Dr. xxxxxxx allerdings darauf hingewiesen, dass er anders als in vielen anderen Fällen das - im Übrigen 1,5 Stunden vor dem Tod sehr schlecht dokumentierte - klinische Bild hier nicht so eindeutig beurteilen könne. Er könne hier nicht zu einer größeren Wahrscheinlichkeit als "nicht ausschließbar" kommen. Angesichts dieser nachvollziehbaren Einschätzung sind bei der Kammer in der Gesamtabwägung vernünftige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, da nach der erschöpfend durchgeführten Beweisaufnahme mit mindestens gleicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass bei dem Patienten dessen Grunderkrankung auch ohne Manipulation zum Tode geführt hatte. Der Angeklagte war mithin hier freizusprechen.

89. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch hier zum Zeitpunkt des Eintritts der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Er hat eine Manipulation in der Hauptverhandlung ausdrücklich bestritten, er habe diesen Patienten sehr eng betreut und könne sich deshalb sehr gut an ihn erinnern. Prof. Dr. x xxxxxxxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass der Patient an seinem Todestag insgesamt zweimal asystol geworden sei- und zwar um 07:10 sowie um 10.00 Uhr - während er aufgrund einer Reanimation um 07.10 Uhr zunächst überlebte, sei seine Rettung um 10:00 Uhr nicht mehr gelungen. Es sei zwar ein auffälliger Kaliumwert um 7:10 Uhr festzustellen, allerdings gäbe es hier Hinweise darauf, dass es sich eine Fehlmessung handeln könne; er könne einen externen Einfluss nicht völlig ausschließen, bewerte den Tod des Patienten jedoch eher als natürlich (Gutachten Prof. Dr. xxx xxxxxxxxxxx vom 14.03.2015, Bl. 4 ff. FA xxxxxxxx). Prof. Dr. xxxxxxx kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Kaliumwert um 7:10 Uhr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um das Resultat einer Fehlmessung handele, was sich aus den Kontrollwerten und dem Zusammenspiel mit weiteren notierten Werten, wie dem PH-Wert ergäbe. Trotzdem schienen ihm die Ereignisse um 7:10 Uhr und 10:00 Uhr zunächst auffällig und krankheitsunabhängig (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 17.02.2017, Bl. 24 ff. FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Lidocain (Toxikologische Ergebnisse der xxx vom 05.05.17, 19.05.17 und 30.06.17, Bl. 49, 50 f, 80, 130 ff. FA xxxxxxxx). Prof. Dr. xxxxxxx kam sodann zu dem Ergebnis, dass Lidocain nicht offiziell intravenös verabreicht worden sei, eine missbräuchliche Gabe erkläre den ungewöhnlichen Verlauf, eine Manipulation mittels Lidocain sei allerdings lediglich als "nicht auszuschließen" ein (Ergänzende Stellungnahme von Prof. Dr. xxxxxxx vom 08.07.2017, Bl. 87 FA xxxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat er zudem ausgeführt, dass sich seiner Einschätzung nach nicht ausschließen lasse, dass es zu der bei dem Patienten letztlich tödlichen Nachblutung auch gekommen wäre, wenn eine Reanimation nicht missbräuchlich ausgelöst worden wäre. Der Sachverständige kam auch zu dem Ergebnis, dass sich aus der Krankenakte Hinweise auf ein Geschehen ergäben, bei welchem man die Gabe von Lidocain als indiziert hätte ansehen können. Insgesamt bestehen daher in diesem Fall aufgrund des durchgehenden Bestreitens des Angeklagten im Zusammenspiel mit der Aussage der Sachverständigen vernünftige Zweifel, so dass der Angeklagte wegen dieses Vorwurfs im Ergebnis freizusprechen war.

90. xxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch bei Eintritt dieser Krise im Dienst. Er hat angegeben, sich an diesen Fall nicht zu erinnern, eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass keine Hinweise auf eine iatrogene Beibringung eines Stoffes zu sehen wären (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx vom 14.03.2015, Bl. 7 ff FA xxxxx). Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat angegeben, eine Manipulation sei wegen des unklaren letalen Kreislaufversagens nicht auszuschließen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 27.01.2017, Bl. 29 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 30.11.2017 (Lidocain u.a.), Bl. 140 ff. FA xxxxx). in seinem Ergänzungsgutachten hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx ausgeführt, dass der Verlauf der Krise grundsätzlich zu einer missbräuchlichen Gabe passe (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 28.08.2017 (Lidocain), Bl. 85 ff. FA xxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige ausgeführt, es könne angesichts des Krankheitsverlaufes auch ein schicksalhaftes Ereignis in Betracht kommen, er schätze eine Manipulation daher nur als möglich ein. Prof. Dr. xxxxxxxxxxxx hat in der Hauptverhandlung angegeben, aus seiner Sicht sei bei dem vorliegenden Kammerflimmern des Patienten durchaus eine Indikation für Lidocain gegeben. Vor diesem Hintergrund der unterschiedlichen Bewertungen und der geringer eingeschätzten Wahrscheinlichkeit der Sachverständigen sind bei der Kammer im Rahmen der Gesamtwürdigung der Beweismittel begründete Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, er war demnach in diesem Fall freizusprechen.

91. xxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte bei diesem Sterbefall zum Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Der Angeklagte hat sich an diesen Fall nicht erinnern können, eine Manipulation aber auch nicht ausgeschlossen. Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, er könne angesichts der schlechten Dokumentation in der Krankenakte das letale Kreislaufversagen letztlich kaum bewerten, eine Manipulation sei aber nicht auszuschließen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 30.01.2016, Bl. 29 ff FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen positiven Befund hinsichtlich Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 155 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung'1). Prof. xxxxxxx hat in seinem Ergänzungsgutachten dargestellt, dass sich der Verlauf der Krise mit einer nicht indizierten Gabe von Lidocain erklären lasse und eine solche Gabe möglich erscheine (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 03.09.2017 (Lidocain), Bl. 69 ff. FA xxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige allerdings darauf hingewiesen, dass er angesichts der schlechten Dokumentation erhebliche Probleme habe, den Krisenverlauf belastbar einzuschätzen. Angesichts dieser Einschätzung sind bei der Kammer in der Gesamtabwägung vernünftige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, der Angeklagte war mithin hier freizusprechen.

92. xxxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte auch bei diesem Sterbefall im Dienst. Der Angeklagte hat hier eine Manipulation ausdrücklich bestritten. Es sei angesichts der ambulanten Behandlung eine besondere Situation gewesen, an die er sich gut erinnere. Es sei sehr chaotisch gewesen, aber er habe nicht manipuliert. Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, das bei der Auswertung des sich aus der Krankenakte ersichtlichen Verlaufs eine Plausibilität des letalen Kreislaufversagens grundsätzlich gegeben sei, er eine Manipulation aber auch nicht ausschließen könne (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 20.05.2015, Bl. 32 FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen positiven Nachweis von Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 209 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In der Hauptverhandlung hat Prof. xxxxxxx ausgeführt, das eine Indikation für Lidocain durchaus bestanden haben könne und zwar als Ultima Ratio zur Rettung der Patientin. Dokumentiert sei dies in der Krankenakte allerdings nicht. Insgesamt bestehen daher in diesem Fall aufgrund des durchgehenden Bestreitens des Angeklagten im Zusammenspiel mit der Aussage des Sachverständigen vernünftige Zweifel, da sich gerade aus der Darstellung des Angeklagten einer "chaotischen Situation" die mangelnde Dokumentation einer offiziellen Lidocaingabe ebenso gut erklären ließe wie eine Manipulation durch ihn. Der Angeklagte war wegen dieses Vorwurfs im Ergebnis freizusprechen.

93. xxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei diesem Sterbefall im Dienst. Er hat angegeben, er erinnere sich an diesen nicht, könne aber auch hier eine Manipulation nicht ausschließen. Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, er könne angesichts der schlechten Dokumentation in der Krankenakte das letale Kreislaufversagen letztlich sehr schwer bewerten, eine medikamentöse Manipulation sei aber nicht auszuschließen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 10.02.2015, Bl. 33 ff. FA xxxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen positiven Befund hinsichtlich Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017 (Lidocain), Bl. 85 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). Prof. xxxxxxx hat in seinem Ergänzungsgutachten dargestellt, dass sich der Verlauf der Krise mit einer nicht indizierten Gabe von Lidocain erklären lasse und eine solche Gabe möglich erscheine (Ergänzungsgutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 22.10 2017 (Lidocain), Bl. 121 ff FA xxxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige allerdings darauf hingewiesen, dass er angesichts der schlechten Dokumentation erhebliche Probleme habe, den Krisenverlauf belastbar einzuschätzen. Angesichts dieser Einschätzung sind bei der Kammer in der Gesamtabwägung vernünftige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, der Angeklagte war mithin hier freizusprechen.

94. xxxxxxxxxxxxx

Ausweislich des Dienstplanes war der Angeklagte auch während dieses Krisen- und Sterbefalles im Dienst. Er hat eine Manipulation bei dieser Patientin ausdrücklich bestritten. Er sei sich absolut sicher bei dieser jungen und suizidalen Frau aufgrund der tragischen Umstände nicht manipuliert zu haben. Die behandelnden Ärzte hätten der Patientin Lidocain als Gegenmittel zu den suizidal eingenommenen Medikamenten gespritzt. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat angegeben, die knappe Dokumentation erschwere eine genauere Aussage über die Umstände des letalen Kreislaufversagens, der in der Patientendokumentation geschilderte Verlauf mache den letalen Ausgang jedoch nicht plausibel (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 14.02.2016, Bl. 33 ff. FA xxxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen positiven Lidocain Befund (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 161 ff Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In seinem Ergänzungsgutachten kam Prof. xxxxxxx zu dem Ergebnis, dass es sein könne, dass die behandelnden Ärzte in der akuten Situation den Einsatz von Lidocain als gerechtfertigt hätten ansehen können (Ergänzungsgutachten Prof. Dr. xxxxxxx (Lidocain) vom 23.05.2017, Bl. 89 ff., 85 ff. FA xxxxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige ergänzt, die Medikamente die die Patientin suizidal genommen habe, könnten Herzrhythmusstörungen auslösen, das sei möglich. Lidocain würde hier als Gegenmittel eigentlich nicht passen, es sei denn es würde ein Kammerflimmern geben. Es könne sein, dass manche Mediziner es als indiziert sehen würden. Insgesamt bestehen daher in diesem Fall aufgrund des durchgehenden Bestreitens des Angeklagten im Zusammenspiel mit der Aussage der Sachverständigen vernünftige Zweifel, so dass der Angeklagte wegen dieses Vorwurfs im Ergebnis frei zu sprechen war.

95. xxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch bei diesem Sterbefall im Dienst. Er hat sich an diesen Fall nicht erinnern können, eine Manipulation aber auch nicht ausgeschlossen. Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, dass zwar insgesamt eine schlechte Dokumentation vorliege und der Tod des Patienten grundsätzlich nachvollziehbar sei, allerdings erkläre die Dokumentation den Ablauf nicht ausreichend, eine Manipulation sei möglich (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 31.10.2015, Bl. 47 ff. FA xxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen positiven Lidocainbefund (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 143 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx allerdings darauf hingewiesen, dass er aus den Unterlagen nicht entnehmen könne, was bei dem Patienten letztlich zum Tode geführt habe. Es gebe viele verschiedene Faktoren, die er in diesem Fall schwer gewichten könne. Angesichts dieser Einschätzung sind bei der Kammer in der Gesamtabwägung vernünftige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, da mit mindestens gleicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass bei dem Patienten dessen Grunderkrankung auch ohne Manipulation zum Tode geführt hätte. Der Angeklagte war mithin hier freizusprechen.

96. xxxxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war beim Eintritt der Krise und des Todes des Patienten im Dienst. Er hat angegeben, sich an diesen Sterbefall nicht erinnern zu können, eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Prof. Dr. xxxxxxx kam zu dem Ergebnis, dass bei Auswertung der Krankenakte eine medikamentöse Intervention nicht ausgeschlossen sei. Allerdings sei der Verlauf ausweislich der Dokumentation auch plausibel. Die schwere Hirnblutung sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich gewesen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 20.05.2015, Bl. 28 ff. FA xxxxxxxx). Der toxikologische Nachweis ergab den Wirkstoff Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12.2017 (Lidocain), Bl. 137 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung'1). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx ausgeführt, ein Grund für die Kreislaufreaktion des Patienten lasse sich schwer einschätzen. Differentialdiagnostisch müsse als Ursache für eine Bradykardie (mit nachfolgender Asystolie) ein erhöhter Hirndruck in Betracht gezogen werden, zumal bei dem Patienten keine Lichtreaktionen mehr beobachtet worden seien und eine Pupillendifferenz bestanden habe. Eine Manipulation bleibe aber ebenso möglich. Angesichts dieser Einschätzung sind bei der Kammer in der Gesamtabwägung vernünftige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, da mit mindestens gleicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass bei dem Patienten dessen Grunderkrankung auch ohne Manipulation zum Tode geführt hätte. Der Angeklagte war mithin hier freizusprechen.

97. xxxxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war auch bei diesem Sterbefall im Dienst ausweislich des Dienstplanes. Er hat angegeben, sich an diesen nicht erinnern zu können, eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, dass ein Kreislaufversagen bei einer solchen Konstellation wie der Grunderkrankung hier unausweichlich gewesen sei. Es habe zum Zeitpunkt des Todes ein hämorrhagischer Schock bestanden, der nur ungenügend therapiert worden sei. Allerdings sei der letale Ausgang durch das klinische Bild nur zum Teil zu erklären: der (relativ) langsame Pulsschlag lasse eine medikamentöse Intervention, welche das Kreislaufversagen unterstützt haben könnte, auch möglich erscheinen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 16.07.2015, Bl. 35 ff. FAxxxxx). Die toxikologische Untersuchung kam zu einem Lidocainnachweis (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 13.12.2017 (Lidocain u.a.), Bl 207 ff. FA xxxxx). In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx ergänzt, dass er eine medikamentöse Intervention mit Lidocain einerseits als möglich erachte. Andererseits sei der Kreislauf des Patienten allerdings ohnehin bereits sehr instabil gewesen - es gäbe diverse Umstände in dem Krankheitsbild, die hier eine Abschätzung einer Manipulation schwierig machen würden. Angesichts dieser Einschätzung sind bei der Kammer in der Gesamtabwägung vernünftige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, da mit mindestens gleicher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass bei dem Patienten dessen Grunderkrankung auch ohne Manipulation zum Tode geführt hätte. Der Angeklagte war mithin hier freizusprechen.

98. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war ausweislich des Dienstplanes auch bei diesem Todeseintritt im Dienst. Er hat angeben, keine Erinnerungen an diesen Fall zu haben, eine Manipulation aber auch nicht auszuschließen. Prof. Dr. xxxxxxx war zunächst zu dem Ergebnis gekommen, dass der Tod des Patienten zwar grundsätzlich nachvollziehbar sei, allerdings das letale Kreislaufversagen nicht hinreichend plausibel sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 01.08.2015, Bl. 45 ff. FA xxxxxx). Die toxikologische Untersuchung ergab einen positiven Befund hinsichtlich Lidocain (Toxikologisches Gutachten der xxx vom 14.12,2017 (Lidocain), Bl. 167 ff. Leitz Ordner "neu eingehende Gutachten nach Anklagezustellung"). In der Hauptverhandlung hat Prof. xxxxxxx erklärt, er könne nicht mehr feststellen, dass der Tod des Patienten, der drei Stunden nach dem ersten Kreislaufversagen und einer erfolgreichen Reanimation eingetreten sei, auf dieses erste -mutmaßlich missbräuchlich herbeigeführte Kreisiaufversagen - zurückzuführen sei. Dazu sei die gesamte Situation des Patienten zu unklar, der Kreislauf sei insgesamt nach der Operation nie wieder richtig stabil gewesen. Angesichts dieser Einschätzung handelt es sich auch hier um einen Fall, bei dem nicht mit hinreichender Sicherheit festgestellt werden kann, ob bzw. dass der Angeklagte für den Tod des Patienten verantwortlich ist. Nach den Ausführungen des Sachverständigen muss mit mindestens gleicher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Patient an seiner Grunderkrankung verstorben ist. Der Angeklagte war hier freizusprechen.

99. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei diesem Sterbefall im Dienst. Er hat angegeben, er erinnere sich an diesen nicht, könne aber auch hier eine Manipulation nicht ausschließen. Prof. Dr. xxxxxxx hat ausgeführt, er könne angesichts der schlechten Dokumentation in der Krankenakte das letale Kreislaufversagen letztlich sehr schwer bewerten, eine medikamentöse Manipulation sei aber nicht auszuschließen (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 04.11.2017, Bl. 149 ff. FA xxxxxxxx). Der toxikologische Sachverständige Dr. xxxxx hat einen positiven Befund hinsichtlich Lidocain angegeben. In der Hauptverhandlung hat der Sachverständige Prof. xxxxxxx allerdings darauf hingewiesen, dass er angesichts der schlechten Dokumentation erhebliche Probleme habe, den Krisenverlauf belastbar einzuschätzen. Angesichts dieser Einschätzung sind bei der Kammer in der Gesamtabwägung vernünftige Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten verblieben, der Angeklagte war mithin hier freizusprechen.

100. xxxxxxxxxxxxxx

Der Angeklagte war bei Eintritt der Krise und des Todes der Patientin im Dienst. Er hat in der Hauptverhandlung ein Geständnis abgegeben. Die Patientin sei von der Normalstation unter Reanimationsmaßnahmen gekommen, welche erst erfolgreich gewesen wären. Eine Kollegin habe auf dem Bett gesessen und reanimiert. Er habe dann nach Stabilisierung mit Ajmalin manipuliert und die Patientin sei verstorben. Der Sachverständige Prof. xxxxxxx hat ausgeführt, dass sich bei der Patientin nach einer primären Stabilisierung ein Kreislaufversagen entwickelt habe, welches sich als therapieresistent erwiesen habe und nicht plausibel sei (Gutachten von Prof. Dr. xxxxxxx vom 06.03.2016, Bl. 35 ff. FA xxxxxxx). Ein Nachweis von Ajmalin hat die toxikologische Untersuchung nicht ergeben (toxikologisches Gutachten der xxx vom 20.11.2017 (Ajmalin), Bl. 179 ff. FA xxxxxxx). Prof. xxxxxxx hat in der Hauptverhandlung angegeben, die Patientin sei mit dem Notarzt von zuhause gekommen und in einem stabilen Zustand auf der Intensivstation angekommen. Sie habe dann später plötzlich erneut defilibriert werden müssen, das klinische Bild lasse sich durch die missbräuchliche Gabe von Ajmalin grundsätzlich erklären. Ihr Tod sei aber auch ohne eine Manipulation erklärbar. Die Kammer ist trotz des Geständnisses des Angeklagten zu erheblichen Zweifeln an dessen Täterschaft gekommen. Seine Angaben, die Patientin sei von der Normalstation gekommen, stehen zu den Ausführungen des Sachverständigen, dass sie von zuhause mit dem Notarzt kam, in Widerspruch. Die Kammer hatte in Erwägung zu ziehen, dass es sich hier möglicherweise um eine Verwechslung seitens des Angeklagten handeln könnte Erklären ließen sich diese Widersprüche jedenfalls plausibel nicht. Unter Berücksichtigung der Angaben des Sachverständigen, dass der Tod der Patientin auch ohne eine Manipulation erklärbar sei, hat dies zu erheblichen Zweifeln und einem Freispruch des Angeklagten in diesem Fall geführt.

VI. Einsichts- und Steuerungsfähigkeit

Die Feststellungen zur voll erhaltenen Einsichts- und Steuerungsfähigkeit des Angeklagten stützt die Kammer auf die Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen Prof. Dr. xxxxxxxxxx. Dieser hat zunächst erläutert, er habe sein Gutachten auf Basis der gesamten Akten und seiner Beobachtungen in der Hauptverhandlung erstellt. Dabei habe er auch das schriftliche Gutachten des zwischenzeitlich krankheitsbedingt ausgeschiedenen Sachverständigen Dr. xxxxxxxxxxxxx ausgewertet und berücksichtigt. Zu einer Exploration durch Prof. xxx war der Angeklagte nicht mehr bereit.

