LG Köln, Urteil vom 13.09.2006 - 28 O (Kart) 38/05
Fundstelle
openJur 2011, 44255
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Tenor

Die Klage wird abgewiesen.

Die Kosten des Rechtsstreits werden dem Kläger auferlegt einschließlich der Kosten der Nebenintervention.

Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 110 % des jeweils zu vollstreckenden Betrages.

Tatbestand

Der Kläger ist ein international erfolgreicher Athlet. Er ist gebürtiger Kenianer, verfügt mittlerweile über die amerikanische Staatsangehörigkeit und hat seinen Wohnsitz in den USA.

Die Parteien streiten um die vom Kläger behaupteten Folgen eines am 8. August 2003 bei dem Kläger durchgeführten (Out-Of-Competition-) Dopingtests, dessen A-Probe in der Folge im Institut der Streithelferin positiv auf rhEPO getestet wurde, während die am 29.09.2003 analysierte B-Probe Bakterienaktivität im analysierten Urin aufwies, so dass eine Auswertung nicht möglich war. Nachdem die B-Probe das Ergebnis der A-Probe somit nicht bestätigte, gab die Beklagte zu 2) am 01.10.2003 eine Presseerklärung heraus, wonach der Kläger startberechtigt sei (Anlage K 6, Bl. 45 d.A.).

Die Beklagte zu 1), eine Stiftung schweizerischen Rechts mit Sitz in Kanada, hat den weltweiten Kampf gegen Doping zur Aufgabe. Diesem Zweck ist ihr Vermögen gewidmet. Sie wird vollständig durch Zuwendungen von Regierungen und internationalen Sportverbänden finanziert. In Verfolgung ihrer Aufgabe führt sie im Namen und im Auftrag der internationalen Sportverbände u.a. Anti-Doping-Tests durch, darüber hinaus Maßnahmen wie Erziehungsprogramme oder Wissenschaftsförderung. Es kommt so im Jahr zu etwa 3000 Dopingproben im Vergleich zu den weltweit etwa 150.000 Dopingproben von internationalen Sportverbänden. Wegen der Einzelheiten des Satzungszwecks der Beklagten zu 1) wird auf deren Satzung (WADA 2, Blatt 408 ff.) verwiesen.

Die Beklagte zu 2) ist als gemeinnützige Vereinigung mit Sitz in Monaco der Weltverband für Leichtathletik, ihre Mitglieder sind 211 nationale Leichtathletikverbände, die wiederum ihre eigenen Regeln bestimmen. Die Beklagte zu 2) wurde 1912 mit dem Ziel gegründet, den Internationalen Leichtathletikwettkampfsport durch einheitliche Regeln zu vereinheitlichen. Seit 30 Jahren führt die Beklagte zu 2) Dopingkontrollen durch und betreibt Disziplinarverfahren gegen Athleten. Neben der Verfolgung der Gesundheitsinteressen der Athleten selbst, die sie durch die Einnahme von verbotenen Substanzen bedroht sieht, verfolgt sie die Einhaltung strenger Anti-Doping-Vorschrif-

ten insbesondere, um faire und gleichberechtigte Wettbewerbsverhältnisse zu erhalten und so die soziologische Aufgabe des Sports im Gemeinschaftsleben zu erfüllen. Wegen der Satzung der Beklagten zu 2) wird auf die Anlage WADA 1, Blatt 384 ff. d.A., Bezug genommen.

Zwischen der Beklagten zu 2), die die Beklagte zu 1) in die Durchführung der Antidopingtests einbezieht, wurde unter dem 02./04.06.2003 eine Vereinbarung (Drug testing service agreement, Anlage IAAF 4, 728 ff. d.A. bzw. WADA 4, 425 ff. d.A.) geschlossen, nach der sich die Beklagte zu 1) verpflichtete, im Auftrag der Beklagten zu 2) und im Einklang mit dem IAAF-Handbuch und ihren Verfahrensregeln für die Dopingkontrolle (Bl. 720 ff. d.A.) einige Outof-Competition-Kontrollen durchzuführen. Die Beklagte zu 1) hat hiernach das Recht, selbständig Athleten für diesen Zweck auszuwählen, wobei die Beklagte zu 2) die Beklagte zu 1) über den Aufenthaltsort von Spitzenathleten unterrichtet.

Die im Namen der internationalen Sportverbände durchgeführten Antidopingtests werden nicht nur bei Sportveranstaltungen durchgeführt, weil es Methoden gibt, die so angewendet werden, dass Doping bei der Veranstaltung nicht mehr nachweisbar wäre. Daher gibt es zusätzliche Kontrollen außerhalb der Wettbewerbe (Out-Of-Competition-Kontrollen). Hierbei werden Athleten unangekündigt aufgesucht, um sicherzustellen, dass die Kontrollen nicht manipuliert werden können. Dafür ist ein weltweites Netz erforderlich, das die Beklagte zu 2) nicht selbstständig unterhalten kann. Sie bedient sich hierbei unter anderem der Beklagten zu 1). Im Rahmen der Out-Of-Competition Dopingkontrollprogramme ist die Beklagte zu 1) berechtigt, sogenannte internationale Dopingkontrolleure mit Probeentnahmen zu beauftragen. Die Kontrolleure ermitteln zunächst, ob der Athlet mit der Entnahme der Probe einverstanden ist. Ist er nicht einverstanden, wird das der Beklagten zu 2) mitgeteilt. Der Athlet unterzeichnet im Falle seines Einverständnisses mit der Kontrolle eine Einverständniserklärung.

Die Beklagte zu 1) wiederum bedient sich zur Durchführung der Proben der Hilfe Dritter. So setzt sie für die Entnahme der Proben unter anderem das "Drug Free Sports D (DFSC), bestehend aus der kanadischen, der australischen und der norwegischen nationalen Doping Agentur, ein. Das DFSC beauftragt seinerseits Subun-

ternehmer mit der Durchführung der Tests wie das im streitgegenständlichen Fall tätig gewordene schwedische Unternehmen U & Management AB (IDTM). Dieses wiederum ist zertifiziert und seit Jahren zuverlässig für internationale Sportverbände tätig. Die Analyse der Proben wiederum obliegt speziellen hierfür bei der Beklagten zu 1) akkreditierten Laboren, die allerdings im Jahr 2003 noch vom IOC akkreditiert waren. In Deutschland gibt es zwei akkreditierte Labore, unter anderem das im vorliegenden Fall tätig gewordene - unstreitig renommierte - Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln, der Streithelferin der Beklagten. Im Rahmen des Akkreditierungsverfahrens wird laufend Eignung, Qualität und Zuverlässigkeit der Labore überprüft und laufend überwacht. Die Streithelferin schloss mit der Beklagten zu 1) am 18.12.2002 eine Vereinbarung, wonach sie die Qualitätsanforderungen der internationalen Dopingkontrollstandards (International Standard for Doping Control, ISDC) umgesetzt hatte und sich verpflichtete, diese laufend zu beachten (vgl. Anlage WADA 6, Bl. 442 ff. d.A.). Das Institut war mit dem durchzuführenden EPO-Test spätestens seit 2002 vertraut.

Der an keinen Verein gebundene Kläger trainiert seit 1998 regelmäßig in Deutschland. Während dieser Trainingsphasen hält er sich mehrere Monate bei einer Läufergruppe in U2 auf. Er nimmt an Wettkämpfen in Deutschland und Europa teil. Der Kläger ist an keinen Verein gebunden und unterwirft sich bei Wettkampfauftritten den jeweiligen Startbedingungen. Der Kläger war 2003 auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er hatte einen untadeligen Ruf und fungierte als Werbeträger für die Fa. O. In Paris bei der Weltmeisterschaft 2003 hatte er als einer von nur vier Athleten eine eigene Pressekonferenz. Er befand sich im August 2003 zur Vorbereitung auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Paris in U2, wo er am 08.08.2003 der streitgegenständlichen Dopingkontrolle unterzogen wurde.

Die Beklagte zu 1) hatte gemäß der Vereinbarung mit der Beklagten zu 2) durch das DFSC einen Dopingkontrolleur der IDTM angewiesen, bei dem Kläger eine Blut- und eine Urinprobe zu entnehmen. Die Dopingkontrolle wurde seitens des IDTM durch den Kontrolleur Dr. K W durchgeführt, der seit 1995 Blut- und Urinproben bei Athleten nimmt. Dieser legte dem Kläger eine Vollmacht der Beklagten zu 2) vor ("letter of authority to collect samples", Anlage WADA 19, Bl. 1332 d.A.). Der Kläger und der Kontrolleur unterzeichneten ein Formular, das in englischer und französischer Sprache gehalten ist (Doping Control Form, Anlage K 1, Bl. 39 d.A.). Dieses enthält in seinem ersten Abschnitt Namen und Personalien des Klägers und die Bezeichnung beider Beklagter als derjenigen, die den Test verlangen ("name of organization requesting the test"). Es folgen sodann der von beiden Beteiligten unterzeichnete Passus hinsichtlich der Anerkennung ("notification of testing and acknowledgement") und Einzelheiten zum Test selber, so unter anderem die Nummer von A- und B-Probe. Die Rubrik "Drugs" war unausgefüllt und durchgestrichen. Darunter befindet sich eine Bestätigung ("confirmation"), die beide Beteiligte unterzeichneten und die in deutscher Übersetzung wie folgt lautet:

"Ich erkläre, dass die obigen Informationen zutreffen und ich akzeptiere das Testverfahren und stimme zu, dass alle Streitigkeiten, die sich aus einer nach IAAF Regeln durchgeführten Dopingkontrolle ergeben gemäß den Regelungen der IAAF zur Schiedsgerichtsbarkeit geklärt werden, und dass die nach den Regelungen einer anderen Sportorganisation durchgeführten Dopingkontrollen nach deren Schiedsgerichtsregeln geklärt werden."

Der Kontrolleur entnahm bei dem Kläger eine Blut- und eine Urinprobe. Zu dieser Zeit herrschten in Deutschland Außentemperaturen von 35 bis 40° C. Der Kontrolleur bewahrte die Proben zunächst bei Raumtemperatur im Hotelzimmer auf und transportierte sie dann am folgenden Tag in seinem klimatisierten Fahrzeug zu dem Labor der Streithelferin in Köln, wo sie am 09.08.2003 eintrafen.

Bei dem Institut wurde zunächst die A-Probe analysiert, wobei der Urin zunächst einem Aktivitätstest unterzogen wurde; dieser ergab keinerlei Bakterienaktivität. Die Analyse bestand aus einer ersten Prüfung am 19.08.2003 (Screening) und einer bestätigenden Untersuchung (Confirmation) am 22.8.03. Nach Durchführung jedes Testlaufs wurde die Probe tiefgekühlt gelagert. Vor Prüfung der Urinprobe war darüber hinaus in einer Vorprüfung die Blutprobe des Klägers analysiert worden. Über dieses Ergebnis streiten die Parteien.

Das Labor übersandte den Bericht über die Durchführung der A-Probe am 22.08.2003 an die Beklagte zu 1) (Anlage K 2, Bl. 40) mit dem Ergebnis, dass diese positiv auf rhEPO getestet worden sei. Die Beklagte zu 2) wandte sich mit Schreiben vom selben Tag, das als vertraulich gekennzeichnet war, an den kenianischen Leichtathletikverband, dessen Funktionäre sich seinerzeit im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Paris befanden (Anlage K 3, Bl. 41). Hierin wurde mitgeteilt, dass der Kläger positiv auf

rhEPO getestet worden sei. Der Verband wurde aufgefordert, folgende Prozedur so bald wie möglich auszuführen: - den Eingang des Schreibens zu bestätigen, - den Athleten zu informieren und von ihm so bald wie möglich eine Erklärung zu fordern,

- die Erklärung sollte spätestens am 23.08.2003 bis 10:00 Uhr morgens der Beklagten zu 2) zugehen.

Für den Fall, dass der Athlet keine adäquate Erklärung liefern sollte, werde der Test als positiv angesehen und der Athlet von da ab bis zur Klärung des Falles suspendiert ("... the test shall be regarded as positive and the athlete shall be suspended, pending the resolution of his case, from this time").

Der Kläger gab am selben Abend eine schriftliche Stellungnahme dahingehend ab, dass er nie verbotene Substanzen eingenommen habe (Anlage IAAF 7, Bl. 746 ff.). Die Beklagte zu 2) sah das Abstreiten eines Verstoßes gegen die Dopingregeln angesichts des positiven Befunds der A-Probe nicht als ausreichend an und forderte vom Kläger eine weitere handschriftliche Stellungnahme. Hierin erläuterte dieser (Anlage IAAF 8, Bl. 749), dass möglicherweise eine Verwechslung der Dopingprobe stattgefunden habe.

Der Kläger reiste anschließend aus Paris ab und nahm nicht an dem 1500 m-Lauf der Weltmeisterschaft teil. Die Beklagte zu 2) veranlasste mit Schreiben vom 26.08.2003 Nachforschungen durch die Beklagte zu 1) im Hinblick auf ein Vertauschen der Probe (IAAF 10, Bl. 753); in dem Schreiben wurde darauf hingewiesen, dass nach den Regeln der Beklagten zu 2) die Sache absolut vertraulich zu handhaben sei. Die Beklagte zu 1 antwortete am 28.08.2003 und übermittelte eine Stellungnahme des Kontrolleurs Dr. W (IAAF 11, Bl. 760), wonach ein Vertauschen ausgeschlossen sei.

Am 3. September 2003 wurde in einer kenianischen Zeitung ein Bericht über ein Gespräch mit dem Trainer der kenianischen Leichtathletikmannschaft, L, veröffentlicht (IAAF 9, Bl. 751), in welchem dieser erklärt habe, er sei am 21.08.2003 informiert worden dass die A-Probe des Klägers positiv auf rhEPO getestet worden sei; Athletics Kenya habe deshalb den Kläger im besten Interesse der Mannschaft aus dem Wettbewerb genommen. Der Mannschaft sei gesagt worden, er leide an Magenbeschwerden. Ein ähnlich lautender Artikel wurde in der Berliner Zeitung vom 04.09.2003 veröffentlicht (Anlage K 4, Bl. 42).

Mit Schreiben vom 04.09.2003 teilte der kenianische Leichtathletikverband dem Kläger mit, dass das Exekutivkomitee nach Würdigung der Erklärungen des Klägers unter Berücksichtigung des Artikels 2.52 der IAAF- Regeln für Dopingkontrolle beschlossen habe, den Kläger vorläufig zu suspendieren (Anlage IAAF 13, Bl. 765 f.). Hierauf verlangte der Kläger nunmehr Öffnung und Prüfung der B-Probe sowie Einsicht in die Dokumentation und Hinzuziehung eines eigenen Experten (den als sachverständigen Zeugen benannten Dr. I zur Analyse.

Daraufhin wurde der von der Beklagten zu 2) vorgeschlagene Termin vom 23. bis 25.09.2003 zunächst verschoben. Am 29.09.2003 wurde die B-Probe im Institut der Streithelferin geöffnet (Anlage K 4, Bl.44). Der - nach der bei der A-Probe verwendeten und einer weiteren seit Anfang September 2003 von M vorgeschlagenen neuen Methode durchgeführte - Aktivitätstest der B-Probe ergab nach beiden Versionen eine starke Proteaseaktivität des zu analysierenden Urins (Schlussbericht der Streithelferin, K 8, Bl. 68 ff., 129), so dass die schwachen EPO-Signale der Urinaktivität zugeschrieben werden konnten. Dies machte eine verlässliche Analyse unmöglich, weshalb sie als unschlüssig ("inconclusive") bewertet wurde. Da aus der Gesamtschau kein Vorhandensein von rhEPO im Urin des Klägers festgestellt werden konnte, teilte die Beklagte zu 2). am 01.10.2003 mit, dass die Analyse der B-Probe das Ergebnis der A-Probe nicht bestätigt habe und dass der Kläger wieder startberechtigt sei. Zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche Leichtathletikwettkämpfe des Jahres 2003 abgeschlossen. Der Kläger ließ die Beklagten durch seinen Prozessbevollmächtigten auffordern, eine gemeinsame Entlastungserklärung zugunsten des Klägers abzugeben (Bl. 46 d.A.). Dies lehnte die Beklagte zu 1) mit Schreiben vom 10.11. 2003 (Bl. 482 d.A.) ab.

Unter dem Stichwort EPO wird im Bereich des Leistungssports eine Dopingmethode verstanden, mit der die Gesamtzahl an roten Blutkörperchen deshalb erhöht wird, um eine größere Menge an Sauerstoff transportieren und damit die Ausdauerleistung des Sportlers verbessern zu können. EPO ist ein im Körper des Menschen natürlich vorkommendes Hormon, das die Produktion roter Blutkörperchen stimuliert. Die erhöhte Anzahl von roten Blutkörperchen hat eine Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und damit eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit zur Folge. Eine Erhöhung der Anzahl der roten Blutkörperchen kann auf natürliche Weise durch Höhentraining erzielt werden. Seit 1988 wird EPO gentechnisch hergestellt. Das IOC verbot Anfang der Neunziger Jahre den Gebrauch von EPO. Ursprünglich gab es zu seinem Nachweis einen Blut- und Urintest, seit 2001 wird das M-Verfahren zu seinem Nachweis verwendet, das vom IOC anerkannt ist. Das M-Verfahren beruht auf der Erkenntnis, dass sich künstliches EPO in wenigen Details in seiner Eiweißstruktur vom natürlichen EPO unterscheidet und dass die verschiedenen Erscheinungsformen von EPO sich in einem elektrischen Feld unterschiedlich verhalten, sich also bei der Darstellung in anderen Feldern ansiedeln. Dadurch ist eine Trennung von künstlichem und natürlichem EPO möglich. Zum Zwecke dieser Untersuchung werden Antikörper verwendet um die EPO-Isoforme zu markieren. Es ergeben sich nach dieser Methode typische Bandenmuster. Der Nachweis in dem M-Verfahren erfolgt standardisiert in vier Schritten, nämlich der Vorbereitung, der isoelektrischen Fokussierung, dem Blotting und der Visualisierung. Eine Probe wird dann als positiv bewertet, wenn mehr als 80 % der Bandenmuster des getesteten Urins im pH-Wertebereich liegen, der demjenigen der Vergleichsprobe aus rekombinantem EPO entspricht. Seit ihrer Einführung wurde die Testmethode ständig weiter entwickelt.

Die am 08. August 03 geltenden Regeln der Beklagten zu 2) im IAAF Handbuch 2002/2003 vom 01.11.2001 sahen im Fall von Streitigkeiten die Entscheidung durch Schiedsgerichte vor. Regel 21 Nr. 1 Satz 2 der IAAF-Satzung lautet (in die deutsche Sprache übertragen) wie folgt:

"Im Falle einer Streitigkeit zwischen einem Mitglied und einem Athleten bringt das Mitglied die Angelegenheit vor ein Schiedsgericht oder ein anderes eingerichtetes oder autorisiertes Disziplinargericht." Regel 21 Nr. 2 IAAF-Satzung lautet wie folgt:

"Sämtliche Rechtsbehelfe (i) zwischen Mitgliedern, (ii) zwischen einem Mitglied und einem Athleten, (iii) zwischen IAAF und einem Athleten, oder (iv) zwischen der IAAF und einem Mitglied, gleich aus welchem Grund, ob dopingbezogen oder nicht, sind vor dem CAS oder einer seiner Außenstellen innerhalb von 60 Tagen nach Mitteilung der angegriffenen Entscheidung gegenüber dem Adressaten geltend zu machen."

Mit der vorliegenden Klage macht der Kläger gegen beide Beklagte einen Schadensersatzanspruch in Höhe von € 500.000,- sowie - nach Maßgabe des Antrags zu 2) einschließlich der dazu formulierten Hilfsanträge - Unterlassung von zukünftigen Dopingkontrollen des Klägers auf EPO geltend , bei denen das am 08.08.2003 benutzte Testverfahren angewandt bzw. solcher Doping-Kontrollen, bei denen der EPO-Antikörper AE 7 A 5 verwandt wird.

