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OLG Hamm · Beschluss vom 15. Juni 2012 · Az. II-10 UF 47/11

Informationen zum Urteil

  • Gericht:

    OLG Hamm

  • Datum:

    15. Juni 2012

  • Aktenzeichen:

    II-10 UF 47/11

  • Typ:

    Beschluss

  • Fundstelle:

    openJur 2013, 16822

  • Verfahrensgang:

Tenor

Die Be­schwer­de der An­trag­stel­le­rin gegen den Be­schluss des Amts­ge­richts - Fa­mi­lien­ge­richt - Hat­tin­gen vom 9. Feb­ru­ar 2011 wird zu­rück­ge­wie­sen.

Von der Er­he­bung der Ge­richts­kos­ten für das Be­schwer­de­ver­fah­ren wird ab­ge­se­hen. Eine Er­stat­tung der au­ßer­ge­richt­li­chen Kos­ten fin­det nicht statt.

Der Ver­fah­rens­wert für das Be­schwer­de­ver­fah­ren wird auf 5.000,00 EUR fest­ge­setzt.

Gründe

Grün­de:

I.

Die am 15. Mai 1981 ge­bo­re­ne An­trag­stel­le­rin ver­langt die He­raus­ga­be ihres Kin­des M, geb. am 2. Juni 2005. Das Kind stammt aus der im Jahre 2008 ge­schie­de­nen Ehe der An­trag­stel­le­rin mit dem am 31. Ok­to­ber 1962 ge­bo­re­nen Kin­des­va­ter N. Der Kin­des­va­ter ist zur­zeit in Straf­haft; die Haft dau­ert nach den ei­ge­nen An­ga­ben des Kin­des­va­ters im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 vo­raus­sicht­lich bis zum Ende des Jah­res 2013, falls keine vor­zei­ti­ge Ent­las­sung des Kin­des­va­ters er­folgt.

Aus der Ehe der An­trag­stel­le­rin mit dem Kin­des­va­ter sind fer­ner fol­gen­de vier Kin­der her­vor­ge­gan­gen:

M2, geb. am 07.10.2001,

M3, geb. am 19.10.2002,

M4, geb. am 06.05.2004, sowie

M5, geb. am 16.10.2006.

Im Ja­nu­ar 2007 trenn­ten sich die Kin­des­eltern. Am 4. Mai 2007 er­folg­te die In­ob­hut­nah­me der Kin­der M2, M3, M4, M und Na­tha­lie durch das Ju­gend­amt. M wech­sel­te we­ni­ge Wo­chen spä­ter nach der In­ob­hut­nah­me zu­nächst in eine Be­reit­schafts­pfle­ge­fa­mi­lie und im Juni 2007 - wegen der Er­kran­kung der Be­reit­schafts­pfle­ge­mut­ter - in die­je­ni­ge Pfle­ge­fa­mi­lie, in der sie heute noch lebt. Nach der - un­be­strit­te­nen - Dar­stel­lung der Pfle­ge­eltern war M im Som­mer 2007 ein di­ckes, sehr stil­les Kind, das nicht ge­wohnt war, dass man sich mit ihm be­schäf­tig­te. Zudem war M sei­ner­zeit völ­lig fi­xiert auf Essen und Trin­ken; der Schlaf­rhyth­mus war er­heb­lich ge­stört. Die Pfle­ge­eltern haben mitt­ler­wei­le ein ei­ge­nes leib­li­ches Kind, das im No­vem­ber 2010 ge­bo­ren ist.

Etwa seit Som­mer 2007 lebt die An­trag­stel­le­rin mit ihrem neuen Le­bens­ge­fähr­ten, Herrn X, zu­sam­men. Aus die­ser Be­zie­hung sind fol­gen­de Kin­der her­vor­ge­gan­gen:

Stel­la, geb. am 07.05.2008,

Lina Julie, geb. am 21.04.2009;

Levin Lau­rin, geb. am 18.06.2010.

Mitt­ler­wei­le steht die Ge­burt eines wei­te­ren Kin­des aus der Be­zie­hung der An­trag­stel­le­rin zu Herrn X un­mit­tel­bar bevor; mög­li­cher­wei­se ist das wei­te­re Kind schon ge­bo­ren.

Durch Se­nats­be­schluss vom 1. April 2009 (10 UF 132/08 OLG Hamm = 49 F 118/08 AG Hat­tin­gen) ist der An­trag­stel­le­rin das al­lei­ni­ge Sor­ge­recht für die Kin­der M2, M3, M4, M und M5 über­tra­gen wor­den. Fer­ner ist durch den ge­nann­ten Se­nats­be­schluss u. a. an­ge­ord­net wor­den, dass die dau­er­haf­te Rück­füh­rung von M5 und M in den Haus­halt der An­trag­stel­le­rin nicht vor dem 1. No­vem­ber 2009 er­fol­gen dürfe. Zur Vor­be­rei­tung der Rück­füh­rung von M5 und M solle die An­trag­stel­le­rin ab dem 12. Juli 2009 alle 14 Tage Um­gang mit die­sen Kin­dern haben. Der An­trag­stel­le­rin ist auf­ge­ge­ben wor­den, Leis­tun­gen der öf­fent­li­chen Kin­der- und Ju­gend­hil­fe (So­zi­al­pä­da­go­gi­sche Fa­mi­lien­hil­fe) in An­spruch zu neh­men. Wegen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten wird auf den Se­nats­be­schluss vom 01.04.2009 (Bl. 7 ff. GA) ver­wie­sen.

Die Kin­der M2, M3 und M4 leben seit etwa Mai 2009 wie­der im Haus­halt der Kin­des­mut­ter. M5 kehr­te frü­her als ge­plant in den Haus­halt der An­trag­stel­le­rin zu­rück, näm­lich schon im Au­gust 2009; Hin­ter­grund war der Um­stand, dass die Pfle­ge­mut­ter von M5 ver­stor­ben war.

Zu einer Rück­füh­rung von M ist es bis heute nicht ge­kom­men. Im Ok­to­ber 2009 ge­rie­ten die - schließ­lich un­be­glei­tet durch­ge­führ­ten - Um­gangs­kon­tak­te der An­trag­stel­le­rin mit M ins Sto­cken. Ein Um­gangs­kon­takt fand noch am 19. Ok­to­ber 2009 statt; ein wei­te­rer Um­gangs­kon­takt er­folg­te erst am 5. Au­gust 2010. Wei­te­re Um­gangs­kon­tak­te fan­den auf An­ord­nung des Se­nats im Laufe des Be­schwer­de­ver­fah­rens - be­glei­tet durch den vom Senat ein­ge­setz­ten Um­gangs­pfle­ger C - statt, und zwar am 15. De­zem­ber 2011, 28. De­zem­ber 2011 und 12. Ja­nu­ar 2012. Ein letz­ter Um­gangs­kon­takt am 25. Ja­nu­ar 2012 schei­ter­te; M konn­te zu einem wei­te­ren Um­gangs­kon­takt mit der An­trag­stel­le­rin nicht be­wegt wer­den; M ver­steck­te sich unter dem Bett ihrer Pfle­ge­eltern.