Der Sachverständige Prof. xxxx hat ausgeführt, der Angeklagte leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10 Fl 1.61) mit narzisstischen, histrionischen, dissoziale und weniger zwanghaften Anteilen, welche bereits im Tatzeitraum Vorgelegen habe. Bei ihm sei zudem unter Belastung eine emotionale Labilität und Verstimmungsneigung mit ängstlichen, depressiven Phasen im unteren bis mittleren Bereich (ICD-10 F.41.2) gegeben. Schließlich habe der Angeklagte die Neigung zum Missbrauch psychotroper Substanzen (Alkohol, Medikamente), wobei keine Abhängigkeitserkrankung gegeben sei. Bei dem Angeklagten handele es sich trotz dieser zahlreichen Diagnosen um einen Menschen, der nicht schwer psychisch krank sei.

Hinsichtlich der Einordung in die Eingangsmerkmale des § 20 StGB bedeute dies nach Angaben des Sachverständigen sodann Folgendes: So seien die bei dem Angeklagten festgestellten Diagnosen bereits nicht als krankhafte seelische Störung mit forensischer Relevanz einzustufen. Zwar seien gerade die ängstlichen, depressiven Phasen des Angeklagten grundsätzlich als solche Störungen zu bezeichnen, allerdings habe er keine forensisch relevante und damit schweren Störungsgrade erkennen können, zumal diese Störungen bei dem Angeklagten sich eher im unteren bis mittleren Bereich bewegt hätten. Dies gelte im Übrigen auch für die Neigung zum Missbrauch psychotroper Substanzen wie Alkohol und Medikamente, zumal bereits nach den Angaben des Angeklagten selbst eine Intoxikation zur Dienstzeit nie bestanden habe. Auch das Eingangsmerkmal des Schwachsinns sei nicht gegeben, da es sich bei dem Angeklagten um einen durchschnittlich intelligenten Menschen handele. Ebenso nicht einschlägig sei die Einordnung als tiefgreifende Bewusstseinsstörung: ein abruptes, affektives Handeln habe er nicht erkennen können. Vielmehr habe der Angeklagte nach seinen eigenen Angaben überlegt, geschickt und zielorientiert gehandelt, dieses Verhalten habe keinerlei Affektpotential. Einzig das Eingangsmerkmal der sogenannten schweren anderen seelischen Abartigkeit sei aus Sicht des Sachverständigen zunächst erfüllt. Die Persönlichkeitsstörung des Angeklagten sei so auffällig, dass sie auch in ihrer Schwere dem Eingangsmerkmal zuzuordnen sei.

Die Persönlichkeitsstörung des Angeklagten habe aber nicht zu einer erheblichen Einschränkung der Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit geführt: zum einen sei bei dem Angeklagten jederzeit die Einsicht in das Verbotene seiner Handlungen vorhanden gewesen. Aber auch die Handlungssteuerung sei durchgehend gegeben gewesen: so habe sich der Angeklagte nach den Angaben der als Zeugen vernommenen Kollegen nach außen immer kompetent und außerordentlich leistungsfähig gezeigt. Die innere Steuerungsfähigkeit sei nach den Schilderungen des Angeklagten selbst ebenfalls jederzeit gegeben gewesen: er habe auf die "richtige Situation" zur Manipulation warten können, habe seine Handlung beispielsweise durch Wechseln des Wirkstoffes modifizieren oder aber auch von Manipulationen absehen können, wenn es aus seiner Sicht nicht "gepasst" habe. Er habe sich praktisch selbst Regeln gesetzt und sich danach verhalten können. Im Ergebnis hätten die auffälligen Persönlichkeitsmerkmale des Angeklagten damit begünstigend für seine Taten gewirkt, er sei dadurch aber nicht so deformiert worden, dass seine Steuerungsfähigkeit in einem forensisch relevanten Maß beeinträchtigt worden sei. Die Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. xxxx waren logisch und nachvollziehbar, er ist von zutreffenden Anknüpfungstatsachen ausgegangen. Auch an der Fachkunde des Sachverständigen bestehen keine Zweifel. Prof. Dr. xxxx ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit dem Schwerpunkt Forensische Psychiatrie, auf diesem Gebiet bereits seit vielen Jahren für Strafgerichte tätig. Vor diesem Hintergrund hat sich die Kammer der Einschätzung des Sachverständigen aus eigener Überzeugung angeschlossen:

Für eine Beeinträchtigung durch Alkohol oder Drogen in Tatzeiträumen hat es schon nach den Schilderungen des Angeklagten keinerlei Anhaltspunkte gegeben. Er habe nie vor oder während des Dienstes entsprechende Substanzen zu sich genommen. Auch hat keiner der vernommenen Kollegen, die Zeugen xxxxxx, Dr. xxxxx, xxxxx, xxxxxx (vormals xxxxx), xxxxxx, xxxxx, xxxx (vormals xxxxx), xxxxxx-xxxxxx, xxxxxxx, xxxxxx, xxxxx, xxxxx, xxxx, xxxxx, xxxx, Dr. xxxxx, xxxxxx, xxxxxx, Dr. xxxxxxx, xxxxxxx und xxxxxx, eine Beeinträchtigung oder Einschränkung des Angeklagten durch Alkohol oder Drogen feststellen können. Auch die Persönlichkeitsstörung hat zur Überzeugung der Kammer keine Auswirkungen auf seine Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit gehabt: so haben auch hier die genannten Kollegen und Ärzte im Rahmen ihrer Vernehmung als Zeugen übereinstimmend angegeben, der Angeklagte habe jederzeit kompetent und fachlich einwandfrei gearbeitet. Eine wie auch immer geartete Leistungseinschränkung während des Dienstes hat kein Zeuge berichtet. Viele der als Zeugen vernommenen Kollegen bzw. Ärzte haben seine engagierte und zupackende Arbeit und auch sein nettes und geselliges Wesen vielmehr geschätzt. Durchgehend ist beschrieben worden, dass die Fähigkeiten des Angeklagten im pflegerischen Bereich deutlich abfiel gegenüber seinen Leistungen im medizinischen. Dies haben sämtliche Zeugen aber überzeugend und normalpsychologisch nachvollziehbar mit der Persönlichkeit des Angeklagten erklärt, dem die technische Seite der Tätigkeit eben deutlich mehr entsprochen hätte. Selbst die Zeugen xxxxx und xxxx (vormals xxxxxx), die zeitweilig eine Beziehung zu dem Angeklagten unterhalten hatten, haben diesen nicht als derart auffällig beschrieben, dass sich daraus Anhaltspunkte für die Annahme einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit während seiner Taten ergeben hätten. Letztlich hat auch der Angeklagte selbst seine innere Tatseite jeweils so geschildert, dass sich für die Kammer keine Anhaltspunkte für eine erhebliche Einschränkung seiner Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit ergeben haben.