Der Kläger macht zur Inanspruchnahme beider Beklagter geltend, dass für ihn nur ersichtlich gewesen sei, dass beide auf dem Dopingkontrollformular als Auftraggeber ausgewiesen seien. Er habe sich der Dopingkontrolle nur angesichts der Folgen einer Verweigerung unterzogen, wozu er wirtschaftlich gezwungen gewesen sei. Er sei bereits mit dem Schreiben der Beklagten zu 2) vom 22.08.2003 suspendiert worden. In Umsetzung der hierin liegenden Anweisung sei dem Kläger von Funktionären seines Verbandes mitgeteilt worden, dass er keinesfalls an den Weltmeisterschaften teilnehmen könne; im Übrigen wäre er auch von der Beklagten zu 2) keinesfalls zugelassen und notfalls handgreiflich an der Teilnahme bei den Weltmeisterschaften gehindert worden.

Die Suspendierung sei auf Grundlage der von den Beklagten behaupteten angeblich positiven Dopingprobe alsbald noch während der Weltmeisterschaften der Presse öffentlich - und dies weltweit - bekannt gegeben worden. Er gehe davon aus, dass entweder Funktionäre der Beklagten selbst und/oder solche des kenianischen Leichtathletikverbandes das Gespräch mit Pressevertretern gesucht hätten. Im übrigen macht der Kläger geltend, dass es unerheblich sei, wer die Nachricht der erfolgten Suspendierung an die Öffentlichkeit gebracht habe. Es liege auf der Hand, dass eine positive A-Probe - wie regelmäßig - nicht geheim gehalten werden könne. Im übrigen könne man erst nach Analyse der B-Probe im Gesamtbild abschätzen, ob künstliches oder natürliches EPO vorgefunden worden sei.

Zur EPO-Wirkung und ihrer Nachweismethode macht der Kläger geltend, dass die nach Herkunft, Geschlecht und den Lebensumständen unterschiedlichen EPO-Profile keinem sicheren Vergleich mit einem wie auch immer und von welcher Testperson gewonnenen künstlichem rhEPO-Profil zugänglich seien. Bandenverschiebungen seien nicht nur durch Urinaktivität, sondern auch durch ethnologische Besonderheiten möglich. So wiesen Personen, die wie er in höheren Lagen lebten, eine besonders hohe Anzahl von roten Blutkörperchen auf. Nachdem bis dahin ein analytischer Nachweis von EPO mit unüberwindbaren Schwierigkeiten verbunden gewesen sei, habe es zu der Olympiade in Sydney 2000 erstmals einen kombinierten Blut-/Urintest gegeben. Nur ein doppelter Nachweis habe seinerzeit zu einer Sperre geführt. Obwohl noch am 07.11.2001 die Kommission des IOC erklärt habe, dass nur eine gleichzeitige Anwendung beider Tests einen bestmöglichen Nachweis garantiere, habe das IOC am 17.02. 2002 eingeführt, dass nach dem M-Verfahren allein ein Urintest reichte.

Die nicht durch eine epidemeologische Studie abgesicherte M-Methode verfälsche das Ergebnis grob, da der Test einen spezifischen monoklonalen Antikörper einsetze, der nicht nur auf EPO reagiere, sondern auch auf andere im Urin vorkommende Proteine. Dieser Antikörper binde sich nämlich an alle im Testurin vorhandenen EPO-Moleküle, also auch an die körpereigenen und differenziere nicht, ob diese natürlich oder künstlich seien. Insoweit verweist der Kläger auf die eidesstattlichen Versicherungen von Dr. I2 und Prof. Dr. G (Anlage K 26, in Hülle Bl. 1436). Er macht geltend, das Testverfahren sei bereits 2000 von Professor T2 als unsicher und fehlerquellenbehaftet kritisiert worden. Auch eine von der Beklagten zu 1) geförderte wissenschaftliche Abhandlung (K 14) habe erwiesen, dass die Antikörper im M-

Verfahren nicht nur auf das EPO Protein, sondern auch auf andere im Urin vorkommender Proteine anspreche. Da diese Proteine im selben Bandenbereich seien, wo auch das rhEPO vermutet werde, bestehe Verwechslungsgefahr. Von diesen Unzulänglichkeiten seien neben dem Kläger auch andere Sportler betroffen, so dass die Klage Chance und Gelegenheit für alle Sportler in fundierter gerichtlicher Beweisaufnahme sei, die sich gegenüberstehenden Behauptungen zur Wirksamkeit des M-EPO-Tests abzuklären. Anpassungs- und Verbesserungsversuche seien gescheitert, das schnell und unfertig auf den Markt gebrachte M-Verfahren zu retten. Dass die Beklagten sich der Methode selbst unsicher seien, belege der Umstand, dass entgegen satzungsrechtlicher Vorgaben die A-und B-Probe plus jeweils zwei Analysen durchgeführt würden und entgegen dem Testverfahren eine Gesamtschau entscheidend sei.

Der Kläger macht geltend, bei korrekter Testanwendung hätte die Urinaktivität ebenso entdeckt werden müssen wie die schweren Mängel des verwendeten Antikörpers, der mit einer ganzen Zahl anderer Proteine kreuzreagiere. Hierzu behauptet er, Bakterienaktivität des Urins ergebe sich besonders, wenn dieser nicht ausreichend gekühlt, also nicht sofort tiefgefroren würde. Demgegenüber seien die streitgegenständlichen Proben bei Außentemperaturen von 35 bis 40° aufbewahrt worden. Nach Ankunft des Urins im Institut sei die Probe - unstreitig - bis zum Abschluss der A-Analyse am 22.08.2003 bei ungefähr 2° aufbewahrt worden. Erst danach sei sie bis zur Öffnung der B-Probe am 29.09.2003 bei minus 20° aufbewahrt worden. Demgegenüber lauteten die Statuten, dass alle Aliquote (bis auf eine) bei -20° aufzubewahren seien, eine Probe bei + 4°. Nur dann könnten Bakterienaktivitäten verhindert werden, insbesondere bei den gegebenen Temperaturen. Die Nichtkühlung sei ein schwerer Fehler des Dopingkontrollverfahrens. Es sei wissenschaftlicher internationaler Standard, Urin sofort nach Abgabe zumindest im 0° bis 4° Bereich gekühlt zu halten, wenn eine sofortige Tiefkühlung nicht möglich sei. Er ist der Ansicht, es sei daher unerheblich, ob die Proben im Hotel bei normalen Temperaturen bzw. im klimatisierten Fahrzeug transportiert worden seien, da eine nachträgliche Lagerung in jedem Fall ungenügend gewesen sei. So habe es noch vor Durchführung der A-Probe erhebliche Bakterienaktivität gegeben, die durch den ersten mangelhaften Aktivitätstest jedoch nicht festgestellt worden sei und die unbeschadet der Unzulänglichkeiten des M-Tests zur Verfäl-

schung der Ergebnisse geführt habe. Ohne Bakterienaktivität hätte es hier keine Anhaltspunkte für rhEPO gegeben. Bis zum 17.06.2003 habe es zudem im M-EPO-Nachweisverfahren keinerlei Aktivitätstest auf Bakterien gegeben, obwohl dies unerlässlich gewesen sei. Bei der Analyse der A-Probe seien im Kölner Labor entscheidende Fehler unterlaufen, die aber durch ungenügende Verfahrensanweisungen aus dem französischen Dopinglabor selbst begünstigt worden seien. Die Beklagten müssten sich diese Fehler als eigenes schuldhaftes Verhalten zurechnen lassen.

Seinen Schadensersatzanspruch stützt der Kläger auf §§ 20,33 GWB. Er macht geltend, die Beklagte zu 2) sei ein marktbeherrschendes Unternehmen im Sinne von §§ 20,19 GWB. Die Beklagte zu 1) könne sich nicht auf ihren Satzungszweck zurückziehen und sei ebenfalls wie ein marktbeherrschendes Unternehmen im Sinne des Kartellrechts zu behandeln, da sie vom IOC und den Verbänden auch als Sanktionsinstanz im Antidopingverfahren geschaffen worden sei und sie in sämtlichen verbandsgerichtlichen Dopingverfahren mit eigenem Teilnahme- und Berufungsrecht ausgestattet sei. Sie greife damit in den Markt der Sportveranstaltungen ein. Es sei geboten, ihr den wirtschaftlichen Gewinn der Beklagten zu 2) zuzurechnen, so dass es auf einen eigenen wirtschaftlichen Gewinn der Beklagten zu 1) nicht ankomme. Die ungerechtfertigte Suspendierung sei eine unbillige Behinderung des Klägers als Berufssportler.

Folgende Fehler lösten den Schadensersatzanspruch des Klägers aus: ein untaugliches Testverfahren, die fehlerhafte Bewertung der A-Probe als positiv, die Veröffentlichung des falschen Analyseergebnisses und die ungerechtfertigte Suspendierung. Fehler in der Analyse seien den Beklagten nach § 278 BGB zuzurechnen, genauso wie die Unsicherheit des M-EPO-Tests. Beiden Beklagten sei nach §§ 30, 33 GWB und § 823 BGB auferlegt, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um den tatsächlich unschuldigen Kläger weltweit und öffentlich zu rehabilitieren. Wie sich aus den Klageerwiderungen ergebe, gingen beide Beklagte nach wie vor von einer positiven A-Probe aus, also von einem Dopingvergehen. Beide hätten insoweit die ihnen vorgeschlagenen ihn rehabilitierenden Erklärungen abgeben müssen.

Als subsidiäre Anspruchsgrundlagen kämen §§ 823 ff. BGB in Betracht. Die unerlaubte Handlung sei die Kontrolle mit untauglichem Dopingtest, der daher auch von der Beklagten zu 1) zu unterlassen sei. Ein zurechenbares Verschulden des Kölner Dopinglabors sei insoweit nicht nötig, da die Beklagte zu 1) für die Analysen zentral verantwortlich sei und sie die Laboratorien bestimme. Soweit ein Verschulden des Kölner Labors vorliege, wäre das als Falscherkennung der A-Probe den Beklagten zuzurechnen. Darüber hinaus sei von ihnen ein ungenügender Aktivitätstest zur Verfügung gestellt worden.

Der Kläger macht ferner geltend, ihm stünden auch Ansprüche aus Vertragsverletzung zu. Die freiwillige Unterwerfung des Klägers unter das Testverfahren sei der Abschluss eines Schuldverhältnisses zwischen den Parteien mit Fürsorge- und Sorgfaltspflichten der Beklagten, wonach beide einen sicheren Dopingtest hätten verwenden müssen.

Der Kläger macht folgende Schadenspositionen geltend: entgangene Gewinn- und Prämienverluste wegen fehlender Teilnahme an der Weltmeisterschaft und den anschließenden Wettkämpfen sowie immateriellen Schadensersatz. Er behauptet, sein Hauptkonkurrent habe im olympischen Finale nur einen hauchdünnen Vorsprung gehabt. Wenn beide am Start gewesen wären, wäre der Kläger jedenfalls Zweiter geworden. Andere Konkurrenz habe er nicht zu fürchten gehabt.

Bei der Weltmeisterschaft in Paris wäre er Zweiter geworden und hätte € 40.000,- Preisgeld sowie von seinem Hauptsponsor eine Prämie von $ 20.000,- erhalten. Er hätte ohne die Suspendierung am 05.09.2003 bei dem Memorial van E2 teilgenommen bei € 10.000 Antrittsgeld, einer Prämie von € 6.000,- als Zweiter und mit Sicherheit einem Zeitbonus von € 10.000,-, insgesamt also € 26.000,-. Er hätte am 13. und 14.09.2003 an der Monaco-Gala mit einer Siegprämie von € 30.000,- teilgenommen und diese erhalten, da sein Hauptkonkurrent nicht am Start gewesen sei. Hinzu komme ein Sponsoring-Bonus von € 5.000,-. Bei dem Wettkampf in Moskau hätte der Kläger $ 17.000,- Antrittsgeld und 20.000 Dollar für den zweiten Platz, also insgesamt $ 37.000,- erhalten. Er hätte dann auf dem zweiten Platz der Weltrangliste der Beklagten zu 2 gestanden und von dem Sponsor $ 12.000,- bekommen. Dies mache bei einem Umrechnungskurs von 1,16 US-Dollar € 155.000,- aus. Demgegenüber stünden keine besonderen Kosten des Klägers, da die Spesen vom Veranstalter oder vom Sponsor getragen würden. Im Schriftsatz vom 24.04.2006 (dort Bl. 9 = Bl. 1424 d.A.) hat er allerdings vorgetragen, die endgültige Wettkampfplanung für den Saisonverlauf nach den Weltmeisterschaften habe noch nicht festgestanden und wäre in Abhängigkeit von dem bei der Weltmeisterschaft erzielten Ergebnis und den Angeboten der Veranstalter erfolgt. Ein Start etwa beim ISTAF in Berlin wie in den Jahren 2002 und 2004 habe im Bereich des Möglichen gelegen. In dieser Möglichkeit sei der Kläger eingeschränkt worden.

Der Kläger behauptet, ihm seien weitere Einnahmen dadurch entgangen, dass durch die streitgegenständlichen Geschehnisse sein Ruf gelitten habe und er heute noch mit dem Vorwurf der positiven A-Probe in Verbindung gebracht werde. Er sei dadurch als Berufssportler gebrandmarkt. Die Veröffentlichung der A-Probe vor Abschluss der B-Probe stelle eine Diskriminierung im Sinne von § 20 GWB dar. Die Beklagten hätten gegen das Gebot der Verschwiegenheitspflicht verstoßen, das gerade Rufschädigungen verhindern solle. Auch sei eine Satzungsregelung, die betreffend den EPO-Test eine Suspendierung vor Abschluss der Gesamtschau zulasse, rechtswidrig. Nach der Weltmeisterschaft hätte der Kläger sich Produkte und Veranstaltungen heraussuchen können, für die er sich als Werbeträger hätte zur Verfügung stellen wollen. Das sei nunmehr zunichte gemacht geworden: potenzielle Sponsoren und Werbepartner seien wegen der Vorwürfe nicht an ihn herangetreten oder es seien Verhandlungen abgebrochen worden. Andere Athleten, die mit dem Kläger vergleichbar seien, würden die durch die Verdächtigungen entstandenen Schäden in zweistelliger Millionenhöhe schätzen wie z.B. Marion Jones mit $ 33,- Millionen. Den Schaden bewertet der Kläger unter Hinweis auf § 287 ZPO mit € 200.000,-.

Der Kläger macht weiter immateriellen Schadensersatz wegen der erfolgten Veröffentlichung aus § 823 Abs. 1 und 2 BGB geltend. Durch die Verleumdung liege eine schwere Persönlichkeitsrechtsverletzung und ein Eingriff in das Gewerbe des Klägers als Berufssportler vor. Der Schaden sei anderweitig nicht wieder gutzumachen. Vielmehr hätten die Beklagten mit ihrer Weigerung, zeitnah eine Erklärung abzugeben, zur Schadensvertiefung beigetragen. Da sie zudem nie das positive Ergebnis der A-Probe in Frage gestellt hätten, hätten sie damit Spekulationen Tür und Tor geöffnet. Sie hätten bereits den unsicheren EPO-Test nicht anwenden dürfen und an sich auch die A-

Probe als negativ bewerten müssen. Jedenfalls aber hätte die Veröffentlichung des Ergebnisses der A-Probe unterbleiben müssen. Die Veröffentlichung stelle eine falsche Tatsachenbehauptung wider besseres Wissen dar, die auch von den Beklagten verschuldet worden sei, da die M-Methode nicht erprobt gewesen sei. Darüber hinaus sei die Beklagte zu 1) sich der Unsicherheiten des Tests bewusst gewesen. Es liege ein besonders schwerwiegender Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Klägers vor, dessen Marktwert auch von der Art und Weise lebe, in der er Leistungen erbringe. Dies gelte insbesondere deshalb, weil Doping weltweit geächtet und kein Kavaliersdelikt sei. Daher sei die Doping-Behauptung eine der schwerwiegendsten Vorwürfe für Berufssportler. Der Verdacht werde dem Kläger sein gesamtes Berufsleben lang anhängen und könne durch einen Widerruf nicht befriedigend ausgeglichen werden. So hätten sich weitere Folgen für den Kläger auch im Rahmen des Staatsbürgerschaftswechsels ergeben. Insofern sei eine besonders hohe Geldentschädigung auch aus Präventionsgründen mit € 145.000,- angemessen.

Seinen Unterlassungsanspruch stützt der Kläger auf § 33 GWB. Er macht geltend, dass der M-EPO-Test keine sicheren Ergebnisse zulasse und er befürchten müsse, nochmals mit dem Vorwurf eines unrichtigen Ergebnisses konfrontiert zu werden. Hinsichtlich beider Beklagter fehle es im Hinblick auf den Kläger an einer Disziplinargewalt als Sportverbände, weshalb beide keinen Rechtsanspruch auf Unterwerfung des Klägers in Dopingkontrollen auch außerhalb besonderer Verpflichtungserklärungen hätten. Mitglied bei der Beklagten zu 2) sei nur der kenianische Leichtathletikverband, bei dem der Kläger kein Mitglied sei. Auch der Beklagten zu 1) seien Athleten nicht angeschlossen. Der Kläger sei bereit, mit den Beklagten Vereinbarungen über Out-Of-Competition Dopingkontrollen einzugehen, wenn der M-Test nicht mehr angewandt werde.

Die Zuständigkeit des Landgerichts Köln folge aus § 32 ZPO als internationale Zuständigkeit für die Schadensersatz- und Unterlassungsklage aus §§ 20, 33 GWB. Hier sei die unerlaubte Handlung begangen worden, auch nach dem Presserecht, weil die Nachricht des Dopingverdachts und der Suspendierung des Klägers auch in Köln verbreitet worden sei, so durch das Internet und die Berliner Zeitung. Im Übrigen gehe der Kläger seiner Erwerbstätigkeit weltweit nach und trainiere in Deutschland, wo er auch

an Leichtathletikwettkämpfen teilnehme. So habe er das Stadionfest in Berlin gewonnen. Er müsse befürchten, überall getestet zu werden, also auch in Köln. Damit sei auch bezüglich der Beklagten zu 1) die Zuständigkeit, insbesondere auch für den Antrag zu 2), gegeben. Im Übrigen sei ein Handlungsort durch die Durchführung der Untersuchung der A-Probe und die Bekanntgabe ihrer Ergebnisse in Köln gewesen. Die Sperre sei eine logische Konsequenz hiervon gewesen.

Der Kläger macht geltend, die Anwendbarkeit deutschen Rechts folge aus § 130 Abs. 2 GWB. Es handele sich um eine Wettbewerbsbeschränkung, die sich im Geltungsbereich dieses Gesetzes auswirke; insoweit weist er auf den möglichen Start etwa beim ISTAF 2003 in Berlin hin.

Zu der Einrede der Schiedsvereinbarung durch die Beklagten macht der Kläger geltend, es sei bereits unklar, wer Partei einer solchen Schiedsvereinbarung sei. Der Unterlassungsantrag sei bereits deshalb nicht von der Schiedsabrede erfasst, weil es hier um zukünftige Dopingkontrollen gehe, denen sich der Kläger nicht unterworfen habe. Er hätte bei der Unterschrift nur die damalige Kontrolle im Auge gehabt und nur allgemein gewusst, dass die Beklagten seinen Urin auf EPO untersuchen lassen. Er habe jedoch nichts über Art und Weise des Nachweises gewusst, daher sei insoweit jedenfalls keine Zuständigkeit des CAS vereinbart worden. Im Hinblick auf die von Art. 2 UNÜ erforderliche Schriftform gebe es zwar einen Hinweis im Kleingedruckten und die Unterschrift des Controllers. Dessen Bevollmächtigung, Erklärungen zum Abschluss einer Schiedsvereinbarung abzugeben, bestreite er aber. Offenbar habe dieser insofern nicht einmal Erklärungsbewusstsein gehabt; es sei ihm nur um die Ordnungsmäßigkeit der Kontrolle gegangen.

Die Schiedsvereinbarung sei auch insofern unwirksam, da der Kläger gezwungen gewesen sei, sie zu unterschreiben. Er hätte dies getan, um die Zwei-Jahres-Sperre zu vermeiden. Ein solches Vorgehen führe jedoch zu einem unzulässigen Schiedszwang mit der Folge der Nichtigkeit.