Durch den an­ge­foch­te­nen Be­schluss hat das Amts­ge­richt - Fa­mi­lien­ge­richt - den He­raus­ga­be­an­trag der Kin­des­mut­ter ab­ge­lehnt und zu­gleich an­ge­ord­net, dass M bei den Pfle­ge­eltern zu ver­blei­ben habe. Wegen der Be­grün­dung und der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stands in ers­ter Ins­tanz wird auf den an­ge­foch­te­nen Be­schluss (Bl. 373 ff. GA) ver­wie­sen.

Hier­ge­gen wen­det sich die An­trag­stel­le­rin unter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung ihres Vor­brin­gens in ers­ter Ins­tanz. Sie macht ins­be­son­de­re gel­tend:

Das in ers­ter Ins­tanz ein­ge­hol­te Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K sei un­ge­nü­gend. Es sei ein neues - brauch­ba­res - Gut­ach­ten ein­zu­ho­len. So habe die Mut­ter-Kind-Be­geg­nung al­len­falls we­ni­ge Mi­nu­ten ge­dau­ert. Die vom Sach­ver­stän­di­gen wie­der­ge­ge­be­nen Fra­gen hät­ten sich auf den täg­lich ge­leb­ten All­tag des Kin­des be­zo­gen; des­halb sei es nicht er­staun­lich, dass M in dem sog. Schloss­zei­chen­test nicht an­de­re Per­so­nen als die Per­so­nen ihres nä­he­ren Um­felds - ins­be­son­de­re die Pfle­ge­eltern - ge­nannt habe, zumal der letz­te Um­gangs­kon­takt im Ok­to­ber 2009 statt­ge­fun­den habe; tat­säch­lich fand aber, wie oben dar­ge­legt, noch ein Um­gangs­kon­takt am 5. Au­gust 2010 statt. Der Sach­ver­stän­di­ge selbst habe aus­ge­führt, dass noch ein Rest an Bin­dun­gen zur Kin­des­mut­ter vor­han­den sei. Die be­ste­hen­de Bin­dung von M zu ihren Ge­schwis­tern habe der Sach­ver­stän­di­ge - zu Un­recht - ganz außer Acht ge­las­sen. Die Ge­schwis­ter von M habe der Sach­ver­stän­di­ge - feh­ler­haft - nicht ex­plo­riert. Auch habe der Sach­ver­stän­di­ge den jet­zi­gen Le­bens­ge­fähr­ten der An­trag­stel­le­rin, Herrn X, von der Be­gut­ach­tung aus­ge­schlos­sen.

Zu Un­recht habe das Amts­ge­richt - Fa­mi­lien­ge­richt - dem Wil­len des sei­ner­zeit sechs­jäh­ri­gen Kin­des, bei sei­nen Pfle­ge­eltern zu ver­blei­ben, maß­geb­li­che Be­deu­tung bei­ge­mes­sen. Der Wille des Kin­des sei maß­geb­lich durch die Pfle­ge­mut­ter be­ein­flusst wor­den; diese habe eine hoch ab­leh­nen­de Ein­stel­lung gegen­über einer Tren­nung von ihrem Pfle­ge­kind.

Die An­trag­stel­le­rin sei auch hin­rei­chend er­zie­hungs­fä­hig. Sie ver­fü­ge über die für eine Rück­füh­rung ge­stei­ger­te Er­zie­hungs­fä­hig­keit und habe auch ein hin­rei­chen­des in­tui­ti­ves Ge­spür für die psy­chi­schen Be­dürf­nis­se von M.

Es tref­fe nicht zu, dass die An­trag­stel­le­rin nicht be­reit sei, öf­fent­li­che Hil­fen an­zu­neh­men. Die an­ge­bo­te­nen Hil­fen seien eher hin­der­lich als un­ter­stüt­zend ge­we­sen.

Eben­so wenig tref­fe es zu, dass M5 nicht mehr den Kin­der­gar­ten be­su­che; M5 habe le­dig­lich den Kin­der­gar­ten ge­wech­selt. Die An­trag­stel­le­rin als al­lei­ni­ge Sor­ge­rechts­in­ha­be­rin habe auch keine Ver­pflich­tung ge­habt, den Schul­wech­sel von M3 und M4 mit dem Ju­gend­amt ab­zu­stim­men.

In der Be­schwer­de­ins­tanz hat der Senat den Kin­des­va­ter als Be­tei­lig­ten hin­zu­ge­zo­gen (§ 7 Abs. 2 FamFG).

Die An­trag­stel­le­rin be­an­tragt,

              den Be­schluss des Amts­ge­richts - Fa­mi­lien­ge­richts - vom 9. Februar 2011, Az:  69 F Az: 69 F 38/10 auf­zu­he­ben, den Antrag der Inkognito Pflegefamilie zurückzuweisen, und das Ju­gendamt I zu ver­pflich­ten, das Kind M, geb. am 2. Juni 2005, an sie he­raus­zu­ge­ben.

Der Kin­des­va­ter hat sich dem An­trag der An­trag­stel­le­rin an­ge­schlos­sen.

Das Ju­gend­amt und die Pfle­ge­eltern be­an­tra­gen,

              die Be­schwer­de zu­rück­zu­wei­sen.

Die Pfle­ge­eltern und das Ju­gend­amt ver­tei­di­gen den an­ge­foch­te­nen Be­schluss mit nä­he­ren Aus­füh­run­gen. Sie ma­chen ins­be­son­de­re gel­tend:

Die An­trag­stel­le­rin sei nicht hin­rei­chend - ge­stei­gert - er­zie­hungs­fä­hig. Sie habe gegen­über Frau O er­klärt, sie habe schon daran ge­dacht, sich um­zu­brin­gen. Die An­trag­stel­le­rin habe - wohl am 12. Mai 2011 - gegen­über der Pfle­ge­mut­ter er­klärt, diese werde schon sehen, wie es sei, ein Kind zu ver­lie­ren; diese Dro­hung habe sich auf das neu ge­bo­re­ne Kind der Pfle­ge­mut­ter be­zo­gen. Die An­trag­stel­le­rin sei schon mit ihren wei­te­ren Kin­dern über­for­dert. Die An­trag­stel­le­rin wei­ge­re sich auch, öf­fent­li­che Hil­fen in An­spruch zu neh­men; sie zeige sich be­ra­tungs­re­sis­tent.

Wegen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens in der Be­schwer­de­ins­tanz wird auf die ge­wech­sel­ten Schrift­sät­ze der Be­tei­lig­ten ver­wie­sen. Diese sind auch Ge­gen­stand der An­hö­rungs­ter­mi­ne vor dem Senat ge­we­sen.

Der Senat hat er­gän­zend Be­weis er­ho­ben durch Ein­ho­lung von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten. Er hat ein Gut­ach­ten des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 ein­ge­holt; wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten vom 14. Ok­to­ber 2011 (Bl. 585 ff. GA) Bezug ge­nom­men. Der Senat hat fer­ner ein Gut­ach­ten der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q ein­ge­holt. Wegen des In­halts wird auf das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten vom 14. Feb­ru­ar 2012 (Bl. 889 ff. GA) ver­wie­sen. Beide Sach­ver­stän­di­gen haben ihre Gut­ach­ten im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 münd­lich er­läu­tert und er­gänzt; der Sach­ver­stän­di­ge Dipl. Psych. K2 hat fer­ner sein Gut­ach­ten im An­hö­rungs­ter­min am 9. No­vem­ber 2011 er­läu­tert und er­gänzt. Wegen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Be­richt­er­stat­ter­ver­mer­ke vom 9. No­vem­ber 2011 (Bl. 706 ff. GA) und vom 6. Juni 2012 (Bl. 1089 ff. GA) ver­wie­sen.