VII. Tatmotivation

Ihre Feststellungen zur Tatmotivation des Angeklagten stützt die Kammer einerseits auf dessen eigene glaubhaften und diesbezüglich geständigen Angaben und andererseits auf die Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen Prof. Dr. xxxx. Dieser hat dazu ausgeführt, dass das Verhalten des Angeklagten unter Berücksichtigung seiner Persönlichkeit ein Geltungsbedürfnis belege, welches er mit dem Wunsch durch Manipulation einen Notfall herbeizuführen versucht habe zu stillen. Er habe imponieren, sich selbst inszenieren wollen. Dies hat der Angeklagte in seiner Einlassung selbst bestätigt. Daneben ist es zu einer Verwischung von ärztlicher und pflegerischer Rolle gekommen, was sich insbesondere auf den familiären Hintergrund seines Vaters und seiner Großmutter zurückführen lässt Der Angeklagte hat zudem selbst die stimmungsstabilisierende und stimmungshebende Wirkung seiner Taten verdeutlicht, was insbesondere aus der Schilderung zu seiner Tat nach der Geburt seiner Tochter hervorgeht. Die Entpersönlichung der Patienten ergibt sich aus der Tatsache, dass für den Angeklagten nach seinen Angaben, bestätigt durch zahlreiche Zeugenaussagen, immer die technische Seite der Intensivmedizin und weniger das pflegerische im Vordergrund gestanden hatte. Dadurch hatte er, auch nach eigenen Angaben, eine Gleichgültigkeit gegenüber den Patienten entwickelt. Zudem wirkte tatbegünstigend seine Sensationslust und der vom Angeklagten geschilderte Reiz, auf dem schmalen Grad möglicher Entdeckung zu handeln. Dieses Persönlichkeitsmerkmal des sogenannten "sensation seeking" trat nicht nur in der Einlassung des Angeklagten, sondern auch in den Schilderungen anderer Zeugen deutlich hervor: So hat der Angeklagte nach Angaben der Zeugin xxxxx, welche ihn in der JVA psychologisch unterstützt hat, geäußert, er habe ereignislose Schichten als anstrengender empfunden als solche mit viel Aktion. Dieser Kitzel ist aufgrund zunehmender Abstumpfung im Laufe der Zeit nur durch Inkaufnahme immer höherer Risiken hervorzurufen gewesen. So hat der Angeklagte - insoweit glaubhaft - in der Haupthandlung angegeben, zunehmend risikobereiter gewesen zu sein. Er habe schließlich Patienten schon bei der Aufnahme und dem Legen von Zugängen, teilweise in Anwesenheit von Kollegen, manipuliert. Verschiedene Kollegen des Angeklagten, die als Zeugen gehört wurden, haben den Angeklagten dazu passend als sogenannten "Blaulichtjunkie" charakterisiert. Zuletzt hat Prof. Dr. xxxx ausgeführt, der Mangel an Empathie des Angeklagten ergebe sich bereits aus seiner Persönlichkeitsstruktur Letztlich hat aber auch der Angeklagte selbst eingeräumt, bei seinen Taten keinerlei Empathie empfunden zu haben.

D

I.

Der Angeklagte hat sich bei den Taten zu B. III. 1. — 85. wegen Mordes gemäß § 211 StGB in 85 Fällen strafbar gemacht.

1. Der Angeklagte handelte in den Fällen unter Bill. 1. - 26. und 32. - 82. heimtückisch und in allen Fällen aus niedrigen Beweggründen.

a) Heimtückisch handelt, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst ausnutzt, vorausgesetzt jedoch, dass dies in feindlicher Willensrichtung geschieht (Eser/Sternberg-Lieben, in: Schönke/Schröder, Strafgesetzbuch, 30. Aufl., § 211 Rn. 23 m.w.N.). Arglos ist, wer sich im Zeitpunkt der Tat, d.h. bei Beginn des ersten mit Tötungsvorsatz geführten Angriffs keines Angriffs von Seiten des Täters versieht (Eser/Sternberg-Lieben a.a.O. Rn. 24 m.w.N.). Die Kammer geht davon aus, dass die Getöteten auf Grund ihrer krankheitsbedingt schlechten Konstitution, teils mit Sedierung und Beatmung, in der Mehrzahl selbst nicht in der Lage waren, Argwohn zu entwickeln. Sofern sie lediglich geschlafen haben, ist auf ihre eigene (unzweifelhaft bestehende) Arglosigkeit abzustellen. Aber auch bei dem Angriff auf das Leben eines bewusstlosen Erwachsenen ist gleichwohl von Heimtücke auszugehen, wenn der Täter die Arg-und Wehrlosigkeit eines schutzbereiten Dritten zur Tatbegehung ausnutzt. Schutzbereiter Dritter ist dabei jede Person, die den Schutz eines Besinnungslosen vor Leib- und Lebensgefahr dauernd oder vorübergehend übernommen hat und diesen im Augenblick der Tat entweder tatsächlich ausübt oder dies deshalb nicht tut, weil sie dem Täter vertraut (BGH NStZ 2008, 93, 94 m.w.N.).

Hier waren die anderen auf der Station anwesenden Pflegekräfte schutzbereite Dritte in diesem Sinne. Organisatorisch war der Stationsablauf nach den glaubhaften Angaben des Angeklagten so geregelt, dass jede Pflegekraft für bestimmte Patienten vorrangig zuständig gewesen sei. Unabhängig davon habe aber die generelle Regelung bestanden, dass bei Bedarf jede Pflegekraft für jeden Patienten zuständig gewesen sei. Die neben dem Angeklagten jeweils eingesetzten Pflegekräfte waren demnach auf den jeweiligen Intensivstationen in xxxxxxxxx und xxxxxxxxxxx für alle dortigen Patienten verantwortlich und hatten auch tatsächlich deren Betreuung und regelmäßige Überwachung übernommen. So hat die Zeugin xxxxxxxxxx für das Klinikum xxxxxxxxxxx geschildert, dass sie selbst bei den Patienten, die dem Angeklagten zugewiesen waren, teilweise pflegerische Aufgaben mitübernommen habe. Ihr sei nämlich aufgefalien, dass er bei der Pflege nachlässig gewesen sei, so dass sie und ihre Kollegen die Aufgaben des Angeklagten zum Teil mit übernehmen mussten. Auch die Zeugen xxxxxx (vormals xxxxxxx) und xxxxxxxxxxx haben ein entsprechendes Geschehen für das Klinikum xxxxxxxxx geschildert. Der Angeklagte hat bei seinen Taten die Arg- und Wehrlosigkeit der jeweils anderen Pflegekräfte planvoll ausgenutzt. Dabei handelte er in feindlicher Willensrichtung, da es ihm nicht etwa darum ging, die Geschädigten von Qualen und Leiden zu befreien. Vielmehr wollte er ihr Schicksal aus den oben dargestellten Motiven instrumentalisieren.