Auch sei die überraschende Verweisklausel auf dem Dopingkontrollformular zu unbestimmt. Die Parteien sollten sich inhaltlich bewusst sein, um was es geht. Hier sei nicht

ersichtlich gewesen, welche IAAF-Regeln gemeint seien. Dem Kläger sei der Inhalt der Regeln 12 und 21 der IAAF-Satzung nicht geläufig gewesen. Auch gebe es sonst keine Unterwerfungsvereinbarung im Sinne von Art. 12 der Regeln der Beklagten zu 2). Der Kläger habe sich immer nur den jeweiligen Startbedingungen unterworfen. Im Übrigen erfasse die Regel 21 der IAAF-Regeln nicht den streitgegenständlichen Sachverhalt. Gemeint seien dort nur Sachverhalte und Streitigkeiten, die die IAAF selbst beträfen, also nicht auch mit der Beklagten zu 1). Im Übrigen würden Streitigkeiten wie die in diesem Rechtsstreit nicht erfasst; der CAS sei nur als Rechtsbehelfszuständigkeit aufgeführt. Auch seien dort Schadensersatzforderungen nicht erfasst. Sinn und Zweck der Verweisungsklausel des Formulars sei es, dass bei Eröffnung des Dopingverfahrens Sanktionen nur durch ein nationales Verbandsgericht getroffen werden. Gegen diese Entscheidungen könnten der Athlet, der nationale Verband, die Beklagte zu 2) und auch die Beklagte zu 1) vorgehen, in den übrigen Streitigkeiten sei jedoch weder der CAS noch das nationale Verbandsgericht betroffen. Darüber hinaus sei der CAS kein unabhängiges Gericht, da die Schiedsrichter entweder Verbandsfunktionäre seien oder als Anwälte die Verbände gegen Athleten vertreten hätten. Soweit die Beklagten darauf hingewiesen hätten, dass im französischen Wortlaut der Satzung der Beklagten zu 2) das Wort "litige", also Rechtssache im Allgemeinen verwendet werde, verweist der Kläger darauf, dass nach Art. 11 Zf. 2 der Satzung der Beklagten zu 2) zwar das Regelwerk in englischer und französischer Sprache abgefasst sei, jedoch gelte bei unterschiedlicher Auslegung die englische Version.

Der Kläger beantragt,

1. die Beklagten als Gesamtschuldner zu verurteilen, an ihn Schadensersatz in Höhe von 500.000,00 € zuzüglich Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit Zustellung der Klageschrift zu zahlen; 2. die Beklagten zu verurteilen, zukünftig jede Doping-Kontrolle des Klägers auf EPO zu unterlassen, bei der das für die Kontrolle vom 08.08.2003 benutzte Testverfahren oder ein anderes Testverfahren angewandt wird, das nicht auf der Grundlage gesicherter allgemeinwissenschaftlicher Erkenntnisse

und/oder anerkannter wissenschaftlicher Studien zu zweifelsfreien Ergebnissen führt,

hilfsweise: die Beklagten zu verurteilen, zukünftig jede in Deutschland durchgeführte Doping-Kontrolle des Klägers auf EPO zu unterlassen, bei der das für die Kontrolle am 08.08.2003 benutzte Testverfahren oder ein anderes Testverfahren angewandt wird, das nicht auf der Grundlage gesicherter allgemeinwissenschaftlicher Erkenntnisse und/oder anerkannter wissenschaftlicher Studien zu zweifelsfreien Ergebnissen führt,

hilfweise hierzu: die Beklagten zu verurteilen, zukünftig jede Doping-Kontrolle des Klägers auf EPO zu unterlassen, bei der der EPO-Antikörper AE 7 A 5 verwandt wird;

und hilfsweise hierzu:

die Beklagten zu verurteilen, zukünftig jede in Deutschland durchgeführte Dopingkontrolle des Klägers auf EPO zu unterlassen, bei der der EPO-Antikörper AE 7 A 5 verwandt wird.

Beide Beklagte erheben die Einrede der Schiedsvereinbarung und rügen die Unzuständigkeit des LG Köln.

Die Beklagten und die Streithelferin beantragen im übrigen,

die Klage abzuweisen.

Die Beklagte zu 1) beruft sich auf die Freiwilligkeit mit der der Kläger sich der Dopingkontrolle unterzogen habe. Sie arbeite nur mit qualifizierten und akkreditierten Labors zusammen. An der Zuverlässigkeit des Labors der Streithelferin bestehe kein Zweifel. Die Labors handelten zwar im Auftrag der Beklagten zu 1), im übrigen jedoch selbstständig. Der Kontrolleur habe die Proben entsprechend der Vorgaben bei Raumtemperatur im Hotelzimmer aufbewahrt und diese dann im klimatisierten Fahrzeug bei 20° bis 23° in das Labor in Köln transportiert. Es liege auch kein Fehler des Labors vor. Dieses gebe nach der Analyse selbstständig dem jeweiligen Verband - hier der Beklagten zu 2) - das Analyseergebnis bekannt. Die Beklagte zu 1) habe das Ergebnis weder analysiert noch kommentiert. Sie habe auch mit der Abreise des Klägers aus Paris nichts zu tun, da sie am Verfahren der Bekanntgabe - unstreitig - nicht beteiligt war. Die Beklagte zu 1) habe ebenfalls die Presse nicht informiert.

Das M-Verfahren sei auch auf im Hochland lebende Personen anwendbar, da die Zahl der roten Blutkörperchen für diesen Test nicht relevant sei, sondern es nur auf die Unterscheidung von natürlichem und künstlichem EPO ankomme. Es sei falsch, dass die EPO-Profile sich nach Herkunft, Geschlecht und Lebensumständen unterschieden, was durch wissenschaftliche Studien widerlegt sei. Unabhängig von seiner Herkunft habe jeder Mensch nur natürliches EPO. Die wissenschaftlichen Untersuchungen hätten bestätigt, dass der Test zum EPO-Nachweis ausreiche. Es handle sich um ein wissenschaftlich anerkanntes und in der Praxis bewährtes Verfahren, was auch der CAS in diversen Entscheidungen bestätigt habe.

Wenn das M-Verfahren eingehalten werde, bringe es einen sicheren Nachweis. Fehler könnten sich nur dann ergeben, wenn das Verfahren nicht eingehalten werde oder Ergebnisse falsch interpretiert würden. Eine Tiefkühlung der Urinprobe sei nicht erforderlich, sie entspreche nicht dem allgemeinen Standard; insoweit weisen die Beklagten auf die Procedural Guidelines der Beklagten zu 2) hin (WADA 8, Bl. 457 ff.). Die Probe beim Kläger sei gemäß den maßgeblichen Bestimmungen der Beklagten zu 2) und anerkannten wissenschaftlichen Standards genommen worden. Es lägen weder ein Laborfehler noch unzureichende Verfahrensanweisungen vor. Als im Laufe der Zeit die Problematik des aktiven Urins aufgetreten sei, seien alle Labore von Frau Dr. M unverzüglich informiert worden (WADA 12, Bl. 516 f.). Auf der Grundlage dieser Informationen habe es Aktivitätstests seit 2002 gegeben, nicht erst seit dem 17.06. 2003.

Die Beklagte zu 1) macht weiter geltend, sie sei kein marktbeherrschendes Unternehmen. Auf dem Markt der Sportveranstaltungen sei sie nicht tätig und führe auch keine Dopingtests im Rahmen von Sportveranstaltungen durch. Ihre einzige Aufgabe sei es, Dopingproben außerhalb von Wettkämpfen durchzuführen. Der Antidopingkampf sei keine wirtschaftliche Tätigkeit. Die Beklagte zu 1) sei auch keine Vereinigung von Unternehmen im Sinne des Kartellrechts, wie das europäische Gericht erster Instanz in seinem Urteil vom 30.9.2004 (T 313/02, Meca Medina) entschieden habe.

Der Kläger habe nichts zur Haftungsgrundlage hinsichtlich der Beklagten zu 1) vorgetragen. Diese hafte allenfalls nach § 831 BGB, könne sich aber exkulpieren: sie habe ein weltweit anerkanntes Labor eingeschaltet, das im Rahmen des Akkreditierungsverfahrens laufend überwacht werde. Zudem sei Professor T2 einer der führenden Wissenschaftler, wovon die Beklagte zu 1) sich laufend überzeuge.

Die Beklagte zu 1) bestreitet mit Nichtwissen, dass der Kläger ohne das streitgegenständliche Testergebnis der A-Probe an der Weltmeisterschaft in Paris sowie den anderen von ihm behaupteten Sportveranstaltungen im Jahr 2003 teilgenommen hätte. Die Beklagte zu 1) bestreitet auch den Vortrag des Klägers zu den im Zeitraum vom 22.08. bis 01.10.2003 entgangenen Antrittsgeldern, Sponsorengeldern, Siegerprämien und Boni. Sie macht geltend, er habe gegen seine Schadensminderungspflicht verstoßen, weil er nicht sofort die B-Probe verlangt habe. Sie bestreitet, dass die für einen Schadensersatzanspruch erforderliche Gewissheit vorliege, dass der Kläger bei der Weltmeisterschaft in Paris Zweiter geworden wäre. Den Vortrag zu weiteren entgangenen Einnahmen rügt die Beklagte zu 1) als zu unsubstantiiert. Auch ein immaterieller Schaden sei weder ersichtlich noch vorgetragen.

Durch Unterzeichnung des Dopingkontrollformulars hätten die Parteien eine Schiedsvereinbarung getroffen, die auch wirksam sei und - im Hinblick auf die notwendige Einheitlichkeit der Entscheidung - auch Schadensersatzansprüche umfasse. Die Schiedsvereinbarung sei auch erfüllbar gewesen, der Kläger hätte das Schiedsgericht anrufen können.

Die internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln aus § 32 ZPO sei nicht gegeben, da die Voraussetzungen von §§ 20, 33 GWB nicht schlüssig dargelegt seien. Das GWB sei weder räumlich noch sachlich anwendbar, insbesondere liege eine Wettbe-

werbsbeschränkung mit Auswirkungen im Inland nicht vor. Auch sonst ergebe sich keine Zuständigkeit für das Landgericht Köln, zumal eine deliktische Handlung nicht vorgetragen sei.

Ein vertraglicher Anspruch gegen die Beklagte zu 1) scheitere bereits daran, dass sie nicht Vertragspartnerin des Klägers sei, zumal Dr. W dem Kläger nur eine Vollmacht der Beklagten zu 2) vorgelegt habe. Dass sie in dem Dopingkontrollformular mit aufgeführt sei, sei wegen dessen eindeutigen Auftretens unerheblich. Auch inhaltlich habe ein Vertragsschluss zwischen dem Kläger und der Beklagten zu 1) fern gelegen, weil sie weder Sportveranstalter sei noch irgendeine Regelungsbefugnis besessen habe. Zu der Beklagten zu 2) habe sie in einem Auftragsverhältnis, nicht aber einem Gesellschaftsverhältnis gestanden. Auch insoweit sei die Zuständigkeit des Landgerichts Köln nicht gemäß § 29 ZPO begründet: zum einen sei grundsätzlich der Erfüllungsort nach dem Recht zu bestimmen, nach dem sich ein etwaiges Vertragsverhältnis richte; insoweit komme im Hinblick auf die Beklagte zu 2) gemäß Art. 28 EGBGB nur monegassisches Recht in Betracht. Käme es auf die Beklagte zu 1) an, sei kanadisches Recht maßgeblich. Darüber hinaus komme der Gerichtsstand des Erfüllungsortes deshalb nicht in Betracht, weil es sich bei der Vereinbarung um eine Schiedsvereinbarung handele, die als prozessrechtlicher Vertrag nicht in den Anwendungsbereich von § 29 ZPO falle.

Die Beklagte zu 2) macht geltend:

Die A-Probe sei ordnungsgemäß ausgeführt und analysiert worden. Das Institut der Streithelferin sei mit dem EPO-Test vertraut gewesen. Die Probe sei in sicheren, geeigneten Behältern gelagert gewesen. Das Labor habe bei der Vorprüfung der Blutprobe des Klägers festgestellt, dass der Schwellenwert für Hämatokrit mit 51 % überschritten gewesen sei, was auf synthetisches EPO hinweise. Daher sei die Urinprobe des Klägers auf synthetisches EPO analysiert worden. Der Bluttest in der Vorprüfung sei nach der Rechtsprechung des CAS wissenschaftlich anerkannt. Am 23.08.2003 seien durch die Beklagte zu 2) zunächst Nachforschungen angestellt worden, welchem Athleten die Dopingprobe zuzuordnen sei. Hier sei man auf den Kläger gekommen. Die Beklagte zu 2) habe den Befund nochmals anhand der Blutwerte des Klägers überprüft. Erst daraufhin sei das vertrauliche Schreiben an den kenianischen Leichtathletikverband erfolgt.

Die Beklagte zu 2) habe den Kläger nicht vorläufig suspendiert, da die Ermittlungen noch gelaufen seien. Sie bestreitet auch eine vorläufige förmliche Suspendierung durch den Kenianischen Leichtathletikverband vor dem 04.09.2003 mit Nichtwissen. Die Beklagte zu 2) habe eine Suspendierung des Klägers nie angeregt. Das Schreiben vom 22.8. 2003 sei keine Anweisung an kenianischen Verband. "Shall" sei nicht als "soll", sondern als Futurform zu verstehen. Der kenianische Verband sei nicht Empfänger, sondern Übermittler der Nachricht. Der Nationalverband dürfe sich nicht aufgefordert fühlen, Athleten wider die Regelwerke zu suspendieren, zumal nach dem Regelwerk der Beklagten zu 2) für die Verhängung einer vorläufigen Sperre oder Suspendierung nur die Beklagte zu 2) zuständig sei. Der kenianische Verband habe die Beklagte zu 2) vor seiner Maßnahme nicht konsultiert. Die Entscheidung des Kenianischen Verbandes sei der Beklagten zu 2) dementsprechend nicht zurechenbar, sondern in eigener Verantwortung erfolgt. Sie wisse nicht, wer die Information über die positive A-Probe an die Öffentlichkeit weitergegeben habe, es sei wohl der Trainer der Kenianischen Leichtathletikmannschaft gewesen. Die Beklagte zu 2) habe die positive A-Probe streng vertraulich behandelt und alle Beteiligten um strenge Vertraulichkeit gebeten. Die Veröffentlichung durch Dritte sei ihr nicht zuzurechnen. Der Trainer der Kenianischen Leichtathletikmannschaft sei nicht Mitglied der Beklagten zu 2) und habe auch nicht in deren Vertretung oder auf deren Weisung gehandelt.

Falsch sei der Vortrag des Klägers, dass es keinen direkten Nachweis von synthetischem EPO gebe und dass erst nach einem Gesamtbild abzuschätzen sei, ob dieses vorliege. Ausweislich des Laborberichts (Anlage K 8, Bl. 70) seien die Urinproben bis zur Durchführung der A-Probe bei 2° gelagert worden, was den Anweisungen des QM-Handbuchs entspreche. Vor der Analyse der Urinprobe sei geprüft worden, ob diese zum Beispiel beim Transport degradiert und deshalb unbrauchbar geworden sei. Dazu seien der pH-Wert und das spezifische Gewicht der Probe analysiert worden, beides habe dicht bei den am Tag der Probeabnahme festgestellten Werten gelegen. Es habe kein Anhaltspunkt für ein Degradieren während des Transports gegeben. Nach der unschlüssigen B-Probe, die keinen klaren Negativbefund ergeben habe, habe die Beklagte zu 2) nur deshalb eine öffentliche Stellungnahme in der Sache abgegeben, weil von dritter Seite Informationen über die positive A-Probe an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Seitdem Ende 2001 die Testmethode vom IOC anerkannt gewesen sei, hätten spätere Veröffentlichungen bestätigt, dass der Test wissenschaftlich verlässlich sei (Anlagen K 9, IAAF 5, K 11). Es gebe gerade keine Gefahr falscher positiver Ergebnisse. Auch der Grenzwert von 80 % sei nach Entscheidungen des CAS ein wissenschaftlich begründeter statistischer Wert. Die A-Probe des Klägers habe den Grenzwert mit über 90 % deutlich überschritten. Wie der CAS entschieden habe, führe das Testverfahren auf Grund allgemein wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse und anerkannter wissenschaftlicher Studien zu zweifelsfreien Ergebnissen. Im Jahr 2003 sei das EPO-Verfahren längst anerkannt gewesen.

Bei allen Doping-Tests würde die A-Probe zweimal untersucht, hingegen die B-Probe nur einmal. Falsch sei auch die Behauptung des Klägers es habe kein einheitliches Protokoll gegeben, was die vom Kläger vorgelegte Anlage K 8 belege. Die in der Zwischenzeit eingeführten weiteren Verfeinerungen des Tests bedeuteten nicht, dass die früheren Tests als unsicher anzusehen seien. Auch äußere der Kläger nur Vermutungen für ein Fehlverhalten des Labors; ausweislich der Checkliste seien alle Arbeitsschritte bei der A-Probe durchgeführt worden (K 8, dort Seiten 23, 24, 28, 29). Selbst eine fehlerhafte Lagerung des Urins sei unerheblich, da der Urin in der Analyse auf seine Unversehrtheit überprüft und ein Aktivitätstest durchgeführt worden sei. Die A-Probe sei entsprechend den wissenschaftlichen Erkenntnissen durchgeführt worden. Bei der B-Probe sei auf Wunsch der Beklagten der alte und der neue Aktivitätstest angewandt worden.

Die Beklagte zu 2) sei nicht marktbeherrschend, die Dopingregelungen seien sportliches Regelwerk und keine wirtschaftliche Tätigkeit. Die Dopingprobe sei keine unbillige Behinderung des Klägers, zumal er dieser zugestimmt habe. Er unterliege auch als Nichtmitglied den Regeln der Beklagten zu 2), zumal er mehrfach selbst um Dopingproben gebeten und regelmäßig an Veranstaltungen der Beklagten zu 2) teilgenommen habe. Ferner liege keine sachlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung im Sinne von § 20 GWB vor. Hinsichtlich der durch Dritte durchgeführten Dopingkontrolle sei eine Zurechenbarkeit zu der Beklagten zu 2) nicht vorgetragen.

Da die Weltmeisterschaft in Paris vor der behaupteten Suspendierung gelegen habe, sei diese für die Nichtteilnahme des Klägers nicht kausal. Für die Beklagte zu 2) ersichtlich habe der Kläger freiwillig nicht an der Weltmeisterschaft teilgenommen. Der Kläger sei auch nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit immer Zweiter geworden. Sie bestreitet Start- und Preisgelder für die einzelnen Veranstaltungen und weist darauf hin, dass der Kläger falsch vortrage, wenn er geltend mache, er hätte ohne Suspendierung am ISTAF-Meeting 2003 in Berlin teilgenommen. Das Meeting habe nämlich bereits am 10.08.2003 unter Teilnahme des Klägers stattgefunden, der dort den 8. Rang belegt habe (Anlage IAAF 48, Bl. 1571 d.A.); dies ist seitens des Klägers nicht mehr bestritten worden. Zu den angeblich entgangenen weiteren Einnahmen bestreitet die Beklagte zu 2), dass es in Anbahnung befindliche Verhandlungen gegeben habe. Zudem ließen die Darlegungen des Klägers vermuten, dass dieser gar keine Verluste erlitten habe, zumal der Vertrag mit dem Sponsor jedenfalls weiter bestand. Der Kläger trage selbst vor, dass der Schaden durch die Bekanntgabe und nicht die vorläufige Suspendierung entstanden sei; für die Bekanntgabe sei die Beklagte zu 2) wie dargelegt nicht verantwortlich.

Aus §§ 823 ff. BGB bestünden keine Ansprüche. Die Anordnung von Dopingkontrollen sei zweifellos rechtmäßig. Weitere Verletzungshandlungen seien von der Beklagten zu 2) nicht begangen oder ihr zuzurechnen. Bei der Suspendierung sei der Kenianische Leichtathletikverband in eigener Verantwortung tätig geworden.

