VG Mainz, Urteil vom 11.12.2001 - 3 K 263/01.MZ
Fundstelle
openJur 2020, 22371
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Tenor

1. Die Klage wird abgewiesen.

2. Der Kläger trägt die Kosten des Verfahrens einschließlich der außergerichtlichen Kosten des Beigeladenen.

3. Das Urteil ist hinsichtlich der Kosten vorläufig vollstreckbar.

Tatbestand

Der Kläger ist Eigentümer des im Außenbereich der Gemeinde Nieder-Olm gelegenen Grundstücks Außerhalb 48, Flur 22, Flurstücke 67 bis 70, auf dem er einen landwirtschaftlichen Betrieb betreibt. Der Beigeladene ist auf Grund Gestattungsverträgen mit den Grundstückseigentümern Pächter der in der Gemarkung Nieder-Olm gelegenen Grundstücke Flur 22, Flurstücke 49 bis 52 und 82.

Unter dem 29. April 1999 beantragte der Beigeladene beim Beklagten die Erteilung einer bauaufsichtlichen Genehmigung zur Errichtung einer Windkraftanlage mit Trafostationsgebäude und Übergabestation. Ausweislich der Baubeschreibung handelt es sich bei der Windkraftanlage um ein Windrad des Typs E. E/40 WKA III ("E 44") mit einer Leistung von 600 kW bei einer Nabenhöhe von 65 m und einem Rotordurchmesser von 44 m. Dem Bauantrag war eine gutachterliche Stellungnahme in Bezug auf die Schallausbreitung beigefügt; im Baugenehmigungsverfahren legte der Beigeladene ferner ein schalltechnisches Gutachten des Ingenieurbüros P. vor. Ausweislich der dem Bauantrag beigefügten Lagepläne liegt der Standort der Windkraftanlage etwa 300 m westlich der Betriebsgebäude auf dem Grundstück des Klägers und etwa 30 m außerhalb einer im Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Nieder-Olm ausgewiesenen Sonderbaufläche für Windkraftanlagen und Landwirtschaft.

Mit Bauschein vom 02. Februar 2000 erteilte der Beklagte dem Beigeladenen die bauaufsichtliche Genehmigung zur Errichtung einer Windkraftanlage in der Gemarkung Nieder-Olm, Flur 22, Flurstücke 51, 52 und 82. In dem Bauschein ist als Auflage u.a. aufgeführt, dass zur Minderung störender Lichtreflektionen (Stroboskopeffekt) beim Betrieb der Anlage die Rotorblätter mit lichtbrechendem Mattlack zu beschichten seien.

Obwohl der Kläger dem Beklagten gegenüber bereits während des Baugenehmigungsverfahrens die Erhebung von Widerspruch angekündigt hatte, wurde ihm die Baugenehmigung nicht zugestellt.

Mit seinem am 19. Mai 2000 erhobenen Widerspruch trug der Kläger vor: Es sei davon auszugehen, dass der Betrieb der Windkraftanlage seinem im Außenbereich privilegierten Betrieb entgegenstehe. Wie einer im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens  abgegebenen Stellungnahme der Landwirtschaftskammer zu entnehmen sei, sei sein Hof nur überlebensfähig, wenn er sich weiter ausweite, was nur nach Westen möglich sei. Würde aber am westlichen Rand des Grundstücks gebaut werden, so sei er störenden Geräuschen, insbesondere Schleifgeräuschen des Rotors, ausgesetzt. Hinzu komme, dass die Hauptwindrichtung von West nach Ost verlaufe, so dass die Schleifgeräusche des Rotors unmittelbar auf die Wohnbebauung hingetragen würde. Durch den Betrieb der Windkraftanlage werde der in Mischgebieten nach der TA Lärm zu tolerierende Nachtwert von 45 dB (A) auf seinem gesamten Grundstück überschritten. Das vorgelegte schalltechnische Gutachten sei nicht verwendbar, weil es von einer Anlage mit einer Leistung von 500 kW ausgehe, auf einem zu niedrigen Referenzschallpegel von 99,5 dB (A) beruhe und die besonderen Verhältnisse vor Ort nicht berücksichtige. Ferner solle nach den "Hinweisen zur Beurteilung der Zulässigkeit von Windkraftanlagen" ein Mindestabstand von Wohngebäuden im Außenbereich von 200 m eingehalten werden, während der Abstand zur Grenze seines Grundstücks jedoch lediglich 100 m betrage. Schließlich werfe der Rotor bei niedrigem Sonnenstand und Windrichtung West lange Schatten auf sein Grundstück, die im Extremfall zu einem Flimmern führten, das unerträglich sei.