b) Hinsichtlich der Sterbefälle B. III. 27.-31. in Oldenburg und 83. - 85. in xxxxxxxxxxx konnte die Kammer ein heimtückisches Vorgehen des Angeklagten nicht mehr mit der dafür erforderlichen Gewissheit feststellen. Es bestehen begründete Zweifel, dass die mit dem Angeklagten jeweils diensthabenden Pflegekräften ab diesen Zeitpunkten jeweils in xxxxxxxxx und xxxxxxxxxxx noch arglos waren. So war, jedenfalls nicht ausschließbar, im Klinikum xxxxxxxxx nach dem Wochenende 14-16.09.2001 (letzter Sterbefall xxxxxxx (26.)) mit zahlreichen unerklärlichen Reanimationen und Todesfällen das Misstrauen unter den Kollegen des Angeklagten ihm und seinem Handeln gegenüber so groß und konkret geworden, dass eine Arglosigkeit dieser Personen fraglich erscheint und damit nicht mehr mit der erforderlichen Gewissheit festgestellt werden kann. Auch im Klinikum xxxxxxxxxxx bestanden ab dem Zeitpunkt des Fundes leerer Gilurytmalampullen im Zusammenhang mit dem Sterbefall xxxxxxxxxx (82.) am 09.05.2005 nunmehr konkrete Verdachtsmomente gegenüber dem Angeklagten. Die Kammer kann ab diesem Zeitpunkt daher nicht mit der erforderlichen Gewissheit feststellen, dass die Kollegen bzw. Ärzte arglos waren.

c) Der Angeklagte tötete zudem in allen 85 Fällen aus niedrigen Beweggründen. Seine Tatmotivation steht nach Gesamtwürdigung aller Umstände nach allgemeiner sittlicher Würdigung auf tiefster Stufe und ist deshalb in besonderem Maße verachtenswert. Dabei hat die Kammer durchaus berücksichtigt, dass der Angeklagte aus einem Motivbündel heraus handelte (s.o., B III. 1. -6.). Zwar waren sämtliche der genannten Beweggründe im gesamten Tatzeitraum durchgehend vorhanden, allerdings in wechselnder Gewichtung. Letzteres ist jedoch für die hier vorzunehmende rechtliche Bewertung ohne entscheidungserhebliche Bedeutung. Denn ein jedes festgestellte Motiv erscheint auch unter Berücksichtigung der Persönlichkeit des Angeklagten nach allgemeiner sittlicher Würdigung auf tiefster Stufe und ist deshalb in besonderem Maße verachtenswert. Eine Einschränkung wäre allenfalls hinsichtlich der Ziff. 5, der Entpersönlichung aufgrund der Gerätemedizin zu machen. Aber insoweit ist festzustellen, dass dieses Motiv zu keinem Zeitpunkt führend war, sondern im Laufe der Zeit die Taten insofern begünstigte als sie mit zunehmender Abstumpfung des Angeklagten dessen Hemmschwelle mehr und mehr herabsetzte. Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Angeklagte den Tod der ihm anvertrauten Patienten durchgehend in Kauf nahm, um sich selbst einen Adrenalin-Kick zu verschaffen, Nervenkitzel zu erleben und sich außerdem gleichsam als "Retter" in Szene zu setzen, seine Kenntnisse und Fähigkeiten bei der Reanimation zu zeigen, Lob und Anerkennung zu ernten und letztlich, um sich hierdurch ein gutes Gefühl zu verschaffen. Das Missverhältnis zwischen Anlass und den Taten ist bei einer jeden damit eklatant. Zugleich steht die Tatmotivation auf sittlich tiefster Stufe und ist besonders verachtenswert, zumal der Angeklagte als Krankenpfleger eine besondere Vertrauensstellung im Umgang mit den Patienten genoss. Er trieb ein Spiel um Leben und Tod, bei dem er nichts zu verlieren hatte, für das die Patienten aber mitunter mit ihrem Leben bezahlen mussten. Seine Tatmotivation stellt sich als besonders eigensüchtig dar, da der Angeklagte bereit war, allein für ein persönliches Wohlgefühl das Leben der Patienten zu opfern. Das Missverhältnis zwischen dem Anliegen des Angeklagten und den Folgen seiner Taten war so krass und offensichtlich, dass an die Feststellung, der Angeklagte sei sich dessen bewusst gewesen, keine hohen Anforderungen zu stellen sind (vgl. BGH NStZ-RR 1998, 133,134).

2. Der Angeklagte handelte in allen Fällen vorsätzlich. Zwar kam es ihm nicht auf den Tod seiner Opfer an. Diesen wollte er vielmehr nach Möglichkeit vermeiden, um sich als "Retter" profilieren zu können. Gleichwohl war ihm die Möglichkeit des Todeseintritts bewusst; er nahm sie billigend in Kauf.

Der Angeklagte war sich darüber hinaus sowohl der Umstände bewusst, die die Heimtücke und die den Antrieb seines Handelns als besonders verwerflich erscheinen lassen. Letzterem steht insbesondere nicht die psychiatrische Einschätzung des Sachverständigen Prof. Dr. xxxx entgegen. Die bereits genannten und im Tatzeitraum bestehenden Diagnosen haben nach Überzeugung der Kammer allerdings nicht dazu geführt, dass der Angeklagte die besondere Verwerflichkeit seines Handelns nicht erkennen konnte. Vielmehr hat der Sachverständige ausgeführt, dass der Angeklagte jeweils kontrolliert und kalkuliert vorgegangen sei und insbesondere - trotz des durchaus gewünschten Adrenalin-Kicks - versucht habe, das Entdeckungsrisiko zu minimieren. Die Kammer schließt sich dieser Einschätzung aus eigener Überzeugung an. So haben die als Zeugen vernommenen Kollegen des Angeklagten diesem über den gesamten Zeitraum bei Reanimationen aber auch im Übrigen im Stationsalltag ein hohes fachliches Leistungsniveau - jedenfalls im medizinischen Bereich - bescheinigt. Es sind demnach keine Anhaltspunkte ersichtlich, dass die diagnostizierten psychischen Störungen dazu geführt haben, dass der Angeklagte die besondere Verwerflichkeit seiner Beweggründe nicht hatte erkennen können.

II.

Die Taten zum Nachteil der einzelnen Geschädigten stehen zueinander im Verhältnis der Tatmehrheit (§ 53 StGB).

III.

Der Angeklagte war in den weiter angeklagten, zu Ziff. B. III. 86. -100. dargestellten Fällen aus tatsächlichen Gründen freizusprechen.

E

I.

Der Angeklagte hat sich wegen der Taten zu Ziff. B. III. 1.-85. wegen Mordes in 85 Fällen schuldig gemacht. Das Gesetz sieht dafür keinen anderen Strafrahmen als eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. Außergewöhnliche Umstände, die der Verhängung der absoluten Strafe aus §211 Abs. 1 StGB entgegenstehen könnten (vgl. BGHSt 30, 105), haben sich aus der Hauptverhandlung nicht ergeben.