Dass die Dopingproben nicht ordnungsgemäß seien, sei nicht substantiiert vorgetragen worden. Auch hafte die Beklagte nicht über § 831 BGB: die mit der Verrichtung Betrauten seien nicht Verrichtungsgehilfen der Beklagten zu 2). Diese habe die erforderliche Sorgfalt bei der Auswahl beobachtet: die Beklagte zu 1) sei seit vielen Jahren die internationale Kompetenz in Dopingfragen, auch die beauftragten Unternehmen seien langjährig bewährte Spezialisten. Auch der Dopingkontrolleur habe stets einwandfrei gearbeitet. Das gelte auch für das Kölner Labor, das auch vom IOC akkreditiert sei. Im Hinblick auf die vom Kläger geltend gemachten vertraglichen Ansprüche trägt sie zu der fehlenden Zuständigkeit des LG Köln und deren Begründetheit vor wie die Beklagte zu 1).

Der Unterlassungsantrag sei unzulässig, weil er nicht bestimmt genug sei. Zu §§ 33, 20 GWB liege kein schlüssiger Vortrag vor, zumal die Dopingregeln nicht dem Kartellrecht unterlägen. Mit der Entscheidung des Europäischen Gerichts erster Instanz vom 30.09.2004 seien frühere Entscheidungen, Streitigkeiten wegen Dopingkontrollen auch nach Kartellrecht zu behandeln, überholt. Zwar sei Art. 82 EG nicht mit § 20 GWB identisch, da jedoch beide im Wesentlichen den gleichen Anwendungsbereich hätten, sei die Entscheidung uneingeschränkt auf den vorliegenden Fall übertragbar.

Im Übrigen hätten die vom Kläger vorgetragenen Handlungen außerhalb des Gerichtsbezirks Köln stattgefunden. Dies gelte für die Information des Kenianischen Verbandes durch die Beklagte zu 2). Weitere deliktische Handlungen seien nur Vermutungen des Klägers. Es sei auch nicht so, dass die Bekanntgabe im Bezirk des Landgerichts Köln stattgefunden habe.

Das Landgericht Köln sei international unzuständig: die Beklagte zu 2) habe ihren Sitz in Monaco und auch keine Niederlassung in Deutschland. Der räumliche Anwendungsbereich des GWB sei nicht betroffen, da die behauptete Wettbewerbsbeschränkung keine Inlandswirkung gemäß § 130 Absatz 2 GWB habe. Der Kläger sei während der Behinderung wieder aktueller noch potenzieller Marktteilnehmer im Geltungsbereich des GWB gewesen: die Parteien seien nicht in Deutschland ansässig und der Kläger habe an keiner Veranstaltung im Inland teilnehmen wollen.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird Bezug genommen auf den vorgetragenen Inhalt der von den Parteien gewechselten Schriftsätze und auf die von ihnen eingereichten Urkunden, die Gegenstand der mündlichen Verhandlung gewesen sind.

Gründe

Die Klage ist teilweise unzulässig, im übrigen unbegründet.

Zwar ist dem Kläger der Weg zu den staatlichen Gerichten eröffnet, weil die Schieds-

vereinbarung zwischen den Parteien die geltend gemachten Klageansprüche nicht umfasst, jedoch ist die Klage im Hinblick auf die Anträge zu Ziffer 2) unzulässig, zu Ziffer 1) teilweise unzulässig und teilweise unbegründet. Die Unzulässigkeit hinsichtlich des Antrags zu 2) ergibt sich daraus, dass - ungeachtet der Frage, ob der Antrag bzw. die Hilfsanträge konkret genug gefasst sind - das Landgericht Köln nicht gemäß § 32 ZPO international zuständig ist. Im Hinblick auf den Zahlungsantrag zu Ziffer 1) ist die Klage - soweit Ansprüche aus unerlaubter Handlung wegen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb teilweise schlüssig vorgetragen sind und daher insoweit die Zuständigkeit des LG Köln begründet ist - jedoch unbegründet. Soweit Ansprüche aus GWB bzw. pVV geltend gemacht werden, ist die Klage mangels internationaler Zuständigkeit des LG Köln als unzulässig abzuweisen (BGH NJW 1996, 1411, 1413). Im Einzelnen gilt folgendes:

I.

Die Einrede der Schiedsvereinbarung greift nicht durch, §§ 1032, 1025 Abs. 2 ZPO. Die Beklagten können sich nicht mit Erfolg darauf berufen, der Kläger müsse zur Verfolgung seiner Ansprüche den CAS - ein Schweizer Schiedsgericht - anrufen, da im Ergebnis der Gegenstand der Klage nicht von der Schiedsgerichtsregelung der Beklagten zu 2) umfasst ist, § 1032 Abs. 1, 1. HS ZPO. Angesichts dessen kann die von den Beklagten weiterhin aufgeworfene Frage dahin stehen, ob die Schiedsvereinbarung sich auch auf die Beklagte zu 1) bezieht bzw. ob sie für den Fall ihrer Gültigkeit auch die Klageanträge zu 2) umfassen würde. Allerdings geht die Kammer davon aus, dass nach den für die Frage der Wirksamkeit der Vereinbarung maßgeblichen Vorschriften des Art. II Abs. 1, 2 UNÜ (UN-Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche) grundsätzlich eine formwirksame Unterwerfung des Klägers unter die verbandliche Schiedsgerichtsbarkeit der Beklagten zu 2) vorliegt. Das UNÜ ist nach §§ 1025 Abs. 4, 1061 ZPO unstreitig für alle an der nach dem Dopingkontrollformular getroffenen Vereinbarung Beteiligten maßgeblich, da alle Staaten, denen sie angehören, dem Über-

einkommen vor den streitgegenständlichen Ereignissen im August 2003 beigetreten waren, nämlich die Staaten Kenia, USA (betreffend den Kläger), Schweiz (Beklagte zu 1) und Monaco (Beklagte zu 2). Dabei mag dahin stehen, ob und ggf. welche nationalen Formvorschriften im einzelnen strengere Voraussetzungen für die Gültigkeit der Schiedsabrede bestimmen, da solche im Gültigkeitsbereich des UNÜ jedenfalls keine Wirkung haben würden, da Sinn und Zweck des UNÜ die Vereinheitlichung der Formvorschriften gewesen ist, so dass innerhalb seiner Geltung eventuelle strengere Formvorschriften verdrängt würden (vgl. OLG Köln, NJOZ 2002, 2479, 2480).

Nach Art. II Abs. 1, 2 UNÜ ist eine schriftliche Vereinbarung erforderlich, die nach Abs. 2 als Vertrag oder Schiedsabrede von beiden Parteien unterzeichnet oder in gewechselten Briefen oder Telegrammen enthalten ist. Das Dopingkontrollformular vom 08.08.2003 ist unter "Confirmation" vom Kläger und von Dr. W unterzeichnet worden, nachdem Letzterer dem Kläger zuvor seine Vollmacht der Beklagten zu 2) (Letter of Authority to collect Samples, Anlage WADA 19, Bl. 1332) vorgelegt hatte. Soweit der Kläger bezweifelt, Dr. W sei für die Beklagtenseite nicht bevollmächtigt gewesen, geht die Kammer davon aus, dass dieses Bestreiten unerheblich ist. Angesichts des Umstandes, dass seitens der Beklagten auf dem Formular vorgesehen ist, dass bei Abnahme der Dopingprobe zugleich die Vereinbarung über die Schiedsgerichtsbarkeit zu unterzeichnen ist, ist davon auszugehen, dass der von ihr zur Abnahme der Dopingprobe Bevollmächtigte zugleich auch zum Abschluss der Vereinbarung auf ihrer Seite bevollmächtigt ist; eine andere Person kommt als vor Ort Unterzeichnender nicht in Betracht. Der für die Einholung der Dopingproben Beauftragte wird hierzu zudem ausdrücklich und schriftlich bevollmächtigt. Diese Vollmacht legt er dem Athleten vor. Er führt zudem von den Beklagten konzipierte Formulare mit sich, die den gleichzeitigen Abschluss einer Schiedsvereinbarung vorsehen, die von denselben Beteiligten zu unterschreiben ist wie die Bekanntgabe des Tests und die Anerkennung seiner Regeln (Notification of testing and acknowledgement). Vor diesem Hintergrund ist die Vollmacht des Testers hinreichend belegt und der Kläger kann sich nicht auf bloßes Bestreiten der Vollmacht des Dr. W beschränken.

Die Kammer geht ferner davon aus, dass sich der Kläger grundsätzlich auch als Nichtmitglied mit der Unterschriftsleistung dem Regelwerk - und damit der Disziplinar-

gewalt bzw. der von ihr vorgesehenen Schiedsgerichtsbarkeit - der Beklagten zu 2) unterworfen hat. Sportliche Regelwerke sind auch im Verhältnis zu Nichtmitgliedern des regelaufstellenden Verbandes keine AGB im Sinne des AGB-Gesetzes, bei denen eine bloße Bezugnahme auf vorformulierte Schiedsklauseln dem Schriftformerfordernis des Art. II UNÜ nicht genügen würden (OLG München, NJW-RR 1996, 1532). Vielmehr ist es allgemein üblich, dass die Regeln, denen sich die Teilnehmer sportlicher Wettkämpfe zu unterwerfen haben, in weitgehend standardisierten Wettkampfordnungen der für die betreffende Sportart zuständigen Spitzenverbände festgelegt sind und die für sämtliche Teilnehmer gleichermaßen gelten. Dies ist keine den persönlichen oder beruflichen Freiheitsraum des Einzelnen in unangemessener Weise einschränkende Maßregel, sondern vielmehr notwendige Voraussetzung sportlicher Betätigung und der Teilnahme an einem geordneten Wettkampfbetrieb. Von daher geht jeder Sportler - darunter fasst die Kammer trotz der von ihm geäußerten Einwendungen auch den Kläger - davon aus, dass für den von ihm ausgeübten Sport vom zuständigen Verband schriftliche Regeln aufgestellt sind, die von allen Sportlern gleichermaßen zu beachten sind (vgl. BGH NJW 1995, 583, 584). Da der Kläger mit seiner Unterschrift erklärt hat, er unterwerfe sich dem Regelwerk der Beklagten zu 2), kann er nicht geltend machen, von den im Falle von Regelverstößen zu erwartenden Sanktionen keine Kenntnis gehabt zu haben. Die wirksame Unterwerfung unter das Regelwerk der Beklagten zu 2) setzte nicht voraus, dass der Kläger dieses bis in seine Einzelheiten kannte. Es genügte die Möglichkeit der Kenntnisnahme von dem Regelwerk. Dass der Kläger nicht die Möglichkeit gehabt habe, sich in zumutbarer Weise von dessen Inhalt Kenntnis zu verschaffen, ist nicht ersichtlich. Dem Kläger als Spitzenathlet ist es bekannt, dass der Sportbetrieb nach festgelegten Regeln abläuft. Er ist als Berufssportler bereits im eigenen Interesse gehalten, von diesen Regeln Kenntnis zu haben um sich zu informieren und nicht wirtschaftliche oder rechtliche Nachteile zu erleiden (vgl. hierzu auch: OLG München NJWE-VHR 1996, 96, 98). Darüber hinaus wird in dem Dopingkontrollformular nochmals ausdrücklich auch auf die Schiedsgerichtsbarkeit als Teil des Regelwerks der Beklagten zu 2) hingewiesen, so dass auch für den Fall der Einordnung als Geschäftsbedingungen die Wirksamkeitsvoraussetzung erfüllt wäre, wonach, wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht beiden Parteien vorliegen, neben der Bezugnahme auf die AGB noch ein ausdrücklicher Hinweis auf eine in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen enthaltene Schiedsklausel erfolgen muss (vgl. auch MüKo-Gottwald, ZPO, Art. II UNÜ, Rn 14). Von daher folgt die Kammer dem Kläger auch nicht in der Einschätzung, er habe sich bei der Unterschriftsleistung unter Zwang befunden. Es ist Teil seiner Berufsausübung, sich auch zwischen den Wettkämpfen Dopingproben zu unterziehen als Voraussetzung für die Zulassung zu sportlichen Wettkämpfen. Dass ihm diese allgemeine Regel nicht bekannt gewesen sein soll, hat er nicht vorgetragen, genauso wenig, dass - und gegebenenfalls warum - er Bedenken gehabt hätte, sich an diesem Tag dem Regelwerk der Beklagten zu unterwerfen. Worin dann die Ausübung von Zwang auf Beklagtenseite gelegen haben soll, ist zudem nicht erkennbar.

Allerdings ist davon auszugehen, dass der vorliegend zur Entscheidung gebrachte Fall, also der Gegenstand der Klage im Sinne von § 1032 Abs. 1 ZPO, nicht mit hinreichender Bestimmtheit von der Schiedsklausel im Regelwerk der Beklagten umfasst ist, so dass die Beklagten sich hierauf nicht berufen können. Da der Kläger sich nicht gegen die Sanktion des kenianischen Mitgliedsverbands der Beklagten zu 2) als Ergebnis der positiv getesteten A-Probe wendet, sondern nach für ihn günstigem Ergebnis der Auswertung der B-Probe und (Wieder-) Zulassung zu den Wettkämpfen neben dem Unterlassungsanspruch hinsichtlich der Durchführung weiterer Dopingtests Schadensersatzansprüche sogleich gegen die IAAF, also die Beklagte zu 2) geltend macht, liegt ein von der Schiedsabrede nicht gedeckter Sonderfall vor. Dass es wegen der Einheitlichkeit der Beurteilung aus Sicht der Beklagten sinnvoll wäre, auch die vorliegend gestellten Fragen durch den CAS entscheiden zu lassen, kann sich in diesem Zusammenhang nicht entscheidend auswirken. Es wäre Sache der Beklagten zu 2), ihre Regeln entsprechend eindeutig zu fassen. Zunächst liegt keine Streitigkeit im Sinne von Regel 21 Nr. 1 Satz 2 der Satzung der Beklagten zu 2) vor, weil sie nicht zwischen einem Mitglied und dem Athleten besteht. Mitglied im Sinne der Regeln der Beklagten zu 2) sind ausschließlich die Nationalverbände. Da der Kläger, wie dargelegt die Entscheidung des kenianischen Nationalverbandes gerade nicht angreift, sondern die positive Bewertung der A-Probe und seine faktische Sperrung von diesem Tag an, ist diese Regelung nicht einschlägig. Zwar betrifft Regel 21 Nr. 2 der IAAF-Satzung unter Punkt (iii) auch Streitigkeiten zwischen einem Athleten und IAAF, jedoch ist davon auszugehen, dass hierunter nicht alle Streitsachen, sondern - entsprechend der englischen und nach Regel 9 Absatz 3 der zur Zeit der Dopingkontrolle geltenden Regeln der Beklagten zu 2) (IAAF Constitution, Anlage WADA 1, Bl. 384, 392 d.A.) im Konfliktfall maßgeblichen Fassung - Rechtsbehelfe zu verstehen sind. Ein Rechtsbehelf im Sinne einer Rechtsmittelentscheidung ist vorliegend vom Kläger gerade nicht geltend gemacht worden, zumal auch eine im Sinne von Regel 21 Nr. 2 der IAAF-Satzung angegriffene Entscheidung durch die Beklagten nicht vorliegt. Die Kammer geht davon aus, dass der maßgebliche Begriff "appeal" richtigerweise im Sinne von Rechtsmittel und nicht im allgemeineren Sinn als Streitsache zu verstehen ist und vom Kläger auch nur so verstanden werden konnte. Darüber hinaus ist auch der Sinn der Regelung ersichtlich darauf gerichtet, dass die Streitigkeiten, die unter Regel 21 Nr. 2 der IAAF-Satzung fallen, sich sämtlich gegen vorangegangene Entscheidungen richten sollen. Das Wort "appeal" als juristischer Begriff kann synonym verwandt werden für Rechtsmittel, Berufung, Beschwerde, Einspruch oder Erinnerung (Romain/ Bader/Byrd, Dictionary of Legal and Commercial Terms, 5.A.; Erdsieck/Dietl, Englisch-Deutsches Wörterbuch für Recht, Wirtschaft und Politik, 1964), darüber hinaus im Verwaltungsrecht für Widerspruch (Romain/Bader/Byrd, a.a.O.). Auch die hiermit verbundenen Begriffe beziehen sich allesamt auf Rechtsmittel, genauso die adjektive Form appealable (Romain/Bader/Byrd, a.a.O.). Der in der französischen Fassung verwendete Begriff "litige", der allgemein mit Streitsache übersetzt werden kann, weicht hiervon ab. Zu Recht weist der Kläger darauf hin, dass - allerdings nicht gemäß Artikel 11 Ziffer 3 der IAAF Constitution, die erst später in Kraft trat (Bl. 1431 d.A.) - nach Regel 9 Absatz 3 der Satzung der Beklagten zu 2) vorgesehen ist, dass bei unterschiedlichen Auslegungen des Textes - wie vorliegend gegeben - die englische Version die maßgebliche ist. Den Beklagten, die darüber hinaus auf die spanische Fassung ("todos los conflictos") verweisen, kann nicht darin gefolgt werden, dass in Wahrheit kein Widerspruch vorliege, weil in allen sprachlichen Fassungen das Wort "Rechtsbehelfe" im Sinne von "Streitigkeiten" zu verstehen seien. Das ist bei der englischen Fassung gerade nicht der Fall. Zum einen gibt es auch in der englischen Sprache verschiedene Ausdrücke für Streitsache oder Rechtsstreit, wie law suit, litigation, legal action, legal dispute oder legal proceedings. Dieser allgemeinen Ausdrücke hat

sich die Beklagte zu 2) jedoch bei der Abfassung der Regel 21 Nr. 2 ihrer Satzung gerade nicht bedient. Betrachtet man die Regel 21 in ihrer Struktur, ergibt sich auch daraus, dass die Beklagte durchaus mit dem Begriff "appeal" in Regel 21 auch ein Rechtsmittel meinte und insoweit die Zuständigkeit des CAS regeln wollte. Zum einen trägt die Regel 21 die allgemeine Überschrift "disputes", also Auseinandersetzung oder Streit. Derselbe Ausdruck wird in Nr. 1 verwendet in dem Sinne, dass Streitigkeiten zwischen einem Mitglied und einem Athleten vor einem Schieds- oder Disziplinargericht auszutragen sind. Nr. 2 spricht danach erst von "appeals", die in Ziffer 3 (drogenbezogene Streitigkeiten) und 4 beispielhaft aufgeführt werden. In jedem Fall ist nach Ziffer 2 aber eine Frist von 60 Tagen nach Mitteilung der angegriffenen Entscheidung festgelegt, innerhalb derer der Rechtsbehelf einzulegen ist. Hieraus ist zu entnehmen, dass der "appeal", so wie die Beklagte zu 2) ihn versteht, sich immer gegen eine vorliegende Entscheidung richtet. Dies ist im vorliegenden Rechtsstreit nicht der Fall. Richtig ist zwar, dass unter Ziffer 3 ("The following are examples of disputes that may be submitted to CAS by way of an appeal"), beide Begriffe verwendet werden, jedoch ist in den aufgezählten Beispielen immer von einer angegriffenen Grundentscheidung, sei es eines Mitgliedes oder der Beklagten zu 2) selbst auszugehen. Auch ein dem Unterpunkt (v) ("Where an athlete has been found by the IAAF to have admitted taking a prohibited substance, or using, or attempting to use, a prohibited technique, and the athlete denies having made any such admission.") geht es um einen dem Sportler gemachten Vorwurf, während die Beklagte zu 2) nach der Auswertung der B-Probe gerade keine Dopingvorwürfe gegen den Kläger erhebt. Ein solcher Fall wie unter (v) geregelt ist ersichtlich vorliegend nicht streitgegenständlich; vielmehr geht es dem Kläger um Beseitigung der Folgen, die nach der als positiv ausgewerteten A-Probe bis zu dem Ergebnis der B-Probe entstanden sind. Die Schiedsgerichtsregeln der Beklagten zu 2) erfassen daher ihrem Wortlaut nach nicht den Streitgegenstand und bestimmen hierfür nicht das zuständige Schiedsgericht.

II.

