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OLG Köln · Urteil vom 14. September 1999 · Az. 22 U 30/99

Informationen zum Urteil

  • Gericht:

    OLG Köln

  • Datum:

    14. September 1999

  • Aktenzeichen:

    22 U 30/99

  • Typ:

    Urteil

  • Fundstelle:

    openJur 2011, 80480

  • Verfahrensgang:

    7 O 368/96 vorher

Tenor

I. Auf die Berufungen der Beklagten zu 1) und 2) und auf die Anschlußberufung der Klägerin wird - unter Zu-rückweisung der jeweils weitergehenden Berufungen -das Urteil des Landgerichts Bonn vom 17.12.1998 - 7 0 368/96 - teilweise abgeändert und insgesamt, wie folgt, neu gefaßt:1. Die Beklagten werden als Gesamtschuldner verurteilt, an die Klägerin 78.087,18 DM nebst Zinsen in Höhe von5,75 % vom 16.5.1996 bis zum 30.10.1996,5 % vom 31.10.1996 bis zum 29.1.1997,4 % vom 30.1.1997 bis zum 17.4.1997,4,6 % vom 18.4.1997 bis zum 11.3.19984,3 % vom 12.3.1998 bis zum 27.8.19984 % seit dem 28.8.1998zu zahlen.2. Es wird festgestellt, daß die Beklagten gesamtschuldnerisch verpflichtet sind, der Klägerin allen weiteren Schaden zu ersetzen, der wegen der mangelhaften Planung der vollverglasten süd-westlichen Fassade des Bürogebäudes des Bauvorhabens "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" nach dem 11.12.1997 entstanden ist und noch entstehen wird.3. Im übrigen wird die Klage abgewiesen. II. Die Kosten des Rechtsstreits in beiden Instanzen ein-schließlich der Kosten des selbständigen Beweisverfahrens 7 OH 8/95 LG Bonn tragen die Beklagten als Gesamtschuldner. III. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. Die Beklagten können die Vollstreckung durch die Klägerin durch Sicherheitsleistung in Höhe von 130.000,-- DM abwenden, wenn nicht die Klägerin vor der Vollstreckung Sicherheit in gleicher Höhe leistet. Die jeweilige Sicherheit kann auch durch selbstschuldnerische Bürgschaft einer deutschen Großbank, der Deutschen Bundesbank oder einer öffentlich-rechtlichen Sparkasse erbracht werden.

Gründe

 

Die Klägerin ist Eigentümerin und

Bauherrin des Objekts "Haus der Geschichte der Bundesrepublik

Deutschland" in der A.allee in B.. Das hierzu gehörende nach

Südwesten ausgerichtete Verwaltungsgebäude hat eine vollverglaste

Fassade, hinter der sich Büroräume befinden.

Mit Ingenieurvertrag vom 13.4.1998

wurde die Beklagte zu 1) von der Klägerin mit der Durchführung

verschiedener Fachingenieurleistungen, unter anderem betreffend den

Wärmeschutz des Gebäudes beauftragt. Wegen des Inhalts des

Vertrages im einzelnen wird auf die Ablichtungen Bl. 8 ff. des

selbständigen Beweisverfahrens 7 OH 8/95 LG Bonn Bezug

genommen.

Die Beklagten zu 2) wurden mit

Architektenvertrag vom 16.3.1989 mit dem Ausarbeiten von

Ausführungsunterlagen als Teil der Grundleistungen der

Leistungsphasen 3 und 4, den Grundleistungen der Leistungsphasen 5,

6, 7 (teilweise) und 8 (teilweise) beauftragt. Wegen der

Einzelheiten der vertraglichen Vereinbarungen wird auf den Inhalt

des Vertrages Bl. 23 ff. der Akten des selbständigen

Beweisverfahrens Bezug genommen.

Die Baumaßnahme wurde jedenfalls im

wesentlichen entsprechend den planerischen Vorgaben der Beklagten

zu 2) unter Berücksichtigung der von der Beklagten zu 1) in ihrem

Beitrag zur H.-Bau und ihrem an die Klägerin gerichteten Telefax

vom 6.3.1999 genannten Anforderungen zur Verwirklichung eines

effektiven Wärmeschutzes ausgeführt; zwischen den Parteien ist

streitig, ob die Sonnenschutzmarkisen entsprechend der Planung

ausgeführt wurden.

Nach Fertigstellung des Gebäudes und

Óbergabe an den Nutzer wurden an die Klägerin Beschwerden über zu

hohe Raumtemperaturen herangetragen. Das von der Klägerin in

Auftrag gegebene Privatgutachten zur Klärung der Ursachen und

Verantwortlichkeiten hierfür sowie zu Art und Umfang möglicher

Sanierungsmaßnahmen kam zu dem Ergebnis, daß die Anforderungen der

DIN 4108 Teil II zum sommerlichen Wärmeschutz nicht erfüllt seien

und zur Sanierung ein Austausch der vorhandenen Verglasung gegen

Sonnenschutzglas zu erfolgen habe. Da die Beklagten nach Vorlage

des Privatgutachtens einen Planungsmangel nicht anerkannten,

leitete die Klägerin das selbständige Beweisverfahren 7 OH 8/95 LG

Bonn ein. Wegen der Einzelheiten der in jenem Verfahren getroffenen

der Feststellungen des Sachverständigen Professor Dr. K. wird auf

den Inhalt des Gutachtens vom 17.12.1995 (Bl. 135 - 151 der

Beiakten) Bezug genommen.

Die Klägerin ließ die Verglasung gegen

Sonnenschutzglas austauschen. Zur Ermittlung des Schadens stellte

sie eigene Mitarbeiter ab, für deren Tätigkeit sie einen Aufwand in

Höhe von 3.563,89 DM berechnet. Die Planungs- und

Aufsichtsleistungen beim Austausch der Verglasung führte die

Klägerin durch eigenes Personal durch. Für diese Arbeiten macht sie

ein Architektenhonorar in Höhe von 4.158,10 DM geltend.