Der Senat hat das Kind M im Bei­sein aller Se­nats­mit­glie­der und des Ver­fah­rens­bei­stan­des, Frau Rechts­an­wäl­tin E, am 9. No­vem­ber 2011 an­ge­hört.

Der Senat hat fer­ner durch Be­schluss vom 11. No­vem­ber 2011 eine Um­fangs­pfleg­schaft und Um­gangs­kon­tak­te an­ge­ord­net, und zwar u. a. mit Ziel, eine Rück­füh­rung des Kin­des zu er­rei­chen.

Schließ­lich hat der Senat zu In­for­ma­ti­ons­zwe­cken die Bei­ak­ten 69 F 169/10 AG Hat­tin­gen, 69 F 4/11 AG Hat­tin­gen, 49 F 118/08 AG Hat­tin­gen (= 10 UF 132/08 OLG Hamm), 69 F 37/10 AG Hat­tin­gen, 69 F 33/10 AG Hat­tin­gen sowie 69 F 16/10 AG Hat­tin­gen bei­ge­zo­gen. Diese Bei­ak­ten sind auch Ge­gen­stand des An­hö­rungs­ter­mins am 6. Juni 2012 ge­we­sen.

II.

Die zu­läs­si­ge Be­schwer­de (§§ 58 ff. FamFG) ist un­be­grün­det. Der He­raus­ga­be­an­trag der An­trag­stel­le­rin hat kei­nen Er­folg. Viel­mehr ist gemäß § 1632 Abs. 4 BGBG das Ver­blei­ben des Kin­des M in der Pfle­ge­fa­mi­lie an­zu­ord­nen.

1.

Nach § 1632 Abs. 4 BGB kann das Fa­mi­lien­ge­richt, wenn ein Kind seit län­ge­rer Zeit in Fa­mi­lien­pfle­ge lebt und die El­tern es von der Pfle­ge­per­son weg­neh­men wol­len, von Amts wegen oder auf An­trag der Pfle­ge­per­son an­ord­nen, dass das Kind bei der Pfle­ge­per­son bleibt, wenn und so­lan­ge das Kin­des­wohl durch die Weg­nah­me ge­fähr­det wäre. Diese Vo­raus­set­zun­gen sind hier ge­ge­ben. 

Die al­lein sor­ge­be­rech­tig­te An­trag­stel­le­rin will das Kind M in ihren Haus­halt zu­rück­füh­ren.

Das Kind M be­fin­det sich auch seit län­ge­rer Zeit in Fa­mi­lien­pfle­ge. Das Er­for­der­nis der län­ge­ren Dauer der Fa­mi­lien­pfle­ge ist nach dem Zweck der Vor­schrift nicht ab­so­lut, son­dern unter Be­rück­sich­ti­gung des kind­li­chen Zeit­be­griffs zu ver­ste­hen. Es kommt da­rauf an, ob die Pfle­ge­zeit dazu ge­führt hat, dass das Kind in der Pfle­ge­fa­mi­lie seine Be­zugs­welt ge­fun­den hat (vgl. nur Pa­landt/Die­de­rich­sen, BGB, 71. Auf­la­ge 2012, § 1632 Rn. 11 m. w. N.; Schwer/B. Han­dam, in: Ju­risPK-BGB, 5. Auf­la­ge 2010, § 1632 Rn. 24 m. w. N.). Das ist hier der Fall. M ist im Juni 2007, also im Alter von zwei Jah­ren, zu ihren Pfle­ge­eltern ge­kom­men; sie lebt dort seit mitt­ler­wei­le fünf Jah­ren. Sie hat ihre Be­zugs­welt zu ihrer Pfle­ge­fa­mi­lie ge­fun­den.

Nach stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher und ober­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung (vgl. BVerfG FamRZ 2010, 865; BVerfG FamRZ 2006, 1593; BVerfG FamRZ 2005, 783; BVerfG FamRZ 1989, 31; BVerfGE 75, 201; BVerfGE 68, 176; OLG Saar­brü­cken, Be­schluss vom 13.10.2011, 6 UF 108/11 -  zi­tiert nach Juris; OLG Zwei­brü­cken FamRZ 2011, 571; OLG Hamm FamRZ 2010, 1746; OLG Hamm FamRZ 2007, 659; OLG Frank­furt FamRZ 2009, 1499), wel­cher der Senat in stän­di­ger Recht­spre­chung folgt, ist es mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar, dass auch die Dauer des Pfle­ge­ver­hält­nis­ses zu einer Ver­blei­ben­sa­nord­nung nach § 1632 Abs. 4 BGB füh­ren kann, wenn eine schwe­re und nach­hal­ti­ge Schä­di­gung des kör­per­li­chen oder see­li­schen Wohl­be­fin­dens des Kin­des bei sei­ner He­raus­ga­be an die El­tern zu er­war­ten ist (vgl. BVerfGE 68, 176, 191= FamRZ 1985, 39).

Bei einer Ent­schei­dung nach § 1632 Abs. 4 BGB, die eine Kol­li­sion zwi­schen dem In­te­res­se der El­tern an der He­raus­ga­be des Kin­des und dem Kin­des­wohl vo­raus­setzt, ver­langt die Ver­fas­sung eine Aus­le­gung der Re­ge­lung, die so­wohl dem El­tern­recht aus Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG als auch der Grund­rechts­po­si­tion des Kin­des aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG Rech­nung trägt. Im Rah­men der er­for­der­li­chen Ab­wä­gung der ver­fas­sungs­recht­lich ge­schütz­ten Rech­te ist je­doch zu be­rück­sich­ti­gen, dass im Be­reich des Art. 6 Abs. 2 GG das Wohl des Kin­des immer den Richt­punkt bil­det, so dass die­ses bei In­te­res­sen­kon­flik­ten zwi­schen dem Kind und sei­nen El­tern letzt­lich be­stim­mend sein muss (vgl. BVerfGE 75, 201, 218 = FamRZ 1987, 786; BVerfGE 68, 176, 188 = FamRZ 1985, 39).

Denn das Kind ist ein Wesen mit ei­ge­ner Men­schen­wür­de und ei­ge­nem Recht auf Ent­fal­tung sei­ner Per­sön­lich­keit aus Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG (BVerfGE 24, 119, 144 = FamRZ 1968, 578). Es be­darf des Schut­zes und der Hilfe, um sich zu einer eigen­ver­ant­wort­li­chen Per­sön­lich­keit in­ner­halb der so­zia­len Ge­mein­schaft zu ent­wi­ckeln. Die Er­zie­hung und Be­treu­ung eines min­der­jäh­ri­gen Kin­des durch Mut­ter und Vater in­ner­halb einer har­mo­ni­schen Ge­mein­schaft ge­währ­leis­tet dabei am ehes­ten, dass die­ses Ziel er­reicht wird (vgl. BVerfGE 56, 363, 384 = FamRZ 1981, 429). Dies trifft je­doch nicht immer zu, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn Kin­der in einer Pfle­ge­fa­mi­lie auf­wach­sen (vgl. BVerfGE 75, 201, 219 = FamRZ 1987, 786). In die­sem Falle ge­bie­tet es das Kin­des­wohl, die neuen ge­wach­se­nen Bin­dun­gen des Kin­des zu sei­nen Pfle­ge­per­so­nen zu be­rück­sich­ti­gen und das Kind aus sei­ner Pfle­ge­fa­mi­lie nur he­raus­zu­neh­men, wenn die kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Be­ein­träch­ti­gun­gen des Kin­des als Folge der Tren­nung von sei­nen bis­he­ri­gen Be­zugs­per­so­nen unter Be­rück­sich­ti­gung der Grund­rechts­po­si­tion des Kin­des noch hin­nehm­bar sind (vgl. BVerfGE 79, 51, 64 = FamRZ 1989, 31).