Antrag zu 1)

Hinsichtlich des Antrags zu 1) ist das Landgericht Köln international nur im Hinblick

auf einen Anspruch auf materiellen Schadensersatz nach § 823 Abs. 1 BGB wegen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb (insoweit allerdings nicht für das geltend gemachte Schmerzensgeld) gemäß § 32 ZPO international zuständig; im übrigen ist eine unerlaubte Handlung, wie z.B. eine Persönlichkeitsrechtsverletzung durch die Beklagten nicht schlüssig vorgetragen. Eine internationale Zuständigkeit für vertragliche Ansprüche über § 29 ZPO oder für kartellrechtliche Ansprüche über § 32 ZPO ist nicht gegeben. Im Hinblick auf kartellrechtliche Ansprüche wäre die Zuständigkeit des Landgerichts Köln auch nicht als Folge einer sonstigen Zuständigkeit für sonstige deliktische Ansprüche anzunehmen. Nach der Rechtsprechung des BGH zur internationalen Zuständigkeit (vgl. NJW 1996, 1411, 1413; NJW 2003, 828, 820) ist allerdings die Entscheidungsbefugnis der deutschen Gerichte auf deliktsrechtliche Anspruchsgrundlagen beschränkt, soweit § 32 ZPO zur Begründung der internationalen Zuständigkeit herangezogen wird. Die internationale Zuständigkeit gemäß § 32 ZPO ist allerdings sowohl für allgemeines Deliktsrecht als auch für kartellrechtliche Ansprüche nach §§ 33, 20 GWB heranzuziehen. Indes stellt sich die Frage, ob im Hinblick hierauf eine internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte, die durch eine unerlaubte Handlung nach § 823 BGB begründet ist, auch die Prüfungskompetenz für andersartige deliktische Ansprüche nach §§ 33, 20 GWB begründen könnte, im Streitfall nicht, da die Anwendbarkeit des GWB am fehlenden Inlandsbezug grundsätzlich scheitert und sich dieser auch nicht in Verbindung mit einer sonstigen unerlaubten Handlung ergibt.

1. Das Landgericht Köln ist für die Entscheidung über den Schadensersatzanspruch aus §§ 20, 33 GWB im Ergebnis nicht international zuständig, weil der Geltungsbereich des GWB von dem streitgegenständlichen Eingriff nicht betroffen ist, da eine durch die Beklagten veranlasste - unterstellte - Wettbewerbsbeschränkung sich nicht im Geltungsbereich des GWB auswirkt. Der Inlandsbezug im Sinne von § 130 Absatz 2 GWB, der Voraussetzung für die Anwendbarkeit des GWB ist, ist nach dem Vortrag des Klägers selbst nicht anzunehmen. Dies gilt jedenfalls insoweit, als der Kläger mit dem Antrag zu Ziffer 1) Schadensersatz in Höhe von € 155.000,- wegen entgangener Einnahmen im zweiten Halbjahr 2003 - beginnend mit den Weltmeisterschaften in Paris - und die weiteren entgangenen Einnahmen in Höhe von € 200.000,- geltend macht. Im Hinblick auf den Schmerzensgeldbetrag ist bereits ein Anspruch aus §§ 20, 33 GWB nicht schlüssig vorgetragen. Es braucht daher nicht entschieden zu werden, ob auch die Beklagte zu 1) als marktbeherrschendes Unternehmen anzusehen ist bzw. ob sie sich wie ein marktbeherrschendes Unternehmen behandeln lassen muss, wenn sie im Auftrag eines internationalen Sportverbandes eigenständig tätig wird.

Die Frage der internationalen Zuständigkeit des Landgerichts Köln richtet sich hinsichtlich beider Beklagter nach § 32 ZPO. Die Verordnung (EG) Nr. 44/2001 vom 22.12.2000 des Rates über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (EuGVVO) ist hinsichtlich der Frage der Zuständigkeit auch im Hinblick auf die Beklagte zu 2) nicht heranzuziehen, da es keine Regelung der internationalen Zuständigkeit für Nichtvertragsstaaten enthält und Monaco, wo die Beklagte zu 2) ihren Sitz hat, kein Vertragsstaat ist. Aus der Nichtanwendbarkeit des EuGVVO ergibt sich, dass sich der internationale Gerichtsstand nach deutschem Recht richtet (BGH NJW 1996, 1411, 1412; OLG München, NJWE-VHR 1996, 96,101).

Grundsätzlich ist für Klagen aus § 33 GWB der Gerichtsstand der unerlaubten Handlung nach § 32 ZPO möglich. Begehungsort im Sinne von § 32 ZPO ist nicht nur der Gerichtsstand des jeweiligen Beklagten, sondern jeder Ort, an dem ein wesentliches Tatbestandsmerkmal verwirklicht wurde, insbesondere der tatbestandsmäßige Erfolg eingetreten ist (OLG München NJW 1996, 2382; Immenga/Mestmäcker-Schmidt, GWB, 3. Auflage, § 87, Rn. 40).

a)

Allerdings ist die Beklagte zu 2) ist als marktbeherrschendes Unternehmen im Sinne von §§ 20, 19 Absatz 2 GWB anzusehen, und zwar auch im Bereich der Dopingbekämpfung. Sportvereine, die zwar möglicherweise als Idealvereine gegründet worden sind, haben sich in der Praxis zu bedeutenden Wirtschaftssubjekten entwickelt. Unabhängig von ihrer zivilrechtlichen Einordnung müssen sie als Unternehmen betrachtet werden, soweit sie sich auf dem Markt für Sportveranstaltungen betätigen. Durch eine eigene wirtschaftliche Tätigkeit, wie z.B. durch von ihnen veranstaltete Sportereignisse oder den Abschluss von Verträgen über die kommerzielle Nutzung von Lizenz-, Marke-

ting- oder Medienrechten werden sie selbst zu Unternehmen und sind daher Normadressaten. Auch Berufssportler sind, soweit sie ihre sportlichen Fähigkeiten vermarkten, als Unternehmen anzusehen (Immenga/Mestmäcker-Zimmer, § 1, Rn 60). Die Kammer geht davon aus, dass die Beklagte zu 2) auf dem Markt der Sportveranstaltungen, auch und gerade im Hinblick auf die Frage der Zulassung von Sportlern zu internationalen Leichtathletikereignissen bzw. bei der Frage der Entscheidung über deren Sperre über eine marktbeherrschende Stellung verfügt. Zwar hat der Kläger zu dieser Frage wenig vorgetragen, jedoch konnte - nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Entscheidung des OLG München (NJWE-VHR 1996, 96 - Katrin Krabbe) davon ausgegangen werden, dass angesichts der bedeutenden Stellung der Beklagten zu 2) eine Marktbeherrschung zumindest auf dem angesprochenen Markt anzunehmen ist. Die Beklagte zu 2) verfügt als der internationale Leichtathletik-Verband, dem 211 nationale Leichtathletikverbände angehören, faktisch über eine Monopolstellung im Bereich der Internationalen Leichtathletik. Welche weitgehenden Rechte bei der Veranstaltung von Wettkämpfen ihr zustehen, ergibt sich aus Regel 13 der IAAF Constitution (Anlage WADA 1, Bl. 385, 395 d.A.) sowie aus Regel 18 (Bl. 396) über die Werbemaßnahmen ("Advertising and Displays during Competition"). Sie ist in der Lage, Athleten, die - wie dargestellt - wegen ihrer Einnahmen aus ihrer sportlichen Betätigung und aus der daraus fließenden Vermarktung ebenfalls als Unternehmen anzusehen sind, die Möglichkeit zur Teilnahme an Wettkämpfen ermöglichen oder verwehren. Die ihr zustehenden Möglichkeiten der Sperre von Athleten, gerade auch im Bereich des Dopings, (Regeln 58 und 59 der IAAF Constitution, Anlage WADA 1, 385, 405 d.A.) wirken weit in den Markt der sportlichen Veranstaltungen hinein. Die Kammer teilt die Ansicht des Landgerichts Stuttgart (Urteil vom 6. April 2006, Aktenzeichen 17 O 241/05), dass die Tätigkeit der Sportverbände auch im Bereich der Aufstellung von Dopingregeln in Reglements und deren Anwendung durch Verhängung von Sperren bzw. den Entzug der Starterlaubnisse eine unternehmerische Tätigkeit am Markt darstellt. In der Aufstellung von Doping-Strafregeln in Reglements und deren Anwendung liegt eine unternehmerische Tätigkeit am hier maßgeblichen Markt. Der entscheidende Markt im kartellrechtlichen Sinn ist zum einen der Markt der Lizenzen zur Teilnahme am organisierten Profisport, weil die Sportler auf die vom Verband angebotenen Lizenzen angewiesen sind, um selbst ihre Sportleistung dem Verband bzw. Sponsoren anbieten zu können. Auf diesem Markt ist die Beklagte zu 2) für den Bereich der Leichtathletik herrschend, da

ihre Leistung als internationaler Verband nicht substituierbar ist, da nur sie die Leichtathletik international organisiert und Lizenzen vergeben kann, was sich auch aus ihrem oben aufgeführten Regelwerk ergibt. Gleichzeitig sind internationale Verbände wie die Beklagte zu 2) gleichzeitig Nachfrager von sportlichen Leistungen für die von ihnen veranstalteten und genehmigten Wettkämpfe, da die von den nationalen Verbänden nominierten Profisportler von ihnen, wenn die sportlichen Teilnahmebedingungen gegeben sind, zum internationalen Wettkampf zugelassen werden. Daher ist auch auf dem Markt der Nachfrage nach Profi-Sportleistungen im internationalen Bereich eine marktbeherrschende Stellung gegeben, ohne dass es auf die Frage der Gewinnerzielungsabsicht ankäme (Immenga/Mestmäcker-Zimmer, a.a.O., § 1, Rn. 57). Bei der vom Bundesgerichtshof auch auf Sportverbände angewandten funktionalen Betrachtungsweise (vgl. BGH NJW 1998, 756, 757), ist auf den konkreten Tätigkeitsbereich abzustellen. Bei der Aufstellung und Anwendung von Regeln im Hinblick auf Dopingkontrollen und Sperren gegenüber ebenfalls als Unternehmer tätigen Profisportlern handelt es sich um eine unternehmerische Tätigkeit der Sportverbände, die sich am Kartellrecht - hier am Behinderungs- und Diskriminierungsverbot des § 20 GWB - messen lassen muss. Dies entspricht der einhelligen Auffassung in der deutschen Rechtsprechung, der sich auch die Kammer anschließt.

Soweit sich die Beklagten unter Hinweis auf die Entscheidung des Europäischen Gerichts erster Instanz vom 30.09.2004 (T 313/02 Meca Medina) gegen diese Betrachtungsweise gewandt und geltend gemacht haben, der Antidopingkampf sei keine wirtschaftliche Tätigkeit, schließt sich die Kammer dieser Betrachtungsweise nicht an; sie sieht sich auch nicht an diese Entscheidung gebunden. Es mag an dieser Stelle offen bleiben, ob die in den Europäischen Verträgen enthaltenen Wettbewerbsregeln Art 81 und 82 EGV überhaupt Anwendung finden können, da sie Verhaltensweisen, die den Handel zwischen den Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet sind und einen Einfluss auf den Wettbewerb des Gemeinsamen Marktes bewirken, verbieten, während alle Beteiligten dieses Rechtsstreits weit über diesen Markt hinaus tätig sind, so dass der Anwendungsbereich des Gemeinschaftsrechts überhaupt nicht betroffen sein dürfte. Zu recht haben daher die Parteien ihren Rechtsausführungen nur deutsches Kartellrecht, nicht aber Gemeinschaftsrecht zugrunde gelegt.

Darüber hinaus schließt sich die Kammer in vollem Umfang den Erwägungen des LG Stuttgart in der vorgenannten Entscheidung (dort Seiten 14 und 15) dahingehend an, dass deutsche Gerichte wegen des Vorrangs des EU-Kartellrechts nicht aus Rechtsgründen gehalten seien, nunmehr die Anwendung und Aufstellung von Anti-Doping-Regeln nicht mehr dem Kartellrecht zu unterwerfen. Der Vorrang des Gemeinschaftsrechts gilt uneingeschränkt nur in den Fällen, in denen gemeinschaftsrechtlich verbotenes, nach deutschem Recht aber erlaubtes wettbewerbsbeschränkendes Verhalten vorliegt; in diesen Fällen darf das gemeinschaftsrechtliche Verbot nicht durch das deutsche Recht in seiner uneingeschränkten und einheitlichen Anwendung beeinträchtigt werden (vgl. Immenga/Mestmäcker-Mestmäcker, a.a.O., Einleitung, Rn. 81). Demgegenüber ist der - der vorliegenden Konstellation vergleichbare - Fall, dass gemeinschaftsrechtlich ein Verhalten erlaubt ist, das nach deutschem Recht jedoch verboten ist, differenziert zu betrachten: Die Anwendung des deutschen Rechts auf einen Sachverhalt, den die Kommission nach Art. 81 Abs. 3 EGV freigestellt hat, ist nur insoweit ausgeschlossen, als dadurch die volle Wirksamkeit der Entscheidung auf dem Gemeinsamen Markt beeinträchtigt würde. Das setzt voraus, dass mit der Entscheidung der Kommission nach Art. 81 Abs. 3 EGV gewisse positive, obgleich mittelbare Eingriffe zur Förderung einer harmonischen Entwicklung der Gemeinschaft im Sinne von Art. 2 EGV verbunden sind (vgl. Immenga/Mestmäcker-Mestmäcker, a.a.O., Einleitung, Rn. 86). Eine derartige Kommissionsentscheidung ist bereits nicht in der Stellungnahme zu dem Meca Medina-Verfahren zu sehen, so dass kein Hinderungsgrund besteht, nach nationalem Kartellrecht die Verhängung von Doping-Sperren durch internationale Sportverbände gegenüber Profisportlern am behinderungs- und Diskriminierungsverbot des § 20 GWB zu messen. Darüber hinaus weist das LG Stuttgart zutreffend darauf hin, dass der Vorrang des Gemeinschaftsrechts nur im Bereich des Art. 81 EGV (in Gestalt von dessen Abs. 3) für Wettbewerbsbeschränkungen durch Vereinbarungen, Beschlüsse und abgestimmte Verhaltensweisen gilt, nicht aber für den Bereich des Art. 82 EGV für das dort erfasste oder sonstige einseitige Verhalten. b)

Allerdings haben die Beklagten zu Recht darauf hingewiesen, dass selbst eine faktische Sperre des Klägers als Folge einer zu Unrecht als positiv analysierten A-Probe keine Wettbewerbsbeschränkung darstelle, die sich im Inland auswirke, weshalb nach § 130 Abs. 2 GWB das deutsche Kartellrecht nicht anwendbar sei. Dies gilt, soweit der Kläger sich auf eine Handlung der Beklagten zu 2) berufen hat, für den Bereich des für das Jahr 2003 geltend gemachten entgangenen Gewinns als auch für den Bereich des weiteren Schadens in Höhe von 200.000 €, dessen Schätzung der Kläger gemäß § 287 ZPO in das Ermessen des Gerichts gestellt hat. Nur insoweit kann überhaupt in Frage stehen, ob die Beklagte zu 1) - ungeachtet der weiteren Frage, ob sie als Unternehmen im Sinne des GWB anzusehen ist und wenn ja, als marktbeherrschendes - sich das Handeln der Beklagten zu 2) zurechnen lassen muss. Dies kann, ungeachtet der sonstigen Argumentation des Klägers, bereits deshalb bezweifelt werden, weil er selbst im Schriftsatz vom 10.10.2005 (dort Seite 15, Bl. 937 d.A.) zugesteht, dass auch aus seiner Sicht die Beklagte zu 1) im weiteren Geschehen nach Bekanntgabe der positiven A-Probe (also am 22.08.2003) nicht mehr unmittelbar involviert gewesen sei. Soweit der Kläger immateriellen Schadensersatz wegen der Bekanntgabe und Veröffentlichung des Ergebnisses der A-Probe geltend macht, hat er bereits weder schlüssig vorgetragen, dass dies durch die Beklagten geschehen sei. Darüber hinaus ist auch die Bekanntgabe den Beklagten nicht zuzurechnen, so dass im Bereich des Schmerzensgeldes bereits von vornherein mangels schlüssigen Vortrags einer unter den Bereich des GWB fallenden unerlaubten Handlung eine Zuständigkeit nach § 32 ZPO nicht anzunehmen ist. Im einzelnen gilt folgendes:

aa) Wie auch der Kläger nicht in Frage stellt, sind alle Beteiligten international tätig, keiner davon mit Schwerpunkt oder auch nur überwiegend in Deutschland. Vielmehr liegt der Lebensmittelpunkt des Klägers in den USA bzw. in Kenia, die Beklagten zu 1) und 2) haben ihren Sitz in Kanada bzw. in Monaco, alle agieren uneingeschränkt weltweit. Einen besonderen Bezug zu Deutschland hat keiner, lediglich aus Anlass von Sportveranstaltungen kann auch der Bereich des deutschen Rechts tangiert sein. Die für den Klageantrag zu 1) maßgebliche Abnahme der Dopingprobe als eines Out-Of-Competition Dopingtests erfolgte in U2, die Auswertung als Folge hiervon in Köln. Wenn - was streitig ist - seitens der Beklagten zu 2) eine Sperre des Klägers

erfolgte, so geschah dies in Monaco, während sich der Kläger in Paris befand. Eine - wie auch immer geartete - Handlung der Beklagten zu 1) wäre aus Kanada erfolgt. § 130 Abs. 2 GWB ist eine Kollisionsnorm, die den Anwendungsbereich des Gesetzes im Verhältnis zu anderen Staaten abgrenzt. Richtigerweise ist diese Norm hinsichtlich des Begriffs der Inlandsauswirkung dahingehend zu verstehen, dass es bei den §§ 12, 16 und 19 GWB (jeweils a.F.) auf die tatsächliche Wirkung, also den Missbrauch auf dem inländischen Markt oder die wesentliche oder unbillige Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit im Inland ankommt, während die §§ 1 und 36 Abs. 1 GWB bereits dann anwendbar sind, wenn die Wettbewerbsbeschränkung bezweckt und der Vertrag aufgrund konkreter Umstände geeignet ist, die inländischen Marktverhältnisse (spürbar) zu beeinflussen bzw. wenn ein Zusammenschlussvorgang das Entstehen oder die Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung im Inland erwarten lässt; im Bereich von §§ 14 und 17 GWB (jeweils a.F.) ist - falls es an einer Bindung des Unternehmens auf dem Inlandsmarkt fehlt - darauf abzustellen ob der Wettbewerb und die Betätigungsfreiheit im Inland "abstrakt" beeinträchtigt werden können (Immenga/Mestmäcker-Rehbinder, a.a.O., § 130 Abs. 2, Rn. 49). Der Kläger beruft sich auf einen Anspruch aus §§ 20, 33 GWB. Das Behinderungs- und Diskriminierungsverbot des § 20 GWB ist ein konkretisierender Unterfall des allgemeinen Missbrauchstatbestandes nach § 19 GWB (BGHZ 52, 65 - Sportartikelmesse; Immenga/Mestmäcker-Möschel, a.a.O., § 19, Rn. 255), so dass es entsprechend dem vorher Gesagten auf die tatsächliche Wirkung, also den Missbrauch auf dem inländischen Markt oder die wesentliche oder unbillige Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit im Inland ankommt. Wie der BGH in der Ölfeldrohre-Entscheidung (GRUR 1974, 102, 103) dargelegt hat, ist darauf abzustellen, ob eine Inlandsauswirkung (positiv) festgestellt werden kann. Ist das nicht der Fall, so findet das GWB keine Anwendung. Der Begriff der Inlandsauswirkung richtet sich im Einzelfall nach dem Schutzbereich der jeweils betroffenen Norm. Aus dem allgemein auf Erhaltung der Freiheit des Wettbewerbs gerichteten Schutzzweck des Gesetzes und damit auch des § 1 GWB folgt jedenfalls, dass die Inlandsauswirkung in einer Beeinträchtigung auch des inländischen freien Wettbewerbs bestehen muss. Der in diesem Zusammenhang relevante Markt wird durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage für die

kartellierte Ware bestimmt. Daraus ergibt sich weiter, dass eine Inlandsauswirkung des hier den Betroffenen vorgeworfenen Verhaltens nur dann in Frage kommen kann, wenn dadurch die Betätigungsfreiheit - hier des Klägers - beeinträchtigt ist. Hinsichtlich des Diskriminierungs- und Behinderungsverbots kommt es alternativ sowohl auf den Markt an, auf dem die Beteiligten im Wettbewerb stehen als auch auf den Markt, auf dem die Maßnahme erfolgt (vgl. Immenga/Mestmäcker-Rehbinder, a.a.O., Rn. 211). Im Falle einer Verbandsdiskriminierung durch einen internationalen Verband unterliegt die Ablehnung der Aufnahme eines in- oder ausländischen Unternehmens oder dessen Ausschluss § 20 Abs. 6 GWB, wenn der Verband seine Tätigkeit auf das Inland erstreckt und die Zugehörigkeit zum Verband für den Wettbewerb und die Stellung des diskriminierten Unternehmens auf dem Inlandsmarkt erheblich ist (vgl. Immenga/Mestmäcker-Rehbinder, a.a.O., Rn. 217).

