VG Münster, Beschluss vom 16.01.2018 - 9 L 1838/17
Fundstelle
openJur 2019, 21529
  • Rkr:
  • AmtlSlg:
  • PM:

Zulassung zum Studium der Pharmazie im 1. Fachsemester zum Wintersemester 2017/2018 (zur Aufnahmekapazität der WWU Münster im Studiengang Pharmazie im Studienjahr 2017/2018)

Tenor

Der Antrag wird abgelehnt.

Die Antragstellerin trägt die Kosten des Verfahrens.

Der Streitwert wird auf 5.000,- Euro festgesetzt.

Gründe

I.

Die Antragstellerin begehrt im Verfahren der einstweiligen Anordnung die vorläufige Zulassung zum Studium der Pharmazie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU Münster) als Studienanfängerin nach den tatsächlichen und rechtlichen Verhältnissen des Wintersemesters (WS) 2017/2018 innerhalb - bezogen auf das sog. Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH-Verfahren) - und außerhalb der festgesetzten Aufnahmekapazität.

Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (Ministerium) hat durch Verordnung über die Festsetzung von Zulassungszahlen und die Vergabe von Studienplätzen im ersten Fachsemester für das Wintersemester 2017/2018 (ZulassungszahlenVO) vom 24. Juni 2017 (GV. NRW. 2017, 654) in der Fassung der Verordnung zur Änderung der Verordnung über die Festsetzung von Zulassungszahlen und die Vergabe von Studienplätzen im ersten Fachsemester für das Wintersemester 2017/2018 vom 29. November 2017 (GV. NRW. 2017, 893) die Zahl der von der WWU Münster aufzunehmenden Bewerber für den Studiengang Pharmazie auf 80 festgesetzt.

Nach Mitteilung der Antragsgegnerin (Schriftsatz vom 20. November 2017, Bl. 55 ff. GA) sind im 1. Fachsemester des Studiengangs Pharmazie zum WS 2017/2018 (Stand: Vorlesungsbeginn) tatsächlich 86 Studienanfänger eingeschrieben.

Mit Bescheid vom 22. September 2017 lehnte die Stiftung für Hochschulzulassung - namens und im Auftrag der Antragsgegnerin - eine Zulassung der Antragstellerin zum 1. Fachsemester des Studiengangs Pharmazie zum WS 2017/2018 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im AdH-Verfahren ab. Der Ablehnungsbescheid enthielt auf Seite 1 folgende Rechtsbehelfsbelehrung: "Gegen diesen Bescheid können Sie innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe Klage beim jeweils genannten Verwaltungsgericht erheben." Auf Seite 2 des Ablehnungsbescheids wurde dann insoweit das "Verwaltungsgericht Münster, Piusallee 38, 48147 Münster" genannt. Eine Klage gegen diesen Ablehnungsbescheid vom 22. September 2017 erhob die Antragstellerin nicht.

Wegen weiterer Einzelheiten des Sach- und Streitstandes (einschließlich der rechtlichen Ausführungen der Antragstellerseite) wird auf den Inhalt der Gerichtsakte des vorliegenden Verfahrens einschließlich der von der Antragsgegnerin auf Anforderung des Gerichts zum Studienjahr 2017/18 vorgelegten Kapazitätsunterlagen und der hierauf bezogenen Erläuterungen verwiesen.

II.

Der auf den Erlass einer einstweiligen Anordnung gerichtete Antrag hat mangels glaubhaft gemachten Anordnungsanspruchs insgesamt - sowohl insoweit, als eine innerkapazitäre Zulassung im sog. AdH-Verfahren als auch eine außerkapazitäre Zulassung in Rede steht - keinen Erfolg.