Für ein Kind ist mit sei­ner He­raus­nah­me aus der ge­wohn­ten Um­welt ein schwer be­stimm­ba­res Zu­kunfts­ri­si­ko ver­bun­den. Die Un­si­cher­hei­ten bei der Prog­no­se sowie der Um­stand, dass die Tren­nung von sei­nen un­mit­tel­ba­ren Be­zugs­per­so­nen für das Kind re­gel­mä­ßig eine er­heb­li­che psy­chi­sche Be­las­tung be­deu­tet (vgl. BVerfGE 75, 201, 219 = FamRZ 1987, 786), dür­fen nicht dazu füh­ren, dass bei Un­ter­brin­gung eines Kin­des in einer Pfle­ge­fa­mi­lie die Wie­der­zu­sam­men­füh­rung von Kind und El­tern schon immer dann aus­ge­schlos­sen ist, wenn das Kind seine "so­zia­len" El­tern ge­fun­den hat. Bei der Ab­wä­gung zwi­schen El­tern­recht und Kin­des­wohl im Rah­men von Rück­füh­rungs­ent­schei­dun­gen nach § 1632 Abs. 4 BGB ist des­halb ein grö­ße­res Maß an Un­si­cher­heit über mög­li­che Be­ein­träch­ti­gun­gen des Kin­des hin­nehm­bar als bei einem - hier nicht - le­dig­lich be­ab­sich­tig­ten Wech­sel der Pfle­ge­fa­mi­lie, der mit Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG nur ver­ein­bar ist, wenn mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit aus­zu­schlie­ßen ist, dass die Tren­nung des Kin­des von sei­nen Pfle­ge­eltern mit psy­chi­schen oder phy­si­schen Schä­di­gun­gen ver­bun­den sein kann (vgl. BVerfGE 75, 201, 220 = FamRZ 1981,124). Die Ri­si­ko­gren­ze hin­sicht­lich der Prog­no­se mög­li­cher Be­ein­träch­ti­gun­gen des Kin­des ist al­ler­dings auch bei der Ent­schei­dung über eine Rück­füh­rung des Kin­des zu sei­nen El­tern dann über­schrit­ten, wenn unter Be­rück­sich­ti­gung der Um­stän­de des Ein­zel­falls mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit nicht aus­zu­schlie­ßen ist, dass die Tren­nung des Kin­des von sei­nen Pfle­ge­eltern psy­chi­sche oder phy­si­sche Schä­di­gun­gen nach sich zie­hen kann. Ein sol­ches Ri­si­ko ist für das Kind nicht hin­nehm­bar.

Eine Ver­blei­ben­sa­nord­nung hat zwar grund­sätz­lich den Zweck, eine He­raus­ga­be des Kin­des zur Un­zeit zu ver­hin­dern. Je­doch lässt die Vor­schrift des § 1632 Abs. 4 BGB es auch zu, ein Ver­blei­ben an­zu­ord­nen, des­sen zeit­li­cher End­punkt nicht ab­zu­se­hen ist (vgl. Schwer/B. Han­dam, in: Ju­risPK-BGB, a. a. O., § 1632 Rn. 37 m. w. N.; OLG Karls­ru­he FamRZ 2004, 722).

2.

Ge­mes­sen an die­sen Grund­sät­zen ist der Senat nach Ein­ho­lung der Gut­ach­ten der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q und Dipl.-Psych. K2 im Er­geb­nis zwei­fels­frei davon über­zeugt, dass unter Be­rück­sich­ti­gung der Um­stän­de des Ein­zel­falls mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit nicht aus­zu­schlie­ßen ist, dass die Tren­nung Ms von ihren Pfle­ge­eltern schwe­re psy­chi­sche oder phy­si­sche Schä­di­gun­gen nach sich zie­hen kann. Im vor­lie­gen­den Fall ist der Senat sogar si­cher davon über­zeugt, dass es bei der der­zei­ti­gen Sach­la­ge im Falle einer Rück­füh­rung von M in die Her­kunfts­fa­mi­lie mit ganz über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit zu einer er­heb­li­chen psy­chi­schen Schä­di­gung des Kin­des kom­men würde, die für das Kind nicht mehr hin­nehm­bar ist. Im Ein­zel­nen:

Beide Sach­ver­stän­di­gen gehen zu­nächst - in­so­weit über­ein­stim­mend - zu­tref­fend davon aus, dass sich M ve­he­ment gegen die Rück­füh­rung in die Her­kunfts­fa­mi­lie wehrt, dass mit­hin ein ve­he­men­ter ne­ga­ti­ver Kin­des­wil­le vor­han­den ist, der im Falle einer Rück­füh­rung ge­bro­chen werde müss­te. Dies ist auch ein­drucks­voll bei der An­hö­rung von M durch alle Se­nats­mit­glie­der of­fen­kun­dig ge­wor­den; in der An­hö­rung hat M "klipp und klar" er­klärt, dass sie auf kei­nen Fall zur An­trag­stel­le­rin zu­rück­ge­he. Der ve­he­men­te ne­ga­ti­ve Kin­des­wil­le ist fer­ner da­durch deut­lich ge­wor­den, dass M schließ­lich über­haupt keine Um­gangs­kon­tak­te mit der An­trag­stel­le­rin mehr zu­ge­las­sen und sich et­wai­gen Um­gangs­kon­tak­ten "total ver­wei­gert" hat. Hier­zu haben die Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. Q und auch der schließ­lich ein­ge­setz­te Um­gangs­pfle­ger C über­ein­stim­mend glaub­haft be­stä­tigt, dass M sich mas­siv ge­wei­gert hat, den für den 25. Ja­nu­ar 2012 vor­ge­se­he­nen Um­gangs­kon­takt mit der An­trag­stel­le­rin wahr­zu­neh­men, dass M klar ge­macht habe, dass mit Um­gangs­kon­tak­ten nun­mehr "Schluss sei"; M sei auch nicht mehr zu Um­gangs­kon­tak­ten mit der An­trag­stel­le­rin an einem neut­ra­len Ort be­reit ge­we­sen. Bei die­ser Sach­la­ge ist nicht er­kenn­bar, wie eine Rück­füh­rung von M in den Haus­halt der An­trag­stel­le­rin funk­tio­nie­ren könn­te.