Dies ist unter beiden genannten Gesichtspunkten nicht der Fall, und zwar weder im Hinblick auf die weiteren Veranstaltungen des Jahres 2003 noch im Hinblick auf weitere, nicht konkret benannte, entgangene Einnahmen, die der Kläger darin sieht, dass er sich nach der Weltmeisterschaft Produkte und Veranstaltungen hätte heraussuchen können, für die er als Werbeträger hätte zur Verfügung stehen können, während so potentielle Sponsoren und Werbepartner wegen der Vorwürfe nicht an ihn herangetreten seien oder die Verhandlungen abgebrochen hätten.

Die weiteren Veranstaltungen des Jahres 2003, die der Kläger konkret benannt hat, liegen alle nicht im Bereich von Deutschland. Hier kann eine Inlandsauswirkung in Gestalt der Beschränkung der Betätigungsfreiheit des Klägers im Bereich von Deutschland schlechterdings nicht gesehen werden. Die wettbewerbliche Stellung des Klägers ist insoweit keinesfalls tangiert, schon gar nicht in erheblicher Weise. Was die potentielle Beteiligung des Klägers an dem ISTAF 2003 in Berlin angeht, so ist beklagtenseits zu Recht darauf hingewiesen worden, dass der Kläger - entgegen seinem insoweit unwahren Vortrag - bereits vor der Analyse der A-Probe, nämlich am 10.08. 2003 tatsächlich teilgenommen und (nur) den achten Rang erreicht hatte. Dies ist nachgewiesen worden durch Vorlage der Internetseite des ISTAF mit den Ergebnissen des 800 m-Laufs (Anlage IAAF 48, Bl. 1571 d.A.). Hierzu hat der Kläger nicht mehr Stellung genommen. Es ist also davon auszugehen, dass der Kläger im Jahr 2003 an keinem Lauf in Deutschland mehr hätte teilnehmen wollen. Auch hinsichtlich des weiter geltend gemachten entgangenen Gewinns hat der Kläger keine Umstände vorgetragen, die eine Inlandsauswirkung annehmen lassen. Auch insoweit ist die Betätigungsfreiheit des Klägers im Inland in keiner Weise tangiert. Sein Sponsor, die amerikanische Firma O, ist ihm trotz der Dopingvorwürfe erhalten geblieben. Dass etwa Sponsoren aus Deutschland solche gewesen wären, die Gespräche mit ihm abgebrochen haben, hat er nicht vorgetragen; er hat insoweit - obwohl dies möglich gewesen wäre, wenn es solche gegeben hätte - überhaupt keine potentiellen Sponsoren genannt, mit denen er im Gespräch gewesen sei. Soweit der Kläger davon ausgeht, dass potentielle Sponsoren wegen der Rufschädigung gar nicht mit ihm in Kontakt getreten wären, ist ihm naturgemäß kein konkreter Vortrag möglich. Soweit indes die Frage zu prüfen ist, ob eine Inlandsbeschränkung vorliegt, wäre zumindest zu erwarten gewesen, dass nach der Vorstellung des Klägers deutsche Firmen in Betracht gekommen wären. Schließlich hat der Kläger offenbar ohne weitere Einschränkungen oder Einnahmeeinbußen in den Folgejahren ab 2004 bei Sportveranstaltungen in Deutschland mitwirken können, wie z.B. beim ISTAF 2004. Immerhin muss für die Anwendbarkeit deutschen Kartellrechts nach § 130 Abs. 2 GWB die Inlandsauswirkung positiv festgestellt werden können. Dies ist neben fehlendem konkretem Vortrag auch angesichts des Umstandes, dass der Kläger weder deutscher Staatsbürger ist noch in Deutschland lebt oder wenigstens einen wirtschaftlichen Standpunkt in Deutschland hat nicht anzunehmen, so dass mangels Anwendbarkeit des GWB die internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln für kartellrechtliche Ansprüche über § 32 ZPO nicht begründet ist. bb) Soweit der Kläger im Gerichtsstand der unerlaubten Handlung immaterielle Schadensersatzansprüche aus §§ 20, 33 GWB geltend machen will ist eine Zuständigkeit bereits deshalb nicht gegeben, weil der Kläger - unabhängig von der Frage, ob auch insoweit eine Inlandsauswirkung zu verneinen ist - jedenfalls bereits eine wettbewerbliche unerlaubte Handlung der Beklagten nicht schlüssig vorgetragen hat. Voraussetzung für eine Zuständigkeit nach § 32 ZPO ist jedenfalls, dass der Kläger eine unerlaubte Handlung darlegt. Insoweit reicht die schlüssige Behauptung von Tatsachen, aus denen sich ein deliktischer Anspruch ergeben kann (BGH NJW 1996, 1411, 1413; BGH NJW 2002, 1425; BGH NJW 2003, 828, 830). Seinen Anspruch auf immateriellen Schadensersatz leitet der Kläger daraus her, dass er durch die Bekanntgabe und die hieraus resultierende weltweite Veröffentlichung des Ergebnisses der A-Probe in besonders schwerer Weise gebrandmarkt sei. Indes hat er nicht schlüssig vorgetragen, dass die Beklagten für die Veröffentlichung verantwortlich wären oder in irgendeiner Weise daran mitgewirkt hätten bzw. ihnen die Bekanntmachung zuzurechnen sei. Soweit die Beklagte zu 1) betroffen ist, geht der Kläger, wie dargelegt, selbst nicht davon aus, dass sie in das weitere Geschehen nach Bekanntgabe der positiven A-Probe durch das Labor nicht mehr unmittelbar involviert war. Aber auch im übrigen äußert er nur Vermutungen, die - obwohl die unmittelbare Bekanntgabe seiner eigenen Kenntnis entzogen war - nicht ausreichen, eine Verantwortlichkeit der Beklagten zu begründen. Vielmehr spricht alles dafür, dass die Bekanntgabe von dritter Seite erfolgt ist, nämlich durch den Trainer der kenianischen Leichtathletikmannschaft, Herrn L. Der Kläger selbst, der mit dem ihm bekannten Herrn L unschwer hinsichtlich der damaligen Vorgänge hätte Rücksprache nehmen können, beschränkt sich darauf, vage zu behaupten, es werde "davon ausgegangen, dass entweder Funktionäre der Beklagten selbst und/oder solche des kenianischen Leichtathletikverbandes u.a. das Gespräch mit Pressevertretern gesucht haben". Das reicht nicht aus, um eine Verantwortlichkeit der Beklagten für die Bekanntgabe darzulegen. Umgekehrt ist nämlich seitens der Beklagten zu 2) dargetan worden, dass alles getan wurde, um absolutes Stillschweigen jedenfalls bis zur Klärung der Vorgänge zu wahren. Dies ergibt sich bereits aus ihrem Schreiben vom 22.08.2003 an den kenianischen Leichtathletikverband, in dem ausdrücklich auf die Möglichkeit hingewiesen wurde, dass der Athlet schließlich noch die Analyse der B-Probe verlangen könne und vom 26.08.2003 an die Beklagte zu 1) (Anlage IAAF 10, Bl. 753 d.A.). Dass alle Beteiligten einschließlich des kenianischen Leichtathletikverbandes einschließlich der Verantwortlichen der kenianischen Mannschaft dies auch so verstanden haben, belegt der Umstand, dass die Ausrede des Klägers (Erkrankung), weshalb er nicht an der Weltmeisterschaft in Paris bzw. in Brüssel bei dem Memorial van E2, (vgl. Anlage IAAF 34, Bl. 1300 d.A.) teilnehmen könne, so verbreitet wurde. Dabei blieb es auch weiterhin bis zur Veröffentlichung am 03.09.2003, zunächst in der kenianischen Zeitung Daily Nation und sodann weltweit über das Internet. Diese Veröffentlichung beruht eindeutig auf einem Interview mit dem Trainer L, während ein Gespräch mit der Beklagten zu 2) darin nicht erwähnt ist. Dass in der Überschrift des Artikels und dessen erstem Satz die Beklagte zu 2) erwähnt ist ("Lagat failed drug test, says IAAF" bzw. "Olympic Games 1,500m bronze medallist Bernard Lagat tested positive for drugs, the International Association of Athletics Federations (IAAF) has said"), besagt nichts darüber, dass sie sich gegenüber der Öffentlichkeit geäußert habe, sondern nur, dass sie behauptet, der Kläger sei positiv auf Drogen getestet worden. In dem Artikel werden jedoch nur Informationen von L gegenüber der Presse genannt. Die Veröffentlichung in der Berliner Zeitung vom 04.09.2003 (Anlage K 4, Bl. 42 d.A.) bezieht sich ebenfalls ausschließlich auf eine Äußerung von L gegenüber der Presse. Schließlich ging auch der Kläger selbst, wie das Schreiben seines Managers Templeton vom 07.09.2003 an den kenianischen Leichtathletikverband besagt (Anlage IAAF 12, Bl. 763 f. d.A.), davon aus, dass die Information weder von der Beklagten zu 2) noch von ihrem Mitglied, dem kenianischen Nationalverband bekannt gegeben worden ist. In diesem Schreiben bedankt sich der Trainer ausdrücklich für das Verständnis dieser sensiblen Angelegenheit und äußert, dass man unglücklich mit der Aktion von Herrn L sei, der vertrauliche Einzelheiten des Falles an die Medien bekannt gegeben habe. Wie der Kläger nunmehr im Zivilprozess - abweichend hiervon - darauf kommt, die Bekanntgabe sei durch die Beklagten bzw. Funktionäre des kenianischen Leichtathletikverbandes erfolgt, legt er nicht weiter dar. Eine direkte Zuordnung der Veröffentlichung des Ergebnisses der A-Probe zu den Beklagten ist damit jedenfalls nicht schlüssig behauptet. An dieser Beurteilung ändert sich auch nicht deshalb etwas, weil die Beklagte zu 2) auf ihrer Internetseite am 01.10.2003 die Nachricht veröffentlichte, die Analyse der B-Probe bei dem Kläger habe das Ergebnis der A-Probe nicht bestätigt, weshalb der Kläger startberechtigt sei. Hierin liegt kein irgendwie geartetes Eingeständnis, dass die ursprüngliche Mitteilung doch aus dem Bereich der Beklagten zu 2) stammen konnte. Vielmehr hat die Beklagte zu 2) plausibel dargelegt, dass dies geschehen sei, weil die Informationen von dritter Seite an die Öffentlichkeit gelangt waren. Insoweit handelte die Beklagte zu 2) im Interesse des Klägers. Soweit der Kläger darüber hinaus die Verantwortlichkeit der Beklagten für das Bekanntwerden des Ergebnisses der A-Probe damit begründet, dass es unerheblich sei, wer die Nachricht der erfolgten Suspendierung an die Öffentlichkeit gebracht habe, weil es auf der Hand liege, dass die Information nicht habe geheim gehalten werden können, weil das immer so mit dem Bekanntwerden des Ergebnisses von A-Proben sei, kann dem im Hinblick auf die verantwortliche Zuordnung nicht gefolgt werden. Der Kläger selbst setzt sich gegen das Doping im Sport ein. Dessen Bekämpfung ist indes nicht denkbar ohne dass - wie auch immer geartete - Tests auf die Einnahme von Drogen erfolgen. Für den Fall, dass diese positive Ergebnisse zeigen hat die Beklagte zu 2) in ihrem Regelwerk Vorsorge dahingehend getroffen, dass bis zu einer Klärung des Falles die Angelegenheit vertraulich zu behandeln ist; wie der Fall des Klägers zeigt, funktioniert dies grundsätzlich auch. Gerade hierbei zeigte sich, dass ein positives Dopingergebnis auch bei jemandem, der im Fokus der Presse steht, geheim gehalten werden kann. Obwohl der Kläger, wie er vorträgt, als einer von nur vier Athleten eine eigene Pressekonferenz hatte, wurde es in der Öffentlichkeit akzeptiert und keinesfalls mit der Vermutung eines Dopingproblems in Verbindung gebracht, als er unter dem Vorwand einer Erkrankung die Teilnahme an der Weltmeisterschaft absagte. Dass dennoch gelegentlich Veröffentlichungen des Ergebnisses von A-Proben erfolgen, ist der Medienpräsenz des Sports generell und dem Interesse der Medien an der Veröffentlichung von Nachrichten zuzuschreiben - ein Umstand, der den einen oder anderen dazu bewegen mag, mit einer vermeintlich sensationellen Veröffentlichung auf die Medien zuzugehen und dabei selbst genannt zu werden. Es ist jedoch nicht dem System der Abnahme und Analyse von Dopingproben immanent und von den Beklagten zu verantworten, wenn das Ergebnis von positiven A-Proben an die Öffentlichkeit kommt.

2. Das Landgericht Köln ist für die mit dem Antrag zu 1) geltend gemachten Schadensersatzansprüche des Klägers auch nicht gemäß § 29 ZPO international zuständig. Soweit der Kläger seine Ansprüche darauf stützt, die Beklagten hätten mit der Anwendung eines untauglichen EPO-Tests beziehungsweise der unsachgemäßen Behandlung und/oder Analyse der genommenen Dopingprobe ihre Pflichten aus einem durch Unterzeichnung des Dopingkontrollformulars begründeten vertraglichen oder vertragsähnlichen Schuldverhältnisses verletzt, ist die internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte nicht gegeben; die Klage ist insoweit ebenfalls als unzulässig abzuweisen. a) Allerdings folgt die Kammer grundsätzlich dem Kläger darin, dass mit der Unterzeichnung des Dopingkontrollformulars von beiden Seiten ein gegenseitiges Schuldverhältnis begründet wurde. Der Kläger verpflichtete sich unter Abgabe der Erklärung, er habe keine Drogen genommen, zur Abgabe von Blut- und Urinprobe und erkannte dabei auch die Disziplinargewalt der Beklagten zu 2) an. Es entspricht allgemeiner Meinung, dass auch Personen, die nicht Mitglieder eines Verbandes sind, sich dessen Disziplinargewalt durch vertragliche Vereinbarung unterstellen können, insbesondere dann, wenn sie - wie der Kläger - als Teilnehmer an dem im Organisations- und Verantwortungsbereich des Verbandes nach seinen Regeln ausgeschriebenen und durchgeführten Sportbetrieb teilnehmen wollen (BGH NJW 1995, 583,584). Im Gegenzug waren die den Test durchführenden Beklagten gehalten, die Analyse und die ihr vorhergehenden Schritte so sorgfältig durchzuführen, dass hieraus dem Kläger kein Schaden erwachsen konnte. Jedenfalls als vertragliche Nebenpflicht bestand grundsätzlich auch eine Schutzpflicht, d.h. die Pflicht, sich bei der Abwicklung des Schuldverhältnisses so zu verhalten, dass Körper, Leben, Eigentum und sonstige Rechtsgüter einschließlich der Ehre des anderen Teils nicht verletzt werden (BGH NJW 1983, 2814; NJW-RR 2004, 481). Konkret ist das Verfahren der Dopingkontrolle so zu gestalten, dass es sich gegenüber Fehlern und Manipulationen möglichst unauffällig erweist und in allen Phasen von sachkundigen, unabhängigen und neutralen Personen verantwortet wird (Summerer in Praxishandbuch Sportrecht, 2. Teil, Rn. 238). Die Beklagte zu 2) verpflichtete sich ferner, den Kläger bei Teilnahme an dem Dopingtest an dem von ihr organisierten Sport teilnehmen zu lassen, soweit nicht ein Fall der Ausübung ihrer Disziplinargewalt vorliegt.

b) Auch im Bereich des Gerichtsstandes des Erfüllungsortes kommt es für die Frage der internationalen Zuständigkeit zunächst auf die Frage des Bestehens internationaler Zuständigkeitsvorschriften an, die die deutschen Bestimmungen verdrängen könnten. Wie dargelegt, ist auch im Hinblick auf die Beklagte zu 2) Art 5 Nr. 1 EuGVVO nach

seinem Geltungsbereich nicht anwendbar, so dass die nationalen Zuständigkeitsvorschriften zu prüfen sind. In diesem Bereich ist § 29 ZPO grundsätzlich anwendbar (BGH NJW 1996, 1411, 1413).

Für die Beklagten waren aus dem Schuldverhältnis jedenfalls solche Pflichten begründet, die grundsätzlich im Gerichtsstand des Erfüllungsortes zu prüfen sein können. Richtig ist, dass nicht alle vertraglichen Abreden unter § 29 ZPO fallen. Vertragsverhältnisse in diesem Sinne sind alle schuldrechtlichen Verpflichtungsverhältnisse (BGH a.a.O.); ihnen gleichgestellt werden indes bestimmte vertragsähnliche gesetzliche Sonderbeziehungen wie z.B. das Verschulden bei Vertragsschluss (Zöller-Vollkommer, ZPO, § 29, Rn. 6). Richtig ist, dass prozessrechtliche Verträge wie der Schiedsvertrag nicht unter § 29 ZPO fallen (vgl. Zöller-Vollkommer, a.a.O., Rn. 13). Den Beklagten kann indes nach den Darlegungen unter a) nicht in der Annahme gefolgt werden, mit der Unterzeichnung des Dopingkontrollformulars sei lediglich eine Schiedsvereinbarung abgeschlossen worden. Die Beklagten hatten die aus der Vereinbarung für sie resultierenden Pflichten an ihrem jeweiligen Sitz zur Zeit der Entstehung des Schuldverhältnisses zu erfüllen. Da eine Vereinbarung über den Erfüllungsort im Sinne von § 29 Abs. 2 ZPO nicht vorliegt, ist der gesetzliche Erfüllungsort nach § 29 Abs. 1 ZPO maßgeblich. Dieser wiederum ergibt sich aus dem anzuwendenden materiellen bürgerlichen Recht (Zöller-Vollkommer, ZPO, § 29, Rn. 24). Die Kammer geht davon aus, dass § 269 BGB anwendbar ist. Nach der Vereinbarung der Parteien ist indes zunächst nicht ausdrücklich vereinbart worden, welches Recht auf die Vereinbarung anzuwenden ist, ob also § 269 BGB einschlägig ist. Der Umstand allein, dass der Kläger sich zur Zeit des Out-Of-Competition-Tests (zufällig) in Deutschland befand und - als Folge hiervon - der Dopingtest in Köln ausgewertet worden ist, besagt entgegen der Ansicht des Klägers hierzu für sich gesehen noch nichts, insbesondere im Hinblick auf die internationalen, gerade nicht auf Deutschland bezogenen Tätigkeitsbereiche der Parteien. Darüber hinaus sind alle Parteien dieses Rechtsstreits nicht in Deutschland ansässig, Vertragssprachen waren