A. Innerkapazitäres Verfahren

Der Antrag der Antragstellerin hat, soweit er sich auf eine innerkapazitäre Zulassung im sog. AdH-Verfahren bezieht, schon deswegen keinen Erfolg, weil ihm die Bestandskraft des Ablehnungsbescheids vom 22. September 2017 im AdH-Verfahren entgegensteht. Das beschließende Gericht ist im Rahmen des vorliegenden Eilverfahrens nach § 123 VwGO aus Rechtsgründen gehindert, zu prüfen, ob die Antragstellerin die Voraussetzungen für einen innerkapazitären Anordnungsanspruch gerichtet auf Zulassung zum Studium der Pharmazie bei der Antragsgegnerin zum 1. Fachsemester zum WS 2017/2018 im sog. AdH-Verfahren glaubhaft gemacht hat. Der Ablehnungsbescheid im AdH-Verfahren vom 22. September 2017, den die Stiftung für Hochschulzulassung namens und im Auftrag der Antragsgegnerin erließ, ist nach Ablauf der einmonatigen Klagefrist (§ 74 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 VwGO) bestandskräftig geworden. Die beigefügte Rechtsbehelfsbelehrung war ordnungsgemäß und löste demgemäß nicht die Jahresfrist nach § 58 Abs. 2 VwGO aus. Die Rechtsbehelfsbelehrung enthielt die nach § 58 Abs. 1 VwGO zwingend erforderlichen Belehrungselemente. Darüber hinaus besteht - entgegen der Ansicht der Antragstellerin - angesichts des eindeutigen Wortlauts des § 58 Abs. 1 VwGO von Rechts wegen keine Verpflichtung, auch über die Formvorschriften, die für die Erhebung einer Klage gelten, zu belehren.

Vgl. etwa BVerwG, Urteil vom 27. Februar 1976 - IV C 74.74 -, juris; Czybulka/Kluckert, in: Sodan/Ziekow, VwGO, 4. Aufl. 2014, § 58 VwGO Rn. 61; Meissner/Schenk, in: Schoch/Schneider/Bier, VwGO, Band I, § 58 VwGO Rn. 43; aA offenbar - nicht überzeugend - etwa Schenke, in: Kopp/Schenke, VwGO, 23. Aufl. 2017, § 58 VwGO Rn. 10.

Dass, sofern sich eine Rechtsbehelfsbelehrung über die notwendigen Angaben gemäß § 58 Abs. 1 VwGO hinaus (im Sinne einer bürgerfreundlichen Verwaltung bzw. eines "nobile officium") auch über die Form des Rechtsbehelfs äußert, alle formgerechten Möglichkeiten der Erhebung des Rechtsbehelfs vollständig zu nennen sind,

vgl. etwa VG Gelsenkirchen, Urteil vom 10. Februar 2017 - 3a K 4163/16.A -, juris, Rn. 21 ff.; VG Augsburg, Beschluss vom 03. Dezember 2014 - Au 7 S 50321 -, juris, 20 ff.,

ist zutreffend, ist jedoch eine andere, in der vorliegenden Konstellation, in der die infrage stehende Rechtsbehelfsbelehrung keinerlei Angaben über einzuhaltende Formvorschriften einer Klage enthielt, nicht relevante Frage.

B. Außerkapazitäres Verfahren

Die Antragstellerin hat auch nicht glaubhaft gemacht, dass der Antragsgegnerin im Studiengang Pharmazie zum WS 2017/2018 über die Zahl der tatsächlich vergebenen Studienplätze hinaus (zumindest) ein freier Studienanfängerplatz zur Verfügung steht, der - ggf. nach Maßgabe eines gerichtlich anzuordnenden Losverfahrens unter ihrer Beteiligung - vergeben werden könnte, § 123 Abs. 3 VwGO, §§ 920 Abs. 2, 294 Abs. 1 ZPO.