Auch der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 hat im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 er­klärt, dass dem Kin­des­wil­len hier nicht die Ernst­haf­tig­keit ab­ge­spro­chen wer­den könne. Der Kin­des­wil­le sei seit lan­ger Zeit kons­tant, ziel­ge­rich­tet im Sinne eines Ver­bleibs bei den Pfle­ge­eltern und auch fun­diert. Auf Nach­fra­ge hat der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 ein­räu­men müs­sen, dass man von einem Kind in einem Alter von M als Be­grün­dung nicht mehr als eine pau­scha­le Ab­leh­nung er­war­ten könne. Diese Ein­schät­zung wird auch der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ge­recht, nach der ein vom Kind kund ge­ta­ner Wille Aus­druck von Bin­dun­gen sein kann und eine ge­fühls­mä­ßi­ge Bin­dung ge­ra­de von einem Kind nicht immer ra­tio­nal er­fasst und be­grün­det wer­den kann, weil diese ge­fühls­mä­ßi­ge Bin­dung ein in­ne­res Fak­tum ist (vgl. BVerfG FamRZ 2008, 1737, 1738). Der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 hat fer­ner keine rea­lis­ti­sche, prak­tisch um­setz­ba­re Lö­sung auf­zei­gen kön­nen, wie es doch noch ge­lin­gen könn­te, den Wi­der­stand von M zu über­win­den. Er hat zwar er­klärt, dass die Haupt­auf­ga­be bei einer Rück­füh­rung von M darin be­ste­he, dass man ihr ver­mit­te­le, dass die Rück­füh­rung eine von ihr, M, zu be­wäl­ti­gen­de Auf­ga­be sei. Wie dies kon­kret um­ge­setzt wer­den kann an­ge­sichts des ve­he­men­ten Wi­der­stan­des auf Sei­ten von M, konn­te er aber letzt­lich auch nicht er­klä­ren. Er hat hier­zu zwar er­läu­tert, dass eine län­ge­re Phase von Um­gangs­kon­tak­ten in einem ge­schütz­ten Rah­men, also nicht im Haus­halt der Kin­des­mut­ter, er­for­der­lich ge­we­sen wäre. An­ge­sichts des ve­he­men­ten Wi­der­stan­des von M gegen Um­gangs­kon­tak­te und der To­tal­ver­wei­ge­rung am 25. Ja­nu­ar 2012 ist aber - auch für den Senat - nicht er­sicht­lich, wie wei­te­re Um­gangs­kon­tak­te - auch le­dig­lich an einem neut­ra­len Ort - funk­tio­nie­ren könn­ten. Der Ver­such des Se­nats, doch noch er­folg­reich Um­gangs­kon­tak­te zu ins­tal­lie­ren, muss nach al­le­dem als ge­schei­tert an­ge­se­hen wer­den.

Fer­ner sind sich beide Sach­ver­stän­di­gen da­rü­ber einig, dass mitt­ler­wei­le keine er­kenn­ba­ren Bin­dun­gen von M zur leib­li­chen Mut­ter, d. h. zur An­trag­stel­le­rin, mehr vor­han­den sind. Das be­urteilt auch der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 nicht an­ders. Der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 hat so­wohl in sei­ner "me­tho­den­kri­ti­schen Stel­lung­nah­me" vom 17. April 2012 (Bl. 1056 ff. GA, dort Seite 8 der Stel­lung­nah­me, Bl. 1062 GA) als auch im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 über­zeu­gend er­klärt, dass kei­ner­lei er­kenn­ba­re Bin­dung des Kin­des M zu ihrer leib­li­chen Mut­ter mehr be­ste­he. Auch der Um­gangs­pfle­ger, Herr C, hat im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 glaub­haft er­klärt, dass bei den Um­gangs­kon­tak­ten, die er be­glei­tet habe, keine Be­zie­hung zwi­schen Mut­ter und Kind er­kenn­bar ge­wor­den sei. Qua­li­ta­tiv sei der Kon­takt von M zur An­trag­stel­le­rin nicht an­ders ge­we­sen als auch zu jeder an­de­ren Per­son.

Wei­ter­hin be­steht Ei­nig­keit zwi­schen den bei­den Sach­ver­stän­di­gen da­rü­ber, dass eine ganz enge emo­tio­na­le Be­zie­hung des Kin­des M zu ihren Pfle­ge­eltern be­steht, bei denen M seit mitt­ler­wei­le rund fünf Jah­ren lebt.

Zu dem ge­ra­de ge­nann­ten Ge­sichts­punkt hat die Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. Q, deren hohe Sach­kun­de und Zu­ver­läs­sig­keit dem Senat aus einer Viel­zahl von Ver­fah­ren be­kannt ist, wei­ter­hin über­zeu­gend er­klärt, dass mitt­ler­wei­le eine Bin­dung von M zu ihren Pfle­ge­eltern ent­stan­den ist, die un­um­kehr­bar ge­wor­den sei. Dies sei nicht nur dem Zeit­ab­lauf - von hier rund fünf Jah­ren - ge­schul­det, son­dern auch den Rah­men­be­din­gun­gen in den bei­den Fa­mi­lien, d. h. der Pfle­ge­fa­mi­lie und der Her­kunfts­fa­mi­lie. Hier­zu hat die Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. Q nach­voll­zieh­bar er­klärt, dass die Rah­men­be­dingun­gen in der Her­kunfts­fa­mi­lie nicht nur nicht op­ti­mal sind, son­dern sogar so sind, dass es im Falle einer Rück­füh­rung von M mit ganz weit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit zu einer un­mit­tel­ba­ren, nach­hal­ti­gen und schwe­ren see­li­schen Ge­fähr­dung des Kin­des kom­men würde. Dies gelte ins­be­son­de­re des­halb, weil das Er­zie­hungs­kon­zept der An­trag­stel­le­rin und auch das ihres Le­bens­ge­fähr­ten über­haupt nicht mit der bis­he­ri­gen Ent­wick­lung und Er­zie­hung von M in Ein­klang zu brin­gen sei. Wäh­rend M von ihren Pfle­ge­eltern mit Res­pekt er­zo­gen wor­den und ihr bei­ge­bracht wor­den sei, dass ihre Mei­nung ge­hört werde, herr­sche in der Her­kunfts­fa­mi­lie der An­trag­stel­le­rin ein ganz an­de­rer Er­zie­hungs­stil, näm­lich ein Er­zie­hungs­stil, der macht­mo­ti­viert sei und bei dem Fein­füh­lig­keit und Emp­at­hie­fä­hig­keit feh­len wür­den. Die Macht­mo­ti­vier­theit des Er­zie­hungs­stils in der Her­kunfts­fa­mi­lie werde u. a. ein­drucks­voll durch be­stimm­te - un­strei­ti­ge - Äu­ße­run­gen be­legt, bei­spiels­wei­se durch Äu­ße­run­gen mit dem In­halt, "M sei noch nicht er­klärt wor­den, wo die 'Be­fehls­ge­walt' liege und dass sie diese zu ak­zep­tie­ren habe." Ein vor­zei­ti­ger Ab­bruch der Bin­dun­gen von M zu ihren Pfle­ge­eltern führe vor­lie­gend daher ganz si­cher zu einer ele­men­ta­ren Er­schüt­te­rung und exis­ten­ziel­len Ver­un­si­che­rung bei M.