Englisch und Französisch unter Vermittlung des schwedischen Vertreters W. Allerdings geht die Kammer im Ergebnis nach den Erörterungen im vorliegenden Rechtsstreit davon aus, dass die Parteien - was grundsätzlich möglich ist, Art. 27 Abs. 2 EGBGB - eine konkludente Rechtswahl im Sinne von Art. 27 EGBGB jedenfalls nachträglich getroffen haben. Der Kläger hat sich vorliegend im Rechtsstreit ausschließlich auf deutsche Rechtsvorschriften berufen und geltend gemacht, es sei deutsches Recht anwendbar. Die Beklagten haben dies in ihren Schriftsätzen aufgegriffen, hierzu Stellung genommen und sich nicht ihrerseits auf abweichende Rechtsvorschriften monegassischen oder kanadischen Rechts berufen. Ein Indiz für eine nachträgliche Rechtswahl ist das Verhalten der Parteien im Rechtsstreit, so z.B. die Behandlung der Sache nach ausländischem Recht (BGH NJW-RR 2000, 1002, 1004). Berufen sich die Parteien ausschließlich auf deutsche Rechtsvorschriften, so liegt hierin nach ständiger Rechtsprechung eine stillschweigende Vereinbarung deutschen Rechts (BGH NJW 1999, 950, 951; 2003, 3620; 2004, 2523). Dass sich die Beklagten zuletzt im Hinblick auf die vom Kläger geltend gemachten vertraglichen Ansprüche hinsichtlich der Frage des Erfüllungsortes und damit der Frage der internationalen Zuständigkeit des Landgerichts Köln auf ihre jeweiligen Sitze in Kanada bzw. Monaco berufen haben, ist demgegenüber nicht erheblich, haben sich doch die Beklagten in der letzten mündlichen Verhandlung ausdrücklich auf die zitierte Entscheidung des Landgerichts Stuttgart berufen, das seine internationale Unzuständigkeit damit begründet hatte, dass nach § 269 BGB der Erfüllungsort am Sitz der Beklagten - die hier Beklagte zu 2) ist - sei. Sie haben sich im Hinblick auf die Zuständigkeitsfrage im Ergebnis daher auf deutsches Schuldrecht berufen. Die Pflichten der Parteien sind nach § 269 Abs. 1 BGB an ihrem Sitz zur Zeit der Begründung des Schuldverhältnisses durch Abschluss der Vereinbarung durch Unterzeichnung des Dopingkontrollformulars zu erfüllen, da sich aus den Umständen, insbesondere auch aus der Natur des zwischen den Parteien geschlossenen Vertrages kein anderes Ergebnis ergibt. Insbesondere kann dem Kläger nicht in der Annahme gefolgt werden, dass die Beklagten selbst als Erfüllungsort Deutschland gewählt haben, um hier ihre Vertragspflicht zur Durchführung eines fehlerfreien Tests zu erfüllen. Vielmehr ergab sich der Testort zufällig aus dem temporären Aufenthaltsort des Klägers in U2; hieraus wiederum folgte, dass eine Auswertung in Köln stattfand,

einem von zwei akkreditierten Labors in Deutschland. Es ist darüber hinaus zu bedenken, dass der Dopingtest als Outof Competition-Test nicht Selbstzweck ist, sondern dazu dient, zu überprüfen ob ein Athlet die Startbedingungen erfüllt, ihm also die Teilnahme am weiteren internationalen Wettkampfbetrieb zu ermöglichen. Verweigert er den Test, führt dies zu seiner Nichtzulassung im Wettkampf; ist der Dopingtest positiv, so erfüllt er ebenfalls die Startbedingungen nicht. Da im Ergebnis nicht die Beklagte zu 1) den Zugang zum Wettbewerb gewähren sollte, sondern dies allein Sache der Beklagten zu 2) war, geht die Kammer davon aus, dass auf ihre Pflichten abzustellen ist, so dass ihr Sitz als Leistungsort maßgeblich ist. Da es mithin bei der Einholung der Dopingprobe um die Frage der Zulassung zum Wettkampf bzw. der Verhängung einer Sperre durch die Beklagte zu 2) geht, war diese Pflicht in Monaco zu erfüllen. Jedenfalls bei einer Sperre kann nur der Sitz des Verbandes für dessen Leistungspflicht sinnvoller Erfüllungsort sein und nicht der Wettkampfort oder der Ort der Abnahme und Durchführung des Tests (vgl. LG Stuttgart a.a.O., S. 24 m.w.N.). Letztere können allenfalls für die Frage der Verletzung einer vertraglichen Nebenpflicht maßgeblich sein.

Da maßgebend für die Frage der Zuständigkeit nach § 29 ZPO der Ort ist, wo die primäre streitige Verpflichtung zu erfüllen war, ist es unerheblich, welche Ansprüche im Hinblick auf die Vertragsverpflichtung konkret geltend gemacht werden. Auch im Falle des Schadensersatzanspruchs wird nicht die Ersatzpflicht maßgeblich für die Bestimmung des Erfüllungsortes. Da somit der Erfüllungsort für die Primärleistungspflicht der Beklagten nicht in Deutschland liegt, gilt dies auch für Sekundaransprüche wie den hier geltend gemachten Schadensersatzanspruch (Zöller-Vollkommer, a.a.O., § 29, Rn 23, 25 "Schadensersatz"). Damit ergibt sich für vertragliche Ansprüche keine internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln.

Auch eine sonstige Zuständigkeit des Landgerichts Köln gemäß § 32 ZPO für deliktische Schadensersatzansprüche würde das Landgericht Köln nicht zugleich für vertragliche Schadensersatzansprüche international zuständig machen. Nach der Rechtsprechung des BGH hat das nach § 32 ZPO örtlich zuständige Gericht nach der Änderung von § 17 Abs. 2 Satz 1 GVG den Rechtsstreit zwar unter allen in Betracht kommenden

rechtlichen Gesichtspunkten zu entscheiden, soweit es um die örtliche Zuständigkeit geht. Dagegen ist die Entscheidungsbefugnis deutscher Gerichte auf deliktsrechtliche Anspruchsgrundlagen beschränkt, soweit § 32 ZPO zur Begründung der internationalen Zuständigkeit herangezogen wird (NJW 2003, 828, 830; NJW 1996, 1411, 1413).

3.

Soweit der Kläger Ansprüche aus unerlaubter Handlung geltend macht, ist zu differenzieren. Hinsichtlich der behaupteten Persönlichkeitsrechtsverletzung (§ 823 BGB) ist eine internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln gemäß § 32 ZPO bereits nicht gegeben; insoweit ist die Klage unzulässig. Im Hinblick auf einen Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb ist das Landgericht Köln zwar zuständig, die Klage ist aber unbegründet.

a)

Der Kläger hat einen Schadensersatzanspruch aus § 823 BGB gegen die Beklagten wegen in Deutschland begangener Verletzung seines Persönlichkeitsrechts nicht schlüssig vorgetragen, so dass insoweit eine internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln als Gerichtsstand der unerlaubten Handlung nicht in Betracht kommt. aa)

Soweit der Kläger Ansprüche aus der Bekanntgabe des Ergebnisses der A-Probe herleitet, ist - wie dargelegt - davon auszugehen, dass beide Beklagte die Bekanntgabe weder selbst veranlasst haben noch dass die (offensichtlich) durch den Trainer der kenianischen Leichtathletikmannschaft gegenüber der Presse gemachte Enthüllung ihnen in irgendeiner Weise zuzuschreiben ist. Auf diese Ausführungen wird Bezug genommen. Zwar geht die Kammer davon aus, dass angesichts der weltweiten Bekanntgabe über das Internet Ort der unerlaubten Handlung auch Köln sein konnte. Ort der unerlaubten Handlung bei Pressedelikten ist überall dort, wo die Information bestimmungsgemäß abrufbar ist, unabhängig davon, wo der Server sich befindet, von dem die Informationen abgerufen werden können. Auch Informationen in einer fremden Sprache können sich bestimmungsgemäß an deutsche Internetnutzer richten, wenn dafür inhaltliche Anknüpfungspunkte vorhanden sind (vgl. Wenzel-Burkhardt, Das Recht der Wort- und Bildberichterstattung, Rn. 10.247 m.w.N.). Zwar mag es durchaus

in Frage gestellt werden können, ob die Internetseite der kenianischen Zeitung Daily Nation (ON THE WEB) sich bestimmungsgemäß an deutsche Internetnutzer richtet. Anders ist dies aber zweifellos mit dem Internetauftritt der Berliner Zeitung, wo diese Information ebenfalls verbreitet wurde (Anlage K 4, Bl. 42 d.A.). bb) Auch ansonsten hat der Kläger keine Schadensersatzansprüche gegen die Beklagten wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts schlüssig vorgetragen. Die Anwendung eines nach der Behauptung des Klägers ungeeigneten Analyseverfahrens (in Köln) allein bewirkte keinen Eingriff auf die Ehre des Klägers. Denn selbst bei Unterstellung, dass die Beklagten es in Kauf nähmen, mit einer fehlerbehafteten und unwissenschaftlichen Analysemethode einige Sportler zu Unrecht des Dopings zu verdächtigen, beinhaltete dies nicht zugleich die Bekanntgabe dieser Ergebnisse. Es ist bereits dargelegt worden, dass aus der Sicht der Kammer die Veröffentlichung eines falschen, den Sportler zu Unrecht verdächtigenden Ergebnisses dem Testsystem der Beklagten nicht immanent ist. Gerade das Beispiel des Klägers zeigt dies, der trotz medienwirksamer Pressekonferenz vor der Weltmeisterschaft in Paris unbehelligt und eine Erkrankung vorgebend abreisen konnte. Wäre sein eigener Trainer nicht Wochen später von sich aus an die Öffentlichkeit gegangen, wäre vermutlich bis zur Analyse der B-Probe und der (Wieder-) Startberechtigung des Klägers dessen Ehre nicht beeinträchtigt gewesen. Dafür, dass vor Bekanntwerden des Ergebnisses der B-Probe aus dem Bereich der Beklagten eine Veröffentlichung erfolgt wäre, spricht nichts. So lange aber das (zu Unrecht positive) Ergebnis nur dem Sportler, seinen Vertretern und dem Nationalverband bekannt gegeben wird, ist hieraus eine Persönlichkeitsverletzung noch nicht erkennbar. Im Hinblick auf das bei der Beklagten zu 2) satzungsgemäß stattfindende formalisierte Verfahren mit Anhörungen und der Möglichkeit der Analyse der B-Probe ist davon auszugehen, dass es sich um privilegierte Äußerungen in einem Freiraum handelt, in dem solche Äußerungen getätigt werden dürfen. So sind Äußerungen im engsten Familien- und Freundeskreis, gegenüber dem eigenen Anwalt, in einem anhängigen Prozess und gegenüber Behörden sowie im Rahmen von Petitionen und Beschwerden weitestgehend zulässig. So gilt die grundsätzliche Privilegierung auch für Beschwerden in Vereinsangelegenheiten. Niemand kann daran gehindert werden, angebliche Missstände den Stellen aufzuzeigen, die zur Beseitigung berufen sind (Wenzel-Burkhardt, a.a.O., Rn. 10.26 ff., 10.37). Es ist gerade Aufgabe der Beklagten, vermeintliche Dopingvergehen zu entdecken und zu verfolgen. Damit ist auch insoweit eine unerlaubte Handlung nicht schlüssig - und damit die internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln begründend - vorgetragen worden. b)

Hinsichtlich eines Anspruchs des Klägers gegen die Beklagten aus § 823 BGB wegen Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb ist zwar vom Kläger ein Schadensersatzanspruch dem Grunde nach vorgetragen worden (mit Ausnahme des Anspruchs auf immateriellen Schadensersatz), jedoch ist die vor dem Landgericht Köln zulässige Klage insoweit nicht begründet.

aa)

Der Kläger beruft sich darauf, durch Fehler bei dem Transport der Probe, durch Anwendung eines unzureichenden Aktivitätstests und durch eine fehlerbehaftete, wissenschaftlich nicht hinreichend fundierte Testmethode mit Tatort in Köln zu Unrecht im Rahmen der Analyse der A-Probe eines Dopingvergehens verdächtigt worden zu sein, wodurch ihm - weil er seit der Analyse faktisch durch die Beklagte zu 2) gesperrt gewesen sei - Einnahmen entgangen seien. Es ist davon auszugehen, dass die unberechtigte Wettkampfsperre eines Athleten grundsätzlich einen unmittelbaren betriebsbezogenen Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb darstellen kann. Der eingerichtete und ausgeübte Gewerbebetrieb ist als sonstiges Recht im Sinne von § 823 BGB anerkannt, wobei es sich um einen offenen Auffangtatbestand handelt, der eine sonst bestehende Lücke insbesondere im gewerblichen Rechtsschutz schließen soll. Inhalt und Grenzen seines Schutzes einschließlich der Rechtswidrigkeit des Eingriffs ergeben sich aber - entsprechend seiner Natur als offener Tatbestand - erst aus einer Interessen- und Güterabwägung mit der im Einzelfall konkret kollidierenden Interessensphäre anderer (BGHZ 138, 311). Der Schutz des Betriebsinhabers gegen Beeinträchtigung soll die Fortsetzung der bisher rechtmäßig ausgeübten Tätigkeit aufgrund der schon getroffenen Betriebsveranstaltungen sichern und umfasst alles, was in seiner Gesamtheit den wirtschaftlichen Wert des Betriebs ausmacht. Geschützt sind auch Angehörige freier Berufe, die kein eigentliches Gewerbe betreiben im Falle des unmittelbaren Eingriffs in ihre Berufstätigkeit (Palandt-Sprau, BGB, § 823, Rn. 127 m.w.N.). Von dem Schutzbereich dieser Norm ist daher grundsätzlich auch der Kläger als Berufssportler erfasst. Es ist davon auszugehen, dass der Ausspruch einer Sperre - auch deren faktische Verhängung - einen unmittelbaren Eingriff in die Berufstätigkeit des Sportlers bedeuten kann. Grundsätzlich liegt der erforderliche unmittelbare betriebsbezogene Eingriff nur dann vor, wenn der Gewerbebetrieb als solcher unmittelbar beeinträchtigt ist, sich der Angriff also gegen den betrieblichen Organismus oder die unternehmerische Entscheidungsfreiheit richtet und nicht nur gegen von dem Betrieb ohne weiteres ablösbare Rechte oder Rechtsgüter (BGH NJW 2003, 1040, 1041). Dies ist dann nicht der Fall, wenn es zu Störungen im Betriebsablauf auf Grund eines schädigenden Ereignisses kommt, das in keinerlei Beziehung zu dem Betrieb steht, mag dadurch auch eine für das Funktionieren des Betriebs maßgebliche Person oder Sache betroffen sein. Vorliegend ergibt sich bei Bewertung der in Rede stehenden Eingriffshandlung - nämlich die Verhängung einer Sperre aufgrund eines zu Unrecht als positiv angesehenen Dopingtests - dass es sich, jedenfalls im Hinblick auf die Beklagte zu 2), um einen derart unmittelbaren Eingriff handelt. Wenn diese die Abnahme von Dopingproben als Voraussetzung für die Erteilung von Starterlaubnissen statuiert, entscheidet sie unmittelbar darüber, ob die Sportler die Startvoraussetzungen erfüllen und so ihrer Berufstätigkeit nachgehen können.

Die Einwendung der Beklagten, nicht sie habe die Sperre (am 04.09.2003) verhängt, sondern - ohne Rücksprache - der von ihr unabhängige kenianische Leichtathletikverband, weshalb sie insoweit nicht passiv legitimiert sei, kann nicht überzeugen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Kläger bereits nach der Analyse der A-Probe zumindest de facto gehindert war, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Dies gilt ungeachtet des Umstandes, dass die Beklagte zu 2), wie sie nachgewiesen hat, den Kläger über seinen Manager zu den 1st IAAF World Athletics Final in Monaco am 13. und 14. September 2003 eingeladen hat (Anlage IAAF 33, Bl. 1299 d.A.). Entsprechend der Regel 59 der seinerzeit gültigen IAAF Constitution (Anlage WADA 1, Bl.

384, 405 d.A.) wandte sie sich mit Schreiben vom 22.08.2003 an den kenianischen Verband, dem sie nicht nur mitteilte, welche Schritte dieser gegenüber dem Kläger vorzunehmen habe (wie z.B. ihn zu einer Erklärung aufzufordern), sondern sie wies unter Bezugnahme auf ihre Regeln auch darauf hin, dass - falls der Kläger bis zum nächsten Tag um 10.00 Uhr morgens keine adäquate Erklärung liefere - der Test als positiv angesehen werde und der Athlet bis zur Lösung seines Falles von da ab suspendiert werde. Dies galt ungeachtet des Umstandes, auf den hingewiesen wurde, dass das Recht zur Analyse der B-Probe bestünde. Es mag dahinstehen, ob im Zusammenhang dieses Schreibens das Wort "shall" als Aufforderung an den kenianischen Verband oder als in der Zukunft liegende Folge anzusehen ist. Jedenfalls bringt das Schreiben unzweifelhaft zum Ausdruck, dass seitens der Beklagten zu 2) ohne zureichende Erklärung des Klägers innerhalb von wenigen Stunden das Analyseergebnis als positiv angesehen wird und sich hieran unmittelbar die Konsequenz der Suspendierung anschließt. Schließlich ergibt sich aus der vorgenannten Regel 59 der IAAF Constitution, dass nicht nur die Beklagte zu 2), sondern auch ihr Mitgliedsverband die Suspendierung aussprechen kann (Ziffer 1), die Beklagte zu 2) auch dann, wenn nach ihrer Ansicht der Mitgliedsverband die Suspendierung nicht ordnungsgemäß ausgesprochen hat (Ziffer 4).

Allerdings geht die Kammer davon aus, dass auch die Beklagte zu 1), die in verbandlichen Dopingverfahren unstreitig mit einem eigenen Teilnahme- und Berufungsrecht ausgestattet ist, ebenfalls passiv legitimiert ist. Sie kann über ihr Appealrecht Dopingverfahren aufgreifen und eine Verurteilung des Athleten durch den CAS durchsetzen, so dass auch ihr unmittelbarer Einfluss auf die Frage der Suspendierung zusteht und sie auf diese Weise in den Markt der Sportveranstaltungen eingreift.

bb) Da somit davon auszugehen ist, dass die zumindest faktische Suspendierung eines Athleten grundsätzlich unmittelbare Folge einer positiven Testung der A-Probe ist, ist auch davon auszugehen, dass nach dem Klägervortrag eine unerlaubte Handlung mit Begehungsort in Köln vorgetragen ist. Dies ist nach seinem Vortrag auf dreierlei Weise möglich, und zwar durch unsachgemäßen, weil ungekühlten Transport nach Köln, durch Verwendung eines unzureichenden Aktivitätstests (der die durch die Wärme

eingetretene Urinaktivität im Rahmen der Analyse der A-Probe nicht entdeckte) sowie durch Verwendung eines nicht geeigneten Antikörpers bei der Analyse, der bei dem aktiven Urin (oder ggf. auch sonst) zu einer fehlerhaft positiven Bewertung führte. Die Beklagten wenden sich zwar dagegen, dass der Kläger insoweit schlüssig vorgetragen habe, jedoch muss die Kammer, die aus eigener Kenntnis die chemischen Prozesse nicht zu überprüfen vermag, davon ausgehen, dass zur Beantwortung dieser Fragen grundsätzlich ein Sachverständigengutachten hätte eingeholt werden müssen - wenn die Klage nicht aus anderen Gründen unbegründet gewesen wäre - so dass von einem schlüssigen Vortrag auszugehen ist. Das würde auch dann gelten, wenn von dem Vortrag der Beklagten ausgegangen würde, dass das Probenmaterial im Hotelzimmer und bei dem Transport durch Dr. W nicht im Bereich von 35 bis 40 °C, sondern "nur" bei etwa 20°C aufbewahrt worden wäre, weil der Kläger auch insoweit vorgetragen hat, dass zumindest eine starke Kühlung der Proben erforderlich gewesen wäre. Richtig ist allerdings, dass der Kläger zu der Frage der Ungeeignetheit oder Unzulänglichkeit des Aktivitätstests wenig vorgetragen hat, so dass sich grundsätzlich die Frage der Unterbrechung der Kausalität im Rahmen der Schlüssigkeitsprüfung stellte. Dies galt insbesondere auch deshalb, weil bei der Analyse der B-Probe beide Aktivitätstests - der zuvor erprobte und der neu eingeführte - zu dem gleichen Ergebnis kamen, dass nämlich die Urinprobe "aktiv" sei. Allerdings entzieht es sich der Kenntnis der entscheidenden Kammer, ob unter Analyse der durchgeführten A-Probe im Vergleich mit der B-Probe ein Sachverständiger die bestrittenen Behauptungen des Klägers hätte bestätigen können, so dass auch insoweit nicht von der Unschlüssigkeit des Vortrags ausgegangen werden konnte. Die im Rahmen des Eingriffs in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb positiv zu prüfende Rechtswidrigkeit als Voraussetzung für einen schlüssigen Klagevortrag ist hiernach ebenfalls zu bejahen. Die Kammer hat in ihrem Hinweisbeschluss vom 22.02.2006 (Bl. 1359 ff. d.A.) darauf abgestellt, dass - sollte sich der Klägervortrag als zutreffend erweisen - kein schützenswertes Interesse auf Beklagtenseite daran erkennbar sei, durch unsachgemäße Handhabung von Dopingtests Athleten grundlos aus den Wettbewerben zu nehmen. Zwar ist der Einwand der Beklagten zutreffend,

dass bei Verwendung einer bei allen Athleten durchgeführten Testmethode, die auch dem Stand der Wissenschaft entspricht, im Rahmen der bei der Prüfung der Rechtswidrigkeit gebotenen Güter- und Pflichtenabwägung die Rechtswidrigkeit zu verneinen sein dürfte. Indes ist auch die Güter- und Pflichtenabwägung erst nach Feststellung der genauen Eingriffshandlung und ihrer Erkennbarkeit zu treffen. Dabei ist umgekehrt zugunsten des Klägers davon auszugehen, dass der Vorwurf eines Dopingvergehens nicht nur schwerwiegende materielle Folgen durch die Sperre nach sich ziehen kann, sondern auch einen besonders gravierenden Vorwurf gegen die Art und Weise der Berufsausübung darstellt.