Insgesamt hat die Klägerin von den

Beklagten Ersatz folgender Kosten verlangt:

Kosten Verglasungaustausch 78,815,65

DM

Gutachterkosten 21.240,50 DM

Aufwendungen Schadensermittlung

3.563,89 DM

Eigene Planungs- und Aufsichts-

Leistungen 4.158,10 DM

Abzüglich Sowieso-Kosten

eingebautes Isolierglas - 26.127,07

DM

insgesamt: 81.651,07 DM

Die Klägerin hat behauptet, die

Innentemperaturen in dem Verwaltungsgebäude seien an mehreren Tagen

derart angestiegen, daß die Räume zu Arbeitszwecken kaum noch zu

nutzen gewesen seien. Hierfür sei die mangelhafte Werkleistung der

Beklagten ursächlich. Die Anforderungen der DIN 4108 Teil II

"Sommerlicher Wärmeschutz" seien nicht beachtet worden. Das Objekt

sei fälschlicherweise der Kategorie "erhöhte natürliche Belüftung

vorhanden" zugeordnet worden, die Innenbauart sei unzutreffend als

"schwer" eingestuft worden, zudem sei den Sonnenschutzvorrichtungen

ein zu hoher Abminderungsfaktor "z" im Sinne der DIN beigemessen

worden.

Aufgrund der Ausführungen des vom

Landgericht im vorliegenden Verfahren beauftragten Sachverständigen

Professor N. in seinem Gutachten vom 11.12.1997 hat die Klägerin

die Klage um den Feststellungsantrag zu Ziffer 2) erweitert.

Die Klägerin hat beantragt,

1.

 

die Beklagten als Gesamtschuldner zu

verurteilen, an sie 81.651,07 DM nebst 5,75 % Zinsen seit dem

16.5.1996 zu zahlen.

 

2.

 

festzustellen, daß die Beklagten als

Gesamtschuldner verpflichtet sind, der Klägerin allen weiteren

Schaden zu ersetzen, der auf die mangelhafte Planung der

vollverglasten südwestlichen Fassade des Bürogebäudes des

Bauvorhabens "Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland"

hin entstanden ist und künftig noch entsteht.

Die Beklagten zu 1) und 2) haben

beantragt,

die Klage abzuweisen.

Die Beklagten haben behauptet, die

Einstufung als "erhöhte natürliche Belüftung vorhanden" sei in

Absprache mit dem Mitarbeiter G. der Klägerin vorgenommen worden.

Eine solche sei auch tatsächlich durchführbar. Ein Mangel des

Gebäudes wegen angeblich zu hoher Temperaturen liege im übrigen

nicht vor. Die Berechnungen der Beklagten zu 1) entsprechend der

DIN 4108 II seien zutreffend.

Die Beklagten zu 2) haben darüberhinaus

die Ansicht vertreten, sie seien für etwaige Fehler in den Vorgaben

der Beklagten zu 1) nicht verantwortlich, solche seien für sie

nicht erkennbar gewesen.

Das Landgericht hat nach Einholung

schriftlicher Gutachten des Sachverständigen Professor N. und

Vernehmung der Zeugen G. und F. durch Urteil vom 17.12.1998, auf

dessen Inhalt einschließlich seiner Verweisungen Bezug genommen

wird, die Beklagten als Gesamtschuldner verurteilt, an die Klägerin

73.929,08 DM nebst 5,75 % Zinsen seit dem 16.5.1996 als Ersatz der

Kosten des Verglasungsaustauschs und der Einholung des

Privatgutachtens zu zahlen. Im übrigen hat es die Klage abgewiesen.

Zur Begründung hat es im wesentlichen ausgeführt, sowohl die

Planungsleistungen der Beklagten zu 1) als auch die Leistungen der

Beklagten zu 2) als Architekten seien im Hinblick auf den

sommerlichen Wärmeschutz mangelhaft. Ein Anspruch auf Ersatz ihrer

eigenen Aufwendungen zur Schadensermittlung und -beseitigung stehe

der Klägerin demgegenüber nicht zu. Der Feststellungsantrag sei

unzulässig, da der Klägerin der einfachere Weg der Leistungsklage

zur Verfügung stehe.

Gegen dieses ihnen jeweils am

28.12.1998 zugestellte Urteil haben die Beklagten zu 1) und zu 2)

jeweils am 28.1.1999 Berufung eingelegt, die die Beklagte zu 1) am

3.5.1999 und die Beklagte zu 2) am 26.4.1999 - und zwar nach

jeweiliger entsprechender Verlängerung der

Berufungsbegründungsfrist - begründet haben.

Die Klägerin hat gegen das ihr am

4.1.1999 zugestellte Urteil am 3.2.1999 Berufung eingelegt, die sie

nach entsprechender Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist am

3.5.1999 begründet hat.

Mit ihren Berufungen begehren die

Beklagten die Abweisung der Klage insgesamt. Die Klägerin verfolgt

mit ihrer Berufung den Anspruch auf Erstattung fiktiven

Architektenhonorars für die von ihr selbst vorgenommenen Planungs-

und Aufsichtsleistungen beim Austausch des Fensterglases sowie

ihren Feststellungsantrag weiter.

Die Beklagten zu 1) und 2) wiederholen

und vertiefen ihr erstinstanzliches Vorbringen. Sie meinen, das

Gutachten des Sachverständigen Prof. N. sei nicht brauchbar, da er

weder die Berechnungen nach der DIN 4108 II nachvollzogen noch

konkrete Feststellungen, insbesondere aufgrund von Messungen, zu

den im Gebäude auftretenden Temperaturen getroffen habe. Auch die

Verantwortlichkeit der jeweiligen Beklagten für den Mangel sei

nicht geklärt. Im übrigen liege ein überwiegendes Mitverschulden

der fachkundigen Klägerin vor.

Die Beklagte zu 2) meint darüberhinaus,

die Klägerin müsse sich ein etwaiges mitwirkendes Verschulden der

Beklagten zu 1) zurechnen lassen, zudem die Fehlinformation durch

ihren Mitarbeiter G. über die "erhöhte natürliche Belüftung".

Die Berufung der Klägerin halten die

Beklagten für unbegründet; sie wiederholen und vertiefen hierzu im

wesentlichen ihr erstinstanzliches Vorbringen.

Die Beklagten beantragen,

1.

 

unter teilweiser Abänderung des

angefochtenen Urteils die Klage insgesamt abzuweisen,

 

2.

 

die Berufung der Klägerin

zurückzuweisen,

 

3.

 

ihnen zu gestatten, eine etwaige

Sicherheitsleistung auch durch Bürgschaft einer deutschen Großbank

oder öffentlichrechtlichen Sparkasse erbringen zu dürfen.