Der Widerspruch des Klägers wurde vom Kreisrechtsausschuss bei dem Beklagten durch Widerspruchsbescheid vom 16. Januar 2001 zurückgewiesen. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die dem Beigeladenen genehmigte Windkraftanlage dem Kläger gegenüber nicht rücksichtslos sei; insbesondere werde dieser keinen schädlichen Umwelteinwirkungen im Sinne von § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BauGB ausgesetzt. Ausweislich des vom Beigeladenen vorgelegten schalltechnischen Gutachten P. sei ab einem Abstand von 150 m der Nachtimmissionsrichtwert für ein Mischgebiet von 45 dB (A) eingehalten. Dieses Gutachten berücksichtige auch die Windverhältnisse. Aus dem Gutachten ergebe sich auch, dass eine Windkraftanlage mit einer Leistung von 500 kW die gleiche Schallleistung wie eine Anlage mit 600 kW aufweise. Auch der vom Kläger eingewandte Schattenwurf sei nicht als unzumutbar anzusehen, weil der Grad der Beeinträchtigung, der bei Benutzern von Wohngebäuden an einem sonnigen Tag bei 30 Minuten je Tag und nach der statistischen Wahrscheinlichkeit bei maximal 30 Stunden im Jahr liege, nicht erreicht werde.

Nach Zustellung des Widerspruchsbescheides am 20. Februar 2001 hat der Kläger am 15. März 2001 Klage erhoben, mit der er sein Begehren weiter verfolgt und unter Vertiefung seines bisherigen Vorbringens ergänzend vorträgt: Das Gutachten P. berücksichtige nicht, dass bei höheren Windgeschwindigkeiten als 8 m/s die vom  Hersteller angegebenen Referenzschallpegel deutlich überschritten würden und außerdem drastische, vom Hersteller und vom Gutachter nicht berücksichtigte Einzeltöne aufträten, die mittels eines Einzeltonzuschlags in die Lärmbewertung mit einzustellen seien. Nach seinen Erfahrungen im Spätsommer 2000 sei außerdem mit einem Schattenwurf durch die Windkraftanlage des Beigeladenen von mehr als 30 Minuten täglich bei entsprechender Sonneneinstrahlung und von mehr als 30 Stunden im Jahr zu erwarten. Die akustischen und optischen Einwirkungen von Windkraftanlagen könnten nach neuen medizinischen Erkenntnissen sogar zu nicht unbeträchtlichen gesundheitlichen Störungen der Betroffenen führen; bereits bei einer vom Beigeladenen angenommenen periodischen Schattenwurfdauer von 16 Stunden 26 Minuten/Jahr liege eine erhebliche Belästigung im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes vor.

Der Kläger beantragt,

die dem Beigeladenen erteilte Baugenehmigung vom 02. Februar 2000 in der Gestalt des dazu ergangenen Widerspruchsbescheides vom 16. Januar 2001 aufzuheben.

Der Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Er bezieht sich zur Begründung auf den angefochtenen Widerspruchsbescheid und trägt ergänzend vor: Das im Baugenehmigungsverfahren vorgelegte Gutachten P. sei auf die konkrete Örtlichkeit bezogen. Die angenommene Windgeschwindigkeit von 8 m/s entspreche der Windstärke 5, die im nördlichen Rheinhessen nur relativ selten überschritten werde. Nach den vom Kläger zitierten "Hinweisen zur Beurteilung der Zulässigkeit von Windkraftanlagen" sei zu einzelnen Wohnhäusern im Außenbereich ein Abstand von 225 m einzuhalten; vorliegend sei der Standort der Anlage mehr als 300 m von dem Betriebsgebäude des Klägers entfernt. Im Übrigen sei der Kläger im Besitz einer bestandskräftigen Baugenehmigung zur Errichtung eines Wohngebäudes auf der südöstlichen, von der Windkraftanlage abgewandten Seite des vorhandenen Betriebsgebäudes.