Das Gericht hat keinen Anlass daran zu zweifeln, dass die Studienplätze für das erste Fachsemester des verfahrensbetroffenen Studiengangs entsprechend den Angaben der Antragsgegnerin vom 20. November 2017 besetzt sind. Durch diese tatsächliche Besetzungszahl von 86 (Stand: Vorlesungsbeginn) wird die im Kapazitätsfestsetzungsverfahren bestimmte Zulassungszahl von 80, die der in der ZulassungszahlenVO in dieser Höhe festgesetzten Zulassungszahl für das WS 2017/2018 entspricht, nicht nur abgedeckt, sondern sogar um die Zahl von 6 Zulassungen überschritten. Die Antragsgegnerin hat zur Erläuterung der Ursachen dieser (maßvollen) Differenz zwischen Soll- und Istzahl nachvollziehbar ausgeführt (Schriftsatz vom 20. November 2017, Bl. 55 ff. GA), dass aufgrund der in den vergangenen drei Vergabeverfahren gemachten empirischen Erfahrungen mit der Annahmequote der Studienbewerber ein Überbuchungsfaktor bestimmt worden sei, um vor dem Hintergrund eines tatsächlich festzustellenden "Abbröckelns" der Studierendenzahl nach Abschluss des Hauptvergabeverfahrens die festgesetzte Kapazität möglichst frühzeitig auszuschöpfen. Das Gericht weist der Zahl der tatsächlich vergebenen Studienplätze insgesamt kapazitätsdeckende Wirkung zu. Zwar lässt die Stellungnahme der Antragsgegnerin gegenüber dem Gericht zu der Frage, worauf die tatsächliche Einschreibungszahl beruht, nicht in jeder Hinsicht die zugrunde liegenden Umstände erkennen. So hat die Antragsgegnerin den zugrunde gelegten Überbuchungsfaktor hier nicht explizit benannt. Gleichwohl sieht das Gericht jedenfalls keinen tragfähigen Ansatz für die Annahme, die Hochschule habe sich durch ihr Überbuchungsverhalten in dem hier betroffenen Studiengang in der Größenordnung derart von der durch die ZulassungszahlenVO bestimmten Sollzahl gelöst, dass hierin ausnahmsweise eine Behandlung der normierten Zulassungszahl als bloß "variable Größe" - unabhängig davon, ob eine solche Rechtsfigur überhaupt anzuerkennen ist - zu sehen wäre.

Vgl. etwa OVG NRW, Beschluss vom 27. Juli 2017 - 13 C 40/17 -, n.v., m.w.N. auf seinen Beschluss vom 26. Januar 2011 - 13 B 1640/10 -, juris; OVG NRW, Beschluss vom 28. Januar 2013 - 13 B 971/12 -, juris.

Nach dem Ergebnis der im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes durchgeführten Überprüfung der von der Antragsgegnerin überreichten und erläuterten Kapazitätsunterlagen ist es - auch unter Einbeziehung des Vortrags der Antragstellerin - nicht überwiegend wahrscheinlich, dass über die tatsächlich vergebenen Plätze hinaus im verfahrensbetroffenen Studiengang noch weitere Studienanfängerplätze zur Verfügung stehen.

Rechtsgrundlage für die Kapazitätsermittlung des in das zentrale Vergabeverfahren durch die Stiftung für Hochschulzulassung einbezogenen Studiengangs Pharmazie ist für das Studienjahr 2017/2018 und damit für das hier streitbefangene WS 2017/2018 die Verordnung über die Kapazitätsermittlung, die Curricularnormwerte und die Festsetzung von Zulassungszahlen (Kapazitätsverordnung - KapVO) vom 25. August 1994 (GV. NRW. 1994, 732), zuletzt geändert durch die Dritte ÄnderungsVO vom 12. August 2003 (GV. NRW. 2003, 544).

Der Festsetzung der Zulassungszahl liegt nach diesen Bestimmungen der KapVO die jährliche Aufnahmekapazität zugrunde, die auf die einzelnen Vergabetermine (Wintersemester bzw. Sommersemester) aufgeteilt wird. Die Aufnahmekapazität für den Berechnungszeitraum 2017/2018 wird ermittelt durch Berechnung aufgrund der hier zum 1. März 2017 (§ 5 Abs. 1 KapVO) - bei der Datumsangabe 1. März 2016 im Schreiben der Antragsgegnerin an das Ministerium handelt es sich um ein offensichtliches Versehen - erhobenen und zum letzten Berechnungsstichtag (hier: zum 15. September 2017, § 5 Abs. 3 KapVO) überprüften Daten zum Lehrangebot nach Maßgabe der Vorschriften des Zweiten Abschnitts der KapVO. Dieses Berechnungsergebnis ist sodann anhand der weiteren kapazitätsbestimmenden Kriterien nach den Vorschriften des Dritten Abschnitts dieser Verordnung zu überprüfen.