Die Klägerin beantragt,

 

1.

die Berufungen der Beklagten

zurückzuweisen,

 

2.

 

unter teilweiser Abänderung des

erstinstanzlichen Urteils

 

a)

 

festzustellen, daß die Beklagten

gesamtschuldnerisch verpflichtet sind, der Klägerin allen weiteren

Schaden zu ersetzen, der wegen der mangelhaften Planung der

vollverglasten südwestlichen Fassade des Bürogebäudes "Haus der

Geschichte der Bundesrepublik Deutschland" nach dem 11.12.1997

entstanden ist und noch entstehen wird,

 

b) die Beklagten gesamtschuldnerisch

zur Zahlung weiterer 4.158,10 DM nebst 5,75 % Zinsen seit dem

16.5.1996 zu verurteilen,

 

3.

 

der Klägerin nachzulassen, eventuelle

Sicherheiten durch Bürgschaft der Deutschen Bundesbank zu

erbringen.

Die Klägerin verteidigt zunächst im

Hinblick auf die Berufungen der Beklagten das erstinstanzliche

Urteil und stützt ihre Ausführungen insbesondere auf das Gutachten

des Sachverständigen N.. Zu ihrem Feststellungsantrag ist sie der

Auffassung, aufgrund der Schwierigkeiten der Ermittlung eines

hinreichenden Wärmeschutzes sei ihr nicht zuzumuten, wegen der

weiteren Schadensfolgen Leistungsklage zu erheben. Darüberhinaus

könne sie nach § 635 BGB den zur Mängelbeseitigung erforderlichen

Betrag und damit auch Ersatz der erforderlichen Kosten für die

Einschaltung eines Architekten verlangen.

Wegen der weiteren Einzelheiten des

Sach- und Streitstandes wird auf den vorgetragenen Inhalt der von

den Parteien gewechselten Schriftsätze und eingereichten Unterlagen

Bezug genommen. Die Akten des selbständigen Beweisverfahrens 7 OH

8/95 LG Bonn sind Gegenstand der mündlichen Verhandlung

gewesen.

Der Senat hat Beweis erhoben durch

Anhörung des Sachverständigen Prof. N. in der mündlichen

Verhandlung. Wegen des Ergebnisses der Beweisaufnahme wird auf die

Sitzungsniederschrift vom 10.08.1999 (Bl. 538-544 d.A.)

verwiesen.

E N T S C H E I D U N G S G R Ó N D

Die - zulässigen - Berufungen der

Beklagten haben in der Sache bis auf einen Teil des zugesprochenen

Zinssatzes keinen Erfolg, demgegenüber ist die - gleichfalls

zulässige - Berufung der Klägerin bis auf einen Teil des

geltendgemachten Zinssatzes begründet.

A. Berufungen der Beklagten zu 1) und zu 2)

I.

Der Klägerin steht der geltendgemachte

Anspruch auf Ersatz der Kosten für die Anbringung der

Sonnenschutzverglasung und der Einholung des Privatgutachtens der

Sachverständigen T. und O. in der vom Landgericht zugesprochenen

Höhe von insgesamt 73.929,08 DM gegen die Beklagten als

Gesamtschuldner gemäß §§ 635, 421 BGB zu.

Das Gebäude wies nämlich aufgrund des

nicht ausreichenden sommerlichen Wärmeschutzes einen erheblichen

Mangel auf, der auf einem von der Beklagten zu 1) zu vertretenden

Fehler bei der Ermittlung des erforderlichen Wärmeschutzes und der

ungeprüften Óbernahme der Berechnungen der Beklagten zu 1) durch

die Beklagte zu 2) beruht, obwohl dieser die fehlerhafte Ermittlung

der Vorgaben erkennbar war.

1.

Aufgrund der fehlerhaften Vorgaben der

Beklagten zu 1) ist nicht gewährleistet, daß bei längeren

Wärmeperioden im Sommer die Innentemperaturen in den Büroräumen des

Verwaltungstrakts nicht oder jedenfalls nicht wesentlich über die

Außentemperaturen ansteigen.

a)

Nach den überzeugenden Ausführungen des

Sachverständigen Prof. N. in seinem Gutachten vom 11.12.1997 (Bl.

203 ff.d.A.) und seinem Ergänzungsgutachten vom 29.7.1998 (Bl. 284

ff. d.A.) in Verbindung mit dem Ergebnis der mündlichen Anhörung

des Sachverständigen im Termin vor dem Senat vom 10.8.1999 ist das

Gebäude nach seiner Gesamtkonzeption nicht geeignet, hinreichenden

Wärmeschutz während einer heißen Sommerperiode zu gewährleisten.

Vielmehr steigen die Temperaturen im Inneren des Gebäudes während

einer solchen Periode kontinuierlich an und übersteigen nach

einigen Tagen, für die Benutzer deutlich spürbar, die

Außentemperaturen.

Dies beruht nach den ohne weiteres

einleuchtenden Ausführungen des Sachverständigen darauf, daß den

Besonderheiten des Gebäudes, nämlich der nach Südwesten gerichteten

Glasfassade, nicht durch Zusammenwirken und Optimierung

wesentlicher baulicher Elemente Rechnung getragen worden ist. Wände

und Decken der Büroräume haben, wie der Sachverständige im

einzelnen dargelegt hat, gemessen an den durch die Glasfassade und

den Sonnenlichteinfall bedingten Wärmeverhältnissen keine

hinreichende Speicherkapazität, um tagsüber die Wärme aufnehmen zu

können. Da eine Lüftung nachts bzw. in den frühen Morgenstunden

nicht durchgeführt werde und auch nicht durchgeführt werden könne,

insbesondere eine Querlüftung im Hinblick auf die Feuerschutztüren

an den die Büroräume begrenzenden Fluren nicht möglich sei, könnten

sich die vorhandenen Wärmespeicher nicht wieder entladen, um so am

nächsten Tag die Wärme wieder aufnehmen zu können. Hinzu komme, daß

das Gebäude jedenfalls nicht vollständig durch die Markisen

verschattet sei und zudem aufgrund der auf den Reinigungsgängen vor

der Fassade angebrachten Lochbleche eine ausreichende Kaminwirkung

hinter den Markisen (Abzug der warmen Luft von der Fassade nach

oben) nicht stattfinde. Davon abgesehen könne aber auch ein

100%iger Sonnenschutz durch entsprechende Verschattung im Hinblick

auf die mangelnde Speicherkapazität und Belüftungsmöglichkeit

nachts bzw. in den frühen Morgenstunden eine Óberhitzung der Räume

an heißen Sommertagen nicht vermeiden.