Der Beigeladene beantragt ebenfalls,

die Klage abzuweisen.

Er trägt vor: Wie ein weiteres schalltechnisches Gutachten der Firma W. belege, ergebe sich bei einer Windgeschwindigkeit von 8 m/s bei einer der vorhandenen Windkraftanlage vergleichbaren Anlage vom Typ E. E 40/6.44 ein  Schallleistungspegel von 99,6 dB (A), was zeige, dass er Schallleistungspegel der streitgegenständlichen Anlage im Bereich dessen liege, was das Gutachten P. als Berechnungsgrundlage angenommen habe. Selbst bei einer Windgeschwindigkeit von 10 m/s sei von einem Schallpegel von 100,8 dB (A) auszugehen, was dazu führe, dass erst bei einer Entfernung von 250 m und weniger ein Schallpegel von 45 dB (A) in der lautesten Nachtstunde überschritten werde. Das Betriebsgebäude des Klägers liege jedoch etwa 370 m von der Windkraftanlage entfernt. Außerdem dürften nach der TA Lärm einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen die Immissionswerte am Tag um bis zu 30 dB (A) und in der Nach um bis zu 20 dB (A) überschreiten. Was den Schattenwurf anbetreffe, so sei ausweislich eines erstellten Schattenwurfgutachtens von einer jährlichen Gesamtschattendauer von 16 Stunden 26 Minuten bzw. einer Schattendauer von 20 Minuten an 47 Tagen im Jahr auszugehen. Im Übrigen sei die Windkraftanlage durch geringfügige Modifikationen über einen Mechanismus einer Schallabschaltung und einer Schattenabschaltung an veränderte Schall- und Schattenschlagsgrenzen problemlos anpassbar. Beide Mechanismen funktionierten dergestalt, dass bei bestimmten Lichtverhältnissen die Gesamtanlage vorübergehend gestoppt werde bzw., dass bei bestimmten Windverhältnissen die Drehzahl der Anlage verringert werde.

Der Kläger hatte bereits mit Antrag vom 03. Juli 2000 beim erkennenden Gericht beantragt, die aufschiebende Wirkung seines Widerspruchs gegen die dem Beigeladenen erteilte Baugenehmigung anzuordnen. Dieser Antrag wurde durch rechtskräftigen Beschluss vom 28. August 2000 im Verfahren 3 L 736/00.MZ abgelehnt.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf die Schriftsätze der Beteiligten in den Gerichtsakten verwiesen. Die Verwaltungs- und Widerspruchsakten des Beklagten sowie die Gerichtsakte 3 L 736/00.MZ lagen der Kammer vor und waren Gegenstand der mündlichen Verhandlung.

Gründe

Die zulässige Klage hat in der Sache keinen Erfolg. Die dem Beigeladenen erteilte Baugenehmigung vom 02. Februar 2000 in Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 16. Januar 2000 verletzt den Kläger nicht in seinen - nachbarschützenden - Rechten.

In bauplanungsrechtlicher Hinsicht beurteilt sich das Vorhaben des Beigeladenen - das im Außenbereich der Ortsgemeinde Nieder-Olm gelegen ist - nach § 35 Abs. 1 Nr. 6 des Baugesetzbuchs - BauGB - i.d.F. der Bekanntmachung vom 27. August 1997 (BGBl. I, S. 2141). Nach dieser Vorschrift sind u.a. Vorhaben im Außenbereich - privilegiert - zulässig, die der Nutzung der Windenergie dienen, wenn ihnen öffentliche Belange nicht entgegenstehen. Bei der hier in Rede stehenden Windkraftanlage des Beigeladenen handelt es sich um ein Vorhaben im Sinne von § 35 Abs. 1 Nr. 6 BauGB, und ihr stehen auch keine - Drittschutz vermittelnden - öffentlichen Belange im Sinne von § 35 Abs. 3 BauGB entgegen; insbesondere kann sich der Kläger nicht mit Erfolg darauf berufen, dass der Windkraftanlage des Beigeladenen der als gesetzliche Ausformung des Gebots der Rücksichtnahme darstellende öffentliche Belang des § 35 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BauGB (Hervorrufung oder Ausgesetzt sein schädlicher Umwelteinwirkungen) entgegensteht.