Eine Milderung nach §§ 21,49 Abs. 1 Nr. 1 StGB kam nicht in Betracht. Weder die Einsichts- noch die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten war im Zeitpunkt der Taten erheblich vermindert. Der psychiatrische Sachverständige Prof. Dr. xxxx hat hierzu ausgeführt, dass Anhaltspunkte für eine Verminderung der Steuerungsfähigkeit nicht ersichtlich seien (siehe oben). Dies sieht die Kammer genauso.

II.

Aus den Einzelstrafen war unter Einbeziehung der Strafen aus dem Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 23.06.2008 - Az. 4 Ks 1/07 - und dem Urteil des Landgerichts Oldenburg vom 26.02.2015 - Az. 5 Ks 1/14 unter Auflösung der dort gebildeten Gesamtstrafe eine lebenslange Gesamtfreiheitstrafe zu bilden.

III.

Die Schuld des Angeklagten wiegt nach zusammenfassender Würdigung in Bezug auf die Tat und die Täterpersönlichkeit des Angeklagten besonders schwer, § 57a Abs. 1 Nr. 2 StGB. In besonderem Maße schulderschwerend hat sich dabei die Vielzahl der vom Angeklagten begangenen Mordtaten ausgewirkt. Zudem hatte er sowohl zum Teil heimtückisch wie durchgehend auch aus niedrigen Beweggründen gehandelt und damit jeweils bei der Mehrzahl der Taten gleich zwei Mordmerkmale verwirklicht. Darüber hinaus hat die Kammer dabei das besondere Ausmaß des Vertrauensbruchs durch den Angeklagten berücksichtigt. Letztlich hat der Angeklagte neben den eigentlichen Opfern auch weitere Menschen mit seinem Verhalten geschädigt, so hat der Zeuge xxxxxx als ehemaliger Kollege ausgesagt, er könne bis heute nicht mehr in dem Beruf des Pflegers arbeiten, da ihm hierfür aufgrund des Handelns des Angeklagten das unbedingt erforderliche Vertrauen in die Kollegen fehlen würde. Die in den Medien ausführlich dargestellten Taten des Angeklagten haben zu einer breiten Verunsicherung der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Pflege in Krankenhäusern geführt. Bei Würdigung aller Umstände wiegt die Schuld des Angeklagten besonders schwer. Dies gilt selbst unter Berücksichtigung des einen Großteil der Vorwürfe umfassenden Teilgeständnis und der damit gezeigten Reue. Der Angeklagte hat insoweit mehrfach zum Ausdruck gebracht, sich für die eingeräumten Taten zu schämen. Einschränkend muss allerdings insoweit festgestellt werden, dass der Angeklagte wie dargestellt bereits 2014/2015 - tatsächlich unvollständig und dadurch wahrheitswidrig - behauptet hatte, zum Wohle aller umfassend und rückhaltlos sämtliche Taten eingeräumt zu haben. Damit verbleiben die bereits dargestellten Zweifel an seiner Bereitschaft zur umfassenden, von Reue getragenen Tataufarbeitung. Nach allem vermögen die Geständnisse bezüglich einer großen Anzahl von Taten, aber auch unter Beachtung der ansonsten für ihn sprechenden Strafzumessungsgesichtspunkte, die gegen ihn bestehenden, seine Schuld als besonders schwerwiegend erscheinen lassenden, Gesichtspunkte nicht maßgeblich zu entkräften.

IV.

Die Kammer hat auf Grund rechtsstaatswidriger Verfahrensverzögerungen wie im einbezogenen Urteil vom 26.02.2015 - Az. 5 Ks 1/14 - ausgesprochen, dass 9 Monate der verhängten lebenslangen Gesamtfreiheitsstrafe als Entschädigung für die überlange Verfahrensdauer als vollstreckt gelten (siehe oben unter A.). Weitere, bisher unberücksichtigt gebliebene Verfahrensverzögerungen sind - wie in der Hauptverhandlung am 16.05.2019 mitgeteilt - nicht festgestellt und vom Angeklagten auch nicht behauptet worden. Die bereits im Urieil vom 26.02.2015 - Az. 5 Ks 1/14 -festgestellten Verfahrensverzögerungen, dort unter E VI. aufgeführten und in der Hauptverhandlung am 12.12.2018 anhand der "Zeitschiene" noch einmal dargestellten Verzögerungen im Zeitraum vom 03.07.2006 bis November 2013 von insgesamt maximal 6 Jahren und 2 Monaten, durch die der Angeklagte aber erst ab 13.04.2011 für den Zeitraum von 2 Jahren und 2 Monaten wirklich belastet war, gelten hier entsprechend fort. Nach November 2013 haben sich keine weiteren Verfahrensverzögerungen ergeben. Eine Erhöhung der bereits im Urteil vom 26.02.2015 - Az. 5 Ks 1/14 - festgestellten Kompensation von 9 Monaten ist danach nicht angebracht.

F

I.

Eine Anordnung der Sicherungsverwahrung nach § 66 Abs. 2 StGB i.V.m. § 66 Abs. 1 Nr. 4 StGB kam im Ergebnis nicht in Betracht. Der Angeklagte hat zwar drei Taten gegen das Leben begangen für die er jeweils eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verwirkt hat und er ist auch zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt worden. Nach den überzeugenden Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. xxxx ist bei dem Angeklagten auch von einem Hang zu erheblichen Straftaten auszugehen: der Angeklagte habe mit einer hohen Frequenz über die lange Dauer von über 6 Jahren viele Taten begangen, habe sich dabei kaltblütig und professionell verhalten. Er habe seine Taten selbst nach einem Wechsel von xxxxxxxxx nach xxxxxxxxxxx rasch fortgesetzt. Letztlich habe er über die Zeit massiv die Hemmungen vor den Taten abgebaut. Dies spreche in seiner Gesamtheit alles für einen Hang und für eine Gefährlichkeit und letztlich für eine negative Prognose. Dabei habe er, der Sachverständige, prognostisch auch die günstigen Punkte, wie die Einsicht, das gute Haftverhalten, die Wahrnehmung der Angebote in der Haft und die positiven Ergebnisse der Prognoseinstrumente PCL und HCR 20 gewürdigt, die den Angeklagten in keine hohe Risikogruppe einordnen, berücksichtigt.