Daß diese Ausführungen zutreffend sind

und insbesondere die Anforderungen der DIN 4108 II, wie der

Sachverständige überzeugend dargelegt hat, sich auf das "normale"

Bauen, also auf Gebäude mit üblichen Fensterflächenanteilen an der

Außenwand und nicht mit einer vollständig verglasten Fassade

beziehen, ist ohne weiteres nachvollziehbar und einleuchtend. Auch

im Gutachten der Sachverständigen T. und O. vom 29.9.1994 wird

darauf hingewiesen, daß die DIN 4108 nur Empfehlungen enthalte, die

Beurteilungskriterien relativ grob seien und nur erste Hinweise

ergäben (Anlage K 1, S.5; K 1 a, S. 1). Der im selbständigen

Beweisverfahren beauftragte Gutachter Prof. K. hat ebenfalls auf

die Vergröberungen in der DIN hingewiesen und auf die

Notwendigkeit, daß sich die Berechnungen daher auf der sicheren

Seite zu bewegen hätten, zudem darauf, daß die DIN nur für den

Regelfall gelte (Bl. 141 d. Beiakten). Auch der von der Beklagten

zu 1) beauftragte Sachverständige Prof. H., auf dessen Ausführungen

die Beklagten sich stützen, hat darauf hingewiesen, daß die DIN

bewußt nur Empfehlungen gebe, da nur wenig Erfahrungen vorlägen

(Bl. 65, 66 d.A.).

Soweit diese Sachverständigen dennoch

die Berechnungen der Beklagten zu 1) auf der Grundlage der DIN

rechnerisch nachvollzogen haben, beruht dies, soweit ersichtlich,

und wie der Sachverständige Prof. K. ausdrücklich ausgeführt hat

(Bl. 136 d. Beiakten), auf den Vorgaben durch die Beweisfragen.

b)

Selbst wenn man aber die Heranziehung

der DIN 4108 II zur Berechnung des erforderlichen Wärmeschutzes

nicht bereits im Ansatz für verfehlt hielte, stünde aufgrund der

insoweit überzeugenden Ausführungen der Sachverständigen Prof. K.

und T. und O. fest, daß die Berechnungen und Vorgaben der Beklagten

zu 1), insbesondere der von ihr vorgegebene Wert des

Abminderungsfaktors z 0,3125 ausgehend von einem

Gesamtenergiedurchlaß von 0,25, nicht zutreffend waren. Vielmehr

hätte nach der DIN der Gesamtenergiedurchlaßwert kleiner als 0,14

sein müssen, da eine erhöhte natürliche Belüftung nicht vorlag.

aa)

Tatsächlich ist eine nächtliche oder

frühmorgendliche Belüftung in dem Bürogebäude nämlich nicht mit

zumutbarem Aufwand durchführbar, wie dies bereits nach der DIN bei

Bürogebäuden in der Regel anzunehmen ist. Abgesehen davon, daß

hiergegen Sicherheitsaspekte sprechen, insbesondere nachvollziehbar

ist, daß die sicherheitstechnischen Einrichtungen ein Öffnen der

Fenster zum Dauerlüften außerhalb der Dienstzeiten nicht zulassen,

ist auch nicht ersichtlich, daß es der Klägerin möglich und

zumutbar wäre, etwa den Hausmeister dazu zu verpflichten, sämtliche

Fenster nachts oder in den frühen Morgenstunden vor Dienstbeginn zu

öffnen.

Davon abgesehen wäre zur hinreichenden

Entleerung der Speichermassen im Gebäude und entsprechenden

Abkühlung, wie der Sachverständige N. überzeugend ausgeführt hat,

auch eine Querlüftung erforderlich, die schon aufgrund der

Feuerschutztüren nicht möglich bzw. nicht zulässig wäre.

bb)

Auch eine entsprechende Vereinbarung

mit der Klägerin über die Einstufung des Gebäudes als erhöht

natürlich belüftbar und damit über die nächtliche bzw.

frühmorgendliche Lüftung ist nicht ersichtlich. Insbesondere aus

den Aussagen der Zeugen G. und F. in erster Instanz ergibt sich

eine solche Vereinbarung nicht. Nach der Aussage des seinerzeit bie

der Bundesbaudirektion der Klägerin bschäftigten Zeugen G. ist

diese Frage nicht "reflektiert worden". Auf das Fax der Beklagten

zu 1) vom 6.3.1991 hin, in dem der Begriff der "erhöhten

natürlichen Belüftung" genannt worden sei, habe er keine Probleme

gesehen. Demgegenüber hat der für die Beklagte zu 1) tätige Zeuge

F. bekundet, er habe schon gesagt, daß die Organisation so sein

müsse, daß Fenster auch geöffnet werden könnten und tatsächlich

auch geöffnet würden und das "vor allem" nachts oder in den frühen

Morgenstunden. Aus diesen Aussagen ergibt sich, daß zumindest nicht

mit der hinreichenden Klarheit durch die fachkundige, als

Sonderfachmann beauftragte Beklagte zu 1) bzw. deren Mitarbeiter F.

darauf hingewiesen worden ist, daß es von ganz entscheidender

Bedeutung war, ob die Klägerin organisatorisch sicherstellen

konnte, daß eine längere Lüftung nachts oder am frühen Morgen

stattfinden konnte und daß von der Klägerin hierüber eine

verbindliche Entscheidung verlangt wurde. Angesichts der Bedeutung

dieses Aspektes hätte die Beklagte zu 1) dies mit allen

Konsequenzen darstellen und nachfragen müssen, ob und wie denn in

dem Bürogebäude eine solche Belüftung - anders als im Regelfall bei

Bürogebäuden - stattfinden könne. Sie hätte darauf hinweisen

müssen, daß hiermit der ausreichende Wärmeschutz stand und fiel.