Auch der Vortrag des Klägers zum Verschulden der Beklagten ist dem Grunde nach schlüssig. Wenn die Fehlerhaftigkeit des Ergebnisses - wie behauptet - in der Unzulänglichkeit der Testmethode bzw. der Vorschriften zu Aufbewahrung und Transport der Proben selbst begründet ist, stellt sich unmittelbar die Frage des eigenen Verschuldens der Beklagten in Form des Organisationsverschuldens, ohne dass es auf die Frage des § 831 BGB ankommt. cc) Die Schlüssigkeit des Vortrags und damit die Zulässigkeit der Klage im Hinblick auf die Begründung der internationalen Zuständigkeit des Landgerichts Köln über § 32 ZPO bezieht sich indes nicht auf alle Schadenspositionen aus dem Antrag zu 1). Ohne weiteres ist diese nicht gegeben, soweit der Kläger immateriellen Schadensersatz geltend macht, weil insofern nach seinem Vortrag nicht anzunehmen ist, dass die Bekanntgabe der positiven A-Probe den Beklagten zuzurechnen ist; auf die entsprechenden Darlegungen dieses Urteils wird Bezug genommen. Insoweit ist die Klage ebenfalls als unzulässig abzuweisen.

c)

Die Klage ist jedoch, soweit sie zulässig ist (im Hinblick auf die Teilforderungen von 155.000 € und 200.000 € aus dem Antrag zu 1)), unbegründet. Der Kläger hat trotz des Hinweises der Kammer seine Ansprüche der Höhe nach nicht schlüssig vorgetragen, so dass ein durch die behauptete faktische Suspendierung eingetretener Schaden nicht erkennbar war. Aus diesem Grunde war die Klage ohne weitere Beweisaufnahme abzuweisen.

Grundsätzlich richtet sich der Umfang der Darlegungslast einer Partei nach der Einlassung des Gegners. Angesichts des Umstandes, dass die Beklagten die geltend gemachten Schadenspositionen nach Grund und Höhe bestritten haben, wäre grundsätzlich hierüber ebenfalls Beweis zu erheben gewesen. Der nur pauschale Vortrag des Klägers zur Höhe aller Schadenspositionen erlaubte es indes nicht, in eine Beweisaufnahme einzutreten, da dies nach dem derzeitigen Sach- und Streitstand auf die Erhebung eines unzulässigen Ausforschungsbeweises hinausgelaufen wäre. Auf die entsprechenden Bedenken ist der Kläger sowohl in der ersten mündlichen Verhandlung als auch im Rahmen des vorerwähnten Hinweisbeschlusses hingewiesen worden. Dass er die Hinweise der Kammer auch verstanden hat, zeigt der Umstand, dass er in seinem Schriftsatz vom 24.04.2006 noch einmal auf diese Frage eingegangen ist. Er hat die Gelegenheit zu ergänzender Stellungnahme indes nicht zur weiteren Vertiefung seines Vortrages hinsichtlich der geltend gemachten Schadenspositionen genutzt. Vielmehr ist im Zuge seines weiteren Vorbringens sein Vortrag nochmals deutlich zweifelhafter geworden. Im Einzelnen: aa)

Soweit der Kläger Ersatz entgangenen Gewinns in Höhe von 155.000 € geltend macht, hat er auch unter Berücksichtigung der in § 252 Satz 2 BGB enthaltenen Beweiserleichterung nicht hinreichend vorgetragen. Ausreichend, aber auch erforderlich ist es, wenn der Ersatzpflichtige die Umstände darlegt und in den Grenzen von § 287 ZPO beweist, aus denen sich nach dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge oder den besonderen Umständen des Falles die Wahrscheinlichkeit des Gewinneintritts ergibt. Erforderlich, aber auch ausreichend ist es, wenn Ausgangs- und Anknüpfungstatsachen für eine Schadensschätzung vorgetragen werden (BGH NJW 1988, 3017; 1993, 2376; 1998, 1633, 1635; 2004, 1945). Auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass an die Darlegung des Schadens keine allzu hohen Anforderungen gestellt werden dürfen, reichte der Vortrag des Klägers insoweit nicht aus. Bereits der von den Beklagten bestrittene Vortrag, an welchen einzelnen Wettbewerben der Kläger für den Rest des Jahres 2003 teilgenommen hätte, ist mit Ausnahme

der Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Paris, nicht hinreichend dargelegt. Der Kläger hat sich in der Klageschrift darauf beschränkt, stichwortartig die in Frage kommenden Wettbewerbe aufzuzählen. Er hat dort mit Sicherheit behauptet, dass eine Teilnahme seinerseits stattgefunden hätte, wäre er nicht erst nach der Auswertung der B-Probe wieder zu Wettbewerben zugelassen gewesen. Diesen Vortrag hat er im Laufe des Rechtsstreits dadurch ergänzt, dass auch eine Teilnahme an dem ISTAF in Berlin in Betracht gekommen wäre. Demgegenüber ist durch die Beklagten durch Vorlage des Internetauftritts des Veranstalters belegt worden, dass der Kläger dort bereits teilgenommen hatte. Dieser Umstand relativiert den sich insofern in einer Aufzählung beschränkenden Vortrag des Klägers, insbesondere auch zusätzlich dahingehend, dass angesichts der offensichtlichen Unklarheiten in seiner Planung eine eingehendere Darlegung der weiteren Wettbewerbsteilnahme für den Rest des Jahres erforderlich gewesen wäre. Dies wird noch durch den Umstand verstärkt, dass der Kläger im Zusammenhang hiermit im Schriftsatz vom 24.04.2006 weiterhin ausdrücklich vorgetragen hat, dass vor der Weltmeisterschaft die endgültige Wettkampfplanung für den Saisonverlauf nach den Weltmeisterschaften noch nicht festgestanden habe und in Abhängigkeit von dem bei der Weltmeisterschaft erzielten Ergebnis und den Angeboten der Veranstalter erfolgt wäre. Hieraus ergibt sich unzweifelhaft, dass - soweit konkret entgangener Gewinn durch die Nichtteilnahme bei Sportveranstaltungen geltend gemacht wird - die Teilnahme nach dem neuen Vortrag des Kläger überhaupt noch nicht feststand. Dies bedeutet weiter, dass auch der entgangene Erhalt der Antrittsgelder in Brüssel und Moskau nicht zugrunde gelegt werden kann. Soweit die Beklagte zu 2) dem Manager des Klägers die Teilnahme an der Veranstaltung in Monaco angeboten hat (Bl. 1299 d.A.) ist indes ein Antrittsgeld seitens des Klägers nicht behauptet worden. Auch die weiteren Prämien für den Fall der Belegung des zweiten (oder im Fall von Monaco ersten) Platzes bei den Wettbewerben, die Prämien des Sponsors und der Zeitbonus bei dem Memorial van E2 sind damit nicht schlüssig vorgetragen. Insoweit kommt hinzu, dass die Behauptung des Klägers, dass er in der Regel jedenfalls Zweiter geworden wäre - und auch Zweiter in der Weltrangliste des IAAF -, ebenfalls durch keinen weiteren Sachvortrag untermauert worden ist. Es sind weder die Grundlagen vorgetragen, worauf diese Einschätzung beruht, z.B. anhand der bereits wahr-

genommenen Veranstaltungen des Jahres 2003 noch sonstige Daten zum Trainingsstand des Klägers. Dies wäre insbesondere deshalb erforderlich gewesen, weil es sich nicht um allgemein bekannte Tatsachen handelt. Es kommt der Umstand hinzu, dass sich die Einschätzung des Klägers hinsichtlich seiner Gewinnchancen im Lauf des Rechtsstreits als unsicher erwiesen haben; so hat er bei dem ISTAF in Berlin nur den achten Platz belegt. Dass der Kläger bis dahin auch sonst nicht so erfolgreich gewesen war wie er dies für die Zukunft behauptet, ergibt sich auch aus dem vom Kläger selbst vorgelegten Beitrag der Berliner Zeitung (Anlage K 4, Bl. 42 d.A.), wonach er im Juli lediglich den dritten Platz der nationalen Meisterschaften in Nairobi belegt hatte. Da der Kläger zudem auch sonst nicht vorgetragen hatte, welche Preise und Prämien er für den Fall zu erwarten gehabt hätte, dass er nicht den zweiten Platz erreichte, war auch aus diesem Grund weder eine Schätzung noch eine Beweisaufnahme zur Höhe möglich, zumal der Kläger zu den einzelnen Beträgen und zu seinem voraussichtlichen Abschneiden nur seinen Manager als Zeugen benannt hatte. Da der Kläger mithin keine Umstände vorgetragen hatte, aus denen sich nach dem gewöhnlichen Verlauf der Dinge oder den besonderen Umständen des Falles die Wahrscheinlichkeit des Gewinneintritts ergab, weil er weder Ausgangs- noch Anknüpfungstatsachen für eine Schadensschätzung dargelegt hat, war insoweit die Klage abzuweisen.

bb) Vergleichbares ergibt sich, soweit der Kläger entgangenen Gewinn in Höhe von 200.000 € als Schadensposition geltend gemacht hat. Dabei wird unterstellt, dass sein Ruf durch die streitgegenständlichen Ereignisse gelitten hat und er auch heute noch teilweise mit den damaligen Geschehnissen konfrontiert wird. Allerdings ist auch nicht zu übersehen, dass die Beklagte zu 2) mit der Erklärung vom 01.10.2003 klargestellt hat, dass der Kläger keines Dopingverstoßes überführt worden ist. Damit war klar, dass insoweit kein Vorwurf von Beklagtenseite mehr erhoben werden würde. Dementsprechend hätte er aber auch, um eine Schadensschätzung nach § 287 ZPO zu ermöglichen, im Hinblick auf den insoweit behaupteten Schaden Schätzungsgrundlagen vortragen müssen. Dass er konkret bei seinem Sponsor O finanzielle Nachteile erlit-

ten habe, behauptet er selbst nicht. Ansonsten ist die Einkommenslage des Klägers völlig im Dunkeln geblieben, genauso wie seine Chancen im Hinblick auf weitere Sponsoren. Insbesondere hat er auch zu dem Vertrag mit O nichts dazu vorgetragen, welche sonstigen Sponsoren er überhaupt hätte haben dürfen, ggf. in welchem Bereich. Jedenfalls soweit mögliche Sponsoren im Hinblick auf den zeitweise bestehenden Dopingverdacht von einem Vertragsschluss abgesehen haben, hätte der Kläger dies vortragen können. Er hätte auch jedenfalls darlegen können, mit welchen Sponsoren er beabsichtigte, in Kontakt zu treten und welche Honorare er überhaupt insoweit zu erwarten hatte. Da der Kläger sich jedoch geweigert hat, weiter vorzutragen, war auch insoweit die Klage mangels Schlüssigkeit zur Höhe abzuweisen.

III. Antrag zu 2): Das Landgericht Köln ist zur Entscheidung über den vom Kläger auf § 33 GWB gestützten Unterlassungsanspruch ebenfalls international nicht zuständig, weil es auch insoweit an einem Inlandsbezug der behaupteten Diskriminierung des Klägers durch Anwendung eines untauglichen Dopingtests auf rhEPO fehlt. Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil bereits eine Behinderungs- oder Diskriminierungshandlung - insbesondere auch im Hinblick auf deren Inlandsauswirkung - gegenüber dem Kläger durch die Beklagten zu 1) und 2) nicht schlüssig vorgetragen ist. Eine auf § 32 ZPO gestützte internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln ergibt sich hieraus nicht. Dies gilt auch in den Fällen, in denen der Kläger - entsprechend seinen Hilfsanträgen - Unterlassung im Hinblick auf in Deutschland stattfindende Tests begehrt. Auch hieraus ergibt sich kein Inlandsbezug im Sinn von § 130 Abs. 2 GWB.

Wie bereits dargelegt, richtet sich die Frage, ob eine Maßnahme behindernd oder diskriminierend wirkt, in erster Linie nach der in Frage kommenden Handlung. Der als Berufssportler tätige Kläger verlangt unter Berufung auf die Anspruchsgrundlage § 33 GWB von beiden Beklagten Unterlassung von EPO-Tests, bei denen die am 08.08.

2003 benutzten Testverfahren Anwendung finden, hilfsweise Unterlassung solcher EPO-Tests, bei denen der EPO-Antikörper AE 7 A 5 verwandt wird. Er begründet dies damit, dass der Test bzw. der verwendete Antikörper grundsätzlich fehlerbehaftet bzw. fehleranfällig sei und er daher der Gefahr ausgesetzt sei, zu Unrecht eines Dopingvergehens verdächtigt zu werden. Indes ist nicht erkennbar, dass allein der Umstand, dass der Kläger - wie alle anderen Sportler auch - als Voraussetzung für die Teilnahme an Leichtathletikwettbewerben derartigen Dopingtests unterworfen wird, bedeutet, dass er durch die Beklagten behindert oder diskriminiert wird. Wie nämlich unstreitig ist, ist der Kläger in der Vergangenheit bereits viele Male Dopingtests unterzogen worden, nur in einem einzigen Fall kam es zu einer positiven Bewertung der A-Probe und auch dann erwies die B-Probe das Ergebnis der A-Probe nicht. Ebenfalls werden alle Leichtathletik-Profisportler in Tausenden von Fällen jährlich dem selben Testverfahren unterzogen und nur in wenigen Einzelfällen stellen sich Fehlbewertungen heraus. Darüber hinaus ist unstreitig, dass auch die Testmethode ständig weiterentwickelt und dann in verfeinerter Form angewandt wird, wie sich am Beispiel des zwischen der Auswertung der A-Probe und der B-Probe im Jahr 2003 überarbeiteten Aktivitätstest zeigt. Demgegenüber ist es unstreitig notwendig, im Interesse eines fairen Wettkampfs Dopingvergehen zu ermitteln und zu ahnden. Dies ist auch im Interesse des Klägers, der sonst auch Gefahr liefe, von einem möglicherweise gedopten Konkurrenten aus dem Feld geschlagen zu werden. Vor diesem Hintergrund ist bereits nicht erkennbar, in welcher Weise in der Anwendung des Tests der Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung liegen könnte. Missbräuchlich im Sinne von § 19 Abs. 4 Nr. 1 GWB handelt jedenfalls nur der, der aufgrund seiner besonderen Marktstellung in einer für den Wettbewerb auf dem Markt erheblichen Weise ohne sachlich gerechtfertigten Grund beeinträchtigt. Die unterschiedslose Anwendung des streitgegenständlichen Dopingtests bei allen Athleten im Interesse eines gerechten Wettkampfes ist jedenfalls dann keine grundlose Beeinträchtigung, wenn und solange es kein sichereres und gleichzeitig allen Beteiligten zumutbares Verfahren zur Durchführung von Dopingtests gibt. Derartiges hat der Kläger nicht vorgetragen. Auch der Missbrauch durch Zugangsverweigerung im Sinne von § 19 Abs. 4 Nr. 4 GWB liegt hiernach nicht vor, zumal es eine sachliche Rechtfertigung für die Durchführung des Dopingtests gibt. Eine ungerechtfertigte unterschiedli-

che Behandlung im Sinne von § 20 Abs. 1 GWB kann der Kläger für sich ebenfalls nicht reklamieren: die Beklagten behandeln wirtschaftlich gleichliegende Sachverhalte nicht ungleich, weil sie alle Sportler in gleicher Weise den Dopingtests unterziehen. Darüber hinaus ist dies, wie dargelegt, auch sachlich gerechtfertigt. Ein Verstoß gegen das Behinderungsverbot für Unternehmen mit überlegener Marktmacht (§ 20 Abs. 4, 5 GWB), ist nicht erkennbar, zumal sich diese Vorschrift in erster Linie gegen den systematischen und gezielten Einsatz aggressiver Preis- und Rabattpraktiken gegenüber kleineren und mittleren Unternehmen richtet (vgl. Bechtold, GWB, § 20, Rn. 61 m.w.N.). Auch ein Verstoß gegen das Verbot der Ablehnung der Aufnahme in eine der in § 20 Abs. 6 GWB bezeichneten Vereinigungen ist nicht erkennbar, da jedenfalls im Hinblick auf die Testung aller Sportler eine sachlich nicht gerechtfertigte ungleiche Behandlung nicht anzunehmen ist. Umgekehrt fordert vielmehr der Kläger für sich eine bevorzugte Behandlung, indem er, ohne sich einem Dopingtest nach der allgemein praktizierten Methode unterziehen zu müssen, an Wettbewerben teilnehmen will; es liegt auf der Hand, dass sich die Beklagten, folgten sie seinem Begehren, umgekehrt gegenüber anderen Sportlern zu Recht diesem Vorwurf ausgesetzt sähen. Auch ist nicht erkennbar, wie die notwendigerweise von den Beklagten außerhalb des Geltungsbereichs des GWB veranlassten Testungen sich auf den in den USA lebenden Kläger im Inland spürbar auswirken sollen; allein der Umstand, dass ein in Deutschland ausgewerteter Test bei dem Kläger einmal zu einem positiven Ergebnis geführt hat, besagt nicht, dass eine Auswirkung in Deutschland in Zukunft zu erwarten ist, zumal die Verfahrens- und Testweise international standardisiert und zertifiziert ist. Auch soweit Tests und deren Auswertungen in Deutschland erfolgen, können sie sich beliebig auf die Teilnahme des Klägers an Wettkämpfen überall in der Welt auswirken. Spürbar im Inland im Sinne von § 130 Abs. 2 GWB ist eine Auswirkung jedoch nur dann, wenn sie ein quantitatives Mindestausmaß erreichen und die Inlandsauswirkung positiv festgestellt werden kann. Abgesehen von der Schwierigkeit, die Spürbarkeit zu definieren (es gab in der Praxis Bestrebungen, bei relevanten Inlandsumsätzen von 3 bis 5 Mio. DM die inländische Wettbewerbsbeschränkung als nicht spürbar anzusehen, vgl. Bechtold, a.a.O, § 130, Rn. 15), sind vom Kläger die Auswirkungen in Deutschland auch in keiner Weise näher vorgetragen worden. Allein der Umstand, dass er (auch) an Veranstaltungen in Deutschland teilnimmt und hier einige Wochen im Jahr trainiert, reicht zur Erfüllung der Voraussetzungen nicht aus. Da mithin eine unerlaubte Handlung im Sinne von § 33 GWB nicht schlüssig vorgetragen ist, ist auch die internationale Zuständigkeit des Landgerichts Köln über § 32 ZPO nicht begründet.

IV. Die prozessualen Nebenentscheidungen folgen aus §§ 91, 101, 709 ZPO. Der nicht nachgelassene, allerdings im wesentlichen nur Rechtsausführungen enthaltende Schriftsatz des Klägers vom 12.06.2006 gibt nach Überprüfung keinen Anlass zur Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung. Auch der weitere, nicht nachgelassene Schriftsatz des Klägers vom 08.09.2006 gibt keinen Anlass zur Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung, § 296 a Satz 1 ZPO. Der neue Vortrag zur Veröffentlichung des Ergebnisses der A-Probe im Fall Jones sowie die Frage, ob diese Athletin nicht mit EPO gedopt war, sind für die Entscheidung ohne Bedeutung. Der Fall des § 156 ZPO liegt ebenfalls nicht vor.

Streitwert: Antrag zu 1: 500.000,00 € Antrag zu 2: 100.000,00 € insgesamt: 600.000,00 €