1. Lehrangebot:

Die Antragsgegnerin (Berichte vom 21. April 2017 - zum Berechnungsstichtag 1. März 2017 - und zuletzt vom 22. September 2017 - zum letzten Überprüfungszeitpunkt 15. September 2017 -, die sich das Ministerium nach Prüfung zu eigen gemacht hat) ist bei der Berechnung nach den Vorschriften des Zweiten Abschnitts der KapVO auf der Lehrangebotsseite davon ausgegangen, dass der Lehreinheit Pharmazie der WWU Münster, der der Studiengang Pharmazie zugeordnet ist (§ 7 Abs. 1 Sätze 1 u. 2 KapVO), zum maßgeblichen Berechnungsstichtag für das Studienjahr 2017/2018 insgesamt 41,98 Personalstellen zur Verfügung stehen.

Das Gericht geht nach Prüfung der vorgelegten Kapazitätsunterlagen und der hierauf bezogenen Erläuterungen der Antragsgegnerin in ihren Kapazitätsberichten und im gerichtlichen Verfahren davon aus, dass mit diesen Stellen und deren Verteilung auf die einzelnen Stellengruppen das der Lehreinheit für das Studienjahr 2017/2018 kapazitätsbeachtlich zur Verfügung stehende Lehrpersonal beanstandungsfrei erfasst ist.

Der vom Gericht vorgenommene Abgleich der im Kapazitätsermittlungsverfahren vom Ministerium entsprechend den Meldungen der Hochschule eingestellten Anzahl und Verteilung der der Lehreinheit zuzuordnenden Stellen mit dem von der Antragsgegnerin vorgelegten Stellenbesetzungsplan der Lehreinheit Pharmazie hat keinen Anhaltspunkt dafür ergeben, in der Lehreinheit seien weitere - oder anders zuzuordnende - kapazitätsrelevante Stellen wissenschaftlichen Personals vorhanden.

Es besteht kein Grund für die Annahme, in der Lehreinheit seien als befristet beschäftigt eingestufte Wissenschaftliche Angestellte tätig, deren Befristung zum Berechnungsstichtag durch rechtskräftige arbeitsgerichtliche Entscheidung oder aufgrund übereinstimmender Abrede der Vertragsparteien in Wegfall geraten ist. Die Antragsgegnerin hat solches auch auf entsprechende Nachfrage des Gerichts ausdrücklich verneint. Ebenso wenig ist etwas für die Annahme hervorgetreten, für einzelne Stelleninhaber sei aufgrund individuell abweichender Lehrverpflichtung bzw. aus sonstigen Gründen über das in der Kapazitätsberechnung bereits angesetzte Maß hinaus eine höhere Lehrleistungsverpflichtung, als dies nach der LVV normativ bestimmt ist, vereinbart worden.

Das zusätzliche Lehrangebot i. H. v. 10,92 DS beruht, wie die Antragsgegnerin (Schriftsatz vom 20. November 2017, Bl. 55 ff. GA) nachvollziehbar erläutert hat, zum einen darauf, dass für die 1,98 Stellenanteile der Stellengruppe "Lehrkräfte für besondere Aufgaben TV-L" (anstelle eines Deputats i. H. v. 12 DS) im Ergebnis ein Deputat i. H. v. 16 DS, der Obergrenze der Bandbreite der Lehrverpflichtung gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 16, Abs. 4 Satz 4 LVV, angesetzt worden ist, indem das Lehrangebot in der Zeile "Zusätzliches Lehrangebot aufgrund dienstrechtlicher Lehrverpflichtung" um (1,70 x 4 DS) + (0,28 x 4 DS) = (6,80 DS + 1,12 DS =) 7,92 DS erhöht worden ist. Dieser kapazitätsgünstige Ansatz von (letztlich) 16 DS für die Stellengruppe der "Lehrkräfte für besondere Aufgaben TV-L" unterliegt keinen rechtlichen Beanstandungen.