Aus­ge­hend von den o. g. Kri­te­rien - ve­he­men­ter ab­leh­nen­der Kin­des­wil­le; keine Bin­dun­gen mehr zur Kin­des­mut­ter; ganz enge Bin­dung des Kin­des zu den Pfle­ge­eltern -, hin­sicht­lich derer Über­ein­stim­mung auch zwi­schen den bei­den Sach­ver­stän­di­gen be­steht, ist der Senat zwei­fels­frei davon über­zeugt, dass im vor­lie­gen­den Fall die Tren­nung des Kin­des von sei­nen Pfle­ge­eltern mit ganz über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit er­heb­li­che psy­chi­sche Schä­di­gun­gen nach sich zie­hen würde und die­ses im vor­lie­gen­den Fall ganz er­heb­li­che Ri­si­ko für M nicht mehr hin­nehm­bar ist. In­so­weit folgt der Senat voll­um­fäng­lich den über­zeu­gen­den Er­klä­run­gen der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q in ihrem schrift­li­chen Gut­ach­ten vom 14. Feb­ru­ar 2012 (Bl. 889 ff. GA), auf das zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen Bezug ge­nom­men wird, sowie den Er­läu­te­run­gen der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q in dem An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012. Das von der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q ge­fun­de­ne Er­geb­nis wird letzt­lich auch nicht durch die Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 in sei­nem schrift­li­chen Gut­ach­ten vom 14. Ok­to­ber 2011 und im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 in Frage ge­stellt.

Die Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. Q hat zu­nächst über­zeu­gend er­klärt, dass die Pfle­ge­eltern für M auf­grund ihres über zwei Drit­tel der kind­li­chen Le­bens­span­ne zu­ver­läs­sig ver­füg­ba­ren, fein­füh­li­gen Für­sor­ge­ver­hal­tens ihre fak­ti­schen El­tern dar­stel­len, dass ein vor­zei­ti­ger Ab­bruch die­ses per­son­zen­trier­ten, in­ter­ak­ti­ven psy­chi­schen Wachs­tums­pro­zes­ses, der den Iden­ti­tät stif­ten­den Cha­rak­ter einer El­tern-Kind-Be­zie­hung be­grün­de, vor­lie­gend eine ele­men­ta­re Er­schüt­te­rung und exis­ten­ziel­le Ver­un­si­che­rung Ms be­deu­te. Die Ve­he­menz der Wil­lens­äu­ße­rung Ms, bei den Pfle­ge­eltern blei­ben zu wol­len, kor­res­pon­die­re di­rekt mit der In­ten­si­tät ihrer Ver­lust­angst, was auch durch ihre Be­reit­schaft, in­ten­siv für den Er­halt der Bin­dung zu ihren Pfle­ge­eltern zu kämp­fen, deut­lich be­legt werde. M habe, was für den Senat ohne Wei­te­res nach­voll­zieh­bar ist, die Angst schutz­los zu sein, was ge­ra­de zur Be­reit­schaft führe, in­ten­siv für den Er­halt die­ser Bin­dung zu kämp­fen. Dabei kommt im vor­lie­gen­den Fall noch der Um­stand hinzu, dass die An­trag­stel­le­rin - nach den glaub­haf­ten Be­kun­dun­gen der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 die­ser gegen­über im Rah­men der Ex­plo­ra­tion - er­klärt hat, sie wolle im Falle einer Rück­füh­rung von M in die Her­kunfts­fa­mi­lie die Kon­tak­te zu den Pfle­ge­eltern so­fort kap­pen.

Die Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. Q hat fer­ner über­zeu­gend er­läu­tert, dass be­reits heute Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten und Per­sön­lich­keits­ver­än­de­run­gen fest­zu­stel­len seien, die eine an­hal­ten­de Über­las­tung Ms psy­chi­scher Res­sour­cen be­le­gen. Sie hat er­klärt, dass in dem Falle, dass M er­fah­ren müss­te, dass ihre ein­dring­lich und au­then­tisch vor­ge­tra­ge­nen Wil­lens­äu­ße­run­gen nicht res­pek­tiert wür­den, dies mit einem Ge­fühl des hilf­lo­sen Aus­ge­lie­fert­seins ein­her gehe, das ihr ba­sa­les Ver­trau­en so­wohl in die Welt als auch in die ei­ge­ne Be­deu­tung darin lang­fris­tig zer­stö­ren würde. Diese Er­klä­rung über­zeugt den Senat voll­um­fäng­lich. Dies gilt, zumal auch der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych K2 bei sei­ner An­hö­rung am 9. No­vem­ber 2011 be­kun­det hat, dass man klar sagen müsse, dass hier wegen der ve­he­men­ten Ab­leh­nung von M die Ge­fahr einer Schä­di­gung des Kin­des be­ste­he.

Die Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. Q hat wei­ter­hin nach­voll­zieh­bar er­klärt, dass im Falle einer Rück­füh­rung von M in ihre Her­kunfts­fa­mi­lie an­ge­sichts der über­durch­schnitt­li­chen Reife von M, die M ein­drucks­voll auch den Se­nats­mit­glie­der bei ihrer An­hö­rung am 9. No­vem­ber 2011 unter Be­weis ge­stellt hat, durch den un­gleich frust­rie­ren­der er­leb­ten Kont­roll­ver­lust, der so­wohl ihr Selbst­ver­ständ­nis als auch ihr Selbst­wert­emp­fin­den um­fas­send in Frage stel­le, mit ganz be­son­de­ren Be­ein­träch­ti­gun­gen zu rech­nen sei. Es sei mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit eine kaum re­pa­rab­le schwe­re see­li­sche Be­ein­träch­ti­gung bei M zu er­war­ten. Dies werde u. a. auch durch die - un­strei­tig - ak­tu­ell wie­der auf­ge­tre­te­nen Auf­fäl­lig­kei­ten wie Schlaf- und Ess­stö­run­gen be­legt, die un­strei­tig auch sei­ner­zeit vor­han­den waren, als M zu ihren Pfle­ge­eltern kam. Ganz kon­kret sei mit weit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit mit De­pres­sio­nen oder auch Ag­gres­sio­nen bei M zu rech­nen. Es sei bei M, einem Kind mit über­durch­schnitt­li­cher Reife und einer hohen Kom­pe­tenz­über­zeu­gung, be­son­ders prob­le­ma­tisch, den Kin­des­wil­len zu bre­chen. In die­sem Falle würde ihre Auto­no­mie­ent­wick­lung ganz er­heb­lich ge­schä­digt; es würde sich ins­be­son­de­re das Ge­fühl der er­lern­ten Hilf­lo­sig­keit ver­fes­ti­gen. Es be­ste­he schließ­lich die er­heb­li­che Ge­fahr einer Trau­ma­ti­sie­rung von M im Falle ihrer Rück­füh­rung in ihre Her­kunfts­fa­mi­lie.