Allerdings spreche aus seiner Sicht ein Punkt massiv gegen den Angeklagten: zu seiner Überzeugung sei eine Tataufarbeitung nie wirklich zustande gekommen. Dies stützte er insbesondere auf die zeugenschafltichen Angaben der Anstaltspsychologin xxxxx, die bekundet hat, dass der Angeklagte ihr gegenüber immer nur reagiert habe auf das was man ihm gesagt habe und letztlich Taten immer nur dann eingeräumt habe, wenn er "mit dem Rücken zur Wand" gestanden habe. Er täusche vor, um etwas für sich zu erreichen, nicht als Zeichen von Empathie. Dies habe er letztlich auch in dem Verfahren 5 Ks 1/14 so gehandhabt. Dort sei ihm in der Hauptverhandlung mehrfach deutlich vor Augen geführt worden, dass in Anbetracht des Umfangs seines damaligen Geständnisses ein bewusstes Verschweigen weiterer, etwa in Oldenburg begangener Taten keinerlei positive, sondern allein im Rahmen der Strafvollstreckung negative Auswirkungen haben könnte. Auch der aussagepsychologische Sachverständige Prof. xxxxxxx habe dies letztlich so bestätigt und von einer hohen Lügenkompetenz und Lügenbereitschaft des Angeklagten mit andauernder Neigung zur Falschaussage gesprochen. Dabei sei der kritische Punkt die Persönlichkeit des Angeklagten, bei der es aus Sicht des psychiatrischen Sachverständigen Prof. xxxx trotz der Haft und der Wahrnehmung therapeutischer Angebote keine durchgreifende Veränderung gegeben habe. Aus seiner sachverständigen Sicht sei es sogar denkbar, dass der Angeklagte 2014/2015 gegenüber dem damaligen Sachverständigen Dr. xxxxxxxxx wie dem Gericht die Unwahrheit gesagt habe, um erneut ein ihn anregendes Spiel und den damit verbundenen Nervenkitzel zu erleben. Folgende Punkte würden aus seiner Sicht demnach für einen Hang und für eine nach wie vor gegebene Gefährlichkeit sprechen:

Einerseits das Fehlen tragfähiger Bindungen beim Angeklagten, andererseits das Fehlen von echten und ehrlichen Schuldgefühlen wie Scham und Reue. Dabei habe er aus seiner sachverständigen Sicht keinen authentischen Leidensdruck oder aber eine Verantwortungsübernahme gesehen. Zudem fehle dem Angeklagten wie dargestellt nach wie vor Empathie, also das Einfühlen in andere. Auch die Tatsache, dass er viele Jahre nach Sensation gesucht hat, spreche für einen stabilen Hang. Da aus Sicht des Sachverständigen letztlich keine Anhaltspunkte für einen Persönlichkeitswandel zu erkennen seien, sehe er weiterhin einen Hang und eine negative Prognose. Dem Angeklagten falle es offensichtlich sehr schwer, sich echt mit den Taten auseinanderzusetzen. Dabei spreche auch das ausgesprochene Berufsverbot und damit das für ihn deshalb nun unmögliche bisherige berufliche Umfeld nicht gegen eine negative Prognose: die psychopatischen Merkmale seien so sehr ausgeprägt, dass auch außerhalb des ursprünglichen Berufes Delikte passieren könnten. Auf Nachfrage hat der Sachverständige hierzu einschränkend aber auch erklärt, er könne letztlich nicht sagen, welche Art von Taten in welchem Umfeld von dem Angeklagten nun künftig zu erwarten seien. Die Kammer schließt sich den Einschätzungen des Sachverständigen aus eigener Überzeugung an. Wie oben bereits unter C IV. 1. d) dargestellt, hat die Kammer die Fähigkeit des Angeklagten zu Falschdarstellungen, unterlegt mit dazu passendem - falschen - emotionalen Verhalten, in der Hauptverhandlung 2014/2015 selbst wahrnehmen können.

Allerdings hat die Kammer aufgrund des Tatzeitraumes vor dem Jahr 2011 und damit vor der Neuregelung des Rechtes der Sicherungsverwahrung nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofes eine strikte Verhältnismäßigkeitsprüfung vorzunehmen. Dabei müsste die Anordnung der Sicherungsverwahrung neben lebenslanger Freiheitsstrafe und der Anordnung der besonderen Schwere der Schuld unerlässlich sein (BGH, Beschl. v. 17.04.2014 - 3 StR 355/13, NStZ-RR 2014, 207). Diese Voraussetzung liegt zur Überzeugung der Kammer nicht vor: Denn bei der Frage, ob die lebenslange Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen ist, sind die gleichen Umstände zu berücksichtigen wie bei der Entscheidung über eine Aussetzung der Maßregel nach § 66 StGB. Ein Fall, bei dem die Freiheitsstrafe unter Berücksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, aber gleichwohl die Maßregel wegen fortdauernder Gefährlichkeit des Verurteilten noch vollstreckt werden dürfte, erscheint schon generell kaum denkbar (BGH a.a.O. m.w.N.) und ist auch hier nicht ersichtlich. Die hier benannten, einen Hang im Sinne von § 66 Abs. 1 Nr. 4 StGB belegenden Umstände werden sämtlich bedeutsam und entscheidungserheblich auch im Rahmen einer Prüfung der Aussetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung sein. Soweit und solange die oben genannten, die Gefährlichkeit des Angeklagten belegenden Umstände weiterhin gegeben sind, kommt die Aussetzung der Freiheitsstrafe ersichtlich nicht in Betracht Infolgedessen erscheint es hier nicht denkbar, dass im Anschluss an eine bedingte Aussetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe die Sicherungsverwahrung wegen fortbestehender Gefährlichkeit des Betroffenen vollstreckt werden würde. Auch eine intensivere Einwirkung auf den Angeklagten im Rahmen der Sicherungsverwahrung gebietet hier nicht die Anordnung der Maßregel. Zum einen ist schon nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof. xxxx nicht ersichtlich, dass und inwieweit hier ein breiteres Therapieangebot zur Einwirkung überhaupt möglich ist. Schließlich hat der Angeklagte die ihm bereits unterbreiteten intensiven Angebote psychologischer Betreuung, auch Einzelgespräche, jahrelang genutzt, ohne dass durchgreifende Veränderungen erkennbar wurden. Zudem müssen nach überzeugend dargestellter Einschätzung von Prof. xxxx die Therapieaussichten in Anbetracht der langjährig und tief eingeübten Veraltensweisen des Angeklagten als äußerst gering eingeschätzt werden. Auch die verfahrensrechtlichen Anforderungen, also etwa die Hinzuziehung eines Sachverständigen, entsprechen bei der Prüfung der Aussetzung einer lebenslangen Freiheitsstrafe denjenigen, die bei der Aussetzung der Maßregel einzuhalten wären.

Die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus (§ 63 StGB) scheidet aus, da bei dem Angeklagten keine erheblich verminderte Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit festzustellen war. Die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt (§ 64 StGB) kommt ebenfalls nicht in Betracht, da nach den Ausführungen des Sachverständigen Prof. Dr. xxxx, denen sich die Kammer anschließt, bei dem Angeklagten kein Hang (mehr) festzustellen ist, alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen.

Auf Grund der fortbestehenden Gründe aus den einbezogenen Urteilen vom 23.06.2008 - 4 Ks 1/07 und 26.02.2015 - 5 Ks 1/14 (s.o.) war darüber hinaus gemäß § 70 StGB ein lebenslanges Berufsverbot auszusprechen.

G

Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 465, 467, 472 StPO.