Das zusätzliche Lehrangebot i. H. v. 10,92 DS beruht zum anderen darauf, dass für die 2 Stellenanteile der Stellengruppe "Studienrätinnen und Studienräte, Oberstudienrätinnen und Oberstudienräte, Studiendirektorinnen und Studiendirektoren - im Hochschuldienst - A 13 -15" der Sache nach letztlich nicht jeweils durchgängig 13 DS angesetzt worden sind. Vielmehr ist für den 0,5 Stellenanteil der Studienrätin im Hochschuldienst K. , die keine weiteren Dienstaufgaben im Verständnis des § 3 Abs. 1 Nr. 16 LVV wahrnimmt, ein zusätzliches Deputat i. H. v. 2 DS angesetzt worden, für den vollen Stellenanteil der Oberstudienrätin im Hochschuldienst B. ist ein zusätzliches Deputat i. H. v. 1 DS angesetzt worden. Für den 0,5 Stellenanteil der Studienrätin im Hochschuldienst I. ist hingegen kein zusätzliches Lehrdeputat angesetzt worden. Anders ausgedrückt ist für die von Frau K. und Frau I. geteilte Stelle letztlich ein Deputat i. H. v. 15 DS und für die allein von Frau B. innegehabte Stelle ein Deputat i. H. v. 14 DS angesetzt worden. Ursache dafür, dass für die Stellengruppe "Studienrätinnen und Studienräte, Oberstudienrätinnen und Oberstudienräte, Studiendirektorinnen und Studiendirektoren - im Hochschuldienst - A 13 -15" nicht die Obergrenze der Bandbreite in Höhe von 17 DS (§ 3 Abs. 1 Nr. 16 LVV) ausgeschöpft worden ist, sind die - von der Antragsgegnerin nachvollziehbar erklärten (Schriftsatz vom 20. November 2017, Bl. 55 ff. GA, dort unter den Punkten 5 und 10) - weiteren Dienstaufgaben, die die jeweiligen Stelleninhaber I. und B. auszuführen haben und die nach den schriftsätzlichen Angaben der Antragsgegnerin in einem entsprechenden Aktenvermerk des Dekans, § 3 Abs. 3 LVV, niedergelegt worden sind.

Insgesamt ergeben sich so in der Zeile "Zusätzliches Lehrangebot aufgrund dienstrechtlicher Lehrverpflichtung" (7,92 DS + 3 DS =) 10,92 DS.

Nach alledem ist für den Berechnungszeitraum 2017/2018 von folgendem Stellenbestand der Lehreinheit Pharmazie und dem nachstehend bezifferten (unbereinigten) Lehrdeputat entsprechend den nicht zu beanstandenden Regelungen der LVV auszugehen (in der folgenden Tabelle wurden die Stellengruppenbezeichnungen in der von der Antragsgegnerin und dem Ministerium zugrunde gelegten Tabelle verwendet):

Stellengruppe

Deputat je Stelle in DS

Anzahl Stellen 2017/2018

Summe DS 2017/2018

W3 Universitätsprofessor

36

W2 Universitätsprofessor

36

W1 Juniorprofessor

(1. Anstellungsphase)

A15 - 13 Akad. Rat mit ständigen Lehraufgaben

45

A15 - 13 Akad. Rat ohne ständige Lehraufgaben

15

A15 - 13 Studienrat im Hochschuldienst

13

26

A13 Akad. Rat auf Zeit

2,5

10

TV-L Wiss. Angestellter (befristet)

14,5

58

TV-L Wiss. Angestellter (unbefristet)