Diese Aus­füh­run­gen wer­den - wie er­wähnt - im Er­geb­nis auch nicht durch die Stel­lung­nah­me des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 in Frage ge­stellt. Der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 hat nicht die von der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q über­zeu­gend er­klär­te über­durch­schnitt­li­che Reife des Kin­des und des­sen hohe Kom­pe­tenz­über­zeu­gung in Ab­re­de ge­stellt. Er hat auch nicht die von der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q zi­tier­ten Äu­ße­run­gen (s. o.), die - nach Auf­fas­sung des Se­nats zu­ver­läs­sig - einen macht­mo­ti­vier­ten Er­zie­hungs­stil be­le­gen, be­strit­ten und be­strei­ten kön­nen, son­dern diese Äu­ße­run­gen für sin­gu­lä­re Äu­ße­run­gen ge­hal­ten. Diese Be­wer­tung teilt der Senat aber auf­grund der Ex­plo­ra­tion der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q und ihren Er­läu­te­run­gen im An­hö­rungs­ter­min nicht.

Der Senat ist auch si­cher davon über­zeugt, dass im vor­lie­gen­den Fall keine hin­rei­chen­den Schutz­fak­to­ren vor­han­den sind, wel­che die auf­ge­zeig­te er­heb­li­che Ge­fähr­dung ab­wen­den könn­ten. Hier­zu gilt:

Nach den über­zeu­gen­den Er­klä­run­gen der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q ist eine Ge­schwis­ter­bin­dung man­gels ge­leb­ter All­tags­er­fah­run­gen nicht mehr vor­han­den. Dies über­zeugt den Senat voll­um­fäng­lich, zumal Um­gangs­kon­tak­te - in Be­glei­tung der Ge­schwis­ter - und Kon­tak­te im Rah­men der hier er­folg­ten Ex­plo­ra­tio­nen - nur noch spo­ra­disch statt­ge­fun­den haben. Zudem hat selbst der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 bei sei­ner An­hö­rung am 6. Juni 2012 über­zeu­gend er­klärt, dass die Ge­schwis­ter M wie­der an ihre - ve­he­ment ab­ge­lehn­te - Her­kunfts­fa­mi­lie er­in­nern wür­den. Fer­ner hat der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 ein­räu­men müs­sen, er könne letzt­lich nicht die Frage be­ant­wor­ten, ob die Ge­schwis­ter­bin­dung M auf­fan­gen würde. Zu der Frage der Ge­schwis­ter­bin­dung be­durf­te es auch kei­ner er­gän­zen­den Ex­plo­ra­tion der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q. Aus der - von der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q aus­ge­wer­te­ten - Ex­plo­ra­tion des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 er­gibt sich le­dig­lich, dass die Ge­schwis­ter mit­ei­nan­der ver­trau­ens­voll ge­spielt haben, mehr aber nicht. Dem­ent­spre­chend ist die Schluss­fol­ge­rung der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q nicht zu be­an­stan­den, dass die ak­tu­el­le Bin­dung Ms zu ihren Ge­schwis­tern nicht über die Be­deu­tung viel­fäl­ti­ger kind­li­cher Spiel­be­zie­hun­gen hi­naus­ge­he.

Fer­ner ist der Senat nach den über­zeu­gen­den Er­klä­run­gen der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q und dem Er­geb­nis ihrer Be­ob­ach­tun­gen in der Ex­plo­ra­tion zwei­fels­frei davon über­zeugt, dass die An­trag­stel­le­rin nicht die hier er­for­der­li­che ge­stei­ger­te Er­zie­hungs­fä­hig­keit für eine Rück­füh­rung von M in ihrem Haus­halt hat, d.h. ins­be­son­de­re ein Höchst­maß an Em­pa­thie, eine be­stän­di­ge, in­ten­si­ve emo­tio­na­le Ver­füg­bar­keit und ein in­tui­ti­ves Ver­ständ­nis kind­li­cher Bin­dungs­be­dürf­nis­se, und somit M auch nicht den ge­bo­te­nen psy­chi­schen Halt geben kann, der für eine Rück­füh­rung von M in den Haus­halt der An­trag­stel­le­rin un­be­dingt er­for­der­lich wäre. Dies gilt, zumal M - wie im Ver­lauf des ge­sam­ten Ver­fah­rens und auch in der Ex­plo­ra­tion der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q deut­lich ge­wor­den ist - eine hoch ab­leh­nen­de Hal­tung gegen­über der An­trag­stel­le­rin als Bin­dungs­per­son hat.

Der Auf­fas­sung des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2, aus der - sei­ner Auf­fas­sung nach ge­lun­ge­nen - Rück­füh­rung des Kin­des M5 sei die Schluss­fol­ge­rung zu zie­hen, dass auch eine Rück­füh­rung von M ohne über­wie­gen­de Kin­des­wohl­ge­fähr­dung ge­sche­hen könne, ver­mag der Senat sich nicht an­zu­schlie­ßen. Der Senat hat be­reits er­heb­li­che Zwei­fel daran, ob die Rück­füh­rung von M5 tat­säch­lich - (schon des­halb) ge­lun­gen ist, weil M5 - so der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 - sich "un­auf­fäl­lig" ver­hält, und ob ein un­auf­fäl­li­ges Ver­hal­ten tat­säch­lich der Maß­stab für eine ge­lun­ge­ne Rück­füh­rung ist. Letzt­lich kann dies aber auch offen blei­ben. Es ist je­den­falls so, dass M5 und M un­strei­tig einen völ­lig unter­schied­li­chen Cha­rak­ter haben. M be­sitzt - mög­li­cher­wei­se auch be­dingt durch ihren Auf­ent­halt bei den Pfle­ge­eltern - eine deut­lich über dem Al­ters­durch­schnitt lie­gen­de Reife und stellt be­reits jetzt im All­tag sehr hohe An­for­de­run­gen an die per­sön­li­chen Vo­raus­set­zun­gen und das er­zie­he­ri­sche Ge­schick ihrer engs­ten Be­zugs­per­so­nen. Schließ­lich ist der Ver­gleich zu M5 nach Auf­fas­sung des Se­nats des­halb ver­fehlt, weil M5 so­wohl bei der In­ob­hut­nah­me (etwas) als auch bei Rück­füh­rung (er­heb­lich) jün­ger war als M und M5 nicht an­nä­hernd so lange in der Pfle­ge­fa­mi­lie ge­lebt hat wie M. Nach al­le­dem kön­nen aus der - mög­li­cher­wei­se ge­lun­ge­nen - Rück­füh­rung von M5 keine zu­ver­läs­si­gen Schluss­fol­ge­run­gen für eine Rück­füh­rung von M ge­zo­gen wer­den.

Schließ­lich wird das von der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q ge­fun­de­ne Er­geb­nis, dem der Senat voll­um­fäng­lich folgt, nicht durch die - ab­wei­chen­de - Be­ur­tei­lung des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2, ins­be­son­de­re in sei­nem schrift­li­chen Gut­ach­ten vom 14. Ok­to­ber 2011, in Frage ge­stellt, dass im Falle einer Rück­füh­rung von M in der Haus­halt der An­trag­stel­le­rin nicht mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit eine schwe­re und nach­hal­ti­ge Kin­des­wohl­ge­fähr­dung zu er­war­ten sei. Im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 ist näm­lich deut­lich ge­wor­den, dass der Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. K2 bei der Be­ant­wor­tung der Frage, ob im Falle einer Rück­füh­rung des Kin­des in die Her­kunfts­fa­mi­lie mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit eine schwe­re und nach­hal­ti­ge Schä­di­gung der kör­per­li­chen, geis­ti­gen oder see­li­schen Wohl­be­fin­dens des Kin­des zu er­war­ten sei, von einem - nicht zu­tref­fen­den - Be­griff der über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit aus­ge­gan­gen ist. Er hat eine über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit im Er­geb­nis gleich ge­setzt mit Ge­wiss­heit. Er hat näm­lich er­klärt, dass Wahr­schein­lich­kei­ten da­hin­ge­hend her­zu­lei­ten seien, dass man ein Ge­lin­gen aus­schlie­ßen müsse, um von einer über­wie­gen­den Ge­fähr­dung aus­zu­ge­hen. Bei Zu­grun­de­le­gung die­ses Maß­sta­bes sehe er keine über­wie­gen­de Ge­fähr­dung des Kin­des­wohls. Ein sol­cher Maß­stab wird dem Ver­ständ­nis von § 1632 Abs. 4 BGB aber nicht ge­recht (vgl. dazu nur BVerfG FamRZ 2010, 865 - Tz. 35).