Daß statt dessen dem Zeugen G. die Bedeutung dieses Punktes nicht

klar gemacht worden ist, ergibt sich aus dessen Aussage; eine

entsprechende hinreichende Aufklärung ist auch der Aussage des

Zeugen F. nicht zu entnehmen.

Aus diesem Grunde brauchten auch die

Mitarbeiter der Klägerin die Óbersendung des Faxes vom 6.3.1991

nicht in dem Sinne zu verstehen, daß hiermit besondere

Anforderungen an ihre Organisation der Lüftung gestellt wurden.

cc)

Ausgehend von dem sich bei Fehlen einer

erhöhten natürlichen Belüftung aus der DIN ergebenden

Gesamtenergiedurchlaßwert von 0,14 waren die Berechnungen der

Beklagten, die von einem Wert von 0,25 ausgingen, nicht richtig.

Selbst wenn man von einer 100 %igen Verschattung ausginge, die

aufgrund der seitlichen Schlitze zwischen den einzelnen Bahnen der

Markisen der Planung gerade nicht entspräche, wäre nach den

Ausführungen der Sachverständigen T. und O. von einem Wert von

0,144 auszugehen (z=0,18 x 0,8), nach dem Gutachten des

Sachverständigen Prof. K. von einem Wert von 0,16. Demgegenüber

sind die Ausführungen des Sachverständigen Prof. H. in seinem

Gutachten, bei Ausführung des Sonnenschutzes gemäß Planung, nämlich

geschoßhoch, seien Werte von 0,09 bzw. 0,11 zugrundezulegen, nicht

nachvollziehbar. Soweit dem Vorbringen der Beklagten zu entnehmen,

war jedenfalls eine geschoßhohe und auch seitlich vollständig

geschlossene Abdeckung nicht geplant; die Beklagten haben nur den

Einstellwinkel der Markise beanstandet.

dd)

Selbst wenn im übrigen als

Ausgangspunkt die Werte der DIN zugrundegelegt werden könnten,

bedürften diese, wie sich ohne weiteres aus der Besonderheit der

Glasfassade und der Anwendbarkeit der DIN auf den Regelfall ergibt,

zumindest einer deutlichen Korrektur durch Einrechnen einer

Sicherheitsspanne. Daß die in der DIN zugrundegelegten Werte, die

ohnehin nach den Darstellungen aller Sachverständiger nur relativ

grobe Empfehlungen geben können, exakte Berechnungen im

vorliegenden Fall nicht zulassen, liegt auf der Hand.

ee)

Das gleiche gilt hinsichtlich des

Ausgangspunktes "leichte/schwere Bauweise" der DIN. Unabhängig

davon, wie das Gebäude letztlich zu qualifizieren ist, steht

jedenfalls aufgrund der überzeugenden Ausführungen des

Sachverständigen N. fest, daß aufgrund der Akustikdecke, des

Bodenbelags und der an den Wänden stehenden Schränke keine

uneingeschränkte Wärmeaufnahme und Speicherfähigkeit der Wände

bestand. Auch dies hätte, wenn die Empfehlungen der DIN als

Ausgangspunkt anwendbar wären, durch entsprechende

Sicherheitsspannen berücksichtigt werden müssen.

2.

Aus diesen Umständen folgt, wie der

Sachverständige N. gleichfalls überzeugend dargelegt hat, daß bei

längeren Wärmeperioden die Temperaturen im Inneren des Gebäudes

zwangsläufig nicht unwesentlich über die Außentemperaturen hinaus

ansteigen können.

Dies zu verhindern ist, wie die DIN

4108 ausdrücklich formuliert, Zweck der in der DIN ausgesprochenen

Empfehlungen. Steht aber fest, daß die Vorgaben der DIN aufgrund

der Besonderheiten des Gebäudes mit seiner verglasten Fassade

jedenfalls deutlich überschritten werden müssen und sind diese

Vorgaben hier nicht einmal eingehalten, so muß es als

ausgeschlossen angesehen werden, daß durch die tatsächlichen

Wärmeschutzmaßnahmen der Zweck der DIN gleichwohl erreicht werden

kann. Wie dies möglich sein soll, haben die Beklagten weder

nachvollziehbar und plausibel dargelegt noch ist dies sonst

ersichtlich. Die Durchführung von konkreten Messungen ist daher

nicht erforderlich. Die Meßergebnisse, auf die die Beklagten sich

beziehen, sind schon nach den äußeren Bedingungen, insbesondere

nach Art, Umfang und Zeit der Lüftungen, Standort des Meßgeräts

etc., nicht hinreichend nachvollziehbar. Fest steht jedenfalls, daß

ohne längere nächtliche oder frühmorgendliche Lüftung ein

hinreichender Abzug der im Gebäude gespeicherten Wärme nicht

möglich ist, so daß sich das Gebäude zwangsläufig bei einer Folge

mehrerer heißer Tage über die Außentemperaturen hinaus

aufheizt.

3.

Dies stellt einen Mangel des Gebäudes

dar.

Der Zweck der DIN, die die Beklagte zu

1) herangezogen hat und auf den sie ausdrücklich hingewiesen hat,

ist es, ein Ansteigen der Innentemperaturen über die

Außentemperaturen hinaus zu vermeiden.

Soweit die Beklagte zu 1) meint, sie

habe aus der vorgegebenen Planung des Gebäudes "das beste machen

sollen", widerspricht dies nicht nur den Vorgaben der DIN, die sie

sich selbst zueigen gemacht hat, hierfür gibt es auch keinerlei

Anhaltspunkte. Insbesondere gab es keinen Anlaß anzunehmen, daß die

Klägerin etwa aufgrund der architektonischen Besonderheiten des

Gebäudes geringere Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz

hätte stellen wollen.

Auch die Beklagte zu 2) hatte keinen

Anlaß, von geringeren Anforderungen auszugehen. Insbesondere war

ihr bekannt, daß die Beklagte zu 1) nach den Vorgaben der DIN und

damit entsprechend deren Zweck ihre Berechnungen anstellte.

Es kann auch nicht davon ausgegangen

werden, daß die übermäßige Erwärmung sich auf einige wenige Tage im

Sommer bezieht. Der diesjährige Sommer 1999 belegt das

Gegenteil.

4.