Soweit der Kläger einen Verstoß gegen das Gebot der Rücksichtnahme mit der Begründung geltend macht, durch den Betrieb der Windkraftanlage des Beigeladenen sei er störenden Geräuschen, insbesondere Schleifgeräuschen des Rotors, ausgesetzt, vermag sich die Kammer dem nicht anzuschließen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass sich der Kläger als Bewohner einer im Außenbereich liegenden landwirtschaftlichen Hofstelle allenfalls auf die Einhaltung der für Einzelwohnhäuser im Außenbereich geltenden Grenzwerte berufen kann, die sich an den nach Ziff. 6.1 c der TA Lärm vom 26. August 1998 (GMBl. S.  503)  für  Mischgebiete geltenden  Werten  von  60 dB (A)  tagsüber  und 45 dB (A) nachts (22.00 Uhr bis 06.00 Uhr) orientieren (vgl. Niedersächsisches OVG, Urteil vom 18. Dezember 1998 - 1 M 4727/98 -, NVwZ 1999, 444, 446;OVG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 08. März 1999 - 3 M 85/98 -, NVwZ 1999, 1238, 1239; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 03. September 1999 - 10 B 1283/99 -, NVwZ 1999, 1360; VG Neustadt/Weinstraße, Beschluss vom 11. Juli  2000  - 4 L 1220/00.NW -).  Diese  Grenzwerte  werden  vorliegend eingehalten. Dabei geht die Kammer zunächst davon aus, dass eine der verfahrensgegenständlichen  Windkraftanlage  vergleichbare  Anlage vom  Typ E. E 40/6.44 mit einer Nennleistung von 600 kW, einer Nabenhöhe von 65 m und einem Rotordurchmesser von 44 m bei einer Windgeschwindigkeit von 10 m/s einen Schallleistungspegel von 100,8 dB (A) erzeugt (vgl. insoweit das vom Beigeladenen unter dem 21. Mai 2000 vorgelegte schalltechnische Gutachten der Firma W. vom April 2001). Hiervon ausgehend ist ausweislich des vom Beigeladenen im Baugenehmigungsverfahren vorgelegten Gutachtens des Ingenieurbüros P. vom 30. September 1999, das unter dem 27. September 2001 (vgl. 76 bis 83 der Gerichtsakten) ergänzt wurde, das die verfahrensgegenständliche Windkraftanlage zum Gegenstand hat und an dessen Richtigkeit seitens der Kammer keine Zweifel bestehen, in Bezug auf das Wohnhaus des Klägers - das in etwa 380 m Entfernung zu dem Vorhaben des Beigeladenen steht - von einem Lärmpegel von 38,9 dB (A) sowohl des Tags als auch des Nachts auszugehen (vgl. 77, 82 der Gerichtsakten), so dass selbst der hier einschlägige Lärmgrenzwert für die Nachtzeit von 45 dB (A) beim Betrieb der Anlage deutlich unterschritten wird.