24

TV-L Lehrkraft für besondere Aufgaben

12

1,98

23,76

Summe

41,98

281,76

Zusätzliches Lehrangebot aufgrund dienstrechtlicher Lehrverpflichtung

10,92

Summe in DS

292,68

Dieses Gesamtlehrdeputat von (unbereinigt) 292,68 DS ist gemäß § 10 KapVO wegen anzusetzender Lehrauftragsstunden im Umfang von 4,02 DS erhöht worden. Das Gericht geht nach dem Inhalt der vorgelegten Unterlagen davon aus, dass damit die im maßgeblichen Zeitraum (hier: SS 2016 und WS 2016/2017) im Durchschnitt in der Lehreinheit Pharmazie angefallenen - der Pflichtlehre zugehörigen - Lehrauftragstunden erfasst sind. Anhaltspunkte, die in sachlicher Hinsicht Zweifel an dem Ansatz der berücksichtigten - und von der Antragsgegnerin im Einzelnen schriftsätzlich bezeichneten (Schriftsatz vom 20. November 2017, Bl. 55 ff. GA, dort unter Punkt 6) - Lehrauftragsstunden wecken könnten, bestehen nicht. Rein rechnerisch sind nach diesen schriftsätzlichen Erläuterungen der Antragsgegnerin im WS 2016/2017 Lehrauftragstunden allerdings nicht im Umfang von 3,33 DS, sondern im Umfang von (1,07 DS + 1,07 DS + 0,27 DS + 0,93 DS =) 3,34 DS angefallen. Das Gericht legt daher der weiteren Berechnung eine (kapazitätsgünstige) Erhöhung des unbereinigten Gesamtlehrdeputats wegen anzusetzender Lehrauftragstunden i. H. v. (4,71 DS + 3,34 DS) : 2 = (8,05 : 2 =) 4,03 DS (anstelle von 4,02 DS) zugrunde.

Das Lehrangebot ist weiterhin gemäß § 11 KapVO um die Dienstleistungen zu vermindern, welche die Lehreinheit Pharmazie für fünf nicht zugeordnete und im Einzelnen in den Kapazitätsunterlagen benannte Studiengänge erbringt. Die insoweit zum Berechnungsstichtag angesetzten Einsatzwerte (Curricularanteile und Studienanfängerzahlen), die zu einem Dienstleistungsexport von (6,58 DS + 0,02 DS + 0,15 DS + 2,00 DS + 0,58 DS =) 9,33 DS führen, sind nach summarischer Prüfung bedenkenfrei.

Unter Berücksichtigung der Lehrauftragsstunden und des Dienstleistungsexports ergibt sich damit ein bereinigtes Lehrangebot je Semester in Höhe von (292,68 DS + 4,03 DS - 9,33 DS =) 287,38 DS, woraus ein bereinigtes Lehrangebot für das Studienjahr 2017/2018 von (2 x 287,38 DS =) 574,76 DS folgt.

2. Lehrnachfrage und Aufnahmekapazität:

Für die Berechnung der jährlichen Aufnahmekapazität ist zur Berücksichtigung der Lehrnachfrage aller der Lehreinheit zugeordneten Studiengänge unter Anwendung von Anteilquoten (§ 12 KapVO) und der auf die Lehreinheit vom Curricularnormwert entfallenden Curriculareigenanteile aller zugeordneten Studiengänge (§ 13 Abs. 4 KapVO) ein gewichteter Curriculareigenanteil anzusetzen. Zugeordnet sind der Lehreinheit Pharmazie zwei Studiengänge, nämlich der Studiengang Pharmazie (Staatsexamen) und der Masterstudiengang Arzneimittelwissenschaften. Das Ministerium hat zur Feststellung der Anteilquote für den Studiengang Pharmazie einen Curricularnormwert von 4,50, einen Eigenanteil von 4,21 sowie eine vorjährige Bewerberzahl von 110 in seiner Kapazitätsberechnung zugrunde gelegt. Für den Masterstudiengang Arzneimittelwissenschaften hat es ebenfalls die entsprechenden Parameter zugrunde gelegt (Curricularwert 2,30, Eigenanteil 2,20, Bewerberzahl 12). Die Antragsgegnerin hat hierzu schriftsätzlich erläuternd ausgeführt, dass die Anteilquoten aufgrund sachlicher Kriterien unter Berücksichtigung der jeweiligen Nachfrage in den Studiengängen sowie planerischen Gesichtspunkten im Einvernehmen mit dem Ministerium festgesetzt worden sind. Dies unterliegt nach summarischer Prüfung keiner Beanstandung, § 12 KapVO. Die Antragstellerin hat hierzu im Übrigen auch keinerlei Rügen vorgebracht.