Für den Mangel des Bauwerks sind beide

Beklagte verantwortlich.

a)

Die Beklagte zu 1) war nach dem mit ihr

geschlossenen Vertrag nicht nur gemäß Ziffer 3.2.3 mit den

Grundleistungen für die vollständige Bearbeitung der HU-Bau,

sondern nach Ziffer 3.3.2 insbesondere mit dem Abstimmen des

geplanten Wärmeschutzes mit der Ausführungsplanung und Vergabe

beauftragt. Die in diesem Zusammenhang erbrachten Leistungen der

Beklagten waren fehlerhaft, insbesondere die Vorgabe der Beklagten

zu 1) in ihrem Fax vom 6.3.1991, in dem sie einen

Abminderungsfaktor von z o,3125 als ausreichend bezeichnet

hat.

Hierdurch hat die Beklagte zu 1) eine

eindeutige Vorgabe für die Ausführungsplanung gegeben, die, wie

ausgeführt, fehlerhaft war. Die Beklagte zu 1) hätte darauf

hinweisen müssen, daß die Werte der DIN, die ohnehin nur als

Empfehlungen ausgestaltet sind, nicht bzw. nicht ohne weiteres auf

ein Gebäude mit derart ungewöhnlichen Bedingungen anwendbar waren

und allein durch eine entsprechende Verschattung des Gebäudes ein

hinreichender Wärmeschutz nicht erreichbar war.

Dies mußte sich der Beklagten zu 1) als

Fachmann auf diesem Gebiet ohne weiteres erschließen. Sie hätte

auch ohne weiteres erkennen können, daß eine nächtliche bzw.

frühmorgendliche Lüftung ohne detaillierte Absprachen und

Aufklärung der Klägerin nicht als möglich zugrundegelegt werden

konnte.

b)

Auch die Beklagte zu 2) ist dafür

verantwortlich, daß die fehlerhaften Vorgaben der Beklagten zu 1)

in die Ausführungsplanung und Ausführung des Gebäudes Eingang

gefunden haben.

Nach dem mit ihr geschlossenen Vertrag

oblag der Beklagten zu 2) nicht nur die Bearbeitung der

Ausführungsunterlagen, sondern darüber hinaus auch wesentliche

Teile der Leistungsphasen 6,7 und 8 des § 15 HOAI.

Der Architekt, dem diese Aufgaben

übertragen sind, hat zwar die Vorgaben und Planungen des

Sonderfachmanns nur insoweit zu überprüfen, als deren Grundlagen in

sein Fachwissen als Architekt fallen (BGH NJW 97, 2173, 2174; OLG

Köln NJW-RR 94, 1110; OLG Köln BauR 88, 241, 244). Diese

Voraussetzungen sind im vorliegenden Fall aber erfüllt.

Auch der Beklagten zu 2) mußte aufgrund

ihrer Fachkenntnisse als Architekten klar sein, daß das Gebäude

aufgrund der nach Südwesten gerichteten Glasfassade gerade bei der

Bemessung des sommerlichen Wärmeschutzes besonders sensibel war.

Schon aus dem Inhalt der DIN 4108 selbst ergab sich, daß es sich

bei dieser Norm nur um eine Empfehlung handelte. Auch für die

Beklagte zu 2) mußte es auf der Hand liegen, daß die Empfehlungen

dieser DIN extreme Verhältnisse wie bei dem hier fraglichen Bau

nicht oder möglicherweise nicht berücksichtigten.

Aus der Óbersendung des Faxes der

Beklagten zu 1) vom 6.3.1991 an sie zur Kenntnis und der hierin

enthaltenen Angabe über die erhöhte natürliche Belüftung konnte die

Beklagte zu 2) jedenfalls nicht ohne weiteres entnehmen, daß dies

auf eine Absprache mit der Klägerin zurückging. Selbst bei

oberflächlicher Durchsicht der ihr zugänglich gemachten Unterlagen

mußte die Richtigkeit der Ausführungen der Beklagten zu 1) der

Beklagten zu 2) - auf der Basis des Kenntnisstandes eines

durchschnittlichen Architekten -zumindest so zweifelhaft

erscheinen, daß sie durch entsprechende Nachfragen hätte abklären

müssen, ob die Vorgaben gesichert und die besonders sensiblen

Verhältnisse des Gebäudes hinreichend berücksichtigt waren.

c)

Die Beklagten haften der Klägerin gemäß

§ 421 BGB als Gesamtschuldner.

Daß der Sonderplaner und der Architekt

für ihre jeweiligen Fehler, die zu einem Mangel des Gebäudes

geführt haben, dem Bauherrn gesamtschuldnerisch haften - wenn auch

ggfs. bei Anwendung der Bestimmungen der §§ 278, 254 BGB nur mit

einer Quote - ist einhellige Auffassung (vgl. Werner/Pastor, Der

Bauprozeß, 8. Aufl., Rn. 1999; Locher, Das private Baurecht, Rn.

291; Locher/Koeble/Frik, 7. Aufl., Einl. Rn. 130).

d)

Die Klägerin braucht sich kein

Mitverschulden anrechnen zu lassen.

aa)

ein Mitverschulden der Klägerin liegt

weder deshalb vor, weil die Klägerin über fachkundige Mitarbeiter

verfügte, noch weil sie selbst vor ca. 20 Jahren die sog.

KREV-Studie in Auftrag gegeben und sich hieraus etwa besondere

Erkenntnisse ergeben.

Auch der fachkundige Bauherr darf, wie

das Landgericht zutreffend ausgeführt hat, darauf vertrauen, daß

der von ihm beauftragte sachkundige Dritte sach- und fachgerecht

arbeitet. Die Beauftragung eines Fachmanns bringt zum Ausdruck, daß

der Auftraggeber seine Fachkenntnisse gerade nicht einbringen will.

Daß den Mitarbeitern der Klägerin etwa ohne eigene Prüfung die

Fehlerhaftigkeit der Planungsvorgaben erkennbar war oder sie diese

erkannt haben, ist nicht ersichtlich.