Demgegenüber vermögen die Einwendungen des Klägers nicht durchzugreifen. Soweit er vorträgt, dass die Praxis gezeigt habe, dass in Fällen von Windgeschwindigkeiten von mehr als 8 m/s Anlagen mit einer Nennleistung von mehr als 500 kW tatsächliche Schallleistungspegel von 103 bis 105 dB (A) erzeugten und außerdem drastische Einzeltöne auftreten könnten, die gegebenenfalls mittels eines Einzeltonzuschlags in die Lärmbewertung mit einzustellen seien (vgl. Seite 3 der Klageschrift vom 13. März 2001, Bl. 3 der Gerichtsakten), und sich hierbei auf eine Stellungnahme des Landesumweltamtes Nordrhein-Westfalen vom 23. Mai 1997 beruft, ist dem entgegenzuhalten, dass es sich bei dem Inhalt der besagten Stellungnahme - wie er sich im Beschluss des OVG Nordrhein-Westfalen vom 23. Januar 1997 (7 B 2984/97, NVwZ 1998, 759, 761) wiederfindet -  um  eine  generalisierende  Feststellung handelt,  die  auf konkreten topographischen und meteorologischen Verhältnissen in Nordrhein-Westfalen basiert und überdies vorliegend durch konkrete Messergebnisse entkräftet wurde. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die vom Kläger angeführte Einzeltonalität; denn ausweislich des Gutachtens W. (a.a.O.) und des ergänzenden Gutachtens P. (a.a.O.) liegen die Zuschläge für Ton- und Impulshaltigkeit im Nahfeld bei 0 dB (A). Hinzu kommt, dass Windgeschwindigkeiten von 8 m/s nach insoweit unwidersprochenem Vortrag des Beklagten (vgl. S. 2 der Klageerwiderung vom 24. April 2001, Bl. 22 der Gerichtsakten) bereits der Windstärke 5 entsprechen, die im nördlichen Rheinhessen nur relativ selten überschritten wird; diese Aussage wird durch das im Verfahren 3 L 736/00.MZ vorgelegte Windgutachten des Ingenieurbüros C. vom 15. Juli1999 (vgl. Bl. 108 der Gerichtsakte 3 L 736/00.MZ) gestützt, demzufolge die mittlere Windgeschwindigkeit am Standort Nieder-Olm in einer Höhe von 65 m über Grund bei 6 m/s liegt. Schließlich gilt es zu berücksichtigen, dass nach Ziff. 6.1 der TA Lärm einzelne kurzzeitige Geräuschspitzen die Immissionsrichtwerte am Tag um bis zu 30 dB (A) und in der Nacht um bis zu 20 dB (A) überschreiten dürfen, so dass - wie der Beklagte zutreffend ausgeführt hat - auch für den Fall, dass Windböen den Schallleistungspegel der Anlage über die gutachterlich festgestellten Werte anheben würden, eine Überschreitung der in der TA Lärm festgelegten Grenzwerte nicht gegeben wäre.

Auch der weitere Einwand des Klägers, die Windkraftanlage des Beigeladenen sei viel zu nahe an seinem Betrieb errichtet, geht fehl. Denn soweit er darauf verweist, dass nach einer Stellungnahme der regionalen Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe (InfBl. Nr. 24 <6/98>, Bl. 7 der Gerichtsakten) ein Mindestabstand von 500 m zu Siedlungssplittern bzw. Einzelhäusern zu fordern sei, um potentielle Konflikte auszuschließen, verkennt er, dass nach besagter Stellungnahme selbst (Tab. 2: Abstandsregelungen gemäß Anlage 2 der VV vom 28. Juni 1996) bezüglich Einzelhäusern und Siedlungssplittern (bis 4 Häuser) ein Abstand von 300 m eingehalten werden soll. Diesen Abstand indes hält die Windkraftanlage des Beigeladenen zu dem Anwesen des Klägers ein; wie dem in der Bauakte befindlichen Lageplan (1 : 2000) zu entnehmen ist, beträgt die Entfernung zwischen der Windkraftanlage und dem nächstgelegenen Punkt eines Gebäudes auf dem Grundstück des Klägers etwa 330 m. Soweit in der Stellungnahme der Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe hingegen von einem einzuhaltenden Abstand von 500 m die Rede ist, bezieht sich dieser auf raumbedeutsame Windparks, wovon bei einer einzelnen Anlage nicht die Rede sein kann. Im Übrigen sind nach Ziff. V 9 der "Hinweise zur Beurteilung der Zulässigkeit von Windkraftanlagen" vom 18. Februar 1999 (MinBl. S. 148, 154) - welche die in der Stellungnahme der Planungsgemeinschaft erwähnte VV vom 28. Juni 1996 zwischenzeitlich ersetzt hat - ausgehend von einem Schallleistungspegel von 100 dB (A) bei einem Abstand von 250 m zu einzelnen Wohnhäusern im Außenbereich schädliche Umwelteinwirkungen durch Geräusche regelmäßig nicht mehr zu erwarten. Zwar wird nach den schalltechnischen Gutachten W. und P. bei der hier in Rede stehenden Windkraftanlage der in Ziff. V 9 der "Hinweise" genannte Schallleistungspegel von 100 dB (A) mit 100,8 dB (A) geringfügig überschritten, jedoch zeigt die vorgenannte Relation (100 dB (A) - 225 m), dass es auch bei einer geringfügigen Überschreitung des genannten Schallleistungspegels zu einer Überschreitung des maßgeblichen Immissionspegels bei einem Mindestabstand von 330 m nicht kommen wird.