Diese Zahlen in das Verhältnis zueinander gesetzt, folgt daraus für den Studiengang Pharmazie eine Anteilquote von 110 : (110 + 12) = (110 : 122 =) 0,902 und für den Studiengang Arzneimittelwissenschaften eine Anteilquote von 12 : (110 + 12) = (12 : 122 =) 0,098.

Der gewichtete Curriculareigenanteil eines Studiengangs wird berechnet durch Multiplikation des Curriculareigenanteils mit der Anteilquote. Der gewichtete, auf die Lehreinheit Pharmazie entfallende Curriculareigenanteil aller ihr zugeordneten Studiengänge beträgt insgesamt (4,21 x 0,902 + 2,20 x 0,098 =) 4,01.

Einen Grund zu Beanstandungen dieser Eingabeparameter und der hierauf aufbauenden mathematischen Berechnungen der Hochschule und der Wissenschaftsverwaltung kann das Gericht in dem Verfahren vorläufigen Rechtsschutzes nicht feststellen.

Ausgehend von dem bereinigten Jahreslehrangebot in Höhe von 574,76 DS und dividiert durch den gewichteten Curriculareigenanteil aller der Lehreinheit Pharmazie zugeordneten Studiengänge in Höhe von 4,01 ergibt sich ein Studienplatzangebot der Lehreinheit in Höhe von (574,76 : 4,01 =) 143,33 Studienplätzen.

Damit ermittelt sich eine jährliche Aufnahmekapazität von (143,33 x 0,902 =) 129,28, gerundet 129 Studienanfängerplätzen im Studiengang Pharmazie.

Die auf Grund des Zweiten Abschnitts der KapVO errechnete jährliche Aufnahmekapazität von 129 Studienplätzen ist nach den Vorschriften des Dritten Abschnitts der KapVO zu überprüfen. Das führt auf der Grundlage des nach dem so genannten Hamburger Modell ohne erkennbare Fehler angesetzten Schwundausgleichsfaktors von 0,86 zu einer Erhöhung im Wege des Schwundausgleichs (§§ 14 Abs. 3 Nr. 3, 16 KapVO) auf (129 : 0,86 =) 150 Studienanfängerplätzen im Studiengang Pharmazie.

Die Verteilung der errechneten 150 Studienanfängerplätze in Höhe von 80 Studienanfängerplätzen für das WS 2017/2018 und 70 Studienanfängerplätzen für das SS 2018 weicht leicht von einer Verteilung, die sich soweit wie möglich an dem Verhältnis 50 Prozent zu 50 Prozent orientiert, ab. Eine derartige leichte Abweichung von einer gleichmäßigen Verteilung der errechneten Studienanfängerplätze unterliegt vorliegend nach summarischer Prüfung keiner Beanstandung

vgl. zur Frage der Verteilung der Jahreskapazität auf die Vergabetermine des WS und des SS etwa: BVerwG, Beschluss vom 22. Dezember 1989 - 7 B 82/89 -, juris, Rn. 2 f.; vgl. ferner bereits VG Münster, Beschluss vom 17. November 2015 - 9 L 1250/15 -, juris, Rn. 34 f. (Pharmazie 1. FS WS 2015/2016),

und stellt sich im vorliegenden Verfahren für die Antragstellerin, die gerade die Zulassung zum WS 2017/2018 erstreiten will, im Übrigen als kapazitätsgünstig dar.

Der nach alledem beanstandungsfrei ermittelten Zulassungszahl von 80 Studienanfängerplätzen stehen 86 Einschreibungen gegenüber, die kapazitätsverzehrende Wirkung entfalten. Damit sind freie Plätze für Studienanfänger nicht festzustellen.

III.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 154 Abs. 1 VwGO. Die Streitwertfestsetzung beruht auf §§ 53 Abs. 2 Nr. 1, 52 Abs. 2 GKG. Sie entspricht der ständigen Praxis des beschließenden Gerichts und des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen in Verfahren der vorliegenden Art.