3.Auch die vom Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 in sei­ner "me­tho­den­kri­ti­schen Stel­lung­nah­me" vom 17. April 2012 ge­äu­ßer­te Kri­tik an dem Gut­ach­ten der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q greift im Er­geb­nis nicht durch. Hier­zu gilt:

Es ist grund­sätz­lich dem Sach­ver­stän­di­gen zu über­las­sen, auf wel­chem Wege und auf wel­chen Grund­la­gen er sein Gut­ach­ten er­stellt. Daher sind Um­fang der - ggf. fremd­anam­nes­ti­schen - Er­he­bung, die Aus­wahl und In­ter­pre­ta­tion der ent­schei­dungs­re­le­van­ten Daten sowie die Dar­stel­lungs­form der fach­li­chen Kom­pe­tenz des Sach­ver­stän­di­gen über­las­sen, so­weit er sich hier­bei auf den Stand der Wis­sen­schaft be­zieht. Dabei ist au­ßer­dem zu be­rück­sich­ti­gen, dass es in der Psy­cho­lo­gie keine ge­ne­ra­li­sie­ren­den Theo­ri­en, Me­tho­den und stan­dar­di­sier­te Ver­fah­ren gibt, die jedem Ein­zel­fall vol­lends ge­recht wer­den kön­nen. Grund­sätz­lich kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sich das Gut­ach­ten auf Ak­ten­in­halt, Ge­sprä­che mit den Be­tei­lig­ten, Ver­hal­tens­be­ob­ach­tun­gen und - so­weit er­for­der­lich - auf test­psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen stüt­zen soll­te. Letz­te­re kön­nen in­des­sen für sich ge­nom­men nie­mals un­an­zwei­fel­ba­re Er­geb­nis­se her­vor­brin­gen, weil sich in­ner­psy­chi­sches Ge­sche­hen der di­rek­ten Be­ob­ach­tung na­tur­ge­mäß ent­zieht (vgl. zu al­le­dem nur BGH FamRZ 1999, 1649; OLG Saar­brü­cken, Be­schluss vom 13.10.2011, 6 UF 108/11- zi­tiert nach Juris; OLG Jena FamRZ 2011, 1070). Die­sen An­for­de­run­gen ge­nügt hier das Gut­ach­ten der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q voll­um­fäng­lich.

Wie ge­ra­de aus­ge­führt, gibt es keine stan­dar­di­sier­ten Ver­fah­ren für Gut­ach­ten der hier in Rede ste­hen­den Art. Die Ver­wen­dung der pro­jek­ti­ven Test­ver­fah­ren ist nicht zu be­an­stan­den.

Auch ist es - ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 - un­er­heb­lich, dass Datums- und Zeit­an­ga­ben in dem Gut­ach­ten der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q zu­sam­men­fas­send auf­ge­führt sind. Denn es kommt nicht ent­schei­dend da­rauf an, zu wel­chem ge­nau­en Zeit­punkt wel­che In­hal­te be­spro­chen sind, zumal die von der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q wie­der­ge­ge­be­nen Äu­ße­run­gen und Be­ob­ach­tun­gen von kei­nem Be­tei­lig­ten in Ab­re­de ge­stellt wor­den sind.

Fer­ner ist nicht er­sicht­lich, dass die Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. Q von feh­ler­haf­ten An­knüp­fungs­tat­sa­chen aus­ge­gan­gen wäre. Ins­be­son­de­re trifft die An­nah­me des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 nicht zu, dass die Pfle­ge­eltern die Be­en­di­gung eines drit­ten Pfle­ge­ver­hält­nis­ses - Be­en­di­gung des Pfle­ge­ver­hält­nis­ses zu M, M5 und M7 - an­stre­ben. Bei M5 haben die Pfle­ge­eltern, wie im An­hö­rungs­ter­min am 6. Juni 2012 er­ör­tert und sogar von der An­trag­stel­le­rin nicht be­strit­ten wor­den ist, le­dig­lich eine mehr­wö­chi­ge "Ur­laubs­ver­tre­tung" der Pfle­ge­eltern von M5 wahr­ge­nom­men; ein "drit­tes Pfle­ge­ver­hält­nis" hat es also nicht ge­ge­ben. Zudem haben die Pfle­ge­eltern in bei­den An­hö­rungs­ter­mi­nen glaub­haft be­kun­det, dass sie ent­ge­gen der Ver­mu­tung des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 keine Be­en­di­gung des Pfle­ge­ver­hält­nis­ses zu M an­stre­ben; viel­mehr be­legt ihr En­ga­ge­ment in die­sem Ver­fah­ren, dass genau das Ge­gen­teil der Fall ist.

Schließ­lich führt der Um­stand, dass die Sach­ver­stän­di­ge Dipl.-Psych. Q teil­wei­se zu an­de­ren Schluss­fol­ge­run­gen ge­langt, nicht zur Feh­ler­haf­tig­keit ihres Gut­ach­tens. Viel­mehr sind, wie be­reits er­ör­tert, die Er­klä­run­gen der Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. Q voll­um­fäng­lich über­zeu­gend. Das ab­wei­chen­de Er­geb­nis des Sach­ver­stän­di­gen Dipl.-Psych. K2 ist zudem maß­geb­lich davon be­ein­flusst wor­den, dass die­ser hier einen un­zu­tref­fen­den Be­griff der über­wie­gen­den Wahr­schein­lich­keit zu­grun­de ge­legt hat. Letz­te­res ist aber eine Rechts­fra­ge, die der Senat zu be­ant­wor­ten hat.

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 81 FamFG. Der Senat hat von der Er­he­bung von Ge­richts­kos­ten ab­ge­se­hen und die Er­stat­tung au­ßer­ge­richt­li­cher Kos­ten wegen der ge­bo­te­nen wei­te­ren Er­mitt­lun­gen in der Be­schwer­de­ins­tanz nicht an­ge­ord­net.

Die Fest­set­zung des Ver­fah­rens­wer­tes be­ruht auf § 45 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 3 FamGKG.

Rechts­be­helfs­be­leh­rung:

Die Rechts­be­schwer­de ist nicht zu­zu­las­sen, weil die Rechts­sa­che keine grund­sätz­li­che Be­deu­tung hat und auch die Fort­bil­dung des Rechts oder die Si­che­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung eine Ent­schei­dung des Rechts­be­schwer­de­ge­richts nicht er­for­dert (§ 70 Abs. 2 FamFG).

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