Schließlich kann auch dem Einwand des Klägers, dass schalltechnische Gutachten P. gehe von einer falschen Windrichtung (Südwest) aus, denn tatsächlich gehe die Hauptwindrichtung von Westen nach Osten, sodass die Rotorgeräusche direkt auf sein Grundstück überschlagen würden (vgl. S. 2, 3 des Schriftsatzes vom 31. Juli 2001, Bl. 45, 46 der Gerichtsakten), nicht gefolgt werden. Denn dem stehen Aufzeichnungen über die Gondelposition - bezogen auf den Zeitraum 10. August 2000 bis 02. September 2001 - entgegen, denen zufolge die Gondel, die nach der Windrichtung ausgerichtet ist, im Wesentlichen in einer Südwestposition stand, und eine Westwind- oder gar Nordwestwind-Richtung eher selten vorkommt (vgl. Bl. 70, 71 der Gerichtsakten). Anhaltspunkte dafür, dass diese auf tatsächlichen  Grundlagen basierenden Angaben unzutreffend sind, sind nicht ersichtlich.

Soweit der Kläger die Rücksichtslosigkeit des Vorhabens des Beigeladenen mit der Begründung herzuleiten versucht, der durch den Betrieb der Anlage verursachte Schattenwurf führe zu erheblichen Belästigungen im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes, und im Übrigen sei es nach seinen Erfahrungen zu erwarten, dass die als Grenze angesehene Schattenwurfdauer von  30 Minuten/Tagen bzw. 30 Stunden/Jahr überschritten werde (vgl. S. 3 des Schriftsatzes vom 31. Juli 2001, Bl. 46 der Gerichtsakten), vermag er hiermit ebenfalls nicht durchzudringen. Hierbei geht die Kammer zunächst davon aus, dass die Grenze der Zumutbarkeit der Auswirkungen durch Schattenwurf dann überschritten ist, wenn Benutzer von Wohn- und Büroräumen an einem sonnigen Tag im Schnitt mehr als 30 Minuten und nach der statistischen Wahrscheinlichkeit mehr als maximal 30 Stunden im Jahr durch Schattenwurf beeinträchtigt werden (vgl. auch OVG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 08. März 1999, a.a.O., S. 12, 39). Diese Werte sind das Ergebnis einer Expertenbesprechung im Staatlichen Umweltamt Schleswig in den Jahren 1998 und 1999, wonach eine Schattenwurfdauer von im Schnitt 30 Minuten am Tag bzw. 30 Stunden pro Jahr nicht überschritten werden solle, und das auch durch wissenschaftliche Studien überprüft und bestätigt worden ist (vgl. Schreiben des Staatlichen Umweltamtes Schleswig vom 11. September 2000, Bl. 63, 64 der Gerichtsakten). Diese Werte werden vorliegend nicht überschritten; denn nach einem vom Beigeladenen vorgelegten Schattenwurfgutachten, das eine rein astronomische Berechnung der periodischen Schattendauer ("worst case"-Modell: Sonne scheint den ganzen Tag an allen Tagen im Jahr bei wolkenlosem Himmel, die Sonneneinstrahlung steht senkrecht zur Rotorkreisfläche, die Windanlage ist in Betrieb und dreht sich) zugrundelegt, beträgt die durch die verfahrensgegenständliche Anlage hervorgerufene Schattenwurfdauer in Bezug auf das Anwesen des Klägers im Jahr 16 Stunden 26 Minuten bei 47 Tagen mit Schatten bzw. im Schnitt 20Minuten/Tag (vgl. das als Anlage B2 zum Schriftsatz des Beigeladenen vom 16. Mai 2001 vorgelegte Gutachten, das auf der Basis des von Experten anerkannten Programms SHADOW der Firma WP. erstellt wurde). Anhaltspunkte dafür, dass die in dem Gutachten angegebenen Zahlen nicht zutreffen sollten, sind für die Kammer nicht ersichtlich und im Übrigen vom Kläger selbst nicht substantiiert in Zweifel gezogen worden. Eine dem Gebot der Rücksichtnahme widersprechende Belästigung des Klägers durch den von der verfahrensgegenständlichen Anlage verursachten Schattenwurf kann somit nach dem Vorgesagten nicht angenommen werden.