Daß den hier eingeschalteten

Mitarbeitern der Klägerin die vor immerhin 20 Jahren eingeholte

KREV-Studie entweder nicht bekannt war oder sie deren Inhalt nicht

heranzogen, kann der Klägerin, die sich von einer eigenen Prüfung

durch die Beauftragung der Beklagten gerade entlasten wollte, nicht

als Mitverschulden vorgeworfen worden. Es war vielmehr Aufgabe der

von ihr beauftragten Fachleute, sich diese Kenntnisse selbst zu

verschaffen.

bb)

Die Klägerin braucht sich auch ein

Verhalten des Zeugen G. nicht als eigenes Verschulden zurechnen zu

lassen. Eine Verletzung von Obliegenheiten durch den Zeugen G. ist

nämlich nicht ersichtlich. Ohne entsprechende konkrete und

nachhaltige Hinweise durch die Beklagte zu 1), die nicht gegeben

wurden, brauchte er die Einzelfragen des Wärmeschutzes und

insbesondere die Frage der erhöhten natürlichen Belüftung weder zu

problematisieren noch selbst zu erkennen.

cc)

Schließlich braucht sich die Klägerin

auch weder das Verschulden der Beklagten zu 1) als Sonderfachmann

im Verhältnis zur Beklagten zu 2) noch das Verschulden der

Beklagten zu 2) bei einer Inanspruchnahme der Beklagten zu 1) gemäß

§§ 254, 278 BGB anrechnen zu lassen. Weder die Beklagte zu 1) noch

die Beklagte zu 2) waren nämlich Erfüllungsgehilfe der Klägerin im

Verhältnis zur jeweils anderen Beklagten.

Nach der Rechtsprechung des BGH (BauR

1971, 265, 269) haften Statiker und Architekt, die für den gleichen

Mangel verantwortlich sind, in voller Höhe gesamtschuldnerisch,

ohne sich auf den fehlerhaften Beitrag des jeweils anderen

haftungsmindernd berufen zu können. Diese Rechtsprechung ist auch

auf die Haftung des Sonderfachmanns und des Architekten anzuwenden

(vgl. Werner/Pastor, Der Bauprozeß, 8. Aufl. Rn 2465).

Demgegenüber ist nach der

Rechtsprechung mehrerer Oberlandesgerichte und einer teilweise im

Schrifttum vertretenen Auffassung (vgl. zum Meinungsstand

Werner/Pastor aa0 Rn 1983) sowohl der Architekt als auch der

Statiker bzw. Sonderfachmann Erfüllungsgehilfe des Bauherrn.

Der Senat ist der Auffassung, daß weder

der Sonderfachmann noch der Architekt Erfüllungshilfen des Bauherrn

sind.

Erfüllungshilfe des Bauherrn kann nur

sein, wer im Verhältnis zu dem jeweiligen Vertragspartner des

Bauherrn im Pflichtenkreis des Bauherrn, und zwar im Rahmen von

Verpflichtungen, die dem jeweils anderen Vertragspartner gegenüber

bestehen, tätig ist (vgl. hierzu OLG Köln NJW-RR 1997, 597,

598).

Der Architekt, der die Leistungen des

Sonderfachmanns entgegennimmt und verwertet, ist aber nicht dem

Sonderfachmann gegenüber im Pflichtenkreis des Bauherrn tätig. Dem

Bauherrn obliegt gegenüber dem Sonderfachmann nicht die

Verpflichtung, dessen Leistungen mit dem Sachverstand eines

Architekten zu überprüfen. Der Architekt, der trotz entsprechenden

Fachwissens einen Fehler des Sonderfachmanns nicht erkennt,

verletzt daher nicht eine dem Bauherrn diesem gegenüber obliegende

Verpflichtung.

Auch der Sonderfachmann wird im

Verhältnis zum planenden und bauleitenden Architekten nicht im

Pflichtenkreis des Bauherrn diesem gegenüber tätig. Wie ausgeführt,

kommt eine Haftung des Architekten ohnehin nur in Betracht, wenn

der durch den Fehler des Sonderfachmanns betroffene Bereich dem

Wissensstand eines Architekten zuzurechnen ist. In diesem, das

allgemeine Fachwissen des Architekten betreffenden Bereich, wird

aber der Sonderfachmann gerade nicht im Pflichtenkreis des Bauherrn

tätig. Dieser schuldet dem Architekten, den er mit der fachkundigen

Architektenleistung beauftragt hat, gerade keine fehlerfreie

Leistung des Sonderfachmanns im allgemeinen Wissensbereich des

Architekten. Dieses Wissen einzusetzen und zu verwerten, hat der

Bauherr gerade den Architekten beauftragt.

6.

Die Klägerin kann daher von beiden

Beklagten als Gesamtschuldnern Ersatz der Kosten der

Sonnenschutzverglasung und der Einholung des Gutachtens der

Sachverständigen T. und O. zur Ursache des Mangels und zur Art der

Beseitigung verlangen.

a)

Zwar genügt nach den Ausführungen des

Sachverständigen N. die Anbringung des Sonnenschutzglases zur

Beseitigung des Mangels nicht. Sie hat aber jedenfalls auch nach

Auffassung dieses Sachverständigen zur Verbesserung des

Wärmeschutzes beigetragen. Diese Maßnahme war daher jedenfalls zur

Verringerung des Schadens angemessen und geeignet.

Darüberhinaus durfte die Klägerin die

getätigten Aufwendungen aber auch deshalb für erforderlich halten,

weil die Sachverständigen T. und O. ebenso wie der Sachverständige

Prof. K. diese Maßnahme als richtig und ausreichend bezeichnet

hatten. Die Beklagten, denen diese Gutachten vorlagen, haben zu

keiner Zeit vor Erstattung des Gutachtens des Sachverständigen

Prof. N. geltend gemacht, daß der Einbau des Sonnenschutzglases zur

Verbesserung des Wärmeschutzes nicht ausreichend sei. Die von der

Klägerin getätigten Aufwendungen hierfür sind daher adäquate Folge

des von den Beklagten zu verantwortenden Mangels.

b)

Auch die Aufwendungen für das

außergerichtliche Sachverständigengutachten durfte die Klägerin zur

Klärung des Mangels und dessen Beseitigung für erforderlich halten.

Der Senat nimmt insoweit Bezug auf die Ausführungen des

erstinstanzlichen Urteils, gegen die die Beklagten sich nicht

gewendet haben.

II.

Der sich unter dem Gesichtspunkt des

Verzuges gemäß §§ 284, 285, 286 BGB ergebende Zinsanspruch der

Klägerin ist nur in dem aus dem Tenor des Urteils ersichtlichen

Umfang begründet.

Soweit die Beklagten trotz Vorlage des

Rundschreibens des Bundesministeriums der Finanzen vom 28.8.1998

den Zinsanspruch nach Grund und Höhe bestritten haben, haben sie

nicht behauptet, der Inhalt dieses Rundschreibens sei etwa

unrichtig. Hierfür bestehen auch keinerlei Anhaltspunkte.

B. Berufung der Klägerin

I.

Die Klage auf Feststellung, daß die

Beklagten zum Ersatz allen weiteren Schadens verpflichtet sind, ist

begründet.

1.

Die Feststellungsklage ist

zulässig.

Daß der Mangel durch den Austausch des

Fensterglases gegen Sonnenschutzglas möglicherweise nicht

vollständig behoben ist, ist der Klägerin erst durch das Gutachten

des Sachverständigen Prof. N. vom 11.12.1997 bekannt geworden. Den

Feststellungsantrag hat sie sodann mit Schriftsatz vom 4.2.1998

angekündigt, das Urteil des Landgericht ist aufgrund der mündlichen

Verhandlung vom 19.11.1998 ergangen.

Die Erhebung einer Leistungsklage war

der Klägerin bis zur letzten mündlichen Verhandlung in erster

Instanz nicht zumutbar. Welche Maßnahmen zur Mängelbeseitigung

erforderlich und ausreichend waren, bedurfte angesichts der

Ausführungen des Sachverständigen Prof. N. einer eingehenden und

exakten Planung. Dabei brauchte die Klägerin sich nicht etwa sofort

für den Einbau einer Klimaanlage, soweit dies überhaupt in dem

Verwaltungsgebäude zulässig wäre, zu entscheiden. In Betracht kamen

vielmehr nach dem Gutachten des Sachverständigen eine Vielzahl

anderer Maßnahmen, die den derzeitigen Zustand verbessern konnten,

so etwa die Entfernung der Lochbleche auf den Reinigungsgängen vor

der Fassade und der Einbau von Lüftungsschlitzen oder bauliche

Veränderungen, die die Speicherfähigkeit der Räume zu verbessern

geeignet waren. Die Entscheidung, welche dieser Maßnahmen die

Klägerin treffen wollte, und die bereits hierfür erforderliche

Kostenermittlung konnten jedenfalls bis zum Abschluß der 1. Instanz

von der Klägerin nicht erwartet werden.

War danach die Feststellungsklage

jedenfalls bei ihrer Erhebung zulässig, war es weder unter

prozeßökonomischen Gesichtspunkten erforderlich noch der Klägerin

zumutbar, in zweiter Instanz zur Leistungsklage überzugehen (vgl.

hierzu: BGH NJW 84, 1552, 1554; OLG Köln BauR 88, 241). Angesichts

des Streits der Parteien über den Einfluß der jeweiligen

Komponenten auf den Wärmeschutz war jedenfalls nicht zu erwarten,

daß über die Berechtigung und Höhe etwaiger weiterer Ansprüche der

Klägerin ohne Durchführung einer Beweisaufnahme entschieden werden

konnte. Darüberhinaus wäre den Parteien durch die Erhebung der

Leistungsklage in zweiter Instanz eine Tatsacheninstanz verloren

gegangen. Schließlich ist der Klägerin aber auch derzeit angesichts

der fortdauernden erheblichen Schwierigkeiten der nachträglichen

Schaffung eines ausreichenden Wärmeschutzes eine abschließende

Entscheidung über die zu treffenden Maßnahmen und Berechnung der

Kosten noch nicht zumutbar.

2.

Die Feststellungsklage ist auch

begründet.

Für die Erhebung einer

Schadensersatzfeststellungsklage ist nicht der Nachweis des

Bestehens oder künftigen Entstehens weiterer Schäden erforderlich.

Es genügt vielmehr, wenn weitere als die geltend gemachten

Schadensfolgen entfernt möglich sind, mag ihre Art und ihr Umfang,

sogar ihr Eintritt ungewiß sein (BGH BauR 91, 606, 611).

Nach den überzeugenden Ausführungen des

Sachverständigen Prof. N. ist das Entstehen weiterer Kosten zur

Beseitigung des Mangels nicht nur entfernt möglich, es steht

vielmehr fest, daß die bisherigen Mängelbeseitigungsmaßnahmen durch

Einsatz des Sonnenschutzglases für sich gesehen den Mangel nicht

beheben können. Dies beruht, wie der Sachverständige einleuchtend

dargelegt hat, insbesondere auf der zu geringen Speicherfähigkeit

der Räume und des fehlenden Wärmeabzugs durch nächtliches und

frühmorgendliches Lüften.

II.

Der Klägerin steht auch der geltend

gemachte Anspruch auf Ersatz ihrer eigenen Planungs- und

Aufsichtsleistungen beim Austausch des Fensterglases in Höhe des

fiktiven Architektenhonorars zu.

Zwar kann der Geschädigte nicht die

eigenen Arbeitleistungen zur Ermittlung und Feststellung des

Schadens ersetzt verlangen. Eigene Arbeitsleistungen zur

Beseitigung des Schadens, die einen Marktwert haben, kann der

Geschädigte hingegen erstattet verlangen (BGH NJW 1996, 921, 922

unter ausdrücklicher Bezugnahme auf das Schadensrecht).

Die Hinzuziehung eines Architekten wäre

vorliegend angesichts des Umfangs der Maßnahme an der

vollverglasten Fassade angemessen gewesen. Die Leistungen der

Klägerin haben auch einen Marktwert, der dem Honorar eines

Architekten für diese Leistungen entspricht. In dieser Höhe kann

die Klägerin daher von den Beklagten Ersatz verlangen.

Die Richtigkeit der in sich schlüssigen

Berechnungen der Klägerin haben die Beklagten nicht im einzelnen

angegriffen.

III.

Der Zinsanspruch ist nur in dem aus dem

Tenor ersichtlichen Umfang berechtigt. Insoweit kann auf die obigen

Ausführungen zur Berufung der Beklagten Bezug genommen werden.

C.

Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 92

II, 708 Nr. 10, 711 ZPO.

Die Schriftsätze des Beklagten zu 1)

vom 18.08.1999 und der Klägerin vom 10.09.1999 haben vorgelegen;

sie geben zu einer anderen Beurteilung keinen Anlaß.

Wert der Beschwer für die Beklagten:

über 60.000,- DM

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